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Samstag, 9. August 2014

Feira de São Mateus – ein Volksfest mit Tradition


Dieses Wochenende hat in der nördlich von Lissabon gelegenen Stadt Viseu das traditionsreiche Volksfest Feira de São Mateus (dt.: Matthäusvolksfest) begonnen.
Die Feira de São Mateus, die weit über die Region Viseus hinaus bekannt ist, ist nicht nur der älteste Jahrmarkt Portugals sondern, mit seinen 622 Jahren, auch der älteste Verkaufsmarkt fahrender Händler auf der ganzen Iberischen Halbinsel.

Ihren Ursprung hat die Feira de São Mateus in einem Erlass von König João I aus dem Jahre 1392.
König João I hatte ein Jahr zuvor, 1391, mit seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) aus Évora kommend, in der Stadt Viseu Einzug gehalten.
Hier in Viseu wurde dem Königspaar am 31. Oktober 1391 ein Thronfolger geboren, der spätere König Duarte I.
Aus Anlass dieses freudigen Ereignisses, erlaubte der König im schon erwähnten Erlass vom 10. Januar 1392, den Bürgern der Stadt fortan einen alljährlich stattfindenden steuerfreien Jahrmarkt (port.: feira franca) abzuhalten. Ein „steuerfreier Jahrmarkt“ bedeutete, das alle Bauern und Händler auf alle erwirtschaffteten Einkünfte während der Dauer des Volksfestes keine Steuern zu zahlen brauchten.  Dieser „Steuerfreie Jahrmarkt von Viseu“ (port.: „Feira Franca de Viseu“), so der erste Name des Volkfestes, fand in den ersten Jahren immer im Frühling, um den Tag des Heiligen Sankt Georgs herum statt, und dauerte immer drei bis vier Wochen.

Die Feira war, vom Beginn ihrer Gründung an, wirtschaftlich sehr bedeutsam.
Die umliegenden Bauern boten auf diesem Markt ihre Agrarerzeugnisse und ihr Vieh feil und die örtlichen Händler und Handwerker boten die unterschiedlichsten Waren und Erzeugnisse an. Aber auch viele Fernkaufleute und sogar Mauren aus der Algarve und Nordafrika boten damals die verschiedensten Produkte auf der „Feira Franca“ an.
Wie alle Jahrmärkte zog auch dieser mit der Zeit viele Schausteller, fahrendes Volk, Gaukler, Quacksalber, Wahrsager und Musikanten an.

In der Regentschaft von König Afonso V wurde der Jahrmarkt vom Frühling in den Herbst verlegt, und ab 1475 begann er alljährlich immer am 20. Oktober, dem Tag von Santa Iria (dt.: Heilige Irene von Portugal) und dauerte dann 14 Tage.
Da der Jahrmarkt nun bis in den November hineinreichte und das Wetter im Norden Portugals im Herbst oftmals sehr widrig war und ist, wurde die „Feira Franca die Viseu“ ab 1490 wieder im April veranstaltet.

Erst auf Veranlassung von König Manuel I wurde ab 1501 beschlossen die Feira Franca um den ersten Herbsttag eines jeden Jahres herum, dem 21. September, abhalten zu lassen. Da der 21. September kirchenkalendarisch der Tag des Heiligen Matthäus ist, wurde der Jahrmarkt fortan Feira de São Mateus genannt.

Über fünf Jahrhunderte hinweg konnte sich dieser einstmals so wichtige Jahrmarkt über Wasser halten. Aber Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts, verlor die Feira de São Mateus an Bedeutung. Das ging soweit, dass ab dem Jahre 1916 das Volksfest für neun Jahre nicht mehr abgehalten wurde.
Erst 1925 wurde der Marktbetrieb wieder ins Leben gerufen – seitdem bis heute ohne Unterbrechung!

Heute, 2014, erstreckt sich die Feira de São Mateus über ein Areal von 18.000 km² und hunderte Schausteller, in Portugal „feirantes“ genannt, bieten dort ihre Waren und Dienstleistungen an.
Aber auch der kulturelle Veranstaltungskalender kann sich dieses Jahr sehen lassen. Hierzulande sehr bekannte und beliebte Sänger und Gruppen wie z.B. Xutos & Pontapés, Ana Moura, Tony Carreira, Blind Zero, Paulo Gonzo oder Linda Martini werden dieses Jahr auf der Bühne der Feira de São Mateus 2014 auftreten.
Die diesjährige Feira de São Mateus findet bis zum kommenden 14. September 2014 statt.

Montag, 9. Juni 2014

Setubal


Die an der breiten Mündungsbucht des Flusses Rio Sado gelegene Industrie- und Distrikthauptstadt Setúbal hat den drittgrößten Hafen Portugals und ist Standort bedeutender Fischkonservenfabriken, Werften, Automobilmontagewerken und Salinen.
Die Stadt, die etwa 30 km von der Hauptstadt Lissabon entfernt in der historischen Landschaft Estremadura liegt, entstand vermutlich im 5. Jahrhundert anstelle der weiter südöstlich auf der Halbinsel Troia gelegenen und durch eine Flutkatastrophe vernichtenden römischen Stadt „Cetobriga“. Aber schon Kelten und Phönizier siedelten lange vor den Römern hier an dieser Stelle und lebten vor allem von der damals schon sehr lukrativen Salzgewinnung.

Um 700 n. Chr. siedelten die arabischen Mauren sich in und um Setúbal an, und blieben hier bis ins 13. Jahrhundert hinein.
Erst 1227 eroberte der portugiesische König Afonso II, mit Hilfe von Kreuzrittern die auf dem Weg nach Palästina waren, die Stadt von den Arabern.

