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Samstag, 22. August 2015

Portugal, das Land in dem Wasser gepredigt und Wein getrunken wird


Wie das portugiesische Weininstitut (port.: Instituto da Vinha e do Vinho), das dem hiesigen Landwirtschaftsministerium untersteht, diese Woche verlautbaren ließ, erwarten nationale Winzer dieses Jahr eine Ernte von ca. 670 Millionen Liter Weine bester Qualität.
Im Verhältnis zum Vorjahr, wo 620 Millionen Liter Spitzenweine produziert wurden, wäre das eine Steigerung von immerhin 8%!
Nicht mitgerechnet sind hier die unzähligen Tafelweine die hierzulande angebaut werden.

Bis auf die Weinanbauregion Setúbal werden alle portugiesischen Weinanbaugebiete dieses Jahr eine signifikante Produktionssteigerung haben.
Für die Weinanbauregionen Douro, Porto und Dão wird für 2015 sogar mit einem Produktionsüberschuss von 20% gerechnet.
Insgesamt wird in Portugal auf einer Fläche von 240.000 Hektar – die siebtgrößte Weinanbaufläche der Welt – Rebensaft angebaut.

Nach einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO (port.: Organização Mundial da Saúde) trinken Italiener 50 Liter, Franzosen 53 Liter und Portugiesen 55 Liter Wein pro Kopf und Jahr.
Damit sind Portugals Bürger Europas größte Weinkonsumenten.

Wein hat in Portugal schon immer einen hohen kulturellen und wirtschaftlichen Stellungswert gehabt.
Es ist archäologisch erwiesen, das bereits in der Bronzezeit die Menschen, die das heutige Portugal besiedelten, Getränke aus Weintrauben herstellten.
Richtig kultiviert und angebaut wurde Wein dann aber erst seit der Römerzeit in Portugal. Es waren die alten Römer, die die Weinkultur hierzulande etablierten.
Im 12. Jahrhundert, unter König D. Dinis der im Volksmund „o Lavrador“ (dt.: der Bauer) genannt wurde, wurde der Weinanbau sehr gefördert und Wein zu einem wahren portugiesischen Exportschlager der damaligen Zeit.
Jahrhunderte später, als die englische Krone hohe Zölle über importierte französische Weine verhängte, wurde Portugal Englands größter Weinlieferant.
Im Jahre 1756 ließ der absolutistisch regierende Premierminister Marques de Pombal das Weinanbaugebiet am oberen Flusslauf des Douro (port.: Alto Douro) mit Marksteinen begrenzen und machte die Region zum weltweit ersten herkunftsgeschützten Weinanbaugebiet der Welt.
Während der Diktatur von António de Oliveira Salazars im 20. Jahrhundert war die portugiesische Weinproduktion weltweit verhältnismäßig unbedeutend.
Erst mit dem Eintritt Portugals in die EU begann der portugiesische Weinanbau wieder zu florieren und ist heute verantwortlich für eines der wichtigsten Exportgüter Portugals.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Lamego


Der heutige Mittwoch ist hier in Portugal ein Feiertag.
Man feiert hier den Portugal-Tag (port.: Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas), einen Nationalfeiertag der hierzulande immer am 10. Juni gefeiert wird und der überall auf der Welt von Portugiesen als Feiertag begangen wird. Außerdem gedenkt man an diesem Tag dem im Jahre 1580 verstorbenen Nationaldichter Luis de Camões.
Jedes Jahr wird eine Stadt vom Staatspräsidenten auserkoren, die die offiziellen Feierlichkeiten ausrichten darf.
Letztes Jahr gebührte es z.B. der Stadt Guarda die zentrale Feier zum Feiertag des 10. Juni abzuhalten.

Dieses Jahr hat Präsident Anibal Cavaco Silva die nordportugiesische Kleinstadt Lamego, die im Weinanbaugebiet des Douro liegt, für die traditionellen Feierlichkeiten auserwählt.

