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Freitag, 7. August 2015

Portugals Strände – unter den besten der Welt


In ihrer letzten Ausgabe hat die US-amerikanische Onlinezeitung „The Huffington Post“ mit Hilfe ihrer Reisejournalisten und anderen redaktionellen Mitarbeitern die paradiesischste Meeresbucht der Welt gesucht und dann gekürt.
Badestrände in Brasilien, Australien, Mexiko, Hawaii und auf den Seychellen kamen auf die vordersten Plätze.
Den ersten Platz aber machte ein Strand in unseren Gefilden, nämlich der Strand in der Bucht von Ponta da Piedade südlich der Stadt Lagos, an der Algarve.

Und zu Recht, denn die Ponta da Piedade ist einer der malerischsten Küstenabschnitte der Algarve und ganz Portugals, mit vielen prächtigen Felsenbildungen, steilen Klippen, zahlreichen Grotten, kristallklarem Wasser und einem feinen Sandstrand, der das Prädikat Traumstrand ohne weiteres verdient.

Portugiesische Strände, so unterschiedlich sie auch sein mögen, waren schon immer sehr beliebt, nicht nur bei uns Portugiesen, sondern auch bei unseren ausländischen Gästen.
Hier nun im Folgenden einige internationale Bewertungen portugiesischer Strände der letzten Jahre:

- Ponta da Piedade in Lagos, Algarve
die US-amerikanische „The Huffington Post“ tituliert diese Badebucht in ihrer Onlineausgabe vom Juli 2015 als „Die schönste Bucht der Welt“

- Praia da Fábrica in Cacela Velha, bei Vila Real de Santo António, Algarve
laut den Lesern der spanischen Ausgabe der  Reisezeitschrift „Traveler“ ist dieser Strand unter den 15 anziehendsten der Welt – Ausgabe Juli 2015

- Praia da Adraga, Sintra
die Leser des englischen „The Guardian“ kürten im Mai 2014 diesen Strand zum attraktivsten in Portugal

- Praia da Salema, Vila do Bispo
die Reisezeitschrift „Travel and Leisure“ meinte im März 2012, dieser Strand sei einer der größten Geheimtipps der Welt

- Praia de Sagres, in Vila do Bispo und Praia de Sesimbra
die englische Ausgabe der „Time Out“ bezeichnet diese zwei Strandabschnitte im August 2010 als die besten und schönsten in Europa

- Praia de Porto Covo, Sines
laut der französischen Ausgabe der „Huffington Post“ vom Oktober 2014 gehört dieser zu den zehn attraktivsten Stränden der Welt

- Praia de Peniche
die spanische Ausgabe der „Lonley Planet“ bewertet Peniche im Juni 2015 als eine der zehn besten Europas im diesjährigen Sommer

Wer lange Strandspaziergänge mag, gerne eine Runde im glasklaren Wasser schwimmt oder schnorchelt, wer spektakuläre Sonnenuntergänge mag oder mit seinen Kindern lieber eine Sandburg baut, einen Drachen steigen lässt oder Muscheln sammelt, wer gerne Beachball oder Volleyball spielt oder lieber faul die Sonne genießt, der ist zweifellos mit den hiesigen Stränden immer bestens bedient!

Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Welterbe der UNESCO in Portugal


Als Ende November dieses Jahres die UNESCO den originellen Chorgesang Cante Alentejano auf ihre Liste des Immateriellen Kulturwelterbes setzte, war diese prestigeträchtige Liste um eine kulturelle Tradition und Ausdrucksform reicher.
Nach dem Fado ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische darstellende Kunst die es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.

Die Liste des UNESCO-Welterbes umfasst aber nicht nur diese zwei portugiesischen Kulturformen, sondern auch 14 Weltkulturdenkmäler und ein Weltnaturdenkmal.
Außerdem sind im Rahmen des im Jahre 1992 gegründeten Programms „Memory of the World“ (port.: „Memória do Mundo“ / dt.: „Gedächtnis der Welt“) auch fünf wertvolle portugiesische Handschriften oder Handschriftensammlungen in das Weltdokumentenerbeverzeichnis aufgenommen worden.

Hier nun die Liste des gesamten UNESCO-Welterbes in Portugal:

Weltkulturerbe (port.: Património Mundial da Cultura)

-   Kloster der Heiligen Maria von Alcobaça
Das Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça) wurde im Jahre 1989 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, beherbergt die riesige Zisterzienserklosteranlage, außer den üblichen Wirtschaftsräumen eines Klosters, fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, eine Bibliothek und die größte Kirche Portugals
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Alcobaça“ vom 17. November 2013)

-   Weinanbaugebiet des Alto Douro
Das steile Tal des Alto Douro und seine Weinanbaukultur (port.: Região Vinhateira do Alto Douro) sind seit 2001 Weltkulturerbe. Mit den Tälern weniger Nebenflüsse bildet der Alto Douro das älteste gesetzlich abgegrenzte Weinanbaugebiet der Welt! Es beginnt 100 km östlich der Stadt Porto und zieht sich über 120 km in Richtung spanisch-portugiesische Grenze. Nur in dieser Region, die auch als „País do Vinho“ (dt.: Weinland)  bezeichnet wird und in der seit über 2.000 Jahre Weinanbaukultur praktiziert wird, darf u. a. der weltberühmte Portwein angebaut werden.

-   Historisches Stadtzentrum von Angra do Heroismo
Die Stadt Angra do Heroismo, auf der Azoreninsel Terceira, ist die erste portugiesische Stadt die außerhalb Festlandportugals im Jahre 1534 gegründet wurde. Das historische Stadtzentrum von Angra do Heroismo hat mehrere besuchenswerte stattliche Barockbauten, eine schöne Kathedrale und eine mächtige Burg, den Castelo de São João Baptista, von dem man eine prächtige Panoramasicht über die Stadt hat. Bis 1822 war Angra do Heroismo die Hauptstadt der Azoren, bis es dann von Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, abgelöst wurde. Aber noch heute gilt die Stadt, die 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, als der kulturelle Mittelpunkt der Azoren
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Die Azoreninsel Terceira“ vom 8. September 2009)

-   Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico
Der jungvulkanische Boden der Azoreninsel Pico ist auf weiten Stecken völlig ohne Humusdecke, was kaum eine erträgliche Landwirtschaft zulässt. Agrarisch ertragreich ist lediglich der Weinanbau an den mühevoll bearbeiteten Hängen des Pico Alto, einem noch heute tätigen Vulkan der mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist. Seit dem 15. Jahrhundert ist Pico für seine exquisiten Weine berühmt. Im Jahre 2004 nahm die UNESCO die Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico (port.: Cultura da Vinha da Ilha do Pico) in ihre Welterbeliste auf
(lesen sie hierzu auch bitte einem Blogeintrag „Die Azoreninsel Pico“ vom 05. September 2009)

-   Kloster von Batalha
Die schlichte Stadt Batalha, zwischen Lissabon und Coimbra in einem fruchtbaren Talkessel des Flusses Lena gelegen, wäre wohl kaum jemanden bekannt, gäbe es da nicht das ehemalige Dominikanerkloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht (port.: Mosteiro de Santa Maria da Vitótia da Batalha). Das sich an der Nordseite des Ortes erhebende Kloster wurde 1387 von König João I auf Grund eines Gelübdes gegründet, das er am 14. August 1385, zu Beginn der für die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien siegreichen und entscheidenden Schlacht von Aljubarrota, abgelegt hatte. Das Kloster von Batalha ist das große steinerne Freiheitsdenkmal der Portugiesen. Es wurde im Jahre 1840 zum Nationaldenkmal erklärt und ist seit 1983 Weltkulturerbe
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Batalha“ vom 21. Juni 2011)

