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Mittwoch, 11. Juni 2014

Mit Übergepäck zur WM nach Brasilien


Wir schreiben den 22. April 1500, da entdeckte der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral, wohl eher zufällig, Brasilien und nahm das Land für die portugiesische Krone in Besitz.
Heute, 514 Jahren nach dieser bedeutsamen Entdeckung, landete ein Flugzeug mit 23 jungen Männern in der Stadt Campinas, im brasilianischen Bundesstaat São Paulo, deren Aufgabe es in den nächsten Wochen sein wird, Brasilien noch einmal zu erobern – diesmal bitte im Fußball!

Cristiano Ronaldo und seine Mannschaftskollegen reisen aber selbstverständlich nicht alleine zur Fußballweltmeisterschaft nach Brasilien.
Die Seleção (port.:Portugiesische Fußballnationalmannschaft) wird natürlich von ihrem Trainer Paulo Bento begleitet, von einem Trainerstab, verschiedenen Mannschaftsärzten, einem Koch und noch dem einen oder anderen Mitglied des Portugiesischen Fußballbundes FPF (port.: Federação Portuguesa de Futebol).
Und natürlich haben sie alle Gepäck dabei – viel Gepäck!

Wie viel, das hat jetzt der hiesige Fußballbund nach Anfrage der portugiesischen Medien gestern in einer Presseerklärung mitgeteilt.
Ich fand diese Auflistung des FPF teilweise so kurios, dass ich sie hier gerne übersetzt wiedergeben möchte.

Hier also eine kleine Auflistung der Dinge, die die Portugiesische Nationalmannschaft, unter anderem, an Sportequipment, Bekleidung, Medizin und Lebensmittel nach Brasilien mitnimmt:

- 1000 Spielertrikots der Seleção
- 100 Spielershorts der Seleção
- 140 Paar Spielerstrümpfe
- 160 Torwarttrikots der Seleção
- 30 Torwartshorts der Seleção
- 30 Paar Torwartstrümpfe
- 60 Sakkos für die Spieler der Seleção
- 150 Trainingsanzüge
- 400 Polohemden
- 200 Sweatshirts
- 200 T-Shirts
- 100 Paar Trainingstrümpfe
- 200 Shorts fürs Training
- 200 Ausgehshorts
- 200 Handtücher
- 100 Regenjacken
- 60 Regenhosen
- 100 Trainingswesten
- 70 Winterjacken
- 100 Lycrahemden
- 60 Lycrahosen (Radlerhosen)
- 100 Flip-Flops
- 90 Paar Fußballschuhe
- 300 Paar Ausgehstrümpfe
- 2 Textildruckmaschinen
- 40 Fußbälle
- 15 Hürden um Freistöße zu trainieren
- 100 Kegel (Hütchen)
- 20 Stangen
- 30 Dehngymnastikmatten
- 30 kleine Hürden
- 4 Dummies zum Torwarttraining
- 2 Drucker
- 2 Kisten mit Büromaterial
- 1 Kiste mit Presseakkreditierungen
- 1 Kiste mit Druckertoner
- 2 Kisten mit Kaffeemaschinen, Kaffeepads, Zucker und Becher
- 7 Koffer mit verschiedenem Verbandmaterial
- 1 Notfall- und Erste-Hilfe-Koffer
- 1 Ultraschallgerät
- 4 Krankentragen
- 7 Transportwägelchen
- 23 Koffer mit verschiedenen Medikamenten
- 200 kg Stockfisch (port.: bacalhau)
- 35 kg Hartwurst (port.: chouriço)
- 12 kg Weichwurst
- 36 Packungen Nudeln
- 20 kg Graupen
- 12 kg Rote Bohnen
- 2 ganze Schinken
- 60 kg Reis
- 48 Flaschen Olivenöl
- 12 Flaschen Rot- und Weißweinessig
- 12 kg Marmelade
- 12 kg Schafsmilchkäse von der Serra da Estrela
- 6 kg Kuhmilchkäse von der Insel São Jorge
- 12 Kugeln Azorenkäse
- 10 kg geräucherte Schweineohren
- 10 kg geräucherter Schweineschinken
- 3 l  frischer Honig
- 80 kg gefrorener Krake

Ebenso mit nach Brasilien wurden 48 Flaschen zehn Jahre alten edlen Tawny Portweines genommen!
Diese aber, so teilte der Portugiesische Fußballbund vorsichtshalber schon einmal mit, seien nicht zur Eigenverköstigung, sondern ausschließlich als Gastgeschenke gedacht!

