Samstag, 22. August 2015

Portugal, das Land in dem Wasser gepredigt und Wein getrunken wird


Wie das portugiesische Weininstitut (port.: Instituto da Vinha e do Vinho), das dem hiesigen Landwirtschaftsministerium untersteht, diese Woche verlautbaren ließ, erwarten nationale Winzer dieses Jahr eine Ernte von ca. 670 Millionen Liter Weine bester Qualität.
Im Verhältnis zum Vorjahr, wo 620 Millionen Liter Spitzenweine produziert wurden, wäre das eine Steigerung von immerhin 8%!
Nicht mitgerechnet sind hier die unzähligen Tafelweine die hierzulande angebaut werden.

Bis auf die Weinanbauregion Setúbal werden alle portugiesischen Weinanbaugebiete dieses Jahr eine signifikante Produktionssteigerung haben.
Für die Weinanbauregionen Douro, Porto und Dão wird für 2015 sogar mit einem Produktionsüberschuss von 20% gerechnet.
Insgesamt wird in Portugal auf einer Fläche von 240.000 Hektar – die siebtgrößte Weinanbaufläche der Welt – Rebensaft angebaut.

Nach einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO (port.: Organização Mundial da Saúde) trinken Italiener 50 Liter, Franzosen 53 Liter und Portugiesen 55 Liter Wein pro Kopf und Jahr.
Damit sind Portugals Bürger Europas größte Weinkonsumenten.

Wein hat in Portugal schon immer einen hohen kulturellen und wirtschaftlichen Stellungswert gehabt.
Es ist archäologisch erwiesen, das bereits in der Bronzezeit die Menschen, die das heutige Portugal besiedelten, Getränke aus Weintrauben herstellten.
Richtig kultiviert und angebaut wurde Wein dann aber erst seit der Römerzeit in Portugal. Es waren die alten Römer, die die Weinkultur hierzulande etablierten.
Im 12. Jahrhundert, unter König D. Dinis der im Volksmund „o Lavrador“ (dt.: der Bauer) genannt wurde, wurde der Weinanbau sehr gefördert und Wein zu einem wahren portugiesischen Exportschlager der damaligen Zeit.
Jahrhunderte später, als die englische Krone hohe Zölle über importierte französische Weine verhängte, wurde Portugal Englands größter Weinlieferant.
Im Jahre 1756 ließ der absolutistisch regierende Premierminister Marques de Pombal das Weinanbaugebiet am oberen Flusslauf des Douro (port.: Alto Douro) mit Marksteinen begrenzen und machte die Region zum weltweit ersten herkunftsgeschützten Weinanbaugebiet der Welt.
Während der Diktatur von António de Oliveira Salazars im 20. Jahrhundert war die portugiesische Weinproduktion weltweit verhältnismäßig unbedeutend.
Erst mit dem Eintritt Portugals in die EU begann der portugiesische Weinanbau wieder zu florieren und ist heute verantwortlich für eines der wichtigsten Exportgüter Portugals.

Freitag, 14. August 2015

Internationales Festival für Sandskulpturen FIESA an der Algarve






Seit einiger Zeit findet in der kleinen Ortschaft Pêra, an der südportugiesischen Provinz Algarve gelegen, das weltweit größte Internationale Festival für Sandskulpturen FIESA (port.: Festival Internacional de Escultura em Areia) statt.

Realisiert wird dieses seit 2003 alljährlich in Südportugal stattfindende Festival von zahlreichen nationalen und internationalen Künstlern, u. a. aus Norwegen, der Tschechischen Republik oder Deutschland, die alle aus etwa 40 t reinem Sand die kreativsten und originellsten Skulpturen herstellen.

Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Musik“.
Auf einem Areal von über 15.000 m² werden dieses Jahr mehr als Hundert kunstvoll modellierte Sandskulpturen, die berühmte Musiker, Komponisten und Musikinstrumente darstellen, zu bestaunen sein.

Wem die Sandbauten nicht nur gefallen, sondern auch gerne wissen will wie sie entstanden sind, bzw. wie sie gebaut wurden, der kann auf dem Ausstellungsareal bei verschiedenen Aktivitäten und Workshops von den Carver – so werden die Sandskulpteure genannt – selbst den einen oder andere Tipp erhalten und von diesen einige Techniken erlernen.

Das Internationale Festival für Sandskulpturen FIESA in Pêra, bei Silves an der Algarve, kann bis zum 20. Oktober 2015 besucht werden.
Kinder bis 12 Jahre bezahlen 4,50 Euro und Erwachsene 9,- Euro Eintritt für den Besuch des Sandskulpturenparks.

Wer sich also bis in den Herbst hinein an der Algarve aufhält, der sollte sich dieses imposante Sandspektakel nicht entgehen lassen.

Montag, 10. August 2015

Musikfestival unter der Sonne von Costa de Caparica


Am kommenden Wochenende steigt im Badeort Costa de Caparica, südlich von Lissabon, wieder das Musikfestival „O Sol da Caparica“, ein Event das sich über vier Tage hinzieht und auf dem rein portugiesischsprachige Musik zu hören sein wird.

Musiker und Bands aus Portugal und den lusophonen Ländern Brasilien, Cabo Verde, Angola und São Tomé und Principe werden hier live die unterschiedlichsten Musikgenre, wie z.B. Fado, Rock, Reggae oder Hip Hop, zum besten geben und so die portugiesische Musik, in Zeiten in dem die englischsprachige Musik immer präsenter wird, würdigen.

Vom 13. bis zum 14. August werden über 30 verschiedene portugiesischsprachige Sangeskünstler und Musikpoeten den Badeort Costa de Caparica in eine Beachparty verwandeln.
Am Sonntag, dem 15. August, werden die Sänger Avô Cantigas und Luisa Sobral versuchen dem Publikum von Morgen – den Kindern – ein ganz besonderes Konzert mit vielen Kinderliedern und –melodien zu geben.

