Montag, 28. Juli 2014

100 Jahre Erster Weltkrieg


Heute vor 100 Jahren, am 28. Juli 1914 begann mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien der Erste Weltkrieg (port.: Primeira Guerra Mundial).
Dieser Kriegserklärung folgte am 01. August die Kriegserklärung des Deutschen Kaiserreichs an Russland, am 03. August die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich und als deutsche Truppen am folgenden Tag über die belgische Grenze marschierten, erklärte daraufhin Großbritannien Deutschland den Krieg; einen Krieg von dem viele damals glaubten er würde durch schnelle Siege schon nach nur wenigen Monaten zu Ende sein.
Als das Japanische Kaiserreich, ein Verbündeter Großbritanniens, am 23. August 1914 Deutschland den Krieg erklärte, war aus einem Krieg in Europa plötzlich ein wirklich weltumspannender Krieg geworden – ein Weltkrieg!

Portugal hielt sich die erste Zeit aus dem Weltkriegsgeschehen weitestgehend heraus – jedenfalls offiziell!
Das erst 1910 republikanisch gewordene Portugal verhielt sich zuerst neutral, und nahm an den Kriegsereignissen in Europa erst einmal nicht teil, sendete aber einen Teil seiner Truppen im September 1914 nach Afrika, um dort die portugiesischen Kolonien Angola und Moçambique vor deutschen Expansionsübergriffen zu schützen.

Erst als Ende Februar 1916 Portugal auf bitten der britischen Regierung über 70 deutsche und österreichisch-ungarische Kriegs- und Handelsschiffe, die in portugiesischen Häfen Schutz gesucht hatten, beschlagnahmte, trat Portugal offiziell in die Kriegsgeschehen ein.
Am 09.März 1916 erklärte das Deutsche Kaiserreich der Republik Portugal den Krieg (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag „Deutsche Kriegserklärung an Portugal“, vom 29. Juni 2011) und Portugal trat aktiv an der Seite der Alliierten in das Kriegsgeschehen ein.

Der Verlauf des Ersten Weltkrieges ist auf allen Seiten blutig und unvorstellbar brutal gewesen.
Aber während Portugal seine Grenzen nach dem Krieg unverändert beibehalten konnte, mussten Deutschland und viele andere Länder extreme territoriale Veränderungen und das Ende ihrer Staatsformen hinnehmen.
Das hatte zur Folge, dass sich bei fast allen Kriegsverlierern linke und rechte antidemokratische Kräfte und somit u.a. nationalistische und bolschewistische Ideologien durchsetzen konnten, die den weiteren Verlauf des Jahrhunderts schwerwiegend prägten.

Man schätzt dass die Maschinerie des Ersten Weltkrieges, an dem sich zeitweise bis zu 40 verschiedene Nationen beteiligten und der bis zum 11. November 1918 wütete, etwa 17 Millionen Menschen das Leben kostete.
Auf portugiesischer Seite nahmen etwa 200.000 Soldaten teil, die in Europa an der Seite der Alliierten kämpften. Abertausende von ihnen wurden verletzt, viele schwer, und mindestens 10.000 portugiesische Soldaten, die genaue Zahl konnte niemals ermittelt werden, starben auf den Schlachtfeldern Frankreichs und Flanderns.
Jeder von ihnen hatte einen Namen, hatte eine Mutter und einen Vater, viele von ihnen sogar eine Frau und Kinder, alle hatten sie Mut und Angst und alle starben sie in einem sinnlosen Krieg und wurden dann, wenn überhaupt, in fremder Erde bestattet.

Auf dem größten portugiesischen Ehrenfriedhof des Ersten Weltkrieges, dem nordfranzösischen Soldatenfriedhof (port.: Cemitério de guerra / franz.: Cimetière militaire) von Richebourg l’Avoué sind 1.831 portugiesischen Soldaten beigesetzt.
Fast alle Gräber in Richebourg l’Avoué ziert ein weißes Kreuz mit dem Namen, Rang, Geburts- und Todestag des jeweiligen Soldaten. Aber auf 238 dieser Kreuze stehen nur die einfachen, und doch sehr einprägsamen Worte:

„Um soldado da Grande Guerra – Deus sabe seu Nome“
(dt.: „Ein Soldat des Ersten Weltkrieges – Gott weiß seinen Namen“).

Richebourg l’Avoué ist nur einer von über 100 verschiedenen Soldatenfriedhöfen in Frankreich, Flandern, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland in denen gefallene portugiesische Soldaten des Ersten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Samstag, 26. Juli 2014

Unangenehme Annullierungen bei der TAP


Die portugiesische Fluggesellschaft TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses) musste diese Woche 48 ihrer Flüge annullieren, darunter auch teilweise die Mittelstreckenflugverbindungen nach Frankfurt/Main, München und Berlin.
Obwohl eine Umbuchung auf die von TAP gecharterte Flugzeuge anderer Airlines, wie ich selbst erleben konnte, keinerlei Probleme mit sich bringt, ist diese Situation, zumal jetzt zur Sommerzeit, der portugiesischen Fluggesellschaft sehr unangenehm.

Dabei ist die TAP ziemlich unverschuldet in die missliche Lage geraten, in der sie sich jetzt befindet.
Der Flugzeughersteller Airbus hatte sich vertraglich dazu verpflichtet der TAP Ende Juni zwei Airbus A330 für ihre Langstreckenflüge, sowie zwei Airbus A319 und zwei Airbus A320 für ihre Mittelsteckenflüge auszuliefern.
Da diese Flugzeuglieferungen aber bisher leider ausblieben, steckt die TAP nun in diesem Schlammassel und kann ihren Sommerflugplan, nicht wie erwartet, vollständig realisieren.

Wie mir heute am Lissabonner Flughafen von TAP mitgeteilt wurde, wird bis zum kommenden 15. August mit einer wöchentlichen Annullierung von mehreren Flügen zu rechnen sein.

