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Donnerstag, 27. März 2014

Der königliche Palast von Queluz


Westlich der Stadtgrenze von Lissabon beginnen die Schlafstädte der Hauptstadt. Gleich hinter dem riesigen Lissabonner Stadtpark Monsanto liegen u. a. Amadora, Brandoa, Alfragide, Cacém und Queluz.
Diese Satellitenstädte bestehen zumeist aus gigantischen Hochhaussiedlungen mit hellen, modernen und sachlichen Bauten die tagsüber wie ausgestorben sind; nur morgens und abends finden Auszug und Heimkehr auf völlig verstopften Straßen statt.

Der Vorort Queluz hat schätzungsweise 80.000 Einwohner und verdankt seinen Ruhm und Bedeutung einzig und alleine dem reizvollen ehemaligem Sommersitz der portugiesischen Könige aus dem Hause Bragança, dem königlichen Nationalpalast von Queluz (port.: Palácio Nacional de Queluz), der nur 15 km von Lissabons Zentrum entfernt liegt.
Viele behaupten der Ort Queluz verdankt seinen Namen diesem kapriziösen Rokokoschloss, der einstmals für seine rauschenden Feste und Bälle, seine strahlenden venezianischen Kristalllüster, den goldbemalten Stuck und den Widerschein im Geschmeide der Damen von damals bekannt war. Deshalb glauben viele die Herkunft des Namens würde sich von den portugiesischen Worten „que luz“ ableiten, was im Deutschen soviel wie „welch ein Licht“ oder „welch ein Glanz“ übersetzen lässt.
Aber Queluz ist älter als der Palast gleichen Namens, viel älter!
Schon die arabischen Mauren siedelten hier und nannten den Ort einstmals „Qu al-Luz“, was im Deutschen mit „Tal der Mandelbäume“ zu übersetzen ist.

Wie auch immer:
Queluz wäre ohne seine Rokokopalastanlage, eine der größten in Europa, nichts weiter als eines der vielen unansehnlichen Trabantenstädte Lissabons!

Der Palast von Queluz geht auf Infante D. Pedro zurück, den zweiten Sohn von König João V und späteren Prinzgemahl Pedro III, der wie alle Bragançakönige für seine Bau- und Sinnfreudigkeit bekannt war.
1747 beauftragte Infante Pedro den Architekten Mateus Vicente de Oliveira mit dem Umbau des alten Landhauses Quinta de Queluz.
Dieses Landhaus gehörte dem pro-spanischen Adligen Manuel de Moura Corte Real, der den Titel eines Marques de Castelo Rodrigo trug.
Nachdem der Marques de Castelo Rodrigo Verrat an Portugal begangen hatte und Portugal im Jahre 1640 wieder von Spanien unabhängig wurde, beschlagnahmte die portugiesische Krone sein ganzes Vermögen und Eigentum. Und so kam im Jahre 1654 das erwähnte Landhaus in Queluz in den Besitz der Familie Bragança.

Mateus Vicente de Oliveira entwarf in der Tradition des portugiesischen Rokokos einen dreiflügligen Palast in U-Form, der die Schauseite dem Garten und nicht, wie damals in Europa eigentlich üblich, der ihm gleichgültigen Außenwelt zuwendete.
Acht Jahre lang wurde an dieser Sommerresidenz der Braganças geplant und gebaut, bis am 01. November 1755 ein gewaltiges Erdbeben das nahe Lissabon in Schutt und Asche legte, und an einem Weiterbau des Palastes erst einmal nicht mehr zu denken war.
Für den Wiederaufbau Lissabons spannte damals der Marques de Pombal, seines Zeichens Premierminister des Königreiches, alle namhaften Architekten des Landes ein, unter ihnen auch Mateus Vicente de Oliveira, den Architekten von Queluz.
Erst drei Jahre nach dem Erdbeben, 1758, wurden die Arbeiten an dem Palast, unter der Leitung des französischen Architekten Jean-Baptiste Robillion, dessen Rokoko-Geschmack nicht in Pombals Aufbauprogramm für Lissabon passte, wieder aufgenommen.

Der gelernte Graveur und Dekorateur aus Paris entwarf die monumentale Löwentreppe und die klassizistische Westfassade, die vage Erinnerungen an Versailles wachruft.
Bis zu seinem Tod im Jahre 1782 arbeitet Jean-Baptiste Robillion mit seinem Team französischer Handwerker an der leichten, heiteren Rokokoausstattung der Innenräume.
Den Garten, eine Hauptattraktion des Palastes, gestaltete er im Stil des französischen Gartenarchitekten André Le Nôtre, wobei an Vasen und Büsten aus italienischem Marmor, an mythologischen und allegorischen Bleistatuen aus England und natürlich an Azulejos aus dem heimatlichen Portugal nicht gespart wurde.
Die Wasserspiele, die Grotten und das 115 m lange, mit Azulejos prachtvoll ausgekleidete Wasserbassin Ribeira do Jamor, machen den Park zu einer Zauberwelt und zum wohl schönsten Rokokogarten Portugals (lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Die Wasserfontainen im Schlosspark von Queluz“, vom 17. November 2010).

