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Montag, 9. Juni 2014

Setubal


Die an der breiten Mündungsbucht des Flusses Rio Sado gelegene Industrie- und Distrikthauptstadt Setúbal hat den drittgrößten Hafen Portugals und ist Standort bedeutender Fischkonservenfabriken, Werften, Automobilmontagewerken und Salinen.
Die Stadt, die etwa 30 km von der Hauptstadt Lissabon entfernt in der historischen Landschaft Estremadura liegt, entstand vermutlich im 5. Jahrhundert anstelle der weiter südöstlich auf der Halbinsel Troia gelegenen und durch eine Flutkatastrophe vernichtenden römischen Stadt „Cetobriga“. Aber schon Kelten und Phönizier siedelten lange vor den Römern hier an dieser Stelle und lebten vor allem von der damals schon sehr lukrativen Salzgewinnung.

Um 700 n. Chr. siedelten die arabischen Mauren sich in und um Setúbal an, und blieben hier bis ins 13. Jahrhundert hinein.
Erst 1227 eroberte der portugiesische König Afonso II, mit Hilfe von Kreuzrittern die auf dem Weg nach Palästina waren, die Stadt von den Arabern.

Nach der Eroberung durch die Christen wurde Setúbal zunehmend zur wichtigen Hafenstadt, so wichtig, das die Stadt ab 1343 mit einer Stadtmauer befestigt wurde.
Später, zu Zeiten der Eroberungen von Heinrich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador), wurde Setúbal noch wichtiger und die See- und Kaufleute der Stadt brachten es zu stattlichem Reichtum.
Im 15. Jahrhundert war Setúbal unter König João II sogar vorübergehend königliche Residenzstadt.
Von hier aus stach König Afonso V mit einer 25.000 Mann starken Armee im Jahre 1458 in See, um die strategisch bedeutsame arabische Kleinstadt Alcacer Ceguer (marok.: Ksar es-Seghir) an der Straße von Gibraltar zu erobern – was ihm auch gelang.
Afonso V hatte die Idee von Alcacer Ceguer aus ganz Nordafrika zu erobern, eine Idee, die sich später konkretisierte und Portugal zur ersten Seefahrernation der Welt machte.

Dank seines milden Klimas und seiner reizvollen Umgebung war Setúbal vom 16. bis 18. Jahrhundert ein bevorzugtes Gebiet für den Adel und das vom Salzhandel reich gewordene Bürgertum. Hier ließen sie sich ihre Landhäuser und Wochenendpaläste bauen.
Das große Erdbeben vom 01. November 1755 vernichtete nicht nur Lissabon, sondern zerstörte auch fast völlig Setúbal.
Am 19. April 1860 erhielt Setúbal durch König Pedro V seine Stadtrechte.
Drei Jahre später, 1863, wurde Setúbal mit einer Bahnstrecke an die Stadt Barreiro angeschlossen. Diese Bahnverbindung machte Setúbal zu einem wichtigen industriellen Zentrum Portugals – und dies ist es bis heute geblieben.

Für eine Industriestadt besitzt Setúbal ein durchaus ansprechendes Ortsbild.
Entlang des Rio Sado ziehen sich der Güter-, der Yacht- und der Fischerhafen – hier geht es jeden Morgen nach dem Einlaufen der Fischerboote und bei der anschließenden Fischauktion sehr lebhaft zu.
Nördlich vom Fischerhafen verläuft in Ost-West-Richtung eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt, die nach der gefeierten Sängerin Luisa Todi benannte Avenida de Luisa Todi.
Jenseits dieser Avenida erstreckt sich die noch recht stimmungsvolle, unter Denkmalschutz stehende Altstadt, in der sich die wenigen vom großen Erbeben des Jahres 1755 verschont gebliebenen Sehenswürdigkeiten befinden.

Mittelpunkt ist hier der Platz Praça do Bocage mit einem Standbild des Satirikers und Literaten Manuel Maria de Barbosa du Bocage, dem bekanntesten Sohn der Stadt, der hier 1775 das Licht der Welt erblickte.
In der nahen Rua de São Domingo steht das Geburtshaus von Bocage, das ein kleines Museum über das Leben und das große Werk dieses portugiesischen Dichters beherbergt.
Das Museu Bocage ist eine der drei Außenstellen des Stadtmuseums von Setúbal (port.: Museu da Cidade de Setúbal), das im altehrwürdigen Kloster Convento de Jesus untergebracht ist.

