Posts mit dem Label Heinrich der Seefahrer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Heinrich der Seefahrer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 17. Mai 2015

Etwas gewöhnungsbedürftig: Kuttel nach Porto-Art


Wie in anderen mediterranen Ländern auch, wird hier in Portugal mittags und abends dem Essen eine große Beachtung geschenkt.
Ob Fleisch- oder Fischgerichte, die portugiesische Küche ist sehr vielfältig, durchaus lecker und obwohl die portugiesischen Nationalgerichte oftmals als sehr einfach gelten, bestehen sie fast immer aus qualitativ hochwertigen Produkten.

Eines der ausgefallensten portugiesischen Gerichte feiert dieses Jahr seinen offiziellen 600. Geburtstag – die „Tripas à moda do Porto“ (dt.: Kutteln nach Porto-Art), in Südportugal oftmals auch unter dem Namen „dobrada“ bekannt.

Zugegebener Maßen, Kutteln sind nicht jedermanns Geschmack – meins ist es jedenfalls nicht! – aber viele meiner Landsleute, vor allem die aus der Stadt Porto und dem nördlichen Portugal, lieben Kutteln so sehr, das sie sie irgendwann zum wichtigsten Bestandteil ihres Stadtgerichts „Tripas à moda do Porto“ machten.

Aber wie wurden aus Kutteln (port.: tripas), die eigentlich nichts anderes als Rindermägen oder –pansen sind und oftmals nur als Hundefutter Verwertung finden, ein hier in Portugal so beliebtes Gericht???

Nun, als am 25 Juli 1415 der damalige König von Portugal, João I, mit einer Armee von 20.000 Mann Lissabon verließ und sich anschickte die damalige Hochburg der arabischen Mauren, die marokkanische Stadt Ceute, zu erobern, wurde er von seinen Brüdern begleitet, unter ihnen auch der junge Infante Henrique, der später unter dem Namen „Heinrich der Seefahrer“ Weltruhm erlangen sollte.

Infante Henrique war im Jahre 1394 als vierter Sohn von König João I und seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) in der Stadt Porto geboren und war seit seinen Kindestagen mit seiner Geburtsstadt immer sehr verbunden.
Diese Bindung war so groß, das König João I, als er für seine Flotte im ganzen Königreich Lebensmittel für die groß angelegte Militäraktion in Marokko zusammentragen ließ, er seinen jüngeren Bruder Henrique darum bat in der Stadt Porto, die schon immer nicht besonders königstreu war, ein gutes Wort bei den Bürgern der Stadt für ihn einzulegen.

Dies tat Henrique auch, und die Bürger von Porto, die ihn schon damals sehr verehrten, trugen im Frühjahr 1415 alles Essbare zusammen, darunter jede Menge Gemüse, Eier, Fisch, Zitrusfrüchte, Getreide und Fleisch – sehr viel Fleisch!
Alles an Fleisch wurde damals mit Salz konserviert und später auf die über 200 Schiffe der Armada gebracht.
Für die Bevölkerung von Porto blieben, so hieß es später, lediglich nur die Innereien übrig.

Mehr gezwungen als freiwillig ihren gewohnten Lebensmitteln beraubt, musste die Stadtbevölkerung nun eine Alternative finden um sich Überbrückungsweise mit hochwertigen Nährstoffen und Proteinen vernünftig zu ernähren.

Und so kam es, der Legende nach, das irgendwann vor 600 Jahren einer oder mehrere Bürger der Stadt Porto auf die Idee kamen, die Rindermägen die ihnen übrig geblieben waren, zu säubern, in kleine Streifen zu schneiden, diese in einen Topf mit Wurst, Speck und weißen Bohnen zu schmeißen und daraus dann eine gastronomischen Besonderheit zu machen.

Die „Tripas à moda do Porto“ sind heute wohl die charakteristischste Spezialität Portos.
Die Bürger von Porto identifizieren sich so sehr mit diesem traditionellen Eintopf, das sie heute voller Stolz den Spitznamen „tripeiros“ (dt.: „Kuttelesser“) tragen und diesen in keinster Weise als Schimpfwort betrachten!


