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Donnerstag, 14. Februar 2013

Kosmische Grüße von der ISS


Der kanadische Astronaut Chris Austin Hadfield, der schon mit den Raumfähren „Atlantis“ und „Endeavour“ um die Erde geflogen ist, befindet sich derzeit wieder im All.
Zusammen mit seinem us-amerikanischen Kollegen Thomas Marshburn und dem Russen Roman Romanenko bilden die drei die aktuelle Crew der ISS (engl.: International Space Station / dt.: Internationale Raumstation / port.: Estação Espacial Internacional), die 350 km über unser aller Köpfe schwebt.

Hadfield hat ein ausgefallenes Hobby.
Er hat die Angewohnheit die Welt von oben zu fotografieren und dann diese Fotos bei Twitter oder facebook mit seinen Freunden zu teilen.
Am gestrigen Mittwoch, den 13. Februar 2013, ist er wieder einmal seinem Hobby nachgegangen, und hat einige Bilder ins soziale Netz gesetzt.
Unter anderem veröffentlichte er dabei auf Twitter ein Bild, der portugiesischen Hauptstadt bei Nacht.

Das Foto zeigt das hell erleuchtete Lissabon, seine Vororte Estoril, Cascais, Sintra und ein Teil der südlich von der Hauptstadt gelegenen Setubal-Halbinsel (port.: Peninsula de Setúbal), sowie rechts den nicht beleuchteten Tejo und links davon den ebenfalls nicht beleuchteten, dunklen Atlantik.
Deutlich sind auf dem Foto die zwei Tejobrücken, der Monsantopark (port.: Parque de Monsanto), die grüne Lunge der Stadt, und auf der südlichen Tejoseite die Städte Almada, Seixal, Montijo und Barreiro zu sehen.

Der Blick vom Weltall auf unsere Erde ist immer imposant und traumhaft schön!
Astronauten, die von ihrem Weltraumausflug zurückkehren schwärmen noch Jahrzehnte nach ihrem Aufenthalt im All davon.
Umso schöner ist es da, dass Chris Austin Hadfield uns Normalsterbliche an diese einzigartigen Ausblicke teilhaben lässt.

Wer Hadfield auf Twitter verfolgen will: Chris Hadfield @Cmdr_Hadfield

Sonntag, 30. September 2012

Gemeindeausflug 2012 der DEKL in die Beira Baixa



Am gestrigen Samstag, dem 29. September, realisierte die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde zu Lissabon ihren alljährlichen Gemeindeausflug.
Dieses Jahr führte uns unsere gemeinsame Reise in die schöne und historische Region Beira Baixa, die nordöstlich von Lissabon liegt.

Früh ging es los!
Um Punkt 08:16 Uhr fuhr der Zug Intercidades, in Richtung Covilhã, vom Lissabonner Bahnhof Santa Apolonia, ab.
Bei strahlendem Sonnenschein führte uns unsere Zugreise über Vila Franca de Xira, Santarém, Entroncamento und Abrantes durch den Ribatejo, immer am majestätischen Tejo entlang, bis nach Vila Velha de Ródão, wo wir den Zug verließen.

In Vila Velha de Ródão machten wir dann eine Bootsfahrt auf dem Tejo, zu den berühmten Portas de Ródão.
Hier, rund 30 km südwestlich der Distrikthauptstadt Castelo Branco, hat der Tejo das imposante 45 m breite Felsentor von Ródão (port.: Portas de Ródão) über Jahrmillionen geologisch ins Gestein gewaschen.
Die Portas de Ródão gelten als Naturdenkmal (port.: Monumento Natural das Portas de Ródão) und liegen in einem Naturschutzgebiet.
Dieses Naturschutzgebiet ist die Heimat vieler seltener Vögel.
Hier brütet und lebt z.B. die größte Population Iberischer Gänsegeier (lat.: Gypus fulvus / port.: grifo) auf portugiesischem Boden.
Aber auch die seltenen Schwarzstörche (lat.: Ciconia nigra / port.: cegonha-preta) und Rotmilane (lat.: Milvus milvus / port.: milhafre-real) brüten und leben hier.

Von Vila Velha de Ródão ging es dann mit einem Reisebus weiter nach Castelo Branco, wo wir im Restaurant „Quinta da Dança“ einkehrten.
Dort haben wir zwar nicht das Tanzbein geschwungen, aber sehr wohl vorzüglich gegessen und getrunken.

Gestärkt durch ein ausgedehntes und sehr schmackhaftes Mittagessen, der unser zeitliches Reiseprogramm total durcheinander brachte, brachen wir zum nahen Museu Cargaleiro auf.
Dieses Museum, das sich alleine dem Werk und den Werken des Malers und Keramikkünstlers Manuel Cargaleiro widmet und zahlreiche seiner Werke beherbergt, liegt inmitten der historischen Altstadt von Castelo Branco und gilt als eines der wichtigsten kulturellen Institutionen der Stadt.

Nach dem Besuch im Museu Cargaleiro fuhren wir dann mit dem Reisebus weiter nördlich, in Richtung der Stadt Idanha-a-Nova, nahe der spanischen Grenze.
Unser letztes Reiseziel, und zweifelsohne eines der schönsten unseres Ausfluges, war das historische Dorf Monsanto, das hier in Portugal den Ruf hat „das portugiesischste Dorf Portugals“ zu sein (port.: „A aldeia mais portuguesa de Portugal“).

Monsanto ist schon von weitem aus zu sehen.
Wie ein Schwalbennest klebt der kleine malerische Ort um den Gipfel eines felsigen Hügels, inmitten der Landschaft.
Beherrscht wird Monsanto, das noch nicht einmal 1000 Einwohner zählt, von den Resten einer alten Burganlage.
Mit seinen engen und steilen Gassen, die von zum Teil in den Granitstein gehauenen Häusern gesäumt werden, gehört Monsanto zu den typischsten und besuchenswertesten Ortschaften der Beira Beixa.
Monsanto ist so malerisch, das es 1938, bei einem nationalen Wettbewerb, zum „Portugiesischsten Dorf Portugals“ auserkoren wurde.
Dieser Titel haftet Monsanto, nicht zu unrecht, bis heute noch nach.
Monsanto ist allemal einen Besuch wert!

Gegen 18:00 Uhr verließen Monsanto und fuhren mit dem Bus nach Castelo Branco zurück, wo wir pünktlich um 19:25 Uhr den Intercidades nach Lissabon bestiegen.

Nach drei Stunden Fahrt kamen wir hier im Bahnhof Santa Apolonia, wo unser Gemeindeausflug am frühen Morgen begonnen hatte, erschöpft aber sehr glücklich und zufrieden an.
Hannelore Correia, die für die Planung und Verwirklichung dieser interessanten und erlebnisreichen Gemeindereise verantwortlich ist, hat unsere aller Lob verdient.
Wir freuen uns schon alle auf die nächste Reise die sie organisieren wird.

Danke Hannelore!

Freitag, 13. Juli 2012

Goldener Tejo

Als ich heute Abend, nach der Arbeit, mit meiner guten Freundin Ana Celeste den Tejo überquerte, stand die Sonne schon ziemlich tief.
So kurz vor dem Sonnenuntergang fallen jetzt im Sommer die Sonnenstrahlen wie eine Flut aus schimmerndem Gold auf das sanft wogende Wasser des Flusses.

Ana Celeste, die den Tejo nur selten überquert, da sie in Odivelas lebt, war von diesem „goldigen“ Schauspiel überwältigt und meinte nur:

„ …traumhaft, sieht aus wie fließendes Gold!…“

Und kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, fragte sie mich allen ernstes:

„Was meinst Du, gibt es im Tejo Gold?“

Nun, das es heute noch Gold im Tejo gibt, wage ich stark zu bezweifeln.
Sicherlich, das eine oder andere kleine Schmuckstück, die eine oder andere Goldmünze aus vergangenen Jahrhunderten wird dort unten sicherlich, unter meterhohem Schlick, zu finden sein.
Sonst wird man im Tejo aber wohl sicherlich kein Gold mehr anfinden.
Aber es gab ihn einstmals sehr wohl – Gold im Tejo!

