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Mittwoch, 10. Juni 2015

Lamego


Der heutige Mittwoch ist hier in Portugal ein Feiertag.
Man feiert hier den Portugal-Tag (port.: Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas), einen Nationalfeiertag der hierzulande immer am 10. Juni gefeiert wird und der überall auf der Welt von Portugiesen als Feiertag begangen wird. Außerdem gedenkt man an diesem Tag dem im Jahre 1580 verstorbenen Nationaldichter Luis de Camões.
Jedes Jahr wird eine Stadt vom Staatspräsidenten auserkoren, die die offiziellen Feierlichkeiten ausrichten darf.
Letztes Jahr gebührte es z.B. der Stadt Guarda die zentrale Feier zum Feiertag des 10. Juni abzuhalten.

Dieses Jahr hat Präsident Anibal Cavaco Silva die nordportugiesische Kleinstadt Lamego, die im Weinanbaugebiet des Douro liegt, für die traditionellen Feierlichkeiten auserwählt.

Das reizvoll am Abhang des Monte Penude, ca. 100 km östlich von Porto, inmitten von Weinbergen und Feldern gelegene und heute an die 13.000 Einwohner zählende Bischofstädtchen Lamego ist wohl einstmals von den iberischen Stämmen der Keltiberern gegründet und später von Römern besiedelt worden.
Nach den Römern besiedelten die Westgoten Lamego, christianisierten den Ort und machten ihn bereits im Jahre 570 zum Bischofsitz.

Als sich die arabischen Mauren ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. daran machten die Iberische Halbinsel zu besetzen, nahem sie in der Folgezeit ihrer Eroberungen auch Lamego in Besitz.
Erst unter dem leon-kastilischen König Ferdinand I (esp.: Fernando I de León), der Lamego im November 1057 im Rahmen der Reconquista eroberte, kam der Ort wieder unter christliche Herrschaft, wurde erneut Bischofsitz und in der Folgezeit ein wichtiger Handels- und Umschlagplatz für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse seiner fruchtbaren Umgebung.

Im Jahre 1143 versammelten sich in der Stadt Lamego erstmals die portugiesischen Landstände (port.: cortes) in der Kirche Santa Maria de Almacave, um den Grafen von Portucale feierlich und hochoffiziell als D. Afonso Henriques zum König des neuen Staates zu proklamieren.
Hier in Lamego beschlossen sowohl König Afonso Henriques als auch seine Gefolgsleute das neu gegründete Königreich nach dem Namen der Grafschaft Portucale (port.: Condado Portucalense) zu titulieren, und nannten es fortan „Portugal“.

Lamego wurde zu einer der bedeutendsten Städte im portugiesischen Mittelalter.
Im Jahre 1290 erhielt Lamego die Marktrechte und wurde zu einem der wichtigsten Handelsplätze des Königreiches. Kaufleute aus der ganzen Iberischen Halbinsel, selbst die aus den entlegenen arabischen Königreichen Granada und Cordoba, machten zu dieser Zeit in der Stadt ihre Geschäfte.
Bis ins 15. Jahrh. hinein profitierte Lamego von seiner guten Lage und den vielen Handelsrouten die hier zusammentrafen. Erst die aufkommenden portugiesischen Entdeckungsreisen sorgten dafür das Lamego handelspolitisch an Bedeutung verlor, da mit den Entdeckungen andere Handelswege erschlossen wurden.

Nichtsdestotrotz blieb Lamego über die Jahrhunderte hinweg ein kleines und schlichtes Städtchen, mit viel Esprit und Charme; einem Charme den es vor allem seinen zahlreichen schönen Bürgerhäusern (port.: casas brasonadas) aus dem 16. bis 18. Jahrh und den vielen geschichtsträchtigen Bauwerken zu verdanken hat.

Im Zentrum der Stadt erhebt sich auch heute noch die im Jahre 1129 von König Afonso Henriques gegründete imposante Kathedrale, die Sé.
Im 16. und 17. Jahrh. wurde der wuchtige Bau der Kathedrale stark verändert, so dass von dem ursprünglichen gotischen Gebäude alleine der massige, rechteckige Turm erhalten blieb. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere der Sé im Renaissancestil umgebaut. Die Kathedrale ist heute die Hauptkirche der Diözese von Lamego.

Schräg gegenüber der Kathedrale, am Largo de Camões, wurde im ehemaligen Bischöflichen Palais (port.: Paço Episcopal) aus dem 18. Jahrhundert das bemerkenswerte Stadtmuseum (port.: Museu da Cidade) untergebracht. Gezeigt werden hier u.a. flämische Gobelins aus dem 16. Jahrh., die von jeher zur Ausstattung des Bischöflichen Palais gehörten, portugiesische Malerei aus dem 16. bis 18. Jahrh., Plastiken des 13. bis 17. Jahrh. sowie sakrale Kunst und Volkskunst.

Südlich der Kathedrale, an der nach Guarda führenden Hauptstraße liegt die kleine Capela do Desterro. Die um 1840 erbaute Kapelle besitzt ein Renaissanceportal und ist im Inneren reichlich mit vergoldeten Holzschnitzereien, der so genanten „talha dourada“ und Azulejos sowie einer schön bemalten Kassettendecke ausgestattet.

Auf einer Anhöhe über der Stadt erhebt sich die ursprünglich maurische Burg (port.: castelo) aus dem 11. Jahrh. Von ihr sind heute lediglich der Bergfried und einige Mauerreste erhalten geblieben.

Unterhalb der Burgruine steht die romanische Kirche Igreja de Santa Maria de  Almacave, die einige beachtenswerte Plastiken vorweisen kann. In dieser Kirche wurde einstmals Afonso Henriques zum ersten König Portugals proklamiert.

Hauptsehenswürdigkeit von Lamego ist aber zweifelsohne die im Rokokostil gehaltene Wallfahrtskirche Nossa Senhora dos Remédios.
Von der Stadt führt eine prächtige 686-stufige Treppenanlage mit 14 Stationskapellen aufwärts zur weithin sichtbaren Wallfahrtskapelle auf den Monte de Santo Estevão. Der Bau wurde im 18. Jahrh. recht prunkvoll mit einer doppeltürmigen Hauptfassade errichtet.
Alljährlich suchen hier in den ersten Tagen des Monats September Tausende von Gläubigen Trost und Heilung von ihren Gebrechen.
Auf der Terrasse, unterhalb der Kirche, sind die Statuen von Königen und biblischen Gestalten versammelt. Die Mitte schmücken ein mit Reliefen versehener Obelisk und eine über 700 Jahre alte, mit Efeu überwucherte, Kastanie.
Mehr als Skulpturenschmuck und Kastanie überzeugt jedoch der überragende Blick – er reicht von hier weit über Lamego und seine fruchtbare Umgebung.

Aber Lamego ist nicht nur wegen seinen zahlreichen historischen und kirchlichen Bauwerke berühmt.
Nein, auch die Gastronomie der Stadt und der Region in der sie liegt ist in ganz Portugal berühmt.
Besonders erwähnungswert sind hier das Zicklein und der Hase, die im Ofen gebraten werden, der berühmte Käse Queijo da Serra und natürlich die „bôlas“, schmackhafte Brote die z.B. mit Schinken, Salami, Hähnchenfleisch, Thunfisch, Bacalhau und noch vielem anderem gebacken werden.
Auch wegen seiner vielen guten Weine aus der Douro-Region und dem prickelnden Schaumwein „Raposeira“ ist Lamego hier in Portugal sprichwörtlich in aller Munde.

Lamego, mit seiner malerischen Lage in geringer Entfernung zum Douro und seinen vielen Weinbergen, gehört ohne Zweifel zu den schönsten Städten Nordportugals.
Klein, überschaubar, historisch, traditionsreich, kulinarisch wertvoll und zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert – das ist Lamego!

Mittwoch, 22. April 2015

Tomar






Das reizvoll in der mittelportugiesischen Landschaft Ribatejo, unweit nördlich vom Tejo, am Fluss Nabão gelegene Städtchen Tomar hat knapp 41.000 Einwohner und ist vor allem wegen seines mächtigen Ordenskloster der Christusritter, das seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe ist, bekannt.

Das Flüsschen Nabão teilt das recht ansprechende Städtchen in einen westlichen und einen östlichen Teil.
Das historische Zentrum befindet sich westlich des Flusses, rund um die Praça da República.
An diesem zentralen Platz, an dem ein Denkmal für den Stadtgründer Gualdim Pais steht, befindet sich die um 1490 erbaute Kirche São João Baptista mit ihrem wunderschönen, zierlichen manuelistischen Portal.
Vor dieser Kirche beginnt das nur alle vier Jahre stattfindende größte Stadtfest von Tomar, die „Festa dos Tabuleiros“ (port.: Fest der Präsentierplatten), mit einem traditionellen Volksfestumzug.

Bei dieser religiösen Prozession ziehen weißgekleidete Mädchen und Frauen durch die Straßen der Altstadt und balancieren auf ihren Köpfen hohe Präsentierplatten (port.: tabuleiros), auf denen sich immer 30 Brotlaibe türmen, die mit Ähren, bunten Papierblumen, Klatschmohn und Weinlaub geschmückt sind. Jeder „tabuleiro“ hat in der Regel die Höhe des Mädchens, das ihn auf den Kopf trägt.
Mit diesem Fest soll an die Zeremonie erinnert werden, mit der im 14. Jahrhundert vom Heilig-Geist-Orden Lebensmittel bei Prozessionen an die Armen verteilt wurden.

