Posts mit dem Label 10 Juni werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 10 Juni werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 14. Dezember 2013

Denkmal für den portugiesischen Auswanderer




Bei einem Gespräch in dieser Woche mit meiner Arbeitskollegin Lili, erwähnte ich eher bei läufig, dass sich das Denkmal für den portugiesischen Auswanderer vor dem Lissabonner Hauptbahnhof Santa Apolónia (port.: Estação de Caminhos de Ferro de Santa Apolónia) in einem verwahrlosten Zustand befindet.
Lili schaute mich überrascht an, und fragte mich dann so etwas wie:
„Was? – Es gibt in Lissabon ein Auswandererdenkmal?“

Ich muss sie wohl ungewollt ziemlich vorwurfsvoll angeschaut haben, denn sie meinte daraufhin, schon fast entschuldigend, sie sei ja „so ignorant…“
Natürlich ist Lili das nicht – im Gegenteil, sie ist eine hochintelligente und sehr kompetente Persönlichkeit, die einfach die wunderbare Gabe besitzt, unnutzes von nützlichem Wissen zu unterscheiden.
Und diese Fähigkeit zu haben finde ich keineswegs verwerflich, sondern eher durchaus beneidenswert – zumal ich sie selber nicht besitze!

Also beschrieb ich Lili, wo sich das Denkmal genau befindet, und sie versprach das nächste Mal, wenn sie am Hauptbahnhof vorbei fahren würde, aufmerksamer danach zu schauen, denn es wäre ihr nie aufgefallen.
Aber seien wir einmal ehrlich, obwohl das Denkmal nicht gerade klein ist, so steht es doch, zugegebenermaßen, eher schlicht und unscheinbar auf dem großen Bahnhofvorplatz, der voller parkender Taxis, hektischem Autoverkehr und ruhelosen Menschen ist, die zu ihren Zügen eilen.

Das Denkmal trägt den offiziellen Namen „Homenagem ao emigrante Português“ (dt.: „Ehrung für den portugiesischen Auswanderer“) und ist ein Werk der zeitgenössischen Künstlerin Dorita de Castel-Branco, eine der angesehensten modernen Bildhauerinnen Portugals.

Dorita Castel-Branco, die am 13. September 1936 in Lissabon geboren wurde, studierte moderne Kunst, zuerst an der Lissabonner Hochschule der Schönen Künste (port.: Escola Superior de Belas Artes de Lisboa) und später an der renommierten Pariser Kunsthochschule „École Supérieure de Beaux Arts“ und an der ebenfalls in Paris ansässigen Kunstakademie „Académie de Feu de Paris“.

Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts trat die Lissabonner Tageszeitung „O Tempo“ an Dorita Castel-Branco heran, und bat die Bildhauerin ein Denkmal zu erschaffen, welches sie sponsern wollten, und das die vielen portugiesischen Auswanderer des letzten Jahrhunderts symbolisieren sollte.
Anfang 1981 übergab Castel-Branco ihr Werk, das sie „Homenagem ao emigrante Português“ nannte, an die Lissabonner Stadtverwaltung, die die Skulptur von der Tageszeitung „O Tempo“ geschenkt bekommen hatte.

Am 10. Juni 1981, dem portugiesischen Nationalfeiertag „Dia de Camões“, weihte der damalige Oberbürgermeister Nuno Krus Abecassisvor das Denkmal vor dem Platz des Bahnhofs Santa Apolónia feierlich ein.
Von diesem Platz und diesem Bahnhof aus waren über Jahrzehnte hinweg tausende Portugiesen nach Spanien, Frankreich, Luxemburg und auch nach Deutschland aufgebrochen. Über viele, viele Jahre hinweg war dies der Ort an dem für viele Portugiesen die Reise in eine ungewisse Zukunft in der weiten Ferne begann.

Die Bronzeskulptur von Dorita Castel-Branco steht auf einem rechteckigen weißen Granitblock und stellt eine Familie von Auswanderern dar, bestehend aus einem Vater, der einen Koffer trägt, eine Mutter und einer Tochter, die alle gemeinsam in Richtung Bahnhof Santa Apolónia gehen, in Richtung Emigration.
Das Denkmal ist 340 cm hoch, 138 cm breit und 217 cm lang.
Dorita Castel-Branco hat ihr Werk sehr einfach und schnörkellos gehalten, aber trotz seiner Simplizität drückt es auf seine künstlerische Art die Symbolik der portugiesischen Auswanderungsgeschichte aus.
Als Dorita Castel-Branco am 23. September 1996, zehn Tage nach ihrem 60. Geburtstag, in Lissabon verstarb, hinterließ sie ihrer Heimatstadt mit diesem Auswandererdenkmal eines ihrer bedeutendsten Werke.

