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Samstag, 22. Juni 2013

Coimbras Universität ist Weltkulturerbe



Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, UNESCO, (port.: Organização das Nações Unidas para a Educação, a Ciência e a Cultura) hat heute auf ihrer 37. Jahresversammlung im kambodschanischen Phnom Penh die portugiesische Universität Coimbra als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) anerkannt.

15 Jahre lang hat die Universitätsstadt Coimbra (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Die Universität von Coimbra, vom 18. Januar 2012) darum gekämpft, dass ihre Universität auf die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit gesetzt wird.
Heute, nach vielen Höhen und Tiefen entschied sich das Welterbekomitee nun einstimmig die Aufnahme der ältesten und renommiertesten Lehranstalt Portugals zu vollziehen.

Die Bürger von Coimbra (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Coimbra“, vom 28. Januar 2012), einer der schönsten und traditionsreichsten Städte des Landes, und natürlich ihre Studenten – jeder fünfte Einwohner von Coimbra ist ein Student – haben diese Nachrichte aus dem fernen Kambodscha heute mit einer riesigen Freude aufgenommen, wohl wissend das solch eine hohe Auszeichnung immer zu großer Verantwortung und Respekt verpflichtet.

Einige Denkmalpfleger der UNESCO hatten ernste Bedenken die Universität auf die Liste zu setzen, da im Moment in ihrer Nähe neue, moderne Gebäude errichtet werden.
Nachdem aber die portugiesische Bewerbungsdelegation dem Welterbekomitee versichert hat, das diese neuen Bauten den visuellen und atmosphärischen Eindruck des Gesamtbildes der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Universität nicht beeinträchtigen werden, hat die UNESCO schließlich eingelenkt.

Zum Weltkulturerbe gehören ab heute nicht nur das Universitätsgelände auf dem höchsten Punkt der Stadt, die über 30 Universitätsgebäude und Fakultäten, sondern auch die vielen studentischen Traditionen und die Rua da Sofia, mit ihren zahlreichen Studentenkneipen und Studentenwohngemeinschaften, die „Repúblicas“ genannt werden.

Der heutige Tag ist zweifelsohne ein großer Tag für die Universität und ihre Studenten, für die Stadt Coimbra, für Portugal und für die portugiesische Kultur und Sprache auf der ganzen Welt!

Freitag, 11. Mai 2012

Die gefangenen Studenten vom 11. Mai 1962

Die Studentenunruhen die Ende der 60er Jahre in vielen Ländern der Welt, leider oftmals auch mit Gewalt, für frischen politischen Wind sorgten sind ein Teil der Geschichte vieler Nationen dieser Zeit.

Was viele heute nicht wissen ist, das diese Studentenunruhen, die im Jahre 1968 weltweit ihren Höhepunkt erreichten, hier in Portugal schon wesentlich früher begannen.
Schon im Jahre 1961 war es an den Universitäten von Coimbra und Lissabon zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Studenten dieser zwei Bildungsanstalten und den Polizeikräften des damaligen Diktators António de Oliveira Salazar gekommen.
Die Studenten, die damals auf die Straße gingen, waren mit ihren Forderungen nach mehr politischen Freiheiten, zweifelsohne die Vorreiter der Revolutionäre des 25. April 1974.

Da aber Salazar kein allzu großer Freund von „Freiheiten“ war, veranlasste er, dass seine Polizei immer härter gegen die politisch engagierten Studenten vorging.
Dies verschärfte den Konflikt an den portugiesischen Universitäten zusehends.

Im April 1962 begannen zahlreiche Studenten an der Universität von Lissabon (port.: Universidade de Lisboa) den Unterricht zu boykottieren und viele von ihnen schlossen sich spontanen friedlichen Demonstrationen an.
Einige von ihnen traten sogar, um ihren Forderungen nach politischer und kultureller Freiheit mehr Ausdruck zu verleihen, einem Hungerstreik bei.

Salazar und sein Regime beobachteten diese Aktivitäten an der Lissabonner Universität zunehmend mit Besorgnis.
Anfang Mai befahl Salazar seiner Geheimpolizei PIDE mit allen Mitteln weitere Eskalationen und politische Aktivitäten an der Universitäten zu unterbinden.
Als sich der gesundheitliche Zustand der Studenten, die sich im Hungerstreik befanden, zunehmend verschlechterte, entschied sich Salazar zu handeln.

In den Morgenstunden des 11. Mai 1962, also vor genau 50 Jahren, umzingelte eine Hundertschaft der Polizei die Mensa der Lissabonner Universitätsstadt (port.: cidade universitária), wo die Studenten damals seit Tagen versammelt waren, und nahm alle Studenten fest.
Die Studenten die sich im Hungerstreik befanden wurden in Lissabonner Krankenhäuser eingewiesen und sofort zwangsernährt. Die anderen von ihnen wurden als „politische Revolutionäre“ in Gewahrsam genommen und auch als solche später verurteilt.

Über 1.500 junge Menschen wurden an diesem Tag von der Polizei verhaftet!
Sie wurden auf dem Campus der Universität zuerst zusammengetrieben und dann mit grünen Doppeldeckerbussen der öffentlichen Verkehrsbetriebe Carris zu der Lissabonner Zivilverwaltung (port.: Governo Civil de Lisboa) gefahren, wo sie dann fotografiert und ihnen die Fingerabdrücke abgenommen wurden, so als ob es sich bei ihnen um Schwerstkriminelle handeln würde.