-   Universität von Coimbra
In der Altstadt von Coimbra befindet sich die ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit all ihren alten Universitätsgebäuden, ihrer Universitätskirche, ihrer grandiosen Bibliothek und dem angrenzenden Botanischen Garten. Sie ist die älteste und bedeutendste Universität Portugals und eine der renommiertesten in Europa. Die Universität ist auch heute, über 700 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren Studenten ein kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt Portugals
(lesen sie hierzu auch meine zwei Blogeinträge „Die Universität von Coimbra“ vom 18. Januar 2012 und „Coimbras Universität ist Weltkulturerbe“ vom 22. Juni 2013)

-   Die Stadt Elvas und ihre Befestigungsanlagen
Nahe der spanisch-portugiesischen Grenze liegt die alte Garnisonsstadt Elvas, mit ihren 220 registrierten Baudenkmälern. Als Stützpunkt gegen das nahe gelegene spanische Badajoz wurde die „Königin der Grenze“, wie die Stadt auch genannt wird, seit dem späten Mittelalter mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und im 17. und 18. Jahrhundert mit mächtigen Forts gesichert, die zu den eindruckvollsten ihrer Zeit in Portugal gehören. Die Befestigungsanlagen von Elvas sind die größten und besterhaltenen der Welt! Seit 2012 ist diese alte Stadt Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte meinen Eintrag „Elvas, die Königin der Grenze, ist auch UNESCO-Weltkulturerbe“, vom 01. Juli 2012)

-   Historisches Stadtzentrum von Évora
Évora, die ehemalige Hauptstadt der Provinz Alentejo, steht seit dem Jahre 1986 auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt wird hier in Portugal wegen ihrer vielen historisch bedeutenden Bauwerke, darunter zahlreiche Stadtpaläste, Kirchen und Klöster, auch stolz „Cidade Museu“ (dt.: Museumsstadt) genannt
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Évora“ vom 11. November 2011)

-   Historisches Stadtzentrum von Guimarães
Guimarães, die Geburtsstadt des ersten portugiesischen Königs, Afonso Henriques I, war die erste Hauptstadt Portugals und trägt hierzulande auch den Beinamen „Berço da Nação“ (dt.: Wiege der Nation). Die recht malerische Altstadt von Guimarães mit ihrer stattlichen Burg, ihren zahlreichen Stadtpalästen, Kirchen, Klöstern und ihren blumengeschmückten Granithäusern ist seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Guimarães“ vom 02. Januar 2012)

-   Turm von Belém und Hieronymuskloster in Lissabon
Belém, der südwestlichste Stadtteil Lissabons, ist wegen seiner großartigen historischen Baudenkmäler und höchst sehenswerten Museen berühmt. Die zwei wohl bekanntesten Bauwerke Lissabons, der Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das ehemalige Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) liegen in diesem Stadtteil. Beide Bauwerke sind bedeutende Beispiele manuelistischer Baukunst und eindrucksvolle Symbole für Portugals Macht und Reichtum zur Zeit der kolonialen Eroberungen. Sowohl der Turm als auch das Kloster sind seit 1983 Weltkulturerbe

-   Historisches Stadtzentrum von Porto
Die historische Altstadt von Porto (port.: Centro Histórico do Porto), der zweitgrößten Stadt Portugals, beherbergt mehrere bedeutende Bauwerke, wie etwa die gut erhaltene Stadtmauer, die imposante romanische Kathedrale, den neo-klassischen Börsenpalast oder die barocke Kirche Igreja dos Clérigos mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchenglockenturm Portugals. Seit 1996 gehört das historische Stadtzentrum Portos zum Weltkulturerbe

-   Kulturlandschaft Sintra
Die von der UNESCO im Jahre 1995 qualifizierte Kulturlandschaft von Sintra (port.: Paisagem Cultural de Sintra) beinhaltet die Altstadt von Sintra und das romantische Sintragebirge mit all seinen exotischen Parks und prächtigen Gärten und den vielen architektonisch-einzigartigen Palästen, den jahrhundertealten Klöstern und den märchenhaften Schlössern
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Sintra“ vom 23. Juli 2013)

-   Christuskloster in Tomar
Die Tempelrittermönche des 1162 gegründeten Christusritterordens (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) sind verantwortlich für den Bau der Klosteranlage von Tomar, die aus einer umfangreichen Gruppe imposanter und reich verzierter Gebäude des 12. bis 17. Jahrhunderts besteht. Einst „zur Verteidigung des Glaubens“ von den Tempelrittern erbaut, erlebte das im gotisch-manuelistischem Stil erbaute Christuskloster (port.: Convento de Cristo) unter seinen Großmeistern Heinrich dem Seefahrer und König Manuel I seine größte Blüte. Das Christuskloster wurde 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen

-   Archäologischer Park im Tal des Côa
Im Nordosten Portugals befindet sich das Tal des Flusses Côa. In den steinernen Uferhängen dieses Flusstals wurden Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Tausend eingravierte Felszeichnungen aus prähistorischer Zeit, manche von ihnen gut 30.000 Jahre alt, entdeckt. Diese Felsmalereien erstrecken sich über insgesamt 17 km im ganzen Tal und zeigen vor allem Tiermotive, wie man sie bisher nur aus Höhlen und Felsengrotten Mitteleuropas her kannte. Die prähistorischen Felsmalereien stehen seit 1998 auf der Liste des UNESCO-Welterbes

Weltnaturerbe (port.: Património Mundial da Natureza)

-   Der Lorbeerwald von Madeira
Der Lorbeerwald Madeiras bedeckt 20 % der Insel, also gut 150 qkm. Er besteht aus 20 verschiedenen, für die Insel charakteristischen Baumarten, wie z.B. den Madeira-Lorbeer (port.: vinhático / latein.: Persea indica), den Madeira-Holunder (port.: sabugueiro madeirense / latein.: Sambucus lanceolata), den Barbusano (port.: barbusano / latein.: Apollonias barbujana) oder den Stinklorbeer (port.: til / latein.: Ocotea foetens), sowie aus verschiedenen Farnarten. Im Dezember 1999 wurde dieser einzigartige Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Immaterielles Weltkulturerbe (port.: Património Cultural Imaterial da Humanidade)

-   Fado
Der Musikstil des Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (port.: Patrimônio Cultural Imaterial da Himanidade) ernannt. Er ist wohl der portugiesischste aller Musikstile in Portugal. Der Fado ist voller Schmerz und Sehnsucht, und handelt meistens von nicht erfüllter Liebe, vom Unglück, vom Schicksal und alten, verlorenen Zeiten. Dennoch ist der Fado, trotz dieser ganzen negativen Gefühle, voller Hoffnung und Leben. Da der Fado die wehmütigen Sehnsuchtsgefühle der Portugiesen so praktisch musikalisch symbolisiert, wird er oftmals – und das zu Recht – als „die Seele Portugals“ (port.: „a alma de Portugal“) bezeichnet
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011)

-   Chorgesang Cante Alentejano
Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Fado wurde der portugiesische Musikstil des Cante Alentejano im Jahre 2014 auf die Weltkulturerbeliste von der UNESCO gesetzt.
Der Cante Alentejano ist ein Chorgesang der ohne Instrumente in einem langsamen Tempo und in einem charakteristischen harmonisch-monotonem Takt gesungen wird. Fast immer handeln die vorgetragenen Lieder vom Alltag, von der Liebe, der Freundschaft und dem schweren Arbeitsalltag im Alentejo.
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Cante Alentejano“ vom 27. November 2014)