Etwas südlich von der Praça da República steht die aus dem 15. Jahrhundert stammende alte Synagoge im alten Judenviertel (port.: judiaria), indem sich das kleine jüdische Museum Abraão Zacuto (port.: Museu Luso-Hebraico Abraão Zacuto) befindet, das nach Abraham ben Samuel Zacuto, dem jüdischen Astronomen von König João II, benannt ist. Tomar gehört heute, auf Grund seiner jüdischen Geschichte, der „Rede de Judiarias“ an, einer Gruppe von historischen portugiesischen Stätten mit ehemals bedeutenden jüdischen Gemeinden, zu denen z.B. auch die Städte Belmonte, Évora, Lamego und Trancoso gehören.

Östlich von der Synagoge überquert die Ponte Velha (port.: Alte Brücke) den Rio Nabão.
In einer Sandbank des Flusses wurde der hübsche Park do Mouchão angelegt, in dessen Umgebung sich die Kirche Igreja de Santa Maria do Olival befindet, die lange Zeit Sitz des großen Ordenskapitels und Mutterkirche aller Ordenskirchen in Portugal und all seinen Kolonien war. Das Innere der ehemaligen Templerkirche entstammt überwiegend aus der Renaissancezeit und in ihr befinden sich die Gräber zahlreicher Ordensmeister und Ritter, auch das des Großmeisters und Stadtgründers Gualdim Pais.

Unweit der Kirche Igreja de Santa Maria do Olival führt, an der alten Kapelle Eremida de Nossa Senhora da Conceição vorbei, eine kurvenreiche Straße hinauf zur Christusritterordensburg (port.: Convento da Ordem de Cristo), der wohl bedeutendsten Sehenswürdigkeit der Stadt Tomar.

Der Christusritterorden (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) wurde einstmals von den Templern zur „Verteidigung des Glaubens und zur Bekämpfung der Mauren“ als Templerorden im Jahre 1118 infolge des Ersten Kreuzzuges gegründet. Der Templerorden war der erste Orden der die bis dahin streng getrennten Stände der Mönche und Ritter miteinander verband.
Im Jahre 1159 siedelte sich der Templerorden unter seinem vierten Großmeister Gualdim Pais, einem Ritter der mit König Afonso Henriques in der Schlacht von Ourique gegen die Mauren gekämpft hatte, in Portugal an.
Gualdim Pais war es dann auch der ein Jahr drauf, 1160, hoch über dem rechten Ufer des Nabão eine Burg erbauen ließ – dies war die Geburtsstunde von Tomar.
Im Jahre 1312 wurde der Orden durch fadenscheinigen Anschuldungen des französischen Königs Philipp IV von Papst Clemens V aufgelöst und verboten.

Nach dem päpstlichen Verbot des Templerordens, der auch in Portugal befolgt werden musste, gründete im Jahre 1317 der portugiesische König Dinis den Christusritterorden. Vor allem französische Mitglieder des verbotenen Templerordens die vor König Philipp IV nach Portugal geflohen waren fanden in dem neuen Orden Zuflucht. Recht schnell erlangte der Christusritterorden an Bedeutung und vor allem unter den späteren Großmeistern Heinrich dem Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) und König Manuel I hatte der Orden seine Glanzzeit.

Mit Mitteln des Ordens – die Güter und Reichtümer des ehemaligen Templerordens waren fast alle auf den Christusritterorden übertragen worden – wurden Entdeckungsexpeditionen an die Westküste Afrikas entsandt und damit die Kolonialerwerbung der europäischen Völker eingeleitet. Unter König Manuel I, Großmeister ab 1484, bildeten die Christusritter mit ihren Besitzungen in Afrika und Ostindien den reichsten Orden der Christenheit.

Die hoch über Tomar thronende Christusritterordensburg besteht heute aus mehreren stattlichen Bauten des 12. bis 17. Jahrhunderts, von dem einer der wichtigsten wohl die zinnengekrönte achteckige Templerkirche ist, mit deren Bau im Jahre 1162 begonnen und die nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem errichtet wurde. Der überreiche Innenschmuck dieser Kirche – vergoldete Holzschnitzereien, Fresken und Statuen – stammt fast ausnahmslos aus dem 16. Jahrhundert.

Die an die Templerkirche angrenzende Christusritterkirche, mit deren Bau 1515 nach Plänen von João de Castilho – dem Baumeister der später auch am Hieronymuskloster in Lissabon und dem Kloster von Batalha mitgewirkt hat – begonnen wurde, gilt als eines der hervorragendsten Baudenkmäler manuelistischen Stils in Portugal. Das Äußere der Kirche ist über und über mit Schmuckwerk und Statuen beladen und vor allem das weltberühmte prunkvolle „Fenster von Tomar“ (port.: Janela de Tomar) des alten Kapitelsaals zeigt den manuelistischen Stil in seiner schönsten Vollendung.
Die Prachtentfaltung der Templerburg drückt sich ohne Zweifel vor allem in der Architektur der insgesamt acht Kreuzgänge (port.: claustros) aus, die man hier findet.

Da wäre zum einen der älteste Kreuzgang der Templerburg, der Claustro do Cemitério (dt.: Friedhofskreuzgang), der aus der Zeit des Großmeisters Heinrich dem Seefahrer stammt und mit wunderschönen Fliesen im Mudejarstil ausgestattet ist. In diesem Kreuzgang wurden einstmals traditionell die Ritter und Mönche des Christusordens bestattet.

Östlich neben dem Friedhofskreuzgang befindet sich der zweistöckige Claustro da Lavagem (dt.: Kreuzgang der Waschungen), ein weiterer Kreuzgang aus der Zeit des Großmeisters Heinrich des Seefahrers. In ihm fanden früher immer die religiösen Waschungen der Rittermönche statt.

Ein weiterer Kreuzgang der Templerburg ist der Claustro da Hospedaria (dt.: Kreuzgang der Beherbergung). Wie der Name schon andeutet war dieser Kreuzgang dazu bestimmt, die Personen zu beherbergen, die damals das Kloster als Besucher aufsuchten und dort verweilten.

In der Vorhalle des vom Architekten João de Castilho erbauten Claustro da Micha (dt.: Kreuzgang des Brotes) wurde einstmals das Brot an die Armen verteilt.

Der Claustro dos Corvos (dt.: Kreuzgang der Raben), der früher die Klosterküche beherbergte, ist der einzige Kreuzgang der Mönchsburganlage mit einem Garten.

Ein anderer Kreuzgang auf der Klosterburg ist der überaus prachtvolle Bau des  Claustro dos Filipes (dt.: Philippkreuzgang). Der Kreuzgang verfügt über zwei Stockwerke und von der Terrasse hat man einen grandiosen Überblick über die gesamte Klosteranlage. Hier im Claustro dos Filipes wurde im Jahre 1580 der spanische Monarch Felipe II als Filipe I zum König von Portugal gekrönt.

Vom Claustro dos Filipes gelangt man in den Claustro de Santa Barbara (dt.: Sankt-Barbara-Kreuzgang). Dieser kleine Kreuzgang wurde im Auftrag von König Manuel I im Stil der Frührenaissance erschaffen. Von der Terrasse dieses zweistöckigen Kreuzganges hat man den besten Nahblick auf das schon erwähnte prächtige manuelistische Fenster des Kapitelsaals der Christuskirche.
Das Fenster wird von zwei mächtigen Strebepfeilern, Tauwerk, Knoten, Bändern und vielem anderem, vor allem mit dem Motiv Meer verbundenem steinernem Schmuckwerk umgeben. Das portugiesische Wappen oberhalb des Fensters überragt heute noch das Kreuz der Christusritter.

Ein weiterer Kreuzgang ist der Claustro de João III (dt.: Kreuzgang von João III). Der Bau dieses Kreuzganges wurde unter König João III begonnen und erst unter dem Spanier Felipe II, der gleichzeitig auch König von Portugal war, und seinen Lieblingsarchitekten Filippo Terzi beendet. Filippo Terzi war auch der Baumeister der 6 km langen Wasserleitung Aqueduto dos Pegões, der die Klosterburg und die Stadt mit Wasser versorgte.

Im Jahre 1523 wurde der Christusritterorden auf Befehl von König João III zu einem reinen Mönchsorden. Die politische Bedeutung des Ordens nahm in den folgenden Jahrhunderten rapide ab, bis er im Zuge der Säkularisierung, aufgelöst wurde.
Der religiöse Orden wurde zwar aufgegeben, aber der Christusorden besteht seit 1834 als politische Auszeichnung für verschiedene Verdienste heute immer noch und ist der höchste Verdienstorden den Portugal aktuell zu vergeben hat.
Deutsche Träger des portugiesischen Christusordens waren und sind u. a. Alexander von Humboldt, Konrad Adenauer, Heinrich von Brentano, Gerhard Schröder und Hans-Diedrich Genscher.

Tomar ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.
Aber vor allem jetzt im Frühsommer, wenn es überall in der Stadt blüht und duftet, ist die Stadt am Ufer des Rio Nabão ein wundervolles Erlebnis für Augen und Sinne.

Dieses Jahr findet vom 04. bis zum 13. Juni das nur alle vier Jahre stattfindende und hier am Anfang dieses Textes schon erwähnte berühmte Stadtfest „Festa dos Tabuleiros“ statt, eine Festivität voll religiösem Brauchtum, geschichtlicher Tradition und gut gelaunten Menschen jeden Alters.
Zum Abschluss ein Link von den Festlichkeiten der letzten „Festa dos Tabuleiros“ im Jahre 2011, aufgenommen von dem von mir sehr geschätzten Antonio Rovisco:



Mittwoch, 26. November 2014

Lissabon ist für Archäologen eine Last


In einem portugiesischen Fernsehkanal sah ich dieser Tage eine Reportage in dem sich englischsprachige Touristen – so weit ich verstanden habe handelte es sich bei diesen um Archäologiestudenten – begeistert über Lissabon als Reiseziel äußerten, sich aber darüber enttäuscht zeigten, dass die portugiesische Hauptstadt archäologisch so wenig zu bieten hatte.
Nun, um ehrlich zu sein, materielle Hinterlassenschaften der kulturellen Entwicklung der Menschen des „vorportugiesischen“ Altertums sind in Lissabon tatsächlich eher Mangelware.

