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Mittwoch, 12. Februar 2014

Ich habe den Besuch sehr genossen, aber nichts Bemerkenswertes vorgefunden


In irgendeiner portugiesischen Tageszeitung – ich glaube es war im „Publico“ – las ich, das Charles Darwin, der berühmte britische Naturforscher, heute seinen 205. Geburtstag feiert – oder besser, er würde ihn feiern, wenn er noch leben würde.
Darwin ist überall auf der Welt, und natürlich auch hier in Portugal, als Zoologe, Geologe, Naturwissenschaftler und vor allem als Evolutionstheoretiker bekannt und anerkannt.
Aber nur wenige wissen, dass Charles Darwin einmal auch hier in Portugal, besser gesagt auf den Azoren, sein Glück als Naturforscher versucht hat.

Es war am 20. September 1836, Darwin kehrte damals von einer fünfjährigen Forschungsweltreise zurück die er 1831 begonnen hatte, als der berühmte Wissenschaftler als Passagier der HMS Beagle, einem Vermessungsschiff der Royal Navy, auf der Azoreninsel Terceira ankam.

Er verbrachte nur vier Tage auf Terceira und sein Urteil über die Flora und Fauna der Insel war hinterher, gelinde gesagt, ernüchternd.
Er versuchte zwar in der kurzen Zeit die er auf der Insel war, einpaar endemische Pflanzen, Insekten und Vögel zu finden, aber ohne Erfolg.
Und so schrieb er später in einem Brief an einen Freund über seinen Besuch auf Terceira die resignierenden Worte:

„Ich habe den Besuch sehr genossen, aber nichts Bemerkenswertes vorgefunden“
(engl.: „I enjoyed the visit, but I don’t found nothing noteworthy“)
(port.: „Gostei muito da visita, mas não encontrei nada digno de registo“)

Um es ganz klar zu sagen:
Charles Darwin fand die Insel Terceira einfach nur langweilig!
Er fand den Azorenarchipel so nichts sagend, das er, als die HMS Beagle am 24. September 1836 die Segeln setzte und in Richtung der Azoreninsel São Miguel fuhr, er Kapitän Robert Fitzroy antrieb, die Reise ins heimatliche England so schnell wie möglich fortzusetzen.

Auf den ersten Blick hatten die Azoreninseln dem verwöhnten Forscher, der durch die ganze Welt gesegelt war, damals wohl einfach nichts zu bieten.
Darwin konnte nicht erahnen welcher naturwissenschaftlicher Schatz und welche unglaubliche Artenvielfalt sich, damals wie heute, unter den Wassern der Azoren verbargen.

In seinem 1839 erschienenen Reisetagebuch „Darwin´s Beagle diary“, in dem er detailliert über seine Weltreise von 1831 bis 1836, seine Erforschungen und die vielen Naturgeschichten schreibt, erwähnt er die Azoren nur vier kurze Male.

So gesehen war der Aufenthalt Darwins auf den Azoren für die Forschungsarbeit des Naturwissenschaftlers und seine Evolutionstheorie in keinster Weise relevant.
Aber hätte er auch nur im Geringsten davon geträumt, was er über und unter dem Wasserspiegel dieser Eilande mitten im Atlantik hätte vorfinden können, er wäre wohl, als der Naturforscher der er war, zu dem Entschluss gekommen, das die Inseln sehr wohl Bemerkenswertes vorzuweisen gehabt hätten!

Freitag, 3. August 2012

Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen



Während ich diese Zeilen hier schreibe, sitzt der portugiesische Musiker João Martins im Stadtgefängnis von Angra do Heroismo ein.
Sein Vergehen:
João Martins hat in seiner kleinen Bar, die er auf der Azoreninsel Terceira betreibt, die Raubkopie einer CD abgespielt.

Bei einer Bar, genauso wie bei einem Restaurant, einem Kino oder einem Schwimmbad, handelt es sich, im juristischen Sinne, immer um einen öffentlichen Platz.
Da das Abspielen von Raubkopien in der Öffentlichkeit aber aus urheberrechtlichen Gründen verboten ist und der Musiker so gegen das Recht auf geistiges Eigentum verstoßen hat, wurde er, zu Recht, zu einer Geldstrafe verurteilt.
João Martins hat sich aber geweigert diese Geldstrafe zu bezahlen, und musste daher nun für 30 Tage hinter Gitter.

