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Sonntag, 24. Mai 2015

Ihrer Zeit weit voraus – die Barockmalerin Josefa de Óbidos








Wer in den nächsten Wochen hier in Lissabon verweilt und plant das berühmte Museum für Alte Kunst (port.: Museu de Arte Antiga) aufzusuchen, der wird die Gelegenheit haben eine faszinierende Sonderausstellung zu besuchen, die den Namen „Josefa de Óbidos e a invenção do barroco português“ (dt.: Josefa de Óbidos und die Erfindung des portugiesischen Barocks“) trägt, und die den Werken der Barockmalerin Josefa de Óbidos gewidmet ist.

Josefa de Óbidos, die eigentlich als Josefa de Ayala Figueira im Jahre 1630 in der spanischen Stadt Sevilla geboren wurde und die sich erst später in ihrem Leben mit dem Namen ihrer Wahlheimat Óbidos titulierte, war die bedeutendste portugiesische Malerin des Barocks und ohne Zweifel eine für ihre Zeit sehr ungewöhnliche Frau.

Josefa de Óbidos wurde im Februar des Jahres 1630, der genaue Tag ist leider nicht bekannt, als Tochter des portugiesischen Malers Baltazar Gomes Figueira im andalusischen Sevilla geboren.
Sie wurde, dem Taufbuch der Kirche San Vicente nach, am 20. Februar 1630 in dieser Kirche in Sevilla getauft.
Ihr Vater war als junger Mann im Jahre 1626 aus Portugal nach Sevilla gezogen, um dort beim Militär eine Karriere zu machen.
Doch dann entschloss er sich, er der anscheinend immer einen Hang für die schönen Künste besaß, an der damals einflussreichen Sevillaner Malerschule (esp.: Escuela de Sevilla) das Malen zu erlernen.
Sevilla übte im damaligen vereinigten Portugal und Spanien einen sehr großen Einfluss auf das gesamtiberische Kunstschaffen aus.
Die Maler die Anfang des 17. Jahrhunderts in Sevilla lebten und arbeiteten belieferten nicht nur die zahlreichen Kirchen, Klöster und Paläste im damaligen Vereinigten Königreich Spanien-Portugal mit ihren Bildern, sondern auch die vielen in dieser Zeit neu entstehenden Kirchen und Klöster in den Kolonien Mittel- und Südamerikas.

In Sevilla lernte Baltazar Gomes Figueira seine spätere Ehefrau, die andalusische Adelige Catarina de Ayala Camacho Cabrera Romero, kennen und ehelichte diese im Jahre 1628.
1634, Josefa war gerade mal vier Jahre alt geworden, verließen ihre Eltern mit ihr und ihrer kleinen Schwester Luisa, die 1632 auf die Welt gekommen war, Sevilla und zogen nach Portugal zurück.
Da ihr Vater keinen Hehl daraus machte, dass er die portugiesische Unabhängigkeitsbewegung unterstützte, wurde er zur „persona non grata“ erklärt und ihm wurde das Arbeiten in Spanien unmöglich gemacht.
Nach dem Verlassen Spaniens lebte die Familie zuerst in der kleinen Stadt Peniche, an der Atlantikküste, wo ihr Vater eine Anstellung gefunden hatte.
Doch etwas später, als Josefa sechs Jahre alt wurde, fanden sie und ihre Eltern in der Stadt Óbidos, auf dem Landgut Quinta da Capeleira, der zum Familienbesitz ihres Vaters gehörte, ihr neues Zuhause.

Seit ihrer frühesten Kindheit schaute sie ihrem Vater beim malen über die Schultern und dieser brachte ihr die ersten Pinselstriche bei.
Josefa war das, was man heute wohl ein „künstlerisch begabtes Kind“ nennen würde, denn sie fing nicht nur an ihre Zeichnungen und Malereien zu perfektionieren – sie spezialisierte sich vor allem darauf Blumen, Früchte und andere Stillleben (port.: natureza morta) zu malen – sondern zeigte auch viel Fingerfertigkeit beim gravieren, töpfern, Silber- und Goldschmieden.

Als sich Portugal im Jahre 1640 von der Personalunion mit Spanien löste und wieder unabhängig wurde, wurde ihr Vater Baltazar Gomes Figueira nach Lissabon berufen, wo er am Hofe des neuen Königs João IV Hofmaler wurde.
Josefa blieb mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in der Provinz, in Óbidos, zurück.
Der Vater kam nur noch sporadisch nach Óbidos, da ihn seine Arbeit als Hofmaler in Lissabon voll beschäftigte.
Trotz der geographischen Trennung, bekamen Josefas Eltern in den folgenden Jahren noch fünf weitere Kinder: Francisco im Jahre 1634, Basilia 1635, José 1637, Antonia 1639 und nach dem frühen Tod des ersten Josés bekamen die Eltern 1643 noch einen Sohn, den sie ebenfalls José nannten.

Wohl ab dem Jahre 1644, so belegen Unterlagen des Augustinerklosters Santa Ana in der Stadt Coimbra, besuchte sie die dortige Klosterschule und erhielt religiösen Unterricht.
Für sie war eine Zukunft als Nonne vorgesehen – so hatten es wohl jedenfalls ihre Eltern geplant.
Doch sie zeigte wenig interessierte an dem religiösen Leben; das einzig spirituelle das für sie damals wohl Bedeutung hatte, waren die biblischen Motive die sie auf ihre Leinwände pinselte. Beweis dafür waren ihre ersten erhaltenen zwei Gravuren – eine „Santa Catarina“ und ein „São José“ -, welche sie mit 14 und 15 Jahren im Kloster in Coimbra malte.

Um 1653 verließ Josefa mit Erlaubnis ihres Vaters das Kloster Santa Ana und kehrte von Coimbra nach Óbidos in ihr Elternhaus zurück. Doch bevor sie Coimbra verließ, malte sie noch für die dortige Universität und für die Kathedrale auf Wunsch mehrere Bilder, darunter die Bilder „Santa Maria Madalena“ und „São Francisco e Santa Clara adorando o menino Jesus“, ihre wohl berühmtesten Frühwerke.

In Óbidos wieder angekommen fing sie an, im Alter von 23 Jahren, ihre ersten bezahlten Auftragswerke zu malen. Diese zwei Gemälde – eine Mutter Gottes und ein Christuskind – malte sie für das Franziskanerkloster Convento de Varatojo in der Stadt Torres Vedras.

Sowohl dem Klerus als auch dem Adel gefielen ihre Werke äußerst gut und so begann sie regelrecht im Akkord zu malen.
Zeitgenossen sagten über Josefa, sie würde so schnell und gut Bilder malen, wie ein Bäcker schnell gutes Brot backen würde.

Die nächsten Aufträge die sie malte waren verschiedene Gemälde mit biblischen Motiven für das Kloster in Alcobaça (port.: Mosteiro de Alcobaça), das Kloster in Batalha (port.: Mosteiro da Batalha) und das Kloster São Jerónimo in Vale Bem-Feito, bei Mirandela.
Für die Kathedrale von Évora malte sie um 1662 eines ihrer schönsten und berühmtesten Bilder, ein von Blumen umringtes Osterlamm (port.: cordeiro pascal), das heute im Regionalmuseum von Évora (port.: Museu Regional de Évora) hängt.
Diesen Bildern folgen noch viele andere für Kirchen, Klöster und Adelspaläste darunter z.B. Werke wie „Natureza morta: caixa com potes“ (1660) oder „O Mês de Março“ (1668).

