Donnerstag, 14. August 2014

Das angekündete Ende des Spielzeugmuseums in Sintra


Ende dieses Monats wird einer der schönsten Museen Portugals – für viele Kinder vielleicht der Schönste – seine Pforten für immer schließen.
Die Rede ist vom originellen Spielzeugmuseum (port.: Museu do Brinquedo) in der etwa 30 km von Lissabon entfernt gelegenen Stadt Sintra.

Dieses unvergleichliche Museum wurde 1989 gegründet und geht auf die jahrzehntelange Sammeltätigkeit des Privatmannes João Arbués Moreira zurück, der schon in den 1930er Jahren, als kaum jemand dem Spielzeug eine kulturhistorische Bedeutung beimaß, seiner Sammlerleidenschaft nach altem und außergewöhnlichem Spielzeug nachging.

João Arbués Moreira fing bereits als Kind an sein Spielzeug nicht nur zum spielen zu benutzen, sondern es auch als Sammelobjekt zu betrachten.
Mit der Zeit sammelte er alleine Tausende verschiedene Spielsachen, wie etwa Spielzeugautos, Flugzeuge, Puppen, Puppenhäuser, Teddybären, Zinnsoldaten und Dreiräder.
1987 beschloss er seine bedeutende Sammlung, die bis dahin nur seine Freunde und Bekannte kannten, der Öffentlichkeit zu präsentieren und gründete daraufhin seine eigene Stiftung, die Fundação Arbués Moreira.
1989 wurde João Arbués Moreira mit der Stadt Sintra einig, und das Museu do Brinquedo, das größte seiner Art in Portugal, wurde in der ehemaligen Alten Feuerwache der Stadt Sintra eröffnet.
Mit den Jahren wurde das Museum immer bedeutender und an Exponaten immer reicher, da viele Privatpersonen nach einem Besuch im Museum, oftmals spontan ihre Spielsachen der Stiftung vermachten.

Jetzt hat die Stadt Sintra der Stiftung Fundação Arbués Moreira mitgeteilt, das Sparmaßnahmen es der Stadtverwaltung unmöglich machen, das Museum zukünftig weiterhin wie bisher finanziell zu unterstützen! 

Bis dato konnte man auf vier verschiedenen Etagen die unvergleichlich schöne und bedeutende Sammlung des Museums bewundern, das aus ca. 60.000 Objekte besteht.
Die ältesten Spielobjekte stammen aus dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr.!
Ausländische Spielzeughersteller sind mit ihren Spielzeugautos, Motorrädern, Flugzeugen und Zinnsoldaten genauso vertreten, wie portugiesische Fabrikate.
Ebenso findet man eine große Ausstellung an Puppen aus den verschiedensten Jahrhunderten und Materialien, Barbies, Puppenhäuser und die entsprechenden Möbel und Utensilien um diese zu bestücken.

Dieses Museum ist ein wahres Paradies, nicht nur für kleine Museumsbesucher sondern vor allem auch für die großen, den die finden hier viele Ausstellungsstücke die schöne Kindheitserinnerungen auslösen, an die sie im Laufe der Jahre gar nicht mehr gedacht haben und die erst durch einen Besuch im Museum wieder irgendwie real werden.

Das Museu do Brinquedo in Sintra ist leider nur noch bis zum
31. August 2014 geöffnet!

Samstag, 9. August 2014

Feira de São Mateus – ein Volksfest mit Tradition


Dieses Wochenende hat in der nördlich von Lissabon gelegenen Stadt Viseu das traditionsreiche Volksfest Feira de São Mateus (dt.: Matthäusvolksfest) begonnen.
Die Feira de São Mateus, die weit über die Region Viseus hinaus bekannt ist, ist nicht nur der älteste Jahrmarkt Portugals sondern, mit seinen 622 Jahren, auch der älteste Verkaufsmarkt fahrender Händler auf der ganzen Iberischen Halbinsel.

Ihren Ursprung hat die Feira de São Mateus in einem Erlass von König João I aus dem Jahre 1392.
König João I hatte ein Jahr zuvor, 1391, mit seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) aus Évora kommend, in der Stadt Viseu Einzug gehalten.
Hier in Viseu wurde dem Königspaar am 31. Oktober 1391 ein Thronfolger geboren, der spätere König Duarte I.
Aus Anlass dieses freudigen Ereignisses, erlaubte der König im schon erwähnten Erlass vom 10. Januar 1392, den Bürgern der Stadt fortan einen alljährlich stattfindenden steuerfreien Jahrmarkt (port.: feira franca) abzuhalten. Ein „steuerfreier Jahrmarkt“ bedeutete, das alle Bauern und Händler auf alle erwirtschaffteten Einkünfte während der Dauer des Volksfestes keine Steuern zu zahlen brauchten.  Dieser „Steuerfreie Jahrmarkt von Viseu“ (port.: „Feira Franca de Viseu“), so der erste Name des Volkfestes, fand in den ersten Jahren immer im Frühling, um den Tag des Heiligen Sankt Georgs herum statt, und dauerte immer drei bis vier Wochen.

Die Feira war, vom Beginn ihrer Gründung an, wirtschaftlich sehr bedeutsam.
Die umliegenden Bauern boten auf diesem Markt ihre Agrarerzeugnisse und ihr Vieh feil und die örtlichen Händler und Handwerker boten die unterschiedlichsten Waren und Erzeugnisse an. Aber auch viele Fernkaufleute und sogar Mauren aus der Algarve und Nordafrika boten damals die verschiedensten Produkte auf der „Feira Franca“ an.
Wie alle Jahrmärkte zog auch dieser mit der Zeit viele Schausteller, fahrendes Volk, Gaukler, Quacksalber, Wahrsager und Musikanten an.

