Dienstag, 20. März 2012

Unser tägliches Brot gib uns heute II


In meinem hier veröffentlichen Beitrag „Unser tägliches Brot gib uns heute“, vom vergangenen 11. Februar 2012, führte ich ein paar Bäckereien auf die, für portugiesische Verhältnisse, ausgefallene Brotsorten anbieten, wie z. B. Müslibrot (port.. pão muesli), Feigenbrot (port.: Pão de figo) oder Safranbrot mit Nüssen (port.: Pão de açafrão e nozes).

Beim erstellen dieses Beitrages bin ich wohl sehr hart mit den traditionellen portugiesischen Bäckereien, den Bäckern und ihren Produkten ins Gericht gegangen, denn ich bin seitdem schon mehrmals auf diesen Eintrag angesprochen und angeschrieben worden.
Viele meinten, ich hätte die portugiesischen Bäckereien in Grund und Boden geschrieben, zumal hierzulande ja Brot und Brötchen gar nicht so übel seien, meinten sie.

Nun, es lag mir fern den Berufsstand der Bäcker und überhaupt die traditionellen portugiesischen Backwaren in Misskredit zu bringen, denn natürlich gibt es auch gutes portugiesisches Brot und gute Brötchen.
Nur, und das ist nun einmal die traurige Wahrheit, man findet diese heutzutage leider nur noch selten!

Hier nun ein paar traditionell portugiesische Bäckereien in Lissabon und Umgebung, die heute noch nach alter Rezeptur Brot und Brötchen backen:

„Padaria Pão Doce“
Avenida Duque de Ávila n° 56
1050-083 Lisboa

„Panificação do Chiado“
Calçada do Sacramento n° 24-32
Chiado 1200-394 Lisboa

„Pão da Encarnação“
Rua Luis de Camões, Lote 1
Encarnação 2640-201 Mafra

„Padaria das Mercês“
Travessa das Mercês n° 12
Bairro Alto 1200-269 Lisboa

„Panificação Reunida de Queluz“
Avenida José Elias Garcia n° 98
2745-142 Queluz

„Leitaria Caneças“
Travessa do Corpo Santo n° 25
Cais do Sodré 1200-131 Lisboa

„Panificadora de Carnide“
Rua da Fonte n°35
Carnide 1600-457 Lisboa

„O Moleiro“
Rua do Século n°238
Príncipe Real 1200-439 Lisboa

„O Forninho“
Avenida João Paulo II, Loja 47
Cotovia 2970-002 Sesimbra

Ich hoffe sehr, dass ich nun mit den von mir hier ausgewählten und aufgeführten traditionellen Bäckereien diejenigen wieder beschwichtigt habe, die absolute Liebhaber von Pão alentejano (dt.: Brotlaib aus dem Alentejo), Broa de Milho (dt.: Maisbrot) und Pão saloio (dt.: Bauernbrot) sind und die ich in meinem Beitrag vom 11. Februar so vernachlässigt habe.

Sonntag, 18. März 2012

Sterben verboten!


In dieser Woche konnte man in den Zeitungen lesen, dass der Bürgermeister des italienischen Kleinstädtchen Falciano del Massico ein Dekret erlassen hat, indem er seinen Bürgern verbietet zu sterben!

Zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme sah sich der Bürgermeister der kleinen Gemeinde bei Neapel gezwungen, da er nicht mehr weiß wo er die Verstorbenen seiner Kleinstadt hinbetten soll.
Über Jahre hinweg war es ihm nicht gelungen, wegen parteipolitischen Querelen, Finanzmittel für einen gemeindeeigenen Friedhof zusammenzubekommen.

Um auf diese prekäre Situation aufmerksam zu machen, griff er also zu der ungewöhnlichen und radikalen, aber doch sehr pressewirksamen Maßnahme, und verbot seinen Einwohnern das dahinscheiden.

Hier in Lissabon hat Bürgermeister Antonio Costa zwar noch nicht seinen Bürgern verboten zu sterben, aber wer in nächster Zeit daran denkt ins friedliche Jenseits überzuwechseln, der sollte dies schnellstmöglich machen, denn glaubt man dem Lissabonner Rathaus, sind auf den Friedhöfen (port.: cemitérios) der Stadt nur noch knapp 7.000 freie Gräber vorhanden!

Im Augenblick, so scheint es, ist es leichter einen Parkplatz in der Lissabonner City zu ergattern, als einen Platz auf einem der sieben Stadtfriedhöfe zu bekommen.

Die sieben Lissabonner Stadtfriedhöfe sind:

• Cemitério da Ajuda
• Cemitério do Alto de São João
• Cemitério de Benfica
• Cemitério de Carnide
• Cemitério do Lumiar
• Cemitério dos Olivais
• Cemitério dos Prazeres

Da noch kein Lebenselixier erfunden wurde, und die Menschen auch weiterhin wohl sterben werden, weiß keiner so genau wie in naher Zukunft mit den Toten verfahren werden soll, wenn den Friedhöfen die Gräber ausgehen.
Man munkelt sogar, demnächst könnten Seebestattungen wieder in Mode kommen.

Wer für diese Misere hier verantwortlich ist, ist nicht klar erkennbar.
Die im Stadtparlament oppositionelle konservative Partei PSD schiebt die Schuld auf den sozialistischen Bürgermeister Antonio Costa.
Der Bürgermeister seinerseits schiebt die Schuld auf die konservative Regierung von Prämierminister Pedro Passos Coelho.
Und der wiederum macht die vorherige Regierung von José Socrates verantwortlich…
Und so schiebt jeder dem anderen die Schuld in die Schuhe, ohne das auch nur ein einziger Platz auf den Friedhöfen geschaffen wird.

Auch wenn es nicht so aussieht, die Situation ist mehr als ernst.
Sollte es den jeweiligen Parteien im Lissabonner Stadtparlament nicht gelingen in naher Zukunft aus dem Stadthaushalt Geldmittel für die Erweiterung und Modernisierung der Lissabonner Friedhöfe abzuzwacken, was bei der aktuellen Finanzkrise fast unmöglich erscheint, dann stehen die Lissabonner bald wirklich vor dem Problem ihre verstorbenen Lieben nicht mehr in der Stadt beerdigen zu können und so auf die Friedhöfe anderer Gemeinden auszuweichen.

Eines ist aber jetzt schon klar:
genauso wie die Bürger der italienischen Kleinstadt Falciano del Massico, so werden sich auch die Lissabonner, vor allem die älteren, auch weiterhin das Sterben nicht verbieten lassen und so öffentlich ihren zivilen Ungehorsam zeigen!

Freitag, 16. März 2012

Welcome by Taxi


Taxifahrer sind meistens die Ersten, die mit Touristen in Kontakt kommen, wenn diese fremde Städte und Länder besuchen.
Die Visitenkarte eines Landes sollten oftmals seine Taxifahrer und Taxis sein.
Auch für Portugal sollte dies zutreffen.
Aber leider sieht die Wahrheit oft anders aus!

Wer z.B. jemals hier in Lissabon Taxi gefahren ist – oder fahren musste – weiß so manche abenteuerliche und absurde Geschichte über den Berufsstand der Taxifahrer zu berichten.

Lissabonner Taxifahrer haben oftmals schlechte Manieren, schlechte Laune, sind unfreundlich, arrogant und leider auch sehr oft schlecht ausgebildet.
Trotz Beförderungspflicht weigern sich z.B. viele von ihnen Kurzstrecken zu fahren. Und wenn sie diese fahren, dann drehen sie nicht selten mit den ortsunkundigen Touristen immer ein paar teure Ehrenrunden.
Vor allem am Lissabonner Flughafen Aeroporto da Portela, wo die Wartezeit lang und die Konkurrenz groß ist, werden oft Touristen übers Ohr gehauen, sobald sie ein Taxi betreten.

Natürlich gibt es auch anständige Taxifahrer, die den Dienst am Fahrgast pflichtbewusst, ordentlich und zur vollsten Zufriedenheit erledigen.
Umso trauriger ist es da, dass ein paar wenige schwarze Schafe ausreichen, um einen ganzen Berufsstand in Misskredit zu stürzen.

Um das Verhältnis zwischen den Taxifahrern und ihren Fahrgästen in Zukunft zu verbessern, hat das portugiesische Touristikamt (port.: Turismo de Portugal) nun das Projekt „Welcome by Taxi“ ins Leben gerufen.

Dieses Projekt sieht vor, das Taxifahrer zukünftig an einem besonderen „Benimmkurs“ teilnehmen können, bei dem sie lernen sollen freundlicher und höflicher zu ihren Fahrgästen zu sein.
Außerdem wird ihnen die Möglichkeit geboten einen kostenlosen Englischkurs zu belegen.
Des Weiteren sollen sie einen Grundkurs als Möchtegernstadtführer absolvieren, um in Zukunft dann ihren Fahrgästen wichtige Informationen, wie etwa Infos über das pulsierende Nachtleben, die besten Cafés, die interessantesten Museen, die schönsten Parks und noch vieles mehr, während der Fahrt zu geben.

Ab April sollen die ersten Taxifahrer den „Welcome by Taxi“ – Kurs belegen können.
Zuerst wird er sich nur auf Lissabon, Porto und die Algarve beschränken.
Aber zukünftig sollen dann auch Taxifahrer anderer Städte und Regionen Portugals an diesem Projekt teilnehmen können.

Damit auch weiterhin die Höflichkeit portugiesischer Taxifahrer nicht auf der Strecke bleibt, ist zu hoffen, dass sich viele von ihnen an diesem, wie ich finde, nützlichen Projekt beteiligen werden.

Mittwoch, 14. März 2012

They Draw and Travel






Im Internet bin ich auf ein ungewöhnliches Bild über Lissabon gestoßen.
Dieses Bild heißt „Lisboa, the City of the 7 Hills“, ist ein Werk der spanischen Zeichnerin Marta Veludo und stellt die Stadt Lissabon in einer kindlich-naiven Kartenzeichnung dar.

Gefunden habe ich dieses Bild auf der Internetseite „They Draw & Travel“, auf der über 500 andere Karten von über 400 verschiedenen Zeichnern zusammengetragen wurden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben die verschiedensten Städte, Regionen und Länder der Welt künstlerisch darzustellen.
Insgesamt acht originell gemalte oder gezeichnete Karten und Bilder findet man bei „They Draw & Travel“ über Portugal.
Zum Vergleich: Elf Karten findet man auf dieser Seite über Deutschland.

„They Draw & Travel“ ist ein Ableger der Internetseite „They Draw & Cook“, die die weltweit größte und beste Sammlung an illustrierten Kochrezepten zusammengetragen hat.
Gründer von „They Draw & Travel“ und „They Draw & Cook“ sind die Geschwister Nate Padavick und Salli Swindell, die seit über zehn Jahren Bücher illustrieren, Post- und Grußkarten kreieren und die verschiedensten Zeichnungen publizieren.

Die acht Karten und Bilder, die bei „They Draw & Travel“ über Portugal erscheinen sind, sind das Werk von sieben kreativen Künstlern.
Kunstwerke und Künstler heißen:

• „Lisboa, the City of the 7 Hills“ – von Marta Veludo aus Spanien

• „Oh! Porto“ – von Elena Ortiz, ebenfalls aus Spanien

• „I love Portugal“ – von Agata Kowalska aus Polen

• „Porto“ – ebenfalls von Agata Kowalska aus Polen

• „Arredores de Lisboa“ – von Paulo Contessoto aus Brasilien

• „Lisboa – Eléctrico 28“ – von Angela Sbandelli aus Italien

• „Beautiful Neighbourhoods in Porto“ – von Nina Jorgensen aus Dänemark

• „Lisbon“ – von Claire Murray aus Großbritannien

Unter der Internetadresse www.theydrawandtravel.com kann sich jeder über diese künstlerischen Karten selbst ein Bild machen!

Montag, 12. März 2012

Straßenverkehrsordnung anno dazumal



Über viele Jahrhunderte hinweg hatten Menschen nur zwei Möglichkeiten um sich in der Stadt Lissabon fortzubewegen:
Wenn sie arm waren, dann gingen sie zu Fuß.
Wenn sie reich waren und ein Pferd hatten, dann gingen sie reitend durch die Stadt. Eine andere Alternative hatten sie nicht.

