Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 1. Mai 2014

Die Geschichte des 1. Mai in Portugal


Der 1. Mai (port.: Dia 1 de Maio), den man hierzulande auch den „Tag des Arbeiters“ (port.: „Dia do Trabalhador) nennt – nicht wie in Deutschland, wo dieser Tag „Tag der Arbeit“ (port.: Dia do Trabalho“ genannt wird) – , ist hier in Portugal genauso ein gesetzlicher Feiertag wie unter anderem auch in Deutschland.
Diesen Feiertag gab es aber hierzulande nicht immer!

Erst seit dem Jahre 1974 kann man hier in Portugal diesen Tag der internationalen Arbeiterbewegung und der Werktätigen wieder straffrei feiern.
Vorher, zu Zeiten der faschistischen Diktatur, war er absolut verboten!

Seinen Ursprung hat der 1. Mai in den USA.
Im April des Jahres 1886 gingen Fabrikarbeiter in der Stadt Chicago auf die Straße und demonstrierten tagelang für die Einführung des 8-Stunden-Arbeitstages und für bessere und gerechtere Löhne.
Da die Fabrikbesitzer nicht einlenkten, kam es Ende April zu Massendemonstrationen und in Folge dieser auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Am 1. Mai 1886 kam es zu einer von den Gewerkschaften organisierten riesigen Kundgebung in Chicago, mit über 500.000 Teilnehmern.
Dies war die Geburtsstunde der Arbeiterbewegung!
Drei Jahre später, 1889, trafen sich mehrere sozialistische Parteien und Gewerkschaften aus aller Welt in Paris, und erklärten den 1. Mai zum internationalen Feiertag der Arbeit und Arbeiter.

1890 wurde dann der 1. Mai zum ersten Mal international gefeiert und auch in Portugal wurde dieser Tag zum Feiertag bestimmt.
Zu Zeiten der Monarchie steckte die Arbeiterbewegung in Portugal, verglichen mit der anderer Länder, noch in den Kinderschuhen und so wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts der 1. Mai hierzulande fast familiär gefeiert, mit kleinen Picknicks und Friedhofsbesuchen, bei denen man die Gräber verstorbener Arbeiter besuchte. Noch heute gibt es an diesem Tag auf Madeira und den Azoren diese Tradition des picknicken und der Friedhofsbesuche bei Personen die Opfer eines Betriebsunfalls wurden.
Erst nach dem Fall der Monarchie begannen die Gewerkschaften sich erfolgreich zu organisieren und an Stärke zu gewinnen. So erreichten sie dann am 1. Mai 1919 eines ihrer größten Ziele, und setzten den 8-Stunden-Arbeitstag in Portugal durch.

Als 1926 die Militärs gegen die Erste Republik putschten wurde Portugal zur Diktatur. Ab diesem Jahr wurde der 1. Mai als Feiertag verboten und abgeschafft.
Aber trotz Verbotes wurde dieser Tag in manchen Jahren der faschistischen Diktatur zelebriert, was zur Folge hatte, das die Teilnehmer an den jeweiligen Kundgebungen meistens im Gefängnis landeten.
Erst 1974, gerade mal sechs Tage nach der Nelkenrevolution vom 25. April, wurde der 1. Mai zum ersten Mal nach 48 Jahren Diktatur wieder offiziell in Portugal enthusiastisch gefeiert.

Heute, 40 Jahre nach der ersten Maifeier im demokratischen Portugal, ist dieser Tag im krisengeschüttelten Portugal, auch wenn er zweifellos an Bedeutung verloren hat, mehr denn je ein Tag des Trotzes, der Entschlossenheit und des Protestes.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

In memoriam: Benjamin Breedlove


In Gedenken an Benjamin Breedlove aus Austin / Texas, der uns eine bewegende Videobotschaft hinterlassen hat, und in Gedenken an all die anderen, die dieses Jahr mit ihm gegangen sind.

Das Video von Benjamin ist auf youtube, mit dem Namen „This is my story“ zu sehen, unter

www.youtube.com/watch?v=35O3E3T3GKQ



Em memória de Benjamin Breedlove de Austin / Texas, que nos deixou uma menságem de video emocionante, e em memória de todos aqueles que tiveram que partir com ele este ano.

O Video de Benjamin, com o nome „This is my story“, pode ser visto no youtube, em

www.youtube.com/watch?v=35O3E3T3GKQ

Freitag, 5. August 2011

America´s Cup World Series 2011


Vom 06. August bis zum 14. August 2011 findet in den Wassern des Badeortes Cascais die erste von acht Etappen der weltberühmten America´s Cup World Series statt.

Zum ersten Mal in seiner 160jährigen Geschichte findet der America´s Cup nicht auf hoher See statt, sondern in einer Meeresbucht vor Cascais.
Diese Tatsache wird es vielen Menschen ermöglichen, vom Ufer aus, an der weltgrößten Regatta teilzuhaben.

Insgesamt neun Mannschaften, zu je sechs Mann Besatzung, werden an der diesjährigen Regatta teilnehmen.

Diese Mannschaften sind:

• Aleph (Frankreich)
• Artemis Racing (Schweden)
• China Team (China)
• Emirates Team (Neuseeland)
• Energy Team (Frankreich)
• Green Comm Racing (Spanien)
• Team Korea (Südkorea)
• Oracle Racing 4 (USA)
• Oracle Racing 5 (USA)

Wie die Rennleitung verlautbaren ließ, werden an der Regatta zum ersten Mal auch AC45-Segler teilnehmen, die die unglaubliche Geschwindigkeit von 60 km/h erreichen können und für den Segelsport den gleichen Stellenwert haben, wie Formel 1-Wagen für den Autosport.
Nur vier Nationen, nämlich die USA, Neuseeland, Australien und die Schweiz haben bis heute den America´s Cup gewonnen.

Da die Regatta dieses Jahr auch zum ersten Mal via Internet live übertragen wird, rechnen die Veranstalter damit, dass weltweit bis zu 60 Millionen Menschen sich dieses aufregende Segelspektakel anschauen werden.
Sollte der America´s Cup, sowohl für die Segler als auch für die Stadt Cascais ein Erfolg werden, dann ist mit einer neuen Etappe im nächsten Jahr sehr wohl zu rechnen.

Samstag, 9. Juli 2011

Ramschniveau


Die Ratingagentur Moody´s hat diese Woche die Kreditwürdigkeit Portugals und die seiner Staatsunternehmen auf Ramschniveau heruntergestuft.
Das tut weh und ist durchaus bedauerlich!
Aber meiner Meinung nach, und die europaweite Empörung über diese Herabstufung zeigt es deutlich, ist dies kein allzu großer Grund zur Besorgnis.

