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Sonntag, 9. Dezember 2012

Die Tragödie der Ponte das Barcas




In meinem Blogeintrag „Luisa Todi – die Sängerin aller Jahrhunderte“ vom vergangenen 25. November 2012, erwähne ich die große Tragödie die einstmals Ende März 1809 über die Stadt Porto hereinbrach, als tausende Menschen, bei dem Versuch die Stadt vor französischen Invasionstruppen fluchtartig zu verlassen, im Douro ertranken.

Ich wurde nun diese Woche gefragt wie es damals zu dieser Tragödie kam, bei der so viele Menschen starben.

Der Douro ist, und war schon immer, ein Fluss mit einer sehr starken, reißenden Strömung und vielen Untiefen, dessen Überquerung sehr schwierig war und ist.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es keine Brücken, die beide Ufern des Douro im Großraum Porto miteinander verbanden.
Wollte man daher vor gut 200 Jahren von Porto auf die andere Flussseite, in die Stadt Vila Nova de Gaia, so konnte man dies damals nur mit Hilfe von Booten, Barken oder Flößen bewerkstelligen.

Im Jahre 1806 wurde der Ingenieur und Architekt Carlos Luis Ferreira da Cruz Amarante von der Stadtverwaltung in Porto beauftragt eine Behelfsbrücke zwischen Porto und Vila Nova de Gaia zu errichten, um endlich dem aufkommenden Personenfluss und Handelsverkehr zwischen den zwei Ufern gerecht zu werden.
Carlos Amarante, der Verantwortlich für solche Bauwerke wie die Kirche Bom Jesus do Monte und die Klosterkirche Igreja do Pópulo in Braga, die Kirche Igreja da Trindade in Porto und die Wiedererrichtung der Stadtmauer in der Stadt Valença do Minho ist, machte sich im Frühjahr 1806 an die Arbeit.

Inspiriert von Brückenbauern aus den Niederlanden, und weil die Stadt Porto von ihm einen schnellmöglichen Brückenbau verlangte, entschied er sich aus Zeit- und Geldmangel, die zwei Ufern des Douro zwischen Porto und Vila Nova de Gaia mit 20 schwimmenden Barken (port.: barcas) zu verbinden.
Auf diese Barken, die mit Stahlseilen fest miteinander verbunden waren. wurden dann Holzbretter verlegt, und so war die Brücke in kürzester Zeit erbaut.
Bereits am 15. August 1806, nur wenige Monate nachdem Carlos Amarante den Auftrag zum Bau einer Fußgängerüberquerung über den Douro erhalten hatte, wurde die „Ponte das Barcas“ (dt.: Barkenbrücke) für die Bevölkerung freigegeben.
Die „Ponte das Barcas“ war die erste Brücke dieses Typs in ganz Portugal.

Im Jahre 1809, knapp zweieinhalb Jahre nach dem Brückenbau, überfielen napoleonischen Truppen in der zweiten französischen Invasion Portugal.
Unter General Nicolas Soult überrannten damals Anfang März französische Soldaten, aus Spanien kommend, die portugiesischen Provinzen Trás-os-Montes und Minho und standen alsbald vor der Stadt Porto, um diese einzunehmen.
Als am 29. März 1809 die französischen Truppen die Stadtgrenze von Porto überschritten, flohen tausende Bürger panisch aus der Stadt.
Viele von ihnen versuchen über die aus zusammengeketteten Barken sehr wackelige Brücke „Ponte das Barcas“ zu fliehen.
Als immer mehr Menschen verzweifelt auf die Brücke stürmten und in Richtung Süden nach Vila Nova de Gaia vor den Bajonetten der Franzosen flohen, konnte die Brücke alsbald das immense Gewicht der tausenden Menschen nicht mehr tragen.

Es kam zu einer Katastrophe:
Die Stahlseile, die die 20 Barken zusammenhielten, rissen und die Brücke, die ja aus schwimmenden Barken bestand, machte sich selbstständig.
Von den schätzungsweise über 10.000 Menschen die sich an diesem Tag auf der Brücke befanden, wurden wohl über 4.000 in den Tod gerissen.