Weltdokumentenerbe (port.: Programa Memória do Mundo)

-   Brief über die Entdeckung Brasilien
Der Brief über die Entdeckung Brasiliens am 22. April 1500 (port.: Carta do Achamento do Brasil) ist ein dokumentarischer Bericht des Seefahrers Pedro Álvares Cabral an den portugiesischen König Manuel I. In diesem mit dem 01. Mai 1500 datierten Brief beschrieb der Chronikschreiber Pêro Vaz de Caminha an den König in Portugal die ersten Eindrücke der Portugiesen in der neu entdeckten Welt, ihre erste Begegnung mit den Ureinwohnern und ihre ersten Einblicke in die neue, unbekannte Flora und Fauna Südamerikas. Der vierzehn Seiten doppeltbeschriftete lange Brief, der eigentlich eine Art Chronik ist, befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo und gilt als das erste literarische Dokument Brasiliens. Die UNESCO nahm den Brief über die Entdeckung Brasiliens im Jahre 2005 in die Weltdokumentenerbeliste auf
(bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogbeitrag „Pero Vaz de Caminha“ vom 20. Februar 2012)

-   Vertrag von Tordesilhas
Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas), der am 07. Juni 1494 nach langwierigen Verhandlungen zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, gilt als die dokumentierte Abschlussvereinbarung zwischen diesen beiden Königreichen, die damalige bekannte Welt untereinander aufzuteilen und die Hälfte des anderen zu respektieren. Der Vertrag von Tordesilhas gilt somit als der erste „Nichtangriffspakt“ zwischen Portugal und Spanien. Der Vertrag befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv der Torre do Tombo und ist seit 2007 ein Welterbedokument

-   Chronologische Manuskriptsammlung „Corpo Cronologico“
Der „Corpo Cronologico“ ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten und Manuskripten die zwischen 1756 und 1784 vom damaligen Leiter des Nationalarchivs Torre do Tombo, Manuel da Maia, zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst insgesamt 83.212 verschiedene Verträge, Manuskripten und Dokumente des portugiesischen Staates die zwischen den Jahren 1161 und 1696 verfasst wurden.
Der Tatsache, das Manuel da Maia seinerseits die Schriftstücke alle chronologisch archivierte, versankt die Sammlung ihren Namen „Corpo Cronologico“. Seit 2007 ist die Sammlung, die sich weiterhin im Nationalarchiv Torre do Tombo befindet, Welterbedokument der UNESCO

-   Bericht der Flugpioniere Gago Coutinho und Sacadura Cabral
Im Jahre 1922 unternahmen die portugiesischen Flugpioniere Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Cabral den ersten Südatlantikflug der Geschichte. Am 30.März 1922 flogen beide Piloten mit ihrem Wasserdoppeldeckerflugzeug „Santa Cruz“ von Lissabon nach Rio de Janeiro in Brasilien. Über ihre Flugreise schrieben sie einen detaillierten Bericht (port.: Relatório dos aeronautas Gago Coutinho e Sacadura Cabral), der dann im Jahre 2010 als Welterbedokument von der UNESCO in ihre Liste aufgenommen wurden. Der Bericht der beiden Flugpioniere Coutinho und Cabral befinden sich heute im Archiv der Marinebibliothek in Lissabon

-   Reisetagebuch der ersten Indienfahrt des Vasco da Gama
Als der Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama am 20. Mai 1498 seinen Fuß auf dem indischen Subkontinent setzte, hatte er als erster Mensch den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Reise hatte am 08. Juli 1497 in der portugiesischen Hauptstadt begonnen und erst zwei Jahre später, am 10. Juli 1499, segelte er wieder in Lissabon ein. Über seine Entdeckungsreise nach Indien verfasste er ein Reisetagebuch (port.: Diário da primeira viagem de Vasco da Gama), welches er später König Manuel I vorlegte. Dieses Reisetagebuch seiner ersten Indienfahrt ist 2013 von der UNESCO auf die Welterbedokumentenliste gesetzt worden. Es wird heute im Archiv der Stadtbibliothek von Porto aufbewahrt

Und hier nun eine Liste der von der portugiesischen Regierung nominierten Bauwerke und Naturschauplätze für eine zukünftige Bewerbung als Weltkultur- und Weltnaturerbe bei der UNESCO:

- die vulkanische Schachthöhle Angar do Carvão auf der Azoreninsel Terceira
- das historische Stadtzentrum von Santarém
- die Schwefelhöhle Furna do Enxofre auf der Azoreninsel Graciosa
- die von mittelalterlichen Mauern umgebene Kleinstadt Marvão und der kleine Berg auf dem es liegt
- die kleine unbewohnte Inselgruppe Ilhas Selvagens (dt.: Wilde Inseln) im Atlantik, vor der Küste Afrikas
- der Naturpark Südöstliche Alentejoküste im Alentejo
- die Lissabonner Unterstadt Baixa (port.: Baixa Pombalina)
- die Schloss- und Klosteranlage des Nationalpalastes von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra)
- die Ortschaft Buçaco und das Waldgebiet in dem es liegt
- der Naturpark der Serra Arrábida
- die Dinosaurierfußspuren im Naturpark von Ourém-Torres Novas (port.: Parque Natural das Pegadas de Dinossáurio de Ourém-Torres Novas)

Donnerstag, 14. August 2014

Das angekündete Ende des Spielzeugmuseums in Sintra


Ende dieses Monats wird einer der schönsten Museen Portugals – für viele Kinder vielleicht der Schönste – seine Pforten für immer schließen.
Die Rede ist vom originellen Spielzeugmuseum (port.: Museu do Brinquedo) in der etwa 30 km von Lissabon entfernt gelegenen Stadt Sintra.

Dieses unvergleichliche Museum wurde 1989 gegründet und geht auf die jahrzehntelange Sammeltätigkeit des Privatmannes João Arbués Moreira zurück, der schon in den 1930er Jahren, als kaum jemand dem Spielzeug eine kulturhistorische Bedeutung beimaß, seiner Sammlerleidenschaft nach altem und außergewöhnlichem Spielzeug nachging.

João Arbués Moreira fing bereits als Kind an sein Spielzeug nicht nur zum spielen zu benutzen, sondern es auch als Sammelobjekt zu betrachten.
Mit der Zeit sammelte er alleine Tausende verschiedene Spielsachen, wie etwa Spielzeugautos, Flugzeuge, Puppen, Puppenhäuser, Teddybären, Zinnsoldaten und Dreiräder.
1987 beschloss er seine bedeutende Sammlung, die bis dahin nur seine Freunde und Bekannte kannten, der Öffentlichkeit zu präsentieren und gründete daraufhin seine eigene Stiftung, die Fundação Arbués Moreira.
1989 wurde João Arbués Moreira mit der Stadt Sintra einig, und das Museu do Brinquedo, das größte seiner Art in Portugal, wurde in der ehemaligen Alten Feuerwache der Stadt Sintra eröffnet.
Mit den Jahren wurde das Museum immer bedeutender und an Exponaten immer reicher, da viele Privatpersonen nach einem Besuch im Museum, oftmals spontan ihre Spielsachen der Stiftung vermachten.

Jetzt hat die Stadt Sintra der Stiftung Fundação Arbués Moreira mitgeteilt, das Sparmaßnahmen es der Stadtverwaltung unmöglich machen, das Museum zukünftig weiterhin wie bisher finanziell zu unterstützen! 

