Donnerstag, 18. Dezember 2014

Portugals einzigartige Leuchttürme


Wie die portugiesische Marine (port.: marinha portuguesa) gestern auf ihrer Internetseite verlautbaren ließ, sind ab sofort 29 der über 100 portugiesischen Leuchttürme (port.: farois) das ganze Jahr über für Besucher geöffnet.

Leuchttürme sind hier in Portugal, wie wohl überall auf der Welt, strahlende Wahreichen der Seefahrt.
Ihre weithin leuchtenden Feuer haben über Jahrhunderte hinweg hierzulande unzählige Seeleute, vom anonymen Matrosen bis hin zum bekannten Seefahrer und Entdecker, vor gefährlichen Sandbänken, Korallenriffen und Untiefen gewarnt und ihnen so oftmals das Leben gerettet.

17 Leuchttürme in Kontinentalportugal, elf auf den Azoreninseln und ein Leuchtturm (port.: farol) auf der Insel Madeira können fortan immer mittwochs von 14 h bis 17 h kostenlos und ohne Voranmeldung besucht werden.
Diese Leuchttürme sind, von Nord nach Süd:

Festlandsportugal

- Farol de Montedor – gelegen in der Stadt Viana do Castelo, ist dies der nördlichste Leuchtturm an Portugals Küste. Er ging 1910 in Betrieb und hat eine Leuchtkraft von 22 Seemeilen

- Farol da Barra – dieser Leuchtturm trägt auch den Namen Farol de Aveiro, benannt nach der Hafenstadt an dem es liegt, und steht am Strand von Barra. Er ist mit 62 m der höchste Leuchtturm Portugals und wurde zwischen 1885 und 1893 erbaut. Seine Leuchtkraft hat eine Reichweite von 23 Seemeilen

- Farol de Leça – er ist auch unter dem Namen Farol da Boa Nova bekannt und liegt in der nordportugiesischen Gemeinde Leça da Palmeira. Der 1926 errichtete Leuchtturm ist 46 m hoch und steht auf einer 57 m hohen Klippe. Er hat eine Leuchtkraft von 28 Seemeilen

- Farol do Cabo Mondego – dieser am Kap Mondego, in der Stadt Figueira da Foz, gelegene Leuchtturm ist zwar nur 15 m hoch, liegt aber auf einer 98 m hohen Anhöhe und sein Lichtstrahl ist so bis zu 28 Seemeilen weit zu sehen. Erbaut wurde er 1858

- Farlo do Penedo da Saudade – errichtet wurde er 1912. Dieser Leuchtturm ist 32 m hoch, steht in der Gemeinde São Pedro de Moel und seine Leuchtkraft reicht bis zu 30 Seemeilen weit ins Meer

- Farol do Cabo Carvoeiro – dieser Leuchtturm wurde 1790 auf Anordnung des Premierministers Marques de Pombal errichtet und ist heute eines der ältesten noch erhaltenen Leuchttürme Portugals. Er steht an der steilen Klippe des Cabo Carvoeiro bei Peniche und seine Leuchtkraft hat eine Reichweite von 15 Seemeilen

- Farol da Berlenga – dieser auf der Insel Berlenga Grande, vor der Küstenstadt Peniche, stehende Leuchtturm, ist auch unter dem Namen Farol do Duque de Bragança bekannt. 1841 errichtet, wurde er im Jahr darauf, 1842, in Betrieb genommen. Seine Leuchtkraft beträgt bis zu 27 Seemeilen

- Farol do Cabo da Roca – „Dort wo das Land endet und das Meer beginnt“, dort befindet sich das Cabo da Roca. Hier, am westlichsten Punkt des europäischen Festlands, steht dieser bereits 1772, auf Anordnung Premierministers Marques de Pombal, errichtete Leuchtturm. Er ist 22 m hoch, steht auf einer 165 m hohen Klippe und sein Lichtkegel reicht bis zu 26 Seemeilen ins Meer hinein

- Farol do Cabo Espichel – schon Anfang des 15. Jahrhunderts soll am Cabo Espichel, gut 50 km südlich von Lissabon, ein Leuchtturm gestanden haben. Der heutige Leuchtturm stammt aus dem Jahre 1790 und wurde auf Anordnung des Marques de Pombal, dem Premierminister von König José I, erbaut. Er hat eine Leuchtkraft von gut 26 Seemeilen

- Farol do Cabo de Sines – dieser 1880 erbaute Leuchtturm steht unweit der Stadt Sines, auf dem Kap gleichen Namens. Er hat eine Höhe von 22 m und sein Lichtkegel ist bis zu 26 Seemeilen weit zu sehen

- Farol do Cabo Sardão – obwohl schon im Jahre 1883 geplant, wurde dieser Leuchtturm erst 1915 in Betrieb genommen. Er steht auf dem Kap Sardão, unweit des Städtchen Odemira, im Küstenstreifen des Alentejo. Er hat eine Höhe von 22 m und eine Leuchtkraft die gut 23 Seemeilen weit ins Meer hinausstrahlt

- Farol do Cabo de São Vicente – das Kap São Vicente an der Algarveküste ist der südwestlichste Punkt des europäischen Festlandes. Hier, in der Nähe von Sagres, wurde einstmals der erste Leuchtturm Portugals errichtet. 1520 versah man den Turm des alten Klosters São Francisco mit einem Leuchtfeuer und benutzte ihn fortan als Leuchtturm. Dieser wurde dann aber 1587 bei einem Angriff des englischen Freibeuters Francis Drake völlig zerstört. Der heutige 28 m hohe Leuchtturm Farol do Cabo de São Vicente steht auf einer 86 m hohen Klippe und wurde ursprünglich im Jahre 1846, auf Anordnung von Königin Maria II, erbaut. Sein Lichtkegel reicht 32 Seemeilen in den Atlantik hinein und er ist somit der lichtstärkste Leuchtturm Europas

- Farol da Ponta da Piedade – die Ponta da Piedade, unweit der Stadt Lagos, ist eine der schönsten und charakteristischsten Felsklippenlandschaften an der Algarveküste. Hier, auf einer 51 m hohen Klippe, steht der zwischen 1912 und 1913 erbaute Leuchtturm, der nur eine Höhe von 5 m besitzt und eine Leuchtkraft von etwa 20 Seemeilen aufweist

- Farol da Ponta do Altar – gut 7 km südwestlich der Stadt Portimão, an der Algarveküste, steht der 1893 erbaute Leuchtturm Farol da Ponta do Altar. Er ist 10 m hoch und sein Lichtkegel reicht 16 Seemeilen ins Meer hinaus

- Farol de Alfanzina – über der Praia do Carvoeiro, an der Algarveküste, steht auf einer 63 m hohen Felsklippe der Leuchtturm Farol de Alfanzina, mit einem Lichtkegel der bis zu 29 Seemeilen in den Atlantik hinausleuchtet

- Farol do Cabo de Santa Maria – dieser im Naturpark Ria Formosa, auf der kleinen Insel Ilha da Culatra befindliche Leuchtturm wurde einstmals im Jahre 1864 errichtet um die Zufahrt in die Hafenstädte Faro und Olhão zu sichern. Er ist 46 m hoch und hat eine Leuchtkraft von 25 Seemeilen

- Farol de Vila Real de Santo Antonio – an der Mündung des Rio Guadiana in den Atlantik, unweit der Grenze zu Spanien, befindet sich in der Stadt Vila Real de Santo Antonio dieser Leuchtturm. Er wurde 1923 errichtet, ist 46 m hoch und sein Lichtkegel leuchtet bis zu 26 Seemeilen weit ins Meer hinaus

