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Donnerstag, 20. November 2014

Parabéns Carlos do Carmo


Gestern fand im großen Hollywood MGM Theatre, in Las Vegas, im US-Bundesstaat Nevada, die seit 2000 alljährlich stattfindende Latin-Grammy-Verleihung statt.
Die „Latin Academy of Recording Arts and Sciences“ vergab dieses Jahr einstimmig den Latin Grammy Award an den wohl besten Fado-Sänger Portugals, Carlos do Carmo.

Der 74jährige Sänger erhielt als erster portugiesischer Musiker den renommierten Preis für sein Lebenswerk.
Die Akademie würdigte ihn als einen der größten und vielfältigsten Fadosänger unserer Zeit und bestätigte ihm eine der symbolträchtigsten Stimmen Portugals zu haben.

Carlos do Carmo hat eine 51 Jahre lange Karriere hinter sich und ist Interpret solcher melancholischer Fadoklassiker wie „Lisboa, menina e moça“, „Canoas do Tejo“ oder „Bairro Alto“.
Glückwunsch an einen erstklassigen Künstler!

Parabéns Carlos do Carmo!

Montag, 27. Januar 2014

Lissabon ist so cool


Die bekannte und erfolgreiche amerikanische Reisejournalistin und Buchautorin Fiona Dunlop hat am gestrigen Sonntag auf der Internetseite des US-Fernsehsenders CNN einen Artikel über Lissabon geschrieben, den sie „7 reasons Lisbon could be Europe’s coolest city“ tituliert hat.
In diesem Artikel führt Fiona Dunlop ihre persönlichen sieben Argumente auf, warum sie meint, das Lissabon die coolste Stadt Europas sein könnte:

7 reasons Lisbon could be Europe’s coolest city:

1. Das Nachtleben
Fiona Dunlop lobt die vielen guten Szene-Locations der Hauptstadt, verweist auf die über 250 ausgefallenen Bars und verrückten Kneipen die zwischen dem Bairro Alto und dem Cais do Sodré liegen hin und empfiehlt außerdem sie die schicken Clubs der Stadt, wie z.B. das LUX, wo jeden Abend das Nachtleben pulsiert.

„If you think Madrid stays out late, try a night out in Lisbon”
(Fiona Dunlop)
„Wenn Sie denken Madrid bleibt lange auf, dann versuchen sie erst einmal eine Nacht in Lissabon“

2. Die experimentelle Küche
Mit experimenteller Küche meint die Autorin die perfekte Kombination zwischen der modernen, anspruchsvollen und dennoch erschwinglichen Küche die sich in den letzten Jahren neben der traditionellen portugiesischen Küche behauptet hat, und die man überall in der Hauptstadt genießen kann.

„No traveler to Lisbon should miss the famed egg tarts pasties de nata“
(Fiona Dunlop)
„Kein Besucher Lissabons sollte sich die berühmten Pasteis de Nata entgehen lassen“

3. Die Ironie
Fiona Dunlop führt als drittes Argument für die Coolness Lissabons Ironie an.
Nun, Tatsache ist, dass Ironie eines der Sachen ist, die uns Lissabonner überhaupt nur wenige zutrauen oder zugestehen wollen. Die meisten halten uns Portugiesen ja doch eher für übertrieben melancholisch und fatalistisch.
Aber wir Lissabonner sind von Natur aus wirklich humorvoll und neigen sogar zur Selbstironie, auch wenn das Leben hierzulande im Augenblick alles andere als spaßig ist.
Wie dem auch sei:
es scheint so, als ob unsere Ironie auch von unseren internationalen Gästen positiv aufgenommen wird.

4. Strände und Burgen
Die vielen schönen Strände und Burgen die sich im Großraum Lissabons befinden werden von der Autorin als hervorragende Ausflugsziele angegeben.
Sowohl Estoril mit seinem Casino und Badestränden, Cascais mit seiner Gastronomie und auch das romantisch-verträumte Sintra mit seinen einzigartigen Burgen, Schlössern und Herrenhäuser sind für sie erwähnungswert.

„Lisbon is a place to inhale salty Atlantic air, sunbathe and hit the waves“
(Fiona Dunlop)
„Lissabon ist ein Ort an dem man salzige Atlantikluft einatmet, sonnenbadet und die Wellen schlagen hört“

5. Das großartiges Design
Sei es die stilvolle und zugleich aufregende Mode, die ausgefallene Kunst in den Museen und Galerien oder die preisgekrönte Architektur – Lissabon strotzt nur so vor Moderne, Lifestyle und Design.
Lissabon ist fashion!
…und das nicht zur Fashionweek

„This is a city that loves to look good“
(Fiona Dunlop)
„Das ist eine Stadt, die es liebt gut auszusehen“

6. Die Kunst
Ob ein Ausflug in die private Gulbenkian-Stiftung an der Praça de Espanha, ein Besuch im modernen Museu Berardo in Belém, einpaar Stunden im bedeutenden Museum für Alte Kunst mit seiner wertvollen Kunstsammlung alter portugiesischer Künstler oder eine Visite im exklusiven Museu do Oriente mit all seinen wertvollen asiatischen Exponaten – Lissabons Museen, Stiftungen und Kunstgalerien sind immer einen Besuch wert, so die Autorin.