Hier die Agenda für das diesjährige Festival „O Sol da Caparica“ für all diejenigen die portugiesischer Musik mögen und diese vielleicht auch mal gerne live hören wollen:

13. August (Donnerstag)
-       Camané (Fado)
-       Carlão (Hip Hop)
-       Dengaz (Reggae)
-       DJ Marfox (Kuduro)
-       HMB (Soul)
-       Marcelo D2 (Rap)
-       Resistência (All-Star-Projekt)
-       Richie Campbell (Reggae)
-       The Legendary Tigerman (Blues)
-       UHF (Rock)
-       Mimicat (Soul & Blues)

14. August (Freitag)
-       Brigada Victor Jara (portuguisische Volksmusik)
-       Dino D´Santiago (Hip Hop)
-       Jorge Palma (Rock)
-       Linda Martini (Punk Rock)
-       Paulo Flores (Kizomba)
-       Paulo Gonzo (Schlager/Pop)
-       PAUS (Pop)
-       TIM (Pop)
-       Vitorino & Som Habanero (traditionelle Volksmusik)
-       Oquestrada (AtlanticBeat/Fado)
-       DJ Mastiksoul (Housemusik)

15. August (Samstag)
-       Agir (portugiesische Volksmusik)
-       Batida (Beat/Pop)
-       Luis Represas (Pop)
-       Miguel Araújo (Rock/Folk/Pop/Bossa Nova)
-       Regula (Rap)
-       Tito Paris (akrikanische Volksmusik)
-       Xutos & Pontapés (Rock)
-       Tiago Bettencourt (Rock)
-       Berg (Pop/Rock)

16. August (Sonntag)
-       Avô Cantigas (Kinderlieder)
-       Luisa Sobral (Jazz)

Die Stadt Costa de Caparica liegt südlich von Lissabon, auf der anderen Flussseite des Tejo. Die knapp 15.000 Einwohner zählende Stadt ist berühmt für ihre weitläufigen und feinsandigen Strände und dank diesen lebt der Ort hauptsächlich vom Tourismus.

Freitag, 7. August 2015

Portugals Strände – unter den besten der Welt


In ihrer letzten Ausgabe hat die US-amerikanische Onlinezeitung „The Huffington Post“ mit Hilfe ihrer Reisejournalisten und anderen redaktionellen Mitarbeitern die paradiesischste Meeresbucht der Welt gesucht und dann gekürt.
Badestrände in Brasilien, Australien, Mexiko, Hawaii und auf den Seychellen kamen auf die vordersten Plätze.
Den ersten Platz aber machte ein Strand in unseren Gefilden, nämlich der Strand in der Bucht von Ponta da Piedade südlich der Stadt Lagos, an der Algarve.

Und zu Recht, denn die Ponta da Piedade ist einer der malerischsten Küstenabschnitte der Algarve und ganz Portugals, mit vielen prächtigen Felsenbildungen, steilen Klippen, zahlreichen Grotten, kristallklarem Wasser und einem feinen Sandstrand, der das Prädikat Traumstrand ohne weiteres verdient.

Portugiesische Strände, so unterschiedlich sie auch sein mögen, waren schon immer sehr beliebt, nicht nur bei uns Portugiesen, sondern auch bei unseren ausländischen Gästen.
Hier nun im Folgenden einige internationale Bewertungen portugiesischer Strände der letzten Jahre:

- Ponta da Piedade in Lagos, Algarve
die US-amerikanische „The Huffington Post“ tituliert diese Badebucht in ihrer Onlineausgabe vom Juli 2015 als „Die schönste Bucht der Welt“

- Praia da Fábrica in Cacela Velha, bei Vila Real de Santo António, Algarve
laut den Lesern der spanischen Ausgabe der  Reisezeitschrift „Traveler“ ist dieser Strand unter den 15 anziehendsten der Welt – Ausgabe Juli 2015

- Praia da Adraga, Sintra
die Leser des englischen „The Guardian“ kürten im Mai 2014 diesen Strand zum attraktivsten in Portugal

- Praia da Salema, Vila do Bispo
die Reisezeitschrift „Travel and Leisure“ meinte im März 2012, dieser Strand sei einer der größten Geheimtipps der Welt

- Praia de Sagres, in Vila do Bispo und Praia de Sesimbra
die englische Ausgabe der „Time Out“ bezeichnet diese zwei Strandabschnitte im August 2010 als die besten und schönsten in Europa

- Praia de Porto Covo, Sines
laut der französischen Ausgabe der „Huffington Post“ vom Oktober 2014 gehört dieser zu den zehn attraktivsten Stränden der Welt

- Praia de Peniche
die spanische Ausgabe der „Lonley Planet“ bewertet Peniche im Juni 2015 als eine der zehn besten Europas im diesjährigen Sommer

Wer lange Strandspaziergänge mag, gerne eine Runde im glasklaren Wasser schwimmt oder schnorchelt, wer spektakuläre Sonnenuntergänge mag oder mit seinen Kindern lieber eine Sandburg baut, einen Drachen steigen lässt oder Muscheln sammelt, wer gerne Beachball oder Volleyball spielt oder lieber faul die Sonne genießt, der ist zweifellos mit den hiesigen Stränden immer bestens bedient!

Freitag, 31. Juli 2015

Like ice in the sunshine


Als ich ein Kleinkind war habe ich manchmal, in Begleitung meiner Eltern, meinen Urgroßvater Henrique in seinem Altersheim „Inválidos do Comércio“, im Lissabonner Stadtteil Lumir, besucht.
Ich war vier oder fünf Jahre alt und meine Erinnerungen an diese Besuche sind leider eher dürftig, aber an eine Sache kann ich mich noch sehr gut erinnern:
Bei jedem Besuch drückte mir mein Urgroßvater ein 20-Escudo-Schein beim Abschied in die Hand, mit welchem mir dann meine Mutter immer eine Eiswaffeltüte voller bunter Eiscremekugeln kaufen musste.
Das ist jetzt schon über 40 Jahre her, aber diese riesigen Eistüten voll leckerem Eis sind noch immer sehr präsent in meinen Gedanken.
Es gibt ein Kinderfoto aus dieser Zeit von mir, auf dem ich mit weit aufgerissenen und leuchtenden Augen vor der Vitrine der alten Lissabonner „Gelataria Veneziana“ stehe, so als wollte ich ihr ganzes Eis verschlingen…

Nun, die Jahre sind vergangen, meinen Urgroßvater Henrique gibt es schon lange nicht mehr, genauso wenig die 20-Escudo-Geldscheine oder die alte „Gelataria Veneziana“, aber meine Lust auf gutes, leckeres Eis ist auch heute noch vorhanden und ungebrochen.