Azoren

- Farol da Ponta das Lajes – dieser auf der westlichen Azoreninsel Flores (port.: Ilha das Flores) stehende 16 m hohe Leuchtturm ist bereits 1881 geplant, aber erst im Oktober 1910 in Betrieb genommen worden. Er befindet sich etwa 1,5 km von der Inselkleinstadt Lajes entfernte, auf dem Kap Ponta das Lajes, und hat eine Leuchtreichweite von 26 Seemeilen. Ursprünglich, wie jeder Leuchtturm auf den Azoren, errichtet um eine sichere Navigation zwischen Europa und Nordamerika zu gewährleisten, diente er über mehrere Jahrzehnte hinweg auch den Walfängern auch als Aussichtsturm

- Farol da Ponta do Albernaz – der Leuchtturm von Ponta do Albernaz, auf der Azoreninsel Flores, ist der westlichste Leuchtturm Europas. Obwohl 1902 geplant, wurde er erst im Jahre 1925 fertig gestellt. Dieser 15 m hohe Leuchtturm, der heute eine Leuchtkraft von 22 Seemeilen hat, wurde erst im Jahre 2005 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen

Farol da Ponta do Topo – der im äußersten Südosten der Azoreninsel São Jorge (port.: São Jorge) gelegene 18 m hohe Leuchtturm steht auf einer 58 m hohen Klippe. Er wurde 1927 in Betrieb genommen und im Jahre 1980, bei einem verheerenden Erdbeben, fast völlig zerstört. Danach wurde er wieder aufgebaut und heute hat er einen Lichtschein der 20 Seemeilen in den Atlantik hinausstrahlt

- Farol da Ponta da Ilha – der 19 m hohe Leuchtturm von Ponta da Ilha, auch unter dem Namen Farol da Manhenha bekannt, befindet sich in der Gemeinde Lajes auf der Azoreninsel Pico (port.: Ilha do Pico). Obwohl schon 1883 geplant, wurde er erst 1946 erbaut. Die Reichweite des Lichtes des Leuchtturmes, der erst 1983 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wurde, beträgt rund 26 Seemeilen

- Farol da Ponta da Barca -  mit 71 m über dem Meeresspiegel ist er einer der höchstgelegenen Leuchttürme der Azoren. Der 1930 erbaute Farol da Ponta da Barca steht im Nordosten der Insel Graciosa (port.: Ilha da Graciosa)

- Farol das Contendas – dieser 13 m hohe Leuchtturm befindet sich auf einer Anhöhe Namens Ponta das Contendas, auf der Azoreninsel Terceira (port.: Ilha Terceira). Der Leuchtturm Farol das Contendas ging im Februar 1934 in Betrieb

- Farol da Ponta Garça – an der Südküste der Azoreninsel São Miguel (port.: Ilha de São Miguel) gelegen, unweit der Stadt Vila Franca do Campo, ist der Leuchtturm von Ponta Garça mit einem Lichtkegel ausgestattet, der 16 Seemeilen ins Meer hinausleuchtet. Er ist 1957 erbaut worden, 14 m hoch und befindet sich auf einer 101 m hohen Anhöhe

- Farol do Arnel – ein anderer Leuchtturm auf der Azoreninsel São Miguel ist der Farol do Arnel, der im Nordosten der Insel liegt. Er misst 15 m und ist seit September 1876 in Betrieb. Erst 1993 wurde der Leuchtturm an das öffentliche Stromnetz angeschlossen

- Farol da Ponta do Cintrão – mit 14 m Höhe hat der Leuchtturm von Ponta do Cintrão eine Leuchtkraft von 16 Seemeilen. Er befindet sich unweit der Stadt Ribeira Grande auf der Azoreninsel São Miguel

- Farol da Ferraria – ein weiterer Leuchtturm auf der Azoreninsel São Miguel ist der 18 m hohe Farol da Ferraria, auf einer Anhöhe mit dem Namen Ponta da Ferraria. Sein Lichtkegel strahlt bis zu 22 Seemeilen hinaus in den Atlantik

- Farol de Gonçalo Velho – der Leuchtturm Gonçalo Velho befindet sich auf der Azoreninsel Santa Maria (port.: Ilha de Santa Maria). Er steht in der Gemeinde Santo Espirito, unweit der Kleinstadt Vila do Porto, der ältesten Siedlung der Azoren. Obwohl schon 1883 geplant, wurde dieser Leuchtturm erst 1927 in Betrieb genommen. Der Farol de Gonçalo Velho, der auch unter dem Namen Farol da Ponta do Castelo bekannt ist, erhebt sich 114 m über dem Meeresspiegel und hat eine Leuchtkraft von 25 Seemeilen

Madeira

- Farol da Ponta do Pargo – der Leuchtturm Ponta do Pargo steht in der Gemeinde Calheta, im äußersten Westen der portugiesischen Atlantikinsel Madeira. Dieser im Jahre 1922 erbaute, 14 m hohe Leuchtturm steht auf einer 312 m hohen Felsenklippe der Insel. Seine Leuchtkraft hat eine Reichweite von 26 Seemeilen


Die von der portugiesischen Marine jetzt angekündigten wöchentlichen Besichtigungen werden bei allen hier genannten Leuchttürmen von den jeweiligen Leuchtturmwärtern durchgeführt werden.

Viele stellen sich hierzulande die Frage, zumal heute im Zeitalter knapper Kassen, ob Leuchttürme im Zeitalter elektronischer Karten und Satellitennavigation noch zeitgemäß sind.
Ich persönlich glaube sie sind zeitgemäß!
Denn obwohl heute technisch oftmals weit überholt, sind die Leuchttürme weiterhin einzigartige Symbole der maritimen Vergangenheit Portugals.

Samstag, 13. Dezember 2014

Zum Dritten Advent: Aletria, süße Milchfadennudeln


Nachdem ich hier in meinem Blog die letzten zwei Adventswochenenden Weihnachtsrezepte meiner Mutter Luisa publiziert habe, möchte ich nun heute – zum Dritten Advent – ein weiteres leckeres portugiesisches Rezept zu Weihnachten bekannt machen.

Das heutige Rezept für süße Milchfadennudeln – hier in Portugal nennt man Fadennudeln „aletria“ – ist, wie die vorherigen zwei Rezepte, leicht nachzukochen.
Nachdem ich das jeweilige Gewicht und die Menge der Zutaten mit der Hilfe meiner Mutter, die immer ohne Kochbuch kocht und backt, berechnet habe, hier nun die Anleitung für eines meiner liebsten Weihnachtsleckereien:

Aletria, süße Milchfadennudeln

Zutaten

300g Fadennudeln (bitte nur dünne Nudelsorten verwenden!)
2 l Milch
10 gehäufte Esslöffel Zucker
1 große Zitronenschale
1 oder zwei Zimtstangen
2 Esslöffel Butter
8 Eigelbe