„Large European capitals such as London, Paris, Berlin and Madrid may have blockbuster art collections, but Lisbon’s half million inhabitants have access to their own rare panoply“
(Fiona Dunlop)
„Große europäische Hauptstädte wie London, Paris, Berlin oder Madrid mögen vielleicht bedeutende Kunstsammlungen haben, aber nur eine halbe Million Lissabonner haben Zugriff auf ihre eigene seltene Kunstpalette“

7. Die faszinierenden Straßen
Als siebten und letzten Grund für die Coolness der portugiesischen Hauptstadt gibt Fiona Dunlop die Straßen Lissabons an, mit all ihren farbigen Kacheln an den Wänden und den kunstvoll schwarz-weißen Pflastermustern unter den Füßen.


Fiona Dunlop hat hier einen, wie ich finde, sehr informativen, interessanten und humorvollen Artikel geschrieben, der aber eigentlich nur das bestätigt, was wir Lissabonner selber schon seit langem wissen:
Lissabon ist so cool!

Wer den Originalartikel von Fiona Dunlop bei CNN lesen will, der findet hier den link:


Sonntag, 15. Dezember 2013

500 Jahre Bairro Alto


Jede größere Stadt auf der Welt hat ihr klassisches Vergnügungsviertel oder ihre Vergnügungsmeile, wo an jedem Abend und vor allem an den Wochenenden,  das Leben pulsiert und die meisten Nachtschwärmer auf ihre Kosten kommen.

Auch Lissabon hat solch ein Viertel – den  Bairro Alto (dt.: oberes Viertel).
Dieses Viertel hat tagsüber eine recht ruhige und idyllische Atmosphäre, wo eine nachbarschaftliche Gemeinschaft großgeschrieben wird.
Aber jede Nacht verwandelt sich das Bairro Alto, mit all seinen urigen Bars, schicken Clubs, flippigen Szenelokalen, traditionellen Restaurants und hippen Diskotheken in ein El Dorado für Nachtschwärmer.

Am heutigen 15. Dezember feiert dieses, auch im Ausland, berühmte Lissabonner Stadtviertel, seinen 500. Geburtstag!

Wer heute durch die engen Gassen des Bairro Alto geht, der kann sich nur schwer vorstellen, wie es hier vor 500 Jahren ausgesehen hat, bzw. wie sehr sich diese Gegend hier in den letzten fünf Jahrhunderten verändert hat.

Vor 500 Jahren gab es hier auf dieser Anhöhe über der Altstadt von Lissabon nur Felder und Wiesen. Hier wurde Landwirtschaft betrieben und vor allem Weingärten, Weideflächen und Olivenhaine breiteten sich hinter der fernandinischen Stadtmauer aus.
Noch heute erinnern Straßennamen wie Rua da Vinha (dt.: Weinbergstraße), Rua do Loreiro (dt.: Lorbeerstraße), Rua do Carvalho (dt.: Eichenstraße) oder Rua da Horta (dt.: Gemüsegartenstraße) an diese Vergangenheit.

Damals gehörten die Ländereien dem jüdischen Chirurgen und Astrologen Abraão Guedelha Palaçano, der im 15. Jahrh. im Dienste der portugiesischen Könige Duarte I und Afonso V stand.
Als unter König Manuel I die Judenverfolgungen einsetzten, verkaufte die Witwe Guedelhas den außerhalb der Stadtmauern liegenden Besitz an die zwei Edelleute Filipe Gonçalves und Luis Atouguia, deren Erben 1513 mit seiner Erschließung und Parzellierung der Gegend begannen.
Diese Parzellierung erfolgte, dies ist urkundlich belegt, am 15. Dezember 1513!
So wurde das Bairro Alto, deren erster Name eigentlich Vila Nova de Andrade war, mit seinen fast rechtwinkeligen Gassen und Straßen zum ersten Beispiel einer planmäßigen Urbanisierung in der Geschichte Lissabons.
Einem zeitgenössischen Bericht aus dem Jahre 1527 nach, standen in dem neuen Viertel, gerade mal 14 Jahre nach seiner Gründung, schon bereits 408 Gebäude und ca. 1000 Menschen lebten hier.

Als sich im Jahre 1553 die Jesuiten am Rande des Viertels niederließen und mit dem Bau ihrer Prunkkirche São Roque (port.: Igreja de São Roque) begannen, kam das Bairro Alto so richtig in Mode.
In unmittelbarer Nähe der Kirche ließen sich damals viele adelige Familien und reiche Kaufleute ihre Stadtpalais und eleganten Häuser errichten.

