Freitag, 18. April 2014

Ostergrüße 2014


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs schöne, friedliche, geruhsame Osterfesttage mit viel Zeit zum Ausspannen und Genießen.

Frohe und gesegnete Ostern 2014!  


Desejo a todos os leitores e leitoras deste meu Blog uma Páscoa imenso feliz, cheia de paz e com muito tempo para relaxarem e saborearem os dias feriados que aí vêm.

Uma abençoada e feliz Páscoa 2014!

Donnerstag, 17. April 2014

Die Kapelle der Königin Maria Pia




Seit dem heutigen Donnerstag kann man im Lissabonner Ajuda-Palast (port.: Palácio Real da Ajuda), dem letzten ständigen Wohnsitz der portugiesischen Königsfamilie, wieder die Privatkapelle der ehemaligen Königin Maria Pia besichtigen.

Seitdem sich die Türen dieser Kapelle kurz nach der republikanischen Revolution im Jahre 1910 schlossen, hat kaum ein Besucher das Privileg gehabt diesen Raum, der über ein ganzes Jahrhundert hinweg nur als Lagerraum genutzt wurde, zu betreten.

Die Kapelle wurde im Jahre 1897 auf Anordnung von Königin Maria Pia, der Witwe von König Luis I, von dem bedeutenden Innenarchitekten Miguel Ventura Terra errichtet.
Sie war der letzte große architektonische Bau, den die portugiesische Königsfamilie privat in Auftrag gab.

Da es keine Fotografien der ursprünglichen Kapelle gibt, wurde sie nach knapp 104 Jahren Schließung, dank eines alten Inventarbuches des Palastes, wieder innenarchitektonisch so dekoriert, wie sie höchstwahrscheinlich einstmals von der Monarchin ausgestattet wurde.

Maria Pia, eine geborene italienische Prinzessin aus dem Hause Savoyen (port.: Maria Pia de Saboia), war nicht nur für ihren exklusiven und teuren Geschmack was Kleider und Schmuck anging berüchtigt, sondern war auch für ihre kreative und kunstorientierte Ader bekannt.

Und so ließ sie die Decke und den Boden ihrer ziegelroten Privatkapelle in Eichenholz verkleiden und diese dann mit besonders schönen religiösen Kunstobjekten und wertvollen Bildern ausstatten.
Alle Heiligenbilder die sich in diesem Raum befinden, wie das der Heiligen Rita von Cascia (port.: Santa Rita de Cássia), des Heiligen Franz Xaver (port.: São Francisco Xavier), der Heiligen Jungfrau von Paris (port.: Santa Virgem de Paris) und des Heiligen Carlo Borromeo (port.: São Carlos Borromeu), stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und sind von der Königin einstmals aus ihrer Heimat Italien nach Portugal mitgebracht worden.

Das Altarbild ist ein besonders schönes Werk des portugiesischen Malers José Maria Veloso Salgado, das der Künstler 1897 malte.
Es trägt den Namen „Virgem e o menino“ (dt.: „Jungfrau mit Kind“).

Das wertvollste Bild der Kapelle ist aber ein Ölgemälde des spanischen Malers griechischer Abstammung El Greco aus dem 17. Jahrhundert, das den Namen „Santa face de Cristo“ (dt.: „Heiliges Gesicht des Christus“) trägt. Dieses Gemälde, das das einzige von El Greco in ganz Portugal ist, gehörte einmal zur persönlichen Bildersammlung von König Luis I.

Königin Maria Pia soll ihre Privatkapelle sehr geliebt und geschätzt haben.
Und es ist überliefert das sie, nach dem Attentat auf ihren Sohn König Carlos I und ihren Enkelsohn Infante Luis Filipe, am 01. Februar 1908, tagelang schweigend und kniend in ihr betend verbracht haben soll.

Die Kapelle kann seit dem heutigen Tag, donnerstags bis dienstags von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, im Rahmen eines Besuches des Königpalastes von Ajuda, besichtigt werden.

Sonntag, 13. April 2014

Mafra – die größte Votivgabe der Welt


Zwei Wege führen in das 45 km nordwestlich von Lissabon gelegene Städtchen Mafra.
Der eine verläuft über Sintra nach Norden, der andere führt weiter östlich über Loures. Wählt man die über Loures führende Straße, so sieht man gleich hinter der Stadtgrenze von Lissabon Odivelas liegen – eine zu schnell gewachsene Satellitenstadt die einmal für ihr Zisterzienserinnen-Kloster, den Mosteiro de São Dinis e de São Bernardo, berühmt war, das König Dinis, dessen schwerer gotischer Steinsarkophag in der Apsis steht, um 1300 von dem Baumeistergeschwisterpaar Antão und Afonso Martins errichten ließ.

Unter einem späteren Nachfolger von König Dinis auf dem portugiesischen Thron, König João V, war Odivelas und sein Kloster vor allem für köstliches Gebäck aus der Klosterbäckerei bekannt. Aber es gab einen anderen, viel triftigeren Grund warum Odivelas bei João V so beliebt war. Der Monarch hatte mit mehreren Nonnen des Klosters lustvolle Verhältnisse.
Mit einer dieser Nonnen, Madre Paula Teresa, hatte er sogar eine längerdauernde Beziehung. Diese amouröse Beziehung zu Madre Paula führte dazu, dass diese dem König drei Söhne schenkte. Einer dieser Söhne, Gaspar, wurde später einmal Erzbischof von Braga und ein anderer, José, sogar Großinquisitor des Landes.
Das Erdbeben von 1755 ließ von dem alten Kloster kaum etwas übrig, und so wurde er im alten Stil wieder aufgebaut.

Dafür glänzt, nur 30 km nordwestlich von Odivelas, ein anderes Kloster in einem unscheinbaren Städtchen: der gigantische Klosterpalast von Mafra (port.: Convento e Palácio de Mafra), der Kloster, Kirche und Palast in einem ist.
Nur ein prunkliebender Barockfürst wie König João V konnte sich diese imposante Anlage ausdenken, die als Konkurrenzunternehmen zum spanischen El Escorial von Philipp II erbaut wurde und gleichzeitig ein steinernes Gelübde zum Dank für die Geburt des Thronfolgers von João V ist.
Sicherlich, königliche Gelübde schlugen in Portugal schon mal öfters in prächtige Kirchenbauten zu Buche.
Manuel I mit seinem Mosteiro dos Jerónimos (dt.: Hieronymuskloster) in Belém, den er zum Dank für die Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama einst bauen ließ, war das große Vorbild.
Es war nun einmal in Portugal Gang und Gäbe, dass die Monarchen ihren privaten Handel mit Gott machten, und Votivgaben als Versprechungen leisteten.

Und so gelobten König João V und seine Gemahlin Königin Maria Anna von Österreich ein Kloster zu Ehren des in Portugal sehr beliebten Heiligen Antonius (port.: Santo António) zu bauen, wenn ihnen endlich ein Thronfolger geboren würde.
João V und Maria Anna hatten im Oktober 1708 geheiratet und erst 1711 wurde ihnen ein Kind geboren – allerdings ein Mädchen.
Erst 1714 wurde dem Paar endlich der ersehnte Thronfolger Infante José geboren und so wurde, wie versprochen, Mafra gebaut!

Die ehrgeizige Anlage für 300 Franziskanermönche und 150 Novizen stellte seinerzeit ein Großprojekt dar, dem das Land zu Beginn des 18. Jahrhunderts kaum finanziell gewachsen war und der das Königreich damals fast in den Staatsbankrott geführt hätte.
Nur die plötzlich aufkommenden riesigen Goldfunde in Brasilien konnten letztendlich das Projekt wahr machen.

