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Samstag, 13. Juni 2015

Die Nacht der Nächte – die Sankt Antoniusnacht in Lissabon






In der Werbung, in der Musik und  in der Literatur wird uns Portugiesen oftmals suggeriert wie leicht das Leben doch ist.
Außerdem glauben wir hier das unsere Freunde stets für uns da sind und das wir immer einen guten Wein und einen guten Café zum trinken haben.
Auch glauben wir felsenfest, dass unsere „seleção“, unsere Fußballnationalmannschaft, jedes Turnier gewinnen kann und dass ein Volksfest ohne uns kein richtiges Volksfest ist.

Sicher, dies alles mag ja das ganze Jahr über reine Wunschvorstellung sein.
Aber spätestens in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni, wenn Lissabon ausgelassen die Sankt Antoniusnacht (port.: noite de Santo António) feiert und die Bürger der Stadt mit viel Musik und Tanz, bunten Umzügen, reichlich gutem Essen und Trinken diese besondere Nacht zum Tag machen, spätestens dann werden all diese Traumvorstellungen für uns Lissabonner Realität – und sei es mit Hilfe von Alkohol, viel Alkohol.

Das Lissabonner Stadtfest (port.: festas de Lisboa) findet im Rahmen der Feierlichkeiten für die drei Volksheiligen (port.: santos populares) – die drei Volksheiligen sind Santo António, São João und São Pedro –  den ganzen Monat Juni statt, erreicht aber am Vorabend des Sankt Antoniustag (port.: dia de Santo António), seinen Höhepunkt.

Gewidmet ist dieses Fest dem Heiligen Antonius, der einst in Lissabon geboren wurde, dann aber unter dem Namen „Antonius von Padua“ weltweit Berühmtheit erlangte.
Antonius, der Überlieferung nach ein wortgewaltiger Redner dem sogar die Fische zuhörten, ist Lissabons Schutzpatron.

Gestern feierten die Lissabonner, viele Zugereiste und Touristen, wieder eine fröhliche – teilweise auch feuchtfröhliche – Antoniusnacht und heute kann jeder den Stadtfeiertag ausgelassen genießen…

Schönen Feiertag!
Bom feriado!

Donnerstag, 4. Juni 2015

Das neue Stierkampfmuseum in der Arena von Lissabon



Die portugiesische Hauptstadt ist seit dieser Woche um ein Museum reicher!
Nachdem letzten Monat der Neubau des Kutschenmuseums (port.: Museu dos Coches) im Stadtteil Belém der Öffentlichkeit übergeben wurde, ist jetzt im Stadtteil Campo Pequeno das neue Stierkampfmuseum (port.: Museu Tauromáquico do Campo Pequeno) eröffnet worden.

Das neue Museum befindet sich im zweiten Stockwerk der arabisierten Stierkampfarena (port.: praça de touros) Lissabons, unweit des Haupteingangs.
In fünf neu renovierten Ausstellungsräumen versucht das Museum einem breiten Publikum die jahrhunderte alte Tradition und die Kunst des portugiesischen Stierkampfes (port.: tourada) – der sich wesentlich vom spanischen Stierkampf unterscheidet – näher zu bringen.

Im ersten Ausstellungsraum, dem Hauptsaal, wird die Geschichte und das kulturelle Erbe des Stierkampfes in Portugal anhand von über 400 Stierkampfutensilien, Bekleidungsstücken, Gemälden, Fotografien, Grafiken und alten Plakaten erzählt.
Die „tourada“ war und ist ein buntes, farbenprächtiges, ritualisiertes Schauspiel, in das sich das Publikum für gewöhnlich integriert, das aber nicht jedermanns Sache ist.

Der nachfolgende Ausstellungsbereich widmet sich der Geschichte und den Geschichten der imposanten Lissabonner Stierkampfarena. Die Arena wurde 1892 erbaut und ist mit 10.000 Sitzplätzen die größte des Landes.
In diesem Raum sind zahlreiche Erinnerungsstücke von berühmten Stierkämpfern, wie z.B. António Ribeiro Telles, Joaquim Bastinhas oder dem berühmten Simão da Veiga, ausgestellt.

Im dritten Raum werden die „forcados“ thematisiert, eines der wichtigsten und typischsten Bestandteile des portugiesischen Stierkampfes. Als „forcados“ wird die Gruppe junger Männer bezeichnet, die am Ende eines jeden Stierkampfes in Teamarbeit versucht den Stier in der Arena „bei den Hörnern zu packen“ und ihn so festzuhalten.

Der vierte Ausstellungsraum widmet sich ausschließlich dem Hauptakteur eines jeden Stierkampfes, dem Kampfstier (port.: touro).
Eindrucksvoll wird hier der Ursprung, das Aussehen, die Aufzucht und das Verbreitungsgebiet dieser besonderen Rinderrasse anhand von zahlreichen Bildern und Ausstellungsobjekten dokumentiert. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet man hier historischen Kampfstieren, die einst in der Arena von Lissabon Geschichte machten.

Im fünften und letzten Ausstellungsraum ist ein Multimediasaal eingerichtet, in dem verschiedene Animationen und Videoaufnahmen den Stier und den Stierkampf filmisch zum Thema machen.

Das neu eröffnete Stierkampfmuseum ist mit nur 3,00 Euro Eintritt eines der billigsten in Lissabon. Verbindet man den Besuch des neuen Museums mit einer Besichtigung der im preudo-arabischen Stil erbauten Arena, so beträgt der Preis 5,00 Euro.

Dienstag, 2. Juni 2015

Ohne Sardinen – keine Santos populares – kein Volksfest!


Nun ist er endlich da, der Monat Juni, der hierzulande der „Monat der Volksheiligen“ (port.: „mês dos Santos populares“) genannt wird.
Als Volksheilige werden die drei Heiligen Santo António (dt.: Heiliger Anton), São João (dt.: Sankt Johann) und São Pedro (dt.: Sankt Peter) bezeichnet.
Traditionell ist der Juni der Monat, indem hier in Portugal landauf landab viele kirchliche Zeremonien, Prozessionen, Wallfahrten und Volksfeste stattfinden. Vor allem in Lissabon (Santo António), in der nordportugiesischen Metropole Porto (São João) und in vielen Städten der Algarve (São Pedro) wird dieser Monat mit viel Belustigungen, Umzügen, Tanz, Gesang, Brauchtum, gutem Essen und Trinken gefeiert.

