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Freitag, 8. Mai 2015

10. Internationales Festival der Iberischen Maske


Der Lissabonner Altstadtplatz Rossio wird für die nächsten Tage der zentrale Ausgangspunkt für das alljährlich stattfindende Internationale Festival der Iberischen Maske (port.: Festival Internacional da Máscara Ibérica) sein, eine Veranstaltung die seit nunmehr 10 Jahren viele Freunde origineller und kunstvoller Gesichtsbedeckungen zusammenbringt.

Weit über 600 Mitglieder verschiedener Trachten- und Festumzugsgruppen aus ganz Nord- und Zentralportugal, sowie mehreren spanischen Regionen und dieses Jahr auch zum ersten Mal eine Volksgruppe aus dem italienischen Sardinien, nehmen an diesem bunten und fröhlichen Festival teil.

Die Benutzung von Masken in Portugal bei rituellen und religiösen Veranstaltungen, oft in Kombination mit einer Verkleidung, ist sehr lange bekannt.
Schon die Römer und später die arabischen Mauren, die beide über viele Jahrhunderte hinweg Besatzer eines großteils Iberiens waren, verwendeten bei vielen ihrer traditionellen Festen oftmals eine Kostümierung in Verbindung mit einer Maske.
Überhaupt geht das Wort Maske (port.: máscara) auf das arabische Wort „maskharat“ zurück, das wörtlich soviel wie Scherz, Narretei oder Posse bedeutet.

Nach den Römern und den Mauren, die zum herstellen ihrer Masken vor allem Holz, Ton, Leder und Pflanzenteile verwendeten, haben dann Portugiesen und Spanier in vielen ihrer Regionen und Provinzen die Tradition der Gesichtsmaske bei vielen religiösen und rituellen Brauchtümer beibehalten.
Und so ist die Sitte des Verhüllens des Gesichtes auch heute noch in manchen Gebieten Portugals bei Volksfesten allgegenwärtig.

Da nicht jeder diese Volksfeste besuchen kann und er so oftmals nicht die Möglichkeit hat die Originalität dieser Masken zu bewundern, empfehle ich jedem der am kommenden Wochenende in Lissabon verweilt, einmal in der Baixa vorbeizuschauen.

Außer einer täglich stattfindenden Maskenparade kann man sich auf dem Festival auch die gute Küche und Weine der verschiedenen Regionen Iberiens in über 30 Fressbuden schmecken lassen, sowie die volkstümliche Musik Portugals, Spaniens und Süditaliens auf einer riesigen Bühne Mitten auf dem Rossio genießen.

Das X. Internationale Festival der Iberischen Maske findet bis zum kommenden Sonntag, dem 10. Mai 2015, statt!

Mittwoch, 26. November 2014

Lissabon ist für Archäologen eine Last


In einem portugiesischen Fernsehkanal sah ich dieser Tage eine Reportage in dem sich englischsprachige Touristen – so weit ich verstanden habe handelte es sich bei diesen um Archäologiestudenten – begeistert über Lissabon als Reiseziel äußerten, sich aber darüber enttäuscht zeigten, dass die portugiesische Hauptstadt archäologisch so wenig zu bieten hatte.
Nun, um ehrlich zu sein, materielle Hinterlassenschaften der kulturellen Entwicklung der Menschen des „vorportugiesischen“ Altertums sind in Lissabon tatsächlich eher Mangelware.

Fakt ist, das seit über viertausend Jahren Menschen an der Tejomündung siedeln.
Man weiß heute nicht mehr mit Sicherheit wer als erster den kleinen Ort an der lieblichen Bucht „Olisippo“ nannte. Tatsache ist aber, dass die Geschichte der Stadt weit zurück in eine Zeit reicht, als die heutige Unterstadt, die Baixa, noch vom Wasser einer Tejobucht überflutet war. Wo heute der als Rossio bekannte Platz liegt, vereinigten sich in grauer Vorzeit zwei Seitenarme des Tejo. Der Verlauf der beiden Flussbetten ist heute noch deutlich zu erkennen: ihm folgen in einem auslaufenden V die blaue und die grüne U-Bahnlinien der Lissabonner Metro.