Zahlreiche Ausländer mussten für die Vollendung des Bauwerks ins Land geholt werden.
Der Entwurf stammt z.B. von dem Deutschen Johann Friedrich Ludwig, den man hier in Portugal eher unter dem Namen João Frederico Ludovice kennt. In Portugal, wo er sich seit etwa dem Jahr 1700 aufhielt, wurde er von Königin Maria Anna, einer Habsburgerin, protegiert.
Für die Bildhauerwerkstatt rief man den Italiener Alessandro Giusti ins Land – die besten Skulpturen aus Carraramarmor aber bestellte der König gleich direkt in Rom und Florenz.

Am 17. November 1717 wurde der Grundstein für das Kloster gelegt. Um den Bau zu beschleunigen, wurden 45.000 arbeitsfähige Männer aus dem ganzen Land zum Dienst gezwungen. Sie mussten Tag und Nacht, praktisch unentgeltlich, arbeiten um den Traum des Königs zu verwirklichen. Deshalb wurden 7.000 Soldaten an die Baustelle abkommandiert um Aufpasser und Antreiber spielen.
Offiziellen Berichten zufolge sollen angeblich „nur“ 1.400 Männer bei den Bauarbeiten gestorben sein, obwohl andere Quellen von über 3.000 Toten Arbeitern während der Bauphase sprechen.
Die Kirche konnte bereits am 22. Oktober 1730, dem 41. Geburtstag von König João V, eingeweiht werden. Die Arbeiten an der Gesamtanlage zogen sich jedoch noch bis 1750 hin.

Angesichts der Ausdehnung und Maße des fertigen, fast quadratischen Komplexes stellt sich beim heutigen Betrachter fast ein leichtes Schwindelgefühl ein:
Der Klosterpalast von Mafra besitzt eine 220 m lange Fassade, eine unglaubliche Fläche von 40.000 m², 4.500 Fenster und Türen, 9 Innenhöfe und 1.200 Zimmer und Sälen deren Besichtigung in der Mehrzahl leider nicht möglich ist, da ein großer Teil des Convento heute als Militärkaserne dient.
Die Vorderfront ist rechts und links von riesigen Eckpavillons eingerahmt und wird von der zentralen Kirchenfassade mit ihren zwei Türmen sowie von einer Vierungskuppel beherrscht. Die mit Marmor ausgestattete Kirche wirkt Dank ihrer klaren Linien harmonisch, aber kühl.
Marmor ist zweifelsohne Mafras Baustein.

Sehenswert ist auch die von Manuel Caetano de Sousa entworfene Bibliothek mit ihren 36.000 Bänden.
Die Kulisse dieser Bibliothek ist einfach nur edel.
Sie ist ganz aus rosafarbenem Marmor und exotischen Hölzern aus den königlichen Kolonien. Eine doppelstöckige, 88 m lange Galerie mit Schränken voller wertvoller Bücher, von denen viele Erstausgaben sind machen sie zu einer der schönsten Bibliotheken Europas.
Zu den Kostbarkeiten der Bibliothek zählen die älteste Homerausgabe in Griechisch, mehrere Bibel aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die Stücke von Gil Vicente, des ersten Dramaturgen Portugals, aus der Zeit Manuel I, und vor allem die Erstausgabe der weltberühmten „Os Lusíadas“ von Luis Vaz de Camões.
Bedauerlich, dass man hier nicht sitzen und blättern kann, denn die Bibliothek ist heute nur fürs Auge gedacht. Wahrscheinlich saß auch nie ein Bragança-König hier, um in seinen Schätzen zu schmökern.
Einfach nur schade!

An die Bibliothek grenzt der Botanische Garten des Klosterpalastes und an diesen schließt sich das 819 Hektar große ummauerte Waldgebiet Tapada de Mafra an. Dieses Waldgebiet, in dem es auch heute noch Wildschweine, Rot- und Damhirsche und noch anderes Jagdwild gibt, war einmal das königliche Jagdrevier und wurde von allen Monarchen rege für ihre Jagdgesellschaften benutzt.

Mafra spielt eine wichtige und positive Rolle in der portugiesischen Kunstgeschichte. Eine ganze Generation portugiesischer Handwerker und Künstler wurden in der so genannten „Schule von Mafra“ geschult und geprägt. Zu ihnen zählen, um nur zwei von vielen zu erwähnen, der Bildhauer Joaquim Machado de Castro und der Architekt des Königpalastes von Queluz Mateus Vicente de Oliveira.
Als im Jahre 1807 die französischen Truppen Napoleons Portugal überfielen und die Bragança nach Brasilien flohen, waren die Tage von Mafra als ständiger Wohnpalast gezählt.
Als König João VI 1822 wieder nach Portugal zurückkehrte, weigerte er sich den Palast wieder regelmäßig zu bewohnen. Er zog die Paläste von Queluz und Sintra vor; sie waren ihm weniger kalt und protzig.
Das Kloster wurde im Jahre 1834 von den Mönchen aufgegeben.
Dafür kamen 1840 die Militärs und blieben dort bis heute.
In einem Teil des riesigen Komplexes des Klosterpalastes ist heute ein Infanterieregiment untergebracht.

So protzig und museal die königlichen Räume der Bragança auch waren, so spartanisch und genügsam waren die Zellen der Mönche die hier Tür an Tür mit dem König und seinem Gefolge lebten. Wie einfach die Mönche damals im Kloster leben mussten, so ganz ohne Komfort, kann jeder heute bei einem Besuch des Klosterkomplexes mit eigenen Augen sehen.
Erst wenn man die Mönchszellen besucht hat, wird einem das Abgründige in König Joãos einst gegebenes Gelübde deutlich:
Er baute den Mönchen eine armselige Bleibe mit Totenschädeln an den Zellwänden, während er sich selbst und den Seinen einen feudalen Palast errichten ließ, der trotz aller Grenzenlosigkeit einfach nicht wohnlich genug war.
Und selbst der letzte Monarch Portugals, König Manuel II, hat einmal gesagt, dass er mit Mafra nur melancholische und schmerzhafte Erinnerungen verbinden würde.
Wer will es ihm verdenken!
Hier in diesem riesigen Palast verbrachte er seine letzte Nacht in Portugal, bevor er mit seiner Mutter und Großmutter am 05. Oktober 1908 vom nahen Strand in Ericeira nach England ins Exil fliehen musste.

Aus Mafra muss man heute aber nicht mehr fliehen.
Im Gegenteil, heute sollte man sich auf alle Fälle die Zeit nehmen und diesen Abstecher in das Lissabonner Umland, nach Mafra, unbedingt gönnen, wenn man einpaar Tage Urlaub in Lissabon plant.
Es lohnt sich alle mal!

Donnerstag, 10. April 2014

Lissabon, so wie es einmal war...





Seit dem vergangenen Samstag, den 05. April 2014, kann man in den Ausstellungsräumen der ehemaligen königlichen Schiffstaufabrik Cordoaria Nacional (dt.: Nationales Tauwerk), im Rahmen der alljährlich stattfindenden Lissabonner Kunst- und Antiquitätenmesse (port.: Feira de Arte e Antiguidades de Lisboa), vier ganz besondere Ölgemälde besichtigen.