In der Regentschaft von König Afonso V wurde der Jahrmarkt vom Frühling in den Herbst verlegt, und ab 1475 begann er alljährlich immer am 20. Oktober, dem Tag von Santa Iria (dt.: Heilige Irene von Portugal) und dauerte dann 14 Tage.
Da der Jahrmarkt nun bis in den November hineinreichte und das Wetter im Norden Portugals im Herbst oftmals sehr widrig war und ist, wurde die „Feira Franca die Viseu“ ab 1490 wieder im April veranstaltet.

Erst auf Veranlassung von König Manuel I wurde ab 1501 beschlossen die Feira Franca um den ersten Herbsttag eines jeden Jahres herum, dem 21. September, abhalten zu lassen. Da der 21. September kirchenkalendarisch der Tag des Heiligen Matthäus ist, wurde der Jahrmarkt fortan Feira de São Mateus genannt.

Über fünf Jahrhunderte hinweg konnte sich dieser einstmals so wichtige Jahrmarkt über Wasser halten. Aber Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts, verlor die Feira de São Mateus an Bedeutung. Das ging soweit, dass ab dem Jahre 1916 das Volksfest für neun Jahre nicht mehr abgehalten wurde.
Erst 1925 wurde der Marktbetrieb wieder ins Leben gerufen – seitdem bis heute ohne Unterbrechung!

Heute, 2014, erstreckt sich die Feira de São Mateus über ein Areal von 18.000 km² und hunderte Schausteller, in Portugal „feirantes“ genannt, bieten dort ihre Waren und Dienstleistungen an.
Aber auch der kulturelle Veranstaltungskalender kann sich dieses Jahr sehen lassen. Hierzulande sehr bekannte und beliebte Sänger und Gruppen wie z.B. Xutos & Pontapés, Ana Moura, Tony Carreira, Blind Zero, Paulo Gonzo oder Linda Martini werden dieses Jahr auf der Bühne der Feira de São Mateus 2014 auftreten.
Die diesjährige Feira de São Mateus findet bis zum kommenden 14. September 2014 statt.

Sonntag, 3. August 2014

Adolfo Medeiros, der erste portugiesische Soldat des Ersten Weltkrieges


Heute, auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 03. August 1914, trafen sich nachmittags die zwei portugiesischen Freunde José de Freitas Bragança und Adolfo Medeiros in einem Kaffeehaus im Pariser Stadtviertel Quartier Latin um einen Kaffee zu trinken und um die damalige aktuelle politische Lage zu diskutieren.
Wenige Tage zuvor, am 28. Juli 1914, hatte Österreich-Ungarn dem Serbischen Königreich den Krieg erklärt und nun hatte das Deutsche Kaiserreich der Französischen Republik am 03. August 1914 ebenfalls den Krieg erklärt (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „100 Jahre Erster Weltkrieg“, vom 28.Juli 2014).

Der 03. August 1914 war ein strahlender, sonniger Sommertag, aber die Nachrichten die an diesem Tag durch die französische Hauptstadt kursierten sagten eher einen gewaltigen Sturm voraus – einen Kriegssturm!
In ganz Paris, so wie wohl im ganzen Land, war die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich das Gesprächsthema Nr. 1.
Und auch am Kaffeetisch von Freitas Bragança und Adolfo Medeiros gab es an diesem Tag kein anderes Thema als den Krieg.
An diesem Nachmittag beschlossen die zwei Portugiesen, beide eingefleischte Republikaner, freiwillig der französischen Armee beizutreten um für die Französische Republik und ihre Werte zu kämpfen.

José de Freitas Bragança, von Haus aus Journalist, hatte sich schon drei Wochen zuvor, im Juli 1914, bei der französischen Armee beworben, aber von dieser eine Absage erhalten, mit der Begründung es wäre noch zu früh um an einen Krieg zu denken.
Freitas Bragança hat sich dann nicht, wie geplant, noch einmal bei der französischen Armee vorgestellt, sondern er war, bis Portugal 1916 selbst ins europäische Kriegsgeschehen eingriff, als Zeitungsredakteur verschiedener portugiesischer Zeitungen und Zeitschriften der damaligen Zeit sehr engagiert tätig.

Adolfo Medeiros allerdings, der aus dem Ort Ribeira Grande auf der Azoreninsel São Miguel stammte, machte sein Vorhaben wahr, und Anfang August wurde er bei den französischen Streitkräften vorstellig. Er hatte in der Schweiz Ingenieurswesen studiert und dort den Führerschein während seines Studiums gemacht. Dieser Führerschein öffnete ihm die Tür zum französischen Heer, denn er wurde sofort als Militärfahrer rekrutiert.
Mitte August, Adolfo Medeiros wartete auf den Einberufungsbefehl der französischen Armee, erhielt er per Post eine Einladung eines befreundeten Fabrikanten, um dessen Zuckerfabrik im Norden Frankreichs zu verwalten. In dem Brief erklärte ihm der Fabrikant, dass die gesamte männliche Belegschaft der Zuckerfabrik zum Kriegsdienst einberufen worden war und das die Produktion des Werkes nun durch Frauen und Kinder mehr schlecht als recht aufrecht gehalten wurde.

José de Freitas Bragança, der Freund von Adolfo Medeiros, der noch wenige Tage zuvor mit ihm in den Krieg ziehen wollte, schlug Medeiros vor, dem französischen Kriegsministerium den Brief des Fabrikanten vorzulegen, um so vom Kriegsdienst befreit zu werden. Medeiros, so meinte Freitas Bragança, könne mit seinem Einsatz in der Zuckerfabrik der Französischen Republik eher von Nutzen sein als mit dem Dienst an der Waffe.
Adolfo Medeiros ließ sich den Vorschlag seines Freundes wohl noch durch den Kopf gehen, aber bereits am 26. August erhielt er vom Pariser Kriegsministerium den Einberufungsbefehl an die Marne, wo er gleich vom 05. bis zum 12. September 1914 an der Ersten Marne-Schlacht (port.: Primeira Batalha do Marne) gegen die Deutschen teilnahm.