Fakt ist, das seit über viertausend Jahren Menschen an der Tejomündung siedeln.
Man weiß heute nicht mehr mit Sicherheit wer als erster den kleinen Ort an der lieblichen Bucht „Olisippo“ nannte. Tatsache ist aber, dass die Geschichte der Stadt weit zurück in eine Zeit reicht, als die heutige Unterstadt, die Baixa, noch vom Wasser einer Tejobucht überflutet war. Wo heute der als Rossio bekannte Platz liegt, vereinigten sich in grauer Vorzeit zwei Seitenarme des Tejo. Der Verlauf der beiden Flussbetten ist heute noch deutlich zu erkennen: ihm folgen in einem auslaufenden V die blaue und die grüne U-Bahnlinien der Lissabonner Metro.

Die Phönizier, die Karthager und die Griechen benutzten Lissabon einstmals als idealen Naturhafen, als Ankerplatz und Handelsstation auf ihrem Weg vom Mittelmeer in den Norden Europas. Sie fühlten sich hier höchstwahrscheinlich sehr wohl und auch die Kelten und die Iberer scheinen sich hier geborgen gefühlt zu haben.

Im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit dem nordafrikanischen Reich Karthago machten sich die Römer 218 v. Chr. an die Eroberung der Iberischen Halbinsel und standen bereits 13 Jahre später, 205 v. Chr., auch vor „Olisippo“, das sie später, wohl um Julius Cesar zu schmeicheln, in „Felicitas Julia“ umtauften.
Die Römer blieben dann über mehrere Jahrhunderte und ganz sicher frönten sie ihrer Baulust. So vermutet man heute unter den Grundmauern der Stadtburg Castelo de São Jorge Reste eines römischen Kastells, aber wie gesagt, man vermutet es nur.

Mit Sicherheit gefunden wurden, aber das auch nur per Zufall nach dem großen Erdbeben von 1755, z.B. in der Travessa do Almada, im heutigen Stadtteil Madalena, die Reste einer Therme und in der Rua da Prata, im Stadtteil Baixa, die Reste römischer Galerien. Von einem römischen Friedhof, der heute unter der Praça da Figueira liegt, hat man auch Kenntnisse, ebenso von einem Theater unweit der Rua de São Mamede.
Man kann sich das römische Lissabon mit Tempeln und Foren, Theater und Thermen vorstellen, vielleicht auch mit Parks über dem Wasser und mit den eitlen Standbildern des alten Rom.
Alleine beweisen lassen sich diese ganzen Bauwerke heute nur sehr schwer.

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde auch Lissabon von den Wirren der germanischen Völkerwanderung erfasst. Beim Ringen um die Vorherrschaft behielten schließlich die Westgoten die Oberhand.
Sie nannten die Stadt fortan „Ulixippona“ und bauten aus den Römersteinen die erste Stadtmauer. Die Mauer war wuchtig, plump und stabil, scheinbar war sie uneinnehmbar. Doch als sie den arabischen Mauren unter dem Feldherren Tariq Ibn Ziyad widerstehen sollte, widerstand sie nicht.

Die Mauren, die neuen Herren der Stadt, nannten „Ulixippona“ ab 711 n. Chr. „Al-Ushbuna“ (dt.: liebliche Bucht). Auf dem Alkazar, dem Vorläufer der Stadtburg Castelo de São Jorge, wehte für vierhundert Jahre die Fahne des Propheten. Die maurisch-islamische Kultur in „Al-Ushbuna“ strahlte hell und weit.
Das maurische Lissabon war, wie andere arabische Städte dieser Zeit auf der Iberischen Halbinsel, ein Kulturzentrum, mit dem sich die christlichen Niederlassungen nicht im entferntesten messen konnten.
Aber von all dieser arabischen Pracht, die immerhin 4 Jahrhunderte andauerte, blieb letztendlich weniger übrig als von den Römern.

Die eigentliche portugiesische Geschichte Lissabons begann erst im 12. Jahrhundert, als König Afonso Henriques aus dem Hause Burgund (port.: Borgonha) die Stadt mit Hilfe eines Kreuzfahrerheeres eroberte. „Al-Ushbuna“ wurde zu Lisboa, die Moscheen wurden zu Kirchen und man tauschte Allah gegen den christlichen Gott.
Kein Gebäude aus maurischer Zeit blieb original erhalten.
Nur die schmalen Treppenwege und die steinernen Bögen der Alfama verraten heute noch das vergangene arabische Erbe.

Es fehlen heute die Möglichkeiten und es fehlt aktuell vor allem das Geld um die Vergangenheit Lissabons vollends zu verifizieren.
So bleibt die Frühgeschichte Lissabons weiterhin im Dunkeln und ist oftmals nichts weiter als eine vage Vermutung.
Wahrlich, Lissabon ist für alle Archäologen eine Last!

Sonntag, 5. Oktober 2014

Happy Birthday Portugal


Mit der Unterzeichnung des Vertrages von Zamora, am 05. Oktober 1143, erkennt König Alfons VII von León und Kastilien (port.: Afonso VII de Leão e Castela / esp.: Alfonso VII de León y de Castilla), das Königreich Portugal als unabhängigen Staat an!
König Afonso VII erkennt in diesem Vertrag den Portugiesen Afonso Henriques als souveränen und legitimen König Portugals an!

Damit ist der 05. Oktober 1143 der offizielle Geburtstag des Staates Portugal – ein Tag der in Portugal leider in keinster Weise gedacht wird.
Portugal gehört somit wohl zu den ganz wenigen Nationen weltweit, die ihre Staatsgründung nicht feiern und auch dieser nicht mehr gedenken!

Ich aber gehöre zu denen, die diesen Tag nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen…


Happy Birthday Portugal, zum 871. Geburtstag!

Sonntag, 17. November 2013

Alcobaça



Als ich gestern mit meiner lieben Freundin Annette nach Hause fuhr, lief im Auto das Radio.
Wir hatten den Sender „Rádio Amália FM- 92.0 FM Lisboa“ an, und hörten angenehme Fadomusik. Meiner persönlichen Meinung nach, ist dieser Radiosender hierzulande der beste im Äther, der diese Art von Musik spielt.
Eines der Lieder, das während der Fahrt gespielt wurde, und das Annette wegen seines angenehmen Taktes besonders gut gefiel, war der Evergreen „Alcobaça“ aus dem Jahre 1955, der von der populären Fadosängerin Maria de Lourdes Resende gesungen wurde.
Annette wollte nun von mir wissen, von was dieser Fado handelt, bzw. worüber Maria de Lourdes Resende singt.

Ich habe ihr gesagt, dass dieses Lied so eine Art „Liebeserklärung“ an eine sehr schöne mittelportugiesische Kleinstadt ist, die den Namen Alcobaça trägt, und die ca. 100 km nördlich von Lissabon liegt.
Annette, die erst seit kurzem von Mönchengladbach hier nach Portugal gezogen ist, sagte, sie hätte noch nie etwas von Alcobaça gehört, meinte aber, die Stadt müsse wohl etwas besonderes sein, wenn man ihr sogar ein „Liebeslied“ widmet.
Ich versprach ihr, bei Gelegenheit, mit ihr einen Abstecher nach Alcobaça zu machen, damit sie sich dann selber eine Meinung machen könne.

Alcobaça ist wirklich ein sehr schöner Ort.
Mit seinen ca. 57.000 Einwohnern liegt die Stadt in der ehemaligen Provinz Estremadura, in dem heutigen Distrikt Leiria, in Zentralportugal.
Schon die alten Römer lebten hier, und nannten ihre reizvoll zwischen den zwei Flüsschen Alcoa und Baça gelegene Siedlung „Helcobatiae“.
Nach den Römern kamen die Mauren, bauten eine mächtige Burg, von der heute nur noch Trümmern existieren, und nannten den Ort „Al-cobaxa“, was ins deutsche übersetzt soviel wie „Schafbock“ oder „Widder“ heißt.
Man ist sich heute uneins darüber, ob das arabische „Al-cobaxa“ Namensgeber des heutigen Alcobaça ist, oder ob sich der Name der Stadt aus den zwei Flüsschen Alcoa und Baça zusammensetzt, die den Ort durchfliesen.

Die Araber blieben bis 1147, dem Jahr als die Truppen des portugiesischen Königs Afonso Henriques den Ort von den muslimischen Mauren, im Zuge der Befreiung der Stadt Santarém, eroberten.
Im Jahre 1154, sieben Jahre nach der Besitznahme des Ortes, schenkte König Afonso Henriques seinem Freund, Glaubensbruder und Mitstreiter Bernhard von Clairvaux (port.: Bernanrdo de Claraval, fr.: Bernard de Clairvaux), die Stadt Alcobaça und riesige angrenzende Ländereien, zum Zwecke der Gründung eines Klosters.
Bernhard von Clairvaux, ein Zisterziensermönch und späterer Heiliger, hatte seinen Freund Afonso Henriques bei den schwierigen und langwierigen Verhandlungen über die päpstliche Anerkennung des neu geschaffenen Königreiches Portugal treu und tatkräftig zur Seite gestanden, und beim damaligen Papst Eugen III ein gutes Wort für den Portugiesen eingelegt.

