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Montag, 20. Februar 2012

Pero Vaz de Caminha



In meinem Beitrag „Die kleinste Buchhandlung der Welt“, vom 29. Januar 2012, erwähne ich den „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“).
Heute bin ich nun gefragt worden wer denn Pero Vaz de Caminha eigentlich war und was es mit seinem Brief an König Manuel I auf sich hat.

Pero Vaz de Caminha, manchmal auch Pedro Vaz de Caminha genannt, wurde vermutlich zwischen den Jahren 1445 und 1450 als Sohn des adeligen Ritters Vasco Fernandes de Caminha, in der Stadt Porto geboren.
Als junger Mann kam er, Dank seines Vaters der Schatzmeister war, als Schreiberlehrling an den Hof von König Afonso V.
Hier arbeitete er in der Verwaltung der königlichen Waffenkammer.

Am 02. März 1475 nahm er erfolgreich als Soldat an der Schlacht von Toro teil und wurde nach dieser von König Afonso V, auf Grund seines Mutes und seiner Herkunft, zum Ritter geschlagen.
Im Jahr darauf, 1476, übernahm er von seinem Vater den Posten des Schatzmeisters am königlichen Hof.
Dieses Amt führte er auch nach dem Tod von König Afonso V, unter dem neun König João II, aus.

Im Jahre 1482 ehelichte er Catarinna Vaz, eine Kammerzofe von Königin Leonor de Lencastre, der Ehefrau von João II.
Zusammen wurden Pero und Catarina im Jahr darauf Eltern einer Tochter namens Isabel.

Als Manuel I im Jahre 1495 König von Portugal wurde ernannte er Pero Vaz de Caminha zu seinem persönlichen Sekretär.
Das Verhältnis zwischen den beiden soll ziemlich freundschaftlich gewesen sein und so ist es nicht verwunderlich das zwei Jahre später, im Jahre 1497, König Manuel I seinen Freund und Sekretär zum Stadtrat (port.: vereador) der Stadt Porto machte.

Da Pero Vaz de Caminha dieses politische Amt wohl zur vollsten Zufriedenheit des Königs erfüllte, bestimmte Manuel I Anfang des Jahres 1500, das er der Verwalter der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung im indischen Calecute wurde.

So brach Pero Vaz de Caminha am 10. März 1500, unter Flottenkapitän Pedro Álvares Cabral der eine Flotte von 13 Schiffen anführte, in Richtung Indien auf.
Diese 13 Schiffe wurden von den 13 Kapitänen Gaspar de Lemos, Nicolau Coelho, Nuno Leitão da Cunha, Pero de Ataíde, Vasco de Ataíde, Simão de Pina, Luis Pires, Sancho de Tovar, Simão de Miranda, Aires Correia, Bartolomeu Dias, Diogo Dias und Aires Gomes befehligt.

In seinem Brief, welches mit dem 01. Mai 1500 datiert ist, beschreibt Pero Vaz de Caminha, die Entdeckung des heutigen Brasiliens, durch den Seefahrer und Entdecker Pedro Álvares Cabral, am 22. April 1500.

Zwischen dem 22. April und dem 01. Mai des Jahres 1500 hielt Pero Vaz de Caminha auf 29 Seiten detailliert die ersten Eindrücke des neu entdeckten Landes fest.
Dieser Brief ist der erste geschichtliche Beweis Brasiliens und gilt somit als die „Geburtsurkunde“ des Südamerikanischen Landes.

Ausführlich beschreib Caminha wie am 22. April die Flotte von Pedro Álvares Cabral, nach 44 Tagen auf hoher See, endlich Land sichtete und wie dann einen Tag später Nicolau Coelho, einer der Kapitäne der Flotte Cabrals, an Land ging und dort mit den bereits am Strand wartenden Tupiniquim-Indianern einen ersten Kontakt aufnahm.