Soll bloß hinterher keiner behaupten, Portugal wäre nicht Weltmeister geworden weil Alkohol mit im Spiel war!...

Sonntag, 5. Januar 2014

In memoriam: Eusébio da Silva Ferreira


Es gibt Meldungen, die hört man, und die glaubt man zuerst nicht.
Todesnachrichten sind z.B. solche Meldungen!
Zwar gehört der Tod zu unserem Alltag, auch wenn viele es nicht begreifen können, und natürlich muss man immer mit dem Tod rechnen, ob wir wollen oder nicht, aber Tatsache ist, das das Ableben eines Menschen uns oftmals „überrascht“ und „überfällt“.

Als ich heute Morgen aufwachte und den Fernseher anmachte wurde ich von solch einer Todesmeldung überrascht, und ja, auch regelrecht überfallen.
Während ich mir einen Kaffee machte, hörte ich wie die Nachrichtensprecherin im Hintergrund so was wie „Eusébio – tot – Trauer“ von sich gab.
Da ich gestern erst recht spät aus Deutschland zurückgekommen bin, und da ich von Natur aus, nicht gerade ein Frühaufsteher bin, ich also noch etwas verschlafen war, musste ich erst einmal mental verarbeiten, was die Dame von der Nachrichtensendung da gerade gesagt hatte.
Und erst nach einer Weile begriff ich, das Eusébio, die Fußballlegende Eusébio, in den frühen Morgenstunden des heutigen 05. Januar 2014 an einem Herzstillstand verstorben ist.

Eusébio da Silva Ferreira, wie das Fußballidol mit vollem Namen hieß, wurde um den 25. Januar 1942 herum, in der Hauptstadt der ehemaligen portugiesischen Überseeprovinz Moçambique, in Lourenço Marques, dem heutigen Maputo, geboren.
Sein exakter Geburtstag kann nicht angegeben werden, da die portugiesischen Kolonialverwaltungen es damals, im Gegensatz zu den deutschen Kolonialregierungen, mit einer genauen Erfassung der Geburten und Todesfällen im Einzelnen nicht so genau nahm.
Da aber Eusébio selber immer am 25. Januar seinen Geburtstag feierte, gilt dieser Tag offiziell auch als sein Geburtstag.

Eusébio war das vierte Kind des weißen Bahnarbeiters Laurindo António da Silva Ferreira und dessen farbiger Ehefrau Anissabeni Elisa.
Insgesamt hatte das Paar, das in sehr ärmlichen Verhältnissen lebte, neun Kinder.

Seine sportliche Laufbahn begann Eusébio 1957, als er als 15jähriger dem Fußballclub Sporting Club Lourenço Marques beitrat.
In diesem Verein wurde ihm, dem Naturtalent der als kleines Kind oftmals die Schule geschwänzt hatte um Fußball spielen zu gehen, der letzte Schliff gegeben – und zwar so erfolgreich, das er, obwohl er eigentlich in der Jugendmannschaft spielte, ab und zu auch bei den Senioren eingesetzt wurde!

1960 wurde Benfica Lissabon auf den talentierten jungen Spieler aufmerksam und nahm ihn 1961 unter Vertrag.
Und so kam es, dass der Junge aus dem Elendsviertel von Lourenço Marques nach Portugal kam.
Hier begann seine unvergleichliche sportliche Karriere.
Mit seinem Verein Benfica Lissabon wurde er zehn Mal portugiesischer Fußballmeister, fünf Mal Pokalsieger und einmal Europapokalsieger der Landesmeister.
Insgesamt lief er in 15 Jahren 440 Mal für Benfica Lissabon auf und schoss 474 Tore – das ist bis heute Rekord!
Benfica dankte es ihm später mit der Errichtung einer zwei Meter hohen Bronzestatue vor dem riesigen Estadio da Luz.