Mit den Entdeckungsreisen der portugiesischen Seefahrer flossen ab dem 16. Jahrh. aus Indien, Afrika und Brasilien ungeahnte Reichtümer nach Portugal und ließen so das Handwerk und den Handel in Lissabon florieren.
Dafür brauchte man in der Stadt unbedingt neue Geschäftsviertel, zumal Lissabon nach zwei großen Erdbeben so schwer beschädigt worden war, das man zusätzlich neunen Wohnraum benötigte.
Also ließen sich damals wie heute im Bairro Alto viele kleine Handwerker, Sattler, Möbeltischler, Schuster, Barbiere, Bader und Kupferschmiede nieder und auch Bäcker, Metzger, Trödler, Krämer Drucker und Gemüsehändler eröffneten hier ihre Läden.

Das Bairro Alto wurde mit den Jahren zu dem geschäftigsten Stadtteile Lissabons und sein Auftrieb war so bedeutend, das im Jahre 1742 König João V dem Viertel sogar einen autonomen Status einräumte.
Mit diesem autonomen Status sollte die Wirtschaft weiter gestärkt werden, aber auch die steigende Kriminalität und die Prostitution im Viertel sollten leichter kontrolliert und bekämpft werden.

Im Bairro Alto wurde 1759 die erste „grüne“ Verordnung Portugals erlassen. Damals war das Viertel so dicht bevölkert, das es zunehmend Probleme mit der Müllbeseitigung gab. Und so wurde damals per Gesetz erlassen, dass die Bewohner des Viertels keine Esel und Pferde mehr halten durften und auch das Beschmutzen der Straßen mit Unrat und Abfällen wurde ihnen bei Strafe verboten.
Verboten wurde ihnen auch der Bau von Holzhütten, da diese das Bild des Bairro Alto „störten“, wie es damals hieß.

Ende des 18. Jahrh., das Bairro Alto hatte das große Lissabonner Erdbeben vom 01. November 1755 ziemlich unbeschadet überstanden, siedelten sich hier viele Druckereien, Verlage und
Zeitungshäuser an.
Die beiden Straßennamen Rua do Século, benannt nach der nicht mehr existierenden Zeitung „O Século“, und Rua do Diário de Noticias, benannt nach der heute noch erscheinenden Tageszeitung „Diário de Noticias“, zeugen davon.
Die Zeitungsverlage mussten dann, in Folge der Industrialisierung, mit den Jahren aus dem Viertel wegziehen.

Nur die Antiquitätengeschäfte, die Boutiquen, die Restaurants, die Fadolokale und die vielen Bars sind dem Bairro Alto geblieben.
Sie geben noch heute diesem Lissabonner Stadtviertel, das jeden Einwohner und Besucher die verschiedenen Facetten seiner Welt im Kleinen spüren lässt, etwas ganz besonderes.
Und auch die Probleme mit denen sich das Bairro Alto und die Lisabonner Stadtverwaltung heute herumschlagen müssen, wie die steigende Prostitution, die Drogen, das verbotene Glücksspiel oder die bedenkenlose Ausbeutung der Untermieter, werden daran nichts ändern.
Das Bairro Alto wird sich immer wieder neu erfinden und überleben – bestimmt noch die nächsten 500 Jahre.

Happy Birthday Bairro Alto!

Dienstag, 8. Januar 2013

Principe Real

In Lissabon, im Stadtteil Mercês, gibt es einen öffentlichen Park und Platz, die beide den Namen Principe Real tragen.
Principe Real heißt, wörtlich ins deutsche übersetzt, „königlicher Prinz“.
Ich bin nun dieser Tage gefragt worden, welcher „königlicher Prinz“ der Namensgeber dieser Orte ist.

Man könnte meinen, da früher alle legitimen Söhne eines Königs oder einer Königin automatisch königliche Prinzen waren, könne wohl jeder mit Principe Real gemeint sein.
Aber in Wahrheit ist nur einer der „königlichen Prinzen“ der Namensgeber dieses wunderschönen Parks und Platzes, Mitten in Lissabon.

Aber zur Namensgebung komme ich etwas später.

Die Gegend, in der sich heute der ca. 1.2 ha große Park befindet, wurde schon Anfang des 15. Jahrhundert unter dem Namen Alto da Cotovia urkundlich erwähnt.
Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein war der Alto da Cotovia eine verwahrloste, heruntergekommene Gegend und nichts weiter als die Müllhalde für den nahe gelegenen Stadtteil Bairro Alto.
Im Jahre 1740 verkaufte die Stadt Lissabon das Land an die Gesellschaft Jesu (port.: Companhia de Jesus), die die Gegend von Müll und Unrat befreiten und an dieser Stelle eine Missionarschule der Jesuiten (port.: Colégio das Missões Jesuitas) errichteten. Wenige Jahre später, beim großen Erdbeben vom 01. November 1755, wurde die Schule aber leider völlig zerstört.

Nach dem Erdbeben brach in Lissabon das Chaos los. Raub, Plünderung und Mord waren in der ganzen Stadt an der Tagesordnung.
Zwar versuchte der Marques de Pombal der immer größer werdenden Gewalt, durch das Stationieren verschiedener Infanterieregimenter aus der portugiesischen Provinz, Einhalt zu gebieten. Aber nur mit der Zeit und mit sehr harter Hand konnte er sich in der Stadt durchsetzen.