Mittwoch, 22. April 2015

Tomar






Das reizvoll in der mittelportugiesischen Landschaft Ribatejo, unweit nördlich vom Tejo, am Fluss Nabão gelegene Städtchen Tomar hat knapp 41.000 Einwohner und ist vor allem wegen seines mächtigen Ordenskloster der Christusritter, das seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe ist, bekannt.

Das Flüsschen Nabão teilt das recht ansprechende Städtchen in einen westlichen und einen östlichen Teil.
Das historische Zentrum befindet sich westlich des Flusses, rund um die Praça da República.
An diesem zentralen Platz, an dem ein Denkmal für den Stadtgründer Gualdim Pais steht, befindet sich die um 1490 erbaute Kirche São João Baptista mit ihrem wunderschönen, zierlichen manuelistischen Portal.
Vor dieser Kirche beginnt das nur alle vier Jahre stattfindende größte Stadtfest von Tomar, die „Festa dos Tabuleiros“ (port.: Fest der Präsentierplatten), mit einem traditionellen Volksfestumzug.

Bei dieser religiösen Prozession ziehen weißgekleidete Mädchen und Frauen durch die Straßen der Altstadt und balancieren auf ihren Köpfen hohe Präsentierplatten (port.: tabuleiros), auf denen sich immer 30 Brotlaibe türmen, die mit Ähren, bunten Papierblumen, Klatschmohn und Weinlaub geschmückt sind. Jeder „tabuleiro“ hat in der Regel die Höhe des Mädchens, das ihn auf den Kopf trägt.
Mit diesem Fest soll an die Zeremonie erinnert werden, mit der im 14. Jahrhundert vom Heilig-Geist-Orden Lebensmittel bei Prozessionen an die Armen verteilt wurden.

Etwas südlich von der Praça da República steht die aus dem 15. Jahrhundert stammende alte Synagoge im alten Judenviertel (port.: judiaria), indem sich das kleine jüdische Museum Abraão Zacuto (port.: Museu Luso-Hebraico Abraão Zacuto) befindet, das nach Abraham ben Samuel Zacuto, dem jüdischen Astronomen von König João II, benannt ist. Tomar gehört heute, auf Grund seiner jüdischen Geschichte, der „Rede de Judiarias“ an, einer Gruppe von historischen portugiesischen Stätten mit ehemals bedeutenden jüdischen Gemeinden, zu denen z.B. auch die Städte Belmonte, Évora, Lamego und Trancoso gehören.

Östlich von der Synagoge überquert die Ponte Velha (port.: Alte Brücke) den Rio Nabão.
In einer Sandbank des Flusses wurde der hübsche Park do Mouchão angelegt, in dessen Umgebung sich die Kirche Igreja de Santa Maria do Olival befindet, die lange Zeit Sitz des großen Ordenskapitels und Mutterkirche aller Ordenskirchen in Portugal und all seinen Kolonien war. Das Innere der ehemaligen Templerkirche entstammt überwiegend aus der Renaissancezeit und in ihr befinden sich die Gräber zahlreicher Ordensmeister und Ritter, auch das des Großmeisters und Stadtgründers Gualdim Pais.

Unweit der Kirche Igreja de Santa Maria do Olival führt, an der alten Kapelle Eremida de Nossa Senhora da Conceição vorbei, eine kurvenreiche Straße hinauf zur Christusritterordensburg (port.: Convento da Ordem de Cristo), der wohl bedeutendsten Sehenswürdigkeit der Stadt Tomar.