Nach der Eroberung durch die Christen wurde Setúbal zunehmend zur wichtigen Hafenstadt, so wichtig, das die Stadt ab 1343 mit einer Stadtmauer befestigt wurde.
Später, zu Zeiten der Eroberungen von Heinrich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador), wurde Setúbal noch wichtiger und die See- und Kaufleute der Stadt brachten es zu stattlichem Reichtum.
Im 15. Jahrhundert war Setúbal unter König João II sogar vorübergehend königliche Residenzstadt.
Von hier aus stach König Afonso V mit einer 25.000 Mann starken Armee im Jahre 1458 in See, um die strategisch bedeutsame arabische Kleinstadt Alcacer Ceguer (marok.: Ksar es-Seghir) an der Straße von Gibraltar zu erobern – was ihm auch gelang.
Afonso V hatte die Idee von Alcacer Ceguer aus ganz Nordafrika zu erobern, eine Idee, die sich später konkretisierte und Portugal zur ersten Seefahrernation der Welt machte.

Dank seines milden Klimas und seiner reizvollen Umgebung war Setúbal vom 16. bis 18. Jahrhundert ein bevorzugtes Gebiet für den Adel und das vom Salzhandel reich gewordene Bürgertum. Hier ließen sie sich ihre Landhäuser und Wochenendpaläste bauen.
Das große Erdbeben vom 01. November 1755 vernichtete nicht nur Lissabon, sondern zerstörte auch fast völlig Setúbal.
Am 19. April 1860 erhielt Setúbal durch König Pedro V seine Stadtrechte.
Drei Jahre später, 1863, wurde Setúbal mit einer Bahnstrecke an die Stadt Barreiro angeschlossen. Diese Bahnverbindung machte Setúbal zu einem wichtigen industriellen Zentrum Portugals – und dies ist es bis heute geblieben.

Für eine Industriestadt besitzt Setúbal ein durchaus ansprechendes Ortsbild.
Entlang des Rio Sado ziehen sich der Güter-, der Yacht- und der Fischerhafen – hier geht es jeden Morgen nach dem Einlaufen der Fischerboote und bei der anschließenden Fischauktion sehr lebhaft zu.
Nördlich vom Fischerhafen verläuft in Ost-West-Richtung eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt, die nach der gefeierten Sängerin Luisa Todi benannte Avenida de Luisa Todi.
Jenseits dieser Avenida erstreckt sich die noch recht stimmungsvolle, unter Denkmalschutz stehende Altstadt, in der sich die wenigen vom großen Erbeben des Jahres 1755 verschont gebliebenen Sehenswürdigkeiten befinden.

Mittelpunkt ist hier der Platz Praça do Bocage mit einem Standbild des Satirikers und Literaten Manuel Maria de Barbosa du Bocage, dem bekanntesten Sohn der Stadt, der hier 1775 das Licht der Welt erblickte.
In der nahen Rua de São Domingo steht das Geburtshaus von Bocage, das ein kleines Museum über das Leben und das große Werk dieses portugiesischen Dichters beherbergt.
Das Museu Bocage ist eine der drei Außenstellen des Stadtmuseums von Setúbal (port.: Museu da Cidade de Setúbal), das im altehrwürdigen Kloster Convento de Jesus untergebracht ist.

Das ehemalige Franziskanerkloster sowie die Kirche de Jesus sind die in Portugal ersten im manuelistischen Stil errichteten Sakralbauten.
Mit den Arbeiten an Kirche und Kloster begann man im Jahre 1491 unter der Leitung des französischstämmigen Baumeisters Diogo Boytaca, der später durch den Bau der Klöster Batalha und Belém zu Ruhm kam.
Von außen präsentiert sich die dreischiffige Hallenkirche relativ schmucklos. Doch Innen beeindrucken das imposante Sterngewölbe im Chor sowie die einzigartigen Azulejo-Darstellungen aus dem Leben der Jungfrau Maria.
Wie schon erwähnt ist in den Räumen des an die Kirche grenzenden ehemaligen Klosters, sowie in dem aus Arrábidamarmor errichteten Kreuzgang aus dem 17. Jahrhundert, das Städtische Museum untergebracht. Zu seinen Exponaten gehören Gemälde portugiesischer, flämischer und katalanischer Meister sowie archäologische Funde aus dem Gebiet um Setúbal.

Zwei andere sehr sehenswerte Gotteshäuser in der Altstadt von Setúbal sind zum einen die ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche São Julião (port.: Igreja de São Julião) mit seinen zwei manuelistischen Portalen, und zum anderen die besuchenswerte Kirche Igreja de Santa Maria da Graça, eine sehr üppig verzierte und reich vergoldete Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

Außer dem Stadtmuseum im Jesuitenkloster und dem Museum im Geburtshaus von Bocage gibt es noch das eine oder andere sehr besuchenswerte Museum in der Stadt Setúbal.

Da ist zum einen das Ozeanografische und Fischereimuseum Luiz Saldanha (port.: Museu Oceanográfico e de Pescas Luiz Saldanha) an der Avenida de Luisa Todi, das eine bedeutende Sammlung seltener Schwammarten und sonstiger Meeresbewohner bewahrt, das vor allem von dem portugiesischen Meeresbiologen Luiz Vieira Caldas Saldanha zusammengetragen wurde.

Benachbart ist das Archäologie- und Völkerkundemuseum (port.: Museu de Arqueologia e Etnologia). Ausgestellt werden hier u.a. Geräte und Werkzeuge, die in der Landwirtschaft und in der Fischerei rund um Setúbal eingesetzt wurden, sowie einige alte Bootsmodelle. An das Museum ist eine respektable Fachbibliothek mit über 5.000 Bänden angeschlossen.