Aber Lissabon ist nicht die einzige portugiesische Stadt, in der sich solch ein Denkmal befindet.
Auch in Vila Verde (Braga), Tondela (Viseu), Meimão (Penamacor), Tarouca (Viseu), Laundos (Póvoa de Varzim), Montalegre (Vila Real), Melgaço (Viana do Castelo) oder in Ponta Delgada auf den Azoren sowie in Funchal auf Madeira stehen solche Monumente anderer zeitgenössischer Künstler. 

Und es werden wohl einstmals in der Zukunft noch weitere solche Denkmäler dazukommen, denn die Geschichte Portugals als Auswanderungsland ist gegenwärtig aktueller denn je.
Genauso wie früher, so sind auch heutzutage viele tausende junge Portugiesen gezwungen ihre Heimat unfreiwillig aus wirtschaftlichen und perspektivlosen Gründen zu verlassen.
Um zu überleben müssen sie emigrieren, so einfach ist das.
Ob sie wollen oder nicht – sie müssen!
Es ist eine Schande!

Samstag, 31. März 2012

Die zentralen Feierlichkeiten zum 10. Juni 2012


Wie das portugiesische Präsidialamt diese Woche bekannt gegeben hat, hat Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva verfügt, dass die diesjährigen Feierlichkeiten zum portugiesischen Nationalfeiertag, am 10. Juni, in der Hauptstadt Lissabon stattfinden sollen.

Der 10. Juni ist einer der höchsten Feiertage Portugals und trägt den offiziellen Namen „Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas“ (dt.: „Tag Portugals, Camões und der portugiesischen Gemeinden“.

Zum ersten Mal wurde dieser Feiertag im Jahre 1933, noch zu Zeiten der Salazar-Diktatur, gefeiert, und zwar noch unter dem weniger rühmlichen Namen „Dia de Portugal, de Camões e da Raça“ ( dt.: „Tag Portugals, Camões und der (portugiesischen) Rasse“).
Unter Diktator António de Oliveira Salazar fanden die zentralen Feierlichkeiten dieses Tages, das ursprünglich die portugiesische Kolonialpolitik verherrlichen sollte, immer in Lissabon statt.

Mit dem Ende der Diktatur im Jahre 1974 änderte sich nicht nur der Name des Feiertages – der Begriff „Raça“ (dt.: Rasse) wurde durch den Begriff „Comunidades Portuguesas“ (dt.: Portugiesische Gemeinden) ersetzt – sondern auch der Ort der Feierlichkeiten.
Seit 1977 ist es nämlich nun Tradition die zentralen Feierlichkeiten zum Portugal-Tag stets abwechselnd in jeweils einer anderen Stadt des Landes zu feiern, und nicht wie früher, nur in Lissabon.
So bekamen auch kleinere Provinzstädte, wie Covilhã, Vila Real oder Tomar, die Möglichkeit die Feiern zum portugiesischen Nationalfeiertag auszutragen.

Lissabon war, nach der Nelkenrevolution von 1974, bisher vier Mal Austragungsort der zentralen Feierlichkeiten zum 10. Juni, nämlich in den Jahren 1983, 1987, 1992 und 1998.

Bisherige Austragungsstädte der jeweiligen Feiern waren von 1977 bis heute:

• 1977 – Guarda (Beira Alta)
• 1978 – Portalegre (Alto Alentejo)
• 1979 – Vila Real (Trás-os-Montes)
• 1980 – Leiria (Beira Litoral)
• 1981 – Funchal (Madeira)
• 1982 – Figueira da Fóz (Beira Litoral)
• 1983 – Lisboa (Estremadura)
• 1984 – Viseu (Beira Alta)
• 1985 – Porto (Douro Litoral)
• 1986 – Évora (Alto Alentejo)
• 1987 – Lisboa (Estremadura)
• 1988 – Covilhã (Beira Baixa)
• 1989 – Ponta Delgada (Azoren)
• 1990 – Braga (Minho)
• 1991 – Tomar (Ribatejo)
• 1992 – Lisboa (Estremadura)
• 1993 – Sintra (Estremadura)
• 1994 – Coimbra (Beira Litoral)
• 1995 – Porto (Douro Litoral)
• 1996 – Lagos (Algarve)
• 1997 – Chaves (Trás-os-Montes)
• 1998 – Lisboa (Estremadura)
• 1999 – Aveiro (Beira Litoral)
• 2000 – Viseu (Beira Alta)
• 2001 – Porto (Douro Litoral)
• 2002 – Beja (Baixo Alentejo)
• 2003 – Angra do Heroismo (Azoren)
• 2004 – Bragança (Trás-os-Montes)
• 2005 – Guimarães (Minho)
• 2006 – Porto (Douro Litoral)
• 2007 – Setúbal (Estremadura)
• 2008 – Viana do Castelo (Minho)
• 2009 – Santarém (Ribatejo)
• 2010 – Faro (Algarve)
• 2011 – Castelo Branco (Beira Baixa)

Somit ist es nun also beschlossene Sache:
Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva wird, zum ersten Mal seit seiner Amtseinführung im Jahre 2006, die Feiern zum 10. Juni in der portugiesischen Hauptstadt stattfinden lassen.