Nachdem sie kriminaltechnisch Identifiziert waren, wurden sie von der Polizei tagelang vernommen, teilweise sogar zusammengeschlagen, bis man von jedem einzelnen ein „Geständnis“ hatte.
Die meisten von ihnen wurden dann wieder in Doppeldeckerbusse gesteckt und danach in das berüchtigte Gefängnis für politische Gefangene in Caxias, bei Lissabon, gesteckt.
Hier verbrachten sie dann mehrere Wochen, manche von ihnen sogar Monate, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen wurden.

Aber viele von ihnen, wie Jorge Sampaio, der spätere Staatspräsident Portugals, João Cravinho, der spätere portugiesische Bauminister oder Ruben de Carvalho, der heute für die kommunistische Partei im Parlament sitzt, sahen ihre damalige Entlassung aus dem Gefängnis von Caxias keineswegs als Befreiung.
Im Gegenteil, viele von ihnen gingen später in den Untergrund und kämpften weiter gegen das diktatorische Regime von Salazar und seinem Nachfolger Marcelo Caetano.

Das damals, an einem einzigen Tag, 1.500 junge Menschen festgenommen werden konnten, ist heute kaum noch vorstellbar.
Aber, so vieles von damals ist heute noch kaum vorstellbar!

Sicherlich, man kann die heutige Zeit auch keinesfalls mit der damaligen vergleichen.
Aber, und da bin ich mir sicher, auch heute träumt sicherlich der eine oder andere Politiker davon, mal auf einem Schlag 1.500 Demonstranten festzunehmen, wenn diese auf den Straßen Portugals mal wieder für mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Bildung, einem besseren Gesundheitswesen und mehr politischen Freiheiten aufbegehren.

Samstag, 28. Januar 2012

Coimbra






Die traditionsreiche portugiesische Universitätsstadt Coimbra, ist Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsdistrikts, Sitz eines Bischofs und die Geburtsstadt meines Vaters Antonio.
Coimbra liegt zwischen Lisboa und Porto, in der Hügellandschaft der Beira Litoral am rechten Ufer des Rio Mondego, der hier den kreidigen Bergzug der Serra de Lorvão umfließt.
Die Stadt selber hat in etwa 100.000 Einwohner, von denen ca. 30.000 Studenten sind. Mit Vororten bringt es die Stadt auf etwa 150.000 Einwohner.

Der Besuch der Stadt Coimbra ist wegen ihrer beachtlichen Baudenkmäler, die zu einem Großteil aus der Regierungszeit König Manuels I entstammen, wie auch wegen der Fülle anderer Kunstschätze sehr empfehlenswert.

Die Anfänge der Stadt reichen, wie Funde belegen, bis in die vorchristliche keltische Zeit zurück.
Die Römer gründeten hier eine Stadt, die sie „Aeminium“ nannten.
Ihr heutiger Name geht allerdings auf den römischen Ort „Conimbriga“ zurück, der im Jahre 468 von den Sueben zerstört wurde, und dessen Ruinen heute unmittelbar in der Nähe der Stadt Coimbra liegen.

Nach den Römern und Sueben kamen die Mauren in die Stadt.
Die arabischen Mauren eroberten im Jahre 711 den Ort und nannten ihn Kulumriyya. Sie blieben bis zum Jahre 1064 hier.
In diesem Jahr wurde die Stadt dann von Fernando dem Großen von Kastilien und Leon für „die Christenheit“, wie es damals hieß, erobert.
Im 12. Jahrhundert, von 1139 bis 1256, wurde Coimbra dann zur Hauptstadt des neu gegründeten portugiesischen Königreiches ernannt.

Nach Verlegung der Hauptstadt nach Lissabon erhielt die Stadt als Entschädigung im Jahre 1308 eine Universität, die bis 1911 die einzige in Portugal war (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Die Universität von Coimbra“, vom 18. Januar 2012).
Diese Universität hat das Kultur- und Geistesleben von Coimbra ganz entscheidend geprägt, und prägt dieses heute noch.
Wer es als Jurist, in der Wirtschaft oder Politik zu etwas besonderem bringen will, hat mit einem Abschluss an der traditionsreichsten Hochschule des Landes die besten Chancen.

Außer seiner alten und ehrwürdigen Universität und den dazugehörenden Botanischen Garten hat Coimbra noch zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Ich habe hier einmal die für mich schönsten aufgeführt:

• Convento de Santa Cruz (dt.: Heiligkreuzkloster) – Beim Convento de Santa Cruz handelt es sich um einen ehemaligen Augustinerkloster, der an der Ostseite der Praça 8 de Maio, dem Mittelpunkt des städtischen Lebens in Coimbra, liegt. Er wurde im Jahre 1131 gegründet und über die Jahrhunderte hinweg erweitert und verändert. Eine der grundlegendsten Veränderungen fand im 15. und 16. Jahrhundert unter König Manuel I und seinen gefeierten Baumeistern Boytaca und Nicolas de Chanterène statt. Von ihnen stammen z.B. die kostbar ausgestattete Kanzel und die Sakristei der einschiffigen Klosterkirche. Besonders sehenswert ist der Chor der Kirche. Er beherbergt die spätgotischen Grabmäler der ersten beiden portugiesischen Könige, Afonso Henriques und Sancho I. Sie wurden einstmals von König Manuel I in Auftrag gegeben, und dann von Nicolas de Chanterène erschaffen. Im Nordflügel des Klosterkomplexes ist heute das Rathaus von Coimbra (port.: Camara Municipal) untergebracht.