Aber so gerne ich auch Eis (port.: gelado / sorvete / rajá) esse, so Allerweltssorten wie etwa Vanille (port.: baunilha), Schokolade (port.: chocolate), Erdbeere (port.: morango) oder Zitrone (port.: limão) sagen mir schon lange nichts mehr.
Da müssen schon ausgefallene Eissorten und eigenwillige Kreationen kommen, um mir heute geschmacklich zu imponieren.

Zum Glück mangelt es in Portugal, vor allem hier in Lissabon, nicht an jungen, ehrgeizigen und experimentierfreudigen Eisherstellern und an Speiseeismanufakturen mit einer überwältigenden Auswahl an fruchtigen, cremigen und sahnigen Eissorten, die mitunter zu den besten der Iberischen Halbinsel gehören und einfach nur zum Dahinschmelzen sind.

Hier nun, auf Anfragen einiger meiner Leser, die eine oder andere „coole“ Adresse die man in Lissabon diesen Sommer unbedingt aufsuchen sollte wenn man Speiseeisliebhaber ist und in den Genuss von schmackhaften, hausgemachten und nicht gerade alltäglichen Eissorten kommen will:

„Gelataria Artisani“
Rua Professor Francisco Gentil E1, 2
Lumair – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Pastel de Nata mit Portwein (port.: pastel de nata com vinho do Porto)
- Milchreis (port.: arroz doce)
- Adzukibohne (port.: feijão Azuki)
- Frischkäse mit Kräutern (port.: requeijão com ervas aromáticas)

„Gelataria Cone ou Copo“
Praça dos Restauradores n° 58
Baixa – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Ingwer mit Minze (port.: gengibre com hortelã)
- Crème brûlée (port.: leite creme)

„Gelataria FIB“
Avenida Padre Manuel de Nóbrega n° 13E
Areeiro – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Weiße Schokolade mit Himbeerstückchen
(port.: chocolate branco e framboesa)
- Käsekuchen (port.: cheese cake)

„Gelataria Fragoleto“
Rua da Prata n° 61
Baixa – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Veilchen (port.: violeta)
- Rosen (port.: port.: rosas)
- Schwarzer Holunder (port.: sabugueiro)

„Gelato Therapy“
Rua da Madalena 83
Baixa – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Feigen mit Basilikum (port.: figos com manjericão)
- Ginjinha, ein hier in Portugal sehr beliebtes Sauerkirschenlikör (port.: ginjinha)

„Gelataria Mú“
Campo Mártires da Pátria n° 50
Arroios – Lisboa (unweit der deutschen Botschaft)
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Avocado (port.: abacate)
- Balsamico-Essig (port.: vinagre balsâmico)

„Gelataria Résvés“
Rua 4 da Infantaria n° 26
Campo de Ourique – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Johannesbrotfrucht (port.: alfarroba)
- Nestum, ein hier in Portugal sehr beliebter Kinderbrei (port.: Nestum)
Ovos moles, portugiesische Eiersüßspeise (port.: ovos moles)

„Gelataria Santini“
Rua do Carmo n° 9
Chiado – Lisboa
Hier sollte man unbedingt probieren:
- Portwein mit getrockneten Feigen und Nussstückchen (port.: vinho do Porto, figos secos e nozes)
- Weißer Nougat (port.: torrão)
- Acai-Beere mit Erdbeere (port.: açaí com morango)
- Gorgonzola mit Walnüssen (port.: gorgonzola com nozes)
- Bratapfel mit Zimt (port.: maçã assada e canela)

Soweit mir bekannt ist, stellen alle hier von mir genannten Speiseeismanufakturen traditionell ihre Produkte aus frischen Rohstoffen und Früchten her und alle rühmen sie sich damit weder künstliche Farb- oder Aromastoffe zu benutzen.
Ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht.
Fakt ist aber, das alle hier genannten Eissorten sehr lecker schmecken und eine eiskalte Verführung sind!

Mittwoch, 29. Juli 2015

TAP Portugal – Bildnis eines Volkes


2015 ist nicht nur das Jahr in dem die TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses / dt.: Portugiesische Luftverkehrstransporte) privatisiert worden ist, sondern es ist auch das Jahr an dem die portugiesische Fluggesellschaft ihr siebzigjähriges Bestehen feiert.

Aus Anlass des 70. Geburtstags der TAP zeigt das Lissabonner Mode- und Designmuseum MUDE (port.: Museu do Design e da Moda) seit Mitte dieses Monats Juli die Sonderausstellung „TAP Portugal: Imagem de um Povo“ (dt.: TAP Portugal: Bildnis eines Volkes).

Flugkapitäns- und Flugbegleiteruniformen, Bordgeschirr wie Teller, Tassen und Bestecke, Reisetaschen, Flugtickets, Werbeplakate, Fotographien, Postkarten und andere Exponate – viele von ihnen von Privatleuten ausgeliehen und zur Verfügung gestellt – zeigen auf eindrucksvolle Weise die historische Entwicklung des Designs und dessen Einfluss auf die modische Geschichte der TAP vom ersten Tag an bis heute.
Gegründet wurde Portugals größte Fluggesellschaft von dem einflussreichen Politiker und General Humberto Delgado am 14. März 1945, als dieser Generaldirektor der zivilen portugiesischen Luftfahrt war.

Die Ausstellung „TAP Portugal: Imagem de um Povo“ kann noch bis zum 15. Oktober 2015 besucht werden.
Sie ist jede Woche von Dienstag bis Sonntag, 10 Uhr bis 18 Uhr, geöffnet und der Eintritt ist frei!

Montag, 27. Juli 2015

Mit einer Nussschale über den Atlantik – die historische Fahrt der „Bom Sucesso“


Wer jemals die Stadt Olhão in der südportugiesischen Algarve besucht hat (lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Olhão“, vom 30. Juni 2015), dem wird am Hafen, zwischen all den Fischer- und Segelbooten, ein kleiner, aber besonders schöner Segler aufgefallen sein.
Bei diesem Kahn – einem so genannten Kaik (port.: caíque) – handelt es sich um eine maßstabgetreue Nachbildung eines Seglers, welches vor über 200 Jahren eine recht abenteuerliche Atlantiküberquerung hinter sich gebracht hat.
Der Name dieses Kaik lautete und lautet „Bom Sucesso“ (dt.: guter Erfolg / gutes Gelingen / viel Erfolg) und ist heute das Wappen der Stadt Olhão.