Das reizvoll am Abhang des Monte Penude, ca. 100 km östlich von Porto, inmitten von Weinbergen und Feldern gelegene und heute an die 13.000 Einwohner zählende Bischofstädtchen Lamego ist wohl einstmals von den iberischen Stämmen der Keltiberern gegründet und später von Römern besiedelt worden.
Nach den Römern besiedelten die Westgoten Lamego, christianisierten den Ort und machten ihn bereits im Jahre 570 zum Bischofsitz.

Als sich die arabischen Mauren ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. daran machten die Iberische Halbinsel zu besetzen, nahem sie in der Folgezeit ihrer Eroberungen auch Lamego in Besitz.
Erst unter dem leon-kastilischen König Ferdinand I (esp.: Fernando I de León), der Lamego im November 1057 im Rahmen der Reconquista eroberte, kam der Ort wieder unter christliche Herrschaft, wurde erneut Bischofsitz und in der Folgezeit ein wichtiger Handels- und Umschlagplatz für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse seiner fruchtbaren Umgebung.

Im Jahre 1143 versammelten sich in der Stadt Lamego erstmals die portugiesischen Landstände (port.: cortes) in der Kirche Santa Maria de Almacave, um den Grafen von Portucale feierlich und hochoffiziell als D. Afonso Henriques zum König des neuen Staates zu proklamieren.
Hier in Lamego beschlossen sowohl König Afonso Henriques als auch seine Gefolgsleute das neu gegründete Königreich nach dem Namen der Grafschaft Portucale (port.: Condado Portucalense) zu titulieren, und nannten es fortan „Portugal“.

Lamego wurde zu einer der bedeutendsten Städte im portugiesischen Mittelalter.
Im Jahre 1290 erhielt Lamego die Marktrechte und wurde zu einem der wichtigsten Handelsplätze des Königreiches. Kaufleute aus der ganzen Iberischen Halbinsel, selbst die aus den entlegenen arabischen Königreichen Granada und Cordoba, machten zu dieser Zeit in der Stadt ihre Geschäfte.
Bis ins 15. Jahrh. hinein profitierte Lamego von seiner guten Lage und den vielen Handelsrouten die hier zusammentrafen. Erst die aufkommenden portugiesischen Entdeckungsreisen sorgten dafür das Lamego handelspolitisch an Bedeutung verlor, da mit den Entdeckungen andere Handelswege erschlossen wurden.

Nichtsdestotrotz blieb Lamego über die Jahrhunderte hinweg ein kleines und schlichtes Städtchen, mit viel Esprit und Charme; einem Charme den es vor allem seinen zahlreichen schönen Bürgerhäusern (port.: casas brasonadas) aus dem 16. bis 18. Jahrh und den vielen geschichtsträchtigen Bauwerken zu verdanken hat.

Im Zentrum der Stadt erhebt sich auch heute noch die im Jahre 1129 von König Afonso Henriques gegründete imposante Kathedrale, die Sé.
Im 16. und 17. Jahrh. wurde der wuchtige Bau der Kathedrale stark verändert, so dass von dem ursprünglichen gotischen Gebäude alleine der massige, rechteckige Turm erhalten blieb. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere der Sé im Renaissancestil umgebaut. Die Kathedrale ist heute die Hauptkirche der Diözese von Lamego.

Schräg gegenüber der Kathedrale, am Largo de Camões, wurde im ehemaligen Bischöflichen Palais (port.: Paço Episcopal) aus dem 18. Jahrhundert das bemerkenswerte Stadtmuseum (port.: Museu da Cidade) untergebracht. Gezeigt werden hier u.a. flämische Gobelins aus dem 16. Jahrh., die von jeher zur Ausstattung des Bischöflichen Palais gehörten, portugiesische Malerei aus dem 16. bis 18. Jahrh., Plastiken des 13. bis 17. Jahrh. sowie sakrale Kunst und Volkskunst.

Südlich der Kathedrale, an der nach Guarda führenden Hauptstraße liegt die kleine Capela do Desterro. Die um 1840 erbaute Kapelle besitzt ein Renaissanceportal und ist im Inneren reichlich mit vergoldeten Holzschnitzereien, der so genanten „talha dourada“ und Azulejos sowie einer schön bemalten Kassettendecke ausgestattet.