Im Geburtshaus der Opernsängerin Luisa Todi in der gleichnamigen Avenida ist ein kleines Museum untergebracht, das sich dem Künstlerleben einer der größten Operndivas ihrer Zeit widmet (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Luisa Todi – die Sängerin aller Jahrhunderte“, vom 25. November 2012)

Andere sehenswerte Museen in Setúbal sind:

- das Museu Casa Sebastião da Gama (dt.: Museum Sebastião da Gama), ein kleines Museum das sich dem Leben und Werk des Lyrikers und Pädagogen Sebastião da Gama widmet

- das Museu do Trabalho Michel Giacometti (dt. : Museum der Arbeit Michel Giacometti), das nach dem französischen Ethnologen Michel Giacometti benannt ist und in dem sich eine große Sammlung landwirtschaftlicher Alltagsgegenstände befindet, die Giacometti zu Lebzeiten zusammengetragen hat

- und das Museu do Barroco (dt.: Barrokmuseum) in der Casa do Corpo Santo

Im Westen der Stadt Setúbal erhebt sich an der linken Uferseite des Sado die Festung Castelo de São Filipe.
Die Burganlage wurde Ende des 16. Jahrhunderts von dem italienischen Festungsbaumeister Filippo Terzi auf Anordnung des spanischen Königs Filipe II errichtet, der gleichzeitig als Filipe I über Portugal herrschte. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick über die Stadt Setúbal, den Sado und den Atlantik.
In einem Teil der Burganlage ist heute eine Pousada untergebracht.

Die Umgebung von Setúbal hat vieles zu bieten:
stille Meeresbuchten, ein prächtiges Mittelgebirge und den wunderschönen Naturpark Serra da Arrábida, mit zahlreichen endemischen Arten, die nur hier beheimatet sind.

Aber, das schönste was der Distrikt Setúbal seinen Besuchern zu bieten hat, sind wohl seine sauberen Strände!
Mit der Auto- oder der Personenfähre fährt man z.B. von der Anlegestelle an der Praça da República zur Praia de Troia, einer Halbinsel mit Dünen, Wald und einem herrlichen Sandstrand. Hier ließen sich einst die Phönizier nieder, und die Römer gründeten später an gleicher Stelle einen Ort Namens „Cetobriga“, der später von einem riesigen Tsunami zerstört wurde.
Andere besuchenswerte Strände im Großraum von Setúbal sind:

- Praia do Portinho da Arrábida
- Praia dos Galapos
- Praia da Figueirinha
- Praia de Albarquel
- Praia da Maria Esguelha

Der berühmte dänische Dichter und Märchenerzähler Hans Christian Andersen hat einmal, nachdem er im Jahre 1866 für einige Tage in Setúbal verweilte, geschrieben die Stadt „sei ein irdisches Paradies“ (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag „Schwer von Freunden fällt der Abschied“, vom 09. Juli 2009).
Nun, ob Andersen das heute noch so sagen würde, bleibt mal dahingestellt, denn Setúbal ist, wie schon erwähnt, heute eine hektische Industrie- und Arbeiterstadt, wie es sie so viele auf der Welt gibt.
Dennoch kann man in gewissen Ecken und manchen verwinkelnden Gassen sicherlich den Charme der vergangenen Tage spüren, den diese Stadt einmal sicherlich gehabt hat.
Man muss diesen Charme in Setúbal nur suchen!...

Dienstag, 18. März 2014

Der Inselarchipel der Berlengas


In meinem vorherigen Beitrag hier hier im „Planet Portugal“ (Blogeintrag „Nazaré“, vom 15. März 2014,) erwähne ich, so ziemlich am Ende des Textes. die Berlengas.
Heute wurde ich von einem meiner Blogleser gefragt, wer oder was die Berlengas eigentlich sind.

Nun, die Berlengas sind eine kleine portugiesische Inselgruppe.
Rund 12 km nordwestlich vor dem imposant in den Atlantischen Ozean abstürzenden Landspitze Cabo Carvoeiro ragen sie als kahle und bizarre, vom Festland abgesprengte rötliche Granitblöcke aus dem Meer heraus.

Die Berlengas bilden einen kleinen Archipel mit der etwa 4,5 km langen und bis zu 800 m breiten Hauptinsel Ilha da Berlenga, auch Berlenga Grande genannt, sowie den kleinen Inselgruppen Estrelas und Farilhões nebst zahlreichen Riffen und Felsklippen, die von Unterwassersportlern als Tauchrevier sehr geschätzt werden.
Die Ilha da Berlenga ist vom Festland, genauer von dem Fischerstädtchen Peniche, ca. 10 km entfernt und per Boot in etwa einer Stunde zu erreichen.

Auf der höchsten Erhebung der Hauptinsel steht, weit sichtbar, der 29 m hohe Leuchtturm Farol do Duque de Bragança aus dem Jahre 1841. Der Leuchtturm wird heutzutage, dank Sonnenenergie, tagsüber aufgeladen und sein Licht leuchtet dann nachts bis über 50 km weit aufs offene Meer hinaus.
Unterhalb des Leuchtturmes liegt die geschützte Hafenbucht mit der Festung aus dem 17. Jahrhundert, der Fortaleza de São João Baptista.
In den Kasematten der Festung war einstmals eine Jungendherberge untergebracht. Heute wird das Gebäude als Pension genutzt.

Im Jahre 1513 gründeten Mönche des Hieronymusordens, mit Unterstützung von Königin Leonor, der Gemahlin von König João II, auf der Insel ein kleines Kloster, das sie Mosteiro da Misericórdia da Berlenga nannten.
Sie errichteten dieses Kloster um Schiffbrüchigen und Opfern von Piraterie, die damals an dieser Küste an der Tagesordnung waren, Zuflucht zu gewähren.
Doch die Mönche blieben nicht lange.
Schon 1548 verließen sie, aufgrund der ständigen Angriffe spanischer, englischer und französischer Piraten, die Insel.
Im Jahre 1651 wurde das Kloster abgerissen, und seine Steine für den Bau der Fortaleza de São João Baptista verwendet.