Bei diesen vier Bildern eines unbekannten Meisters, die von den Galeristen Álvaro Roquette und Pedro de Aguir-Branco ausgestellt werden, handelt es sich um vier 50cm x 60cm große Ölgemälde aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die noch nie öffentlich ausgestellt wurden.

Die vier Gemälde zeigen einzigartige Ansichten von Lissabon vor dem großen Erdbeben vom 01. November 1755, wie das alte Königliche Allerheiligenkrankenhaus (port.: Hospital Real de Todos-os-Santos), das ehemalige Königsschloss (port.: Palácio Real da Ribeira), das Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) und den Klosterpalast von Mafra (port.: Convento-Palácio de Mafra).

Die vier Gemälde im Einzelnen:

Das erste Gemälde stellt das ehemalige königliche Allerheiligenkrankenhaus (port.: Hospital Real de Todos-os-Santos) am Lissabonner Rossio dar.
Das dreistöckige Gebäude stand einstmals da, wo sich heute der Platz Praça da Figueira befindet. Es war König João II der zwischen 1492 und 1504 das Krankenhaus als das modernste der damaligen Zeit erbauen lies. Mit seinen ursprünglich 250 Betten war diese Heilanstalt bis ins 18. Jahrhundert hinein die größte und bedeutendste Krankenanstalt, nicht nur Lissabons, sondern ganz Portugals. Weil das Hospital Real für alle Bevölkerungsschichten zugänglich war – auch für die Armen der Armen – wurde es von der Bevölkerung auch oftmals „Hospital dos Pobres“ (dt.: Krankenhaus der Armen) genannt.
Hinzu kam, das das Hospital Real de Todos-os-Santos nicht nur als Krankenhaus diente, sondern auch als Irrenanstalt (port.: Casa dos doidos) und Kinderheim (port.: Casa das crianças abandonadas).
Als ein großes Erdbeben am 01. November 1755, dem Allerheiligentag, die Stadt Lissabon verwüstete, fiel auch das königliche Allerheiligenkrankenhaus – welche Ironie des Schicksals –  der Naturgewalt zum Opfer. Das Krankenhaus wurde nach dem Erdbeben nicht wieder aufgebaut!

Das zweite Bild zeigt das ehemalige königliche Stadtschloss Paço da Ribeira (dt.: Uferpalast), der einstmals am Fluss Tejo stand, dort wo sich heute die Gebäude des großen Platzes Praça do Cemercio befinden. Auch wenn das königliche Schloss heute nicht mehr existiert, so wird der Platz heute noch, wie zu Zeiten der Monarchie, von den meisten Lissabonnern Terreiro do Paço genannt, was soviel wie Palastterrasse heißt.
Es war König Manuel I der im Jahre 1498 beschloss von der festungsartigen, zügigen Burg Castelo de São Jorge runter in die Lissabonner Unterstadt zu ziehen und dort seine neue luxuriöse Unterkunft zu errichten. Bewusst wählte er als Standort für seinen Palast das Hafengebiet aus, mit all seinen Werften, Kontoren und Lagerhäusern, um so der ganzen Welt die damals beginnende Beziehung Portugals zur Seefahrt und zu seinen Überseekolonien symbolisch zu demonstrieren.
Der König und sein Hof bezogen den im manuelistischen Stil errichteten Palast, der als einer der schönsten in Europa galt, im Jahre 1503, nach einer Rekordbauzeit von nur fünf Jahren.
Im ersten Stock des königlichen Schlosses war aber auch die mächtige Casa da India (dt.: Indienhaus) untergebracht, die zentrale Behörde des damaligen Königreiches, die alle Kolonien und Überseeprovinzen verwaltete und gleichzeitig als Archiv aller Entdeckungsfahrten diente.
Im Erdgeschoß befand sich die Casa da Livraria, eine riesige und bedeutende Bibliothek mit über 70.000 verschiedenen Büchern, unzähligen und einzigartigen handschriftlichen Dokumenten und tausenden von See- und Landkarten.
Zum Palastkomplex gehörte ab dem 17. Jahrhundert auch der damals neu erbaute Palácio Corte Real, genau neben den Paço da Ribeira, das als Wohnpalast des jeweiligen Thronfolgers diente.
Am Morgen des 01. November 1755, dem Allerheiligenfeiertag, wurde auch der imposante Paço da Ribeira, mit all seinen einzigartigen Schätzen, ein Opfer des furchtbaren Erdbebens.
Der Königspalast wurde nach dem Erdbeben nicht wieder aufgebaut!

Das dritte Gemälde zeigt das im frühen 15. Jahrhundert erbaute Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos), noch völlig schnörkellos und ohne den manuelistischen Schmuck, so ganz anders wie wir ihn heute kennen.
Es war König Manuel I der dieses bedeutende Gotteshaus, gleich nach der Ankunft Vasco da Gamas von dessen ersten Indienreise, in Belém, am Ufer des Tejo, errichten lies.
Das Hieronymuskloster war eines der wenigen Gebäude Lissabons, das das Erdbeben vom 01. November 1755 ziemlich unbeschadet überstand.

Das vierte und letzte Bild stellt den Nationalpalast von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra) dar, ca. 45 km nordwestlich von Lissabon.
Einstmals von dem aus Deutschland stammenden Architekten João Frederico Ludovice (dt.: Johann Friedrich Ludwig) im Auftrag von König João V zwischen 1717 und 1730 im Barockstil erbaut, ist dieses Schloss die größte Palast- und Klosteranlage Portugals und die zweitgrößte der Iberischen Halbinsel. Nur der Palastkomplex von El Escorial, in der Nähe von Madrid, ist imposanter.
Um eine Vorstellung der Größe vom Palastkloster von Mafra zu haben, hier einige ziemlich imposante Zahlen und Fakten:
Der Palast hat eine Fläche von etwa 40.000 m² die sich über 1.200 einzelne Räume verteilen. In diesen Räumen gibt es über 4.500 Türen und Fenstern. Es sind 9 stattliche Innenhöfe vorhanden und die Klosterkirche beherbergt 6 imposante Orgeln. Die 96 Glocken der zwei Glockenspiele wiegen zusammen unglaubliche 217 t.
Und noch eine bemerkenswerte Zahl: die Bibliothek, der größte Schatz des Palastkomplexes, besitzt 36.000 gebundene Bücher!

Diese vier wunderbaren Ölgemälde sind Bildnisse eines einzigartigen Lissabons, so wie es vor dem großen Erdbeben 1755 existiert hat, und wie wir alle, die wir heute Leben, es nie kennen lernen durften.
Deshalb, wenn es ihnen möglich ist, besuchen sie die Ausstellung in der Cordoaria Nacional im Stadtteil Belém, und schauen sie sich Lissabon an, so wie es einmal war.
Sie werden es nicht bereuen!

Samstag, 5. April 2014

Bolo lêvedo – leckeres Brot aus den Azoren




Vor einiger Zeit erhielt ich eine E-Mail von meinem sehr guten Freund Andreas, der mich auf einen Artikel in der US-amerikanischen Onlinezeitung Huffington Post aufmerksam machte, in dem von portugiesischen „bolos lêvedos“ die Rede war.
Da Andreas, der mit seiner kleinen Familie hier in Lissabon lebt, noch nie hier in Portugal von diesen „portuguese muffins“, so die Huffington Post, gehört und diese auch noch nie probiert hatte, fragte er mich, ob ich wüsste, wo er sich denn solche mal besorgen könne.