Das ehemalige Franziskanerkloster sowie die Kirche de Jesus sind die in Portugal ersten im manuelistischen Stil errichteten Sakralbauten.
Mit den Arbeiten an Kirche und Kloster begann man im Jahre 1491 unter der Leitung des französischstämmigen Baumeisters Diogo Boytaca, der später durch den Bau der Klöster Batalha und Belém zu Ruhm kam.
Von außen präsentiert sich die dreischiffige Hallenkirche relativ schmucklos. Doch Innen beeindrucken das imposante Sterngewölbe im Chor sowie die einzigartigen Azulejo-Darstellungen aus dem Leben der Jungfrau Maria.
Wie schon erwähnt ist in den Räumen des an die Kirche grenzenden ehemaligen Klosters, sowie in dem aus Arrábidamarmor errichteten Kreuzgang aus dem 17. Jahrhundert, das Städtische Museum untergebracht. Zu seinen Exponaten gehören Gemälde portugiesischer, flämischer und katalanischer Meister sowie archäologische Funde aus dem Gebiet um Setúbal.

Zwei andere sehr sehenswerte Gotteshäuser in der Altstadt von Setúbal sind zum einen die ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche São Julião (port.: Igreja de São Julião) mit seinen zwei manuelistischen Portalen, und zum anderen die besuchenswerte Kirche Igreja de Santa Maria da Graça, eine sehr üppig verzierte und reich vergoldete Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

Außer dem Stadtmuseum im Jesuitenkloster und dem Museum im Geburtshaus von Bocage gibt es noch das eine oder andere sehr besuchenswerte Museum in der Stadt Setúbal.

Da ist zum einen das Ozeanografische und Fischereimuseum Luiz Saldanha (port.: Museu Oceanográfico e de Pescas Luiz Saldanha) an der Avenida de Luisa Todi, das eine bedeutende Sammlung seltener Schwammarten und sonstiger Meeresbewohner bewahrt, das vor allem von dem portugiesischen Meeresbiologen Luiz Vieira Caldas Saldanha zusammengetragen wurde.

Benachbart ist das Archäologie- und Völkerkundemuseum (port.: Museu de Arqueologia e Etnologia). Ausgestellt werden hier u.a. Geräte und Werkzeuge, die in der Landwirtschaft und in der Fischerei rund um Setúbal eingesetzt wurden, sowie einige alte Bootsmodelle. An das Museum ist eine respektable Fachbibliothek mit über 5.000 Bänden angeschlossen.

Im Geburtshaus der Opernsängerin Luisa Todi in der gleichnamigen Avenida ist ein kleines Museum untergebracht, das sich dem Künstlerleben einer der größten Operndivas ihrer Zeit widmet (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Luisa Todi – die Sängerin aller Jahrhunderte“, vom 25. November 2012)

Andere sehenswerte Museen in Setúbal sind:

- das Museu Casa Sebastião da Gama (dt.: Museum Sebastião da Gama), ein kleines Museum das sich dem Leben und Werk des Lyrikers und Pädagogen Sebastião da Gama widmet

- das Museu do Trabalho Michel Giacometti (dt. : Museum der Arbeit Michel Giacometti), das nach dem französischen Ethnologen Michel Giacometti benannt ist und in dem sich eine große Sammlung landwirtschaftlicher Alltagsgegenstände befindet, die Giacometti zu Lebzeiten zusammengetragen hat

- und das Museu do Barroco (dt.: Barrokmuseum) in der Casa do Corpo Santo

Im Westen der Stadt Setúbal erhebt sich an der linken Uferseite des Sado die Festung Castelo de São Filipe.
Die Burganlage wurde Ende des 16. Jahrhunderts von dem italienischen Festungsbaumeister Filippo Terzi auf Anordnung des spanischen Königs Filipe II errichtet, der gleichzeitig als Filipe I über Portugal herrschte. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick über die Stadt Setúbal, den Sado und den Atlantik.
In einem Teil der Burganlage ist heute eine Pousada untergebracht.

Die Umgebung von Setúbal hat vieles zu bieten:
stille Meeresbuchten, ein prächtiges Mittelgebirge und den wunderschönen Naturpark Serra da Arrábida, mit zahlreichen endemischen Arten, die nur hier beheimatet sind.