Der Musiker hat, laut Gesetzbuch, zweifelsohne gegen geltendes Recht verstoßen und so meinten daher wohl die Richter ihm eine angemessene und gerechte Strafe auferlegen zu müssen, und sei es nur, um an ihm ein Exempel zu statuieren.
Aber, so frage ich mich und fragen sich viele andere Portugiesen auch:
wo bleibt die angemessene und gerechte Strafe für all die Persönlichkeiten, die den portugiesischen Staat immer und immer wieder im großen Stil betrogen und bestohlen haben?

Ich denke dabei vor allen Dingen an die zwei markantesten Fälle der letzten Jahre, nämlich an Fátima Felgueiras, die ehemalige Bürgermeisterin von Felgueiras, und an Isaltino Morais, den noch im Amt befindlichen Stadtoberhaupt von Oeiras, die beide nachweislich Bestechungen, Geldwäsche, Steuerhinterziehungen und Amtsmissbrauch im großen Stil begangen haben und dafür noch nicht einmal richtig bestraft wurden.

Ich Frage mich weiterhin:
ist es akzeptabel, das das Abspielen einer Raubkopie oder das unerlaubte downloaden von urheberrechtlich geschützten Werken im Internet wirklich strafrechtlich höher zu bewerten ist als das unterschlagen und stehlen von Millionen von Steuergeldern?

Wo kommen wir denn da hin?
Werden Morgen etwa Kleinkinder in Erziehungsbootcamps gesteckt, nur weil sie, ohne die Zustimmung der jeweiligen Komponisten und Autoren, Kinderlieder gesungen haben?
Werden demnächst ältere Frauen, die auf einer Parkbank zusammensitzen und häkeln, festgenommen nur weil sie eine mögliche Gefahr für die portugiesische Textilindustrie darstellen?
Oder werden gar bald die vielen jungen Kicker dazu verdonnert, an Cristiano Ronaldo und Luis Figo, nur weil sie deren Trikots tragen und ihre Fußballtricks auf dem Platz nachahmen, Tantiemen zu zahlen?

Lächerlich, einfach nur lächerlich!

Mittwoch, 5. Januar 2011

And the Oscar goes to… Luis Ferreira


Man kann nicht sagen das portugiesische Schauspieler sich in Hollywood die Türklinke in die Hand geben.
Daher sind wir hier in Portugal auf jeden zweit- oder drittklassigen Schauspieler stolz, der die amerikanische Filmindustrie mit ein wenig lusitanischem Esprit bereichert.

Einer dieser Schauspieler (und er möge mir bitte verzeihen dass ich ihn als zweit- oder drittklassig bezeichne) ist der in Portugal geborene Kanadier Luis Ferreira.

Luis Ferreira wurde am 20. Februar 1967 in dem kleinen Ort Caminho d´Além, in der Gemeinde Terra Chã, auf der Azoreninsel Terceira geboren.
1971, als er vier Jahre alt ist, wandern seine Eltern mit ihm nach Kanada aus.
Dort wächst er in North York, einem Stadtteil von Toronto, inmitten der portugiesischen Gemeinde, die sich um den Kensington Market gebildet hat, auf.

1986 startet Luis Ferreira seine Schauspielkarriere in der Krimiserie „Night Heat“. Er spielt zuerst kleine Nebenrollen in Kanada, bis er aufgrund fehlender Arbeit in die USA zieht, um in Los Angeles sein Glück zu versuchen.
Dort hat er dann auch endlich seine erste große Rolle in der Serie „Public Morals“, allerdings unter dem Kunstlernamen Justin Louis. Sein damaliger Agent war nämlich der Meinung, dass er mit dem Namen Luis Ferreira keinen Erfolg haben würde.

Ferreira spielte in Filmen und Serien wie „Fallen arches“, „Hidden hills“, „Durham County“, „Naked Lunch“, „24“, „CSI“, „Missing“, „Criminal Minds“ und „CSI Miami“ mit.
Für „Fallen arches“ erhielt er 1998 den Acting Award und für „Durham County“ bekam er 2008 den Gemini Award.