Auf Anhieb habe ich Andreas darauf keine Antwort geben können, denn bei „bolos lêvedos“ handelt es sich um eine regionale Brotspezialität aus den Azoren, und wie bei allen regionalen Spezialitäten, so ist auch an dieser hier in der Großstadt nicht leicht ranzukommen.
Ich sagte ihm aber, ich müsste sicherlich noch irgendwo ein altes Familienrezept dieses Backwerkes rum liegen haben, und würde ihm dieses gerne zukommen lassen.
Dies tat ich dann auch und Andreas hat sich daraufhin ans backen gemacht. Von ihm sind auch die hier abgebildeten Fotos.

Aber, so werden viele sich nun fragen:
was ist eigentlich ein „bolo lêvedo“?

Nun, fangen wir mit dem Namen an:
„bolo lêvedo“ heißt ins Deutsche übersetzt soviel wie „fermenierter Kuchen“. Aber der Name täuscht, denn es handelt sich bei diesem Backwerk nicht um eine Kuchenart, sondern um eine süße Brotsorte.
Seinen Ursprung hat der „bolo lêvedo“ auf der Azoreninsel São Miguel, wo er im Tal von Furnas (port.: Vale das Furnas), in Steinöfen, die von warmen vulkanischen Quellen erhitzt werden, gebacken wird.

Wann genau dieses scheibenförmige süßliche Brot zum ersten Mal gebacken wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen, aber es ist bekannt, das kurze Zeit nach der Kolonialisierung der Insel, Mitte des 15. Jahrhunderts, dank des Vulkanismus im Tal von Furnas sehr gerne alles gebacken und gekocht wurde.
Über Jahrhunderte hinweg war diese Brotsorte nur den Inselbewohnern bekannt.
Doch heute, dank der vielen Menschen die die Azoren jedes Jahr besuchen und der vielen Azoreaner die in der Neuen Welt leben, sind die „bolos lêvedos“ auch über die Grenzen der Insel São Miguel hinaus bekannt geworden und sogar die renommierte Huffington Post schreibt heutzutage Artikel über diese leckere gastronomische Spezialität.

Für alle, die es Andreas gleichtun wollen, und sich gerne an diesem süßen, weichen Brot versuchen wollen, hier nun ein altes Familienrezept:

Bolo lêvedo (dt.: Fermentiertes Kuchen / Gegärter Kuchen)

Zutaten:

1 kg Mehl (vorzugsweise Weizenmehl)
250g Zucker
250g Butter
4 Eier
20g frische Bäckerhefe (port.: fermento de padeiro)
1 Teelöffel Salz
1 dl – 2 dl warme Milch
etwas geriebene Zitronen- oder Orangenschale

Zubereitung:

1. die Hefe und den Salz in etwas Milch auflösen
2. das Mehl mit dem Zucker, der Butter und den Eiern gut verrühren
3. dann, ganz nach Geschmack, etwas geriebene Zitronen- oder Orangenschale hinzufügen
4. jetzt die warme Milch hinzufügen und den ganzen Teig rühren und kneten
5. dann den Teig zum aufgehen an einem warmen Ort ca. 2 Stunden zum gären stehen lassen
6. danach den Teig ausrollen und in kleine Portionen teilen
7. die portionierten Stücke noch einmal gut eine Stunde stehen lassen
8. diese einzelnen Portionen in einer Pfanne, bei kleiner Gasflamme goldbraun backen (es ist sehr wichtig, dass die Flamme nicht sehr hoch ist, denn sonst wird der „bolo lêvedo“ außen zwar knusprig, ist dann innen aber roh!)


Samstag, 29. März 2014

Die Geschichte der Sommerzeit in Portugal


Es ist mal wieder soweit!
In einpaar Stunden werden in der heutigen Nacht zum Sonntag die Uhren in der ganzen Europäischen Union um eine Stunde vorgestellt, und die Sommerzeit tritt mal wieder in Kraft.
Hier in Kontinentalportugal und auf der Insel Madeira werden die Uhren dann in der Nacht von 01.00 Uhr auf 02.00 Uhr vorgestellt.
Auf dem portugiesischen Azorenarchipel weit draußen im Atlantik, wo der Zeitunterschied zu Festlandsportugal immer eine Stunde beträgt, da sich die Inseln in einer anderen Zeitzone befinden, werden die Uhren zur gleichen Zeit um Punkt Mitternacht auf 01.00 Uhr umgestellt.
In Portugal und auf Madeira gilt, im Gegensatz zu Deutschland wo man sich nach der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) richtet, die Westeuropäische Zeit (WEZ), auch Greenwich-Zeit genannt.
Auf den Azoren gilt die Azoren-Standard-Zeit (WEZ – 1 Stunde oder MEZ – 2 Stunden).

Die Geschichte der Idee einer Zeitumstellung in Portugal geht auf das Jahr 1807 zurück.
Damals besprachen Wissenschaftler der königlichen Akademie der Wissenschaften in Lissabon (port.: Academia das Ciências de Lisboa) mit dem portugiesischen Thronfolger Infante João, dem zukünftigen König João VI, eine Publikation des nordamerikanischen Staatsmannes und Naturwissenschaftlers Benjamin Franklin. Der hatte nämlich im Jahre 1784 die Sommerzeit in seinem Heimatland angeregt, zu einer Zeit in der es also noch keine Elektrizität gab, um im Sommer die Zeitspanne mit nutzbarem natürlichem Tageslicht zu erhöhen.
Doch genauso wenig wie Franklins Idee in den USA Anklang fand, so hatte sie auch in Portugal keinen Erfolg.
Nicht das in Portugal kein Interesse an Franklins Anregung bestanden hätte, schließlich verschlangen alleine die Kosten für Wachskerzen in den jeweiligen Haushalten, Palästen, Kirchen usw. zu dieser Zeit Unsummen an Geld.
Lediglich die unsichere politische Situation in Portugal im Jahre 1807 – die königliche Familie musste ein Jahr später vor den Truppen Napoleons nach Brasilien fliehen – verhinderte damals eine genauere Analyse der Situation.

Genau Hundert Jahre später, 1907, regte der Brite William Willett erneut die Einführung der Sommerzeit an, und auch hier in Portugal wurde diese wieder einmal bei Hofe diskutiert.
Aber genauso wie Hundert Jahre zuvor, so waren auch diesmal die politischen Begebenheiten in Portugal alles andere als vorteilhaft. Wenige Monate später, im Februar 1908, wurde die portugiesische Monarchie durch eine republikanische Revolution weggefegt.

Es war Deutschland, das dann während des I. Weltkrieges, am 30. April 1916, als erstes Land der Welt die Sommerzeit einführte.
Im selben Jahr, am 17. Juni 1916, führte auch Portugal offiziell die Sommerzeit ein; diese ging im Jahr der Einführung bis zum 01. November 1916.
Da es damals, im Gegensatz zu heute, keine einheitlichen Termine für den Anfang und das Ende der Sommerzeit gab, waren die Termine oftmals länderübergreifend sehr unterschiedlich.
So begann die Sommerzeit in Portugal manchmal im Februar, andere Male im März oder im April und ging dann immer bis zum September, Oktober oder November.
Erst seit 1996 wurde die Sommerzeitreglung in der Europäischen Union vereinheitlicht. Seitdem fängt die Sommerzeit überall in der EU immer am letzten Sonntag im März an und endet dann immer am letzten Sonntag im Oktober.

