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Samstag, 22. August 2015

Portugal, das Land in dem Wasser gepredigt und Wein getrunken wird


Wie das portugiesische Weininstitut (port.: Instituto da Vinha e do Vinho), das dem hiesigen Landwirtschaftsministerium untersteht, diese Woche verlautbaren ließ, erwarten nationale Winzer dieses Jahr eine Ernte von ca. 670 Millionen Liter Weine bester Qualität.
Im Verhältnis zum Vorjahr, wo 620 Millionen Liter Spitzenweine produziert wurden, wäre das eine Steigerung von immerhin 8%!
Nicht mitgerechnet sind hier die unzähligen Tafelweine die hierzulande angebaut werden.

Bis auf die Weinanbauregion Setúbal werden alle portugiesischen Weinanbaugebiete dieses Jahr eine signifikante Produktionssteigerung haben.
Für die Weinanbauregionen Douro, Porto und Dão wird für 2015 sogar mit einem Produktionsüberschuss von 20% gerechnet.
Insgesamt wird in Portugal auf einer Fläche von 240.000 Hektar – die siebtgrößte Weinanbaufläche der Welt – Rebensaft angebaut.

Nach einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO (port.: Organização Mundial da Saúde) trinken Italiener 50 Liter, Franzosen 53 Liter und Portugiesen 55 Liter Wein pro Kopf und Jahr.
Damit sind Portugals Bürger Europas größte Weinkonsumenten.

Wein hat in Portugal schon immer einen hohen kulturellen und wirtschaftlichen Stellungswert gehabt.
Es ist archäologisch erwiesen, das bereits in der Bronzezeit die Menschen, die das heutige Portugal besiedelten, Getränke aus Weintrauben herstellten.
Richtig kultiviert und angebaut wurde Wein dann aber erst seit der Römerzeit in Portugal. Es waren die alten Römer, die die Weinkultur hierzulande etablierten.
Im 12. Jahrhundert, unter König D. Dinis der im Volksmund „o Lavrador“ (dt.: der Bauer) genannt wurde, wurde der Weinanbau sehr gefördert und Wein zu einem wahren portugiesischen Exportschlager der damaligen Zeit.
Jahrhunderte später, als die englische Krone hohe Zölle über importierte französische Weine verhängte, wurde Portugal Englands größter Weinlieferant.
Im Jahre 1756 ließ der absolutistisch regierende Premierminister Marques de Pombal das Weinanbaugebiet am oberen Flusslauf des Douro (port.: Alto Douro) mit Marksteinen begrenzen und machte die Region zum weltweit ersten herkunftsgeschützten Weinanbaugebiet der Welt.
Während der Diktatur von António de Oliveira Salazars im 20. Jahrhundert war die portugiesische Weinproduktion weltweit verhältnismäßig unbedeutend.
Erst mit dem Eintritt Portugals in die EU begann der portugiesische Weinanbau wieder zu florieren und ist heute verantwortlich für eines der wichtigsten Exportgüter Portugals.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Ausstellung der Portugiesischen Welt 1940






Nach langer Zeit mache ich mich hier in meinem Blog heute wieder bemerkbar.
Leider war es mir, krankheitsbedingt, nicht möglich in den letzten Wochen im Planet Portugal sehr aktiv zu sein.
Aber ich befinde mich auf dem Weg der Besserung, und möchte nun durchstarten!
Ich Danke allen, die in den letzten Wochen nach meinem Wohlbefinden gefragt haben, die sich um mich gesorgt und die mir so viel Kraft und Unterstützung haben zuteil kommen lassen.
Vielen Dank!
Muito obrigado!

Aber nun zum Blog:

In meinem Blogeintrag vom 31. August 2014, „Political correctness ist in einer Demokratie nicht immer zwingend korrekt!“, erwähne ich in dem Text auch die „Ausstellung der Portugiesischen Welt“ (port.: „Exposição do Mundo Português“), die im Jahre 1940 hier in Lissabon stattfand.
In den letzten Wochen wurde ich mehrmals auf diese Ausstellung angesprochen, was es mit ihr auf sich hatte, wo sie genau stattfand, warum sie ausgerechnet im Jahre 1940 präsentiert wurde und wie ihr Verlauf war.

Nun, die „Exposição do Mundo Português“ (dt.: „Ausstellung der Portugiesischen Welt“) fand im Jahre 1940 im Rahmen zweier wichtiger nationalhistorischer Jahrhundertfeiern statt:
zum einen feierte Portugal im Jahre 1940 seinen 800. Unabhängigkeitstag im Jahre 1140 (port.: „Independência de Portugal“) und zum anderen feierte man 1940 den 300. Jahrestag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Portugals von der spanische Fremdherrschaft im Jahre 1640 (port.: „Restauração da Independência de Portugal“).

Die Idee diese zwei wichtigen nationalen Jahrhundertfeiern mit einer Ausstellung zu krönen hatten ab 1929 einige Minister des Diktators António de Oliveira Salazar.
Nach den internationalen Weltausstellungen 1937 in Paris und 1939 in New York und in San Francisco, an denen Portugal sehr erfolgreich teilgenommen hatte, beschlossen der portugiesische Diktator und sein Kabinett 1939 die schon lange geplante „Ausstellung der Portugiesischen Welt“ im folgendem Jubiläumsjahr 1940 auszurichten.

Geführt von dem Journalisten und Diplomaten Augusto de Castro, der damals von Diktator Salazar zum Generalkommissar des zukünftigen Projektes ernannt wurde, machte sich noch während der Weltausstellung in San Francisco in Portugal eine Kommission, bestehend aus Architekten, Ingenieuren, Malern, Bildhauern und Regisseuren, ans Werk die Ausstellung „Exposição do Mundo Português“, die vom 23. Juni bis zum 02. Dezember 1940 stattfinden sollte, zu planen.
Diese Ausstellung sollte, ganz im Sinne der damaligen Diktatur, der Welt ein multikulturelles, vielrassiges, gläubiges und geschichtsträchtiges Portugal zeigen, so wie es leider nur teilweise der Realität entsprach.

Im Lissabonner Stadtteil Belém, das in der Geschichte der Seefahrt wohl das symbolträchtigste der Hauptstadt war und ist, entstand eine Ausstellungsfläche von ca. 560.000 m², das urban völlig neu gestaltet wurde.
Insgesamt 17 namhafte Architekten, 43 bekannete Maler und 24 renommierte Bildhauer wurden mit der Organisation und der Entstehung der Ausstellung beauftragt.

Das Zentrum der Ausstellung bildete ein riesiger Platz mit dem Namen Praça do Imperio (dt.: Platz des Imperiums), wobei hier natürlich das portugiesische Imperium gemeint war, das sich einstmals von Südamerika über Afrika und Asien ausgebreitet hatte!
Dieser Platz entstand zwischen dem Hieronymuskloster im Norden, dem Ufer des Tejo im Süden und zwei riesigen Pavillons, die eigens für die Ausstellung damals gebaut wurden.
Zum einen war das der Ausstellungspavillon „Pavilhão da Honra e de Lisboa“ (dt.: Pavillon der Ehre und Lissabons) des Architekten Luis Cristino da Silva und zum anderen der „Pavilhão dos Portugueses no Mundo“ (dt.: Pavillon der Portugiesen in der Welt) des Architekten Cottinelli Telmo, der auch für den Bau des Denkmals der Entdeckungen verantwortlich war.

Außer diesen zwei monumentalen Ausstellungspavillons konnte man damals auf dem Gelände noch die folgenden, sehr nationalorientierten, Ausstellungsgebäude besuchen:

- „Pavilhão da Formação e Conquista“ (dt.: Pavillon der Einheitsbildung und Eroberungen)
In diesem Pavillon wurden die zahlreichen globalen Eroberungen Portugals und die Einheit des gesamten Imperiums mit Portugal dem Publikum nahe gebracht

- „Pavilhão da Independência“ (dt.: Pavillon der Unabhängigkeit)
Hier wurde der Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien gedacht

- „Pavilhão dos Descobrimentos“ (dt.: Pavillon der Entdeckungen)
In diesem Ausstellungsgebäude wurden alle portugiesischen Entdeckungsfahrten gezeigt und thematisiert

- „Pavilhão da Fundação“ (dt.: Pavillon der Staatsgründung)
In diesem Pavillon konnten die Besucher mehr über die Staatsgründung Portugals und den Werdegang der Nation in den ersten Jahren ihres Bestehens erfahren

- „Pavilhão do Brasil“ (dt.: Brasilienpavillon)
Der Brasilienpavillon war der einzige ausländische Pavillon auf dem Ausstellungsgelände, denn Brasilien war das einzige Land, das damals von Portugal zur Teilnahme an der Ausstellung eingeladen wurde

- „Pavilhão da Colonização“ (dt.: Pavillon der Kolonien)
In diesem Pavillon wurden die einzelnen portugiesischen Kolonien dargestellt und die Kolonialpolitik des damaligen Regimes dem Publikum, natürlich in den schillerndsten Farben, nahe gebracht

- „Pavilhão de Artes Populares“ (dt.: Volkskundepavillon)
Dieser Ausstellungspavillon offenbarte dem Besucher die reichhaltige, kreative und traditionelle Kunst der einzelnen portugiesischen Regionen und den Überseekolonien. Dieser Pavillon gehörte zu den am meisten besuchten der Ausstellung

Außer den Ausstellungspavillons gab es auf dem Gelände ein Vergnügungspark für Kinder, nachgebaute portugiesische Dörfer (port.: „Aldeias Portuguesas“) der verschiedenen Landesprovinzen in Portugal und in Portugiesisch-Übersee, einen so genannten Dichtergarten (port.: „Jardim dos Poetas“) sowie zahlreiche Attraktionen. 