Die Flotte beschloss aber am nächsten Tag weiterzusegeln, da eine aufkommende Schlechtwetterfront und die vielen Indianer, die sich in der Zwischenzeit am Strand versammelt hatten, auch wenn diese sich den Portugiesen gegenüber freundlich verhielten, eine dringend benötigte Wasser- und Proviantaufnahme erst einmal unmöglich machten.

Etwa 50 km weiter nördlich segelte die Flotte an der Mündung des heutigen Flusses Buranhem vorbei, und in einer Bucht, die heute den Namen Bahia de Cabralia trägt und nach dem Entdecker benannt ist, ankerten sie und gingen gemeinsam an Land.
Pedro Álvares Cabral nannte dieses Fleckchen Erde „Porto Seguro“ (dt.: „Sicherer Hafen“).

Hier an diesem Platz, hielt am 26. April, dem Ostersonntag des Jahres 1500, der mitgereiste Franziskanerpater Henrique de Coimbra die erste katholische Messe auf Südamerikanischen Boden.
Laut Pero Vaz de Caminha nahmen damals an diesem Gottesdienst nicht nur Cabral und seine Mitreisenden teil, sondern auch etwa 200 neugierige Tupiniquim-Indianer.
Nach dem Gottesdienst nahm Pedro Álvares Cabral, aufgrund der rechtlichen Lage des 1494 mit Spanien abgeschlossenen Vertrages von Todesilhas, das neu entdeckte Land für die portugiesische Krone in Besitz.

Am 02. Mai 1500 brach ein Proviantschiff, unter der Leitung von Kapitän Gaspar de Lemos, nach Lissabon auf, um König Manuel I über die Entdeckung des neuen Landes in Kenntnis zu setzen und ihm, auf Befehl von Cabral, den Brief von Pero Vaz de Caminha auszuhändigen.

Cabral und die restliche Mannschaft, unter ihnen auch Pero Vaz de Caminha, setzten am nächsten Tag ebenfalls die Reise fort, allerdings in Richtung Indien.
Ende Mai erreichen sie das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança), wo sie in einen schweren Sturm gerieten und vier Schiffe, samt Mannschaften, verloren.
Die Flotte setzte, nun mit acht Schiffen, ihre Reise fort und am 13. September 1500 erreichen sie Calecut in Indien.

Der Aufenthalt im indischen Calecut erwies sich für Pero Vaz da Caminha und Pedro Álvares Cabral als ziemlich schwierig.
Die ortsansässige Bevölkerung, die sich noch zwei Jahre zuvor, bei der ersten Reise von Vasco da Gama, den Portugiesen gegenüber eigentlich recht freundlich verhalten hatte, war nun eher feindlich, ja sogar kriegerisch eingestellt.
Die muslimischen Händler, die seit jeher die Handelsbeziehungen mit Indien führten sahen in den Portugiesen, zu Recht, eine drohende Konkurrenz.
Sie hatten, nach der Abfahrt von Vasco da Gama aus Indien, den Zamorin und die Bevölkerung Calecuts gegen die Portugiesen aufgebracht.

So konnte Pero Vaz da Caminha nicht, wie geplant, den Posten des Verwalters der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung in Calecut antreten.
Er musste sich diesen Posten regelrecht erkämpfen!

Bei einem dieser Kämpfe auf die Handelsvertretung in Calecut wurde er am 15. Dezember 1500 von muslimischen Soldaten tödlich verwunden und erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen.

Als König Manuel I ein halbes Jahr später, bei der Rückkehr von Pedro Álvares Cabral aus Indien am 23.Juni 1501, von dem Tod seines Chronisten Pero Vaz de Caminha erfuhr, soll er erschüttert gewesen sein, denn schließlich war Caminha nicht nur der Chronist des Königs, sondern auch sein Freund.

Auch wenn Pero Vaz de Caminha einen ziemlich unrühmlichen Tod starb, sein Brief an König Manuel I hat ihn zweifelsohne unsterblich gemacht.
Nach dem Eintreffen des Briefes in Lissabon ging dieser, zusammen mit vielen anderen Dokumenten der verschiedenen Entdeckungsfahrten, unter und geriet in Vergessenheit.
273 Jahre nach seiner Verfassung wurde der Brief dann im Jahre 1773 im Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) durch den Historiker und Politiker José de Seabra da Silva wiederentdeckt, der diesen dann der breiten Öffentlichkeit bekannt machte.