Hier in Portugal ist man zwar über die Ignoranz und Inkompetenz von Moody´s und seinen amerikanischen Konkurrenten Fitch und Standard & Poor's leicht irritiert, aber da man von diesen unseriösen Agenturen nicht sehr viel mehr erwartet, geht man hier eher gefasst mit der ganzen Situation um.

Das die amerikanische Moody´s-Agentur nicht seriös recherchiert und arbeitet sieht man daran, dass die hoch verschuldete USA im Augenblick besser von ihr bewertet wird als z.B. Griechenland oder Portugal!
Ich stelle mir, vor allem nach den Ereignissen dieser Woche, nun allen ernstes zwei Fragen:

1. „Wer bewertet eigentlich die Ratingagenturen“? und
2. „Wer bezahlt die Ratingagenturen“?

Ganz offensichtlich erleben wir im Augenblick einen offenen Krieg zwischen dem Dollar und dem Euro. Die Ratingagenturen sind hierbei die schärfsten Waffen der angloamerikanischen Hochfinanz.
Selbstverständlich werden die Ratingagenturen in nächster Zeit nicht aufhören Euro-Länder wie Portugal niederzumachen.
Sie wissen, dass der Dollar langsam aber sicher seinem Ende entgegengeht, und somit ist ihre Weltleitwährung „Dollar“ in Gefahr.
Also führen sie diesen unmoralischen, unseriösen und durchaus kriminellen Währungskrieg gegen Portugal.
Nicht militärisch und offen, sondern eher geldpolitisch, verdeckt, aber sehr real und gefährlich.

Doch Moody´s scheint sich dieses Mal ins eigene Fleisch geschnitten zu haben.
Die ganze europäische Politik, allen voran die EU-Kommission und ihr Präsident José Manuel Barroso, reagieren mit Empörung und in scharfer Form, auf das harte Moody´s-Urteil.
Schon werden die ersten Stimmen laut, die Verlangen das amerikanische Ratingagenturensystem zu durchbrechen, und eine eigene, europäische Ratingagentur, zu gründen.
Spätestens im Herbst sollen Vorschläge zur Regulierung der schon bestehenden Ratingagenturen vorgestellt werden.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Coca Cola is it


Im „Museu da Farmácia“ (dt.: Apotheker-Museum), in Lissabon, kann man zur Zeit die interessante Ausstellung „125 Jahre Coca Cola“ (port.: „125 anos Coca Cola“) besichtigen.

Warum ausgerechnet in einem Apotheker-Museum werden sich viele Fragen?
Doch wer ein wenig über die Geschichte von Coca Cola bescheit weiß, weiß dass dieses koffeinhaltige Brausegetränk einmal als Medizin „geboren“ wurde.

Es war im Jahre 1884, um genauer zu sein am 08. Mai 1884, als der amerikanische Apotheker John Stith Pemberton in seiner kleinen Apotheke „Jacob´s Pharmacy“ in Atlanta, im Bundesstaat Georgia, ein Glas dieses von ihm erfundenen und selbstgebrauten Getränks, an den Mann brachte.

Pimberton verkaufte damals, im ersten Jahr, nur etwa neun Gläser dieses Brausegetränks pro Tag.
Wenn man bedenkt wie viel Coca Cola heute pro Tag verkauft und getrunken wird, eine lächerliche Zahl.

Die chronologische Geschichte von Coca Cola wird im Foyer des Lissabonner Apotheker-Museums anhand von Grafiken, Postern, Fotografien und seltenen Einzelstücken, die extra aus den USA ausgeliehen wurden, erzählt.
Auch wie die Coca Cola nach Portugal kam, wird in dieser Ausstellung ausführlich beschrieben.

So erfährt der Museumsbesucher, dass es Coca Cola bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, in Portugal zu kaufen gab.
Damals erfand der berühmte portugiesische Schriftsteller Fernando Pessoa den bis heute in Portugal legendären Werbeslogan „primeiro estranha-se, depois estranha-se“ (dt.: „Zu erst verwundert es einen, dann verwundert es einen“).
Allerdings wurde die Marke im Jahre 1929 vom portugiesischen Markt genommen, denn der Militärdiktatur war sie, wegen ihrer schon damals sehr freiheitsliebenden Slogans und Werbungen, ein Dorn im Auge.
Erst 1974, nach dem Ende der Militärdiktatur, war die Einfuhr von Coca Cola wieder in Portugal erlaubt.

Am 04. Juli 1977, ironischer Weise dem Amerikanischen Unabhängigkeitstag, kam Coca Cola in Portugal offiziell wieder in den Handel und ist seitdem, wie überall auf der Welt, von den Ladentheken nicht wegzudenken.

Die Ausstellung „125 anos Coca Cola“ kann noch bis zum 30. Juli 2011 besucht werden.
Sie ist von Montags bis Freitags, von 10 Uhr bis 18 Uhr, geöffnet und der Eintritt ist frei!

Donnerstag, 5. Mai 2011

Freuen erlaubt?…


So unterschiedlich Portugal und Deutschland auch sein mögen, so Ähnlich können sich beide Nationen manchmal auch sein.

Die Aussage so mancher Politiker, sie würden sich über den Tod von Terrorchef Osama bin Laden dieser Woche in Pakistan „freuen“, hat sowohl hier in Portugal als auch in Deutschland zu großen Kontroversen geführt.

Aus Deutschland, so höre ich, hätten sich viele über das „unchristliche“ Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel mokiert, als diese vor laufenden Kameras sagte, sie freue sich über die erfolgreiche Aktion in Pakistan und den Tod des Terrorchefs.
Nun ja, das Zusammenwirken der beiden Worte „Tod“ und „Freude“ in einem Satz ist vielleicht doch etwas unpassend, zumal, wenn man einer christlichen Partei angehört wie Merkel.

Aber hier in Portugal artet das dahingehend aus, das sich in Zeiten des Wahlkampfes, Politiker der verschiedensten politischen Lager, regelrecht gegenseitig angeifern.
Vor allem die Mitglieder der Kommunistischen Partei (port.: Partido Comunista) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) schreien nach „Menschenwürde“ und verurteilen das „imperialistische Gehabe“ der USA.

Nun, mein Großvater, er selber ein Opfer des Faschismus, hat immer gesagt, das jedes Opfer eine Familie hat, genauso wie auch jeder Kriminelle. Deshalb sollte ich mich nie über den Tod eines Menschen freuen, selbst wenn ich das viele Leid vor Augen hätte, welches dieser Mensch den anderen zugefügt hätte.