Ab 1668 fing Josefa an ihre Bilder mit „Josefa de Óbidos“ zu unterschreiben, einen Namen mit dem sie fortan ihre Bilder bis an ihr Lebensende signierte.

Mit den Jahren entwickelt sich Josefa de Óbidos, die immer in der Provinz blieb und die so niemals die Barockhochburgen Italien oder Flandern kennen lernte und die nicht mit anderen Barockmalern wie Caravaggio, Rubens, Rembrandt, Vermeer oder van Dyck verkehrte, hierzulande zu einer Meisterin dieser Malkunst.
Ihre zahlreichen religiösen Bilder, die sie voller Frömmigkeit malte und dabei perfekt das Sakrale mit dem Profanen verband, ihre einzigartigen Portraits, die die gemalte Personen immer sehr real zeigten, als auch ihre vielen ästhetischen Stillleben mit den verschiedensten Motiven, wie z.B. Obst, Fische, Jagdwild oder Blumen – vor allem Blumen – waren immer von Licht und Schatten geprägt und voller Leben und kräftiger Farbigkeit.

Beste Beispiele aus dieser Zeit sind z.B. „Adoração dos Pastores“ (1669), „Natureza morta: frutos e flores“ (1670), „Menino Jesus Peregrino“ (1672),  „Transverberação de Santa Teresa“ (1672), „Visão de São João da Cruz“ (1673) und „O menino Jesus Salvador do Mundo“ (1673).

Als ihr Vater 1674 starb, erhielt sie vom Königshaus den Auftrag verschiedene Porträts zu malen, darunter eines von Königin Maria Francisca Luisa Isabel de Saboia, Gattin des neuen Königs Pedro II, und eines der einzigen Tochter des Königpaares, der Infantin Isabel Luisa de Bragança.
Zur Hofmalerin machte Pedro II sie nicht, obwohl der Monarch anscheinend sehr mit ihren Arbeiten zufrieden war.
Aber eine Frau als Hofmalerin, das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen, für die damalige konservative Zeit.

Andere Bilder die sie nach dem Tod ihres Vaters malte waren u.a. so berühmte wie „Cesta com cerejas, queijos e barros“ (1675), „Anunciação“ (1676), „Calvario“ (1679) und „Natureza morta: vaso de flores“ (1680).

Nach dem Tod ihres Vaters Baltazar wurde Josefa die alleinige Ernährerin ihrer Mutter, ihrer Geschwister sowie ihrer Nichten.
Da ihre Gemälde immer bekannter und beliebter wurden, konnte sie ihre Familie gut über die Runden bringen, sowie das Haus und den Hof.
Josefa selbst trat nie in den Stand der Ehe ein.
An Kunden für ihre gemalten Kunstwerke mangelte es Josefa nicht. Es wird erzählt, das alles was damals Rang und Namen hatte, und im benachbarten Badeort Caldas da Rainha zur Kur ging, bei ihr in Óbidos vorbeischaute um eins oder gleich mehrere Bilder in Auftrag zu geben.

Am 22. Juli 1684 verstarb Josefa de Óbidos – heute würde man sagen „plötzlich und unerwartet“ – im Alter von nur 54 Jahren.
Sie war so bekannt und beliebt, dass man sie unter dem Altar der Stadtkirche São Pedro in Óbidos beisetzte, wo sie heute noch liegt.

Josefa de Óbidos, war eine gebildete und für die damalige Zeit sehr moderne, emanzipierte Frau, die damals, in einer von Männern beherrschten Welt, mit vielen, vielen Tabus brach.
Ihre Werke zeigen uns heute noch, wie viel künstlerische Begabung in dieser rein autodidaktischen Künstlerin steckte.

Wie am Anfang dieses Textes schon erwähnt, kann man in den nächsten Monaten im renommierten Museum für Alte Kunst (port.: Museu de Arte Antiga) in Lissabon eine Sonderausstellung besuchen, die dieser großen Künstlerin und den über 130 ihrer Werke gewidmet ist, die für diese Exposition zusammengetragen wurden.
Ich kann jedem diese Ausstellung nur wärmstens ans Herz legen!

Museu de Arte Antiga – Lisboa
Exposição Josefa de Óbidos e a ivenção do barroco português
16. Mai – 06. September 2015

Samstag, 9. Mai 2015

Die farbenfrohen und phantasievollen Bilder des Malers J. B. Durão






Vor einpaar Tagen wurde ich von meiner Schwester Carla auf ein neues Bild des naiven Malers J. B. Durão aufmerksam gemacht.

Ich weiß nicht ob viele, zumal in Deutschland, die künstlerischen Arbeiten von J. B. Durão kennen.
Ich jedenfalls bin ein sehr großer Fan seiner Werke.

1957 in Lissabon geboren hat er sich in seiner Jugend das Malen autodidaktisch selber beigebracht.
Seit 1989 stellt er seine Gemälde, die er nur in seiner Freizeit malt, sowohl im Inland als auch im benachbarten Spanien aus.
Er malt sehr farbenfrohe, unbekümmerte und phantasievolle Bilder, voller Harmonie und Einzigartigkeit, die fast immer „sein“ geliebtes Lissabon zum Thema haben.
Auch das Meer spielt in den Werken von J. B. Durão, der einst als Offizier bei der Handelsmarine beschäftigt war, eine immer wiederkehrende Rolle.

Seine auf Leinwand verewigten Motive sind immer voller Leben und all seine vereinfacht dargestellten Gebäude, Verkehrsmittel, Gegenstande und Lebewesen springen einem richtig ins Auge.

J. B. Durão, der portugiesische Naivmaler von Morgen

Freitag, 8. Mai 2015

10. Internationales Festival der Iberischen Maske


Der Lissabonner Altstadtplatz Rossio wird für die nächsten Tage der zentrale Ausgangspunkt für das alljährlich stattfindende Internationale Festival der Iberischen Maske (port.: Festival Internacional da Máscara Ibérica) sein, eine Veranstaltung die seit nunmehr 10 Jahren viele Freunde origineller und kunstvoller Gesichtsbedeckungen zusammenbringt.

Weit über 600 Mitglieder verschiedener Trachten- und Festumzugsgruppen aus ganz Nord- und Zentralportugal, sowie mehreren spanischen Regionen und dieses Jahr auch zum ersten Mal eine Volksgruppe aus dem italienischen Sardinien, nehmen an diesem bunten und fröhlichen Festival teil.

Die Benutzung von Masken in Portugal bei rituellen und religiösen Veranstaltungen, oft in Kombination mit einer Verkleidung, ist sehr lange bekannt.
Schon die Römer und später die arabischen Mauren, die beide über viele Jahrhunderte hinweg Besatzer eines großteils Iberiens waren, verwendeten bei vielen ihrer traditionellen Festen oftmals eine Kostümierung in Verbindung mit einer Maske.
Überhaupt geht das Wort Maske (port.: máscara) auf das arabische Wort „maskharat“ zurück, das wörtlich soviel wie Scherz, Narretei oder Posse bedeutet.

Nach den Römern und den Mauren, die zum herstellen ihrer Masken vor allem Holz, Ton, Leder und Pflanzenteile verwendeten, haben dann Portugiesen und Spanier in vielen ihrer Regionen und Provinzen die Tradition der Gesichtsmaske bei vielen religiösen und rituellen Brauchtümer beibehalten.
Und so ist die Sitte des Verhüllens des Gesichtes auch heute noch in manchen Gebieten Portugals bei Volksfesten allgegenwärtig.