Der Christusritterorden (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) wurde einstmals von den Templern zur „Verteidigung des Glaubens und zur Bekämpfung der Mauren“ als Templerorden im Jahre 1118 infolge des Ersten Kreuzzuges gegründet. Der Templerorden war der erste Orden der die bis dahin streng getrennten Stände der Mönche und Ritter miteinander verband.
Im Jahre 1159 siedelte sich der Templerorden unter seinem vierten Großmeister Gualdim Pais, einem Ritter der mit König Afonso Henriques in der Schlacht von Ourique gegen die Mauren gekämpft hatte, in Portugal an.
Gualdim Pais war es dann auch der ein Jahr drauf, 1160, hoch über dem rechten Ufer des Nabão eine Burg erbauen ließ – dies war die Geburtsstunde von Tomar.
Im Jahre 1312 wurde der Orden durch fadenscheinigen Anschuldungen des französischen Königs Philipp IV von Papst Clemens V aufgelöst und verboten.

Nach dem päpstlichen Verbot des Templerordens, der auch in Portugal befolgt werden musste, gründete im Jahre 1317 der portugiesische König Dinis den Christusritterorden. Vor allem französische Mitglieder des verbotenen Templerordens die vor König Philipp IV nach Portugal geflohen waren fanden in dem neuen Orden Zuflucht. Recht schnell erlangte der Christusritterorden an Bedeutung und vor allem unter den späteren Großmeistern Heinrich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) und König Manuel I hatte der Orden seine Glanzzeit.

Mit Mitteln des Ordens – die Güter und Reichtümer des ehemaligen Templerordens waren fast alle auf den Christusritterorden übertragen worden – wurden Entdeckungsexpeditionen an die Westküste Afrikas entsandt und damit die Kolonialerwerbung der europäischen Völker eingeleitet. Unter König Manuel I, Großmeister ab 1484, bildeten die Christusritter mit ihren Besitzungen in Afrika und Ostindien den reichsten Orden der Christenheit.

Die hoch über Tomar thronende Christusritterordensburg besteht heute aus mehreren stattlichen Bauten des 12. bis 17. Jahrhunderts, von dem einer der wichtigsten wohl die zinnengekrönte achteckige Templerkirche ist, mit deren Bau im Jahre 1162 begonnen und die nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem errichtet wurde. Der überreiche Innenschmuck dieser Kirche – vergoldete Holzschnitzereien, Fresken und Statuen – stammt fast ausnahmslos aus dem 16. Jahrhundert.

Die an die Templerkirche angrenzende Christusritterkirche, mit deren Bau 1515 nach Plänen von João de Castilho – dem Baumeister der später auch am Hieronymuskloster in Lissabon und dem Kloster von Batalha mitgewirkt hat – begonnen wurde, gilt als eines der hervorragendsten Baudenkmäler manuelistischen Stils in Portugal. Das Äußere der Kirche ist über und über mit Schmuckwerk und Statuen beladen und vor allem das weltberühmte prunkvolle „Fenster von Tomar“ (port.: Janela de Tomar) des alten Kapitelsaals zeigt den manuelistischen Stil in seiner schönsten Vollendung.
Die Prachtentfaltung der Templerburg drückt sich ohne Zweifel vor allem in der Architektur der insgesamt acht Kreuzgänge (port.: claustros) aus, die man hier findet.

Da wäre zum einen der älteste Kreuzgang der Templerburg, der Claustro do Cemitério (dt.: Friedhofskreuzgang), der aus der Zeit des Großmeisters Heinrich dem Seefahrer stammt und mit wunderschönen Fliesen im Mudejarstil ausgestattet ist. In diesem Kreuzgang wurden einstmals traditionell die Ritter und Mönche des Christusordens bestattet.

Östlich neben dem Friedhofskreuzgang befindet sich der zweistöckige Claustro da Lavagem (dt.: Kreuzgang der Waschungen), ein weiterer Kreuzgang aus der Zeit des Großmeisters Heinrich des Seefahrers. In ihm fanden früher immer die religiösen Waschungen der Rittermönche statt.

Ein weiterer Kreuzgang der Templerburg ist der Claustro da Hospedaria (dt.: Kreuzgang der Beherbergung). Wie der Name schon andeutet war dieser Kreuzgang dazu bestimmt, die Personen zu beherbergen, die damals das Kloster als Besucher aufsuchten und dort verweilten.

