Samstag, 22. November 2014

Das Museum im Haus der grünen Fenster



In einem imposanten Stadtpalast, genau gegenüber den Docks von Alcântara im Stadtteil Santos-o-Velho, befindet sich heute eines der schönsten und bedeutendsten Museen Lissabons, das Nationalmuseum für Alte Kunst (port.: Museu Nacional de Arte Antiga).
„Casa das janelas verdes“ (dt.: „Haus der grünen Fenster“) hat der Volksmund das Haus einstmals wegen seiner grasgrünen gestrichenen Fensterläden getauft. Auch heute nennen es viele so und die Straße an dem das Museum liegt heißt ebenso, Rua das Janelas Verdes.

Der Bau des Palastes wurde einstmals Ende des 17. Jahrhundert von dem Adeligen Francisco de Tavora, dem ersten Grafen von Alvor (port.: Conde de Alvor), in Auftrag gegeben.
Als die Familie Tavora in Ungnade fiel und fast alle Mitglieder dieses Adelsgeschlecht auf Befehl König Josés und seines Prämierministers Sebastião José de Carvalho e Melo, dem Marques de Pombal, verhaftet, enteignet und hingerichtet wurden, kam der stattliche Palast in den Besitz von Paulo António de Carvalho e Mendonça, dem Bruder des Prämierministers.
Als Paulo António de Carvalho e Mendonça im Jahre 1770 starb, wurde sein Bruder Hausherr.
Ein großes Erdbeben legte Lissabon am 01. November 1755 in Schutt und Asche und zerstörte die meisten Gebäude der Stadt. Der Marques de Pombal befand sich an diesem Tag im Haus. Er hatte Glück, denn die Mauern seines Palastes waren fest und hielten Stand.

Als im Jahre 1782 Prämierminister Pombal starb vermachte er den Palast der Krone.
Diese konnte zuerst mit der Immobilie nichts anfangen, aber nachdem ab 1834 alle kirchlichen Besitztümer und Vermögen in Portugal eingezogen wurden, benutzte man das Haus als Depot für die zahlreichen Kunstwerke der vielen Klöster und Kirchen.

Im Jahre 1881 fand im Londoner Victoria and Albert Museum, auf Wunsch von Queen Victoria, die Ausstellung „Portuguese ans Spanish decorative arts“ (dt.: Portugiesische und Spanische dekorative Kunstausstellung / port.: Exposição retrospectiva de arte ornamental Portuguesa e Espanhola) statt, bei der besonders schöne Kunstwerke aus dem Fundus der „Casa das janelas verdes“ gezeigt wurden.
Im Jahr darauf, 1882, wurden diese Kunstwerke auch in Lissabon gezeigt – Ausstellungsort war das „Haus der grünen Fenster“.
Nachdem die Ausstellung sehr erfolgreich war, entschloss sich die Krone die Exponate fortan einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
So wurde am 11. Mai 1884 das „Nationalmuseum der Schönen Künste und der Archäologie“ (port.: Museu Nacional de Bellas Artes e Arquelogia), der Vorläufer des heutigen Museums, von König Luis I im Palast eröffnet.
1893 wurde die archäologische Abteilung des Museums ausgegliedert und das Museum hieß fortan „Museu Nacional de Arte Antiga“ (dt.: Nationalmuseum für alte Kunst).

Als die Republik 1910 ausgerufen wurde, beschlossen die neuen Machthaber das Museum zu reformieren, d.h. es zu vergrößern.
Man war zu dem Entschluss gekommen, dass das Museum mit den Jahren nicht mehr genug Ausstellungsfläche hatte.
Durch viele Schenkungen und den nun beschlagnahmten Kunstobjekten des Königshauses war die Sammlung mit den Jahren zu einer stattlichen Größe angewachsen.
Dennoch dauerte es noch gut 40 Jahre, bis mit dem Bau eines neuen Museumsflügels im Jahre 1942 begonnen wurde. 1947 wurde dieser Flügel feierlich eröffnet.

Über die Jahrzehnte kamen dann immer mehr Schenkungen hinzu, und so ist das Museu Nacional de Arte Antiga heute einer der bedeutendsten und besuchenswertesten seiner Art, nicht nur in Portugal, sondern auf der gesamten Iberischen Halbinsel.
Aus zwei Gründen ist ein Besuch des Kunstmuseums anzuraten:
Erstens, man begegnet hier Werken aus portugiesischen Malerschulen, die man sonst kaum in dieser Vollendung sehen kann,
und zweitens, viele dieser Bilder, die von Malern wie z.B. Nuno Gonçalves, Gregório Lopes, Frei Carlos oder Cristovão de Morais stammen – ein jeder von ihnen ein großartiger Portraitist – sind sehr wertvolle historische Dokumentationen.

Nuno Gonçalves, der bedeutendste portugiesische Maler des 15. Jahrhunderts, ist im Museum mit einem grandiosen sechsteiligen Flügelaltar zu ehren des Stadtpatrons Lissabons, dem Heiligen Vinzenz (port.: Painéis de São Vicente), vertreten.
Noch heute streitet man sich um das Who´s Who der 60 vom Maler abgebildeten Figuren des Altars, in denen man aber mit Sicherheit König Afonso V und seine Frau Isabel, Heinrich den Seefahrer (port.: Henrique o Navegador), sowie Adlige, Ritter, Mönche, Botschafter, einen jüdischen Bankier, den Chronisten Fernão Lopes und Nuno Gonçalves selbst erkennen kann.
Der Flügelaltar wurde erst 1910 bei Umbauarbeiten am Kloster São Vicente de Fora wiederentdeckt und dann mit viel Sorgfalt restauriert. Er ist das wichtigste und wertvollste Bildwerk des Museums und ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieses sechsflüglige Gemälde so etwas wie „Portugals Mona Lisa“ ist.

Auch Gregório Lopes, der Hofmaler der Könige Manuel I und João III, malte nach dem Leben und portraitierte viele Persönlichkeiten am Hof – von ihm ist im Museum ein authentisches Bild Vasco da Gamas zu sehen.

Cristovão de Morais, auch er Maler am portugiesischen Hof, verewigte ebenfalls Persönlichkeiten seiner Zeit auf Leinwand.
Sein berühmtestes Bild trägt den Namen „O Desejado“ (dt.: der sehnsüchtig erwartete) und zeigt den jungen König Sebastião.
Sebastião wurde mit nur drei Jahren auf den portugiesischen Thron gesetzt, nachdem sein Vater Infante João zwei Monate vor seiner Geburt gestorben war. Mit 14 übernahm er die Regentschaft und bereits mit 24 Jahren fiel er in einem unglücklichen Kreuzzug gegen die Mauren im marokkanischen Ksar-el-Kebir (port.: Alcácer-Quibir).
Nach der Schlacht von Ksar-el-Kebir wollten viele nicht an den Tod des Königs glauben, und so wurde er „sehnsüchtig erwartet“ – daher der Beiname „O Desejado“.
Aber Sebastião, ein phantastischer Träumer und finsterer Glaubenseiferer, tauchte nie wieder auf!

Da Sebastião auf dem Schlachtfeld ohne eigne Nachkommen starb, wurde sein nächster Verwandter, sein Onkel König Filipe II von Spanien, zwei Jahre nach seinem Tod zum König von Portugal proklamiert.
Über Filipe II, dem spanische Habsburger, glaubt man sei ein besonders wichtiges Bild nach Lissabon gelangt, nämlich „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ (port.: „A tentação de Santo Antão“), von Hieronymus Bosch. Genau weiß man es nicht, aber was man weiß, ist das der spanische König mit Passion die unbequemen, gespenstigen, phantastischen Bilder des Niederländers gesammelt hat.