Da nicht jeder diese Volksfeste besuchen kann und er so oftmals nicht die Möglichkeit hat die Originalität dieser Masken zu bewundern, empfehle ich jedem der am kommenden Wochenende in Lissabon verweilt, einmal in der Baixa vorbeizuschauen.

Außer einer täglich stattfindenden Maskenparade kann man sich auf dem Festival auch die gute Küche und Weine der verschiedenen Regionen Iberiens in über 30 Fressbuden schmecken lassen, sowie die volkstümliche Musik Portugals, Spaniens und Süditaliens auf einer riesigen Bühne Mitten auf dem Rossio genießen.

Das X. Internationale Festival der Iberischen Maske findet bis zum kommenden Sonntag, dem 10. Mai 2015, statt!

Freitag, 10. April 2015

Der Brand der Rua da Madalena in Lissabon


Brände haben seit jeher die Geschichte der Städte mitgeschrieben, sei es durch die immer wieder vernichtenden Feuersbrünste die oftmals immense materielle Schäden verursachten oder durch die manchmal zahlreichen Menschenopfer die die Brände forderten.
Die Stadt Lissabon ist da keine Ausnahme!

Oftmals in der Stadtgeschichte Lissabons mussten ihre Einwohner hilflos mit ansehen wie Teile der Hauptstadt Opfer wütender Flammen wurden und zusehen wie wichtige Gebäude ihrer Stadt durchs Feuer bis auf ihre Grundmauern zerstört wurden, so z.B. im Jahre 1996 als das Rathaus (port.: Câmara Municipal) brannte – davor hatte ein Feuer bereits 1863 das Gebäude völlig zerstört – oder im August 1988 als der halbe Stadtteil Chiado ein Opfer der Flammen wurde.
Im August 1959 versank die Barockkirche São Domingos (port.: Igreja de São Domingos) am Rossio in Schutt und Asche und wenige Jahre darauf, im Dezember 1964, brannte ein Flamenmeer das Nationaltheater D. Maria II (port.: Teatro Nacional D. Maria II), ebenfalls am Rossio liegend, nieder.
Als am 01. November 1755 nach einem verheerenden Erdbeben die Stadt völlig zerstört wurde, brannte sie tagelang lichterloh und auch 1363, als das Lissabonner Judenviertel (port.: Jadiaria) durch Brandstiftung ein Raub der Flammen wurde, brannte dieser  Teil der Stadt mehrere Tage.

Ein Großbrand, der den Bürgern Lissabons bis heute im Gedächtnis geblieben ist, auch wenn er schon vor über Hundert Jahre gewütet hat, ist ein Brand der unter dem Namen „Incêndio da Rua da Madalena“ (dt.: Brand der Rua da Madalena) bekannt ist und der sich damals in der Straße gleichen Namens, in der Lissabonner Unterstadt Baixa, ereignet hat.
In den Morgenstunden des 10. April 1907, also auf den Tag genau vor 108 Jahren, breitete sich in einem vierstöckigen Wohn- und Lagerhaus in der Rua da Madalena / Ecke Escadinhas de Santa Justa ein Brand aus, bei dem 14 Menschen starben.
Zehn der Opfer kamen in den Flammen um, die vier anderen wiederum starben, weil sie sich in den oberen Stockwerken befanden und sie auf die Straße sprangen. Ihnen war durch die lodernden Flammen der Fluchtweg auf die Straße versperrt gewesen.
37 Personen konnten sich aber, zum Teil schwer verletzt, retten.

Für den Brand wurden damals zwei spanische Bürger – Leandro Gonzalez und Antonio Fernandez – verantwortlich gemacht, zwei Männer die im Untergeschoß des Gebäudes ein kleines Stofflager betrieben.
Nach dem Brand kam heraus, dass die zwei Spanier nur drei Monate vor dem Brand eine hohe Versicherung für ihr Lager im Erdgeschoß des Gebäudes und die darin befindliche Ware abgeschlossen hatten. Außerdem fand man später in einem anderen Lager der beiden Spanier mehrere Kanister des Brandbeschleunigers Ethanol.
Nachdem Gonzalez und Fernandez der Brandstiftung überführt waren und sie die Tat gestanden, wurden die zwei festgenommen und zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt.
Antonio Fernandez starb nach drei Jahren Zuchthaus im Jahre 1910.
Leandro Gonzalez reichte nach acht Jahren Haft – in der Zwischenzeit war aus dem monarchistischen Portugal eine Republik geworden – einen Gnadengesuch bei dem ersten verfassungsmäßig gewählten Staatspräsidenten Manuel de Arriaga ein.
Arriaga, der von Haus aus Jurist und als ehemaliger Generalstaatsanwalt für seine Kompromisslosigkeit in Rechtsdingen bekannt war, gab dem Gnadengesuch nicht statt und ließ den Häftling daraufhin wissen:
„Politische Systeme mögen kommen und gehen, das Rechtsbewusstsein eines Menschen aber sollte unumstößlich sein.
Ich kann einem Mörder keine Gnade vor Recht gewähren!...“.

Erst zehn Jahren später, 1917, gab der neue Präsident Bernardino Machado, auf Druck Spaniens, endlich dem Gnadengesuch von Leandro Gonzales statt, verwaiste ihn aber, sobald er das Zuchthaus verlassen hatte, des Landes.

Heute steht an der Stelle, an der vor über Hundert Jahren eine der größten Brandkatastrophen des modernen Lissabon stattgefunden hat, ein Wohn- und Geschäftshaus das nach Originalplänen des ursprünglichen Gebäudes errichtet wurde.

Montag, 1. Dezember 2014

Glückwunsch zum 374. Unabhängigkeitstag Portugal


Am heutigen Montag, den 01. Dezember, feiern wir hier in Portugal zum 374. Mal den „Dia da Restauração da Independência“ (dt.: „Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit“). Dieses Datum erinnert an den Tag, an dem Portugal im Jahre 1640 die Selbstständigkeit von Spanien wiedererlangte, dem Land, mit dem Portugal seit 1580 in einer weniger glücklichen Personalunion verbunden war.

Damals beendeten ein paar mutige Männer mit einem revolutionären Aufstand gegen die spanische Statthalterin Margarete von Savoyen, der Herzogin von Mantua und Montferrato, die 60 Jahre andauernde Besatzungszeit der Spanier in Portugal.
Die Unabhängigkeit Portugals wurde damals am 01. Dezember 1640 besiegelt, der Unabhängigkeitskampf sollte aber noch gut 24 Jahre andauern.

Mitte des 19. Jahrhunderts machte man den 01. Dezember zum ersten politischen Feiertag des Landes und dies blieb er dann auch bis zum Jahre 2012, als er im Rahmen der drastischen Krisenmaßnahmen von der aktuellen Regierung Pedro Passos Coelho abgeschafft wurde.
Es ist grotesk, aber weder die Monarchie, noch die Republik oder eine 50 Jahre andauernde Diktatur haben den „Dia da Restauração“ etwas anhaben können; nein, erst das heutige demokratische Portugal hat es geschafft diesen Feiertag vom Festtagskalender zu streichen.