Die Straßen Lissabons waren eng, dreckig, stinkend und schlammig.
Sie waren in solch einem schlechten Zustand, das die, die es sich leisten konnten, vom zentralen Terreiro do Paço, dort wo sich heute die Praça do Comercio befindet, nach Belém mit einem Boot oder einem Schiff den Tejo entlang fuhren, anstatt die engen, verwinkelten und schlammigen Straßen von damals zu benutzen.

Wie schlimm es um die Straßen Lissabons einstmals stand, kann man in einer wenig schmeichelhaften Reiseerinnerung eines französischen Kaufmanns nachlesen, der 1571 schrieb:

• „Portugals Seewege sind seine besten Trophäen. Die grässlichen Straßen Lissabons allerdings stapft höchstens der Teufel entlang, und selbst der Beelzebub würde umkehren, grau von Staub und krumm von Mühsal und höllisch fluchend vor Entsetzen.“

Als im Jahre 1578 König Sebastião I auf einem Schlachtfeld in Marokko starb, ohne einen Nachfolger hinterlassen zu haben, erhob der spanische König Philipp II Anspruch auf den Thron Portugals.
Als Philipp II sich drei Jahre später, 1581, auf den Weg nach Lissabon machte, um hier die Hauptstadt seines neuen Königreiches kennen zu lernen, kam er in einer Kutsche (port.: coche) an.
Was für uns heute absolut normal erscheint, war für die meisten Lissabonner der damaligen Zeit ein absolutes Novum.

So etwas hatten die meisten bis dahin noch nie gesehen:
einen hölzernen Kasten auf vier Rädern, der von sechs Pferden gezogen wurde und der an jeder Ecke verkeilte und stehen blieb, weil er einfach nicht durch die engen Straßen der Stadt hindurchpasste.
So soll denn auch Felipe I, wie er sich fortan als König von Portugal nannte, bei seinem Einzug in Lissabon die letzten 1.500 m zum königlichen Palast Paço da Ribeira auf dem Rücken seines Pferdes zurückgelegt haben.

Aber so unpraktisch Felipes Kutsche für die Straßen Lissabons auch war, als er die Stadt im Jahre 1583 für immer verließ, machte es ihm der portugiesische Adel nach, und jeder der es sich leisten konnte, schaffte sich seine eigene Kutsche an.
Welchen Verkehrschaos es daraufhin in den Straßen Lissabons gab, kann man sich leicht vorstellen.

Da es damals so etwas wie eine Straßenverkehrsordnung noch nicht gab, versuchte man das Problem auf der hierarchischen Ebene zu lösen.
Kamen sich z.B. in einer Straße zwei Kutschen entgegen, so machte die Kutsche mit dem rangniedrigsten Fahrgast immer für den ranghöheren Platz.
Begegneten sich aber zwei gleich ranghohe Fahrgäste, und machte die eine Kutsche der anderen nicht freiwillig Platz, dann kam es oft zu Auseinandersetzungen, die von einfachen Wortgefechten bis hin zu Handgreiflichkeiten und Duellen, ja sogar Mord und Totschlag, gingen.

Um diese zuweilen sehr gewalttätigen Diskussionen ein für alle Mal zu beenden wurde im Jahre 1686, auf Anordnung von König Pedro II, die erste Straßenverkehrsordnung (port.: código da estrada) Portugals herausgegeben.

Die Strafe die sich König Pedro II für die Nichteinhaltung der neuen Verkehrsordnung ausgedachte hatte, war denkbar hart:
So wurden, auf Anweisungen des Königs hin, nicht etwa die Kutscher bestraft, sondern die adeligen Kutschenbesitzer.
Demnach wurde der Adelige der sich nicht an die neuen Verkehrsbestimmungen hielt, ohne wenn und aber, nach Brasilien deportiert!

Alleine diese Strafe zwang die Adeligen dazu mehr Rücksicht im Straßenverkehr zu haben.
Dennoch wurden zwischen 1686 und 1702, nach offiziellen Angaben, 274 adelige Verkehrsrowdies in Lissabon aus dem Verkehr gezogen und nach Brasilien zwangsdeportiert.

Mit in Kraft treten der neuen Verkehrsordnung wurden in Lissabon auch die ersten Verkehrsschilder aufgestellt und die ersten Verkehrspolizisten, die „prácticos“, traten ihren Dienst an.
Eines dieser ehemaligen ersten Verkehrsschilder kann man heute im Stadtteil Alfama, im Beco do Salvador, an der Hauswand des Gebäudes mit der Hausnummer 26 bewundern.

Auf diesem marmornen Verkehrsschild (port.: placa de trânsito), das eine Einbahnstraße anzeigt, kann man, auf alt-portugiesisch, folgende Inschrift lesen:

• „ANO DE 1686. SUA MAJESTADA ORDENA QUE OS COCHES, SEGES E LITEIRAS, QUE VIEREM DA PORTARIA DE SÃO SALVADOR, RECUEM PARA A MESMA PARTE“

Überstezung des Textes:

• „Im Jahre 1686. Seine Majestät ordnet an das alle Kutschen, Karossen und Sänften, die aus Richtung São Salvador kommen, in die selbige Richtung umkehren müssen“

Ich kann mich noch an solch ähnliche Verkehrsschilder an Gebäuden der Calçada de São Vicente, der Calçada de São Tomé und im Largo de Santa Luzia erinnern.
Doch mit den Jahren wurden diese Gebäude alle abgerissen und mit ihnen auch die Schilder zerstört.
Nur noch das marmorne Verkehrsschild im Beco do Salvador ist aus der Zeit der ersten Straßenverkehrsordnung in Portugal übrig geblieben.
Es ist das einzige das heute noch existiert!

Samstag, 10. März 2012

Von peinlichen Staatsoberhäuptern – über Grenzen hinweg


Am letzten Donnerstag, dem 08. März 2012, wurde der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet, nachdem er am 18. Februar von seinem Amt zurückgetreten war.
Über zwei Monate hinweg hat Wulff aufgrund seines umstrittenen Hauskredits, seiner zwielichtigen Kontakte zu Unternehmerfreunden und vieler anderer zweifelhafter Aktionen das deutsche Volk regelrecht zum Narren gehalten.

Nun hat ihn das politische Berlin endlich in den Ruhestand geschickt – und zwar, wie es scheint, in einen „vergoldeten“ Ruhestand.
Außer einem Ehrensold von jährlich 199.000 Euro soll Wulff, wie alle früheren Bundespräsidenten auch, Personenschutz, ein Auto mit Fahrer, ein Büro und einen Mitarbeiterstab erhalten.
Ein Fakt, der vielen Deutschen offensichtlich missfällt!
Vielen meiner deutschen Freunde und Kollegen ist Christian Wulff einfach nur peinlich, und manche schämen sich sogar für ihn.

Aber die Deutschen sind nicht die einzigen, denen ihr Staatsoberhaupt peinlich ist.
Auch wir hier in Portugal haben an der Spitze des Staates einen Mann, der krampfhaft versucht sein Saubermannimage zu pflegen und der von sich behauptet eine moralische Instanz zu sein, es aber oftmals an Moral und Würde mangeln lässt.

Diese Woche ist bekannt geworden, dass Anibal Cavaco Silva, seines Zeichens Präsident der portugiesischen Republik, seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin zu dessen „überragenden“ Wahlsieg zum Präsidenten Russlands am vergangenen Sonntag gratuliert hat.
Wie auf der offiziellen Seite des hiesigen Präsidialamtes zu lesen ist, gratulierte Cavaco Silva Herrn Putin mit den folgenden Worten:

• „Por ocasião da eleição de Vossa Excelência como Presidente da Federação da Rússia quero dirigir-lhe, em meu nome e no do Povo Português, calorosas felicitações e votos de sucesso no exercício das altas funções que é chamado a desempenhar“

Ins deutsche übersetzt lautet dieser Text wie folgt:

• „Aus Anlass ihrer Wahl zum Präsidenten der Russischen Föderation, möchte ich Ihnen, in meinem Namen und im Namen des portugiesischen Volkes, die wärmsten und herzlichsten Glückwünsche übermitteln und Ihnen für das hohe Amt, für welches Sie nun berufen sind, alles erfolgreiche Wünschen“

Nun, das ein Präsident dem anderen zu einem erfolgreichen Wahlausgang gratuliert, ist nichts Außergewöhnliches und normalerweise auch nicht zu beanstanden.
Außergewöhnlich und beanstandungswürdig ist aber sehr wohl die Art und Weise wie diese Gratulation ausgedrückt wird!

Jeder weiß, dass die Wahlen in Russland weder frei noch fair vonstatten gingen, und dass Wladimir Putin diese nur gewinnen konnte, weil er Wahlbetrug im großen Stil betrieb.
Offensichtlich sind für Putin seine autokratischen Neigungen bedeutender als seine demokratische Überzeugung.

Deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar und im hohen Maße peinlich, das der höchste Repräsentant meines Landes in seinem offiziellen Glückwunschschreiben an Putin die Worte „calorosas felicitações“ (dt.: „wärmsten und herzlichsten Glückwünsche“) benutzt, zumal er diese Worte ja auch im Namen des portugiesischen Volkes, also auch in meinem Namen, übermittelt.

Ich weiß sehr wohl, dass die Diplomatie einen gewissen taktvollen Ton vorschreibt, wenn Politiker miteinander kommunizieren.
Und in diesem Fall hat Cavaco Silva zweifelsohne gegenüber Putin einen taktvollen Ton angeschlagen, als er die Wörter „wärmsten und herzlichsten“ vor die eigentlichen Glückwünsche dransetzte.
Gegenüber jedem freiheitlich denkenden und demokratischen Menschen aber, hat er sich äußerst taktlos verhalten und im Ton vergriffen!

Männer wie Cavaco Silva und Wulff vergessen oftmals die Tatsache, dass das Amt eines portugiesischen Staatspräsidenten oder der eines deutschen Bundespräsidenten eigentlich ein Amt mit Würde und im Dienste des jeweiligen Volkes sein sollte.

Sie mögen diese Tatsache oftmals vergessen…
Aber es obliegt uns, dem Volk, sie immer wieder daran zu erinnern!

Freitag, 9. März 2012

Individuelles Reisen mit eigenreise.de


Heute stelle ich hier in meinem Blog die Internetseite www.eigenreise.de vor.
Bei eigenreise.de handelt es sich um eine neue Portugalseite die jedem sehr interessante Reisetipps für den nächsten Portugalurlaub gibt.

Jeder der schon einmal in Urlaub gefahren oder geflogen ist, weiß wie wichtig eine gute Organisation vor Reisebeginn ist.
Die Gewissheit, dass man ruhig und gelassen in die Ferien fliegen kann, trägt zu erholsamen Urlaubstagen bei.
Zu dieser angesprochenen Gewissheit kann die von mir hier erwähnte Seite eigenreise.de sicherlich beisteuern.

Gründer von eigenreise.de ist der Deutsche Portugal-Fan Henning Fischer.
Mit einer Menge Arbeit und viel Liebe zum Detail hat er diese informative Reiseseite, in völliger Eigenregie und nach langen und intensiven Recherchen, Anfang dieses Jahres aus der Taufe gehoben.
Ob preiswerte Flüge, gute und günstige Hotels oder beste Mietwagenangebote, alles wird hier klar und übersichtlich empfohlen.
So gibt einem eigenreise.de eine sehr gute Gesamtübersicht über die verschiedenen aktuellen Reiseangebote.
Ob Nord- oder Südportugal, Badeurlaub, Städtereisen oder doch lieber eine Rundreise durchs Land mit dem Mietwagen, alles lässt sich hier leicht, unkompliziert und individuell vergleichen.

Man gibt ganz einfach seine gewünschten Reisedaten, wie z.B. den gewünschten Reisetermin, den Ab- und Zielflughafen und die Anzahl der Reisenden an, entscheidet sich dann für eine der von eigenreise.de empfohlenen Reiserouten, Hotels, Flüge oder Mietwagenangebote, und schon liegt einem Portugalurlaub nichts mehr im Wege.

Leider findet man bis jetzt auf dieser Seite nur Reisetipps und -angebote für das portugiesische Festland.
Für die von mir so geliebten Azoren und die Insel Madeira gibt es auf eigenreise.de noch keine Angebote.
Aber ich denke Mal, mit der Zeit wird Henning Fischer uns auch hier mit wunderbaren und preiswerten Reiserouten überraschen können.