Zehn Mal war Eusébio Torschützenkönig der portugiesischen Liga.
64 Mal zog er das Trikot der portugiesischen „Seleção“ an und erzielte 41 Länderspieltore.
Bei der Fußballweltmeisterschaft 1966 in England, wo er Torschützenkönig wurde, schoss er mit seinen neun Toren Portugal auf den dritten Platz, hinter England und Deutschland.
Hier in England verpasste der englische Sportjournalist Desmond Hackett Eusébio, wegen seiner geschmeidigen, raubkatzenartigen Spielweise, den Beinamen „Black panther“ (port.: „Pantera negra“ / „Schwarzer Panther“), einen Beinamen den Eusébio fortan mit Stolz trug.
Er war vor allem für seine Schnelligkeit auf dem Platz, für seine psychische und physische Stärke und seinen starken und fast immer treffsicheren Schuss bekannt.
1965 wurde Eusébio Europas Fußballer des Jahres.

1975 beendete Eusébio seine Zeit bei Benfica.
Von Benfica Lissabon wechselte er in die nordamerikanische Liga NASL (engl.: North American Soccer Leage) und spielte dort bei verschiedenen Clubs, wie den Boston Minutemen und den Toronto Metros-Croatia.
1979 beendete Eusébio, aufgrund chronischer Kniebeschwerden seine spielerische Kariere, blieb aber dem Fußball, u. a. durch die Nachwuchsförderung bei Benfica Lissabon, immer verbunden.

Mit dem Tod Eusébios hat Portugal heute eines seiner größten Sportidole verloren.
Er, und nicht etwa der Weltstar Cristiano Ronaldo – ohne dessen Leistungen schmälern zu wollen – ist Portugals größter Sportheld!
Welchen Stellenwert Eusébio hier in Portugal auch knapp 35 Jahre nach Beendung seiner Profikarriere immer noch besitzt, zeigt sich unter anderem daran, dass die Regierung heute eine dreitägige nationale Staatstrauer ausgerufen hat.

Eusébio war schon zu Lebzeiten eine Legende, eine Legende, die galaktischen Fußball spielte und die keinerlei Starallüren besaß.
Und das hat man leider sehr, sehr selten!

Samstag, 23. November 2013

Ich werde (vielleicht) nie wieder Pepsi trinken




Wie ich in meinem vorhergehenden Blogeintrag „El Comandante siegt gegen selbsternannten Gott“ beschrieben habe, hatte es die portugiesische Fußballnationalmannschaft vor ihrem WM-Playoff-Rückspiel gegen die schwedische Nationalelf am 19. November 2013 alles andere als einfach.
Die Portugiesen mussten in Solna, unweit von Stockholm (port.: Estocolmo), nicht nur in einem Stadion voller heimischer Fußballfans gegen eine motivierte schwedische Mannschaft antreten, sondern sie mussten auch gegen die verschiedensten Aktionen und Kampagnen der schwedischen Presse und Medien ankämpfen.

Eine dieser zweifelhaften Aktionen war eine polemische Werbekampagne des Brauseherstellers Pepsi in Schweden (port.: Suécia).
Der hatte nämlich mehrere Plakate publiziert, auf dem eine Voodoo-Puppe mit einem Portugaltrikot mit der Nummer 7 (die Rückennummer von Cristiano Ronaldo) zu sehen war.
Auf einem dieser Plakate war die Voodoo-Puppe gefesselt, auf einem Bahngleis liegend, dargestellt.
Ein anderes Plakat zeigte die Puppe von hunderten Nadeln durchspickt.
Und auf einer dritten Anzeige sah man, wie die Voodoo-Puppe von einer Pepsi-Getränkedose symbolisch erschlagen wurde.

Das fand man hier in Portugal überhaupt nicht witzig!

Vielleicht waren sich ja die Werbestrategen von Pepsi, als sie diese PR-Aktion lostraten, nicht darüber im Klaren, dass sie auch im Süden Europas ihre Brause vertreiben…
Wie dem auch sei: seit seiner geschmacklosen Kampagne wird der Brausehersteller hier in Portugal mit wütenden Protesten und mehreren Gegenaktionen konfrontiert.

So wird hierzulande auf verschiedenen sozialen Seiten im Internet, ziemlich erfolgreich wie es scheint, zu einem Boykott von Pepsi-Cola aufgerufen.
Zahlreiche Cafés, Restaurants und Bars haben Pepsi freiwillig aus ihren Kühlschränken und Regalen genommen.
An verschiedenen Orten des Landes wurden schon mutwillig Pepsi-Plakate, Pepsi-Werbesäulen und Pepsi-Getränkeautomaten beschmiert und vandalisiert.
Selbst die portugiesische Fluggesellschaft TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses) hat dieser Tage in Erwägung gezogen Pepsi, der einer ihrer offiziellen Lieferanten ist, aus ihren Flugzeugen zu verbannen. In einem am Mittwoch veröffentlichen Kommentar bezeichnet die TAP die Kampagne von Pepsi sogar als „groben Hooliganismus“ (port.: hooliganismo grosseiro“).