Kaiks – nicht zu verwechseln mit Kajaks! – sind, vereinfacht gesagt, Miniaturausgaben von Schiffstypen mit denen Portugal einst die Welt umsegelte, wie etwa Karavellen, Galeonen und Naus.
Im Gegensatz zu diesen großen Seglern, waren Kaiks aber nicht für lange Fahrten konzipiert, sondern fanden als robuste Fischer- und Frachtschiffe eigentlich nur in Küstennähe Verwendung.
Die Fischer der Algarve wagten mit diesen kleinen Kähnen gerade mal ab und zu eine Fahrt bis ins nahe Nordafrika.
Vor allem die Einwohner von Olhão benutzten diesen recht wendigen Bootstyp seit jeher um in der vor ihrer Haustür liegenden Ria Formosa zu fischen.

Als Anfang des 19. Jahrh. französische Soldaten auf Befehl von Napoleon Bonaparte Portugal besetzten, verboten sie u. a. den Fischern von Olhão die Kaiks zu benutzen und so ihrem eigentlichen Broterwerb nachzugehen.
Daraufhin fanden die Einwohner von Olhão eine zwar gefährlichere – da unter Todesstrafe stehende – aber dennoch wesentlich ertragreichere Erwerbstätigkeit:
sie schmuggelten auf Teufel komm raus!
Die schnittigen Kaiks, die kaum Tiefgang hatten, waren in den zahlreichen Kanälen, Sanddünen, Salzmarschen und seichten Lagunen der Ria Formosa hierfür für ihre Besitzer sehr von Nutzen. 

Im Juni 1808 erhoben sich die Bürger von Olhão erfolgreich gegen die französischen Besatzer.
Dank der Hilfe englischer Truppen konnten die französischen Soldaten recht schnell besiegt werden und hinter die spanische Grenze gedrängt werden.
Bereits am 23. Juni 1808 galt die Algarve als von den Franzosen befreit.

Die Nachricht über diesen überaus wichtigen Sieg gegen die verhassten Franzosen konnte zuerst einmal nicht an den Staatsoberhaupt gegeben werden, da die damalige Monarchin, Königin Maria I, und ihr Sohn Prinzregent João, der spätere König João VI, im entfernten Brasilien im Exil weilten.
Die königliche Familie war kurz vor der französischen Besatzung im November 1807, samt ihrem Hofstaat und der Regierung, außer Landes gegangen und hatte in Rio de Janeiro ihre Zelte aufgeschlagen.

Da man aber so schnell wie möglich den Prinzregenten über den durchaus wichtigen militärischen Erfolg in der Heimat in Kenntnis setzen wollte, entschloss die portugiesische Militärregierung der Algarve dem Regenten ein Dokument mit der Nachricht über den Sieg Portugals gegen Frankreich zukommen zu lassen.

Am 07. Juli 1808, drei Wochen nach der Befreiung der Algarve, bestiegen 17 einfache Männer aus Olhão den Kaik „Bom Sucesso“ und stachen wagemutig in See.
An Bord waren Manuel de Oliveira Nobre, der zum Kapitän bestimmt worden war,
Manuel Martins Garrocho, der Eigentümer der „Bom Sucesso”,
und die einfachen Fischer
António Pereira Gémio
António da Cruz Charrão
António dos Santos Palma
Domingos do Ó Borrego
Domingos de Sousa
Francisco Lourenço
João Domingues Lopes
João do Munho
Joaquim do Ó
Joaquim Ribeiro
José Pires
José da Cruz
José da Cruz Charrão
Manuel de Oliveira
und Pedro Ninil

Keiner dieser Männer hatte sich vorher so weit in den Atlantik hinausgewagt und es darf behauptet werden, dass keiner von ihnen sich auch nur annähernd vorstellen konnte was für Strapazen und Gefahren vor ihnen lagen.
Wenn man bedenkt, dass die „Bom Sucesso“ gerade mal 18 m lang und 5 m breit war, das mehrere Tausend Kilometern vor ihnen lagen, sie vor französischen Kriegsschiffen und Piraten ständig auf der Hut sein mussten und das sie, außer einer alten Seekarte, keinerlei nautisches Gerät an Bord hatten, kann man ohne Zweifel von Wagemut bei diesen Männern sprechen.
Sie orientierten sich nachts mit Hilfe der Sterne und nutzten die Winde und Meeresströmungen um ihr Ziel Rio de Janeiro zu erreichen.

Begünstigt durch aus Nordosten wehenden Winden erreichte nach einer Woche auf See die „Bom Sucesso“ am 14. Juli Funchal auf Madeira. Hier versorgte sich die Mannschaft mit frischem Wasser und Lebensmitteln.
In einer Hafenkneipe lernte Kapitän Manuel de Oliveira Nobre den Seemann Francisco Domingos Machado kennen.
Machado war zwar noch jung an Jahren, hatte aber schon als Matrose eine Reise ins entfernte Macau hinter sich gebracht, was ihn, in den Augen des Kapitäns, „hochseetauglich“ machte.
Kapitän Oliveira Nobre lud den jungen Machado zur Überfahrt ein, konnte ihn aber nicht für diese bezahlen. Außer dem Dokument mit der Nachricht an den Prinzregenten hatte die „Bom Sucesso“ keinerlei Wertsachen an Bord. Kapitän Oliveira Nobre machte Machado aber ein Angebot schmackhaft, welches er sofort annahm.
Vor versammelter Mannschaft sagte Kapitän Oliveira Nobre dem jungen Machado zu, er würde das Kommando der „Bom Sucesso“ übernehmen, sollte er selber während der abenteuerlichen Reise versterben.
Ein Angebot das der einfache Matrose Machado nicht ausschlagen konnte und wollte.
Zwei Tage später, am 16. Juli, stach die „Bom Sucesso“ wieder in See.

Nach einer langen Zeit auf dem Meer ließen sich eines Morgens zwei Pelikane auf der „Bom Sucesso“ nieder, wohl um sich auszuruhen. Da die Männer diese Vögel von ihrer Heimat her kannten, wussten sie dass sich Pelikane nur sehr selten mehr als 60 oder 70 Seemeilen vom Land zu entfernten pflegten.
Als die Männer dann auch Treibholz, Seegras und Schilfrohr im Wasser treiben sahen, wussten sie, dass sie sich wohl nicht mehr sehr weit von der Küste befinden würden.