Wer mal bei eigenreise.de vorbeischauen möchte und sich jetzt schon Mal auf seinen nächsten Urlaub in Portugal einstimmen will, hier die Internetseite:

www.eigenreise.de

Newsletter von Conlusa 53


Herausgegeben wird dieses Newsletter von Stephan Stieb und seinem Conlusa-Team (CONLUSA, Avenida Marques Leal 9, São João do Estoril, 2765-495 Estoril, Portugal), welches auch die völlige redaktionelle Verantwortung trägt.


NEWSLETTER Nº 53: Finanzierung, Verschuldung und Außenhandel Portugals


Ein Rückblick auf die Jahre 2010 und 2011 mit einer Analyse der aktuell veröffentlichten Zahlen der Bank von Portugal gibt interessante Erkenntnisse über das Land:

Wer erinnert sich nicht an die starken Worte des damaligen Premierministers Sócrates, als er Ende 2010 behauptete, Portugal benötige kein finanzielles Hilfspaket. Damals betrug der bis Jahresende kumulierte Finanzierungsbedarf der öffentlichen Verwaltung gut 17 Milliarden Euro, wovon fast 15 Milliarden ausschließlich von portugiesischen Kreditinstituten getragen wurden. Darüber hinaus wurden 5 Milliarden über andere portugiesische Unternehmen, wie Versicherungen, sonstige Unternehmen und Privatinvestoren finanziert. Auf dem internationalen Finanzmarkt hatte Portugal Ende 2010 kumuliert 2,5 Milliarden Euro zurückbezahlt. Als im April 2011 die Banken „gebeten“ wurden, noch einmal über 4 Milliarden Euro nachzuschießen, musste schließlich der Rettungsschirm beantragt werden!

Im Gegensatz zu 2010 holte sich Portugal per Dezember 2011 bei den internationalen Institutionen (insbesondere im Rahmen des Hilfspakets, IWF, EU, EZB) 17,5 Milliarden Euro, wovon knapp 9 Milliarden an die Banken und 1,8 Milliarden an sonstige Unternehmen zurückgeflossen sind.

Die Verschuldung der öffentlichen Verwaltung sowie der öffentlichen Unternehmen betrug Ende 2010 insgesamt fast 200 Milliarden Euro; Ende 2011 waren es sogar knapp 236 Milliarden Euro. Der private Sektor war in den gleichen Zeiträumen in etwa gleich bleibend mit ca. 480 Milliarden Euro verschuldet. Per Ende 2011 erreichte die Gesamtverschuldung Portugals 418 % des BIP!

Gerade in letzter Zeit werden in Portugal Stimmen laut, die das deutsche Verhalten bei der Lösung der Eurokrise kritisieren; schließlich sei Deutschland doch der „Hauptgewinner“ des Euro. Spitzenreiter im Außenhandel mit Portugal ist und bleibt allerdings Spanien! Aus Spanien wurden im Jahr 2010 Güter für insgesamt 17,8 und im Jahr 2011 sogar für 18,2 Milliarden Euro importiert. Die portugiesischen Exporte dorthin betrugen in den gleichen Zeiträumen 9,7 und 10,5 Milliarden Euro. Aus Deutschland wurden in den Jahren 2010 und 2011 Waren im Wert von 7,9 und 7,1 Milliarden Euro importiert. Die Exporte dorthin betrugen 4,7 und 5,7 Milliarden Euro (+20%).

Interessant ist auch der Außenhandel Portugals mit nicht EU-Länder. Angola hat sich in dieser Gruppe eindeutig zum Primus entwickelt (2011 wurden Güter im Wert von 2,3 Milliarden Euro dorthin exportiert und für 1,2 Milliarden Euro von dort importiert). Es folgen bei Portugals Exporten die USA, Brasilien und China.

Erfreulich ist, dass 2011 die Auslandsnachfrage für die Reise- und Tourismusbranche in Portugal wertmäßig um 7,2 % auf insgesamt 8,1 Milliarden Euro zugelegt hat!

Freundliche Grüsse,
Ihr
CONLUSA - Team

Samstag, 3. März 2012

BTL 2012


Diese Woche findet in Lissabon zum 24. Mal, auf dem Gelände des Lissabonner Messegeländes (port.: Feira Internacional de Lisboa = FIL) die alljährlich stattfindende Lissabonner Tourismusbörse (port.: Bolsa de Turismo de Lisboa = BTL) statt.
Mittwoch, Donnerstag und Freitag war die Tourismusbörse nur für Fachpersonal geöffnet, aber seit dem gestrigen Freitagabend können auch Privatbesucher die größte portugiesische Tourismusmesse besuchen.

Insgesamt 990 Unternehmen und Unternehmer der Tourismusbranche aus aller Welt stellen sich im Parque das Nações, dem Sitz der FIL, auf vier Messehallen einem nationalen und internationalen Publikum vor.
Auf der BTL in Lissabon präsentiert sich die gesamte Vielfalt des Reisens: Länder, Hotels, Reiseveranstalter, Buchungssysteme, Autovermietungen und alle anderen, die ihren Kunden die schönsten Wochen des Jahres noch angenehmer machen möchten.

Brasilien, das diesjährige Partnerland der BTL 2012, stellt sich z.B. mit einer Menge Samba, Bossa Nova, Capoeira und Caipirinhas vor und zieht so mit brasilianischer Lebensfreude die Besucher in seinen Bann.
Angola und Moçambique präsentierten sich ebenfalls recht traditionell und musikalisch den Messebesuchern vor.
Dagegen zeigen sich Länder wie Korea oder Kroatien leider eher teilnahmslos – ich möchte schon fast sagen „gelangweilt“ – auf der Messe.
Japan gar, präsentiert sich nur mit englisch- oder spanischsprachigem Infomaterial und Personal. Vielleicht ist es bis Japan ja noch nicht vorgedrungen das man hier in Portugal portugiesisch spricht und nicht spanisch…

Ägypten und Tunesien versuchen ihren Tourismus, der durch den politischen arabischen Frühling im letzten Jahr ziemlichen Schaden genommen hat, sehr ehrgeizig wieder anzukurbeln.
Die Türkei, die zum ersten Mal auf der BTL zu Gast ist, entwickelt sich hier in Portugal immer mehr zum Geheimtipp.
Länder wie Spanien, Südafrika, Venezuela, Mexiko und die Dominikanische Republik sind ebenfalls auf der diesjährigen Messe vertreten.

Auch die nationalen Aussteller, allen voran die Algarve, der Alentejo, Madeira, die Azoren und viele Städte, wie z.B. Lissabon, Porto, Coimbra oder Sintra, zeigen sich von ihrer besten Seite.
Musikalische Beiträge, Lesungen und Weinproben sind nur einige der vielen Events die die portugiesischen Aussteller zur Schau stellen.

Wer die BTL kennt, weiß das man hier nicht nur sehr gut über seinen nächsten Urlaubsort informiert wird und das man auch das eine oder andere Schnäppchen bei einer eventuellen Urlaubsreservierung machen kann, sondern das man hier, vor allem gastronomisch, voll und ganz auf seine Kosten kommt.
An vielen Ständen gibt es viele nationale und internationale Köstlichkeiten die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wer einen besonderen Sonntagsspaziergang machen und dabei ein wenig von der großen weiten Welt schnuppern will, sollte sich Morgen auf den Weg zum ehemaligen Lissabonner EXPO-Gelände aufmachen.
Die BTL 2012 ist am morgigen Sonntag, dem 04. März 2012, bis um 20 Uhr geöffnet.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Igreja de Nossa Senhora da Oliveira - die kleinste Kirche Lissabons





Am vergangenen Samstag war ich mit einigen meiner Arbeitskollegen in Lissabon unterwegs.
Gemeinsam erforschten wir die alten Stadtteile Baixa, Alfama und Graça – alles zu Fuß!
In der Baixa gingen wir an einem unscheinbaren und schnörkellosen Gebäude vorbei. So unscheinbar und schnörkellos, das keiner meiner Arbeitskollegen merkte, das wir an einer Kirche vorbeiliefen, die, so muss ich zugeben, wirklich nicht als eine solche von außen zu erkennen ist.
Dieses einfache und schmucklose Gotteshaus in der Baixa ist Lissabons kleinste Kirche und trägt den Namen Igreja de Nossa Senhora da Oliveira (dt.: Kirche Unserer Lieben Frau vom Olivenbaum).

Die Gründung dieses Gotteshauses ist ein wahres Rätsel.
Einer alten Legende nach lebte einmal vor vielen, vielen Jahren in der Lissabonner Alfama ein reicher Goldhändler, der durch regen Handel zu großem Reichtum gekommen war.
Er war so reich, das er alles besaß was man sich mit Geld und Gold nur so kaufen konnte.
Aber trotz all seiner Reichtümer war er nicht glücklich, denn er konnte nicht das besitzen, was er und seine Frau sich am meisten wünschten.
Beide waren sie ein Leben lang ohne Kinder geblieben und so vergingen die Jahre und ihr Wunsch nach einem Kind wollte und wollte sich nicht erfüllen.
Da gelobte der Goldhändler eines Tages, hoch und heilig, eine Kirche zu stiften, wenn nur seine Frau doch endlich ein Kind gebären würde.

Da wurde seine Frau wirklich schwanger und gebar ihm nach neun Monaten einen gesunden Sohn.
Die Freude des Goldhändlers war groß und sofort nach der Geburt seines Sohnes ließ er eine wahrlich prächtige Kirche errichten.

Diese Kirche soll, der Legende nach, die heutige Igreja de Nossa Senhora da Oliveira sein.
Wie jede Legende, so ist auch diese sicherlich eine Mischung aus fiktiver Geschichte mit einem wahren Kern.
Fakt ist aber, das die Igreja de Nossa Senhora da Oliveira, manchmal auch Eremida de Nossa Senhora da Oliveirinha genannt, zum ersten Mal urkundlich im Jahre 1262 erwähnt wird.

Der aus Guimarães stammende reiche Goldhändler Pedro Esteves soll ursprünglich einen Olivenhain, der sich damals südlich der Burg Castelo de São Jorge, vor den Stadtmauern Lissabons am Ufer des Tejo erstreckte, käuflich von König Afonso III erworben haben.
Nachdem Pedro Esteves und seine Gattin Clara Geraldes über viele Jahre hinweg kinderlos geblieben waren, wurde ihnen um das Jahr 1260 herum ein Sohn geboren.

Im Jahre 1262 wurde, auf besagtem Olivenhain, mit dem Bau einer Kirche, zusammen mit einem Hospiz und einer Herberge für Pilger des Jacobsweges, begonnen.
Ob der Bau der Kirche und der anderen Bauten mit der Geburt des Kindes von Pedro Esteves und Clara Geraldes in Verbindung gebracht werden kann oder nicht, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Tatsache ist, dass sich dieser Komplex aus
Wallfahrtskirche, Hospiz und Herberge einstmals in dem unüberschaubaren Straßengewirr der Lissabonner Altstadt befand, bevor dieser Teil der Altstadt beim großen Erdbeben vom 01. November 1755 völlig zerstört wurde.
Nach der Zerstörung durch das große Erdbeben wurde hier dann die Baixa, mit ihren imposanten Plätzen, breiten Promenaden und Prachtbauten, gebaut.

Zwischen all den Prachtbauten der Baixa baute man dann, genau an der Stelle an der einstmals das alte Kirchenkomplex gestanden hatte, nach dem Erdbeben, die heutige Igreja de Nossa Senhora da Oliveira.
Die Kirche befindet sich in einem dreistöckigen pombalinischen Gebäude der Rua de São Julião, das eigentlich ein Wohnhaus werden sollte.
Als Architekt dieses einschiffigen Gotteshauses gilt der große Eugénio dos Santos, der für die Realisierung des charakteristischen Schachbrettmusters in der Baixa zuständig war.

So unscheinbar die Igreja de Nossa Senhora da Oliveira von außen auch ist, so prächtig ist sie in ihrem Inneren.
Sie ist mit wertvollen, handbemalten weiß-blauen Azulejos aus dem 18. Jahrhundert ausgestattet, die den Lebens- und Leidensweg der Heiligen Jungfrau Maria, von ihrer Geburt bis hin zu ihrer Flucht aus Ägypten, darstellen.