Festschmaus der landesweit stattfindenden Feste sind traditionell gegrillte Sardinien (port.: sardinhas assadas).
Was die Weißwürste für München, das Eisbein für Berlin und die gekochten Rippchen für Frankfurt sind, sind ohne Zweifel die Sardinen für Lissabon und Porto in der Volksfestzeit.

Sardinen sind das Symbol, das Wahrzeichen des feiernden Portugals – ein Wahrzeichen das langsam in den Meeren Portugals selten wird.
Um es deutlicher zu sagen, dieser hier so beliebte Fisch droht regelrecht auszusterben!

Laut einer Schätzung des Instituto Português do Mar e da Atmosfera (dt.: Portugiesisches Institut des Meeres und der Atmosphäre), einem Institut welches die Aufgabe hat die Öffentlichkeit über Forschungsaktivitäten und Expertisen zu informieren und unabhängige Veröffentlichungen herauszubringen, werden dieses Jahr im Feiermonat Juni schätzungsweise nur ca. 2.000 t Sardinen von portugiesischen Trawlern aus dem Meer geholt werden.

2.000 t Sardinen entsprechen, so haben es einpaar kluge Köpfe ausgerechnet, schätzungsweise 35 Millionen Sardinen.
Da der Monat 30 Tage hat, heißt das mit anderen Worten, das etwas mehr als 1 Million dieser Fische diesen Monat hierzulande auf den Tisch kommen werden, das sind 48.000 Sardinen jede Stunde, 805 Sardinen pro Minute oder 13 Sardinen jede Sekunde.

Das mag jetzt einem unheimlich viel erscheinen, aber Tatsache ist, dass die Sardinenfischerei hierzulande jedes Jahr geringere Fangresultate aufweisen kann – dieses Jahr die kleinste Menge an Sardinen der letzten 75 Jahre überhaupt!

Vor 30 Jahren konnte Portugal gut 200.000 t Sardinen anlanden.
Vor zehn Jahren waren es dann, wegen jahrelanger Überfischung und immer stärker werdenden klimatischen Veränderungen, nur noch 100.000 t.
Während portugiesische Trawler im Jahre 2012 gut 32.000 t Sardinen aus dem Meer holten, waren es 2013 bereits nur noch 28.000 t und 2014 gar nur noch 16.000 t, d.h. in zwei Jahren hat sich die Fangmenge um ganze 50% reduziert.
Für das Jahr 2015 ist eine Fangquote von lediglich nur noch 13.500 t vorgesehen, was den Preis dieses Fisches ins astronomische katapultiert hat.
Hat man letztes Jahr für ein Kilo Sardinen noch um die 3,50 Euro bezahlt, so wird man dieses Jahr wohl bereits gut 5,00 Euro für das Kilo hinblättern müssen.

Nichtsdestotrotz sind die meisten Portugiesen weiterhin bereit Sardinen zu kaufen, auch wenn diese fast unerschwinglich geworden sind.
Denn jeder Portugiese ist sich über eines im Klaren:

ohne Sardinen – keine Santos populares – kein Volksfest!

Freitag, 22. Oktober 2010

Begegnungstagung 2010






In diesem Jahr fand die Tagung der vier Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal, vom 15. - 17. Oktober 2010, auf der Blumeninsel Madeira statt.
Alle Gemeindemitglieder und Freunde der Gemeinden aus Lissabon, Porto, der Algarve und aus Madeira waren herzlich eingeladen an dieser Begegnungstagung teilzunehmen.
Und viele, Sage und Schreibe über 50 Personen, nahmen an diesem Treffen teil, welches unter der theologischen und seelsorgerlichen Leitung von Herrn Bischof Dr. Martin Hein aus Kassel, Kurhessen-Waldeck, stand.

Seit nun mehr 1993 treffen sich die vier deutsch-evangelischen Gemeinden Portugals alljährlich, um die Verbindung zwischen den einzelnen Gemeinden und ihren Mitgliedern zu einander zu stärken, und auch um neue Anregungen für das Gemeindeleben aus der alten Heimat Deutschland zu erhalten.

Das Thema der diesjährigen Begegnungstagung lautete: „Worauf kann ich mich verlassen?“, und hatte die Tragfähigkeit des christlichen Glaubens, angesichts der Erfahrung von Krisen, als Basis.
Entstanden ist dieses Thema aus der bestehenden Spannung zwischen Spiritualität und Alltag in diesem krisen- und katastrophenreichen Jahr 2010.

Die Tagung begann am Freitagmittag, mit einer Begrüßung und einer Andacht von Frau Pastorin Ilse E. Berardo.
Nach einer kurzen Vorstellung, bei der die einzelnen Tagungsmitglieder Gelegenheit hatten sich besser kennen zulernen, wurde danach bei Familie Berardo zu Abend gegessen, und nach diesem, der erste Tagungstag abgeschlossen.

Am Samstag begann der Morgen mit einer kurzen Andacht.
In Gesprächskreisen und nach einem sehr interessanten Referat von Bischof Dr. Hein wurde dann das Motto des Treffens „Worauf kann ich mich verlassen?“ in Angriff genommen. Hierbei kamen interessante und sehr informative Gespräche zustande, die den ganzen Nachmittag dauerten.
Der Abend endete mit einem gemeinsamen Abendessen in einem typisch madeirensischen Restaurant.

Am Sonntagmorgen wurde aus den Tagungsmitgliedern eine Reisegruppe, denn mit einem Reisebus ging es aus Funchal hinaus, nach Câmara de Lobos, bis hinauf nach Curral das Freiras, mitten ins Gebirge.
Dort, in Curral das Freiras, nahmen wir einen kleinen Imbiss zu uns und reisten dann wieder, auf für uns Festlandbewohner recht abenteuerlichen Straßen, zurück nach Funchal.
Mit einem Festgottesdienst in der Schottischen Kirche von Funchal (die Deutsche Evangelische Kirche Madeiras hat kein eigenes Kirchengebäude), welches Bischof Dr. Hein zusammen mit Frau Pastorin Berardo hielt, ging das diesjährige Begegnungstreffen der vier Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal zu Ende.