Fünf lange und stürmische Wochen nach ihrer Wegfahrt von Madeira und nachdem sie mit großer Zähigkeit und Willenskraft alle Hindernisse auf hoher See überwunden hatten, sichteten die Männer endlich die südamerikanische Küste.
Als sie an Land gingen erfuhren sie von Missionaren, die im Urwald Indios bekehrten, dass sie nicht in Brasilien angelandet waren, sondern sich in Französisch-Guayana befanden – also in Feindesland.
Sie füllten ihre Fässer mit frischem Wasser, besorgten sich im Urwald Nahrung und stachen darauf hin sofort wieder in See.
Da sie nun wussten wo sie sich ungefähr befanden, segelten sie die restliche Strecke immer in Landesnähe.
Sie segelten und ruderten an der dicht bewaldeten Küste Amazoniens, Pernambucos und Bahias vorbei, bevor sie endlich am 22. September 1808 in die Bucht von Guanabara, in Rio de Janeiro, einfuhren.

Sie hissten die portugiesische Flagge und gingen an Land.
Sofort sammelten sich am Hafen zahlreiche Bürger der Stadt und die Soldaten Rios, die den Kaik zuerst gar nicht bemerkt hatten, dachten anfänglich an einen üblen Scherz, denn für sie war es unvorstellbar, dass solch eine Nussschale wie die „Bom Sucesso“ den Atlantik überqueren konnte.
Als dem wachhabenden Kommandeur aber das versiegelte Dokument an den Prinzregenten gezeigt wurde, wurden die Atlantiküberquerer sofort in den königlichen Palast zu Prinzregent João geführt.

Der Regent war beeindruckt und konnte zuerst einmal, wie wohl jeder an diesem Tag in Rio de Janeiro, nicht so richtig glauben das die „Bom Sucesso“ den weiten Weg von Olhão nach Brasilien gefunden hatte.
Er empfing die ganze Mannschaft und ließ dieser, nach dem lesen des Dokuments das die portugiesische Militärregierung der Algarve an ihn gesendet hatte, noch am selben Tag die stattliche Summe von 1.200 Reis, die damalige portugiesische Goldwährung, auszahlen.

Aber der Prinzregent beließ es nicht bei dieser stattlichen Geldsumme für die 18 wagemutigen und tapferen Fischer aus Olhão.
In den folgenden Tagen gab er allen einen hohen militärischen Rang und versah jeden von ihnen mit dem höchsten Verdienstsorden den der portugiesische Staat damals zu vergeben hatte, dem Christusorden (port.: ordem de Cristo), einem Orden der bis dahin eigentlich nur an Adelige verliehen wurde.
Außerdem kaufte er Manuel Martins Garrocho, dem Eigentümer der „Bom Sucesso“, seinen Kaik ab und schenkte ihm einen neuen Segler, mit dem die Mannschaft später auch die Heimreise nach Portugal antrat.

Die original „Bom Sucesso“ gibt es heute nicht mehr.
Keiner weiß was aus dieser kleinen Nussschale geworden ist. Tatsache ist, das der Kaik bis 1841 nachweißlich eines der beliebtesten Ausstellungsstücke des renommierten Marinemuseums von Rio de Janeiro war.

Am 15. November 1808 erhob Prinzregent João Olhão zur Stadt und versah diese mit dem lyrischen Beinamen „Vila de Olhão da Restauração“ (dt.: Olhão, Stadt der Wiederherstellung).
Diesen Ehrentitel gab der Prinzregent der Stadt als Dank für die wichtige Initiative der Bürger Olhãos für die „Wiederherstellung“ der Unabhängigkeit Portugals von den französischen Besatzern.

Im Februar 1809 kehren die 18 Fischer aus Olhão in ihre Heimat zurück.
An Bord nahmen sie verschiedene Schriftstücke mit, unter ihnen verschiedene Anordnungen und Befehle des Prinzregenten an die Militärverwaltungen in Lissabon und der Algarve, sowie zahlreiche Briefe und Schriftstücke bürgerlicher, adliger und kirchlicher Bürger Rios an die verschiedensten Empfänger in Portugal.
Der portugiesische Seepostweg war gegründet!

In Portugal angekommen fingen einige der 17 Männer der „Bom Sucesso“ eine militärische Karriere an, andere widmeten sich wieder der Fischerei zu und zwei von ihnen, Manuel de Oliveira Nobre und Francisco Domingos Machado blieben der portugiesischen Übersee-Seefahrt treu.

Aber so unterschiedlich sich auch ihre jeweiligen Lebenswege nach ihrer tapferen Reise über den Atlantik entwickelten, alle 18 fanden sie nach dem Tod ihre letzte Ruhestätte in der Kapelle Nossa Senhora dos Aflitos im Herzen von Olhão, dort wo sie heute noch ruhen.
Der Kaik „Bom Sucesso“, wenn auch nur die Kopie, hat sie alle überlebt und steht heute im Hafen von Olhão, wo sie der Stadt als Museums- und Ausflugsboot dient.

Freitag, 24. Juli 2015

Eine historische Nacht im Campo Pequeno


Wer ein Freund des portugiesischen Stierkampes (port.: tourada portuguêsa) ist und gestern die Gelegenheit hatte in der restlos ausverkauften Lissabonner Stierkamparena Campo Pequeno anwesend zu sein, der wurde Zeuge eines wahrlich stierkämpferischen Ereignisses.

Die Amateurgruppe der „forcados“ der Stadt Santarém – „forcados“ sind die jungen Männer die beim portugiesischen Stierkampf völlig Waffenlos den Stier bei der so genannten „pega“ sprichwörtlich bei den Hörnern packen – machten gestern Geschichte, als sie eine einzigartige Meisterleistung vollbrachten.
Nicht das jede „pega“ an sich eine Meisterleistung wäre, aber die gestrige war doch etwas Besonderes.
So besonders, das die hiesige Presse schon von der „pega des Jahrhunderts“ spricht!
(bitte das angehängte Video anschauen!)

Die achtköpfige Gruppe „forcados“ – allen voran der 22 jährige António Gois – begeisterte das Publikum dermaßen, das sie am Schluss die Ehre erhielten, als erste „forcados“ eine portugiesische Arena durch das große Eingangstor zu verlassen; eine Ehre die bis dato eigentlich nur den Stierkämpfern (port.: toureiros) und den Reitern (port.: cavaleiros) zustand.