Im Jahre 1178 begann der Orden mit dem Bau des Klosters der Heiligen Maria von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça), der 1222 mit seinen wesentlichen Teilen fertig gestellt war, aber in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche und weitreichende Veränderungen über sich ergehen ließ.
Gemäß der Ordensregeln der Zisterzienser beherbergte das Kloster stets „einen weniger als tausend“, also 999 Ordensbrüder, die in den Flusstälern des Alcoa und Baça Obstgärten und Weinberge anlegten und damit die Grundlage für das noch heute bedeutendste Obstanbaugebiet Portugals schufen. Die Mönche richteten hier in ihrem Kloster bereits im 13. Jahrh. die erste öffentliche Schule des Königreiches ein, von der später wesentliche Impulse zur Gründung der ältesten portugiesischen Universität in Coimbra ausgingen.
Zwischen dem 13. und 18. Jahrh. galt der Zisterzienserorden von Alcobaça (port.: Ordem de Cister de Alcobaça) zweifelsohne als eines der bedeutendsten Geisteszentren im Lande, das sogar den portugiesischen Königen manchmal als Zufluchts- und zur Meditationsort diente.

Der in seinen Grundlagen gotische Bau ist ein genaues Abbild der französischen Abtei von Clairvaux, dem Mutterkloster aller Zisterzienserabteien. Der Bau bedeckt einen annährend quadratischen Grundriss und umschließt neben der mächtigen Kirche und den üblichen Wirtschaftsräumen fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, ein Hospendarium, eine Bibliothek und eine riesige Küche.
Im Querschiff der eindrucksvollen Klosterkirche, der größten Kirche ganz Portugals, stehen zu beiden Seiten des Hauptschiffes die prunkvollen Grabmäler von König Pedro I und seiner Geliebten Ines de Castro, die einstmals auf Geheiß von Pedros Vater, König Afonso IV, ermordet und von Pedro nach seiner Thronbesteigung exhumiert und post mortem in Coimbra in aller Form zur Königin gekrönt wurde.
Auf Wunsch Pedros wurden die Grabmäler in der Kirche so aufgestellt, dass sich die beiden Liebenden bei der Auferstehung am Jüngsten Tag sogleich erblicken können (die tragische Liebesgeschichte zwischen Pedro und Ines werde ich in einen meiner nächsten Blogeinträge hier in „Planet Portugal“ gerne erzählen).
Leider weisen die Sarkophage von Ines und Pedro, genauso wie andere Kunstschätze in der Kirche, erhebliche Beschädigungen auf. Diese entstanden im Jahre 1811, als die Truppen Napoleon Bonapartes Portugal überfielen, das Land gewaltsam besetzten und damals mutwillig alles zerstörten, was ihnen in die Quere kam.
Die Grabmäler der portugiesischen Könige Afonso II und Afonso III, die auch in der Klosterkirche von Alcobaça beigesetzt sind, weisen leider ebenfalls schwere Schädigungen aus dieser Zeit auf.

Im Jahre 1834 fand in Portugal die Trennung von Kirche und Staat, die so genannte Säkularisierung, statt, was zur Folge hatte, das alle Klöster des Landes aufgelöst wurden und sie fortan zu höchst profanen Zwecken verwendet wurden.
Dieses Schicksal blieb auch dem Kloster von Alcobaça nicht erspart.
Ein Jahr vor der Säkularisierung, 1833, wurde die Abtei geplündert und man brachte in dem Gebäude zuerst eine Kaserne unter, dann ein Altenheim und nach diesem, wurde aus dem Anwesen ein Lagerhaus, das danach zusehends verfiel.
Erst im Jahre 1930, knapp 100 Jahre nach seiner Aufgabe, besann man sich der kunsthistorischen Bedeutung des Klosters, renovierte es und stellte es unter Denkmalschutz.
1989 wurde der Mosteiro de Alcobaça in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen.

Wie früher, so gilt Alcobaça auch heute noch landwirtschaftlich, kulturell und industriell als eine der wichtigsten Regionen Portugals. Vor allem der Obstanbau und die Keramikindustrie sind über die Stadtgrenzen hinaus im ganzen Land berühmt.
Ein anderer bedeutender Industriezweig der Stadt und ihrer Umgebung ist zweifelsohne der Tourismus.
Alcobaça und sein Umland tragen seit der Jahrtausendwende den Beinamen „Terra da Paixão“ (dt.: „Land der Leidenschaft“), in Anlehnung an die Liebesgeschichte von Pedro und Ines.
Hier, im „Land der Leidenschaft“ liegen außer Alcobaça, noch einige andere geschichtsträchtige Orte und Landschaften, wie Leiria, Nazaré, Caldas da Rainha, Batalha, Aljubarrota oder Fatima.

Alcobaça ist eine sehr gastfreundliche Stadt, weitab vom hektischen Großraum Lissabons, die ihre Gäste für gewöhnlich mit offenen Armen empfängt und in der man sich als Besucher immer sehr wohl fühlt.
Ich werde demnächst mit Annette Alcobaça besuchen und ich bin mir sicher, dass wir dann in den Genuss dieser zitierten Gastfreundschaft kommen werden.
Ich werde dann hier im Blog gerne darüber berichten!

Samstag, 13. Oktober 2012

Monsanto







Die nordportugiesische Landschaft Beira Baixa, mit ihrer Hauptstadt Castelo Branco, erstreckt sich über eine überwiegend unfruchtbare Ebene zwischen den südlichen Ausläufern der Serra da Estrela und dem Fluss Tejo.
In einem Tal, unweit der Kleinstadt Idanha-a-Nova, erhebt sich eine 758 m hohe Anhöhe, die den Namen Cabeço de Monsanto trägt.

Auf dieser Anhöhe, die schon die Römer Mons Sanctus (dt.: Heiliger Berg / port.: Monte Santo) nannten, liegt die noch nicht einmal 1.000 Einwohner zählende kleine historische Gemeinde Monsanto.
Wie ein Schwalbennest, das an einem Hauserdach klebt, so „klebt“ auch Monsanto eindrucksvoll am Cabeço de Monsanto, eingebettet zwischen riesigen Granitblöcken.

Archäologische Funde, wie Überreste von Wohnhäusern und Thermen, zeugen davon, dass schon die alten Römer den Fuß des Cabeço de Monsanto bevölkerten, bevor dann die Westgoten und die arabischen Mauren die Anhöhe besiedelten.
Als der portugiesische König Afonso Henriques im Jahre 1143 die Mauren besiegte und diese des Landes verwies, machte er viele Ortschaften und Siedlungen in der Beira Baixa dem religiösen Templerorden zur Schenkung.
Eines dieser Orte war Monsanto, das Afonso Henriques 1165 dem Kreuzritter Gualdim Pais, der an der Seite des Königs erfolgreich gegen die Mauren gekämpft hatte, schenkte.

Gualdim Pais, der am Zweiten Kreuzzug im Heiligen Land teilgenommen hatte und zum Großmeister des Templerordens avanciert war, war es dann auch, der im Jahre der Schenkung mit dem Bau der Burg von Monsanto anfing.
Im Jahre 1174 gewährte König Afonso Henriques in einem Brief (port.: carta de foral) der Burg Monsanto und ihren Bewohnern Sonderrechte.
Diese Sonderrechte erhielt Monsanto damals aufgrund seiner Grenznähe zum verfeindeten Königreich Leon, mit dem Portugal in dieser Zeit ständig kriegerische Auseinandersetzungen hatte.

Im Jahre 1190 und 1217 wurden diese Sonderrechte durch die Nachfolger von König Afonso Henriques, Sancho I und Afonso II, bestätigt.
1308 erteilte König Dinis I Monsanto die Marktrechte und König Manuel I machte im Jahre 1510 den Marktflecken Monsanto zur „vila“, also zur Kleinstadt.

Monsanto und seine Bürger konnten die Jahrhunderte hindurch nur Dank der wehrhaften Burg sicher überleben.
Mehrere Male wurde die Burg von spanischen und französischen Truppen belagert und bedroht, aber nie besiegt.
Da ist es schon fast ironisch, das es ausgerechnet die Portugiesen selber waren, die die Burg eines Tages in Schutt und Asche legten.
In einer Weihnachtsnacht des späten 19. Jahrhunderts explodierte, durch Leichtsinn der diensthabenden Wache, das Munitionsdepot der Burg, indem eine sehr große Menge Schießpulver gelagert wurde.
Die Explosion war so gewaltig, das ein riesiger Granitfelsen an dem die Burg angebaut war, in tausend Stücke gesprengt wurde und eine irreparable Lücke im Mauerwerk zurückließ.
Von der Burg von Monsanto (port.: Castelo de Monsanto), sind heute, bis auf einpaar Mauerreste, nur noch die Torre de Menagem, die Torre do Pião und die Kirche Igreja de Santa Maria do Castelo übrig geblieben.
Gott sei Dank leben wir heute in friedlicheren Zeiten und so war die Zerstörung der Burg von Monsanto nicht das Ende des Dorfes, sondern eher seine Wiedergeburt.

In den letzten Jahrzehnten ist Monsanto und seine Burgruine nämlich dadurch bekannt und landesweit berühmt geworden, weil Monsanto in einem Wettbewerb als das „portugiesischste Dorf Portugals“ (port.: A aldeia mais portuguesa de Portugal) als Sieger hervorging.
Dieser Wettbewerb fand im Jahre 1938 statt, also noch zu Zeiten des Diktators António de Oliveira Salazar.
Aber den Ruf, das „portugiesischste Dorf Portugals“ zu sein, hat Monsanto heute noch!

Monsanto liegt nicht nur schön, Monsanto ist auch wirklich ungewöhnlich schön!
Die moosbewachsenen Häuser aus Granit und Schiefer liegen eingebettet zwischen den riesigen Granitblöcken des Cabeço de Monsanto und werden durch enge und steile Gassen miteinander verbunden.
Die Bewohner des kleinen Ortes scheinen ihr Dorf wirklich zu lieben, denn alles ist sauber, ordentlich, gehegt und gepflegt, was hier in Portugal, zumindest auf dem Festland, leider nicht immer so selbstverständlich ist.