In den Jahren 1922, 1925, 1930 und 1933 gab es in Portugal keine Sommerzeit.
1942, während des II. Weltkrieges, gab es in Portugal eine Sommerzeit in der Sommerzeit, d.h. im Jahre 1942 wurden die Uhren am 14. März um eine Stunde auf Sommerzeit vorgestellt. Sechs Wochen später, am 25. April wurden die Uhren nochmals um eine Stunde vorgestellt, d.h. es herrschte in dieser Zeit zwischen Portugal und Mitteleuropa zwei Stunden Zeitunterschied.
Am 15. August 1943 wurden die Uhren dann um eine Stunde zurückgestellt und am 24. Oktober wieder um eine Stunde.
Auch in den Jahren 1943, 1944 und 1945 wurde diese doppelte Sommerzeit praktiziert.

Im Jahre 1950 und zwischen 1966 und 1976 wurde die Sommerzeit in Portugal wieder nicht angewandt.
Erst im demokratischen Portugal wurde wieder eine Sommer- bzw. Winterzeit eingeführt.

1992 traf der damalige Prämierminister Aníbal Cavaco Silva, der heutige Staatspräsident, die Entscheidung die Westeuropäische Zeit in Portugal abzuschaffen und dafür die Mitteleuropäische Zeit  einzuführen, wie sie die meisten Länder in Europa haben.
Das hatte zwar ökonomisch einen verschwindenden kleinen Vorteil, hatte aber zur Folge dass im Winter die Sonne hierzulande erst recht spät aufging und es im Sommer oftmals nach 22.00 Uhr noch hell war.
Die Pharmaindustrie verdiente sich damals in dieser Zeit an Schlaf- und Beruhigungsmittel dumm und dämlich!
Als sich 1996 die politische Bühne in Portugal änderte, änderte man auch wieder die Mitteleuropäische Zeit zur natürlichen Westeuropäischen Zeit um.

Die diesjährige Sommerzeit wird bis zum 26. Oktober 2014 andauern. Ab diesem Tag gilt dann wieder die Winterzeit oder, eigentlich korrekter, die Legale Zeit in Portugal.

Donnerstag, 27. März 2014

Der königliche Palast von Queluz


Westlich der Stadtgrenze von Lissabon beginnen die Schlafstädte der Hauptstadt. Gleich hinter dem riesigen Lissabonner Stadtpark Monsanto liegen u. a. Amadora, Brandoa, Alfragide, Cacém und Queluz.
Diese Satellitenstädte bestehen zumeist aus gigantischen Hochhaussiedlungen mit hellen, modernen und sachlichen Bauten die tagsüber wie ausgestorben sind; nur morgens und abends finden Auszug und Heimkehr auf völlig verstopften Straßen statt.

Der Vorort Queluz hat schätzungsweise 80.000 Einwohner und verdankt seinen Ruhm und Bedeutung einzig und alleine dem reizvollen ehemaligem Sommersitz der portugiesischen Könige aus dem Hause Bragança, dem königlichen Nationalpalast von Queluz (port.: Palácio Nacional de Queluz), der nur 15 km von Lissabons Zentrum entfernt liegt.
Viele behaupten der Ort Queluz verdankt seinen Namen diesem kapriziösen Rokokoschloss, der einstmals für seine rauschenden Feste und Bälle, seine strahlenden venezianischen Kristalllüster, den goldbemalten Stuck und den Widerschein im Geschmeide der Damen von damals bekannt war. Deshalb glauben viele die Herkunft des Namens würde sich von den portugiesischen Worten „que luz“ ableiten, was im Deutschen soviel wie „welch ein Licht“ oder „welch ein Glanz“ übersetzen lässt.
Aber Queluz ist älter als der Palast gleichen Namens, viel älter!
Schon die arabischen Mauren siedelten hier und nannten den Ort einstmals „Qu al-Luz“, was im Deutschen mit „Tal der Mandelbäume“ zu übersetzen ist.

Wie auch immer:
Queluz wäre ohne seine Rokokopalastanlage, eine der größten in Europa, nichts weiter als eines der vielen unansehnlichen Trabantenstädte Lissabons!

Der Palast von Queluz geht auf Infante D. Pedro zurück, den zweiten Sohn von König João V und späteren Prinzgemahl Pedro III, der wie alle Bragançakönige für seine Bau- und Sinnfreudigkeit bekannt war.
1747 beauftragte Infante Pedro den Architekten Mateus Vicente de Oliveira mit dem Umbau des alten Landhauses Quinta de Queluz.
Dieses Landhaus gehörte dem pro-spanischen Adligen Manuel de Moura Corte Real, der den Titel eines Marques de Castelo Rodrigo trug.
Nachdem der Marques de Castelo Rodrigo Verrat an Portugal begangen hatte und Portugal im Jahre 1640 wieder von Spanien unabhängig wurde, beschlagnahmte die portugiesische Krone sein ganzes Vermögen und Eigentum. Und so kam im Jahre 1654 das erwähnte Landhaus in Queluz in den Besitz der Familie Bragança.

Mateus Vicente de Oliveira entwarf in der Tradition des portugiesischen Rokokos einen dreiflügligen Palast in U-Form, der die Schauseite dem Garten und nicht, wie damals in Europa eigentlich üblich, der ihm gleichgültigen Außenwelt zuwendete.
Acht Jahre lang wurde an dieser Sommerresidenz der Braganças geplant und gebaut, bis am 01. November 1755 ein gewaltiges Erdbeben das nahe Lissabon in Schutt und Asche legte, und an einem Weiterbau des Palastes erst einmal nicht mehr zu denken war.
Für den Wiederaufbau Lissabons spannte damals der Marques de Pombal, seines Zeichens Premierminister des Königreiches, alle namhaften Architekten des Landes ein, unter ihnen auch Mateus Vicente de Oliveira, den Architekten von Queluz.
Erst drei Jahre nach dem Erdbeben, 1758, wurden die Arbeiten an dem Palast, unter der Leitung des französischen Architekten Jean-Baptiste Robillion, dessen Rokoko-Geschmack nicht in Pombals Aufbauprogramm für Lissabon passte, wieder aufgenommen.

Der gelernte Graveur und Dekorateur aus Paris entwarf die monumentale Löwentreppe und die klassizistische Westfassade, die vage Erinnerungen an Versailles wachruft.
Bis zu seinem Tod im Jahre 1782 arbeitet Jean-Baptiste Robillion mit seinem Team französischer Handwerker an der leichten, heiteren Rokokoausstattung der Innenräume.
Den Garten, eine Hauptattraktion des Palastes, gestaltete er im Stil des französischen Gartenarchitekten André Le Nôtre, wobei an Vasen und Büsten aus italienischem Marmor, an mythologischen und allegorischen Bleistatuen aus England und natürlich an Azulejos aus dem heimatlichen Portugal nicht gespart wurde.
Die Wasserspiele, die Grotten und das 115 m lange, mit Azulejos prachtvoll ausgekleidete Wasserbassin Ribeira do Jamor, machen den Park zu einer Zauberwelt und zum wohl schönsten Rokokogarten Portugals (lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Die Wasserfontainen im Schlosspark von Queluz“, vom 17. November 2010).