Alle die bis dahin von oder nach Portugal fliegen wollen, empfehle ich dringend einen Besuch auf der Seite der Fluggesellschaft, die da lautet:


Sonntag, 13. Juli 2014

Die Portugiesen in... Rio de Janeiro


Portugal ist bei der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Nichtsdestotrotz wurde in Brasilien weiter Fußball gespielt.
So findet am heutigen Sonntag, im berühmten Maracanã-Stadion zu Rio de Janeiro, das Finale der diesjährigen Fußball-WM statt.
Ich habe hier im „Planet Portugal“ in den letzten vier Wochen versucht den einen oder anderen Austragungsort dieser Fußball-WM in Brasilien vorzustellen. Alle diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so wie auch die Stadt Rio de Janeiro.

Hier nun im Folgenden eine mehr oder weniger umfassende chronologische Stadtgeschichte von einer der schönsten Städte der Welt – Rio de Janeiro.
Ich habe bei der Erstellung der Chronologie vor allem Wert auf die Entstehungsgeschichte der wichtigsten noch vorhandenen portugiesischen Baudenkmäler gelegt, sowie ebenso auf die wichtigsten geschichtlichen und politischen Ereignisse in der Stadt während der portugiesischen Kolonialzeit.


Rio de Janeiro – die chronologische Geschichte einer Stadt:

- 1500
Die Region in der sich heute die Stadt Rio de Janeiro befindet, wird damals von Tamaio-Indios, vom Volk der Tupinambá, bevölkert. Man schätzt heute die damalige Bevölkerungszahl der Tamaio (tupi: „Großeltern“) auf ca. 70.000 Menschen.
Der Seefahrer Pedro Álvares Cabral entdeckt, eher zufällig auf dem Weg nach Indien, Brasilien. Er landet mit seiner Flotte am 22. April 1500 in Porto Seguro, im heutigen Bundesstaat Bahia

- 1502
Gaspar de Lemos, Navigator einer der Expeditionsflotten des Seefahrers André Gonçalves, entdeckt am 01. Januar die Bucht von Guanabara (tupi: „Meeresarm“ / port.: Bahia de Guanabara). Weil er glaubt, es handelt sich bei dieser Meeresbucht um die Mündung eines großen Flusses, nennt er den „Fluss“ Rio de Janeiro (dt.: Januarfluss)

- 1503
Der portugiesische Entdecker Gonçalo Coelho errichtet am Strande von Flamengo, an der Mündung eines Baches, der sich damals zur wichtigsten Süßwasserquelle für die folgenden Schiffsbesatzungen entwickelte, eine kleine Handelsniederlassung aus Lehm. Diesen Bach nennen die Tamaio-Indianer Carioca (tupi: „Haus des weißen Mannes“). Heute werden die Einwohner Rios „Cariocas“ genannt

- 1506
Nachdem er zwei Jahre am Rio Carioca gesiedelt hat, tritt der Entdecker Gonçalo Coelho die Heimreise nach Lissabon an

- 1515
Der spanische Seefahrer Juan Diaz de Solis macht im November, auf seiner Expeditionsfahrt ins südliche Südamerika, Halt in der Bucht von Guanabara

- 1519
Am 13. Dezember ankert die Flotte von Fernão de Magalhães (dt.: Ferdinand Magellan), bestehend aus den vier Segelschiffen „La Trinidad“, „Santo Antonio“, „Victoria“ und „Conception“, in der Bucht von Guanabara.
Fernão de Magalhães benennt, wissentlich oder unwissentlich, die Bucht mit dem Namen „Santa Luzia“

- 1530
Der erste Gouverneur Brasiliens, Martim Afonso de Sousa, besucht mit einer Flotte von fünf Schiffen und 500 Mann Besatzung, die Bucht von Guanabara auf seinem Weg ins südliche Brasilien.
Dort gründet er später im heutigen Bundesstaat São Paulo die erste europäische Stadt Südamerikas, São Vicente.

- 1531
Der adelige Seefahrer und Pero Lopes de Sousa, der zur Mannschaft von Martim Afonso de Sousa gehört, baut das erste Steinhaus am Bach Carioca

- 1553
Der erste Generalgouverneur Brasiliens, Tomé de Sousa, kommt mit seinem Freund, dem Jesuitenpater und bedeutenden Theologen Manuel da Nobrega, in der Bucht von Guanabara an. Manuel da Nobrega ist auf der Durchreise und gründet ein Jahr später die spätere Stadt São Paulo

- 1555
Der französische Admiral Nicolas Durand de Villegagnon dringt mit seinen Männern in die Bucht von Guanabara ein, besetzt die Kolonie und errichtet die Festung Fort Coligny auf der von den Indios genannten Insel Serigipe (tupi: „im Fluß der Krebse“). Die Insel trägt heute zu ehren Admirals de Villegagnon seinen Namen, Ilha de Villegagnon

- 1559
Nach 4 Jahren Besetzung verlässt Nicolas Durand de Villegagnon wieder die Bucht von Guanabara. Fort Coligny und die Insel Serigipe bleiben aber unter französischer Herrschaft

- 1560
Den Portugiesen gelingt es, unter dem Kommando des Juristen und späteren Generalgouverneurs Mem de Sá, das Fort Coligny einzunehmen und die Franzosen von der Insel Serigipe zu vertreiben. Diese versuchen sich daraufhin auf der 36 km² großen Insel Paranapuam (tupi: „Wildkatze“), der heutigen Ilha do Governador (dt.: Gouverneursinsel), anzusiedeln

- 1565
Estácio de Sá, ein Neffe von Mem de Sá, gründet am 01. März die Stadt São Sebastião do Rio de Janeiro und wird ihr Gouverneur.
Die Stadt erstreckte sich damals lediglich zwischen dem Zuckerhut (port.: Pão de Açucar) und dem heutigen Stadtteil Urca, wo sich heutzutage das Forte de São João befindet

- 1567
Am 20. Januar gelingt es dem Stadtgründer Estácio de Sá die Franzosen von der Insel Paranapuam und somit endgültig aus der portugiesischen Kolonie zu vertreiben. Er verletzt sich aber bei dieser Befreiungsaktion und stirbt einen Monat später, am 20. Februar, an seinen schweren Verletzungen.
Nach dem Tod von Estácio de Sá wird sein Onkel Mem de Sá Gouverneur der Stadt.
Im selben Jahr gründen die Jesuiten die erste Schule von Rio