Aber, auch wenn der „Dia da Restauração“ seit zwei Jahren kein offizieller Feiertag mehr hierzulande ist, für die meisten Portugiesen wird er immer der markante Tag sein, an dem sie die Souveränität von Spanien erlangten.
Vielleicht muss ein solcher Tag als Feiertag erst abgeschafft werden, damit man ihn als solchen besser wertschätzen kann.

Glückwunsch zum 374. Unabhängigkeitstag Portugal!

Freitag, 1. August 2014

Portugal aus dem All gesehen


Die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde NASA (engl.: National Aeronautics and Space Administration / port.: Administração Nacional da Aeronáutica e do Espaço) hat heute auf ihrer Internetseite ein faszinierendes Bild veröffentlicht, das ein Besatzungsmitglied der Internationalen Raumstation ISS (port.: Estação Espacial Internacional EEI) vergangene Woche von der Iberischen Halbinsel gemacht hat, als diese in einer Höhe von ca. 400 km über der Erde ihre Bahnen zog.

Das Bild wurde in der Nacht des 26. Juli 2014 aufgenommen und zeigt Portugal, Spanien und Andorra.
Am oberen Bildrand sieht man noch einen Teil Südfrankreichs und am unteren Bildrand noch einen Zipfel Marokkos. Ganz deutlich auf dem Bild sind die Ballungsgebiete von Lissabon, Porto, Madrid und Sevilla zu sehen.

Wer noch weitere atemberaubende und spektakuläre Aufnahmen von Portugal aus dem All sehen will, hier die Internetseite der NASA:


Montag, 2. Juni 2014

Adiós Juan Carlos


Als ich heute in meiner Mittagspause die Nachricht von der Abdankung von König Juan Carlos I von Spanien  hörte, konnte ich es kaum glauben und ich habe zuerst sogar Zweifel an dieser Nachricht gehabt.
Aber dann bin ich mit meinem Handy im Internet gesurft, und musste lesen, dass es sich bei dieser Nachricht nicht um eine Ente handelt, sondern um eine reale Meldung aus unserem Nachbarland.

Nach fast 39 Jahren auf dem spanischen Thron teilte König Juan Carlos I de Borbón y Borbón heute Ministerpräsident Mariano Rajoy in einem kurzen Schreiben seine Abdankung mit.
Der Wortlaut dieser Abdankung lautet – in einem Satz:

„Der Verfassung entsprechend, teile ich dem Herrn Regierungspräsidenten hiermit meine freie Entscheidung mit, von der spanischen Krone abzudanken.
Der König von Spanien
Don Juan Carlos I de Borbón“

(span.: „A los efectos constitucionales procedentes, adjunto el escrito que leo, firme y entrego al Señor Presidente del Gobierno en este acto, mediante el cual le comunico mi decisión de abdicar la Corona de España.
El Rey de España
Don Juan Carlos I de Borbón“)

Er wolle einer neuen Generation Platz machen, sagte er in einer Rede an sein Volk.
Dieser Schritt ist dem König sicherlich nicht leicht gefallen.
Aber vielleicht bestärkt durch die Abdankungen seiner ehemaligen Amtskollegen Beatrix der Niederlande und Albert II von Belgien, nahm der spanische Monarch sich heute wohl den Mut und entschloss sich zum Thronverzicht.

Der 76 jährige Juan Carlos ist (war) ein respektabler König!
Er war es der Spanien aus dem dunklen Faschismus der Franco-Diktatur in die Moderne führte, der seinem Land Stabilität, Demokratie, Fortschritt und auch Wohlstand brachte.
Er war es der zweifellos seine Vielvölkernation mit Mühe einigte.

Und Juan Carlos war und ist ein großer Freund Portugals!
Kaum ein spanischer König hat Portugal so respektiert, ja geliebt, wie Juan Carlos.
Und kein anderer spanischer Monarch hat die portugiesisch-spanischen Beziehungen so gefördert wie er – auch nicht die drei spanischen Philipps, die zwischen 1580 und 1640 über Portugal herrschten.

Die Familie Juan Carlos verbrachte hier in Portugal viele Jahre im Exil. Seit 1946 bewohnten die Grafen von Barcelona, die Eltern von Juan Carlos, und ihr Kinder die Vila Giralda in Estoril, ein Anwesen das heute noch im Besitz der spanischen Königsfamilie ist.
Hier in Portugal verbrachte Juan Carlos mit seinen Geschwistern seine Kindheit und hier schloss er als Kind Freundschaften die bis heute bestehen.

Juan Carlos liebt Portugal und seine Menschen.
Und Portugal und viele seiner Menschen liebt auch Juan Carlos.
Er kann von sich sagen, dass er hier in Portugal immer willkommen ist – eine Tatsache die vor ihm wohl kaum ein anderer spanischer König behaupten konnte!

Obwohl, wie ich schon erwähnt habe, mich der Thronverzicht Juan Carlos sehr überrascht hat, so muss ich zugeben, dass ich seinen Schritt mutig und vernünftig finde.
Und seien wir doch einmal ehrlich:
wenn sogar ein Papst abdanken kann, warum nicht auch ein König?!?

Bleibt nur zu hoffen das König Juan Carlos, auch wenn er gesundheitlich leider sehr angeschlagen ist, noch viele Jahre vergönnt sein werden, um seinen neuen Lebensabschnitt als „Rentner“ zu genießen!

Adiós Juan Carlos

Sonntag, 7. Juli 2013

Juan Carlos I zu Besuch in Lissabon








Auch wenn der spanische König Juan Carlos ein gerngesehener Gast hier in Portugal ist, und er mehrmals im Jahr in Lissabon zu Besuchen verweilt, schließlich ist er ja hier in der Lissabonner Umgebung im Exil aufgewachsen, handelt es sich heuer, bei diesem Besuch von dem ich hier im Blog schreiben will, nicht um den Besuch des spanischen Königs, sondern um das nach ihm benannte Flagschiff der spanischen Marine, dem Flugzeugträger (port.: porta-aviôes / esp.: portaaviones) „Juan Carlos I“.

Als ich vorgestern vom Büro nach Hause fuhr, sah ich das am Hafendock des Jardim do Tabaco (port.: Doca do Jardim do Tabaco) ein ganz besonderes Schiff angelegt hatte, nämlich besagter Flugzeugträger „Juan Carlos I“.
Dort wo normalerweise die vielen großen Luxusliner aus aller Welt ankern, wenn sie die Stadt Lissabon besuchen, stand diesmal dieser graue Koloss mit den vielen Flugzeugen und Hubschraubern an Deck.
Da ich weiß, das mein Neffe Nélson ein begeisterter Liebhaber der Luftfahrt ist und ich auch wusste das er noch nie auf einem Flugzeugträger war, beschloss ich heute mit ihm und der ganzen Familie, dieses imposante Schiff, den Stolz der spanischen Marine, zu besuchen.

Als Resümee des Besuches des Flugzeugträgers „Juan Carlos I“, das auch gleichzeitig als amphibisches Kampfschiff eingesetzt werden kann, kann ich nur sagen, das eine Führung durch das Innenleben eines solchen seetüchtigen Flughafens und der Aufenthalt auf dem riesigen Flugdeck, zweifellos sehr interessant und spannend sind.