Es gibt auf Berlenga Grande, der einzigen heute noch bewohnten Insel des Archipels, keine Straßen und dementsprechend auch keine Autos. Will man also die Insel entdecken, dann muss man dies auf Wanderwegen zu Fuß tun.
Wer sich für eine Wanderung entschließt, der wird mit imposanten Felsformationen, malerischen Grotten, tiefen Schluchten und vom tosen der Brandung erfüllten Felsbuchten auf seinem Weg belohnt.

Der Inselarchipel der Berlengas ist ein Naturschutzgebiet – und zwar das älteste Portugals!
Schon im Jahre 1465 setzte der damalige König Afonso V die Inseln unter Schutz und verbot die Jagd auf den Berlengas.
Seit dem 30. Juni 2011 sind die Berlengas ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat (port.: Reserva Mundial da Biosfera da UNESCO), das vor allem für tausende von Seevögel ein sehr beliebter Brutplatz ist.

Sollten sie einen Besuch auf den Berlengas planen, so vergessen sie nicht bei der Abfahrt im Hafen von Peniche, wo die Fährboote auf die Inseln abfahren, sich unbedingt die Rückfahrt aufs Festland bestätigen zu lassen.
Wenn sie nämlich Pech haben, und die klimatischen Bedingungen es nicht zulassen, dann müssen sie auf Berlenga übernachten – und Hotelzimmer sind auf der Insel leider Mangelware.
Aber vielleicht erwischen sie ja dann, mit viel Glück, sogar eines mit eigenem Bad…

Sonntag, 15. Dezember 2013

500 Jahre Bairro Alto


Jede größere Stadt auf der Welt hat ihr klassisches Vergnügungsviertel oder ihre Vergnügungsmeile, wo an jedem Abend und vor allem an den Wochenenden,  das Leben pulsiert und die meisten Nachtschwärmer auf ihre Kosten kommen.

Auch Lissabon hat solch ein Viertel – den  Bairro Alto (dt.: oberes Viertel).
Dieses Viertel hat tagsüber eine recht ruhige und idyllische Atmosphäre, wo eine nachbarschaftliche Gemeinschaft großgeschrieben wird.
Aber jede Nacht verwandelt sich das Bairro Alto, mit all seinen urigen Bars, schicken Clubs, flippigen Szenelokalen, traditionellen Restaurants und hippen Diskotheken in ein El Dorado für Nachtschwärmer.

Am heutigen 15. Dezember feiert dieses, auch im Ausland, berühmte Lissabonner Stadtviertel, seinen 500. Geburtstag!

Wer heute durch die engen Gassen des Bairro Alto geht, der kann sich nur schwer vorstellen, wie es hier vor 500 Jahren ausgesehen hat, bzw. wie sehr sich diese Gegend hier in den letzten fünf Jahrhunderten verändert hat.

Vor 500 Jahren gab es hier auf dieser Anhöhe über der Altstadt von Lissabon nur Felder und Wiesen. Hier wurde Landwirtschaft betrieben und vor allem Weingärten, Weideflächen und Olivenhaine breiteten sich hinter der fernandinischen Stadtmauer aus.
Noch heute erinnern Straßennamen wie Rua da Vinha (dt.: Weinbergstraße), Rua do Loreiro (dt.: Lorbeerstraße), Rua do Carvalho (dt.: Eichenstraße) oder Rua da Horta (dt.: Gemüsegartenstraße) an diese Vergangenheit.

Damals gehörten die Ländereien dem jüdischen Chirurgen und Astrologen Abraão Guedelha Palaçano, der im 15. Jahrh. im Dienste der portugiesischen Könige Duarte I und Afonso V stand.
Als unter König Manuel I die Judenverfolgungen einsetzten, verkaufte die Witwe Guedelhas den außerhalb der Stadtmauern liegenden Besitz an die zwei Edelleute Filipe Gonçalves und Luis Atouguia, deren Erben 1513 mit seiner Erschließung und Parzellierung der Gegend begannen.
Diese Parzellierung erfolgte, dies ist urkundlich belegt, am 15. Dezember 1513!
So wurde das Bairro Alto, deren erster Name eigentlich Vila Nova de Andrade war, mit seinen fast rechtwinkeligen Gassen und Straßen zum ersten Beispiel einer planmäßigen Urbanisierung in der Geschichte Lissabons.
Einem zeitgenössischen Bericht aus dem Jahre 1527 nach, standen in dem neuen Viertel, gerade mal 14 Jahre nach seiner Gründung, schon bereits 408 Gebäude und ca. 1000 Menschen lebten hier.

Als sich im Jahre 1553 die Jesuiten am Rande des Viertels niederließen und mit dem Bau ihrer Prunkkirche São Roque (port.: Igreja de São Roque) begannen, kam das Bairro Alto so richtig in Mode.
In unmittelbarer Nähe der Kirche ließen sich damals viele adelige Familien und reiche Kaufleute ihre Stadtpalais und eleganten Häuser errichten.

Mit den Entdeckungsreisen der portugiesischen Seefahrer flossen ab dem 16. Jahrh. aus Indien, Afrika und Brasilien ungeahnte Reichtümer nach Portugal und ließen so das Handwerk und den Handel in Lissabon florieren.
Dafür brauchte man in der Stadt unbedingt neue Geschäftsviertel, zumal Lissabon nach zwei großen Erdbeben so schwer beschädigt worden war, das man zusätzlich neunen Wohnraum benötigte.
Also ließen sich damals wie heute im Bairro Alto viele kleine Handwerker, Sattler, Möbeltischler, Schuster, Barbiere, Bader und Kupferschmiede nieder und auch Bäcker, Metzger, Trödler, Krämer Drucker und Gemüsehändler eröffneten hier ihre Läden.