• Sé Velha (dt.: Alte Kathedrale) – Die Sé Velha in der Altstadt von Coimbra, ist ein festungsartiger romanischer Bau, der im 12. Jahrhundert im Auftrag von König Afonso Henriques erbaut wurde. Wie alle Wehrkirchen hat auch diese ein schmuckloses, zinnengekröntes Äußeres. Aber das dreischiffige Innere der Kathedrale, mit den prächtigen Seitenkapellen, ist umso sehenswerter. Vor allem der spätgotische Hochaltar sowie der Renaissancetaufstein sind beachtenswert.

• Sé Nova (dt.: Neue Kathedrale) – Die Neue Kathedrale ist ein ursprünglich für die Jesuiten erbauter Bau. Mit der Errichtung der Kirche begann man im 16. Jahrhundert. Die Bauarbeiten zogen sich aber weit bis ins 17. Jahrhundert hinein. Seit der Verbannung der Jesuiten aus Portugal im Jahre 1772 fungiert dieses Kirchenhaus als die Neue Kathedrale der Stadt.

• Museu Nacional de Machado de Castro (dt.: Nationalmuseum Machado de Castro) – Dieses in der Kirche São João und dem dazugehörenden ehemaligen Bischofspalast untergebrachte Museum ist nach dem in Coimbra geborenen Bildhauer Joaquim Machado de Castro benannt. Zu den Exponaten dieses Museums gehören u. a. römische Ausgrabungsfunde, mittelalterliche Sarkophage, romanische und gotische Skulpturen, Stein- und Holzbildwerke, Goldschmiedearbeiten, Möbel, Gobelins, sakrale Kunst und Gemälde des 16. – 18. Jahrhunderts, darunter auch einige bedeutende Werke flämischer Maler.

• Convento de Santa Clara-a-Velha (dt.: Altes Klarissinnenkloster) – Auf dem linken Ufer des Flusses Mondego liegen die, teilweise im Schwemmland versunkenen, Ruinen des Klosters Santa Clara, das im Jahre 1286 gegründet wurde und dann allmählich durch Überschwemmungen des Flusses zerstört wurde. In diesem Kloster verbrachte Königin Isabel, die Gemahlin von König Dinis, die später von der katholischen Kirche als „Rainha Santa Isabel“ (dt.: „Heilige Königin Isabel“) heilig gesprochen wurde, ihre letzten Jahre als Franziskanerin und hier wurde sie auch begraben. Später, nach der Zerstörung des Klosters Santa Clara-a-Velha wurde die Heilige Königin Isabel im nahe gelegenen und neu gegründeten Kloster Santa Clara-a-Nova umgebettet. Santa Isabel ist heute die Stadtpatronin von Coimbra.

• Convento de Santa Clara-a-Nova (dt.: Neues Klarissinnenkloster) – Durch die ständigen Überschwemmungen wurde das Alte Klarissinnenkloster (port.: Convento de Santa Clara-a-Velha) im 17. Jahrhundert aufgegeben und nur wenige hundert Meter weiter, auf dem Monte da Esperança (dt.: Hügel der Hoffnung), wurde dann ab dem Jahr 1649 mit dem Bau des neuen Klarissinnenklosters Convento de Santa Clara-a-Nova begonnen. Die im Stile der Renaissance erbaute Klosterkirche ist voll und ganz der heiligen Isabel, der Schutzpatronin von Coimbra und Gemahlin König Dinis, gewidmet. Die Kirche und die Räumlichkeiten in denen heute ein kleines Militärmuseum untergebracht ist, können besichtigt werden. Die anderen Gebäudeteile sind allerdings nicht zugänglich, da sie heute als Kaserne dienen.

• Quinta das Lagrimas (dt.: Landgut der Tränen) – Unweit der Klöster Santa Clara-a-Velha und Santa Clara-a-Nova liegt das Landgut Quinta das Lagrimas. Auf diesem Landgut, das heute ein exzellentes Hotel beherbergt, soll Ines de Castro, die Geliebte und spätere heimliche Gemahlin von König Pedro I im Jahre 1355 ermordet worden sein. An die tragische Liebesgeschichte von Pedro und Ines, die selbst den englischen Nationaldichter William Shakespeare zu seinem Werk „Romeo und Julia“ inspiriert haben soll, erinnert heute im Park der Quinta das Lagrimas die Fonte dos Amores (dt.: Quelle der Liebenden).

• Portugal dos Pequenitos (dt.: Portugal der Kleinen) – In diesem im Jahre 1940 angelegten Park für Kinder sind die bedeutendsten Baudenkmäler Portugals im Miniaturformat nachgebaut, ebenso wie die typischen Wohnhäuser und Gebäude der ehemaligen Überseegebiete in Afrika, Brasilien, China und Indien. Die Miniaturbauten sind von schönen Grünanlagen umgeben, so dass der Besuch des Parks nicht nur für Kinder ein Ereignis ist.