Auf einer Anhöhe über der Stadt erhebt sich die ursprünglich maurische Burg (port.: castelo) aus dem 11. Jahrh. Von ihr sind heute lediglich der Bergfried und einige Mauerreste erhalten geblieben.

Unterhalb der Burgruine steht die romanische Kirche Igreja de Santa Maria de  Almacave, die einige beachtenswerte Plastiken vorweisen kann. In dieser Kirche wurde einstmals Afonso Henriques zum ersten König Portugals proklamiert.

Hauptsehenswürdigkeit von Lamego ist aber zweifelsohne die im Rokokostil gehaltene Wallfahrtskirche Nossa Senhora dos Remédios.
Von der Stadt führt eine prächtige 686-stufige Treppenanlage mit 14 Stationskapellen aufwärts zur weithin sichtbaren Wallfahrtskapelle auf den Monte de Santo Estevão. Der Bau wurde im 18. Jahrh. recht prunkvoll mit einer doppeltürmigen Hauptfassade errichtet.
Alljährlich suchen hier in den ersten Tagen des Monats September Tausende von Gläubigen Trost und Heilung von ihren Gebrechen.
Auf der Terrasse, unterhalb der Kirche, sind die Statuen von Königen und biblischen Gestalten versammelt. Die Mitte schmücken ein mit Reliefen versehener Obelisk und eine über 700 Jahre alte, mit Efeu überwucherte, Kastanie.
Mehr als Skulpturenschmuck und Kastanie überzeugt jedoch der überragende Blick – er reicht von hier weit über Lamego und seine fruchtbare Umgebung.

Aber Lamego ist nicht nur wegen seinen zahlreichen historischen und kirchlichen Bauwerke berühmt.
Nein, auch die Gastronomie der Stadt und der Region in der sie liegt ist in ganz Portugal berühmt.
Besonders erwähnungswert sind hier das Zicklein und der Hase, die im Ofen gebraten werden, der berühmte Käse Queijo da Serra und natürlich die „bôlas“, schmackhafte Brote die z.B. mit Schinken, Salami, Hähnchenfleisch, Thunfisch, Bacalhau und noch vielem anderem gebacken werden.
Auch wegen seiner vielen guten Weine aus der Douro-Region und dem prickelnden Schaumwein „Raposeira“ ist Lamego hier in Portugal sprichwörtlich in aller Munde.

Lamego, mit seiner malerischen Lage in geringer Entfernung zum Douro und seinen vielen Weinbergen, gehört ohne Zweifel zu den schönsten Städten Nordportugals.
Klein, überschaubar, historisch, traditionsreich, kulinarisch wertvoll und zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert – das ist Lamego!

Dienstag, 7. Januar 2014

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung


Ich bin heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit klitschenass geworden, denn ein orkanartiger Sturm zieht gegenwärtig über Portugal.

Seit Tagen herrscht eine raue See an der ganzen Küste Portugals und durch das aufgewühlte Meer trauen sich die Fischer seit Tagen nicht mehr auf den Atlantik hinaus.
Mehrere durch den starken Wind und die meterhohe Wellen verursachte Überschwemmungen haben viele Strandrestaurants und Wohnhäuser landesweit zerstört, etliche Dächer abgedeckt und Windböen Fenster eingeschlagen.
Zahlreiche Bäume, Strom- und Telefonmaste knickten um und fielen so den extremen Wetterkapriolen zum Opfer.
Auf den eher gemäßigten Azoreninseln Faial und Pico ist, Dank der polaren Luft die gerade über Nordamerika zieht, sogar schon Schnee gefallen.
Im Norden Portugals, an der Douromündung bei Porto, wurden gestern über 60 Autos durch eine riesige Welle weggeschwemmt und vier Menschen wurden dabei verletzt.
Zum Glück gab es aber keine Toten zu beklagen.
Noch im Dezember sah es anders aus.
Letzten Monat wurden nämlich insgesamt zwölf Menschen hier im Lissabonner Raum durch Riesenwellen ins Meer gerissen und kamen dabei ums Leben.

