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Sonntag, 17. Mai 2015

Etwas gewöhnungsbedürftig: Kuttel nach Porto-Art


Wie in anderen mediterranen Ländern auch, wird hier in Portugal mittags und abends dem Essen eine große Beachtung geschenkt.
Ob Fleisch- oder Fischgerichte, die portugiesische Küche ist sehr vielfältig, durchaus lecker und obwohl die portugiesischen Nationalgerichte oftmals als sehr einfach gelten, bestehen sie fast immer aus qualitativ hochwertigen Produkten.

Eines der ausgefallensten portugiesischen Gerichte feiert dieses Jahr seinen offiziellen 600. Geburtstag – die „Tripas à moda do Porto“ (dt.: Kutteln nach Porto-Art), in Südportugal oftmals auch unter dem Namen „dobrada“ bekannt.

Zugegebener Maßen, Kutteln sind nicht jedermanns Geschmack – meins ist es jedenfalls nicht! – aber viele meiner Landsleute, vor allem die aus der Stadt Porto und dem nördlichen Portugal, lieben Kutteln so sehr, das sie sie irgendwann zum wichtigsten Bestandteil ihres Stadtgerichts „Tripas à moda do Porto“ machten.

Aber wie wurden aus Kutteln (port.: tripas), die eigentlich nichts anderes als Rindermägen oder –pansen sind und oftmals nur als Hundefutter Verwertung finden, ein hier in Portugal so beliebtes Gericht???

Nun, als am 25 Juli 1415 der damalige König von Portugal, João I, mit einer Armee von 20.000 Mann Lissabon verließ und sich anschickte die damalige Hochburg der arabischen Mauren, die marokkanische Stadt Ceute, zu erobern, wurde er von seinen Brüdern begleitet, unter ihnen auch der junge Infante Henrique, der später unter dem Namen „Heinrich der Seefahrer“ Weltruhm erlangen sollte.

Infante Henrique war im Jahre 1394 als vierter Sohn von König João I und seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) in der Stadt Porto geboren und war seit seinen Kindestagen mit seiner Geburtsstadt immer sehr verbunden.
Diese Bindung war so groß, das König João I, als er für seine Flotte im ganzen Königreich Lebensmittel für die groß angelegte Militäraktion in Marokko zusammentragen ließ, er seinen jüngeren Bruder Henrique darum bat in der Stadt Porto, die schon immer nicht besonders königstreu war, ein gutes Wort bei den Bürgern der Stadt für ihn einzulegen.

Dies tat Henrique auch, und die Bürger von Porto, die ihn schon damals sehr verehrten, trugen im Frühjahr 1415 alles Essbare zusammen, darunter jede Menge Gemüse, Eier, Fisch, Zitrusfrüchte, Getreide und Fleisch – sehr viel Fleisch!
Alles an Fleisch wurde damals mit Salz konserviert und später auf die über 200 Schiffe der Armada gebracht.
Für die Bevölkerung von Porto blieben, so hieß es später, lediglich nur die Innereien übrig.

Mehr gezwungen als freiwillig ihren gewohnten Lebensmitteln beraubt, musste die Stadtbevölkerung nun eine Alternative finden um sich Überbrückungsweise mit hochwertigen Nährstoffen und Proteinen vernünftig zu ernähren.

Und so kam es, der Legende nach, das irgendwann vor 600 Jahren einer oder mehrere Bürger der Stadt Porto auf die Idee kamen, die Rindermägen die ihnen übrig geblieben waren, zu säubern, in kleine Streifen zu schneiden, diese in einen Topf mit Wurst, Speck und weißen Bohnen zu schmeißen und daraus dann eine gastronomischen Besonderheit zu machen.

Die „Tripas à moda do Porto“ sind heute wohl die charakteristischste Spezialität Portos.
Die Bürger von Porto identifizieren sich so sehr mit diesem traditionellen Eintopf, das sie heute voller Stolz den Spitznamen „tripeiros“ (dt.: „Kuttelesser“) tragen und diesen in keinster Weise als Schimpfwort betrachten!