Es war eine erfahrungsreiche, interessante und sehr gastfreundliche Tagung, die wunderbar von Frau Pastorin Ilse E. Berardo und ihrer ganzen Gemeinde organisiert worden ist.

Die Begegnungstagung 2010 auf Madeira ist nun Geschichte.
Auf Wiedersehen 2011 in Porto!

Dienstag, 20. Juli 2010

Schönen Urlaub






Mit diesen „erfrischenden“ Bildern aus Lissabon und seinem Hausstrand Caparica möchte ich allen Lesern und Leserinnen von Planet Portugal, einen schönen Sommer wünschen und einen tollen Urlaub.
Viele werden wegfahren, Freunde besuchen, ausspannen oder zuhause bleiben und es sich auf Balkonia und Terrasia gemütlich machen.

Ich selber werde erst im Herbst in Urlaub fliegen, was bedeutet, dass Planet Portugal keinen Urlaub machen wird und sie weiterhin mit dem einen oder anderen Bericht unterhalten wird.

All meinen Lesern und Leserinnen wünsche ich auf diesem Wege einen schönen und erholsamen Urlaub.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Sardinhada






Vor ein paar Tagen war ich zu einer „sardinhada“, in der Nähe von Abrantes, eingeladen.
Waltraut, eine liebe Freundin, hatte auf ihrer Quinta ein paar Leute um sich versammelt.

Was dem Amerikaner sein „Barbecue“, dem Brasilianer sein „churrasco“ und dem Deutschen seine „Grillparty“ ist, das ist für uns Portugiesen die „sardinhada“.
Aber im Gegensatz zum Barbecue, zum churrasco und zur Grillparty, wo überwiegend gegrilltes Fleisch oder Würstchen auf dem Grillrost liegen, spielt bei der sardinhada ein einziger Fisch die Hauptrolle.

Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich hierbei um die Sardine. Sardinhada heißt nichts anderes als „gegrillte Sardinen“.
Nur mit Salz gewürzt, werden die Sardinen, ohne ausgenommen worden zu sein, fein säuberlich nebeneinander auf den Grillrost gelegt und dann von beiden Seiten leicht bräunlich gegrillt.

Man kann sie dann direkt vom Grill auf ein Stück Brot (Brot – kein Brötchen!) legen und verspeisen, oder man serviert die Sardinen mit Pellkartoffeln und einem Salat.
Mit einem guten Rotwein wird dann das ganze „runtergespült“.
Was früher ein Arme-Leute-Essen war, ist heute teilweise ein teurer Spaß.
Denn die Sardinenschwärme werden, durch die weltweit starke Überfischung, von Jahr zu Jahr immer weniger, und treiben so den Preis dieses Fisches in die Höhe.

Zum Lissabonner Stadtfest, dem Sankt Antonius Fest (port.: Festas de Santo António) z.B., kann es vorkommen, dass die Sardinen in den Gassen der Altstadt mal zu einem Stückpreis von zwei Euro verkauft werden, was für einen Sterblichen absoluter Wucher ist.
Denn normalerweise kostet ein Kilo Sardinen nicht mehr als drei oder vier Euro, und das sind gut ein Dutzend Sardinen.

Nichtsdestotrotz, handelt es sich bei einer sardinhada um eines der typischsten portugiesischen kulinarischen Erlebnisse.
Sollten sie jemals zu einer sardinhada eingeladen werden, lassen sie sich diesen Schmaus und dieses Gemeinschaftsgefühl nicht entgehen!

Montag, 8. Februar 2010

Das Treppenhaus der Hemerothek




In meinem post „Die Hemerothek von Lissabon“ (port.: A hemeroteca de Lisboa), vom 26. Januar 2010, erwähne ich unter anderem das Treppenhaus, und da vor allem das Treppengeländer, welches die Eingangshalle der Hemerothek mit dem ersten Stockwerk verbindet.

Eine Hemerothek (port.: hemeroteca / gr.: heméra théke) ist eine Sammlung verschiedenster Tageszeitungen und Zeitschriften.
Die Hemerothek von Lissabon ist das nationale Archiv aller der im letzten Jahrhundert in Portugal erschienenen Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften.

Sowohl die Wände des Treppenhauses als auch die Treppenstufen der Hemerothek sind aus reinem, rosafarbenem Marmor.
Dieser Marmor wurde ursprünglich in den Marmorsteinbrüchen der Serra da Arrábida, in der Regionm von Sesimbra, gebrochen.

Aber das Highlight des Treppenhauses ist wohl das Treppengeländer.
Bestehend aus reinem Brasilholz (port.: Pau do Brasil), führt er rechtsseitig vom Erdgeschoß in die erste Etage.
Im Erdgeschoß nimmt das Geländer, origineller Weise, im Maul eines Löwen seinen Anfang.
Der Löwe selbst wird von einem Drachen umschlungen.
Diese, aus hellem Marmor gehauene Figur, ist wohl eines der schönsten die ich kenne.
Überhaupt ist das Treppengeländer wohl eines der originellsten die ich jemals gesehen habe; und ich habe weiß Gott schon viele Treppenhäuser in meinem Leben gesehen.

Die Hemerothek befindet sich in der Rua de São Pedro de Alcântara, genau gegenüber der Igreja de São Roque.