Die Gegend am Alto da Cotovia schien unter keinem guten Stern zu stehen.
Das Infanterieregiment von Peniche, das aus dem Norden Portugals hierher verlegt worden war, um für Zucht und Ordnung zu sorgen, hatte hierbei nur geringen Erfolg.
Hinzu kam es, dass mehrere Bauvorhaben am Alto da Cotovia mit der Zeit kläglich scheiterten.
So plante man z.B. dort zunächst den Bau einer neuen Kathedrale (port.: Sé) für Lissabon, die aber niemals über den Rohbau hinausging, da dieser bei einem Brand völlig zerstört wurde. Auch der Bau des Königlichen Zentralschatzamtes (port.: Tesouraria Central do Reino), vergleichbar mit dem heutigen Finanzministerium, wurde hier aus Kostengründen niemals realisiert.
Mit den Jahren verwahrloste die Gegend erneut.
Die Ruinen der niemals erbauten Kathedrale boten zudem vielen zwielichtigen Gestalten, Mördern und Dieben, reichlich Unterschlumpf und viele in der Hauptstadt hielten alsbald den Alto da Cotovia gar für einen verwunschen Ort.

Im Jahre 1850 ging die Lissabonner Stadtverwaltung daran den Alto da Cotovia zu säubern, um hier, auf Wunsch Königin Maria II, einen öffentlichen Park und Platz zu errichten.
Der Park wurde, zur Zeit der Romantik, im englischen Stil erbaut, und die stattlichen Prachtbauten die sich mit der Zeit um den Platz bildeten, machten die Praça do Principe Real alsbald zur feinen Adresse.
Königin Maria II ließ den Park, nach seiner Vollendung im Jahre 1853, nach ihrem Sohn und Thronfolger Pedro benennen.

Wobei wir nun zur Erklärung es Namens kämen:

Der Name, der dem Park einstmals gegeben wurde, ist Jardim do Principe Real.
Principe Real (dt.: „königlicher Prinz“) ist ein Titel, der hier in Portugal nach der konstitutionellen Verfassung von 1822, nur an den ältesten Sohn und Thronfolger des jeweiligen Monarchen verliehen wurde, vergleichbar dem englischen Titel des „Prince of Wales“, der an den jeweiligen ältesten Sohn und Thronfolger des britischen Monarchen verliehen wird.
Alle anderen königlichen Sprösslinge in Portugal waren und sind Infanten von Portugal (port.: Infantes de Portugal).
Da der älteste Sohn von Königin Maria II Infante Pedro war, wurde ihm der Titel des Principe Real zuteil

Infante Pedro hieß mit vollem Namen Pedro de Alcântara Maria Fernando Miguel Rafael Gonzaga Xavier João António Leopoldo Victor Francisco de Assis Júlio Amélio de Saxe-Coburgo-Gotha e Bragança.
Man stelle sich nur vor, Königin Maria II hätte den Park nach dem vollen Taufnamen ihres Sohnes benannt
Da hört sich Jardim do Principe Real doch wesentlich besser an…

Nach dem Principe Real D. Pedro, dem zukünftigen König Pedro V, gab es nur noch drei Männer, die den Titel eines Principe Real trugen.
Diese waren:

- D. Carlos, der spätere König Carlos I

- D. Luis Filipe, Sohn von König Carlos I, der bei einem Attentat im Jahre 1908 mit seinem Vater starb

- D. Afonso, Bruder von König Carlos I, nach der Ermordung seines Bruders Carlos I und seines Neffen Luis Filipe erhielt er den Titel nur provisorisch

Es mag also vier Principes Reais (= Mehrzahl von Principe Real) gegeben haben, aber D. Pedro ist der wahre Namensgeber des Parks und des Platzes.

Nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1910 wurde der Park in Jardim França Borges, einem Journalisten der vornehmlich republikanischen Hetztiraden verfasste, umbenannt und der Platz wurde in Praça do Rio de Janeiro umgetauft.
In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde aus der Praça do Rio de Janeiro wieder die Praça do Principe Real, aber der Park behielt bis heute den Namen Jardim França Borges, obwohl ihn heute kaum ein Lissabonner unter diesem Namen kennt.

Heute ist der Jardim do Principe Real ein mit Wasserbecken, Rabatten, Kiosken und Denkmälern angelegter Park, in dessen Mitte eine uralte, auf Stelzen ruhende und weit ausladende Zeder steht, der zum verweilen einlädt – eine kleine grüne Oase inmitten der hektischen Hauptstadt!

Donnerstag, 22. September 2011

Miradouro de São Pedro de Alcântara






Neulich war ich mit ein paar guten Freunden im Parque das Nações, dem ehemaligen Expo-Gelände, zu Mittag essen.
Irgendwie kamen wir auf den Lissabonner Aussichtspunkt Miradouro de São Pedro de Alcântara zu sprechen.
Alle, die wir am Tisch saßen, waren wir gemeinsam der Meinung, dass man von diesem Aussichtspunkt eines der schönsten Panoramablicke über Lissabon genießen kann.
Worüber wir uns allerdings nicht alle einig waren, war der Name des besagten Aussichtspunktes.

