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Samstag, 22. August 2015

Portugal, das Land in dem Wasser gepredigt und Wein getrunken wird


Wie das portugiesische Weininstitut (port.: Instituto da Vinha e do Vinho), das dem hiesigen Landwirtschaftsministerium untersteht, diese Woche verlautbaren ließ, erwarten nationale Winzer dieses Jahr eine Ernte von ca. 670 Millionen Liter Weine bester Qualität.
Im Verhältnis zum Vorjahr, wo 620 Millionen Liter Spitzenweine produziert wurden, wäre das eine Steigerung von immerhin 8%!
Nicht mitgerechnet sind hier die unzähligen Tafelweine die hierzulande angebaut werden.

Bis auf die Weinanbauregion Setúbal werden alle portugiesischen Weinanbaugebiete dieses Jahr eine signifikante Produktionssteigerung haben.
Für die Weinanbauregionen Douro, Porto und Dão wird für 2015 sogar mit einem Produktionsüberschuss von 20% gerechnet.
Insgesamt wird in Portugal auf einer Fläche von 240.000 Hektar – die siebtgrößte Weinanbaufläche der Welt – Rebensaft angebaut.

Nach einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO (port.: Organização Mundial da Saúde) trinken Italiener 50 Liter, Franzosen 53 Liter und Portugiesen 55 Liter Wein pro Kopf und Jahr.
Damit sind Portugals Bürger Europas größte Weinkonsumenten.

Wein hat in Portugal schon immer einen hohen kulturellen und wirtschaftlichen Stellungswert gehabt.
Es ist archäologisch erwiesen, das bereits in der Bronzezeit die Menschen, die das heutige Portugal besiedelten, Getränke aus Weintrauben herstellten.
Richtig kultiviert und angebaut wurde Wein dann aber erst seit der Römerzeit in Portugal. Es waren die alten Römer, die die Weinkultur hierzulande etablierten.
Im 12. Jahrhundert, unter König D. Dinis der im Volksmund „o Lavrador“ (dt.: der Bauer) genannt wurde, wurde der Weinanbau sehr gefördert und Wein zu einem wahren portugiesischen Exportschlager der damaligen Zeit.
Jahrhunderte später, als die englische Krone hohe Zölle über importierte französische Weine verhängte, wurde Portugal Englands größter Weinlieferant.
Im Jahre 1756 ließ der absolutistisch regierende Premierminister Marques de Pombal das Weinanbaugebiet am oberen Flusslauf des Douro (port.: Alto Douro) mit Marksteinen begrenzen und machte die Region zum weltweit ersten herkunftsgeschützten Weinanbaugebiet der Welt.
Während der Diktatur von António de Oliveira Salazars im 20. Jahrhundert war die portugiesische Weinproduktion weltweit verhältnismäßig unbedeutend.
Erst mit dem Eintritt Portugals in die EU begann der portugiesische Weinanbau wieder zu florieren und ist heute verantwortlich für eines der wichtigsten Exportgüter Portugals.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Ich habe den Besuch sehr genossen, aber nichts Bemerkenswertes vorgefunden


In irgendeiner portugiesischen Tageszeitung – ich glaube es war im „Publico“ – las ich, das Charles Darwin, der berühmte britische Naturforscher, heute seinen 205. Geburtstag feiert – oder besser, er würde ihn feiern, wenn er noch leben würde.
Darwin ist überall auf der Welt, und natürlich auch hier in Portugal, als Zoologe, Geologe, Naturwissenschaftler und vor allem als Evolutionstheoretiker bekannt und anerkannt.
Aber nur wenige wissen, dass Charles Darwin einmal auch hier in Portugal, besser gesagt auf den Azoren, sein Glück als Naturforscher versucht hat.

Es war am 20. September 1836, Darwin kehrte damals von einer fünfjährigen Forschungsweltreise zurück die er 1831 begonnen hatte, als der berühmte Wissenschaftler als Passagier der HMS Beagle, einem Vermessungsschiff der Royal Navy, auf der Azoreninsel Terceira ankam.