Verschiedene Werke von Albrecht Dürer, Hans Holbein dem Älteren, Lucas Cranach oder Francisco de Zubarán begründen ebenfalls den renommierten Ruf des Museums.
Im selben Stockwerk wie die Gemäldegalerie ist auch die prachtvolle Monstranz von Belém (port.: Custódia de Belém) untergebracht, die Gil Vicente 1506 aus dem ersten Gold formte, welches der Seefahrer Vasco da Gama aus seiner zweiten Indienreise mitbrachte.

Zur umfangreichen Sammlung des Museums gehören über 40.000 Exponate, unter anderem, antike Möbel, wertvolles Porzellan, wunderschöne Skulpturen, erlesene Wandteppiche und zahlreiche Kunstobjekte aus Brasilien, Portugiesisch-Indien, China, Japan und Afrika.

Ich kann jedem nur einen Besuch in diesem eindrucksvollen Museum, voller einzigartiger historischer Kunstobjekte, empfehlen!

Donnerstag, 20. November 2014

Parabéns Carlos do Carmo


Gestern fand im großen Hollywood MGM Theatre, in Las Vegas, im US-Bundesstaat Nevada, die seit 2000 alljährlich stattfindende Latin-Grammy-Verleihung statt.
Die „Latin Academy of Recording Arts and Sciences“ vergab dieses Jahr einstimmig den Latin Grammy Award an den wohl besten Fado-Sänger Portugals, Carlos do Carmo.

Der 74jährige Sänger erhielt als erster portugiesischer Musiker den renommierten Preis für sein Lebenswerk.
Die Akademie würdigte ihn als einen der größten und vielfältigsten Fadosänger unserer Zeit und bestätigte ihm eine der symbolträchtigsten Stimmen Portugals zu haben.

Carlos do Carmo hat eine 51 Jahre lange Karriere hinter sich und ist Interpret solcher melancholischer Fadoklassiker wie „Lisboa, menina e moça“, „Canoas do Tejo“ oder „Bairro Alto“.
Glückwunsch an einen erstklassigen Künstler!

Parabéns Carlos do Carmo!

Dienstag, 18. November 2014

Damião de Góis – Humanist, Historiker und Diplomat


Am 16. Oktober Anno Domini 1572 verhängte das Inquisitionsgericht (port.: tribunal do Santo oficio) zu Lissabon die Strafe „carcere perpetuo“ gegen den Humanisten, Historiker und Diplomaten Damião de Góis. Wegen Ketzerei und Abwendung von der römisch-katholischen Kirche wurde er zuerst zum Tode verurteilt, dann aber begnadigt und seine Strafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt.
18 Monate dauerte damals das Gerichtsverfahren gegen den 70jährigen Damião de Góis.
Gleich nach seiner Verurteilung wurde er ins Kloster von Batalha (port.: Mosteiro da Batalha) gesteckt, durfte dann aber nach einiger Zeit seine Haftstrafe unter Hausarrest in seinem Geburtshaus in Alenquer verbringen.
Hier in Alenquer verstarb er dann drei Tage vor seinem 72. Geburtstag, am 30. Januar 1574.

Damião de Góis wurde als Sohn des adligen Gutsherren und Viehzüchters Rui Dias de Góis und seiner vierten Ehefrau, der Flämin Isabel de Limi, am 02. Februar 1502 in der portugiesischen Stadt Alenquer geboren.
Als Damião neun Jahre alt war verstarb sein Vater und er wurde von seiner Mutter an den Hof in Lissabon geschickt um dort König Manuel I als Pagen zu dienen.

Die Regentschaft von Manuel I, am Anfang des 16. Jahrhunderts, war wirtschaftlich und kulturell das „goldene Zeitalter“ der portugiesischen Entdeckungs- und Expansionspolitik.
Damião de Góis wuchs damals an einem Hof auf, an dem sich die verschiedensten Seefahrer, Kartografen, Schriftsteller, Theologen, Dichter, Maler, Mathematiker und Astronomen die Klinke in die Hand gaben.
Damião wollte zuerst Seefahrer werden, aber als König Manuel I im Jahre 1521 stirbt und sein Sohn João III den Thron übernimmt, sieht der es nicht ein, warum er einen so klugen Kopf wie Damião de Góis zur See fahren lassen soll, wenn der ihm von viel größerem Nutzen an Land sein kann.

Und so wurde Damião im Jahre 1523, im Alter von 21 Jahren, von König João III nach Antwerpen geschickt – dem führenden Handelsplatz und Finanzzentrum des damaligen Europas – um dort Sekretär des Königs am Handelskontor (port.: feitoria) zu werden. Er führte seine Arbeit in Antwerpen zur vollsten Zufriedenheit des Monarchen aus, aber mit der Zeit fand Damião die Schreibarbeit recht monoton und sie erfüllte ihn nicht.

Damião nahm jede Gelegenheit wahr sich weiterzubilden. Unter anderem lernte er in Antwerpen bei einem Privatlehrer latein und italienisch und bei einem Besuch im schweizerischen Fribourg nahm er Theologie- und Philosophieunterricht bei seinem späteren Freund Erasmus von Rotterdam (port.: Erasmo de Roterdão).
1531 beschloss König João III ihn auf eine diplomatische Reise durch den Norden Europas zu schicken. Und so kam es, das Damião de Góis in den folgenden zwei Jahren Polen, Litauen, Dänemark, Schweden, Endland, Frankreich und auch Deutschland als Vertreter des Königs von Portugal bereiste.
In Deutschland lernte er dann in Wittenberg Philipp Melanchton (port.: Filipe Melâncton)  und Martin Luther (port.. Martinho Lutero) kennen und freundete sich mit den beiden Reformatoren an.
Später wird Damião de Góis sich aber, als er von der Inquisition in die Mangel genommen wird, vor allem von Luther und seinen revolutionären Ideen distanzieren.

Im Jahre 1533 beendete Damião de Góis seine diplomatische Reise durch Nordeuropa und kehrte an den Hof in Lissabon zurück.
König João III ernannte ihn zum Schatzmeister der „Casa da India“ (dt.: Indienhaus), der damaligen zentralen Verwaltungsbehörde aller portugiesischer Überseegebiete und des Überseehandels. Da es aber nur bei der Ernennung dieses prestigeträchtigsten Postens blieb, beschloss Damião de Góis nach ein paar Monaten wieder Portugal zu verlassen – ohne die Erlaubnis des Königs!

Damião de Góis hatte eine Einladung seines Freundes Erasmus von Rotterdam erhalten und reiste über Basel nach Fribourg, wo er dann für fünf Monate im Hause des wohl berühmten Humanisten seiner Zeit blieb.
Anfang 1534 tritt Damião eine Reise nach Italien an, wo er sich an der damals sehr renommierten Universität von Padua einschrieb um zu studieren.
Hier in Padua blieb er die nächsten vier Jahre seines Lebens und während seiner Studienzeit lernte er viele berühmte Wissenschaftler und Theologen der damaligen Zeit kennen. Eine der Bekanntschaften die er in Padua verhängnisvoller Weise machte, war die des portugiesischen Jesuitenpaters Simão Rodrigues de Azavedo.
Azavedo wird elf Jahre später derjenige sein, der Damião de Góis bei der Inquisition anschwärzt, und mit dafür sorgt, dass er lebenslänglich erhält.