Für die nächsten Tage ist in ganz Kontinentalportugal weiterhin mit einer dichten Bewölkung zu rechnen, aber der Wind und der Regen werden wohl nachlassen, so das portugiesische Wetteramt.
Wollen wir mal hoffen, das die Herren Meteorologen recht behalten, denn das schlechte Wetter hat mich heute einen Regenschirm gekostet, was zur Konsequenz hatte, das meine Klamotten durchnässt waren, als ich auf Arbeit erschien.
Aber vielleicht hätte ich mich besser gegen den Regen wappnen müssen, getreu dem alten deutschen Sprichwort:

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung!“
(port.: „Não há mau tempo, só roupa inadequada!“)

Sonntag, 9. Dezember 2012

Die Tragödie der Ponte das Barcas




In meinem Blogeintrag „Luisa Todi – die Sängerin aller Jahrhunderte“ vom vergangenen 25. November 2012, erwähne ich die große Tragödie die einstmals Ende März 1809 über die Stadt Porto hereinbrach, als tausende Menschen, bei dem Versuch die Stadt vor französischen Invasionstruppen fluchtartig zu verlassen, im Douro ertranken.

Ich wurde nun diese Woche gefragt wie es damals zu dieser Tragödie kam, bei der so viele Menschen starben.

Der Douro ist, und war schon immer, ein Fluss mit einer sehr starken, reißenden Strömung und vielen Untiefen, dessen Überquerung sehr schwierig war und ist.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es keine Brücken, die beide Ufern des Douro im Großraum Porto miteinander verbanden.
Wollte man daher vor gut 200 Jahren von Porto auf die andere Flussseite, in die Stadt Vila Nova de Gaia, so konnte man dies damals nur mit Hilfe von Booten, Barken oder Flößen bewerkstelligen.

Im Jahre 1806 wurde der Ingenieur und Architekt Carlos Luis Ferreira da Cruz Amarante von der Stadtverwaltung in Porto beauftragt eine Behelfsbrücke zwischen Porto und Vila Nova de Gaia zu errichten, um endlich dem aufkommenden Personenfluss und Handelsverkehr zwischen den zwei Ufern gerecht zu werden.
Carlos Amarante, der Verantwortlich für solche Bauwerke wie die Kirche Bom Jesus do Monte und die Klosterkirche Igreja do Pópulo in Braga, die Kirche Igreja da Trindade in Porto und die Wiedererrichtung der Stadtmauer in der Stadt Valença do Minho ist, machte sich im Frühjahr 1806 an die Arbeit.

Inspiriert von Brückenbauern aus den Niederlanden, und weil die Stadt Porto von ihm einen schnellmöglichen Brückenbau verlangte, entschied er sich aus Zeit- und Geldmangel, die zwei Ufern des Douro zwischen Porto und Vila Nova de Gaia mit 20 schwimmenden Barken (port.: barcas) zu verbinden.
Auf diese Barken, die mit Stahlseilen fest miteinander verbunden waren. wurden dann Holzbretter verlegt, und so war die Brücke in kürzester Zeit erbaut.
Bereits am 15. August 1806, nur wenige Monate nachdem Carlos Amarante den Auftrag zum Bau einer Fußgängerüberquerung über den Douro erhalten hatte, wurde die „Ponte das Barcas“ (dt.: Barkenbrücke) für die Bevölkerung freigegeben.
Die „Ponte das Barcas“ war die erste Brücke dieses Typs in ganz Portugal.

Im Jahre 1809, knapp zweieinhalb Jahre nach dem Brückenbau, überfielen napoleonischen Truppen in der zweiten französischen Invasion Portugal.
Unter General Nicolas Soult überrannten damals Anfang März französische Soldaten, aus Spanien kommend, die portugiesischen Provinzen Trás-os-Montes und Minho und standen alsbald vor der Stadt Porto, um diese einzunehmen.
Als am 29. März 1809 die französischen Truppen die Stadtgrenze von Porto überschritten, flohen tausende Bürger panisch aus der Stadt.
Viele von ihnen versuchen über die aus zusammengeketteten Barken sehr wackelige Brücke „Ponte das Barcas“ zu fliehen.
Als immer mehr Menschen verzweifelt auf die Brücke stürmten und in Richtung Süden nach Vila Nova de Gaia vor den Bajonetten der Franzosen flohen, konnte die Brücke alsbald das immense Gewicht der tausenden Menschen nicht mehr tragen.