Er verbrachte nur vier Tage auf Terceira und sein Urteil über die Flora und Fauna der Insel war hinterher, gelinde gesagt, ernüchternd.
Er versuchte zwar in der kurzen Zeit die er auf der Insel war, einpaar endemische Pflanzen, Insekten und Vögel zu finden, aber ohne Erfolg.
Und so schrieb er später in einem Brief an einen Freund über seinen Besuch auf Terceira die resignierenden Worte:

„Ich habe den Besuch sehr genossen, aber nichts Bemerkenswertes vorgefunden“
(engl.: „I enjoyed the visit, but I don’t found nothing noteworthy“)
(port.: „Gostei muito da visita, mas não encontrei nada digno de registo“)

Um es ganz klar zu sagen:
Charles Darwin fand die Insel Terceira einfach nur langweilig!
Er fand den Azorenarchipel so nichts sagend, das er, als die HMS Beagle am 24. September 1836 die Segeln setzte und in Richtung der Azoreninsel São Miguel fuhr, er Kapitän Robert Fitzroy antrieb, die Reise ins heimatliche England so schnell wie möglich fortzusetzen.

Auf den ersten Blick hatten die Azoreninseln dem verwöhnten Forscher, der durch die ganze Welt gesegelt war, damals wohl einfach nichts zu bieten.
Darwin konnte nicht erahnen welcher naturwissenschaftlicher Schatz und welche unglaubliche Artenvielfalt sich, damals wie heute, unter den Wassern der Azoren verbargen.

In seinem 1839 erschienenen Reisetagebuch „Darwin´s Beagle diary“, in dem er detailliert über seine Weltreise von 1831 bis 1836, seine Erforschungen und die vielen Naturgeschichten schreibt, erwähnt er die Azoren nur vier kurze Male.

So gesehen war der Aufenthalt Darwins auf den Azoren für die Forschungsarbeit des Naturwissenschaftlers und seine Evolutionstheorie in keinster Weise relevant.
Aber hätte er auch nur im Geringsten davon geträumt, was er über und unter dem Wasserspiegel dieser Eilande mitten im Atlantik hätte vorfinden können, er wäre wohl, als der Naturforscher der er war, zu dem Entschluss gekommen, das die Inseln sehr wohl Bemerkenswertes vorzuweisen gehabt hätten!

Sonntag, 5. Januar 2014

In memoriam: Eusébio da Silva Ferreira


Es gibt Meldungen, die hört man, und die glaubt man zuerst nicht.
Todesnachrichten sind z.B. solche Meldungen!
Zwar gehört der Tod zu unserem Alltag, auch wenn viele es nicht begreifen können, und natürlich muss man immer mit dem Tod rechnen, ob wir wollen oder nicht, aber Tatsache ist, das das Ableben eines Menschen uns oftmals „überrascht“ und „überfällt“.

Als ich heute Morgen aufwachte und den Fernseher anmachte wurde ich von solch einer Todesmeldung überrascht, und ja, auch regelrecht überfallen.
Während ich mir einen Kaffee machte, hörte ich wie die Nachrichtensprecherin im Hintergrund so was wie „Eusébio – tot – Trauer“ von sich gab.
Da ich gestern erst recht spät aus Deutschland zurückgekommen bin, und da ich von Natur aus, nicht gerade ein Frühaufsteher bin, ich also noch etwas verschlafen war, musste ich erst einmal mental verarbeiten, was die Dame von der Nachrichtensendung da gerade gesagt hatte.
Und erst nach einer Weile begriff ich, das Eusébio, die Fußballlegende Eusébio, in den frühen Morgenstunden des heutigen 05. Januar 2014 an einem Herzstillstand verstorben ist.

Eusébio da Silva Ferreira, wie das Fußballidol mit vollem Namen hieß, wurde um den 25. Januar 1942 herum, in der Hauptstadt der ehemaligen portugiesischen Überseeprovinz Moçambique, in Lourenço Marques, dem heutigen Maputo, geboren.
Sein exakter Geburtstag kann nicht angegeben werden, da die portugiesischen Kolonialverwaltungen es damals, im Gegensatz zu den deutschen Kolonialregierungen, mit einer genauen Erfassung der Geburten und Todesfällen im Einzelnen nicht so genau nahm.
Da aber Eusébio selber immer am 25. Januar seinen Geburtstag feierte, gilt dieser Tag offiziell auch als sein Geburtstag.

Eusébio war das vierte Kind des weißen Bahnarbeiters Laurindo António da Silva Ferreira und dessen farbiger Ehefrau Anissabeni Elisa.
Insgesamt hatte das Paar, das in sehr ärmlichen Verhältnissen lebte, neun Kinder.

Seine sportliche Laufbahn begann Eusébio 1957, als er als 15jähriger dem Fußballclub Sporting Club Lourenço Marques beitrat.
In diesem Verein wurde ihm, dem Naturtalent der als kleines Kind oftmals die Schule geschwänzt hatte um Fußball spielen zu gehen, der letzte Schliff gegeben – und zwar so erfolgreich, das er, obwohl er eigentlich in der Jugendmannschaft spielte, ab und zu auch bei den Senioren eingesetzt wurde!