Angesichts des tausendfachen Leids, welches Osama bin Laden und seine Al-Kaida-Organisation über die Menschheit gebracht haben, und ich rede hier nicht nur über die Opfer des 11. Septembers 2001 in New York, sondern auch über die vielen tausenden Opfer weltweit, wie z.B. die in Madrid, London, Tunesien, Bali, Istanbul, Indien, Israel, etc., frage ich mich, in wie fern die mahnenden Worte meines Großvaters eigentlich Gültigkeit haben.

Osama bin Laden war ein skrupelloser Mörder, ohne Gnade und Nächstenliebe.
Er war der Meinung „ungläubige“ Christen würden den Tod verdienen, seien sie Zivilisten oder Militärs. Und um seine Ziele zu erreichen, nahm er auch in Kauf das viele Moslems unter diesen Toten waren.

Osama bin Laden hat, soviel ich weiß, Ingenieurbau studiert.
Mir ist aber kein Gebäude bekannt, welches er erbauen ließ.
Mir sind nur Gebäude bekannt, die er in seinem blinden Hass zerstören ließ.

In all seinen Videobotschaften aus den Verstecken, erklärte er die letzten Jahre immer wieder der ganzen westlichen Welt, und nicht nur den USA, den Krieg.
Bin Laden war, so gesehen, bis zu letzt im Krieg gegen jeden frei denkenden und anders denkenden Menschen in der zivilisierten Welt.
Und da bekanntlich im Krieg alle Mittel erlaubt sind, war der Schlag den die USA am letzten Sonntagabend gegen Osama bin Laden ausführte, ein nachvollziehbarer Akt, für viele eben ein Akt der Freude, der allerhöchsten Respekt abverlangt, mit all seinen Konsequenzen.
Und das ist es, was viele, die die „Freude“ der anderen nicht teilen und verstehen können, nicht begreifen:

Nicht der Todesakt an sich erfreut die Menschen, sondern die Tatsache, dass von diesem gnadenlosen Subjekt keine Gefahr mehr ausgeht.

Trotz aller „Freude“ oder Kritik an der selbigen, muss man sich aber über eines im Klaren sein:
Diese, unsere Welt, ist mit dem Tod von Osama bin Laden leider kein Stück sicherer geworden!

Mittwoch, 16. März 2011

Telegramme aus Lissabon


Die renommierte portugiesische Wochenzeitung „Expresso“ hat diese Tage angefangen einige Geheimdokumente in ihrem Blatt zu übersetzen und publik zu machen, die WikiLeaks vor einiger Zeit veröffentlicht hat, und die zeigen das die USA nicht gerade sehr viel von Nationen und Politiker hält, die offiziell als ihre Partner und Verbündeten gelten.

Von den ca. 250.000 Geheimdokumenten, die WikiLeaks der Weltöffentlichkeit präsentiert, haben insgesamt 722 Dokumente, die meisten in Telegrammform, ihren Ursprung in der US-amerikanischen Botschaft (port.: Embaixada dos Estados Unidos da America / engl.: Embassy of the United States of America) in Lissabon.

In diesen 722 Geheimtelegrammen, die jetzt zum ersten Mal in Portugal veröffentlicht werden, wird gnadenlos über den amtierenden Premierminister José Sócrates, Staatspräsidenten Cavaco Silva und anderen portugiesischen Politikern nach Washington berichtet.
Der einzige Politiker der bei diesen US-amerikanischen Bewertungen gut weg kommt, ist Außenminister Luis Amado, der als „absolut amerikafreundlich einzustufen ist“, so ein Telegramm von der US-amerikanischen Botschaft in Lissabon nach Washington vom 24. September 2010.
Was Luis Amado als besonderen Freund Amerikas auszeichnet ist, unter anderem, die Tatsache das er letztes Jahr im portugiesischen Parlament bewiesener Maßen gelogen hat, als er behauptete, über den portugiesischen Luftraum wären niemals Gefangene aus Guantanamo transportiert worden.
Heute weiß man, die Gefangenen aus Afghanistan und dem Irak sind damals nicht nur über den portugiesischen Luftraum geflogen, sondern sie sind, auf dem Weg nach Guantanamo, mit ausdrücklichem Einverständnis von Luis Amado, sogar auf den Azoren zwischengelandet!

Der älteste Geheimbericht stammt vom 24. Mai 2006 und der letzte ist mit dem 25. Februar 2010 datiert.
Insgesamt 105 Geheimtelegramme sind aus dem Jahre 2006, 202 sind aus dem Jahre 2007, 184 stammen aus dem Jahre 2008, 202 aus dem Jahre 2009 und 29 Geheimtelegramme sind aus dem Jahre 2010.
Alle haben sie den ehemaligen US-Botschafter oder den ehemaligen Militärattache als Verfasser, und alle wurden sie in der US-Botschaft (oder sollte man lieber CIA-Zweigstelle sagen) in Lissabon geschrieben.

In wie vielen von den über 250.000 Geheimdokumenten noch über Portugal und portugiesische Politiker berichtet wird, ist bis dato nicht bekannt.
Fakt ist, das nach dem Benutzen einer Suchmaschine (port.: motor de busca) nach Schlagwörtern, ähnlich wie die von „Google“, insgesamt 463 Mal der Begriff „Portugal“, 215 Mal der Begriff „portugiesisch“ und 92 Mal der Begriff „Lissabon“ vorkommt.

Da bleibt viel Raum für Spekulationen…

Mittwoch, 5. Januar 2011

And the Oscar goes to… Luis Ferreira


Man kann nicht sagen das portugiesische Schauspieler sich in Hollywood die Türklinke in die Hand geben.
Daher sind wir hier in Portugal auf jeden zweit- oder drittklassigen Schauspieler stolz, der die amerikanische Filmindustrie mit ein wenig lusitanischem Esprit bereichert.

Einer dieser Schauspieler (und er möge mir bitte verzeihen dass ich ihn als zweit- oder drittklassig bezeichne) ist der in Portugal geborene Kanadier Luis Ferreira.

Luis Ferreira wurde am 20. Februar 1967 in dem kleinen Ort Caminho d´Além, in der Gemeinde Terra Chã, auf der Azoreninsel Terceira geboren.
1971, als er vier Jahre alt ist, wandern seine Eltern mit ihm nach Kanada aus.
Dort wächst er in North York, einem Stadtteil von Toronto, inmitten der portugiesischen Gemeinde, die sich um den Kensington Market gebildet hat, auf.