Stefan, ein herzensguter Mensch, war nur schwer davon zu überzeugen, das ausgerechnet dieser Aussichtspunkt den Namen „São Pedro de Alcântara“ tragen soll, „wo doch der Stadtteil Alcântara so weit weg sei“, meinte er.

Nun, in einem hat er Recht:
der Lissabonner Stadtteil Alcântara liegt wirklich etwas abseits.
Aber „São Pedro de Alcântara“ hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem Stadtteil gleichen Namens zu tun.
Zwar haben beide mit dem ursprünglich arabischen Al-Qantarah (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Al-Qantarah“ vom 16.03.2011) etwas gemeinsam.
Aber während der Stadtteil „Alcântara“ einer von über 30 Ortsnamen ist, die es weltweit mit dem gleichen Namen gibt, ist „São Pedro de Alcântara“ nach dem Heiligen Petrus von Alcántara, einem Heiligen der in der spanischen Stadt Alcántara de Extremadura gewirkt haben soll, benannt!

Das habe ich denn auch versucht meinem Freund Stefan so zu erklären, aber ich werde das Gefühl nicht los, das ich ihn nicht so richtig überzeugen konnte.

Wie dem auch sei, Tatsache ist das dieser Aussichtspunkt wirklich Miradouro de São Pedro de Alcântara heißt!
Er ist einer der ältesten Lissabons. Bereits im Jahre 1839 wurde er, unter der Regentschaft von Königin Maria II, angelegt.

Im Stadtteil Encarnação gelegen, unweit des Bairro Alto, hat man von ihm aus einen atemberaubenden Blick über die Stadt, bis hinüber zur Kathedrale (port.: Sé), der Georgsburg (port.: Castelo de São Jorge), den Stadtteil Graça und den Tejo.
Der Miradouro ist Teil des 600 qm² großen Parks gleichen Namens (port.: Jardim de São Pedro de Alcântara).
An der Balustrade gibt es ein altes Azulejobild, mit dessen Hilfe man einige Gebäude und markante Punkte der Stadt identifizieren kann.

Da der Miradouro viele Bäume hat, lädt er, mit seinen vielen Parkbänken im Schatten, zum verweilen ein.
Allerdings verirren sich tagsüber hauptsächlich Touristen hierher.
Die Lissabonner, zumal die Jugendlichen, die vom nahen Bairro Alto rüberschlendern, schauen vor allem spät abends und in der Nacht vorbei.

Das schöne Denkmal aus dem Jahre 1904, welches Mitten im Park steht, ist dem Journalisten Eduardo Coelho, dem Gründer der Tageszeitung „Diário de Noticias“ gewidmet.

Gegenüber vom Park erhebt sich der Palácio Ludovice, ein majestätischer Stadtpalast, der von dem Deutschen Johann Friedrich Ludwig erbaut wurde und der, unter anderem, auch der Konstrukteur des riesigen Klosterpalastes von Mafra ist.
In diesem Stadtpalast hat der deutsche Baumeister, der später die portugiesische Staatsbürgerschaft annahm und sich dann João Frederico Ludovice nannte, selber Mitte des 18. Jahrhunderts gelebt.

Heute befindet sich im Erdgeschoß des Gebäudes eine Zweigstelle des Solar do Vinho do Porto (dt.: Portwein-Institut), das in der Stadt Porto, in der Quinta da Macieirinha, seinen Hauptsitz hat.
Hier kann man sich mit Leib und Seele dem „Studium“ der Portweine hingeben und unter über 250 roten wie weißen Sorten, darunter auch ein paar Raritäten, auswählen.

Ein Blick vom Miradouro de São Pedro de Alcântara ist schon, wie berichtet, etwas Außergewöhnliches.
Aber ein Sonnenuntergang von hier aus, wird einem garantiert für immer positiv in Erinnerung bleiben!

Montag, 26. April 2010

Boa Hora


Gerstern, auf dem Weg vom Chiado zum Cais do Sodré, führte mich der Weg über die Rua Nova do Almada, am Alten Gericht „Boa Hora“ (port.: Tribunal da Boa Hora) vorbei.

Dieses alte Gebäude, ein ehemaliges Kloster irischer Dominikaner, wurde 1677 erbaut und vor 166 Jahren zum Gerichtsgebäude umgebaut.
In ihm fanden historische Prozesse statt, wie zur Zeit der Diktatur, die Prozesse gegen die oppositionellen Politiker Mário Soares und Álvaro Cunhal, die ins Exil gehen mussten, und in neuerer Zeit etwa die Korruptionsprozesse gegen Pedro Caldeira und den Ex-Benficapräsidenten Vale e Azevedo.

Heute ist das Gerichtsgebäude geschlossen, da die Stadtverwaltung Mitte letzten Jahres verschiedene Gerichte zusammengelegt hat, und in den Osten der Stadt verlegt hat.
Aus dem nun verlassenen Haus hätte ein Luxushotel werden sollen.
Aber durch eine Unterschriftsaktion und dem vehementen „Nein“ einer Bürgerinitiative wurde die Idee fallen gelassen, aus dem alten Gericht eine Luxusherberge für Touristen zu machen.