Die Phönizier, die Karthager und die Griechen benutzten Lissabon einstmals als idealen Naturhafen, als Ankerplatz und Handelsstation auf ihrem Weg vom Mittelmeer in den Norden Europas. Sie fühlten sich hier höchstwahrscheinlich sehr wohl und auch die Kelten und die Iberer scheinen sich hier geborgen gefühlt zu haben.

Im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit dem nordafrikanischen Reich Karthago machten sich die Römer 218 v. Chr. an die Eroberung der Iberischen Halbinsel und standen bereits 13 Jahre später, 205 v. Chr., auch vor „Olisippo“, das sie später, wohl um Julius Cesar zu schmeicheln, in „Felicitas Julia“ umtauften.
Die Römer blieben dann über mehrere Jahrhunderte und ganz sicher frönten sie ihrer Baulust. So vermutet man heute unter den Grundmauern der Stadtburg Castelo de São Jorge Reste eines römischen Kastells, aber wie gesagt, man vermutet es nur.

Mit Sicherheit gefunden wurden, aber das auch nur per Zufall nach dem großen Erdbeben von 1755, z.B. in der Travessa do Almada, im heutigen Stadtteil Madalena, die Reste einer Therme und in der Rua da Prata, im Stadtteil Baixa, die Reste römischer Galerien. Von einem römischen Friedhof, der heute unter der Praça da Figueira liegt, hat man auch Kenntnisse, ebenso von einem Theater unweit der Rua de São Mamede.
Man kann sich das römische Lissabon mit Tempeln und Foren, Theater und Thermen vorstellen, vielleicht auch mit Parks über dem Wasser und mit den eitlen Standbildern des alten Rom.
Alleine beweisen lassen sich diese ganzen Bauwerke heute nur sehr schwer.

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde auch Lissabon von den Wirren der germanischen Völkerwanderung erfasst. Beim Ringen um die Vorherrschaft behielten schließlich die Westgoten die Oberhand.
Sie nannten die Stadt fortan „Ulixippona“ und bauten aus den Römersteinen die erste Stadtmauer. Die Mauer war wuchtig, plump und stabil, scheinbar war sie uneinnehmbar. Doch als sie den arabischen Mauren unter dem Feldherren Tariq Ibn Ziyad widerstehen sollte, widerstand sie nicht.

Die Mauren, die neuen Herren der Stadt, nannten „Ulixippona“ ab 711 n. Chr. „Al-Ushbuna“ (dt.: liebliche Bucht). Auf dem Alkazar, dem Vorläufer der Stadtburg Castelo de São Jorge, wehte für vierhundert Jahre die Fahne des Propheten. Die maurisch-islamische Kultur in „Al-Ushbuna“ strahlte hell und weit.
Das maurische Lissabon war, wie andere arabische Städte dieser Zeit auf der Iberischen Halbinsel, ein Kulturzentrum, mit dem sich die christlichen Niederlassungen nicht im entferntesten messen konnten.
Aber von all dieser arabischen Pracht, die immerhin 4 Jahrhunderte andauerte, blieb letztendlich weniger übrig als von den Römern.

Die eigentliche portugiesische Geschichte Lissabons begann erst im 12. Jahrhundert, als König Afonso Henriques aus dem Hause Burgund (port.: Borgonha) die Stadt mit Hilfe eines Kreuzfahrerheeres eroberte. „Al-Ushbuna“ wurde zu Lisboa, die Moscheen wurden zu Kirchen und man tauschte Allah gegen den christlichen Gott.
Kein Gebäude aus maurischer Zeit blieb original erhalten.
Nur die schmalen Treppenwege und die steinernen Bögen der Alfama verraten heute noch das vergangene arabische Erbe.

Es fehlen heute die Möglichkeiten und es fehlt aktuell vor allem das Geld um die Vergangenheit Lissabons vollends zu verifizieren.
So bleibt die Frühgeschichte Lissabons weiterhin im Dunkeln und ist oftmals nichts weiter als eine vage Vermutung.
Wahrlich, Lissabon ist für alle Archäologen eine Last!