Bis dato konnte man auf vier verschiedenen Etagen die unvergleichlich schöne und bedeutende Sammlung des Museums bewundern, das aus ca. 60.000 Objekte besteht.
Die ältesten Spielobjekte stammen aus dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr.!
Ausländische Spielzeughersteller sind mit ihren Spielzeugautos, Motorrädern, Flugzeugen und Zinnsoldaten genauso vertreten, wie portugiesische Fabrikate.
Ebenso findet man eine große Ausstellung an Puppen aus den verschiedensten Jahrhunderten und Materialien, Barbies, Puppenhäuser und die entsprechenden Möbel und Utensilien um diese zu bestücken.

Dieses Museum ist ein wahres Paradies, nicht nur für kleine Museumsbesucher sondern vor allem auch für die großen, den die finden hier viele Ausstellungsstücke die schöne Kindheitserinnerungen auslösen, an die sie im Laufe der Jahre gar nicht mehr gedacht haben und die erst durch einen Besuch im Museum wieder irgendwie real werden.

Das Museu do Brinquedo in Sintra ist leider nur noch bis zum
31. August 2014 geöffnet!

Montag, 27. Januar 2014

Lissabon ist so cool


Die bekannte und erfolgreiche amerikanische Reisejournalistin und Buchautorin Fiona Dunlop hat am gestrigen Sonntag auf der Internetseite des US-Fernsehsenders CNN einen Artikel über Lissabon geschrieben, den sie „7 reasons Lisbon could be Europe’s coolest city“ tituliert hat.
In diesem Artikel führt Fiona Dunlop ihre persönlichen sieben Argumente auf, warum sie meint, das Lissabon die coolste Stadt Europas sein könnte:

7 reasons Lisbon could be Europe’s coolest city:

1. Das Nachtleben
Fiona Dunlop lobt die vielen guten Szene-Locations der Hauptstadt, verweist auf die über 250 ausgefallenen Bars und verrückten Kneipen die zwischen dem Bairro Alto und dem Cais do Sodré liegen hin und empfiehlt außerdem sie die schicken Clubs der Stadt, wie z.B. das LUX, wo jeden Abend das Nachtleben pulsiert.

„If you think Madrid stays out late, try a night out in Lisbon”
(Fiona Dunlop)
„Wenn Sie denken Madrid bleibt lange auf, dann versuchen sie erst einmal eine Nacht in Lissabon“

2. Die experimentelle Küche
Mit experimenteller Küche meint die Autorin die perfekte Kombination zwischen der modernen, anspruchsvollen und dennoch erschwinglichen Küche die sich in den letzten Jahren neben der traditionellen portugiesischen Küche behauptet hat, und die man überall in der Hauptstadt genießen kann.

„No traveler to Lisbon should miss the famed egg tarts pasties de nata“
(Fiona Dunlop)
„Kein Besucher Lissabons sollte sich die berühmten Pasteis de Nata entgehen lassen“

3. Die Ironie
Fiona Dunlop führt als drittes Argument für die Coolness Lissabons Ironie an.
Nun, Tatsache ist, dass Ironie eines der Sachen ist, die uns Lissabonner überhaupt nur wenige zutrauen oder zugestehen wollen. Die meisten halten uns Portugiesen ja doch eher für übertrieben melancholisch und fatalistisch.
Aber wir Lissabonner sind von Natur aus wirklich humorvoll und neigen sogar zur Selbstironie, auch wenn das Leben hierzulande im Augenblick alles andere als spaßig ist.
Wie dem auch sei:
es scheint so, als ob unsere Ironie auch von unseren internationalen Gästen positiv aufgenommen wird.

4. Strände und Burgen
Die vielen schönen Strände und Burgen die sich im Großraum Lissabons befinden werden von der Autorin als hervorragende Ausflugsziele angegeben.
Sowohl Estoril mit seinem Casino und Badestränden, Cascais mit seiner Gastronomie und auch das romantisch-verträumte Sintra mit seinen einzigartigen Burgen, Schlössern und Herrenhäuser sind für sie erwähnungswert.

„Lisbon is a place to inhale salty Atlantic air, sunbathe and hit the waves“
(Fiona Dunlop)
„Lissabon ist ein Ort an dem man salzige Atlantikluft einatmet, sonnenbadet und die Wellen schlagen hört“

5. Das großartiges Design
Sei es die stilvolle und zugleich aufregende Mode, die ausgefallene Kunst in den Museen und Galerien oder die preisgekrönte Architektur – Lissabon strotzt nur so vor Moderne, Lifestyle und Design.
Lissabon ist fashion!
…und das nicht zur Fashionweek

„This is a city that loves to look good“
(Fiona Dunlop)
„Das ist eine Stadt, die es liebt gut auszusehen“

6. Die Kunst
Ob ein Ausflug in die private Gulbenkian-Stiftung an der Praça de Espanha, ein Besuch im modernen Museu Berardo in Belém, einpaar Stunden im bedeutenden Museum für Alte Kunst mit seiner wertvollen Kunstsammlung alter portugiesischer Künstler oder eine Visite im exklusiven Museu do Oriente mit all seinen wertvollen asiatischen Exponaten – Lissabons Museen, Stiftungen und Kunstgalerien sind immer einen Besuch wert, so die Autorin.

„Large European capitals such as London, Paris, Berlin and Madrid may have blockbuster art collections, but Lisbon’s half million inhabitants have access to their own rare panoply“
(Fiona Dunlop)
„Große europäische Hauptstädte wie London, Paris, Berlin oder Madrid mögen vielleicht bedeutende Kunstsammlungen haben, aber nur eine halbe Million Lissabonner haben Zugriff auf ihre eigene seltene Kunstpalette“

7. Die faszinierenden Straßen
Als siebten und letzten Grund für die Coolness der portugiesischen Hauptstadt gibt Fiona Dunlop die Straßen Lissabons an, mit all ihren farbigen Kacheln an den Wänden und den kunstvoll schwarz-weißen Pflastermustern unter den Füßen.


Fiona Dunlop hat hier einen, wie ich finde, sehr informativen, interessanten und humorvollen Artikel geschrieben, der aber eigentlich nur das bestätigt, was wir Lissabonner selber schon seit langem wissen:
Lissabon ist so cool!

Wer den Originalartikel von Fiona Dunlop bei CNN lesen will, der findet hier den link:


Dienstag, 23. Juli 2013

Sintra




Das 25 km von Lissabon entfernte romantische Städtchen Sintra liegt etwa 200 m über dem Meer, in den waldreichen Granitbergen der Serra de Sintra, auf einem von zwei Schluchten begrenzten Bergvorsprung.
Die heutige Kleinstadt wurde im November 1147 von König Afonso Henriques den Arabern abgerungen und diente seit dem 14. Jahrhundert, nicht zuletzt wegen seines angenehm ausgeglichenen Klimas, den portugiesischen Königen aus dem Hause Avis als Sommerresidenz.
Erst im 18. Jahrhundert wurde das Schloss von der nachfolgenden Bragança-Dynastie zugunsten von Mafra und Queluz vernachlässigt.

Wiederentdeckt wurde die Serra de Sintra und der abgeschiedene Ort in der Romantik, besonders von englischen Reisenden, die es auch zu schätzen wussten, wenn sich die „Gipfel“ der Umgebung in 500 m Höhe dramatisch in Wolken hüllten, so wie der englische Schriftsteller William Thomas Beckford, der 1787 die Serra de Sintra in den höchsten Tönen in seinen Tagebüchern pries.