Das Bairro Alto wurde mit den Jahren zu dem geschäftigsten Stadtteile Lissabons und sein Auftrieb war so bedeutend, das im Jahre 1742 König João V dem Viertel sogar einen autonomen Status einräumte.
Mit diesem autonomen Status sollte die Wirtschaft weiter gestärkt werden, aber auch die steigende Kriminalität und die Prostitution im Viertel sollten leichter kontrolliert und bekämpft werden.

Im Bairro Alto wurde 1759 die erste „grüne“ Verordnung Portugals erlassen. Damals war das Viertel so dicht bevölkert, das es zunehmend Probleme mit der Müllbeseitigung gab. Und so wurde damals per Gesetz erlassen, dass die Bewohner des Viertels keine Esel und Pferde mehr halten durften und auch das Beschmutzen der Straßen mit Unrat und Abfällen wurde ihnen bei Strafe verboten.
Verboten wurde ihnen auch der Bau von Holzhütten, da diese das Bild des Bairro Alto „störten“, wie es damals hieß.

Ende des 18. Jahrh., das Bairro Alto hatte das große Lissabonner Erdbeben vom 01. November 1755 ziemlich unbeschadet überstanden, siedelten sich hier viele Druckereien, Verlage und
Zeitungshäuser an.
Die beiden Straßennamen Rua do Século, benannt nach der nicht mehr existierenden Zeitung „O Século“, und Rua do Diário de Noticias, benannt nach der heute noch erscheinenden Tageszeitung „Diário de Noticias“, zeugen davon.
Die Zeitungsverlage mussten dann, in Folge der Industrialisierung, mit den Jahren aus dem Viertel wegziehen.

Nur die Antiquitätengeschäfte, die Boutiquen, die Restaurants, die Fadolokale und die vielen Bars sind dem Bairro Alto geblieben.
Sie geben noch heute diesem Lissabonner Stadtviertel, das jeden Einwohner und Besucher die verschiedenen Facetten seiner Welt im Kleinen spüren lässt, etwas ganz besonderes.
Und auch die Probleme mit denen sich das Bairro Alto und die Lisabonner Stadtverwaltung heute herumschlagen müssen, wie die steigende Prostitution, die Drogen, das verbotene Glücksspiel oder die bedenkenlose Ausbeutung der Untermieter, werden daran nichts ändern.
Das Bairro Alto wird sich immer wieder neu erfinden und überleben – bestimmt noch die nächsten 500 Jahre.

Happy Birthday Bairro Alto!

Montag, 20. Februar 2012

Pero Vaz de Caminha



In meinem Beitrag „Die kleinste Buchhandlung der Welt“, vom 29. Januar 2012, erwähne ich den „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“).
Heute bin ich nun gefragt worden wer denn Pero Vaz de Caminha eigentlich war und was es mit seinem Brief an König Manuel I auf sich hat.

Pero Vaz de Caminha, manchmal auch Pedro Vaz de Caminha genannt, wurde vermutlich zwischen den Jahren 1445 und 1450 als Sohn des adeligen Ritters Vasco Fernandes de Caminha, in der Stadt Porto geboren.
Als junger Mann kam er, Dank seines Vaters der Schatzmeister war, als Schreiberlehrling an den Hof von König Afonso V.
Hier arbeitete er in der Verwaltung der königlichen Waffenkammer.

Am 02. März 1475 nahm er erfolgreich als Soldat an der Schlacht von Toro teil und wurde nach dieser von König Afonso V, auf Grund seines Mutes und seiner Herkunft, zum Ritter geschlagen.
Im Jahr darauf, 1476, übernahm er von seinem Vater den Posten des Schatzmeisters am königlichen Hof.
Dieses Amt führte er auch nach dem Tod von König Afonso V, unter dem neun König João II, aus.

Im Jahre 1482 ehelichte er Catarinna Vaz, eine Kammerzofe von Königin Leonor de Lencastre, der Ehefrau von João II.
Zusammen wurden Pero und Catarina im Jahr darauf Eltern einer Tochter namens Isabel.

Als Manuel I im Jahre 1495 König von Portugal wurde ernannte er Pero Vaz de Caminha zu seinem persönlichen Sekretär.
Das Verhältnis zwischen den beiden soll ziemlich freundschaftlich gewesen sein und so ist es nicht verwunderlich das zwei Jahre später, im Jahre 1497, König Manuel I seinen Freund und Sekretär zum Stadtrat (port.: vereador) der Stadt Porto machte.

Da Pero Vaz de Caminha dieses politische Amt wohl zur vollsten Zufriedenheit des Königs erfüllte, bestimmte Manuel I Anfang des Jahres 1500, das er der Verwalter der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung im indischen Calecute wurde.

So brach Pero Vaz de Caminha am 10. März 1500, unter Flottenkapitän Pedro Álvares Cabral der eine Flotte von 13 Schiffen anführte, in Richtung Indien auf.
Diese 13 Schiffe wurden von den 13 Kapitänen Gaspar de Lemos, Nicolau Coelho, Nuno Leitão da Cunha, Pero de Ataíde, Vasco de Ataíde, Simão de Pina, Luis Pires, Sancho de Tovar, Simão de Miranda, Aires Correia, Bartolomeu Dias, Diogo Dias und Aires Gomes befehligt.

In seinem Brief, welches mit dem 01. Mai 1500 datiert ist, beschreibt Pero Vaz de Caminha, die Entdeckung des heutigen Brasiliens, durch den Seefahrer und Entdecker Pedro Álvares Cabral, am 22. April 1500.