1. Milch in einem Kochtopf zusammen mit der Zitronenschale, den Zimtstangen, dem Zucker und der Butter unter ständigem Rühren zum kochen bringen
2. ist die Milch am kochen, gibt man die Fadennudeln hinzu und lässt diese gut 8 Min. bis 10 Min. weich kochen, bis eine cremige Masse entsteht
3. danach den Kochtopf mit der cremigen Nudelmasse vom Herd nehmen und gut 10 Min. etwas abkühlen lassen. Beim erkühlen, die Masse immer wieder durchrühren
4. dann die Zitronenschale und die Zimtstangen herausnehmen und die mit etwas Milch geschlagenen acht Eigelbe zügig, unter ständigem rühren, einrühren
5. unter ständigem Rühren noch mal gut 2 Min. kurz aufkochen lassen. Wichtig ist: rühren, rühren, rühren…
6. dann die Fadennudeln in Schälchen oder in eine Auflaufform gießen und erkalten lassen
7. wer will, kann nun die gekochten süßen Fadennudeln nach Geschmack mit Zimtpulver bestreuen oder dekorieren

Der genaue Ursprung der Aletria ist heute nicht mehr genau nachzuvollziehen.
Tatsache ist, dass die Aletria einstmals in den ländlichen Regionen der portugiesischen Provinzen Beira Alta und Beira Baixa ein fester Bestandteil des Mahls bei fast jeder Hochzeit war. Vom Hochzeitspaar und seinen Gästen traditionell nach dem Hochzeitsmahl eingenommen, bildete diese Süßspeise meistens den krönenden Abschluss des Menüs bei der Hochzeitsfeier.
Mit der Zeit wurde aus diesem typischen regionalen Hochzeitsnachtisch eine nationale Weihnachtssüßspeise.

Heute isst man hierzulande die Aletria nicht nur auf Hochzeiten und zur Weihnachtszeit, sondern oftmals auch außerhalb dieser Festtage, nämlich dann wenn man Lust auf sie hat.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Welterbe der UNESCO in Portugal


Als Ende November dieses Jahres die UNESCO den originellen Chorgesang Cante Alentejano auf ihre Liste des Immateriellen Kulturwelterbes setzte, war diese prestigeträchtige Liste um eine kulturelle Tradition und Ausdrucksform reicher.
Nach dem Fado ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische darstellende Kunst die es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.

Die Liste des UNESCO-Welterbes umfasst aber nicht nur diese zwei portugiesischen Kulturformen, sondern auch 14 Weltkulturdenkmäler und ein Weltnaturdenkmal.
Außerdem sind im Rahmen des im Jahre 1992 gegründeten Programms „Memory of the World“ (port.: „Memória do Mundo“ / dt.: „Gedächtnis der Welt“) auch fünf wertvolle portugiesische Handschriften oder Handschriftensammlungen in das Weltdokumentenerbeverzeichnis aufgenommen worden.

Hier nun die Liste des gesamten UNESCO-Welterbes in Portugal:

Weltkulturerbe (port.: Património Mundial da Cultura)

-   Kloster der Heiligen Maria von Alcobaça
Das Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça) wurde im Jahre 1989 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, beherbergt die riesige Zisterzienserklosteranlage, außer den üblichen Wirtschaftsräumen eines Klosters, fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, eine Bibliothek und die größte Kirche Portugals
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Alcobaça“ vom 17. November 2013)

-   Weinanbaugebiet des Alto Douro
Das steile Tal des Alto Douro und seine Weinanbaukultur (port.: Região Vinhateira do Alto Douro) sind seit 2001 Weltkulturerbe. Mit den Tälern weniger Nebenflüsse bildet der Alto Douro das älteste gesetzlich abgegrenzte Weinanbaugebiet der Welt! Es beginnt 100 km östlich der Stadt Porto und zieht sich über 120 km in Richtung spanisch-portugiesische Grenze. Nur in dieser Region, die auch als „País do Vinho“ (dt.: Weinland)  bezeichnet wird und in der seit über 2.000 Jahre Weinanbaukultur praktiziert wird, darf u. a. der weltberühmte Portwein angebaut werden.

-   Historisches Stadtzentrum von Angra do Heroismo
Die Stadt Angra do Heroismo, auf der Azoreninsel Terceira, ist die erste portugiesische Stadt die außerhalb Festlandportugals im Jahre 1534 gegründet wurde. Das historische Stadtzentrum von Angra do Heroismo hat mehrere besuchenswerte stattliche Barockbauten, eine schöne Kathedrale und eine mächtige Burg, den Castelo de São João Baptista, von dem man eine prächtige Panoramasicht über die Stadt hat. Bis 1822 war Angra do Heroismo die Hauptstadt der Azoren, bis es dann von Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, abgelöst wurde. Aber noch heute gilt die Stadt, die 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, als der kulturelle Mittelpunkt der Azoren
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Die Azoreninsel Terceira“ vom 8. September 2009)

-   Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico
Der jungvulkanische Boden der Azoreninsel Pico ist auf weiten Stecken völlig ohne Humusdecke, was kaum eine erträgliche Landwirtschaft zulässt. Agrarisch ertragreich ist lediglich der Weinanbau an den mühevoll bearbeiteten Hängen des Pico Alto, einem noch heute tätigen Vulkan der mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist. Seit dem 15. Jahrhundert ist Pico für seine exquisiten Weine berühmt. Im Jahre 2004 nahm die UNESCO die Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico (port.: Cultura da Vinha da Ilha do Pico) in ihre Welterbeliste auf
(lesen sie hierzu auch bitte einem Blogeintrag „Die Azoreninsel Pico“ vom 05. September 2009)

-   Kloster von Batalha
Die schlichte Stadt Batalha, zwischen Lissabon und Coimbra in einem fruchtbaren Talkessel des Flusses Lena gelegen, wäre wohl kaum jemanden bekannt, gäbe es da nicht das ehemalige Dominikanerkloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht (port.: Mosteiro de Santa Maria da Vitótia da Batalha). Das sich an der Nordseite des Ortes erhebende Kloster wurde 1387 von König João I auf Grund eines Gelübdes gegründet, das er am 14. August 1385, zu Beginn der für die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien siegreichen und entscheidenden Schlacht von Aljubarrota, abgelegt hatte. Das Kloster von Batalha ist das große steinerne Freiheitsdenkmal der Portugiesen. Es wurde im Jahre 1840 zum Nationaldenkmal erklärt und ist seit 1983 Weltkulturerbe
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Batalha“ vom 21. Juni 2011)

-   Universität von Coimbra
In der Altstadt von Coimbra befindet sich die ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit all ihren alten Universitätsgebäuden, ihrer Universitätskirche, ihrer grandiosen Bibliothek und dem angrenzenden Botanischen Garten. Sie ist die älteste und bedeutendste Universität Portugals und eine der renommiertesten in Europa. Die Universität ist auch heute, über 700 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren Studenten ein kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt Portugals
(lesen sie hierzu auch meine zwei Blogeinträge „Die Universität von Coimbra“ vom 18. Januar 2012 und „Coimbras Universität ist Weltkulturerbe“ vom 22. Juni 2013)

-   Die Stadt Elvas und ihre Befestigungsanlagen
Nahe der spanisch-portugiesischen Grenze liegt die alte Garnisonsstadt Elvas, mit ihren 220 registrierten Baudenkmälern. Als Stützpunkt gegen das nahe gelegene spanische Badajoz wurde die „Königin der Grenze“, wie die Stadt auch genannt wird, seit dem späten Mittelalter mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und im 17. und 18. Jahrhundert mit mächtigen Forts gesichert, die zu den eindruckvollsten ihrer Zeit in Portugal gehören. Die Befestigungsanlagen von Elvas sind die größten und besterhaltenen der Welt! Seit 2012 ist diese alte Stadt Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte meinen Eintrag „Elvas, die Königin der Grenze, ist auch UNESCO-Weltkulturerbe“, vom 01. Juli 2012)