Außer den prächtigen Azulejos ist die Kirche mit einem prächtig geschnitzten und vergoldeten Holzaltar und einer wunderschönen Deckenmalerei ausgestattet.
Einige der hölzernen Heiligenfiguren die im Kirchenraum zu bewundern sind – darunter eine Figur der Jungfrau Nossa Senhora da Oliveira und eine Figur des Heiligen Antonius – sind noch aus der ursprünglichen Kirche. Sie konnten nach dem Erdbeben gerettet werden und erstrahlen heute in altem Glanz.

Wer noch nie in der Baixa war, dem kann es passieren, dass er vor dieser Kirche steht und sie einfach nicht bemerkt.
Wenn sie wieder einmal in der Baixa zu tun haben, dann sollten sie sich die Zeit nehmen, dieser kleinsten Kirche der Hauptstadt einen Besuch abzustatten.
Eine Besichtigung lohnt sich alle Mal und sie werden es nicht bereuen!

Die Kirche Igreja de Nossa Senhora da Oliveira befindet sich in der Rua de São Julião n° 140 -142 und ist nur zu den gegebenen Gottesdienstzeiten für Besucher geöffnet.

Newsletter von Conlusa 52


Herausgegeben wird dieses Newsletter von Stephan Stieb und seinem Conlusa-Team (CONLUSA, Avenida Marques Leal 9, São João do Estoril, 2765-495 Estoril, Portugal), welches auch die völlige redaktionelle Verantwortung trägt.


NEWSLETTER Nº 52: Beschäftigungsförderprogramm – ESTIMULO 2012


Mit Erlass Nº 45/2012 vom 13.2.2012 ist ein neues Beschäftigungsförderprogramm namens „ESTIMULO 2012“ in Kraft getreten. Die Förderung besteht in einem finanziellen Zuschuss seitens des Staates an den Arbeitgeber, wenn dieser Arbeitslose, die seit mindestens sechs Monaten (ununterbrochen) im „Centro de Emprego“ eingeschrieben sind, beschäftigt und dem entsprechenden Arbeitslosen Ausbildungsmaßnahmen zukommen lässt.

Antragsberechtigt sind Privatpersonen sowie Unternehmen und Körperschaften ohne Gewinnerzielungszweck, soweit zum Zeitpunkt der Antragstellung bis zur Beendigung der Förderperiode bei dem Antragsteller die folgenden Voraussetzungen vorliegen:
a) ordnungsgemäß gegründet und registriert sowie legale Ausübung des Berufs oder der Geschäftstätigkeit und Vorhandensein einer kaufmännischen Buchhaltung;
c) mindestens fünf oder mehr Beschäftigte. Diese Voraussetzung gilt jedoch nur dann, wenn der Arbeitgeber innerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen vorsieht. Die Voraussetzung entfällt, wenn der Arbeitgeber durch ein zertifiziertes Unternehmen ausbilden lässt.
d) keine Schulden bei Steuer oder Sozialversicherung, bei dem IEFP oder dem Europäischen Sozialfonds (FSE).

Die kumulativen Voraussetzungen für den Erhalt der Förderung sehen wie folgt aus:

a) Abschluss eines Arbeitsvertrags mit einem im „Centro de Emprego“ eingeschriebenen Arbeitslosen. Der Arbeitsvertrag kann ein zeitlich befristeter sein mit einer Laufzeit von mindestens sechs oder mehr Monaten und von vorneherein ein Ablaufdatum enthalten (Contrato a termo resolutivo).
b) die Schaffung von mehr Beschäftigung im Betrieb. Sie wird an der durchschnittlichen Zahl der Arbeitsplätze der letzten zwölf Monate vor der Antragstellung gemessen.
c) Jeder Antragsteller kann maximal bis zu 20 Arbeitnehmer aufgrund der Regelung von „ESTIMULO 2012“ einstellen.
d) Der Antragsteller bzw. Arbeitgeber verpflichtet sich zur Durchführung oder Veranlassung von berufsausbildenden Maßnahmen, die den Kompetenzen am entsprechenden Arbeitsplatz angepasst sind, und zwar in Form von Ausbildung während der Arbeit für einen Mindestzeitraum von sechs Monaten mit Begleitung eines vom Arbeitgeber ernannten „Tutors“ oder in Form von Ausbildung während der normalen Arbeitszeit mit einer Dauer von mindestens 50 Stunden in einem zertifizierten Ausbildungsunternehmen.

Der finanzielle Zuschuss beträgt grundsätzlich 50 % des monatlichen Lohns. In den bestimmten Fällen kann der Zuschuss 60 % des monatlichen Lohns erreichen (z.B. bei dem Abschluss eines unbefristeten Arbeitsvertrags; bei dem Abschluss eines Arbeitsvertrags mit Sozialhilfeempfängern oder Behinderten). Die Höhe des Zuschusses ist pro Beschäftigten auf den monatlichen Sozialhilfebetrag (IAS), d.h., zurzeit auf 419, 22 €, begrenzt. Der Zuschuss wird für eine Dauer von maximal sechs Monaten bezahlt, so dass der gesamte Förderbetrag in dieser Zeit höchstens 2.515, 32 € beträgt.
Der Antragsteller trägt sich in dem Internetportal des IEFP „NETEMPREGO“ (www.netemprego.pt) ein. Das IEFP benennt ihm dann in Frage kommende arbeitslose Personen, die geeignet erscheinen und dem Suchprofil des Antragstellers entsprechen. Innerhalb von fünf Tagen nach Abschluss des Arbeitsvertrags muss der Antragsteller die Förderung beantragen. Der Antrag wird vom IEFP innerhalb von 15 Tagen nach Eingang beschieden. Die Förderung wird in drei Raten ausbezahlt.

Wir verbleiben mit freundlichen Grüssen!
Ihr
CONLUSA-Team

Montag, 27. Februar 2012

Die World Sketching Tour des jungen Zeichners Luis Simões


„Das Leben ist zu schön um immer am gleichen Ort zu bleiben“ (port.: „A vida é boa demais para ficarmos sempre no mesmo sítio“), dies ist das Lebensmotto des jungen Zeichners Luis Simões.
Und weil er dieses Lebensmotto hat und ihn auch leben will, hat er nun seine gute Anstellung als Motion Designer beim Fernsehsender SIC, wo er schon seit vier Jahren beruflich tätig war, gekündigt und die Planung einer künstlerisch-zeichnerischen Reise um die Welt in Angriff genommen.

Luis Simões will nämlich fünf Jahre lang die Welt umreisen und dabei andere Menschen, Kulturen und Lebensformen kennen lernen.
Anstatt dann Tagebuch zu führen, will er all seine zu erwartenden Erlebnisse und Abenteuer, Dank seines fotographischen Gedächtnisses, dann zeichnerisch zu Papier bringen.

In fünf Jahren will er Amerika, Afrika, Europa, Asien und Australien – für jedes Jahr einen Kontinent – bereisen.
Luis Simões steht hierfür seit einiger Zeit weltweit mit verschiedenen urbanen Zeichnern (engl.: Urban Sketchers) in Verbindung und hat diesen allen sein Anliegen vorgebracht.
Bei fast allen hat er jetzt schon, für seinen jeweiligen geplanten Aufenthalt, Kost und Logis umsonst versprochen bekommen.

Luis Simões nennt seine geplante Reise „World Sketching Tour“ (dt.: „Zeichnerische Weltreise“).
Bei dieser durchgeplanten Weltreise, möchte er, wie schon geschrieben, nicht nur andere Menschen und Kulturen kennen lernen, sondern auch seine zeichnerischen Fähigkeiten perfektionieren, sich neue zeichentechnische Formen und Stile aneignen und sein künstlerisches Wissen und seine Visionen mit anderen Zeichnern austauschen.

Eine, wie ich finde, einmalige und gute Idee die Welt so kennen zulernen.
Erinnert mich an die Zeichner und Chronisten die einstmals mit den Seefahrern, wie Vasco da Gama und Pedro Álvares Cabral, in die weite Welt hinausfuhren und dann zeichnerisch fremde Pflanzen, fremde Tiere, fremde Ureinwohner und fremde Landschaften zu Papier brachten, damit daheim dann der König und die Wissenschaftler des Landes sich ein Bild von der neu entdeckten Welt machen konnten.

Wann Luis Simões mit seiner Reise um die Welt beginnt steht leider noch nicht fest.
Aber ich verspreche dann hier, in meinem Blog, darüber zu berichten und auch die eine oder andere Zeichnung von ihm zu veröffentlichen.

Samstag, 25. Februar 2012

In memoriam: Infantin Maria Adelaide de Bragança van Uden


Maria Adelaide de Bragança van Uden, Infantin von Portugal, ist am gestrigen 24. Februar 2012, 25 Tage nach ihrem hundertsten Geburtstag, im Kreise ihrer Familie verstorben.
Sie war Zeit ihres Lebens eine engagierte, sehr sozial eingestellte und beispielhafte Person.

Geboren wurde Infantin Maria Adelaide, die mit vollem Namen Maria Adelaide Amélia Micaela Rafaela de Bragança van Uden hieß, am 31. Januar 1912, im Exil, im südfranzösischen Saint-Jean-de-Luz.
Sie war die Tochter des portugiesischen Herzogs Miguel de Bragança und der deutschen Prinzessin Maria Theresia von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und eine Enkelin des im Exil lebenden Königs Miguel I von Portugal, dem ersten Gemahl von Königin Maria II.

Noch als Kind zieht sie mit ihren Eltern von Frankreich nach Österreich, wo die Familie sich zuerst in Salzburg niederlässt.
Infantin Maria Adelaide macht nach ihrer Schulzeit auf dem Gymnasium Sacre Coeur von Riedenburg eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet später im Wiener Stadtkrankenhaus.
Als der II. Weltkrieg ausbricht bleibt sie mit ihrer Familie in Wien und unterstützt den österreichischen Widerstand gegen Adolf Hitler.

Als die Alliierten Wien mit Bomben übersäen leistet Infantin Maria Adelaide tatkräftig humanitäre Hilfe.
Nach dem Krieg sagen mehrere dutzend Zeugen aus, sie sei immer nach den verheerenden Bombenangriffen auf die Stadt stets als eine der ersten an Ort und Stelle gewesen, um die schwer Verwundeten und Traumatisierten medizinisch und moralisch zu unterstützen.

Im Jahre 1943 lernt sie den jungen niederländischen Arzt Nicolaas Johannes van Uden, der im selben Krankenhaus wie sie tätig ist, kennen und lieben.
Mitte 1944 wird Infantin Maria Adelaide als Widerstandskämpferin gegen Nazideutschland entlarvt, von der deutschen Gestapo festgenommen und nach einem kurzen Prozess vom Hitlerregime zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Nur eine diplomatische Interventionen des portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar, der vor Hitler origineller Weise darauf pocht das die Infantin portugiesisches „Staatseigentum“ ist, rettet ihr das Leben.
Da Infantin Maria Adelaide und ihre gesamte Familie im Exil lebten, hatten sie laut der portugiesischen Verfassung kein anrecht auf eine Einreise nach Portugal.
Als „Staatseigentum“ eines neutralen Landes, was Portugal ja während des II. Weltkrieges ja war, hatte sie aber gewisse Rechte.
Und so war es Salazar zwar nicht möglich die Infantin nach Portugal zu holen, sie aber sehr wohl in ein Drittland reisen zu lassen.
So wurde Infantin Maria Adelaide aus der Todeszelle in die Schweiz abgeschoben, wo sie bei ihrem Bruder Duarte Nuno, dem Herzog von Bragança, unterkam.

Nach dem Krieg ging Maria Adelaide wieder nach Österreich zurück.
Am 13. Oktober 1945 heiratet sie in Wien Nicolaas Johannes van Uden, der sie während ihrer ganzen Haftzeit unterstützt hat.
In Wien, werden ihre ersten drei Söhne geboren:
im Jahre 1946 Adriano Sergio Antonio Maria, 1947 Nuno Miguel und 1949 Francisco Xavier Damião.
1949 erlaubt Salazar, nach einer Änderung der portugiesischen Verfassung, die Rückkehr der Braganças nach Portugal.