Luis Ferreira spricht fliesend portugiesisch und eines seiner Träume ist es irgendwann einmal die Rolle eines Portugiesen in einem Film spielen zu können, so sagte er einmal.
In der Zwischenzeit hat Luis Ferreira seinen Künstlernamen Justin Louis abgelegt, und spielt nun wieder unter seinem richtigen Namen seine Rollen.

Luis Ferreira wurde einmal, in einem Interview mit der kanadischen Zeitung „Portuguese Times“ gefragt, was es für ihn bedeuten würde, Portugiese zu sein. Er antwortete darauf hin, das für ihn Portugiese sein bedeuten würde, „…in das Leben verliebt zu sein“!

Möchte gerne mal wissen, aus welchem Drehbuch Ferreira diese Worte entnommen hat!

Mittwoch, 30. September 2009

Von Dichtern und ihrem Glauben


Lesen sie gerne Prosa?

Ich muss gestehen, ich nicht!
Aber dieser Tage habe ich mir das Buch „Viagens na minha terra“ (port.: Reisen durch mein Vaterland), des Dichters und Dramaturgen João Baptista da Silva Leitão de Almeida Garrett, hier in Portugal auch einfach nur Almeia Garrett genannt, endlich aus meinem Bücherregal genommen, und angefangen es zu lesen.

Eigentlich steht das Werk Almeida Garretts bestimmt schon drei oder vier Jahren in meinem Bücherregal, aber wie es nun einmal so ist:
schwere Lektüre, hebt man sich gewöhnlich „für später“ auf.

Aber diesmal, auf der Suche nach etwas lesbarem in meinem Bücherschrank, geriet mir besagtes Buch in die Hand, und ich habe beschlossen es zu lesen.

Bei „Viagens na minha terra“ handelt es sich einerseits um einen Liebesroman und andererseits um einem romantischen Reisebericht über Portugal, beides in Verbindung mit vielen politischen Kommentaren, welches Almeida Garrett 1846 schrieb.
Denn Almeida Garrett war nicht nur Poet, sondern auch Politiker, und für einige Zeit sogar portugiesischer Außenminister.

In einem Kapitel von „Viagens na minha terra“ schreibt Garrett folgende Worte, die ich heute mit großem Interesse las, und die ich hier gerne übersetzen möchte:

Übersetzung:
„Seit dem ich denken und lesen kann, bewundere ich die „Lusíadas“, die mich bewegen, zum weinen bringen und die mich stolz machen, dieses Werk das auf dieser Welt das Größte ist, nach „Der Göttlichen Komödie“ und dem „Faust“.

(Original: „Desde que entendo, que leio, que admiro Os Lusíadas, enterneço-me, choro, ensoberbeço-me com a maior obra de engenho que apareceu no mundo, desde a Divina Comédia até ao Fausto.“)

Weiter schreibt er:

Übersetzung:
„Der Italiener (Dante) besaß den Glauben an Gott, der Deutsche (Goethe) glaubte an den Zweifel, der Portugiese (Camões) aber glaubte an sein Vaterland.
Man muss an etwas glauben, um groß zu sein – nicht nur der Poet – jeder von uns kann etwas großes hervorbringen.“

(Original: „O italiano tinha a fé em Deus, o alemão no cepticismo, o português na sua pátria. É preciso crer em alguma coisa para ser grande - não só poeta - grande seja no que for.“)

Zu Almeida Garrett sei noch zu sagen, das er am 04. Februar 1799 in der Stadt Porto geboren wurde. Er verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend auf der Azoreninsel Terceira, auf die seine Eltern mit ihm und seinen vier Geschwistern geflohen waren, als die napoleonischen Truppen seine Heimatstadt 1807 besetzten.

Almeida Garrett war das, was man heute wohl einen Allroundtalent nennt.

Er schrieb Romane („Helena“, „O Arco de Santana“), Gedichtbände („Dona Branca“, „Folhas caídas“), Tragödien („Catão“, „Mérope“), Dramen („Frei Luis de Sousa“, „Um Auto de Gil Vicente“), Komödien („Filipa de Vilhena“, „A sobrinha do Marquês“), verfasste politische Reden („Manifesto das Cortes Constituintes à Nação“) und schrieb eben auch Reiseberichte, wie das schon erwähnte „Viagens na minha terra“.