1960 wurde Benfica Lissabon auf den talentierten jungen Spieler aufmerksam und nahm ihn 1961 unter Vertrag.
Und so kam es, dass der Junge aus dem Elendsviertel von Lourenço Marques nach Portugal kam.
Hier begann seine unvergleichliche sportliche Karriere.
Mit seinem Verein Benfica Lissabon wurde er zehn Mal portugiesischer Fußballmeister, fünf Mal Pokalsieger und einmal Europapokalsieger der Landesmeister.
Insgesamt lief er in 15 Jahren 440 Mal für Benfica Lissabon auf und schoss 474 Tore – das ist bis heute Rekord!
Benfica dankte es ihm später mit der Errichtung einer zwei Meter hohen Bronzestatue vor dem riesigen Estadio da Luz.

Zehn Mal war Eusébio Torschützenkönig der portugiesischen Liga.
64 Mal zog er das Trikot der portugiesischen „Seleção“ an und erzielte 41 Länderspieltore.
Bei der Fußballweltmeisterschaft 1966 in England, wo er Torschützenkönig wurde, schoss er mit seinen neun Toren Portugal auf den dritten Platz, hinter England und Deutschland.
Hier in England verpasste der englische Sportjournalist Desmond Hackett Eusébio, wegen seiner geschmeidigen, raubkatzenartigen Spielweise, den Beinamen „Black panther“ (port.: „Pantera negra“ / „Schwarzer Panther“), einen Beinamen den Eusébio fortan mit Stolz trug.
Er war vor allem für seine Schnelligkeit auf dem Platz, für seine psychische und physische Stärke und seinen starken und fast immer treffsicheren Schuss bekannt.
1965 wurde Eusébio Europas Fußballer des Jahres.

1975 beendete Eusébio seine Zeit bei Benfica.
Von Benfica Lissabon wechselte er in die nordamerikanische Liga NASL (engl.: North American Soccer Leage) und spielte dort bei verschiedenen Clubs, wie den Boston Minutemen und den Toronto Metros-Croatia.
1979 beendete Eusébio, aufgrund chronischer Kniebeschwerden seine spielerische Kariere, blieb aber dem Fußball, u. a. durch die Nachwuchsförderung bei Benfica Lissabon, immer verbunden.

Mit dem Tod Eusébios hat Portugal heute eines seiner größten Sportidole verloren.
Er, und nicht etwa der Weltstar Cristiano Ronaldo – ohne dessen Leistungen schmälern zu wollen – ist Portugals größter Sportheld!
Welchen Stellenwert Eusébio hier in Portugal auch knapp 35 Jahre nach Beendung seiner Profikarriere immer noch besitzt, zeigt sich unter anderem daran, dass die Regierung heute eine dreitägige nationale Staatstrauer ausgerufen hat.

Eusébio war schon zu Lebzeiten eine Legende, eine Legende, die galaktischen Fußball spielte und die keinerlei Starallüren besaß.
Und das hat man leider sehr, sehr selten!

Montag, 19. Dezember 2011

Der Vertrag von Windsor


Monarchien und Republiken, Diktaturen und Demokratien, sie alle kommen und gehen.
Und genauso wie all diese politischen Systeme nicht für die Ewigkeit sind, so sind erst recht die Abmachungen, Verträge, Vereinbarungen, Pakte und Deklarationen die die Nationen unter sich vereinbaren, abschließen und ratifizieren oft nichts weiter als unterschriebene, wertlose Papiere, an die sich oftmals leider keiner hält.

Doch es gibt einen Vertrag, an dem sich schon seit über 625 Jahren zwei Nationen eisern halten.
Dieser Vertrag ist der „Vertrag von Windsor“ (port.: „Tratado de Windsor“), der zwischen den zwei Königreichen Portugal und England im Jahre 1386 abgeschlossen wurde.

Der Keim dieses bilateralen Vertrages wurde bereits im Jahre 1373 gelegt, als Portugal und England damals einen Allianzvertrag abschlossen, der vereinfacht besagte, das sich beide Länder verpflichteten niemals Krieg gegeneinander zu führen und das der eine dem anderen im Kriegsfall mit einer dritten Nation beistehen würde.