- 1568
Salvador Correia de Sá, ein Neffe von Mem de Sá, folgt seinem Onkel auf dem Stuhl des Gouverneurs

- 1572
Cristóvão de Barros löste Salvador de Sá als Gouverneur ab

- 1576
Der Richter António Salema wird neuer Gouverneur der Stadt

- 1577
Salvador Correia de Sá, der von 1568 bis 1572 schon einmal die Stadt verwaltet hat, löst nach nur einem Jahr Amtszeit António Salema als Gouverneur von Rio de Janeiro ab

- 1582
Aleixo Manuel, der erste praktizierende Arzt von Rio de Janeiro, lässt auf dem Hügel São Bento die Kapelle Nossa Senhora da Conceição errichten.
Das Krankenhaus der Santa Casa da Misericórdia, eine kirchlich-soziale Einrichtung, wird gebaut. Neben dem Krankenhaus entsteht die Kirche Igreja de Nossa Senhora do Bonsucesso

- 1585
Die Kirche Igreja de São Sebastião dos Capuchinhos, im heutigen Stadtteil Tijuca, wird gebaut

- 1586
Aus Bahia kommen die ersten Benediktinermönche in die Stadt. Sie beginnen mit dem Bau des Münsters Mosteiro de São Bento

- 1590
Die ersten Mönche des Karmeliterordens kommen in Rio an.
Der Kaufmann João Pereira de Sousa, der mit Spitznamen „bota fogo“ (dt.: „Brandstifter“) genannt wird, kauft von seinem Freund Francisco Velho ein Grundstück, an dem sich heute der Stadtteil und der Strand von Praia de Botafogo erstreckt.
Der Stadtteil (port.: bairro) Botafogo wird gegründet

- 1592
Die ersten Franziskanermönche kommen in Rio an.
Am Strand von Praia de Santa Luzia, den es heute nicht mehr gibt da die Landebahn des Flughafen Santos Dumont bis ans Wasser reicht, errichten die Franziskaner eine kleine Kapelle, die heutige Kirche Igreja de Santa Luzia

- 1599
Francisco de Mendonça e Vasconcelos übernimmt von Salvador Correia de Sá das Amt des Gouverneurs von Rio de Janeiro.
Olivier van Noort, der dabei ist als erster Holländer die Welt zu umrunden, trifft in der Bucht von Guanabara ein. Ihm wird aber verweigert dort zu ankern und so segelt er weiter in Richtung Feuerland

- 1602
Martim Correia de Sá, Sohn des ehemaligen Gouverneurs Salvador Correia de Sá, tritt seine erste Amtszeit als Gouverneur von Rio de Janeiro an

- 1603
Die Festung Forte de São Tiago, wo heute das Nationalhistorische Museum der Stadt untergebracht ist (port.: Museu Histórico Nacional da Cidade do Rio de Janeiro), wird gebaut

- 1608
Afonso de Albuquerque – nicht zu verwechseln mit dem berühmten portugiesischen Vizekönig in Indien gleichen Namens – wird Gouverneur von Rio de Janeiro.
Der Franziskanermönch Francisco dos Santos beginnt mit dem Bau des Klosters Convento de Santo António, der bis 1620 dauern wird

- 1609
Auf See, unweit der brasilianischen Küste, erleidet das Segelschiff „Candelária“ Schiffbruch und droht zu sinken. Das wohlhabende Passagierehepaar António Martins Palma und Leonor Gonçalves geloben eine Kapelle zu stiften, sollten sie nicht untergehen. Das Schiff schafft es mit Mühe an die Küste und das Ehepaar überlebt. Daraufhin halten sie Wort und stiften eine kleine Kapelle, die heutige Kirche Igreja de Nossa Senhora da Candelária

- 1611
Der Karmelitermönch Pedro Viana, der zuvor schon in der Stadt Santos für den Bau des dortigen Karmeliterklosters verantwortlich war, übernimmt auch in Rio den Bau des Klosters Convento do Carmo. Dieses Kloster, das heute noch existiert, wird im 19. Jahrhundert, nach Ankunft der portugiesischen Königsfamilie in Brasilien, von der Krone beschlagnahmt und dann zum offiziellen Wohnsitz von Königin Maria I umfunktioniert

- 1614
Constantino de Menelau wird 10. Gouverneur von Rio

- 1617
Rui Vaz Pinto wird zum Gouverneur von Rio de Janeiro ernannt.
Aus Bahia kommen die ersten Benediktinermönche in die Stadt. Sie beginnen mit dem Bau des Klosters São Bento

- 1620
Francisco Fajardo wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1623
Correia de Sá wird zum zweiten Mal Gouverneur von Rio

- 1633
Rodrigo de Miranda Henriques wird Gouverneur von Rio

- 1635
Es wird mit dem Bau der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Penha begonnen

- 1637
Der aus Cadiz stammende Militär Salvador Correia de Sá Benevides wird zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro. Er ist es, der das erste Rathaus und das erste Gefängnis in Rio bauen lässt

- 1639
Auf der Insel Ilha das Cobras (dt.: Schlangeninsel), einer der Inseln in der Bucht von Guanabara, wird mit dem Bau der Festung Fortaleza de São José begonnen

- 1642
Duarte Correia Vasqueanes, Halbbruder des ehemaligen Gouverneurs Salvador Correia de Sá, wird für wenige Monaten Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1643
Luis Barbalho Bezerra wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1644
Francisco de Souto Maior wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1645
Am 08. Mai verzichtet Francisco de Souto Maior auf sein Gouverneursamt, da er an einer Expedition nach Portugiesisch Westafrika teilnimmt, wo er mithelfen will die Holländer aus Angola zu vertreiben.
Sein Nachfolger wird Duarte Correia Vasqueanes, der schon einmal das Gouverneursamt für kurze Zeit inne hatte

- 1648
Salvador Correia de Sá e Benevides wird Anfang des Jahres zum zweiten Mal Gouverneur der Stadt, verzichtet aber Mitte des Jahres wieder auf sein Amt, da er an einem Eroberungsfeldzug in Angola teilnehmen will, um dort die Holländer aus der portugiesischen Kolonie zu vertreiben. Sein Nachfolger wird erneut für kurze Zeit Duarte Correia Vasqueanes