Es kam zu einer Katastrophe:
Die Stahlseile, die die 20 Barken zusammenhielten, rissen und die Brücke, die ja aus schwimmenden Barken bestand, machte sich selbstständig.
Von den schätzungsweise über 10.000 Menschen die sich an diesem Tag auf der Brücke befanden, wurden wohl über 4.000 in den Tod gerissen.

Nach der französischen Invasion wurde die „Ponte das Barcas“ wiedererrichtet und erst im Jahre 1843 durch einen richtigen Brückenbau, der Ponte Pênsil, ersetzt.

Wo einstmals die „Ponte das Barcas“ den Fluss überquerte, steht heute, im Stadtteil Ribeira, am Ufer des Douro, ein Relief des Künstlers António Teixeira Lopes, als Mahnmal für die Opfer dieser Katastrophe vom 29. März 1809.
Noch heute legen dort Menschen regelmäßig Blumen nieder und zünden dort Kerzen an, um an die Toten dieses Unglückes, die „Alminhas da Ponte“ (dt.: „Seelen der Brücke“), zu gedenken.

Dienstag, 15. September 2009

Red Bull Air Race



Dieses Wochenende fand hier im Norden Portugals, in der Stadt Porto, vor den Augen einer rekordverdächtigen Zahl von mehr als 720.000 flugrennsportbegeisterten Zuschauern und an einer spektakulären Strecke entlang des Flusses Douro, das fünfte und vorletzte Rennen der Red Bull Air Race-Weltmeisterschaft 2009 statt.

Mit seinem sechsten Platz verpasste der deutsche Matthias Dolderer nur knapp das Finale in Spanien.
Denn nur die vier besten Teilnehmer können im nächsten Monat im spanischen Barcelona am Finale teilnehmen.

Bei der von der Federation Aeronautique Internationale (FAI) überwachten Red Bull Air Race-WM müssen die Piloten ihr ganzes Können unter Beweis stellen, um bei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 370 km/h und Kräften von bis zu 12G die 20 Meter hohen aufblasbaren Pylone, die so genannten Air Gates, so schnell wie möglich zu passieren.

Portugiesische Piloten waren erst gar nicht am Start. Trotzdem war das Flugspektakel vom Wochenende ein absoluter Erfolg für die Stadt Porto, ihre Bewohner und ihre Besucher.

Sieger in Porto wurde der Brite Paul Bonhomme, vor dem Titelverteidiger des letzten Jahres, dem Österreicher Hannes Arch. Dritter wurde Rockie Matt Hall aus Australien.
Die ganze Veranstaltung fand unter einem frenetischen Beifall der über 720.000 gut gelaunten Zuschauer über das ganze Wochenende statt.

Obwohl, am Samstag hielt sich die Begeisterung und die gute Laune für einige Minuten in Grenzen. Für einen Augenblick gerieten einige Zuschauer sogar in Panik.

Was war geschehen?

Die Veranstalter hatten, als Überraschung, einen Airbus 310 der portugiesischen Fluggesellschaft SATA knapp über die Häuser von Porto und die Zuschauer drüber fliegen lassen.
Was wie gesagt, eine Überraschung und ein Highlight der Flugshow sein sollte, endete allerdings fast in ein Desaster.

Denn einen riesigen Airbus 310, am Jahrestag der New Yorker Terroranschläge vom 11. September knapp über die Köpfe von über 700.000 Menschen fliegen zu lassen, kann kein Highlight sein, sondern nur ein makaberer und schlechter Witz.
Als die Veranstalter merkten dass die Stimmung zu kippen drohte, ließen sie den Airbus nach nur einem Überflug sofort zum Flughafen Aeroporto Francisco Sá Carneiro zurückfliegen.

Die Veranstaltung konnte ohne ernsten Zwischenfall weiter gehen.