Heute befindet sich der „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“) immer noch im Nationalarchiv der Torre do Tombo und gehört zweifelsohne zu den geschichtlich wertvollsten Schriftstücken Portugals.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Manifestis probatum


Ich habe hier in meinem Blog schon mehrmals die päpstliche Bulle „Manifestis probatum“ (z.B. in dem Beitrag „Torre do Tombo“ vom 02.03.2011 oder in dem Beitrag „05. Oktober 1143“ vom 05.10.2011), erwähnt.
Heute wurde ich gefragt was den „Manifestis probatum“ sei.

Nun ich liebe solche Fragen, denn sie zeigen mir, dass viele Menschen die meinen Blog lesen und verfolgen, dies wirklich mit Interesse und Hingabe tun!
Außerdem „zwingen“ mich solche Fragen dazu, hier im Blog immer wieder detaillierte Beiträge zu schreiben.
Eines dieser Beiträge will ich nun heute gerne hier veröffentlichen!

Um die Frage zu beantworten, was denn „Manifestis probatum“ sei, muss ich ein wenig ausholen.
Im Mittelalter gab es noch keine Organisation wie die heutige UN (engl: United Nations / dt.: Vereinte Nationen / port.: Nações Unidas), die die Unabhängigkeit der einzelnen Staaten anerkennt.
Aber es gab damals eine andere Institution die die Unabhängigkeit der einzelnen Länder der damaligen Welt legitimierte.

Diese Institution war der Papst in Rom.
Nur er hatte damals das Recht einen Staat und dessen Herrscher anzuerkennen und zu bestätigen.
Vereinfacht gesagt heißt das, das der Heilige Vater damals unsere heutige UN war und die Stadt Rom unser heutiges New York.

Das Recht einen Staat und einen Herrscher anzuerkennen gab der Papst durch eine Urkunde kund, der „Bulla pontificia“, die in einer päpstlichen Kanzlei verfasst und dann durch den Papst selber unterschrieben und besiegelt wurde.

Portugal hatte bereits im Jahre 1143, im Vertrag von Zamora (port.: Tratado de Zamora), mit dem Königreich Leon-Kastillien die Unabhängigkeit Portugals besiegelt.
Doch erst mit der päpstlichen Zustimmung war die Unabhängigkeit Portugals anerkannt.
Diese päpstliche Zustimmung, und somit die Anerkennung des Königreichs Portugal, wurde durch die besagte Bulle „Manifestis probatum“, gegeben.

Am 23. Mai 1179, also 36 Jahre nach der Unterzeichnung der portugiesischen Unabhängigkeit, wurde Portugal von Papst Alexander III offiziell als Nation anerkannt.

Diese Anerkennung ließ sich der erste König von Portugal, Afonso Henriques I, etwas kosten.
Fortan musste Portugal nämlich an den Heiligen Stuhl eine jährliche Zahlung von fünf Quintais Gold entrichten und einen Treueschwur an Rom ableisten.
Wenn man bedenkt das ein Quintal heute 58,752 kg sind, dann waren das damals knappe 300 kg Gold die der König an den Kirchenstaat jährlich berappen musste.
Ein hoher Preis!
Aber dafür durfte er sich fortan hochoffiziell „Sua Majestade Fidelissima“ (dt.: „Seine allertreueste Majestät“) nennen.

Die Bulle ist, für heutige Verhältnisse, ziemlich kurz und bündig verfasst.
In nur 11 Sätzen unterstreicht Papst Alexander III die gemeinsame Verbundenheit Portugals und des Heiligen Stuhls.
Unterschrieben und beglaubigt wird die Urkunde in Rom von Papst Alexander III, sowie 24 anderen kirchlichen Würdenträger, am 23. Mai 1179.