Zwischen 1383 und 1385 stürzte Portugal in eine tiefe dynastische Krise und der 1373 geschlossene Allianzvertrag kann zum ersten Mal zum tragen.
Bei der Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) standen sich am 15. August 1385 die Truppen Portugals, unter João I de Avis, und die Truppen Kastiliens, unter Juan I, auf einem Feld nördlich von Lissabon feindlich gegenüber.
Die Portugiesen gewannen die Schlacht von Aljubarrota, auch weil sie mit der unverzichtbaren Hilfe Englands bei diesem Konflikt rechnen konnten.
Erst im Jahre 1411 wird Kastilien Portugal als unabhängige Nation im Vertrag von Ayton-Segovia anerkennen.

Als Konsequenz der Schlacht von Aljubarrota und der erfolgreichen gemeinsamen Kriegsführung vereinbaren beide Nationen die Erneuerung der anglo-lusitanischen Allianz.
Am 09. Mai 1386 versichern sich beide Länder auf Schloss Windsor vertraglich ihre „ewigliche unzerbrüchliche Treue und Freundschaft“.

Als letzte Bekräftigung dieses Vertrages, heiratet João I am 02. Februar 1387 die englische Prinzessin Philippa of Lencaster (port.: Filipa de Lencastre).
Philippa war die Tochter von John of Gaunt, dem Duke of Lencaster und Enkelin von Henry III, König von England.
Sie war die Schwester des zukünftigen englisches Königs Henry IV.

Der „Vertrag von Windsor“ ist seit 625 Jahren gültig und kam in vielen Phasen der Geschichte beider Länder zum tragen, so z.B. als England verschiedene anglo-französische Kriege führen musste, als Portugal in mehreren Kriegen mit Spanien verwickelt war, als sowohl Portugal als auch England von napoleonischen Truppen bedroht und besetzt wurden oder als beide Länder im I. und II. Weltkrieg mehr oder weniger involviert waren.

Einige Male wurde der Vertrag aber auch aus politischen Gründen von beiden Seiten auf Eis gelegt.
So wurde z.B. zwischen 1580 und 1640, als Portugal von Spanien in Personalunion regiert wurde, der Vertrag von England ausgesetzt, und diese vertragslose Zeit animierte die Engländer zu mehreren Kriegshandlungen gegen portugiesische Überseegebiete.
1640, nach der erfolgreichen Unabhängigkeitsrevolte von König João VI gegen Spanien, wurde der Vertrag von den Portugiesen wieder eingesetzt.

Der Vertrag von Windsor ist heute das älteste noch existierende diplomatische Bündnis auf der Welt!

Montag, 12. Dezember 2011

Wer von uns hat nicht solch einen Freund oder Bekannten?


Heute habe ich von meinem guten Freund Carlos Correia erfahren, dass er ab kommenden Januar 2012 arbeitslos sein wird.
Leider ist das, in der wirtschaftlichen Lage in der wir uns hier in Portugal gerade befinden, keine Nachricht die mich besonders überrascht, aber dennoch doch sehr bewegt.

Aber, Hand aufs Herz, wie viele von uns, die wir hier in Portugal leben, haben nicht solch einen Freund oder Bekannten, der gerade mit der Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Frau in den letzten Monaten arbeitslos geworden ist?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Kinder dieses Jahr von einer Privatschule in eine öffentliche Schule wechseln mussten, obwohl er sich darüber im Klaren ist, das das leider eine falsche Entscheidung war?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Sohn oder Tochter nächstes Jahr, nach einem erfolgreichen Schul- oder Universitätsabschluss, keinerlei Chance haben werden auf dem hiesigen Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Vater oder Mutter mit einer erbärmlichen und entwürdigenden Rente von 200 Euro monatlich auskommen muss?

Und wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, der in den letzten Monaten nach England, Frankreich oder in die Schweiz emigriert ist, um seine Familie hier Portugal ernähren zu können?

Die traurige Antwort auf all diese Fragen ist:

Jeder von uns hat solch einen Freund oder Bekannten, der Arbeitslos, Hoffnungslos und Zukunftslos ist.
Das ist traurig – sehr traurig und alarmierend!

Durch alle Bevölkerungsschichten hinweg, leben hier in Portugal Menschen die keine Hoffnung mehr haben und keine Zukunft mehr sehen…

…und einer von ihnen ist Carlos!

Freitag, 9. Dezember 2011

Ceylon


Die Bezeichnung „Ceylon“ (port.: Ceilão / engl.: Ceylon), für die heutige Inselrepublik Sri Lanka im Indischen Ozean, soll endgültig als Name staatlicher Institutionen eliminiert werden, so die srilankische Regierung.