Als Damião de Góis sein Studium 1538 beendete, reiste er ins flämische Leuven (port.: Lovaina / dt.: Löwen) um an der dortigen Katholischen Universität weiter zu studieren. In Leuven lernte er kurz nach seiner Ankunft die Tochter des reichen Kaufmanns André van Hargen lernen, die Bürgerstochter Johanna van Hargen.
Ein Jahr später, 1539, heiraten Damião de Góis und Johanna van Hargen.
In Leuven publiziert Damião seine ersten großen Werke:
Im Jahre 1539 „Commentani rerum gestarum in India“, 1540 „Fides, religio moresque Aethiopum“ und 1544 „Damiani a Goes eqvitis Lvsitani aliqvot opvscvla“

Als französische Truppen im Jahre 1542 Flandern überfielen und die Stadt Leuven besetzten, nahmen sie Damião de Góis, einen glühenden Verteidiger der Stadt, fest.
Nur gegen ein sehr hohes Lösegeld und ein gut eingelegtes Wort beim französischen Monarchen Franz I (franz.: François I) konnte König João III damals die Freilassung von Damião de Góis nach monatelanger Haft erreichen.

1545 kehrte Damião de Góis mit seiner Ehefrau Johanna nach Portugal zurück. Dank der sehr guten Geschäftsbeziehungen und den persönlichen Kontakten die er außerhalb Portugals besaß und pflegte konnten er und seine Familie in Portugal ein wohlhabendes und, wie es scheint, recht glückliches Leben führen.
Dieses Glück wurde damals nur dadurch gestört, das Damião de Góis wegen seiner offenen Art und Weise ab und zu mit dem Klerus und dem Adel in Konflikt kam.
So denunzierte ihn z.B. Simão Rodrigues de Azavedo, ein Jesuitenpater den er noch aus Padua kannte, bei der Inquisition als Ketzer. Diese Verleumdungen hatten aber noch keine Konsequenzen für Damião de Góis, denn er genoss damals das uneingeschränkte Vertrauen des Königs.
Erst Jahre später sollte sich das Blatt gegen Damião de Góis wenden!

König João III mochte Damião de Góis sehr und hatte zu ihm größtes Vertrauen. So kam es, dass der König ihn im Jahre 1548 zum obersten Verwalter des Zentralarchivs des Königreiches, der Torre do Tombo, ernannte.
Im Jahre 1566 erhielt Damião de Góis vom Königshaus den Auftrag ein Buch über das Leben des verstorbenen Königs Manuel I und die Entdeckungen während seiner Regierungszeit zu schreiben.

Dieses Buch, mit dem Namen „Crónica do Felicissimo Rei D. Manoel“ (dt.: „Chronik des glücklichen Königs Manuel“), galt damals – und gilt auch heute noch – als das wichtigste Werk von Damião de Góis.
Aber, so bedeutsam diese Chronik über Manuel I literarisch auch war, so verhängnisvoll sollte sie später für den Humanisten Damião de Góis sein.

Denn in einer Zeit in denen Chroniken über Monarchen immer in Lobhudelei ausarteten, wagte es Damião de Góis doch damals tatsächlich die Regierungszeit von Manuel I nicht so strahlend darzustellen wie vom Königshaus eigentlich gewünscht.
Er schrieb in seiner Chronik schonungslos über die Ausbeutung und die willkürlichen Grausamkeiten der damaligen Kolonialzeit und nannte so die Dinge beim Namen.
Viele hochrangige Adlige und Männer der Kirche – allen voran Kardinal Henrique (port.: Cardeal D. Henrique), der Onkel des Königs und Großinquisitor des Königreiches – fanden Damiãos Buch damals recht respektlos und werteten die in Auftrag gegebene Chronik nicht mehr und nicht weniger als Hochverrat – und Hochverrat wurde damals mit der Todesstrafe geahndet!
Ehe sich Damião de Góis versah, stand er plötzlich unter Beobachtung des Großinquisitors Kardinal Henrique.

1571 wurde Damião de Góis tatsächlich von der Inquisition der Ketzerei angeklagt.
In einem Gerichtsverfahren das sich über eineinhalb Jahre hinzog gestand er zermürbt und resigniert die Fehler ein, die er 35 Jahre vorher begangen haben soll, und bat das Inquisitionsgericht um Gnade.
Sein Geständnis und seine bitte um Vergebung verhinderten seinen Tod auf dem Scheiterhaufen, aber sie verhinderten nicht die Demütigung denen er fortan ausgeliefert war und die bis zu seinem Tod andauern sollten.

Damião de Góis, einer der kritischsten Zeitgeister seiner Epoche in Europa und der wichtigste Humanist der portugiesischen Renaissance, wurde nach seiner Verurteilung durch das Inquisitionsgericht unter Hausarrest gesetzt.
Die letzten Monate seines Lebens verbrachte er von allen verlassen in seinem Geburtshaus in Alenquer, wo er am 30. Januar 1574, unter bis heute recht mysteriösen Umständen, starb.

Sonntag, 16. November 2014

Heimat


Seit Freitag, dem 14. November 2014, stellt die aus Göttingen stammende deutsche Malerin Daniela Krtsch in der Lissabonner Galerie 3+1 Arte Contemporânia eine neue Serie ihrer Werke in Öl unter dem Titel „Heimat“ aus.

Daniela Krtsch, die einstmals in „meiner“ Wahlheimat Darmstadt studiert hat, lebt und arbeitet seit dem Jahre 2000 in „ihrer“ Wahlheimat Portugal und hat hier schon verschiedene öffentliche Einzel- und Gruppenausstellungen gehabt.

Obwohl die Künstlerin auch wegen ihrer Fotografien und Skulpturen bekannt ist, sind es vor allem ihre ausdrucksstarken Ölgemälde die auf besondere Art und Weise ihre moderne Kunst illustrieren.

Die Ausstellung „Heimat“ kann noch bis zum 10. Januar des kommenden Jahres in der Galerie 3+1 Arte Contemporânia, im Lissabonner Stadtteil Chiado, besichtigt werden.

Sonntag, 9. November 2014

Antonia Rodrigues, die Heldin von Mazagão


Als die Französin Jeanne dArc, auch bekannt als „die Jungfrau von Orleans“ (port.: „a donzela de Orléans“), sich Anfang des 15. Jahrhunderts daran machte gegen die Engländer im Hundertjährigen Krieg zu ziehen, schrieb sie Weltgeschichte.
Knapp 150 Jahre nach ihren heroischen Taten auf dem Schlachtfeld, machte sich eine Portugiesin daran es der Französin gleich zu tun.
Ihr Name war Antonia Rodrigues.

Vieles aus dem Leben von Antonia Rodrigues ist heute ein Rätsel, so z.B. ihr genaues Geburtsdatum, viele ihrer Abenteuer, die letzten Jahre ihres Lebens oder das Datum und den Ort ihres Todes.
Und selbst das wenige was wir heute über sie wissen, basiert fast ausschließlich auf mündliche Überlieferungen, die oftmals voller Phantasie sind und somit, obwohl viele Begebenheiten, Personen und Orte sehr wohl der Realität entsprechen, die Wirklichkeit bei weitem übersteigen.