Almeida Garrett verstarb am 09. Dezember 1854 in Lissabon, nach einem schweren Krebsleiden.
Seine Werke aber sind bis heute unsterblich.
Sein Einfluss auf die portugiesische Literatur war und ist noch immer sehr beachtlich.
Von allen großen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts ist er derjenige, der heute, vor allem auch von der jüngeren Generation, am meisten gelesen, studiert und geachtet wird.

Dienstag, 8. September 2009

Die Azoreninsel Terceira




Die Insel Terceira wurde im 15. Jahrhundert als die dritte Insel der Azoren entdeckt.
Daher auch ihr Name: Terceira heißt nämlich auf Deutsch „die Dritte“.
Terceira gehört zur Zentralgruppe der Azoreninseln, ist 400 km² groß und auf ihr leben etwa 58.000 Menschen.

Hauptstadt der Insel ist, mit etwa 13.000 Einwohnern, Angra do Heroísmo (deutsch: Bucht der Helden).
Die Stadt, die an einer etwa 2 km breiten und offenen Bucht der Südküste der Insel liegt, verdankt ihren Beinamen dem heldenhaften Widerstand, den sie im späten 16. Jahrhundert den spanischen Eroberern leistete, als diese 1580 Portugal annektierten.
Erst 1583, nach drei langen Jahren des Widerstandes, war die Insel restlos in den Händen der Spanier.

Im Jahre 1534 wurde Angra do Heroísmo als erste portugiesische Stadt außerhalb Portugals gegründet.
Bis 1832 blieb sie die Hauptstadt der Azoren.
Dann wurde Angra von Ponta Delgada, auf der Insel São Miguel, als Verwaltungssitz abgelöst.
Sitz des Bischofs der Azoren ist Angra aber bis heute geblieben.

Die Stadt wurde über die Jahrhunderte hinweg mehrmals durch Erdbeben zerstört.
Nichtsdestotrotz sind heute noch viele geschichtliche Bauwerke erhalten.
Angra do Heroísmo wurde 1983 von der UNESCO auf ihre Weltkulturerbeliste gesetzt.

Andere wichtige Städte auf Terceira sind

- Praia da Vitória, nach Angra do Heroísmo die zweitgrößte Stadt der Insel

- Lajes, eine kleine betriebsame Stadt, die fast ausschließlich von ihrem Militärstützpunkt lebt, der von der portugiesischen Luftwaffe und anderen NATO-Luftstreitkräften genutzt wird

- Biscoitos, ein kleines Winzerstädtchen das auf dem Gelände eines erkalteten Lavastroms liegt

All diese Orte liegen an der Küste, dort wo die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung der Insel lebt. Denn das Hinterland ist sehr rau und wenig einladend.
Die gesamte Insel besteht größtenteils aus einer weiten, von hohen Bergen umgebenen vulkanischen Hochfläche. Die Küsten von Terceira sind sehr steil und klippenreich.

Samstag, 5. September 2009

Inseln der Glückseeligkeit: Die Azoren






Für Menschen wie mich, die die Natur lieben, sind die Azoreninseln (Ilhas dos Açores) ein wahres Paradies.
Hier gibt es tiefblaue Seen, eine unglaublich reiche Blumen- und Pflanzenwelt, hohe Berge, pittoreske Dörfer und Städte, erloschene Vulkane und einen Ozean, der viele Möglichkeiten zum Segeln, Tauchen, Hochseeangeln, Surfen und auch für Beobachtungstouren auf Wale und Delfine bietet.
Und auf den Azoren gibt es etwas, was man heute nur noch selten in Europa findet: eine Stille und einen Frieden, der schon fast idyllisch ist.

Und diese Stille und diesen Frieden verdanken die neun Azoreninseln der Tatsache, dass die dortige Bevölkerung aus Menschen besteht, die im vollen Einklang mit der Natur und ihren Traditionen leben und natürlich der Tatsache dass die Inseln Mitten im weiten Ozean liegen.
Wie Trittsteine in einem großen Teich im weiten Atlantik sehen sie vom Flugzeug aus. Auf der Landkarte stolpert man über sie, wenn der Finger auf dem 40. Breitengrad entlangfährt.
Da sind sie, in der Mitte zwischen New York und Lissabon. Gut 2100 Kilometer liegt dieses Archipel von Europa entfernt. Von Amerika trennen ihn rund 3600 Kilometer. Die neun Azoreninseln bilden, mit der Insel Madeira, eine der zwei Autonomen Regionen Portugals (Região Autónoma dos Açores). Die Verwaltungshauptstadt ist Ponta Delgada auf São Miguel.