-   Historisches Stadtzentrum von Évora
Évora, die ehemalige Hauptstadt der Provinz Alentejo, steht seit dem Jahre 1986 auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt wird hier in Portugal wegen ihrer vielen historisch bedeutenden Bauwerke, darunter zahlreiche Stadtpaläste, Kirchen und Klöster, auch stolz „Cidade Museu“ (dt.: Museumsstadt) genannt
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Évora“ vom 11. November 2011)

-   Historisches Stadtzentrum von Guimarães
Guimarães, die Geburtsstadt des ersten portugiesischen Königs, Afonso Henriques I, war die erste Hauptstadt Portugals und trägt hierzulande auch den Beinamen „Berço da Nação“ (dt.: Wiege der Nation). Die recht malerische Altstadt von Guimarães mit ihrer stattlichen Burg, ihren zahlreichen Stadtpalästen, Kirchen, Klöstern und ihren blumengeschmückten Granithäusern ist seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Guimarães“ vom 02. Januar 2012)

-   Turm von Belém und Hieronymuskloster in Lissabon
Belém, der südwestlichste Stadtteil Lissabons, ist wegen seiner großartigen historischen Baudenkmäler und höchst sehenswerten Museen berühmt. Die zwei wohl bekanntesten Bauwerke Lissabons, der Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das ehemalige Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) liegen in diesem Stadtteil. Beide Bauwerke sind bedeutende Beispiele manuelistischer Baukunst und eindrucksvolle Symbole für Portugals Macht und Reichtum zur Zeit der kolonialen Eroberungen. Sowohl der Turm als auch das Kloster sind seit 1983 Weltkulturerbe

-   Historisches Stadtzentrum von Porto
Die historische Altstadt von Porto (port.: Centro Histórico do Porto), der zweitgrößten Stadt Portugals, beherbergt mehrere bedeutende Bauwerke, wie etwa die gut erhaltene Stadtmauer, die imposante romanische Kathedrale, den neo-klassischen Börsenpalast oder die barocke Kirche Igreja dos Clérigos mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchenglockenturm Portugals. Seit 1996 gehört das historische Stadtzentrum Portos zum Weltkulturerbe

-   Kulturlandschaft Sintra
Die von der UNESCO im Jahre 1995 qualifizierte Kulturlandschaft von Sintra (port.: Paisagem Cultural de Sintra) beinhaltet die Altstadt von Sintra und das romantische Sintragebirge mit all seinen exotischen Parks und prächtigen Gärten und den vielen architektonisch-einzigartigen Palästen, den jahrhundertealten Klöstern und den märchenhaften Schlössern
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Sintra“ vom 23. Juli 2013)

-   Christuskloster in Tomar
Die Tempelrittermönche des 1162 gegründeten Christusritterordens (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) sind verantwortlich für den Bau der Klosteranlage von Tomar, die aus einer umfangreichen Gruppe imposanter und reich verzierter Gebäude des 12. bis 17. Jahrhunderts besteht. Einst „zur Verteidigung des Glaubens“ von den Tempelrittern erbaut, erlebte das im gotisch-manuelistischem Stil erbaute Christuskloster (port.: Convento de Cristo) unter seinen Großmeistern Heinrich dem Seefahrer und König Manuel I seine größte Blüte. Das Christuskloster wurde 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen

-   Archäologischer Park im Tal des Côa
Im Nordosten Portugals befindet sich das Tal des Flusses Côa. In den steinernen Uferhängen dieses Flusstals wurden Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Tausend eingravierte Felszeichnungen aus prähistorischer Zeit, manche von ihnen gut 30.000 Jahre alt, entdeckt. Diese Felsmalereien erstrecken sich über insgesamt 17 km im ganzen Tal und zeigen vor allem Tiermotive, wie man sie bisher nur aus Höhlen und Felsengrotten Mitteleuropas her kannte. Die prähistorischen Felsmalereien stehen seit 1998 auf der Liste des UNESCO-Welterbes

Weltnaturerbe (port.: Património Mundial da Natureza)

-   Der Lorbeerwald von Madeira
Der Lorbeerwald Madeiras bedeckt 20 % der Insel, also gut 150 qkm. Er besteht aus 20 verschiedenen, für die Insel charakteristischen Baumarten, wie z.B. den Madeira-Lorbeer (port.: vinhático / latein.: Persea indica), den Madeira-Holunder (port.: sabugueiro madeirense / latein.: Sambucus lanceolata), den Barbusano (port.: barbusano / latein.: Apollonias barbujana) oder den Stinklorbeer (port.: til / latein.: Ocotea foetens), sowie aus verschiedenen Farnarten. Im Dezember 1999 wurde dieser einzigartige Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Immaterielles Weltkulturerbe (port.: Património Cultural Imaterial da Humanidade)

-   Fado
Der Musikstil des Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (port.: Patrimônio Cultural Imaterial da Himanidade) ernannt. Er ist wohl der portugiesischste aller Musikstile in Portugal. Der Fado ist voller Schmerz und Sehnsucht, und handelt meistens von nicht erfüllter Liebe, vom Unglück, vom Schicksal und alten, verlorenen Zeiten. Dennoch ist der Fado, trotz dieser ganzen negativen Gefühle, voller Hoffnung und Leben. Da der Fado die wehmütigen Sehnsuchtsgefühle der Portugiesen so praktisch musikalisch symbolisiert, wird er oftmals – und das zu Recht – als „die Seele Portugals“ (port.: „a alma de Portugal“) bezeichnet
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011)

-   Chorgesang Cante Alentejano
Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Fado wurde der portugiesische Musikstil des Cante Alentejano im Jahre 2014 auf die Weltkulturerbeliste von der UNESCO gesetzt.
Der Cante Alentejano ist ein Chorgesang der ohne Instrumente in einem langsamen Tempo und in einem charakteristischen harmonisch-monotonem Takt gesungen wird. Fast immer handeln die vorgetragenen Lieder vom Alltag, von der Liebe, der Freundschaft und dem schweren Arbeitsalltag im Alentejo.
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Cante Alentejano“ vom 27. November 2014)

Weltdokumentenerbe (port.: Programa Memória do Mundo)

-   Brief über die Entdeckung Brasilien
Der Brief über die Entdeckung Brasiliens am 22. April 1500 (port.: Carta do Achamento do Brasil) ist ein dokumentarischer Bericht des Seefahrers Pedro Álvares Cabral an den portugiesischen König Manuel I. In diesem mit dem 01. Mai 1500 datierten Brief beschrieb der Chronikschreiber Pêro Vaz de Caminha an den König in Portugal die ersten Eindrücke der Portugiesen in der neu entdeckten Welt, ihre erste Begegnung mit den Ureinwohnern und ihre ersten Einblicke in die neue, unbekannte Flora und Fauna Südamerikas. Der vierzehn Seiten doppeltbeschriftete lange Brief, der eigentlich eine Art Chronik ist, befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo und gilt als das erste literarische Dokument Brasiliens. Die UNESCO nahm den Brief über die Entdeckung Brasiliens im Jahre 2005 in die Weltdokumentenerbeliste auf
(bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogbeitrag „Pero Vaz de Caminha“ vom 20. Februar 2012)