Samstag, 9. August 2014

Feira de São Mateus – ein Volksfest mit Tradition


Dieses Wochenende hat in der nördlich von Lissabon gelegenen Stadt Viseu das traditionsreiche Volksfest Feira de São Mateus (dt.: Matthäusvolksfest) begonnen.
Die Feira de São Mateus, die weit über die Region Viseus hinaus bekannt ist, ist nicht nur der älteste Jahrmarkt Portugals sondern, mit seinen 622 Jahren, auch der älteste Verkaufsmarkt fahrender Händler auf der ganzen Iberischen Halbinsel.

Ihren Ursprung hat die Feira de São Mateus in einem Erlass von König João I aus dem Jahre 1392.
König João I hatte ein Jahr zuvor, 1391, mit seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) aus Évora kommend, in der Stadt Viseu Einzug gehalten.
Hier in Viseu wurde dem Königspaar am 31. Oktober 1391 ein Thronfolger geboren, der spätere König Duarte I.
Aus Anlass dieses freudigen Ereignisses, erlaubte der König im schon erwähnten Erlass vom 10. Januar 1392, den Bürgern der Stadt fortan einen alljährlich stattfindenden steuerfreien Jahrmarkt (port.: feira franca) abzuhalten. Ein „steuerfreier Jahrmarkt“ bedeutete, das alle Bauern und Händler auf alle erwirtschaffteten Einkünfte während der Dauer des Volksfestes keine Steuern zu zahlen brauchten.  Dieser „Steuerfreie Jahrmarkt von Viseu“ (port.: „Feira Franca de Viseu“), so der erste Name des Volkfestes, fand in den ersten Jahren immer im Frühling, um den Tag des Heiligen Sankt Georgs herum statt, und dauerte immer drei bis vier Wochen.

Die Feira war, vom Beginn ihrer Gründung an, wirtschaftlich sehr bedeutsam.
Die umliegenden Bauern boten auf diesem Markt ihre Agrarerzeugnisse und ihr Vieh feil und die örtlichen Händler und Handwerker boten die unterschiedlichsten Waren und Erzeugnisse an. Aber auch viele Fernkaufleute und sogar Mauren aus der Algarve und Nordafrika boten damals die verschiedensten Produkte auf der „Feira Franca“ an.
Wie alle Jahrmärkte zog auch dieser mit der Zeit viele Schausteller, fahrendes Volk, Gaukler, Quacksalber, Wahrsager und Musikanten an.

In der Regentschaft von König Afonso V wurde der Jahrmarkt vom Frühling in den Herbst verlegt, und ab 1475 begann er alljährlich immer am 20. Oktober, dem Tag von Santa Iria (dt.: Heilige Irene von Portugal) und dauerte dann 14 Tage.
Da der Jahrmarkt nun bis in den November hineinreichte und das Wetter im Norden Portugals im Herbst oftmals sehr widrig war und ist, wurde die „Feira Franca die Viseu“ ab 1490 wieder im April veranstaltet.

Erst auf Veranlassung von König Manuel I wurde ab 1501 beschlossen die Feira Franca um den ersten Herbsttag eines jeden Jahres herum, dem 21. September, abhalten zu lassen. Da der 21. September kirchenkalendarisch der Tag des Heiligen Matthäus ist, wurde der Jahrmarkt fortan Feira de São Mateus genannt.

Über fünf Jahrhunderte hinweg konnte sich dieser einstmals so wichtige Jahrmarkt über Wasser halten. Aber Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts, verlor die Feira de São Mateus an Bedeutung. Das ging soweit, dass ab dem Jahre 1916 das Volksfest für neun Jahre nicht mehr abgehalten wurde.
Erst 1925 wurde der Marktbetrieb wieder ins Leben gerufen – seitdem bis heute ohne Unterbrechung!

Heute, 2014, erstreckt sich die Feira de São Mateus über ein Areal von 18.000 km² und hunderte Schausteller, in Portugal „feirantes“ genannt, bieten dort ihre Waren und Dienstleistungen an.
Aber auch der kulturelle Veranstaltungskalender kann sich dieses Jahr sehen lassen. Hierzulande sehr bekannte und beliebte Sänger und Gruppen wie z.B. Xutos & Pontapés, Ana Moura, Tony Carreira, Blind Zero, Paulo Gonzo oder Linda Martini werden dieses Jahr auf der Bühne der Feira de São Mateus 2014 auftreten.
Die diesjährige Feira de São Mateus findet bis zum kommenden 14. September 2014 statt.