Freitag, 13. Juli 2012

Goldener Tejo

Als ich heute Abend, nach der Arbeit, mit meiner guten Freundin Ana Celeste den Tejo überquerte, stand die Sonne schon ziemlich tief.
So kurz vor dem Sonnenuntergang fallen jetzt im Sommer die Sonnenstrahlen wie eine Flut aus schimmerndem Gold auf das sanft wogende Wasser des Flusses.

Ana Celeste, die den Tejo nur selten überquert, da sie in Odivelas lebt, war von diesem „goldigen“ Schauspiel überwältigt und meinte nur:

„ …traumhaft, sieht aus wie fließendes Gold!…“

Und kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, fragte sie mich allen ernstes:

„Was meinst Du, gibt es im Tejo Gold?“

Nun, das es heute noch Gold im Tejo gibt, wage ich stark zu bezweifeln.
Sicherlich, das eine oder andere kleine Schmuckstück, die eine oder andere Goldmünze aus vergangenen Jahrhunderten wird dort unten sicherlich, unter meterhohem Schlick, zu finden sein.
Sonst wird man im Tejo aber wohl sicherlich kein Gold mehr anfinden.
Aber es gab ihn einstmals sehr wohl – Gold im Tejo!

Zwar war der Fluss nie ein „El Dorado“, aber schon die Karthager und die alten Römer haben an seinem Ufer, unweit der Stadt Santarém, wohl erfolgreich nach Gold geschürft.
Hier in Lissabon war das Schürfen nach Gold aber eher kläglich.
Alte Schriften belegen zwar, dass es an den sandigen Ufern des heutigen Lissabons, Almadas und Seixals, einstmals sehr wohl Gold gegeben hat, aber die Mengen müssen doch sehr überschaubar gewesen sein.

Der im 12. Jahrhundert lebende berühmte arabische Botaniker und Geograph Muhammad al-Idrisi schreibt hierzu in seinem Hauptwerk „Nuzhat al-Mushtak fi-ichtiraq al-afaq“ (port.: „Viagem do saudoso que atravessa os horizontes“ / dt.: „Reise des Sehnsüchtigen der die Horizonte überquert“) folgende Anmerkungen:

„Sie (die Goldsucher) suchen an den Ufern von Hisn al-Madin (port.: Almada) nach (Gold)Blättchen und bergen diese in Hülle und Fülle aus dem Meer (dem Fluss Tejo) …“
„Das Gold schimmert in den blauen Wassern. Sogar Kinder finden es ohne Mühe und von einem Meister wurde mir gar berichtet er hätte an einem einzigen Tag über 200 Goldkörner in seiner Pfanne gehabt…“

Zugegeben, der große Muhammad al-Idrisi, der aus dem maurischen Königreich Al-Andalus (dt.: Andalusien) stammte und an der Universität von Cordova studiert hat, ist selbst nie in Lissabon gewesen.
Aber er ist sehr wohl dafür berühmt, dass er in seinen Schriften immer äußerst zuverlässig und sehr detailgenau berichtete.
Nichtsdestotrotz scheint ihm hier die Phantasie, jedenfalls was die Mengen an Gold angeht, wohl durchgegangen zu sein.

Bis hinein ins 15. Jahrhundert, also schon in portugiesischer Zeit, erwähnen noch einige Schriften Goldfunde in und um Lissabon.
Als die portugiesischen Seefahrer dann aber anfingen in die Welt hinauszufahren und in Afrika, Indien und Brasilien Gold in rauen Mengen anfanden, hörten die Berichte über die Funde dieses Edelmetalls in hiesigen Gewässern langsam auf.

Wie viel Gold der Tejo den Menschen im laufe der Jahre wirklich geschenkt hat, ist heute unkalkulierbar.
Weitaus kalkulierbarer sind dagegen, jetzt im Sommer, die schönen Sonnenuntergänge die man an den Ufern dieses prächtigen Flusses bewundern kann!