- 1649
Sebastião de Brito Pereira wird neuer Gouverneur von Rio

- 1651
António Galvão wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1652
Luis de Almeida Portugal wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1657
Tomé Correia de Alvarega wird zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro.
Mönche des Franziskanerordens fangen mit dem Bau der Kirche Igreja da Ordem Terceira de São Francisco da Penitência, eine der schönsten Kirchen der Stadt, an

- 1659
Salvador Correia de Sá e Benevides beginnt seine dritte Amtszeit als Gouverneur der Stadt

- 1660
Tomé Correia de Alvarega wird erneut Gouverneur von Rio, wird aber noch im selben Jahr von Agostinho Barbalho Bezerra ermordet, der selber das Amt des Gouverneurs übernimmt

- 1661
Auf Befehl von König Afonso VI im fernen Portugal, wird Agostinho Barbalho Bezerra abgesetzt und João Correia de Sá, ein Nachfahre des Gründers von Rio de Janeiro,  Estácio de Sá, zum neuen Gouverneur ausgerufen

- 1662
Pedro de Melo wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1665
Der Stadtteil (port.: bairro) Urca wird gegründet

- 1666
Pedro Mascarenhas de Lencastre wird Gouverneur von Rio

- 1670
João da Silva e Sousa wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1671
Der Portugiese António Caminha stiftet eine kleine Kapelle, die an der Stelle gebaut wird, wo einmal später die Kirche Igreja da Glória stehen wird

- 1675
Matias da Cunha wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1676
Rio de Janeiro wird zum Bistum

- 1679
Der General Manuel Lobo tritt am 09. Mai sein Amt als Gouverneur von Rio de Janeiro an, doch zwei Monate später tritt er eine Expeditionsreise ins südliche Brasilien an.
João Tavares Roldon vertritt ihn als Gouverneur

- 1681
Pedro Gomes wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1682
Duarte Teixeira Chaves wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1686
João Furtado de Mendonça wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1689
Am 24. Juni wird Francisco Napier de Lencastre Gouverneur von Rio de Janeiro.
Er gründet die erste Volksmiliz und die erste Militärschule der Stadt, bevor er zu einer Expeditionsreise nach Angola aufbricht

- 1690
Luis César de Meneses wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1693
António Pais de Sande wird Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1694
André Cusaco tritt am 29. August sein Amt als Gouverneur von Rio de Janeiro an. Cusaco wurde ursprünglich in Irland geboren und hieß Andrew Cusack

- 1695
Am 19. April wird Sebastião de Castro e Caldas Gouverneur von Rio de Janeiro.
Als der französische Kommandant De Gennies versucht die Stadt zu überfallen, lässt ihn Sebastião de Castro e Caldas von der neu erbauten Festung Fortaleza de Santa Cruz da Barra aus, erfolgreich mit Kanonen bombardieren

- 1697
Am 15. Oktober wird Martim Correia Vasques zum ersten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro ernannt. Da er sich aber noch im selben Monat auf dem Weg nach São Paulo macht, besetzt Francisco de Castro Morais den Platz des Gouverneurs.
Die Münzprägeanstalt Casa da Moeda wird in Rio gegründet

- 1699
Artur de Sá Meneses, noch ein Mitglied der Familie Sá die so viele Gouverneure in Rio hervorgebracht hat, wird Gouverneur von Rio de Janeiro. Bis Juli 1702 bleibt er im Amt

- 1702
Álvaro da Silveira e Albuquerque wird im Juli Gouverneur von Rio de Janeiro. Er bleibt bis April 1704 im Amt.
Auf Anordnung des Bischofs von Rio, D. Francisco de São Jeronimo, wird der erste Bischofspalast der Stadt gebaut

- 1704
D. Francisco de São Jeronimo, Bischof von Rio de Janeiro, wird im April der erste Geistliche auf dem Stuhl des Gouverneurs. Bis zum August 1705 bleibt er im Amt

- 1705
Der Adelige Fernando Martins Mascarenhas Lencastre wird im August Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1709
António de Albuquerque Coelho de Carvalho ist von Juni bis Dezember Gouverneur von Rio de Janeiro. Danach löst ihn Gregorio de Castro Morais als Gouverneur ab

- 1710
Francisco de Castro Morais wird das zweite Mal zum Gouverneur ernannt.
Der französische Freibeuter Jean-François Duclerc überfällt mit seinen Männern Rio de Janeiro, kann die Stadt aber nicht einnehmen. Duclerc wird festgenommen und unter Hausarrest gesetzt. Am 11. März wird er auf mysteriöse Art und Weise von einer Gruppe Maskierter in seinem Gefängnis umgebracht

- 1711
Am 12. September wird die Stadt erneut von Franzosen, unter dem Kommando des Freibeuters und Marineoffiziers René Duguay-Trouin, attackiert. Duguay-Trouin und seine Männer wollen die über 600 französischen Gefangenen in den Gefängnissen von Rio befreien.
Den Freibeutern gelingt es die Stadt einzunehmen, zu plündern und vorerst zu besetzen.
Am 10. Oktober unterzeichnet der Feldherr João de Paiva Souto Maior, Repräsentant des Gouverneurs in der Stadt, die Kapitulationsurkunde.
Die portugiesische Krone setzt daraufhin António de Albuquerque Saldanha de Carvalho erneut als Gouverneur ein

- 1713
Der Adlige Francisco Xavier de Tavora wird Gouverneur von Rio

- 1716
Manuel Almeida Castelo Branco ist von Anfang des Jahres bis zum Juni das erste Mal Gouverneur von Rio de Janeiro

- 1717
António de Brito Freire de Meneses wird Gouverner von Rio

- 1719
Manuel Almeida Castelo Branco wird zum zweiten Mal Gouverneur von Rio de Janeiro, wird aber noch im selben Jahr von Oberst Aires de Saldanha e Albuquerque Coutinho Matos e Noronha abgelöst.
In Rio de Janeiro wird das erste Aquädukt für die öffentliche Wasserversorgung der Stadt, der Aqueduto da Carioca, gebaut

- 1723
In Rio feiern portugiesische Einwanderer aus Madeira und den Azoren zum ersten Mal Karneval in den Straßen der Stadt