Nach der französischen Invasion wurde die „Ponte das Barcas“ wiedererrichtet und erst im Jahre 1843 durch einen richtigen Brückenbau, der Ponte Pênsil, ersetzt.

Wo einstmals die „Ponte das Barcas“ den Fluss überquerte, steht heute, im Stadtteil Ribeira, am Ufer des Douro, ein Relief des Künstlers António Teixeira Lopes, als Mahnmal für die Opfer dieser Katastrophe vom 29. März 1809.
Noch heute legen dort Menschen regelmäßig Blumen nieder und zünden dort Kerzen an, um an die Toten dieses Unglückes, die „Alminhas da Ponte“ (dt.: „Seelen der Brücke“), zu gedenken.

Montag, 3. Oktober 2011

Die Wallfahrtskirche von Bom Jesus do Monte






Sechs Kilometer östlich der nordportugiesischen Stadt Braga, in der Provinz Minho, befindet sich der kleine Ort Tenões mit dem sehenswerten und in ganz Portugal bekannten Wallfahrtsort Santuário do Bom Jesus do Monte, der auch unter dem Namen Santuário do Bom Jesus de Braga bekannt ist.
Die Wallfahrtskirche liegt an der Westflanke des 564 m hohen Monte Espinho, inmitten eines Parks, der wegen seiner üppigen Blumenpracht, dem großen Waldbestand und dem kleinen See ein beliebter Ausflugs- und Picknickziel ist.

An der Stelle, an der heute die Kirche steht, errichtete im 14. Jahrhundert irgendjemand ein Holzkreuz.
Dieses Holzkreuz war die erste Inbesitznahme des Monte Espinho.
Bereits im Jahre 1373 wird eine kleine Kapelle an diesem Ort erwähnt.
Diese Kapelle muss schon sehr früh ein Platz der Andacht und der Wallfahrt für die Bürger Bragas und der Umgebung gewesen sein, denn im Jahre 1494 wird an gleicher Stelle, aus Platzmangel, eine etwas größere Kapelle auf Geheiß des damaligen Erzbischofs von Brage, Dom Jorge da Costa, errichtet.
In den Jahren 1522, 1629 und 1722 werden neue Kapellen errichtet, die das mit den Jahren jeweils kleiner gewordene Gotteshaus ersetzten.

Am 01. Juni 1784 beginnt der Architekt Carlos Amarante, auf Anordnung des damaligen Erzbischofs von Braga, Dom Gaspar de Bragança, mit dem Bau der heutigen Kirche.
Erst 1811 sollten die Bauarbeiten an der Kirche und der imposanten Freitreppe beendet sein.

Doch auch wenn die Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts fertig gebaut wurde, so musste auch dieser christlich-sakrale Bau, wie so viele andere auch, im laufe der Jahre repariert und renoviert werden.

Manche Beschädigungen häuften sich mit der Zeit naturgemäß an. Hinzukamen Schäden die durch Kriege und Naturgewalten über die Jahre hinweg dem Bauwerk zugefügt wurden.
Gegen diese Schäden wurden mit den Jahren viele Maurer, Schreiner, Glaser und noch andere Handwerker beauftragt die Kirche Bom Jesus do Monte in Stand zu setzen.

Einer dieser vielen Handwerker war der Baumeister Henrique Manuel Pires, der den Auftrag erhielt, zwischen 1850 und 1853, die einzelnen Heiligenfiguren zu restaurieren und den ich hier als Beispiel für so viele andere Handwerker erwähnen will.

Über die Arbeiten von Henrique Manuel Pires ist nichts Außergewöhnliches belegt.
Die Kirche muss aber mit seinen Restaurierungsarbeiten im Grunde genommen zufrieden gewesen sein, denn es wird nicht gegenteiliges erwähnt.
Was allerdings vom Baumeister sehr wohl existiert ist eine Rechnung, die er im Jahre 1853 der Kirche ausstellt.
In dieser Rechnung führt Henrique Manuel Pires detailliert auf welchen Preis er für welche geleistete Arbeit verlangt.
Das Original der Rechnung befindet sich heute im nationalen Archiv der Torre do Tombo in Lissabon (bitte lesen sie hierzu auch meinen Bericht „Torre do Tombo“ vom 03. März 2011).