1986 startet Luis Ferreira seine Schauspielkarriere in der Krimiserie „Night Heat“. Er spielt zuerst kleine Nebenrollen in Kanada, bis er aufgrund fehlender Arbeit in die USA zieht, um in Los Angeles sein Glück zu versuchen.
Dort hat er dann auch endlich seine erste große Rolle in der Serie „Public Morals“, allerdings unter dem Kunstlernamen Justin Louis. Sein damaliger Agent war nämlich der Meinung, dass er mit dem Namen Luis Ferreira keinen Erfolg haben würde.

Ferreira spielte in Filmen und Serien wie „Fallen arches“, „Hidden hills“, „Durham County“, „Naked Lunch“, „24“, „CSI“, „Missing“, „Criminal Minds“ und „CSI Miami“ mit.
Für „Fallen arches“ erhielt er 1998 den Acting Award und für „Durham County“ bekam er 2008 den Gemini Award.

Luis Ferreira spricht fliesend portugiesisch und eines seiner Träume ist es irgendwann einmal die Rolle eines Portugiesen in einem Film spielen zu können, so sagte er einmal.
In der Zwischenzeit hat Luis Ferreira seinen Künstlernamen Justin Louis abgelegt, und spielt nun wieder unter seinem richtigen Namen seine Rollen.

Luis Ferreira wurde einmal, in einem Interview mit der kanadischen Zeitung „Portuguese Times“ gefragt, was es für ihn bedeuten würde, Portugiese zu sein. Er antwortete darauf hin, das für ihn Portugiese sein bedeuten würde, „…in das Leben verliebt zu sein“!

Möchte gerne mal wissen, aus welchem Drehbuch Ferreira diese Worte entnommen hat!

Dienstag, 28. September 2010

I´m a proud socialist


Wie im vorherigen post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ von mir beschrieben, verweilt unser Premierminister José Socrátes im Augenblick in den USA, wo er an der UN-Vollversammlung in New York teilnimmt.

Am Wochenende traf er mit Präsident Obama zusammen. Einerseits um der Weltöffentlichkeit zu zeigen das Portugal und die USA, was die Sicherheits- und Außenpolitik beider Länder angeht, an einem Strang ziehen, und andererseits um den bevorstehenden NATO-Gipfel im November, hier in Lissabon, zu besprechen.

Nach seinem Gespräch mit Obama hatte Socrátes ein Treffen mit Politikstudenten und Professoren der altehrwürdigen Columbia-Universität.
Ihnen versuchte er seine politischen Positionen und die seiner Regierung in einer Diskussionsrunde näher zu bringen.
Aber er kam nicht weit mit seinen Ausführungen.
Denn ganz zu beginn seiner Rede sagte er den verhängnisvollen Satz: „I´m a proud socialist“.

Man konnte später, im Fernsehen, das Entsetzen in den Gesichtern der einzelnen Studenten und Professoren sehen.
Ein portugiesischer Premierminister, der sich als „socialist“ outet!
Warum dieses Entsetzen?
Ganz einfach, in den USA ist „socialist“ das synonym für „Kommunist“, und solch einen Politiker will man als Amerikaner keinesfalls als politischen Partner für seinen Präsidenten haben.

Erst nachdem ein paar Studenten ihren Unmut durch Pfiffe bekundeten, und nachdem einer der Professoren José Socrátes etwas ins Ohr flüsterte, korrigierte der Premierminister augenblicklich seinen politischen Standpunkt, jedenfalls was den englischen Begriff anging.
Er stellte sofort fest, das in Europa ein Sozialist das ist, was in den USA ein „democrat“ ist.
Das beruhigte die Studenten augenblicklich, denn schließlich ist ja Präsident Obama selbst ein „democrat“.

Nach diesem kleinen „Zwischenfall“ weiß ich aber persönlich nicht, was mich mehr schockiert:

Ein Premierminister der nach so vielen Jahren im Amt immer noch nicht weiß, das er ins Fettnapfchen tritt, wenn er in den USA den Begriff „socialist“ benutzt, oder eine Gruppe ausgewählter Politikstudenten der renommierten Columbia-Universität, die nicht weiß das in die Kommunisten in Portugal (noch) nicht regieren?

Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat


In New York (port.: Nova Iorque) tagt diesen Monat, wie jedes Jahr im September, die UN-Vollversammlung (port.: Assembleia das Nações Unidas).
Politiker aller Herren Länder geben sich hier mal wieder die Klinke in die Hand, und halten wichtige und weniger wichtige Reden.
Andere, wie der iranische Staatspräsident Ahmadineschad, halten sogar beleidigende, kranke Reden.

Portugals Premierminister José Sócrates hat sich, mit einer politisch sehr positiven Rede, vor den Vereinigten Nationen (port.: Nações Unidas) für einen portugiesischen Sitz im UN-Sicherheitsrat (port.: Conselho de Segurança), dem wichtigsten UN-Gremium, für die nächsten beiden Jahren beworben.

„Portugal ist bereit, globale Verantwortung zu übernehmen, und wir bewerben uns um einen Sitz in diesem Gremium, weil wir nur hier gemeinsam mit den anderen Völkern der Erde in ganz besonderer Weise für den Frieden und die Entwicklung auf der Welt arbeiten können“, sagte Sócrates vor der UN-Vollversammlung in New York.
Ausdrücklich bemühte er sich dabei um die vielen südamerikanischen und afrikanischen Nationen.

Die Entscheidung über einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat fällt bei einer geheimen Wahl am kommenden 12. Oktober.
Direkte Gegenkandidaten Portugals sind Kanada und Deutschland.
Ob Portugal bei dieser außenpolitisch so wichtigen Wahl eine Chance haben wird, ist völlig offen.
Immerhin handelt es sich bei Kanada und Deutschland um zwei ernst zu nehmende politische Konkurrenten.

Spätestens am 12. Oktober werden wir sehen, wer sich neben den USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien an den Runden Tisch setzen darf.

Ich tippe mal auf Deutschland!...

Dienstag, 21. September 2010

Giant of the American Revolution


Heute vor genau 245 Jahren, an einem verregneten Mittag des Jahres 1765, wurde ein kleiner, etwa fünfjähriger Junge im Hafen von City Point, dem heutigen Hopewell, im US-Bundesstaat Virginia, unter mysteriösen Umständen, weinend zwischen Frachtkisten und Weinfässern, entdeckt.