Montag, 19. Dezember 2011

Der Vertrag von Windsor


Monarchien und Republiken, Diktaturen und Demokratien, sie alle kommen und gehen.
Und genauso wie all diese politischen Systeme nicht für die Ewigkeit sind, so sind erst recht die Abmachungen, Verträge, Vereinbarungen, Pakte und Deklarationen die die Nationen unter sich vereinbaren, abschließen und ratifizieren oft nichts weiter als unterschriebene, wertlose Papiere, an die sich oftmals leider keiner hält.

Doch es gibt einen Vertrag, an dem sich schon seit über 625 Jahren zwei Nationen eisern halten.
Dieser Vertrag ist der „Vertrag von Windsor“ (port.: „Tratado de Windsor“), der zwischen den zwei Königreichen Portugal und England im Jahre 1386 abgeschlossen wurde.

Der Keim dieses bilateralen Vertrages wurde bereits im Jahre 1373 gelegt, als Portugal und England damals einen Allianzvertrag abschlossen, der vereinfacht besagte, das sich beide Länder verpflichteten niemals Krieg gegeneinander zu führen und das der eine dem anderen im Kriegsfall mit einer dritten Nation beistehen würde.

Zwischen 1383 und 1385 stürzte Portugal in eine tiefe dynastische Krise und der 1373 geschlossene Allianzvertrag kann zum ersten Mal zum tragen.
Bei der Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) standen sich am 15. August 1385 die Truppen Portugals, unter João I de Avis, und die Truppen Kastiliens, unter Juan I, auf einem Feld nördlich von Lissabon feindlich gegenüber.
Die Portugiesen gewannen die Schlacht von Aljubarrota, auch weil sie mit der unverzichtbaren Hilfe Englands bei diesem Konflikt rechnen konnten.
Erst im Jahre 1411 wird Kastilien Portugal als unabhängige Nation im Vertrag von Ayton-Segovia anerkennen.

Als Konsequenz der Schlacht von Aljubarrota und der erfolgreichen gemeinsamen Kriegsführung vereinbaren beide Nationen die Erneuerung der anglo-lusitanischen Allianz.
Am 09. Mai 1386 versichern sich beide Länder auf Schloss Windsor vertraglich ihre „ewigliche unzerbrüchliche Treue und Freundschaft“.

Als letzte Bekräftigung dieses Vertrages, heiratet João I am 02. Februar 1387 die englische Prinzessin Philippa of Lencaster (port.: Filipa de Lencastre).
Philippa war die Tochter von John of Gaunt, dem Duke of Lencaster und Enkelin von Henry III, König von England.
Sie war die Schwester des zukünftigen englisches Königs Henry IV.

Der „Vertrag von Windsor“ ist seit 625 Jahren gültig und kam in vielen Phasen der Geschichte beider Länder zum tragen, so z.B. als England verschiedene anglo-französische Kriege führen musste, als Portugal in mehreren Kriegen mit Spanien verwickelt war, als sowohl Portugal als auch England von napoleonischen Truppen bedroht und besetzt wurden oder als beide Länder im I. und II. Weltkrieg mehr oder weniger involviert waren.

Einige Male wurde der Vertrag aber auch aus politischen Gründen von beiden Seiten auf Eis gelegt.
So wurde z.B. zwischen 1580 und 1640, als Portugal von Spanien in Personalunion regiert wurde, der Vertrag von England ausgesetzt, und diese vertragslose Zeit animierte die Engländer zu mehreren Kriegshandlungen gegen portugiesische Überseegebiete.
1640, nach der erfolgreichen Unabhängigkeitsrevolte von König João VI gegen Spanien, wurde der Vertrag von den Portugiesen wieder eingesetzt.

Der Vertrag von Windsor ist heute das älteste noch existierende diplomatische Bündnis auf der Welt!

Montag, 28. November 2011

Eselsohren: „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“


In der Zeit, in der ich jetzt gezwungen war im Krankenhaus zu liegen, habe ich zwei Bücher gelesen.
Zum einen das Buch „A vida privada dos Braganças“, von den zwei Schriftstellerinnen Ana Cristina Pereira und Joana Troni, das ich immer noch lese, und zuvor den Historienroman „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“, geschrieben von der großen englischen Autorin Isabel Stilwell.