Angesichts solch heftiger Reaktionen, hat sich nun Pepsi bei Cristiano Ronaldo und den portugiesischen Fans in aller Form mit einem kurzen Statement auf ihrer facebook-Seite für die unglückliche PR-Aktion entschuldigt:

„Nunca quisemos dar ao desporto ou ao espírito de competição uma conotação negativa. Pedimos desculpa a todos aqueles que se sentiram ofendidos pelos posts – estes foram imediatamente retirados.“

(dt.: „Wir wollten niemals den Sport oder den Wettbewerbsgedanken in ein negatives Licht rücken. Wir entschuldigen uns, sollte sich jemand von den Beiträgen angegriffen gefühlt haben – wir haben diese augenblicklich entfernt.“)

Der Haken an der ganzen Sache ist nur:
Die Entschuldigung wurde nur auf der portugiesischen Seite von Pepsi und nicht etwa auf der offiziellen Seite des Weltunternehmens publiziert – und das ist für portugiesische Gemüter anscheinend zu wenig!

So gehen die Proteste hierzulande weiter.
Die eigens vor drei Tagen gegründeten facebook-Seite „Nunca mais vou beber Pepsi“ (dt.: „Ich werde nie wieder Pepsi trinken“) zählt heute Mittag schon über 187.000 Anhänger – und es werden immer mehr.

Aber, die Gemüter werden sich hier in Portugal in ein paar Wochen wieder beruhigen. Schließlich sind wir Portugiesen dafür bekannt nicht sehr nachtragend zu sein.
Für einen Konzern wie Pepsi wird der kleine Absatzverlust, den sie hier in Portugal wohl in nächster Zeit haben werden, leicht zu verschmerzen sein. Die Verantwortlichen wissen nämlich genau, dass hier in Portugal der Konkurrent Coca Cola die Nase vorne hat!

In wieweit Pepsi aber für seine unglückselige PR-Kampagne weltweit bezahlen wird, wird sich in der Zukunft zeigen.
Schließlich hat Cristiano Ronaldo überall auf der Welt seine Fans und auch sein Fußballverein Real Madrid hat überall auf dem Globus seine Anhänger.

Was mich betrifft, so muss ich ehrlich gestehen, dass ich nicht so gerne Pepsi trinke, genauso wie ich auch nicht so gerne Coca Cola trinke. Mir ist das ganze Zeug einfach zu pappig-süß!
So kann ich also, für meine Person, ruhigen Gewissens sagen:

„Ich werde (vielleicht) nie wieder Pepsi trinken!“


Dienstag, 19. November 2013

El Comandante siegt gegen selbsternannten Gott


Schweden (port.: Suécia) hat heute Abend alles, aber auch wirklich alles versucht, die portugiesische „Seleção“ im neuen Fußballstadion von Solna, nahe Stockholm (port.: Estocolmo), aus dem Konzept zu bringen.

So empfing z.B. eine Musikkapelle die portugiesische Elf bei ihrer Ankunft in Solna, wo heute Abend das Playoff-Rückspiel zwischen Portugal und Schweden stattfand, mit dem Kinderlied „Hier kommt Pippi Langstrumpf“ (port.: „Aqui vem Pippi das Meias Altas“ / swe.: „Här kommer Pippi Langstrump“).
Nur zwei Stunden vor dem Anpfiff ließen die schwedischen Verantwortlichen, das schließbare Schiebedach der „Friends Arena“ öffnen, um die Temperatur im Stadion zu kühlen, in der Hoffnung, die Portugiesen kämen mit den niedrigen Temperaturen, die es ja um diese Jahreszeit in Nordeuropa gibt, nicht zurecht.
Dann pfiffen die schwedischen Stadionbesucher, vor dem Anstoß, die portugiesische Nationalhymne regelrecht nieder.
Und während des ganzen Spiels schrieen dann tausende nordische Kehlen unaufhörlich im Chor laut nach „Messi“.

Das alles hat ihnen nichts genutzt!