Das Kleinkind wurde zur Hafenmeisterei gebracht, und nachdem sich das Kind beruhigt hatte, stellte man fest dass er eine fremde Sprache sprach. Zuerst dachte man, das Kind würde spanisch sprechen. Doch ein spanischer Hafenarbeiter meinte, das Kind würde portugiesisch sprechen.
Also wurde ein portugiesischer Matrose herbeigeholt, und der erfuhr von dem Kind, das er Pedro Francisco heißen würde.
Auf die Frage hin, wie alt er sei, zeigte der kleine Junge all die Finger einer Hand, so wie es Kleinkinder immer tun, wenn sie einem zeigen wollen, das sie fünf Jahre alt sind.
Der Matrose meinte, dem Dialekt nach, sei das Kind wohl von den Azoren.
Das Junge war außergewöhnlich gut angezogen, und er erzählte den Männern, die sich nun um ihn in der Hafenmeisterei gruppiert hatten folgende abenteuerliche Geschichte:

Er sei beim spielen mit seiner älteren Schwester gewesen, an einem Ort mit vielen großen Palmen, als beide plötzlich von zwei großen, starken Männern festgehalten worden seien.
Seine Schwester hätte dem einen Mann entfliehen können.
Er selber aber wäre von den Männern auf ein Schiff gebracht worden und hätte viele Tage auf See verbracht. Als sie dann an Land gegangen seien, konnte er seinen Entführern entfliehen und sich im Hafen, zwischen den vielen Kisten und Waren verstecken.

Was an dieser Kindererzählung war ist oder nicht, wird wohl immer ein Geheimnis der Geschichte bleiben.
Tatsache ist aber, das Pedro Francisco (oder Peter Francisco, wie er von nun an von den Amerikanern genant wurde) Glück haben sollte in seinem jungen Leben, denn bereits vier Tage nach seinem Auffinden im Hafen von City Point, wurde er von dem ehrenwerten Richter Anthony Winston adoptiert.
Bei diesem und seiner Familie verbrachte er eine behütete Kindheit und sorgenlose Jugend.
Als er 16 Jahre alt war, trat er der Revolutionsarmee bei, und beteiligte sich nun unter amerikanischer Flagge am Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten gegen das englische Mutterland.
Er war mit vollem Herz Soldat und nahm an zahlreichen Schlachten teil, um die Unabhängigkeit der USA zu ermöglichen.
Er diente sich bis zum General hoch und war das, was man wohl heute einen Kriegshelden nennen würde.

Noch heute ist Peter Francisco in ganz Amerika als „Virginia Giant“ (port.: „O Gigante de Virgina“ / dt.: „Der Riese von Virginia“) bekannt.
Auch unter dem Beinamen „Giant of the American Revolution“ (port.: „O Gigante da Revolução Americana“ / dt.: „Der Gigant der amerikanischen Revolution“) ist er bekannt.
Und auch als „Virginia Hercules“ (port.: „O Hercules da Virginia“ / dt.: „Herkules aus Virginia“) ist er in Amerika ein Begriff.

Georg Washington selbst, nannte Peter Francisco einmal Amerikas größten Soldaten.
Denn hätte Francisco seine Männer in der Schlacht von Yorktown nicht erfolgreich zum Sieg geführt, der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und auch Georg Washington, wären wohl verloren gewesen.

Am 16. Januar 1831, etwa 66-jährig, verstarb Peter Francisco in seiner Wahlheimat Richmont / Virginia.
Genauso spektakulär wie sein Leben in Amerika begann und über viele Jahre hinweg auch war, so unspektakulär war sein Tod.
Er hätte auf dem Schlachtfeld sterben können, aber Gott wollte, dass er an einem simplen Blinddarmdurchbruch starb.

Am 18. Januar 1831 wurde dieser wohl berühmteste Amerikaner portugiesischer Abstammung auf dem Friedhof von Shockoe Hill (eng.: Shockoe Hill Cemetery) in Richmond, mit allen militärischen Ehren beigesetzt.

1973 erklärte der amerikanische Senat, den 15. März zum „Peter Francisco Day“.

Montag, 22. März 2010

Offener Brief an Hillary Clinton


Liebe Hillary,

wie ich in den täglichen Nachrichten sehen, hören und lesen kann, hast du in letzter Zeit viel zu tun, bist immer im Dienste deiner großen Nation unterwegs.

So kommst du gerade aus dem Nahen Osten zurück, wo du mal wieder zwischen den Israelis und den Palästinensern vermitteln wolltest, was aber ganz schön in die Hose gegangen ist.
Dann sollst du bei dir daheim, den Familien der amerikanischen Soldaten erklären, warum immer mehr von ihren Jungs in Holzkisten aus dem Irak und aus Afghanistan nach hause kommen, was dir auch immer schwerer fällt.
Zwischendurch musst du noch die Beleidigungen von Chavez aus Venezuela und Castro aus Kuba ertragen und dich auch noch mit den atomaren Gelüsten des Irans und Nord-Koreas herumschlagen.
Dann musst du auf deinen Auslandsreisen der ganzen Welt immer wieder erklären, warum ihr Amis nicht endlich Guantanamo schließt, obwohl das eines der wichtigsten Wahlversprechen deines Präsidenten, dessen Amt du ja so gerne ausgeübt hättest, war.
Außerdem hast du innenpolitisch mit der geplanten Gesundheitsreform deines Präsidenten und der immer knapper werdenden Mehrheit im Senat zu kämpfen.
Und da sind natürlich auch noch die Eskapaden von Bill, deinem Ehemann, die dich als Ehefrau sicherlich verletzen, aber die dich als Vollblutpolitikerin dazu bringen, immer wieder alles brav zu dementieren!
Wie gesagt Hillary, du hast viel um die Ohren in letzter Zeit.

Nichtsdestotrotz hast du dir die letzte Woche Zeit genommen einen Bericht deines Außenministeriums publik zu machen, der die Menschenrechte in den anderen Ländern der Welt anprangert, Länder die mit deiner Nation verbündet sind und die du als Außenministerin und Freundin ständig bereist.

In diesem „Bericht zur aktuellen Lage der Menschenrechte außerhalb der USA“ deines Außenministeriums, dem State Department in Washington, wird auch mein Land Portugal erwähnt.
Ich wollte es erst nicht glauben, aber Länder wie Portugal, die Niederlande und Deutschland werden tatsächlich in diesem Bericht in einem Atemzug genannt mit Zimbabwe, Südafrika oder Libyen.

Der Portugiesischen Republik wird unter anderem vorgeworfen dass die hiesige Polizei oft unangebrachte Gewalt bei Festnahmen und Verkehrskontrollen an den Tag legt und dass vor allem in den hiesigen Gefängnissen die Gewalt an der Tagesordnung sei.
Außerdem wird Portugal vorgeworfen eine Drehscheibe des Europäischen Frauen- und Kinderhandels zu sein.