-   Vertrag von Tordesilhas
Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas), der am 07. Juni 1494 nach langwierigen Verhandlungen zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, gilt als die dokumentierte Abschlussvereinbarung zwischen diesen beiden Königreichen, die damalige bekannte Welt untereinander aufzuteilen und die Hälfte des anderen zu respektieren. Der Vertrag von Tordesilhas gilt somit als der erste „Nichtangriffspakt“ zwischen Portugal und Spanien. Der Vertrag befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv der Torre do Tombo und ist seit 2007 ein Welterbedokument

-   Chronologische Manuskriptsammlung „Corpo Cronologico“
Der „Corpo Cronologico“ ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten und Manuskripten die zwischen 1756 und 1784 vom damaligen Leiter des Nationalarchivs Torre do Tombo, Manuel da Maia, zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst insgesamt 83.212 verschiedene Verträge, Manuskripten und Dokumente des portugiesischen Staates die zwischen den Jahren 1161 und 1696 verfasst wurden.
Der Tatsache, das Manuel da Maia seinerseits die Schriftstücke alle chronologisch archivierte, versankt die Sammlung ihren Namen „Corpo Cronologico“. Seit 2007 ist die Sammlung, die sich weiterhin im Nationalarchiv Torre do Tombo befindet, Welterbedokument der UNESCO

-   Bericht der Flugpioniere Gago Coutinho und Sacadura Cabral
Im Jahre 1922 unternahmen die portugiesischen Flugpioniere Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Cabral den ersten Südatlantikflug der Geschichte. Am 30.März 1922 flogen beide Piloten mit ihrem Wasserdoppeldeckerflugzeug „Santa Cruz“ von Lissabon nach Rio de Janeiro in Brasilien. Über ihre Flugreise schrieben sie einen detaillierten Bericht (port.: Relatório dos aeronautas Gago Coutinho e Sacadura Cabral), der dann im Jahre 2010 als Welterbedokument von der UNESCO in ihre Liste aufgenommen wurden. Der Bericht der beiden Flugpioniere Coutinho und Cabral befinden sich heute im Archiv der Marinebibliothek in Lissabon

-   Reisetagebuch der ersten Indienfahrt des Vasco da Gama
Als der Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama am 20. Mai 1498 seinen Fuß auf dem indischen Subkontinent setzte, hatte er als erster Mensch den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Reise hatte am 08. Juli 1497 in der portugiesischen Hauptstadt begonnen und erst zwei Jahre später, am 10. Juli 1499, segelte er wieder in Lissabon ein. Über seine Entdeckungsreise nach Indien verfasste er ein Reisetagebuch (port.: Diário da primeira viagem de Vasco da Gama), welches er später König Manuel I vorlegte. Dieses Reisetagebuch seiner ersten Indienfahrt ist 2013 von der UNESCO auf die Welterbedokumentenliste gesetzt worden. Es wird heute im Archiv der Stadtbibliothek von Porto aufbewahrt

Und hier nun eine Liste der von der portugiesischen Regierung nominierten Bauwerke und Naturschauplätze für eine zukünftige Bewerbung als Weltkultur- und Weltnaturerbe bei der UNESCO:

- die vulkanische Schachthöhle Angar do Carvão auf der Azoreninsel Terceira
- das historische Stadtzentrum von Santarém
- die Schwefelhöhle Furna do Enxofre auf der Azoreninsel Graciosa
- die von mittelalterlichen Mauern umgebene Kleinstadt Marvão und der kleine Berg auf dem es liegt
- die kleine unbewohnte Inselgruppe Ilhas Selvagens (dt.: Wilde Inseln) im Atlantik, vor der Küste Afrikas
- der Naturpark Südöstliche Alentejoküste im Alentejo
- die Lissabonner Unterstadt Baixa (port.: Baixa Pombalina)
- die Schloss- und Klosteranlage des Nationalpalastes von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra)
- die Ortschaft Buçaco und das Waldgebiet in dem es liegt
- der Naturpark der Serra Arrábida
- die Dinosaurierfußspuren im Naturpark von Ourém-Torres Novas (port.: Parque Natural das Pegadas de Dinossáurio de Ourém-Torres Novas)

Samstag, 6. Dezember 2014

Zum Zweiten Advent: Broas de Batata Doce, die portugiesischen Süßkartoffelnocken


Letzte Woche habe ich hier im Blog zum Ersten Advent ein Rezept für Filhóses – typische portugiesische Kürbiskrapfen – vorgestellt.
Das Rezept hatte ich von meiner Mutter Luisa, die uns jetzt in der Vorweihnachtszeit, oftmals mit der einen oder anderen traditionellen Weihnachtsleckerei überrascht.
Hier nun heute, zum Zweiten Advent, ein weiteres Weihnachtsrezept meiner Mutter.

Genauso wie das vorherige Rezept, so ist auch das heutige Backrezept leicht nachzubacken.
Da meine Mutter, wie ich letzte Woche schon schrieb, nicht nach Rezept backt oder kocht, sondern immer die Zutaten nach Augenmaß und Gefühl verwendet, war es für mich vor allem schwierig hier die genauen Mengenangaben für die Rezepte zu errechnen und dann aufzuschreiben.
Dennoch ist es mir nach einigem Abwiegen, Abmessen und viel Geduld – Geduld ist wirklich die Zutat die meiner Mutter in der Küche am meisten fehlt – gelungen einige Weihnachtsrezepte zusammenzutragen.

Wie letzte Woche, so gilt auch für diese Woche:
für das Fehlschlagen beim ausführen dieser Rezepte übernehme ich keine Verantwortung, wogegen ich bei gutem Gelingen dergleichen natürlich gerne alles auf meine Kappe nehme ;-)
Hier nun ein Rezept zum zweiten Advent:

Broas de Batata Doce, portugiesische Süßkartoffelnocken

Zutaten:

1 kg Süßkartoffeln (port.: batata doce)
Wasser zum Kochen der Süßkartoffel
1 Prise Salz
2 kg Zucker
300 g geriebene Mandeln
2 geriebene Orangenschalen
125 g Kokosraspeln
450 g Maismehl
200 g Weizenmehl
6 Eier
2 Eigelb zum streichen

1. die Süßkartoffeln schälen und mit einer Prise Salz in Wasser weich kochen
2. dann die Süßkartoffeln stampfen und mit dem Zucker unter ständigem Rühren in einem Topf zum kochen bringen
3. wenn die Masse kocht, die geriebenen Mandeln, die geriebenen Orangenschalen, die Kokosraspeln und 6 Eier unter ständigem Rühren dazugeben
4. den Topf vom Herd nehmen und nun sowohl das Maismehl als auch das Weizenmehl dazugeben und rühren, rühren, rühren
5. nun die Masse erkalten lassen und dann mit einem Esslöffel, den man vorher in heißes Wasser getaucht hat, Nocken abstechen. Vor dem abstechen eines jeden Nocken den Löffel bitte in heißes Wasser tauchen, damit die Teigmasse nicht am Löffel kleben bleibt
6. die Nocken mit genügend Abstand auf ein mit Mehl bestreutes Backblech setzen
7. wenn das Backblech mit Teigrohlingen voll ist, dann die Nocken etwas leicht andrücken und mit dem Eigelb bestreichen
8. nun die Nocken bei 180°C bis 200°C im Offen ca. 20 bis 30 min. goldbraun backen   

Nach dem backen die Süßkartoffelnocken erkalten und schmecken lassen.

Allen meinen Freunden und Lesern meines Blogs einen schönen und besinnlichen Zweiten Advent!

