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Freitag, 11. Mai 2012

Die gefangenen Studenten vom 11. Mai 1962

Die Studentenunruhen die Ende der 60er Jahre in vielen Ländern der Welt, leider oftmals auch mit Gewalt, für frischen politischen Wind sorgten sind ein Teil der Geschichte vieler Nationen dieser Zeit.

Was viele heute nicht wissen ist, das diese Studentenunruhen, die im Jahre 1968 weltweit ihren Höhepunkt erreichten, hier in Portugal schon wesentlich früher begannen.
Schon im Jahre 1961 war es an den Universitäten von Coimbra und Lissabon zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Studenten dieser zwei Bildungsanstalten und den Polizeikräften des damaligen Diktators António de Oliveira Salazar gekommen.
Die Studenten, die damals auf die Straße gingen, waren mit ihren Forderungen nach mehr politischen Freiheiten, zweifelsohne die Vorreiter der Revolutionäre des 25. April 1974.

Da aber Salazar kein allzu großer Freund von „Freiheiten“ war, veranlasste er, dass seine Polizei immer härter gegen die politisch engagierten Studenten vorging.
Dies verschärfte den Konflikt an den portugiesischen Universitäten zusehends.

Im April 1962 begannen zahlreiche Studenten an der Universität von Lissabon (port.: Universidade de Lisboa) den Unterricht zu boykottieren und viele von ihnen schlossen sich spontanen friedlichen Demonstrationen an.
Einige von ihnen traten sogar, um ihren Forderungen nach politischer und kultureller Freiheit mehr Ausdruck zu verleihen, einem Hungerstreik bei.

Salazar und sein Regime beobachteten diese Aktivitäten an der Lissabonner Universität zunehmend mit Besorgnis.
Anfang Mai befahl Salazar seiner Geheimpolizei PIDE mit allen Mitteln weitere Eskalationen und politische Aktivitäten an der Universitäten zu unterbinden.
Als sich der gesundheitliche Zustand der Studenten, die sich im Hungerstreik befanden, zunehmend verschlechterte, entschied sich Salazar zu handeln.

In den Morgenstunden des 11. Mai 1962, also vor genau 50 Jahren, umzingelte eine Hundertschaft der Polizei die Mensa der Lissabonner Universitätsstadt (port.: cidade universitária), wo die Studenten damals seit Tagen versammelt waren, und nahm alle Studenten fest.
Die Studenten die sich im Hungerstreik befanden wurden in Lissabonner Krankenhäuser eingewiesen und sofort zwangsernährt. Die anderen von ihnen wurden als „politische Revolutionäre“ in Gewahrsam genommen und auch als solche später verurteilt.

Über 1.500 junge Menschen wurden an diesem Tag von der Polizei verhaftet!
Sie wurden auf dem Campus der Universität zuerst zusammengetrieben und dann mit grünen Doppeldeckerbussen der öffentlichen Verkehrsbetriebe Carris zu der Lissabonner Zivilverwaltung (port.: Governo Civil de Lisboa) gefahren, wo sie dann fotografiert und ihnen die Fingerabdrücke abgenommen wurden, so als ob es sich bei ihnen um Schwerstkriminelle handeln würde.

Nachdem sie kriminaltechnisch Identifiziert waren, wurden sie von der Polizei tagelang vernommen, teilweise sogar zusammengeschlagen, bis man von jedem einzelnen ein „Geständnis“ hatte.
Die meisten von ihnen wurden dann wieder in Doppeldeckerbusse gesteckt und danach in das berüchtigte Gefängnis für politische Gefangene in Caxias, bei Lissabon, gesteckt.
Hier verbrachten sie dann mehrere Wochen, manche von ihnen sogar Monate, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen wurden.

Aber viele von ihnen, wie Jorge Sampaio, der spätere Staatspräsident Portugals, João Cravinho, der spätere portugiesische Bauminister oder Ruben de Carvalho, der heute für die kommunistische Partei im Parlament sitzt, sahen ihre damalige Entlassung aus dem Gefängnis von Caxias keineswegs als Befreiung.
Im Gegenteil, viele von ihnen gingen später in den Untergrund und kämpften weiter gegen das diktatorische Regime von Salazar und seinem Nachfolger Marcelo Caetano.