Auf der anderen Seite des Palastes befindet sich ein großer Schlossplatz (port.: Largo do Palácio), in dessen Mitte ein Denkmal für Königin Maria I, der Gemahlin von Pedro III, steht.
Die Tochter des „Erdbebenkönigs“ José I und der Königin Maria Anna Victoria von Bourbon liebte Queluz von allen Braganças am meisten.
Maria I hatte vor einer misslungenen Verlobung mit dem französischen König Louis XV einige Zeit in Versailles verbracht. Dort lernte sie den französischen Geschmack lieben und brachte ihn dann später nach Portugal mit.
Die Königin liebte Queluz wegen seines Lichts, seiner Schönheit und seiner Weite. Doch während Maria I die Helligkeit um sich sammelte, verdüsterte sich ihr Geist zusehends.
Bei ihrer Flucht vor den Truppen Napoleons im Jahre 1808 nach Brasilien war sie schon schwer demenzkrank. Sie starb im Exil in Rio de Janeiro im Jahre 1816, in völliger geistiger Umnachtung versunken, als eine unglückliche Wahnsinnige, die ihr geliebtes Queluz leider nie wieder sehen sollte.

Heute gilt der Palast von Queluz zweifelsohne als eines der Symbole der portugiesischen Geschichte. Er verkörpert den höfischen Geschmack, der sich bis in unsere heutige Zeit hinübergerettet hat.
Seine prunkvollen Innenräume sind bewundernswert.

Aus all den azulejos- und freskogeschmückten Sälen, aus all dem Florentiner Marmor, dem brasilianischen Jacarandaholz, den wertvollen Empire- und Chippendalemöbeln und farbintensiven Wandteppichen aus Arreiolos ragt der Thronsaal (port.: Sala do Trono) heraus.
Er prunkt in Weiß und goldgemaltem Stuck. Prachtvolle venezianische Kristalllüster hängen von der Decke, riesige Spiegel schmücken die Wände und zwei, unter einem Baldachin stehende Thronsessel, beherrschen diesen wunderbaren Raum.

Aber auch andere Säle und Zimmer sind prunkvoll ausgestattet, wie etwa das Musikzimmer (port.: Sala da Musica), das große Esszimmer (port.: Sala de Jantar), das Zimmer der Botschafter (port.: Sala dos Embaixadores) und das Pavillon Robillion (port.: Pavilhão de Robillion), indem heute Staatsgäste übernachten. 
In einem Seitenflügel des Palastes liegt die Cozinha Velha. Die Alte Küche ist riesig, ihre Balken werden von Säulen getragen, glänzende Kupferkessel stehen über offenen Feuerstellen. Die Speisen der Könige wurden auf einem zehn Meter langen Marmortisch zubereitet.
Noch heute ist dieser riesige Marmortisch in Gebrauch, denn seit Jahren ist in der „Cozinha Velha“ ein luxuriöses Restaurant untergebracht.

Zwei Zimmer möchte ich hier im Palácio de Queluz ganz besonders hervorheben:
das eine ist das Don-Quijote-Zimmer (port.: Quarto Dom Quixote), das mit wunderschönen Gemälden aus dem Leben des Helden von Cervantes ausgestattet ist. In diesem kleinen Zimmer wurde 1798 der spätere König von Portugal und Kaiser von Brasilien, Pedro IV, geboren und in diesem selben Zimmer starb er 36 Jahre später.
Das zweite Zimmer, das ich hier gerne erwähnen möchte ist das „Zimmer der verlorenen Schritte“ (port.: Sala dos passos perdidos). Eine der Säle von Queluz heißt wirklich so. Er hat heute keinerlei Funktion und wahrscheinlich hatte er nie eine; jedenfalls ist keine bekannt. Das ist aber auch kein Wunder, denn der Palast ist so weitläufig, das 150 Jahre als königliches Zuhause nicht ausgereicht haben, um ihn bis in den letzten Winkel zu beleben!

Es berührt seltsam sich vorzustellen, dass hier einmal Königin Maria I mit ihrem Prinzgemahl Pedro III lebten, die nicht nur Eheleute waren, sondern auch gleichzeitig Nichte und Onkel.
Oder die abgrundtief hässliche und bösartige Königin Carlota Joaquina, die mit ihrem etwas plumpen König João IV alles andere als eine glückliche Ehe führte.
Oder Leopoldine von Österreich mit Pedro IV, der gleichzeitig König von Portugal und Kaiser von Brasilien war, und der so ein Schürzenjäger war, das er seine Frau nach Strich und Faden betrog.
So gesehen, bekommt der Palácio de Queluz im Lichte der Geschichte einen traurigen Rahmen.
Weder starke Herrscher noch glückliche Staatsmänner haben hier je gewohnt. Allenfalls prunksüchtige, verderbte und schwache.

Heutzutage wohnen keine gekrönten Häupter mehr hier, aber dann und wann wird der Palast aus seinem Dornröschenschlaf geweckt, und ist dann der Ort, an dem der portugiesische Staatspräsident oftmals seine offiziellen Staatsempfänge und Staatsbanketts abhält. 
Um den Palast zu besuchen, muss man aber nicht zu solch einem Empfang oder Bankett eingeladen sein.
Es reicht wenn man sich an der Kasse eine Eintrittskarte für den Palast und seinen wunderschönen Park holt und dann genug Zeit mitbringt um diesen wahrlich königlichen Ort zu bewundern und zu genießen!

Es ist einfach herrlich!