Aber, das schönste was der Distrikt Setúbal seinen Besuchern zu bieten hat, sind wohl seine sauberen Strände!
Mit der Auto- oder der Personenfähre fährt man z.B. von der Anlegestelle an der Praça da República zur Praia de Troia, einer Halbinsel mit Dünen, Wald und einem herrlichen Sandstrand. Hier ließen sich einst die Phönizier nieder, und die Römer gründeten später an gleicher Stelle einen Ort Namens „Cetobriga“, der später von einem riesigen Tsunami zerstört wurde.
Andere besuchenswerte Strände im Großraum von Setúbal sind:

- Praia do Portinho da Arrábida
- Praia dos Galapos
- Praia da Figueirinha
- Praia de Albarquel
- Praia da Maria Esguelha

Der berühmte dänische Dichter und Märchenerzähler Hans Christian Andersen hat einmal, nachdem er im Jahre 1866 für einige Tage in Setúbal verweilte, geschrieben die Stadt „sei ein irdisches Paradies“ (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag „Schwer von Freunden fällt der Abschied“, vom 09. Juli 2009).
Nun, ob Andersen das heute noch so sagen würde, bleibt mal dahingestellt, denn Setúbal ist, wie schon erwähnt, heute eine hektische Industrie- und Arbeiterstadt, wie es sie so viele auf der Welt gibt.
Dennoch kann man in gewissen Ecken und manchen verwinkelnden Gassen sicherlich den Charme der vergangenen Tage spüren, den diese Stadt einmal sicherlich gehabt hat.
Man muss diesen Charme in Setúbal nur suchen!...

Sonntag, 9. Dezember 2012

Die Tragödie der Ponte das Barcas




In meinem Blogeintrag „Luisa Todi – die Sängerin aller Jahrhunderte“ vom vergangenen 25. November 2012, erwähne ich die große Tragödie die einstmals Ende März 1809 über die Stadt Porto hereinbrach, als tausende Menschen, bei dem Versuch die Stadt vor französischen Invasionstruppen fluchtartig zu verlassen, im Douro ertranken.

Ich wurde nun diese Woche gefragt wie es damals zu dieser Tragödie kam, bei der so viele Menschen starben.

Der Douro ist, und war schon immer, ein Fluss mit einer sehr starken, reißenden Strömung und vielen Untiefen, dessen Überquerung sehr schwierig war und ist.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es keine Brücken, die beide Ufern des Douro im Großraum Porto miteinander verbanden.
Wollte man daher vor gut 200 Jahren von Porto auf die andere Flussseite, in die Stadt Vila Nova de Gaia, so konnte man dies damals nur mit Hilfe von Booten, Barken oder Flößen bewerkstelligen.

Im Jahre 1806 wurde der Ingenieur und Architekt Carlos Luis Ferreira da Cruz Amarante von der Stadtverwaltung in Porto beauftragt eine Behelfsbrücke zwischen Porto und Vila Nova de Gaia zu errichten, um endlich dem aufkommenden Personenfluss und Handelsverkehr zwischen den zwei Ufern gerecht zu werden.
Carlos Amarante, der Verantwortlich für solche Bauwerke wie die Kirche Bom Jesus do Monte und die Klosterkirche Igreja do Pópulo in Braga, die Kirche Igreja da Trindade in Porto und die Wiedererrichtung der Stadtmauer in der Stadt Valença do Minho ist, machte sich im Frühjahr 1806 an die Arbeit.

Inspiriert von Brückenbauern aus den Niederlanden, und weil die Stadt Porto von ihm einen schnellmöglichen Brückenbau verlangte, entschied er sich aus Zeit- und Geldmangel, die zwei Ufern des Douro zwischen Porto und Vila Nova de Gaia mit 20 schwimmenden Barken (port.: barcas) zu verbinden.
Auf diese Barken, die mit Stahlseilen fest miteinander verbunden waren. wurden dann Holzbretter verlegt, und so war die Brücke in kürzester Zeit erbaut.
Bereits am 15. August 1806, nur wenige Monate nachdem Carlos Amarante den Auftrag zum Bau einer Fußgängerüberquerung über den Douro erhalten hatte, wurde die „Ponte das Barcas“ (dt.: Barkenbrücke) für die Bevölkerung freigegeben.
Die „Ponte das Barcas“ war die erste Brücke dieses Typs in ganz Portugal.