Im April 1916 fiel Adolfo Medeiros auf einem Schlachtfeld in Verdun.
In der Schlacht von Verdun (port.: Batalha de Verdun), die sich vom 21. Februar bis zum 20. Dezember 1916 hinzog, starben damals ca. 500.000 Soldaten beider Kriegsparteien einen brutalen und sinnlosen Tod.

So wie die zwei Freunde José de Freitas Bragança und Adolfo Medeiros verpflichteten sich damals viele junge Portugiesen entweder bei der französischen oder belgischen Armee auf der einen Seite, bei den deutschen Streitkräften auf der anderen Seite oder sie taten Dienst beim Internationalen Roten Kreuz.

Adolfo Medeiros war nachweislich der erste Portugiese, der als Soldat am Ersten Weltkrieg (port.: Primeira Guerra Mundial) teilnahm!
Ab August 1914 befand sich Portugal somit irgendwie im Ersten Weltkrieg, obwohl das Land erst 1916 aktiv in das europäische Kriegsgeschehen eingreifen sollte.

Freitag, 1. August 2014

Portugal aus dem All gesehen


Die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde NASA (engl.: National Aeronautics and Space Administration / port.: Administração Nacional da Aeronáutica e do Espaço) hat heute auf ihrer Internetseite ein faszinierendes Bild veröffentlicht, das ein Besatzungsmitglied der Internationalen Raumstation ISS (port.: Estação Espacial Internacional EEI) vergangene Woche von der Iberischen Halbinsel gemacht hat, als diese in einer Höhe von ca. 400 km über der Erde ihre Bahnen zog.

Das Bild wurde in der Nacht des 26. Juli 2014 aufgenommen und zeigt Portugal, Spanien und Andorra.
Am oberen Bildrand sieht man noch einen Teil Südfrankreichs und am unteren Bildrand noch einen Zipfel Marokkos. Ganz deutlich auf dem Bild sind die Ballungsgebiete von Lissabon, Porto, Madrid und Sevilla zu sehen.

Wer noch weitere atemberaubende und spektakuläre Aufnahmen von Portugal aus dem All sehen will, hier die Internetseite der NASA:


Montag, 28. Juli 2014

100 Jahre Erster Weltkrieg


Heute vor 100 Jahren, am 28. Juli 1914 begann mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien der Erste Weltkrieg (port.: Primeira Guerra Mundial).
Dieser Kriegserklärung folgte am 01. August die Kriegserklärung des Deutschen Kaiserreichs an Russland, am 03. August die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich und als deutsche Truppen am folgenden Tag über die belgische Grenze marschierten, erklärte daraufhin Großbritannien Deutschland den Krieg; einen Krieg von dem viele damals glaubten er würde durch schnelle Siege schon nach nur wenigen Monaten zu Ende sein.
Als das Japanische Kaiserreich, ein Verbündeter Großbritanniens, am 23. August 1914 Deutschland den Krieg erklärte, war aus einem Krieg in Europa plötzlich ein wirklich weltumspannender Krieg geworden – ein Weltkrieg!

Portugal hielt sich die erste Zeit aus dem Weltkriegsgeschehen weitestgehend heraus – jedenfalls offiziell!
Das erst 1910 republikanisch gewordene Portugal verhielt sich zuerst neutral, und nahm an den Kriegsereignissen in Europa erst einmal nicht teil, sendete aber einen Teil seiner Truppen im September 1914 nach Afrika, um dort die portugiesischen Kolonien Angola und Moçambique vor deutschen Expansionsübergriffen zu schützen.

Erst als Ende Februar 1916 Portugal auf bitten der britischen Regierung über 70 deutsche und österreichisch-ungarische Kriegs- und Handelsschiffe, die in portugiesischen Häfen Schutz gesucht hatten, beschlagnahmte, trat Portugal offiziell in die Kriegsgeschehen ein.
Am 09.März 1916 erklärte das Deutsche Kaiserreich der Republik Portugal den Krieg (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag „Deutsche Kriegserklärung an Portugal“, vom 29. Juni 2011) und Portugal trat aktiv an der Seite der Alliierten in das Kriegsgeschehen ein.

Der Verlauf des Ersten Weltkrieges ist auf allen Seiten blutig und unvorstellbar brutal gewesen.
Aber während Portugal seine Grenzen nach dem Krieg unverändert beibehalten konnte, mussten Deutschland und viele andere Länder extreme territoriale Veränderungen und das Ende ihrer Staatsformen hinnehmen.
Das hatte zur Folge, dass sich bei fast allen Kriegsverlierern linke und rechte antidemokratische Kräfte und somit u.a. nationalistische und bolschewistische Ideologien durchsetzen konnten, die den weiteren Verlauf des Jahrhunderts schwerwiegend prägten.

Man schätzt dass die Maschinerie des Ersten Weltkrieges, an dem sich zeitweise bis zu 40 verschiedene Nationen beteiligten und der bis zum 11. November 1918 wütete, etwa 17 Millionen Menschen das Leben kostete.
Auf portugiesischer Seite nahmen etwa 200.000 Soldaten teil, die in Europa an der Seite der Alliierten kämpften. Abertausende von ihnen wurden verletzt, viele schwer, und mindestens 10.000 portugiesische Soldaten, die genaue Zahl konnte niemals ermittelt werden, starben auf den Schlachtfeldern Frankreichs und Flanderns.
Jeder von ihnen hatte einen Namen, hatte eine Mutter und einen Vater, viele von ihnen sogar eine Frau und Kinder, alle hatten sie Mut und Angst und alle starben sie in einem sinnlosen Krieg und wurden dann, wenn überhaupt, in fremder Erde bestattet.