Die größte Azoreninsel ist São Miguel (deutsch: Sankt Michael).
Sie ist berühmt für ihre klaren Seen, die vielen Hortensien und die heißen vulkanischen Quellen.
Südlich von São Miguel liegt die Insel Santa Maria (deutsch: Heilige Maria).
Auf Santa Maria liegen die steilen Weinterrassen von São Lourenço und die Engelskapelle (Capela dos Anjos), in der Kolumbus, nach seiner ersten Amerikaentdeckungsreise, betete.
São Miguel und Santa Maria bilden die Ostgruppe (Grupo Oriental) der Azoren.

Die Zentralgruppe (Grupo Central) besteht aus fünf Inseln, die alle relativ dicht beieinander liegen.
Da wären zum einen die Insel Terceira (deutsch: die Dritte), mit der Hauptstadt Angra do Heroismo, die zum Weltkulturerbe gehört.
Dann die Insel Faial (deutsch: Buchenwald) mit ihren ausgedehnten Buchenwäldern, den blauen Hortensien und den, unter Seglern, weltberühmten Jachthafen.
Die Insel Pico (deutsch: Spitze) ragt, wie ihr Name schon sagt, spitz aus dem Atlantik heraus. Die gleichnamige Montanha do Pico (deutsch: Berg Pico) ist, mit 2.352 Metern, überhaupt die höchste Erhebung Portugals.
Das Landschaftsbild auf der Insel São Jorge (deutsch: Heiliger Georg) ist geprägt von den immergrünen Weiden und den kleinen Landzungen am Fuße kleiner Küstenhänge in denen nur wenige Einwohner leben, den so genannten Fajãs.
Die Insel Graciosa (deutsch: Die Anmutige oder die Reizende) ist die kleinste Insel der Zentralgruppe der Azoren. Sie ist berühmt für ihre Weinberge, auf denen rote und weiße Windmühlen stehen.

Die Inseln Flores (deutsch: Blumen) und Corvo (deutsch: Rabe) bilden die Westgruppe (Grupo Ocidental) der Azoren.
Flores heißt nicht umsonst die „Blumeninsel“. Sie ist ein einziger schwimmender Garten, Mitten im Atlantik.
Corvo schließlich ist die kleinste der neun Azoreninseln, aber gleichzeitig einer der zauberhaftesten, mit ihrem wunderschönen Vulkankegel.
Diese zwei westlichsten Inseln gehören kurioserweise geologisch bereits zur Nordamerikanischen Kontinentalplatte.

Als ich vor Jahren die Azoreninsel São Miguel besuchte, fühlte ich mich wie im Garten Eden.
Nirgendwo in Europa habe ich, zuvor und auch danach, jemals so schöne Naturlandschaften gesehen, wie dort.

Dies muss auch Diogo de Silves gedacht haben, als er 1427 im Auftrag von Heinrich dem Seefahrer (Henrique o Navegador), die Inseln entdeckte und für Portugal in Besitz nahm.
Er nannte die gerade entdeckten Eilande „Ilhas dos Açores“, was ins deutsche übersetzt „Habichtsinseln“ heißt, nach den vielen „Habichten“ die auf den Inseln lebten. Erst später stellte er fest, dass es sich bei den Habichten eigentlich um Bussarde handelte. Der Name blieb aber auch nach der Entdeckung des Irrtums bestehen, sonst würden die Inseln heute nicht Ilhas dos Açores heißen, sondern „Ilhas dos Busardos“.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts sind die Inseln bewohnt. Und seit ihrer Entdeckung, spielen die Inseln, Mitten im Atlantik, eine wichtige strategische und wirtschaftliche Rolle. Die ersten Einwohner der Azoren kamen aus den portugiesischen Provinzen Algarve, Minho und Alentejo, sowie aus dem niederländischen Flandern und der französischen Bretagne.
Der Anbau von Ananas, Zitrusfrüchten, Tee, Pastellpflanzen und Tabak machten die Inseln zur europäischen Schatzkammer der portugiesischen Krone im 17. und 18. Jahrhundert. Auch der Walfang florierte hier, wie nirgendwo anders in Europa.
Mit der zunehmenden Schiff- und Luftfahrt, im 19. und 20. Jahrhundert, wurden die Azoren zum Anlaufplatz für die aufkommende Dampfschifffahrt und die Transatlantikflüge zwischen Europa und Amerika.