Ich habe mich oft gefragt, zumal jetzt, da das Gebäude leer steht und dazu verurteilt ist, zu vergammeln, warum die Einwohner des Cais do Sordé, und da vor allem die Geschäftsleute, so stark gegen ein Luxushotel in ihrem Stadtviertel waren, zumal sie ja die größten Nutznießer eines solchen gewesen wären, so dachte ich.

Aber wahrscheinlich wollen die Einwohner des Cais do Sodré einfach nicht, dass ihr Stadtviertel einmal als Synonym für Tourismus steht, so wie heute die Alfama oder Belém.
Oder sie wollen nicht, wie die Einwohner der neuen Stadtteile im Osten, das ihre Bürgersteige schon um 20 Uhr hochgeklappt werden, weil sie nur tagsüber die Menschen anziehen.
Und bestimmt wollen sie nicht, wie die Einwohner des Bairro Alto, jede Nacht ins Bett gehen mit dem Wunsch es würde schon bald wieder Morgen sein, weil sie genau wissen, ihr Stadtteil wird über Nacht von marodierenden und alkoholisierten Jugendlichen „überfallen“ werden.

Das Geheimnis des Cais do Sodré ist die gesunde Mischung der „Klassen“.
Hier lebt die gutbürgerliche Mittelklasse neben dem einfachen Arbeiter, die wohlhabenden Ärzte neben den Prostituierten, und die fleißigen Handwerker neben dem Metzger, dem Bäcker und dem Tante-Emma-Ladenbesitzer.
Und alle kommen sie miteinander gut aus in ihrem Stadtteil.
Ein Luxushotel würde eventuell diese Infrastruktur nur zerstören.

Aber vielleicht findet sich ja ein anderer Verwendungszweck für das alte Gericht Boa Hora.
Vielleicht wird aus dem Tribunal ja ein Theater, ein Kino oder eine Bibliothek.
So viel ich weiß, hat Kultur noch Niemanden geschadet!

Dienstag, 2. März 2010

Bairro Alto aos seus Amigos tão dedicado



Bairro Alto

Bairro Alto aos seus AMIGOS tão dedicado
Quis um dia dar nas vistas
E saíu com os trovadores mais o fado
Pr’a fazer suas conquistas

Tangem as liras singelas,
Lisboa abriu as janelas, Acordou em sobressalto
Gritaram bairros à toa
Silêncio velha Lisboa, Vai cantar o Bairro Alto

Trovas antigas, saudade louca
Andam cantigas a bailar de boca em boca,
Tristes bizarras, em comunhão
Andam guitarras a gemer de mão em mão

Por isso é que mereceu fama de boémio
Por seu condão fatalista
Atiraram-lhe com a lama como prémio
Por ser nobre e ser fadista

Hoje saudoso e velhinho,
Recordando com carinho seus amores suas paixões
Pr’a cumprir a sina sua
Ainda veio pr’o meio da rua, cantar as suas canções

Trovas antigas, saudade louca...


Dies ist der Text des berühmten Fados "Bairro Alto", welches von den Komponisten Carlos Simões Neves und Nuno Aguiar geschrieben wurde und von Carlos do Carmo noch heute gesungen wird.

Hier nun meine Übersetzung des Fados „Bairro Alto“, das über diesen Lissabonner Stadtteil handelt (wobei sich die Textstrophen, ins deutsche übersetzt, logischerweise leider nicht reimen):


Bairro Alto, seinen Freunden total ergeben
Wollte einmal aus sich herausgehen
Und so brachten die Troubadoure den Fado zum Besten
Um ihre Eroberungen zu machen

Es erklingen die einzelnen Leiern
Und überrascht wachen alle auf, ganz Lissabon öffnet seine Fenster
Und jeder am Fenster ruft laut und bestimmt
Lissabonner seit still, denn der Bairro Alto wird jetzt singen

Alte Weisen, unheimliche Sehnsucht
Liedertexte die von Mund zu Mund tanzen,
Bizarre Traurigkeiten, und gemeinschaftlich
erklingen Gitarren, die von Hand zu Hand gereicht werden

Er (der Stadtteil) hat den Ruf gutbürgerlich zu sein,
Ja fast schon fatalistisch
Als Preis bekommt er den Schlamm der Straße ab
Weil er in seinem innersten edel ist und ein Fadista

Heute traurig und alt
Erinnert er sich liebevoll an seine früheren Geliebten, seine Affären
Und das Schicksal will es
Das inmitten seiner Gassen, die alten Lieder erklingen.

Alte Weisen, unheimliche Sehnsucht...

Lisbona Bar






Am letzten Freitag ging ich mit meinen Arbeitskollegen und Freunden Inês alias Agnes Luno, Marco alias Borga y Borga, Miguel alias Orlando, Lili alias Conchita, Yves alias El Ministro, David alias El Mensagero und ich alias Angel Pablo in den Bairro Alto, wo wir zu Abend aßen und die Nacht mit einer Ginjinha in der „Lisbona Bar“ beendeten.