Dienstag, 15. Dezember 2009

Es gibt Kriege, die einfach nicht zu vermeiden sind


Vor fast genau einer Woche, am letzten Donnerstag dem 10. Dezember, erhielt Präsident Barack Obama in Oslo, aus den Händen des norwegischen Königs Harald V, den diesjährigen Friedensnobelpreis.

Seine Dankesrede war eher eine „Kriegserklärung“ als ein Schreiben des Friedens, meinten seine Anhänger und Fans überall auf der Welt, auch hier in Portugal und vor allem auch in den USA, Obamas Heimat.

Natürlich bin ich Kriegsgegner und als solcher bin ich gegen jegliche Form von kriegerischer Gewalt und Auseinandersetzung, wenn sie verhindert werden können.
Aber ich bin vor allem auch Realist, und als solcher bin ich mir bewusst, dass es Kriege gibt, die einfach nicht zu vermeiden sind.

Und genau diese Denkweise teile ich wohl mit Obama!

Viele, die vor gut einem Jahr in den USA Obama zum Präsidenten gewählt haben, und viele die ihn auch hier in Europa zugejubelt haben, als er in Berlin, London und Prag mal kurz vorbeigeschaut hat, leben in einer Art pazifistischer Fantasiewelt, und sind wohl deshalb von seiner Rede in Oslo so enttäuscht.

Aber Barack Obama, genauso wie George W. Bush vor ihm, lebt nicht in einer Zauberwelt, voller Feen und netten Fabelwesen.
Nein, er lebt wie wir alle in einer realen, brutalen Welt, die keinen Zwischenraum für Träumereien zulässt.

Obama hat nach seiner Wahl vor gut einem Jahr begriffen, dass er weder mal schnell Guantanamo hat schließen können, noch dass er seine Truppen von heute auf Morgen aus dem Irak und aus Afghanistan hat abziehen können, so wie er es vor seiner Wahl fest versprochen hatte.

Er hat dies begriffen, weil er gelernt hat, dass man selbst als Kriegsgegner manchmal gezwungen ist Kriege zu führen, um durch diese den Frieden und die eigene Freiheit zu sichern.

Die Griechen lernten dies gegen die Perser, die Lusitanier gegen die Römer, die Römer gegen die Karthager, die Portugiesen gegen die Spanier, die Spanier gegen die Mauren, die Österreicher gegen die Türken und die Alliierten lernten dies gegen das Naziregime.

Alle mussten sie lernen, dass manchmal leider nur durch hohen Blutzoll die Freiheit und der Frieden auf der Welt einigermaßen garantiert sind!

Donnerstag, 5. November 2009

Vom Tempel zum Schlachthof und zurück


Évora ist eine wunderschöne, alte Stadt im Alentejo.
Die Stadt, deren historisches Zentrum 1986 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, ist eine römische Gründung, die ursprünglich Liberatias Iulia hieß.

Das einzige Bauwerk aus dieser Gründungszeit ist der relativ gut erhaltene Römische Tempel mit seinen korinthischen Säulen, aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.
Überhaupt gilt dieser Tempel als der besterhaltene der gesamten Iberischen Halbinsel.

Mitten auf dem Largo Conde de Vila Flor stehend, ist das 15m x 25m große Bauwerk umgeben von der imposanten Kathedrale (Sé), dem alten Inquisitionsgericht (Tribunal da Inquisição), der Kirche und dem Kloster Lóios (Igreja e Convento dos Lóios) und der Stadtbibliothek (Biblioteca Pública de Évora).

Obwohl der Tempel heute unter dem Namen Diana-Tempel bekannt ist, also der römischen Göttin der Jagd gewidmet ist, so ist sicher, dass er erst seit dem 17. Jahrhundert so genannt wird.
Denn vorher wurde der Tempel dem römischen Kaiser Augustus zugeschrieben, der seinerzeit ebenfalls als römischer Gott angesehen wurde.
Welcher Gottheit nun der Tempel eigentlich geweiht war, bleibt ein Rätsel.
Wie aus dem Augustus-Tempel der Diana-Tempel wurde, wird wohl für ewig ein Geheimnis der Geschichte bleiben.