Die Originalbulle wurde in lateinischer Sprache verfasst.
Im aktuellen portugiesisch lautet der Text wie folgt:


Alexandre, Bispo, Servo dos Servos de Deus, ao caríssimo filho em Cristo, Afonso, Ilustre Rei dos Portugueses, e a seus Herdeiros, in Perpetuum.
Está claramente demonstrado que, como bom filho e príncipe católico, prestaste inumeráveis serviços a tua mãe, a Santa Igreja, exterminando intrepidamente em porfiados trabalhos e proezas militares os inimigos do nome cristão e propagando diligentemente a fé cristã, assim deixaste aos vindouros nome digno de memória e exemplo merecedor de imitação.
Deve a Sé Apostólica amar com sincero afecto e procurar atender eficazmente, em suas justas súplicas, os que a Providência divina escolheu para governo e salvação do povo.
Por isso, Nós, atendendo às qualidades de prudência, justiça e idoneidade de governo que ilustram a tua pessoa, tomamo-la sob a protecção de São Pedro e nossa, e concedemos e confirmamos por autoridade apostólica ao teu excelso domínio o reino de Portugal com inteiras honras de reino e a dignidade que aos reis pertence, bem como todos os lugares que com o auxílio da graça celeste conquistaste das mãos dos sarracenos e nos quais não podem reivindicar direitos os vizinhos príncipes cristãos.
E para que mais te afervores em devoção e serviço ao príncipe dos apóstolos S. Pedro e à Santa Igreja de Roma, decidimos fazer a mesma concessão a teus herdeiros e, com a ajuda de Deus, prometemos defender-lha, quanto caiba em nosso apostólico ministério.
Continua, pois, a mostrar-te filho caríssimo, tão humilde e devotado à honra e serviço da tua mãe, a Santa Igreja Romana, e a ocupar-te em defender os seus interesses a dilatar a fé cristã de tal modo que esta Sé Apostólica possa alegrar-se de tão devoto e glorioso filho e não duvide da sua afeição.
Para significar que o referido reino pertence a São Pedro, determinaste como testemunho de maior reverência pagar anualmente quatro onças de oiro a Nós e aos nossos sucessores. Cuidarás. por isso, de entregar tu e os teus sucessores, ao Arcebispo de Braga pro tempore, o censo que a Nós e a nossos sucessores pertence.
Determinamos, portanto, que a nenhum homem seja lícito perturbar temerariamente a tua pessoa ou as dos teus herdeiros e bem assim o referido reino, nem tirar o que a este pertence ou, tirado, retê-lo, diminuí-lo ou fazer-lhe quaisquer imposições.
Se de futuro qualquer pessoa eclesiástica ou secular intentar cientemente contra o que dispomos nesta nossa Constituição, e não apresentar satisfação condigna depois de segunda ou terceira advertência, seja privada da dignidade da sua honra e poder, saiba que tem de prestar contas a Deus por ter cometido uma iniquidade, não comungue do sacratíssimo Corpo e Sangue de Jesus Cristo nosso divino Senhor e Redentor, e nem na hora da morte se lhe levante a pena.
Com todos, porém, que respeitarem os direitos do mesmo reino e do seu rei, seja a paz de Nosso Senhor Jesus Cristo, para que neste mundo recolham o fruto das boas obras e junto do soberano juiz encontrem o prémio da eterna paz.