Auch während des Zweiten Weltkrieges waren die Azoren unersetzlich. Sie waren der erste Anlaufpunkt der Amerikaner, auf ihrem Weg nach Europa. Noch heute haben die Amerikaner in Lajes, auf der Insel Terceira, eine Militärbasis (Base Militar das Lajes) die sie ihr Eigen nennen.

Heute sind vor allem die Landwirtschaft, die Fischerei und der Ökotourismus die wichtigsten Wirtschaftszweige der Inseln.

Die Azoren verfügen, bedingt durch die ozeanische Lage und zudem unter dem Einfluss des nördlich vorüberziehenden Golfstroms, über ein extrem gemäßigtes subtropisches Klima. Die Temperaturen unterbieten kaum die 14°C im Winter und übersteigen selten die 22°C im Sommer.
In der Wetterkunde spielen die Azoren eine wichtige Rolle, da sich in ihrem Raum häufig sehr stabile Hochdruckzonen ausbilden, deren Einfluss bis Deutschland und dem restlichen Mitteleuropa reicht und, dort als „Azorenhoch“ bekannt, für beständige schöne Witterung sorgt.
Seltener, und weniger schön, sind dagegen die „Azorentiefs“.

Auf den Azoren leben ungefähr 250.000 Menschen. Die Einwohner sind wie folgt auf die Inseln verteilt:

- São Miguel 132.000 Einwohner
- Santa Maria 6.000 Einwohner
- Faial 18.000 Einwohner
- São Jorge 11.000 Einwohner
- Pico 15.000 Einwohner
- Terceira 58.000 Einwohner
- Graciosa 5.000 Einwohner
- Flores 4.000 Einwohner
- Corvo 425 Einwohner

Donnerstag, 18. Juni 2009

Der grüne Leuchtturm von Cacilhas


Wer aus Lissabon, mit der Fähre kommend, in Cacilhas anlandet, sieht zu seiner Rechten ein sehr gutes Fischrestaurant mit dem Namen „O Farol“ (Der Leuchtturm).
Für mich, genauso wie für viele meiner Generation, war dieses Restaurant der einzige „Leuchtturm“ den es in Cacilhas gab.

Erst vor gut einem halben Jahr, habe ich erfahren, dass es ehemals einen richtigen Leuchtturm in Cacilhas gab, der 1886 in Betrieb genommen wurde, und bis 1978 an den Ufern des Tejo seinen Dienst als Wegweiser der Schifffahrt versah.
Mit der Modernisierung der maritimen Navigationssysteme wurde er ab 1978 für den Lissabonner Hafen nutzlos, wurde dann zerlegt, und auf die Azoreninsel Terceira verschifft. Dort wo er noch gebraucht wurde, versah er seinen Dienst noch bis Anfang des Jahres 2000.
Ab diesem Jahr, wurde er auch auf der Insel Terceira nicht mehr gebraucht, denn auch dort hatte nun das digitale und sonare Zeitalter begonnen.

Die Stadt Almada, zu der der Ort Cacilhas gehört, fragte im Verteidigungsministerium, der für alle Leuchttürme des Landes zuständig ist, nach, ob der Leuchtturm wieder zurück nach Cacilhas kommen könne.
Die Anfrage wurde positiv beantwortet, und so kommt es, dass nach einer 4jährigen Restaurierungsarbeit der Leuchtturm wieder nach Cacilhas gebracht wurde.
Dort wird er jetzt wieder zusammengebaut, und nächsten Monat soll er feierlich eingeweiht werden. Er muss nur noch seine original grüne Farbe erhalten.

Dann können die Menschen, die in Cacilhas mit der Fähre anlegen, nicht nur auf der rechten Seite vom Anlegeplatz, das Restaurant mit dem Namen Leuchtturm sehen, sondern sie können wieder, wie zu vergangener Zeit, wenn sie nach links schauen, dann auch den Originalleuchtturm sehen und bewundern.

Wenn der Leuchtturm eingeweiht wird, werde ich es Euch mit einem post in diesem Blog wissen lassen.