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Dienstag, 10. Februar 2015

Bahnhöfe an denen der Zug der Zeit schon abgefahren ist




Möchten sie einen Bahnhof (port.: estação ferroviária) kaufen, und das nicht nur für ihre Modelleisenbahn?
Nun, seit kurzem stehen hier in Portugal zahlreiche alte Bahnhofsgebäude zum Verkauf.
Von Nord bis Süd, von Trás-os-Montes bis zur Algarve, kann man nun teilweise sehr schön gelegene Bahnimmobilien zu einem wahren Schnäppchenpreis erwerben.
Früher waren all diese Bahnhöfe voller Reisender und hektischem Leben.
Doch seitdem die portugiesische Bahn viele Steckenlinien aus wirtschaftlichen Gründen stilllegen musste, bröckeln diese Bahnstationen vor sich hin und verkommen so zusehends.

In Zeiten der Krise und knapper Kassen hat sich die portugiesische Bahngesellschaft REFER, die hierzulande für die Instandhaltung des Eisenbahnnetzes ist, dazu entschlossen sich von vielen nicht mehr benutzten und deshalb leer stehenden Bahnhofsgebäuden zu trennen.

Sicherlich, so gut wie alle der zum Verkauf angebotenen Bahnhöfe sind modernisierungs- und sanierungsbedürftig – schließlich sind viele von ihnen über 100 Jahre alt – aber sie liegen fast alle an sehr malerischen Standorten und alle haben sie eine Geschichte.

Hier nun einige der Bahnstationen die von der portugiesischen Eisenbahngesellschaft REFER auf ihrer Internetseite www.referpatrimonio.pt zum Verkauf angeboten werden:

Bahnhof: Almendra (Hauptgebäude)
Ort: Almendra / Vila Nova de Foz Coa
Provinz: Trás-os-Montes e Alto Douro
Erbaut im Jahre: 1887
Bauwerksgröße: 160 m²
(Anmerkung: für mich persönlich ist der am Ufer des Douro malerisch gelegene Bahnhof von Almendra der, der am schönsten gelegen ist)

Bahnhof: Barreiro (Nebengebäude)
Ort: Barreiro
Provinz: Estremadura
Erbaut im Jahre: 1857
Bauwerksgröße: 1169 m²

Bahnhof: Duas Igrejas (Hauptgebäude)
Ort: Duas Igrejas / Miranda do Douro
Provinz: Trás-os-Montes e Alto Douro
Erbaut im Jahre: 1938
Bauwerksgröße: 185 m²

Bahnhof: Gouvinhas (Hauptgebäude)
Ort: Gouvinhas / Sabrosa
Provinz: Trás-os-Montes e Alto Douro
Erbaut im Jahre: 1880
Bauwerksgröße: 143 m²

Bahnhof: Lagos (Nebengebäude)
Ort: Lagos
Provinz: Algarve
Erbaut im Jahre: 1922
Bauwerksgröße: 446 m²

Bahnhof: Monte Gordo (Hauptgebäude)
Ort: Monte Gordo / Vila Real de Santo António
Provinz: Algarve
Erbaut im Jahre: 1906
Bauwerksgröße: 138 m²

Bahnhof: Óbidos (Hauptgebäude)
Ort: Óbidos / Caldas da Rainha
Provinz: Estremadura
Erbaut im Jahre: 1887
Bauwerksgröße: 236 m²

Bahnhof: Paranheiras (Hauptgebäude)
Ort: Vilarinho das Paranheiras / Chaves
Provinz: Trás-os-Montes e Alto Douro
Erbaut im Jahre: 1919
Bauwerksgröße: 90 m²

Bahnhof: Santa Apolónia (Nebengebäude)
Ort: Lissabon
Provinz: Estremadura
Erbaut im Jahre: 1865
Bauwerksgröße: 3153 m²

Bahnhof: Santa Vitória-Ervidel (Hauptgebäude)
Ort: Santa Vitória / Beja
Provinz: Alentejo
Erbaut im Jahre: 1870
Bauwerksgröße: 237 m²

Bahnhof: São Bartolomeu (Hauptgebäude)
Ort: São Bartolomeu da Serra / Santiago do Cacém
Provinz: Alentejo
Erbaut im Jahre: 1904
Bauwerksgröße: 247 m²

Bahnhof: Vale do Peso (Hauptgebäude)
Ort: São Vale do Peso / Portalegre
Provinz: Alentejo
Erbaut im Jahre: 1880
Bauwerksgröße: 143 m²

Die von der Bahngesellschaft REFER angebotenen Objekte sind alle preislich verhandelbar und können zukünftig u. a. als Wohnraum, Künstleratelier, Hotel, Restaurant, Vereins- oder Kulturgebäude genutzt werden.