Das damals, an einem einzigen Tag, 1.500 junge Menschen festgenommen werden konnten, ist heute kaum noch vorstellbar.
Aber, so vieles von damals ist heute noch kaum vorstellbar!

Sicherlich, man kann die heutige Zeit auch keinesfalls mit der damaligen vergleichen.
Aber, und da bin ich mir sicher, auch heute träumt sicherlich der eine oder andere Politiker davon, mal auf einem Schlag 1.500 Demonstranten festzunehmen, wenn diese auf den Straßen Portugals mal wieder für mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Bildung, einem besseren Gesundheitswesen und mehr politischen Freiheiten aufbegehren.

Samstag, 10. Oktober 2009

Ich bin keiner Partei „angehörig“


Dieser Tage wurde ich gefragt, welcher Partei ich angehören würde.

Davon abgesehen, das ich diese Frage für etwas absurd halte (man achte bitte auf das Verb „gehören“) kommt es mir nicht in den Sinn, Mitglied in einem Verein (in diesem Fall einer Partei) zu sein, deren Anhänger meistens so viel Hirn und eigenen Willen haben, wie dressierte Affen.

Natürlich habe ich persönlich politische Sympathien, aber ich „gehöre“ keiner Partei an.
Ich bin da sehr eigen, und habe so meine persönliche Meinung.

Von Herzen her, bin ich absolut Monarchist.
Ich gehöre zu denen, die felsenfest der Meinung sind, dass eine farblose Republik, wie die aktuelle Portugiesische, nicht einer Institution, wie die der Monarchie, die über 700 Jahre lang in Portugal hervorragend funktioniert hat, das Wasser reichen kann.
Deshalb bin ich der festen Ansicht, dass das Beste was Portugal passieren könnte, die Wiedereinführung der Monarchie wäre!

Mit der jetzigen Republik, ihren Parteien, Politikern und Mitgliedern, habe ich so meine Probleme.
Ich kann Menschen, die keinen eigenen Willen haben und die keine eigene Meinung vertreten können, nicht verstehen.
Erst recht nicht wenn sie Politiker sind und eigentlich ein Beispiel für den Bürger sein sollten.

Erst dieser Woche traf der kommunistische Intellektuelle Carvalho da Silva, auf offener Straße, den sozialistischen Bürgermeister der Stadt Lissabon, António Costa, und sagte zu ihm, vor laufenden Kameras, er wäre ein enthusiastischster Anhänger von ihm, und er wünsche ihm für seine politische Zukunft alles gute.

Nun darf man nicht vergessen, dass wir uns hier in Portugal, am Ende eines Kommunalwahlkampfes befinden. Die Kommunalwahlen finden am morgigen Sonntag, dem 11. Oktober 2009, statt.
Und so eine spontane Äußerung, auf offener Straße und vor laufenden Kameras, kommt bei den Parteigenossen nicht gerade sehr gut an.

Also pfiffen die Kommunisten den Kameraden Carvalho da Silva zurück, und dieser musste tags drauf, wieder vor laufenden Kameras, sagen, er unterstütze natürlich den kommunistischen Kandidaten für das Bürgermeisteramt Lissabons, Ruben de Carvalho.

Ich weiß zwar nicht, was einen erwachsenen Mann dazu bewegt seine am Tag vorher freiwillig geäußerte Meinung, wieder zu widerrufen, obwohl er wirklich nicht an Amnesie leidet.
Aber um dem Zentralkomitee nicht zu missfallen, scheint selbst ein Intellektueller kein Problem darin zu sehen, seine Meinung zu revidieren.

Der Unterschied zu mir und Carvalho da Silva besteht ohne Zweifel also darin, dass er einer Partei „angehört“, ja dieser anscheinend sogar „hörig“ ist, und ich eben nicht.

Mir würde es nicht im Traum einfallen, mir von einer Partei vorschreiben zu lassen, welcher Meinung ich sein soll und welcher eben nicht.
Also belasse ich es dabei, bei den kommenden Wahlen mein Kreuzchen an der für mich richtigen Stelle zu machen, und überlasse es anderen sich parteipolitisch zu engagieren.