Samstag, 25. Juli 2009

In Sachen Wasser, hängt Portugal am spanischen Tropf


Hier in Portugal gibt es eine uralte Legende, die man sich gelegentlich erzählt.
Dieser Legende nach, haben sich vor langer, langer Zeit drei Flussgeister nach Spanien begeben, um dort ein Wettrennen an den Atlantik zu beginnen. Eine Nacht, vor dem großen Start, schliefen die Flussgeister noch gemeinsam ein. Der erste, der erwachte, war der Guadiana. Er nahm den schönsten und einfachsten Weg hinunter zur Algarve. Der Tejo folgte als nächster und entschied sich für die Route nach Lissabon. Für den Langschläfer Douro blieb nur noch die lange und zerklüftete Strecke durch den Norden Spaniens und Portugals übrig. Doch alle drei fanden den Weg, über Portugal, zum Atlantik.

Wie man sieht hat Portugal, auch wenn seine großen Ströme im Nachbarland Spanien entspringen, ein sehr inniges Verhältnis zu seinen Flüssen. Weniger innig ist das Verhältnis dagegen zwischen Portugal und seinem Nachbarn Spanien, wenn es um die Wasserpolitik geht.

Obwohl Portugal ein Land der Dürre ist, nicht nur in den Sommermonaten, macht man sich hier leider erst seit kurzer Zeit Sorgen um die künftige Wasserversorgung.
Da die großen Flüsse des Landes, mit Ausnahme des Flusses Mondego, alle im Nachbarland Spanien entspringen, steht Portugal unter einem gewissen Druck Spaniens, was die Wasserpolitik angeht.

Daher muss Portugal handeln, zumal der Klimawandel der gesamten Iberischen Halbinsel sicherlich noch längere und härtere Dürreperioden einbringen wird als bisher. Und Portugal möchte auch nicht das es soweit kommt, wie jetzt schon jeden Sommer in Spanien üblich, Tankschiffe voller frischem Wasser hin und her manövrieren zu müssen, um die Dürreregionen mit Trinkwasser zu versorgen.

Die Liste der Vorfälle zwischen Portugal und Spanien, was den Wasserstreit angeht, ist lang.
So erfuhr Anfang der 90er Jahre die portugiesische Regierung erst aus der Presse, dass Spanien im Rahmen seines groß angelegten nationalen Flussbauplans eine Umleitung von Dourowasser in den Tejo plante. Diese Maßnahme hätte dem Douro mehr als ein Zehntel seines Wassers beraubt - mit spürbaren Auswirkungen für die portugiesische Landwirtschaft, Energiegewinnung und die Umwelt. Nicht die Proteste aus Lissabon, sondern ein Zank unter den spanischen Regionen selbst, brachte den Wasserplan in dieser Form letztendlich zu Fall.

Vor vier Jahren, im Dürresommer von 2005, kam es erneut zum großen Wasserstreit. Entgegen der vertraglichen Absprachen mit Portugal gönnte sich das trockene Spanien einen überaus großen Schluck aus dem Douro - vor allem zu Lasten der portugiesischen Landwirte, die daraufhin von der Regierung in Lissabon Kompensationszahlungen für ihre Produktionsausfälle erhielten. Später räumte auch die spanische Regierung widerwillig ein, den Vertrag gebrochen zu haben und überwies, schweren Herzens, eine Entschädigungszahlung an Portugal.

Der Klimawandel wird den Vertrag zur gemeinsamen Flussnutzung - dessen Wurzeln bereits auf ein Grenzabkommen von 1864 zurückgehen - auf immer neue Proben stellen. Und bislang regeln die gemeinsamen Abkommen vor allem Fragen zur Wassermenge. Doch auch Umweltaspekte, wie die Wasserqualität, gewinnen verstärkt an Bedeutung. Was, wenn das Flusswasser aus Spanien immer stärker mit Schadstoffen belastet in Portugal ankommt?

Überall auf der Welt finden heute immer mehr Kriege statt, weil sich Völker um Wasserressourcen streiten. Portugal und Spanien steht also eine schwierige Zukunft bevor, vielleicht sogar ein Krieg.

Und wenn es erst einmal soweit ist, werden den Portugiesen und Spaniern selbst die Flussgeister nicht mehr helfen können!