Donnerstag, 21. Januar 2010

„Es war das Ende der Welt...“


„Gegen zehn Uhr morgens spürte ich ein leichtes Zittern, begleitet von einem Rumoren, wie von zehn zu schnell gefahrenen Karren, die in der Gasse näher kommen. (...)
Das Zittern wurde stärker, ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, das Haus schien sich zu drehen, ich sah Risse in den Wänden, die tiefer und tiefer wurden. Verriegelte Türen sprangen aus den Angeln, ich hörte draußen Menschen schreien (...)
Ich hörte wie alle das Haus verließen. Ich zog mir eilig eine Jacke über. Während ich herunter gefallene Bücher aufhob, begann das Zittern und Rumoren erneut, diesmal um einiges stärker.
Ich ließ von meinem Vorhaben ab, griff nach meinem Hut und lief hinaus. Ich hatte viel Glück, denn das Haus hätte mich begraben können. Jetzt erst sah ich nämlich, wie sich unser Haus vor und zurück beugte, wie ein Schiffsmast im Sturm. Es war gespenstig (...)
Später sah ich, dass in der ganzen bemitleidenswerten Nachbarschaft keiner außer mir etwas Anständiges am Leibe trug (…).“

„Das Volk war durchdrungen von dem Gedanken, dies sei der Jüngste Tag. So taten sie in den Momenten zwischen den Erdstößen Frommes. Sie beteten und bekreuzigten sich mitten auf den Straßen. Männer wie Frauen murmelten Litaneien und riefen schreiend die Toten an. Bei jedem neuen Erdstoß sanken sie auf die Knie und flehten um Gnade (...).“

„Jetzt erst, wo ich umherirrte merkte ich, dass mein Bein verletzt war und ich aus den Augen blutete. Ich ging zurück in den Hof, wo meine Brüder waren. Gott sei Dank, sie lebten (…)! Andere liefen zum Fluss, ein Schiff zu erreichen. Sie wollten fort, fort aus dieser toten Stadt, doch dort sollte sie bald ein noch schlimmeres Schicksal treffen, denn das Meer kam in riesigen Wellen in die Stadt. Es war das Ende der Welt (…).“



Dies ist nicht etwa der Bericht eines Überlebenden des schrecklichen Erdbebens von Haiti, vom 12. Januar dieses Jahres.
Nein, es ist der Auszug aus einem Brief des englischen Kaufmanns und Handelsgesandten Thomas Chase, der im heutigen Stadtteil Lapa lebte, und der über das große Erdbeben vom 01. November 1755, hier in Lissabon berichtet.
Er schrieb diese Zeilen an seinen Bruder, der in London weilte, am 13. November 1755.

Aber auch wenn diese Zeilen schon über 254 Jahre alt sind, so sind sie so doch so erschreckend aktuell, als ob sie wirklich erst heute geschrieben worden wären.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Nachweihnachtlicher Lichtzauber






Weihnachten ist vorbei, und wir bereiten uns alle auf den nahenden Jahreswechsel 2009/2010 vor.

Dennoch sind die Straßen, Plätze und Einkaufscenter der Hauptstadt abends noch hell erleuchtet mit den tausenden von Lichterketten die die unterschiedlichsten Weihnachtsbeleuchtungen bilden, und die uns an Weihnachten zurückdenken lassen.

Als ich gestern, nach der Arbeit, noch durch das hell erstrahlte Bairro Alto in Lissabon gegangen bin, war ich von dem Lichtermeer fasziniert.

Ironischerweise ist mir die Weihnachtsbeleuchtung in der Vorweihnachtszeit, durch den ganzen Stress, gar nicht so richtig aufgefallen.

Erst jetzt nach Weihnachten, und nachdem meine Schwester mich auf diese Aufmerksam gemacht hat, habe ich angefangen die unterschiedlich beleuchteten Straßen und Plätze Lissabons zu bestaunen.

Ich werde mir vornehmen, nächstes Jahr zu Weihnachten, mit offeneren Augen durch die Straßen meiner Heimatstadt zu gehen…

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Mit Katrins Augen gesehen I: Lissabon bei Nacht






Die hier abgebildeten, exzellenten Nachtaufnahmen von Lissabon wurden im November von meiner Arbeitskollegin Katrin aus Berlin, bei ihrem letzten Besuch in Lissabon, gemacht, und mit ihrer Erlaubnis in diesen Blog reingesetzt.

- Die Lissabonner Burg „Castelo de São Jorge“ von der Praça da Figueira ausgesehen, mit dem Reiterdenkmal für König João IV im Vordergrund

- Der Aufzug „Elevador de Santa Justa“ in der Lissabonner Unterstadt Baixa

- Das Kloster „Mosteiro dos Jerónimos“ im Stadtteil Belém

- Das Rathaus von Lissabon „Câmara Municípal de Lisboa“

- Der Alte Bahnhof „Estação do Rossio“ im Stadtteil Baixa

Samstag, 19. Dezember 2009

Nicht immer verleiht Red Bull auch Flügel


Nun ist es also amtlich: Die portugiesische Ausgabe des „Red Bull Air Race“ wird zukünftig in Lissabon stattfinden, und nicht wie die letzten drei Jahre zuvor, im nördlichen Porto.

Die „Formel I der Lüfte“, wie die Flugshow auch genannt wird, wird also ab nächstem Jahr über den Tejo, zwischen der Torre de Belém und der Ponte 25 de Abril, in Lissabon in die Luft gehen und nicht mehr über den Douro, zwischen Porto und Gaia.

Wer sich nicht mit dem Wechsel der Flugshow in die Hauptstadt abfinden kann und will, sind die Bürger der Städte Porto und Gaia.

Rui Rio, der Bürgermeister von Porto, brachte es auf einen Nenner:

„Alles was außerhalb der Hauptstadt Erfolg hat wird sofort von ihr eingenommen.
Dieses Land kann sich nicht wirtschaftlich entwickeln, wenn alles in der Hauptstadt stattfindet.
Die Entscheidung, die Flugshow in Lissabon austragen zu lassen, ist nicht schön, nicht korrekt und nicht ehrbar.“

Nun, Lissabon ist weder eine Bank, noch ein Verein und auch kein Unternehmen.
Lissabon ist lediglich die Hauptstadt Portugals.
Und Porto ist ebenso keine Bank, kein Verein, kein Unternehmen. Porto ist lediglich eine Stadt in Portugal.
Trotz aller Rivalität zwischen den beiden Städten, die Eine wäre nichts ohne die Andere!
In all den Jahrhunderten hat trotz aller Unterschiede, die eine immer die andere Unterstützt.

Es war z.B. in Porto, wo sich die Kreuzritter des Nordens (unter ihnen auch viele Deutsche), die auf dem Weg nach Jerusalem waren, entschieden bis nach Lissabon zu marschieren, um die Stadt von den arabischen Mauren zu befreien.
Und es war in Lissabon, wo sich mehrmals die portugiesischen Truppen in Richtung Norden aufmachten, um Porto vor den spanischen Truppen zu retten.

Die eine, als auch die andere Metropole sind, trotz aller Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten, eines: Portugiesisch!