Der britische Adlige George Gordon Noel Byron, der unter dem Namen Lord Byron weltberühmt wurde, sprach 1809 bewundernd von Sintra als einen „glorious Eden“ (dt.: glorreiches Eden), und in einem Brief an einen Freund schrieb er einmal über Sintra:

„…unter jedem Aspekt der entzückendste Ort Europas, mit Schönheiten jeder Art gesegnet, natürlicher wie künstlerischer. Paläste und Gärten breiten sich inmitten Felsen, Katarakten und Abgründen aus. Klöster stehen auf erstaunlichen Höhen, diese mit Aussicht auf den Atlantik und den Tejo. Es vereint sich hier die Wildheit der schottischen Westen Highlands mit dem grün des Südens Frankreichs…“

Und auch der Dichter Robert Southey, ebenfalls ein Brite, beschreibt Sintra, in einem Schreiben aus dem Jahre 1800, als ein „Paradies auf Erden, dem es nur an frischer Butter und guter Gesellschaft fehle“.
Also Butter, so kann ich aus eigener Erfahrung sagen, bekommt man heutzutage in Sintra problemlos!

In Wahrheit wird die Schönheit der Landschaft, in Verbindung mit dem prächtigen subtropischen Pflanzenwuchs und der Nähe zum Meer, wirklich nicht leicht übertroffen, so dass Sintra mit Recht als einer der schönsten und charmantesten Orte Portugals, ja der ganzen Iberischen Halbinsel, gilt.

Mittelpunkt von Sintra ist der Largo Rainha Dona Amélia, ein großer, zentraler Platz, an deren Nordseite sich der stattliche Palácio Nacional de Sintra (dt.: Nationalpalast von Sintra) erhebt.
Der geschichtsträchtige königliche Palast ist ein verwirrendes Konglomerat der Stile und Jahrhunderte. Seine zwei unverwechselbaren kegelförmigen Küchenschornsteine sind heute das Wahrzeichen Sintras.
König João I baute im frühen 15. Jahrhundert den alten gotischen Palast von König Dinis aus. Seine Nachfolger nahmen dann noch zahlreiche Erweiterungen und Änderungen vor. König Manuel I fügte um 1510 den Ostflügel mit den charakteristischen Doppelfenstern hinzu.
Weitere Umbauten folgten dann im 17. und 18. Jahrhundert.
Das Innere des Nationalpalastes ist reich an seltenen alten Azulejos, wie man sie im Arabischen Saal (port.: sala árabe), im Elsternsaal (port.: sala das pegas) oder im Meerjungfrauensaal (port.: sala das sereias) bewundern kann, reich an wunderbaren Kassettendecken, wie die in der Schlosskapelle (port.: capela do palácio), die im Wappensaal (port.: sala dos brasões) und die im Schwanensaal (port.: sala dos cisnes) bestaunt werden können und überraschenden, maurisch-inspirierten Innenhöfen.

Das Schloss von Sintra, mit all seiner Pracht und seinem Glanz – für einen König aus dem Hause Bragança wurde es zum Gefängnis; der seit Kindestagen gelähmte und geistesschwache Afonso VI, der von 1656 bis 1662 unter der Vormundschaft seiner Mutter, Königin Luisa de Gusmão, stand, wurde hier zum Spielball der Hofintrigen, in denen auch seine junge Frau, Königin Maria Francisca Isabela von Savoyen – die ihren Schwager Pedro, den nachfolgenden König Pedro II, viel interessanter fand als ihren Ehemann – eifrig mitmischte.
Afonso VI, so wurde damals von seinem Bruder Pedro in die Welt gesetzt, sei nicht im Stande die Ehe mit seiner Frau zu vollziehen.
Dies war dann schließlich der Grund weshalb die Ehe zwischen Afonso VI und Maria Francisca Isabella von Savoyen annulliert wurde und Afonso zum Thronverzicht 1668 gezwungen wurde.
Die letzten Jahre seines Lebens, bis zu seinem Tod am 12. September 1863, verbrachte Afonso VI als Verbannter und Gefangener im Schloss von Sintra.

Vor dem Nationalpalast steht ein zu einem Brunnen umgestalteter spätgotischer Pelourinho (port.: Pranger).
Südwestlich schließt sich an den Largo Rainha Dona Amélia die Praça da República an.
Dieser Platz wird von der ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammenden, später jedoch mehrfach umgebauten Igreja de São Martinho und dem Stadtmuseum (port.: Museu Municipal) begrenzt.
Einige hundert Meter weiter westlich ist das unvergleichliche Spielzeugmuseum (port.: Museu do Brinquedo), in einem ehemaligem Feuerwehrhauptquartier, untergebracht.

Außer diesen zentralen Highlights hat Sintra noch viele andere bedeutende und schöne Sehenswürdigkeiten die entdeckt werden wollen.
Die für mich wichtigsten Attraktionen in Sintra sind:

- Palácio de Monserrate (dt.: Palast von Monserrate) – dieser exotische Mogulschloss liegt in dem prächtigen Parque de Monserrate, die Beide alleine Dank der Phantasie des Engländers Sir Francis Cook, einem bedeutenden Kunstsammler seiner Zeit, entstanden sind

- Palácio de Seteais (dt.: Palast von Seteais) – dieser klassizistische Riesenpalast, dessen Name ins deutsche übersetzt so viel wie „Sieben Seufzer“ bedeutet, ließ sich der niederländische Konsul und Diamantenhändler Daniel Guildemeester im Jahre 1787 bauen. Heute ist in dem Palast ein Luxushotel untergebracht

- Palácio Nacional da Pena (dt.: Nationalpalast von Pena) – Dieser Palast erinnert an ein maurisch-manuelistischen Schloss Neuschwanstein. 1511 ließ König Manuel I, an der Stelle an der heute der Palast steht, ein Kloster errichten, das 1755 schwer unter dem Erdbeben litt und daraufhin verlassen wurde. Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl der portugiesischen Königin Maria II, kaufte 1838 die romantisch überwucherten Ruinen, und machte aus ihnen seine Sommerresidenz. In seinem Auftrag schuf der weit gereiste Ingenieur und Geologe Wilhelm Ludwig von Eschwege in zehn Jahren Bauzeit eine Phantasieburg, in der sich zahllose Details berühmter portugiesischer Gebäude wieder finden. Die alte maurische Klosterkirche mit Azulejos aus dem Jahre 1619 und einem Renaissance-Altar aus Alabaster und Marmor wurde dabei in den Neubau mit einbezogen. Der Park um den Palast sollte ursprünglich im englischen Stil angelegt werden, ist dann aber letztendlich so phantasievoll geraten wie der Palast

- Castelo dos Mouros (dt.: Maurenburg) – Im 8. Jahrhundert errichteten die arabischen Mauren hier eine Burg, die sie auch bis zu ihrer Eroberung durch König Afonso Henriques im November 1147, bewohnten. Nach ihrer Eroberung nutzten die portugiesischen Könige die Anlage kaum, obwohl sie nachweislich noch bis zum 14. Jahrhundert bewohnbar war. Von der ursprünglichen Burganlage ist heute leider nicht mehr viel erhalten, und das wenige was man heute noch bewundern kann, haben wir dem Ruinenverliebten Prinzgemahl Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha zu verdanken, der die Ringmauern einstmals, entsprechend dem Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts, restaurieren ließ