Im Jahre 1809, knapp zweieinhalb Jahre nach dem Brückenbau, überfielen napoleonischen Truppen in der zweiten französischen Invasion Portugal.
Unter General Nicolas Soult überrannten damals Anfang März französische Soldaten, aus Spanien kommend, die portugiesischen Provinzen Trás-os-Montes und Minho und standen alsbald vor der Stadt Porto, um diese einzunehmen.
Als am 29. März 1809 die französischen Truppen die Stadtgrenze von Porto überschritten, flohen tausende Bürger panisch aus der Stadt.
Viele von ihnen versuchen über die aus zusammengeketteten Barken sehr wackelige Brücke „Ponte das Barcas“ zu fliehen.
Als immer mehr Menschen verzweifelt auf die Brücke stürmten und in Richtung Süden nach Vila Nova de Gaia vor den Bajonetten der Franzosen flohen, konnte die Brücke alsbald das immense Gewicht der tausenden Menschen nicht mehr tragen.

Es kam zu einer Katastrophe:
Die Stahlseile, die die 20 Barken zusammenhielten, rissen und die Brücke, die ja aus schwimmenden Barken bestand, machte sich selbstständig.
Von den schätzungsweise über 10.000 Menschen die sich an diesem Tag auf der Brücke befanden, wurden wohl über 4.000 in den Tod gerissen.

Nach der französischen Invasion wurde die „Ponte das Barcas“ wiedererrichtet und erst im Jahre 1843 durch einen richtigen Brückenbau, der Ponte Pênsil, ersetzt.

Wo einstmals die „Ponte das Barcas“ den Fluss überquerte, steht heute, im Stadtteil Ribeira, am Ufer des Douro, ein Relief des Künstlers António Teixeira Lopes, als Mahnmal für die Opfer dieser Katastrophe vom 29. März 1809.
Noch heute legen dort Menschen regelmäßig Blumen nieder und zünden dort Kerzen an, um an die Toten dieses Unglückes, die „Alminhas da Ponte“ (dt.: „Seelen der Brücke“), zu gedenken.

Sonntag, 25. November 2012

Luisa Todi – „die Sängerin aller Jahrhunderte“



An der breiten Mündungsbucht des Flusses Sado liegt die Industrie- und Distrikthauptstadt Setúbal, mit ihren bedeutenden Fischkonservenfabriken, Werften und Salinen.
Für eine Industriestadt besitzt Setúbal ein durchaus ansprechendes Ortsbild.
Entlang des Sado ziehen sich der Güter-, der Yacht- und der Fischereihafen.

Parallel zu den Häfen verläuft in Ost-West-Richtung die Hauptverkehrsstraße der Stadt, die Avenida Luisa Todi, an der, unter anderem, die Markthalle (port.: Mercado), das Stadttheater (port.: Teatro Municipal und das Ozeanographische und Fischereimuseum (port.: Museu Oceanográfico e de Pescas) liegen.
In etwa der Mitte der Avenida Luisa Todi befindet sich ein imposantes weißes Denkmal, das der großen Opernsängerin Luisa Todi gewidmet ist, die eine berühmte Tochter der Stadt ist.
Heute kennt kaum noch einer außerhalb Portugals Luisa Todi.
Aber vor 200 Jahren war Luisa Todi die berühmteste und meistgefragte Operndiva ihrer Zeit.

Geboren wurde Luisa Rosa de Aguiar, wie sie mit vollem Taufnamen hieß, am 09. Januar 1753 in der setubalenser Gemeinde Nossa Senhora da Anunciada, als Tochter des Geigers und Musiklehrers Manuel José de Aguiar und dessen Frau Ana Joaquina de Almeida.
Luisa Rosa hatte zwei Schwestern – die sieben Jahre ältere Cecilia Rosa und die drei Jahre ältere Isabel Ifigénia.

Luisa, die in eine wahre Künstlerfamilie hineingeboren wurde, in der es zahlreiche Musiker, Schauspieler und Sänger gab, kam schon in sehr jungen Jahren mit dem Musischen in Berührung.
Sie soll schon sehr früh mit dem Singen angefangen haben.
Als sie 12 Jahre alt war, zog ihre Familie mit ihr in die Hauptstadt Lissabon.