Als Lissabonner bin ich über die Vergabe des „Red Bull Air Races“ an meine Geburtstadt glücklich, und natürlich auch ein bisschen schadenfroh, so wie die Einwohner Portos drei Jahre lang schadenfroh waren, als die Flugshow noch in ihrer Stadt stattfand.

Als Portugiese aber bin ich, was den Wechsel von Porto nach Lissabon angeht, mit Rui Rio, dem Stadtoberhaupt von Porto, ganz und gar einer Meinung:
„Diese Entscheidung ist nicht schön, nicht korrekt und nicht ehrbar.“

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Der XIX. Iberoamerika-Gipfel in Lissabon / Estoril


Vom 30. November bis zum 01. Dezember 2009 fand hier in Lissabon und in Estoril der XIX. Iberoamerika-Gipfel statt.

Der Iberoamerika-Gipfel (port.: Cimeira Ibero-americana / span.: Cumbre Iberoamericana) ist ein Forum der Staats- und Regierungschefs von Portugal und Spanien und der portugiesisch und spanisch sprechenden Länder in Amerika.

Am diesjährigen Iberoamerika-Gipfel in Portugal nehmen die Staatschefs von 19 iberoamerikanischen Statten, sowie Portugal, Spanien und Andorra teil.
Diese Länder sind alle Mitglieder der so genannten Iberoamerikanischen Konferenz der Nationen (port.: Cobferência das Nações Ibero-americanas / span.: Conferencia Iberoamericana de naciones).

Ziel der Treffen im Rahmen der Konferenz und der jährlichen Gipfel ist es, über internationale Herausforderungen nachzudenken sowie die Kooperation, Koordination und Solidarität in Mittel- und Südamerika zu fördern.
Dieses Jahr beschäftigt sich der Gipfel vor allem mit der politischen Situation in Honduras, wo der abgesetzte Präsident Manuel Zelaya seit Wochen in der brasilianischen Botschaft im Exil lebt und der an diesem Sonntag neu gewählte Präsident Profirio Lobo erst einmal um seine Legitimität buhlen muss.
Aber auch die andauernde Weltwirtschaftskriese ist ein wichtiges Thema auf diesem Gipfel, genauso wie die bevorstehende Internationale Weltklimakonferenz im dänischen Kopenhagen am nächsten Wochenende und die drohende Kriegsgefahr zwischen den zwei Ländern Venezuela und Kolumbien.

Zum ersten Mal fand der Iberoamerika-Gipfel im Juli 1991 statt.
Damals trafen sich die Staatschefs zum I. Iberoamerika-Gipfel in Guadalajara, in Mexiko. Ziel war damals die Schaffung eines Forums für die Förderung eines gemeinsamen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Prozesses.

In Portugal, waren anlässlich des XIX. Gipfels die Staatsoberhäupter und Regierungschefs folgender Länder anwesend: Portugal, Spanien, Brasilien, Argentinien, Bolivien, Venezuela, Chile, Costa Rica, Panama, Mexiko, Dominikanische Republik, Kuba, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Peru, Paraguay, Uruguay und das kleine Andorra, welches seit 2004 ein Mitglied ist.

2007 beim XXVII. Iberoamerika-Gipfel in Santiago de Chile vor zwei Jahren, kam es zum Eklat, als der spanische König Juan Carlos dem andauernd provozierenden und pöbelnden Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez mit den Worten „Por qué no te callas?“ (dt.: „Warum hältst Du nicht deine Klappe?“) zum Schweigen brachte, als dieser ständig mit Zwischenrufen die Rede des spanischen Regierungschefs José Luis Rodriguez Zapatero unterbrach.

Nun, solche Szenen konnten sich nur schwer dieses Jahr hier in Lissabon und Estoril wiederholen, denn zur Schadenfreude vieler, blieb dieses Jahr Hugo Chávez zuhause in Caracas.
Wahrscheinlich weil er mit seinem Erzfeind Álvaro Uribe aus Kolumbien nicht zusammentreffen wollte.

Die Konferenz ging am Dienstag, dem 01.Dezember, einem der höchsten politischen Feiertage hier in Portugal, zu Ende.
An jedem 01. Dezember feiern wir Portugiesen nämlich jedes Jahr den „Dia da Restauração“, also den Unabhängigkeitstag von Spanien.

Normalerweise finden an diesem Tag immer an dem Lissabonner Platz „Praça dos Restauradores“ Militärparaden statt, werden viele Reden gehalten und Ehrenkränze niedergelegt.

Da sich dieses Jahr aber anlässlich des Iberoamerika-Gipfels der spanische König Juan Carlos in der Stadt aufhielt, wurde davon abgesehen die Paraden zu geben und die Reden zu halten.

Immerhin, es wurden einige Kränze niedergelegt und den Opfern der spanischen Willkür gedacht!

Hoffentlich hat sich Juan Carlos davon nicht gestört gefühlt...

Dienstag, 10. November 2009

Meisterstücke portugiesischer Konditorei






Wer jemals in einer portugiesischen „Pastelaria“ (dt.: Konditorei) oder einem guten „Café“ (dt.: Kaffehaus) war, weiß welche Vielfalt an Kuchen, Pastetchen, Torten und Gebäck man zur Auswahl hat.

Die Anzahl verschiedenster Süßspeisen und Teigwaren ist schier unbegrenzt. Jedes Haus hat die „Standartware“ und viele zusätzlich noch die Spezialitäten des Hauses. Das sind dann ganz speziell kreierte Teigwaren und Torten, die es nur in den jeweiligen Pastelarias zu kaufen gibt.

Was portugiesische Konditoren Betrifft, so brauchen sich diese nicht vor ihren ausländischen Kollegen, was ihre Handwerkskunst angeht, zu verstecken.
Im Gegenteil, viele Konditoren aus dem nahen und fernen Ausland kommen nach Portugal, um bei vielen portugiesischen Konditormeistern ihr Handwerk zu perfektionieren.

Torten aller Art, seien es Geburtstags-, Hochzeits- oder Thementorten, können portugiesische Konditoren exzellent herstellen.
Vor allem die Pastelaria Suiça und die Pastelaria Versailles in Lissabon sind berühmt für ihre ausgefallenen Torten.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo Torten sowohl im Ganzen als auch am Stück verkauft werden, werden hier in Portugal allerdings Torten generell immer im Ganzen verkauft!