Geboren wurde Antonia Rodrigues in sehr ärmlichen Verhältnissen in der portugiesischen Hafenstadt Aveiro um das Jahr 1580 herum – das genaue Geburtsdatum ist leider nicht überliefert.
Ihr Vater war der Seemann Simão Rodrigues und ihre Mutter hieß Leonor Dias.
Simão Rodrigues gehörte allem Anschein nach damals zu den Männern, die sich Mitte des 16. Jahrhunderts vor Neufundland (port.: Terra Nova) dem fischen von Stockfisch (port.: bacalhau) widmeten.
Aveiro hatte zu dieser Zeit eine große Flotte von Schiffen die sich in den Gewässern der neu entdeckten Welt dem Fang des Stockfisches hingaben. Luftkonservierter Stockfisch diente damals der massenhaften Versorgung der Schiffsmannschaften und der Soldatenheere. Letztendlich war dieser trockene Fisch mitverantwortlich für die erfolgreichen Entdeckungsfahrten der Portugiesen.
Die Mutter von Antonia Rodrigues, Leonor Dias, kümmerte sich um den Haushalt und um die große Kinderschar.

Als Antonia zehn Jahre alt war schickte sie ihr Vater zu einer älteren Schwester von ihr nach Lissabon. Durch die harte Arbeit auf hoher See war er mit den Jahren krank geworden und so nicht mehr in der Lage seine kinderreiche Familie zu ernähren.
Der Name dieser Schwester ist leider nicht überliefert. Man weiß aber, dass diese verheiratet war und das sie wohl in besseren Verhältnissen lebte als ihre Familie in Aveiro.
Das Verhältnis von Antonia zu ihrer Schwester scheint von Anfang an nicht das Beste gewesen zu sein, denn besagte Schwester beschwerte sich oftmals, dass Antonia sich weigere die anfallenden hausfraulichen Tätigkeiten zu erledigen.
Durch ihre eigensinnige und freiheitsliebende, ja fast revolutionäre Art wurde das zusammenleben mit ihrer Schwester und ihrem Schwager mit der Zeit praktisch unmöglich. In einer Zeit, in der Männer sich den Frauen überlegen fühlten, kam sie vor allem mit ihrem Schwager sehr oft in Konflikt, was zur Folge hatte das sie immer öfters von zuhause weglief.

So kam es das Antonia im zarten Alter von 12 Jahren, so um das Jahr 1592 herum, beschloss ihr eigenes Leben zu Leben.
Sie besorgte sich Männerkleidung, schnitt sich die Haare kurz und heuerte im Hafen von Lissabon auf einem Schiff, das Weizen nach Marokko bringen sollte, an.
Antonia stellte sich beim Kapitän des Schiffes als Antonio Rodrigues vor und dieser nahm Antonia/o als Schiffsjungen auf seiner Karavelle auf.
Alsbald verließen sie Lissabon in Richtung Marokko (port.: Marrocos).

Ihr Ziel war die Stadt Mazagão (arab.: El Jadida) an der marokkanischen Atlantikküste. Mazagão stand damals unter portugiesischem Einfluss, denn die Portugiesen hatten hier im Jahre 1502 eine mächtige und wehrhafte Festungsanlage errichtet und die Enklave dann zur Hauptniederlassung Portugals in Marokko erklärt.
Obwohl der Kapitän offenbar mit seinem neuen Schiffsjungen zufrieden war, jedenfalls wird nichts Negatives darüber berichtet, beschloss Antonio recht schnell nach seiner Ankunft in Mazagão im exotischen Marokko zu bleiben.
So kam es, dass die Karavelle die Rückreise nach Portugal antrat und Antonio Rodrigues anscheinend aus purer Abenteuerlust in Afrika zurückblieb.

Der Überlieferung nach soll sich Antonio dann persönlich an Diogo Lopes de Carvalho, dem Militärgouverneur von Mazagão gewandt haben und diesen nach einer freien Stelle in seinem Heer als einfachen Soldat gefragt haben. Der Gouverneur nahm diesen freiwilligen Dienst gerne an, und Antonio lernte fortan mit dem Schwert und der Lanze umzugehen.
Es heißt der Gouverneur wäre damals sehr von der angenehmen und eleganten Person des jungen Soldaten aus Aveiro angetan gewesen, natürlich ohne zu wissen, das sich hinter Antonio eigentlich Antonia verbarg.

Im Jahre 1592 überfielen die Mauren mehrere Male Mazagão, konnten die Festung aber nicht einnehmen.
Antonio Rodrigues, der schnell das Kriegshandwerk gelernt hatte, kämpfte bei diesen Überfällen, so ist überliefert, stets an vorderster Front und verteidigte die Festung immer mit großem Mut.

Eines Tages erfuhren die Portugiesen durch einen Spion, dass die arabischen Mauren die Getreidefelder vor der Stadt zerstören wollten, um dann die portugiesischen Besatzer in ihrer Festung auszuhungern und so zu vernichten.
Der Geschichte nach, soll Antonio damals den Militärgouverneur darum gebeten haben die für die Portugiesen so wichtigen Getreidefelder mit einpaar Mann zu verteidigen.
Der Gouverneur, der über den Mut Antonios sehr erfreut war, gab ihm drei Dutzend Männer mit und stellte die Soldaten unter Antonios Kommando.
Als die in Überzahl eigentlich viel mächtigeren Mauren es am wenigsten erwarteten, überfielen sie die portugiesischen Soldaten. Angesichts des Überraschungseffektes, der von Antonio gut organisierten Führung und des heldenhaften Mutes der Truppe, konnten die Portugiesen die Mauren in die Flucht schlagen.
Von diesem Tag an nannten alle Antonio voller Ehrfurcht den „Schrecken der Mauren“ (port.: „terror dos mouros“!
Antonio kehrte in die Festung als Sieger zurück und wurde von der Bevölkerung feierlich empfangen. Als Dank beförderte ihn Diogo Lopes de Carvalho zum Offizier und stellte die Kavallerie Mazagãos unter sein Kommando.

Antonio war nun ein Held und nicht nur bei seinen Kameraden und seinen Vorgesetzten sehr beliebt und respektiert. Auch die Damenwelt fing an sich immer stärker für ihn zu interessieren.
Er selber, so scheint es, ließ sich von den Damen gerne anschmachten, denn das erleichterte ihm anscheinend sein Versteckspiel.
Fünf Jahre konnte er so sein Doppelleben ziemlich problemlos führen.

Er spielte aber so lange mit dem Feuer, bis ein Damenherz sich wirklich unsterblich in ihn verliebte. Dieses Herz gehörte der jungen Adligen Beatriz de Meneses, Tochter von Diogo de Mendonça, einem der einflussreichsten Männern von Mazagão.
Da die Liebe von Antonio Rodrigues aber nicht erwidert wurde, und Beatriz de Meneses aus Liebeskummer schwer erkrankte, sah sich ihr Vater Diogo gezwungen Antonio um die Heirat mit seiner geliebten Tochter zu bitten.
Antonio konnte und wollte natürlich, aus verständlichen Gründen, einer Ehe mit Beatriz nicht zustimmen.

So sah sich D. Diogo gezwungen den Militärgouverneur, den obersten Dienstherren von Antonio, darum zu bitten er möge seinem Soldaten Antonio die Heirat mit Beatriz befehlen.
Da Diogo de Mendonça sehr einflussreich war und er beste Beziehungen zum Hof in Lissabon hatte, konnte er den Gouverneur von dieser „Zwangsheirat“ überzeugen.
Der Gouverneur ließ daraufhin Antonio zu sich kommen und in Anwesenheit von Beatriz, ihrem Vater und dem Vikar der Festung, der vorsorglich einbestellt worden war, befahl er seinem Offizier die Adelstochter zu ehelichen.