Das Buch von Isabel Stilwill über die ehemalige Königin Filipa von Portugal, hatte ich schon im Jahre 2007, kurz nach seiner Erscheinung, gelesen.
Aber irgendwie konnte ich erst jetzt so richtig in die Geschichte dieses Romans „eintauchen“.

Als ich „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“ zum ersten Mal las, konnte ich mir damals zuerst nicht vorstellen das die vierjährige Philippa in ihrer Zeit so „erwachsen“ denken und handeln konnte, wie am Anfang des Buches beschrieben.
Ich hielt das ganze Werk von Isabel Stilwell einfach zu romantisch und kitschig.

Aber seitdem ich es mit meiner kleinen Nichte Lorena zu tun habe, weiß ich sehr wohl das Kleinkinder „erwachsen“ denken und handeln können – meistens wenn wir es Erwachsene am wenigsten von ihnen erwarten.

Als ich jetzt das Buch zum zweiten Mal las, habe ich es nicht mehr so übertrieben und unrealistisch dargestellt empfunden.
Im Gegenteil, ich glaube jetzt viel mehr über Königin Filipa und ihre Zeit, den damaligen Beziehungen zwischen Portugal und England, die Schlacht von Aljubarrota und die Inclita Geração erfahren zu haben!

Das Buch, das mit deutschem Titel „Philippa von Lancaster – Die Königin die Portugal veränderte“ heißen würde, handelt über die erste und einzige Königin Portugals die im Jahre 1387 aus England kam um hier, an der Seite ihres Mannes, König João I, zu regieren.

Philippa of Lancaster, wie ihr Geburtsname war, wurde im Jahre 1359 auf Lancaster Castle geboren.
Im Alter von 28 Jahren verließ die englische Prinzessin ihr geliebtes England um in der Stadt Porto König João I zu ehelichen.
Sie schenkte dem König und der Nation insgesamt acht Kinder, die so genannte Inclita Geração (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Inclita Geração“ vom 13. Oktober 2011) und sie soll eine gute, liebevolle Mutter und Königin gewesen sein.
Eines dieser Kinder war der weltberühmte Heinrich, der Seefahrer (port.: Henrique, o Navegador).
Sie stirbt am 19. Juli 1415, mit nur 55 Jahren, an der Pest, auch Schwarzer Tod (port.. peste negra) genannt, im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas), bei Lissabon

In ihrem historischen Roman bringt uns die Schriftstellerin und Journalistin Isabel Stilwell diese, für die damalige Zeit sehr kultivierte und couragierte Frau, eindrucksvoll näher.

Erschienen ist das Buch „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“ bereits im Jahre 2007, im portugiesischen Verlag „Esfera dos Livros“.

Dienstag, 5. Juli 2011

Palácio dos Santos


Im Lissabonner Stadtteil Santos, durch den ich jeden Tag auf dem Weg zu Arbeit fahren muss, liegt ein prachtvoller Palast, welches durch die französische Trikolore im Palastgarten, seine heutige Bestimmung jedermann von weitem anzeigt.
Es handelt sich bei diesem Stadtpalast um den Sitz des französischen Botschafters in Portugal, Monsieur Pascal Teixeira da Silva, einem portugiesischstämmigen Franzosen.

Der Palácio dos Santos (dt.. Palast der Heiligen), wie er im Volksmund heißt, liegt auf einer Anhöhe im gleichnamigen Stadtteil Santos.
Dank seiner privilegierten Lage am Ufer des Tejo, wurde die Anhöhe auf dem heute der Palast steht, schon zur Zeit der Römer besiedelt.

Den Namen „Santos“ (dt.: „Heilige“) hat das Stadtteil von den Geschwistern Veríssimo, Máxima und Julia, die während der Regierungszeit Kaiser Diokletian, um 300 n. Ch. den Märtyrertod starben, und dessen Leichen, der Sage nach, in einem Boot hier an das Lissabonner Ufer angespült wurden.
Die Geschwister wurden für heilig gesprochen und in einer kleinen Kapelle, die sich ursprünglich an der Stelle befand, an der heute die Alte Kirche Igreja dos Santos-o-Velho steht, beigesetzt.
Den römischen Geschwistern verdankt dieser Lissabonner Stadtteil also seinen Namen.
Im 12. Jahrhundert wurde anstelle der Kapelle ein Kloster errichtet, in dem vor allem Witwen und Töchter des kleinen Adels unterkamen.