Cristiano Ronaldo, der noch vor kurzer Zeit von Sepp Blatter so lächerlich als „El Comandante“ karikaturiert wurde, hat sich gegen das Großmaul Zlatan Ibrahimovic durchgesetzt.
Portugal hat heute 3:2 gegen Schweden gewonnen; alle drei Tore von Cristiano Ronaldo!

Somit nimmt Portugal nächstes Jahr an der Fußball-WM 2014 in Brasilien teil!

Ibrahimovic, der sich heute selbst tatsächlich als „Gott“ tituliert hat, hat vor dem Spiel vollmundig gemeint:
„Die WM braucht mich mehr als Ronaldo!“

Heute ist im schwedischen Solna bewiesen worden:
Auch Götter können sich irren!…

Freitag, 3. August 2012

Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen



Während ich diese Zeilen hier schreibe, sitzt der portugiesische Musiker João Martins im Stadtgefängnis von Angra do Heroismo ein.
Sein Vergehen:
João Martins hat in seiner kleinen Bar, die er auf der Azoreninsel Terceira betreibt, die Raubkopie einer CD abgespielt.

Bei einer Bar, genauso wie bei einem Restaurant, einem Kino oder einem Schwimmbad, handelt es sich, im juristischen Sinne, immer um einen öffentlichen Platz.
Da das Abspielen von Raubkopien in der Öffentlichkeit aber aus urheberrechtlichen Gründen verboten ist und der Musiker so gegen das Recht auf geistiges Eigentum verstoßen hat, wurde er, zu Recht, zu einer Geldstrafe verurteilt.
João Martins hat sich aber geweigert diese Geldstrafe zu bezahlen, und musste daher nun für 30 Tage hinter Gitter.

Der Musiker hat, laut Gesetzbuch, zweifelsohne gegen geltendes Recht verstoßen und so meinten daher wohl die Richter ihm eine angemessene und gerechte Strafe auferlegen zu müssen, und sei es nur, um an ihm ein Exempel zu statuieren.
Aber, so frage ich mich und fragen sich viele andere Portugiesen auch:
wo bleibt die angemessene und gerechte Strafe für all die Persönlichkeiten, die den portugiesischen Staat immer und immer wieder im großen Stil betrogen und bestohlen haben?

Ich denke dabei vor allen Dingen an die zwei markantesten Fälle der letzten Jahre, nämlich an Fátima Felgueiras, die ehemalige Bürgermeisterin von Felgueiras, und an Isaltino Morais, den noch im Amt befindlichen Stadtoberhaupt von Oeiras, die beide nachweislich Bestechungen, Geldwäsche, Steuerhinterziehungen und Amtsmissbrauch im großen Stil begangen haben und dafür noch nicht einmal richtig bestraft wurden.

Ich Frage mich weiterhin:
ist es akzeptabel, das das Abspielen einer Raubkopie oder das unerlaubte downloaden von urheberrechtlich geschützten Werken im Internet wirklich strafrechtlich höher zu bewerten ist als das unterschlagen und stehlen von Millionen von Steuergeldern?

Wo kommen wir denn da hin?
Werden Morgen etwa Kleinkinder in Erziehungsbootcamps gesteckt, nur weil sie, ohne die Zustimmung der jeweiligen Komponisten und Autoren, Kinderlieder gesungen haben?
Werden demnächst ältere Frauen, die auf einer Parkbank zusammensitzen und häkeln, festgenommen nur weil sie eine mögliche Gefahr für die portugiesische Textilindustrie darstellen?
Oder werden gar bald die vielen jungen Kicker dazu verdonnert, an Cristiano Ronaldo und Luis Figo, nur weil sie deren Trikots tragen und ihre Fußballtricks auf dem Platz nachahmen, Tantiemen zu zahlen?

Lächerlich, einfach nur lächerlich!

Donnerstag, 2. Februar 2012

„Ai se eu te pego“ – Fadoversion


Als im Oktober 2011 der für Real Madrid spielende Cristiano Ronaldo auf dem Fußballplatz anfing, nach jedem seiner erzielten Tore, einen speziellen Siegestanz zu vollführen, war das ein Hingucker.
Die originellen Tanzbewegungen hatte sich der weltberühmte Fußballer bei dem brasilianischen Sänger und Latinlover Michel Teló abgeschaut.
Der hatte im Sommer mit seinem Lied „Ai se eu te pego“ (dt.: „Ach, wenn ich dich kriege“) in Brasilien die Charts und die Tanzflächen erobert und für Wochen den Ersten Platz belegt.