Laut der spanischen Marine hat der Flugzeugträger „Juan Carlos I“, der am 10. März 2008 von der spanischen Navantia-Werft im galizischen Ferrol vom Stapel gelassen wurde, eine Länge von 236 Metern, eine Breite von 32 Metern und einen Tiefgang von maximal 8 Metern. Das Flugdeck misst 202 Metern.
Mit einer Maschinenleistung von 22.000 kW erreicht das Schiff eine maximale Geschwindigkeit von 21 Knoten, was 39 km/h entspricht.
Die ständige Besatzung ist 243 Mann stark, aber bis zu 1.200 Soldaten können mit dem größten Schiff der spanischen Armada befördert werden.

Nélson und ich, wir haben die Führung auf dem Flugzeugträger „Juan Carlos I“ sehr genossen und ich kann nur jedem empfehlen, der einmal die Möglichkeit hat einem solchen Riesen einen Besuch abzustatten, dies auch unbedingt zu tun.
Er wird es nicht bereuen!

Sonntag, 20. Januar 2013

„Retrato de un rey sin reino“


Die größte und international bekannteste spanische Tageszeitung „El Pais“ publizierte in ihrer gestrigen Samstagsausgabe ein überaus interessantes Interview mit D. Duarte Pio, den Anwärter auf den portugiesischen Thron.

Das Interview mit dem Duque de Bragança (dt.: Herzog von Braganza), welches unter dem Titel „Retrato de un rey sin reino“ (dt.: Bild eines Königs ohne Königreich / port.: Retrato de um rei sem reino) erschien, führte der renommierte spanische Journalist Antonio Jiménez Barca.

In diesem Zeitungsinterview stellt der Herzog von Braganza seine eigene Meinung zur aktuellen politischen und sozialen Lage Portugals dar.
Er spricht offen über seine Befürchtungen, seine Sorgen und seine Hoffnungen für das Land.

Nach neuesten Umfragen können sich heute knapp 30 % der Portugiesen D. Duarte Pio als König eines Königreiches Portugal gut vorstellen.
Er selber hat nicht die Hoffnung aufgegeben, den Thron, der ihm seit seiner Geburt verwehrt wird, eines Tages doch noch besteigen zu können!

In einer Zeit, in der der größte Teil der portugiesischen Politiker hierzulande, egal welcher Partei sie auch immer angehören mögen, sich immer weiter vom Volk entfernen und immer mehr ihren guten Ruf verlieren, gibt sich der Herzog von Bragança weiterhin als das, was er immer war:
volksnah und ehrlich!
Wahrscheinlich weil man ihm, der er z.B. seit zehn Jahren immer das gleiche Auto fährt und der stets in der Economy Class reist, eher glaubwürdig abnimmt, das er die aktuellen Anstrengungen und Entbehrungen seiner Landsleute versteht.

Wer die spanische / portugiesische Sprache einigermaßen beherrscht, dem empfehle ich einmal das Interview in der online-Ausgabe des „El Pais“ selbst durchzulesen.

Der Link hierzu lautet: http://elpais.com/elpais/2013/01/18/gente/1358534234_042837.html

Immer mehr Portugiesen wollen einen König – und ich bin einer davon!

Sonntag, 1. Juli 2012

Elvas, die „Königin der Grenze“, ist nun auch UNESCO-Weltkulturerbe


Großer Jubel im tiefsten Alentejo:
Die UNESCO hat die Altstadt von Elvas und ihre kompakte Festungsanlage einstimmig zum Weltkulturerbe (port.: Património cultural mundial) ernannt.
Dies entschied das Welterbekomitee der UNESCO am gestrigen Samstag, auf ihrer 36. Sondersitzung, in der russischen Stadt Sankt Petersburg.

Die von mächtigen Festungsmauern (port.: fortificações abaluartadas) umgebene Grenzstadt Elvas hat sich in vielem seinen einstmals maurischen Charakter bewahrt. In den verwinkelnden Gassen der Altstadt sieht man heute noch viele Häuser mit kunstvollen Fenstergittern, hübsche Türbögen und viele malerische Plätze.

Als Stützpunkt gegen das nur 8 km entfernt liegende spanische Badajoz wurde Elvas schon im späten Mittelalter, in der Regierungszeit von König Sancho II, mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und dann im 17. und 18. Jahrhundert mit den zwei mächtigen Forts Santa Luzia und Nossa Senhora da Graça gesichert.
Die Festungsmauern von Elvas sind über 10 km lang und bedecken eine Fläche von über 300 ha. Sie zählen zu den besterhaltenden, eindrucksvollsten und größten ihrer Art auf der Welt

Elvas war einstmals die größte und bedeutendste portugiesische Festungsstadt an der Grenze zu Spanien.
Respektvoll wurde und wird Elvas von ihren Bewohnern als „Rainha da Fronteira“ (dt.: Königin der Grenze“) bezeichnet.
Seit gestern hat die „Königin der Grenze“ einen neunen Titel:

Elvas ist UNESCO-Weltkulturerbe!

Montag, 19. Dezember 2011

Der Vertrag von Windsor


Monarchien und Republiken, Diktaturen und Demokratien, sie alle kommen und gehen.
Und genauso wie all diese politischen Systeme nicht für die Ewigkeit sind, so sind erst recht die Abmachungen, Verträge, Vereinbarungen, Pakte und Deklarationen die die Nationen unter sich vereinbaren, abschließen und ratifizieren oft nichts weiter als unterschriebene, wertlose Papiere, an die sich oftmals leider keiner hält.

Doch es gibt einen Vertrag, an dem sich schon seit über 625 Jahren zwei Nationen eisern halten.
Dieser Vertrag ist der „Vertrag von Windsor“ (port.: „Tratado de Windsor“), der zwischen den zwei Königreichen Portugal und England im Jahre 1386 abgeschlossen wurde.

Der Keim dieses bilateralen Vertrages wurde bereits im Jahre 1373 gelegt, als Portugal und England damals einen Allianzvertrag abschlossen, der vereinfacht besagte, das sich beide Länder verpflichteten niemals Krieg gegeneinander zu führen und das der eine dem anderen im Kriegsfall mit einer dritten Nation beistehen würde.

Zwischen 1383 und 1385 stürzte Portugal in eine tiefe dynastische Krise und der 1373 geschlossene Allianzvertrag kann zum ersten Mal zum tragen.
Bei der Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) standen sich am 15. August 1385 die Truppen Portugals, unter João I de Avis, und die Truppen Kastiliens, unter Juan I, auf einem Feld nördlich von Lissabon feindlich gegenüber.
Die Portugiesen gewannen die Schlacht von Aljubarrota, auch weil sie mit der unverzichtbaren Hilfe Englands bei diesem Konflikt rechnen konnten.
Erst im Jahre 1411 wird Kastilien Portugal als unabhängige Nation im Vertrag von Ayton-Segovia anerkennen.

Als Konsequenz der Schlacht von Aljubarrota und der erfolgreichen gemeinsamen Kriegsführung vereinbaren beide Nationen die Erneuerung der anglo-lusitanischen Allianz.
Am 09. Mai 1386 versichern sich beide Länder auf Schloss Windsor vertraglich ihre „ewigliche unzerbrüchliche Treue und Freundschaft“.

Als letzte Bekräftigung dieses Vertrages, heiratet João I am 02. Februar 1387 die englische Prinzessin Philippa of Lencaster (port.: Filipa de Lencastre).
Philippa war die Tochter von John of Gaunt, dem Duke of Lencaster und Enkelin von Henry III, König von England.
Sie war die Schwester des zukünftigen englisches Königs Henry IV.