Was allerdings kein Geheimnis ist, ist der Grund, warum der Tempel nach fast 2000 Jahren heute noch so gut erhalten ist, und immerhin 14, seiner ursprünglichen 18 Granitsäulen, imposant in den Himmel ragen.
Die außerordentliche Konservierung der korinthischen Säulen gelang nämlich durch eine, nach heutigen Maßstäben, unglaubliche Kunstschändung!

Im 14. Jahrhundert hatte man die Flächen zwischen den Säulen einfach zugemauert und den Tempel in ein Schlachthaus umgewandelt.
Ein Verwendungszweck, der ihn letztlich vor dem Abbruch bewahrt hat.
Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war der ehemalige Tempel der Schlachthof der Stadt Évora!

Erst 1870 entdeckte man die Säulen neu und legte sie vorsichtig frei.
1871 übernahm der italienische Architekt Giuseppe Cinatti die Instandsetzungsarbeiten.

Diesen Wiederaufbauarbeiten haben es die Besucher Évoras zu verdanken, das sie heute, Mitten in der portugiesischen Einöde, eines der schönsten Bauwerke römischer Kunst bestaunen und bewundern können.

Montag, 6. Juli 2009

Römisches Erbe


In einem vorherigen post, mit dem Namen „Römische Vergangenheit unterm Gullideckel“, habe ich erwähnt dass die Römer für knappe 6 Jahrhunderte hier in Portugal, im damaligen Lusitanien, weilten.

In der Zeit ihrer Herrschaft führten sie Latein als Amtssprache ein, gründeten neue Städte und bauten alte Städte mit Brücken, Tempeln, Theatern, Badehäusern und Straßen aus, und schlossen diese dem damaligen römischen Wegenetz an, das sich über das ganze Römische Reich erstreckte.

Leider blieben nur wenige architektonische Juwelen aus dieser Zeit übrig, wie der weltberühmte Dianatempel in Évora, die Mosaiken von Conimbriga, der Torbogen und die Mauerreste in Beja, die unterirdischen Galerien in Lissabon und die römischen Bäder in Milreu.

Was sie allerdings ohne Zweifel hinterließen, waren die Gründungen vieler so genannter „villaes romanas“.
Villaes romanas waren römische Gutshöfe, die einen römischen Herren als Besitzer, und lusitanische Sklaven als Arbeiter hatten.
Mit den Jahren wurden aus den „villaes romanas“ Siedlungen, und die Sklaven erhielten Bürgerrechte. So entstanden von den Römern neu gegründete Städte, die heute portugiesische Großstädte sind.

Die berühmtesten „vilaes romanas“ sind Myrtilis, das heutige Mértola, Agua Flavie, die heutige Stadt Chaves und Ipses, das heutige Alvor.

Aber auch schon vor den Römern existierende Ortschaften und Städte erhielten nach der Eroberung durch sie, römische Namen
(folgend nun einige portugiesische Städte und ihre römischen Namen. Die römischen Namen stehen in Klammern)


Alcácer do Sal (Bevipo)
Alenquer (Arabriga)
Aveiro (Alavarium)
Beja (Pax Julia)
Braga (Bracara Augusta)
Castelo Branco (Castra Leuca)
Coimbra (Aeminium Conimbriga)
Évora (Liberalitas Julia)
Faro (Ossonoba)
Guarda (Lancia Oppidana)
Leiria (Collippo)
Lisboa (Felicitas Julia)
Porto (Portus Cale)
Setúbal (Caetobriga)
Tomar (Sellium)
Viseu (Verurium)

Die Flüße Minho (Fluvium Minius), Douro (Fluvius Durius), Mondego (Fluvius Monda) und Tejo (Fluvius Tagus) leiten ihre heutigen Namen von den römischen Bezeichnungen ab.

Nur bei dem höchsten Gebirge Portugals, die Serra da Estrela (Herminius Mons) hat sich der römische Name nicht durchgesetzt.

Samstag, 4. Juli 2009

Römische Vergangenheit unterm Gullideckel



Auch wenn heute leider nur noch ein paar wenige alte Steinbrücken, Tempel und Kastelle davon zeugen: die Römer waren einmal für Jahrhunderte hier in Portugal.