Dank Cristiano Ronaldo verbreiteten sich dann die Tanzbewegungen zuerst auf den Fußballplätzen Spaniens, Portugals und Italiens aus und dann eroberten die verschiedensten Versionen des Liedes ganz Europa, darunter auch Deutschland.

Nun haben drei junge Lissabonner eine ganz besondere Version des Liedes von Michel Teló erschaffen.
Zusammen kreierten die drei Jungs, nur mit einer normalen akustischen Gitarre, einer Portugiesischen Gitarre, einer erstklassigen Gesangsstimme und mit viel Talent und Hingabe, eine Fadoversion von „Ai se eu te pego“.

Über 125.000 Menschen haben sich schon diese besondere Fassung des Liedes von Michel Teló angeschaut und angehört,
Viele meinen sogar die Lissabonner Fadoversion wäre besser als das Original, wobei dies sicherlich eine Sache des Geschmacks ist.

Fakt ist:
„Ai se eu te pego in Fadoversion ist einfach genial!

Unter folgendem link kann man sich diese besondere Version anhören und runterladen:

http://www.youtube.com/watch?v=9rB7pB-bksI

Dienstag, 15. Juni 2010

Nerventötende Vuvuzelas


Als sich vor Tagen Portugals Fußballstar Cristiano Ronaldo, bei einer Pressekonferenz in Magaliesburg, über die südafrikanischen Traditions-Tröten, die Vuvuzelas, erbost ausließ, und meinte ein Spielen bei dem höllischen Lärm dieser Tröten wäre fast unmöglich, hielt ich das zuerst für „Starallüren“ eines verwöhnten Fußballers, der es gewohnt ist, das alle nach seiner Pfeife tanzen, und nicht er nach den Tönen der Vuvuzelas.

Als ich aber vorgestern im Fernsehen, das WM-Spiel Deutschland gegen Australien sah, welches in Durban stattfand und von den Deutschen mit 4 : 0 gewonnen wurde, und heute das Spiel Portugal gegen die Elfenbeinküste, das mit einem entmutigendem 0 : 0 in Port Elizabeth endete, so konnte ich dies nur tun, in dem ich die Lautsstärke des Fernsehers etwas höher stellte als normal.
Denn sonst wären die Kommentatoren der Spiele, überhaupt nicht zu verstehen gewesen.
Die Vuvuzelas übertönten jeden Kommentar, jedes einzelne Wort.
Eigentlich war außer diesem ständigen Tröten so gut wie nichts zu hören und ich muss auch zugeben das das Tröten der Vuvuzelas so durchdringend war, das ich diese Dauerbeschallung auch jetzt, eine Stunde nach dem Portugalspiel, mental gar nicht ignorieren kann.

Und so muss ich ehrlich zugeben, dass wenn ich, als Zuschauer, Schwierigkeiten habe den Kommentaren eines Fußballspieles zu folgen, weil tausende Tröten eine unangenehme Geräuschkulisse schaffen, um wie viel schwerer müssen es da die Spieler auf dem Platz haben, die sich dann ja nicht untereinander verständigen können oder gar den Schiedsrichter nicht hören oder den Trainer?

Laut den Südafrikanern sind die Plastiktröten ein Teil der afrikanischen Fußballkultur, was auch immer sie darunter verstehen mögen.
Nun wir hier in Europa haben die Fan-Gesänge und die La Ola-Welle.
Während aber die Gesänge und die Welle dem jeweiligen Spiel eher Dynamik und positive Impulse geben, überdecken die Vuvuzelas jede spontane, akustische Emotion einer Partie.

Wir werden uns wohl oder übel, falls die Vuvuzelas nicht in den Stadien verboten werden, die nächsten vier Wochen an „90 Minuten-Tröten“ bei jedem Fußballweltmeisterschaftsspiel gewöhnen müssen.

Aber so gesehen, haben Cristiano Ronaldo und die anderen jetzt schon eine Ausrede parat, wenn sie vorzeitig aus dem Turnier ausscheiden.
Sie können es jederzeit auf die Vuvuzelas, die nerventötenden Vuvuzelas, schieben!