In der Vorhalle des vom Architekten João de Castilho erbauten Claustro da Micha (dt.: Kreuzgang des Brotes) wurde einstmals das Brot an die Armen verteilt.

Der Claustro dos Corvos (dt.: Kreuzgang der Raben), der früher die Klosterküche beherbergte, ist der einzige Kreuzgang der Mönchsburganlage mit einem Garten.

Ein anderer Kreuzgang auf der Klosterburg ist der überaus prachtvolle Bau des  Claustro dos Filipes (dt.: Philippkreuzgang). Der Kreuzgang verfügt über zwei Stockwerke und von der Terrasse hat man einen grandiosen Überblick über die gesamte Klosteranlage. Hier im Claustro dos Filipes wurde im Jahre 1580 der spanische Monarch Felipe II als Filipe I zum König von Portugal gekrönt.

Vom Claustro dos Filipes gelangt man in den Claustro de Santa Barbara (dt.: Sankt-Barbara-Kreuzgang). Dieser kleine Kreuzgang wurde im Auftrag von König Manuel I im Stil der Frührenaissance erschaffen. Von der Terrasse dieses zweistöckigen Kreuzganges hat man den besten Nahblick auf das schon erwähnte prächtige manuelistische Fenster des Kapitelsaals der Christuskirche.
Das Fenster wird von zwei mächtigen Strebepfeilern, Tauwerk, Knoten, Bändern und vielem anderem, vor allem mit dem Motiv Meer verbundenem steinernem Schmuckwerk umgeben. Das portugiesische Wappen oberhalb des Fensters überragt heute noch das Kreuz der Christusritter.

Ein weiterer Kreuzgang ist der Claustro de João III (dt.: Kreuzgang von João III). Der Bau dieses Kreuzganges wurde unter König João III begonnen und erst unter dem Spanier Felipe II, der gleichzeitig auch König von Portugal war, und seinen Lieblingsarchitekten Filippo Terzi beendet. Filippo Terzi war auch der Baumeister der 6 km langen Wasserleitung Aqueduto dos Pegões, der die Klosterburg und die Stadt mit Wasser versorgte.

Im Jahre 1523 wurde der Christusritterorden auf Befehl von König João III zu einem reinen Mönchsorden. Die politische Bedeutung des Ordens nahm in den folgenden Jahrhunderten rapide ab, bis er im Zuge der Säkularisierung, aufgelöst wurde.
Der religiöse Orden wurde zwar aufgegeben, aber der Christusorden besteht seit 1834 als politische Auszeichnung für verschiedene Verdienste heute immer noch und ist der höchste Verdienstorden den Portugal aktuell zu vergeben hat.
Deutsche Träger des portugiesischen Christusordens waren und sind u. a. Alexander von Humboldt, Konrad Adenauer, Heinrich von Brentano, Gerhard Schröder und Hans-Diedrich Genscher.

Tomar ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.
Aber vor allem jetzt im Frühsommer, wenn es überall in der Stadt blüht und duftet, ist die Stadt am Ufer des Rio Nabão ein wundervolles Erlebnis für Augen und Sinne.

Dieses Jahr findet vom 04. bis zum 13. Juni das nur alle vier Jahre stattfindende und hier am Anfang dieses Textes schon erwähnte berühmte Stadtfest „Festa dos Tabuleiros“ statt, eine Festivität voll religiösem Brauchtum, geschichtlicher Tradition und gut gelaunten Menschen jeden Alters.
Zum Abschluss ein Link von den Festlichkeiten der letzten „Festa dos Tabuleiros“ im Jahre 2011, aufgenommen von dem von mir sehr geschätzten Antonio Rovisco:



Montag, 28. November 2011

Eselsohren: „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“


In der Zeit, in der ich jetzt gezwungen war im Krankenhaus zu liegen, habe ich zwei Bücher gelesen.
Zum einen das Buch „A vida privada dos Braganças“, von den zwei Schriftstellerinnen Ana Cristina Pereira und Joana Troni, das ich immer noch lese, und zuvor den Historienroman „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“, geschrieben von der großen englischen Autorin Isabel Stilwell.