Samstag, 14. Dezember 2013

Denkmal für den portugiesischen Auswanderer




Bei einem Gespräch in dieser Woche mit meiner Arbeitskollegin Lili, erwähnte ich eher bei läufig, dass sich das Denkmal für den portugiesischen Auswanderer vor dem Lissabonner Hauptbahnhof Santa Apolónia (port.: Estação de Caminhos de Ferro de Santa Apolónia) in einem verwahrlosten Zustand befindet.
Lili schaute mich überrascht an, und fragte mich dann so etwas wie:
„Was? – Es gibt in Lissabon ein Auswandererdenkmal?“

Ich muss sie wohl ungewollt ziemlich vorwurfsvoll angeschaut haben, denn sie meinte daraufhin, schon fast entschuldigend, sie sei ja „so ignorant…“
Natürlich ist Lili das nicht – im Gegenteil, sie ist eine hochintelligente und sehr kompetente Persönlichkeit, die einfach die wunderbare Gabe besitzt, unnutzes von nützlichem Wissen zu unterscheiden.
Und diese Fähigkeit zu haben finde ich keineswegs verwerflich, sondern eher durchaus beneidenswert – zumal ich sie selber nicht besitze!

Also beschrieb ich Lili, wo sich das Denkmal genau befindet, und sie versprach das nächste Mal, wenn sie am Hauptbahnhof vorbei fahren würde, aufmerksamer danach zu schauen, denn es wäre ihr nie aufgefallen.
Aber seien wir einmal ehrlich, obwohl das Denkmal nicht gerade klein ist, so steht es doch, zugegebenermaßen, eher schlicht und unscheinbar auf dem großen Bahnhofvorplatz, der voller parkender Taxis, hektischem Autoverkehr und ruhelosen Menschen ist, die zu ihren Zügen eilen.

Das Denkmal trägt den offiziellen Namen „Homenagem ao emigrante Português“ (dt.: „Ehrung für den portugiesischen Auswanderer“) und ist ein Werk der zeitgenössischen Künstlerin Dorita de Castel-Branco, eine der angesehensten modernen Bildhauerinnen Portugals.

Dorita Castel-Branco, die am 13. September 1936 in Lissabon geboren wurde, studierte moderne Kunst, zuerst an der Lissabonner Hochschule der Schönen Künste (port.: Escola Superior de Belas Artes de Lisboa) und später an der renommierten Pariser Kunsthochschule „École Supérieure de Beaux Arts“ und an der ebenfalls in Paris ansässigen Kunstakademie „Académie de Feu de Paris“.

Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts trat die Lissabonner Tageszeitung „O Tempo“ an Dorita Castel-Branco heran, und bat die Bildhauerin ein Denkmal zu erschaffen, welches sie sponsern wollten, und das die vielen portugiesischen Auswanderer des letzten Jahrhunderts symbolisieren sollte.
Anfang 1981 übergab Castel-Branco ihr Werk, das sie „Homenagem ao emigrante Português“ nannte, an die Lissabonner Stadtverwaltung, die die Skulptur von der Tageszeitung „O Tempo“ geschenkt bekommen hatte.

Am 10. Juni 1981, dem portugiesischen Nationalfeiertag „Dia de Camões“, weihte der damalige Oberbürgermeister Nuno Krus Abecassisvor das Denkmal vor dem Platz des Bahnhofs Santa Apolónia feierlich ein.
Von diesem Platz und diesem Bahnhof aus waren über Jahrzehnte hinweg tausende Portugiesen nach Spanien, Frankreich, Luxemburg und auch nach Deutschland aufgebrochen. Über viele, viele Jahre hinweg war dies der Ort an dem für viele Portugiesen die Reise in eine ungewisse Zukunft in der weiten Ferne begann.

Die Bronzeskulptur von Dorita Castel-Branco steht auf einem rechteckigen weißen Granitblock und stellt eine Familie von Auswanderern dar, bestehend aus einem Vater, der einen Koffer trägt, eine Mutter und einer Tochter, die alle gemeinsam in Richtung Bahnhof Santa Apolónia gehen, in Richtung Emigration.
Das Denkmal ist 340 cm hoch, 138 cm breit und 217 cm lang.
Dorita Castel-Branco hat ihr Werk sehr einfach und schnörkellos gehalten, aber trotz seiner Simplizität drückt es auf seine künstlerische Art die Symbolik der portugiesischen Auswanderungsgeschichte aus.
Als Dorita Castel-Branco am 23. September 1996, zehn Tage nach ihrem 60. Geburtstag, in Lissabon verstarb, hinterließ sie ihrer Heimatstadt mit diesem Auswandererdenkmal eines ihrer bedeutendsten Werke.