Natürlich waren sie auch in Lissabon. Als die römischen Legionäre im zweiten Jahrhundert vor Christus, das damalige Lusitanien besetzten, machten sie die Stadt Olissipo zur Hauptstadt ihrer westlichsten Provinz. Wahrscheinlich um Julius Cäsar zu schmeicheln, nannte der Stadthalter Roms die Stadt alsbald Felicitas Julia (Glückliches Julia). Und das muss Lissabon damals auch gewesen sein, um Christi Geburt: eine glückliche, wohlhabende und lebenswerte Stadt. Heute weiß man nämlich, aus alten Schriften, dass viele römische Beamte alles dafür taten, um nach Felicitas Julia versetzt zu werden; viel lieber als nach Gallien, Britannien oder Germanien, wo die Barbaren lebten. Die Römer fühlten sich im damaligen Lusitanien nicht nur wohl, sondern auch geborgen!

Die Lissabonner Altstadt Baixa ist von weitläufigen Galerien aus jener Römerzeit untertunnelt („Galerias romanas“), die bis heute das Fundament vieler Häuser der Baixa bilden. Die unterirdischen Gewölbe kann man heute nicht mehr genau bestimmen. Es können Wände von Lagerhäuser gewesen sein, Wasserkanäle oder Wasserzisternen. Keiner weiß es heute mehr. Entdeckt wurden diese Galerien nach dem großen Erdbeben von 1755, als der Marquês de Pombal die zerstörte Innenstadt im heutigen schachbrettartigen Muster neu aufbauen ließ. Die pragmatischen Konstrukteure der damaligen Zeit nutzten die offensichtlich noch bestens erhaltenen und robusten römischen Galerien einfach zur Stabilisierung der Neubauten. So kann man heute behaupten, das die halbe Baixa auf den Ruinen römischer Bauten steht.

Nur selten haben Touristen die Möglichkeit, diese Gewölbekeller zu besichtigen. Nämlich nur einmal im Jahr, meistens im August oder im September, öffnet sich dann mitten auf der belebten Rua da Conceição ein Loch, das direkt in die Lissabonner Unterwelt führt. Im Lissabon von heute findet man leider, wie im ganzen Land, nur noch vereinzelt Spuren der römischen Vergangenheit. Außer den erwähnten Galerien in der Baixa findet man in Lissabon nur noch das alte römische Theater, direkt neben der Kathedrale Sé.

Die Galerien, dank dem Bau der Baixa, stehen heute das ganze Jahr unter Wasser (so wie in der Stadt Venedig die meisten Gebäude ihre Fundamente ebenfalls unter Wasser haben).

Da das Auspumpen der Gewölbegänge mit großem Aufwand verbunden ist, öffnet das verantwortliche Stadtmuseum (Museu da Cidade) die Galerien nur einmal im Jahr. Der Besuch erfolgt in kleinen, geführten Gruppen. So selten der Blick in die Galerien möglich ist, so riesig ist dementsprechend der Andrang an dem einzigen Wochenende an dem sie dem Publikum zugänglich sind, zumal die Führungen kostenlos sind.

Wer die Galerien besichtigen will, muss eine Menge Geduld mitbringen und die vielen mitleidigen Blicke der Passanten, die nicht verstehen können, wie man anstehen kann, „nur“ um ein paar alte Kellergewölbe zu sehen, über sich ergehen lassen.

Ich selber habe einmal 3 Stunden angestanden, für eine etwa 20-minütige Führung. Aber das Warten hat sich ohne Zweifel gelohnt. Wenn man an der Einstiegsluke steht, einem einfachen Gullideckel, der zwischen zwei Straßenbahngleisen mitten auf der Rua da Conceição liegt, die steile Steintreppe hinabstolpert, so kommt man sich vor, als ob man in eine andere Welt hinabsteigt.

Man bekommt ein Teil Lissabons zu sehen, dass nur ganz wenige Auserwählte sehen dürfen. Denn eines darf man nicht vergessen: sobald man aus der Tiefe wieder hinaufsteigt, so werden diese Kellergewölbe für wieder mindestens ein Jahr unter Wasser verschwunden sein.