Hier in Portugal werden dem Paar dann ihre drei anderen Kinder geboren:
im Jahre 1951 die Tochter Filipa Teodora Maria, 1954 der Sohn Miguel Inacio und 1956 eine weitere Tochter, Maria Teresa.
Infantin Maria Adelaide und ihre kleine Familie lassen sich zuerst in der Quinta do Carmo, in Almada, nieder.
Später ziehen sie ins 15 km weiter entfernte Caparica.

Genauso wie in Österreich, so engagiert sich Infantin Maria Adelaide auch hier in Portugal stark im sozialen Bereich.
Vor allem in den Orten Trafaria und Monte da Caparica, zwei sozialen Brennpunkten der Stadt Almada, werden dank ihres Engagements viele Hilfsprojekte ins Leben gerufen und von ihr dann auch tatkräftig unterstützt.

Infantin Maria Adelaide hat nie viel Aufsehen um ihr soziale Arbeit gemacht und sich stets dezent im Hintergrund gehalten.
Das entsprach zweifelsohne auch völlig ihrem Naturel.
Ich bin ihr das erste Mal 1994, rein zufällig, in Costa de Caparica begegnet. Danach habe ich sie, über die Jahre hinweg, noch einige Male als eine ganz einfache und sympathische Frau, ohne Starallüren und mit viel Charme kennen lernen dürfen.

Am 31. Januar 2012, an ihrem hundertsten Geburtstag wurde sie von Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva mit dem portugiesischen Verdienstorden „Medalha da Ordem do Mérito“ ausgezeichnet.
Die Beerdigung wird in den nächsten Tagen, auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin, im engsten Kreis der Familie erfolgen.
Am kommenden Donnerstag, dem 01. März 2012 findet im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) zu Lissabon ein feierlicher Gedenkgottesdienst zu ihren Ehren statt.

Infantin Maria Adelaide de Bragança van Uden war für mich, und nicht nur für mich, eine Kämpferin der gerechten Sache und eine Heldin.
Eine von der Sorte, wie es sie leider heutzutage nur noch sehr wenige gibt!

Newsletter von Conlusa 51


Herausgegeben wird dieses Newsletter von Stephan Stieb und seinem Conlusa-Team (CONLUSA, Avenida Marques Leal 9, São João do Estoril, 2765-495 Estoril, Portugal), welches auch die völlige redaktionelle Verantwortung trägt.


NEWSLETTER Nº 51: Mit Peitsche und Zuckerbrot!


Der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass in einem Fall der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, genau gesagt ab einer Million Euro, der Straftäter mit einer nicht aussetzungsfähigen Haftstrafe zu bestrafen ist. Eine Aussetzung der Haftstrafe von im Höchstmass von zwei Jahren auf Bewährung kommt nur bei Vorliegen besonders gewichtiger Milderungsgründe in Betracht. Damit ist klar, dass in Deutschland bei einem besonders schweren Fall der Steuerhinterziehung mit einer Haftstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren gerechnet werden muss. Andere Länder – andere Regeln: Durch das Haushaltsgesetz 2012 wurde in Portugal die Höchststrafe für qualifizierte Steuerhinterziehung ab einem illegal erworbenen Vermögensvorteil von mehr als 200.000 EURO von fünf auf acht Jahre angehoben. Die Mindeststrafe beginnt mit einer Haftstrafe von mindestens zwei Jahren; sie kann im Fall einer Verurteilung bis zu drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden.

Mit der Verschärfung der steuerstrafrechtlichen Vorschriften in Portugal geht eine Steueramnestie einher (RERT III, vgl. NEWSLETTER Nº 47). Bis zum 30. Juni 2012 können bisher verschwiegene Vermögen gegen eine “Reinigungsgebühr” in Höhe von 7,5 % strafbefreiend offen gelegt werden. Das für die Amnestie auszufüllende Formular ist am 19. Januar 2012 in dem Erlass Nº 17-A/2012 veröffentlicht worden. Das Formular wird bei der Hausbank abgegeben und die Gebühr dort entrichtet. Die Amnestie umfasst auch Vermögen, die hinter trusts, sog. nominees oder Offshore-Gesellschaften versteckt sind.

Wir verbleiben mit freundlichen Grüßen!
Ihr
CONLUSA-Team

Mittwoch, 22. Februar 2012

500 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Thailand und Portugal


Als im Dezember des Jahres 1511 der Seefahrer Duarte Fernandes, der von Beruf eigentlich Schneider war, als erster Europäer von König Ramatibhodi II in Ayuthaya, der damaligen Hauptstadt von Siam (port.: Sião), empfangen wurde, legte er damals den Grundstein für die Allianz die heute noch zwischen Thailand und Portugal besteht.

500 Jahre nachdem der König von Siam den portugiesischen Abenteurer in Ayuthaya empfangen hat, fand heute ein erneuter Empfang zwischen Vertretern beider Nationen statt.
Im Lissabonner Palácio de Belém, dem Amtssitz des portugiesischen Staatspräsidenten, empfing heute Präsident Anibal Cavaco Silva die thailändische Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn.

Die Tochter und Thronfolgerin von König Bhumibol Adulyadej, dem heutigen Staatsoberhaupt von Thailand, hielt sich nur 48 Stunden in Portugal auf.
Nichtsdestotrotz hat sie ein respektables Besuchsprogramm hingelegt.

Heute besuchte sie z.B., im Rahmen ihres zweitätigen Besuches in Lissabon, auf eigenen Wunsch hin, das Orientalische Museum (port.: Museu do Oriente), das einzigartige Kachelmuseum (port.: Museu do Azulejo) und das Forschungsinstitut der Champalimaud-Stiftung (port.: Centro de Investigação da Fundação Champalimaud).

Schon gestern hatte sie im Jardim Vasco da Gama, in Belém, einen „Sala thai“, einen echten thailändischen Pavillon eingeweiht.
Dieser goldene Pavillon ist das offizielle Gastgeschenk des Königreiches Thailand an Portugal, aus Anlass der Feiern zum 500sten Jubiläum der thailändisch-portugiesischen Beziehungen.

Er wurde in der thailändischen Hauptstadt Bangkok gebaut, dann dort wieder auseinandergelegt und per Schiff nach Lissabon gebrach. Hier wurde er dann innerhalb der letzten sechs Monate wieder zusammengebaut, und zwar ohne einen einzigen Nagel oder eine einzige Schraube.
Er wurde im Steckverfahren aufgebaut!
Athit Limmu, der thailändische Architekt des Pavillons, bezeichnete gestern bei der Einweihung desselbigen, sein Bauwerk als ein „Symbol der Freundschaft“ zwischen Thailand und Portugal.

Zu erwähnen sei noch, dass bei der gestrigen feierlichen Einweihung des „Sala thai“ durch Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, auch der portugiesische Thronanwärter, seine königliche Hoheit Dom Duarte Pio de Bragança, zugegen war und sich angeregt mit der Prinzessin unterhielt.
Der Staatspräsident hingegen ließ sich „aus Termingründen“ entschuldigen und glänzte mit Abwesenheit.

Als Monarchist frage mich mal wieder allen ernstes, warum wir Cavaco Silva überhaupt noch in Belém brauchen, wo doch der Anwärter auf den portugiesischen Thron die Aufgaben des Staatspräsidenten zur vollsten Zufriedenheit zu erfüllen scheint…

Montag, 20. Februar 2012

Pero Vaz de Caminha



In meinem Beitrag „Die kleinste Buchhandlung der Welt“, vom 29. Januar 2012, erwähne ich den „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“).
Heute bin ich nun gefragt worden wer denn Pero Vaz de Caminha eigentlich war und was es mit seinem Brief an König Manuel I auf sich hat.

Pero Vaz de Caminha, manchmal auch Pedro Vaz de Caminha genannt, wurde vermutlich zwischen den Jahren 1445 und 1450 als Sohn des adeligen Ritters Vasco Fernandes de Caminha, in der Stadt Porto geboren.
Als junger Mann kam er, Dank seines Vaters der Schatzmeister war, als Schreiberlehrling an den Hof von König Afonso V.
Hier arbeitete er in der Verwaltung der königlichen Waffenkammer.

Am 02. März 1475 nahm er erfolgreich als Soldat an der Schlacht von Toro teil und wurde nach dieser von König Afonso V, auf Grund seines Mutes und seiner Herkunft, zum Ritter geschlagen.
Im Jahr darauf, 1476, übernahm er von seinem Vater den Posten des Schatzmeisters am königlichen Hof.
Dieses Amt führte er auch nach dem Tod von König Afonso V, unter dem neun König João II, aus.

Im Jahre 1482 ehelichte er Catarinna Vaz, eine Kammerzofe von Königin Leonor de Lencastre, der Ehefrau von João II.
Zusammen wurden Pero und Catarina im Jahr darauf Eltern einer Tochter namens Isabel.

Als Manuel I im Jahre 1495 König von Portugal wurde ernannte er Pero Vaz de Caminha zu seinem persönlichen Sekretär.
Das Verhältnis zwischen den beiden soll ziemlich freundschaftlich gewesen sein und so ist es nicht verwunderlich das zwei Jahre später, im Jahre 1497, König Manuel I seinen Freund und Sekretär zum Stadtrat (port.: vereador) der Stadt Porto machte.

Da Pero Vaz de Caminha dieses politische Amt wohl zur vollsten Zufriedenheit des Königs erfüllte, bestimmte Manuel I Anfang des Jahres 1500, das er der Verwalter der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung im indischen Calecute wurde.

So brach Pero Vaz de Caminha am 10. März 1500, unter Flottenkapitän Pedro Álvares Cabral der eine Flotte von 13 Schiffen anführte, in Richtung Indien auf.
Diese 13 Schiffe wurden von den 13 Kapitänen Gaspar de Lemos, Nicolau Coelho, Nuno Leitão da Cunha, Pero de Ataíde, Vasco de Ataíde, Simão de Pina, Luis Pires, Sancho de Tovar, Simão de Miranda, Aires Correia, Bartolomeu Dias, Diogo Dias und Aires Gomes befehligt.

In seinem Brief, welches mit dem 01. Mai 1500 datiert ist, beschreibt Pero Vaz de Caminha, die Entdeckung des heutigen Brasiliens, durch den Seefahrer und Entdecker Pedro Álvares Cabral, am 22. April 1500.

Zwischen dem 22. April und dem 01. Mai des Jahres 1500 hielt Pero Vaz de Caminha auf 29 Seiten detailliert die ersten Eindrücke des neu entdeckten Landes fest.
Dieser Brief ist der erste geschichtliche Beweis Brasiliens und gilt somit als die „Geburtsurkunde“ des Südamerikanischen Landes.

Ausführlich beschreib Caminha wie am 22. April die Flotte von Pedro Álvares Cabral, nach 44 Tagen auf hoher See, endlich Land sichtete und wie dann einen Tag später Nicolau Coelho, einer der Kapitäne der Flotte Cabrals, an Land ging und dort mit den bereits am Strand wartenden Tupiniquim-Indianern einen ersten Kontakt aufnahm.

Die Flotte beschloss aber am nächsten Tag weiterzusegeln, da eine aufkommende Schlechtwetterfront und die vielen Indianer, die sich in der Zwischenzeit am Strand versammelt hatten, auch wenn diese sich den Portugiesen gegenüber freundlich verhielten, eine dringend benötigte Wasser- und Proviantaufnahme erst einmal unmöglich machten.

Etwa 50 km weiter nördlich segelte die Flotte an der Mündung des heutigen Flusses Buranhem vorbei, und in einer Bucht, die heute den Namen Bahia de Cabralia trägt und nach dem Entdecker benannt ist, ankerten sie und gingen gemeinsam an Land.
Pedro Álvares Cabral nannte dieses Fleckchen Erde „Porto Seguro“ (dt.: „Sicherer Hafen“).

Hier an diesem Platz, hielt am 26. April, dem Ostersonntag des Jahres 1500, der mitgereiste Franziskanerpater Henrique de Coimbra die erste katholische Messe auf Südamerikanischen Boden.
Laut Pero Vaz de Caminha nahmen damals an diesem Gottesdienst nicht nur Cabral und seine Mitreisenden teil, sondern auch etwa 200 neugierige Tupiniquim-Indianer.
Nach dem Gottesdienst nahm Pedro Álvares Cabral, aufgrund der rechtlichen Lage des 1494 mit Spanien abgeschlossenen Vertrages von Todesilhas, das neu entdeckte Land für die portugiesische Krone in Besitz.