Freitag, 30. Oktober 2009

Zwei Völker, ein Ziel


„Zwei Völker, ein Ziel“ („Dois póvos – um objectivo“) – mit diesem Slogan haben sich dieser Woche Portugal und Spanien bei der FIFA in Zürich (Schweiz) um die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2018 beworben.

Joseph Blatter nahm die Bewerbung Portugals und Spaniens mit den folgenden Worten an: „Portugal und Spanien verbindet eine gemeinsame Grenze und eine gemeinsame Geschichte, nämlich die Geschichte der Iberischen Halbinsel. Beide Nationen können im Fußball viel Leisten und Erreichen“.

Das sind wunderschöne Worte, doch die Realität sieht leider anders aus.
Denn die gemeinsame Grenze von der Blatter spricht trennt uns eher, als das sie uns verbindet (sonst wäre sie ja auch keine Grenze!) und wir haben auch keine gemeinsame Geschichte wie Herr Blatter meint, sondern höchstens gemeinsame Wurzeln, aber nie und nimmer eine gemeinsame Geschichte.

Kaum ist nun aber die gemeinsame Bewerbung für die Fußball-WM 2018 abgegeben, melden sich schon die ersten Kritiker.

Zehn Fußballstadien werden für die Austragung der Fußball-WM gebraucht.
Und da finanziell das Megaevent Fußball-WM zu 60% von Spanien und zu 40% von Portugal getragen werden soll, müsste es also gerechterweise sechs Austragungsorte auf spanischer Seite geben und vier auf portugiesischer Seite.

Doch, da Portugal nur drei Stadien hat, die den Ansprüchen der FIFA, was das Zuschauervolumen angeht, gerecht werden können (nur das Stadion Dragão in Porto und die Stadien José Alvalade und Luz-Benfica in Lissabon haben mehr als 60.000 Sitzplätze, so wie von der FIFA verlangt), soll sich Portugal, so die Spanier, mit nur drei Austragungsorten zufrieden geben, und Spanien dagegen mit sieben!

Die spanische Rechnung lautet also: Portugal beteiligt sich an der WM mit 40% der Finanzen, darf aber nur 30% der Selbigen austragen!

Doch da haben die Spanier die Rechung ohne die Portugiesen gemacht. Denn noch heute hat die portugiesische Regierung bestätigt, dass einem Umbau des ehemaligen EM-Stadions in der Algarve, zu einem WM-Stadion nichts im Wege steht.
Portugal will auf alle Fälle vier Austragungsorte vorweisen können, wenn Anfang nächstes Jahr, die Bewerbung in eine neue Phase tritt.

Eines ist aber auf alle Fälle klar:
Wenn eine gemeinsame Bewerbung schon mit solch einem Hickhack anfängt, dann wird es nur sehr schwer sein, die Mitkonkurrenten USA, Argentinien, Türkei, Australien und Japan aus dem Feld zu schlagen.

Im März nächsten Jahres, wenn offiziell bekannt gegeben wird, mit welchen Städten und Stadien sich Portugal und Spanien für die Fußball-WM 2018 bewerben, werden die zwei nationalen Fußballverbände hoffentlich zu mehr Harmonie gefunden haben, damit Herr Blatter wenigstens mit einem seiner Kommentare Recht behält: „Beide Nationen können (wenn sie wollen) im Fußball viel Leisten und Erreichen!“

Samstag, 10. Oktober 2009

Wer bin ich eigentlich?!?


Manchmal weiß ich nicht wer ich bin.
Nicht das ich Existenzängste hätte oder gar eine gespaltene Persönlichkeit.
Im Gegenteil: ich weiß sehr wohl, welchen Platz ich in dieser Gesellschaft einnehme.
Nur ist es so, dass ich heute, auf dem Nachhauseweg, nach einem Kaffee mit Arbeitskollegen, mir überlegt habe wer ich für Andere bin.

Für meinen Arzt z.B. bin ich der Patient.
In einem Restaurant bin ich der Gast.
In meiner Firma bin ich der Arbeitnehmer.
Für die, die mit mir arbeiten bin ich der Kollege.
Im Bus oder im Flieger bin ich der Passagier.
Bei der Post bin ich der Absender.
Im Supermarkt bin ich der Kunde.
Für das Finanzamt bin ich der Steuerzahler.
In der Wahlkabine bin ich der Wähler, für die Parteien gehöre ich zum Wahlvolk.
In Deutschland war ich der Ausländer, hier in Portugal bin ich der Deutsche.
Als Lissabonner bin ich Alfacinha, politisch der Monarchist.
Wenn ich reise bin ich der Tourist.
Wenn ich auf die Straße gehe bin ich der Fußgänger und werde ich dann von einem Auto überfahren, bin ich das Unfallopfer.
Im Krankenhaus bin ich dann der Patient.
Kaufe ich mir ein Buch bin ich Leser.
Höre ich Radio bin ich Hörer.
Schaue ich Fernseher oder gehe ich ins Kino bin ich der Zuschauer.
Beim Fußball bin ich der Fan.
Und sollte ich heute sterben, dann bin ich für viele nur der Verblichene, die Leiche, der Verstorbene und für manche sogar nur der Tote.

Aber für meine Freunde und Kollegen hoffe ich auf immer und ewig „der“ Angelo Paulo zu sein!

(Angelo Paulo, Oktober 2009)

Ich bin keiner Partei „angehörig“


Dieser Tage wurde ich gefragt, welcher Partei ich angehören würde.

Davon abgesehen, das ich diese Frage für etwas absurd halte (man achte bitte auf das Verb „gehören“) kommt es mir nicht in den Sinn, Mitglied in einem Verein (in diesem Fall einer Partei) zu sein, deren Anhänger meistens so viel Hirn und eigenen Willen haben, wie dressierte Affen.

Natürlich habe ich persönlich politische Sympathien, aber ich „gehöre“ keiner Partei an.
Ich bin da sehr eigen, und habe so meine persönliche Meinung.