Auf dem größten portugiesischen Ehrenfriedhof des Ersten Weltkrieges, dem nordfranzösischen Soldatenfriedhof (port.: Cemitério de guerra / franz.: Cimetière militaire) von Richebourg l’Avoué sind 1.831 portugiesischen Soldaten beigesetzt.
Fast alle Gräber in Richebourg l’Avoué ziert ein weißes Kreuz mit dem Namen, Rang, Geburts- und Todestag des jeweiligen Soldaten. Aber auf 238 dieser Kreuze stehen nur die einfachen, und doch sehr einprägsamen Worte:

„Um soldado da Grande Guerra – Deus sabe seu Nome“
(dt.: „Ein Soldat des Ersten Weltkrieges – Gott weiß seinen Namen“).

Richebourg l’Avoué ist nur einer von über 100 verschiedenen Soldatenfriedhöfen in Frankreich, Flandern, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland in denen gefallene portugiesische Soldaten des Ersten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Samstag, 26. Juli 2014

Unangenehme Annullierungen bei der TAP


Die portugiesische Fluggesellschaft TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses) musste diese Woche 48 ihrer Flüge annullieren, darunter auch teilweise die Mittelstreckenflugverbindungen nach Frankfurt/Main, München und Berlin.
Obwohl eine Umbuchung auf die von TAP gecharterte Flugzeuge anderer Airlines, wie ich selbst erleben konnte, keinerlei Probleme mit sich bringt, ist diese Situation, zumal jetzt zur Sommerzeit, der portugiesischen Fluggesellschaft sehr unangenehm.

Dabei ist die TAP ziemlich unverschuldet in die missliche Lage geraten, in der sie sich jetzt befindet.
Der Flugzeughersteller Airbus hatte sich vertraglich dazu verpflichtet der TAP Ende Juni zwei Airbus A330 für ihre Langstreckenflüge, sowie zwei Airbus A319 und zwei Airbus A320 für ihre Mittelsteckenflüge auszuliefern.
Da diese Flugzeuglieferungen aber bisher leider ausblieben, steckt die TAP nun in diesem Schlammassel und kann ihren Sommerflugplan, nicht wie erwartet, vollständig realisieren.

Wie mir heute am Lissabonner Flughafen von TAP mitgeteilt wurde, wird bis zum kommenden 15. August mit einer wöchentlichen Annullierung von mehreren Flügen zu rechnen sein.

Alle die bis dahin von oder nach Portugal fliegen wollen, empfehle ich dringend einen Besuch auf der Seite der Fluggesellschaft, die da lautet:


Sonntag, 13. Juli 2014

Die Portugiesen in... Rio de Janeiro


Portugal ist bei der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Nichtsdestotrotz wurde in Brasilien weiter Fußball gespielt.
So findet am heutigen Sonntag, im berühmten Maracanã-Stadion zu Rio de Janeiro, das Finale der diesjährigen Fußball-WM statt.
Ich habe hier im „Planet Portugal“ in den letzten vier Wochen versucht den einen oder anderen Austragungsort dieser Fußball-WM in Brasilien vorzustellen. Alle diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so wie auch die Stadt Rio de Janeiro.

Hier nun im Folgenden eine mehr oder weniger umfassende chronologische Stadtgeschichte von einer der schönsten Städte der Welt – Rio de Janeiro.
Ich habe bei der Erstellung der Chronologie vor allem Wert auf die Entstehungsgeschichte der wichtigsten noch vorhandenen portugiesischen Baudenkmäler gelegt, sowie ebenso auf die wichtigsten geschichtlichen und politischen Ereignisse in der Stadt während der portugiesischen Kolonialzeit.


Rio de Janeiro – die chronologische Geschichte einer Stadt:

- 1500
Die Region in der sich heute die Stadt Rio de Janeiro befindet, wird damals von Tamaio-Indios, vom Volk der Tupinambá, bevölkert. Man schätzt heute die damalige Bevölkerungszahl der Tamaio (tupi: „Großeltern“) auf ca. 70.000 Menschen.
Der Seefahrer Pedro Álvares Cabral entdeckt, eher zufällig auf dem Weg nach Indien, Brasilien. Er landet mit seiner Flotte am 22. April 1500 in Porto Seguro, im heutigen Bundesstaat Bahia

- 1502
Gaspar de Lemos, Navigator einer der Expeditionsflotten des Seefahrers André Gonçalves, entdeckt am 01. Januar die Bucht von Guanabara (tupi: „Meeresarm“ / port.: Bahia de Guanabara). Weil er glaubt, es handelt sich bei dieser Meeresbucht um die Mündung eines großen Flusses, nennt er den „Fluss“ Rio de Janeiro (dt.: Januarfluss)

- 1503
Der portugiesische Entdecker Gonçalo Coelho errichtet am Strande von Flamengo, an der Mündung eines Baches, der sich damals zur wichtigsten Süßwasserquelle für die folgenden Schiffsbesatzungen entwickelte, eine kleine Handelsniederlassung aus Lehm. Diesen Bach nennen die Tamaio-Indianer Carioca (tupi: „Haus des weißen Mannes“). Heute werden die Einwohner Rios „Cariocas“ genannt

- 1506
Nachdem er zwei Jahre am Rio Carioca gesiedelt hat, tritt der Entdecker Gonçalo Coelho die Heimreise nach Lissabon an

- 1515
Der spanische Seefahrer Juan Diaz de Solis macht im November, auf seiner Expeditionsfahrt ins südliche Südamerika, Halt in der Bucht von Guanabara

- 1519
Am 13. Dezember ankert die Flotte von Fernão de Magalhães (dt.: Ferdinand Magellan), bestehend aus den vier Segelschiffen „La Trinidad“, „Santo Antonio“, „Victoria“ und „Conception“, in der Bucht von Guanabara.
Fernão de Magalhães benennt, wissentlich oder unwissentlich, die Bucht mit dem Namen „Santa Luzia“

- 1530
Der erste Gouverneur Brasiliens, Martim Afonso de Sousa, besucht mit einer Flotte von fünf Schiffen und 500 Mann Besatzung, die Bucht von Guanabara auf seinem Weg ins südliche Brasilien.
Dort gründet er später im heutigen Bundesstaat São Paulo die erste europäische Stadt Südamerikas, São Vicente.