- Quinta da Regaleira (dt.: Landgut Regaleira) – Die Quinta da Regaleira ist ein etwa 4 ha großes Landgut, indem ein riesiges, luxuriöses Herrschaftshaus steht, das einstmals von dem visionären italienischen Architekten Luigi Manini für den Kaffeeplantagenbesitzer und Millionär António Augusto Carvalho Monteiro entworfen und gebaut wurde. Sowohl das Herrschaftshaus als auch der exotische Park, mit seinen vielen tropischen Pflanzen, den blauen Seen und den dunklen Grotten, sind wunderschön anzusehen

- Convento dos Capuchos (dt.: Kapuzinerkloster) – Bei dieser tief im Wald gelegenen Klosterruine handelt es sich um ein ehemaliges Kloster der Franziskaner aus dem Jahre 1560

- Museu do Ár (dt.: Luftfahrtmuseum) – Das interessante und sehenswerte Luftfahrtmuseum liegt im Ort Pêro Pinheiro, einer Gemeinde von Sintra, auf dem Gelände der Luftbasis Nr.1 (port.: Base Aérea n°1). Hier kann man zahlreiche historische Flugzeuge, Hubschrauber und viele andere aeronautische Objekte besichtigen (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Das Luftfahrtmuseum von Sintra“, vom 13.07.2013)

Zu Sintra gehören – last but not least – die Queijadas, kleine, süße Törtchen mit einer Frischkäsefüllung, deren Geschmack trotz des Namens, mit dem deutschen Käsekuchen nichts zu tun hat, auch wenn viele ausländische Reiseführer das Gegenteil behaupten. Die Queijadas de Sintra sind zweifelsohne der kulinarische Höhepunkt der Stadt Sintra.

Die ganze Serra de Sintra wurde im Jahre 1995 auf die Weltkulturlandschaftsliste der UNESCO aufgenommen, und deshalb empfehle ich jedem, der mit dem Auto und einer guten Straßenkarte oder einem brauchbaren Navigationssystem unterwegs ist, die Serra auf jeden Fall selber auf eigene Faust zu erforschen.
Er wird es auf keinen Fall bereuen!

Sonntag, 14. Juli 2013

João de Almeida Torto – Verrückt oder einfach nur ein Träumer?


Wenn man das Luftfahrtmuseum (port.: Museu do Ár) in Sintra besucht (lesen sie bitte hierzu auch meinen vorhergehenden Blogeintrag „Das Luftfahrtmuseum in Sintra“, vom 13.07.2013), kann man die verschiedensten aeronautischen und militärhistorischen Objekte bewundern.
Wenn man das Museum betritt, sieht man gleich, von der Eingangstür aus, die vielen verschiedenen Flugzeuge und Hubschrauber in der Ausstellungshalle stehen, so das man vom imposanten Gesamtbild der vielen Flugexponate erst einmal „erschlagen“ wird.
Erst mit der Zeit, bekommt man dann ein Gefühl für die vielen Details und Besonderheiten der einzelnen Stücke des Museums.

Und so fällt einem erst beim verlassen des Museums ein ganz besonderes Ausstellungsstück auf, das genau auf der rechten Seite des Eingangs/Ausgangs von der Hallendecke herunterhängt.
Es handelt sich bei diesem Exponat um die Attrappe eines Menschen mit Flügeln und einem Kopfhelm, der einem Vogelkopf nachempfunden ist.

Was hat es mit dieser merkwürdigen Flugattrappe, die einen sofort an Ikarus erinnert, auf sich?
Nun, das Exponat stellt João de Almeida dar, den die Geschichte später den Beinamen „o torto“ (dt.: „der Verrückte“) gab und der als der erste Flugpionier Portugals gilt.

João de Almeida Torto hat Anfang des 16. Jahrhunderts in der nordportugiesischen Stadt Viseu gelebt.
Ob er in dieser Stadt auch geboren wurde lässt sich heute nicht mehr sagen, aber sicher ist, dass er in Viseu gelebt und gewirkt hat.
João de Almeida war am dortigen Krankenhaus, dem Hospital de Santo António, Krankenpfleger und er hatte zwar nicht die Lizenz zum töten, aber sehr wohl eine Lizenz zum Aderlass, eine in der damaligen Zeit sehr verbreitete und anerkannte Art des Heilverfahrens.
Außerdem übte er den Beruf des örtlichen Barbiers aus.
Da er auch des Schreibens und Lesens mächtig war, verdiente er sich nebenbei auch ein bisschen Geld als Schreiber und verfasste hauptsächlich persönliche, nicht amtliche, Briefe und auch Liebesbriefe, für die er das doppelte Geld verlangte.
All diese vielseitigen Tätigkeiten zeugen davon, dass João de Almeida eher ein kluger und einfallsreicher Mensch war, aber keinesfalls ein „verrückter“, wie er später genannt wurde.

Aber wie kam João de Almeida zu seinem Spitznamen „o torto“, der Verrückte?
Nun, heute würde man sagen João de Almeida war ein Abenteurer, zwar einer der durchgeknallten Sorte, aber er war durch und durch ein Abenteurer.

Anfang Juni 1540 bringt João de Almeida ein selbst geschriebenes Schreiben in Umlauf, auf dem er den Bürgern der Stadt Viseu folgendes mitteilt:

„Ich tue den Einwohnern dieser Stadt kund, das noch bevor dieser Monat sich dem Ende neigt sie ein großes Wunder sehen werden, dann nämlich wenn ein Bürger dieser Stadt mit künstlichen Flügeln von der Spitze der Kathedrale bis zum Sankt Mathäusfeld fliegen wird, dies verspreche ich Euch mit meinem Wort – João de Almeida“)

(port.: „Saibam todos os senhores habitantes desta cidade, que não terminará este mês sem se ver a maior das maravilhas, a qual vem a ser um homem desta cidade voar, com asas feitiças, da torre da Sé ao Campo de São Mateus, pelo que responde por sua pessoa e bens – João de Almeida“)

Da er von der Kathedrale springen wollte, war sein Flugversuch von der Kirche genehmigt und sogar gefördert worden.
Dies war nur möglich, weil João de Almeida Torto mit der vollen Unterstützung des damaligen Bischofs von Viseu, dem Kardinal Miguel da Silva, rechnen konnte.
Kardinal Miguel da Silva war, bevor er zum Bischof von Viseu ernannt worden war, Jahre lang Botschafter Portugals beim Papst in Rom gewesen.
In Rom lernte Kardinal da Silva auch einen gewissen Leonardo da Vinci kennen und ließ sich von diesem mit Interesse dessen Ideen und Erklärungen für geplante und entworfene Flugapparate erklären.
Als der Kardinal nun in Portugal, in seiner Stadt Viseu, von einem Abenteurer hörte, der vorhatte, mit selbst gebastelten Flügeln zu fliegen, sicherte er diesem seine Unterstützung zu.
João de Almeida Torto bat also den Kardinal vom höchsten Punkt der Stadt, der Kathedrale, springen zu dürfen, und diesem, seinem Wunsch, kam der Kardinal ohne wenn und aber nach!

Und so kam es, das in den ersten Morgenstunden des 20. Juni 1540 sich eine riesige Menschenmenge vor der Kathedrale von Viseu versammelte, um dem Schauspiel, das ihnen João de Almeida Torto versprochen hatte, beizuwohnen.