Das Buch von Isabel Stilwill über die ehemalige Königin Filipa von Portugal, hatte ich schon im Jahre 2007, kurz nach seiner Erscheinung, gelesen.
Aber irgendwie konnte ich erst jetzt so richtig in die Geschichte dieses Romans „eintauchen“.

Als ich „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“ zum ersten Mal las, konnte ich mir damals zuerst nicht vorstellen das die vierjährige Philippa in ihrer Zeit so „erwachsen“ denken und handeln konnte, wie am Anfang des Buches beschrieben.
Ich hielt das ganze Werk von Isabel Stilwell einfach zu romantisch und kitschig.

Aber seitdem ich es mit meiner kleinen Nichte Lorena zu tun habe, weiß ich sehr wohl das Kleinkinder „erwachsen“ denken und handeln können – meistens wenn wir es Erwachsene am wenigsten von ihnen erwarten.

Als ich jetzt das Buch zum zweiten Mal las, habe ich es nicht mehr so übertrieben und unrealistisch dargestellt empfunden.
Im Gegenteil, ich glaube jetzt viel mehr über Königin Filipa und ihre Zeit, den damaligen Beziehungen zwischen Portugal und England, die Schlacht von Aljubarrota und die Inclita Geração erfahren zu haben!

Das Buch, das mit deutschem Titel „Philippa von Lancaster – Die Königin die Portugal veränderte“ heißen würde, handelt über die erste und einzige Königin Portugals die im Jahre 1387 aus England kam um hier, an der Seite ihres Mannes, König João I, zu regieren.

Philippa of Lancaster, wie ihr Geburtsname war, wurde im Jahre 1359 auf Lancaster Castle geboren.
Im Alter von 28 Jahren verließ die englische Prinzessin ihr geliebtes England um in der Stadt Porto König João I zu ehelichen.
Sie schenkte dem König und der Nation insgesamt acht Kinder, die so genannte Inclita Geração (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Inclita Geração“ vom 13. Oktober 2011) und sie soll eine gute, liebevolle Mutter und Königin gewesen sein.
Eines dieser Kinder war der weltberühmte Heinrich, der Seefahrer (port.: Henrique, o Navegador).
Sie stirbt am 19. Juli 1415, mit nur 55 Jahren, an der Pest, auch Schwarzer Tod (port.. peste negra) genannt, im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas), bei Lissabon

In ihrem historischen Roman bringt uns die Schriftstellerin und Journalistin Isabel Stilwell diese, für die damalige Zeit sehr kultivierte und couragierte Frau, eindrucksvoll näher.

Erschienen ist das Buch „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“ bereits im Jahre 2007, im portugiesischen Verlag „Esfera dos Livros“.

Dienstag, 9. August 2011

Cognomen


Der wohl berühmteste Träger eines Beinamen hier in Portugal ist Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador).
Ohne den Namenszusatz „der Seefahrer“ währe Heinrich der Seefahrer nichts weiter als einer von vielen Heinriche die es auf der Welt gibt.
Erst der Beiname „der Seefahrer“ machen aus diesem Infanten aus dem Hause Avis, jemand unverwechselbares und einzigartiges.

Der Beiname (port.: cognome / lat.: cognomen) ist ein schon in der Römerzeit verwendeter Namenszusatz, der dazu diente die verschiedenen Träger eines und des selben Vornamens, voneinander zu unterscheiden.
Eigentlich war der „cognomen“ ursprünglich ein Beiname der seinen Träger wenig schmeichelte, ja sogar verspottete.
Doch mit der Zeit wurden die Beinamen zu richtigen Titeln.
Da es in Portugal bis in ins 13. Jahrhundert hinein keine Nachnamen gab, sondern nur Vornamen, wurde aus dem Beinamen vieler Personen mit der Zeit auch deren Nachnamen.