In Lissabon hatte sie dann auch ihren ersten öffentlichen Auftritt.
Im Jahre 1767, trat sie 14jährig, mit ihrer Schwester Cecilia Rosa im Teatro do Conde de Soure im Bairro Alto auf. Sie spielte und sang bei ihrem Debüt die Rolle der Lauriana in der komischen Oper „Tartufo“ (fr.: „Le Tartuffe“) von Moliere.
Leiter des Orchesters des Theaters des Bairro Altos war damals der aus Neapel stammende Geiger Francesco Saverio Todi, der nach ihrem Debütauftritt einer ihrer größten Fans wurde.
Francesco Todi erkannte sofort Luisas musikalisches Talent und begeisterte und unterstützte fortan das junge Mädchen für die klassische Oper.

Luisa und Francesco Todi scheinen sich in dieser Zeit sehr Nahe gekommen zu sein, denn bereits am 28. Juli 1769, Luisa Todi ist gerade einmal 16 Jahre alt, geben sich beide in Lissabon das Jawort.
Von diesem Tag an förderte Francesco seine Luisa wo er nur konnte und bereitete mit aller Kraft systematisch ihre internationale Karriere vor. Eine Karriere, die ihr später einmal Auftritte in ganz Europa ermöglichen sollten.

1770 besorgte Francesco Todi bei seinem Freund, dem aus Neapel stammenden Opernkomponisten David Perez, der Kapellmeister am portugiesischen Hof war, für seine Frau Luisa Gesangsstunden.
Mit Perez, der Autor von Opern wie „Solimano“, „L´Olimpiade“ und „Arminio“ war, arbeitete Luisa Todi die folgenden Jahre eng zusammen, unter anderem an der Nationaloper Teatro Nacional de São Carlos.
Im Sommer desselben Jahres engagierte das Theater im Bairro Alto Luisa Todi.
Dort sang sie in der Oper „Il viaggiatore ridicolo“, des Italieners Giuseppe Scolari, sehr erfolgreich ihre ersten Opernarien.
Im Oktober sang sie im selben Theater die Gianneta in der Oper „L'incognita persiguitata“, des italienischen Opernkomponisten Nlcolau Piccini.
Kronprinzessin Maria, die zukünftige Königin Maria I, hörte von den Erfolgen Luisa Todis und bat daraufhin den königlichen Kapellmeister David Perez, er möge ihr doch einen Privatauftritt im königlichen Schloss organisieren.
Zu diesem Privatkonzert kam es dann im Januar 1771.
Wochen später, sie war weiterhin am Theater im Bairro Alto engagiert, übernahm sie in der Oper „Il beiglierbei di Caramania“, ein weiteres Werk von Giuseppe Scolarri, die Rolle der Zoffira.

Ende 1771 zogen die Todis nach Porto, wo Luisa bis 1777 als Sängerin und Privatgesangslehrerin tätig war.
Hier in Porto wurde Luisa auch zum ersten Mal Mutter.
Im April 1772 brachte sie ihr erstes Kind, ihren Sohn João, zur Welt.
Im September 1773 wurde, ebenfalls in Porto, ihre Tochter Ana José geboren.
1775 brachte sie in der Stadt Guimarães ihre zweite Tochter, Maria Clara, zur Welt.
Ihren zweiten Sohn Francisco Xavier brachte Luisa im März 1777 im spanischen Aranjuez, unweit der spanischen Hauptstadt Madrid, zur Welt.

Nach der Geburt ihres Sohnes Francisco Xavier, begab sich Luisa Todi Ende 1777 nach London, wo sie am King´s Theatre ihr erstes Auslandsengagement hatte.
Von London zogen die Todis weiter nach Versailles und Paris, wo Luisa verschiedene Gastspiele hatte.
In Paris schenkte Luisa Todi am 22. November 1778 einer weiteren Tochter, Adelaide, das Leben.

Von Paris reisten die Todis weiter nach Wien, wo Luisa Todi am 28. Dezember 1779 vor der österreichischen kaiserlichen Familie auftrat.
Dann reiste sie weiter nach Italien, wo sie in Turin 1780 ihren ersten Vertrag als Primadonna am Teatro Regio di Torino unterschrieb.
Von Turin zog Luisa Todi nach Preußen und anderen deutschen Staaten weiter, wo sie mehrere Gastspiele hatte.
In Deutschland lernte sie die damals in Europa ebenfalls sehr gefeierte deutsche Opernsängerin Gertrud Elisabeth Mara persönlich kennen und trat mehrere Male in verschiedenen öffentlichen Wettbewerben gegen diese gesanglich auf.
Das musikbegeisterte Europa spaltet sich unweigerlich in zwei Lagern auf:
Einmal in die „Todiisten“ und einmal in die „Maraisten“.
Dank dieser Gesangswettbewerbe mit Gertrud Elisabeth Mara stieg die Beliebtheit von Luisa Todi damals ins unermessliche.