Von Herzen her, bin ich absolut Monarchist.
Ich gehöre zu denen, die felsenfest der Meinung sind, dass eine farblose Republik, wie die aktuelle Portugiesische, nicht einer Institution, wie die der Monarchie, die über 700 Jahre lang in Portugal hervorragend funktioniert hat, das Wasser reichen kann.
Deshalb bin ich der festen Ansicht, dass das Beste was Portugal passieren könnte, die Wiedereinführung der Monarchie wäre!

Mit der jetzigen Republik, ihren Parteien, Politikern und Mitgliedern, habe ich so meine Probleme.
Ich kann Menschen, die keinen eigenen Willen haben und die keine eigene Meinung vertreten können, nicht verstehen.
Erst recht nicht wenn sie Politiker sind und eigentlich ein Beispiel für den Bürger sein sollten.

Erst dieser Woche traf der kommunistische Intellektuelle Carvalho da Silva, auf offener Straße, den sozialistischen Bürgermeister der Stadt Lissabon, António Costa, und sagte zu ihm, vor laufenden Kameras, er wäre ein enthusiastischster Anhänger von ihm, und er wünsche ihm für seine politische Zukunft alles gute.

Nun darf man nicht vergessen, dass wir uns hier in Portugal, am Ende eines Kommunalwahlkampfes befinden. Die Kommunalwahlen finden am morgigen Sonntag, dem 11. Oktober 2009, statt.
Und so eine spontane Äußerung, auf offener Straße und vor laufenden Kameras, kommt bei den Parteigenossen nicht gerade sehr gut an.

Also pfiffen die Kommunisten den Kameraden Carvalho da Silva zurück, und dieser musste tags drauf, wieder vor laufenden Kameras, sagen, er unterstütze natürlich den kommunistischen Kandidaten für das Bürgermeisteramt Lissabons, Ruben de Carvalho.

Ich weiß zwar nicht, was einen erwachsenen Mann dazu bewegt seine am Tag vorher freiwillig geäußerte Meinung, wieder zu widerrufen, obwohl er wirklich nicht an Amnesie leidet.
Aber um dem Zentralkomitee nicht zu missfallen, scheint selbst ein Intellektueller kein Problem darin zu sehen, seine Meinung zu revidieren.

Der Unterschied zu mir und Carvalho da Silva besteht ohne Zweifel also darin, dass er einer Partei „angehört“, ja dieser anscheinend sogar „hörig“ ist, und ich eben nicht.

Mir würde es nicht im Traum einfallen, mir von einer Partei vorschreiben zu lassen, welcher Meinung ich sein soll und welcher eben nicht.
Also belasse ich es dabei, bei den kommenden Wahlen mein Kreuzchen an der für mich richtigen Stelle zu machen, und überlasse es anderen sich parteipolitisch zu engagieren.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Rio 2016


In Ganzseitigen Zeitungsannoncen beglückwünschte dieses Wochenende die Stadt Lissabon ihre Partnerstadt Rio de Janeiro als die vom IOC (Internationales Olympisches Komitee) ausgewählte Stadt für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016.

In einer spannenden und emotionalen Wahl, setzte sich am letzten Freitag die brasilianische Metropole am Zuckerhut gegen die Städte Chicago (USA), Tokio (Japan) und Madrid (Spanien) als Austragungsort der übernächsten olympischen Sommerspiele durch.

Rio de Janeiro hatte sich schon für die Sommerspiele 1936 (verloren gegen Berlin), 2004 (verloren gegen Sydney) und 2012 (verloren gegen London) beworben.
Aber erst jetzt, für die Spiele 2016, konnte sich Rio gegen seine Konkurrenten durchsetzen.

Hier in Portugal ist die Freude, über die Wahl Rio de Janeiros als Austragungsort der Sommerspiele 2016, sehr groß.
Das liegt zum einen daran, dass es hier in Portugal eine große brasilianische Gemeinde gibt, und zweitens liegt es daran, das Rio de Janeiro wohl die portugiesischste aller Städte Brasiliens und Südamerikas ist.

Rio de Janeiro wurde am 01. März 1564 von Portugiesen gegründet.
Bevor die Stadt brasilianische Hauptstadt wurde, war sie von 1808 bis 1821 sogar portugiesische Hauptstadt.
Als nämlich 1807, die französischen Truppen Napoleons Portugal besetzten, floh der portugiesische König João VI mit der gesamten Krone nach Brasilien, und machte Rio de Janeiro de facto zur Hauptstadt Portugals.
Damals wurde, bis heute einmalig auf der Welt, eine europäische Nation von einer Kolonie aus, regiert!

Als der König wieder nach Portugal zurückkehrte, was er nur schweren Herzens tat, hinterließ er in Rio de Janeiro nicht nur eine von den Portugiesen gegründete und erbaute Stadt, sondern eine Stadt die bis heute ihre portugiesischen Wurzeln und ihre lusitanische Seele nicht verleugnen kann.

Und somit finden die übernächsten olympischen Sommerspiele zum Teil auch ein wenig in Portugal statt, und sei es nur dadurch, dass zum ersten Mal in der Geschichte Olympias, die Spiele in einem portugiesischsprachigen Land stattfinden werden.

Obwohl Barak Obama sich stark für „sein“ Chicago einsetzte, konnte er mit dem „Yes, we can“-Slogan diesmal keine Punkte machen.
Auch Tokio musste sich Rio geschlagen geben, denn hinter der Bewerbung Tokios waren zwar eine Menge Geld, aber wenig „spirit“ zu finden.
Als es dann nur noch um die Wahl zwischen Rio de Janeiro und Madrid ging, konnte es für mich als Portugiesen, nur einen Sieger geben.
Die Wahl Madrids zur Olympiastadt hätte ich persönlich nicht gerne gesehen!

Rio de Janeiro hat die Wahl mit 66 Stimmen gegen 32 Stimmen für Madrid gewonnen!
Nicht weil Brasilien eine große Sportnation oder gar eine sportliche Weltmacht ist (außer vielleicht beim Fußball) hat Rio de Janeiro gewonnen.
Nein Rio de Janeiro hat die Wahl gewonnen, weil die Stadt den IOC davon überzeugen konnte, dass von allen konkurrierenden Städten, sie die Jenige war, die Olympia am ehesten verdient hat.