Eine der damaligen Attraktionen der „Ausstellung der Portugiesischen Welt“ war das Denkmal der Eroberungen (port.: Padrão dos Descobrimentos) des portugiesischen Architekten José Ângelo Cottinelli Telmo, das damals wie heute am Ufer des Tejo stand. Allerdings wurde das ursprüngliche Denkmal der Entdeckungen aus ziemlich vergänglichen Materialien errichtet, so dass es noch vor dem Ende der Ausstellung im Dezember 1940 sehr angegriffen und brüchig war.
Da das Denkmal aber eines der meistbesuchten Objekte der Ausstellung war, erbaute man ihn 20 Jahre später – anlässlich des 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) – aus Stein und Beton wieder auf, dort wo er heute noch in Belém steht und zu besuchen ist.

Eine weitere Attraktion der Ausstellung war ein Nachbau eines Schiffes, der an die großen portugiesischen Segelschiffe während der portugiesischen Entdeckungsfahrten erinnern sollte.
Dieser Schiffsnachbau, eine Idee des Regisseurs José Leitão de Barros, sollte eine portugiesische Nau (port.: Nau portuguesa) darstellen, war aber in Wahrheit eine dickbäuchige Galeone.
Um ein Haar wäre dieser Segler mit Namen „Nau Portugal“ nicht auf der Ausstellung in Lissabon zu sehen gewesen, denn das Segelschiff wäre beinahe auf der Überfahrt nach Lissabon untergegangen!
In einer Werft in der Hafenstadt Aveiro in aller Eile zusammengebaut, stach der Segler erst Mitte Juli 1940 in See – die Ausstellung lief bereits seit drei Wochen – und gleich nach der Abfahrt in Aveiro bekam das Schiff Schlagseite und drohte zu sinken.
Nur mit größter Mühe konnte ein Untergang der „Nau“ verhindert werden, die dann letztendlich, schwer angeschlagen und mit Hilfe englischer Matrosen, in Lissabon ankam.
Salazar soll damals getobt haben, denn das Einlaufen der „Nau Portugal“ war am Eröffnungstag der Ausstellung als ein Triumph der portugiesischen Seefahrt geplant gewesen, und war dann letztendlich doch für den Diktator nur eine Blamage.

António de Oliveira Salazar und der damaligen Staatspräsidenten António Oscar de Fragoso Carmona eröffneten die Ausstellung „Exposição do Mundo Português“ feierlich am 23. Juni 1940, in Anwesenheit vieler nationaler Honoratioren und Gäste.
Obwohl die Welt sich damals mitten im Zweiten Weltkrieg befand, waren auch viele ausländische Diplomaten und Ehrengäste, unter ihnen die Botschafter Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens, am Eröffnungstag anwesend.
Die Ausstellung war bis zum 02. Dezember 1940 geöffnet und hatte insgesamt 3 Millionen Besucher!

Bis zur Weltausstellung Expo 1998 in Lissabon war die „Exposição do Mundo Português“ (dt.: „Ausstellung der Portugiesischen Welt“) die größte jemals in Portugal realisierte Ausstellung!


Sonntag, 26. Mai 2013

Die drei neuen F´s



Heute traf ich mich mit meiner guten Freundin Beate aus Regensburg, um mit ihr und ihrem Freund zu Mittag zu essen.
Während des Gesprächs, das wir während des Essens führten, fragte mich Beates Freund, der im Gegensatz zu Beate zum ersten Mal hier in Portugal ist, ob es stimmen würde, das man Portugal auf die die drei F-Wörter „Fado – Fatima – Fußball“ reduzieren könne?
Er hätte das in seinem schlauen Reiseführer gelesen.

Nun, da ich nicht wusste ob er wegen des gestrigen Champions-League-Finalsieges seiner Bayern noch etwas alkoholisch angeschlagen war und weil ich, aus Respekt vor Beate, die ich sehr schätze, nicht gleich eine meiner trocken-sarkastischen Antworten geben wollte, konterte ich mit einer Gegenfrage, nämlich was er denn davon halten würde, wenn man Deutschland klischeehaft als das Land der grölenden, humorlosen und biertrinkfreudigen Trabifahrer bezeichnen würde?

Sicherlich die drei F´s gibt es wirklich und sie sind tatsächlich eine portugiesische Erfindung.
Es war der ehemalige portugiesische Diktator António de Oliveira Salazar, der während seiner faschistischen Herrschaft, die von 1932 bis 1968 dauerte, den Portugiesen tatsächlich weiß machen wollte, sie bräuchten, um glücklich und zufrieden zu sein, nur die sehnsuchtsvolle und wehmütige Fadomusik, eine alljährliche Wallfahrt nach Fátima und, getreu dem altem römischen Motto „Panem et circenses“ (dt.: „Brot und Spiele“), ab und zu ein Besuch im Fußballstadion!
Alles andere, wie Wissen, Lesen oder Schreiben, da war sich Salazar sicher, würde das Volk zum Denken animieren, und somit unglücklich machen!
So hielt der Diktator sein, zumeist analphabetisches Volk, über Jahrzehnte hinweg willenlos, schwach und dumm!

Diese drei F-Wörter „Fado – Fátima – Fußball“ (port.: „Fado – Fátima – Futebol“) waren und sind leider immer noch so klischeehaft behaftet, das sie es doch tatsächlich anscheinend geschafft haben, in Reiseführer unserer Zeit Einzug zu finden!

Uns Portugiesen sind die drei F´s also sehr wohl ein Begriff.
Doch wenn heute meine Landsleute an die drei F´s denken, dann meinen sie nicht „Fado – Fátima – Futebol“, sondern neuerdings, in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise, verbinden sie mit den drei F´s eher die Begriffe „Frustração“ (dt.: „Frustration“), „Falta de Emprego (dt.: Arbeitslosigkeit) und „crise Financeira“ (dt.: Finanzkrise).

Die Zeiten sind zweifellos andere, die Probleme und die Nöte sind andere, die Begriffe sind andere und auch die Menschen sind andere.
Aber was gleich geblieben ist, und was auch unbedingt gleich bleiben muss, ist der starke Überlebenswille der Portugiesen gegen die alltäglichen Ungerechtigkeiten die auch heute noch in diesem Land herrschen!

Donnerstag, 7. März 2013

Von kreativen und inspirierenden Demonstranten



In einem Interview, den er gestern Abend am Rande einer Kirchenkonferenz über das Thema „Die Kirche in der portugiesischen Gesellschaft“ gab, hat der von mir sehr geschätzte Militärbischof (port.: Bispo das Forças Armadas), D. Januário Torgal Mendes Ferreira, wieder einmal seiner Meinung freien Lauf gegeben.

Der Seelsorger der portugiesischen Streitkräfte, der kein großer Freund der aktuellen Regierung ist, sagte, das seiner Meinung nach, die landesweiten Großdemonstrationen vom vergangenen Wochenende, bei denen über 1,5 Millionen Menschen auf die Straße gegangen sind (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Zum Teufel mit der Troika“, vom 02. März 2013), mehr als deutlich zeigen würden, das die Bevölkerung mit der jetzigen Regierung und den größten Steuererhöhungen in der Geschichte Portugals nicht einverstanden seien.

D. Januário, der schon mehrmals die Politik von Pedro Passos Coelho kritisiert hat, so verglich er vor einiger Zeit die Politik des Premierministers mit der des Diktators Salazar und bezeichnete die aktuelle Regierung gar als zutiefst korrupt und unglaubwürdig, warf dem Premierminister Unsensibilität vor und riet ihm sogar „zu gehen“.

Pedro Passos Coelho bleibt ungerührt und verlässt sich weiterhin darauf, dass die Mehrheit seiner Bürger fast grenzenlos leidensfähig und obrigkeitstreu ist.
Fragt sich nur, wie lange noch?!?

Einer meiner deutschen Freund meinte dieser Tage, er hätte es als sehr kreativ und inspirierend empfunden, als er im Fernsehen sah, wie tausende Demonstranten am vergangenen Samstag gemeinsam das Revolutionslied „Grândola, vila morena“ (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Grândola, vila morena“ vom 26. April 2010) sangen.
Ich glaube, „kreativ und inspirierend“ sind zwei Ausdrücke, die genau das wiedergeben, wie die Mehrheit der Portugiesen im Moment mit der politischen Klasse umgeht, wenn sie versucht, sich Gehör zu verschaffen.

Wie originell so mancher Protest im Augenblick sein kann, zeigt zweifellos eine neue Aktion, die sich jetzt tausende wütender Bürger haben einfallen lassen:
Sie lassen sich Rechnungen und Quittungen in Pedro Passos Coelhos Namen ausstellen und geben auch seine Steuernummer 177.142.430 an, so dass am Ende des Jahres die Ausgaben sein offizielles Einkommen übersteigen werden, und er dann, theoretisch, Besuch von der Steuerfahndung bekommen wird.

Natürlich ist dies nur eine geniale Protestform mehr, die am Ende doch im Sand verlaufen wird.
Aber wenigstens kämpft man mit solchen Aktionen gegen das immer größer werdende Gefühl der Machtlosigkeit hierzulande an!

Freitag, 8. Februar 2013

Schleudersitz Premierminister in der Ersten Republik


 
Im vorhergehenden Blogeintrag „Die Fünf-Minuten-Regierung“ vom 02. Februar 2013, erwähne ich die die chaotischen, unstabilen und extremen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die es während der ersten Republik hierzulande gegeben hat.

Vom Ende der Monarchie, am 05. Oktober 1910, bis zum Staatsstreich, am 28. Mai 1926, gab es in 16 Jahren insgesamt 44 republikanische Regierungen (port.: governos repúblicanos), die von 35 verschiedenen Ministerpräsidenten (port.: Presidentes do Ministério) und Juntas geführt wurden.

Als die Republik in Portugal ausgerufen wurde, versprachen die Republikaner dem Volk, unter anderem, Frieden, Fortschritt, Ordnung und Stabilität, aber sie brachten der Nation nur Chaos.
Zwar wurden ein paar wenige Reformen durchgeführt, doch die damals so dringend für das Land erforderliche Agrarreform blieb aus.
Der Parteieinstreit der unter sich gespaltenen Republikaner, revolutionäre Unruhen, Streiks, politische Korruption und die anhaltende Finanzkrise verhinderten damals eine stabile Regierungsbildung.