Nach Deutschland reiste Luisa Todi wieder nach Turin wo sie erneut am Teatro Regio di Torino auftrat.
Am 24. November 1782 brachte sie in dieser norditalienischen Metropole ihr sechstes und letztes Kind zur Welt, ihren Sohn Leopoldo Rodrigo Ângelo.

1784 brach Luisa Todi mit ihrem Mann und ihren Kindern, auf ausdrücklichen Wunsch von Zarin Katharina II, zu einem längeren Engagementaufenthalt nach Russland auf, der bis 1788 dauern sollte.
1788, auf dem Weg von Sankt Petersburg nach Paris, machte sie am preußischen Hof in Potsdam halt, wo sie vor König Friedrich II sang.
Sie gastierte noch in anderen deutschen Städten, wie Hannover, Wiesbaden und Mainz. In Bonn trat sie 1789 sogar mit Ludwig van Beethoven auf.
Dann reiste sie weiter nach Italien, wo sie 1790 mehrere triumphale Auftritte in Parma, Genua, Padua, Bergamo, Turin und Venedig hatte.
In Italien bekam sie zum ersten Mal Probleme mit ihrem Augenlicht. Sie fing an unscharf zu sehen und hatte ständig starke Kopfschmerzen. Als Konsequenz unterbrach sie daraufhin für einige Monate ihre Karriere.

Am 25. August 1792 trat Luisa Todi, nach einer knapp zweijährigen Pause, zum ersten Mal in Madrid wieder auf. Hier in Madrid blieb sie bis 1796, wo sie vor allem am Teatro de los Caños del Peral, dem späteren königlichen Theater, zahlreiche Erfolge feierte.
Da ihr Augenlicht immer schwächer wurde, kehrte sie 1796 wieder nach Lissabon zurück, wo sie fortan mit ihrem Mann etwas zurückgezogen lebte.
1799 reiste Luisa Todi noch einmal nach Italien, wo sie in Neapel Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte.
1801 kehrte Luisa Todi aus Italien nach Portugal zurück, und ließ sich mit ihrem Mann Francesco in der Stadt Porto nieder.
Zwei Jahre später, am 28. April 1803, verstarb ihr geliebter Gatte Francesco.

Als die französischen Truppen von Napoleon Bonaparte im Jahre 1806 Portugal überfielen, hätte Luisa Todi mit der portugiesischen königlichen Familie nach Brasilien fliehen oder sie hätte nach England reisen können.
Aber sie zog es vor in Portugal zu bleiben, sicherlich auch deshalb, weil sie sich der Ernsthaftigkeit der Situation nicht bewusst war.

Am 29. März 1809 überfielen die französischen Truppen, in ihrer zweiten Invasion in Portugal, auf brutalste Weise die Stadt Porto.
Luisa Todi versuchte, wie viele andere Bürger auch, an diesem Tag die Stadt fluchtartig zu verlassen.
Als sie zu tausenden versuchten den Fluss Douro über die Ponte das Barcas zu überqueren, eine aus einfachen Barkassen bestehende Brücke, brach die Brücke unter dem Gewicht der vielen Flüchtlinge zusammen und riss über 4.000 Menschen in den Tod.

Luisa Todi kam zwar mit ihrem Leben davon, doch der größte Teil ihres Reichtums, den sie in Form von wertvollem Schmuck, Edelsteinen und Perlen bei sich trug, fiel bei der Flucht in den Fluss Douro und sie selber wurde von den Franzosen gefangen genommen.
Als General Nicolas Soult, der Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Portugal, von ihrer Festnahme erfuhr, und er sich von ihrer Identität überzeugt hatte, veranlasste er ihre Freilassung und stellte sie unter seinen persönlichen Schutz.

Nach ihrer Freilassung zog Luisa Todi wieder nach Lissabon.
Hier lebte sie bis an ihr Lebensende in der Travessa da Estrela, eine Straße die heute ihren Namen trägt, unter sehr einfachen Verhältnissen. Ihr Augenlicht wurde immer schwächer und in den letzten Jahren ihres Lebens erblindete sie völlig.