Außerhalb von Coimbra liegt eine weitere Sehenswürdigkeit, die ich jedem Besucher der Stadt nur wärmstens empfehlen kann.
Etwa 15 km südlich von Coimbra, an der alten römischen Verbindungsstraße von Lissabon (röm.: Olisipo) nach Braga (röm.: Bracara Augusta), erstreckt sich das ausgedehnte Ruinenfeld von „Conimbriga“.
Dieser zerstörten Ruinenstadt verdankt Coimbra seinen heutigen Namen.
Conimbriga wurde einstmals im 2. Jahrhundert v. Chr. von den Römern gegründet und etwa 600 Jahre später, im Jahre 468 n. Chr. von den Sueben zerstört.
Die zahlreichen Haus- und Thermenruinen sowie die Brunnenanlagen demonstrieren, nicht zuletzt wegen ihrer teilweise gut erhaltenen Mosaiken, den Geschmack und Reichtum der damaligen Bürger dieser Kleinstadt.
Die Ausgrabungsarbeiten dauern noch immer an, doch schon heute ist klar, das Conimbriga der größte Ruinenkomplex aus römischer Zeit in Portugal ist.

Coimbra hat im laufe der Jahrhunderte viele berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht, die in dieser Stadt geboren und gestorben sind oder hier einfach nur gewirkt haben.
Die wichtigsten Söhne und Töchter Coimbras sind:

• Afonso I Henriques / erster König von Portugal – Er machte Coimbra zur Hauptstadt des Reiches und hier verstarb er am 06. Dezember 1185
• Afonso II / dritter König von Portugal – Er wurde in Coimbra im Jahre 1185 geboren und verstarb hier im Jahre 1223
• Afonso III / fünfter König von Portugal – Geboren am 05. Mai 1210 in Coimbra
• Afonso IV / siebter König von Portugal – Er wurde am 08. Februar 1291 in Coimbra geboren
• Álvaro Cunhal / Politiker und kommunistischer Führer – Geboren am 10. November 1913 in Coimbra
• Carlos Paredes / Gitarrist – Dieser Virtuose der Portugiesischen Gitarre wurde am 16. Februar 1925 in Coimbra geboren
• Dinis I / König von Portugal – Er ist der Begründer der altehrwürdigen Universität von Coimbra
• Filipe Albuquerque / Rennfahrer – Geboren in Coimbra am 13. Juni 1985
• Isabel / Königin und Heilige – Die Gemahlin von König Dinis I und heutige Stadtpatronin von Coimbra wurde von der katholischen Kirche im Jahre 1625 heilig gesprochen. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie im Klarissinnenkloster Convento de Santa Clara-a-Velha die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbracht
• Ines de Castro / Gemahlin des späteren Königs Pedro I – Sie wurde auf Geheiß von König Afonso IV, dem Vater ihres Ehemannes Pedro, im Jahre 1355 in der Quinta das Lagrimas ermordet
• Joana Ramos / Judoka – 1982 in Coimbra geboren
• Joaquim Machado de Castro / Bildhauer – Er wurde am 19. Juni 1731 in Coimbra geboren. Sein berühmtestes Werk ist das Reiterstandbild von König José I auf der Praça do Comércio in Lissabon. Nach ihm ist das wichtigste Museum der Stadt Coimbra benannt
• José Antonio Carlos de Seixas / Cembalist und Komponist – 1704 in Coimbra geboren
• Schwester Lucia / Nonne – Schwester Lucia (port.: Irmã Lucia) starb am 13. Februar 2005 als Karmeliterin im Kloster Santa Teresa in Coimbra. Sie, ihre Cousine Jacinta und ihr Cousin Francisco waren die „Drei Hirtenkinder von Fatima“ (port.: „Três pastorinhos de Fatima“), denen im Jahre 1917 die Jungfrau Maria erschienen sein soll
• Miguel Veloso / Fußballer – Am 11. Mai 1986 in Coimbra geboren
• Pedro Nunes / Mathematiker – Er verstarb im Jahre 1578 in Coimbra
• Pedro Passos Coelho / Politiker – Der aktuelle Premierminister Portugals wurde am 24. Juli 1964 in Coimbra geboren
• Sancho I / zweiter König von Portugal – Er wurde im Jahre 1154 in Coimbra Geboren und verstarb hier im Jahre 1211
• Sérgio Conceição / Fußballer – Am 14. November 1974 in Coimbra geboren

Coimbra hat 21 Partnerstädte.
Eine von ihnen ist die deutsche Stadt Halle an der Saale, in Sachsen-Anhalt.
Andere Partnerstädte sind z.B. Salvador, Curitiba und Santos in Brasilien, Aix-en-Provence und Poitiers in Frankreich oder Santiago de Compostela und Salamanca in Spanien.

Eine Sehenswürdigkeit, bzw. einen meiner Lieblingspunkte in Coimbra, habe ich mir zum Schluss dieses Blogeintrages aufgehoben.
Sollte es sie einmal nach Coimbra verschlagen, so besuchen sie unbedingt den Penedo da Saudade (port.: Felsen der Sehnsucht), der nordöstlich des Botanischen Gartens liegt.
Von diesem traditionellen Studententreffpunkt hat man eine der schönsten Aussichten über Coimbra.
Sie werden diesen prächtigen Ort lieben!

Mittwoch, 18. Januar 2012

Die Universität von Coimbra





Auf dem höchsten Punkt der Stadt Coimbra, an der Stelle des früheren Königspalastes, von dem heute nur noch ein historisches mauelinisches Portal erhalten ist, steht die alte ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra / lat.: Universitas Conimbrigensis).
Die Universität von Coimbra ist heute eine öffentliche Universität mit über 22.000 Studenten und 1.500 Dozenten.