So klein der Ort auch ist, er hat außer seiner Burg geschichtsarchitektonisch noch einiges zu bieten.
So liegt außerhalb der Burgmauern die kleine Kapelle São Miguel, aus dem 12. Jahrhundert, von der behauptet wird, sie stehe an der Stelle, an dem einstmals ein Tempel für den römischen Kriegsgott Mars stand.
Weitere schöne Kirchen von Monsanto sind die Kirche Igreja São Salvador, die Hauptkirche des Dorfes, und die Kirche Igreja da Misericórdia.
Unweit der Igreja da Misericórdia steht der Pelourinho und die Torre do Lucano, die auch unter dem Namen Torre do Relógio (dt.: Uhrturm) bekannt ist, und aus dem 14. Jahrhundert stammt.
Gekrönt wird die Torre do Lucano durch einen silberfarbenen Hahn. Dieser Hahn ist die Siegestrophäe für den Wettbewerb, der Monsanto 1938 als das portugiesischste Dorf Portugals auszeichnete.

Ob Monsanto auch weiterhin das „portugiesischste Dorf Portugals“ ist oder nicht, das liegt wohl im Auge des Betrachters.
Fakt ist aber, das Monsanto zweifelsohne eines der ursprünglichsten und zauberhaftesten Ortschaften Portugals ist.

Dienstag, 31. Juli 2012

Maria Guimarães




Zwar macht seit Anfang des Jahres ein originelles und kunstvoll-stilistisches rotes Herz Werbung für Guimarães als diesjährige Kulturhauptstadt Europas.
Die Stadt Guimarães selber aber, konnte bis dato mit keinem eigenen Maskottchen aufwarten.

Dem wurde, mit dem heutigen Tag, Abhilfe geleistet.
Seit heute hat die traditionsreiche und geschichtsträchtige Stadt Guimarães, die oftmals von uns Portugiesen auch als „die Wiege der Nation“ bezeichnet wird (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Guimarães“, vom 02. Januar 2012), ein eigenes Maskottchen.

Erschaffen wurde dieses Maskottchen, das auf den Namen „Maria Guimarães“ getauft wurde, von der aus Nordportugal stammenden jungen Künstlerin Madalena Martins, die schon vor Monaten für ihre Heimatstadt Ponte de Lima das Maskottchen „Maria de Ponte“ kreiert hat.
Madalena Martins arbeitet für das kreative, und für seine humorvollen Arbeiten bekannte, Designer- und Marketingbüro „Bicho Sete Cabeças“.

Wenn es nach dem Wunsch der Stadtväter von Guimarães geht, so soll „Maria Guimarães“ demnächst den berühmtesten Sohn der Stadt, König Afonso Henriques, als Ikone der Stadt ablösen. So soll zukünftig das Maskottchen nicht nur auf offiziellem Briefpapier und Prospekten der Stadt zu finden sein, sondern die mit einem Helm und einer Lanze ausgestattete „Maria Guimarães“ soll alsbald auch als Aufkleber, Kühlschrankmagnet, Schokolade, Stoffpuppe und noch vieles mehr in die weite Welt hinausgehen.

Montag, 9. Januar 2012

Alte Gewichtseinheiten und Längenmaße Portugals


In meinem am 19.10.2011 erschienenen Beitrag „Manifestis probatum“ erwähne ich, dass der portugiesische König Afonso Henriques sich dem Papst in Rom gegenüber verpflichtete, ab 1143 eine jährliche Zahlung von fünf Quintais Gold für die Unabhängigkeit des neuen Königreiches Portugal zu bezahlen.

Heute nun, bin ich gefragt worden, was denn „Quintais“ seien.
Nun, ein „Quintal“ ist eine alte portugiesische Gewichtseinheit, die nach heutigem Gewichtwert, genau 58,752 kg beträgt.

Aber der „Quintal“ ist nicht die einzige Gewichtseinheit die es im früheren Portugal gab.
Bis zum 13. Dezember 1852, dem Tag, als in Portugal das noch heute gültige Metrische System (port.: sistema métrico) offiziell eingeführt wurde, waren mehre verschiedene Gewichtseinheiten und Längenmaße in Portugal, Brasilien und den portugiesischen Kolonien gültig. Diese verschiedenen Gewichts- und Längenmaße stammten teilweise noch aus dem Jahre 1495, als König Manuel I sie damals einführte.
Bis dahin hatte nämlich jede Stadt und jede Region im Königreich ihre eigene Mess- und Gewichtseinheit, was zu chaotischen Zuständen im alltäglichen Leben führte.

Das Metrische System setzte sich nach seiner Einführung dann aber nur langsam durch.
Ganze zehn Jahre sollte es dauern bis die alten Maß- und Gewichtseinheiten dann endgültig am 01. Januar 1862 offiziell vom Metrischen System abgelöst wurden.

Ich habe hier einmal die verschiedenen alten Gewichtseinheiten und Längenmaße aufgeführt, die früher in Portugal Gültigkeit hatten:


Die früheren Längenmaßeinheiten (port.: medidas lineares) bis 1852 waren:

• 1 Ponto = heute 0,19 mm
• 12 Pontos = 1 Linha = heute 2,29 mm
• 12 Linas = 1 Polgada = heute 25,5 mm
• 8 Polgadas = 1 Palmo de craveiras = heute 22 cm
• 12 Polgadas = 1 Pé = heute 33 cm
• 5 Palmos de craveiras = 1 Vara = heute 1,10 m
• 2 Varas = 1 Braça = heute 2,20 m
• 841 Braças = 1 Milha = heute 1850 m
• 3 Milhas = 1 Legua = heute 5550 m

Anzumerken sei hier, dass eine Vara früher das Standartmaß war, vergleichbar mit dem heutigen Meter und der früheren deutschen Elle.
Außerdem wurde der portugiesische Pé (dt.: Fuß) vom alten römischen Fuß hergeleitet, und war somit die älteste Maßeinheit Portugals.


Die früheren Gewichtsmaßaßeinheiten (port.: medidas pesonais) bis 1852 waren:

• 1 Grão = heute 0,0498 g
• 24 Grãos = 1 Escrópulo = heute 1,1953 g
• 3 Escrópulos = 1 Oitava = heute 3,5859 g
• 8 Oitavas = 1 Onça = heute 28,6875 g
• 4 Onças = 1 Quarta = heute 0,11475 kg
• 4 Quartas = 1 Arrátel = heute 0,459 kg
• 32 Arráteis = 1 Arroba = heute 14,688 kg
• 4 Arrobas = 1 Quintal = heute 58,752 kg
• 13,5 Quintais = 1 Tonelada = 793,152 kg

Die Standartgewichtseinheit war hier, mit 0,459 kg, der Arrátel.
Er war mit dem englischen Pfund vergleichbar, der genau dasselbe wog, und hier in Portugal auch oft Libra genannt wurde.

Seit der endgültigen Einführung des Metrischen Systems am 01. Januar 1862 sind die alten Messeinheiten Geschichte.
Nur in der Seefahrt wird noch die Seemeile (port.: milha nautica) verwendet und beim wiegen von Edelmetallen, wie Gold und Silber, werden die alten Gewichte, wie Grão und Onça, noch verwendet.

Montag, 2. Januar 2012

Guimarães





In meinem Blogeintrag „Guimarães 2012 – Programm einer Kulturhauptstadt“, vom 10. Dezember 2011, berichte ich über die einzelnen Programmfelder der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt.
Da nicht jeder außerhalb Portugals so richtig mit „Guimarães“ etwas anfangen kann, will ich all denen, die weder wissen wo die Stadt liegt, noch welche Sehenswürdigkeiten Guimarães zu bieten hat, hier einmal diesen wunderbaren und geschichtsträchtigen Ort ein wenig näher bringen.

Das im Norden Portugals, am Fuße der Serra de Santa Catarina gelegene Guimarães, liegt im Distrikt Braga in der alten Provinz Minho und wird von uns Portugiesen ehrfurchtsvoll als „Berço da Nação“, als „Wiege der Nation“, bezeichnet.
Diesen Beinamen verdankt Guimarães der Tatsache, das sie einst die erste Hauptstadt des neu gegründeten Königreiches Portugals und aller Wahrscheinlichkeit auch Geburtsort des ersten Königs des Landes, Afonso Henriques, war.
Zwar sind in den letzten Jahren Zweifel darüber aufgekommen ob Afonso Henriques wirklich in Guimarães geboren wurde, oder vielleicht doch in der Stadt Viseu das Licht der Welt erblickte, aber den Titel als „Wiege der Nation“ kann Guimarães keiner nehmen.

Aber auch wenn es in letzter Zeit darüber Zweifel gab, ob Afonso Henriques ein Sohn der Stadt Guimarães ist oder nicht, so gibt es wahrlich andere Männer und Frauen die mit Sicherheit von sich behaupten können Vimaranenses zu sein – so werden nämlich die Bürger der Stadt Guimarães genannt.
Es sind dies, unter anderem, der Dramatiker und Theaterpionier Gil Vicente, der hier 1465 geboren wurde, die Leichtathletiklegenden und Zwillingsbrüder Dionísio und Domingos Castro, die hier 1963 das Licht der Welt erblickten, der Historiker Alberto Sampaio, Jahrgang 1841, nach dem eines der schönsten Museen der Stadt benannt wurde und die Operndiva Elisabete Matos, die, wie es sich für eine richtige Diva gehört, ein Staatsgeheimnis aus ihrem Geburtsjahr macht.

Guimarães hat schätzungsweise 60.000 Einwohner und liegt zwischen den Städten Porto und Braga.
Sie ist unweigerlich mit der historischen Gründung Portugals verbunden.
Als Gründerin der Stadt gilt die aus Galizien stammende Gräfin Mumadona Dias. Sie ließ um das Jahr 960 herum, dort wo sich heute der Platz Largo da Oliveira erstreckt, eine Klosterburg errichten, nämlich den Castelo Vimaranes.
Die Klosterburg sollte das Kloster, und die wenigen Häuser die es damals umgaben, vor den Angriffen der arabischen Mauren und Normannen schützen.
Genau dort, wo sich einst der Castelo Vimaranes befand, steht heute die Kirche Igreja de Nossa Senhora da Oliveira.