Aber Lissabon ist nicht die einzige portugiesische Stadt, in der sich solch ein Denkmal befindet.
Auch in Vila Verde (Braga), Tondela (Viseu), Meimão (Penamacor), Tarouca (Viseu), Laundos (Póvoa de Varzim), Montalegre (Vila Real), Melgaço (Viana do Castelo) oder in Ponta Delgada auf den Azoren sowie in Funchal auf Madeira stehen solche Monumente anderer zeitgenössischer Künstler. 

Und es werden wohl einstmals in der Zukunft noch weitere solche Denkmäler dazukommen, denn die Geschichte Portugals als Auswanderungsland ist gegenwärtig aktueller denn je.
Genauso wie früher, so sind auch heutzutage viele tausende junge Portugiesen gezwungen ihre Heimat unfreiwillig aus wirtschaftlichen und perspektivlosen Gründen zu verlassen.
Um zu überleben müssen sie emigrieren, so einfach ist das.
Ob sie wollen oder nicht – sie müssen!
Es ist eine Schande!

Samstag, 19. September 2009

Der Bahnhof Rossio


Wenn ich ausländische Freunde zu besuch habe, und mit ihnen durch Lissabon laufe, dann kommen wir irgendwann auch am Lissabonner Hauptplatz Rossio vorbei.

Dort stelle ich mich dann mit ihnen vor einem großen neomanuelinischen Gebäude hin, und frage sie, was sich wohl hinter dessen Mauern befindet.
Ich bekomme dann meistens als Antwort, es handele sich bei dem Gebäude, am Largo de Dom João da Câmara, zwischen dem Rossio und der Praça dos Restauradores, um ein Theater oder um ein Hotel. Manche meinen auch, dahinter verberge sich vielleicht ein imposantes Stadtschloss oder ein interessantes Museum.

Wenn ich meinen Freunden dann aber sage, dass es sich bei dem Gebäude um den ersten Lissabonner Hauptbahnhof handelt, stehen sie meistens mit offenem Mund da, und können es kaum glauben.
„Denn“, so meinen die meisten, „er ist einfach zu schön, um nur ein Bahnhof zu sein!“
Aber dem ist wirklich so.
Hinter der aufgeputzten Fassade befindet sich der noch heute funktionstüchtige Kopfbahnhof Rossio (port.: Estação de Caminhos de Ferro do Rossio).

Er wurde zwischen den Jahren 1886 und 1890, im Auftrag der Real Companhia dos Caminhos de Ferro Portugueses (deutsch: Königliche Eisenbahngesellschaft Portugals) nach Plänen des Architekten José Luís Monteiro errichtet, und am 23. November 1890, unter dem Namen „Estação da Avenida“ feierlich eröffnet. Schnell wurde aber aus der Estação da Avenida die Estação do Rossio.

José Luís Monteiro ist auch verantwortlich für den Bau des Nebengebäudes des Bahnhofes, das Hotel International. Das Hotel stand den Mitarbeitern der Eisenbahngesellschaft bis 1892 zur Verfügung.
Das Hotel heißt heute Avenida Palace und ist eines der exklusivsten Adressen der Stadt. In den ersten Jahren gab es sogar eine direkte Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Hotel. Diese existiert aber heute leider nicht mehr.

Will man einen Zug nehmen, muss man – bedingt durch den steilen Hügel an dem der Bahnhof liegt – in die dritte Etage hinauf. In den unteren Stockwerken liegen Geschäfte und Cafés. Erst im dritten Stockwerk stößt man auf die Bahnsteige.
Von hier aus verlassen heute, durch den 2.613 m langen und 8 m breiten zweigleisigen Tunnel, der unter dem Stadtteil Campolide führt, nur noch die Vorortzüge nach Sintra die Stadt.

Der Bahnhof am Rossio, auf dessen Vorplatz am 14. Dezember 1918 das Attentat auf den damaligen Staatspräsidenten und Diktator Sidónio Pais verübt wurde, war, bevor der Bahnhof Santa Apolonia gebaut wurde, der Hauptbahnhof der Stadt.
Hier kamen auch die Fernzüge aus Spanien und Frankreich an.
Heute, zumal nach dem Bau des Bahnhofes Garre do Oriente, hat der Bahnhof Rossio nur noch eine Rolle als Vorortsbahnhof.

Die mangelnde Funktionalität des Baus war Gegenstand von Kritik, schon kurz nach seiner Fertigstellung.
Doch das der Bahnhof mit seiner originellen Fassade, mit seinen Steintauen als gliedernde Elemente, mit den Türen und Fenstern in Form von Hufeisen, mit seinen maurischen und gotischen Zitaten und der fast schwebenden Eisendachkonstruktion, auf dem Niveau europäischer Architektur gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist, kann man heute noch bestaunen.