Angesichts seiner auswegslosen Situation, gestand der „Schrecken der Mauren“ seinem Dienstherren, das er nicht Antonio war, sondern eigentlich Antonia.
Unter Tränen beichtete er dem Militärgouverneur sein vertauschtes Leben und bat ihn um Vergebung.
Der Gouverneur war bereit Antonia zu verzeihen, verlangte von ihr aber, dass sie sich fortan nur noch in Frauenkleidern zeigen dürfe, „wie es sich für ihr Geschlecht zieme“.
Auch ihre Freunde und Soldatenkollegen waren anscheinend bereit Antonia ihr Doppelleben zu verziehen, jedenfalls soll sie nach der Bekanntgabe ihres Geheimnisses noch einige Zeit in Mazagão gelebt haben.
Lediglich Beatriz de Meneses und die anderen Frauen, die sich über die Jahre hinweg Hoffnung auf ein Leben mit Antonio gemacht hatten, waren wohl alles andere als begeistert und verständnisvoll. 

Da Antonia intelligent, schön und sehr beliebt war, fingen nach Bekanntgabe ihrer wahren Identität nun die Männer an Antonia den Hof zu machen.
Sie verliebte sich in einen Soldatenkollegen, dessen Namen nicht übermittelt ist, und ehelichte diesen dann später in der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Assunção in Mazagão.
Das Ehepaar blieb in Mazagão bis schätzungsweise um das Jahr 1615 herum.
Als Antonia 35 Jahre alt war, kehrte sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn, den sie in der Zwischenzeit geboren hatte, nach Lissabon zurück.

Als König Felipe III von Spanien, der als Filipe II gleichzeitig auch König von Portugal war,  im Jahr 1619 Lissabon besuchte, wollte er unbedingt die Frau kennen lernen, um die sich schon damals so viele Legenden rankten.
Felipe II soll von Antonias Präsenz sehr angetan gewesen sein und so zeichnete er sie, für ihre geleisteten militärischen Dienste in Afrika, mit verschiedenen Ehrungen aus und gewährte Ihr und ihrer Familie zahlreiche Privilegien.
Nach 1620 ist nichts mehr über Antonia Rodrigues, der Heldin von Mazagão, bekannt.
Man vermutet, dass Antonia in Gesellschaft ihres Sohnes nach Spanien, wahrscheinlich Madrid, gezogen ist. Wo sie letztendlich starb und wann sie von dieser Welt ging, ist ebenso ein Mysterium, wie so viele Ereignisse im Leben dieser Frau.

Man könnte heute glauben, dass Frauen unter Waffen im Mittelalter etwas ganz seltenes und ungewöhnliches waren. Tatsache ist aber, dass es sehr wohl weibliche Soldaten gegeben hat. Hier in Portugal vielleicht weniger als z.B. in Italien, in Frankreich oder den Niederlanden, aber es hat sie gegeben.
Antonia Rodrigues aus Aveiro hat tatsächlich gelebt, sie war eine reale Person, keine fiktive Erfindung der Geschichte!
Nichtsdestotrotz sind ihr Leben und ihre militärische Karriere heute geheimnisvoll.
So geheimnisvoll, das Antonia Rodrigues mit den Jahrhunderten eine Legende wurde.

Donnerstag, 6. November 2014

Die Nürnberger Chronik von Hartmann Schedel


So manches Museumsarchiv weltweit beherbergt wahre Schätze, die mindestens genauso interessant und spannend sind, wie die eigentlichen Sammlungen und Ausstellungsstücke die in den jeweiligen Museen ausgestellt werden.

Solch ein Schatz ist nun, wie jetzt bekannt wurde, Ende September in einem Regal der nicht öffentlichen Bibliothek des Lissabonner Nationalmuseums für Alte Kunst (port.: Museu Nacional de Arte Antiga) aufgetaucht.
Es handelt sich hierbei um eines der ersten gedruckten Bücher der Weltgeschichte, dass einstmals vor 1500 mit beweglichen Lettern gedruckt wurde – eine so genannte Inkunabel (port.: incunábulo)!

Diese reich illustrierte Inkunabel ist ein Werk des Nürnberger Arztes, Humanisten und Historikers Hartmann Schedel aus dem Jahre 1493 und trägt den lateinischen Namen „Liber chronicarum“.
Die Nürnberger Chronik (port.: Crónica de Nuremberga) oder die Schedelsche Weltchronik wie das Werk auch genannt wird, gehört zu den bedeutendsten Werken der deutschen Buchdruckkunst.
Von Hartmann Schedel verfasst, mit über 1.800 wunderschönen Holzschnitt-Illustrationen der Maler Michael Wolgemut und Hans Pleydenwurff bebildert und vom Buchdrucker und Verleger Anton Koberger in seiner Werkstatt in Nürnberg gedruckt, ist „Liber chronicarum“ einstmals in einer lateinischen und einer deutschen Ausgabe erschienen. Das jetzt in Lissabon aufgetauchte 656-seitige Exemplar ist in lateinischer Sprache verfasst.

Wie die meisten Chroniken der mittelalterlichen Zeit, die die damalige bekannte Weltgeschichte zeigten, ist auch das Werk von Hartmann Schedel in Zeitaltern oder so genannten Weltaltern verfasst.
„Liber chronicarum“ ist in sieben Weltaltern unterteilt:

- Das erste Weltalter geht von der Erschaffung der Erde bis zur Sintflut.
- Das zweite Weltalter behandelt das Zeitalter von der Sintflut bis zur Geburt Abrahams.
- Im dritten Weltalter zeichnet Schedel die Welt von Abraham bis zu König David auf.
- Im vierten Weltalter geht es um die Zeit von König David bis zur Babylonischen Gefangenschaft.
- Das fünfte Weltalter behandelt die Zeit von der Babylonischen Gefangenschaft bis zur Geburt von Jesus Christus.
- Das sechste Weltalter geht von der Geburt Christi bis zur damaligen bekannten Gegenwart im ausgehenden 15. Jahrhundert.
- Im siebten und letzten Weltalter thematisiert Hartmann Schedel das Ende der Welt und das Jüngste Gericht.

Das jetzt aufgetauchte und ziemlich gut erhaltene Exemplar der Nürnberger Chronik soll zukünftig zu einem Ausstellungsstück des Lissabonner Nationalmuseums für Alte Kunst werden.
Es wäre auch schade ein solch schönes Buch in einem staubigen Regal, irgendwo in einem Museumslager, verkommen zu lassen!

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Azulejos – handbemalte Kostbarkeiten






Laut der amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ sind die portugiesischen Azulejos eines der zwölf Kostbarkeiten Europas (lesen sie hierzu meinen vorherigen Blogeintrag 
„12 Schätze Europas“, vom 26. Oktober 2014).
Zweifellos sind die Azulejos, diese bunten Kacheln, eines der bedeutendsten Symbole der portugiesischen Hauptstadt und des ganzen Landes.
Heute wurde ich gefragt wie die Azulejos denn nach Portugal kamen, wie alt die Kachelkunst hier zulande ist und welchen Stellenwert sie hatte und noch heute hat?!?  