Am 01. März des Jahres 1290 unterzeichnete der damalige portugiesische König Dinis in der Stadt Leiria den Gründungsvertrag der Universität, der dann durch die päpstliche Bulle „Scientiae thesaurus mirabilis“ am 09. August 1290 von Papst Nikolaus IV bestätigt wurde.
Auf Anweisungen von König Dinis wurde noch im selben Jahr mit dem Bau der Universität begonnen.
Die Universität von Coimbra ist somit die älteste Bildungsanstalt Portugals und eine der ältesten und renommiertesten der Welt.

Ihren Ursprung hat die Universität aber nicht in Coimbra, sondern in Lissabon.
Hier wurde sie, wie bereits erwähnt, im Jahre 1290, an der Stelle an dem sich heute der Largo do Carmo befindet, gegründet.
Die ersten Fächer die damals an der neu gegründeten Universität gelehrt wurden waren Kunst (port.: artes), Kanonisches Recht (port.: direito canónico, Zivilrecht (port.: direito civil), Medizin (port.: medicina) und Theologie (port.: teologia).

Bereits 18 Jahre nach ihrer Gründung in Lissabon wurde die Universität dann im Jahre 1308 zum ersten Mal nach Coimbra verlegt.
30 Jahre später, im Jahre 1338, kam sie wieder nach Lissabon, wo sie dann für die nächsten 16 Jahre blieb.
Im Jahre 1354 wurde sie erneut nach Coimbra transferiert, wo sie dann auch bis 1377 blieb.
Von 1377 an blieb sie für die nächsten 160 Jahre wieder in Lissabon.
Erst 1537 wurde sie, auf Anweisung von König João III, endgültig nach Coimbra verlegt, wo sie dann bis heute auch geblieben ist.

Ihre ersten Statuten (port.: estatutos universitários) erhielt die Universität unter dem Namen „Charta magna privilegiorum“ im Jahre 1309. In ihnen wurden die Dauer eines Studiums an der Universität, die Prüfungskriterien und die daraus resultierenden akademischen Titel festgelegt.

Die zweiten Statuten wurden dann im Jahre 1431 unter König João I gewährt.
In ihnen wurden die Aufnahme- und Studiengebühren für alle Studenten, unabhängig ihrer sozialen Klasse, festgesetzt, genauso wie das Tragen der schwarzen akademischen Tracht festgelegt, die heute noch von den meisten Studenten voller Stolz, und heute durchaus freiwillig, getragen wird.

Unter König Manuel I erhielt die Universität im Jahre 1503 ihre dritten Statuten. Diesmal wurden die genauen Aufgaben und Pflichten des Rektors und der einzelnen Dozenten schriftlich festgelegt, ebenso ihre Gehälter und die einzelnen akademischen Zeremonien klar definiert.

Im Jahre 1559, jetzt unter König Sebastião I, erhielt die Universität ihre vierten Statuten.
In ihnen wurde vor allem beschlossen, dass der Rektor und die restliche Führung der Universität nicht mehr, wie bisher, vom König ernannt wurden, sondern ab diesem Jahr von einem unabhängigen Gremium, dem „Claustro“, zu wählen waren.

Die fünften Statuten sollten 1580 in Kraft treten.
Aber durch die Einverleibung Portugals an das Königreich Spanien in eben diesem Jahr, traten sie niemals in Kraft.

Die sechsten Statuten kamen dann im Jahre 1591 direkt aus Madrid.
In ihnen wurde festgelegt, dass ab sofort der jeweilige spanische Monarch die Amtsgeschäfte der Universität immer gemeinsam mit zwei Mitgliedern des unabhängigen Gremiums der Universität, des „Claustro“, zu leiten hatte.

Unter dem spanischen König Felipe IV, der als Filipe III auch über Portugal geherrscht hat, wurde die Universität dann ab 1630 teilweise neu gebaut.
Es entstand ein U-förmiges Gebäude mit einem riesigen Innenhof.
Der Eingang zu diesem weiten Innenhof war und ist noch heute die „Porta Férrea“ (dt.: Eisernes Tor) aus dem Jahre 1634.
Im Westen, Norden und Osten wird dieser Hof von Universitätsgebäuden umschlossen. Aber die südliche Hofseite bildet eine Terrasse, von der man eine prachtvolle Aussicht auf die Stadt Coimbra und den Fluss Mondego hat.

Im Jahre 1640 mussten die Spanier dann das Universitätsgelände und ganz Portugal verlassen, denn Portugal hatte seine Unabhängigkeit von Spanien wiedererlangt.
Im Jahr darauf, 1641, wurden dann die siebten Statuten herausgegeben. Sie hoben im Großen und Ganzen die vorhergehenden spanischen Statuten auf.

An der Nordseite des Universitätshofes befindet sich das ursprüngliche Universitätsgebäude, indem heute das Rektorat und die juristische Fakultät untergebracht sind.
Über eine breite Freitreppe betritt man den Säulengang, die „Via Latina“ (dt.: Lateinische Weg).
Hier durften sich die Studenten und Professoren früher nur in der lateinischen Sprache verständigen.

Die Nordseite des Hofes begrenzt die Sternwarte (port.: Observatório) und die Westseite die Universitätskirche (port.: Igreja Univeritária).
Die Kirche wurde zwischen 1517 und 1552 als Schlosskapelle erbaut.
Ihr 33 m hoher Turm wurde zwischen den Jahren 1728 und 1733 von dem deutschstämmigen Architekten João Frederico Ludovice erbaut. Er ist das Wahrzeichen, nicht nur der Universität, sondern der Stadt Coimbra überhaupt.
In ihm befindet sich im Glockengeläut die berühmte „cabra“ (dt.: Ziege), eine Glocke die ehemals in dieser traditionsreichen Universität jeden Tag den Unterrichtsbeginn und Unterrichtsschluss der Studenten läutete.