Zwar war der Fluss nie ein „El Dorado“, aber schon die Karthager und die alten Römer haben an seinem Ufer, unweit der Stadt Santarém, wohl erfolgreich nach Gold geschürft.
Hier in Lissabon war das Schürfen nach Gold aber eher kläglich.
Alte Schriften belegen zwar, dass es an den sandigen Ufern des heutigen Lissabons, Almadas und Seixals, einstmals sehr wohl Gold gegeben hat, aber die Mengen müssen doch sehr überschaubar gewesen sein.

Der im 12. Jahrhundert lebende berühmte arabische Botaniker und Geograph Muhammad al-Idrisi schreibt hierzu in seinem Hauptwerk „Nuzhat al-Mushtak fi-ichtiraq al-afaq“ (port.: „Viagem do saudoso que atravessa os horizontes“ / dt.: „Reise des Sehnsüchtigen der die Horizonte überquert“) folgende Anmerkungen:

„Sie (die Goldsucher) suchen an den Ufern von Hisn al-Madin (port.: Almada) nach (Gold)Blättchen und bergen diese in Hülle und Fülle aus dem Meer (dem Fluss Tejo) …“
„Das Gold schimmert in den blauen Wassern. Sogar Kinder finden es ohne Mühe und von einem Meister wurde mir gar berichtet er hätte an einem einzigen Tag über 200 Goldkörner in seiner Pfanne gehabt…“

Zugegeben, der große Muhammad al-Idrisi, der aus dem maurischen Königreich Al-Andalus (dt.: Andalusien) stammte und an der Universität von Cordova studiert hat, ist selbst nie in Lissabon gewesen.
Aber er ist sehr wohl dafür berühmt, dass er in seinen Schriften immer äußerst zuverlässig und sehr detailgenau berichtete.
Nichtsdestotrotz scheint ihm hier die Phantasie, jedenfalls was die Mengen an Gold angeht, wohl durchgegangen zu sein.

Bis hinein ins 15. Jahrhundert, also schon in portugiesischer Zeit, erwähnen noch einige Schriften Goldfunde in und um Lissabon.
Als die portugiesischen Seefahrer dann aber anfingen in die Welt hinauszufahren und in Afrika, Indien und Brasilien Gold in rauen Mengen anfanden, hörten die Berichte über die Funde dieses Edelmetalls in hiesigen Gewässern langsam auf.

Wie viel Gold der Tejo den Menschen im laufe der Jahre wirklich geschenkt hat, ist heute unkalkulierbar.
Weitaus kalkulierbarer sind dagegen, jetzt im Sommer, die schönen Sonnenuntergänge die man an den Ufern dieses prächtigen Flusses bewundern kann!

Montag, 12. März 2012

Straßenverkehrsordnung anno dazumal



Über viele Jahrhunderte hinweg hatten Menschen nur zwei Möglichkeiten um sich in der Stadt Lissabon fortzubewegen:
Wenn sie arm waren, dann gingen sie zu Fuß.
Wenn sie reich waren und ein Pferd hatten, dann gingen sie reitend durch die Stadt. Eine andere Alternative hatten sie nicht.

Die Straßen Lissabons waren eng, dreckig, stinkend und schlammig.
Sie waren in solch einem schlechten Zustand, das die, die es sich leisten konnten, vom zentralen Terreiro do Paço, dort wo sich heute die Praça do Comercio befindet, nach Belém mit einem Boot oder einem Schiff den Tejo entlang fuhren, anstatt die engen, verwinkelten und schlammigen Straßen von damals zu benutzen.

Wie schlimm es um die Straßen Lissabons einstmals stand, kann man in einer wenig schmeichelhaften Reiseerinnerung eines französischen Kaufmanns nachlesen, der 1571 schrieb:

• „Portugals Seewege sind seine besten Trophäen. Die grässlichen Straßen Lissabons allerdings stapft höchstens der Teufel entlang, und selbst der Beelzebub würde umkehren, grau von Staub und krumm von Mühsal und höllisch fluchend vor Entsetzen.“

Als im Jahre 1578 König Sebastião I auf einem Schlachtfeld in Marokko starb, ohne einen Nachfolger hinterlassen zu haben, erhob der spanische König Philipp II Anspruch auf den Thron Portugals.
Als Philipp II sich drei Jahre später, 1581, auf den Weg nach Lissabon machte, um hier die Hauptstadt seines neuen Königreiches kennen zu lernen, kam er in einer Kutsche (port.: coche) an.
Was für uns heute absolut normal erscheint, war für die meisten Lissabonner der damaligen Zeit ein absolutes Novum.

So etwas hatten die meisten bis dahin noch nie gesehen:
einen hölzernen Kasten auf vier Rädern, der von sechs Pferden gezogen wurde und der an jeder Ecke verkeilte und stehen blieb, weil er einfach nicht durch die engen Straßen der Stadt hindurchpasste.
So soll denn auch Felipe I, wie er sich fortan als König von Portugal nannte, bei seinem Einzug in Lissabon die letzten 1.500 m zum königlichen Palast Paço da Ribeira auf dem Rücken seines Pferdes zurückgelegt haben.

Aber so unpraktisch Felipes Kutsche für die Straßen Lissabons auch war, als er die Stadt im Jahre 1583 für immer verließ, machte es ihm der portugiesische Adel nach, und jeder der es sich leisten konnte, schaffte sich seine eigene Kutsche an.
Welchen Verkehrschaos es daraufhin in den Straßen Lissabons gab, kann man sich leicht vorstellen.

Da es damals so etwas wie eine Straßenverkehrsordnung noch nicht gab, versuchte man das Problem auf der hierarchischen Ebene zu lösen.
Kamen sich z.B. in einer Straße zwei Kutschen entgegen, so machte die Kutsche mit dem rangniedrigsten Fahrgast immer für den ranghöheren Platz.
Begegneten sich aber zwei gleich ranghohe Fahrgäste, und machte die eine Kutsche der anderen nicht freiwillig Platz, dann kam es oft zu Auseinandersetzungen, die von einfachen Wortgefechten bis hin zu Handgreiflichkeiten und Duellen, ja sogar Mord und Totschlag, gingen.

Um diese zuweilen sehr gewalttätigen Diskussionen ein für alle Mal zu beenden wurde im Jahre 1686, auf Anordnung von König Pedro II, die erste Straßenverkehrsordnung (port.: código da estrada) Portugals herausgegeben.

Die Strafe die sich König Pedro II für die Nichteinhaltung der neuen Verkehrsordnung ausgedachte hatte, war denkbar hart:
So wurden, auf Anweisungen des Königs hin, nicht etwa die Kutscher bestraft, sondern die adeligen Kutschenbesitzer.
Demnach wurde der Adelige der sich nicht an die neuen Verkehrsbestimmungen hielt, ohne wenn und aber, nach Brasilien deportiert!

Alleine diese Strafe zwang die Adeligen dazu mehr Rücksicht im Straßenverkehr zu haben.
Dennoch wurden zwischen 1686 und 1702, nach offiziellen Angaben, 274 adelige Verkehrsrowdies in Lissabon aus dem Verkehr gezogen und nach Brasilien zwangsdeportiert.

Mit in Kraft treten der neuen Verkehrsordnung wurden in Lissabon auch die ersten Verkehrsschilder aufgestellt und die ersten Verkehrspolizisten, die „prácticos“, traten ihren Dienst an.
Eines dieser ehemaligen ersten Verkehrsschilder kann man heute im Stadtteil Alfama, im Beco do Salvador, an der Hauswand des Gebäudes mit der Hausnummer 26 bewundern.