Die Namen der Männer, die damals auf dem Schleudersitz eines Ministerpräsidenten saßen, und die viele heute, selbst hier in Portugal, noch kaum einer kennt, sind:


Joaquim Teófilo Fernandes Braga (1843 – 1924)
Amtszeit: 05. Oktober 1910 – 03. September 1911
Amtsdauer: 333 Tage

João Pinheiro Chagas (1863 – 1925)
Amtszeit: 03. September – 12. November 1911
Amtsdauer: 70 Tage

Augusto César de Almeida de Vasconcelos Correia (1867 – 1951)
Amtszeit: 12. November 1911 – 16. Juni 1912
Amtsdauer: 217 Tage

Duarte Leite Pereira da Silva (1864 – 1950)
Amtszeit: 16. Juni 1912 bis zum 23. September 1912
Amtsdauer: 99 Tage

Augusto César de Almeida de Vasconcelos Correia (1867- 1951)
Amtszeit: 23. September – 30. September 1912
Amtsdauer: 7 Tage

Duarte Leite Pereira da Silva (1864 – 1950)
Amtszeit: 30. September 1912 – 09. Januar 1913
Amtsdauer: 101 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 09. Januar 1913 – 09. Februar 1914
Amtsdauer: 1 Jahr und 31 Tage

Bernardino Luis Machado Guimarães (1851 – 1944)
Amtszeit: 9. Februar – 12. Dezember 1914
Amtsdauer: 306 Tage

Vítor Hugo de Azevedo Coutinho (1871 – 1955)
Amtszeit: 12. Dezember 1914 – 25. Januar 1915
Amtsdauer: 44 Tage

Joaquim Pimenta de Castro (1846 – 1918)
Amtszeit: 25. Januar – 14. Mai 1915
Amtsdauer: 109 Tage

José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
António Maria da Silva (1872 – 1950)
José de Freitas Ribeiro (1968 – 1929)
Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: Regierten alle gemeinsam in einer Verfassungsjunta vom 14. – 15. Mai 1915
Amtsdauer: 1 Tag

João Pinheiro Chagas (1863 – 1925)
Amtszeit: 15. – 17. Mai 1915
Amtsdauer: 2 Tage

José Ribeiro de Castro (1868 – 1929)
Amtszeit: 17. Mai – 04. September 1915
Amtsdauer: 110 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 04. – 05. September 1915
Amtsdauer: 1 Tag

José Ribeiro de Castro (1868 – 1929)
Amtszeit: 05. September – 29. November 1915
Amtsdauer: 85 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 29. November 1915 – 15. März 1916
Amtsdauer: 107 Tage

António José de Almeida (1866 – 1929)
Amtszeit: 16. März 1916 – 25. April 1917
Amtsdauer: 1 Jahr und 39 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 25. April – 06. Oktober 1917
Amtsdauer: 103 Tage

José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
Amtszeit: 07. bis zum 25. Oktober 1917
Amtsdauer: 18 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 25. Oktober – 18. November 1917
Amtsdauer: 24 Tage

José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
Amtszeit: 18. November – 08. Dezember 1917
Amtsdauer: 21 Tage

António Maria de Azavedo Machado Santos (1875 – 1921)
José Feliciano da Costa Júnior (1884 - 1929)
Sidónio Bernardino Cardoso da Silva Pais (1872 – 1918)
Amtszeit: Regierten alle drei gemeinsam in einer revolutionären Junta vom 08. Dezember – 11. Dezember 1917
Amtsdauer: 3 Tage

Sidónio Bernardino Cardoso da Silva Pais (1872 – 1918)
Amtszeit: 11. Dezember 1917 – 14. Dezember 1918
Amtsdauer: 1 Jahr und 3 Tage

António Egas Moniz (1874 – 1955)
João do Canto e Castro (1862 – 1934)
João Tamagnini Barbosa (1883 – 1948)
Jorge Couceiro da Costa (1858 – 1937)
Álvaro César de Mendonça (1875 – 1959)
João Alberto Azavedo Neves (1877 – 1955)
Alexandre de Vasconcelos e Sá (1872 – 1929)
José Alfredo Mendes de Magalhães (1870 – 1957)
Henrique Forbes Bessa
José João Pinto da Cruz Azevedo (1888 - )
Eduardo Fernandes de Oliveira
Amtszeit: bildeten gemeinsam eine Militärjunta, vom 14. – 15. Dezember 1918
Amtsdauer: 1 Tag

João do Canto e Castro (1862 – 1934)
Amtszeit: 15. – 23. Dezember 1918
Amtsdauer: 8 Tage

João Tamagnini Barbosa (1883 – 1948)
Amtszeit: 23. Dezember 1918 – 27. Januar 1919
Amtsdauer: 35 Tage

José Carlos de Mascarenhas Relvas (1858 – 1929)
Amtszeit: 27. Januar 1919 – 30. März 1919
Amtsdauer: 62 Tage

Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 30. März – 29. Juni 1919
Amtsdauer: 91 Tage

Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Amtszeit: 29. Juni 1919 – 15. Januar 1920
Amtsdauer: 200 Tage

Francisco José de Meneses Fernandes Costa (1857 – 1925)
Amtszeit: regierte am 15. Januar1920
Amtsdauer: nur knappe fünf Minuten

Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Amtszeit: 15. – 21. Januar 1920
Amtsdauer: Regierte nach seiner Wiederernennung noch weitere 6 Tage

Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 21. Januar – 08. März 1920
Amtsdauer: 47 Tage

António Maria Baptista (1866 – 1920)
Amtszeit: 08. März – 06. Juni 1920
Amtsdauer: 90 Tage

José Ramos Preto (1871 – 1949)
Amtszeit: 06. – 26. Juni 1920
Amtsdauer: 20 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 26. Juni – 19. Juli 1920
Amtsdauer: 23 Tage

António Joaquim Granjo (1881 – 1921)
Amtszeit: 19. Juli – 20. November 1920
Amtsdauer: 124 Tage

Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: 20. – 30. November 1920
Amtsdauer: 10 Tage

Liberato Damião Ribeiro Pinto (1880 – 1949)
Amtszeit: 30. November 1920 – 02. März 1921
Amtsdauer: 273 Tage

Bernardino Luis Machado Guimarães (1851 – 1944)
Amtszeit: 02. März – 23. Mai 1921
Amtsdauer: 82 Tage

Tomé José de Barros Queirós (1872 – 1925)
Amtszeit: 23. Mai – 30. August 1921
Amtsdauer: 99 Tage

António Joaquim Granjo (1881 – 1921)
Amtszeit: 30. August – 19. Oktober 1921
Amtsdauer: 50 Tage

António Manuel Maria Coelho (1857 – 1943)
Amtszeit: 19. Oktober – 05. November 1921
Amtsdauer: 17 Tage

Carlos Henrique da Silva Maia Pinto (1866 – 1932)
Amtszeit: 06. November – 16. Dezember 1921
Amtsdauer: 41 Tage

Francisco Pinto da Cunha Leal (1888 – 1970)
Amtszeit: 16. Dezember 1921 – 06. Februar 1922
Amtsdauer: 52 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 06. Februar 1922 – 15. November 1923
Amtsdauer: 1 Jahr und 282 Tage

António Ginestal Machado (1874 – 1940)
Amtszeit: 15. November – 18. Dezember 1923
Amtsdauer: 33 Tage

Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: 18. Dezember 1923 – 06. Juli 1924
Amtsdauer: 201 Tage

Alfredo Rodrigues Gaspar (1865 – 1938)
Amtszeit: 06. Juli – 22. November 1924
Amtsdauer: 139 Tage

José Domingues dos Santos (1885 – 1958)
Amtszeit: 22. November 1924 – 15. Februar 1925
Amtsdauer: 85 Tage

Vitorino Máximo de Carvalho Guimarães (1876 – 1957)
Amtszeit: 15. Februar – 01. Juli 1925
Amtsdauer: 136 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 01. Juli – 01. August 1925
Amtsdauer: 31 Tage

Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 01. August – 17. Dezember 1925
Amtsdauer: 138 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 17. Dezember 1925 – 30. Mai 1926
Amtsdauer: 164 Tage


Am 28. Mai 1926 setzt General Manuel de Oliveira Gomes da Costa mit einem Militäraufstand dem Trauerspiel der Ersten Republik in Portugal ein Ende.
Er löst das Parlament auf und setzt die Verfassung außer Kraft.

Aber kaum ist Portugal von einem Trauerspiel befreit, schon beginnt für das Land ein neues.
Nach mehreren Militärputschen wird António de Oliveira Salazar 1933 Ministerpräsident eines ständisch-autoritären Staates, nach faschistischem Vorbild.
Der „Estado Novo“ (dt.: Neue Staat) wird geboren und sollte bis 1974 überleben!

Sonntag, 19. August 2012

Portugal dos Pequenitos









In meinem vor wenigen Tagen hier erschienenen Blogeintrag „Cassiano Viriato Branco“, vom 13. August 2012, schreibe ich über den Architekten der Moderne, Viriato Branco, und erwähne im Text eines seiner größten architektonischen Meisterwerke, nämlich den Kinderthemenpark „Portugal dos Pequenitos“ (port.: „Portugals der Kleinsten“), der in der nördlich von Lissabon gelegenen Stadt Coimbra steht.

Dieser Kinderthemenpark ist eine Idee des renommierten Kinderarztes, Universitätsprofessors und Politikers Fernando Baeta Bissaya Barreto Rosa, der diesen Ort mit durchaus klaren pädagogischen Hintergedanken als Freizeitpark für Kleinkinder entwarf, um ihnen so, auf spielerische Art und Weise, die architektonischen und historischen Aspekte Portugals nahe bringen zu können.
Anfang 1938 setzte sich der Mediziner Bissaya Barreto mit dem schon erwähnten Architekten des Arte Deco, Cassiano Viriato Branco, zusammen und beide nahmen sie das Projekt „Portugal dos Pequenitos“ in Angriff.