Am 02. Mai 1500 brach ein Proviantschiff, unter der Leitung von Kapitän Gaspar de Lemos, nach Lissabon auf, um König Manuel I über die Entdeckung des neuen Landes in Kenntnis zu setzen und ihm, auf Befehl von Cabral, den Brief von Pero Vaz de Caminha auszuhändigen.

Cabral und die restliche Mannschaft, unter ihnen auch Pero Vaz de Caminha, setzten am nächsten Tag ebenfalls die Reise fort, allerdings in Richtung Indien.
Ende Mai erreichen sie das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança), wo sie in einen schweren Sturm gerieten und vier Schiffe, samt Mannschaften, verloren.
Die Flotte setzte, nun mit acht Schiffen, ihre Reise fort und am 13. September 1500 erreichen sie Calecut in Indien.

Der Aufenthalt im indischen Calecut erwies sich für Pero Vaz da Caminha und Pedro Álvares Cabral als ziemlich schwierig.
Die ortsansässige Bevölkerung, die sich noch zwei Jahre zuvor, bei der ersten Reise von Vasco da Gama, den Portugiesen gegenüber eigentlich recht freundlich verhalten hatte, war nun eher feindlich, ja sogar kriegerisch eingestellt.
Die muslimischen Händler, die seit jeher die Handelsbeziehungen mit Indien führten sahen in den Portugiesen, zu Recht, eine drohende Konkurrenz.
Sie hatten, nach der Abfahrt von Vasco da Gama aus Indien, den Zamorin und die Bevölkerung Calecuts gegen die Portugiesen aufgebracht.

So konnte Pero Vaz da Caminha nicht, wie geplant, den Posten des Verwalters der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung in Calecut antreten.
Er musste sich diesen Posten regelrecht erkämpfen!

Bei einem dieser Kämpfe auf die Handelsvertretung in Calecut wurde er am 15. Dezember 1500 von muslimischen Soldaten tödlich verwunden und erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen.

Als König Manuel I ein halbes Jahr später, bei der Rückkehr von Pedro Álvares Cabral aus Indien am 23.Juni 1501, von dem Tod seines Chronisten Pero Vaz de Caminha erfuhr, soll er erschüttert gewesen sein, denn schließlich war Caminha nicht nur der Chronist des Königs, sondern auch sein Freund.

Auch wenn Pero Vaz de Caminha einen ziemlich unrühmlichen Tod starb, sein Brief an König Manuel I hat ihn zweifelsohne unsterblich gemacht.
Nach dem Eintreffen des Briefes in Lissabon ging dieser, zusammen mit vielen anderen Dokumenten der verschiedenen Entdeckungsfahrten, unter und geriet in Vergessenheit.
273 Jahre nach seiner Verfassung wurde der Brief dann im Jahre 1773 im Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) durch den Historiker und Politiker José de Seabra da Silva wiederentdeckt, der diesen dann der breiten Öffentlichkeit bekannt machte.

Heute befindet sich der „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“) immer noch im Nationalarchiv der Torre do Tombo und gehört zweifelsohne zu den geschichtlich wertvollsten Schriftstücken Portugals.

Sonntag, 19. Februar 2012

Und der Goldene Bär geht an…


Als der junge Filmregisseur João Salaviza vor seinem Abflug nach Berlin am Lissabonner Flughafen gefragt wurde, welche Chancen er sich auf einen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen (port.: Festival Internacional de Berlim) ausmache, sagte er, eher kokettierend:
„Ich hoffe doch gute!“
und fast entschuldigend fügte er noch hinzu:
„Man darf ja wohl mal träumen!“

Am gestrigen Samstagabend hat nun die Kurzfilmjury der Internationalen Filmfestspiele ihn, den Träumer, mit dem Goldenen Bären (port.: urso de ouro) für seinen Kurzfilm „Rafa“ auszeichnet.
Es ist schon lange, sehr lange her, dass ein portugiesischer Film bei einem internationalen Wettbewerb ausgezeichnet worden ist.
Dementsprechend war die Freunde bei João Salaviza gestern Abend in Berlin sehr groß.

Aber bei dieser Freude sollte es für den portugiesischen Film am gestrigen Abend nicht bleiben.
Als nämlich der Portugiese Miguel Gomes überraschend für sein Werk „Tabu“ den Alfred-Bauer-Preis erhielt, einen Sonderpreis der Berlinale, war die portugiesische Delegation schier aus dem Häuschen.

Der nach dem ersten Berlinale-Direktor benannte Preis geht immer an Filmproduzenten die mit ihren Werken neue Perspektiven für die Filmkunst eröffnen wollen.
Miguel Gomes, der zuvor bereits mit dem Kritikerpreis FIPRESCI der Berlinale ausgezeichnet wurde, hat mit „Tabu“ ein innovatives Werk geschaffen das zweifelsohne die Filmwelt regelrecht verzaubert.

Trotz der großen Überraschung und der Freude, dass gestern Abend zwei Portugiesen bei der 62. Berlinale eine Hauptrolle spielten, sollte ich hier nicht vergessen den Gewinner des Hauptpreises der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele von Berlin zu erwähnen.
Der Goldene Bär der diesjährigen Berlinale geht an die italienischen Brüder Paolo und Vittorio Taviani und ihren Film „Cesare deve morire“.

Aber wie geht es jetzt weiter mit João Salaviza, Miguel Gomes und dem portugiesischen Film?
Nun, das wissen nur die „Filmgötter“.
Aber es wäre schön wenn der portugiesische Film und seine Macher jetzt in Berlin einen dynamischen Schub erhalten hätten.
Und wer weiß, vielleicht ist ja demnächst wieder ein Preis bei einem internationalen Wettbewerb drin – vielleicht eine Palme in Cannes oder einen Oscar in Hollywood…

Um João Salaviza zu zitieren:
„Man darf ja wohl mal träumen!“

Samstag, 18. Februar 2012

Karneval 2012


In meinem Blog-Eintrag „É carnaval, e ninguem leva a mal“, den ich am 04. Februar 2012 verfasst habe, schreibe ich darüber, das Premierminister Pedro Passos Coelho Anfang dieses Monats verkündet hat, das er und seine Regierung dieses Jahr den Karnevalsdienstag nicht, wie sonst üblich, als einen freien Arbeitstag tolerieren werden (port.: tolerância de ponto).

Diese Mitteilung des Premierministers ist in vielen Teilen Portugals, vor allem in den Karnevalshochburgen des Landes, mit Unverständnis und Ärgernis, mancherorts sogar mit Wut, aufgenommen worden.

Heute nun wollte meine liebe Freundin Christiane, eine waschechte Kölnerin die seit gut einem Jahr hier in Lissabon lebt, von mir wissen wo denn diese „Karnevalshochburgen“ liegen würden, denn, so meinte sie, nachdem was sie so in den letzten Tagen mitbekommen hätte, würde Lissabon sicherlich nicht zu ihnen gehören.

Nun, da hat Christiane leider recht!
Die Karnevalszeit ist nicht gerade die lustigste und farbenfroheste Zeit in Lissabon. Aber es gibt sie – die Karnevalshochburgen!

Auf besonderen Wunsch von Christiane und für all diejenigen, die die fünfte Jahreszeit nicht in Rio de Janeiro, Köln oder Venedig verbringen werden, hier nun ein paar Tipps wo sie die nächsten Tage hier in Portugal den Karneval feiern können:


• Estarreja – In Estarreja findet eines der fröhlichsten Karnevalsumzüge des Landes statt. Am morgigen Karnevalssonntag, dem 19. Februar, findet der traditionelle Umzug, mit mehreren hundert Teilnehmern, im Herzen der Stadt statt. Der Haushaltsplan der Stadt hat 140.000 Euro für den diesjährigen Karneval eingeplant

• Figueira da Foz – Diese in der Nähe von Coimbra gelegene Hafenstadt veranstaltet am heutigen Samstag, den 18. Februar, und am morgigen Sonntag, den 19. Februar, je einen Karnevalsumzug durch die zentral gelegene Avenida do Brasil. Insgesamt hat die Stadt Figueira da Foz 100.000 Euro in den diesjährigen Karneval investiert

• Funchal – Funchal auf Madeira ist weltberühmt für seine Feierlichkeiten zum Jahreswechsel. Aber auch der Karneval auf dieser Insel, mitten im Atlantik, ist sehenswert. Dieses Jahr steht der Karneval von Funchal unter dem Motto „Horoskope und Tierkreiszeichen“. Am heutigen Samstag und am kommenden Karnevalsdienstag wird ein Umzug die Straßen der Stadt beleben. Da die Krise auch auf Madeira angekommen ist, wird dieser Karneval mit ca. 280.000 Euro, genauere Zahlen sind aus Madeira nie erhältlich, wohl der sparsamste der letzten zehn Jahre auf der Insel sein

• Loulé – An der Algarve wird der Karneval im Allgemeinen enthusiastischer gefeiert als im restlichen Land, unter anderem auch in der Stadt Loulé. Da aber die Stadtoberen von Loulé beschlossen haben, ihrem Öffentlichen Dienst keinen freien Tag am Karnevalsdienstag (port.: tolerância de ponto) zu gewähren, wurde der traditionelle Umzug auf den heutigen Karnevalssamstag vorgeschoben. Die Investitionen für den diesjährigen Karnevalsumzug belaufen sich auf 250.000 Euro

• Mealhada – Nirgendwo ist der Karneval in Portugal brasilianischer als hier in dieser Stadt, in der Nähe von Leiria und Coimbra. Das zeigt sich vor allem daran, dass traditionell der Karnevalskönig immer ein Brasilianer ist. Mit Eintrittskarten von 5 Euro und der Gewährung einer „tolerância de ponto“ am kommenden Karnevalsdienstag, für alle Beamten und Schüler der Stadt, hoffen die Veranstalter die Kosten von ca. 120.000 Euro wieder einzufahren

• Ovar – In der Nähe der Stadt Aveiro, am Nordende des gleichnamigen Haffs, der Ria de Aveiro, liegt das Städtchen Ovar. Hier wird dieses Jahr zum 60sten Mal ein prächtiger Karnevalsumzug stattfinden. Insgesamt 24 Karnevalsgruppen, unter ihnen vier Sambaschulen, werden am kommenden Dienstag, dem 21. Februar, durch Ovar defilieren. Mit 450.000 Euro findet dieses Jahr hier der teuerste Karneval Portugals statt

• Sines – Insgesamt 90.000 Euro hat die im Baixo Alentejo gelegene Hafenstadt Sines für ihre diesjährigen Karnevalsumzüge eingeplant. An drei Tagen, nämlich am morgigen Karnevalssonntag, am Rosenmontag und am Karnevalsdienstag werden die Bürger der Stadt und ihre Gäste gemeinsam die fünfte Jahreszeit feiern können. Da der Bürgermeister von Sines seinem Öffentlichen Dienst, darunter auch den Schulen, für den kommenden Dienstag freigegeben hat (port.: tolerância de ponto) wird hier die Stimmung besonders ausgelassen sein

• Torres Vedras – In dieser nördlich von Lissabon gelegenen Stadt der Estremadura wird, meiner Meinung nach, der ausgelassenste und beste Karneval Portugals gefeiert. Mit den traditionellen „Cabeçudos“, das sind große dickköpfige Figuren aus Pappmaché, den „bombos“ (dt.: riesige Trommeln) und farbenfrohen Masken findet am kommenden Karnevalsdienstag, dem 21. Februar, ein Umzug durch die Hauptstraßen der Stadt statt. An die 400.000 Euro hat die Stadt Torres Vedras für den Karneval 2012 schon ausgegeben, aber es wird mit dem doppelten an Einnahmen gerechnet. Eine „tolerância de ponto“ wird hier nicht nur am Karnevalsdienstag, sondern auch am Rosenmontag gewährt.


Auch wenn in allen Karnevalshochburgen die Organisatoren der Umzüge und Feierlichkeiten, in Zeiten der Krise, überall den Rotstift ansetzen mussten und auch wenn in vielen Städten und Gemeinden der Karnevalsdienstag kein tolerierter freier Tag mehr ist, sondern ein ganz normaler Arbeitstag, so bin ich mir dennoch sicher, das in den von mir hier aufgezählten Karnevalshochburgen sicherlich der Bär tanzen wird!