Nun, ursprünglich waren es die Mauren, die die bemalten Kacheln aus Arabien auf die Iberische Halbinsel brachten. Sie dekorierten mit ihnen die Alhambra in Granada und den Alcázar in Sevilla. Von Spanien wurden die mit geometrischen Dekormustern und orientalischen Ornamenten bemalten Kacheln dann nach Portugal importiert.
Der Name Azulejo stammt nicht, wie viele glauben, vom portugiesischen Wort „azul“ (dt.: blau), sondern basiert auf dem arabischen Wort für „kleiner polierter Stein“ (arab.: al-zulij), denn der Ursprung des Azulejos liegt in der Mosaikkunst Arabiens.

Als König João I um 1400 seinen königlichen Palast in Sintra auf den Fundamenten des alten Maurenpalastes errichtete, gab er bei arabischen Kunsthandwerkern Azulejos in Auftrag.
König Manuel I ließ etwa hundert Jahre später, um 1500, Kacheln im Mudéjarstil herstellen und damit die Innenhöfe des Palastes von Sintra verkleiden.
Mudéjares waren Araber, die im Verlauf der Reconquista unter der Herrschaft der christlichen Königreiche in Portugal und Spanien lebten, die aber weiterhin ihren muslimischen Glauben ausüben konnten.
Die Azulejos im Mudéjarstil wurden damals mit dem Zeichen der Weltkugel dekoriert, dem königliches Symbol für Seefahrt und Entdeckungen zur Zeit Manuels I.
Da im Islam die Darstellung von Menschen verboten war und ist, zeichneten die Mudejár-Künstler abstrakte oder florale Muster auf die Kacheln und füllten die Flächen zwischen den geritzten Vertiefungen mit glasierter Farbe.
Diese Kacheln können heute bei einem Besuch des Nationalpalastes von Sintra (port.: Palácio Nacional de Sintra) bewundert werden.

Nach der Vertreibung der Mauren aus Portugal und später aus Spanien, fertigte man Kacheln in der aus Italien stammenden Majolika-Technik (ital.: Maiolica / port.: Maiólica) an: Flachkacheln auf die direkt mit dem Pinsel Figuren, Pflanzen und Landschaften aufgetragen wurden.
Anfang des 16. Jahrhunderts, als der Handel mit Flandern zu florieren begann, hatte sich der Einfluss flämischer Kachelkunst verstärkt.

Aber bereits Mitte des 16. Jahrhunderts machte sich ein individueller portugiesischer Stil vom ausländischen Einfluss frei.
Kachelbilder entstanden, die ganze Wände bedeckten. Ihre Szenen in Blau und Gelb auf weißem Grund erinnern an orientalische Teppiche.
Die Kombination aus kühlen Kacheln und „Talha dourada“, dem vergoldeten Holzschnitzwerk als typischem Dekorationselement, wurde im 17. Jahrhundert zum typischen Gestaltungsmerkmal für die Innenräume der Kirchen Portugals.
Die Farbpalette wurde um Grün, Rosa, Rot, Violett und Braun erweitert, und die Entwürfe reichten von naturalistischen bis zu phantastischen Bildern.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden flämische Kacheln immer beliebter; binnen kurzer Zeit setzten sich die feingezeichneten blau-weißen Kacheln in Portugal durch.
Die ersten Importe damals waren „azulejos de motivo solto“ (dt.: Kacheln mit lockerem Motiv), d.h. jede Kachel war mit einer einzelnen Figur bemalt.
Die portugiesische Vorliebe für das Monumentale führte dazu, dass damals ganze Räume mit großen Kachelwandbildern, wahren Fliesengobelins, verkleidet wurden.

Die große Nachfrage nach Kacheln förderte die Konkurrenz und die Herausbildung eines Stils von hoher Qualität und Sensibilität.
Der aus dem Alentejo stammende António de Oliveira Bernardes, der der „Michelangelo der portugiesischen Kachelmalerei“ genannt wurde, gründete an der Wende zum 18. Jahrhundert eine Schule, die sich auf Lissabonner Szenen spezialisierte. Die Azulejos aus seiner Werkstatt waren später für die Rekonstruktion einer Ansicht Lissabons vor dem Erdbeben 1755 von unschätzbarem Wert.
Eines dieser Kachelwandbilder, das größte und sicherlich eines der Schönsten, aus der Werkstatt von António de Oliveira Bernardes, ist knappe 23 m lang und trägt den Namen „Grande panorama de Lisboa“ (dt.: Großes Panorama von Lissabon). Man kann dieses imposante Kachelgemälde heute im nationalen Kachelmuseum (port.: Museu Nacional do Azulejo), der im ehemaligen Kloster Madre de Deus in Lissabon untergebracht ist, bewundern.

Der Wiederaufbau nach dem großen Erdbeben 1755 steigerte den Bedarf an Kacheln, sowohl für die Dekoration von Kirchen und Palästen als auch für Profanbauten, wie Krankenhäuser, Bäckereien, Gasthäuser, Tabakläden, etc.
Die Azulejos waren nicht nur attraktiv, sondern auch pflegeleicht und – ganz im Gegensatz zur Wandfarbe – bedurften nach der Anbringung keiner weiteren Instandhaltung mehr.
Unausweichlich führte die erhöhte Produktion zu einer Verminderung der Qualität.
Der Marques de Pombal ließ im Lissabonner Stadtteil Rato die königliche Kachelmanufaktur (port.: Real Fábrica de Louça do Rato) erbauen, um der immer stärker werdenden Nachfrage gerecht zu werden. In der Real Fábrica de Louça do Rato wurden z.B. die Kacheln für den Palácio Nacional de Queluz hergestellt (lesen sie hierzu bitte auch meine Blogeinträge „Der königliche Palast von Queluz, vom 27.03.2014 und „Die Wasserfontainen im Schlosspark von Queluz, vom 27.11.2010).

Um 1750 war der Import flämischer Ware fast zum Stillstand gekommen, und man fand zu mehrfarbigen Kacheln zurück.
Entsprechend dem Zeitgeschmack tauchten Ende des 19. Jahrhunderts Kränze, Vögel, Bäume, Segelschiffe, Blumen und oftmals Heilige oder ganze biblische Geschichten als dominierende Motive auf.
Wichtig sei zu erwähnen, dass die Azulejos damals, trotz Massenproduktion in den Fabriken, weiterhin handbemalt wurden.
Doch ab 1860 begann die Herstellung im Siebdruckverfahren und die großen Produktionszahlen konnten die hohen Preise mindern und den gestiegenen Bedarf decken, denn nun wurden auch die Fassaden ganzer Gebäude mit Kacheln verkleidet.

Bei der zeitgenössischen Kachelkunst lassen sich zwei Strömungen ausmachen: einerseits die Replika alter Entwürfe und andererseits die Ausführung individueller moderner Werke.
Viele namhafte portugiesische Künstler haben Kachel-Editionen produziert und produzieren sie noch, unter ihnen die Maler Rolando Sá Nogueira und Julio Pomar, die Grafikerin Maria Helena Vieiera da Silva und das Künstlerehepaar Francisco Keil do Amaral und Maria Keil.
Viele der Werke moderner Künstler können heute z.B. in den einzelnen Lissabonner Metrostationen oder auf dem ehemaligen Expo-Gelände bewundert werden.