Anbei die Aufnahme der gestrigen spektakulären „pega“ von António Gois:


Samstag, 18. Juli 2015

Die Buchhandlung der Gebrüder Lello in Porto


Die Geschäftsleitung der Buchhandlung der Gebrüder Lello (port.: Livraria Lello e Irmão) – ein kulturelles Symbol der Stadt Porto – hat diese Woche bekannt gegeben, das sie ab dem kommenden 23. Juli 3,- Euro Eintritt von ihren Kunden für den Besuch ihrer Bücherstube verlangen wird.

„Lello e Irmão“ begründet dieses Vorgehen mit der Tatsache, das die meisten Kunden ihre wunderschönen Räumlichkeiten heutzutage nur noch besuchen und bewundern, aber leider nichts kaufen!
Die Kunden aber, die zum kaufen in die Buchhandlung kommen, fühlen sich in der Zwischenzeit von den vielen tausenden Touristen die dieses Buchgeschäft jedes Jahr aufsuchen, so gestört, das „Lello e Irmão“ sich nun zu der Erhebung dieser „Eintrittsgebühr“ entschieden hat.

Die heute unter Denkmalschutz stehende Buchhandlung wurde im Jahre 1906 von dem Buchhändler und Verleger José Pinto de Sousa Lello und seinem Bruder António gegründet und eröffnet.
Mit einem überaus reichhaltigen Angebot an portugiesischer Literatur und Lyrik, u. a. von Camões, Antero de Quental, Eça de Queiroz, Camilo Castelo Branco oder Fernando Pessoa, machten die Gebrüder Lello die Livraria Lello e Irmão schnell zu einer kulturellen Institution Portos und ganz Portugals.
Dies ist sie zweifellos bis heute auch geblieben!

Doch heute sind es immer mehr ausländische Touristen die dieses Jugendstilgebäude mit seiner imposanten, holzvertäfelten Inneneinrichtung und der majestätischen Treppe besuchen.
Das die Livraria Lello e Irmão im Ausland so bekannt und berühmt ist, hat sie vor allem Publikationen wie dem „The Guardian“, der „Time“ oder den Reiseführern „Travel + Leisure“ und „Lonely Planet“ zu verdanken, denn diese Zeitungen und Zeitschriften kürten diese Buchhandlung mehrere Male zu einer der schönsten der Welt – was sie ohne Zweifel auch ist!

Und seitdem bekannt ist, dass die weltberühmte Autorin Joanne K. Rowling, die eine Zeit lang in Porto gelebt hat und die sich gerne in diesem Buchladen aufhielt, die Räumlichkeiten und die imposante Holztreppe wohl als Inspiration für „Hogwarts“ in ihren Romanen aufgenommen hat, kann sich die Livraria Lello e Irmão auch vor hysterischen Harry-Potter-Fans kaum noch retten.

Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Portugiesen sich heutzutage hier in dieser über hundert Jahre alten Buchhandlung nur noch literarische Tipps holen oder die Bücher nur durchblättern.
Kaufen tun sie dann die Bücher – in einem ruhigeren Ambiente – im Internet oder in einem Laden im Shopping Center.

Um diesen Bücherkäufern in Zukunft also eine angenehmere Atmosphäre zu verschaffen, hat sich die Geschäftsleitung der Buchhandlung der Gebrüder Lello nun zu der „Eintrittsgebühr“ von 3,- Euro durchgerungen.
Zu erwähnen sei noch, dass dieses „Eintrittsgeld“ bei einem Warenkauf, wie z. B. von Büchern oder Zeitschriften, natürlich verrechnet wird.

Ob diese Geschäftsidee wirklich von Nutzen sein wird?
Ich persönlich zweifele daran.
Denn solange auch Reiseführer und Postkarten in der Buchhandlung Lello zu kaufen sein werden, werden sich auch die Touristen nicht „abschrecken“ lassen!

Dienstag, 30. Juni 2015

Olhão







Im Vergleich zu anderen Orten an der Algarve ist das nur wenige Kilometer östlich der Distrikthauptstadt Faro gelegene und knapp 50.000 Einwohner zählende Städtchen Olhão noch weitgehend vom Tourismus unberührt.
Wichtiger Erwerbszweig der Bewohner ist der Fischfang auf Sardinen und Thunfisch die hier heute noch in einer Konservenfabrik weiterverarbeitet werden.
Der Hafenumsatz liegt an erster Stelle im Distrikt Faro, noch vor dem von Portimão, Lagos oder Tavira.

Das noch immer sehr orientalisch anmutende Olhão erhält sein maurisches Flair durch die typischen weißen zwei- bis dreistöckigen Würfelhäuser, deren Flachdächer zu Terrassen (port.: açoteias) mit durchbrochenen Kamin- und Ausguckaufbauten ausgestattet sind. Diese kubistische Bauweise ist freilich kein maurisches Erbe, sondern wurde im ausgehenden 18. Jahrh., als eine große Zahl von Fischern aus Aveiro sich in Olhão niederließ, wegen ihrer Zweckmäßigkeit in dem hier vorherrschenden heiß-trockenen Klima als maurischer Stil wieder entdeckt.

Mit außergewöhnlichen architektonischen Sehenswürdigkeiten kann Olhão nicht aufwarten, ganz stimmungsvoll ist jedoch die Atmosphäre am Hafen, wo nicht zuletzt eine eigenwillige Fischmarkthalle (port.: mercado de peixe) die Blicke auf sich lenkt.
Die Fischer von Olhão sind seit jeher dafür berühmt sehr talentiert und erfolgreich ihrem Handwerk nachzugehen und aus ihrem Fang dann exquisite Gerichte zu zaubern. Das geht soweit, das Olhão heute als die „kulinarische Hauptstadt“ der Algarve gilt.

Außer dem malerischen Hafen und der Fischmarkthalle verdient die Pfarrkirche Nossa Senhora do Rosário an der Praça da Restauração, im historischen Stadtzentrum, Beachtung. Vom Turm dieses in den Jahren 1681 bis 1698 von Fischern erbauten Gotteshauses bietet sich ein schöner Blick über die Stadt.
Gegenüber, in der Kapelle Nossa Senhora dos Aflitos, beteten und beten heute noch die an Land zurückgebliebenen Fischerfrauen für ihre auf See befindlichen Männer.