Auf diesem marmornen Verkehrsschild (port.: placa de trânsito), das eine Einbahnstraße anzeigt, kann man, auf alt-portugiesisch, folgende Inschrift lesen:

• „ANO DE 1686. SUA MAJESTADA ORDENA QUE OS COCHES, SEGES E LITEIRAS, QUE VIEREM DA PORTARIA DE SÃO SALVADOR, RECUEM PARA A MESMA PARTE“

Überstezung des Textes:

• „Im Jahre 1686. Seine Majestät ordnet an das alle Kutschen, Karossen und Sänften, die aus Richtung São Salvador kommen, in die selbige Richtung umkehren müssen“

Ich kann mich noch an solch ähnliche Verkehrsschilder an Gebäuden der Calçada de São Vicente, der Calçada de São Tomé und im Largo de Santa Luzia erinnern.
Doch mit den Jahren wurden diese Gebäude alle abgerissen und mit ihnen auch die Schilder zerstört.
Nur noch das marmorne Verkehrsschild im Beco do Salvador ist aus der Zeit der ersten Straßenverkehrsordnung in Portugal übrig geblieben.
Es ist das einzige das heute noch existiert!

Dienstag, 14. Februar 2012

Von einem geplanten urbanen Attentat


Als António Costa, heute seines Zeichens Bürgermeister von Lissabon, einmal im Wahlkampf um das Rathaus der Stadt war, versprach er vielen vieles.
Unter anderem versprach er seinen Wählern den Tejo der Stadt und seinen Bürger wieder näher zu bringen.

Lissabon, eine Stadt die über Jahrhunderte hinweg vom Tejo und mit dem Tejo lebte, hatte in den letzten Jahrzehnten dem Fluss leider den Rücken zugekehrt.
In den letzten 60 Jahren wurde das Flussufer nämlich mit Hafen- und Industrieanlagen, Containern und Lagerhallen regelrecht zugebaut.

António Costa versprach deshalb vor seiner Wahl, aus dem Ufer eine Promenade zu machen, mit Fahrradwegen, einer Flaniermeile und vielen, vielen Grünanlagen.
Doch das war, wie gesagt, vor seiner Wahl!

Denn heute, wo er Bürgermeister ist, setzt er alles daran, eines der am schönsten liegenden Uferteile des Tejo mit einem Protzbau zu zubetonieren.
Westlich der Praça do Cemercio, genau gegenüber dem Arsenal da Marinha (dt.: Zeughaus der Marine), an einem Platz den man Largo do Corpo Santo nennt und der an der Avenida da Ribeira das Naus liegt, will die Stadt Lissabon ein dreistöckiges Parkhaussilo für unglaubliche 4,5 Millionen Euro errichten.

Welchen städtebaulichen Nutzen dieses Parkhaus für die Bürger der Stadt haben soll, ist den meisten Lissabonnern ein Rätsel.
Wenn er einen Nutzen hat, dann nur für die paar Beamte die in den umliegenden Ministerien, in der Hafenmeisterei und im nahen Rathaus arbeiten. Diese könnten dann nämlich zukünftig direkt mit dem Auto bis zur Arbeit fahren.
Die überwiegende Zahl von ihnen tut dies heute nicht, weil es in der Baixa wirklich kaum Parkplätze gibt, und sie somit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz fahren müssen.

Gegen den Bau des Parkhaussilos und die drohende Verschandelung eines der letzten freien Tejouferabschnitte hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gebildet.

Diese Bürgerinitiative hat nun eine Unterschriftensammlung im Internet organisiert, die den klangvollen Namen „Petição contra a construção de silo automóvel de 3 andares no Largo do Corpo Santo – Ribeira das Naus em Lisboa” trägt (dt.: “Petition gegen den Bau des dreistöckigen Autoparkhauses im Largo do Corpo Santo – Ribeira das Naus in Lissabon”) und die jeder unterschrieben kann und soll, der gegen dieses urbane Attentat ist.

Die Initiatoren erhoffen sich von dieser Petition, dass Bürgermeister António Costa sich noch einmal den Bau des Parkhauses überlegt, und er sich vielleicht seine Wahlversprechen von damals nochmals durch den Kopf gehen lässt.

Wer diese Petition mit seiner Unterschrift unterstützen will, kann das unter der folgenden Internetadresse gerne tun:

www.peticaopublica.com/PeticaoVer.aspx?pi=P2012N19416

Die Initiatoren und ein großer Teil der Lissabonner Bevölkerung wird es ihnen danken!

Dienstag, 30. August 2011

Ponte 25 de Abril


In meinem Beitrag „Mautgebühren“, welches ich am 11. Juli 2011 gepostet habe, schreibe ich über die Mautgebühren der imposanten „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April), die majestätisch die beiden Ufer des Tejo, und somit Lissabon und Almada, miteinander verbindet.

Als die United States Steel Export Company, aus New York, zusammen mit 16 anderen Firmen am 06. August 1966, nach vierjähriger Bauzeit und somit ein halbes Jahr vor dem geplanten Bauende, die große Brücke über den Tejo fertig gestellt hatte, war sie die längste Hängebrücke (port.: Ponte Suspensa) Europas.
Noch heute ist sie, nach der Tsing-Ma-Brücke in China, die zweitlängste Hängebrücke der Welt, die Straßen- und Eisenbahnverkehr miteinander kombiniert.

Mit dem Bau der Brücke erfüllten sich die Lissabonner einen Jahrhundertalten Traum. Die Warterei auf die Auto- und Personenfähren, die bei Nebel, starkem Wind und schwerem Seegang oft den Dienst einstellten, hatte ein Ende.
Auch war man nicht mehr auf die 30 km weiter im Norden liegende Brücke Ponte Marchal Carmona in Vila Franca de Xira angewiesen, um in den Süden des Landes zu gelangen.

Zuerst taufte man die Brücke auf den Namen „Ponte Salazar“, nach dem Mann, der sie bauen ließ, nämlich den Diktator António de Oliveira Salazar.
Diesen Namen verlor sie aber am 25. April 1974, als die Diktatur durch die Nelkenrevolution beendet wurde. Einige Zeit lang nannte man sie nur noch die „Ponte sobre o Tejo“ (dt.: Brücke über den Tejo). Ich selber nenne sie heute noch so.
Aber die neuen revolutionären Machthaber hatten alsbald die Anonymität des technischen Wunderwerkes leid, und gaben ihr den weniger originellen Namen „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April).

Sie ist aus purem Stahlbeton, überspannt freitragend eine Distanz von 1013 Metern, ihre gesamte Länge beträgt stolze 2278 Meter.
Zwei 190 Meter hohe Pylone, deren Fundamente 82 Meter unter dem Meeresspiegel verankert sind, tragen die Fahrbahnen, die den Tejo in einer Höhe von 70 Metern überqueren. Insgesamt waren 3.022 Arbeiter an ihrem Bau beteiligt. Vier Arbeiter starben während der vierjährigen Bauzeit.
Die Baukosten betrugen damals 2,2 Milliarden Escudos, was umgerechnet auf heute, an die 160 Millionen Euro wären.

Die Brücke ist formschön, überhaupt nicht monströs und durch ihre rötliche Pastellfarbe wirkt sie für den Betrachter fast schwerelos, so als ob sie über Lissabon schweben würde.
Unter den Fahrbahnen liegt ein Eisenbahndeck mit zwei Schienensträngen, die zwar schon beim Bau der Brücke berücksichtigt, aber erst im August 1999 fertig gestellt wurden.