An der Kirche schließt sich die prunkvoll ausgestattete Alte Biblioteca Joanina (dt.: Johannesbibliothek) an, ebenfalls ein Werk des Architekten Ludovice, die zwischen 1716 und 1723 nach dem Vorbild der Wiener Hofbibliothek geschaffen wurde.
Die Gemahlin von König João V, der der Förderer dieser eindrucksvollen Bibliothek war, stammte nämlich ursprünglich aus Österreich.

Unter König José I und seinem Premierminister, dem Marques de Pombal, wurden dann im Jahre 1772 die achten Statuten eingeführt. Diese Statuten, die auch Pombalinische Statuten (port.: estatutos pombalinos) genannt werden, waren dafür verantwortlich, dass sich die Universität grundlegend veränderte.
Waren bisher die theologischen, juristischen und sprachlichen Fächer im Vordergrund gewesen, standen ab jetzt die naturwissenschaftlichen Fächer, wie Biologie, Chemie, Mathematik und Physik, im Mittelpunkt.
Die Bibliothek wurde aus diesem Grund innerhalb von drei Jahren mit 12.000 neuen wissenschaftlichen Büchern aus aller Welt gefüllt!

Die Bibliothek beherbergt heute über 60.000 seltene Bücher und Handschriften aus allen Teilen der Welt und obendrein das wertvolle Archiv der Universität.
Die Decken- und Wandgemälde dieses wunderschönen Gebäudes sind alle vom portugiesischen Künstler António Simões Ribeiro gemalt worden.
Bis zum Jahre 1910 wurde die Bibliothek von den Studenten benutzt.
Heute kann man die Bibliothek zwar besuchen, allerdings kann man dann nur mit einer Sondergenehmigung Einsicht in die alten Bände nehmen.

Anfang des Jahres 1911 erhält die Universität neue Statuten.
Mit dem Ende der Monarchie und mit dem Beginn der Republik erhielt sie zum ersten Mal eine gewisse Autonomie und eine gerechtere Gebührenpolitik, damit ab nun jeder, aber auch wirklich jeder, unabhängig seiner finanziellen Möglichkeiten, studieren konnte.

Die größte architektonische Veränderung der neusten Zeit erlebte die Universität dann von 1942 bis 1969, als nämlich ein großer Teil der Altstadt von Coimbra, südlich des Largo da Feira, abgerissen wurde und neue Universitätsgebäude mit einer Reihe von Instituten, unter anderem die Faculdade de Medicina (dt.: Medizinische Fakultät), die Faculdade das Letras (dt.: Philosophische Fakultät) und die aktuelle Biblioteca Geral (dt.: Allgemeine Bibliothek), unter der Leitung der Architekten José Ângelo Cottinelli Telmo und Cristino da Silva gebaut wurden.

1974, mit dem Ende der Diktatur, reformierte sich die Universität. Sie erhielt neue Statuten und sie wurde, dem politischen Klima entsprechend, demokratischer und dynamischer.
Mit dem Jahr 1989 traten die aktuellen Statuten in Kraft.

Die Universität von Coimbra besitzt heute acht Fakultäten.
Jeder Fakultät ist eine Farbe zugeordnet, die die einzelnen Studenten identifizieren die sie zumeist als farbige Bänder tragen.
Trägt ein Student z.B. ein rotes Band, so weiß man das dieser Rechtswissenschaften studiert, trägt er ein gelbes Band, weiß man das er Medizin studiert, usw., usw.
Die Universität selber identifiziert sich immer mit der Farbe grün.
Die einzelnen Fakultäten und die entsprechenden Farben die ihnen zugeordnet sind

• die Fakultät für Medizin (port.: Faculdade de Medicina) – gelb
• die Fakultät für Pharmazie (port.: Faculdade de Farmácia) – lila
• die Fakultät für Philosophie (port.: Faculdade de Letras) – blau
• die Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften (port.: Faculdade de Psicologia e Ciências da Educação) – orange
• die Fakultät für Rechtswissenschaften (port.: Faculdade de Direito) – rot
• die Fakultät für Sportwissenschaften (port.: Faculdade de Ciências do Desporto e Educação Física) – braun
• die Fakultät für Technologiewissenschaften (port.: Faculdade de Ciências e Tecnologia) – blau-weiß
• die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (port.: Faculdade de Economia) – rot-weiß

Diese acht Fakultäten bieten heute Studenten, unter anderem, einen Abschluss in Architektur, Medizin, Erziehungs- und Ingenieurswissenschaften, Recht, Mathematik, Naturwissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaft und Sport an.

Ebenfalls zum Universitätsgelände gehört der exotische Botanische Garten (port.: Jardim Botânico), der einstmals auf Veranlassung des Marques de Pombal angelegt wurde.
Leider ist nur ein Teil des Botanischen Gartens öffentlich zugänglich, denn der größte Teil des Gartens ist dem Biologischen Institut der Universität vorbehalten.