Der „Vertrag von Windsor“ ist seit 625 Jahren gültig und kam in vielen Phasen der Geschichte beider Länder zum tragen, so z.B. als England verschiedene anglo-französische Kriege führen musste, als Portugal in mehreren Kriegen mit Spanien verwickelt war, als sowohl Portugal als auch England von napoleonischen Truppen bedroht und besetzt wurden oder als beide Länder im I. und II. Weltkrieg mehr oder weniger involviert waren.

Einige Male wurde der Vertrag aber auch aus politischen Gründen von beiden Seiten auf Eis gelegt.
So wurde z.B. zwischen 1580 und 1640, als Portugal von Spanien in Personalunion regiert wurde, der Vertrag von England ausgesetzt, und diese vertragslose Zeit animierte die Engländer zu mehreren Kriegshandlungen gegen portugiesische Überseegebiete.
1640, nach der erfolgreichen Unabhängigkeitsrevolte von König João VI gegen Spanien, wurde der Vertrag von den Portugiesen wieder eingesetzt.

Der Vertrag von Windsor ist heute das älteste noch existierende diplomatische Bündnis auf der Welt!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Die Verschwörer


In meinem Eintrag „Bye-bye 01. Dezember“, vom 01. Dezember 2011, schreibe ich über den portugiesischen Feiertag „Dia da Restauração da Independência“ (dt.: Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit).
In ihm berichte ich, dass es wohl das letzte Mal gewesen ist, das wir hier in Portugal diesen Feiertag gefeiert haben.
Wenn es nach der Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho geht, wird er nämlich schon im kommenden Jahr abgeschafft sein.

Ich erwähne in dem Text, das wir diesen symbolträchtigen Feiertag dem Mut von 40 Verschwörern (port.: conjurados) zu verdanken haben.
Ich bin vor Tagen gefragt worden, wer denn diese 40 Verschwörer waren.

Nun, diese Verschwörer, die eigentlich 54 an der Zahl waren, gehörten vor allem dem portugiesischen Adel an. Aber es waren auch Kirchenmänner und einfache Männer aus dem Volk unter ihnen.
Als „Os 40 conjuradores“ (dt.: „Die 40 Verschwörer“) ging diese Gruppe von Männern in die Geschichte ein, weil 40 von ihnen damals dem portugiesischen Hochadel angehörten – was aber keinesfalls den Beitrag der anderen 14 bürgerlichen Aufrührer schmälern sollte!
Es ist einfach nur so, das der Adel zur damaligen Zeit einfach einen höheren Stellenwert hatte, als der einfache Mann vom Volk.

Im Jahre 1640 waren alle sozialen Schichten in Portugal der spanischen Herrschaft, die 60 Jahre lang gedauert hatte, überdrüssig geworden.
Das spanische Königshaus hatte in all den Jahren, in denen Portugal mit Spanien offiziell gleichwertig in einer Personalunion verbunden war, Portugal wie eine der vielen spanischen Provinzen behandelt.

Als am 07. Juni 1640 im spanischen Katalonien eine Revolte losbrach und König Philipp IV von Spanien, der auch gleichzeitig als Philipp III, König von Portugal war, den größten Teil seiner Truppen in diese spanische Provinz schickte um dort die Revolte zu unterdrücken, sah der portugiesische Adel seine Chance auf eine eigene Revolte gekommen.

Am 12. Oktober 1640 kamen im Hause von Antão de Almada, dem Grafen von Avranches, zum ersten Mal sechs Adelige zusammen um einen Aufstand gegen das spanische Königshaus zu planen.
Bei diesem Treffen waren zugegen der Hausherr, die Brüder Francisco und Jorge de Melo, sowie Pedro de Mendonça Furtado, António de Saldanha und João Pinto Ribeiro.
Die sechs Adeligen beschlossen dem Herzog von Bragança, einem Nachfahren von König João I, die Krone Portugals anzubieten.
Sollte der Herzog von Bragança die angebotene Krone aber ablehnen, so wollten die Verschwörer eine Republik ausrufen.
Die Spanier wollten sie aber auf alle Fälle loswerden!

Doch der Herzog von Bragança nahm dieses Angebot an, und mit der Zeit schlossen sich immer mehr Adelige den ursprünglichen Verschwörern an.
Bald war man sich nicht nur der Unterstützung des Adels sicher, sondern auch des Klerus und vor allem des Volkes.

Die meisten spanischen Militärs befanden sich im Herbst 1640 in Katalonien, um die dortige Revolte zu unterdrücken.
Die Adventszeit war gekommen und fast alle spanischen Beamten und Würdenträger hatten sich auf den Weg in ihre Heimat gemacht, um dort Weihnachten zu verbringen.
Die Zeit für den Aufstand war gekommen.
Die Verschwörer einigten sich auf den 01. Dezember 1640.

Die einzigen hohen Würdenträger die sich an diesem Tag in Lissabon aufhielten, waren die spanische Vizekönigin und Herzogin von Mantua, Margarida de Saboia (dt.: Margarete von Savoyen), und ihr portugiesischer Staatssekretär Miguel de Vasconcelos e Brito.

Früh am Morgen dieses Tages drangen die Verschwörer in die königliche Residenz „Palacio da Ribeira“ ein.
Sie setzten die Vizekönigin unter Arrest und zwangen diese den wenigen spanischen Soldaten, die sich damals in Lissabon aufhielten, den Befehl zu geben sich nicht gegen die Portugiesen zu widersetzen.
Ihr Staatssekretär Miguel de Vasconcelos e Brito, der wegen seiner Kollaboration mit Spanien regelrecht vom Volk gehasst wurde, wurde aus dem Palastfenster geworfen und getötet.

Zwei Wochen später, am 15. Dezember 1640, also heute vor genau 371 Jahren, wurde der Herzog von Bragança von den Verschwörern als João IV, zum König gewählt und ernannt.

Diese Verschwörer, die damals Portugal in die Unabhängigkeit von Spanien führten waren:


• Afonso de Menezes – zukünftiger Hofmeister Königs João IV

• Álvaro de Abranches da Câmara – General der Provinz Minho und Mitglied des Kriegsrates

• Antão de Almada – 7. Graf von Avranches, 10. Herr von Lagares d´El-Rei, 5. Herr von Pombalinho und Governeur der Stadt Lissabon

• António de Alcáçovas Carneiro – Herr von Alcáçovas, Generalhauptmann von Campo Maior und Ouguela

• António Álvares da Cunha – Herr von Tabua

• António da Costa – Kommandant des Christusordens und Herr von Mustela

• António Luís de Menezes – 3. Graf von Cantanhede, 1. Marques von Marialva

• António Mascarenhas – Kommandant von Castelo Novo und des Christusordens

• António de Melo e Castro – Kapitän von Sofala und Governeur von Indien

• António de Saldanha – Hauptmann von Vila Real

• António Teles de Meneses – 1. Graf von Vila Pouca de Aguiar

• António Telo – Admiral der portugiesischen Indien-Flotte

• Ayres de Saldanha – Kommandant und Generalhauptmann von Soure

• Carlos de Noronha – Kommandant von Marvão

• Estevão da Cunha – Prior von São Jorge in Lissabon, Kanon der Kathedrale von Faro an der Algarve und Bischof von Miranda

• Fernão Teles da Silva – 1. Graf von Vilar Mayor und Waffengoverneur der Provinz Beira