Heute bieten viele Antiquitätenhändler alte Kacheln an, und auch auf dem berühmten Lissabonner Flohmarkt Feira da Ladra werden alte Azulejos für gutes Geld zum Verkauf angeboten.
Bei diesen angebotenen Azulejos handelt es sich aber oftmals um von den Hauswänden alter Gebäude entwendeter Kacheln.
Es ist eine Tragödie das heutzutage soviel Geschichte und Identität Portugals auf Flohmärkten verramscht wird.
Aber da letztendlich die Nachfrage das Angebot bestimmt und Azulejos in den letzten Jahren vor allen Dingen bei ausländischen Touristen sehr gefragt sind, wird sich an diesem Ausverkauf portugiesischer Geschichte und Identität in nächster Zeit leider kaum etwas ändern.
Jeder muss selber wissen, in wie weit er zur Zerstörung historischen Erbes beisteuern will!

Sonntag, 26. Oktober 2014

12 Schätze Europas


Vergangene Woche publizierte die einflussreiche amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ einen interessanten Artikel in ihrer Wochenendausgabe mit dem Titel „12 Treasures of Europe“ (dt.: „12 Schätze Europas“).

In diesem Artikel stellt die „New York Times“ zwölf europäische Städte vor und ihre jeweiligen typischen Symbole oder wichtigsten Charakteristika.
Die portugiesische Hauptstadt Lissabon ist mit ihren wunderschönen Kacheln (port.: azulejos / engl.: tiles) vertreten, aber auch Berlin mit seiner außergewöhnlichen Straßenkunst oder das belgische Brüssel mit seiner leckeren Schokolade.

„Gibt es ein blaueres Land als Portugal?“
(engl.: „Is there a bluer country than Portugal?“),
fragt Seth Sherwood in seinem Artikel, indem er von den portugiesischen blau-weißen Azulejos, vom blauen Himmel und vom Atlantik schwärmt.
Weiter schreibt der US-Amerikaner:
 „In ganz Portugal sind die typisch blauen Kacheln in und an Kirchen, Klöstern, Burgen, Schlössern, Universitätshallen, Parks, Bahnhöfen, Hotellobbys und Hausfassaden verbreitet“.
(engl.: „And all across Portugal, the typically blue designs of azulejos – ceramic tiles – are spread across churches, monasteries, castles, palaces, university halls, parks, train stations, hotel lobbies and apartment facades“.)

Und da hat Sherwood Recht!
Azulejos sind ohne Zweifel eines der  Markenzeichen dieser Nation.
Diese Kunst an den Wänden, die in ihren oftmals imposanten Bildern viel über die Geschichte dieses Land erzählen, ist überall gegenwärtig, vor allem hier in Lissabon.

Deshalb ist es für mich als Lissabonner mehr als verständlich, das die renommierte amerikanische Tagezeitung die Azulejos zu den „12 Schätzen Europas“ zählt!
Die anderen Schätze Europas sind, laut der „New York Times“:


- die Straßenkunst in Berlin
- die Schokolade in Brüssel
- die Paprika in Budapest
- das Design in Kopenhagen
- die Seide in Florenz
- die Duftstoffe von Istanbul
- die Hüte in London
- die Gitarren in Madrid
- die Regenschirme in Paris
- das Spielzeug in Prag
- die Kaffeeservice in Sarajevo

Wer den Originalartikel nachlesen will, hier der dazugehörige Link:


Samstag, 25. Oktober 2014

Goldene Hochzeit – Bodas de Ouro


Auszug aus einem Brief an meine Eltern António und Luisa, anlässlich Ihrer Goldenen Hochzeit am heutigen 25. Oktober 2014:


Liebe Mama, lieber Papa,

nun seid ihr schon seit 50 Jahren ein vorbildliches Ehepaar und feiert heute Eure Goldene Hochzeit.
Obwohl Ihr nicht immer einer Meinung wart, Höhen und Tiefen erlebt habt und Krankheiten überstehen musstet, seid Ihr stets zusammen geblieben und habt gelernt, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist.

Damit habt Ihr „in guten wie in schlechten Tagen“ so gelebt, wie es der eigentliche Sinn der Ehe ist.
Ich danke Euch für Eure stetige Fürsorge, Liebe und Treue und hoffe, dass Wir noch viele gemeinsame, schöne und gesunde Jahre miteinander erleben werden.

Das und noch vieles mehr wünsche ich Euch von ganzem Herzen.
Danke, dass Ihr immer für mich da seid und in jeder Hinsicht unterstützt

Ich liebe Euch!


Querida mãe, querido pai,
 
Faz hoje 50 anos que vocês casaram e fesetejamos assim neste dia as vossas Bodas de Ouro.
Apesar de nem sempre estarem de acordo um com o outro, de terem suportado doenças e de passarem ao longo dos anos inúmeros bons e maus momentos juntos, foram sempre unidos, e aprenderam a aceitarem-se um ao outro.

Partilharam os „bons e maus momentos“, assim como é o verdadeiro significado de um matrimónio.
Agradeço-vos todo o vosso amor, carinho e fidelidade e espero poder passar ainda muitos anos felizes e cheios de alegria e saúde junto de vós.

É o que desejo do fundo do meu coração.
Obrigado por estarem sempre presentes na minha vida e de me oferecerem todo o vosso apoio

Amo-vos!

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Ausstellung der Portugiesischen Welt 1940






Nach langer Zeit mache ich mich hier in meinem Blog heute wieder bemerkbar.
Leider war es mir, krankheitsbedingt, nicht möglich in den letzten Wochen im Planet Portugal sehr aktiv zu sein.
Aber ich befinde mich auf dem Weg der Besserung, und möchte nun durchstarten!
Ich Danke allen, die in den letzten Wochen nach meinem Wohlbefinden gefragt haben, die sich um mich gesorgt und die mir so viel Kraft und Unterstützung haben zuteil kommen lassen.
Vielen Dank!
Muito obrigado!

Aber nun zum Blog:

In meinem Blogeintrag vom 31. August 2014, „Political correctness ist in einer Demokratie nicht immer zwingend korrekt!“, erwähne ich in dem Text auch die „Ausstellung der Portugiesischen Welt“ (port.: „Exposição do Mundo Português“), die im Jahre 1940 hier in Lissabon stattfand.
In den letzten Wochen wurde ich mehrmals auf diese Ausstellung angesprochen, was es mit ihr auf sich hatte, wo sie genau stattfand, warum sie ausgerechnet im Jahre 1940 präsentiert wurde und wie ihr Verlauf war.

Nun, die „Exposição do Mundo Português“ (dt.: „Ausstellung der Portugiesischen Welt“) fand im Jahre 1940 im Rahmen zweier wichtiger nationalhistorischer Jahrhundertfeiern statt:
zum einen feierte Portugal im Jahre 1940 seinen 800. Unabhängigkeitstag im Jahre 1140 (port.: „Independência de Portugal“) und zum anderen feierte man 1940 den 300. Jahrestag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Portugals von der spanische Fremdherrschaft im Jahre 1640 (port.: „Restauração da Independência de Portugal“).

Die Idee diese zwei wichtigen nationalen Jahrhundertfeiern mit einer Ausstellung zu krönen hatten ab 1929 einige Minister des Diktators António de Oliveira Salazar.
Nach den internationalen Weltausstellungen 1937 in Paris und 1939 in New York und in San Francisco, an denen Portugal sehr erfolgreich teilgenommen hatte, beschlossen der portugiesische Diktator und sein Kabinett 1939 die schon lange geplante „Ausstellung der Portugiesischen Welt“ im folgendem Jubiläumsjahr 1940 auszurichten.