Eigenhändig zog João de Almeida Torto an diesem Morgen, noch vor dem Sonnenaufgang, mit einem Seil seine selbstgebauten Flügel auf den Turm der Kathedrale hoch, auf den er alleine hochgestiegen war.
Die Flügel bestanden aus doppellagigem weißen Leinenstoff, die er mit jeweils drei Metallringen an jedem Flügel an seine Arme befestigte. Hinzu wurden die Flügel mit einem Riemen aus Rinderleder an seinem Rücken und seiner Brust angebunden. Sein Schuhwerk bestand aus dicksohligen Schuhen, die ebenfalls aus Rinderleder gefertigt waren.
Er trug zusätzlich noch einen Helm in Form eines riesigen Vogelkopfes, durch dessen geöffneten Schnabel er sehen konnte.

Er muss ziemlich exotisch und für viele damals auch angsteinflössend ausgesehen haben.
So etwas hatten die Bürger von Viseu noch nie gesehen!

Als die Uhr der Kathedrale die fünfte Stunde schlug, machte João de Almeida Torto einen Satz und sprang wie vorgehabt in Richtung des Feldes Campo de São Mateus.
Augenzeugen berichten, João de Almeida Torto wäre tatsächlich einige Meter geflogen, wäre dann aber ins trudeln geraten, da ihm der Vogelkopfhelm wohl verrutscht war, und er nichts mehr sehen konnte.
Es gelang ihm auf dem Dach der an der Kathedrale angrenzenden Kapelle São Luis unversehrt zu landen und er hätte hier seinen Flug ruhig beenden sollen.
Doch João de Almeida Torto war, wie schon erwähnt, ein Abenteurer und zwar einer der risikofreudigen.
Also beschloss er, aufgestachelt von einer grölenden Menge, seinen Flug in Richtung des nahen Campo de São Mateus fortzusetzen.

Als er vom Dach der Kapelle São Luis sprang fiel er auf die Erde wie ein Stein.
Schwer verletzt und bewusstlos wurde er in das nahe Krankenhaus Hospital de Santo António, wo er selbst als Krankenpfleger gearbeitet hatte, gebracht.
Zwei Stunden nach dem fatalen Sprung erlangte er noch einmal für kurze Zeit das Bewusstsein, fiel aber dann in ein Koma, aus dem er nie wieder erwachte.
Drei Tage nach seinem spektakulären Flugversuch, dem ersten von dem hier in Portugal berichtet wird, verstarb João de Almeida Torto in den Armen seiner Frau.

Am Tag vor seinem Sprung hatte João de Almeida Torto noch, auf Wunsch seiner Gattin, sein Testament vor einem Richter gemacht.
Da das Ehepaar keine eigenen Kinder hatte, und die wenigen Besitztümer im Todesfall von João de Almeida Torto dann automatisch an seine Brüder übergegangen wären und nicht etwa an seine Ehefrau, wollte sich diese, die einen möglichen unglücklichen Verlauf schon vorhergesehen hatte, auf alle Fälle finanziell absichern.

Vielleicht war João de Almeida Torto wirklich „verrückt“ wie ihn später alle nannten.
Aber vielleicht war er nur ein Mann, der den Menschheitstraum des Fliegens gelebt hat und für diesen Traum letztendlich mit seinem Leben bezahlen musste, getreu dem alten Sprichwort:


„Du bist nicht arm weil Du träumst, viel ärmer sind die, die noch nie geträumt haben!“ 

Samstag, 13. Juli 2013

Das Luftfahrtmuseum in Sintra








Am gestrigen Freitag war ich mit meinem Neffen und meiner Nichte in Sintra, im dortigen Luftfahrtmuseum (port.: Museu do Ár).
Wir hatten schon vorgestern versucht das Museum zu besuchen, aber Dank des Navi´s, das wir benutzt haben um dort anzukommen, sind wir in der Gegend herumgefahren und haben besagtes Museum nicht gefunden.
Gestern aber, nach einer intensiven Suche in Google-Maps, haben wir dann doch den Weg zum Museu do Ár entdeckt!

Das Luftfahrtmuseum liegt auf dem Gelände der Flugbasis Nr. 1 (port.: Base Aérea n°1), in dem kleinen Ort Pêro Pinheiro, einer Gemeinde der Stadt Sintra.
In ihm sind viele historische Flugzeuge, Hubschrauber, Flugzeugmotoren, Turbinen und zahlreiche Flugzeugmodelle ausgestellt.
Das Museum hat im Laufe der Zeit zahlreiche wertvolle militärhistorische Objekte gesammelt, diese liebevoll restauriert und sie dann hier ausgestellt.
Über insgesamt 10.000 einzelne Ausstellungsstücke bildet die wertvolle Sammlung des Museums.
Flugzeugliebhaber und Kenner der internationalen Luftfahrt bezeichnen das Museu do Ár, aufgrund seiner sehr gut erhaltenen historischen Flugapparate, als eines der besten Museen der Luftfahrt weltweit.

Die Anfänge des Museums gehen auf das Jahr 1968 zurück.
Am 21. Februar 1968 wurde es gegründet und dann, knapp 4 Monate später, am 01. Juli 1968, dem Tag der Portugiesischen Luftwaffe (port.: Força Aérea Portuguesa), offiziell eingeweiht.
In vier Hallen, ehemalige Flughangar, sowie auf einem Hallenvorfeld können Besucher über 100 Jahre portugiesischer Fluggeschichte bestaunen und erleben.

In der ersten Halle, der größten des Museums, sind verschiedene aeronautische Geräte sowie mehrere historische Flugzeuge, Hubschrauber und Doppeldecker ausgestellt.
So kann man hier z.B. eine alte Junkers JU52 aus dem Jahre 1930, einen Doppeldecker Avro Cadet aus dem Jahre 1931 und eine De Havilland DH-89 Dragon Rapide aus dem Jahre 1934 bewundern.
Eine De Havilland DH-87 Hornet, ebenfalls Baujahr 1934, und eine nordamerikanische F-86 Sabre, aus dem Jahre 1947, sind hier ebenso ausgestellt.

Die zweite Halle ist der portugiesischen Fluggesellschaft TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses) gewidmet.
Hier werden, unter anderem, verschiedene Flugkapitän- und Stewardessenuniformen, Geschirr, Flugzeugsitze und auch der erste Flugsimulator der Fluggesellschaft gezeigt.

In der dritten Halle, die das Historische Hangar (port.: Hangar histórico) genannt wird, befinden sich fast ausnahmslos Flugzeuge der Luftwaffe, die in den ehemaligen portugiesischen Überseegebieten in Afrika, wie Angola, Moçambique und Guiné-Bissau, unterwegs waren.
So sind hier z.B. eine Dassault Falcon, eine einstrahlige Lockheed T-33 sowie ein Northrop T-38 Talon Überschalljet ausgestellt.

In der vierten und letzten Halle, dem Saal der Pioniere (port.: Sala dos Pioneiros) wird den Männern gedacht (Frauen sind leider keine dabei!), die für die portugiesische Luftfahrt unglaubliches geleistet haben und als Flughelden in die Geschichte eingegangen sind.
So werden hier persönliche Gegenstände, Flugkarten und historische Bilder, von António Jacinto da Silva Brito Paes, dem ersten Menschen der im Jahre 1924 den ersten Flug von Portugal nach Macau vollzog und von José Manuel Sarmento de Beires, dem ersten, der 1927 den Südatlantik nachts überflog, gezeigt.
Ebenso zu sehen sind hier einige persönliche Exponate der Piloten Carlos Eduardo Bleck und Humberto da Cruz, die 1930 die Flugverbindung Lissabon – Angola, gründeten.
Auch den zwei größten Flugpionieren Portugals, Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Freire Cabral, den beiden Ersten Menschen, die 1922 den Atlantik von Osten nach Westen, von Lissabon nach Rio de Janeiro, erfolgreich überflogen, ist in dieser Halle ein Platz gewidmet.