Dienstag, 21. Juli 2009

Santo Michael


Michael Jackson ist nun schon seit drei Wochen Tod.
Und noch immer wird in den Medien unaufhörlich über ihn berichtet. Hier in Portugal, so glaube ich, sogar etwas mehr als in Deutschland. Jedenfalls kommt es mir so vor.

Ich mochte den Sänger Michael Jackson nicht.
Als Menschen kannte ich ihn ja nicht. Ich weiß nicht, ob er wirklich der Kinderschänder war, wie so oft behauptet wird. Da steht mir ein Urteil nicht zu. Ich weiß nur, er selber hatte wohl keine Kindheit.
Ich habe mir nie eine LP von Michael Jackson gekauft oder mir eine CD von ihm gebrannt. Es gibt vielleicht überhaupt nur zwei oder drei Lieder von ihm, die mir wirklich gefallen und die ich mir gerne anhöre.

Daher verstehe ich teilweise diese weltweite Hysterie nicht und kann sie auch nicht nachvollziehen.
Hier in Lissabon wurde für Michael Jackson sogar, unweit der amerikanischen Botschaft, ein kleiner „Schrein“ aufgestellt, wo Fans sich an einer Wand der Botschaftsmauer mit Bildern und Widmungen verewigen können.
Sogar Kerzen haben sie angezündet und ihm aufgestellt.

Mir persönlich, kommt so eine „Verehrung“ den Huldigungen gleich, die manche religiöse Fanatiker im Walfahrtsort Fátima an den Tag legen, wenn sie die Jungfrau verehren.
Fehlt nur noch, dass diese Fans auf Knien rumrutschen und zu ihrem Heiligen Michael beten.

Obwohl, so weit ist das gar nicht hergeholt.
Die einen huldigen den seit Generationen heilig gesprochenen Söhnen und Töchtern der Kirche, und die anderen machen sich einfach ihre Heiligen selber.
Gestern ein Freddy Mercury, heute ein Michael Jackson.
Und wer weiß, morgen vielleicht eine Paris Hilton nebst einem Cristiano Ronaldo.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Ein Fußballgott erobert Madrid


Von zwei Giganten wurde gestern medial weltweit berichtet.

Der eine war der „King of Pop“, hieß Michael Jackson, und von ihm nahm die ganze Welt, in einer bewegenden und überraschenderweise nicht kitschigen Trauerfeier, im amerikanischen Los Angeles, abschied.

Der andere heißt Cristiano Ronaldo, ist Weltfußballer, und wurde im spanischen Madrid, im Santiago-Bernabéu-Stadion einer grölenden Menge, als neuer Spieler für die Mannschaft von Real Madrid, vorgestellt.

Von dem einen nahm die Welt in Kalifornien abschied, als ob es Morgen keine Musik mehr gäbe, und der andere wurde in Madrid empfangen als sei er der Messias. Wie der Erlöser, der Real Madrid von der jahrelangen Barcelona-Übermacht befreien soll.

Das war schon eine bombastische Show, die sich unsere spanischen Nachbarn da für unseren Cristiano haben einfallen lassen. Ich muss gestehen, dass ich mir diese Show angeschaut habe. Schließlich lief sie zur besten Nachrichtensendezeit, und mir blieb nichts anderes übrig.

Zu den Klängen von „Nessun Dorma“ betratt Cristiano Ronaldo das Stadion und mit dem „Radetzky-Marsch“ verließ er denselbigen, nach gut einer halben Stunde.
Dazwischen eroberte der Fußballgott Madrid, indem er ein bisschen mit einem Ball rumkickte, sich mit seinem Hemd mit der Nummer 9 zeigte, ein paar Autogramme gab und eine, aus fünf Sätzen bestehende, Rede hielt!

Angeblich soll er 94 Millionen, manche meinen auch 100 Millionen, andere reden sogar von 120 Millionen Euro erhalten haben, um für Real Madrid zu spielen. Egal wie viel es auch immer gewesen sein mag: für ihn hat es sich auf alle Fälle gelohnt.
Natürlich gibt es jetzt Moralapostel (und hier in Portugal gibt es eine Menge Moralapostel!) die meinen, das wären Summen die völlig an der Realität vorbei gehen würden, und diese Summen wären nicht mit der Krise vereinbar, die wir im Augenblick weltweit haben.