- 1531
Der adelige Seefahrer und Pero Lopes de Sousa, der zur Mannschaft von Martim Afonso de Sousa gehört, baut das erste Steinhaus am Bach Carioca

- 1553
Der erste Generalgouverneur Brasiliens, Tomé de Sousa, kommt mit seinem Freund, dem Jesuitenpater und bedeutenden Theologen Manuel da Nobrega, in der Bucht von Guanabara an. Manuel da Nobrega ist auf der Durchreise und gründet ein Jahr später die spätere Stadt São Paulo

- 1555
Der französische Admiral Nicolas Durand de Villegagnon dringt mit seinen Männern in die Bucht von Guanabara ein, besetzt die Kolonie und errichtet die Festung Fort Coligny auf der von den Indios genannten Insel Serigipe (tupi: „im Fluß der Krebse“). Die Insel trägt heute zu ehren Admirals de Villegagnon seinen Namen, Ilha de Villegagnon

- 1559
Nach 4 Jahren Besetzung verlässt Nicolas Durand de Villegagnon wieder die Bucht von Guanabara. Fort Coligny und die Insel Serigipe bleiben aber unter französischer Herrschaft

- 1560
Den Portugiesen gelingt es, unter dem Kommando des Juristen und späteren Generalgouverneurs Mem de Sá, das Fort Coligny einzunehmen und die Franzosen von der Insel Serigipe zu vertreiben. Diese versuchen sich daraufhin auf der 36 km² großen Insel Paranapuam (tupi: „Wildkatze“), der heutigen Ilha do Governador (dt.: Gouverneursinsel), anzusiedeln

- 1565
Estácio de Sá, ein Neffe von Mem de Sá, gründet am 01. März die Stadt São Sebastião do Rio de Janeiro und wird ihr Gouverneur.
Die Stadt erstreckte sich damals lediglich zwischen dem Zuckerhut (port.: Pão de Açucar) und dem heutigen Stadtteil Urca, wo sich heutzutage das Forte de São João befindet

- 1567
Am 20. Januar gelingt es dem Stadtgründer Estácio de Sá die Franzosen von der Insel Paranapuam und somit endgültig aus der portugiesischen Kolonie zu vertreiben. Er verletzt sich aber bei dieser Befreiungsaktion und stirbt einen Monat später, am 20. Februar, an seinen schweren Verletzungen.
Nach dem Tod von Estácio de Sá wird sein Onkel Mem de Sá Gouverneur der Stadt.
Im selben Jahr gründen die Jesuiten die erste Schule von Rio

- 1568
Salvador Correia de Sá, ein Neffe von Mem de Sá, folgt seinem Onkel auf dem Stuhl des Gouverneurs

- 1572
Cristóvão de Barros löste Salvador de Sá als Gouverneur ab

- 1576
Der Richter António Salema wird neuer Gouverneur der Stadt

- 1577
Salvador Correia de Sá, der von 1568 bis 1572 schon einmal die Stadt verwaltet hat, löst nach nur einem Jahr Amtszeit António Salema als Gouverneur von Rio de Janeiro ab

- 1582
Aleixo Manuel, der erste praktizierende Arzt von Rio de Janeiro, lässt auf dem Hügel São Bento die Kapelle Nossa Senhora da Conceição errichten.
Das Krankenhaus der Santa Casa da Misericórdia, eine kirchlich-soziale Einrichtung, wird gebaut. Neben dem Krankenhaus entsteht die Kirche Igreja de Nossa Senhora do Bonsucesso

- 1585
Die Kirche Igreja de São Sebastião dos Capuchinhos, im heutigen Stadtteil Tijuca, wird gebaut

- 1586
Aus Bahia kommen die ersten Benediktinermönche in die Stadt. Sie beginnen mit dem Bau des Münsters Mosteiro de São Bento

- 1590
Die ersten Mönche des Karmeliterordens kommen in Rio an.
Der Kaufmann João Pereira de Sousa, der mit Spitznamen „bota fogo“ (dt.: „Brandstifter“) genannt wird, kauft von seinem Freund Francisco Velho ein Grundstück, an dem sich heute der Stadtteil und der Strand von Praia de Botafogo erstreckt.
Der Stadtteil (port.: bairro) Botafogo wird gegründet

- 1592
Die ersten Franziskanermönche kommen in Rio an.
Am Strand von Praia de Santa Luzia, den es heute nicht mehr gibt da die Landebahn des Flughafen Santos Dumont bis ans Wasser reicht, errichten die Franziskaner eine kleine Kapelle, die heutige Kirche Igreja de Santa Luzia

- 1599
Francisco de Mendonça e Vasconcelos übernimmt von Salvador Correia de Sá das Amt des Gouverneurs von Rio de Janeiro.
Olivier van Noort, der dabei ist als erster Holländer die Welt zu umrunden, trifft in der Bucht von Guanabara ein. Ihm wird aber verweigert dort zu ankern und so segelt er weiter in Richtung Feuerland

- 1602
Martim Correia de Sá, Sohn des ehemaligen Gouverneurs Salvador Correia de Sá, tritt seine erste Amtszeit als Gouverneur von Rio de Janeiro an

- 1603
Die Festung Forte de São Tiago, wo heute das Nationalhistorische Museum der Stadt untergebracht ist (port.: Museu Histórico Nacional da Cidade do Rio de Janeiro), wird gebaut

- 1608
Afonso de Albuquerque – nicht zu verwechseln mit dem berühmten portugiesischen Vizekönig in Indien gleichen Namens – wird Gouverneur von Rio de Janeiro.
Der Franziskanermönch Francisco dos Santos beginnt mit dem Bau des Klosters Convento de Santo António, der bis 1620 dauern wird