Die Flugbasis von Sintra, auf der das heutige Museum steht und die auch eine Flugakademie (port.: Academia da Força Aérea) beherbergt, war die erste Militärflugbasis Portugals.
Das Museum kann, sofern sie den Weg dorthin finden, an jedem Wochentag, außer Montags, von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr besichtigt werden.

Dienstag, 31. Mai 2011

Regenchaos


Es hat in letzter Zeit immens viel geregnet hier in Portugal, vor allem im Lissabonner Großraum.
Auch gestern, zum Wochenanfang, hatten wir hier einen ziemlich feuchten Wochenstart.

Heftige Regenfälle haben Teile der Hauptstadt und viele Städte im Lissabonner Umland, wie Almada, Sintra, Loures und Amadora, überflutet und den gesamten Berufsverkehr zum erliegen gebracht.
In der Lissabonner Unterstadt, hier vor allem in den Stadtteilen in Flussnähe, gab es mehrere Stromausfälle und viele Geschäfte und so manche U-Bahn-Station mussten zur morgendlichen Rushhour geschlossen bleiben.
Trotz dieses Chaos kamen laut Zivilschutzes keine Personen zu schaden, aber eine Menge Sachschäden.

Die Regenfälle der letzten Tage selbst waren nicht vermeidbar, schließlich sind heftige Regenfälle in Lissabon an sich nichts Außergewöhnliches.
Die Folgen dieser heftigen Regen aber, waren sehr wohl vermeidbar!
Wir hatten die letzten Jahre hier in Portugal recht viele Trockenperioden und deshalb nur recht viel Glück gehabt, was nasse Wetterkapriolen angeht.
Aber auch hier, am Rande Europas verdichten sich zunehmend die Anzeichen für extreme Wetterverhältnisse - wie Hitze, Trockenheit, Kälte und Überschwemmungen.

Aber trotz dieser extremen Wetterereignissen sind wir Portugiesen, dank der wild wuchernden Verstädterungen, oft selbst daran Schuld das hier zu Lande ganze Landstriche zu Überschwemmungsgebieten werden.

Ein Beispiel:
Da die Kommunen im Augenblick an allen Ecken und Kanten einsparen müssen und kein Geld haben, werden seit geraumer Zeit Gullys und Abwasserrohre in den Städten einfach nicht mehr gereinigt.
So kann das Wasser bei Regen nicht vernünftig abfließen und bei der geringsten Wassermenge verwandeln sich ganze Straßenzüge in riesige Stauseen und reißende Bäche.

Die bislang schwerste Überschwemmung Portugals ging als Novemberüberschwemmung (port.: „cheias de Novembro“) in die hiesigen Geschichtsbücher ein.
Damals, in der Nacht vom 25. auf den 26. November 1967, starben über 700 Menschen, in wenigen Stunden, in den Armenvierteln am Rande der Hauptstadt.

Armenviertel wie damals, gibt es heute zum Glück nicht mehr.
Regenfälle, wie die im Jahre 1967, kommen statistisch gesehen auch nur alle 200 Jahre vor.
Aber die Gefahr einer Wiederholung solch einer Naturkatastrophe, ist heute genauso gegeben, wie damals in den 60er Jahren.

Die Regenfälle der letzten Tage sind bei weitem nicht so gravierend wie die vor 44 Jahren.
Sie sind aber sehr wohl ein Warnzeichen, das sich Stadt und Land unbedingt besser auf solche Ereignisse vorbereiten müssen als bisher!

Dienstag, 27. Juli 2010

Wie viel ist Portugal eigentlich wert?


In Zeiten der Krise, in der manche Länder am Rande des Ruins und der Verzweiflung stehen, gibt es immer den einen oder anderen Vorschlag von Außenstehenden, der zwar gut gemeint ist, sich dann aber doch leider als blödsinnig erweist.

Als, z.B. in diesem Frühling, Griechenland kurz vor seinem Staatsbankrott stand, schlugen manche Deutsche Politiker den Griechen vor, sie mögen doch einige ihrer Inseln verkaufen, damit sie ihre finanzielle Lage verbessern könnten.
Mit Verlaub: auf solch eine Idee, kann auch nur ein deutscher Politiker kommen!
Natürlich würde Griechenland das niemals tun.

Aber hier in Portugal hat dieser Vorschlag den einen oder anderen angeregt, mal nachzuforschen, wie viel denn Portugal so wert wäre, wenn es zum Verkauf stehen würde.

Nun, stünde Portugal zum Verkauf, würde der Staat, alleine an Grundstückspreisen, die stolze Summe von 8,1 Billionen Euro erzielen, so die Zeitschrift „Sábado“ in ihrer Ausgabe von dieser Woche.

8,1 Billionen Euro, das wären 88,- Euro pro Quadratmeter.
Das Problem wäre nur, einen Käufer zu finden, der diese ungeheure Summe aufbringen würde können.
Selbst der reichste Mann der Welt, der Mexikaner Carlos Slim, wäre dazu nicht in der Lage, außer er würde seinen finanziellen Besitz 151 Mal multiplizieren können.
Selbst wenn Carlos Slim nur die Grundstücke Lissabons kaufen würden wollen, müsste er einen Kredit aufnehmen, denn die Grundstücke in der Hauptstadt sind, laut renommierter Grundstücksmakler, über eine Billion Euro wert!

Natürlich wären 8,1 Billionen Euro für Portugal ein Segen.
Alleine 0,2 % dieser Summe würden ausreichen, um das erwartete, kommende Haushaltsdefizit für das Jahr 2010, immerhin 13,8 Milliarden, auszugleichen.
Und 2,3 % dieses Betrages würde reichen, die ganzen Staatsschulden zu tilgen.
Würde man die 8,1 Billionen Euro unter den 10,627 Millionen Portugiesen aufteilen, dann wäre jeder Bürger dieses Landes um 762.000 Euro reicher.

Aber da der Verkauf der Portugiesischen Nation wohl außer Frage steht, könnte man vielleicht darauf kommen, ein paar historische Gebäude zu veräußern.
So würde der Forte do Bugio (bitte lesen sie hierzu auch mein post „Der Leuchtturm von Bugio“ vom 21.07.2009) immerhin 10 Millionen Euro einbringen, der Palast von Palmela (port.: Palácio de Palmela) wäre zwischen 20 und 40 Millionen Euro zu haben.
Der Palácio de Seteais (dt.: Palast von Seteais), bei Sintra, würde die stolze Summe von 30 Millionen einbringen und der Quartel dos Lóios (dt.: Kaserne von Lóios), an der Lissabonner Burg gelegen, wäre zu einem Schnäppchen von 3 Millionen Euro zu haben.

Auch die portugiesischen Inseln mitten im Atlantik würden einiges einbringen.
So würden die Berlenga-Inseln (port.: Ilhas Berlengas) vor Peniche ca. 25 Millionen Euro einbringen und die Ilhas Desertas, ein paar unbewohnte Eilande vor der Insel Madeira, wären an die 10 Millionen wert.
Die Azoren-Inseln (port.: Ilhas dos Açores) und die Insel Madeira (port.: Ilha da Madeira) wären, was Grundstückspreise angeht, jeweils nicht unter 400 Millionen Euro zu haben.

So gesehen kann man bei Portugal nicht von einem Schnäppchen reden, wenn es um die Grundstücks- und die Immobilienpreise geht.
Deshalb, sollte die Krise nun größer werden, stelle ich freiwillig, als Patriot der ich bin, meinen Vorgarten zum Verkauf!