Amen, Amen, Amen
Alexandre Papa III


Ins deutsche übersetzt lautet der Text der Bulle „Manifestis probatum“ wie folgt:


Alexander, Bischof, Diener der Diener Gottes, an den teuren Sohn in Christus, Afonso, erlauchter König der Portugiesen, und seine Nachfolger, auf Ewiglich.
Es ist zweifellos erwiesen, das Du als guter Sohn und katholischer Prinz, unzählige Dienste für deine Mutter, die Heiligen Kirche, erbracht hast, indem du vernichtend und unerschrocken mit militärischen Heldentaten gegenüber den Feinden Christie geglänzt hast und den christlichen Glauben verbreitet hast, und somit ein gutes Beispiel für alle bist.
Die Heilige Kirche schuldet denen die Gott auserkoren hat um zu herrschen und um die Völker zu retten, wahre Liebe und Zuneigung und die Erfüllung ihrer gerechten Bittgesuche.
Deshalb haben Wir, die Klugheit, die Gerechtigkeit und die Regierungstauglichkeit Deiner erlauchten Person berücksichtigend, beschlossen, dich unter dem Schutz des Heiligen Petrus und dem unserigem zu stellen, und gewähren und bestätigen hiermit durch unsere apostolische Autorität Deine erhabene Herrschaft über das Königreich Portugal mit allen Ehren und Würde die einem König gebührt, sowie über alle Gebiete die Du den Sarazenen entrissen hast und auf die kein anderer christlicher Prinz ein Anspruch erheben soll.
Und damit Du Dich weiterhin ereiferst dem Heiligen Petrus und der Heiligen Kirche in Rom zu dienen, haben Wir beschlossen diesen Schutz auch Deinen Nachfolgern zu gewähren und, mit Gottes Hilfe, versprechen Wir diese Gewährung zu verteidigen, soweit es in unserer apostolischen Macht liegt.
Deshalb, treuer Sohn, zeige weiterhin Deine große Untertänigkeit und Ergebenheit gegenüber Deiner Mutter, der Heiligen Römischen Kirche, indem Du erhaben die Interessen des christlichen Glaubens verteidigst, so dass die Heilige Kirche sich weiterhin an ihrem ergebenen und ruhmreichen Sohn erfreuen kann und niemals an seiner Zuneigung zweifeln muss.
Um zu zeigen, dass das hier erwähnte Königreich dem Heiligen Petrus gehört, erklärst Du Dich bereit, als Zeugnis Deiner größten Ehrerbietung, an Uns und Unseren Nachfolgern, die jährliche Summe von vier Unzen Gold zu entrichten.
Du und Deine Nachfolger, Ihr werdet Euch deshalb verpflichten an den Erzbischof von Braga zu gegebener Zeit, immer diese Summe zu entrichten, die somit Uns und Unseren Nachfolgern gehört.
Wir bestimmen sodann, das es keinem Mann erlaubt ist, Deine Person oder die Person Deiner Nachfolger anzuzweifeln und ebenso an Eurem Königreich zu zweifeln, oder Euch das zu rauben was Euch zusteht, und wenn geraubt, Euch dieses augenblicklich wieder zukommen zu lassen ohne auch nur eine Auflage von Euch zu verlangen.
Und sollte in Zukunft eine kirchliche oder eine weltliche Person gegen den von Uns hier beglaubigten Beschluss angehen, und nach zweimaliger oder dreimaliger Warnung keine Rechenschaft über seine Gründe ablegen, dann soll er seiner Ehre und Macht verlustig werden, und er soll wissen das er vor Gott Rechenschaft ablegen muss da er eine Ungerechtigkeit begangen hat, er soll keine heilige Kommunion und somit das Laib und das Blut Christie unseres himmlischen Herrn und Erlösers zu sich nehmen dürfen, und er soll auch in der Stunde seines Todes nicht mit Gnade rechnen können.
Mit allen, die dieses Königreich und seinen König respektieren, sei der Frieden unseres Herren Jesus Christus, und sie sollen in dieser unserer Welt die Früchte ihrer guten Werke einbringen dürfen und einstmals mit dem fürstlichen Richter den Preis des ewigen Frieden finden.

Amen, Amen, Amen
Papst Alexander III


Die Originalbulle befindet sich heute im Nationalarchiv der „Torre do Tombo“ in Lissabon.
Im Jahre 1212, unter Papst Innozenz III, und im Jahre 1218, unter Papst Honorius III, wurde die Bulle erneuert und nochmals beglaubigt.