Die „Lisbona Bar“, mitten im Bairro Alto gelegen, in der Rua da Atalaia, ist eine kleine Bar, die sich durch ihre originellen schwarz-weißen Wandkacheln auszeichnet.
Jede einzelne von ihnen ist ein Original, denn jede einzelne wurde von einem Gast, im nüchternen oder im betrunkenen Zustand, liebevoll bemalt oder beschrieben.

Auch wir wollten uns mit einer Kachel verewigen.
Aber da wir und der Besitzer der Kneipe, keinen Edding hatten, musste die Ausführung dieser Kunstfertigkeit ausbleiben.
Das holen wir aber bestimmt bei unserem nächsten Besuch in der „Lisbona Bar“ nach!

Wer sich in den Gassen des Bairro Alto nicht auskennt, hier die GPS-Daten der Bar: N 38° 42.852, W 9° 8.748

Eine Nacht im Bairro Alto






Am letzten Freitag, nach mehrmaligem Planen und Absagen, sind ein paar Kollegen und ich, nach der Arbeit, zum Essen ausgegangen.

Spontan planten Yves alias El Ministro, David alias El Mensagero, Inês alias Agnes Luno, Marco alias Borga y Borga, Miguel alias Orlando, Lili alias Conchita und ich alias Angel Pablo in den Bairro Alto zu gehen, wo wir als erstes in der Kneipe „O Estadio“ landeten, unweit der Kirche São Roque, um uns dort mit ein paar Bierchen und Musik aus der Juke-box den Appetit etwas anzuregen.
Ebenso im Bairro Alto, in der „Lisbona Bar“, beendeten wir dann, später in der Nacht, den Abend mit einer Ginjinha.

Zwischendurch gingen wir in die Rua da Condessa, unweit des Carmoklosters (port.: Convento do Carmo), um dort gemütlich im Restaurant „Faca & Garfo“ (dt.: Messer & Gabel), zu Abend zu essen.
Das Restaurant, das traditionelle portugiesische Küche (port.: cozinha tradicional portuguesa) anbietet, wurde uns von Yves Freundin, Helena, empfohlen, die leider an diesem Abend fehlte.

Wir haben den Abend sehr genossen, uns amüsiert, sehr gut gegessen, gut getrunken und wir haben viel gelacht.

Kurz gesagt: wir hatten eine Menge Spaß!
Und wir haben uns fest vorgenommen den Abend zu wiederholen.

Dienstag, 26. Januar 2010

Igreja de São Roque






Am letzten Freitag ging ich mit meinen Arbeitskollegen Yves und Miguel im Bairro Alto einen trinken.
Auf dem Weg zur Kneipe, die in der Rua de São Pedro de Alcântara liegt, steht auch die Igreja de São Roque (dt.: Sankt Rochuskirche), eines der reich geschmücktesten Kirchen der Hauptstadt.
Spontan beschlossen wir die Kirche zu besuchen, denn im Gegensatz zu mir, hatten Yves und Miguel noch nie die Kirche von innen gesehen, obwohl sie, wie sie selber meinten, schon tausende Male an ihr vorbeigelaufen waren.

Wer so vor der nüchternen, und gradlinigen Fassade der Igreja de São Roque steht, kann sich kaum vorstellen wie opulent und reich die Kirche von innen dekoriert und ausgestattet ist.

Die ursprüngliche Fassade dieser Jesuitenkirche, aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, war aber durchaus nicht so schlicht wie die heutige.
Sie war ein Werk des italienischen Architekten Fillipo Terzi, und wurde beim großen Erdbeben von 1755 leider zerstört.
Nicht so aber die wertvolle Innenausrichtung.
Die blieb der Nachwelt glücklicherweise bis heute erhalten.

Das Innere der Igreja de São Roque ist ein Überschwank aus purem Gold, Gemälden, Elfenbein, Marmor, Azulejos und barocken, vergoldeten Holzschnitzereien (port.: telha dourada).
Glanzvoller Höhepunkt dieser Innenausstattung ist die letzte Seitenkapelle, auf der linken Seite, die dem Heiligen Johannes dem Täufer (port.: Capela de São João Baptista) gewidmet ist.

Diese Kapelle, die zu den wertvollsten auf der Welt zählt, hat eine außergewöhnliche Geschichte.
Im Jahre 1742 gab König João V, dem italienischen Künstler und Architekten Luigi Vanvitelli in Rom den Auftrag, eine Kapelle zu bauen, „die alle bis dahin gebauten in den Schatten stellen sollte“.

So baute Vanvitelli in fünf Jahren in Rom die außergewöhnliche Kapelle zusammen.
Nachdem sie zusammengebaut war, wurde sie dann feierlich vom Papst geweiht, um dann wieder in ihre Bestandteile zerlegt zu werden, damit sie dann 1747 auf drei Schiffen nach Lissabon gebracht werden konnte.
Kaum war die wertvolle Fracht in Lissabon angekommen setzte man die Kapelle, wie ein Puzzle, Teil für Teil wieder zusammen, bis sie 1750 fertig gestellt war.
Diese einzigartige Kapelle ist ein barockes Kunstwerk in Gold, Edelsteinen, Silber, Elfenbein und Bronze.
Die Säulen sind aus reinem Lapislazuli, der Altar aus seltenem blauem Marmor und die Engel und Johannes der Täufer sind aus Carraramarmor und Elfenbein.