Donnerstag, 16. Februar 2012

Das Ende der Livraria Portugal


Gestern war ich mit meiner Arbeitskollegin Sandra nach Feierabend im Chiado.
Unser Ziel war die alte Buchhandlung „Livraria Portugal“, die Ende dieses Monats leider für immer schließen wird.
Als ich vor gut zwei Wochen hörte, dass die Livraria Portugal schließen muss, konnte ich es zuerst gar nicht glauben, denn das Ende dieser Buchhandlung ist zweifelsohne ein herber Verlust für das kulturelle Leben der portugiesischen Hauptstadt.
Aber die Nachricht ist leider wahr:
die Livraria Portugal schließt am 29. Februar 2012 für immer ihre Türen!

Bevor die Livraria Portugal also aus dem Chiado verschwindet, wollten Sandra und ich gestern noch einmal in diesem Bücherpalast stöbern.

Aber vom ehemaligen Bücherpalast war nichts mehr zu sehen.
Wo früher Romane, Fotobänder, Geschichtsbücher, Atlanten, Sach- und Fachbücher aller Art die Bücherregale füllten, war jetzt zum großen Teil nur gähnende Leere zu sehen.
Da in den letzten Tagen ihres Bestehens in der Livraria Portugal Ausverkauf herrscht, und alle Bücher von 20% bis zu 50% billiger angeboten werden, sah es dementsprechend in dem Laden aus.

Mir hat es fast das Herz zerrissen, dieses Haus voller Geschichte und Geschichten so „nackt“ zu sehen, so ganz ohne Seele und auf irgendeine Art und Weise auch ohne Würde.
Ich habe noch zu meiner Kollegin Sandra gesagt, dass ich es fast bereue gestern in dieser alten Buchhandlung vorbeigeschaut zu haben. Denn gerne hätte ich die Livraria Portugal so in Erinnerung behalten, wie ich sie einstmals kannte und wie sie war.

Gegründet wurde die Livraria Portugal am 05. Mai 1941 von den drei Buchhändlern und Freunden Pedro Andrade, Raul Dias und Henrique Pinto.
In der Rua do Carmo n° 70 gelegen, genau gegenüber des berühmten Stadtaufzuges Elevador de Santa Justa, war diese Buchhandlung über 70 Jahre lang, neben der Livraria Bertrand, das literarische Mekka des Chiado.

Unter dem Motto „Levar a toda a parte e a cada um o livro necessário“ (dt.: „An jedem Ort und für Jedermann das passende Buch besorgen“) brachten die drei Buchhändler mit ihren bis zu 50 Angestellten, heute sind es noch nicht einmal zehn, ihr Bücher unter das Volk.

Die Gründe der Schließung der Livraria Portugal sind die gleichen wie die der anderen Buchhandlungen die in den letzten Jahren im Chiado schließen mussten: rückgängige Umsatzzahlen, eine ins astronomische gestiegene Miete, fehlende Kundschaft, das Internet und eine zahlreiche Konkurrenz.
Es war zum Schluss hin nur noch eine Frage der Zeit bis die heutigen Besitzer sich zu einer Schließung genötigt sahen.

Ein Buch ist immer ein Buch!
Es ist traurig wenn ein Laden, welches auch immer, schließen muss. Aber ich finde es ist besonders traurig, wenn dieser Laden eine Buchhandlung ist, so wie die Livraria Portugal.
Selbst der kleinste Buchladen ist ein Hort des Wissens, Entdeckens und Erfahrungssammeln.
Und wenn solch ein Laden dann schließt, dann werden wir zwangsläufig arm an Wissen, arm an Entdeckungen und arm an sammeln von Erfahrungen.

Adeus Livraria Portugal.
Du wirst mir fehlen!

Dienstag, 14. Februar 2012

Von einem geplanten urbanen Attentat


Als António Costa, heute seines Zeichens Bürgermeister von Lissabon, einmal im Wahlkampf um das Rathaus der Stadt war, versprach er vielen vieles.
Unter anderem versprach er seinen Wählern den Tejo der Stadt und seinen Bürger wieder näher zu bringen.

Lissabon, eine Stadt die über Jahrhunderte hinweg vom Tejo und mit dem Tejo lebte, hatte in den letzten Jahrzehnten dem Fluss leider den Rücken zugekehrt.
In den letzten 60 Jahren wurde das Flussufer nämlich mit Hafen- und Industrieanlagen, Containern und Lagerhallen regelrecht zugebaut.

António Costa versprach deshalb vor seiner Wahl, aus dem Ufer eine Promenade zu machen, mit Fahrradwegen, einer Flaniermeile und vielen, vielen Grünanlagen.
Doch das war, wie gesagt, vor seiner Wahl!

Denn heute, wo er Bürgermeister ist, setzt er alles daran, eines der am schönsten liegenden Uferteile des Tejo mit einem Protzbau zu zubetonieren.
Westlich der Praça do Cemercio, genau gegenüber dem Arsenal da Marinha (dt.: Zeughaus der Marine), an einem Platz den man Largo do Corpo Santo nennt und der an der Avenida da Ribeira das Naus liegt, will die Stadt Lissabon ein dreistöckiges Parkhaussilo für unglaubliche 4,5 Millionen Euro errichten.

Welchen städtebaulichen Nutzen dieses Parkhaus für die Bürger der Stadt haben soll, ist den meisten Lissabonnern ein Rätsel.
Wenn er einen Nutzen hat, dann nur für die paar Beamte die in den umliegenden Ministerien, in der Hafenmeisterei und im nahen Rathaus arbeiten. Diese könnten dann nämlich zukünftig direkt mit dem Auto bis zur Arbeit fahren.
Die überwiegende Zahl von ihnen tut dies heute nicht, weil es in der Baixa wirklich kaum Parkplätze gibt, und sie somit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz fahren müssen.

Gegen den Bau des Parkhaussilos und die drohende Verschandelung eines der letzten freien Tejouferabschnitte hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gebildet.

Diese Bürgerinitiative hat nun eine Unterschriftensammlung im Internet organisiert, die den klangvollen Namen „Petição contra a construção de silo automóvel de 3 andares no Largo do Corpo Santo – Ribeira das Naus em Lisboa” trägt (dt.: “Petition gegen den Bau des dreistöckigen Autoparkhauses im Largo do Corpo Santo – Ribeira das Naus in Lissabon”) und die jeder unterschrieben kann und soll, der gegen dieses urbane Attentat ist.

Die Initiatoren erhoffen sich von dieser Petition, dass Bürgermeister António Costa sich noch einmal den Bau des Parkhauses überlegt, und er sich vielleicht seine Wahlversprechen von damals nochmals durch den Kopf gehen lässt.

Wer diese Petition mit seiner Unterschrift unterstützen will, kann das unter der folgenden Internetadresse gerne tun:

www.peticaopublica.com/PeticaoVer.aspx?pi=P2012N19416

Die Initiatoren und ein großer Teil der Lissabonner Bevölkerung wird es ihnen danken!

Montag, 13. Februar 2012

Ich bekenne: ich bin ein Aficionado!


Die portugiesische „Stierkampfindustrie“ ist im Verhältnis zur spanischen, mexikanischen oder kolumbianischen eher klein.
Nichtsdestotrotz werden jedes Jahr hier in Portugal mit der Aufzucht, der Haltung und der Ausrichtung verschiedener Kämpfe, Millionen von Euros umgesetzt.

Zwischen den Monaten April und Oktober werden vor allem hier in Lissabon und im Ribatejo Stierkämpfe ausgetragen.
Aber auch in vielen Touristenzentren, so in den Arenen von Lagos, Quarteira und Albufeira, werden in den Sommermonaten ein- oder zweimal wöchentlich Stierkämpfe veranstaltet, oftmals auch auf Wunsch der vielen ausländischen Urlauber.

Der portugiesische Stierkampf ist Teil der portugiesischen Kultur und er ist weit weniger blutrünstiger als der im spanischsprachigen Raum, zumal der Stier hier in Portugal am Ende immer lebend die Arena verlässt.
Vielleicht ist er auch deshalb bei so vielen Ausländern beliebt.

Um landesweit die ganzen Arenen und die oftmals damit verbundenen Volksfeste mit Kampfstieren zu versorgen, braucht es in erster Linie Stierkampfzüchter und –halter.
Insgesamt 104 Kampfstierzüchter garantieren den Nachschub für die portugiesischen Arenen.

Der Generalsekretär der Vereinigung der Portugiesischen Kampfstierzüchter APCTL (port.: Associação Portuguesa de Criadores de Toiros de Lide), António Vasco Lucas, hat heute in der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA verlautbaren lassen, das in diesem Jahr damit gerechnet wird, das sich mindestens 1.600 Kampfstiere in den portugiesischen Arenen mit Toreros messen werden.

Kaum hatte der Generalsekretär der APCTL diese Mitteilung bekannt gegeben, da meldeten sich auch schon die ersten Tierschützer. Empört prangerten sie den Stierkampf an, und nannten jeden Stierkampfliebhaber (port.: aficionado) einen „Mörder“ und „blutrünstiges Tier“.
Sie forderten einen sofortigen Verbot des Stierkampfes und ein Ende der Industrie die hinter diesem steckt.

Persönlich frage ich mich oftmals ob diese so genannten Tierschützer überhaupt wissen, mit wie viel Liebe, Aufopferung und Hingabe die Stierkampfzucht heutzutage betrieben wird.
Ich frage mich auch, ob sie wissen welchen Respekt und welche Ehrfurcht die Stiere in den Männern und Frauen finden, die letztendlich dann mit ihnen in der Arena „kämpfen“.

Man kann ja zum Stierkampf stehen wie man will.
Einen Stierkampfliebhaber, einen Stierzüchter oder einen Torero aber generell als „Mörder“ oder „blutrünstiges Tier“ zu titulieren zeugt in meinen Augen von Klischeedenken und Populismus in seiner niedrigsten Form.

Ich bekenne: ich bin ein Aficionado!

Newsletter von Conlusa 50


Herausgegeben wird dieses Newsletter von Stephan Stieb und seinem Conlusa-Team (CONLUSA, Avenida Marques Leal 9, São João do Estoril, 2765-495 Estoril, Portugal), welches auch die völlige redaktionelle Verantwortung trägt.


NEWSLETTER Nº 50: Der lange Weg aus der Krise – Portugals Handelsbilanz


Die Subprime-Krise, die im September 2008 auch auf Europa durchgeschlagen hat, führte in Portugal erst im Jahr 2009 zu ersichtlichem Schaden. Die Importe und Exporte erreichten im Jahr 2008 Rekordhöhen von 64.194 Mill. Euro und 38.847 Mill. Euro, was einer Deckung der Importe durch Exporte von 60,5% entsprach. Bereits im Jahr 2009 gingen die Einfuhren auf 51.379 Mill. Euro und die Ausfuhren auf 31.697 Mill. Euro zurück. Im November 2011 lagen die Exporte erstmals über dem Niveau von 2008 und erreichten mit 39.049 Mill. Euro einen historischen Höchststand. Die Importe stiegen weitaus weniger an, nämlich auf 53.275 Mill. Euro, was zu einer Deckungsrate von immerhin 73,3% führte.

Was importiert und exportiert Portugal hauptsächlich?

Die folgend aufgeführten Import- und Exportdaten beziehen sich auf den Zeitraum von Januar bis November 2011.
Was die Importe betrifft, so lassen sich diese insbesondere in folgende Gruppen einordnen:
Energetische Erzeugnisse stellen mit 9.491 Mill. Euro die Hauptimportware dar, dicht gefolgt von chemischen Produkten mit einem Wert von 8.514 Mill. Euro und von Lebensmitteln mit 7.990 Mill. Euro.

Wie gerne die Portugiesen Fisch essen, lässt sich auch daran erkennen, dass insgesamt für 1.222 Mill. Euro Fische und Meeresfrüchte den ersten Rang bei den importierten Lebensmitteln einnehmen. Es folgen Weizenprodukte mit 745 und Fleisch mit 733 Millionen Euro. Weitere wichtige Importgüter sind Maschinen (7.965), Autos (5.733) sowie Metall- und Mineralprodukte mit 4.715 Mill. Euro. Des Weiteren sind noch Textil, Bekleidung und Schuhe mit einem Gesamtwert von 4.165 Mill. Euro zu erwähnen.