In drei thematischen Areals, die zwischen 1938 und den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut wurden, hat man hier die bedeutendsten Baudenkmäler Portugals, die typischen Wohnhäuser der portugiesischen Regionen und die vielen Gebäude der ehemaligen Kolonien als Miniaturen dicht beieinander aufgebaut.

„Portugal dos Pequenitos“ ist nicht ein Freizeitpark im herkömmlichen Sinne, mit zahlreichen Fahrgeschäften, Karussells und Achterbahnen, sondern eher eine große Parkanlage mit vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Erholung für Kinder.
In dieser portugiesischen Miniaturwelt soll das aktive Handeln und Lernen der Kinder, sowie ihr daraus resultiertes Wissen, stark gefördert werden.

In dem ältesten Teil des Parks, der zwischen 1938 und 1940 erbaut wurde, kann man an kleinen Miniaturgebäuden, die einzelnen architektonischen Baustile der verschiedenen Regionen Portugals, wie die des Minho, Trás-os-Montes, des Douro, der Beiras, der Estremadura, des Alentejo und der Algarve, bewundern.
Auf diesem Areal befinden sich auch zwei große Seen, mit mehreren kleinen Inseln auf denen verschiedene Miniaturgebäude stehen, die die Inselwelt der Azoren und die der Insel Madeira darstellen sollen.
Auch die Universitätsstadt Coimbra, in dem der Park „Portugal dos Pequenitos“ steht, wird hier in diesem Areal mit den Miniaturbauten einzelner wichtiger Gebäude der Stadt, wie z.B. der Universität und der zwei Kathedralen der Stadt, thematisch besonders bedacht.
Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurde der Park, am 08. Juni 1940, offiziell eröffnet.

In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts kam dann ein zweites Areal hinzu.
Auf diesem wurden einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Portugals, wie etwa die Torre de Belém, das Hieronymuskloster und das Denkmal der Entdeckungen in Lissabon, die Klöster von Batalha und Tomar und der römischen Dianatempel in Évora, im Miniaturformat errichtet.

Im dritten und jüngsten Areal des Parks, welches erst Ende der 50er Jahre fertig gestellt wurde, kann man, umrahmt von einer tropischen Vegetation, zahlreichen ethnographischen Artefakten und Skulpturen und in einem für die damalige Zeit den europäischen Idealisierungen des Schwarzen Kontinents entsprechenden Baustils, die Nachbildungen typischer Hütten und Häuser der ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola, Moçambique, Guinea-Bissau, São Tomé und Principe, Brasilien, Indien, Ost-Timor und den Kapverdischen Inseln bewundern.

Viele meinen, der Themenpark „Portugal dos Pequenitos“ wäre überholt und diese Miniaturwelt wäre heute nichts mehr als ein lebendiges Beispiel für die Verharmlosung der Kolonialpolitik des ehemaligen Diktators António de Oliveira Salazar.
Es gibt gar einige wenige Portugiesen die behaupten, ihre Kinder würden einen seelischen Schaden davon tragen, wenn sie diesen Themenpark besuchen würden, und verbieten daher ihren Sprösslingen sogar einen Schulausflug in den Park „Portugal dos Pequenitos“.

Doch das heutige demokratische und europäische Portugal hat sich vom ehemals diktatorischen und kolonialen Portugal von gestern weit distanziert.
„Portugal dos Pequenitos“ ist heute lediglich eine Miniaturwelt, die an das riesige portugiesische Kolonialimperium und die beispiellose kulturelle und ethnische Vielfalt die es einstmals auf portugiesischem Territorium gab, erinnert.

Nicht mehr und nicht weniger!

Montag, 13. August 2012

Cassiano Viriato Branco

Heute, auf den Tag genau vor 115 Jahren, am 13. August 1897, wurde im Lissabonner Stadtteil São José, unweit der Praça dos Restauradores, der portugiesische Architekt Cassiano Viriato Branco als Sohn des aus dem alentejanischen Alcácer do Sal stammenden Cassiano José Branco und seiner Ehefrau Maria da Assunção Viriato geboren.
Als Sohn eines Kleinindustriellenpaares, zumal als dessen einziges Kind, hatte Cassiano die Chance ein sehr gutes Schulsystem zu genießen und ein solides Studium zu absolvieren.

Recht früh, mit gerade erst einmal 20 Jahren, heiratete er im Jahre 1917 die junge Maria Elisa Soares Branco – eine Liebeshochzeit.
Nach der Heirat begann er sein Architekturstudium und beendete dieses, sehr erfolgreich, im Jahre 1926.
Er spezialisierte sich auf den modernen Baustil des Art Deco und wurde später ein wahrer Meister dieses Stils.
Cassiano Branco brachten seine originellen Bauwerke, sowohl im Inland als auch im Ausland, später einmal einigen Ruhm ein.

Er baute die verschiedensten Hotels, Theater, Wohnhäuser, Kinos und sogar einige Talsperren.
In der damaligen Überseeprovinz Angola errichtete er in der Stadt Benguela, den damaligen Hauptbahnhof der Stadt.
Cassiano Viriato Branco ist auch der Architekt des Kinderthemenparks „Portugal dos Pequenitos“ (dt.: „Portugal der Kleinsten“), in der Stadt Coimbra, einem Vergnügungspark für die Kleinsten unter uns, der sich auch heute noch größter Beliebtheit erfreut.

Cassiano Branco war als Architekt nicht immer unumstritten, zumal er als überaus cholerisch galt, wenn es um die Verwirklichung seiner Ideen ging.
Aber er war ein Visionär, ein Visionär, der bis an sein Lebensende versuchte seine Träume in Beton zu verwirklichen.

Am Anfang seiner Kariere wurde er von Diktator António de Oliveira Salazar noch gefördert und der Diktator hegte sogar eine gewisse Sympathie für ihn.
Doch spätestens 1958, als er Humberto Delgado, den oppositionellen Kandidaten für das Präsidentenamt in Portugal unterstützte, und so offen gegen Salazar anging, geriet er in Ungnade und wurde von der Geheimpolizei PIDE (port.: Policia International e de Defesa do Estado / dt.: Internationale Staatsschutzpolizei) festgenommen.
Nach seiner Festnahme wurde er nur noch geduldet und durfte seinen Beruf nicht mehr frei ausüben.

Zu den bedeutendsten und charakteristischsten Bauwerken von Cassiano Viriato Branco gehören

- das Rathaus in der Kleinstadt Sertã (port.: Paços do Concelho da Sertã), aus dem Jahre 1927

- die Markthalle von Santarém (port.: Mercado Municipal de Santarém), im Jahre 1928 fertig gestellt

- das Eden-Theater (port.: Teatro Eden), an der Praça dos Restauradores in Lissabon, aus dem Jahre 1932

- das ehemalige Hotel Vitória, in der Avenida da Liberdade n° 168 in Lissabon, heute im Besitz der KP Portugals (PCP), aus dem Jahre 1934

- das wunderschöne Grand Hotel Luso, in der Kleinstadt Luso, eingeweiht am 27. Juli 1940

- das Coliseu do Porto, eine Mehrzweckhalle in der Stadt Porto, aus dem Jahre 1939

- das Kinogebäude Império (port.: Cine-Teatro Império), aus dem Jahre 1948, in Lissabon

- Portugal dos Pequenitos, ein Kinderthemenpark das noch heute Kinderherzen höher schlagen lässt und am 08. Juni 1940 eingeweiht wurde

- das Hotel Britania in Lissabon, oftmals auch Hotel do Império genannt, aus dem Jahre 1942

- der Hauptbahnhof von Benguela, in der Stadt Benguela in Angola

Cassiano Viriato Branco verstarb am 24. April 1970, im Alter von 72 Jahren, in seiner Heimatstadt Lissabon.

Aus Anlass seines 115. Geburtstages hat die amerikanische Suchmaschine Google heute den Architekten Cassiano Branco mit einem besonderen „doodle“ geehrt.
Diesem „doodle“, das eine Burg im Themenpark „Portugal dos Pequenitos“ darstellt, ist es zu verdanken, dass ich heute noch diesen Beitrag geschrieben habe.
Denn wie viele andere auch, so hätte auch ich heute den Geburtstag dieses Genies der Architektur, wie ihn viele zu Lebzeiten genannt haben, einfach nur vergessen!

Freitag, 11. Mai 2012

Die gefangenen Studenten vom 11. Mai 1962

Die Studentenunruhen die Ende der 60er Jahre in vielen Ländern der Welt, leider oftmals auch mit Gewalt, für frischen politischen Wind sorgten sind ein Teil der Geschichte vieler Nationen dieser Zeit.

Was viele heute nicht wissen ist, das diese Studentenunruhen, die im Jahre 1968 weltweit ihren Höhepunkt erreichten, hier in Portugal schon wesentlich früher begannen.
Schon im Jahre 1961 war es an den Universitäten von Coimbra und Lissabon zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Studenten dieser zwei Bildungsanstalten und den Polizeikräften des damaligen Diktators António de Oliveira Salazar gekommen.
Die Studenten, die damals auf die Straße gingen, waren mit ihren Forderungen nach mehr politischen Freiheiten, zweifelsohne die Vorreiter der Revolutionäre des 25. April 1974.

Da aber Salazar kein allzu großer Freund von „Freiheiten“ war, veranlasste er, dass seine Polizei immer härter gegen die politisch engagierten Studenten vorging.
Dies verschärfte den Konflikt an den portugiesischen Universitäten zusehends.

Im April 1962 begannen zahlreiche Studenten an der Universität von Lissabon (port.: Universidade de Lisboa) den Unterricht zu boykottieren und viele von ihnen schlossen sich spontanen friedlichen Demonstrationen an.
Einige von ihnen traten sogar, um ihren Forderungen nach politischer und kultureller Freiheit mehr Ausdruck zu verleihen, einem Hungerstreik bei.