Über die Jahrhunderte hinweg hat die Universität viele Studenten und Studentinnen hervorgebracht, die Berühmtheit erlangt haben.
Einige der berühmtesten ehemaligen Studenten und Studentinnen der Universität von Coimbra sind:

• Manuel Alegre – Poet und Politiker
• Manuel de Arriaga – Politiker und ehemaliger Staatspräsident
• Teófilo Braga – Politiker und ehemaliger Staatspräsident
• Luis de Camões – Poet und Schriftsteller
• Sebastião José de Carvalho e Mello, Marques de Pombal – Politiker und Premierminister
• João Baptista de Almeida Garett – Schriftsteller
• Xanana Gusmão – Freiheitskämpfer und Präsident von Ost-Timor
• Ernesto Rodolfo Hintze Ribeiro – deutschstämmiger Politiker und späterer Premierminister
• Alberto Iria – Historiker
• Artur Jorge – Fußballtrainer
• Eduardo Lourenço – Literaturwissenschaftler
• Egas Moniz – Neurologe, Politiker und Nobelpreisträger
• Vital Moreira – Rechtswissenschaftler
• Pedro Nunes – Mathematiker und Astronom
• Sidónio Pais – Politiker und ehemaliger Staatspräsident
• António de Oliveira Salazar – Politiker und späterer Diktator
• Aristides de Sousa Mendes – Politiker und Konsul
• Miguel Torga – Schriftsteller
• José Maria Eça de Queirós – Schriftsteller
• Antero de Quental – Schriftsteller

Mit ihrer über 700jährigen Geschichte gilt die Universität von Coimbra auch heute noch als die beste Universität Portugals, als eine der drei besten Universitäten im portugiesischsprachigen Raum, nach den Universitäten von São Paulo und Rio de Janeiro in Brasilien, und als eine der besten weltweit.

Samstag, 14. Januar 2012

Kandidatur der Universität Coimbra als Weltkulturerbe


Nach dem Ende letzten Jahres der Fado auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (port.: Lista do Património Cultural da Humanidade da UNESCO) gesetzt wurde (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag‚ „Weltkulturerbe Fado“ vom 27.11.2011) will sich Portugal nun diesen Monat mit einer weiteren Kandidatur bei der UNESCO um die Aufnahme in die berühmte Liste bemühen.

João Gabriel Silva, der Rektor der altehrwürdigen Universität der Stadt Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), die im Jahre 1290 als erste portugiesische Universität gegründet wurde, und eine der ältesten Universitäten der Welt ist, hat nun offiziell bestätigt das er Ende Januar eine formulierte Kandidatur bei der UNESCO in Paris einreichen wird.
Die Kandidatur, mit dessen Ausarbeitung schon bereits im Jahre 2005 universitätsintern begonnen wurde, soll aus über zweitausend Seiten bestehen.

Die Universität von Coimbra kann auf eine 700jährige traditionsreiche Geschichte zurückblicken.
Aber obwohl sie so alt ist, gehört die Universität zu den modernsten Portugals und Europas, mit einem überdurchschnittlichen Anteil an ausländischen Studenten, darunter auch viele Deutsche.

Mit einer Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes würden nicht nur die alten geschichtsträchtigen Fakultätsgebäude (port.. faculdades universitárias / lat.: Alma mater conimbrigensis) und die wunderschöne und wertvolle Johannesbibliothek (port.: Biblioteca Joanina) gewürdigt werden, sondern auch der prächtige Botanische Garten (port.. Jardim Botanico), der zum weitläufigen Universitätsgelände gehört.

Der Titel als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) käme der Universität sehr gelegen, denn in Zeiten knapper Kassen, könnten dann die zu erwarteten finanziellen Mittel, die mit solch einer Aufnahme in die berühmte Liste automatisch fliesen würden, für die Instandhaltung der alten historischen Gebäude sinnvoll verwendet werden.

Mit einer eventuellen positiven Entscheidung durch die UNESCO-Kommission wird dann Ende des Jahres 2013 gerechnet.

Mittwoch, 30. September 2009

„Hook ’em, horns“


George W. Bush hat dieser Tage eine Universitätsbibliothek im texanischen Austin eingeweiht.
Eigentlich hatte sich Bush ja fest vorgenommen, nie wieder eine Universität zu betreten, nachdem amerikanische Universitätsprofessoren im Jahre 2005 einen ganz besonderen stinkenden Käfer nach ihm benannt hatten.
Damals wurde, der kurz zuvor neu entdeckte Schwammkugelkäfer, der sich von Schleimpilzen ernährt, nach George W. Bush, mit dem lateinischen Namen „Agathidium bushi“, benannt.

Doch Bush entschied sich diese Woche, da die Bibliothek ja seinen Namen erhalten sollte, an deren Eröffnung als Gastredner teilzunehmen.
Was anderes blieb ihm ehrlich gesagt, ja auch nicht übrig.

Am Ende der Rede, verabschiedete er sich vom anwesenden Publikum, dem Lehrerkollegium und den Studenten mit einem besonderen Gruß.
Er erhob seinen Arm, spreizte seinen Daumen und seinen kleinen Finger nach außen und ballte die anderen drei Finger zur Faust.

Es handelt sich bei dieser besonderen Geste um den so genannten traditionellen texanischen Gruß „hook ’em, horns“, der am selben Abend nicht nur von ihm, sondern auch von seiner Frau Laura mehrmals wiedergegeben wurde, und der in Texas in etwa so viel bedeutet wie „Viel Glück“.

„Hook ’em, horns“ machen alle Texaner nicht nur als selbstverständliche Geste, sondern man findet dieses Handzeichen überall in Texas verteilt, sei es an Wänden gemalt, als Aufkleber auf Autos oder auch Mal als Abdruck auf einem T-Shirt.