Zwischen dem 22. April und dem 01. Mai des Jahres 1500 hielt Pero Vaz de Caminha auf 29 Seiten detailliert die ersten Eindrücke des neu entdeckten Landes fest.
Dieser Brief ist der erste geschichtliche Beweis Brasiliens und gilt somit als die „Geburtsurkunde“ des Südamerikanischen Landes.

Ausführlich beschreib Caminha wie am 22. April die Flotte von Pedro Álvares Cabral, nach 44 Tagen auf hoher See, endlich Land sichtete und wie dann einen Tag später Nicolau Coelho, einer der Kapitäne der Flotte Cabrals, an Land ging und dort mit den bereits am Strand wartenden Tupiniquim-Indianern einen ersten Kontakt aufnahm.

Die Flotte beschloss aber am nächsten Tag weiterzusegeln, da eine aufkommende Schlechtwetterfront und die vielen Indianer, die sich in der Zwischenzeit am Strand versammelt hatten, auch wenn diese sich den Portugiesen gegenüber freundlich verhielten, eine dringend benötigte Wasser- und Proviantaufnahme erst einmal unmöglich machten.

Etwa 50 km weiter nördlich segelte die Flotte an der Mündung des heutigen Flusses Buranhem vorbei, und in einer Bucht, die heute den Namen Bahia de Cabralia trägt und nach dem Entdecker benannt ist, ankerten sie und gingen gemeinsam an Land.
Pedro Álvares Cabral nannte dieses Fleckchen Erde „Porto Seguro“ (dt.: „Sicherer Hafen“).

Hier an diesem Platz, hielt am 26. April, dem Ostersonntag des Jahres 1500, der mitgereiste Franziskanerpater Henrique de Coimbra die erste katholische Messe auf Südamerikanischen Boden.
Laut Pero Vaz de Caminha nahmen damals an diesem Gottesdienst nicht nur Cabral und seine Mitreisenden teil, sondern auch etwa 200 neugierige Tupiniquim-Indianer.
Nach dem Gottesdienst nahm Pedro Álvares Cabral, aufgrund der rechtlichen Lage des 1494 mit Spanien abgeschlossenen Vertrages von Todesilhas, das neu entdeckte Land für die portugiesische Krone in Besitz.

Am 02. Mai 1500 brach ein Proviantschiff, unter der Leitung von Kapitän Gaspar de Lemos, nach Lissabon auf, um König Manuel I über die Entdeckung des neuen Landes in Kenntnis zu setzen und ihm, auf Befehl von Cabral, den Brief von Pero Vaz de Caminha auszuhändigen.

Cabral und die restliche Mannschaft, unter ihnen auch Pero Vaz de Caminha, setzten am nächsten Tag ebenfalls die Reise fort, allerdings in Richtung Indien.
Ende Mai erreichen sie das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança), wo sie in einen schweren Sturm gerieten und vier Schiffe, samt Mannschaften, verloren.
Die Flotte setzte, nun mit acht Schiffen, ihre Reise fort und am 13. September 1500 erreichen sie Calecut in Indien.

Der Aufenthalt im indischen Calecut erwies sich für Pero Vaz da Caminha und Pedro Álvares Cabral als ziemlich schwierig.
Die ortsansässige Bevölkerung, die sich noch zwei Jahre zuvor, bei der ersten Reise von Vasco da Gama, den Portugiesen gegenüber eigentlich recht freundlich verhalten hatte, war nun eher feindlich, ja sogar kriegerisch eingestellt.
Die muslimischen Händler, die seit jeher die Handelsbeziehungen mit Indien führten sahen in den Portugiesen, zu Recht, eine drohende Konkurrenz.
Sie hatten, nach der Abfahrt von Vasco da Gama aus Indien, den Zamorin und die Bevölkerung Calecuts gegen die Portugiesen aufgebracht.

So konnte Pero Vaz da Caminha nicht, wie geplant, den Posten des Verwalters der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung in Calecut antreten.
Er musste sich diesen Posten regelrecht erkämpfen!

Bei einem dieser Kämpfe auf die Handelsvertretung in Calecut wurde er am 15. Dezember 1500 von muslimischen Soldaten tödlich verwunden und erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen.

Als König Manuel I ein halbes Jahr später, bei der Rückkehr von Pedro Álvares Cabral aus Indien am 23.Juni 1501, von dem Tod seines Chronisten Pero Vaz de Caminha erfuhr, soll er erschüttert gewesen sein, denn schließlich war Caminha nicht nur der Chronist des Königs, sondern auch sein Freund.

Auch wenn Pero Vaz de Caminha einen ziemlich unrühmlichen Tod starb, sein Brief an König Manuel I hat ihn zweifelsohne unsterblich gemacht.
Nach dem Eintreffen des Briefes in Lissabon ging dieser, zusammen mit vielen anderen Dokumenten der verschiedenen Entdeckungsfahrten, unter und geriet in Vergessenheit.
273 Jahre nach seiner Verfassung wurde der Brief dann im Jahre 1773 im Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) durch den Historiker und Politiker José de Seabra da Silva wiederentdeckt, der diesen dann der breiten Öffentlichkeit bekannt machte.

Heute befindet sich der „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“) immer noch im Nationalarchiv der Torre do Tombo und gehört zweifelsohne zu den geschichtlich wertvollsten Schriftstücken Portugals.

Freitag, 23. September 2011

Die Wandteppiche von Pastrana






In der National Gallery of Art in Washington hat Anfang dieser Woche die Ausstellung „The Invention of Glory – Afonso V and the Tapestrys from Pastrana“ (dt.: Die Erfindung des Glücks – Afonso V und die Wandteppiche von Pastrana / port.: A Invenção da Glória – Afonso V e as Tapeçarias de Pastrana) begonnen, in der die vier weltberühmten Wandteppiche von Pastrana (port.: Tapeçarias de Pastrana) gezeigt werden.