Ceylon, im Jahre 1518 von den Portugiesen entdeckt und als strategisch wichtiger Knotenpunkt für die portugiesische Seefahrt zwischen West- und Südostasien in Besitz genommen, wurde nach Portugal, von den Niederlanden und schließlich von England kolonialisiert.
Als Ceylon im Jahre 1948 vom Britischen Empire unabhängig wurde, behielt es zuerst seinen Namen bei.
Erst 1972 änderte Ceylon seinen Namen in Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka um.

Die meisten staatlichen Institutionen, wie z.B. die Bank of Ceylon, die Ceylon Electricity Board, die Ceylon Petroleum Corporation und die Ceylon Fisheries Corporation, behielten trotz der Staatsnamenänderung 1972 weiterhin „Ceylon“ in ihren Namen bei.

Bis zu diesem Jahr!

Die aktuelle srilankische Mehrheitsregierung hat nämlich Anfang dieses Jahres angeordnet, dass alle staatlichen Firmen und Betriebe bis zum Jahr 2012 das „Ceylon“ in ihren Namen durch „Sri Lanka“ ersetzen müssen.
Nun, im Dezember 2011, scheinen die meisten staatlichen Institutionen Sri Lankas dieser Forderung der Regierung gefolgt zu sein.

Trotz dieser, in meinen Augen, absurden Anordnung, hat Sri Lanka der Weltöffentlichkeit versichert, das der weltberühmte Ceylon Tee (engl.: Ceylon Tea / port.: Chá de Ceilão) weiterhin seinen Namen beibehalten wird.

Samstag, 20. August 2011

Die zwölf von England


Die Geschichte, die ich heute hier in meinem Blog erzählen will, soll sich so tatsächlich in den Regierungszeiten von König João I von Portugal und von König Henry IV von England zugetragen haben.

Aber wie bei so vielen Geschichten von früher, ist auch diese wohl eine gelungene Kombination aus Wahrheit und Legende.
Es ist eine Geschichte die im Mittelalter spielt und die von zwölf mutigen Rittern (port.: cavaleiros) und von zwölf edlen Ladies handelt.
Bekannt wurde diese Geschichte hier in Portugal als „Os doze de Inglaterra“ (dt.: „Die zwölf von England“).

Die Geschichte geht in etwa so:

Zwölf junge Ladies, aus bestem englischem Hause, wurden auf das äußerste von zwölf, ebenfalls englischen, Edelmännern beleidigt, die ihre Ehrenwertigkeit anzweifelten und die tatsächlich behaupteten das die Damen den Titel einer Lady nicht verdienten.

Um ihre Ehre zu retten, baten die englischen Ladies ihre Freunde und Verwandte um Hilfe.
Aber alle verwehrten sie den Damen ihre Hilfe.
Da sie nicht mehr wussten, was sie noch tun sollten, um ihre Ehre wiederzuerlangen, beschlossen die zwölf Ladies dem König von England zu schreiben, damit er zwölf englische Ritter finden möge, die dann um die Ehre der Damen öffentlich kämpfen sollten.
Doch im ganzen Königreich meldete sich kein einziger Ritter freiwillig um für die Damen in den Kampf zu ziehen.

Da erinnerte sich König Henry IV von England, dass John of Gaunt, der Herzog von Lencaster (port.: João de Gant, 1.º Duque de Lencastre), Jahre zuvor Seite an Seite mit portugiesischen Rittern, in einem Krieg gegen das Königreich Kastilien gekämpft hatte.
Der Herzog von Lencaster hatte schon oft am Hofe von Henry IV von dem Mut und der Unerschrockenheit der portugiesischen Ritter berichtet und so beschloss der König John of Gaunt zu ersuchen, ob sich den in Portugal keine Ritter finden lassen würden, die bereit waren um die Ehre der englischen Ladies zu kämpfen.

Portugiesische Ritter, die dafür bekannt waren, im Gegenteil zu ihren englischen Brüdern, ein maßvolles und zurückhaltendes Leben zu führen, die Anstand, Würde, Wohlerzogenheit und Treue eindrucksvoll repräsentierten, galten damals als die edelsten in Europa.
Während wo anders in Europa, auch in England, damals Ritter meistens nichts weiter waren als Soldaten ihres Lehnsherren, waren sie Ende des 15. Jahrhunderts, hier am Rande Europas, Männer mit höfischen Umgangsformen und einem gesitteten und musischen Benehmen.

Für einen portugiesischen Ritter im Mittelalter gab es vier wichtige Regeln, die es galt einzuhalten:

• Frauen und Schwache zu beschützen
• für Gerechtigkeit zu sorgen
• das Vaterland zu lieben
• die Kirche zu verteidigen

Nach nur kurzer Zeit wurden im Königreich Portugal zwölf Ritter gefunden, die sich bereit erklärten im fernen England für die besagten Ladies in einem Turnier in Hampstead ihre Tapferkeit zu zeigen.