Nun Hillary, das mag ja ansatzweise richtig sein, aber vielleicht sollte ich dich daraufhin aufmerksam machen, das es auch in deinem Land fast täglich rassistische und gewalttätige Übergriffe bei Verkehrskontrollen gibt, bei denen immer die schwarzen US-Bürger das Nachsehen haben.
Auch finden in den Gefängnissen der USA, die eigentlich eher Hochsicherheitstrakte gleichen, fast wöchentlich Revolten statt, die dann fast immer mit Mord und Totschlag enden.
Ehrlich Hillary!
Wusstest du eigentlich das, statistisch gesehen, jeder zehnte Bürger deines Landes im Knast sitzt während es hier in Portugal nur jeder 200ste ist? Mach dir mal darüber Gedanken!
Ach ja, und noch etwas Hillary: wir haben hier im brutalen, blutrünstigen Portugal schon vor über 150 Jahren die Todesstrafe abgeschafft, und somit konnten wir verhindern, dass wir unschuldige Menschen auf den elektrischen Stuhl brachten oder ihnen die Todesspritze setzten, so wie es bei euch leider heute immer wieder noch vorkommt.
Denn Hillary, wenn erst einmal einer hingerichtet ist, dann lässt sich das nur schwer, sehr schwer, wieder gutmachen!
Auch den Vorwurf des Menschenhandels kann ich nur schwer nachvollziehen, wenn ich mir überlege, dass es in Deinem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gang und gäbe ist, illegale Erntearbeiter aus Mexiko und Guatemala in den Plantagen und Fabriken zu Hungerlöhnen zu beschäftigen und wo es sogar vorkommt das sich Kongressabgeordnete und Senatoren illegale Hausangestellte aus Costa Rica und Honduras leisten.

Deshalb liebe Hillary, solltest du immer zuerst den Dreck vor deiner eigenen Haustür kehren, bevor du dich mit dem Mist der anderen beschäftigst.
Und um diesen offenen Brief an dich schließlich zu beenden Hillary, möchte ich dir noch ein Sprichwort mit auf den Weg geben, von dem ich leider nicht weiß ob er auch bei euch in den Staaten bekannt ist, der da lautet:
„Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen“ (port: „Quem tem telhados de vidro, não devia de andar à pedrada“).

In diesem Sinne Hillary, viel Erfolg im Nahen Osten, den wünsche ich dir wirklich von ganzem Herzen, und einen lieben Gruß an Bill!

Dienstag, 15. Dezember 2009

Es gibt Kriege, die einfach nicht zu vermeiden sind


Vor fast genau einer Woche, am letzten Donnerstag dem 10. Dezember, erhielt Präsident Barack Obama in Oslo, aus den Händen des norwegischen Königs Harald V, den diesjährigen Friedensnobelpreis.

Seine Dankesrede war eher eine „Kriegserklärung“ als ein Schreiben des Friedens, meinten seine Anhänger und Fans überall auf der Welt, auch hier in Portugal und vor allem auch in den USA, Obamas Heimat.

Natürlich bin ich Kriegsgegner und als solcher bin ich gegen jegliche Form von kriegerischer Gewalt und Auseinandersetzung, wenn sie verhindert werden können.
Aber ich bin vor allem auch Realist, und als solcher bin ich mir bewusst, dass es Kriege gibt, die einfach nicht zu vermeiden sind.

Und genau diese Denkweise teile ich wohl mit Obama!

Viele, die vor gut einem Jahr in den USA Obama zum Präsidenten gewählt haben, und viele die ihn auch hier in Europa zugejubelt haben, als er in Berlin, London und Prag mal kurz vorbeigeschaut hat, leben in einer Art pazifistischer Fantasiewelt, und sind wohl deshalb von seiner Rede in Oslo so enttäuscht.

Aber Barack Obama, genauso wie George W. Bush vor ihm, lebt nicht in einer Zauberwelt, voller Feen und netten Fabelwesen.
Nein, er lebt wie wir alle in einer realen, brutalen Welt, die keinen Zwischenraum für Träumereien zulässt.

Obama hat nach seiner Wahl vor gut einem Jahr begriffen, dass er weder mal schnell Guantanamo hat schließen können, noch dass er seine Truppen von heute auf Morgen aus dem Irak und aus Afghanistan hat abziehen können, so wie er es vor seiner Wahl fest versprochen hatte.

Er hat dies begriffen, weil er gelernt hat, dass man selbst als Kriegsgegner manchmal gezwungen ist Kriege zu führen, um durch diese den Frieden und die eigene Freiheit zu sichern.

Die Griechen lernten dies gegen die Perser, die Lusitanier gegen die Römer, die Römer gegen die Karthager, die Portugiesen gegen die Spanier, die Spanier gegen die Mauren, die Österreicher gegen die Türken und die Alliierten lernten dies gegen das Naziregime.

Alle mussten sie lernen, dass manchmal leider nur durch hohen Blutzoll die Freiheit und der Frieden auf der Welt einigermaßen garantiert sind!

Dienstag, 22. September 2009

Bridget Peixotto, eine Kämpferin für die Frauenrechte



Zwischen 1913 und 1915 fand in den USA eine juristische “Schlacht” statt, die Nachhaltig, bis heute, radikal die Stellung der Frauen in der Arbeitswelt verändert hat.
Und nicht nur in den USA, sondern in der ganzen zivilisierten Welt!

Am 22. April 1913 wurde einer New Yorker Lehrerin, von der Schulleitung ihrer Schule, fristlos gekündigt, nur weil sie es gewagt hatte schwanger zu werden.
Die Lehrerin weigerte sich, die Kündigung anzunehmen, und ging vor Gericht. Für die damalige Zeit, eine Ungeheuerlichkeit!

Zwei Jahre lang, kämpfte sich die Lehrerin durch alle Instanzen vor den höchsten Gerichten Amerikas durch, bis sie endlich 1915 einen Sieg gegen die Schulbehörde errang.
Dieser Sieg gab zukünftig allen Frauen das Recht, nicht nur während ihres Arbeitsverhältnisses schwanger zu werden, sondern er gab ihnen auch ein Anrecht darauf einen so genannten Schwangerschaftsurlaub (port.: Licença de parto) in Anspruch zu nehmen!

Diese Lehrerin, die eine Vorreiterin der amerikanischen Frauenrechte war, hieß Bridget Peixotto und war die Tochter portugiesischer Einwanderer.

Bridget, oder Brigida, wie in ihrer Geburtsurkunde steht, heiratete am 12. Februar 1912 den 20 Jahre älteren Versicherungskaufmann Francis Raphael Maduro Peixotto, auch er ein Sohn portugiesischer Einwanderer.
Als Bridget ihren Francis heiratete, war sie bereits 18 Jahre Lehrerin an einer öffentlichen Schule der New Yorker Bronx.
Sie galt als äußerst intelligent, fähig und war sowohl bei den Schülern als auch bei ihren Kollegen äußerst beliebt.