Vor allem die Monarchen, und das nicht nur hier in Portugal, erhielten mit der Zeit Beinamen die sie charakterisierten oder aber auch, wie ich schon erwähnte, verspotteten.
Mit den Jahrhunderten wurden die „cognomen“ zu so etwas wie die Spitznamen der Edelleute.

Nicht immer war das Volk bei der Namensgebung der „cognomen“ schmeichelhaft.
So wurde z.B. der portugiesische König Afonso II lächerlich gemacht, in dem man ihn „den Dicken“ nannte, obwohl nicht übermäßiges Essen für seine Leibesfülle verantwortlich war, sondern eine Art von Lepra.
Pedro I wurde wenig schmeichelhaft „der Stotterer“ genannt, Fernando I war „der Wankelmütige“, João II „der Tyrann“ und Königin Maria II musste sich sogar den Beinamen „die Wahnsinnige“ gefallen lassen.

Anbei nun eine Liste all der Beinamen, die portugiesischen Könige über die Jahrhunderte hinweg, als „cognomen“ vom Volk erhielten:

• Afonso I Henriques – „O Conquistador“ (dt.: der Eroberer), „o Fundador“ (dt.: der Gründer) und „o Grande“ (dt.: der Große)

• Sancho I – „O Povoador“ (dt.: der Bevölkerer“)

• Afonso II – „O Gordo“ (dt.: der Dicke), „o Crasso“ (dt.: der Grobe) und „o Legislador“ (dt.: der Gesetzgeber)

• Sancho II – „O Capelo“ (dt.: der Kaplan) und „o Piedoso“ (der Fromme)

• Afonso III – „O Bolonhês“ (dt.: der Bolognese)

• Dinis I – „O Lavrador“ (dt.: der Landwirt), „o Tovador“ (dt.: der Troubadour), „o Rei-Poeta“ (dt.: der Poetenkönig) und „o Rei-Agricultor“ (dt.: der Bauernkönig)

• Afonso IV – „O Bravo“ (dt.: der Tapfere)

• Pedro I – „O Justiceiro“ (dt.: der Gerechte), „o Cru“ (dt.: der Rohe), „o Cruel“ (dt.: der Grausame), „o Tartamudo“ (dt.: der Stotterer), „o Apaixonado“ (dt.: der Verliebte) und „o Até-ao-fim-do-mundo“ (dt.: der Bis-ans-Ende-der-Welt)

• Fernando I – „O Formoso“ (dt.: der Schöne), „o Inconstante“ (dt.: der Wankelmütige) und „o Inconsciente“ (dt.: der Unverantwortliche)

• João I – „O de Boa Memória“ (dt.: der mit der Guten Erinnerung)

• Duarte I – „O Eloquente“ (dt.: der Beredete) und „o Filósofo“ (dt.: der Philosoph)

• Afonso V – „O Africano“ (dt.: der Afrikaner)

• João II – „O Princípe Perfeito“ (dt.: der Perfekte Prinz) und „o Tirano“ (dt.: der Tyrann)

• Manuel I – „O Venturoso“ (dt.: der Glückliche) und „o Afortonado“ (dt.: der Glückspilz)

• João III – „O Piedoso“ (dt.: der Fromme)

• Sebastião I – „O Desejado“ (dt.: der sehnsüchtig Erwartete)

• Henrique I – „O Casto“ (dt.: der Keusche“) und „o Cardeal-Rei“ (dt.: der Kardinalkönig)

• Filipe I (Philipp II von Spanien) – „O Prudente“ (dt.: der Kluge)

• Filipe II (Philipp III von Spanien) – „O Pio“ (dt.: der Gutherzige)

• Filipe III (Philipp IV von Spanien) – „O Grande“ (dt.: der Große)

• João IV – „O Restaurador“ (dt.: der Wiederhersteller oder der Erneuerer)