Die Ortschaften am Südufer des Tejo, wie Almada, Seixal, Montijo und Setúbal, die bis dahin ein regelrechtes Dornröschenschlaf durchlebten, begannen nach dem Bau der Brücke, am 05. November 1962, sprunghaft an zu wachsen.
Noch heute sind ein großer Prozentsatz der rund 23 Millionen Fahrzeuge die jährlich die Brücke überqueren, Pendler aus dem Süden, die in Lissabon ihrer Arbeit nachgehen.
Zu Spitzenzeiten überqueren ca. 7.500 Fahrzeuge pro Stunde die Tejobrücke, pro Tag sind das an die 180.000 Fahrzeuge. Außerdem verbinden ca. 160 Zugverbindungen jeden Tag die zwei Ufer des Tejo.

Wenn man von Almada mit dem Auto in Richtung Hauptstadt fährt, hat man eine wunderschöne Aussicht.
Lissabon liegt einem fast zu Füßen, wie ein aufgeblättertes Buch, riesengroß und glänzend weiß.
Im Osten kann man die Alfama sehen, mit der Burg Castelo de São Jorge.
Etwas weiter westlich erkennt man die Baixa und in Fahrtrichtung erkennt man die Amoreirastürme.
Im Westen liegt Belém, ausschwingend bis zur Torre de Belém und dem Denkmal der Entdeckungen.

Der Ausblick den man von der Brücke hat, soweit man nicht nur Augen für den Verkehr hat, lässt einen alle Beschädigungen und hausgemachten Infernos die es jeden Tag in Lissabon und Almada gibt, vergessen.
Von den Fahrbahnen der „Ponte 25 de Abril“ hat man einen der schönsten Fernblicke, die ich kenne.

Dienstag, 19. Juli 2011

Flamingos im Tejo


Wenn man Lissabon in Richtung Alentejo verlässt, und über die imposante Vasco da Gama Brücke (port.: Ponte Vasco da Gama) fährt, fällt einem beim genaueren hinschauen des südlichen Tejoufers auf, das dort tausende rosafarbene Vögel mit langen Beinen im Wasser stehen.

Beim genaueren hinschauen erkennt man dann, das es sich bei diesen Wasservögeln um Flamingos handelt.
Man möchte es kaum glauben, aber es sind wirklich Rosaflamingos (port.: flamingos-rosados / lat.: Phoenicopterus roseus) die sich da im Wasser tummeln.

Rosaflamingos sehen zwar exotisch aus, und ihre Heimat ist vor allem Afrika und Asien, aber sie kommen sehr wohl auch hier in Südeuropa vor, von Südfrankreich über Spanien bis hierher, nach Portugal.
In Portugal kommen sie vor allem an der Algarve und in den großen Flussdeltas des Tejo und des Sado vor.
Hier im Tejo kommen sie von Alcochete, Moita über Montijo und Samoco bis hinüber nach Barreiro, Seixal und Corroios vor.
Dank der vielen metallurgischen Industrie, die noch vor einigen Jahren am südlichen Tejoufer angesiedelt war, waren Rosaflamingos hier im Lissabonner Unland, die letzten Jahrzehnte eher selten anzutreffen.

Aber in den letzten Jahren gibt es immer mehr Flamingos, die sich hier treffen, um sich zu paaren und zu nisten.
Man schätzt das etwa 8.000 dieser Vögel im Tejodelta beheimatet sind.
Das es heute wieder eine größere Anzahl von Rosaflamingos im Lissabonner Raum gibt, ist, wie ich schon in meinem Beitrag „Delphinschule zu Besuch in Lissabon“, vom 15.07.2011 erwähnt habe, der stark verbesserten Wasserqualität des Tejo zu verdanken und der Tatsache das die meisten Schwerindustriebetriebe ihre Arbeit eingestellt haben.
Vor allem die neuen Kläranlagen in Lissabon und in Seixal sorgen endlich für mehr sauberes Wasser.

Wer schon einmal im Zoo Flamingos gesehen hat, weiß dass diese Vögel eine beachtliche Größe erreichen können. Zwischen 120 cm und 140 cm können die Rosaflamingos groß werden.
Wie der Name schon sagt, haben sie ein rosafarbenes, auffälliges Gefieder und dunkelrosafarbene lange Beine, so dass man sie unter hunderten von Vögeln sofort erkennt.

Als die Vasco da Gama Brücke vor Jahren gebaut wurde, liefen die Umweltschützer Sturm. Sie zeigten sich besorgt, dass die Flamingos durch den aufkommenden Verkehr, für immer aus dem Tejodelta verschwinden könnten.
Aber genau das Gegenteil ist eingetroffen.
Seit Jahren steigt die Population der Rosaflamingokolonie stetig an.
Die Flamingos fühlen sich nämlich nicht durch den Autoverkehr gestört, der auf der Brücke herrscht, sondern sie fühlen sich dank des sauberen Wassers immer mehr wohler im Tejo.

Auf das diese grazilen Wasservögeln, die so ein wunderschöner Anblick sind, noch lange das Tejodelta mit ihrer Präsens bevölkern und beleben mögen.

Freitag, 15. Juli 2011

Delphinschule zu Besuch in Lissabon





Etwa 20 Delphine, darunter auch einige Jungtiere, waren letzte Woche wieder einmal zu Besuch in Lissabon.

Es ist zwar ein seltenes Phänomen, dass diese Meeressäuger im Tejo gesichtet werden, aber in letzter Zeit kommen solche Besuche öfters mal vor.
Dies war nicht immer so!

Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Wasserqualität des Tejo so schlecht, das den Bürgern Lissabons sogar vom schwimmen im Fluss dringest abgeraten wurde.
Ich selber kann mich noch an die trübe, stinkende Brühe erinnern, die jahrelang vor aller Augen, am Terreiro do Paço und am nahen Cais do Sodré, aus den Kanalisationsrohren direkt in den Fluss geleitet wurde.

Heute aber, nachdem die Kläranlage (port.: Estação de Tratamento de Águas Residuais = ETAR) im Stadtteil Alcântara am 21. Januar 2011 in Betrieb genommen wurde, ist die Wasserqualität um vieles besser.
In Lissabon werden heute alle Abwässer gereinigt und dies hat zur Folge, dass nun, wie schon geschrieben, wir öfters Mal Besuch von Delphinen bekommen.
Uns Lissabonner sind die Delphine jedenfalls jederzeit
willkommen!

Montag, 11. Juli 2011

Mautgebühren


Nun ist es amtlich: Ab diesem Jahr muss man wieder, nach 15 Jahren, eine Mautgebühr (port.: portágem) bezahlen, wenn man die Tejobrücke „Ponte 25 de Abril“ mit dem Auto, dem Bus oder dem Motorrad im Monat August überqueren will.

Diese Maßnahme überrascht kaum einen, denn sie war schon von der alten sozialistischen Regierung unter José Socrates, im Falle eines Wahlsieges, vorhergesehen.
Die Sozialisten verloren zwar die Wahlen, aber die schwere wirtschaftliche Lage in Portugal zwingt die neue Regierung von Pedro Passos Coelho an dieser Maßnahme festzuhalten.

Laut Álvaro Santos Pereira, dem neuen Wirtschafts- und Arbeitsminister, spart der portugiesische Staat durch diese Maßnahme an die 48 Millionen Euro bis zum Jahre 2019.
Alleine schon diesen August werden ca. 4,4 Millionen Euro eingenommen.

Natürlich gibt es schon die ersten Proteste gegen diese Maßnahme. Vor allem die Einwohner Almadas, die zum großen Teil in Lissabon beschäftigt sind, beschweren sich das sie nun auch im August die Mautgebühr bezahlen werden müssen.
Sie finden dies durchaus ungerecht, da sie ja das ganze Jahr die Maut bezahlen müssen, und somit finanziell benachteiligt sind.