Diese zwölf Ritter waren:

• Álvaro Vaz de Almada, Graf von Avranches
• Álvaro Gonçalves Coutinho, genannt „O Grão Magriço“
• João Fernandes Pacheco
• Lopo Fernandes Pacheco
• Álvaro Mendes Cerveira
• Rui Mendes Cerveira
• João Pereira Agostim
• Soeiro da Costa
• Luís Gonçalves Malafaia
• Martim Lopes de Azevedo
• Pedro Homem da Costa
• Vasco Anes da Costa, genannt „Corte Real“

Als die zwölf englischen Ladies von dem Herzog von Lencaster erfahren hatten, wer die zwölf portugiesischen Ritter waren, schrieb jede von ihnen an einen der Ritter um diesen für ihren Mut im Voraus zu danken.
Gleichzeitig schrieben sie auch an König João I, um diesen für die Entsendung der edlen Ritter zu bitten.

So kam es, das sich eines Tages elf der Ritter, mit einem Segelschiff von Lissabon aus, auf den Weg nach England machten.
Einer der Ritter aber, Álvaro Gonçalves Coutinho, der den Beinamen „O Grão Magriço“ (dt.: „der lange Lulatsch“) trug, musste sich auf dem Landweg nach England machen, da er extrem Seekrank war.
Er versprach aber am verabredeten Tag des Turniers in Hampstead präsent zu sein.

Als der Tag des Turniers nun kam, stellten die elf anderen Ritter mit Schrecken fest, das ihr Freund und Mitstreiter noch nicht anwesend war.
Über fünf ganze Tage erstreckte sich das Turnier.
Die englischen Ladies und die portugiesischen Ritter sahen ihre Chancen am letzten Tag dahinschwinden, und befürchteten nun das Turnier gegen die Engländer zu verlieren.
Doch in letzter Minute tauchte Álvaro Gonçalves Coutinho auf, und konnte gegen den letzten englischen Edelmann, der für ihn als Gegner bestimmt war, antreten.
Er konnte das Turnier in Hampstead für sich und für seine Freunde entscheiden und somit die Ehre der englischen Ladies retten.

Nach dem gewonnenen Turnier wurden sie von König Henry IV feierlich empfangen, und von diesem mit einem rauschenden Fest belohnt.

Soweit die Geschichte, die sich so oder so ähnlich zugetragen haben soll.
Fakt ist, das die zwölf portugiesischen Ritter alle wirklich gelebt haben und das sie wirklich in England an einem Turnier in Hampstead, einem heutigen Stadtteil von London, gegen englische Edelleute erfolgreich teilgenommen haben.

Ein Fakt ist es allerdings auch, das das portugiesische Rittertum, mit all seiner Würde und Höfischkeit, nicht sehr lange andauerte.
Es wurden zwar später noch viele junge Männer nach festen Regeln und Anstand erzogen, doch die stolze Zeit der Ritter war damals in Portugal unwiederbringlich verloren.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Eselsohren: „Das Kabinett der Wachsmalerin“


Als ich vor einigen Jahren in Paris war, stand auch das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud auf meinem Besuchsprogramm, ein Besuch welches ich niemals vergessen werde.
Die Figuren die dort ausgestellt wurden waren sehr realistisch modelliert worden, so realistisch, dass manche von ihnen wie echt aussahen.
Schon vor gut 200 Jahren, als Madame Tussaud ihr erstes Wachsfigurenkabinett in London eröffnete, war das so.

Als Madame Marie Tussaud im Jahre 1802 mit ihrem kleinen Sohn Joseph in England ankam, trauten die Zöllner ihren Augen nicht, denn kaum hatten sie eine Kiste geöffnet, kamen ihnen blutverschmierte Köpfe entgegen.
Die Wachsmalerin konnte aber den Irrtum aufklären.
Die blutverschmierten Köpfe waren aus Wachs und sehr realistisch verarbeitet worden.

Tussaud war von Frankreich nach England gereist, um dort die Figuren der hingerichteten, französischen Revolutionäre auszustellen.
Sie wollte auch nur kurz bleiben auf den britischen Inseln.
Doch der Krieg zwischen England und Frankreich zwang sie zu bleiben.