Geführt von dem Journalisten und Diplomaten Augusto de Castro, der damals von Diktator Salazar zum Generalkommissar des zukünftigen Projektes ernannt wurde, machte sich noch während der Weltausstellung in San Francisco in Portugal eine Kommission, bestehend aus Architekten, Ingenieuren, Malern, Bildhauern und Regisseuren, ans Werk die Ausstellung „Exposição do Mundo Português“, die vom 23. Juni bis zum 02. Dezember 1940 stattfinden sollte, zu planen.
Diese Ausstellung sollte, ganz im Sinne der damaligen Diktatur, der Welt ein multikulturelles, vielrassiges, gläubiges und geschichtsträchtiges Portugal zeigen, so wie es leider nur teilweise der Realität entsprach.

Im Lissabonner Stadtteil Belém, das in der Geschichte der Seefahrt wohl das symbolträchtigste der Hauptstadt war und ist, entstand eine Ausstellungsfläche von ca. 560.000 m², das urban völlig neu gestaltet wurde.
Insgesamt 17 namhafte Architekten, 43 bekannete Maler und 24 renommierte Bildhauer wurden mit der Organisation und der Entstehung der Ausstellung beauftragt.

Das Zentrum der Ausstellung bildete ein riesiger Platz mit dem Namen Praça do Imperio (dt.: Platz des Imperiums), wobei hier natürlich das portugiesische Imperium gemeint war, das sich einstmals von Südamerika über Afrika und Asien ausgebreitet hatte!
Dieser Platz entstand zwischen dem Hieronymuskloster im Norden, dem Ufer des Tejo im Süden und zwei riesigen Pavillons, die eigens für die Ausstellung damals gebaut wurden.
Zum einen war das der Ausstellungspavillon „Pavilhão da Honra e de Lisboa“ (dt.: Pavillon der Ehre und Lissabons) des Architekten Luis Cristino da Silva und zum anderen der „Pavilhão dos Portugueses no Mundo“ (dt.: Pavillon der Portugiesen in der Welt) des Architekten Cottinelli Telmo, der auch für den Bau des Denkmals der Entdeckungen verantwortlich war.

Außer diesen zwei monumentalen Ausstellungspavillons konnte man damals auf dem Gelände noch die folgenden, sehr nationalorientierten, Ausstellungsgebäude besuchen:

- „Pavilhão da Formação e Conquista“ (dt.: Pavillon der Einheitsbildung und Eroberungen)
In diesem Pavillon wurden die zahlreichen globalen Eroberungen Portugals und die Einheit des gesamten Imperiums mit Portugal dem Publikum nahe gebracht

- „Pavilhão da Independência“ (dt.: Pavillon der Unabhängigkeit)
Hier wurde der Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien gedacht

- „Pavilhão dos Descobrimentos“ (dt.: Pavillon der Entdeckungen)
In diesem Ausstellungsgebäude wurden alle portugiesischen Entdeckungsfahrten gezeigt und thematisiert

- „Pavilhão da Fundação“ (dt.: Pavillon der Staatsgründung)
In diesem Pavillon konnten die Besucher mehr über die Staatsgründung Portugals und den Werdegang der Nation in den ersten Jahren ihres Bestehens erfahren

- „Pavilhão do Brasil“ (dt.: Brasilienpavillon)
Der Brasilienpavillon war der einzige ausländische Pavillon auf dem Ausstellungsgelände, denn Brasilien war das einzige Land, das damals von Portugal zur Teilnahme an der Ausstellung eingeladen wurde

- „Pavilhão da Colonização“ (dt.: Pavillon der Kolonien)
In diesem Pavillon wurden die einzelnen portugiesischen Kolonien dargestellt und die Kolonialpolitik des damaligen Regimes dem Publikum, natürlich in den schillerndsten Farben, nahe gebracht

- „Pavilhão de Artes Populares“ (dt.: Volkskundepavillon)
Dieser Ausstellungspavillon offenbarte dem Besucher die reichhaltige, kreative und traditionelle Kunst der einzelnen portugiesischen Regionen und den Überseekolonien. Dieser Pavillon gehörte zu den am meisten besuchten der Ausstellung

Außer den Ausstellungspavillons gab es auf dem Gelände ein Vergnügungspark für Kinder, nachgebaute portugiesische Dörfer (port.: „Aldeias Portuguesas“) der verschiedenen Landesprovinzen in Portugal und in Portugiesisch-Übersee, einen so genannten Dichtergarten (port.: „Jardim dos Poetas“) sowie zahlreiche Attraktionen. 

Eine der damaligen Attraktionen der „Ausstellung der Portugiesischen Welt“ war das Denkmal der Eroberungen (port.: Padrão dos Descobrimentos) des portugiesischen Architekten José Ângelo Cottinelli Telmo, das damals wie heute am Ufer des Tejo stand. Allerdings wurde das ursprüngliche Denkmal der Entdeckungen aus ziemlich vergänglichen Materialien errichtet, so dass es noch vor dem Ende der Ausstellung im Dezember 1940 sehr angegriffen und brüchig war.
Da das Denkmal aber eines der meistbesuchten Objekte der Ausstellung war, erbaute man ihn 20 Jahre später – anlässlich des 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) – aus Stein und Beton wieder auf, dort wo er heute noch in Belém steht und zu besuchen ist.

Eine weitere Attraktion der Ausstellung war ein Nachbau eines Schiffes, der an die großen portugiesischen Segelschiffe während der portugiesischen Entdeckungsfahrten erinnern sollte.
Dieser Schiffsnachbau, eine Idee des Regisseurs José Leitão de Barros, sollte eine portugiesische Nau (port.: Nau portuguesa) darstellen, war aber in Wahrheit eine dickbäuchige Galeone.
Um ein Haar wäre dieser Segler mit Namen „Nau Portugal“ nicht auf der Ausstellung in Lissabon zu sehen gewesen, denn das Segelschiff wäre beinahe auf der Überfahrt nach Lissabon untergegangen!
In einer Werft in der Hafenstadt Aveiro in aller Eile zusammengebaut, stach der Segler erst Mitte Juli 1940 in See – die Ausstellung lief bereits seit drei Wochen – und gleich nach der Abfahrt in Aveiro bekam das Schiff Schlagseite und drohte zu sinken.
Nur mit größter Mühe konnte ein Untergang der „Nau“ verhindert werden, die dann letztendlich, schwer angeschlagen und mit Hilfe englischer Matrosen, in Lissabon ankam.
Salazar soll damals getobt haben, denn das Einlaufen der „Nau Portugal“ war am Eröffnungstag der Ausstellung als ein Triumph der portugiesischen Seefahrt geplant gewesen, und war dann letztendlich doch für den Diktator nur eine Blamage.

António de Oliveira Salazar und der damaligen Staatspräsidenten António Oscar de Fragoso Carmona eröffneten die Ausstellung „Exposição do Mundo Português“ feierlich am 23. Juni 1940, in Anwesenheit vieler nationaler Honoratioren und Gäste.
Obwohl die Welt sich damals mitten im Zweiten Weltkrieg befand, waren auch viele ausländische Diplomaten und Ehrengäste, unter ihnen die Botschafter Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens, am Eröffnungstag anwesend.
Die Ausstellung war bis zum 02. Dezember 1940 geöffnet und hatte insgesamt 3 Millionen Besucher!

Bis zur Weltausstellung Expo 1998 in Lissabon war die „Exposição do Mundo Português“ (dt.: „Ausstellung der Portugiesischen Welt“) die größte jemals in Portugal realisierte Ausstellung!