• Francisco Coutinho de Ataide – Bruder von Jerónimo Coutinho de Ataide

• Jerónimo Coutinho de Ataide – 6. Graf von Atouguia, Bruder von Francisco Coutinho de Ataide

• Fernando Telles de Faro – Herr von Damião de Azere und Santa Maria de Nide de Carvalho

• Francisco de Melo – königlicher Jagdmeister

• Francisco de Melo e Torres – 1. Graf von Ponte, Marques von Sande und General der Artillerie

• Francisco de Noronha – Bruder des 3. Grafen von Arcos

• Francisco de São Payo

• Francisco de Sousa – 1. Marques von Minas, 3. Graf von Prado

• Gastão Coutinho – Gouverneur der Provinz Minho

• Gaspar de Brito Freire – Herr von Santo Estevão und Herr von Nossa Senhora de Jesus im brasilianischen Bahia

• Gomes Freire de Andrade – Hofrittmeister

• Gonçalo Tavares de Távora – Hofrittmeister

• João da Costa – 1. Graf von Soure

• João Rodrigues de Sá e Menezes – 3. Graf von Penaguião

• João de Saldanha da Gama – Hofrittmeister

• João de Saldanha e Sousa

• João Pereira – Prior von São Nicolau und Stellvertreter des Papstes für die Inquisition

• João Pinto Ribeiro – Bachelor für kanonisches Recht und Richter von Fora de Pinhel und Ponte de Lima

• João Sanches de Baena – königlicher Berater und Richter am königlichen Hof sowie Doktor für Kirchenrecht

• Jorge de Melo – Admiral und Mitglied des Kriegsrates

• Luis de Almada – Sohn von Antão de Almada, dem 7. Graf von Avranches, 10. Herr von Lagares d´El-Rei, 5. Herr von Pombalinho und Governeur der Stadt Lissabon

• Luis Álvares da Cunha – Herr von Olivais

• Luis da Cunha de Ataíde

• Luis de Mello - königlicher Empfangschef

• Manuel Child Rolim

• Martim Afonso de Melo – 2. Graf von São Lourenço und Generalhauptmann von Elvas

• Miguel Maldonado – Schreiber im königlichen Außenministerium

• Miguel de Almeida – 4. Graf von Abrantes

• Nuno da Cunha de Ataíde – 1. Graf von Pontével

• Paulo da Gama – Herr von Boavista

• Pedro de Mendonça Furtado - Generalhauptmann von Mourão

• Rodrigo da Cunha – Erzbischof von Lissabon

• Rodrigo de Figueiredo de Alarcão – Herr von Ota

• Sancho Dias de Saldanha – Hofrittmeister

• Tomas de Noronha – 3. Graf von Arcos

• Tomé de Sousa – Aufseher des königlichen Haushaltes

• Tristão da Cunha de Ataíde – Herr von Povolide und Kommandant von São Cosme de Gondomar

• Tristão de Mendonça – zukünftiger Botschafter am niederländischen Hof


Doch mit der Ernennung von João IV zum König durch diese 54 Männer, am 15. Dezember 1640, war Portugals Unabhängigkeit gegen Spanien noch lange nicht gewonnen.
Ganze 28 Jahre sollten die ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den zwei Nationen dauern.

Erst am 13. Februar 1668 erkannte Spanien, im „Frieden von Lissabon“ (port.: „Páz de Lisboa“), die Unabhängigkeit Portugals „für immer und ewig“, wie es so schön im Friedensvertrag heißt, an!

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Bye-bye 01. Dezember


Ständige Finanzkrise, einschneidender Staatshaushalt, krankes Gesundheitswesen, ein wenig Fußball, fehlende Sicherheit, mangelnde Justiz, drohende Streiks, noch ein bisschen Fußball, mieses Weihnachtsgeschäft, wachsende Armut, unzufriedene Bürger, schlechte Wettervorhersagen und noch mehr Fußball – dies sind die nationalen Themen, die die Nachrichtensendungen hier in Portugal heute während des ganzen Tages zum besten gaben.

Über den 01. Dezember, der an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit (port.: Restauração da Independência) Portugals von Spanien erinnert und der hierzulande schon Anfang des 19. Jahrhunderts ein gesetzlicher Nationalfeiertag war, fallen in den Medien nur ein paar Worte.

Und diese paar Worte fallen auch nur, weil wir dieses Jahr hier in Portugal wohl zum letzten Mal den „Dia da Restauração“ feiern werden.
Er gehört nämlich, nebst Fronleichnam (port.: Corpo de Deus), Mariä Himmelfahrt (port.: Assunção de Maria) und dem 05. Oktober, dem Tag der Republik (port.: Dia da República), zu den vier Feiertagen, die bald abgeschafft werden sollen.

Dabei wäre dieser symbolträchtige Feiertag, der auf das mutige Handeln von 40 Verschwörern (port.: conjurados) im Jahre 1640 zurückgeht und der wie kaum ein anderer für Unabhängigkeit, Freiheit und Widerstand steht, für uns Portugiesen auch zukünftig so wichtig gewesen.

Aber es ist wohl ganz im Sinne der heutigen Politik, dass wir hier in Portugal nicht mehr all diesen, ehemals so wichtigen, nationalen Werten und Zielen nachstreben!

Bye-bye 01. Dezember!

Samstag, 6. August 2011

Portugiesen in der EU


Die Anzahl der Portugiesen die in den anderen Ländern der EU leben, hat im Jahre 2010 die 1 Millionengrenze zum ersten Mal überschritten, dies teilte diese Woche das Europäische Statistikamt „Eurostat“ mit.
Laut den erhobenen Daten von „Eurostat“ lebten so insgesamt 1.007.289 portugiesische Staatsbürger in den anderen Ländern der Europäischen Union.
Insgesamt repräsentieren die Portugiesen so 3,1 % der im ganzen EU-Gebiet beheimateten 32,5 Millionen Ausländer.

Nach der Türkei, Rumänien, Marokko, Polen, Italien und Albanien steht Portugal an siebter Stelle, was die ausländische Bevölkerung in Europa angeht.
Außerhalb der EU leben in Europa noch einige Portugiesen, davon alleine in der Schweiz an die ca. 206.000.
Portugiesische Staatsbürger bilden sowohl in Frankreich als auch in Luxemburg die größte ausländische Gemeinde.

Von den 1.007.289 in der EU lebenden Portugiesen leben

• 490.444 in Frankreich
• 142.500 in Spanien
• 113.208 in Deutschland
• 95.000 in Großbritannien
• 88.401 in Luxemburg
• 41.000 in Belgien
• 18.700 in den Niederlanden
• 5.750 in Italien

Insgesamt 12.186 Portugiesen teilen sich auf die anderen EU-Länder auf.

Freitag, 15. Juli 2011

Erobere den Alentejo


Mit dem spanischen Werbeslogan „Conquista el Alentejo“ (dt.: Erobere den Alentejo / port.: Conquista o Alentejo) läuft im Augenblick eine Campagne des Portugiesischen Touristikamtes (port.: Turismo de Portugal), die hierzulande, in großen Teilen der Bevölkerung, für Unverständnis und Unmut sorgt.

In den verschiedensten Printmedien und auf riesigen Outdoorplakaten, die in vielen spanischen Städten hängen, sieht man wie mit dem berühmten Badestrand von Troia und einer im Wind wehender spanischer Flagge, Werbung für einen günstigen Urlaub im Alentejo gemacht wird.