Auf der anderen Seite des Palastes befindet sich ein großer Schlossplatz (port.: Largo do Palácio), in dessen Mitte ein Denkmal für Königin Maria I, der Gemahlin von Pedro III, steht.
Die Tochter des „Erdbebenkönigs“ José I und der Königin Maria Anna Victoria von Bourbon liebte Queluz von allen Braganças am meisten.
Maria I hatte vor einer misslungenen Verlobung mit dem französischen König Louis XV einige Zeit in Versailles verbracht. Dort lernte sie den französischen Geschmack lieben und brachte ihn dann später nach Portugal mit.
Die Königin liebte Queluz wegen seines Lichts, seiner Schönheit und seiner Weite. Doch während Maria I die Helligkeit um sich sammelte, verdüsterte sich ihr Geist zusehends.
Bei ihrer Flucht vor den Truppen Napoleons im Jahre 1808 nach Brasilien war sie schon schwer demenzkrank. Sie starb im Exil in Rio de Janeiro im Jahre 1816, in völliger geistiger Umnachtung versunken, als eine unglückliche Wahnsinnige, die ihr geliebtes Queluz leider nie wieder sehen sollte.

Heute gilt der Palast von Queluz zweifelsohne als eines der Symbole der portugiesischen Geschichte. Er verkörpert den höfischen Geschmack, der sich bis in unsere heutige Zeit hinübergerettet hat.
Seine prunkvollen Innenräume sind bewundernswert.

Aus all den azulejos- und freskogeschmückten Sälen, aus all dem Florentiner Marmor, dem brasilianischen Jacarandaholz, den wertvollen Empire- und Chippendalemöbeln und farbintensiven Wandteppichen aus Arreiolos ragt der Thronsaal (port.: Sala do Trono) heraus.
Er prunkt in Weiß und goldgemaltem Stuck. Prachtvolle venezianische Kristalllüster hängen von der Decke, riesige Spiegel schmücken die Wände und zwei, unter einem Baldachin stehende Thronsessel, beherrschen diesen wunderbaren Raum.

Aber auch andere Säle und Zimmer sind prunkvoll ausgestattet, wie etwa das Musikzimmer (port.: Sala da Musica), das große Esszimmer (port.: Sala de Jantar), das Zimmer der Botschafter (port.: Sala dos Embaixadores) und das Pavillon Robillion (port.: Pavilhão de Robillion), indem heute Staatsgäste übernachten. 
In einem Seitenflügel des Palastes liegt die Cozinha Velha. Die Alte Küche ist riesig, ihre Balken werden von Säulen getragen, glänzende Kupferkessel stehen über offenen Feuerstellen. Die Speisen der Könige wurden auf einem zehn Meter langen Marmortisch zubereitet.
Noch heute ist dieser riesige Marmortisch in Gebrauch, denn seit Jahren ist in der „Cozinha Velha“ ein luxuriöses Restaurant untergebracht.

Zwei Zimmer möchte ich hier im Palácio de Queluz ganz besonders hervorheben:
das eine ist das Don-Quijote-Zimmer (port.: Quarto Dom Quixote), das mit wunderschönen Gemälden aus dem Leben des Helden von Cervantes ausgestattet ist. In diesem kleinen Zimmer wurde 1798 der spätere König von Portugal und Kaiser von Brasilien, Pedro IV, geboren und in diesem selben Zimmer starb er 36 Jahre später.
Das zweite Zimmer, das ich hier gerne erwähnen möchte ist das „Zimmer der verlorenen Schritte“ (port.: Sala dos passos perdidos). Eine der Säle von Queluz heißt wirklich so. Er hat heute keinerlei Funktion und wahrscheinlich hatte er nie eine; jedenfalls ist keine bekannt. Das ist aber auch kein Wunder, denn der Palast ist so weitläufig, das 150 Jahre als königliches Zuhause nicht ausgereicht haben, um ihn bis in den letzten Winkel zu beleben!

Es berührt seltsam sich vorzustellen, dass hier einmal Königin Maria I mit ihrem Prinzgemahl Pedro III lebten, die nicht nur Eheleute waren, sondern auch gleichzeitig Nichte und Onkel.
Oder die abgrundtief hässliche und bösartige Königin Carlota Joaquina, die mit ihrem etwas plumpen König João IV alles andere als eine glückliche Ehe führte.
Oder Leopoldine von Österreich mit Pedro IV, der gleichzeitig König von Portugal und Kaiser von Brasilien war, und der so ein Schürzenjäger war, das er seine Frau nach Strich und Faden betrog.
So gesehen, bekommt der Palácio de Queluz im Lichte der Geschichte einen traurigen Rahmen.
Weder starke Herrscher noch glückliche Staatsmänner haben hier je gewohnt. Allenfalls prunksüchtige, verderbte und schwache.

Heutzutage wohnen keine gekrönten Häupter mehr hier, aber dann und wann wird der Palast aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, und ist dann der Ort, an dem der portugiesische Staatspräsident oftmals seine offiziellen Staatsempfänge und Staatsbanketts abhält. 
Um den Palast zu besuchen, muss man aber nicht zu solch einem Empfang oder Bankett eingeladen sein.
Es reicht wenn man sich an der Kasse eine Eintrittskarte für den Palast und seinen wunderschönen Park holt und dann genug Zeit mitbringt um diesen wahrlich königlichen Ort zu bewundern und zu genießen!

Es ist einfach herrlich!

Sonntag, 23. März 2014

Schreiben sie einem Portugiesen niemals mit roter Tinte


Vor einpaar Tagen, ich weiß nicht mehr wie wir darauf kamen, erklärte ich meinen zwei Arbeitskolleginnen Johanna und Maria – die eine Deutsche die andere Österreicherin – das es in Portugal ein absolutes No Go ist Jemanden ein Schriftstück mit roter Tinte zu schreiben, und sei es nur dessen Namen.
Es gilt hierzulande als unhöflich, ja eigentlich schon als beleidigend, einen Brief, eine Postkarte oder auch nur eine einfache Mitteilung auf einem Post It mit roter Farbe zu verfassen.

Warum das so ist, kann heute keiner mehr so genau sagen.
Aber höchstwahrscheinlich hat dieses Tabu einen religiösen Ursprung.
Portugal war schon immer, seit seiner Staatsgründung, sehr katholisch geprägt, und im Christentum ist Rot seit jeher die Farbe des Satans, des Feuers, der Hölle und der Sünde.
Möglicherweise liegt hier die Quelle dieses Aberglaubens, der sich bis heute gehalten hat.

So ist es z.B. belegt, dass in Zeiten in denen die allmächtige Inquisition (port.: Inquisição) hier in Portugal wütete, die Wohnhäuser und Geschäfte von Andersgläubigen, von Ketzern und der Hexerei beschuldigten mit roter Farbe, für alle Sichtbar, gekennzeichnet wurden.
Auf solch eine Art und Weise von der Kirche Diskriminiert zu werden war im Mittelalter eine Sache von Leben oder Tod!
Außerdem hatte die Inquisition die Gewohnheit, so las ich einmal, die Namen der zur Folter oder zum Tode verurteilten Personen mit roter Tinte niederzuschreiben.

Die römisch-katholische Kirche war es anscheinend auch, die im Mittelalter das Märchen in Umlauf setzte, die Juden würden immer die Türen ihrer Häuser mit Schweineblut beschmieren, um so ihre Heime gegen Feuer, Sünde und Christen zu beschützen.
Eine diffamierende Behauptung die vielen Menschen jüdischen Glaubens das Leben kostete!

Als das Mittelalter dann irgendwann endete und auch die Inquisition dann im späten 18. Jahrhundert in Portugal abgeschafft wurde, blieb das Unbehagen vor der roten Farbe auf einem Schriftstück in den Köpfen der Menschen bestehen – bis in unsere Tage!