- 1609
Auf See, unweit der brasilianischen Küste, erleidet das Segelschiff „Candelária“ Schiffbruch und droht zu sinken. Das wohlhabende Passagierehepaar António Martins Palma und Leonor Gonçalves geloben eine Kapelle zu stiften, sollten sie nicht untergehen. Das Schiff schafft es mit Mühe an die Küste und das Ehepaar überlebt. Daraufhin halten sie Wort und stiften eine kleine Kapelle, die heutige Kirche Igreja de Nossa Senhora da Candelária

- 1611
Der Karmelitermönch Pedro Viana, der zuvor schon in der Stadt Santos für den Bau des dortigen Karmeliterklosters verantwortlich war, übernimmt auch in Rio den Bau des Klosters Convento do Carmo. Dieses Kloster, das heute noch existiert, wird im 19. Jahrhundert, nach Ankunft der portugiesischen Königsfamilie in Brasilien, von der Krone beschlagnahmt und dann zum offiziellen Wohnsitz von Königin Maria I umfunktioniert

- 1614
Constantino de Menelau wird 10. Gouverneur von Rio

- 1617
Rui Vaz Pinto wird zum Gouverneur von Rio de Janeiro ernannt.
Aus Bahia kommen die ersten Benediktinermönche in die Stadt. Sie beginnen mit dem Bau des Klosters São Bento

- 1620
Francisco Fajardo wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1623
Correia de Sá wird zum zweiten Mal Gouverneur von Rio

- 1633
Rodrigo de Miranda Henriques wird Gouverneur von Rio

- 1635
Es wird mit dem Bau der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Penha begonnen

- 1637
Der aus Cadiz stammende Militär Salvador Correia de Sá Benevides wird zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro. Er ist es, der das erste Rathaus und das erste Gefängnis in Rio bauen lässt

- 1639
Auf der Insel Ilha das Cobras (dt.: Schlangeninsel), einer der Inseln in der Bucht von Guanabara, wird mit dem Bau der Festung Fortaleza de São José begonnen

- 1642
Duarte Correia Vasqueanes, Halbbruder des ehemaligen Gouverneurs Salvador Correia de Sá, wird für wenige Monaten Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1643
Luis Barbalho Bezerra wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1644
Francisco de Souto Maior wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1645
Am 08. Mai verzichtet Francisco de Souto Maior auf sein Gouverneursamt, da er an einer Expedition nach Portugiesisch Westafrika teilnimmt, wo er mithelfen will die Holländer aus Angola zu vertreiben.
Sein Nachfolger wird Duarte Correia Vasqueanes, der schon einmal das Gouverneursamt für kurze Zeit inne hatte

- 1648
Salvador Correia de Sá e Benevides wird Anfang des Jahres zum zweiten Mal Gouverneur der Stadt, verzichtet aber Mitte des Jahres wieder auf sein Amt, da er an einem Eroberungsfeldzug in Angola teilnehmen will, um dort die Holländer aus der portugiesischen Kolonie zu vertreiben. Sein Nachfolger wird erneut für kurze Zeit Duarte Correia Vasqueanes

- 1649
Sebastião de Brito Pereira wird neuer Gouverneur von Rio

- 1651
António Galvão wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1652
Luis de Almeida Portugal wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1657
Tomé Correia de Alvarega wird zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro.
Mönche des Franziskanerordens fangen mit dem Bau der Kirche Igreja da Ordem Terceira de São Francisco da Penitência, eine der schönsten Kirchen der Stadt, an

- 1659
Salvador Correia de Sá e Benevides beginnt seine dritte Amtszeit als Gouverneur der Stadt

- 1660
Tomé Correia de Alvarega wird erneut Gouverneur von Rio, wird aber noch im selben Jahr von Agostinho Barbalho Bezerra ermordet, der selber das Amt des Gouverneurs übernimmt

- 1661
Auf Befehl von König Afonso VI im fernen Portugal, wird Agostinho Barbalho Bezerra abgesetzt und João Correia de Sá, ein Nachfahre des Gründers von Rio de Janeiro,  Estácio de Sá, zum neuen Gouverneur ausgerufen

- 1662
Pedro de Melo wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1665
Der Stadtteil (port.: bairro) Urca wird gegründet

- 1666
Pedro Mascarenhas de Lencastre wird Gouverneur von Rio

- 1670
João da Silva e Sousa wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1671
Der Portugiese António Caminha stiftet eine kleine Kapelle, die an der Stelle gebaut wird, wo einmal später die Kirche Igreja da Glória stehen wird

- 1675
Matias da Cunha wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1676
Rio de Janeiro wird zum Bistum

- 1679
Der General Manuel Lobo tritt am 09. Mai sein Amt als Gouverneur von Rio de Janeiro an, doch zwei Monate später tritt er eine Expeditionsreise ins südliche Brasilien an.
João Tavares Roldon vertritt ihn als Gouverneur

- 1681
Pedro Gomes wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1682
Duarte Teixeira Chaves wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1686
João Furtado de Mendonça wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1689
Am 24. Juni wird Francisco Napier de Lencastre Gouverneur von Rio de Janeiro.
Er gründet die erste Volksmiliz und die erste Militärschule der Stadt, bevor er zu einer Expeditionsreise nach Angola aufbricht

- 1690
Luis César de Meneses wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1693
António Pais de Sande wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1694
André Cusaco tritt am 29. August sein Amt als Gouverneur von Rio de Janeiro an. Cusaco wurde ursprünglich in Irland geboren und hieß Andrew Cusack

- 1695
Am 19. April wird Sebastião de Castro e Caldas Gouverneur von Rio de Janeiro.
Als der französische Kommandant De Gennies versucht die Stadt zu überfallen, lässt ihn Sebastião de Castro e Caldas von der neu erbauten Festung Fortaleza de Santa Cruz da Barra aus, erfolgreich mit Kanonen bombardieren