Dies ist aber eine Milchmädchenrechnung, denn im Monat August, dem Monat indem die meisten Portugiesen Urlaub haben, werden auch sicherlich tausende Lissabonner die Brücke überqueren müssen, wenn sie an die Lissabonner Hausstrände fahren wollen

Ich, der ich selber in Almada lebe und jeden Tag nach Lissabon rein muss, finde es nicht mehr als gerecht wenn ab jetzt auch im August die Mautgebühr erhoben wird.
Wenn ich nämlich das ganze Jahr über, egal in was für einen Monat, in den Norden, in den Süden oder in den Osten des Landes fahren will, muss ich ja auch immer Mautgebühren bezahlen.
Warum sollten also im Monat August, die abertausenden Lissabonner und Touristen aus aller Welt, die diese Brücke mit dem Auto überqueren, nicht ebenfalls zur Kasse gebeten werden?
Ich meine, wenn ich mit dem Auto nach Spanien, Frankreich oder Belgien fahre, muss ich doch auch das ganze Jahr über Mautgebühren bezahlen.

Ich kann allerdings diejenigen verstehen, die darüber aufgebracht sind, das wir hier im Süden des Landes, wenn wir nach Lissabon rein fahren wollen, immer eine Mautgebühr entrichten müssen, während weiter oben im Norden, in der Stadt Porto, kein einziger Cent bezahlt werden muss, wenn man dort in die Stadt rein fährt.
Besonders gerecht ist das nun ja wirklich nicht!

Ob nun mit oder ohne Mautgebühren, ich wünsche allen eine allzeit gute Fahrt auf Portugals Strassen und einen schönen, sonnigen Urlaub.

„Boas Férias“

Freitag, 17. Juni 2011

Kissing Alley


Gestern war ich in der Lissabonner Altstadt Alfama (bitte lesen sie auch meinen Beitrag „Das Badehaus in der Al-khama, vom 04.06.2009).
Die Alfama ist in diesen Tagen des Antoniusfestes, voller bunter Ballons, Girlanden und Lampions.
Nirgendwo ist die Seele der Hauptstadt so zu spüren, wie hier!
Ich liebe es, durch die Gassen der Altstadt zu laufen.
In diesem Straßenlabyrinth, das sich nur zu Fuß erforschen lässt, habe ich jedes Mal das Gefühl an einem Ort aus 1001 Nacht zu sein.
Obwohl kein einziges Gebäude aus der Zeit der Mauren mehr steht, habe ich dieses Gefühl immer wieder.
Die maurische Herrschaft hinterließ hier nämlich deutlich ihre Spuren. Die Straßen, Gassen, Treppen und kleine Plätze verraten noch heute ihr arabisches Gepräge.

Eines meiner Lieblingsecken in der Alfama sind die Treppen von Santo Estevão (port.: Escadinhas de Santo Estevão), die von der Kirche gleichen Namens bis fast hinunter zum Tejo reichen.
Jedes Mal, wenn ich diese Treppen hoch steige, oder so wie gestern runter laufe, muss ich schmunzelnd daran denken, das vor einiger Zeit irgendeiner angefangen hat diese Treppen „Kissing Alley“ (dt.: „Küsschengässchen“) zu nennen, so das heute viele in Lissabon, vor allem Jugendliche, von der „Kissing Alley“ sprechen, wenn sie die Escadinhas de Santo Estevão meinen.

Zu diesem originellen Namen kamen die Treppen dank eines Ereignisses, welches sich vor Jahren dort zugetragen haben soll.

Eine Reiseführerin brachte eines schönen Tages eine französische Reisegruppe durch die Gassen der Altstadt.
An den Treppen angekommen, die zu jedem Reiseführertrip gehören, weil man von hier eine wunderschöne Aussicht auf die Dächer der Altstadt und den Tejo am Horizont hat, sah die Reiseführerin den damaligen Stadtverordneten (port.: Presidente da Junta de Fréguesia) vom nahen Stadtteil São Vicente de Fora an der Treppe, wie er eine Frau innig küsste, die nicht die seinige war.

Woher die Reiseführerin wusste das der Stadtverordnete eine fremde Frau küsste???
Nun, dummerweise war die Reiseführerin die Ehefrau des Stadtverordneten…

Die Ehe der beiden wurde kurz darauf geschieden.
Der Stadtverordnete aber, verlor nicht nur die Ehefrau, sondern auch seinen schönen Posten bei der Stadt und wurde für lange Zeit zur Witzblattfigur.

Wie das deutsche Sprichwort so schön sagt:
„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen…“

Dienstag, 17. Mai 2011

Schiffsfahrt auf dem Tejo






Als Auftakt zum Jubilatewochenende hat die Deutsche Evangelische Gemeinde zu Lissabon (DEKL) am vergangenen Samstag, den 14. Mai 2011, einen besonderen Ausflug gemacht.

Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich die Mitglieder der Gemeinde und Ehrengäste aus Deutschland und Spanien um kurz nach 11 Uhr im Bootshafen von Belém (port.: Estção Fluvial de Belém) zu einer Schiffsfahrt auf dem Tejo.

Mit dem Katamaran „Pedro Nunes“, Baujahr 2002, einem modernen Schiff der Lissabonner Transportgesellschaft TransTejo, stachen wir um kurz vor 12 Uhr in See, zu einem Spaziergang auf dem Wasser, den viele, auch wenn sie seit Jahren in Portugal leben, noch nicht kannten.

Vom Tejo aus gesehen sieht Lissabon so schön aus!
Hügel, versteinert und vielerorts hinuntergetreppt, mit intimen Vierteln, die wie kleine Städtchen in der Stadt sind, individuelle Häuser, bröckelnde Stadtpaläste, imponierende Betonklötze, dazwischen kleine, grüne Inseln zum Atemholen und alles vereint mit einem faszinierenden Blick über das Wasser.

In diesem Ambiente bewegten sich unser Schiff und die Festgesellschaft, unter dem Motto „Ein Schiff das sich Gemeinde nennt“, den Tejo langsam hinauf.
So oder so ähnlich müssen sich vor über 250 Jahren die ersten hanseatischen Kaufleute gefühlt haben, als sie damals aus dem fernen Deutschland mit dem Schiff ankamen und aus dem Atlantik kommend, in den Tejo rein gefahren kamen.

Es wurden am Samstag auch ein paar kurze Worte vom Gemeindekirchenrat, den Pfarrern und dem Besuch aus Deutschland an die Gemeinde gerichtet, aber da dies nicht ein Tag der großen Reden, sondern eher ein Tag des gemeinsamen Ausflugs war, wurden wir, alleine schon landschaftlich, dazu angehalten die vielen Aus- und Eindrücke, die uns während der Fahrt begleiteten, zu genießen.

Von Belém aus sahen wir den Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos), sowie das riesige Komplex des Kulturzentrums (port.: Centro Cultutal de Belém) und das große, steinerne Entdeckerdenkmal (port.: Padrão dos Descobrimentos).
Dann fuhren wir, an den Stadtteilen Santo Amaro und Alcântara vorbei, unter der imposanten Tejobrücke des 25. April (port.: Ponte 25 de Abril), hindurch.
Wir fuhren weiter über Santos und die Baixa, am mächtigen Handelsplatz (port.: Praça do Comercio) vorbei, und folgten dem Tejo stromaufwärts, immer mit der Alfama, der alten Stadtburg Sankt Georg (port.: Castelo de São Jorge), der Kirche São Vicente (port.: Igreja de São Vicente) und dem Nationalpantheon (port.: Panteão Nacional) im Blickfeld.
Dann schipperten wir an vielen Containern aus aller Welt vorbei, an Silos und Raffinerien, bis wir endlich am ehemaligen Expogelände vorbeifuhren.
Hier unterquerten wir auch die riesige, moderne Brücke Vasco da Gama (port.: Ponte Vasco da Gama) und machten uns, jetzt nicht mehr geographisch ihm Lissabonner Stadtgebiet befindend, auf die Rückfahrt, diesmal stromabwärts den Tejo hinunter.