- 1725
Luis Vaía Monteiro wird Gouverner von Rio de Janeiro.
Der Bau an der ersten Straße, die einmal die zwei Städte Rio de Janeiro und São Paulo verbinden soll, beginnt

- 1727
Obwohl die Tupi-Sprache – die Sprache der Ureinwohner – die meistgesprochene Sprache der Kolonie ist, wird ihr Gebrauch von Gouverneur Luis Vaía Monteiro in der Stadt verboten

- 1732
Manuel de Freitas da Fonseca wird Gouverneur von Rio

- 1733
Der Edelmann Gomes Freire de Andrade wird Gouverneur in Rio de Janeiro. Er wird sein Amt 30 Jahre lang ausüben, so lange wie kein anderer vor ihm. Und Gomes Freire de Andrade wird auch der letzte Gouverneur sein, denn nach ihm wird Rio de Janeiro zur Hauptstadt des Vize-Königreiches Brasilien und von einem Vize-König regiert werden

- 1743
Gomes Freire de Andrade baut sich einen neuen Gouverneurspalast, der später einmal zum Palast des Vize-König umgebaut wird

- 1747
Die erste Druckerei Rio de Janeiros wird in Betrieb genommen, aber gleich wieder auf Anordnung Portugals geschlossen

- 1749
Die Einwohnerzahl Rio de Janeiros beläuft sich zu dieser Zeit auf etwa 24.000 Personen

- 1750
Der Aquädukt da Carioca, eines der bedeutendsten Bauten der portugiesischen Kolonialzeit in Brasilien, wird fertig gestellt

- 1754
Die Straße zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, die erste Landverbindung zwischen diesen zwei wichtigen Städten, wird fertig gestellt

- 1759
Auf Anordnung des portugiesischen Premierministers, dem Marques de Pombal, müssen 190 Jesuiten die Stadt verlassen. Alle Besitztümer der Jesuiten werden entweder verstaatlicht oder von der Krone versteigert.
Das erste Weisenhaus der Stadt, das Colégio dos Órfãos de São Pedro, wird in Betrieb genommen

- 1763
Der Gouverneur Gomes Freire de Andrade stirbt am 01. Januar.
Am 27. Juni wird D. António Alvares da Cunha erster Vize-König von Brasilien und Rio de Janeiro Hauptstadt des Vize-Königreiches. Er hat sein Amt bis zum 31. August 1767 inne

- 1767
D. Antonio Rolim de Moura Tavares wird am 17. November zweiter Vize-König von Brasilien und bleibt in diesem Amt bis zum 04. November 1769.
Genau gegenüber dem Palast des Vize-Königs, dem alten Gouverneurspalast, wird mit dem Bau eines Opernhauses, dem ersten Theaterhaus Brasiliens, begonnen

- 1769
D. Luis de Almeida Silva Mascarenhas wird am 04. November dritter Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 30. April 1778

- 1772
Die Wissenschaftliche Akademie von Rio wird gegründet

- 1776
Das Opernhaus wird fertig gestellt und eingeweiht

- 1779
D. Luis de Vasconcelos e Sousa wird am 30. April Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 09. Mai 1790
Die Naturkundliche Akademie wird gegründet

- 1783
Der erste öffentliche Park der Stadt Rio und ganz Südamerikas, der heutige Passeio Público, wird von dem Mulatten Valentim da Fonseca e Silva, von vielen einfach nur Mestre Valentim (dt.: Meister Valentin) genannt, angelegt

- 1786
Die Literarische Gesellschaft (dt.: Sociedade Literária) von Rio wird gegründet.
Anlässlich der Hochzeit des Kronprinzenpaares João und Carlota Joaquina in Portugal finden in der Stadt verschiedene Feierlichkeiten statt

- 1789
Der brasilianische Freiheitskämpfer Tiradentes, der gegen die Sklavenpolitik der portugiesischen Kolonialherren kämpfte, wird am 12. Mai in Rio de Janeiro festgenommen.
In ganz Rio de Janeiro gibt es zu dieser Zeit 14 Wirtshäuser

- 1790
D. José Luis de Castro wird am 09. Mai der fünfte Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 14. Oktober 1801.
Ein Brand im Senatsgebäude am 20. Juli vernichtet fast alle wichtigen Dokumente der Stadt

- 1792
Am 21. April wird Tiradentes hingerichtet. Nach der Unabhängigkeit Brasiliens und nach dem Kaiserreich wird er zum ersten Nationalhelden Brasiliens

- 1794
In ganz Rio gibt es jetzt 18 Wirtshäuser

- 1798
Das Postwesen wird in Rio eingeführt

- 1799
Die Einwohnerzahl Rios wird auf ca. 43.000 geschätzt

- 1801
D. Fernando José de Portugal e Castro wird am 14. Oktober der sechste Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 14. Oktober 1806

- 1806
D. Marcos de Noronha e Brito wird am 14. Oktober der siebte und letzte Vize-König von Brasilien und bleibt im Amt bis zum 22. Januar 1808.

- 1808
Die portugiesische Königsfamilie verließ, auf der Flucht vor den französischen Truppen Napoleons, Portugal am 29. November 1807.
Mit der Ankunft der königlichen Familie in Rio de Janeiro, am 08. März, finden verschiedene, teilweise sehr gravierende Veränderungen und Gründungen in der Stadt statt, die nun die Hauptstadt des portugiesischen Imperiums ist und ca. 80.000 Einwohner zählt.
- So wird der Palast des Vize-Königs (port.: Paço dos Vice-Reis), der auch schon als Gouverneurssitz (port.: Casa dos Governadores) gedient hatte, mit Ankunft der Königsfamilie im März offiziell zum neuen Königspalast (port.: Paço Real)
- Das Kloster Convento do Carmo ist ab April das offizielle Domizil von Königin Maria I
- Am 13. April wird die Kirche Nossa Senhora do Monte do Carmo zur Kathedrale von Rio de Janeiro bestimmt
Am 12. Mai wird die Militär- und Geheimpolizei (port.: Policia Militar e Secreta) von Rio gegründet
Am 27. Mai werden in Rio die Müllabfuhr und Straßenreinigungen eingeführt
Am 06. Juni wird die erste Medizinhochschule (port.: Escola de medicina) in Rio gegründet
Am 10. September erscheint die Zeitung „Gazeta do Rio de Janeiro“, die erste Zeitung Brasiliens
Am 12. Oktober wird die Bank von Brasilien (port.: Banco do Brasil) gegründet