Salazar und sein Regime beobachteten diese Aktivitäten an der Lissabonner Universität zunehmend mit Besorgnis.
Anfang Mai befahl Salazar seiner Geheimpolizei PIDE mit allen Mitteln weitere Eskalationen und politische Aktivitäten an der Universitäten zu unterbinden.
Als sich der gesundheitliche Zustand der Studenten, die sich im Hungerstreik befanden, zunehmend verschlechterte, entschied sich Salazar zu handeln.

In den Morgenstunden des 11. Mai 1962, also vor genau 50 Jahren, umzingelte eine Hundertschaft der Polizei die Mensa der Lissabonner Universitätsstadt (port.: cidade universitária), wo die Studenten damals seit Tagen versammelt waren, und nahm alle Studenten fest.
Die Studenten die sich im Hungerstreik befanden wurden in Lissabonner Krankenhäuser eingewiesen und sofort zwangsernährt. Die anderen von ihnen wurden als „politische Revolutionäre“ in Gewahrsam genommen und auch als solche später verurteilt.

Über 1.500 junge Menschen wurden an diesem Tag von der Polizei verhaftet!
Sie wurden auf dem Campus der Universität zuerst zusammengetrieben und dann mit grünen Doppeldeckerbussen der öffentlichen Verkehrsbetriebe Carris zu der Lissabonner Zivilverwaltung (port.: Governo Civil de Lisboa) gefahren, wo sie dann fotografiert und ihnen die Fingerabdrücke abgenommen wurden, so als ob es sich bei ihnen um Schwerstkriminelle handeln würde.

Nachdem sie kriminaltechnisch Identifiziert waren, wurden sie von der Polizei tagelang vernommen, teilweise sogar zusammengeschlagen, bis man von jedem einzelnen ein „Geständnis“ hatte.
Die meisten von ihnen wurden dann wieder in Doppeldeckerbusse gesteckt und danach in das berüchtigte Gefängnis für politische Gefangene in Caxias, bei Lissabon, gesteckt.
Hier verbrachten sie dann mehrere Wochen, manche von ihnen sogar Monate, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen wurden.

Aber viele von ihnen, wie Jorge Sampaio, der spätere Staatspräsident Portugals, João Cravinho, der spätere portugiesische Bauminister oder Ruben de Carvalho, der heute für die kommunistische Partei im Parlament sitzt, sahen ihre damalige Entlassung aus dem Gefängnis von Caxias keineswegs als Befreiung.
Im Gegenteil, viele von ihnen gingen später in den Untergrund und kämpften weiter gegen das diktatorische Regime von Salazar und seinem Nachfolger Marcelo Caetano.

Das damals, an einem einzigen Tag, 1.500 junge Menschen festgenommen werden konnten, ist heute kaum noch vorstellbar.
Aber, so vieles von damals ist heute noch kaum vorstellbar!

Sicherlich, man kann die heutige Zeit auch keinesfalls mit der damaligen vergleichen.
Aber, und da bin ich mir sicher, auch heute träumt sicherlich der eine oder andere Politiker davon, mal auf einem Schlag 1.500 Demonstranten festzunehmen, wenn diese auf den Straßen Portugals mal wieder für mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Bildung, einem besseren Gesundheitswesen und mehr politischen Freiheiten aufbegehren.

Samstag, 21. April 2012

Der Spanische Bürgerkrieg und seine portugiesischen Opfer


Im Juli 1936 brach in Portugals Nachbarland Spanien ein Gemetzel aus, das als eines der blutigsten und grausamsten des 20. Jahrhunderts in die Analen der Weltgeschichte eingegangen ist.
Bis zum April 1939 standen sich damals die Truppen der legitimdemokratisch gewählten republikanischen Regierung Spaniens und die Truppen des faschistischen Generals Francisco Franco in einer brutalen und blutigen Auseinandersetzung gegenüber, das als Spanischer Bürgerkrieg (port.: Guerra Civil Espanhola / esp.: Guerra Civil Española) bekannt geworden ist und das über 300.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Als General Franco 1936 gegen die spanische Regierung putschte, hatte er zuerst die bedingungslose Unterstützung des damaligen portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar.
Diese Unterstützung drückte sich vor allem dadurch aus, dass die Putschisten, vor allem in den ersten Monaten des Bürgerkrieges, ganz offen über Portugal mit Waffen und anderem Kriegsmaterial aus dem faschistischen Deutschland und Italien versorgt wurden.

Erst nachdem sich in Portugal Unruhen breit machten, bei der Demonstranten für die republikanische Regierung in Spanien auf die Straße gingen, entschied sich Salazar, sich nicht direkt in die Kriegswirren Spaniens einzumischen.
Aber indirekt unterstützte er im großen Stil die Rekrutierung tausender junger portugiesischer Männer, um sie dann später an der
Seite der spanischen Nationalisten für Franco kämpften zu lassen.

Über diese mehr als 6.000 Portugiesen, die damals für das faschistische Spanien freiwillig in den Krieg zogen und die von den Spaniern „Viriatos“ genannt wurden, gibt es etliche Aufzeichnungen, Bilder und Geschichten, die ihre Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg ausführlich dokumentieren.

Weitaus unbekannter ist die Geschichte der vielen portugiesischen Frauen und Männer, die auf der Seite der spanischen Republikaner gegen Franco und seine Truppen gekämpft haben.
Jahrzehnte lang wurde ihre Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg, sowohl von spanischer als auch von portugiesischer Seite, vertuscht und verschwiegen.
Weder die Faschisten unter Franco noch die Faschisten unter Salazar hatten ein großes Interesse daran, eine Beteiligung portugiesischer Widerstandskämpfer im Spanischen Bürgerkrieg zu erwähnen.

Um nach fast 80 Jahren nun endlich ein wenig Licht in diese dunkle Vergangenheit Spaniens zu bringen, hat jetzt die hoch angesehene Universität von Santiago de Compostela in Galizien, in Zusammenarbeit mit Historikern der zwei portugiesischen Universitäten Universidade Nova de Lisboa und Universidade do Minho, ein höchst interessantes Projekt ins Leben gerufen.

Unter dem Projektnamen „Projecto Nomes e Voces“ (dt.: Projekt Namen und Stimmen / port.: Projecto Nomes e Vozes), wollen diese drei Hochschulen die Identität der vielen Portugiesen und Portugiesinnen erforschen, die damals am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen haben.

Wie viele Portugiesen genau letztendlich auf der Seite der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen haben, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.
Man geht aber von einigen Hundert aus.

Erst vor kurzem wurde eine Liste mit 56 Namen portugiesischer Immigranten entdeckt, die durch spanischen Faschisten ermordet wurden.
Einige der 56 Portugiesen, deren Name sich auf dieser Liste befinden und deren Identität jetzt durch „Projecto Nomes e Voces“ besser erforscht werden sollen, möchte ich gerne hier erwähnt.

Es sind dies, unter anderem

• Fernando Nunes da Costa – 42 Jahre und Zimmermann – in der Stadt La Guardia standrechtlich erschossen

• Manuel Correia de Carvalho Costa – 51 Jahre und Bauarbeiter – im Juli 1936 bei Straßenkämpfen gegen die Faschisten in der Stadt Lavadores erschossen

• Mariana de Lazo Chaves – 44 Jahre und Fischverkäuferin – in faschistischer Gefangenschaft an Tuberkulose gestorben

• Augusto Alfonso Gonzalez – 44 Jahre und Bauarbeiter – in der Stadt Pontevedra als Rebell standrechtlich erschossen

• António Fernandes Guimarães – 37 Jahre und Bauarbeiter – in der Stadt Pamplona standrechtlich erschossen

• Manuel Solla Lemos – 23 Jahre und Schuhmacher – in der Kaserne Monte del Castro in der Stadt Vigo standrechtlich erschossen

• Telmo Freitas Lima – 39 Jahre und Bauarbeiter – in Vigo standrechtlich erschossen

• António Soler Monteiro – 47 Jahre und Bahnarbeiter – in der Kaserne Monte del Castro in der Stadt Vigo 1937 als Rebell standrechtlich erschossen

• Maria Nogueira – 57 Jahre und von Beruf Amme – in der Stadt Vilardevós ohne Gerichtsverfahren erschossen

• António González Pazos – 50 Jahre und Schuhmacher – im Kampf gegen die Faschisten gefallen

• Maria Belo Paz – 51 Jahre und von Beruf Fabrikarbeiterin – im Juli 1936 bei einer Straßenschlacht gegen die Faschisten in der Stadt Lavadores zuerst von diesen vergewaltigt und danach erschossen

• Luis Duarte Pedrosa – 44 Jahre – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Ramiro – ohne Altersangabe, Bahnarbeiter – in der Ortschaft Portocamba ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Manuel Prodêncio do Rosário – 33 Jahre und Tagelöhner – von der Guarda Civil in der Ortschaft San Xían de Romai erschossen

• António da Costa Sousa – 43 Jahre – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Artur Ferreira de Sousa – 33 Jahre und Zimmermann – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Julio Azevedo Veiga – 31 Jahre – im Juli 1937 in La Coruña im Kampf gegen die Faschisten gefallen

Bei all den hier aufgeführten Portugiesen handelte es sich zumeist um ganz einfache Männer und Frauen, die teilweise schon seit Generationen in Spanien lebten und deren größtes Verbrechen es damals war Republikaner, Analphabeten, Anarchisten, Gewerkschaftler und eben Portugiesen zu sein.

Es wäre ein leichtes dem spanischen Diktator Franco die alleinige Schuld am Tode dieser vielen portugiesischer Bürger zu geben, die damals mit den spanischen Republikanern sympathisierten.