Mittwoch, 16. März 2011

Der Vertrag von Tordesilhas


In meinen posts „Torre do Tombo“ und „Dokumentierte Geschichte in der Torre do Tombo“ vom 02. März dieses Jahres erwähne ich den Vertrag von Tordesilhas.
Heute wurde ich gefragt, was denn der Vertrag von Tordesilhas sei und was ihn den so besonders mache, dass er im Nationalarchiv Torre do Tombo, in Lissabon, aufbewahrt wird.

Nun, man kann wirklich behaupten, der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas / esp.: Tratado de Tordesillas) ist der erste „Nichtangriffspakt“ den es zwischen den zwei Seemächten Portugal und Spanien gab.
Am 07. Juni 1494 wurde der Vertrag in der kastilischen Kleinstadt Tordesillas, zwischen diesen zwei verfeindeten Kronen abgeschlossen, um eine zukünftige militärische Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Portugal und dem erst vor kurzem gegründeten Königreich Spanien zu verhindern, in dem Moment da sich beide Nationen aufmachten, „neue Welten für die Welt zu entdecken“, wie es ihm Vertrag heißt.

Spanien ging es in dem Vertrag vor allem darum, den erst kürzlich entdeckten Seeweg nach Amerika vom portugiesischen Einfluss frei zu halten, und den Portugiesen ging es vorrangig darum, den damals noch vermuteten Seeweg nach Indien, um Afrika herum, für sich zu sichern.
Beide Parteien sicherten sich in dem Vertrag zu, dem anderen bei seinen Entdeckungsreisen nicht zu stören, anzugreifen oder zu behindern.

So wurde einfach an diesem Junitag des Jahres 1494, mit Einverständnis von Papst Alexander VI, die Welt zwischen diesen zwei iberischen Königreichen aufgeteilt.
In der päpstlichen Bulle „Inter caetera“ wurde eine Trennlinie festgelegt, die gut 500 km westlich der Insel Santo Antão auf den Kapverdischen Inseln (port.: Cabo Verde) in Nord-Süd-Richtung, vom Nordpol zum Südpol, durch den Atlantik verlief.
Alle Länder die westlich dieser Demarkationslinie in Zukunft entdeckt würden sollten Spanien zugesprochen werden und alle östlich dieser Demarkationslinie zu entdeckenden Länder sollten Portugal gehören.

Die anderen Nationen Europas erkannten den Vertrag von Tordesilhas niemals an, schließlich sahen sie in ihm in keinster Weise ihre Interessen vertreten.
Sie sahen in ihm lediglich ein „Rechtsgeschäft“, das zu Lasten Dritter abgeschlossen worden war.
Man muss aber ehrlicherweise dazu sagen, dass sie alle nur so pikiert reagierten, weil der Vertrag es nicht vorsah, dass auch sie an diesem „Rechtsgeschäft“ teilhaben konnten…

Mittwoch, 2. März 2011

Torre do Tombo






Am letzten Samstag fuhr ich durch den Campus der Lissabonner Universität (port.: Universidade de Lisboa), im Stadtteil Campo Grande, und ich kam an einem Gebäude vorbei, der imposant aus allen anderen hervorragt, dem Torre do Tombo.

Der Torre do Tombo (dt.: Tomboturm) ist ein öffentliches Archiv das als Zentralarchiv der portugiesischen Nation fungiert, und in dem seit über 600 Jahren alle wichtigen und staatsrelevanten Urkunden, Akten, Dokumente und Schriftstücke Portugals aufbewahrt werden.
Aus dem Mittelalter stammend, und mit über 600 Jahren Geschichte, ist der Torre do Tombo, bzw. das Nationalarchiv, eines der ältesten bestehenden Institutionen der portugiesischen Nation.
Der Titel eines „guarda-mor“ (dt.: Oberster Wächter / Hauptwächter), für den Direktor des Nationalarchivs, ist somit eines der ältesten Titel den der portugiesische Staat zu vergeben hat.
Berühmte guarda-mores waren z.B. Damião de Góis, Fernão Lopes, Gomes Eanes de Zurara und Manuel da Maia.