Auf dem Rückweg begegneten uns wieder riesige Ozeanliner, einfache Fährschiffe, große Industrieanlagen, der lang gezogene Containerhafen und wir fuhren wieder an Lissabons wunderschöne Hauptplätze vorbei.

Viele meinten es wäre schade, dass man nicht näher an dies allem vorbeifahren konnte.
Aber ich finde die Entfernung schadet der Stadt nicht, im Gegenteil!
Sie macht Lissabon „weicher“, verdeckt das Brüchige und verbirgt ihre Narben.

Nach etwas mehr als zwei Stunden war die Fahrt über den Tejo vorbei, und wir legten an unseren Anfangspunkt, im Stadtteil Belém, an.
Jeder ging nun seiner Wege, aber jeder dankbar für dieses wunderbare Landschaftsgeschenk das sich die Gemeinde zu ihrem 250jährigen Bestehen selber gemacht hat.

Samstag, 4. September 2010

Septembermorgen






Nachdem ich mich über einen Monat hier auf meinem Blog nicht habe blicken lassen, habe ich mir heute den PC gegriffen um fleißig in die Tasten zu hauen (jedenfalls habe ich das, mit „in die Tasten hauen“, vor!).

Ich habe die letzen sechs Wochen so etwas wie eine „Schreibblockade“ gehabt.
Ich kann es schlecht beschreiben, dieses Gefühl, nicht schreiben zu können und zu wollen; also etwas nicht zu tun, was ich sonst für mein Leben gerne tue.
Wie es auch sei, ich fühlte mich in den letzten Wochen alles andere als inspiriert, um mich hier im Blog zu Wort zu melden.

Aber als ich gestern Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, mit einen traumhaften Sonnenaufgang über den Tejo belohnt wurde, hatte ich das Gefühl, dies mit der ganzen Welt teilen zu müssen und dies hier im Planet Portugal auch zu zeigen und zu schreiben.

Es ist unglaublich wie die Zeit vergeht, aber wir sind schon im Monat September.
Ich habe das Gefühl, die Zeit rast regelrecht an mir vorbei.
Mein Gott, und wie sie vorbeirast!

Als ich den Sonnenaufgang heute Morgen sah, ist mir spontan das Gedicht „Septembermorgen“ von Eduard Mörike eingefallen.
„Septembermorgen“ ist eines meiner deutschen Lieblingsgedichte, noch aus meiner Schulzeit!

Eduard Mörike, ein sprachbegabter Dichter und Lyriker der Schwäbischen Schule, der 1804 in Ludwigsburg geboren wurde, schrieb das Gedicht „Septembermorgen“ im Jahre 1838, als auch er eine „Schreibblockade“ hinter sich gebracht hatte.

Natürlich würde ich mich niemals mit Mörike auf eine Stufe setzen können und wollen!
Aber wenn es dieser große deutsche Volksdichter geschafft hat, seine Schreibblockade zu überwinden, so werde ich dies sicherlich auch noch hinbekommen.

Ich fange am besten damit an, in dem ich „Septembermorgen“ ins portugiesische übersetze, denn soweit ich mich kundig gemacht habe, gibt es zwar eine englische Version von „Septembermorgen“, eine portugiesische Version aber, existiert bis Dato nicht.

Also sorge ich jetzt dafür, dass dies sich ändert:


Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst Du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

(Eduard Mörike)


Manhã de Setembro

Entre novoeiros ainda descansa o mundo,
Ainda as florestas e os prados sonham:
Não tarda muito, e quando o veu caír,
Poderás ver o céu azul impecável,
O mundo abafado com toda a força do outono
Desauguando em ouro caloroso.

(Eduard Mörike)


Allen meinen Lesern einen wunderschönen September, voll traumhafter Morgen!

Dienstag, 23. Februar 2010

Delphine im Tejo




Seit einigen Wochen werden ab und zu Delphine (port.: golfinho comum / lat.: Tursiops truncatus) im Tejodelta und in der Tejobucht gesichtet. Einige von ihnen wurden in der Gegend um Almada gesichtet (port.: Margem Sul), andere in der Ufernähe von Lissabon (port.: Zona Ribeirinha de Lisboa) und zwei von ihnen schafften es sogar bis hoch hinauf nach Vila Franca de Xira, im Ribatejo.

Obwohl heute viele Normalsterbliche über diese Besuche überrascht sind, versichern Meeresbiologen, Seeleute und Fischer dass es früher schon immer Delphine im Tejo gab. Bis weit in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden sie in der großen, natürlichen Bucht des größten Flusses der Iberischen Halbinsel, dem so genanten Strohmeer (port.: Mar da Palha), gesichtet.
Bis sie plötzlich, mit dem Eintreten der angesiedelten Hochindustrie, den Schiffswerften und der immer häufiger aufkommenden Schifffahrt, plötzlich verschwanden.

Warum die Delphine nun von Zeit zu Zeit wieder im Tejo auftauchen, ist den Wissenschaftlern und Meeresbiologen noch ein Rätsel.
Zwar hat sich die Wasserqualität des Tejo in den letzten Jahren konstant verbessert, aber man vermutet eher, das sich die Meeressäuger entweder wegen der vielen Fischschwärme, die ihre Nahrung sind, in die Bucht begeben, oder weil sie auf der Flucht vor Haien in die selbige flüchten.
Eines aber ist sicher: sie schwimmen so still und leise wieder von dannen, wie sie gekommen sind.

Obwohl sie leider im Tejo noch selten anzutreffen sind, gehören die bis zu 450 kg schwer werdenden und bis zu 3,50 m großen Kleinwale sehr wohl zum Habitat der portugiesischen Küste.
Vor allem im Süden des Landes, in der Gegend um Setúbal und der Halbinsel Troia gibt es sogar ganze Delphinschulen, die dort im Sommer, in Küstennähe, ihre Jungen zur Welt bringen.

Meeresbiologen, wie Maria José Costa vom Ozeanographischen Institut in Lissabon, sind sich sicher, das in gut 20 bis 30 Jahren Delphine im Tejo genauso zum Alltag gehören werden wie in den früheren Jahrhunderten, als sie zu dutzenden die Schiffe und Segler begleiteten.

Dienstag, 19. Januar 2010

Der 62-Tage-Prinzgemahl


Fast auf den Tag genau, vor 175 Jahren, nämlich am 25. Januar des Jahres 1835, landete mit der Korvette „Nauenburg“, aus London kommend, ein junger Prinz im Tejo an, der dazu bestimmt war durch die Heirat mit Königin Maria II, Prinzgemahl von Portugal zu werden.

Dieser junge Prinz war August, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto, Duque de Leuchtenberg).
August war ein stattlicher, gut aussehender und hoch intelligenter junger Prinz, der sowohl der Kunst und der Literatur, als auch dem Militärhandwerk zugeneigt war.
Er hätte eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des portugiesischen Königshauses werden können.
Doch das Schicksal wollte es anders, und so wurde aus Augusto de Leuchtenberg nur eine der tragischsten Figuren der Monarchie.

Als Sohn des Generals Eugen de Beauharnais und Leuchtenberg und der bayerischen Prinzessin Auguste Amelie, wurde er am 09. Dezember 1835, als August Karl Eugen Napoleon de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto Carlos Eugénio Napoleão de Beauharnais, Duque de Leuchtenberg), in München geboren.

August war ein Nachfahre von Kaiserin Josefine, der Gemahlin Napoleon Bonapartes und er war ein Bruder der brasilianischen Kaiserin Maria Amélia, die Kaiser Pedro I geehelicht hatte.