Aber so arm Olhão auch an großen architektonischen Sehenswürdigkeiten auch sein mag, an Geschichte und spektakulären Landschaften ist diese Kleinstadt an der Lagune der Ria Formosa umso reicher.
Die Ria Formosa ist einer der größten vogel- und fischreichsten Wassernaturschutzgebiete (port.: Parque Natural da Ria Formosa) Europas.
Unzähligen Kanäle, Sanddünen, Salzmarschen und ein Watt bilden diese unglaubliche Lagunenlandschaft vor der Küste der Algarve.

Obwohl die Umgebung von Olhão wahrscheinlich bereits in der Jungsteinzeit bevölkert war, wurde die heutige Stadtgegend nachweißlich erst von den Römern ständig besiedelt. Die heute noch existierende alte römische Steinbrücke in der Gemeinde Quelfes ist wohl das markanteste Bauwerk aus dieser Zeit.

Im 8. Jahrh. n. Chr. wurde die Algarve von den arabischen Mauren erobert und besiedelt.
Die neuen Herren gaben dem Ort den Namen „al-Hain“, was soviel bedeutete wie „sprudelnde Quellen“, da es in dieser Gegend sehr viele Quellen und Brunnen gab.
Aus „al-Hain“ wurde mit der Zeit „Alham“ und später, als die Portugiesen Mitte des 13. Jahrh die Algarve im Rahmen der Reconquista von den Mauren eroberten, benannten sie den Ort in „Olham“ um, gaben ihn aber schnell auf, so das er rasch an Bedeutung verlor.

Die nächsten Siedler sollten erst wieder im 17. Jahrh. hier auftauchen, dann nämlich, als sich Fischer aus der Stadt Aveiro im Territorium der heutigen Stadt ansiedelten und den Ort Olhão nannten.
Die ersten Bewohner bauten sich einfache Strohhütten und erst Ende des 18. Jahrh. fingen die Fischer an feste Steinhäuser im maurischen Stil zu errichten, so wie wir sie heute kennen.

Die Fischer lebten aber damals nicht nur vom Fischfang, sondern gaben sich auch Erfolgreich dem Schmuggel hin.
Das kam daher, weil die in der Nähe liegende Stadt Faro damals sehr hohe Steuern und Zölle auf importierte Waren erhob.
Da Olhão strategisch sehr gut in einem Labyrinth von verzweigten Meeresarmen, Lagunen und Sandbänken lag – die nur von den einheimischen Fischern gefahrlos befahren werden konnten – umgingen viele Händler die horrenden Handelszölle in Faro, indem sie die Fischer von Olhão zum schmuggeln animierten.

Als das Schmuggeln überhand nahm und auch noch marokkanische Piraten vor Olhão anfingen ihr Unwesen zu treiben, beschloss der Gouverneur in Faro im Jahre 1654 auf einer Sandinsel in der Ria Formosa vor Olhão eine Festung zu errichten.
Diese Festung, die den Namen Fortaleza de São Lourenço erhielt, versandete leider recht schnell und verlor mit der Zeit als Festung der Stadt schnell an Wert.
Im Jahre 1747 beschloss man daher eine neue Festung zu bauen, diesmal auf der vor Olhão gelagerten Insel Armona.
Doch kaum war diese Festung erbaut, da wurde sie 1755 von einem verheerenden Erdbeben völlig zerstört.

Mitte des 18. Jahrh. war Olhão zu einem kleinen florierenden Ort herangewachsen.
Die Einwohner konnten sehr gut vom Meer leben, und zwar so gut, dass König José I im Jahre 1765 dem Ort die gleichen Steuerprivilegien zugestand, wie sie bis dahin nur die Stadt Faro hatte.
Dank dieser neuen steuerlichen Freiheiten entwickelte sich Olhão zusehends und seine Bürger wurden damals zu den reichsten der ganzen Algarve.

Als zwischen 1779 und 1783 spanisch-französische Truppen das von den Engländern regierte und in der Nähe liegende Gibraltar belagerten, blühte Olhão wirtschaftlich und handelspolitisch noch einmal auf.
In Folge der napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel besetzten französische Truppen auch Portugal.
Während Königin Maria I und ihr Sohn, Prinzregent João, mit der ganzen Regierung und dem gesamten Hofstaat nach Rio de Janeiro ins Exil gingen (lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Das brasilianische Exil der portugiesischen Königsfamilie“, vom 29. November 2011) blieben die Portugiesen der Willkür der Franzosen überlassen.
Obwohl Prinzregent João bei seinem Abschied aus Portugal, aus Angst vor Repressalien, seinen Untertanen empfohlen hatte sich nicht gegen die Truppen Frankreichs zu stellen, fanden während der französischen Okkupation in Portugal doch verschiedene kleine Aufstände statt, die aber bis dahin alle von den französischen Soldaten grausam niedergeschlagen wurden.

Es waren die Fischer von Olhão die im Juni 1808 erfolgreich gegen die französischen Invasionstruppen vorgingen.
Die Franzosen hatten Olhão am 14. April 1808 besetzt und den Ort auf brutalste Art und Weise geplündert und unterworfen.
Den Einwohnern, die praktisch alle nur von der Fischerei lebten, wurde auf Anordnung von General Jean Andoche Junot, dem Oberbefehlshaber der französischen Truppen, u. a. untersagt aufs offene Meer hinauszufahren, so dass sie ihrem Haupterwerb nicht mehr nachgehen konnten.
Ihnen wurden hohe Steuern auferlegt und es war den Bürgern bei Todesstrafe verboten portugiesische Hoheitszeichen, wie etwa Fahnen, Banner oder Wappen, zu besitzen oder diese gar zur Schau zu stellen.
Ebenfalls unter Todesstrafe setzten die Franzosen das Schmuggeln, womit den Bürgern von Olhão ihre bis dahin zweite Lebensgrundlage auch genommen wurde.

Die französischen Truppen, die damals in Portugal wohl so zerstörerisch und brutal vorgingen wie heute der so genannte Islamische Staat in Syrien oder dem Irak, waren hierzulande verständlicher Weise nicht gerade sehr beliebt!

Vor allem die Bürger der Algarve, hier insbesondere die Menschen in Olhão, widersetzten sich regelmäßig den drastischen Befehlen und Anordnungen der Franzosen, was zur Folge hatte, das diese hier in diesem Teil Portugals besonders brutal gegen die Bevölkerung vorging.