Dienstag, 29. November 2011

Das brasilianische Exil der portugiesischen Königsfamilie


Heute vor 204 Jahren, am 29. November 1807, ging die portugiesische Königsfamilie, mit einem Teil ihres Hofstaates, ins brasilianische Exil. Königin Maria I, ihr Sohn der Thronfolger Infant João, die königlichen Infanten und Infantinnen, ein Teil des Hochadels, mehrere Minister und Staatsbeamte, sowie Militärs, Hofdamen, Ärzte, Handwerker, Kirchenmänner, Köche und Diener, alle machten sie sich an diesem Tag, über den Atlantik, nach Rio de Janeiro.

Zu diesem Exil war es gekommen, weil sich Frankreich unter Napoleon Bonaparte einen Monat zuvor, am 27. Oktober 1807, im Vertrag von Fontainebleau mit Spanien, das militärische Durchmarschrecht nach Portugal zugesichert hatte.
Der französische General Junot überschritt daraufhin die spanisch-portugiesische Grenze und begann das Land zu besetzen.
Schnell kamen die napoleonischen Truppen voran und die Portugiesen konnten der französischen Invasion kaum einen nennenswerten Widerstand entgegenbringen. Die Truppen Generals Junot kamen so der portugiesischen Hauptstadt von Tag zu Tag näher. Da der Regent und Sohn der Königin, Infante João, sich weigerte zu kapitulieren, und da er nicht ein Gefangener und somit eine Marionette Napoleons sein wollte, beschloss er, nach einer Abmachung mit England, mit seinem gesamten Hofstaat in die damalige Kolonie Brasilien zu ziehen und von dort aus die Regierungsgeschäfte über Portugal, so weit wie möglich, zu übernehmen.
Die Behörden in Lissabon stellen daraufhin in den ersten Novembertagen über 11.000 Pässe für jeweilige Überfahrten nach Brasilien aus.

Es muss damals genauso ein trister und nebeliger Tag gewesen sein, wie es heute einer war. Die Flotte, die die damals schon geistig umnachtete Königin Maria I und ihr Gefolge an diesem Tag nach Brasilien brachte, bestand aus den folgenden 16 königlichen Segelschiffen:

• Nau (dt.: Karacke) „Principe Real“ – unter dem Kommando von Kapitän Francisco José do Canto Castro e Mascarenhas

• Nau „Afonso de Albuquerque“ – unter dem Kommando von Kapitän Inácio da Costa Quintela

• Nau „Rainha de Portugal“ – unter dem Kommando von Kapitän Francisco Manuel Souto-Maior

• Nau „João de Castro“ – unter dem Kommando von Kapitän Manuel João Loccio

• Nau „Medusa“ – unter dem Kommando von Kapitän Henrique da Fonseca de Sousa Prego

• Nau „Principe do Brasil“ – unter dem Kommando von Kapitän Francisco de Borja Salema Garção

• Nau „Conde Dom Henrique“ – unter dem Kommando von Kapitän José Maria de Almeida

• Nau „Martins de Freitas“ unter dem Kommando von Kapitän Manuel de Menezes

• Fregatte (port.: Fragata) „Minerva“ – unter dem Kommando von Kapitän Rodrigo José Ferreira Lobo

• Fregatte „Golfinho“ – unter dem Kommando von Kapitän Luis da Cunha Moreira

• Fregatte „Urânia“ – unter dem Kommando von Kapitän João Manuel

• Brigg (port.: Brigue) „Lebre“ – unter dem Kommando von Kapitän Daniel Tompsom

• Brigg „Voador“ – unter dem Kommando von Kapitän Maximiliano de Sousa

• Brigg „Vingança“ – unter dem Kommando von Kapitän Diogo Nicolau Keating

• Schoner (port.: Escuna) „Furão“ – unter dem Kommando von Kapitän Joaquim Martins

• Schoner „Curiosa“ – unter dem Kommando von Kapitän Isidoro Francisco Guimarães

An die 10.000 Personen wurden an diesem nebeligen Novembertag auf diesen 16 königlichen Segelschiffen evakuiert. Die königliche Familie war, im Vergleich zu anderen königlichen Familien der damaligen Zeit, recht klein. Sie bestand nur aus 14 Personen, wovon die Hälfte Kinder waren. Laut Zeugenberichten von damals, brach an diesem Tag der Abreise der komplette Chos aus. Tausende Menschen versuchten am Hafen von Lissabon einen Platz auf einem der Schiffe zu ergattern, die sie nach Brasilien bringen sollten. Ein wunderschönes Gemälde im Lissabonner Kutschenmuseum (port.: Museu dos coches), das den Titel „A partida da Familia Real para o Brasil“ (dt.: „Abreise der königlichen Familie nach Brasilien“) trägt, zeigt auf eindrucksvolle Weise diesen Moment der Abreise.

Die 14 Mitglieder der königlichen Familie, die an jenem 29. November 1807 die Überfahrt nach Brasilien antraten, waren:


• Königin Maria I – geboren in Lissabon am 17.12.1734. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Principe Real“. Sie stirbt am 20.03.1816 in Rio de Janeiro, ohne jemals wieder portugiesischen Boden zu betreten

• Infante João – geboren am 13.05.1767 in Lissabon. Kronprinz und Regent seiner Mutter Maria I, späterer König João VI. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Príncipe Real“

• Infantin Carlota Joaquina – geboren am 25.04.1775 in Aranjuez / Spanien. Kronprinzessin und Ehefrau von Infante João. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infante Pedro – ältester Sohn von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 12.10.1798 in Queluz bei Sintra. Zukünftiger König Pedro IV von Portugal und Kaiser Pedro I von Brasilien. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Principe Real“