Genau ein Jahr nachdem sie auch hier in Lissabon, im Museu de Arte Antiga, zu sehen waren, werden diese Kunstschätze nun einem breiten amerikanischen Publikum vorgestellt.

Bei den Pastrana-Wandteppichen handelt es sich um vier überdimensionale Tapisserien, die zu den schönsten gotischen Gobelins der Welt gehören.
Sie wurden einst vom portugiesischen König Afonso V in Auftrag gegeben, um die Ereignisse an den Kriegsschauplätzen Arzila und Tanger, an denen Portugal Ende des 15. Jahrhunderts in Nordafrika erfolgreich beteiligt war, zu dokumentieren.

Da es damals den Beruf des Kriegsreporters und des Kriegsfotographen noch nicht gab, musste Afonso V die einzelnen Kriegsschauplätze und Kriegsgeschehnisse auf Wandteppichen, wie damals üblich, bildlich darstellen lassen.
Man kann ohne Zweifel behaupten, dass diese Wandteppiche die Kriegsphotographien der damaligen Zeit sind – ganz besondere Bilder für die Ewigkeit!

Er gab die vier Wandteppiche, die 11 m x 4 m groß sind, und aus feinster Wolle und Seide in einer hervorragenden technischen Qualität hergestellt worden sind, im Jahre 1471 in Auftrag.
Angefertigt wurden sie in den Werkstätten der Weberei Passchier Grenier, in der Stadt Tournai in Flandern, im heutigen Belgien, zwischen den Jahren 1471 und 1475.
Man vermutet, dass König Afonso V damals für jeden einzelnen Wandteppich den Gegenwert von drei portugiesischen Karavellen bezahlt hat!

Sie sollten einzig und allein die portugiesische Kriegspropaganda der damaligen Zeit klar darstellen, ohne gewalttätig oder gar blutig zu wirken.
König Afonso V wollte die Gobelins später in dem Bankettsaal seines Palastes aufhängen, und wer hätte dann schon gerne beim Essen blutige Schlachtszenen an den Wänden gesehen?

Der erste Wandteppich zeigt die Ankunft der Portugiesen in Arzila und trägt den Titel „Landung in Arzila“ (port.: „Desembarque em Arzila“).
Zu sehen ist, wie der König und seine Truppen bei stürmischer See das marokkanische Festland betreten, und sich in Richtung der Festung Arzila begeben.

Im zweiten Wandteppich, der den Titel „Belagerung von Arzila“ (port.: „Cerco de Arzila“) trägt, wirkt die Stadt fast friedlich, mit ihren roten Dächern und weißen Minaretten. Man kann genau sehen, wie auf der linken Seite des Gobelins der König wartend dargestellt wird, während sich auf der rechten Seite die belagerten Bürger der Stadt hinter den dicken Mauern verstecken.

Der dritte Wandteppich zeigt schließlich verschiedene heroische Schlachtszenen und trägt den Namen „Eroberung von Arzila“ (port.: „Tomada de Arzila“).
Bei der Schlacht um Arzila kamen damals schätzungsweise 2.000 Marokkaner um und an die 5.000 von ihnen wurden gefangen genommen.

Auf dem vierten und letzten Wandteppich, der den Namen „Einzug in Tanger“ (port.: „Entrada em Tanger“) trägt, wird die Einnahme von Tanger dargestellt.
Deutlich ist auf diesem Wandteppich, der für mich persönlich der schönste von allen vieren ist, zu sehen, wie von der linken Seite die portugiesischen Truppen die Stadt einnehmen, die in der Mitte des Bildes dargestellt wird, und wie auf der rechten Seite des Wandteppiches die Marokkaner vor den Truppen Portugals flüchten.

Wie die vier Wandteppiche dann ihren Weg von Portugal nach Spanien gefunden haben, ist bis heute ein Rätsel.
Man vermutet entweder, dass sie nach der Schlacht von Toro, bei dem Portugal als Verlierer hervorging, als Kriegsbeute nach Spanien kamen oder aber das sie ein persönliches Geschenk Königs Afonso V an den spanischen Kardinal Mendoza sind, der ihm diese, als Geste der Dankbarkeit für dessen Haltung zu Gunsten der portugiesischen Gefangenen die bei besagter Schlacht festgenommen wurden, schenkte.

Fakt ist, das die Tapisserien nach dem Tod von König Felipe II von Spanien, bei einer öffentlichen Versteigerung eines Teils seines persönlichen Nachlasses, von der Familie des Kardinals Mendoza käuflich erworben wurden.
Im Jahre 1664 vermachte die Familie Mendoza die Wandteppiche der Stiftskirche von Pastrana, in Zentralspanien, in dessen Besitz sie bis heute sind.

Dann gerieten sie über Jahrhunderte hinweg in Vergessenheit.
Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie von Motten zerfressen, stark verschmutzt und beschädigt, an manchen Stellen sogar mit Löchern von bis zu 20 cm Durchmesser, auf dem Dachboden der Stiftskirche wiederentdeckt.

1930 versuchte der portugiesische Diktator Salazar sie wieder nach Portugal zurückzubringen, doch sein diktatorischer Amtskollege Franco erlaubte ihm lediglich Kopien der vier Wandteppiche zu machen.
Diese Kopien hängen heute im Palast der Herzöge von Bragança (port.: Paço dos Duques de Bragança), in Guimarães.