Nachdem der Orden das Kloster im Jahre 1490 verließ und in ein neues umzog, wurden sowohl das Kloster als auch die zu ihm gehörenden Ländereien am Ufer des Tejo an Fernão Lourenço vermietet. Er war ein sehr wohlhabender Bankier, der die wichtigsten portugiesischen See- und Entdeckungsreisen seiner Zeit finanzierte.

Nach dem Tod Fernão Lourenços im Jahre 1497 zieht König Manuel I als neuer Mieter in das Gebäude ein, und so wird aus dem ehemaligen Kloster und späteren Bürgerhaus ein königlicher Wohnsitz, so königlich das in seinen Mauern sogar König Manuel I die spanische Infantin Isabella, die Tochter der Katholischen Könige, ehelicht.

König Manuel I zieht später in dem von ihm neu erbauten Palácio da Ribeira um.
Dafür zieht sein Urenkel, der spätere König Sebastião I, in den Palácio dos Santos ein. Er verbringt sein ganzes kurzes Leben in dem Palast, bis er im Jahre 1578, erst 24jährig, im marokkanischen Alcácer Quibir in einer Schlacht fällt.
Der Geschichte nach soll D. Sebastião I im August 1578 im Palastgarten von Santos, auf dem weißen Marmortisch der heute noch dort steht, seine letzte Mahlzeit auf portugiesischem Boden zu sich genommen haben, bevor er nach Marokko segelte.

Nach dem Tod des jungen Königs wird der Edelmann Luis de Lencastre, ein Nachfahre der großen Königin Philippa of Lancaster, der neue Mieter des Stadtpalais.
Im Jahre 1629 erwirbt sein Sohn Francisco Luis de Lencastre das ehemalige Kloster käuflich vom Orden und ab dieser Zeit wird der Palast unter dem Namen Palácio dos Lencastre bekannt.
Im Besitz der Familie Lencastre sollte der Palast dann auch bis zum Jahre 1909 bleiben.

Durch die Jahrhunderte hinweg wird der Palast durch die neuen Eigentümer mehrmals renoviert.
Anfang des 18. Jahrhunderts werden die Palastkapelle und das Hauptgebäude des Palastes von dem Architekten João Antunes völlig neu gestaltet und der Palast auf seine heutige Größe erweitert.
Die nahe Kirche Igreja dos Santos-o-Velho wurde ebenfalls durch den Architekten João Antunes renoviert.

Im Jahre 1711 geht Pedro de Lencastre, der damalige Besitzer des Palastes, die Ehe mit Maria Sofia de Lorena, der Tochter von Rodrigo de Sá Menezes, dem Marquis von Abrantes (port.: Marquês de Abrantes), ein.
Mit dieser Heirat zieht auch die Kunst in den Palácio dos Santos ein.
Während die ehemaligen Besitzer mehr Wert auf das Äußere des Gebäudes gaben, konzentriert sich der neue Besitzer Pedro de Lencastre verstärkt auf die Inneneinrichtung.
Die meisten Zimmer und Salons lässt er mit Kacheln und Fresken ausgekleidet und mit wertvollen Möbelstücken, die heute noch dort existieren, dekorieren.
Im Porzellansaal (port.: Sala de Porcelana), dem schönsten und originellsten Saal des Palastes, lässt Pedro de Lencastre z.B. eine pyramidenförmige Decke aus reinstem Porzellan anfertigen.

Am 01. November 1755 ereignet sich das große Erdbeben von Lissabon.
Dem Beben folgen riesige Tsunamiwellen die die Lissabonner Altstadt völlig zerstören.
Man weiß heute nicht mehr mit Sicherheit genau, inwieweit das Palastgebäude bei diesem großen Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Aber da der Stadtteil Santos im Allgemeinen zu den weniger zerstörten der Stadt gehörte, geht man davon aus, dass die Schäden eher geringfügig waren.
Was man mit Sicherheit heute belegen kann, ist die Tatsache, dass man anhand von Registrierungen weiß, dass viele Mitglieder der Familie Lencastre nach dem großen Beben im Palast Zuflucht gesucht und auch gefunden haben.