Montag, 1. Dezember 2014

Glückwunsch zum 374. Unabhängigkeitstag Portugal


Am heutigen Montag, den 01. Dezember, feiern wir hier in Portugal zum 374. Mal den „Dia da Restauração da Independência“ (dt.: „Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit“). Dieses Datum erinnert an den Tag, an dem Portugal im Jahre 1640 die Selbstständigkeit von Spanien wiedererlangte, dem Land, mit dem Portugal seit 1580 in einer weniger glücklichen Personalunion verbunden war.

Damals beendeten ein paar mutige Männer mit einem revolutionären Aufstand gegen die spanische Statthalterin Margarete von Savoyen, der Herzogin von Mantua und Montferrato, die 60 Jahre andauernde Besatzungszeit der Spanier in Portugal.
Die Unabhängigkeit Portugals wurde damals am 01. Dezember 1640 besiegelt, der Unabhängigkeitskampf sollte aber noch gut 24 Jahre andauern.

Mitte des 19. Jahrhunderts machte man den 01. Dezember zum ersten politischen Feiertag des Landes und dies blieb er dann auch bis zum Jahre 2012, als er im Rahmen der drastischen Krisenmaßnahmen von der aktuellen Regierung Pedro Passos Coelho abgeschafft wurde.
Es ist grotesk, aber weder die Monarchie, noch die Republik oder eine 50 Jahre andauernde Diktatur haben den „Dia da Restauração“ etwas anhaben können; nein, erst das heutige demokratische Portugal hat es geschafft diesen Feiertag vom Festtagskalender zu streichen.

Aber, auch wenn der „Dia da Restauração“ seit zwei Jahren kein offizieller Feiertag mehr hierzulande ist, für die meisten Portugiesen wird er immer der markante Tag sein, an dem sie die Souveränität von Spanien erlangten.
Vielleicht muss ein solcher Tag als Feiertag erst abgeschafft werden, damit man ihn als solchen besser wertschätzen kann.

Glückwunsch zum 374. Unabhängigkeitstag Portugal!

Samstag, 29. November 2014

Zum Ersten Advent: Filhóses, frittierte Kürbiskrapfen


Meine Mutter Luisa ist wahrlich keine Fünf-Sterneköchin in der Küche und auch ich gehöre eher zur Fraktion der guten Esser anstatt zu der der guten Köche.
Nichtsdestotrotz wird bei uns sehr gerne gekocht und gegessen.
So kommt bei uns, vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit, immer die eine oder andere köstliche und traditionelle portugiesische Weihnachtsleckerei auf den Tisch.

Auf Anfragen und Bitten vieler meiner Freunde, die die Koch- und Backkünste meiner Mutter schon genießen durften, werde ich heute, und eventuell auch in den nächsten Adventswochenenden, das eine oder andere traditionelle Weihnachtsrezept meiner Mutter hier im Blog preisgeben.

Keines der Rezepte die ich hier posten werde ist – obwohl jedes von ihnen sehr wohl als Familienrezept gelten kann – ein Geheimrezept, d.h.: jeder kann diese Weihnachtsrezepte leicht nachkochen oder nachbacken.
Das größte Problem das ich beim niederschreiben der jeweiligen Rezepte hatte war letztendlich der, immer die genaue Mengenangabe der einzelnen Zutaten zu errechnen.
Da meine Mutter die Gabe hat ohne Kochbuch zu kochen und ohne Backbuch zu backen – sie wiegt und misst die Zutaten nie ab, sondern verwendet diese immer nach Augenmaß und Gefühl – war es zunächst vor allem schwierig hier die genauen Mengenangaben für die Rezepte zu finden.

Nach einigem Abwiegen und Abmessen und viel Geduld – Geduld ist wirklich die Zutat die meiner Mutter in der Küche am meisten fehlt – habe ich hier nun einige Weihnachtsrezepte zusammengetragen.
Für das Fehlschlagen beim ausführen dieser Rezepte übernehme ich keine Verantwortung, wogegen ich bei gutem Gelingen natürlich gerne alles auf meine Kappe nehme ;-)
Hier also ein Rezept zum Ersten Advent:

Filhóses, frittierte Kürbiskrapfen

Zutaten:

1 kg Kürbisfleisch
1 Prise Salz
Etwas Wasser zum Kochen des Kürbisfleisches
2 Orangen
10 g frische Hefe
4 Esslöffel Zucker
3 Eier
½ bis 1 halbes Glas Milch
1 Gläschen Schnaps oder 1 Glas Portwein
400 g Mehl
Olivenöl oder Fett zum frittieren
Zimt und Zucker zum bestreuen

1. Kürbisfleisch in kleine Stücke schneiden und mit einer Prise Salz in etwas Wasser weich kochen
2. nach dem kochen, das Kürbisfleisch aus dem Wasser nehmen und erkalten lassen
3. nun das erkaltete Kürbisfleisch mit der Hilfe eines Mixstabes pürieren
4. die frische Hefe im Saft der zwei Orangen auflösen und dann mit dem Zucker dem pürierten Kürbis hinzugeben
5. sodann die ganzen Eier, die geraspelte Schale der zwei Orangen, die Milch und zum Schluss den Schnaps oder den Portwein hinzufügen
6. dann das Mehl unter die entstandene Masse heben und alles zu einem eher dickflüssigen Teig zusammenmischen
7. nun den Teig bei normaler Zimmertemperatur zugedeckt gut eine Stunde gehen lassen
8. das Olivenöl oder Fett zum frittieren auf gut 180°C erhitzen und dann den Teig mit einer kleinen Kelle oder einem großen Esslöffel portioniert im heißen Öl ausbacken
9. wenn die eine Seite goldbraun gebacken ist, dann bitte die Filhós einmal wenden und nun von der anderen Seite goldbraun backen.
10. dann die Filhóses auf Küchenpapier abtropfen lassen und solange sie noch warm sind, in einem Zimt-Zucker-Gemisch wälzen

Die Filhóses können lauwarm gegessen werden, schmecken aber erkaltet genauso lecker.

Ich wünsche allen einen schönen und leckeren Ersten Advent!

Donnerstag, 27. November 2014

Weltkulturerbe Cante Alentejano


Nach einer zweijährigen Bewerbungszeit ist heute morgen in Paris der „Cante Alentejano“ (dt.: Alentejo-Gesang) in die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen worden.
Insgesamt 58 Volksbräuche, Traditionen und Kulturpraktiken aus aller Welt bewarben sich wieder einmal bei der UNESCO um eine Aufnahme in die berühmte Liste und glücklicherweise wurde der regionale Musikstil des Alentejo heute in Paris vom UNESCO-Komitee einstimmig anerkannt.

Als Portugiese, und vor allem als großer Freund des Alentejo, habe ich mich über die heutige Wahl der UNESCO sehr gefreut!
Nach dem Fado im Jahre 2011 ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische Musikform die es auf die begehrte Liste des Weltkulturerbes geschafft hat.

Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang der immer von Amateuren ohne instrumentale Begleitung und fast immer in Tracht vorgetragen wird, erzählt in kleinen poetischen Versen über die Alltagsereignisse, die Liebe, die Freundschaft und den schweren Arbeitsalltag im ländlichen Alentejo.
Dieser Musikstil unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristisch harmonisch-monotonen Takt.
Ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieser sehr typische Chorgesang, durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse, auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen widerspiegelt.

Über die Herkunft des Cante Alentejano weiß man heute leider wenig.
Man vermutet das dieser jahrhundertealte Musikstil entweder eines der kulturellen Erben der maurischen Herrschaft in Portugal ist oder aber das gregorianische Mönche, die im Alentejo im Mittelalter mehrere Gesangsschulen gründeten, die Vorfahren des Cante Alentejano sind.