• Infante Miguel – zweitältester Sohn von Infahte João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 26.10.1802 in Queluz bei Sintra. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Príncipe Real“

• Infantin Maria Teresa – älteste Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 29.04.1793 in Lissabon. Verheiratet mit Infante Pedro Carlos. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Maria Isabel Francisca – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 19.05.1797 in Queluz bei Sintra. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Maria Francisca de Assis – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren in Queluz bei Sintra, am 22.04.1800. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“

• Infantin Isabel Maria – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren am 04.07.1801 in Queluz bei Sintra. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“

• Infantin Maria da Assunção – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren in Queluz bei Sintra am 25.07.1805. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Ana Jesus Maria Assunção – Tochter von Infante João und Infantin Carlota Joaquina. Geboren in Mafra am 23.10.1806. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Afonso de Albuquerque“

• Infantin Maria Francisca Benedita – Schwester von Königin Maria I. Geboren in Lissabon am 25.07.1746. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“

• Infantin Maria Anna de Jesus – Schwester von Königin Maria . Geboren am 07.10.1736 in Lissabon. Sie macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Rainha de Portugal“. Sie stirbt am 16.05.1813 in Rio de Janeiro

• Infante Pedro Carlos de Borbon e Bragança – Geboren am 18.06.1786. Schwager von Infante João, verheiratet mit dessen Schwester Infantin Maria Teresa. Er macht die Überfahrt auf dem königlichen Segelschiff „Nau Principe Real“. Er stirbt am 26.05.1812 in Rio de Janeiro

Als General Junot an diesem Tag um kurz nach 9:00 Uhr früh in Lissabon einmarschierte, konnte er von dem Stadthügel „Alto de Santa Catarina“ nur noch in der Ferne die Flotte auf ihrem Weg nach Rio de Janeiro sehen. Er hatte zwar Lissabon, und somit ganz Portugal, vorerst für Napoleon Bonaparte eingenommen, aber die Königin und ihr Gefolge waren ihm praktisch in letzter Minute entkommen. Portugal sollte, in den kommenden Jahren, von Brasilien aus regiert werden und die Hauptstadt des Königreiches und alle politischen und kulturellen Institutionen wurden ab diesem Tag der Abreise nach Rio de Janeiro verlegt. Erst im Jahre 1821 sollte João VI, der nach dem Tode seiner Mutter Maria I, in Rio de Janeiro zum König gekrönt worden war, nach Lissabon und Portugal zurückkehren.

Dienstag, 9. August 2011

Cognomen


Der wohl berühmteste Träger eines Beinamen hier in Portugal ist Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador).
Ohne den Namenszusatz „der Seefahrer“ währe Heinrich der Seefahrer nichts weiter als einer von vielen Heinriche die es auf der Welt gibt.
Erst der Beiname „der Seefahrer“ machen aus diesem Infanten aus dem Hause Avis, jemand unverwechselbares und einzigartiges.

Der Beiname (port.: cognome / lat.: cognomen) ist ein schon in der Römerzeit verwendeter Namenszusatz, der dazu diente die verschiedenen Träger eines und des selben Vornamens, voneinander zu unterscheiden.
Eigentlich war der „cognomen“ ursprünglich ein Beiname der seinen Träger wenig schmeichelte, ja sogar verspottete.
Doch mit der Zeit wurden die Beinamen zu richtigen Titeln.
Da es in Portugal bis in ins 13. Jahrhundert hinein keine Nachnamen gab, sondern nur Vornamen, wurde aus dem Beinamen vieler Personen mit der Zeit auch deren Nachnamen.

Vor allem die Monarchen, und das nicht nur hier in Portugal, erhielten mit der Zeit Beinamen die sie charakterisierten oder aber auch, wie ich schon erwähnte, verspotteten.
Mit den Jahrhunderten wurden die „cognomen“ zu so etwas wie die Spitznamen der Edelleute.

Nicht immer war das Volk bei der Namensgebung der „cognomen“ schmeichelhaft.
So wurde z.B. der portugiesische König Afonso II lächerlich gemacht, in dem man ihn „den Dicken“ nannte, obwohl nicht übermäßiges Essen für seine Leibesfülle verantwortlich war, sondern eine Art von Lepra.
Pedro I wurde wenig schmeichelhaft „der Stotterer“ genannt, Fernando I war „der Wankelmütige“, João II „der Tyrann“ und Königin Maria II musste sich sogar den Beinamen „die Wahnsinnige“ gefallen lassen.

Anbei nun eine Liste all der Beinamen, die portugiesischen Könige über die Jahrhunderte hinweg, als „cognomen“ vom Volk erhielten:

• Afonso I Henriques – „O Conquistador“ (dt.: der Eroberer), „o Fundador“ (dt.: der Gründer) und „o Grande“ (dt.: der Große)

• Sancho I – „O Povoador“ (dt.: der Bevölkerer“)

• Afonso II – „O Gordo“ (dt.: der Dicke), „o Crasso“ (dt.: der Grobe) und „o Legislador“ (dt.: der Gesetzgeber)

• Sancho II – „O Capelo“ (dt.: der Kaplan) und „o Piedoso“ (der Fromme)

• Afonso III – „O Bolonhês“ (dt.: der Bolognese)

• Dinis I – „O Lavrador“ (dt.: der Landwirt), „o Tovador“ (dt.: der Troubadour), „o Rei-Poeta“ (dt.: der Poetenkönig) und „o Rei-Agricultor“ (dt.: der Bauernkönig)