Ich selbst vermeide es mit roter Schrift zu schreiben.
Um etwaigen Missverständnissen zu entgehen rate ich also jedem, einem Portugiesen niemals etwas mit roter Tinte zu schreiben, auch wenn es gut gemeinte Worte, Wünsche oder Grüße sind.
Er wird sonst beleidigt sein und sicherlich denken sie wünschen sich, er möge zum Teufel gehen!…

Dienstag, 18. März 2014

Der Inselarchipel der Berlengas


In meinem vorherigen Beitrag hier hier im „Planet Portugal“ (Blogeintrag „Nazaré“, vom 15. März 2014,) erwähne ich, so ziemlich am Ende des Textes. die Berlengas.
Heute wurde ich von einem meiner Blogleser gefragt, wer oder was die Berlengas eigentlich sind.

Nun, die Berlengas sind eine kleine portugiesische Inselgruppe.
Rund 12 km nordwestlich vor dem imposant in den Atlantischen Ozean abstürzenden Landspitze Cabo Carvoeiro ragen sie als kahle und bizarre, vom Festland abgesprengte rötliche Granitblöcke aus dem Meer heraus.

Die Berlengas bilden einen kleinen Archipel mit der etwa 4,5 km langen und bis zu 800 m breiten Hauptinsel Ilha da Berlenga, auch Berlenga Grande genannt, sowie den kleinen Inselgruppen Estrelas und Farilhões nebst zahlreichen Riffen und Felsklippen, die von Unterwassersportlern als Tauchrevier sehr geschätzt werden.
Die Ilha da Berlenga ist vom Festland, genauer von dem Fischerstädtchen Peniche, ca. 10 km entfernt und per Boot in etwa einer Stunde zu erreichen.

Auf der höchsten Erhebung der Hauptinsel steht, weit sichtbar, der 29 m hohe Leuchtturm Farol do Duque de Bragança aus dem Jahre 1841. Der Leuchtturm wird heutzutage, dank Sonnenenergie, tagsüber aufgeladen und sein Licht leuchtet dann nachts bis über 50 km weit aufs offene Meer hinaus.
Unterhalb des Leuchtturmes liegt die geschützte Hafenbucht mit der Festung aus dem 17. Jahrhundert, der Fortaleza de São João Baptista.
In den Kasematten der Festung war einstmals eine Jungendherberge untergebracht. Heute wird das Gebäude als Pension genutzt.

Im Jahre 1513 gründeten Mönche des Hieronymusordens, mit Unterstützung von Königin Leonor, der Gemahlin von König João II, auf der Insel ein kleines Kloster, das sie Mosteiro da Misericórdia da Berlenga nannten.
Sie errichteten dieses Kloster um Schiffbrüchigen und Opfern von Piraterie, die damals an dieser Küste an der Tagesordnung waren, Zuflucht zu gewähren.
Doch die Mönche blieben nicht lange.
Schon 1548 verließen sie, aufgrund der ständigen Angriffe spanischer, englischer und französischer Piraten, die Insel.
Im Jahre 1651 wurde das Kloster abgerissen, und seine Steine für den Bau der Fortaleza de São João Baptista verwendet.

Es gibt auf Berlenga Grande, der einzigen heute noch bewohnten Insel des Archipels, keine Straßen und dementsprechend auch keine Autos. Will man also die Insel entdecken, dann muss man dies auf Wanderwegen zu Fuß tun.
Wer sich für eine Wanderung entschließt, der wird mit imposanten Felsformationen, malerischen Grotten, tiefen Schluchten und vom tosen der Brandung erfüllten Felsbuchten auf seinem Weg belohnt.

Der Inselarchipel der Berlengas ist ein Naturschutzgebiet – und zwar das älteste Portugals!
Schon im Jahre 1465 setzte der damalige König Afonso V die Inseln unter Schutz und verbot die Jagd auf den Berlengas.
Seit dem 30. Juni 2011 sind die Berlengas ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat (port.: Reserva Mundial da Biosfera da UNESCO), das vor allem für tausende von Seevögel ein sehr beliebter Brutplatz ist.

Sollten sie einen Besuch auf den Berlengas planen, so vergessen sie nicht bei der Abfahrt im Hafen von Peniche, wo die Fährboote auf die Inseln abfahren, sich unbedingt die Rückfahrt aufs Festland bestätigen zu lassen.
Wenn sie nämlich Pech haben, und die klimatischen Bedingungen es nicht zulassen, dann müssen sie auf Berlenga übernachten – und Hotelzimmer sind auf der Insel leider Mangelware.
Aber vielleicht erwischen sie ja dann, mit viel Glück, sogar eines mit eigenem Bad…

Samstag, 15. März 2014

Nazaré


Das besonders malerische Fischerstädtchen Nazaré (dt.: Nazareth) zieht wegen des bunten, manchmal noch unverfälschten Lebens und Arbeitens der Fischer, aber auch wegen seiner guten Strände immer mehr Fremde an und zählt heute zu den meistbesuchten Seebädern an der in diesem Abschnitt als Costa de Prata bezeichneten portugiesischen Atlantikküste.
Nazaré, das als phönizische Gründung gilt, hieß bis zum Jahre 1912 Pedreneira und bestand aus dem Gebiet, der heute der Stadtteil gleichen Namens von Nazaré ist.
Im Jahre 1514 verlieh König Manuel I Pedreneira die Stadtrechte.
1912 schlossen sich die Ortschaft Pedreneira, das Fischerdorf Praia da Nazaré und der auf dem Felsen liegende Wallfahrtsort Monte Sítio da Nazaré zusammen, und bildeten fortan die Stadt Nazaré.
Noch heute besteht Nazaré, das an die 11.000 Einwohner zählt und gut 100 km nördlich von Lissabon liegt, lediglich nur aus diesen drei Stadtteilen.

Nazaré besitzt so gut wie keine historischen Bauwerke.
Alleine in Pedreneira steht noch die betagte Hauptkirche Igreja Nossa Senhora das Areias, das alte Rathaus und die Kirche Igreja da Misericórdia.
Es ist allein die lebhaft bunte Betriebsamkeit seiner Bewohner und die einmalige Ausstrahlung eines traditionsbewussten Städtchens, was den Besuch Nazarés zum bleibenden Erlebnis macht.

Obwohl sich das Fischerleben, nach dem Bau des neuen Hafens in den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts, mehr am südlichen Ortsrand abspielt, teilen sich den ansehnlichen Ortsstrand noch immer die Fischer, die hier ihre Fänge noch heute auf Holzgestellen und Drahtseilen zum Trocknen auslegen, und die Touristen.
Besonders an den Wochenenden, wenn noch viele Tagesausflügler aus Lissabon, Coimbra oder Porto anreisen, kann es dann schon einmal recht eng werden in Nazaré.
Die Fischer haben diesen Ort berühmt gemacht, aber letzten Endes wurde diese Berühmtheit auch fast zu ihrem Fallstrick.
Das große Experiment der Koexistenz zwischen Sonnenanbetern und Schwerarbeitern ist dennoch gelungen. Die Fischer leben ihr Leben, als gäbe es am sagenhaften Sandstrand keinen Tourismus.