Bei den Exporten führen Maschinen und ähnliche Produkte mit insgesamt 5.670 Mill. Euro, gefolgt von Textil, Bekleidungs- und Schuhindustrie mit 5.353 Mill. Euro und Transportwaren (insbesondere KFZ) i. H. von 5.238 Mill. Euro die Liste an. An vierter Stelle liegen Mineral- und Metallprodukte mit Lebensmitteln fast gleichauf, nämlich 4.363 und 4.356 Mill. Euro. Bei den Lebensmitteln sind Getränke mit 929 sowie Fisch; Meeresfrüchte und deren Derivate mit 543 Mill. Euro an der Spitze der Exporte. Es folgen chemische Produkte mit 4.914 Mill. Euro und der Bereich Holz-, Papier- und Korkprodukte mit insgesamt 3.337 Mill. Euro.

Die größten Handelsbilanzdefizite und -überschüsse lassen sich kurz wie folgt darstellen:

Energetische Erzeugnisse: Defizit von 6.724 Mill. Euro
Lebensmittel: Defizit von 3.634 Mill. Euro
Maschinen: Defizit von 2.295 Mill. Euro
Chemische Produkte: Defizit von 3.600 Mill. Euro
Transportwaren: Defizit von 495 Mill. Euro
Mineral- und Metallprodukte: Defizit von 352 Mill. Euro.
Textil, Bekleidung und Schuhe: Überschuss von 1.188 Mill. Euro
Holz, Kork und Papierprodukte: Überschuss von 1.436 Mill. Euro
Andere Fertigprodukte: Überschuss von 254 Mill. Euro

Mit freundlichen Grüssen !
Ihr

Conlusa-Team

Samstag, 11. Februar 2012

Unser tägliches Brot gib uns heute


In Portugal kann man für gewöhnlich gut essen und trinken.
Die landestypische Küche ist überwiegend deftig, vielseitig, kalorienreich und zeichnet sich durch die Verwendung von Olivenöl (port.: azeite), Knoblauch (port.: alho) und Würzkräutern wie Thymian (port.: tomilho), Rosmarin (port.: alecrim), Lorbeer (port.. louro), Koriander (port.: coentros) u. a. aus.
Gerichte wie der „Cozido à Portuguesa“, ein schmackhafter Gemüsetopf mit verschiedenen Fleischsorten, der „Caldo Verde“, die Lissabonner Grünkohlsuppe oder die „Caldeirada“, ein reichhaltiger Fischeintopf, bestechen durch ihre geschmackvolle Einfachheit.

Auch die Liebhaber von Süßspeisen kommen in Portugal voll auf ihre Kosten.
„Arroz doce“ (dt.: Milchreis), „Pudim flan“ (dt.: Karamel-Pudding-Variante), „Doces e fios de ovos“ (dt.: süße Eierspeisen) und der aus Madeira stammende „Bolo de mel“ (dt.: Honigkuchen) sind nur einige der vielen süßen Spezialitäten nach denen man sich hier die Finger leckt.

Die in Portugal erzeugten Weine brauchen sich vor den in Frankreich, Spanien oder Italien produzierten Weinen nicht zu verstecken.
Auch die einheimischen Erfrischungsgetränke und frisch ausgepressten Fruchtsäfte können mit den internationalen Varianten locker mithalten.

Resümiert kann man also sagen, dass man hier in Portugal vielleicht nicht immer wie Gott in Frankreich schlemmt, aber dass man international dennoch sehr gut abschneidet, was Essen und Trinken angeht.

In einem hängt Portugal allerdings international kulinarisch meilenweit hinterher.
Was nämlich Brotwaren angeht, leben wir hier in Portugal in einer absoluten Einöde.
Brote und Brötchen schmecken hier, von Nord nach Süd und vom Festland bis hinüber zu den Inseln, überall gleich.
Es ist so, als ob portugiesische Bäckerlehrlinge die Phantasie und die Kreativität an der Garderobe ablegen, wenn sie in ihr Berufsleben starten.
Und später, wenn sie ausgelernt haben, behalten sie diese Phantasielosigkeit und fehlende Kreativität einfach bei.

Jeder der, wie ich, in Deutschland groß geworden ist, und der es seit seiner frühesten Kindheit gewohnt ist zwischen Dutzenden verschiedenen Brotwaren auszuwählen, wird hier in Portugal ziemlich enttäuscht sein, wenn er zum ersten Mal eine Bäckerei betritt, wo er gerade mal zwischen zwei oder drei Brot- und Brötchenarten, wenn überhaupt, auswählen kann – oder muss!

Als Portugiese muss ich mir also wirklich eingestehen:
Was Brotwaren angeht leben wir hier, am Rande Europas, noch in der Steinzeit.
Aber, das ändert sich in letzter Zeit verstärkt. Immer mehr „alternative“ Bäckereien machen den „traditionellen“ Bäckern Konkurrenz.
Alleine in den letzten drei Jahren haben mehrere neue Bäckereien im Großraum Lissabon eröffnet, die ihren Kunden mehr anbieten als nur einfache Brötchen, hartes Weizenbrot und labbriges Kastenweißbrot.

Einige dieser Bäckereien und ihre, für portugiesische Verhältnisse, ausgefallenen Produkte möchte ich nun hier vorstellen.
Vor allem meinen deutschen Freunden, die hier leben und arbeiten und die mich immerzu fragen wo sie denn „gescheites“ Brot herbekommen können, widme ich diesen meinen Beitrag.

Die von mir ausgewählten Bäckereien sind:

„Padaria Portuguesa“
Avenida João XXI n° 9
São João de Deus
1000-298 Lisboa

• Fofos de Tabuleiro com sésamo, papoila, sementes de abóbora e sementes de girassol – (dt.: Backblechbrötchen mit Sesam, Mohn, Kürbis- und Sonnenblumenkernen)
• Pão muesli – (dt.: Müslibrot)
• Pão de Mafra em forma – (dt.: Kastenweizenbrot aus Mafra)


„Eric Kayser“
Rua Carlos Alberto da Mota Pinto
Amoreiras Plaza
1070-374 Lisboa

• Pão de azeitonas – (dt.: Olivenbrot)
• Baguete de papoila – (dt.: Mohnbaguette)
• Pão de figo – (dt.: Feigenbrot)
• Tourte de trigo – (dt.: Französisches Weizenbrot)
• Pão de curcuma (dt.: Safranbrot)


„El Corte Inglés“
Avenida António Augusto Aguiar
1050-010 Lisboa

• Pão de centeio e nozes – (dt.: Roggenbrot mit Nüssen)
• Pão de Mafra – (dt.: Mafrabrot)
• Pão de chouriço – (dt.: Brötchen mit Trockenwurst)
• Pão alentejano – (dt.: Alentejoweizenbrot)
• Bolo de caco (dt.: Süßkartoffelbrot aus Madeira)


„Mercearia Guerra Junqueiro“
Avenida Guerra Junqueiro n° 6b
1000-167 Lisboa

• Broa de Avintes com chouriço – (dt.: Maisbrot mit Trockenwurst aus Avintes)
• Pão de especiarias (dt.: Kräuterbrot)


„Quinoa“
Rua do Alecrim n° 52-54
Encarnação
1200-018 Lisboa

• Pão de alfarroba – (dt.: Johannisbrot)
• Pão de trigo vermelho – (dt.: Buchweizenbrot)
• Pão de ameixas e nozes – (dt.: Brot mit Pflaumen und Nüssen)
• Pão de açafrão e nozes – (dt.: Safranbrot mit Nüssen)
• Pão de alecrim – (dt.: Rosmarinbrot)


„Miolo“
Rua Rainha D. Leonor n° 28
2765-331 São João do Estoril

• Pão escuro de cevada e girassol – (dt.: Deutsches Schwarzbrot mit Sonnenblumenkernen)
• Pão com tâmaras e nozes – (dt.: Brot mit Datteln und Nüssen)

Freitag, 10. Februar 2012

Ein „Privatgespräch“ zwischen Finanzministern


Im Internet kursiert seit gestern ein Video, das heimlich vom portugiesischen Fernsehsender TVI in Brüssel aufgenommen wurde.
Auf diesem Video sind der portugiesische Finanzminister Vitor Gaspar und sein deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble zu sehen, wie sie sich am Rande eines Treffens der EU-Finanzminister am gestrigen Donnerstag privat unterhalten.

In diesem Gespräch, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war und verdeckt aufgenommen wurde, ist deutlich zu hören, wie Schäuble seinem portugiesischen Kollegen in englischer Sprache weitere finanzielle Hilfen für die Zukunft zusagt, soweit das „Griechenlandproblem“ einigermaßen gelöst sei, und wie sich Vitor Gaspar daraufhin bei Wolfgang Schäuble bedankt.

Dieses Gespräch wäre insofern keine besondere Nachricht gewesen, wenn nicht der portugiesische Premierminister Pedro Passos Coelho schon mehrmals hoch und heilig versprochen und erklärt hätte, dass Portugal mit Sicherheit in der Zukunft keinen zweiten Rettungsschirm der Europartner und des Internationalen Währungsfonds benötigen wird.

Da nun aber der deutsche Finanzminister eben ein solche Ausweitung der Finanzhilfen für Portugal andeutet, fragt man sich hierzulande nun in wie weit Portugal wirklich in nächster Zeit weitere Finanzhilfen benötigen wird und in wie weit Prämierminister Passos Coelho seinem Volk etwas verheimlicht.

Eine erneute Unsicherheit macht sich nun in der portugiesischen Gesellschaft breit.
Spielt Pedro Passos Coelho mit offenen Karten oder nicht?
Belügt er sein Volk oder nicht?
Werden wir noch mehr Kürzungen und Einsparungen hinnehmen müssen oder nicht?
Fragen über Fragen!

Innenpolitisch braut sich durch all diese offenen Fragen eine erneute Krise auf.
Vor allem die oppositionellen Sozialisten und die Kommunisten werfen jetzt dem Prämierminister vor, seinem Volk gegenüber nicht ehrlich zu sein und sie verlangen von Passos Coelho eine baldige Erklärung im Parlament.
Dabei vergessen die Sozialisten aber gerne, dass sie und ihre ehemaligen Regierungen, die eigentliche Hauptschuld an der heutigen portugiesischen Misere tragen.

Wie dem auch sei, sicher ist nur eins, die Zukunft sieht für uns Portugiesen alles andere als rosig aus!

Das „Privatgespräch“ zwischen Vitor Gaspar und Wolfgang Schäuble auf YouTube:

www.youtube.com/watch?v=dU391h882uE

Donnerstag, 9. Februar 2012

Eselsohren: „Rosa Brava“


Von meiner Freundin Fatima habe ich letzten Monat den Roman „Rosa Brava“ (dt.: Wilde Rose), des portugiesischen Journalisten und Schriftstellers José Manuel Saraiva, geschenkt bekommen.

In „Rosa Brava“ erzählt Saraiva die Geschichte der Leonor Teles de Menezes, der Frau die, an der Seite von König Fernando I, einstmals Königin von Portugal war.
Leonor Teles soll im richtigen Leben eine absolut machtbesessene, bösartige und perverse Frau gewesen sein. Sie soll so kaltherzig gewesen sein, dass sie noch nicht einmal vor der Ermordung ihrer eigenen Schwester zurückschreckte.

Mit all ihren bösen Eigenschaften ist Leonor Teles und ihr Leben für jeden Autor eine schriftstellerische Inspiration und ideale Romanvorlage.
„Rosa Brava“ ist ein Roman der auf geschichtlichen Ereignissen basiert, die voller Intrigen, Mord, Verrat und Krieg sind.
José Manuel Saraiva ist es gelungen mit diesem Buch einen spannenden und ereignisreichen Historienroman zu schreiben.

Von Haus aus ist José Manuel Saraiva ein Journalist, der schon mehrere portugiesische und ausländische Publikationen herausgebracht hat.
Unter anderem schreibt er für die Zeitungen „O Diário“, „Diário de Lisboa“ und „Expresso“.
Erschienen ist sein Roman „Rosa Brava“ im Jahre 2005 im portugiesischen Verlag „Oficina do Livro“.