• Afonso IV – „O Bravo“ (dt.: der Tapfere)

• Pedro I – „O Justiceiro“ (dt.: der Gerechte), „o Cru“ (dt.: der Rohe), „o Cruel“ (dt.: der Grausame), „o Tartamudo“ (dt.: der Stotterer), „o Apaixonado“ (dt.: der Verliebte) und „o Até-ao-fim-do-mundo“ (dt.: der Bis-ans-Ende-der-Welt)

• Fernando I – „O Formoso“ (dt.: der Schöne), „o Inconstante“ (dt.: der Wankelmütige) und „o Inconsciente“ (dt.: der Unverantwortliche)

• João I – „O de Boa Memória“ (dt.: der mit der Guten Erinnerung)

• Duarte I – „O Eloquente“ (dt.: der Beredete) und „o Filósofo“ (dt.: der Philosoph)

• Afonso V – „O Africano“ (dt.: der Afrikaner)

• João II – „O Princípe Perfeito“ (dt.: der Perfekte Prinz) und „o Tirano“ (dt.: der Tyrann)

• Manuel I – „O Venturoso“ (dt.: der Glückliche) und „o Afortonado“ (dt.: der Glückspilz)

• João III – „O Piedoso“ (dt.: der Fromme)

• Sebastião I – „O Desejado“ (dt.: der sehnsüchtig Erwartete)

• Henrique I – „O Casto“ (dt.: der Keusche“) und „o Cardeal-Rei“ (dt.: der Kardinalkönig)

• Filipe I (Philipp II von Spanien) – „O Prudente“ (dt.: der Kluge)

• Filipe II (Philipp III von Spanien) – „O Pio“ (dt.: der Gutherzige)

• Filipe III (Philipp IV von Spanien) – „O Grande“ (dt.: der Große)

• João IV – „O Restaurador“ (dt.: der Wiederhersteller oder der Erneuerer)

• Afonso VI – „O Vitorioso“ (dt.: der Siegreiche) und „o Prisioneiro“ (dt.: der Gefangene)

• Pedro II – „O Pacífico“ (dt.: der Friedliebende)

• João V – „O Magnânimo“ (dt.: der Großherzige“) und „o Rei-Sol-Portugues“ (dt.: der portugiesische Sonnenkönig)

• José I – „O Reformador“ (dt.: der Reformer)

• Maria I – „A Piedosa“ (dt.: die Fromme) und „a Louca“ (dt.: die Wahnsinnige)

• João VI – „0 Clemente“ (dt.: der Milde)

• Pedro IV – „O Libertador“ (dt.: der Befreier) und „o Rei-Soldado“ (dt.: der Soldatenkönig)

• Maria II – „A Educadora“ (dt.: die Erzieherin) und „a Boa-Mãe“ (dt.: die Gute Mutter)

• Pedro V – „O Esperançoso“ (dt.: der Hoffnungsvolle) und „o Muito-Amado“ (dt.: der Vielgeliebte)

• Luis I – „O Popular“ (dt.: der Volksnahe), „o Bom“ (dt.: der Gute) und „o Rei-Marinheiro“ (dt.: der Matrosenkönig)

• Carlos I – „O Diplomata“ (dt.: der Diplomat), „o Mártir“ (dt.: der Märtyrer), „o Oceanógrafo“ (dt.: der Ozeanograph) und „o Rei-Pintor“ (dt.: der Malerkönig)

• Manuel II – „O Patriota“ (dt.: der Patriot)

Die „cognomen“ die ich hier aufgeführt habe, sind sozusagen die offiziellen Beinamen der portugiesischen Monarchen gewesen.
Es gab auch inoffizielle „cognomen“ die aber niemals so charakteristisch für ihre Träger waren, und dementsprechend auch niemals so bekannt wurden, wie die die ich hier aufgezählt habe.

Dienstag, 21. Juni 2011

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen






Seit einiger Zeit gibt es Zweifel an dem Geburtsort von Afonso Henriques, dem ersten König von Portugal, der am 27. Juli 1139, als Afonso I, den Thron bestieg.
Über Jahrhunderte hinweg galt die nordportugiesische Stadt Guimarães als Wiege der Nation (port.: Berço da Nação).
Doch seit kurzem wollen Wissenschaftler mögliche Hinweise dafür gefunden haben, das wahrscheinlich in der Stadt Viseu, ebenfalls in Nordportugal gelegen, die Wiege von Afonso Henriques stand.

Wie dem auch sei:
Keinen Zweifel gibt es über die Stadt in der Afonso Henriques starb, und dem Ort an dem er bestattet wurde, nämlich im Kloster Santa Cruz, in der Stadt Coimbra.

In Portugal regierten von 1139 bis 1910 insgesamt 33 Könige und Königinnen, die drei spanischen Könige mitgerechnet.

Von diesen 33 Königen und Königinnen ist einer in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa), einer im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas) und eine regierende Königin in der Sternbasilika (port.: Basilica da Estrela) beigesetzt worden.

Zwei liegen im Kloster Santa Cruz (port.: Mosteiro de Santa Cruz) in der Stadt Coimbra beigesetzt und jeweils drei haben im Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Alcobaça) und im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Vielleicht sind es auch vier die im Hieronymuskloster liegen, denn ob die Gebeine von König Sebastião I, der bei einer Schlacht im marokkanischen Alcácer Quibir gefallen ist, wirklich die sind, die damals im Kloster beigesetzt wurden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Vier portugiesische Monarchen sind im Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha beigesetzt und insgesamt zwölf liegen im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon, der letzten Ruhestätte der Braganças.