Die traurige Wahrheit ist jedoch die, das die damalige portugiesische Regierung, unter Diktator Salazar, sich nicht sonderlich um diese Portugiesen gekümmert hat.
Es existiert heute nicht ein einziges Dokument, das belegt, Salazar hätte damals auch nur ein einziges Mal gegen die Ermordung portugiesischer Staatsbürger durch das faschistische Spanien protestiert oder gar dagegen interveniert.
Mit seinem Nichthandeln hat Salazar damals stillschweigend den Tod vieler Portugiesen durch Franco einfach in Kauf genommen!

Die Wunden des Spanischen Bürgerkriegs und dessen Folgen sind für die meisten Spanier bis heute ein Trauma.
Aber auch hier zulande ist dieser Bürgerkrieg noch lange nicht ein abgeschlossenes Kapitel der portugiesischen Geschichte.

Samstag, 31. März 2012

Die zentralen Feierlichkeiten zum 10. Juni 2012


Wie das portugiesische Präsidialamt diese Woche bekannt gegeben hat, hat Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva verfügt, dass die diesjährigen Feierlichkeiten zum portugiesischen Nationalfeiertag, am 10. Juni, in der Hauptstadt Lissabon stattfinden sollen.

Der 10. Juni ist einer der höchsten Feiertage Portugals und trägt den offiziellen Namen „Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas“ (dt.: „Tag Portugals, Camões und der portugiesischen Gemeinden“.

Zum ersten Mal wurde dieser Feiertag im Jahre 1933, noch zu Zeiten der Salazar-Diktatur, gefeiert, und zwar noch unter dem weniger rühmlichen Namen „Dia de Portugal, de Camões e da Raça“ ( dt.: „Tag Portugals, Camões und der (portugiesischen) Rasse“).
Unter Diktator António de Oliveira Salazar fanden die zentralen Feierlichkeiten dieses Tages, das ursprünglich die portugiesische Kolonialpolitik verherrlichen sollte, immer in Lissabon statt.

Mit dem Ende der Diktatur im Jahre 1974 änderte sich nicht nur der Name des Feiertages – der Begriff „Raça“ (dt.: Rasse) wurde durch den Begriff „Comunidades Portuguesas“ (dt.: Portugiesische Gemeinden) ersetzt – sondern auch der Ort der Feierlichkeiten.
Seit 1977 ist es nämlich nun Tradition die zentralen Feierlichkeiten zum Portugal-Tag stets abwechselnd in jeweils einer anderen Stadt des Landes zu feiern, und nicht wie früher, nur in Lissabon.
So bekamen auch kleinere Provinzstädte, wie Covilhã, Vila Real oder Tomar, die Möglichkeit die Feiern zum portugiesischen Nationalfeiertag auszutragen.

Lissabon war, nach der Nelkenrevolution von 1974, bisher vier Mal Austragungsort der zentralen Feierlichkeiten zum 10. Juni, nämlich in den Jahren 1983, 1987, 1992 und 1998.

Bisherige Austragungsstädte der jeweiligen Feiern waren von 1977 bis heute:

• 1977 – Guarda (Beira Alta)
• 1978 – Portalegre (Alto Alentejo)
• 1979 – Vila Real (Trás-os-Montes)
• 1980 – Leiria (Beira Litoral)
• 1981 – Funchal (Madeira)
• 1982 – Figueira da Fóz (Beira Litoral)
• 1983 – Lisboa (Estremadura)
• 1984 – Viseu (Beira Alta)
• 1985 – Porto (Douro Litoral)
• 1986 – Évora (Alto Alentejo)
• 1987 – Lisboa (Estremadura)
• 1988 – Covilhã (Beira Baixa)
• 1989 – Ponta Delgada (Azoren)
• 1990 – Braga (Minho)
• 1991 – Tomar (Ribatejo)
• 1992 – Lisboa (Estremadura)
• 1993 – Sintra (Estremadura)
• 1994 – Coimbra (Beira Litoral)
• 1995 – Porto (Douro Litoral)
• 1996 – Lagos (Algarve)
• 1997 – Chaves (Trás-os-Montes)
• 1998 – Lisboa (Estremadura)
• 1999 – Aveiro (Beira Litoral)
• 2000 – Viseu (Beira Alta)
• 2001 – Porto (Douro Litoral)
• 2002 – Beja (Baixo Alentejo)
• 2003 – Angra do Heroismo (Azoren)
• 2004 – Bragança (Trás-os-Montes)
• 2005 – Guimarães (Minho)
• 2006 – Porto (Douro Litoral)
• 2007 – Setúbal (Estremadura)
• 2008 – Viana do Castelo (Minho)
• 2009 – Santarém (Ribatejo)
• 2010 – Faro (Algarve)
• 2011 – Castelo Branco (Beira Baixa)

Somit ist es nun also beschlossene Sache:
Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva wird, zum ersten Mal seit seiner Amtseinführung im Jahre 2006, die Feiern zum 10. Juni in der portugiesischen Hauptstadt stattfinden lassen.

Samstag, 25. Februar 2012

In memoriam: Infantin Maria Adelaide de Bragança van Uden


Maria Adelaide de Bragança van Uden, Infantin von Portugal, ist am gestrigen 24. Februar 2012, 25 Tage nach ihrem hundertsten Geburtstag, im Kreise ihrer Familie verstorben.
Sie war Zeit ihres Lebens eine engagierte, sehr sozial eingestellte und beispielhafte Person.

Geboren wurde Infantin Maria Adelaide, die mit vollem Namen Maria Adelaide Amélia Micaela Rafaela de Bragança van Uden hieß, am 31. Januar 1912, im Exil, im südfranzösischen Saint-Jean-de-Luz.
Sie war die Tochter des portugiesischen Herzogs Miguel de Bragança und der deutschen Prinzessin Maria Theresia von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und eine Enkelin des im Exil lebenden Königs Miguel I von Portugal, dem ersten Gemahl von Königin Maria II.

Noch als Kind zieht sie mit ihren Eltern von Frankreich nach Österreich, wo die Familie sich zuerst in Salzburg niederlässt.
Infantin Maria Adelaide macht nach ihrer Schulzeit auf dem Gymnasium Sacre Coeur von Riedenburg eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet später im Wiener Stadtkrankenhaus.
Als der II. Weltkrieg ausbricht bleibt sie mit ihrer Familie in Wien und unterstützt den österreichischen Widerstand gegen Adolf Hitler.

Als die Alliierten Wien mit Bomben übersäen leistet Infantin Maria Adelaide tatkräftig humanitäre Hilfe.
Nach dem Krieg sagen mehrere dutzend Zeugen aus, sie sei immer nach den verheerenden Bombenangriffen auf die Stadt stets als eine der ersten an Ort und Stelle gewesen, um die schwer Verwundeten und Traumatisierten medizinisch und moralisch zu unterstützen.

Im Jahre 1943 lernt sie den jungen niederländischen Arzt Nicolaas Johannes van Uden, der im selben Krankenhaus wie sie tätig ist, kennen und lieben.
Mitte 1944 wird Infantin Maria Adelaide als Widerstandskämpferin gegen Nazideutschland entlarvt, von der deutschen Gestapo festgenommen und nach einem kurzen Prozess vom Hitlerregime zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Nur eine diplomatische Interventionen des portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar, der vor Hitler origineller Weise darauf pocht das die Infantin portugiesisches „Staatseigentum“ ist, rettet ihr das Leben.
Da Infantin Maria Adelaide und ihre gesamte Familie im Exil lebten, hatten sie laut der portugiesischen Verfassung kein anrecht auf eine Einreise nach Portugal.
Als „Staatseigentum“ eines neutralen Landes, was Portugal ja während des II. Weltkrieges ja war, hatte sie aber gewisse Rechte.
Und so war es Salazar zwar nicht möglich die Infantin nach Portugal zu holen, sie aber sehr wohl in ein Drittland reisen zu lassen.
So wurde Infantin Maria Adelaide aus der Todeszelle in die Schweiz abgeschoben, wo sie bei ihrem Bruder Duarte Nuno, dem Herzog von Bragança, unterkam.

Nach dem Krieg ging Maria Adelaide wieder nach Österreich zurück.
Am 13. Oktober 1945 heiratet sie in Wien Nicolaas Johannes van Uden, der sie während ihrer ganzen Haftzeit unterstützt hat.
In Wien, werden ihre ersten drei Söhne geboren:
im Jahre 1946 Adriano Sergio Antonio Maria, 1947 Nuno Miguel und 1949 Francisco Xavier Damião.
1949 erlaubt Salazar, nach einer Änderung der portugiesischen Verfassung, die Rückkehr der Braganças nach Portugal.

Hier in Portugal werden dem Paar dann ihre drei anderen Kinder geboren:
im Jahre 1951 die Tochter Filipa Teodora Maria, 1954 der Sohn Miguel Inacio und 1956 eine weitere Tochter, Maria Teresa.
Infantin Maria Adelaide und ihre kleine Familie lassen sich zuerst in der Quinta do Carmo, in Almada, nieder.
Später ziehen sie ins 15 km weiter entfernte Caparica.

Genauso wie in Österreich, so engagiert sich Infantin Maria Adelaide auch hier in Portugal stark im sozialen Bereich.
Vor allem in den Orten Trafaria und Monte da Caparica, zwei sozialen Brennpunkten der Stadt Almada, werden dank ihres Engagements viele Hilfsprojekte ins Leben gerufen und von ihr dann auch tatkräftig unterstützt.

Infantin Maria Adelaide hat nie viel Aufsehen um ihr soziale Arbeit gemacht und sich stets dezent im Hintergrund gehalten.
Das entsprach zweifelsohne auch völlig ihrem Naturel.
Ich bin ihr das erste Mal 1994, rein zufällig, in Costa de Caparica begegnet. Danach habe ich sie, über die Jahre hinweg, noch einige Male als eine ganz einfache und sympathische Frau, ohne Starallüren und mit viel Charme kennen lernen dürfen.