Die Tatsache dass Georg W. Bush jetzt Bibliotheken eröffnet und nicht mehr als Präsident der USA den Finger am Atomknopf hat, ist eigentlich beruhigend und ist dementsprechend auch eine Nachricht wert.

Aber nicht die Bibliothekseröffnung durch den Ex-Präsidenten der USA war den hiesigen Tageszeitungen eine Nachricht wert, sondern die besagte Handbewegung, die er am Ende dieser Eröffnung machte.

Denn hier in Portugal ist diese Geste eher eine von der Sorte, wie man sie seinem Gegner mit auf den Weg gibt, wenn man ihn auf die wüsteste Art und Weise beschimpfen will.

Wenn hier in Portugal einer dem anderen diese Handbewegung zeigt, dann bedeutet das nämlich so viel wie:
„Deine Frau hat dir die Hörner aufgesetzt, Du Waschlappen“, oder „Deine Alte betrügt Dich nach Strich und Faden, Du Depp“.
Diese Geste, vor allem bei primitiven Autofahrern sehr beliebt, ist unter uns Südländer wohl eine der schlimmsten Beschimpfungen die man von sich geben kann.

Die Tageszeitung „Diário de Noticias“ nahm sich daher drei ganze Spalten um die Geste von Mr. Bush, im fernen Texas, zu erklären.
Die Tatsache, dass Bush eine Bibliothek eingeweiht hatte, war der Zeitung allerdings nur zwei Sätze wert!

Eine andere portugiesische Tageszeitung, der „Jornal da Madeira“, der auf der Insel Madeira erscheint, dort wo die Bevölkerung mehrheitlich streng katholisch und religiös ist, sah sich am Tag nach dem Abdrucken der Nachricht von der Bibliothekseröffnung sogar dazu genötigt, ihren Lesern mitzuteilen, das Bush und seine Frau keinen satanischen Gruß von sich gaben, als sie fotografiert wurden.
Viele der Leser hatten nämlich, als sie das Foto in der Zeitung sahen, diesen als solchen interpretiert, und heftige Protestschreiben an die Zeitung gesendet.

Diese stellte, wie gesagt, in ihrer Ausgabe am nächsten Tag dann klar, das es sich bei der von Bush gezeigten Geste, um eine ganz normale texanische Grußform handele, mit der man jemanden einfach nur viel Glück wünscht.

In diesem Sinne: „hook ’em, horns“

Montag, 8. Juni 2009

Genial daneben...




In der Fernsehsendung „Genial daneben“, vom letzten Samstag, dem 06. Juni 2009, die auf dem Sender sat1 läuft und die über Satellit auch hier in Portugal empfangbar ist, kam eine Portugalspezifische Frage vor, die dann auch von dem cleveren Rateteam erraten und beantwortet wurde.
Die Frage, die der Moderator Hugo Egon Balder seinem Rateteam stellte war die folgende:

Frage: „Warum werden in der altehrwürdigen Universität von Coimbra, in Mittelportugal, allabendlich die Tische im Lesesaal der Bibliothek mit Ledertüchern zugedeckt?“

Da ich die Antwort sofort wusste (ich war schon mal selber in der Bibliothek von Coimbra), hat es mir Spaß gemacht zuzusehen, wie das Team um Hugo Egon Balder versuchte zu einer Lösung zu kommen, und dabei die lustigsten Antwortmöglichkeiten gab.
Nach noch nicht einmal 5 Minuten sollte ich dann aber angenehm überrascht werden. Denn Hella von Sinnen gab die richtige Antwort, und somit wurde die Frage als richtig gelöst anerkannt.

Und wie lautet die Antwort? Kann sie sich einer meiner Blogleser vorstellen? Nein? Hier also die richtige Lösung:

Antwort: „In der prunkvoll ausgestatteten, barocken Alten Bibliothek der Universität Coimbra, die 1716-1723 nach dem Vorbild der Wiener Hofbibliothek geschaffen wurde (die Gemahlin des damaligen Königs João V, Anna Maria, war Österreicherin) nisten Fledermäuse! Die Fledermäuse fliegen nachts im Bibliothekgebäude herum. Und da Fledermäuse nicht gerade sehr stubenrein sind, werden auf den wertvollen Mahagonitischen des Lesesaals, Ledertücher über Nacht ausgebreitet, um diese vor dem Kot der Fledermäuse zu schützen.
Viele werden sich jetzt fragen, warum man sich so viel Mühe macht, und sich nicht lieber der Fledermäuse entledigt?
Nun die Antwort ist leicht zu geben.
Die Fledermäuse machen nachts jagt auf Insekten, wie z. B. Motten und auch jagt auf Bücherwürmer, und sind somit wertvolle Schädlingsvernichter. Da sie somit nützlich sind, und so zum Erhalt der über 300.000 wertvollen und alten Bücher, Drucke und Handschriften aus allen Teilen der Welt beitragen, nimmt man das allabendliche Zudecken der Lesetische gerne in kauf.“

Was bei dieser Antwort in der Sendung leider nicht erwähnt wurde, ist die Tatsache dass die Universität von Coimbra sich auch Katzen in ihrer Bibliothek hält.
Genauso wie die Fledermäuse, so werden auch die Katzen gehalten, um unliebsamen, bücherfressenden Schädlingen den Garaus zu machen.
In diesem Fall, nämlich den Mäusen!