Der Fakt, dass eine spanische Flagge an einem portugiesischen Strand, im Alentejo, als Werbekulisse dient, ist für manchen Portugiesen alleine schon ein Affront.
Aber mit dem Titel der Campagne „Erobere den Alentejo“ geht das Portugiesische Touristikamt für viele eindeutig zu weit.
Ich habe mir die Campagne schon selber angeschaut, und finde diese eher absurd, als böswillig gemacht.

Insgesamt 200.000 Euro hat das Touristikamt für diese Campagne, die bis zum Ende des Jahres andauern soll, ausgegeben.
Aber die Campagne droht ein Fiasko zu werden.

In der Zwischenzeit ist nämlich im Internet eine Petition gegen die sie angelaufen.
Über 600.000 Menschen haben diese virtuelle Petition schon „unterschrieben“, um gegen die Werbecampagne zu protestieren.
Sie argumentieren, dass diese Campagne ein Akt des „Kolonialismus“ ist.

Ich kann den Ärger von vielen Portugiesen Verstehen, aber meiner Meinung nach, reagieren viele auch übertrieben.
Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei lediglich um eine Werbeaktion handelt.
Nicht mehr und nicht weniger!

Da gleich von Kolonialismus zu reden, ist starker Tobak.
Man sollte die Kirche im Dorf lassen und erst einmal sehen was diese Campagne dem Tourismus im Lande überhaupt einbringt.
Leider hat sich dadurch mal wieder gezeigt, dass wir Portugiesen, jedenfalls die Mehrheit, keinerlei Humor haben!

In Zeiten wie diesen, sollte man einen gewissen Stolz ablegen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Wer sich jetzt dem Luxus hingibt, so vehement gegen diese Campagne auszusprechen, sollte selber Urlaub im Alentejo machen, und somit diese Region fördern, oder einfach nur den Mund halten.
Alles andere ist sonst sinnloses Gerede, welches keinem etwas einbringt!

Montag, 11. Juli 2011

Mautgebühren


Nun ist es amtlich: Ab diesem Jahr muss man wieder, nach 15 Jahren, eine Mautgebühr (port.: portágem) bezahlen, wenn man die Tejobrücke „Ponte 25 de Abril“ mit dem Auto, dem Bus oder dem Motorrad im Monat August überqueren will.

Diese Maßnahme überrascht kaum einen, denn sie war schon von der alten sozialistischen Regierung unter José Socrates, im Falle eines Wahlsieges, vorhergesehen.
Die Sozialisten verloren zwar die Wahlen, aber die schwere wirtschaftliche Lage in Portugal zwingt die neue Regierung von Pedro Passos Coelho an dieser Maßnahme festzuhalten.

Laut Álvaro Santos Pereira, dem neuen Wirtschafts- und Arbeitsminister, spart der portugiesische Staat durch diese Maßnahme an die 48 Millionen Euro bis zum Jahre 2019.
Alleine schon diesen August werden ca. 4,4 Millionen Euro eingenommen.

Natürlich gibt es schon die ersten Proteste gegen diese Maßnahme. Vor allem die Einwohner Almadas, die zum großen Teil in Lissabon beschäftigt sind, beschweren sich das sie nun auch im August die Mautgebühr bezahlen werden müssen.
Sie finden dies durchaus ungerecht, da sie ja das ganze Jahr die Maut bezahlen müssen, und somit finanziell benachteiligt sind.

Dies ist aber eine Milchmädchenrechnung, denn im Monat August, dem Monat indem die meisten Portugiesen Urlaub haben, werden auch sicherlich tausende Lissabonner die Brücke überqueren müssen, wenn sie an die Lissabonner Hausstrände fahren wollen

Ich, der ich selber in Almada lebe und jeden Tag nach Lissabon rein muss, finde es nicht mehr als gerecht wenn ab jetzt auch im August die Mautgebühr erhoben wird.
Wenn ich nämlich das ganze Jahr über, egal in was für einen Monat, in den Norden, in den Süden oder in den Osten des Landes fahren will, muss ich ja auch immer Mautgebühren bezahlen.
Warum sollten also im Monat August, die abertausenden Lissabonner und Touristen aus aller Welt, die diese Brücke mit dem Auto überqueren, nicht ebenfalls zur Kasse gebeten werden?
Ich meine, wenn ich mit dem Auto nach Spanien, Frankreich oder Belgien fahre, muss ich doch auch das ganze Jahr über Mautgebühren bezahlen.

Ich kann allerdings diejenigen verstehen, die darüber aufgebracht sind, das wir hier im Süden des Landes, wenn wir nach Lissabon rein fahren wollen, immer eine Mautgebühr entrichten müssen, während weiter oben im Norden, in der Stadt Porto, kein einziger Cent bezahlt werden muss, wenn man dort in die Stadt rein fährt.
Besonders gerecht ist das nun ja wirklich nicht!

Ob nun mit oder ohne Mautgebühren, ich wünsche allen eine allzeit gute Fahrt auf Portugals Strassen und einen schönen, sonnigen Urlaub.

„Boas Férias“

Mittwoch, 16. März 2011

Al-Qantarah


Wer heute die Nachrichten im portugiesischen Fernsehen gesehen hat, hat erfahren, dass die Rebellen in Libyen, nach mehrtätigen Kämpfen gegen die Soldaten des libyschen Staatschefs Gaddafi, die Ortschaft Al-Qantarah eingenommen haben.

Natürlich ist jeder Sieg gegen den Despoten Gaddafi eine Nachricht wert, denn seine Truppen scheinen leider immer mehr die Kontrolle über das Land wiederzuerlangen.
Aber nicht der Sieg der Rebellen bringt mich dazu diesen post zu schreiben.
Nein, die Tatsache dass von Al-Qantarah die Rede ist, hat meine Aufmerksamkeit geweckt.
Denn obwohl ich noch nie von einem libyschen Al-Qantarah gehört habe, ist mir der Name gleich sehr vertraut vorgekommen.

Al-Qantarah ist arabisch und bedeutet „die Brücke“, ist aber ein geographischer Name der nicht nur im arabischen Raum, sondern auch auf der Iberischen Halbinsel, der Neuen Welt und in Asien vorkommt.

Der Grund warum mir Al-Qantarah so vertraut vorkommt ist der, dass es hier in Lissabon einen Stadtteil mit dem Namen Alcântara gibt.
Und der führt seinen namentlichen Ursprung auf das arabische Al-Qantarah zurück.

Alcântara ist der Name vieler Orte und Städte weltweit.
So gibt es in Algerien, eine Stadt mit dem Namen El-Kantara und in unserem Nachbarland Spanien gibt es eine Kleinstadt in der Extremadura mit dem Namen Alcántara.
In Italien liegt der Ort Mojo Alcantara und in Brasilien, im Bundesstaat Maranhão, liegt die Stadt Alcântara, Sitz des brasilianischen Weltraumbahnhofs.
Auf den Philippinen gibt es eine Stadt Alcantara auf der Insel Cebu und eine Stadt Alcantara auf der Insel Mindoro.

Diese Liste ließe sich noch beliebig fortführen, denn „Alcântara“ gibt es über 30 Mal weltweit.
Aber das würde diesen post nur unnötig verlängern und würde immer wieder nur auf eines hinauslaufen: „Alcântara, Al-Qantarah oder Alcántara“.