Bei besonderen Anlässen oder bei vom Fremdenverkehrsamt organisierten folkloristischen Veranstaltungen, tragen die Fischer von Nazaré (port.: pescadores da Nazaré), die ihre Berufsbezeichnung fast wie einen Adelstitel tragen, nach wie vor ihre charakteristischen Trachten.
Die Männer tragen immer ein kariertes Hemd und eine anders karierte Hose sowie eine schwarze Zipfelmütze aus Wolle, die eine Quaste hat die bis zur Schulter hängt. In dieser Zipfelmütze, werden gleich einem Beutel, Münzen, Schnupftabak, Angelköder und anderer Kleinkram aufbewahrt.
Die Frauen zeigen sich in Kleidern, deren füllige, weit ausladende Röcke von sieben Unterröcken gestützt und reichlich mit Spitzen versehen sind.

Der ganze Stolz der Fischer der Nazaré sind ihre Fischerboote.
Früher mussten sie ihre bunten Boote, die für ihre hochgezogenen spitzen Vordersteven und den typischen „Augen Gottes“ in ganz Portugal bekannt sind, mangels geeigneter Kaianlagen mit eigener Kraft und mittels hölzerner Rollen ins Wasser schieben.
Bei ihrer Heimkehr wurden dann die Fischerboote von Ochsen an Land gezogen und dann von den an Land wartenden Frauen und Männern entladen.
Dabei praktizierten sie eine als „arte xávega“ bezeichnete Fischfangmethode.

Dafür wurde von der Küste ein Netz ausgelegt, das man später vom Strand wieder einholte. Dieses Einholen des Netzes geschah nach einem uralten Ritual, bei dem sich die Körper der Männer und Frauen im Gleichklang beugen und strecken. Man nannte diese beinahe archaische Fangmethode das „Ballett der Nazarenhos“.
Den „Ballett der Nazarenhos“ gibt es heute nur noch sehr selten zu sehen, da er sich einfach nicht mehr lohnt, und so bleibt den Touristen als Attraktion nur noch die Fischversteigerungen, die täglich nach Rückkehr der Fischer abgehalten werden.
Wer mehr über die Fischer von Nazaré und ihren traditionsreichen Beruf erfahren möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Museu Casa do Pescador.

Einen schönen Blick auf den Strand von Nazaré hat man aus der Höhe des kleinen Vorgebirges Monte Sítio.
Man kann mit dem Auto zu diesem Felsplateau hinauffahren, man kann zu Fuß hochgehen, aber origineller ist eine Fahrt mit der Seilbahn (port.: ascensor) aus dem Jahre 1889.
Die 318 m lange Seilbahn, die Praia mit dem 110 m höher gelegenen Sítio verbindet, ist ein Werk des französischstämmigen portugiesischen Ingenieurs Raoul Mesnier du Ponsar, der u. a. für den Bau des berühmten Aufzugs Santa Justa in der Baixa von Lissabon bekannt ist.

Sítio verdankt seine Entstehung einer Legende.
Der Sage nach soll im Jahre 1182 der Edelmann und Ratsherr D. Fuas Roupinho hier, an einem sehr nebeligen Tag, auf der Jagd einen Hirsch verfolgt haben. Als dieser von der Klippe in die Tiefe sprang und das Pferd sich anschickte ihm nachzusetzen, soll D. Fuas Roupinho, im Angesicht des Todes, die Worte „Senhora, Valei-me!“ (dt.: Rette mich, Muttergottes) gen Himmel gerufen haben.
Die Gottesmutter soll das flehende Stoßgebet des Reiters erhört und das Pferd durch ihr Erscheinen geblendet und zurückgehalten haben.
Zum Dank für die wunderbare Hilfe ließ D. Fuas Roupinho unmittelbar am Klippenrand eine Kapelle errichten, die er stiftete.
Diese Kapelle trägt den Namen „Capela da Memória“ (dt.. Erinnerungskapelle) und ist der Grund, warum Nazaré einmal der wichtigste Wallfahrtsort Portugals war.
Erst im 20. Jahrh. löste der etwa 30 km entfernte Ort Fátima, mit seiner Marienerscheinung und den drei Hirtenkindern, Nazaré als wichtigste religiöse Pilgerstätte des Landes ab.

Als die kleine Capela da Memória, die mit wunderschönen Azulejos ausgestattet ist, im laufe der Zeit nicht mehr dem Ansturm der Gläubigen gewachsen war, beschloss König Fernando I, der Sítio im Jahre 1377 bei einer Wallfahrt besucht hatte, eine Kirche bauen zu lassen, die fortan den Namen Igreja da Nossa Senhora da Nazaré trug.
Nach einem Vergrößerungsumbau an der Kirche im 18. Jahrh. wurde die als wunderfähig verehrte Holzstatue der Nossa Senhora da Nazaré (dt.: Unsere Liebe Frau von Nazaré), die seit dem 14. Jahrh. in einer Nische der Kirche gestanden hatte, in einem Schrein über den Hauptaltar der Kirche aufgestellt, wo sie von den tausenden von Pilgern besser bewundert werden konnte.

Nossa Senhora da Nazaré war, als Portugal sich anschickte in die Welt hinauszusegeln, die Schutzpatronin aller Seemänner.
Wie populär diese Heilige bei den Seefahrern, Entdeckern und Fischern war, sieht man daran das viele von ihnen, bevor sie mit ihren Schiffen nach Afrika, Asien oder Amerika aufbrachen, sich vorher bei ihrer Schutzpatronin den Segen holten.
Vasco da Gama, der Entdecker des Seeweges nach Indien oder Pedro Álvares Cabral, der Entdecker Brasiliens, sind z.B. zwei von vielen, von denen dokumentiert ist, das sie vor und nach ihren Reisen nach Sítio pilgerten.

Die noch nicht einmal 30 cm große Marienstatue der Nossa Senhora da Nazaré ist sehr alt, und soll, so die religiöse Legende, aus Nazareth (port.: Nazaré) in Galiläa stammen.
Die Heiligenfigur soll eine Originalabbildung der echten Muttergottes Maria sein, wie sie den Knaben Jesus Christus stillt.
Kein geringerer als ihr Ehemann, der Heilige Josef, der von Beruf ja Zimmermann war, soll diese Figur einstmals selbst geschnitzt haben.
Ob wahr oder nicht – Fakt ist, das diese kleine, dunkele Holzstatue eines der ältesten Marienstatuen ist, die von der katholischen Kirche angebetet wird.
Alljährlich, immer am 15. August und in der zweiten Septemberwoche, finden in Nazaré Walfahrten statt, die Besucher von nah und fern anziehen.

Etwa 500 m westlich von der Pilgerstätte Santuário de Nossa Senhora da Nazaré entfernt steht das Forte de São Miguel Arcanjo (dt.: Festung Erzengel Michael), der seit 1903 als Leuchtturm von Nazaré funktioniert.
Die ehemalige Festung wurde in der Regierungszeit von König Sebastião erbaut, und diente dem Schutz des Wallfahrtsortes Sítio und dem seiner Pilger.
Vom Forte de São Miguel Arcanjo hat man einen grandiosen Blick auf Nazaré, seine Strände, die Berlengas, den Atlantik und seine Riesenwellen.
Von hier oben hat man auch den besten Blick auf die Praia do Norte.
Dieser Strand, der doch recht windig ist,  ist nicht nur bei Badeurlaubern sehr beliebt.
Nein, dieser Teil der Küste ist in erster Linie vor allem ein Paradies für Surfer, Wind- und Kitesurfern.

Ein Besuch Nazarés lohnt sich alle Mal, zumal diese Kleinstadt der ideale Ausgangspunkt ist um die traumhaften Strände, die ruhigen Ortschaften und die gastfreundlichen und entspannten Menschen der Costa de Prata kennen zu lernen.