- 1697
Am 15. Oktober wird Martim Correia Vasques zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro ernannt. Da er sich aber noch im selben Monat auf dem Weg nach São Paulo macht, besetzt Francisco de Castro Morais den Platz des Gouverneurs.
Die Münzprägeanstalt Casa da Moeda wird in Rio gegründet

- 1699
Artur de Sá Meneses, noch ein Mitglied der Familie Sá die so viele Gouverneure in Rio hervorgebracht hat, wird Gouverneur von Rio de Janeiro. Bis Juli 1702 bleibt er im Amt

- 1702
Álvaro da Silveira e Albuquerque wird im Juli Gouverneur von Rio de Janeiro. Er bleibt bis April 1704 im Amt.
Auf Anordnung des Bischofs von Rio, D. Francisco de São Jeronimo, wird der erste Bischofspalast der Stadt gebaut

- 1704
D. Francisco de São Jeronimo, Bischof von Rio de Janeiro, wird im April der erste Geistliche auf dem Stuhl des Gouverneurs. Bis zum August 1705 bleibt er im Amt

- 1705
Der Adelige Fernando Martins Mascarenhas Lencastre wird im August Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1709
António de Albuquerque Coelho de Carvalho ist von Juni bis Dezember Gouverneur von Rio de Janeiro. Danach löst ihn Gregorio de Castro Morais als Gouverneur ab

- 1710
Francisco de Castro Morais wird das zweite Mal zum Gouverneur ernannt.
Der französische Freibeuter Jean-François Duclerc überfällt mit seinen Männern Rio de Janeiro, kann die Stadt aber nicht einnehmen. Duclerc wird festgenommen und unter Hausarrest gesetzt. Am 11. März wird er auf mysteriöse Art und Weise von einer Gruppe Maskierter in seinem Gefängnis umgebracht

- 1711
Am 12. September wird die Stadt erneut von Franzosen, unter dem Kommando des Freibeuters und Marineoffiziers René Duguay-Trouin, attackiert. Duguay-Trouin und seine Männer wollen die über 600 französischen Gefangenen in den Gefängnissen von Rio befreien.
Den Freibeutern gelingt es die Stadt einzunehmen, zu plündern und vorerst zu besetzen.
Am 10. Oktober unterzeichnet der Feldherr João de Paiva Souto Maior, Repräsentant des Gouverneurs in der Stadt, die Kapitulationsurkunde.
Die portugiesische Krone setzt daraufhin António de Albuquerque Saldanha de Carvalho erneut als Gouverneur ein

- 1713
Der Adlige Francisco Xavier de Tavora wird Gouverneur von Rio

- 1716
Manuel Almeida Castelo Branco ist von Anfang des Jahres bis zum Juni das erste Mal Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1717
António de Brito Freire de Meneses wird Gouverner von Rio

- 1719
Manuel Almeida Castelo Branco wird zum zweiten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro, wird aber noch im selben Jahr von Oberst Aires de Saldanha e Albuquerque Coutinho Matos e Noronha abgelöst.
In Rio de Janeiro wird das erste Aquädukt für die öffentliche Wasserversorgung der Stadt, der Aqueduto da Carioca, gebaut

- 1723
In Rio feiern portugiesische Einwanderer aus Madeira und den Azoren zum ersten Mal Karneval in den Straßen der Stadt

- 1725
Luis Vaía Monteiro wird Gouverner von Rio de Janeiro.
Der Bau an der ersten Straße, die einmal die zwei Städte Rio de Janeiro und São Paulo verbinden soll, beginnt

- 1727
Obwohl die Tupi-Sprache – die Sprache der Ureinwohner – die meistgesprochene Sprache der Kolonie ist, wird ihr Gebrauch von Gouverneur Luis Vaía Monteiro in der Stadt verboten

- 1732
Manuel de Freitas da Fonseca wird Gouverneur von Rio

- 1733
Der Edelmann Gomes Freire de Andrade wird Gouverneur in Rio de Janeiro. Er wird sein Amt 30 Jahre lang ausüben, so lange wie kein anderer vor ihm. Und Gomes Freire de Andrade wird auch der letzte Gouverneur sein, denn nach ihm wird Rio de Janeiro zur Hauptstadt des Vize-Königreiches Brasilien und von einem Vize-König regiert werden

- 1743
Gomes Freire de Andrade baut sich einen neuen Gouverneurspalast, der später einmal zum Palast des Vize-König umgebaut wird

- 1747
Die erste Druckerei Rio de Janeiros wird in Betrieb genommen, aber gleich wieder auf Anordnung Portugals geschlossen

- 1749
Die Einwohnerzahl Rio de Janeiros beläuft sich zu dieser Zeit auf etwa 24.000 Personen

- 1750
Der Aquädukt da Carioca, eines der bedeutendsten Bauten der portugiesischen Kolonialzeit in Brasilien, wird fertig gestellt

- 1754
Die Straße zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, die erste Landverbindung zwischen diesen zwei wichtigen Städten, wird fertig gestellt

- 1759
Auf Anordnung des portugiesischen Premierministers, dem Marques de Pombal, müssen 190 Jesuiten die Stadt verlassen. Alle Besitztümer der Jesuiten werden entweder verstaatlicht oder von der Krone versteigert.
Das erste Weisenhaus der Stadt, das Colégio dos Órfãos de São Pedro, wird in Betrieb genommen

- 1763
Der Gouverneur Gomes Freire de Andrade stirbt am 01. Januar.
Am 27. Juni wird D. António Alvares da Cunha erster Vize-König von Brasilien und Rio de Janeiro Hauptstadt des Vize-Königreiches. Er hat sein Amt bis zum 31. August 1767 inne

- 1767
D. Antonio Rolim de Moura Tavares wird am 17. November zweiter Vize-König von Brasilien und bleibt in diesem Amt bis zum 04. November 1769.
Genau gegenüber dem Palast des Vize-Königs, dem alten Gouverneurspalast, wird mit dem Bau eines Opernhauses, dem ersten Theaterhaus Brasiliens, begonnen