Brasilien wird, innerhalb von nur zwei Jahren, mit der Veranstaltung der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2014 und den Olympischen Spielen 2016, die zwei wichtigsten sportlichen Ereignisse der Welt austragen.

Die Vergabe dieser zwei Sportereignisse sind eine Anerkennung der Welt an ein Volk und eine Stadt, die leider meistens nur negativ in den Schlagzeilen der Zeitungen und des Fernsehens zu finden sind, und denen man so die Gelegenheit gibt, auf die positivste Art und Weise der gesamten Menschheit zu beweisen, das in Brasilien alles, aber auch wirklich alles, möglich ist.

„Parabéns Rio de Janeiro, pela escolha para acolher os Jogos Olímpicos de Verão de 2016!“

Dienstag, 15. September 2009

Schuhputzer, ein Relikt aus vergangener Zeit


„Schusters Rappen“ ist eine scherzhafte Beschreibung, von anno dazumal, für die Schuhe und das Zu-Fuß-Gehen im generellen.
Die Bezeichnung „Schusters Rappen“ ist ein Hinweis auf den sehr begrenzten Besitz von Schuhen, denn Rappen, also schwarze Pferde, waren früher ein Zeichen von Reichtum.
Wer aber Schusters Rappen bemühte, also zu Fuß ging, hatte nichts dergleichen aufzuweisen. Er war einfach arm!

Fußbekleidung hatte früher folglich auch nicht mit Mode zu tun, so wie heute.
Schuhe mussten früher robust, zweckmäßig, langlebig und – schwarz sein.
Der normale Bürger hatte selten mehr als ein Paar daheim.
Und dieses Paar wollte gepflegt sein.

Schuhputzer hatten daher Konjunktur als Spezialisten, die ramponiertes Schuhwerk wieder aufmöbelten, ihm eine lange Lebensdauer garantierten und Glanz polierten, der dem ordentlich gekleideten Städter den letzten Schliff gab.
Das galt in Deutschland, genauso wie hier in Portugal.

Heute haben nur wenige Menschen ein paar schwarze Lederschuhe zuhause, denn die sind meistens out.
Meistens hat man heute Flipflops, Turnschuhe, Riemchensandalen und Stoffschuhe im Schuhschrank stehen.

Aber Schuhputzer gibt es heute trotzdem noch hier in Portugal, obwohl sie eher eine aussterbende Berufsspezies sind.
In ganz Portugal gibt es heute nämlich schätzungsweise nur an die 100 Schuhputzer (port.: engraxadores), davon in Lissabon gut zwei Dutzend.
Der offizielle Berufstitel lautet zwar „polidor de calçado“ (deutsch: Schuhpolierer), aber jedes Kind kennt sie als die „engraxadores“.

Die Schuhputzer der Hauptstadt arbeiten vorwiegend in der Lissabonner Unterstadt Baixa, dem Rossio, der Avenida da Liberdade und ihren Querstraßen, dort wo es viele Banken und Büros gibt.
Viele Börsenleute und Banker lassen sich heute noch regelmäßig ihre Schuhe bei „ihrem“ Schuhputzer für zwei Euro auf Vordermann bringen. Wenn sie dann nicht gerade durch Pfützen laufen, hält die fachmännische Schuhpflege gut eine Woche an.

Leider sind Schuhputzer ein Relikt aus vergangener Zeit.
Trotzdem möchte ich sie nicht aus dem Lissabonner Stadtbild missen.
Die Kundschaft beschränkt sich heute hauptsächlich auf Herren über Vierzig, die überdurchschnittlich verdienen und die genau wissen, dass ungepflegte Schuhe schlimmer sind, als ein Fleck auf ihrer Krawatte.

Auch viele Touristen nehmen heutzutage die Dienste eines Schuhputzers an, obwohl meistens nur, um ein originelles Foto schießen zu können.
Manche Touristen finden aber auch, es schadet ihrem Image, wenn sie sich von einem Schuhputzer bedienen lassen. Dabei vergessen sie, dass alleine die Tatsache, dass sie den Dienst des Schuhputzers in Anspruch nehmen, diesen Berufszweig am Leben erhält.

Deshalb, wenn sie das nächste Mal nach Lissabon kommen, lassen sie sich von einem dieser älteren Herren ihre Schuhe putzen.
Sie haben danach nicht nur Schuhe, in denen sie sich spiegeln können, sondern haben teilweise auch ein Lissabonner Original vor dem Aussterben bewart!

Samstag, 12. September 2009

GoCar´s


Haben sie jemals ein Auto gesteuert das ruckelt und quietscht, ihnen Witze erzählt und ihnen auch noch genau und ausführlich erklärt wo sie gerade entlangfahren?

Nein?!?
Dann müssen sie hier nach Lissabon kommen, denn hier können sie diese Autos mal fahren.
Seit neustem gibt es hier in der Hauptstadt nämlich die so genannten GoCar´s.

GoCar´s sind kleine, gelbe Cabriolets, die seit kurzem hier durch Lissabon tuckern.
Diese kleinen Zweisitzer sind alle mit GPS (Global Positioning System) ausgerüstet, und können dem Fahrgast akustisch genau sagen wo er gerade durchfährt und ihm zusätzlich auch geschichtliche, architektonische und kulturelle Infos über die einzelnen Sehenswürdigkeiten geben.

Dieses System, eines fahrenden und sprechenden Reiseführers, ist bis dato einmalig in Europa.
Die ersten GoCar´s kamen 2004 in der kalifornischen Stadt San Francisco zum Einsatz.
Dann wurde das System auch in den amerikanischen Städten San Diego und Miami eingeführt, bis es dann dieses Jahr auch hier in Lissabon in Betrieb genommen wurde.

Lissabon mit einem gelben GoCar zu erleben, ist wohl die originellste, lustigste und unvergesslichste Art und Weise die portugiesische Hauptstadt zu erkunden.
Belém, Alfama, Estrela und die Baixa kann man nun ganz neu entdecken.

Deshalb, sollten sie in nächster Zeit hier nach Lissabon kommen, dann durchfahren sie die Stadt einmal mit einem GoCar.
Probieren sie so eine Fahrt aus, solange die GoCar´s noch in keinem Reiseführer stehen und sie ein Geheimtipp sind.

Ich bin mir sicher, sie werden ihre wahre Freude daran finden!