Am 31. Januar 2012, an ihrem hundertsten Geburtstag wurde sie von Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva mit dem portugiesischen Verdienstorden „Medalha da Ordem do Mérito“ ausgezeichnet.
Die Beerdigung wird in den nächsten Tagen, auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin, im engsten Kreis der Familie erfolgen.
Am kommenden Donnerstag, dem 01. März 2012 findet im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) zu Lissabon ein feierlicher Gedenkgottesdienst zu ihren Ehren statt.

Infantin Maria Adelaide de Bragança van Uden war für mich, und nicht nur für mich, eine Kämpferin der gerechten Sache und eine Heldin.
Eine von der Sorte, wie es sie leider heutzutage nur noch sehr wenige gibt!

Sonntag, 8. Januar 2012

Lusotropikalismus


Haben sie schon einmal von dem Begriff „Lusotropikalismus“ (port.: „Luso-Tropicalismo“ gehört?
Nun, wenn nicht, dann stehen sie nicht alleine da, denn die meisten Deutschen, und leider auch heute die meisten Portugiesen, kennen diesen Begriff nicht.

Der Begriff Lusotropikalismus setzt sich aus den zwei Begriffen „luso“ (dt.: Portugiese, portugiesisch) und „tropical“ (dt.: tropisch) zusammen.
Lusotropikalismus ist eine politische Ideologie, so wie die Ideologie des Kapitalismus oder des Kommunismus.

Die Ideologie des Lusotropikalismus stand einmal für die Verbreitung der vermeintlichen geschichtlichen und moralischen Überlegenheit Portugals gegenüber seinen Kolonien und Überseegebieten, im Vergleich zu den anderen Kolonialmächten Europas.
Ihr Inhalt bezeichnete die portugiesische Fähigkeit und Gabe sich mit fremden Völkern und Kulturen zu vermischen, woraus sich dann aus dieser Verbindung eine spezielle soziale Harmonie des Zusammenlebens und ein kontinental übergreifendes und tolerantes Miteinander der einzelnen Rassen ergaben.

Als Portugal einstmals unter den Königen Manuel I und João III seine Kolonialgeschichte anfing, war es schon damals oberste Politik des Staates gewesen fremde Völker nicht zu Vernichten, so wie es später z.B. die Spanier mit den Azteken und den Mayas oder die Britten mit den Indianern Nordamerikas gemacht hatten, sondern sich mit den verschiedenen fremden Völkern und Kulturen, die im portugiesischen Einflussbereich lebten, zu vermischen.

Als z.B. Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckte, wurde seinen Seemännern und Soldaten ausdrücklich vom König gestattet indische Frauen zu ehelichen.
Ziel dieser Kolonialpolitik war es auf lange Zeit eine multikulturelle und portugaltreue Bevölkerung in den einzelnen Kolonien zu haben, und somit zukünftig Kriege und Aufstände zu vermeiden, nach dem Motto:
Portugiesen kämpfen niemals gegen Portugiesen!

Aber erst im 20. Jahrhundert, unter dem Diktator António de Oliveira Salazar und seinem „Estado Novo“, bekam diese Art und Weise der portugiesischen Kolonialpolitik mit dem Begriff Lusotropikalismus auch einen Namen.

Unter Salazar wurden die Kolonien (port.. colónias) auch offiziell nicht mehr als solche tituliert, sondern sie wurden ab dem Jahr 1940 Überseeprovinzen (port.: Provincias ultramarinas) genannt.
Laut der Staatspolitik der damaligen Zeit, wurden die Bevölkerungen der einzelnen Überseegebiete, vergleichbar dem südafrikanischen Apartheidsystems, immer in drei Kategorien aufgeteilt, nämlich in

• Einheimische Bürger (port.: nativos)
• Assimilierte Bürger (port.: assimilados)
• Portugiesische Bürger(port.: cidadões portugueses)

Die größte Bevölkerungsgruppe bildete in allen Überseegebieten, sei es in Afrika oder Asien, immer mit über 95% die einheimische Urbevölkerung.

Ihnen folgten dann die Assimilierten, die immer nicht mehr als 3% oder 4% der kolonialen Bevölkerung ausmachten. Assimilierte waren Einheimische Bürger, die mit einem staatlich ausgestellten Dokument (port.: Documento de assimilação) nachweisen konnten, dass sie dem katholischen Glauben angehörten, monogam lebten, die portugiesische Sprache in Wort und Schrift beherrschten und, wenn sie Männer waren, bereits in der portugiesischen Armee gedient hatten.
Nur mit diesem Dokument wurde ihr Status als Assimilierte anerkannt!
Als Assimilierte hatten sie das Wahlrecht und jedes andere Bürgerrecht eines weißen Portugiesen.

Die kleinste Bevölkerungsgruppe in den Überseegebieten bildeten immer die Portugiesen selbst.
Ihr Anteil betrug nie mehr als 2% der kolonialen Bevölkerung.

Nach den Kolonialkriegen im Jahre 1974 und dem Ende des portugiesischen Imperiums, wurde der Begriff „Lusotropikalismus“ nur noch selten verwendet.
An seiner Stelle kam der Begriff „Lusophonie“ (port.: lusofonia) auf, mit dem bis zum heutigen Tag die portugiesischsprachige und portugiesischkulturelle Welt bezeichnet wird.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Die Invasion Goas


Heute vor genau 50 Jahren hörte Goa auf Portugiesisch zu sein.
Am 18. Dezember 1961 besetzten Soldaten der Indischen Union gewaltsam die drei portugiesischen Überseeterritorien Goa, Damão und Diu, und beendeten damals in wenigen Stunden die über 450 Jahre dauernde portugiesische Präsenz in Indien.

Die Geschichte Portugals in Goa begann im Jahre 1510.
Nachdem Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, nutzten die Portugiesen von Anfang an die Rivalitäten der einzelnen indischen Landesfürsten zu ihren Gunsten aus.
Das ging soweit, das im Jahre 1510 der zukünftige portugiesische Vize-König von Indien (port.. Vice-Rei da India), Afonso de Albuquerque, mit dem Maharadscha von Vijayanagar eine Allianz einging, und mit diesem das heutige Gebiet um Goa, vom Sultan von Bijapur, eroberte.

Von diesem Augenblick der Eroberung an, wurde Goa für viele Jahrhunderte die wichtigste portugiesische Kolonie in Asien.
Alle Überseegebiete in Asien und Ostafrika, vom Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) bis nach Japan, unterstanden damals dem jeweiligen Gouverneur von Goa, der gleichzeitig auch meistens den Titel eines portugiesischen Vize-Königs trug.
Im 16. Jahrhundert, als Goa am mächtigsten und reichsten war, sprach man sogar vom „Goldenen Goa“ (port.: „Goa dourada“).

Als Indien im Jahre 1947 vom britischen Empire unabhängig wurde, erhöhte sich der Druck auf Portugal, ebenfalls seine Kolonien an Indien abzutreten.
Doch die damalige portugiesische Regierung, unter Diktator Antonio de Oliveira Salazar, dachte nicht daran Goa, Damão und Diu an Indien abzutreten.

Am 18. Dezember 1961 marschierten indische Soldaten in Goa ein und besetzten es.
Die portugiesischen Soldaten die sich damals in Goa aufhielten hatten der großen Übermacht Indiens, die das Territorium von Land, von der See und von der Luft aus angriffen, nichts entgegenzusetzen.
Ganze 36 Stunden dauerten die Kriegshandlungen zwischen Indien und Portugal in Goa.
3.500 schlecht ausgerüstete portugiesische Soldaten standen damals über 60.000 indischen Soldaten gegenüber. Bei den Kämpfen kamen 26 portugiesische Soldaten, ca. 300 Zivilisten und an die 500 indische Soldaten ums Leben.

Da Ägypten der portugiesischen Marine damals das Passieren des Suezkanals verweigerte, und somit mit einer militärischen Verstärkung aus Portugal nicht zu rechnen war, sah der portugiesische Gouverneur Manuel Antonio Vassalo e Silva keinen Ausweg mehr, und kapitulierte am 19. Dezember 1961 mit seinen Soldaten.
Er wollte mit seiner Kapitulation ein weiteres Blutvergießen verhindern und so tausende Menschenleben retten.

Doch die Salazarregierung verurteilte dieses eigenmächtige Handeln aufs schärfste und brachte Gouverneur Vassalo e Silva, der gleichzeitig auch General war, nach dessen Rückkehr nach Portugal, vor ein Militärgericht.
Von diesem wurde er wegen „Feigheit, Eigenmächtigkeit und Befehlsverweigerung“ zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Mit dem Verlust Goas im Jahre 1961 begann der Zerfall des portugiesischen Kolonialreiches.
Von der indischen Invasion bestärkt, revoltierten in den nächsten Jahren auch die afrikanischen Kolonien gegen Portugal.
Portugal wurde in blutige Kolonialkriege (port.: Guerras do Ultramar) mit Angola, Moçambique, Guinea-Bissau, Cabo Verde und São Tomé e Principe verwickelt.
Erst 1974, nach der Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos), nahmen Portugal und Indien diplomatische Beziehungen auf.

Die portugiesische Kolonialzeit in Indien ist nun Geschichte.
Aber auch wenn Portugal damals über Nacht Portugiesisch-Indien (port.: Estado da India Portuguesa) verlassen musste, so erinnert heute noch vieles in Goa an die alte Kolonialmacht.
Sei es der alte Kolonialstil, die katholischen Kirchen oder die örtliche Gastronomie – überall merkt man heute noch den portugiesischen Einfluss.
Kein anderer Teil Indiens ist kulturell so von einer europäischen Kolonialmacht beeinflusst worden wie Goa.
Und keiner weiß das mehr zu schätzen, als die Bewohner Goas selbst!

Freitag, 25. November 2011

Die Überschwemmungen vom November 1967






Heute vor genau 44 Jahren, in der Nacht vom 25. auf den 26. November 1967, fielen hier in Lissabon die heftigsten Regenfälle seit Menschengedenken.
Als „Cheias de Novembro de 1967“ (dt.: „Überschwemmungen vom November 1967“) ging diese schlimmste Wetterkatastrophe in die Chroniken der Stadt und in die Geschichte des Landes ein.