Seinen Ursprung hat das Nationalarchiv im Jahre 1378, als damals im Hauptturm der Lissabonner Burg Castelo de São Jorge, der so genanten Torre do Tombo, alle wichtigen staatsrelevanten Urkunden und Verträge des Königreiches, gesammelt wurden.
Da sich das Archiv auf der königlichen Burg befand, war das Archiv zu aller erst ein königliches Archiv, bevor er mit der Zeit zum Nationalarchiv wurde.
Diesen Turm gibt es heute leider nicht mehr, da er beim großen Erdbeben im Jahre 1755 völlig zerstört wurde.
Da damals beim Erdbeben aber kein Feuer in der Burg ausbrach, konnten viele geschichtlich-wertvollen Dokumente gerettet werden und bis in die heutige Zeit überdauern.
Die Tatsache, das die Akten und Dokumente des Nationalarchiv beim großen Erdbeben von 1755 so gut wie keinen Schaden nahmen, bedeutet nicht, das das Nationalarchiv über die Jahrhunderte hinweg nicht schwere Krisen überstehen musste.

Die drei verlustreichsten Episoden des Nationalarchivs waren ohne Zweifel die „Filippinische Zeit“ von 1580 – 1640, als die spanischen Könige Filipp II, Filipp III und Filipp IV über Portugal mit absoluter Macht herrschten, und viele Dokumente, vor allem die der Seefahrt- und Entdeckungszeit, in dieser Zeit ins spanische Nationalarchiv von Madrid verschwanden.
Dann war, wie ich schon erwähnte, das Erdbeben vom 01. November 1755, sehr verlustreich für das Archiv, weil es vollkommen zerstört wurde.
Und als dritte, sehr verlustreiche Episode für das Nationalarchiv, gilt die Flucht der portugiesischen Königsfamilie vor den Truppen Napoleons nach Brasilien, im Jahre 1808.
Damals wurde die portugiesische Hauptstadt von Lissabon nach Rio de Janeiro verlegt, und wie alle anderen politischen und kulturellen Institutionen, so musste auch das Nationalarchiv von Portugal nach Brasilien ziehen. Bei diesem Umzug gingen natürlich immens viele Dokumente und Akten der portugiesischen Geschichte unwiederbringlich verloren.

1755 wurde das Nationalarchiv in die Calçada da Estrela verlegt, in das durch das Erdbeben damals nicht zerstörte Benediktinermünster der Gesundheit (port.: Mosteiro de São Bento da Saúde), dem heutigen Benediktinerpalast (port.: Palácio de São Bento), wo es bis 1990 auch blieb.
Obwohl das Nationalarchiv sich nun in einem anderen Gebäude befand, behielt es den Namen „Torre do Tombo“ bei.

Erst 1991 kam das Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) auf den Campus der Lissabonner Universität.
Dort verteilt er sich auf drei Gebäude und 55.000 m².
In dem einen Gebäude befindet sich die Verwaltung des Nationalarchivs, in einem anderen befindet sich ein Museum, in dem auch kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden, und im dritten Gebäude befindet sich das eigentliche Nationalarchiv, in dem auf über 100 Regalkilometern wichtige und geschichtliche Schriftstücke aufbewahrt werden, darunter ein Dokument aus dem Jahre 882, aus der Maurenzeit also, welches das älteste Schriftstück der Torre do Tombo ist, weiterhin über 400 Papsturkunden, über 40.000 Dokumente aus der Zeit der Seefahrten und Entdeckungen und über 36.000 Akten aus den Zeiten der Inquisition.
Das für einen Portugiesen aber wohl wichtigste Schriftstück, das im Archiv der Torre do Tombo lagert, ist wohl die Päpstliche Bulle „Manifestis probatum“, datiert vom 23. Mai 1179, in der Papst Alexander III (port.: Alexandre III), die Unabhängigkeit Portugals „für immer und unwiderruflich“ anerkennt und bestätigt.