1810
Am 27. Juli wird Die brasilianische Nationalbibliothek (port.: Biblioteca Nacional do Brasil), die erste öffentliche Bibliothek des Landes, von Prinzregent João gegründet

1811
 Der ca. 140 Hektar große Botanische Garten (port.: Jardim botânico) von Rio de Janeiro wird gegründet

1816
Königin Maria I, Königin des Vereinigten Königreiches von Portugal, Brasilien und der Algarve, stirbt am 20. März in Rio de Janeiro. Nachfolger wird ihr Sohn João, der als João VI den Thron besteigt.
Der Franzose Adolph Pharoux eröffnet das erste Hotel der Stadt

1818
König João VI wird am 06. Februar in der Stadt gekrönt
Das erste Museum der Stadt, das Museu Real, wird von König João VI eingeweiht

1821
Am 20. April verlässt König João VI schweren Herzens Brasilien um wieder in Lissabon den portugiesischen Thron zu besetzen, wo er am 03. Juli ankommt.
Er lässt seinen Sohn Pedro als Regenten in Rio de Janeiro zurück.
Man schätzt die Einwohnerzahl Rios in diesem Jahr auf etwa 112.000 Einwohner

1822
Nachdem sich Prinzregent Pedro weigert verschiedene koloniale Anordnungen aus Lissabon in Brasilien einzuführen, wird ihm befohlen nach Lissabon zurückzukehren.
Er weigert sich und proklamiert daraufhin am 01. August die weitgehende Autonomie Brasiliens vom Mutterland.
Am 07. September erklärt Pedro in São Paulo, mit dem „Schrei von Ipiranga“ (port.: „Grito do Ipiranga“), die Unabhängigkeit Brasiliens. Daraufhin wird er am 12. Oktober zum Kaiser Brasiliens proklamiert und am 01. Dezember in Rio de Janeiro als Pedro I gekrönt.

Mit der Unabhängigkeit Brasiliens endete eine über 300 Jahre lange ständige Präsenz Portugals in Rio de Janeiro. Aber auch nach der Unabhängigkeit blieb Brasilien dem Mutterland Portugal wie keine andere Kolonie verbunden. Und keine Stadt des ehemaligen Kolonialreiches ist auch heute noch so „portugiesisch“ wie Rio de Janeiro.

Dienstag, 8. Juli 2014

Die Portugiesen in… São Paulo


Portugal ist bei der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Nichtsdestotrotz wird in Brasilien weiter Fußball gespielt.
Ich werde hier im „Planet Portugal“ versuchen in nächster Zeit noch den einen oder anderen Austragungsort dieser Fußball-WM in Brasilien vorzustellen. Fast all diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so auch die Megacity São Paulo.

São Paulo ist für mich die Stadt mit der größten Persönlichkeit die ich kenne.
Sicherlich, ich kenne Städte die sind schöner, ruhiger, besser gelegen, sauberer und sicherlich konfliktarmer; aber keine von ihnen ist so vielseitig, dynamisch, faszinierend, vorurteilslos, abwechselungsreich und multikulturell wie São Paulo.
São Paulo hat nun einmal zwei Gesichter:
ein friedliches, lebendiges, niveauvolles, kreatives, kosmopolitisches und gleichzeitig auch ein gewalttätiges, gnadenloses und fratzenhaftes.
Diese Stadt polarisiert: entweder man liebt sie oder man hasst sie.
Ich habe mich irgendwann dazu entschieden São Paulo zu lieben!

Im Jahre 1530 beauftragte König João III den Adligen Martim Afonso de Sousa damit, den Süden des 30 Jahre zuvor von Pedro Álvares Cabral neu entdeckten Brasiliens zu kolonialisieren.
Mit einer Flotte von fünf Schiffen und 500 Männer stach Martim Afonso de Sousa im selben Jahr in See und landete zuerst in Pernambuco, im Nordosten des Landes.
Nachdem er dort französische Piraten erfolgreich vertrieben hatte, führte er seine Fahrt an der brasilianischen Küste gen Süden weiter.
Am 22. Januar 1532 gründete er, auf einer dem Festland vorgelagerten Insel, die erste portugiesische Stadt in Brasilien und die erste europäische Siedlung in ganz Südamerika – den kleinen Ort São Vicente.

Im Jahre 1533 machte sich Martim Afonso de Sousa mit dem Abenteurer João Ramalho daran, die hohe Serra do Mar, ein Küstengebirge das die Indios Paranapiacaba nannten und das die Stadt São Vicente und die Küste vom Landesinneren trennte, zu besteigen.
Nach einer beschwerlichen Reise gründeten sie mit einpaar Indios des Stammes der Guaianases auf einer Hochebene, zwischen den Flüssen Anhangabaú, Tieté und Tamanduatei, das Dorf Vila de Piratininga.
Für die nächsten 20 Jahre war Vila de Piratininga nur ein kleiner unscheinbarer Handelsposten in den Bergen, das ab und zu von den Portugiesen auf ihrem Weg von der Küste ins Landesinnere aufgesucht wurde.

Im Januar 1554 machte sich eine Gruppe von zwölf jungen jesuitischen Geistlichen, unter ihnen die Jesuitenpater Manuel da Nobrega, José de Anchieta und Manuel de Paiva, von São Vicente auf den Weg nach Vila de Piratininga, um dort die Indios des Hochlandes im Christentum zu unterweisen.
Dort wo sich heute, Mitten in São Paulo, die Nachbildung des Jesuitenkollegs (port.: Pátio do Colégio) befindet, errichteten sie eine einfache Lehmhütte, in der sie die „Wilden“ fortan bekehrten.
Genau vor dieser Hütte hielt der Jesuitenpater Manuel de Paiva am 25. Januar 1554, dem Paulustag, eine Messe unter freien Himmel ab.
Dieser Gottesdienst gilt als die Geburtsstunde von São Paulo!