Marie Tussaud reiste jahrelang kreuz und quer durch das Land, lernte die Gefahren des Reiselebens kennen und musste sich als Geschäftsfrau behaupten, etwas was zu der damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich war.
Erst viele Jahre und einige Kriege später, nachdem sie sich in England etabliert hatte, konnte sie in London ihr Weltberühmtes Wachsfigurenkabinett eröffnen, und schließlich zur Legende werden.

Über das Leben und Wirken dieser Frau handelt das Buch das ich heute hier vorstelle, und welches im List Verlag erschienen ist.
Geschrieben wurde dieser geschichtliche Roman von Sabine Weiß, die 1968 geboren wurde, und die dann später in Hamburg Germanistik und Geschichte studierte.
Seit 1995 arbeitet sie als freie Journalistin.
„Das Kabinett der Wachsmalerin“ ist der zweite Roman den Sabine Weiß schreibt und ich hoffe es werden noch viele, viele andere folgen.

Dienstag, 6. April 2010

Blitzkrieg gegen Portugal


Vor nunmehr 70 Jahren, im Frühjahr 1940, der Zweite Weltkrieg hatte wenige Monate vorher mit dem Überfall Deutschlands auf Polen begonnen, trafen sich der spanische Außenminister Ramon Serrano Súñer und sein deutscher Amtskollege Joachim von Ribbentrop in Madrid, um die Kriegsallianz zwischen Spanien und Deutschland zu bekräftigen.

Am Ende dieses Treffens, Ribbentrop steht schon am Flughafen, an seiner Maschine die ihn nach Berlin zurückbringen soll, offenbart der spanische Außenminister dem Deutschen, das der spanische Diktator General Franco mit dem Gedanken spielt das neutrale Portugal noch im Sommer oder im Herbst des gleichen Jahres zu überfallen, so wie es Deutschland zuvor mit Polen gemacht hat.
Diesen Plan kann General Franco aber unmöglich ohne die Mithilfe Deutschlands verwirklichen!

In Unterlagen, die erst jetzt veröffentlicht wurden, plante Spanien damals einen „Blitzkrieg“ gegen Portugal.
Innerhalb von nur 24-48 Stunden sollten Lissabon besetzt und Portugal in drei Teile aufgeteilt werden, mit jeder Macht und Gewalt die dem Heer, der Marine und der Luftwaffe Spaniens zur Verfügung stünden.

Bei dem geplanten Feldzug, der den Namen „Nr. 1/34“ tragen sollte, hätten sich 25 spanische Divisionen nur fünf portugiesischen Divisionen gegenüber gestanden.
Die Argumentation zu diesem Einmarsch in Portugal gab Spaniens Außenminister Ramon Serrano Súñer seinem Amtskollegen von Ribbentrop gleich mit auf dem Weg.
Seiner Meinung nach hatte nämlich „bei der Betrachtung der Landkarte Europas, Portugal, geographisch gesprochen, kein Recht zu existieren!“

Nach mehrmaligem Anfragen aus Madrid, wird der Präventivschlag auf Portugal durch General Franco von Adolf Hitler nicht unterstützt.
Im Gegenteil, Hitler rät damals Franco von einer Besetzung Portugals sogar ab.

Port is not english


Ich wurde vor Tagen von einem Arbeitskollegen gefragt warum denn alle Portweine in Portugal englische Namen tragen.
Ich habe ihm geantwortet, dass den Winzern vor über 300 Jahren, als der Portwein seine Geburt hatte, einfach die portugiesischen Namen ausgegangen wären und sie sich damals schon einmal auf die Globalisierung von heute einstellen wollten.

Natürlich ist das Humbug und ich habe ihm auch nur solch eine Antwort gegeben, weil wir kalendarisch den 01. April hatten.
Hier nun aber, im Rahmen dieses Blogs, die richtige Antwort auf diese sehr interessante Frage, die mir gestellt wurde:

Also, zu aller erst stimmt es nicht, dass alle Portweine englische Namen tragen.
Nein, es gibt viele Portweine aus ursprünglich portugiesischem Hause, wie z.B. den Ferreira, den Fonseca und den Calém. Genauso wie die Portweine von Quinta do Noval, Manoel de Poças, Rebello Valente oder Ramos-Pinto.
Alles angesehne und geschichtsträchtige Namen portugiesischer Portweinherstellerfamilien.