• Afonso VI – „O Vitorioso“ (dt.: der Siegreiche) und „o Prisioneiro“ (dt.: der Gefangene)

• Pedro II – „O Pacífico“ (dt.: der Friedliebende)

• João V – „O Magnânimo“ (dt.: der Großherzige“) und „o Rei-Sol-Portugues“ (dt.: der portugiesische Sonnenkönig)

• José I – „O Reformador“ (dt.: der Reformer)

• Maria I – „A Piedosa“ (dt.: die Fromme) und „a Louca“ (dt.: die Wahnsinnige)

• João VI – „0 Clemente“ (dt.: der Milde)

• Pedro IV – „O Libertador“ (dt.: der Befreier) und „o Rei-Soldado“ (dt.: der Soldatenkönig)

• Maria II – „A Educadora“ (dt.: die Erzieherin) und „a Boa-Mãe“ (dt.: die Gute Mutter)

• Pedro V – „O Esperançoso“ (dt.: der Hoffnungsvolle) und „o Muito-Amado“ (dt.: der Vielgeliebte)

• Luis I – „O Popular“ (dt.: der Volksnahe), „o Bom“ (dt.: der Gute) und „o Rei-Marinheiro“ (dt.: der Matrosenkönig)

• Carlos I – „O Diplomata“ (dt.: der Diplomat), „o Mártir“ (dt.: der Märtyrer), „o Oceanógrafo“ (dt.: der Ozeanograph) und „o Rei-Pintor“ (dt.: der Malerkönig)

• Manuel II – „O Patriota“ (dt.: der Patriot)

Die „cognomen“ die ich hier aufgeführt habe, sind sozusagen die offiziellen Beinamen der portugiesischen Monarchen gewesen.
Es gab auch inoffizielle „cognomen“ die aber niemals so charakteristisch für ihre Träger waren, und dementsprechend auch niemals so bekannt wurden, wie die die ich hier aufgezählt habe.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Padrão dos Descobrimentos






Der Diktator António de Oliveira Salazar sagte einmal die bedeutenden Worte:

„Unsere glorreiche Vergangenheit als Portugiesen lastet schwer auf unserer Gegenwart“.

Nun, die Wort Salazars wogen einmal viel.
In der heutigen Zeit aber, haben nur noch seine Denkmäler Gewicht, viele von ihnen sogar mehr Gewicht als Zierde.
Der Padrão dos Descobrimentos (dt.: Denkmal der Entdeckungen) aber ist eine Ausnahme.

Zum 500. Todestag von Heirich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) im Jahre 1960, gab Salazar dieses Denkmal bei Leopoldo Neves de Almeida, dem offiziellen Architekten des Diktators, in Auftrag.
Neben dem Jachthafen, am Ufer des Tejo, mit dem Hieronymuskloster im Hintergrund und der Torre de Belém nur ein paar hundert Meter weiter, sticht der steinerne Bug eines Segelschiffes majestätisch in den Fluss.

An der Spitze des Denkmals steht Heinrich der Seefahrer, mit einem, für ihn so charakteristischen „Chapéu Bolhones“ (dt.: Bologneser Hut) und einer Karavelle in der Hand.
Hinter dem Navigator sind mehrere Adlige, Kartographen, Kapitäne, Astronomen und Chronisten rechts und links von ihm aufgereiht, so als wären sie alle eine Mannschaft die jeden Augenblick in See stechen will.