Mit seiner wohlerhaltenen Altstadt, seinen unzähligen Gassen und Gässchen, seiner kulturellen Vielfalt und einer Fülle an historischen Baudenkmälern und bedeutenden Kunstschätzen ist Guimarães zu recht zur diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt 2012 gewählt worden.

Mit den vielen auffallenden, für portugiesische Verhältnisse durchaus nicht selbstverständlichen, Grünanlagen macht Guimarães auf seine Besucher einen freundlichen Eindruck.
Die malerische Altstadt mit ihren stattlichen Granithäusern, die mit eisenvergitterten Balkonen und einem reichen Blumenschmuck aufwarten können, bildet den historischen Mittelpunkt der Stadt.

Über der Stadt erhebt sich die düster-mächtige, von einem Kranz hoher schlanker Zinnen gekrönte Stadtburg (port.: Castelo da Cidade) aus dem 10. Jahrhundert. Sie ist zweifelsohne eine der eindruckvollsten Wehrburgen Portugals.
Hier soll im Jahre 1110 der schon erwähnte erste König Portugals, Afonso Henriques, geboren worden sein, was dem Bauwerk erst recht den Charakter einer nationalen Weihestätte verleiht.
Etwas unterhalb des Burgeinganges befindet sich die kleine aber wuchtige Burgkapelle São Miguel do Castelo aus dem Jahre 1105. In ihr soll der kleine Afonso Henriques getauft worden sein. Beim Taufbecken handelt es sich aber heute nur um eine Kopie. Das Original befindet sich in der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Oliveira, mitten in der Stadt.

Aber die Burg ist nur eines der vielen historischen Bauwerke die man in Guimarães besichtigen und bewundern kann.
Sehenswert sind auch, unter anderem, die folgenden Bauwerke:

• Paço dos Duques de Bragança (dt.: Palast der Herzöge von Bragança) – Der von Grünanlagen umgebene und ausgedehnte Paço Ducal war einmal der Palast der Herzöge von Bragança. Er wurde Anfang des 15. Jahrhunderts, auf Anweisungen von Afonso, dem ersten Herzogs von Bragança, im französischen Geschmack der damaligen Zeit errichtet. Mit der Verlegung der Residenz der Herzöge, Anfang des 16. Jahrhunderts, nach Vila Viçosa im Alentejo, verkam der gotische Prachtbau zunehmend. Erst im 20. Jahrhundert wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten an dem Palast vorgenommen, so dass wir ihn heute in seiner vollen Pracht bewundern können.

• Largo da Oliveira (dt.: Platz des Olivenbaums) – Dieser, mitten in der Altstadt gelegene Platz, hat sich seinen mittelalterlichen Charakter größtenteils bewahren können. Verschiedene historische Gebäude gruppieren sich um diesen Platz. Einer von ihnen ist das Alte Rathaus (port.: Antigos Paços do Concelho) an der Nordseite des Platzes. In ihm ist heute das Stadtarchiv untergebracht. Der Bau mit seinen spitzbogigen Arkaden wurde unter König João I im 14. Jahrhundert begonnen und im 17. Jahrhundert grundlegend umgestaltet. In der Platzmitte steht eine gotisch-manuelinische Siegeshalle (port.: Alpendre), zum Gedenken an die Schlacht von Rio Salado im Jahre 1340. Bei der Schlacht von Salado (port.: Batalha de Salado) besiegten damals die verbündeten portugiesischen und kastilienschen Truppen die Streitkräfte des Sultans von Marokko.

• Igreja de Nossa Senhora da Oliveira (dt.: Kirche Unserer lieben Frau vom Olivenbaum) – Diese Kirche liegt am historischen Largo da Oliveira (port.: Platz des Olivenbaums). An der stelle der heutigen Kirche befand sich im 10. Jahrhundert die Klosterburg Castelo Vimaranes. König Afonso Henriques ließ dann im 12. Jahrhundert zum Dank für die erfolgreich geschlagene Schlacht von Ourique (port.: Batalha de Ourique) hier eine Kirche errichten, die dann zwischen 1387 und 1400 auf Anweisung von König João I zum Gedenken an die Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) erheblich erweitert wurde. So wie sich die Kirche heute präsentiert, stammt sie weitgehend aus dem 16. Jahrhundert. Der manuelinische Glockenturm wurde im Jahre 1505 angefügt. Besonders Sehenswert in dieser Kirche ist das steinerne romanische Taufbecken aus der Kirche São Miguel do Castelo, über dem Afonso Henriques einstmals getauft worden sein soll. Die Bürger von Guimarães haben eine sehr enge Bindung zu dieser Kirche, denn sie beherbergt die Schutzpatronin der Stadt.

• Museu de Alberto Sampaio (dt.: Museum Alberto Sampaio) – Das im Kreuzgang der Kirche Igreja de Nossa Senhora da Oliveira beheimatete Museum für sakrale Kunst Alberto Sampaio bewahrt eine einzigartige Kollektion an Gemälden und Plastiken portugiesischer Meister aus dem 16. Jahrhundert, sowie wertvolle Goldschmiedearbeiten und eine kostbare Sammlung historischer Gewänder und Möbel.

• Igreja dos Santos Passos (dt.: Kirche der Heiligen Schritte) – Am Largo do Brasil, einem der schönsten Plätze der Stadt, liegt die zweitürmige Barockkirche Santos Passos aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist mit einem reichen Azulejoschmuck und wunderschönen italienisch beeinflussten Dekorplastiken ausgestattet. Die Kirche ist dem Stadtheiligen São Gualter gewidmet.

• Igreja de São Francisco (dt.: Sankt Franziskuskirche) – Diese Kirche wurde um das Jahr 1400 von König João I gestiftet und später barock umgestaltet. Ihr weiter Innenraum ist ganz und gar mit Azulejos ausgekleidet und ihre Sakristei wird von einer wuchtigen Kassettendecke gekrönt.

• Museu de Martins Sarmento (dt.: Museum Martins Sarmento) – Dieses, in einem ehemaligen Dominikanerkloster untergebrachte Museum, beherbergt die größte und wichtigste archäologische Sammlung der Stadt und ihrer Umgebung.

• Convento de Santa Clara (dt.: Kloster Santa Clara) – In diesem alten Kloster befindet sich heute das Rathaus der Stadt.

Dies sind nur einige der vielen Sehenswürdigkeiten die die Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2012 ihren Gästen zu bieten hat.

Wenn ein Fremder die Seele Portugals kennen lernen möchte, dann sollte er sich auf den Weg mach Guimarães machen.
Nur dort wird er sie, wenn überhaupt, antreffen können!

Dienstag, 20. Dezember 2011

Das Turnier von Arcos de Valdevez


Arcos de Valdevez ist ein kleiner verträumter Ort mit noch nicht einmal 2.500 Einwohnern.
Es liegt im romantischen Tal des Rio Vez im Norden Portugals, im heutigen Distrikt Viana do Castelo.
Hier soll sich einstmals im Mittelalter, Anfang des Jahres 1140, ein mystisches Turnier zugetragen haben, von dem heute noch berichtet wird.

Der Geschichte nach sollen sich am Ufer des Rio Vez, einem Zufluss des Rio Lima, an einer Stelle die von der Bevölkerung heute „Veiga da Matança“ genannt wird, einstmals die Ritter von Afonso Henriques von Portucale und die Ritter von König Alfonso VII von Leon und Kastilien (port.: Afonso VII de Leão e Castela) in einem Turnier gegenüber gestanden haben.

Zu diesem Turnier kam es, der Geschichte nach, wie folgt:

In der Schlacht von Ourique, die sich im Jahre 1139 ereignete, standen sich die Truppen und Anhänger des jungen Afonso Henriques und die Truppen seiner eigenen Mutter, der Gräfin Teresa von Portucale, feindlich gegenüber.
Teresa konnte in diesem Konflikt mit der Unterstützung ihrer Verbündeten Galizien und Leon-Kastilien rechnen.
Nichtsdestotrotz verlor Gräfin Teresa die Schlacht von Ourique gegen ihren Sohn Afonso Henriques.

Dieser fällt in den nächsten Monaten, aus Rache, mehrere Male mit seinen Soldaten über Galizien her, das seine Mutter in diesem Konflikt vehement unterstützt hatte.
Als Antwort auf diese ständigen Angriffe von Afonso Henriques fielen die Truppen Alfons VII von Leon und Kastilien daraufhin Anfang 1140 in Nordportugal ein und vernichten erbarmungslos alles und jeden der sich ihnen in den Weg stellt.

Die Truppen stehen sich alsbald in der Nähe von Arcos de Valdevez, an der Stelle die heute Veiga da Matança genannt wird, drohend gegenüber.
Beide Konfliktparteien beschließen, wie damals im Mittelalter (port.: Idade Média) möglich, nicht mit ihren Soldaten in einen blutigen Krieg zu ziehen, sondern sie beschließen das ihre besten Ritter in einem Turnier darüber entscheiden sollen, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen soll.

Das Glück scheint damals auf der Seite Portugals gestanden zu haben, denn die Portugiesen gehen als Sieger aus diesem mittelalterlichen Ritterturnier (port.: torneio medieval) hervor.

Drei Jahre später, am 05. Oktober 1143, unterzeichnen Afonso Henriques und Alfonso VII von Leon und Kastilien den Vertrag von Zamora (port.: Tratado de Zamora), und zementierten so die Unabhängigkeit Portugals.