Heute ist der Cante Alentejano, trotz vieler Versuche der Modernisierung und Kommerzialisierung, vor allem als die traditionelle Musik des Volkes der Alentejanos bekannt und wird von diesem mit Stolz vorgetragen und gesungen.
Aber immer mehr Nicht-Alentejanos – Portugiesen und Ausländer – verlieben sich in den Klang dieses sehr originellen Musikstils und fangen an diese „Volksmusik“ zu schätzen und anzuerkennen – so wie heute auch die Damen und Herren das Komitees der UNESCO.

Wer mal eine kurze Klangimpression des Cante Alentejano hören will, hier eines von vielen You-Tube-Links:



Mittwoch, 26. November 2014

Lissabon ist für Archäologen eine Last


In einem portugiesischen Fernsehkanal sah ich dieser Tage eine Reportage in dem sich englischsprachige Touristen – so weit ich verstanden habe handelte es sich bei diesen um Archäologiestudenten – begeistert über Lissabon als Reiseziel äußerten, sich aber darüber enttäuscht zeigten, dass die portugiesische Hauptstadt archäologisch so wenig zu bieten hatte.
Nun, um ehrlich zu sein, materielle Hinterlassenschaften der kulturellen Entwicklung der Menschen des „vorportugiesischen“ Altertums sind in Lissabon tatsächlich eher Mangelware.

Fakt ist, das seit über viertausend Jahren Menschen an der Tejomündung siedeln.
Man weiß heute nicht mehr mit Sicherheit wer als erster den kleinen Ort an der lieblichen Bucht „Olisippo“ nannte. Tatsache ist aber, dass die Geschichte der Stadt weit zurück in eine Zeit reicht, als die heutige Unterstadt, die Baixa, noch vom Wasser einer Tejobucht überflutet war. Wo heute der als Rossio bekannte Platz liegt, vereinigten sich in grauer Vorzeit zwei Seitenarme des Tejo. Der Verlauf der beiden Flussbetten ist heute noch deutlich zu erkennen: ihm folgen in einem auslaufenden V die blaue und die grüne U-Bahnlinien der Lissabonner Metro.

Die Phönizier, die Karthager und die Griechen benutzten Lissabon einstmals als idealen Naturhafen, als Ankerplatz und Handelsstation auf ihrem Weg vom Mittelmeer in den Norden Europas. Sie fühlten sich hier höchstwahrscheinlich sehr wohl und auch die Kelten und die Iberer scheinen sich hier geborgen gefühlt zu haben.

Im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit dem nordafrikanischen Reich Karthago machten sich die Römer 218 v. Chr. an die Eroberung der Iberischen Halbinsel und standen bereits 13 Jahre später, 205 v. Chr., auch vor „Olisippo“, das sie später, wohl um Julius Cesar zu schmeicheln, in „Felicitas Julia“ umtauften.
Die Römer blieben dann über mehrere Jahrhunderte und ganz sicher frönten sie ihrer Baulust. So vermutet man heute unter den Grundmauern der Stadtburg Castelo de São Jorge Reste eines römischen Kastells, aber wie gesagt, man vermutet es nur.

Mit Sicherheit gefunden wurden, aber das auch nur per Zufall nach dem großen Erdbeben von 1755, z.B. in der Travessa do Almada, im heutigen Stadtteil Madalena, die Reste einer Therme und in der Rua da Prata, im Stadtteil Baixa, die Reste römischer Galerien. Von einem römischen Friedhof, der heute unter der Praça da Figueira liegt, hat man auch Kenntnisse, ebenso von einem Theater unweit der Rua de São Mamede.
Man kann sich das römische Lissabon mit Tempeln und Foren, Theater und Thermen vorstellen, vielleicht auch mit Parks über dem Wasser und mit den eitlen Standbildern des alten Rom.
Alleine beweisen lassen sich diese ganzen Bauwerke heute nur sehr schwer.

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde auch Lissabon von den Wirren der germanischen Völkerwanderung erfasst. Beim Ringen um die Vorherrschaft behielten schließlich die Westgoten die Oberhand.
Sie nannten die Stadt fortan „Ulixippona“ und bauten aus den Römersteinen die erste Stadtmauer. Die Mauer war wuchtig, plump und stabil, scheinbar war sie uneinnehmbar. Doch als sie den arabischen Mauren unter dem Feldherren Tariq Ibn Ziyad widerstehen sollte, widerstand sie nicht.

Die Mauren, die neuen Herren der Stadt, nannten „Ulixippona“ ab 711 n. Chr. „Al-Ushbuna“ (dt.: liebliche Bucht). Auf dem Alkazar, dem Vorläufer der Stadtburg Castelo de São Jorge, wehte für vierhundert Jahre die Fahne des Propheten. Die maurisch-islamische Kultur in „Al-Ushbuna“ strahlte hell und weit.
Das maurische Lissabon war, wie andere arabische Städte dieser Zeit auf der Iberischen Halbinsel, ein Kulturzentrum, mit dem sich die christlichen Niederlassungen nicht im entferntesten messen konnten.
Aber von all dieser arabischen Pracht, die immerhin 4 Jahrhunderte andauerte, blieb letztendlich weniger übrig als von den Römern.

Die eigentliche portugiesische Geschichte Lissabons begann erst im 12. Jahrhundert, als König Afonso Henriques aus dem Hause Burgund (port.: Borgonha) die Stadt mit Hilfe eines Kreuzfahrerheeres eroberte. „Al-Ushbuna“ wurde zu Lisboa, die Moscheen wurden zu Kirchen und man tauschte Allah gegen den christlichen Gott.
Kein Gebäude aus maurischer Zeit blieb original erhalten.
Nur die schmalen Treppenwege und die steinernen Bögen der Alfama verraten heute noch das vergangene arabische Erbe.

Es fehlen heute die Möglichkeiten und es fehlt aktuell vor allem das Geld um die Vergangenheit Lissabons vollends zu verifizieren.
So bleibt die Frühgeschichte Lissabons weiterhin im Dunkeln und ist oftmals nichts weiter als eine vage Vermutung.
Wahrlich, Lissabon ist für alle Archäologen eine Last!

Samstag, 22. November 2014

Das Museum im Haus der grünen Fenster



In einem imposanten Stadtpalast, genau gegenüber den Docks von Alcântara im Stadtteil Santos-o-Velho, befindet sich heute eines der schönsten und bedeutendsten Museen Lissabons, das Nationalmuseum für Alte Kunst (port.: Museu Nacional de Arte Antiga).
„Casa das janelas verdes“ (dt.: „Haus der grünen Fenster“) hat der Volksmund das Haus einstmals wegen seiner grasgrünen gestrichenen Fensterläden getauft. Auch heute nennen es viele so und die Straße an dem das Museum liegt heißt ebenso, Rua das Janelas Verdes.

Der Bau des Palastes wurde einstmals Ende des 17. Jahrhundert von dem Adeligen Francisco de Tavora, dem ersten Grafen von Alvor (port.: Conde de Alvor), in Auftrag gegeben.
Als die Familie Tavora in Ungnade fiel und fast alle Mitglieder dieses Adelsgeschlecht auf Befehl König Josés und seines Prämierministers Sebastião José de Carvalho e Melo, dem Marques de Pombal, verhaftet, enteignet und hingerichtet wurden, kam der stattliche Palast in den Besitz von Paulo António de Carvalho e Mendonça, dem Bruder des Prämierministers.
Als Paulo António de Carvalho e Mendonça im Jahre 1770 starb, wurde sein Bruder Hausherr.
Ein großes Erdbeben legte Lissabon am 01. November 1755 in Schutt und Asche und zerstörte die meisten Gebäude der Stadt. Der Marques de Pombal befand sich an diesem Tag im Haus. Er hatte Glück, denn die Mauern seines Palastes waren fest und hielten Stand.