Insgesamt sind es 33 Persönlichkeiten aus der Zeit der Entdeckungen, die das riesige Denkmal zieren.
Nur eine von ihnen ist eine Frau, nämlich Königin Filipa de Lencastre, die Mutter von Heinrich dem Seefahrer.
Die 33 historischen Personen, die in Stein gemeißelt, das Denkmal schmücken, sind:

• Infante Henrique (dt.: Heinrich der Seefahrer)
• Infante Pedro (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• Infante Fernando (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• König Afonso V (Bruder von Heinrich dem Seefahrer)
• Königin Filipa de Lencastre (Mutter von Heinrich)
• Fernão Mendes Pinto (Schriftsteller)
• Gonçalo de Carvalho (Mönch)
• Henrique de Carvalho (Mönch)
• Luís de Camões (Portugals berühmtester Dichter)
• Nuno Gonçalves (Maler)
• Gomes Eanes de Azurara (Chronist und Historiker)
• Pêro da Covilhã (Forscher)
• Jehuda Cresques (Kartograph)
• Pêro Escobar (Seefahrer, Entdecker der Goldküste)
• Pedro Nunes (Mathematiker und Astronom)
• Pêro de Alenquer (Seefahrer)
• Gil Eanes (Seefahrer, Entdecker des Kap Bojador)
• João Gonçalves Zarco (Seefahrer, Entdecker Madeiras)
• Vasco da Gama (Entdecker des Seewegs nach Indien)
• Afonso Gonçalves Baldaia (Seefahrer, Entdecker des Goldflusses)
• Pedro Álvares Cabral (Seefahrer, Entdecker Brasiliens)
• Fernão Magalhães (Seefahrer und erster Weltumsegler)
• Nicolau Coelho (Seefahrer und Indienfahrer)
• Gaspar Corte-Real (Seefahrer, Entdecker Neufundlands)
• Martim Afonso de Sousa (Erster Gouverneur von Brasilien)
• João de Barros (Historiker)
• Estêvão da Gama (Seefahrer, Gouverneur von Indien)
• Bartolomeu Dias (Seefahrer, Entdecker des Kaps der Guten Hoffnung)
• Diogo Cão (Seefahrer, Entdecker des Kongos)
• António de Abreu (Seefahrer, Entdecker der Moluken)
• Afonso de Albuquerque (Seefahrer, Militär und Politiker)
• São Francisco Xavier (Missionar, der Heilige Franziskus)
• Cristóvão da Gama (Seefahrer und Kapitän zur See)

Heutzutage ist es verboten das Denkmal als „Kletterburg“ zu benutzen.
Aber in meiner Kindheit bin in ich oft, wenn wir hier in Portugal Urlaub gemacht haben, auf den riesigen Figuren rumgeklettert und habe mich ab und zu auch hinter den Verse haltenden Camões versteckt.

Vor dem Eingang des Denkmals befindet sich auf dem Boden eine riesige Windrose aus marmornen Mosaiksteinen. Die Windrose ist ein Geschenk der Republik Südafrika, anlässlich der Feiern zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer im Jahre 1960, und hat ein Durchmesser von 50 m.
Eine Weltkarte, ebenfalls aus Mosaiksteinen, im Zentrum der Windrose, zeigt die Seerouten und Entdeckerdaten der portugiesischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert.

Von der 52 m hohen Plattform des Denkmals der Entdeckungen hat man, so meine persönliche Meinung, die schönste Sicht auf Lissabon und den Stadtteil Belém.
Leider werden die Besucher, die die Stadt in nächster Zeit besuchen, nicht in den Genuss dieser wunderschönen Aussicht kommen, denn das Denkmal der Entdeckungen wird ab dieser Woche für Besucher, wegen aufwendiger Renovierungs- und Säuberungsarbeiten, geschlossen bleiben.

Mittwoch, 18. November 2009

Du kannst keinen Ozean überqueren, in dem du einfach nur aufs Wasser starrst


„Du kannst keinen Ozean überqueren, in dem du einfach nur aufs Wasser starrst“.

Diese Worte sagte Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) im Jahre 1437 zu seinem Bruder König Duarte I, als dieser noch zauderte, ob er die teuren Entdeckungsfahrten bezahlen sollte, die Heinrich sich in seinem Kopf ausgemalt hatte.

Das Ergebnis kennen wir:
Duarte finanzierte alle Pläne seines Bruders und Portugal wurde daraufhin, dank Heinrich und seinen mutigen Entdeckern, zu der ersten Seefahrernation der Welt.