Aber es ist schon wahr, dass es auch viele englische Portweinwinzer gab und gibt.
Das hat aber einen geschichtlichen Hintergrund.
Im Jahre 1654 schlossen Portugiesen und Engländer den Vertrag von Westminster (port.: Tratado de Westminster) ab. Dieser Vertrag gewährte den Briten in Nordportugal zahlreiche Handelssonderrechte.
Diese Sonderechte waren so groß, das die Briten den Norden Portugals fast als eine englische Kolonie ansahen, was sie ja theoretisch nun auch war.
Zahlreiche englische Weinhändler und Kaufleute ließen sich damals an der Küste ihres neuen „Hoheitsgebietes“ nieder, und der Handel mit dem britischen Mutterland wurde privilegiert.
Der Wein, der von Porto aus nach England verschifft wurde, hieß von da an Portwein, obwohl der nur wenig mit dem heutigen Portwein gemein hatte.

Aber die Namen der britischen Familien, die sich damals als Kaufleute und Winzer im Tal des Douro niederließen, sind bis heute unverändert geblieben, auch wenn sie alle heute dann doch eher portugiesisch als britisch sind.

Und so kommt es, das Portugals Exportschlager Nr. 1 oftmals englische Namen trägt, wie die Namen Taylor, Warre, Croft und Sandeman (alle schon im 18. Jahrhundert gegründet!). Und natürlich haben auch die Familien Graham, Dow und Cockburn einen großen Anteil an der Produktion des Portweins gehabt und haben ihn immer noch.
Nicht zu vergessen die Familien Gould, Quarles Harris und Smith Woodhouse.

Aber auch die Niederländer haben damals, vor 300 Jahren, Portweinhäuser gegründet, die bis heute überdauert haben. Namentlich sind hier die Häuser Niepoort, Kopke (eine deutsch-niederländische Familie) und Andresen zu erwähnen.

In welchen Familien auch immer diese leckeren Weine ihren Ursprung haben, wichtig ist nur eins: sie erfreuen sich alle nicht nur einer langen Tradition, sondern sie stehen auch heute noch alle hoch im Kurs!

Donnerstag, 12. November 2009

Chá Gorreana


Das Tee (port.: Chá / lat.: Camellia sinensis) seinen Ursprung im fernen China hat, ist wohl jedem bekannt.
Das es aber portugiesische Seefahrer waren, die Anfang des 17. Jahrhunderts, diese aromatischen Blätter aus Macau nach Europa brachten, wissen nur wenige.
Die Portugiesen waren es denn auch, die den Tee in Europa verbreiteten.

Auf den Britischen Inseln machte vor allem eine Frau, den Tee salonfähig.
Catarina de Bragança, portugiesische Infantin, und Tochter von João IV, heiratete 1662 den englischen König Charles II.

Catarina brachte als Mitgift, unter anderem, eine Truhe Tee aus China - zu dieser Zeit ein Vermögen wert - mit an den britischen Hof und führte seinen Gebrauch am englischen Hof ein.
Jeden Tag, um 17 Uhr, trank Königin Catarina ihre Tasse Tee, in Gesellschaft ihrer Hofdamen.

Dank Catarina de Bragança trinkt England noch heute so viel Tee wie kein anderes europäisches Land, und dank ihr, hat sich bis heute auch die Tradition des „Five o´clock teas“ beibehalten.

Der größte Teil der Teeproduktion findet auch heute natürlich in Asien statt. Aber auch in Europa wird Tee angebaut. An einem einzigen Ort. Nämlich auf der Azoreninsel São Miguel.
Dieser Tee ist eng mit einer azorianischen Familie verbunden, nämlich der Familie Hintze.

Es war Hermelinda Hintze, Tochter einer Azoreanerin und eines Deutschen, die im 18. Jahrhundert die Teeplantage Gorreana gründete.
Die Plantage ist heute noch in Familienbesitz, und wird von Margarida Hintze, einzige Erbin der Besitzungen und der Fabrik, und ihrem Ehemann, Hermano Ataíde Mota, geführt.

Die jährliche Teeproduktion beträgt nur ca. 25 bis 30 Tonnen.

Von diesen 25 bis 30 Tonnen Tee, sind nur drei Tonnen für den Export in die USA, Großbritannien und Kontinentaleuropa bestimmt.
Der Rest wird auf den Azoren selbst und natürlich in Portugal getrunken.

Tee hat auf den Azoren eine lange Tradition.
Während man auf Portugals Festland z.B. Kaffee trinkt, um wach zu werden, trinkt man auf den Azoren Tee.
Und während man auf dem Kontinent Wasser trinkt, um den Durst zu löschen, trinkt man auf den Azoren ebenso Tee.
Denn Tee ist weltweit das einzige Getränk, das sowohl einen aufputschenden als auch einen beruhigenden Wirkungsstoff hat.
Tee Gorreana ist qualitativ ein Spitzenprodukt, und unter Teetrinkern sehr beliebt.