Als im Jahre 1782 Prämierminister Pombal starb vermachte er den Palast der Krone.
Diese konnte zuerst mit der Immobilie nichts anfangen, aber nachdem ab 1834 alle kirchlichen Besitztümer und Vermögen in Portugal eingezogen wurden, benutzte man das Haus als Depot für die zahlreichen Kunstwerke der vielen Klöster und Kirchen.

Im Jahre 1881 fand im Londoner Victoria and Albert Museum, auf Wunsch von Queen Victoria, die Ausstellung „Portuguese ans Spanish decorative arts“ (dt.: Portugiesische und Spanische dekorative Kunstausstellung / port.: Exposição retrospectiva de arte ornamental Portuguesa e Espanhola) statt, bei der besonders schöne Kunstwerke aus dem Fundus der „Casa das janelas verdes“ gezeigt wurden.
Im Jahr darauf, 1882, wurden diese Kunstwerke auch in Lissabon gezeigt – Ausstellungsort war das „Haus der grünen Fenster“.
Nachdem die Ausstellung sehr erfolgreich war, entschloss sich die Krone die Exponate fortan einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
So wurde am 11. Mai 1884 das „Nationalmuseum der Schönen Künste und der Archäologie“ (port.: Museu Nacional de Bellas Artes e Arquelogia), der Vorläufer des heutigen Museums, von König Luis I im Palast eröffnet.
1893 wurde die archäologische Abteilung des Museums ausgegliedert und das Museum hieß fortan „Museu Nacional de Arte Antiga“ (dt.: Nationalmuseum für alte Kunst).

Als die Republik 1910 ausgerufen wurde, beschlossen die neuen Machthaber das Museum zu reformieren, d.h. es zu vergrößern.
Man war zu dem Entschluss gekommen, dass das Museum mit den Jahren nicht mehr genug Ausstellungsfläche hatte.
Durch viele Schenkungen und den nun beschlagnahmten Kunstobjekten des Königshauses war die Sammlung mit den Jahren zu einer stattlichen Größe angewachsen.
Dennoch dauerte es noch gut 40 Jahre, bis mit dem Bau eines neuen Museumsflügels im Jahre 1942 begonnen wurde. 1947 wurde dieser Flügel feierlich eröffnet.

Über die Jahrzehnte kamen dann immer mehr Schenkungen hinzu, und so ist das Museu Nacional de Arte Antiga heute einer der bedeutendsten und besuchenswertesten seiner Art, nicht nur in Portugal, sondern auf der gesamten Iberischen Halbinsel.
Aus zwei Gründen ist ein Besuch des Kunstmuseums anzuraten:
Erstens, man begegnet hier Werken aus portugiesischen Malerschulen, die man sonst kaum in dieser Vollendung sehen kann,
und zweitens, viele dieser Bilder, die von Malern wie z.B. Nuno Gonçalves, Gregório Lopes, Frei Carlos oder Cristovão de Morais stammen – ein jeder von ihnen ein großartiger Portraitist – sind sehr wertvolle historische Dokumentationen.

Nuno Gonçalves, der bedeutendste portugiesische Maler des 15. Jahrhunderts, ist im Museum mit einem grandiosen sechsteiligen Flügelaltar zu ehren des Stadtpatrons Lissabons, dem Heiligen Vinzenz (port.: Painéis de São Vicente), vertreten.
Noch heute streitet man sich um das Who´s Who der 60 vom Maler abgebildeten Figuren des Altars, in denen man aber mit Sicherheit König Afonso V und seine Frau Isabel, Heinrich den Seefahrer (port.: Henrique o Navegador), sowie Adlige, Ritter, Mönche, Botschafter, einen jüdischen Bankier, den Chronisten Fernão Lopes und Nuno Gonçalves selbst erkennen kann.
Der Flügelaltar wurde erst 1910 bei Umbauarbeiten am Kloster São Vicente de Fora wiederentdeckt und dann mit viel Sorgfalt restauriert. Er ist das wichtigste und wertvollste Bildwerk des Museums und ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieses sechsflüglige Gemälde so etwas wie „Portugals Mona Lisa“ ist.

Auch Gregório Lopes, der Hofmaler der Könige Manuel I und João III, malte nach dem Leben und portraitierte viele Persönlichkeiten am Hof – von ihm ist im Museum ein authentisches Bild Vasco da Gamas zu sehen.

Cristovão de Morais, auch er Maler am portugiesischen Hof, verewigte ebenfalls Persönlichkeiten seiner Zeit auf Leinwand.
Sein berühmtestes Bild trägt den Namen „O Desejado“ (dt.: der sehnsüchtig erwartete) und zeigt den jungen König Sebastião.
Sebastião wurde mit nur drei Jahren auf den portugiesischen Thron gesetzt, nachdem sein Vater Infante João zwei Monate vor seiner Geburt gestorben war. Mit 14 übernahm er die Regentschaft und bereits mit 24 Jahren fiel er in einem unglücklichen Kreuzzug gegen die Mauren im marokkanischen Ksar-el-Kebir (port.: Alcácer-Quibir).
Nach der Schlacht von Ksar-el-Kebir wollten viele nicht an den Tod des Königs glauben, und so wurde er „sehnsüchtig erwartet“ – daher der Beiname „O Desejado“.
Aber Sebastião, ein phantastischer Träumer und finsterer Glaubenseiferer, tauchte nie wieder auf!

Da Sebastião auf dem Schlachtfeld ohne eigne Nachkommen starb, wurde sein nächster Verwandter, sein Onkel König Filipe II von Spanien, zwei Jahre nach seinem Tod zum König von Portugal proklamiert.
Über Filipe II, dem spanische Habsburger, glaubt man sei ein besonders wichtiges Bild nach Lissabon gelangt, nämlich „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ (port.: „A tentação de Santo Antão“), von Hieronymus Bosch. Genau weiß man es nicht, aber was man weiß, ist das der spanische König mit Passion die unbequemen, gespenstigen, phantastischen Bilder des Niederländers gesammelt hat.

Verschiedene Werke von Albrecht Dürer, Hans Holbein dem Älteren, Lucas Cranach oder Francisco de Zubarán begründen ebenfalls den renommierten Ruf des Museums.
Im selben Stockwerk wie die Gemäldegalerie ist auch die prachtvolle Monstranz von Belém (port.: Custódia de Belém) untergebracht, die Gil Vicente 1506 aus dem ersten Gold formte, welches der Seefahrer Vasco da Gama aus seiner zweiten Indienreise mitbrachte.

Zur umfangreichen Sammlung des Museums gehören über 40.000 Exponate, unter anderem, antike Möbel, wertvolles Porzellan, wunderschöne Skulpturen, erlesene Wandteppiche und zahlreiche Kunstobjekte aus Brasilien, Portugiesisch-Indien, China, Japan und Afrika.

Ich kann jedem nur einen Besuch in diesem eindrucksvollen Museum, voller einzigartiger historischer Kunstobjekte, empfehlen!