Zwei Jahre später errichteten die Jesuiten eine kleine Kirche und eine Ordensschule, einen so genannten Kolleg, den sie am 01. November 1556, dem Allerheiligentag, einweihten. Bis 1560 bauten sie dann die „Confraria da Misericórdia de São Paulo“, ein Krankenhaus, das erste im brasilianischen Hinterland.
Im selben Jahr ließ der Generalgouverneur Brasiliens, Dom Francisco de Sousa, ein Rathaus für die Siedlung bauen und fortan trug diese, auf seinen Erlass hin, den Namen São Paulo de Piratininga und gehörte zur Capitania von São Vicente.

Von 1580 bis 1640 war die portugiesische Krone mit der spanischen offiziell in einer gleichberechtigten Personalunion; offiziell, denn die Realität sah leider anders aus. Nachdem Philipp II von Spanien gewaltsam Portugal besetzte, wurden Portugal und seine Überseegebiete 60 Jahre lang mehr schlecht als recht verwaltet.
Auch Brasilien, und hier ganz besonders das unscheinbare, kleine und arme São Paulo de Piratininga, gerieten während der spanischen Herrschaft über Portugal so gut wie in Vergessenheit.
1640 bestieg João IV, aus dem Hause Bragança, als portugiesischer König den Thron.

Wieder unter portugiesischer Herrschaft, blieb São Paulo de Piratininga zuerst weiterhin die wirtschaftlich unwichtige Stadt die es ehedem war. Die Zuckerrohrplantagen brachten nicht genug ein, und erst der Anbau von Weizen für den Eigenbedarf und für den Export Ende des 17. Jahrhunderts brachte der Stadt so etwas wie einen kleinen wirtschaftlichen Erfolg.

Am 22. März 1681 verlegte Luis Álvares de Castro, der 2. Marquês de Cascais und Gouverneur der Capitania, die Hauptstadt von São Vicente nach São Paulo de Piratininga.
Doch auch als Hauptstadt blieb die Stadt weiterhin die ärmste in ganz Portugiesisch-Amerika.
Am 11. Juli 1711 erhielt São Paulo de Piratininga auf Anordnung von König João V und auf Grund seiner strategisch günstigen Lage zwischen der Küste und den neu eroberten weiten Gebieten in Zentralbrasilien, in denen Gold gefunden worden war, den Status einer Stadt und durfte sich fortan nur São Paulo nennen.

Im Jahre 1723 konnte der Portugiese Francisco de Melo Palheta eine handvoll Samen aus französisch Guyana herausschmuggeln. Es waren ganz besondere Samen, nämlich Kaffeesamen!
Der Anbau von Kaffee war bis dahin fest in französischer und niederländischer Hand gewesen, aber nun wurde er auch von den Portugiesen in Brasilien angebaut. Melo Palheta brachte 1727 den Kaffee auch nach São Paulo und hier im Hochland gedieh er prächtig, so das bereits in den folgenden Jahrzehnten mit der Kaffeeproduktion begonnen wurde. São Paulos Bedeutungslosigkeit sollte sich eines Tages Dank des Kaffees schlagartig ändern und vielen seiner Bürger den langersehnten Reichtum und Wohlstand bringen.

1808 floh die portugiesische Königsfamilie vor den napoleonischen Truppen aus Portugal nach Brasilien.
Königin Maria I und ihr Sohn Prinzregent João, der spätere König João VI, residierten bis 1821 in Rio de Janeiro, der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches von Portugal, Brasilien und der Algarve (port.: Reino Unido de Portugal, Brasil e Algarves).
João VI erhob São Paulo zur Hauptstadt der neuen Provinz gleichen Namens.
1821 begab sich König João VI wieder nach Portugal zurück und ließ seinen Sohn Pedro als Regenten in der Kolonie zurück. Dieser proklamierte alsbald die volle Autonomie für Brasilien.
Am 07. September 1822 rief Pedro in São Paulo, am Ufer des Flusses Ipiranga, in einer bewegenden Rede, die Worte:
„Liberdade ou morte“ (dt.: „Unabhängigkeit oder Tod“).
Dieser Schrei, der als „Ruf von Ipiranga“ (port.: „Grito di Ipiranga“) bekannt ist, gilt als die Unabhängigkeitserklärung Brasiliens.
Am 12. Oktober 1822 wurde Pedro als Pedro I zum Kaiser von Brasilien proklamiert und daraufhin am 01. Dezember feierlich in Rio de Janeiro gekrönt.
Nach der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal endete auch die portugiesische Ära in São Paulo.

Aber, auch wenn São Paulo schon lange nicht mehr unter portugiesischem Einfluss ist – jedenfalls dem politischen – so ist „Sampa“, wie die Stadt auch liebevoll genannt wird, doch eine sehr portugiesische Stadt.
Nirgendwo auf der Welt leben so viele Portugiesen und nirgendwo sind so viele portugiesische Unternehmen niedergelassen wie hier!
Dies sind nur zwei von vielen Superlativen dieser Stadt.

São Paulo ist die größte Stadt des Bundesstaates gleichen Namens, die größte Stadt Brasiliens und die größte Stadt der südlichen Hemisphäre und sie ist das wichtigste Wirtschafts-, Industrie-, Finanz- und Kulturzentrum, nicht nur Brasiliens sondern ganz Südamerikas.

Für mich persönlich ist São Paulo die Stadt der Städte!

Sonntag, 6. Juli 2014

ZON Air Race Championship in Cascais


Eine spektakuläre Kunstflugshow sorgt dieses Wochenende am Himmel über den beliebten Seebadeort Cascais, 25 km von Lissabon, für Begeisterung.
Seit Freitag, und bis zum heutigen Sonntag, findet in der Bucht von Cascais das erste „NOS Air Race Championship“ teil, eine Kunstflugshow die mit dem weltberühmtem „International Red Bull Air Race“ oder dem „Reno Air Race“ verglichen werden kann.

18 Flugzeuge, darunter Militärmaschinen Jakowlews Jak-52, Kunstflugflugzeuge Extra 300L und Kunstflugeinsitzer CAP 230 nehmen an der Show teil.
16 portugiesische und internationale Piloten werden versuchen aus ihren Maschinen so viele Loopings und Schrauben „herauszukitzeln“, um die geschätzten 500.000 Besucher die bis heute Abend erwartet werden, ja nicht zu enttäuschen und eher zu begeistern.