Die drei spanischen Filipes sind im Kloster El Escorial, bei Madrid, in der Gruft der Habsburger beigesetzt und einer der portugiesischen Könige, nämlich Sancho II, liegt wahrscheinlich in der Kathedrale von Toledo. Sicher ist das aber nicht, denn nach seiner Flucht aus Portugal hat er sich zwar in dieser spanischen Stadt niedergelassen aber ob er auch dort gestorben ist und wann, ist fraglich.

Ein portugiesischer Monarch, nämlich Pedro IV, war auch als Pedro I brasilianischer Kaiser. Er wurde nach seinem Tod im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, aber in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sein Leichnam nach Brasilien überführt, wo er im dortigen Freiheitsdenkmal Ipiranga, in der Stadt São Paulo, beigesetzt wurde. Sein Herz aber, wird in der Lapa-Kirche (port.: Igreja da Lapa) in der portugiesischen Stadt Porto aufbewahrt.

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen befinden sich an folgenden Orten:

Dynastie derer von Burgund (port.: Dinastia de Borgonha)

• Afonso Henriques ( +06.12.1185) – Mosteiro de Santa Cruz de Coimbra (dt.: Kloster Santa Cruz in Coimbra)
• Sancho I (+27.03.1211) – Mosteiro de Santa Cruz
• Afonso II (+25.03.1223) – Mosteiro de Alcobaça (dt.: Kloster von Alcobaça)
• Sancho II (+1247) – Wahrscheinlich in der spanischen Stadt Toledo?
• Afonso III (+16.02.1279) – Mosteiro de Alcobaça
• Dinis I (+07.01.1325) – Mosteiro de Odivelas (dt.: Kloster von Odivelas)
• Afonso IV (+28.05.1357) – Sé Catedral de Lisboa (dt.: Kathedrale von Lissabon
• Pedro I (+18.01. 1367) – Mosteiro de Alcobaça

Dynastie derer von Avis (port.: Dinastia de Avis)

• João I (+14.08.1433) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster von Batalha)
• Duarte I (+09.09.1438) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Afonso V (+28.08.1481) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• João II (+25.10.1495) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Manuel I (+13.12.1521) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa (dt.: Hieronymuskloster in Lissabon)
• João III (+11.06.1557)– Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa
• Sebastião I (+27.08.1578) Eventuell im Hieronymuskloster?
• Henrique I (+31.01.1580) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa

Dynastie der Habsburger (port.: Dinastia de Habsburgo)

• Filipe I (+13.09.1598) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe II (+31.03.1621) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe III (+01.12.1640) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien

Dynastie derer von Bragança (port.: Dinastia dos Bragança)

• João IV (+06.11.1656) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon (dt.: Kloster São Vicente de Fora)
• Afonso VI (+12.09.1283) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro II (+09.12.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• João V (+31.07.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• José I (+24.02.1777) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Maria I (+20.03.1816) – Basilica da Estrela em Lisboa (dt.: Sternbasilika in Lissabon)
• Pedro III (+05.03.1786) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro IV, Pedro I (+02.05.1826) von Brasilien – Wurde zuerst im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, und dann wurde sein Körper nach São Paulo in Brasilien überführt und sein Herz in die Lapa- Kirche in Porto gebracht
• Maria II (+15.11.1853) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Fernando II (+15.11.1853– Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro V (+11.11.1861 – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Luis I (+19.10.1889) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Carlos I (+01.02.1908) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Manuel II (+02.07.1932) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon

Dienstag, 19. Januar 2010

Der 62-Tage-Prinzgemahl


Fast auf den Tag genau, vor 175 Jahren, nämlich am 25. Januar des Jahres 1835, landete mit der Korvette „Nauenburg“, aus London kommend, ein junger Prinz im Tejo an, der dazu bestimmt war durch die Heirat mit Königin Maria II, Prinzgemahl von Portugal zu werden.

Dieser junge Prinz war August, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto, Duque de Leuchtenberg).
August war ein stattlicher, gut aussehender und hoch intelligenter junger Prinz, der sowohl der Kunst und der Literatur, als auch dem Militärhandwerk zugeneigt war.
Er hätte eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des portugiesischen Königshauses werden können.
Doch das Schicksal wollte es anders, und so wurde aus Augusto de Leuchtenberg nur eine der tragischsten Figuren der Monarchie.

Als Sohn des Generals Eugen de Beauharnais und Leuchtenberg und der bayerischen Prinzessin Auguste Amelie, wurde er am 09. Dezember 1835, als August Karl Eugen Napoleon de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto Carlos Eugénio Napoleão de Beauharnais, Duque de Leuchtenberg), in München geboren.

August war ein Nachfahre von Kaiserin Josefine, der Gemahlin Napoleon Bonapartes und er war ein Bruder der brasilianischen Kaiserin Maria Amélia, die Kaiser Pedro I geehelicht hatte.

Als 1828, die damals 12jährige Kronprinzessin Maria von Portugal in London als Gast von Queen Victoria weilt, trifft sie zum ersten Mal, auf einem Ball, auf August von Leuchtenberg.
Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, so berichten die Chronisten. Und da muss auch etwas Wahres dran sein, denn über sieben Jahre lang, bis zu ihrer Heirat, sollen die Kronprinzessin und der Prinz sich mehrere hundert Briefe geschrieben haben.