Nun scheint es aber im bezahlten Profifußball keine Krise zu geben, und seien wir doch einmal ehrlich:
wenn einer uns so viel Geld anbieten würde, für ein bisschen Rumkicken, wer von uns würde so ein Angebot nicht annehmen?

Also bitte, liebe Moralapostel, erspart uns eure Heucheleien.
Kann man es einem Cristiano Ronaldo verübeln für so viel Geld, für solch eine Traumsumme, nach Madrid zu wechseln? Natürlich nicht!

Viel bedeutender als die exorbitante Summe, die Cristiano Ronaldo erhalten hat, finde ich aber die Tatsache, welchen Jubel man ihm heute entgegengebracht hat.

Noch nie in der Geschichte hat ein Portugiese in Spanien so viel Zustimmung und Sympathiebekundungen erhalten, wie heute Cristiano Ronaldo.
Und das ist, so finde ich, zweifellos die Nachricht des Tages:

Das nämlich ein 24jähriger Kicker, aus einem Armenviertel Madeiras, dessen Vater Frührentner war und seine Mutter Putzfrau, es schafft abertausende Spanier zu solchen Euphorieausbrüchen zu bringen und das er eine Fußballmannschaft findet, die bereit ist, ihm solch ein Gehalt zu zahlen!

„Ich bin mein Geld wert“ („Eu valo todo o dinheiro“) hat Cristiano vor Tagen in einem Interview der RTP gesagt.
Man möchte es ihm fast glauben!
Aber ich möchte nicht wissen, was ihm blüht, wenn er in Madrid versagt…

Freitag, 12. Juni 2009

Über Sinn und Nutzen einer Wiederwahl



Heute, wenige Tage nach der Wahl zum Europaparlament, haben verschiedene online-Tageszeitungen die ich gelesen habe, über eine mögliche Wiederwahl von Manuel Durão Barroso als Präsident der Europäischen Kommission geschrieben.

Die FAZ widmet diesem Thema ein eigenes Link, indem sie sich positiv über eine Wiederwahl des „Portugiesen“, wie sie ihn nennen, äußert.
Und in der spanischen Tageszeitung El Pais, sagt die französische Sozialistin Martine Aubry in einem Interview, lieber unterstütze sie einen iberischen Konservativen, als einen von Berlusconis Gnaden ausgesuchten Rechten.

Manuel Durão Barroso hat für eine Wiederwahl die Unterstützung aller konservativen und liberalen Regierungen in Europa, auch die der deutschen.
Außerdem kann er mit der Unterstützung drei sozialdemokratischer Regierungen rechnen. Nämlich mit der portugiesischen Regierung von Socatres, der spanischen Regierung von Zapatero und der britischen Regierung von Gordon Brown (falls der noch im Amt sein sollte, wenn ich diese Zeilen zu Ende geschrieben habe, denn es sieht schlecht um die politische Zukunft von Mr. Brown aus). Somit scheint einer Wiederwahl von Durão Barroso nichts im Wege zu stehen.

Nur hier in Portugal ist eine Diskussion von den Sozialisten losgetreten worden (die die Schlappe bei der Europawahl immer noch nicht verdaut haben), über den Sinn und den Nutzen einer Wiederwahl Barrosos, und was diese Wiederwahl Portugal bringen könne.

Nun, und hier tue ich nun meine höchstpersönliche Meinung kund, Portugal hat meiner Meinung nach weder Vorteile noch Nachteile, wenn Durão Barroso als Kommissionspräsident wiedergewählt werden sollte. Und so soll es auch sein!

Als Präsident der Europäischen Kommission ist ihm absolute Neutralität vorgeschrieben. Er soll und muss Portugal weiterhin so behandeln wie jedes andere Mitglied der Europäischen Union auch. Und fairer Weise muss man auch sagen, das er in seiner ersten Amtszeit dies ohne Wenn und Aber, auch getan hat.
Ansonsten hätte er wahrscheinlich auch nicht die Unterstützung von so vielen europäischen Regierungen.

Aber um die Frage der frustrierten Sozialisten (ach wie gerne würde ich so manchem Politiker persönlich meine Meinung sagen!) zu beantworten:
Der Sinn einer Wiederwahl von Durão Barroso ist es, das Bild eines modernen Portugals ins benachbarte Europa hinauszutragen, so wie es ein Cristiano Ronaldo oder ein José Mourinho auch tun.

Selbst wenn im Enddefekt für Portugal kein Vorteil dabei rausspringt!