Fünf Stunden Dauerregen reichten damals aus, um Lissabon und seine Region in ein völliges Chaos zu stürzen.
Mehr als 700 Menschen fanden damals den Tod und über 3.500 wurden in dieser Nacht Obdachlos.
Außer Lissabon waren vor allem die Städte Loures, Odivelas, Vila Franca de Xira und Alenquer betroffen.
Die Überflutungen und Erdrutsche dieser Nacht töteten ganze Familien und rissen Autos, Bäume, Brücken und Häuser, die zumeist nur einfache Bretterbuden (port.: baracas) waren, mit sich und hinterließen nur Morast, Zerstörung und Tod zurück.

Zwischen 19:00 Uhr und Mitternacht an diesem 25. November regnete es unaufhörlich.
Laut der Wetterstation in Monte de Estoril fielen in diesen fünf Stunden sage und schreibe, 159 Liter Regen pro m², das entspricht in etwa 1/5 der Regenmenge die sonst in einem ganzen Jahr über Lissabon herunterkommt.

Der gesamte Großraum Lissabon stand damals unter Wasser.
Aber es waren vor allem die Gegenden um Pontinha, Urmeira, Póvoa de Santo Adrião, Frielas, Quinta dos Silvados, Pombais, Olival de Basto, Senhor Roubado, Serra da Luz, Famões, Bairro da Barrosa und Odivelas die von den starken Wassermassen am schwersten Heimgesucht wurden.

Meine Eltern, die damals mit mir in Pontinha lebten, erzählen heute noch, dass sie sich damals nur mit größter Mühe und viel Glück in dieser Nacht haben retten können. Ich selber war damals erst 18 Monate alt, kann mich also an diese Katastrophe nicht erinnern.

Der erste Hilferuf, der in dieser Nacht bei der Feuerwehr in Pontinha einging wurde um 21:10 Uhr registriert.
Ab da nahmen die Feuerwehren im Großraum Lissabons praktisch im Minutentakt Anrufe mit der bitte um Hilfe entgegen.
Da aber, durch die starken Regenfälle und durch all den Schutt und Dreck den das Wasser mit sich führte, die Straßen in der Zwischenzeit unpassierbar waren, konnten die Feuerwehren nichts tun, außer an die immer häufiger werdenden Anrufer zu appellieren, die Ruhe zu bewahren.
Die Hilfe der Feuerwehren in den ersten Stunden der Katastrophe war unkoordiniert und sehr gering. Und mit dem Morgengrauen des 26. November wurde sie leider auch nicht besser.

Das lag aber nicht in erster Linie an ihnen, sondern an der Tatsache, das die damalige Regierung von Diktator António de Oliveira Salazar die Rettungsarbeiten massiv behinderte und Salazar mit aller Macht die genaue Lage der Situation und die präzise Angaben zu den immer größer werdenden Opferzahlen verheimlichen wollte.
Man kann sagen, dass das damalige Regime diese Katastrophe einfach totschweigen wollte!

Nur die damaligen Studentenvereinigungen der Universität Lissabon (port.: Associações de Estudantes da Universidade de Lisboa) und die Katholische Universitätsjugend (port.: Juventude Universitária Católica) begaben sich damals, gegen den Willen ihrer Universitäten, auf die Straßen und versuchten zu Helfen wo sie konnten.
Sie befreiten mehrere Menschen aus dem Schlamm, retteten teilweise deren weniges Hab und Gut, richteten selbstständig Notunterkünfte her und die Medizinstudenten versorgten die Verletzten so gut sie konnten.

Auch wenn er es gerne anders gehabt hätte, so konnte Salazar es doch nicht verhindern, das die Bilder dieser Überschwemmungskatastrophe damals dann doch um die Welt gingen.
Zwar gab es damals noch kein Internet und die portugiesische Presse stand unter einer strengen Zensur, aber die Korrespondenten der einzelnen ausländischen Fernsehanstalten und Zeitungen die hier in Portugal tätig waren, schickten in den Tagen die nach der Überschwemmung folgten, genügend Film- und Bildmaterial in ihre Heimatländer.
Sie lösten mit ihren Berichterstattungen und den eindrucksvollen Bildern eine internationale Solidaritätswelle aus, wie es sie bis dahin in Portugal, seit dem großen Erdbeben vom Allerheiligentag 1755, nicht mehr gegeben hatte.

Unter anderem kamen damals aus Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, Spanien, Italien und sogar aus dem Fürstentum Monaco, Hilfsgüter für die Opfer der Hochwasserkatastrophe an.
Auch Deutschland beteiligte sich damals an dieser Solidaritätswelle. Die damalige Deutsche Bundesregierung ließ den Opfern insgesamt 1.000 Impfungen gegen Typhus (port.: febre tifóide) zukommen.

Statistisch gesehen kommen solche Regenfälle, wie sie 1967 geschehen sind, nur alle 250 Jahre vor.
Aber starke Niederschläge zählen auch heute zu den gefährlichsten Naturkatastrophen in Portugal.

Laut der portugiesische Umweltorganisation „Quercus“, starben im vergangenen 20. Jahrhundert hier in Portugal sieben Mal mehr Menschen an den Folgen von Regenfällen und Überschwemmungen als an den Folgen von Erdbeben!

Dienstag, 30. August 2011

Ponte 25 de Abril


In meinem Beitrag „Mautgebühren“, welches ich am 11. Juli 2011 gepostet habe, schreibe ich über die Mautgebühren der imposanten „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April), die majestätisch die beiden Ufer des Tejo, und somit Lissabon und Almada, miteinander verbindet.

Als die United States Steel Export Company, aus New York, zusammen mit 16 anderen Firmen am 06. August 1966, nach vierjähriger Bauzeit und somit ein halbes Jahr vor dem geplanten Bauende, die große Brücke über den Tejo fertig gestellt hatte, war sie die längste Hängebrücke (port.: Ponte Suspensa) Europas.
Noch heute ist sie, nach der Tsing-Ma-Brücke in China, die zweitlängste Hängebrücke der Welt, die Straßen- und Eisenbahnverkehr miteinander kombiniert.

Mit dem Bau der Brücke erfüllten sich die Lissabonner einen Jahrhundertalten Traum. Die Warterei auf die Auto- und Personenfähren, die bei Nebel, starkem Wind und schwerem Seegang oft den Dienst einstellten, hatte ein Ende.
Auch war man nicht mehr auf die 30 km weiter im Norden liegende Brücke Ponte Marchal Carmona in Vila Franca de Xira angewiesen, um in den Süden des Landes zu gelangen.

Zuerst taufte man die Brücke auf den Namen „Ponte Salazar“, nach dem Mann, der sie bauen ließ, nämlich den Diktator António de Oliveira Salazar.
Diesen Namen verlor sie aber am 25. April 1974, als die Diktatur durch die Nelkenrevolution beendet wurde. Einige Zeit lang nannte man sie nur noch die „Ponte sobre o Tejo“ (dt.: Brücke über den Tejo). Ich selber nenne sie heute noch so.
Aber die neuen revolutionären Machthaber hatten alsbald die Anonymität des technischen Wunderwerkes leid, und gaben ihr den weniger originellen Namen „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April).

Sie ist aus purem Stahlbeton, überspannt freitragend eine Distanz von 1013 Metern, ihre gesamte Länge beträgt stolze 2278 Meter.
Zwei 190 Meter hohe Pylone, deren Fundamente 82 Meter unter dem Meeresspiegel verankert sind, tragen die Fahrbahnen, die den Tejo in einer Höhe von 70 Metern überqueren. Insgesamt waren 3.022 Arbeiter an ihrem Bau beteiligt. Vier Arbeiter starben während der vierjährigen Bauzeit.
Die Baukosten betrugen damals 2,2 Milliarden Escudos, was umgerechnet auf heute, an die 160 Millionen Euro wären.

Die Brücke ist formschön, überhaupt nicht monströs und durch ihre rötliche Pastellfarbe wirkt sie für den Betrachter fast schwerelos, so als ob sie über Lissabon schweben würde.
Unter den Fahrbahnen liegt ein Eisenbahndeck mit zwei Schienensträngen, die zwar schon beim Bau der Brücke berücksichtigt, aber erst im August 1999 fertig gestellt wurden.

Die Ortschaften am Südufer des Tejo, wie Almada, Seixal, Montijo und Setúbal, die bis dahin ein regelrechtes Dornröschenschlaf durchlebten, begannen nach dem Bau der Brücke, am 05. November 1962, sprunghaft an zu wachsen.
Noch heute sind ein großer Prozentsatz der rund 23 Millionen Fahrzeuge die jährlich die Brücke überqueren, Pendler aus dem Süden, die in Lissabon ihrer Arbeit nachgehen.
Zu Spitzenzeiten überqueren ca. 7.500 Fahrzeuge pro Stunde die Tejobrücke, pro Tag sind das an die 180.000 Fahrzeuge. Außerdem verbinden ca. 160 Zugverbindungen jeden Tag die zwei Ufer des Tejo.

Wenn man von Almada mit dem Auto in Richtung Hauptstadt fährt, hat man eine wunderschöne Aussicht.
Lissabon liegt einem fast zu Füßen, wie ein aufgeblättertes Buch, riesengroß und glänzend weiß.
Im Osten kann man die Alfama sehen, mit der Burg Castelo de São Jorge.
Etwas weiter westlich erkennt man die Baixa und in Fahrtrichtung erkennt man die Amoreirastürme.
Im Westen liegt Belém, ausschwingend bis zur Torre de Belém und dem Denkmal der Entdeckungen.

Der Ausblick den man von der Brücke hat, soweit man nicht nur Augen für den Verkehr hat, lässt einen alle Beschädigungen und hausgemachten Infernos die es jeden Tag in Lissabon und Almada gibt, vergessen.
Von den Fahrbahnen der „Ponte 25 de Abril“ hat man einen der schönsten Fernblicke, die ich kenne.