Überhaupt ist die ganze Kirche Igreja de São Roque ein einziges Wunderwerk an Pracht, Kunst und Reichtum.

Wer also von euch jemals an der schlichten Igreja de São Roque vorbeigehen sollte, der sollte sich wirklich die Zeit nehmen reinzuschauen.
Glaubt mir, es wird sich lohnen!

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Nachweihnachtlicher Lichtzauber






Weihnachten ist vorbei, und wir bereiten uns alle auf den nahenden Jahreswechsel 2009/2010 vor.

Dennoch sind die Straßen, Plätze und Einkaufscenter der Hauptstadt abends noch hell erleuchtet mit den tausenden von Lichterketten die die unterschiedlichsten Weihnachtsbeleuchtungen bilden, und die uns an Weihnachten zurückdenken lassen.

Als ich gestern, nach der Arbeit, noch durch das hell erstrahlte Bairro Alto in Lissabon gegangen bin, war ich von dem Lichtermeer fasziniert.

Ironischerweise ist mir die Weihnachtsbeleuchtung in der Vorweihnachtszeit, durch den ganzen Stress, gar nicht so richtig aufgefallen.

Erst jetzt nach Weihnachten, und nachdem meine Schwester mich auf diese Aufmerksam gemacht hat, habe ich angefangen die unterschiedlich beleuchteten Straßen und Plätze Lissabons zu bestaunen.

Ich werde mir vornehmen, nächstes Jahr zu Weihnachten, mit offeneren Augen durch die Straßen meiner Heimatstadt zu gehen…

Donnerstag, 9. Juli 2009

Straßenlaternen wie anno dazumal






Wer jemals in Lissabon zu besuch war, wird von dem gleißendem Sonnenlicht, der die Stadt durchflutet angenehm überrascht sein.
Der Regisseur und Filmemacher Wim Wenders, der mehrmals in Lissabon drehte, soll vom natürlichen Licht regelrecht angetan gewesen sein.

Und abends, wenn dann die Sonne untergeht, übernehmen der Mond und die vielen Straßenlaternen die Aufgabe, die Stadt zu erhellen. Und wenn einmal Neumond ist, dann strahlen die Straßenlaternen genug licht aus, um Lissabon in ein romantisches Licht zu tauchen.

Aber es war nicht immer so!
In Mittelalter wurde Lissabon, wie viele andere Städte in dieser Zeit, des Nachts zuerst mit Fackeln und später mit Lampionlampen mit Kerzenlicht erleuchtet.
Anfang des 19. Jahrhunderts lösten dann Lampen, gefüllt mit Olivenöl und einem Docht, die Lampionlampen mit Kerzen ab. Lissabon war weltweit die erste Stadt in der diese Lampen benutzt wurden.
Da sie um ein vielfaches heller leuchteten als die Kerzenlampen, führten bald auch andere Metropolen, wie London, Paris, Madrid und Wien, die Olivenöllampen ein.
Ein positiver Nebeneffekt für die portugiesische Wirtschaft war es damals, das Portugal als größter Olivenölproduzent, gute Geschäfte mit dem Verkauf von Olivenöl an das Ausland machen konnte.

1855 wurden dann, im Lissabonner Stadtteil Belém die ersten Gaslampen aufgestellt. Bis 1858 waren sie über die ganze Hauptstadt verteilt. Die Gaslampen, aus London eingeführt, ersetzten die Öllampen weil sie den Vorteil hatten, noch heller zu leuchten als diese.
1903, mit der Einführung der Elektrizität, wurden dann mit den Jahren die Gaslampen abgelöst.

Aber ob nun mit Öl betrieben, mit Gas oder, wie heute, mit Elektrizität, die Lampen blieben eigentlich immer die Selben. Nur die Speisung der Lichtquelle war immer eine andere.
Die gusseisernen, schwarzen Straßenlampen die heute das Lissabonner Straßenbild, vor allem nachts, prägen, sind fast alle die Selben, wie vor 200 Jahren.
Der Unterschied ist nur der, das die ganz alten Straßenlampen daran erkennbar sind, dass sie noch mit dem Lissabonner Wappen, das Sankt Vinzenzschiff mit den zwei Raben, verziert sind.
Die neueren Modelle, immerhin auch schon über 100 Jahre alt, haben kein Wappen, sondern bestehen nur aus bearbeitetem Gusseisen.

Die alten Straßenlampen findet man heute nur noch in den alten Stadtvierteln, wie in der Alfama, in der Baixa, im Bairro Alto oder in Belém.
In den moderneren Stadtteilen, wie Alvalade, Lumiar und Socorro trifft man nur die modernen, silberfarbenen Straßenbeleuchtungen aus Neon, an.
So wie sie in jeder anderen modernen Stadt der Welt auch anzutreffen sind.