Als 1828, die damals 12jährige Kronprinzessin Maria von Portugal in London als Gast von Queen Victoria weilt, trifft sie zum ersten Mal, auf einem Ball, auf August von Leuchtenberg.
Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, so berichten die Chronisten. Und da muss auch etwas Wahres dran sein, denn über sieben Jahre lang, bis zu ihrer Heirat, sollen die Kronprinzessin und der Prinz sich mehrere hundert Briefe geschrieben haben.

Kaiser Pedro I von Brasilien, selbst ein hoffnungsloser Romantiker, der zugunsten seiner Tochter Maria auf den portugiesischen Thron verzichtet hatte, steht damals einer Liebesheirat seiner Tochter mit dem deutschen Prinzen nicht im Wege.

Und so gehen Augusto de Leuchtenberg, wie er fortan in Portugal heißen wird, und die gerade erst 19jährige Königin Maria II, am 26. Januar 1835, den Bund der Ehe ein.

Die Hochzeit wurde in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa) zelebriert und laut den Chroniken sollen auf den Straßen der Hauptstadt tausende von Menschen dem jungen Paar begeistert zugejubelt haben.
Als Hochzeitsgeschenk bekam der Prinz den Titel eines Grafen von Santa Cruz.

Die Heirat zwischen Augusto und Maria II war, wie schon erwähnt, eine Liebeshochzeit, was zur damaligen Zeit, als es noch ganz normal war eine königliche Ehe rein aus politischen Gründen zu arrangieren, äußerst selten war.
Um so tragischer ist dann aber die Tatsache, das die Ehe zwischen Königin Maria II und ihrem Prinzgemahl gerade mal nur zwei Monate hielt.

Augusto de Leuchtenberg übernimmt als königlicher Prinzgemahl am 20. März 1835 das Amt des Oberbefehlshabers der Portugiesischen Truppen (port.: Comandante-chefe do Exército das Tropas Portuguêsas). An diesem Tag nimmt er in Almeirim, bei strömendem Regen, eine Ehrenparade ab.
Hier fängt er sich eine so schwere Grippe ein, von der er sich nicht mehr erholen wird.
Am 28. März 1835 stirbt Augusto de Leuchtenberg, nach nur 62 Tagen in Portugal, im Palácio das Necessidades, in Lissabon.

Samstag, 19. Dezember 2009

Nicht immer verleiht Red Bull auch Flügel


Nun ist es also amtlich: Die portugiesische Ausgabe des „Red Bull Air Race“ wird zukünftig in Lissabon stattfinden, und nicht wie die letzten drei Jahre zuvor, im nördlichen Porto.

Die „Formel I der Lüfte“, wie die Flugshow auch genannt wird, wird also ab nächstem Jahr über den Tejo, zwischen der Torre de Belém und der Ponte 25 de Abril, in Lissabon in die Luft gehen und nicht mehr über den Douro, zwischen Porto und Gaia.

Wer sich nicht mit dem Wechsel der Flugshow in die Hauptstadt abfinden kann und will, sind die Bürger der Städte Porto und Gaia.

Rui Rio, der Bürgermeister von Porto, brachte es auf einen Nenner:

„Alles was außerhalb der Hauptstadt Erfolg hat wird sofort von ihr eingenommen.
Dieses Land kann sich nicht wirtschaftlich entwickeln, wenn alles in der Hauptstadt stattfindet.
Die Entscheidung, die Flugshow in Lissabon austragen zu lassen, ist nicht schön, nicht korrekt und nicht ehrbar.“

Nun, Lissabon ist weder eine Bank, noch ein Verein und auch kein Unternehmen.
Lissabon ist lediglich die Hauptstadt Portugals.
Und Porto ist ebenso keine Bank, kein Verein, kein Unternehmen. Porto ist lediglich eine Stadt in Portugal.
Trotz aller Rivalität zwischen den beiden Städten, die Eine wäre nichts ohne die Andere!
In all den Jahrhunderten hat trotz aller Unterschiede, die eine immer die andere Unterstützt.

Es war z.B. in Porto, wo sich die Kreuzritter des Nordens (unter ihnen auch viele Deutsche), die auf dem Weg nach Jerusalem waren, entschieden bis nach Lissabon zu marschieren, um die Stadt von den arabischen Mauren zu befreien.
Und es war in Lissabon, wo sich mehrmals die portugiesischen Truppen in Richtung Norden aufmachten, um Porto vor den spanischen Truppen zu retten.

Die eine, als auch die andere Metropole sind, trotz aller Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten, eines: Portugiesisch!

Als Lissabonner bin ich über die Vergabe des „Red Bull Air Races“ an meine Geburtstadt glücklich, und natürlich auch ein bisschen schadenfroh, so wie die Einwohner Portos drei Jahre lang schadenfroh waren, als die Flugshow noch in ihrer Stadt stattfand.

Als Portugiese aber bin ich, was den Wechsel von Porto nach Lissabon angeht, mit Rui Rio, dem Stadtoberhaupt von Porto, ganz und gar einer Meinung:
„Diese Entscheidung ist nicht schön, nicht korrekt und nicht ehrbar.“

Dienstag, 15. Dezember 2009

Weihnachtsfeier II






Nachdem wir am 04. Dezember unsere erste gemeinsame Weihnachtsfeier erfreulicherweise über die Bühne gebracht hatten, kamen wir am 09. Dezember, einem Mittwoch, wieder zusammen, diesmal um die Firmenweihnachtsfeier zu feiern.

Zu dieser zweiten Weihnachtsfeier trafen wir uns um 18:30 Uhr im Restaurant „Doca de Santo“, in der Doca de Santo Amaro, in Lissabon, unweit von Alcântara, am Ufer des Flusses Tejo.

Wir feierten ausgelassen, und wir genossen das gute Essen und die gute Weinkarte.
Nur die Sangria fand ich persönlich etwas gewöhnungsbedürftig. Aber die Geschmäcker sind ja verschieden, nicht wahr Yves?…

Die Atmosphäre war wirklich entspannt, lustig und sehr kollegial.
Nur schade, dass wir leider am nächsten Tag wieder arbeiten gehen mussten, denn sonst wären wir bestimmt alle gerne etwas länger geblieben.

Wir freuen uns alle schon auf die Weihnachtsfeier(n) im nächsten Jahr!

Dienstag, 10. November 2009

Das Hotel mit den grünen Fenstern






Letzte Woche war wieder unsere Kollegin Katrin, aus unserer Zentrale in Berlin, bei uns zu Besuch.
An ihrem letzten Arbeitstag in Lissabon, begleiteten unsere Kollegin Lili und ich, Katrin bis zu ihrem Hotel, denn wir hatten vor noch auszugehen.

Katrin war in dem Hotel „As Janelas Verdes“ (dt.: Hotel „Mit den Grünen Fenstern“) untergebracht.
Ich hatte schon oft vom „As Janelas Verdes“ gehört, oder besser gesagt in Reiseprospekten gelesen.
Von einem Hotel voller Charme, Romantik, Kunstobjekten und einem gewissen Luxus, hatte ich da gelesen.
Da ich aber weiß, wie übertrieben manchmal solche Prospekte und Broschüren geschrieben sind, wollte ich mir ein eigenes Bild von diesem Hotel machen.

Und ich habe mir ein eigenes Bild gemacht!
Es gibt nur wenige Dinge, die mich noch in meiner Heimatstadt überraschen können, und eines dieser Überraschungen ist besagtes Hotel.

Das „As Janelas Verdes“ befindet sich in einem alten, dreistöckigen Stadtpalast aus dem 18. Jahrhundert, wie es so viele in Lissabon gibt, in der gleichnamigen Straße, in der Hausnummer 47, unweit des Museu Nacional de Arte Antiga (dt.: Nationalmuseum für Alte Kunst).