Als sie schwanger wurde, wurde sie, wie schon erwähnt, augenblicklich von der Schulbehörde entlassen.
Der Grund ihrer Entlassung war einfach der, dass die damalige Gesellschaft es nicht gerne sah, wenn eine verheiratete Frau, zumal eine Mutter, auch berufstätig war.

Nach der Geburt ihrer Tochter Helen Esther Peixotto, ging sie vor Gericht, und forderte die Schulbehörde, und damit ein ganzes System, heraus.

In einem Zeitungsinterview in der New York Times, vom 29. Mai 1913, welches ich hier übersetze, sagt sie:

„Ich werde bis zum Äußersten für mein Recht kämpfen.
Einer Frau zu verbieten, Mutter zu werden, und somit eine fundamentale Grundvoraussetzung einer jeden guten Ehe zu erfüllen, ist nicht nur illegal sondern auch menschenunwürdig.
Es ist unmoralisch und kein Gericht der Welt kann diese Unmoral unterstützen.
Wie kann es sein, das es mir als Frau gestattet ist Kinder zu unterrichten, mir aber verboten wird, selber welche auf die Welt zu bringen?“

Am 27. Januar 1915 spricht das Oberste Gericht der USA ein historisches Urteil:
Er gibt Bridget Peixotto in allen Punkten Recht, und ordnet die Schulbehörde an, sie wieder einzustellen.
Das Gericht ordnet weiterhin den amerikanischen Kongress an, die Verfassung dahingehend zu ändern, das es allen berufstätigen Frauen erlaubt ist, schwanger zu werden, und nach dem Genuss eines Schwangerschaftsurlaubs auch weiterhin berufstätig zu bleiben!

Sieben Jahre nach dem Erfolg Bridget Peixottos in den USA, wurde auch hier in Portugal, als zweitem Land der Welt, der Mutterschutz (port.: Protecção de maternidade) eingeführt.

Bridget Peixotto starb am 10. April 1972, 92jährig, in New York.
Dieser mutigen Frau haben es heute alle Frauen in der zivilisierten Welt zu verdanken, das es eine Normalität ist, das sie in ihrem Berufsleben schwanger werden können, sie einen Schwangerschaftsurlaub genießen dürfen und sie nach ihrer Schwangerschaft ohne Probleme wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können.

Mittwoch, 19. August 2009

Aventureiros






„Aventureiros“ ist portugiesisch und bedeutet ins deutsche übersetzt „Abenteurer“.

Abenteurer, so lautet der Name eines neuen brasilianischen Strategiebrettspieles, der dem bekannten Spielklassiker „Risiko“ im Ablauf ähnelt, und welches vor wenigen Wochen erschienen ist.

Auf einer vereinfachten Weltkarte mit 12 „Ländern“ versuchen zwei bis sechs Spieler, wechselseitig Länder (die die Größe von Kontinenten haben) in ihren Besitz zu bringen. Ziel des Spiels ist es, je nach Auftrag einen oder mehrere Länder oder die ganze Welt zu erobern und seine Gegner finanziell zu ruinieren.
Die Spieler entscheiden mit Würfelglück und durch strategische Gesichtspunkte über die Platzierung und den Einsatz ihrer Spielfigur.

Aber während bei Risiko das primäre Thema der Krieg ist, ist „Aventureiros“ kein typisches Konfliktsimulationsspiel, das seinen Schwerpunkt auf Realitätsnähe oder anspruchsvolle taktische Herausforderungen legt.
Stattdessen ähnelt „Aventureiros“ den heutigen Autorenspielen, wie Narnia oder Herr der Ringe, in denen zwar das Ziel das erlangen der „Weltherrschaft“ ist, aber nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen, sondern durch einfache strategische Entscheidungen, diplomatisches Handeln und Glück.

Bis hierhin, soweit alles gut!

Aber nun zu den Spielfiguren.
Jedem „Land“ (Brasilien, Portugal, Großbritannien, USA, Argentinien, Ägypten, Südafrika, Indien, China, Russland, Japan, Australien) wird eine Spielfigur zugeordnet.

Und diese Spielfiguren haben es wirklich in sich.
Denn der brasilianische Spielhersteller hat nicht an Klischees gespart, als er die einzelnen Spielfiguren kreierte.

So ist z.B. die amerikanische Figur Emily eine kurvenreiche Blondine mit einer Menge sexappeal, die brasilianische Figur Edson hat natürlich ein Fußballtrikot an und die südafrikanische Figur Patrick ist mit einem Leopardenfell bekleidet, so wie halt jeder Südafrikaner im 21. Jahrhundert angezogen ist.
Das der Brite Joshua eine Fellmütze aufhat und der Australier William Kriegsbemalung trägt, ist da schon fast sympathisch.

Aber die Figur, die den Portugiesen Manoel darstellt, steht ohne Zweifel, für alle Vorurteile die Brasilianer uns Portugiesen gegenüber haben!

So ist Manoel (wohlgemerkt nicht „Manuel“ wie portugiesisch eigentlich geschrieben, sondern „Manoel“, wie der Brasilianer den Vornamen ausspricht) mit einem Kostüm aus der Zeit der portugiesischen Entdeckungen angezogen!
Außerdem trägt er Bart (die Brasilianer denken nämlich wir laufen hier in Südeuropa alle mit Vollbärten rum), hat eine bunte Baskenmütze auf und hat natürlich Galoschen an!

Ich weiß nicht, welchen Stellenwert das Spiel „Aventureiros“ zukünftig weltweit haben wird.
Aber ich wage es einmal zu behaupten, das dieses Brettspiel hier in Portugal nicht überragenden Erfolg haben wird.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Eisenhower zu Besuch in Lissabon


Vor der Lissabonner Küste, auf der Höhe von Algés, liegt gerade der Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower vor Anker.

Die USS Eisenhower kommt direkt aus dem Persischen Golf, wo sie, und die auf ihr stationierten 61 F-18 Flieger, für drei Monate im Kriegsgebiet um Afghanistan, eine militärische Mission absolviert haben.

Nach erledigter Mission hat der Flugzeugträger, auf dem Rückweg in die USA, nun einen Zwischenstop in Lissabon eingelegt.
Die 4500 Mann Besatzung haben bis Freitag Zeit, sich auf verschiedenen Landgängen zu erholen und sich Lissabon anzuschauen.
Außerdem wird ein Teil der Mannschaft sich an karitativen Projekten beteiligen, wie z.B. das Streichen eines Kinderheimes und das Verteilen von Nahrungsmittel und Kleidung an verschiedene Obdachlosenheime.