Die Treppe, die hier schon erwähnt wurde und die in drei Abschnitten bis zur Wallfahrtskirche führt, gehört wohl zu den schönsten die es in ganz Portugal und der Welt gibt.

Ihren Anfang nimmt die Treppe an dem Abschnitt, der Escadório do Pórtico (dt.: Freitreppe der Torhalle) genannt wird.
Dieser Treppenabschnitt hat seinen Namen von dem steinernen Bogen, der im Jahre 1723 an dem Platz erbaut wurde, an dem seit Jahrhunderten traditionell die Pilger ihren Aufstieg zur Wallfahrtskapelle begannen.

Der zweite Treppenabschnitt wird Escadório dos Cinco Sentidos (dt.: Freitreppe der Fünf Sinne) genannt. An den insgesamt fünf Treppenabsätzen steht jeweils ein Springbrunnen. Jeder Brunnen steht für einen menschlichen Sinn.
Ihre Namen sind:

• Fonte da Visão (dt.: Springbrunnen des Sehsinnes) mit der Aufschrift „Varão prudente, toma-as por um sonho e assim vigiarás“
• Fonte da Audição (dt.: Springbrunnen des Gehörsinnes) mit der Aufschrift „Que cantava ao som da cítara, presidindo os que cantavam e louvavam o Senhor“
• Fonte do Olfato (dt.: Springbrunnen des Geruchssinnes) mit der Aufschrift „Dai flores como o lírio e rescendei suave cheiro“
• Fonte do Paladar (dt.: Springbrunnen des Geschmacksinnes) mit der Aufschrift „A tua terra seja cheia das bênçãos do Senhor, dos frutos do céu e do orvalho“
• Fonte do Tato (dt.: Springbrunnen des Tastsinnes) mit der Aufschrift „As minhas entranhas estremeceram ao seu toque“

Der dritte und letzte Treppenabschnitt heißt Escadório das Três Virtudes (dt.: Freitreppe der drei Tugenden).
Dieser Treppenabschnitt besteht aus drei Treppenabsätzen. Genauso wie die Freitreppe der Fünf Sinne, befindet sich auch hier jeweils ein Springbrunnen an jedem Treppenabsatz.
Die Brunnen stellen die drei religiösen Tugenden dar.
Die Namen der Springbrunnen lauten:

• Fonte da Fé (dt.: Springbrunnen des Glaubens) mit der Aufschrift „Correrão dele águas vivas“
• Fonte da Esperança (dt.: Springbrunnen der Hoffnung) mit der Aufschrift „Arca na qual se salvaram almas“
• Fonte da Caridade (dt.: Springbrunnen der Nächstenliebe) mit der Aufschrift „São três estas virtudes... a maior delas, porém, é a caridade“

Die Freitreppe hat insgesamt 581 Stufen, die ganze 116 Meter Höhenunterschied überwinden, und endet auf dem Terreiro de Moisés, dem Vorplatz der Kirche.

Während man früher die Kirche nur durch das mühsame besteigen der Treppen erreichen konnte, verbindet seit 1882 eine Drahtseilbahn (port.: funicular) die Stadt Braga und den Wallfahrtsort.

Gestiftet wurde die Drahtseilbahn von Manuel Joaquim Gomes, einem reichen Geschäftsmann aus Braga.
Für den Bau ist der Schweizer Niklaus Riggenbach verantwortlich.
Als die Drahtseilbahn am 25. März 1882 in Betrieb genommen wurde, war sie die erste auf der gesamten Iberischen Halbinsel.
Bis heute ist sie völlig Unfallfrei und die letzte ihrer Art auf der Welt, die noch in Betrieb ist.