Eines dieser Anordnungen der Franzosen war, wie schon erwähnt, das Verbot von portugiesischen Hoheitszeichen, die kein Bürger und kein Gebäude der Stadt besitzen noch zeigen durfte.
Die Hauptkirche von Olhão, die Kirche Nossa Senhora do Rosário, war an ihrem Altar mit einem portugiesischen Wappen geschmückt, der seit der französischen Okkupation aber durch ein Tuch verdeckt wurde.
Als am Vorabend zur Feier des Heiligen Antonius (port.: Santo António), dem 12. Juni 1808, ein Festgottesdienst in dieser Kirche abgehalten wurde, entblößte der Pfarrer während der Messe das portugiesische Wappen, welches bis dahin unter dem Tuch versteckt war, und die Bevölkerung unterstützte mit lautem Wohlwollen diesen offenen Affront gegen die verhassten französischen Besatzer.
Diese Widersetzung gegen die französischen Besatzungsgesetze in der Kirche war sozusagen der „Startschuss“ für die bis dahin größte Revolte gegen die französischen Besatzer!
Nach diesem für Olhão denkwürdigen Gottesdienst holten alle Bürger der Stadt – einer Zählung nach soll Olhão damals an die 4.000 erwachsene Einwohner gehabt haben – ihre bis dahin aufbewahrten Fahnen und Banner aus ihren Verstecken hervor und zeigten diese demonstrativ offen auf der Straße.

Da sich damals lediglich 58 französische Soldaten in der Stadt aufhielten – die französische Hauptgarnison befand sich zu dieser Zeit in der nahen Stadt Faro – ließen diese die euphorischen und revoltierenden Bürger aus Angst gewähren.

Aber eine französische Antwort ließ nicht lange auf sich warten!
Noch am Tag der Revolte wurden französische Soldaten aus Tavira und Vila Real de Santo António – etwa 200 Mann – nach Faro beordert um das revoltierende Olhão wieder zur Räson zu bringen.
Drei Tage später, am 16. Juni 1808, einem Fronleichnamdonnerstag, trafen die bis an die Zähne bewaffneten französischen Truppen an der römischen Steinbrücke von Quelfes bei strömendem Regen auf die kämpferische Bevölkerung von Olhão.
Die Bürger von Olhão waren zahlenmäßig den französischen Soldaten zwar weit überlegen, hatten aber außer Mistgabeln, Stöcken, Zwillen, Armbrüsten und Steine keine anderen Waffen um sich zu verteidigen.

Dennoch entschieden sich die gut ausgerüsteten Franzosen die Portugiesen nicht anzugreifen und beschlossen auf Verstärkung und besseres Wetter zu warten.
Das war zweifellos ihr Fehler, denn, um es mit den Worten von Michael Gorbatschow zu sagen, „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ – und die Franzosen wurden bestraft!

Da das Wetter nicht besser wurde und die Kampfesmoral der Besatzer immer mehr sank, entschlossen sich die Einwohner von Olhão am 18. Juni 1808 zum Angriff gegen die Franzosen.
Mit Hilfe englischer Soldaten, die den Portugiesen zu Hilfe geeilt waren, konnten die Bürger von Olhão die napoleonischen Truppen bezwingen und das belagerte Olhão befreien.
Diese Revolte gegen die Franzosen war der Vorreiter weiterer Aufstände gegen die verhassten Invasionstruppen. So lehnten sich alsbald die Städte Loulé, dann Lagos und schließlich auch die Provinzhauptstadt Faro gegen die Franzosen auf, so das eine Woche nach der Revolte in Olhão, am 23. Juni 1808, die Algarve offiziell als „Franzosenfrei“ galt.

Drei Wochen nach dem erfolgreichen Aufstand beschlossen 17 Fischer aus Olhão nach Brasilien zu segeln um dem Königshaus über die neuesten Ereignisse in Portugal zu unterrichten.
Am 07. Juli 1808 stachen sie in einer Nussschale in See und nach einer beschwerlichen Reise von 77 Tagen auf dem Meer, landeten sie am 22. September 1808 in Rio de Janeiro an.

Die Fischer wurden sofort nach ihrer Ankunft zum Regenten des Königreiches, Prinz João, vorgelassen und überbrachten diesem die Nachricht vom Sieg der Einwohner von Olhão über die französischen Invasionstruppen.
Prinzregent João war über diesen errungenen Volkssieg sehr erfreut und zum Dank gab er dem Ort Olhão augenblicklich die Stadtrechte, mit allen Privilegien, Freiheiten, Rechten und Ehren wie sie die anderen Städte des Königreiches besaßen und genossen.
Und noch mehr:
als Zeichen seiner Anerkennung durfte sich die Stadt nach einem Erlass vom 15. November 1808 fortan offiziell „Vila de Olhão da Restauração“ (dt.: „Olhão, Stadt der Wiederherstellung“) nennen.
Diesen lyrischen Beinahmen gab der Prinzregent der Stadt als Dank für die wichtige Initiative der Bürger Olhãos für die „Wiederherstellung“ der Unabhängigkeit Portugals von den Franzosen.

Die Erhebung von Olhão zur Stadt kam ihrer Entwicklung nur zugute und bis ins letzte Jahrhundert hinein florierte Olhão wie kaum eine andere Stadt an der Algarve.
Erst mit dem Niedergang der für diesen Landstrich so wichtigen Fischindustrie und nach der Schließung mehrerer Fischkonservefabriken – nur eine ist heute noch übrig geblieben – hatte der expandierende Aufstieg Olhãos ein Ende.

Der Tourismus sorgt in den letzten Jahren für einen Aufschwung in Olhão.
Auch wenn Olhão keine so landschaftlich schöne Strände hat wie z.B. Albufeira, Portimão, Lagoa oder Tavira – auch wenn sich der Strand von Armona (port.: Praia da ilha da Armona) sich keinesfalls verstecken muss – so sind sie doch sehr sehenswert und erholsam gelegen.
Ich persönlich habe das große Glück sehr gute Freunde in Olhão zu haben und bin ihnen dort jederzeit sehr willkommen.
Aber auch wer keine Freunde in Olhão hat, der wird sie hier, in dieser durchaus sehr gastfreundlichen, stolzen und geschichtsträchtigen Stadt, garantiert schnell finden!