Leider ist ein Besuch der USS Eisenhower für den normalen Bürger nicht möglich. Aber wer von Almada oder Cacilhas aus, in Richtung Algés schaut, und in der Ferne diesen imposanten Flugzeugträger sieht, wird begeistert sein über die Schönheit und Größe dieses Schiffes.

Einige Besatzungsmitglieder der USS Dwight D. Eisenhower sind Luso-Amerikaner, d.h., sie sind Amerikaner mit portugiesischen Vorfahren. Einer von Ihnen ist Admiral Oliver Fernandes, der Kapitän der USS Eisenhower.

Der Flugzeugträger USS Eisenhower wird am kommenden Freitag wieder in See stechen.
Diesmal in Richtung Heimathafen Virginia, wo er Ende des Monats wohl ankommen wird.

Samstag, 11. Juli 2009

Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums






Portugal sind die kriegerischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges (1939-1945), Gott sei Dank, erspart geblieben. Durch seine Neutralität, schaffte es der Diktator António de Oliveira Salazar, Portugal aus den blutigen Gemetzel Hitlers, Mussolinis und Francos herauszuhalten.

Was Salazar allerdings nicht verhindern konnte, waren die Überseekriege (Guerras do Ultramar) die von 1961 bis 1973 stattfanden und die im Ausland abschätzig Kolonialkriege (Guerras Coloniais) genannt wurden.
Da es offiziell in Portugal keine Kolonien gab, sondern nur Überseeprovinzen, konnte es sich bei diesen kriegerischen Auseinandersetzungen, so die portugiesische Auffassung, auch nicht um Kolonialkriege handeln, sondern um Überseekriege.
Ohne Zweifel sind die Überseekriege, oder Kolonialkriege, wie auch immer man sie nennen mag, das dunkelste Kapitel der neueren portugiesischen Geschichte.

Zu den Überseekriegen muss als erstes angemerkt werden, das Portugal kein Krieg gegen die Bevölkerungen von Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea geführt hat, sondern gegen einzelne Guerillagruppen, die ideologisch vollkommen eine andere Richtung einschlugen als die portugiesische Zentralregierung. Die Mehrheit der Bevölkerungen dieser Überseeprovinzen war mit der portugiesischen Herrschaft und ihrem Verwaltungssystem vollkommen einverstanden!

Während Portugal, seit 1949 ein Gründungsmitglied der NATO, politisch völlig westlich orientiert war, waren die Guerillakrieger, mit denen sich die portugiesischen Truppen rumschlagen mussten, alle kommunistisch-marxistisch eingestellt, und wurden als solche auch von der damaligen Sowjetunion unterstützt.
Da diese Gruppen auch eine Unabhängigkeit von Portugal erreichen wollten, wurden sie paradoxer Weise auch von dem NATO-Partner Portugals, den USA, politisch und militärisch unterstützt, denn die USA wollten auf keinen Fall die afrikanischen Länder dem Einfluss der Sowjets überlassen. Besonders der amerikanische Präsident J.F. Kennedy erwies sich als Verräter an der portugiesich-amerikanischen Politik.

So wurde Portugal gezwungen ab 1961 einen Dreifrontenkrieg in Afrika zu führen.
In Angola gegen die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola = Volksbefreiungsarmee Angolas).
In Moçambique gegen die FRELIMO (Frente da Libertação de Moçambique = Befreiungsfront von Moçambique).
Und in Guinea gegen die PAIGC (Partido Africano da Independencia da Guiné e de Cabo Verde = Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea und Kapverde).

Der Krieg in Angola und Moçambique war alsbald für die Portugiesen entschieden. Denn obwohl es sich bei diesen zwei Überseegebieten um riesige Territorien handelte, so waren es Gebiete der offenen Savannen und mit wenig Bevölkerung, und so leicht militärisch zu bezwingen.
In Portugiesisch Guinea allerdings, hatten die Portugiesen es wesentlich schwerer, da das ganze Territorium hauptsächlich aus dichtem Urwald bestand und die Bevölkerungsdichte sehr hoch war. Guiné wurde, so kann man heute sagen, zu Portugals Vietnam.

Die portugiesische Regierung führte, trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die Politik des „Lusotropicalismo“ weiterhin fort.
Mit Lusotropikalismus war das „Portugiesieren“ der Schwarzafrikaner in den Überseegebieten gemeint.
Den Schwarzen war es demnach gestattet, alle hohen Positionen in Militär, Verwaltung, Schul- und Gesundheitswesen einzunehmen, so wie den Weißen auch. Mischehen waren nicht nur zugelassen, sondern wurden gefördert. Studieren wurde den Schwarzen genauso erlaubt wie den Weißen. Die Portugiesen gründeten in den 60er Jahren zwei staatliche Universitäten in den Überseegebieten, eine in Angola und eine in Moçambique. Zum Vergleich: In Portugal gab es zur selben Zeit nur 4 staatliche Universitäten! Durch den Lusotropikalismus waren die Schwarzafrikaner gleichberechtigte Bürger Portugals.

Die Überseekriege waren, im Nachhinein gesehen, unnötige, blutige, kriegerische Auseinandersetzungen, die mit ein wenig politischem Feingefühl, verhindert hätten werden können. Man hätte z.B. die Überseegebiete in die Unabhängigkeit entlassen können, sie aber an einen losen Staatenbund mit Portugal anbinden können, so wie es das britische Empire mit seinen Kolonien und dem Commonwealth getan hat.
Viele junge portugiesische Soldaten fanden in Afrika den Tod. Ebenso viele Zivilisten, die zwischen die Fronten gerieten. Jede portugiesische Familie hatte mindestens einen Sohn oder einen Vater der in Afrika kämpfte. Viele Familien mussten Gefallene, und später auch Flüchtling beklagen.

Ich selber hatte drei Onkel die in Afrika gekämpft haben und Großtanten und Großonkel, die fluchtartig aus Moçambique fliehen mussten, weil marodierende Guerillagruppen zum Ende des Krieges hin, durch die Straßen der Hauptstadt Lourenço Marques wandalisierten und jeden erschossen, der eine weiße Hautfarbe hatte.

Am traurigsten aber ist es, das Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea nach dem Krieg mit Portugal keinen Frieden gefunden haben. Im Gegenteil!
Nach der Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1975, verwickelten sich diese Länder für Jahrzehnte in blutige, grausame Bürgerkriege, in denen, statistisch gesehen, 30 Mal so viele Schwarze umkamen, als zuvor in den Überseekriegen mit Portugal.

Noch heute hat Portugal mit den negativen Auswirkungen dieser vergangenen Kriege zu kämpfen.