Als die zweite Herzogin von Abrantes (port.: Duquesa de Abrantes) 1780 kinderlos stirbt, erben die Mitglieder der Familie Lencastre den Adelstitel Abrantes.
Ab dieser Zeit ist der Palast auch unter dem Namen Palácio dos Abrantes bekannt.

Zwischen den Jahren 1841 und 1849 vermietet der damalige Besitzer des Plastes, Pedro de Lencastre, das Gebäude an Marie Amélie de Beauharnais, der Witwe des ehemaligen Kaisers von Brasilien, Pedro I.
Marie Amélie de Beauharnais wird die erste französische Bewohnerin des Hauses.

Im Jahre 1870, nach dem Tod von José de Lencastre, dem Bruder von Pedro de Lencastre, wird das Gebäude erneut vermietet. Diesmal an den französischen Botschafter in Portugal, den Grafen Armand (port.: Conde Armand), der aus dem Palast seinen Amts- und Wohnsitz macht.
Am 14. August 1909 verkauft João de Lancastre den Palast, nachdem dieser über 300 Jahren im Familienbesitz war, an den französischen Staat.
1937 zieht das Französische Sprachinstitut (port.: Instituto Francês / fr.: Institute Francais) in den Westflügel des Palastes ein.

Heute ist der Palácio dos Santos, der vor kurzem für 3 Millionen Euro restauriert wurde und eines der schönsten Königspaläste Portugals ist, nicht mehr Wohnsitz, sondern nur noch Amtssitz des französischen Botschafters.
Französische Diplomaten, die hier in Lissabon akkreditiert sind und waren, bezeichnen den Palast als die drittschönste Botschaft Frankreichs auf der Welt, gleich nach denen in Rom und Prag.
Nach Informationen der französischen Botschaft sind derzeit ca. 15.000 Franzosen in Portugal registriert.
Davon leben etwa 9.000 im Großraum Lissabon, etwa 6.000 in Porto und schätzungsweise 1.000 an der Algarve.

Vom Botschaftsgarten hat man, wenn die Botschaft einem die Gelegenheit dazu gibt, einen wunderschönen Blick über den Tejo und die andere Flussseite.
Leider öffnet die Botschaft, aus Sicherheitsgründen, nur selten ihre Pforten.
Eines der Tage an denen man sowohl den Palastgarten als auch einige Räume des Palastes besichtigen kann, ist jedes Jahr am 18. Mai, dem Internationalen Tag des Museums.
Leider war mir, krankheitsbedingt, ein Besuch in diesem Jahr nicht möglich.
Aber ich nehme es mir für das nächste Jahr ganz fest vor!

Samstag, 24. April 2010

Internationaler Tag des Buches


Gestern, am 23. April, feierten wir den Internationalen Tag des Buches (port.: Dia Internacional do Livro / engl.: World Book Day).
Dieser Tag wurde von der UNESCO im Jahre 1995 ausgewählt und anerkannt, um weltweit die Kultur des Lesens, und die Bücher zu überhaupt, zu ehren.
Der 23. April ist der Tag des Heiligen Sankt Georg.
An diesem Tag, so eine alte Tradition, werden Bücher verschenkt.

So bin ich gestern in den Chiado gegangen, in die Livraria Bertrand, und habe mich mit dem Kauf des Buches „Amantes dos Reis de França“ von den Schriftstellerinnen Ana Cristina Pereira und Joana Troni selbst beschenkt, und somit die Tradition fortgeführt.

Ich habe noch nicht angefangen das Buch zu lesen.
Deshalb weiß ich nicht genau was mich literarisch erwartet.
Aber um den Welttag des Buches zu ehren, hier eine Liste der, für mich, zehn besten Bücher, die ich in den letzten 12 Monaten gelesen habe:

- „Se as Jóias Falassem“ von Eduardo Alves Marques

- „Dramatische Verwechslung“ von Mark Tabb

- „Blutiges Erwachen“ von Roger Smith

- „Catarina de Bragança“ von Isabel Stilwell

- „ Auf den Spuren der Sehnsucht“ von Gerhard Nehls

- „JK, o artista do impossível“ von Claudio Bojunga

- „Großmama packt aus“ von Irene Dische

- „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Allen & Barbara Pease

- „Império à deriva“ von Patrick Wilcken

- „Filipa de Lencastre“ von Isabel Stilwell