Leider sind solche Konfliktbewältigungsmaßnahmen wie sie damals möglich waren, in unserer heutigen Zeit nicht mehr vorstellbar.
Es wäre aber wünschenswert das sich heute führende Staatsmänner in einem Konflikt miteinander, wie auch immer, messen könnten.
So würden viele blutige und grausame Kriege auf der Welt verhindert werden können.

Sollen die Herren Politiker doch ihre Konflikte alleine unter sich austragen und die Männer, die heute dazu gezwungen werden als Soldaten in den Krieg zu ziehen, mit ihren Frauen, Müttern und Kindern in Frieden leben dürfen!

Das Leben im Mittelalter war bestimmt nicht leicht und aus unserer heutigen Sicht sicherlich manchmal auch ungerecht und sogar grausam.
Aber ein Turnier anstelle eines Krieges als Konfliktbewältigungsmaßnahme auszufechten, erscheint mir in höchstem Maße human und fortschrittlich!

Mittwoch, 5. Oktober 2011

05. Oktober 1143


Seit hunderten von Jahren, haben Völker und Nationen das kollektive Bedürfnis mit starken Symbolen und oftmals auch mit viel Tamtam historische Daten gemeinsam zu begehen und zu feiern.
Portugal ist da keine Ausnahme!

Seit nunmehr 868 Jahren hat die portugiesische Nation die verschiedensten Gründe gefunden sich an auserwählten Tagen und an besonderen Daten seiner nationalen Identität zu erinnern und zu versichern.

Einer dieser auserwählten und besonderen Tage denen wir gedenken ist der heutige 05. Oktober.
Nein, ich meine nicht den 05. Oktober 1910, der hier in Portugal ein offizieller Nationaleiertag ist und noch heute an die Gründung der portugiesischen Republik (port.: República Portuguesa) erinnert.
Ich spreche hier vom 05. Oktober des Jahres 1143!

An diesem denkwürdigen Tag wurde nämlich, in der spanischen Stadt Zamora, nach einer zweitägigen Friedenskonferenz, an der das Königreich Leon-Kastilien (port.: Reino de Castela e Leão) und die portugiesische Grafschaft Portucale (port.: Condado de Portucale) als Parteien teilnahmen, die portugiesische Unabhängigkeit im „Vertrag von Zamora“ besiegelt.

Im Beisein des päpstlichen Gesandten Kardinal Guido de Vico unterzeichnete damals König Afonso VII von Leon und Kastilien die Urkunde, die aus dem Grafen Afonso Henriques offiziell den ersten König von Portugal machte, einen Titel den er schon seit 1140 mit Stolz trug.

Aber bis zur Unterzeichnung des Vertrages von Zamora sollte es ein langer Weg sein.
Alles begann damit, dass sich Afonso Henriques im Jahre 1125, als ein junger Infant von nur 14 Jahren, selber in der Kathedrale von Zamora zum Ritter ernannte.
Ab diesem Tag strebte er die Unabhängigkeit der Grafschaft Portucale an, die ein Teil des Königreiches Leon und Kastilien war.
Seine Mutter Teresa, die die Gräfin und nach dem Tod von Afonso Henriques Vater die eigentliche Herrin über Portucale war, war mit dem Unabhängigkeitsbestreben ihres Sohnes mitnichten einverstanden.
Und so kam es wie es kommen musste, nämlich zum offenen Bruch zwischen Mutter und Sohn.

Am 24. Juni 1128 kam es zum bewaffneten Konflikt zwischen Gräfin Teresa und Infante Afonso Henriques.
In der Nähe der Stadt Guimarães, auf einem Feld vor der kleinen Ortschaft São Mamede, standen sich beide mit ihren Truppen Gegenüber.
Nach einem einstündigen Kampf, der als die „Schacht von São Mamede“ (port.: „Batalha de São Mamede“) in die Geschichte eingehen wird, verlässt Afonso Henriques triumphierend als Sieger das Feld.
An diesem denkwürdigen Tag ernennt er sich selber zum Grafen von Portucale und er verweigert seinem Lehnsherren, König Afonso VI von Leon und Kastilien, und später auch dessen Sohn Afonso VII, zukünftig kategorisch den Gehorsam und die Gefolgschaft.

Afonso Henriques macht sich fortan als Feldherr und Ritter auf der Iberischen Halbinsel einen Namen.
Im Jahre 1139 kommt es zur „Schlacht von Ourique“ (port.: „Batalha de Ourique“), bei der Afonso Henriques einer Übermacht muslimischer Mauren gegenüber steht.
Er gewinnt diese Schlacht und noch viel mehr:
er gewinnt riesige Ländereien, kann somit das portugiesische Territorium vergrößern und gewinnt dazu noch, sozusagen als Zugabe, eine Menge Selbstvertrauen.
Fortan lässt er sich nämlich „Rex Portucale“ – also König von Portugal – titulieren!

Dieser Titel wird ihm aber erst, wie schon erwähnt, durch besagten Vertrag von Zamora, am 05. Oktober 1143, durch seinen Cousin Afonso VII von Leon und Kastilien, anerkannt.

Erst 36 Jahre später, nämlich im Jahre 1179, erkennt dann auch Papst Alexander III in der päpstlichen Bulle „Manifestis Probatum“ offiziell das Königreich Portugal als unabhängigen und souveränen Staat an.
Die Anerkennung durch den Heiligen Vater in Rom, der im Mittelalter den gleichen Stellenwert hatte, wie etwa heute die Vereinten Nationen, war wohl der bedeutendste und symbolischste Schritt Portugals als unabhängiges und freies Königreich.

Dieses Königreich sollte ganze 767 Jahre andauern, bis dann am 05. Oktober 1910, die portugiesische Republik ausgerufen wurde.
Das Ende der Monarchie war das Resultat eines anarchistischen Staatsstreiches und eines Königsmordes gewesen, der damals den meisten Portugiesen aufgezwungen wurde und leider heute noch aufgezwungen wird!

Und so kommt es, dass ich jedes Jahr am 05. Oktober die Geburt Portugals feiere, während die Mehrheit meiner Landsleute wohl eher den Niedergang Portugals als Nation zu feiern scheint.

Trotz allem:
Allen einen schönen Feiertag!

Montag, 26. September 2011

Miradouro de Santa Luzia





In meinem Beitrag „Verwahrloster Aussichtspunkt“, vom gestrigen 25.09.2011, habe ich mich verärgert über den augenblicklichen Zustand des „Miradouro de Santa Luzia“ (port.: „Aussichtspunkt von Santa Luzia“) geäußert und auch ein paar Fotos vom selbigen veröffentlicht.

Heute will ich einmal hier erzählen und zeigen wie schön der Miradouro, der im Stadtteil Santiago liegt, vor ein paar Jahren noch war.

Wie schon hier im Blog erwähnt, ist der Miradouro de Santa Luzia einmal einer der schönsten Aussichtspunkte der Stadt gewesen.
Sowohl der Miradouro und der kleine Park Jardim de Julio de Castilho, der an ihm grenzt, als auch die Kirche die dem Platz den Namen gegeben hat, sind sehr heruntergekommen.

Nichtsdestotrotz hat man von hier eine überragende Sicht über die Alfama und den Tejo. Von Links nach Rechts sind von hier aus die weiße Kuppel des Pantheon und die weißen Türme der Kirchen Igreja de Santo Estêvão und Igreja de São Miguel zu sehen.
Die wunderschöne Aussicht ist teilweise geblieben, aber vieles was der Miradouro einstmals zu bieten hatte, ist leider verloren gegangen.

So gab es einmal in dem Jardim de Julio de Castilho eine kleine Bibliothek in der man z.B. immer die jeweiligen Tageszeitungen lesen konnte.
Diese kleine Bibliothek ist heute leider geschlossen.

Auch die kleine Kirche Igreja de Santa Luzia, die ursprünglich im 12. Jahrhundert von Rittern des Malteserordens errichtet wurde und die auf den Grundmauern der maurischen Burgbefestigung steht, befindet sich die meiste Zeit über für die Öffentlichkeit verschlossen.
An der südlichen Außenmauer der Kirche sind zwei bemerkenswerte Azulejogemälde (port.: painéis de azulejos) von der Azulejofabrik Viúva aus der Stadt Lamego angebracht.
Beide Gemälde stammen aus dem späteren 20. Jahrhundert.
Das eine Azulejogemälde zeigt die Praça do Comércio vor dem großen Erdbeben im Jahre 1755 und das andere stellt die Eroberung Lissabons durch die Truppen des portugiesischen Königs Afonso Henriques dar.

Hätte der Namensgeber des kleinen Parks, der Schriftsteller Julio de Castilho, der einige bedeutende Werke über seine Heimatstadt geschrieben hat, geahnt wie heruntergekommen einmal dieser Ort sein würde, ich glaube er hätte niemals so von Lissabon geschwärmt und so positiv über diese Stadt geschrieben!

Montag, 29. August 2011

Egas Moniz


Egas Moniz, der den Beinamen „o Aio“ trug und Herr von Ribadouro war, erblickte im Jahre 1080 das Licht der Welt.
Er war der Sohn von Monio Hermígues und dessen Gattin Ouroana.
Egas Moniz entstammte einer der edelsten, reichsten und mächtigsten Familien der Grafschaft Portucale, die ursprünglich aus der Provinz Entre-Douro-e-Minho herstammte.
Die Familie war so angesehen, das der Graf von Portucale, Henrique de Borgonha, seinen ältesten Sohn Afonso Henriques in die Obhut von Egas Moniz gab, damit dieser ihn erziehen und ritterlich ausbilden möge.
Mit seinen zwei Brüdern Ermígio und Mendo gehörte er ab 1106 zum engsten Kreis am Hofe des Grafen von Portucale.
Der Erziehung des zukünftigen Königs von Portugal verdankt Egas Moniz auch seinen Beinamen „o Aio“ (dt.: „der Hauslehrer“).
Von frühester Zeit an sollte Egas Moniz zum wichtigsten persönlichen Freund und militärischen Berater des jungen Afonso Henriques werden.