Im Jahre 2009 wurden die Teppiche, mit der finanziellen Unterstützung der spanischen Stiftung Carlos de Amberes und der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, einem intensiven Restaurierungsprozess in der Teppichmanufaktur Real de Wit in Belgien unterzogen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Herausforderung an die Konzentration die vier Wandteppiche darstellen, denn ein Gesamtbild lässt sich nur schwer erfassen.
Der Teufel liegt bei jedem Teppich im Detail.
Jeder von ihnen ist eine Ansammlung von menschlichen Gestalten, Lanzen, Waffen, Fahnen, Pferden und Schiffen – alles ohne erkennbares Zentrum.
Wahrlich ein Augenschmaus!

Nach Washington, wo die vier Tapisserien bis kommenden Januar zu sehen sein werden, reisen sie nach Dallas, San Diego und Indianapolis weiter.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Padrão dos Descobrimentos






Der Diktator António de Oliveira Salazar sagte einmal die bedeutenden Worte:

„Unsere glorreiche Vergangenheit als Portugiesen lastet schwer auf unserer Gegenwart“.

Nun, die Wort Salazars wogen einmal viel.
In der heutigen Zeit aber, haben nur noch seine Denkmäler Gewicht, viele von ihnen sogar mehr Gewicht als Zierde.
Der Padrão dos Descobrimentos (dt.: Denkmal der Entdeckungen) aber ist eine Ausnahme.

Zum 500. Todestag von Heirich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) im Jahre 1960, gab Salazar dieses Denkmal bei Leopoldo Neves de Almeida, dem offiziellen Architekten des Diktators, in Auftrag.
Neben dem Jachthafen, am Ufer des Tejo, mit dem Hieronymuskloster im Hintergrund und der Torre de Belém nur ein paar hundert Meter weiter, sticht der steinerne Bug eines Segelschiffes majestätisch in den Fluss.

An der Spitze des Denkmals steht Heinrich der Seefahrer, mit einem, für ihn so charakteristischen „Chapéu Bolhones“ (dt.: Bologneser Hut) und einer Karavelle in der Hand.
Hinter dem Navigator sind mehrere Adlige, Kartographen, Kapitäne, Astronomen und Chronisten rechts und links von ihm aufgereiht, so als wären sie alle eine Mannschaft die jeden Augenblick in See stechen will.

Insgesamt sind es 33 Persönlichkeiten aus der Zeit der Entdeckungen, die das riesige Denkmal zieren.
Nur eine von ihnen ist eine Frau, nämlich Königin Filipa de Lencastre, die Mutter von Heinrich dem Seefahrer.
Die 33 historischen Personen, die in Stein gemeißelt, das Denkmal schmücken, sind:

• Infante Henrique (dt.: Heinrich der Seefahrer)
• Infante Pedro (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• Infante Fernando (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• König Afonso V (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• Königin Filipa de Lencastre (Mutter von Heinrich)
• Fernão Mendes Pinto (Schriftsteller)
• Gonçalo de Carvalho (Mönch)
• Henrique de Carvalho (Mönch)
• Luís de Camões (Portugals berühmtester Dichter)
• Nuno Gonçalves (Maler)
• Gomes Eanes de Azurara (Chronist und Historiker)
• Pêro da Covilhã (Forscher)
• Jehuda Cresques (Kartograph)
• Pêro Escobar (Seefahrer, Entdecker der Goldküste)
• Pedro Nunes (Mathematiker und Astronom)
• Pêro de Alenquer (Seefahrer)
• Gil Eanes (Seefahrer, Entdecker des Kap Bojador)
• João Gonçalves Zarco (Seefahrer, Entdecker Madeiras)
• Vasco da Gama (Entdecker des Seewegs nach Indien)
• Afonso Gonçalves Baldaia (Seefahrer, Entdecker des Goldflusses)
• Pedro Álvares Cabral (Seefahrer, Entdecker Brasiliens)
• Fernão Magalhães (Seefahrer und erster Weltumsegler)
• Nicolau Coelho (Seefahrer und Indienfahrer)
• Gaspar Corte-Real (Seefahrer, Entdecker Neufundlands)
• Martim Afonso de Sousa (Erster Gouverneur von Brasilien)
• João de Barros (Historiker)
• Estêvão da Gama (Seefahrer, Gouverneur von Indien)
• Bartolomeu Dias (Seefahrer, Entdecker des Kaps der Guten Hoffnung)
• Diogo Cão (Seefahrer, Entdecker des Kongos)
• António de Abreu (Seefahrer, Entdecker der Moluken)
• Afonso de Albuquerque (Seefahrer, Militär und Politiker)
• São Francisco Xavier (Missionar, der Heilige Franziskus)
• Cristóvão da Gama (Seefahrer und Kapitän zur See)

Heutzutage ist es verboten das Denkmal als „Kletterburg“ zu benutzen.
Aber in meiner Kindheit bin in ich oft, wenn wir hier in Portugal Urlaub gemacht haben, auf den riesigen Figuren rumgeklettert und habe mich ab und zu auch hinter den Verse haltenden Camões versteckt.

Vor dem Eingang des Denkmals befindet sich auf dem Boden eine riesige Windrose aus marmornen Mosaiksteinen. Die Windrose ist ein Geschenk der Republik Südafrika, anlässlich der Feiern zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer im Jahre 1960, und hat ein Durchmesser von 50 m.
Eine Weltkarte, ebenfalls aus Mosaiksteinen, im Zentrum der Windrose, zeigt die Seerouten und Entdeckerdaten der portugiesischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert.

Von der 52 m hohen Plattform des Denkmals der Entdeckungen hat man, so meine persönliche Meinung, die schönste Sicht auf Lissabon und den Stadtteil Belém.
Leider werden die Besucher, die die Stadt in nächster Zeit besuchen, nicht in den Genuss dieser wunderschönen Aussicht kommen, denn das Denkmal der Entdeckungen wird ab dieser Woche für Besucher, wegen aufwendiger Renovierungs- und Säuberungsarbeiten, geschlossen bleiben.