Luisa Rosa de Aguiar Todi war zu Lebzeiten eine der besten und beliebtesten Operndivas der Welt. Sie konnte perfekte Opernarien auf italienisch, französisch, deutsch und englisch singen und wurde von vielen Opernliebhabern jeden Standes geliebt, ja regelrecht vergöttert.
Der böhmische Komponist und Musikpädagoge Anton Reicha nannte sie in seinem Buch „Traitéde melodie“ einfach nur die „Sängerin aller Jahrhunderte“.
Umso trauriger ist es da, das sie am 01. Oktober 1833, völlig blind und verarmt, in einem kleinen Zimmer in der Travessa da Estrela im Stadtteil Encarnação einsam verstarb.

Tröstlich ist es da, das heute der wichtigste Nachwuchspreis des klassischen Gesangs in Portugal, der Concurso Nacional de Canto Luisa Todi (dt.: Nationaler Gesangswettbewerb Luisa Todi), ihren Namen trägt.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Beinahe vom Himmel runtergeholt


In meinem post „Blinder Passagier an Bord“, vom 10. Oktober dieses Jahres, berichte ich über den etwas kuriosen Flug eines Airbus 330 der Fluggesellschaft TAP von Lissabon nach Belo Horizonte, in Brasilien.
Diesen Sonntag ereignete sich ein weiterer außergewöhnlicher Flug mit einem Airbus der TAP, diesmal auf dem Flug von Lissabon in die dänische Hauptstadt Kopenhagen.

Demnach startete hier von Lissabon aus, Flug TP-504, pünktlich um 09.30h in Richtung Kopenhagen.
Die Maschine überflog Nordportugal, Nordspanien, die Biskaya und den Westen Frankreichs ohne besondere Vorkommnisse.
Als die Maschine aber dann den belgischen Luftraum betrat brach der Funkkontakt mit der Bodenkontrolle vollkommen ab, und die Europäische Flugsicherheit war für über eine halbe Stunde in höchster Alarmbereitschaft.

Das Flugzeug, ein Airbus 320 mit dem Namen „Luisa Todi“ und 147 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord, überquerte ganz Belgien und die Niederlande, ohne auch nur einen einzigen Funkspruch mit der Bodenkontrolle „Eurocontrol“ gewechselt zu haben.

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 reagieren die einzelnen Flugkontrollzentren weltweit äußerst gereizt in solchen Fällen.
Und so kam es, das von einem rheinlandpfälzischen NATO-Stützpunkt zwei deutsche Kampfflugzeuge des Typs Phantom F-4 starteten, um sich an die Passagiermaschine zu heften.~

Da man nicht wusste ob eventuell Attentäter oder Entführer an Bord waren, gehört eine Eskorte des Passagierflugzeuges mit mehreren Kampfflugzeugen in solch einem Fall zum Standart.
Erst über der niederländischen Stadt Eamshaven konnte der Flugkapitän der TAP-Maschine durch Blickkontakt den Piloten der Kampfjets mit Handzeichen klar machen, dass soweit an Bord alles OK sei.

Die Kampfflugzeuge der NATO hatten den strikten Befehl die Maschine nicht in den dänischen Luftraum eindringen zu lassen, sollte nicht klar ersichtlich sein, das mit der Maschine alles in Ordnung sei.
Der klare und unmissverständliche Befehl lautete, die Passagiermaschine über der Nordsee abzuschießen, wenn bis zum Eindringen in den dänischen Luftraum nicht klar sei, ob Terroristen an Bord seien.

Erst über der Nordsee konnte dann der Funkkontakt zwischen der Bodenkontrolle und der Airbusmaschine wiederhergestellt werden.
Das Flugzeug konnte dann, etwas verspätet, um 13.00h sicher in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen landen.

Die Fluggesellschaft TAP hat nun in einer Pressemitteilung mitgeteilt, das es sich bei diesem Fall „um ein außergewöhnliches Problem mit dem Kommunikationssystem“ gehandelt habe (um was denn sonst???) und „das die Passagiere nie in Gefahr waren“.

Außerdem teilt die TAP mit, dass sie die Kommunikationssysteme aller Airbuse ihrer Flotte durchchecken wird.
Das ist äußerst Lobenswert, denn man stelle sich solch einen Zwischenfall auf einem Flug in die USA vor.
Dort wäre wohl nämlich, und da bin ich mir ziemlich sicher, das Passagierflugzeug, ohne viele Skrupel, gewaltsam vom Himmel runtergeholt worden.