- 1769
D. Luis de Almeida Silva Mascarenhas wird am 04. November dritter Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 30. April 1778

- 1772
Die Wissenschaftliche Akademie von Rio wird gegründet

- 1776
Das Opernhaus wird fertig gestellt und eingeweiht

- 1779
D. Luis de Vasconcelos e Sousa wird am 30. April Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 09. Mai 1790
Die Naturkundliche Akademie wird gegründet

- 1783
Der erste öffentliche Park der Stadt Rio und ganz Südamerikas, der heutige Passeio Público, wird von dem Mulatten Valentim da Fonseca e Silva, von vielen einfach nur Mestre Valentim (dt.: Meister Valentin) genannt, angelegt

- 1786
Die Literarische Gesellschaft (dt.: Sociedade Literária) von Rio wird gegründet.
Anlässlich der Hochzeit des Kronprinzenpaares João und Carlota Joaquina in Portugal finden in der Stadt verschiedene Feierlichkeiten statt

- 1789
Der brasilianische Freiheitskämpfer Tiradentes, der gegen die Sklavenpolitik der portugiesischen Kolonialherren kämpfte, wird am 12. Mai in Rio de Janeiro festgenommen.
In ganz Rio de Janeiro gibt es zu dieser Zeit 14 Wirtshäuser

- 1790
D. José Luis de Castro wird am 09. Mai der fünfte Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 14. Oktober 1801.
Ein Brand im Senatsgebäude am 20. Juli vernichtet fast alle wichtigen Dokumente der Stadt

- 1792
Am 21. April wird Tiradentes hingerichtet. Nach der Unabhängigkeit Brasiliens und nach dem Kaiserreich wird er zum ersten Nationalhelden Brasiliens

- 1794
In ganz Rio gibt es jetzt 18 Wirtshäuser

- 1798
Das Postwesen wird in Rio eingeführt

- 1799
Die Einwohnerzahl Rios wird auf ca. 43.000 geschätzt

- 1801
D. Fernando José de Portugal e Castro wird am 14. Oktober der sechste Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 14. Oktober 1806

- 1806
D. Marcos de Noronha e Brito wird am 14. Oktober der siebte und letzte Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 22. Januar 1808.

- 1808
Die portugiesische Königsfamilie verließ, auf der Flucht vor den französischen Truppen Napoleons, Portugal am 29. November 1807.
Mit der Ankunft der königlichen Familie in Rio de Janeiro, am 08. März, finden verschiedene, teilweise sehr gravierende Veränderungen und Gründungen in der Stadt statt, die nun die Hauptstadt des portugiesischen Imperiums ist und ca. 80.000 Einwohner zählt.
- So wird der Palast des Vize-Königs (port.: Paço dos Vice-Reis), der auch schon als Gouverneurssitz (port.: Casa dos Governadores) gedient hatte, mit Ankunft der Königsfamilie im März offiziell zum neuen Königspalast (port.: Paço Real)
- Das Kloster Convento do Carmo ist ab April das offizielle Domizil von Königin Maria I
- Am 13. April wird die Kirche Nossa Senhora do Monte do Carmo zur Kathedrale von Rio de Janeiro bestimmt
Am 12. Mai wird die Militär- und Geheimpolizei (port.: Policia Militar e Secreta) von Rio gegründet
Am 27. Mai werden in Rio die Müllabfuhr und Straßenreinigungen eingeführt
Am 06. Juni wird die erste Medizinhochschule (port.: Escola de medicina) in Rio gegründet
Am 10. September erscheint die Zeitung „Gazeta do Rio de Janeiro“, die erste Zeitung Brasiliens
Am 12. Oktober wird die Bank von Brasilien (port.: Banco do Brasil) gegründet

1810
Am 27. Juli wird Die brasilianische Nationalbibliothek (port.: Biblioteca Nacional do Brasil), die erste öffentliche Bibliothek des Landes, von Prinzregent João gegründet

1811
 Der ca. 140 Hektar große Botanische Garten (port.: Jardim botânico) von Rio de Janeiro wird gegründet

1816
Königin Maria I, Königin des Vereinigten Königreiches von Portugal, Brasilien und der Algarve, stirbt am 20. März in Rio de Janeiro. Nachfolger wird ihr Sohn João, der als João VI den Thron besteigt.
Der Franzose Adolph Pharoux eröffnet das erste Hotel der Stadt

1818
König João VI wird am 06. Februar in der Stadt gekrönt
Das erste Museum der Stadt, das Museu Real, wird von König João VI eingeweiht

1821
Am 20. April verlässt König João VI schweren Herzens Brasilien um wieder in Lissabon den portugiesischen Thron zu besetzen, wo er am 03. Juli ankommt.
Er lässt seinen Sohn Pedro als Regenten in Rio de Janeiro zurück.
Man schätzt die Einwohnerzahl Rios in diesem Jahr auf etwa 112.000 Einwohner

1822
Nachdem sich Prinzregent Pedro weigert verschiedene koloniale Anordnungen aus Lissabon in Brasilien einzuführen, wird ihm befohlen nach Lissabon zurückzukehren.
Er weigert sich und proklamiert daraufhin am 01. August die weitgehende Autonomie Brasiliens vom Mutterland.
Am 07. September erklärt Pedro in São Paulo, mit dem „Schrei von Ipiranga“ (port.: „Grito do Ipiranga“), die Unabhängigkeit Brasiliens. Daraufhin wird er am 12. Oktober zum Kaiser Brasiliens proklamiert und am 01. Dezember in Rio de Janeiro als Pedro I gekrönt.

Mit der Unabhängigkeit Brasiliens endete eine über 300 Jahre lange ständige Präsenz Portugals in Rio de Janeiro. Aber auch nach der Unabhängigkeit blieb Brasilien dem Mutterland Portugal wie keine andere Kolonie verbunden. Und keine Stadt des ehemaligen Kolonialreiches ist auch heute noch so „portugiesisch“ wie Rio de Janeiro.