Kaiser Pedro I von Brasilien, selbst ein hoffnungsloser Romantiker, der zugunsten seiner Tochter Maria auf den portugiesischen Thron verzichtet hatte, steht damals einer Liebesheirat seiner Tochter mit dem deutschen Prinzen nicht im Wege.

Und so gehen Augusto de Leuchtenberg, wie er fortan in Portugal heißen wird, und die gerade erst 19jährige Königin Maria II, am 26. Januar 1835, den Bund der Ehe ein.

Die Hochzeit wurde in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa) zelebriert und laut den Chroniken sollen auf den Straßen der Hauptstadt tausende von Menschen dem jungen Paar begeistert zugejubelt haben.
Als Hochzeitsgeschenk bekam der Prinz den Titel eines Grafen von Santa Cruz.

Die Heirat zwischen Augusto und Maria II war, wie schon erwähnt, eine Liebeshochzeit, was zur damaligen Zeit, als es noch ganz normal war eine königliche Ehe rein aus politischen Gründen zu arrangieren, äußerst selten war.
Um so tragischer ist dann aber die Tatsache, das die Ehe zwischen Königin Maria II und ihrem Prinzgemahl gerade mal nur zwei Monate hielt.

Augusto de Leuchtenberg übernimmt als königlicher Prinzgemahl am 20. März 1835 das Amt des Oberbefehlshabers der Portugiesischen Truppen (port.: Comandante-chefe do Exército das Tropas Portuguêsas). An diesem Tag nimmt er in Almeirim, bei strömendem Regen, eine Ehrenparade ab.
Hier fängt er sich eine so schwere Grippe ein, von der er sich nicht mehr erholen wird.
Am 28. März 1835 stirbt Augusto de Leuchtenberg, nach nur 62 Tagen in Portugal, im Palácio das Necessidades, in Lissabon.

Dienstag, 25. August 2009

Rossio



Der Rossio ist der Hauptplatz der Stadt Lissabon. Er ist das „Herz“ der Hauptstadt, wo man sich zum Kaffeetrinken, Zeitungslesen und auf ein kleines Schwätzchen trifft.
Eigentlich heißt der Rossio offiziell seit über 125 Jahren „Praça Dom Pedro IV“.

Aber wie ich schon einmal, in einem früheren post, geschrieben habe, gewöhnen sich die Lissabonner nur sehr schwer an die Namensänderungen ihrer Straßen, Plätze und Parks.

Wortwörtlich übersetzt heißt Rossio „großer Platz“. Und das ist er dann auch, einer der größten und majestätischsten Plätze der Stadt. Schon auf den ältesten Stadtkarten Lissabons taucht er als der zentrale Platz auf. Er hat schon vieles gesehen und erlebt, der Rossio: öffentliche Hinrichtungen, Zirkusleute und Gaukler die ihre Kunststücke vollführten, Turniere, Hexenverbrennungen, Stierkämpfe, königliche Hochzeiten, Revolutionen und Jubelfeiern.

Alles begann Mitte des 13. Jahrhunderts. Da war hier, wo heute das Herz Lissabons schlägt, ein großer Olivenhain. Unter den Olivenbäumen begann man damals einen Wochenmarkt abzuhalten. Mit der Zeit dann, begann man um den Olivenhain Häuser, Werkstätte und Lager zu bauen. Sogar ein Krankenhaus, das Allerheiligenkrankenhaus (Hospital de Todos os Santos) stand bis 1750 hier.

Andere historischen Gebäude, die hier am Platz standen und die es heute leider nicht mehr gibt, waren das Dominikanerkloster (Convento de São Domingo) und der Estauspalast (Paço dos Estaus), aus dem 15. Jahrhundert, der über 300 Jahre hinweg Botschaftern, Hofangestellten und im 16. Jahrhundert für einige Zeit sogar der königlichen Familie, als Wohnsitz diente.

Das Gericht der Inquisition, stand dort, wo sich heute das Nationaltheater D. Maria II steht. In seinen Mauern fanden die Tribunale der Heiligen Inquisition statt. Dort herrschten Engstirnigkeit, Grausamkeit, Fanatismus, Verblendung und Intoleranz.
Gleich vor dem Inquisitionsgebäude, dort wo heute die Brunnen stehen, wurden über die Jahrzehnte hinweg tausende von Menschen wegen ihres Glaubens und ihrer politischen Einstellung gefoltert und hingerichtet. Juden, Mauren, Glaubensabtrünnige und so genannte Hexen wurden wegen ihrer Überzeugungen getötet.

Die Gebäude, die heute den Rossio umrahmen, stammen alle aus dem 19. Jahrhundert, und wurden nach dem großen Erdbeben von 1755 errichtet. Nur ein Bauwerk ist aus früherer Zeit übrig geblieben, nämlich der Bandeirabogen (Arco da Bandeira), der an der Südseite des heutigen Rossios lokalisiert ist, und sich zwischen dem Rossio und der Rua dos Sapateiros spannt.

Zwei Brunnen stehen auf dem Rossio. Zwischen diesen beiden Brunnen, steht auf einer 28 Meter hohen Marmorsäule, die Statue für König D. Pedro IV, die 1870 eingeweiht wurde, und die dem Platz den heutigen Namen gab.

Dieses Denkmal, für einen der wichtigsten Monarchen der portugiesischen Geschichte erbaut, stellt aber nicht König Pedro IV dar, sondern den mexikanischen Kaiser Maximilian I.