Man hat von der Terrasse dieses Hotels einen atemberaubenden Ausblick auf den Tejo und die Dächer der Lissabonner Altstadt.
Die Innenräume, wie die Bibliothek und der Frühstücksraum und der kleine Patio (dt.: kleiner Innenhof mit Garten) sind mit viel liebe und Geschmack eingerichtet und dekoriert.

Eça de Queirós, der große portugiesische Nationaldichter, der oft im „As Janelas Verdes“ zu Gast war, und hier sogar ein Teil seines berühmten Werkes „Os Maias“ (dt.: „Die Maias“) schrieb, sagte einmal über dieses Hotel:

„Dieses Haus ist aus einem edlen Stoff gemacht, den Bauherren gewebt haben und welches die Besitzer mit ihrer Gastfreundschaft immer wieder besticken.“

Mit anderen Worten:
Das „As Janelas Verdes“ ist schon etwas Besonderes!

Freitag, 30. Oktober 2009

Cagarro


Wer jemals auf den Azoren war, wird in den Abendstunden und in der Dämmerung den einzigartigen jammernden und krächzenden Ruf eines besonderen Vogels gehört haben.
Dieser jammernde, typische Ruf gehört dem Cagarro (dt.: Gelbschnalbel-Sturmtaucher / lat.: Calonectris diomedea borealis), der wirklich nur nachts zu hören ist.

Auf den Azoren lebt mit über 500.000 Paaren 80% der Weltbevölkerung dieser unscheinbaren Vogelart.
Nur auf der Insel Madeira und den Kanarischen Inseln gibt es noch einige Paare dieser Seevögel. Mit einer Flügelspannweite von gut 120 cm ist dieser grau-braune, und an der Brust, weiße Seevogel mit seinem gelben Schnabel. der häufigste Vogel auf den Azoreninseln.

Dementsprechend war ich heute, als ich von der Arbeit nach hause fuhr, mehr als überrascht, als ich beim überqueren des Tejos, den Ruf eines Cagarros hörte.
Wie sich dieser große Seevogel bis ans hiesige Festland verirren konnte, ist mir ein Rätsel.
Denn hier auf dem Kontinent findet man diese Vogelart eigentlich nie an.

Umso glücklicher war ich, als ich heute den charakteristischen Ruf des Gelbschnabel-Sturmtauchers hörte.
Ich fühlte mich sofort an meinen traumhaften Azorenurlaub, vor gut zehn Jahren, zurückerinnert.

Danke Cagarro, wo auch immer du her kamst!

Samstag, 25. Juli 2009

In Sachen Wasser, hängt Portugal am spanischen Tropf


Hier in Portugal gibt es eine uralte Legende, die man sich gelegentlich erzählt.
Dieser Legende nach, haben sich vor langer, langer Zeit drei Flussgeister nach Spanien begeben, um dort ein Wettrennen an den Atlantik zu beginnen. Eine Nacht, vor dem großen Start, schliefen die Flussgeister noch gemeinsam ein. Der erste, der erwachte, war der Guadiana. Er nahm den schönsten und einfachsten Weg hinunter zur Algarve. Der Tejo folgte als nächster und entschied sich für die Route nach Lissabon. Für den Langschläfer Douro blieb nur noch die lange und zerklüftete Strecke durch den Norden Spaniens und Portugals übrig. Doch alle drei fanden den Weg, über Portugal, zum Atlantik.

Wie man sieht hat Portugal, auch wenn seine großen Ströme im Nachbarland Spanien entspringen, ein sehr inniges Verhältnis zu seinen Flüssen. Weniger innig ist das Verhältnis dagegen zwischen Portugal und seinem Nachbarn Spanien, wenn es um die Wasserpolitik geht.

Obwohl Portugal ein Land der Dürre ist, nicht nur in den Sommermonaten, macht man sich hier leider erst seit kurzer Zeit Sorgen um die künftige Wasserversorgung.
Da die großen Flüsse des Landes, mit Ausnahme des Flusses Mondego, alle im Nachbarland Spanien entspringen, steht Portugal unter einem gewissen Druck Spaniens, was die Wasserpolitik angeht.

Daher muss Portugal handeln, zumal der Klimawandel der gesamten Iberischen Halbinsel sicherlich noch längere und härtere Dürreperioden einbringen wird als bisher. Und Portugal möchte auch nicht das es soweit kommt, wie jetzt schon jeden Sommer in Spanien üblich, Tankschiffe voller frischem Wasser hin und her manövrieren zu müssen, um die Dürreregionen mit Trinkwasser zu versorgen.

Die Liste der Vorfälle zwischen Portugal und Spanien, was den Wasserstreit angeht, ist lang.
So erfuhr Anfang der 90er Jahre die portugiesische Regierung erst aus der Presse, dass Spanien im Rahmen seines groß angelegten nationalen Flussbauplans eine Umleitung von Dourowasser in den Tejo plante. Diese Maßnahme hätte dem Douro mehr als ein Zehntel seines Wassers beraubt - mit spürbaren Auswirkungen für die portugiesische Landwirtschaft, Energiegewinnung und die Umwelt. Nicht die Proteste aus Lissabon, sondern ein Zank unter den spanischen Regionen selbst, brachte den Wasserplan in dieser Form letztendlich zu Fall.

Vor vier Jahren, im Dürresommer von 2005, kam es erneut zum großen Wasserstreit. Entgegen der vertraglichen Absprachen mit Portugal gönnte sich das trockene Spanien einen überaus großen Schluck aus dem Douro - vor allem zu Lasten der portugiesischen Landwirte, die daraufhin von der Regierung in Lissabon Kompensationszahlungen für ihre Produktionsausfälle erhielten. Später räumte auch die spanische Regierung widerwillig ein, den Vertrag gebrochen zu haben und überwies, schweren Herzens, eine Entschädigungszahlung an Portugal.

Der Klimawandel wird den Vertrag zur gemeinsamen Flussnutzung - dessen Wurzeln bereits auf ein Grenzabkommen von 1864 zurückgehen - auf immer neue Proben stellen. Und bislang regeln die gemeinsamen Abkommen vor allem Fragen zur Wassermenge. Doch auch Umweltaspekte, wie die Wasserqualität, gewinnen verstärkt an Bedeutung. Was, wenn das Flusswasser aus Spanien immer stärker mit Schadstoffen belastet in Portugal ankommt?

Überall auf der Welt finden heute immer mehr Kriege statt, weil sich Völker um Wasserressourcen streiten. Portugal und Spanien steht also eine schwierige Zukunft bevor, vielleicht sogar ein Krieg.

Und wenn es erst einmal soweit ist, werden den Portugiesen und Spaniern selbst die Flussgeister nicht mehr helfen können!

Mittwoch, 15. Juli 2009

Die Möwen


Die Möwen

An einem leuchtenden Sommermorgen
wandle ich am Ufer des Tejo herum.
Es schreien und kreischen die Möwen,
Ich aber wandle stumm.

Es schreien und kreischen die Möwen,
Und schauen mitleidig mich an:
“Sei unserem Gekreische nicht böse,
Du stummer, du trauriger Mann!“

Ach wüßten´s die Möwen, die kreischenden,
Wie tief manchmal verwundet mein Herz,
Sie würden mit mir weinen,
Zu heilen meinen Schmerz.

Und wüßten´s die Möwen, die schreienden,
Wie ich so traurig und krank,
Sie ließen das nervige Schreien
Und ihr Meckern hätte einen anderen Klang.

Und wüßten´s die Möwen, die meckernden,
Wie weh es mir manchmal ist ums Herz,
Sie kämen aus ihrer Höhe,
Und brächten Trost in mein Herz.

Doch die Möwen können es nicht wissen,
Keine kennt meinen Schmerz:
Denn ich habe es mir selber zerrissen,
Zerrissen mir das Herz.

(Angelo Paulo, Juli 2009)