Da das Wetter dieses Wochenende auch mitgespielt hat, und es am heutigen Sonntag wohl hoffentlich auch so schön bleiben wird, kann ich jedem einen Ausflug an die Costa do Sol nur empfehlen!

Samstag, 5. Juli 2014

Die Portugiesen in… Fortaleza


Portugal ist bei der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Nichtsdestotrotz wird in Brasilien weiter Fußball gespielt.
Ich werde hier im „Planet Portugal“ versuchen in nächster Zeit noch den einen oder anderen Austragungsort dieser Fußball-WM in Brasilien vorzustellen. Fast all diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so auch Fortaleza.

Die Geschichte Fortalezas begann vor vielen Jahren, als die Portugiesen begannen um die Festung Fortaleza de Nossa Senhora da Assunção – das portugiesische Wort für Festung lautet „fortaleza“ – eine kleine Siedlung zu errichten. Diese Siedlung wurde über die Jahrhunderte hinweg zu dem was heute die fünftgrößte Stadt Brasiliens ist.
Wer heute Fortaleza besucht, der kann sich kaum vorstellen wie schwierig die Gründung der Stadt einstmals gewesen ist.
In einem der trockensten Landstriche Brasiliens gelegen, wirtschaftlich unrentabel und mit Indios bevölkert, die den Portugiesen gegenüber feindlich gesinnt waren – das waren nur drei der Gründe, warum dieser fast wüstenähnliche Landstrich an dem heute Fortaleza liegt, von der portugiesischen Krone im 16. Jahrhundert kaum beachtet wurde.

Knapp 100 Jahre nachdem Pedro Álvares Cabral im Jahre 1500 das Land entdeckt hatte, erhielten die Portugiesen Martim Soares Moreno und Pero Coelho de Sousa vom spanischen König Phillip II, der zu dieser Zeit als Felipe I auch über Portugal herrschte, den Befehl die Küste von Ceará, das damals zur Capitania de Maranhão gehörte, zu kolonialisieren.
Während der Azoreaner Pero Coelho de Sousa damals wegen einer lang andauernden, erbarmungslosen Dürre kapitulieren musste und 1606 daraufhin Ceará verließ konnte Martim Soares Moreno sich durchsetzen.

Nachdem Soares Moreno sich über Jahre hinweg mit den angriffslustigen Indios im reinsten Kriegszustand befunden hatte, erreichte er im Jahre 1611 einen Bund mit den Indios des Jaguaribestammes, die ihm dann auch halfen eine Festung an der Mündung des Flusses Rio Ceará zu bauen. Diese Festung nannte Soares Moreno Fortaleza de São Sebastião.
Im Jahre 1612 versuchten französische Piraten die Festung zu erobern, was ihnen aber nicht gelang.
Auch gegen die den Portugiesen gegenüber feindlich gesinnten Indios des Stammes der Tupinambá und denen des Stammes der Tapuia erwies sich die Festung in den folgenden Jahren als wehrhaft.
Nur den Holländern gelang es Fortaleza später einzunehmen.

Schon 1593 und 1604 überfielen niederländische Seeräuber portugiesische Stützpunkte in Brasilien.
Als dann 1621 die niederländische Westindien-Kompanie gegründet wurde, wurden diese Überfälle auf portugiesische Stützpunkte und Städte regelmäßiger.
Als Folge dieser ständigen Plünderungen brach im Jahre 1624 der Niederländisch-Portugiesische Krieg los.
Den Holländern gelang es in den folgenden Jahren an die 700 portugiesische Schiffe zu kapern und verschiedene Städte in Portugiesisch-Amerika, darunter Olinda und Recife, zu besetzen.
1649 eroberten die Holländer auch Fortaleza und gründeten, um die von ihnen zerstörte portugiesische Festung Forte de São Sebastião zu ersetzen, die niederländische Festung Fort Schoonenborch.
1654 eroberten portugiesischen Truppen unter dem Kommando von Kapitän Alvaro de Azevedo Barreto die Festung Fort Schoonenborch zurück.
Fortan trug die Festung den Namen Fortaleza de Nossa Senhora da Assunção.
Den Portugiesen gelang es zwar die Holländer aus Fortaleza zu vertreiben, der Niederländisch-Portugiesischer Krieg aber sollte noch bis 1661 andauern.

Nach der niederländischen Invasion gründeten die Portugiesen um die Festung eine kleine Siedlung.
Diese Siedlung ist die Keimzelle der heutigen Stadt Fortaleza.
Am 27. Juni 1656 änderten sich die administrativen Verwaltungshoheiten in Brasilien, und ein Teil der Capitania Maranhão wechselte zur Capitania Pernambuco, darunter auch Fortaleza.
Am 17. Januar 1799 wurde auf Anordnung von Königin Maria I die Capitania Pernambuco aufgeteilt und ein neues Verwaltungsgebiet, die Capitania Ceará, gegründet.
Fortaleza, das bis dahin nichts weiter als ein Dorf war, wurde Hauptstadt der neu ins Leben gerufenen Capitania Ceará und zu ihrem ersten Gouverneur wurde der Adelige Bernardo Manuel de Vasconcelos ernannt.
Langsam begann sich Fortaleza wirtschaftlich zu entwickeln und als Umschlagplatz für Baumwolle aus der Umgebung und für Rinderzüchter aus dem Landesinneren zu etablieren.
Erst am 17. März 1823, knapp ein halbes Jahr nach der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal, gab der brasilianische Kaiser Pedro I Fortaleza den Status einer Stadt.

Heute ist Fortaleza im brasilianischen Bundesstaat Ceará, dank seiner Nähe zum Äquator, seiner so gegebenen Sonnengarantie und seinen kilometerlangen Dünnenstränden ein absoluter Touristenmagnet.
Aus der Festung und dem Dorf von ehemals, ist heute eine Millionenstadt geworden, mit einer reichen Kultur, vielen bildenden Künstlern und wunderbaren, humorvollen Einwohnern, die fast alle einen besonderen Wert auf ihre portugiesischen und niederländischen Geschichte legen.