Wie kommt es aber dazu, dass ein mexikanischer Kaiser da steht, wo eigentlich ein portugiesischer König stehen sollte?

Nun, Kaiser Maximilian regierte zur selben Zeit wie König Pedro IV. Als Maximilian, im fernen Mexiko, bei einer Revolution erschossen wurde, weigerte sich der mexikanische Staat dem französischen Bildhauer Elias Robert, der ein Denkmal für Maximilan fertiggebaut hatte, auszubezahlen. Dieser hatte nun eine Statue zu viel in seinem Atelier. Als nun König Pedro IV ein Denkmal von sich in Auftrag gab, bot ihm der französische Künstler an, das Denkmal Kaiser Maximilians, natürlich nach einigen kleinen Veränderungen, zu einem sehr günstigen Preis zu überlassen.
König Pedro IV nahm diese Offerte, nach kurzem Zögern, aus zwei unschlagbaren Gründen an:

Zum ersten, waren er und Kaiser Maximilian sich äußerlich sehr ähnlich, und in 28 Metern Höhe würde sowieso keiner mehr den Unterschied merken, so meinte er selbstironisch.

Und zum zweiten befand sich Portugal damals, nach den Kriegen mit Napoleon, in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Situation. Der Staatsbankrott war ausgerufen worden, und so konnte der König das Angebot von Elias Robert nicht ausschlagen (in einem zukünftigen post werde ich ausführlicher über die Statue von Pedro IV berichten) und nahm dieses Denkmal im Ausverkauf an.

Heute beherrschen die Cafés und Restaurants, sowie ein paar alte Geschäfte den Rossio. Losverkäufer schreien die Nummer ihrer Lotterielose und Schuhputzer warten auf ihre Kunden, während Blumenverkäuferinnen ihre Ware an den Mann, bzw. an die Frau bringen.

Der Rossio ist wahrhaft eine Theaterbühne, auf der tagtäglich eine Aufführung des Lebens der Stadt dargeboten wird. Und wir, die Bürger dieser Stadt, haben den Luxus auf dem Rossio wie auf einem Logenplatz zu sitzen, während wir unsere Bica genießen.

Montag, 22. Juni 2009

Wie eine Hühnerbrühe zum Pausenfüller wurde


Gehen sie gerne auswärts essen?
Vielleicht zum Inder?
Wenn nicht, dann gehen sie mal zu einem, und bestellen sie dort mal eine Hühnerbrühe Kanji.
Sollten sie aber keinen Inder in der Nähe haben, dann gehen sie zu einem Portugiesen, und bestellen sie bei dem eine Hühnerbrühe canja. Es handelt sich nämlich bei dieser nahrhaften Brühe mit Hühnchenfleisch, um den gleichen Teller!

Die in Portugal überall bekannte canja ist nämlich indischen Ursprungs.
Schon der portugiesische Mediziner und Hofarzt von König João III, Garcia de Orta, erwähnt diese „gesundmachende Brühe“ in seinem berühmten Werk „Ratgeber der einfachen Drogerie und Medizin aus Indien“ (Colóquios dos Simples e Drogas e Coisas Medicinais da Índia) und beschreibt sie, als eine aus Wasser, Reis und Hühnerfleisch bestehende Brühe.
Diese Brühe war an der Malabarküste, an der auch die portugiesische Kolonie Goa lag, als Kanji bekannt und als gesundheitsfördernd sehr beliebt. Die portugiesischen Seefahrer brachten dann Anfang des 17. Jahrhunderts die Rezeptur nach Lissabon mit.

Am Hofe wurde diese stärkende Brühe bald sehr beliebt.
Die Könige der Dynastie Bragança liebten fast alle die canja.
In den Palastküchen des Ajudapalastes stand immer ein Topf mit frischer canja essbereit.

Von Königin Maria I wird berichtet, dass ihr jeden Tag eine Terrine von dieser Hühnerbrühe an den Tisch gebracht wurde, und sie brav jeden Tag einen Teller canja aufaß.

Über König Pedro IV ist sogar überliefert, das er seine canja überall und zu jederzeit gerne aß.
So wird behauptet, dass wenn er ins Theater ging, er sich immer zwischen dem zweiten und den dritten Akt, eine warme canja servieren ließ. Und das Theaterstück ging erst wieder los, wenn seine Majestät seinen Pausenfüller verspeist hatte.

Als der englische General Arthur Wellesley, der zukünftige Herzog von Wellington, im portugiesischen Lavos an Land ging, um seine Truppen gegen die Truppen Napoleons zu formieren, die dabei waren Portugal zu besetzen, soll ihm gleich am ersten Tag eine canja serviert worden sein. Jedenfalls berichtet er dies in einem Brief an seine Ehefrau Lady Kitty Pakenham, im August 1808.

Ich selber bin kein großer Freund der canja. Wahrscheinlich, weil ich seit Kindestagen diese Suppe mit krank sein in Verbindung bringe. Denn als Kind musste ich immer wenn ich krank war, um wieder gesund zu werden, mit starkem Widerwillen einen Teller canja essen…
Nein, ich war nie so brav wie Königin Maria I.

Aber sollten sie, lieber Leser meines Blogs, mal zum Inder oder zum Portugiesen essen gehen, probieren sie doch mal eine canja, und lassen sie es mich dann wissen, wie es ihnen gemundet hat.