Aus der Kindheit und der frühesten Jugend von Egas Moniz ist so gut wie nichts bekannt.
Man weiß heute, dass er im Jahre 1109, im Alter von 29 Jahren, zum ersten Mal heiratete.
Mit seiner Gattin Dórdia Pais de Azevedo hatte er fünf Söhne – Lourenço, Afonso, Mem, Rodrigo und Hermígio.

Als im Jahre 1127 Afonso VII König von Kastilien und Léon (port.: Castela e Leão) wird, erklärt er sich eigenmächtig zum König der gesamten Iberischen Halbinsel (port.: imperador de toda a Hispânia).
Er forderte von allen Edelleuten des Königreiches die Lehnsherrschaft und den absoluten Gehorsam.
Aber Afonso Henriques, der zukünftige Graf von Portucale (port.: Condado Portucale), weigerte sich als einziger Edelmann Afonso VII, seinen eigenen Vetter, als König anzuerkennen.

Im Alter von nur 20 Jahren besiegt Afonso Henriques am 24.06.1128, in der Schlacht von São Mamede, in der Nähe von Guimarães, seine eigene Mutter Teresa, die eigentliche Herrscherin der Grafschaft und treue Anhängerin des kastilischen Königs, und erklärt sich selbst zuerst zum Grafen von Portucale und später zum König von Portugal.

Es kam, wie es kommen musste – alsbald führten Afonso Henriques und Afonso VII Krieg gegeneinander.
Die Schlacht von Valdevez brachte aber für beide Seiten kein eindeutiges Ergebnis.

Afonso Henriques zog sich mit Egas Moniz und seinem Clan und den Oberhäuptern der sieben anderen einflussreichsten Familien der Grafschaft Portucale nach Guimarães, der Hauptstadt, zurück.
Neben der Familie Moniz gehörten damals zu den mächtigsten Adelsfamilien des portugiesischen Reiches die Familien da Maia, de Sousa, de Baião, de Lanhoso, da Silva, Guedeão und de Bragança.

Nach der Schlacht von Valdevez belagerte der kastilische König die Burg von Guimarães und setzte Afonso Henriques unter Druck.
Dieser ließ Afonso VII ausrichten, das er lieber sterben würde, als sich diesem zu ergeben und ihm Treue zu schwören.

Darauf hin wurde Egas Moniz zu König Afonso VII gesandt, um mit diesem ein Friedensvertrag, bei dem jede Partei ihr Gesicht wahren sollte, auszuhandeln.

In diesem Friedensvertrag erkennt Afonso Henriques den kastilischen König als Lehnsherren an und verpflichtet sich, auch im Namen seiner Männer, Afonso VII treu ergeben zu sein.
Als Gegenleistung verpflichtet sich Afonso VII die Belagerung zu beenden.
Afonso VII akzeptiert die Lehnsbereitschaft seines Vetters, und nachdem Egas Moniz mit seinem Wort für die Einhaltung dieses Vertrages im Namen Afonso Henriques bürgt, beendet der kastilische König die Belagerung von Guimarães.

Aber noch nicht einmal ein Jahr später, als Afonso Henriques die weiter südlich gelegene Stadt Coimbra zur neuen Hauptstadt des Königreiches ernennt, vergisst er sein zuvor gegebenes Versprechen und fällt über Galizien her.
Bei der Schlacht von Cerneja, in Jahre 1137, geht er als Sieger hervor.

Als Egas Moniz sieht, das sein König und Herr Afonso Henriques gegenüber dem kastilischen König sein Wort bricht, begibt er sich mit seiner gesamten Familie, alle barfuss und in Büßergewänder gehüllt, nach Toledo, an den Hof von Afonso VII.
Dort gibt er sein Leben, das seiner zweiten Gattin Teresa und das seiner vier jüngsten Kinder Dórdia, Soeiro, Elvira und Urraca in die Hände König Afonso VII.

Der kastilische König ist von dem Mut und von der Demut Egas Monizes so beeindruckt, das er diesen begnadigt und wieder nach Portugal ziehen lässt.
Aber auch der portugiesische König ist von dem Verhalten Egas Moniz so angetan, das er diesen mit Ländereien hoch belohnt.
Bis an sein Lebensende wird Egas Moniz an der Seite des portugiesischen Königs stehen.

Als er im Jahre 1146 stirbt, wird er im Kloster Paço de Sousa (port.: Mosteiro de Paço de Sousa), in einem reich verzierten Grabmal, der noch heute besichtigt werden kann, beigesetzt.

Dienstag, 21. Juni 2011

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen






Seit einiger Zeit gibt es Zweifel an dem Geburtsort von Afonso Henriques, dem ersten König von Portugal, der am 27. Juli 1139, als Afonso I, den Thron bestieg.
Über Jahrhunderte hinweg galt die nordportugiesische Stadt Guimarães als Wiege der Nation (port.: Berço da Nação).
Doch seit kurzem wollen Wissenschaftler mögliche Hinweise dafür gefunden haben, das wahrscheinlich in der Stadt Viseu, ebenfalls in Nordportugal gelegen, die Wiege von Afonso Henriques stand.

Wie dem auch sei:
Keinen Zweifel gibt es über die Stadt in der Afonso Henriques starb, und dem Ort an dem er bestattet wurde, nämlich im Kloster Santa Cruz, in der Stadt Coimbra.

In Portugal regierten von 1139 bis 1910 insgesamt 33 Könige und Königinnen, die drei spanischen Könige mitgerechnet.

Von diesen 33 Königen und Königinnen ist einer in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa), einer im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas) und eine regierende Königin in der Sternbasilika (port.: Basilica da Estrela) beigesetzt worden.

Zwei liegen im Kloster Santa Cruz (port.: Mosteiro de Santa Cruz) in der Stadt Coimbra beigesetzt und jeweils drei haben im Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Alcobaça) und im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Vielleicht sind es auch vier die im Hieronymuskloster liegen, denn ob die Gebeine von König Sebastião I, der bei einer Schlacht im marokkanischen Alcácer Quibir gefallen ist, wirklich die sind, die damals im Kloster beigesetzt wurden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Vier portugiesische Monarchen sind im Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha beigesetzt und insgesamt zwölf liegen im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon, der letzten Ruhestätte der Braganças.

Die drei spanischen Filipes sind im Kloster El Escorial, bei Madrid, in der Gruft der Habsburger beigesetzt und einer der portugiesischen Könige, nämlich Sancho II, liegt wahrscheinlich in der Kathedrale von Toledo. Sicher ist das aber nicht, denn nach seiner Flucht aus Portugal hat er sich zwar in dieser spanischen Stadt niedergelassen aber ob er auch dort gestorben ist und wann, ist fraglich.

Ein portugiesischer Monarch, nämlich Pedro IV, war auch als Pedro I brasilianischer Kaiser. Er wurde nach seinem Tod im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, aber in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sein Leichnam nach Brasilien überführt, wo er im dortigen Freiheitsdenkmal Ipiranga, in der Stadt São Paulo, beigesetzt wurde. Sein Herz aber, wird in der Lapa-Kirche (port.: Igreja da Lapa) in der portugiesischen Stadt Porto aufbewahrt.

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen befinden sich an folgenden Orten:

Dynastie derer von Burgund (port.: Dinastia de Borgonha)

• Afonso Henriques ( +06.12.1185) – Mosteiro de Santa Cruz de Coimbra (dt.: Kloster Santa Cruz in Coimbra)
• Sancho I (+27.03.1211) – Mosteiro de Santa Cruz
• Afonso II (+25.03.1223) – Mosteiro de Alcobaça (dt.: Kloster von Alcobaça)
• Sancho II (+1247) – Wahrscheinlich in der spanischen Stadt Toledo?
• Afonso III (+16.02.1279) – Mosteiro de Alcobaça
• Dinis I (+07.01.1325) – Mosteiro de Odivelas (dt.: Kloster von Odivelas)
• Afonso IV (+28.05.1357) – Sé Catedral de Lisboa (dt.: Kathedrale von Lissabon
• Pedro I (+18.01. 1367) – Mosteiro de Alcobaça

Dynastie derer von Avis (port.: Dinastia de Avis)

• João I (+14.08.1433) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster von Batalha)
• Duarte I (+09.09.1438) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Afonso V (+28.08.1481) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• João II (+25.10.1495) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Manuel I (+13.12.1521) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa (dt.: Hieronymuskloster in Lissabon)
• João III (+11.06.1557)– Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa
• Sebastião I (+27.08.1578) Eventuell im Hieronymuskloster?
• Henrique I (+31.01.1580) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa

Dynastie der Habsburger (port.: Dinastia de Habsburgo)

• Filipe I (+13.09.1598) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe II (+31.03.1621) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe III (+01.12.1640) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien

Dynastie derer von Bragança (port.: Dinastia dos Bragança)

• João IV (+06.11.1656) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon (dt.: Kloster São Vicente de Fora)
• Afonso VI (+12.09.1283) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro II (+09.12.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• João V (+31.07.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• José I (+24.02.1777) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Maria I (+20.03.1816) – Basilica da Estrela em Lisboa (dt.: Sternbasilika in Lissabon)
• Pedro III (+05.03.1786) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro IV, Pedro I (+02.05.1826) von Brasilien – Wurde zuerst im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, und dann wurde sein Körper nach São Paulo in Brasilien überführt und sein Herz in die Lapa- Kirche in Porto gebracht
• Maria II (+15.11.1853) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Fernando II (+15.11.1853– Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro V (+11.11.1861 – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Luis I (+19.10.1889) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Carlos I (+01.02.1908) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Manuel II (+02.07.1932) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon