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Sonntag, 7. Juli 2013

Juan Carlos I zu Besuch in Lissabon








Auch wenn der spanische König Juan Carlos ein gerngesehener Gast hier in Portugal ist, und er mehrmals im Jahr in Lissabon zu Besuchen verweilt, schließlich ist er ja hier in der Lissabonner Umgebung im Exil aufgewachsen, handelt es sich heuer, bei diesem Besuch von dem ich hier im Blog schreiben will, nicht um den Besuch des spanischen Königs, sondern um das nach ihm benannte Flagschiff der spanischen Marine, dem Flugzeugträger (port.: porta-aviôes / esp.: portaaviones) „Juan Carlos I“.

Als ich vorgestern vom Büro nach Hause fuhr, sah ich das am Hafendock des Jardim do Tabaco (port.: Doca do Jardim do Tabaco) ein ganz besonderes Schiff angelegt hatte, nämlich besagter Flugzeugträger „Juan Carlos I“.
Dort wo normalerweise die vielen großen Luxusliner aus aller Welt ankern, wenn sie die Stadt Lissabon besuchen, stand diesmal dieser graue Koloss mit den vielen Flugzeugen und Hubschraubern an Deck.
Da ich weiß, das mein Neffe Nélson ein begeisterter Liebhaber der Luftfahrt ist und ich auch wusste das er noch nie auf einem Flugzeugträger war, beschloss ich heute mit ihm und der ganzen Familie, dieses imposante Schiff, den Stolz der spanischen Marine, zu besuchen.

Als Resümee des Besuches des Flugzeugträgers „Juan Carlos I“, das auch gleichzeitig als amphibisches Kampfschiff eingesetzt werden kann, kann ich nur sagen, das eine Führung durch das Innenleben eines solchen seetüchtigen Flughafens und der Aufenthalt auf dem riesigen Flugdeck, zweifellos sehr interessant und spannend sind.

Laut der spanischen Marine hat der Flugzeugträger „Juan Carlos I“, der am 10. März 2008 von der spanischen Navantia-Werft im galizischen Ferrol vom Stapel gelassen wurde, eine Länge von 236 Metern, eine Breite von 32 Metern und einen Tiefgang von maximal 8 Metern. Das Flugdeck misst 202 Metern.
Mit einer Maschinenleistung von 22.000 kW erreicht das Schiff eine maximale Geschwindigkeit von 21 Knoten, was 39 km/h entspricht.
Die ständige Besatzung ist 243 Mann stark, aber bis zu 1.200 Soldaten können mit dem größten Schiff der spanischen Armada befördert werden.

Nélson und ich, wir haben die Führung auf dem Flugzeugträger „Juan Carlos I“ sehr genossen und ich kann nur jedem empfehlen, der einmal die Möglichkeit hat einem solchen Riesen einen Besuch abzustatten, dies auch unbedingt zu tun.
Er wird es nicht bereuen!

Mittwoch, 8. September 2010

Calantha


Letzte Woche kam Calantha in der Karibik (port.: caraíbas) an!
Wer ist Calantha, wird sich wohl der aufmerksame Leser nun fragen?!?
Calantha ist eine weibliche Meeresschildkröte, der Art Unechte Karettschildkröte (port.: tartaruga-comum / lat.: Caretta caretta), die knapp 40 Jahre alt ist.
Alleine das ist nichts Besonderes.
Besonders an Calantha ist, das sie 30 Jahre ihres Lebens im Aquarium Vasco da Gama, im Lissabonner Stadtteil Dafundo (port.: Aquário Vasco da Gama em Dafundo), in einem kleinen Wasserbecken in Gefangenschaft gehalten wurde.
30 Jahre lang hatte dieses Meerestier einen Lebensraum der so groß war wie ein Kinderplanschbecken.

Im Jahre 2005 beschlossen das Aquarium und Tierschützer Calantha auszuwildern.
Hierzu wurde sie in die Algarve, ins Rehabilitationszentrum für Wassertierarten des Zoomarine (port.: Centro de Reabilitação de Espécies Marinhas do Zoomarine), gebracht.
Dort, im Rehabilitationszentrum, musste Calantha erst einmal wieder lernen auf die Jagd zu gehen, und sie musste vor allem lernen fressbare und nicht fressbare Beutetiere von einander zu unterscheiden.
Und Calantha musste wieder schwimmen lernen, etwas was sie 30 Jahre lang in ihrem kleinen Becken im Aquarium Vasco da Gama, nicht tun konnte.

Am 30. September des letzten Jahres wurde Calantha vom Zoomarine, und mit Hilfe der Portugiesischen Marine (port.: Marinha Portuguesa), in die Freiheit entlassen.
60 Seemeilen von der portugiesischen Küste entfernt, wurde Calantha in den Atlantik freigelassen.
Aber sie ging nicht alleine auf die Reise.
Nein, an ihrem Panzer brachten Biologen des Meeresbiologischen Institus (port.: Instituto da Conservação da Natureza e da Biodiversidade (ICNB) einen Peilsender an, der es ermöglicht die Wasserschildkröte über Satellit zu verfolgen.
So konnten die Wissenschaftler des Meeresbiologischen Instituts die Reise Calanthas bis heute immer haargenau mitverfolgen, denn immer wenn die Schildkröte, mitten im Atlantik, auftauchte um nach Luft zu schnappen, wurde sie vom Satelliten erfasst, und die Daten an den Hauptcomputer des Instituts weitergegeben.

So weiß man heute, das Calantha 322 Tage brauchte, um in die Karibik zu kommen. Sie legte eine Strecke von immerhin 10.600 km zurück, in einem Meer das sie nicht mehr kannte.
Der Atlantik ist riesig, und die Schildkröte, die 30 Jahre in Gefangenschaft gelebt hat, hätte überall hin schwimmen können.
Das sie ausgerechnet dahin geschwommen ist, wo die verschiedensten Meeresschildkrötenarten zusammenkommen um sich zu paaren und zu überwintern, bleibt wohl für Ewig ein Rätsel der Natur.

Ob sich Calantha wohl paaren wird, so wie es sich die Meeresbiologen wünschen, das steht noch in den Sternen. Jedenfalls ist sie in dem besten Alter dafür.
Fakt ist aber, das es weltweit das erste mal ist, das eine Meeresschildkröte nach so langer Zeit in Gefangenschaft, es geschafft hat sich wieder in der Natur zurechtzufinden.

Der Peilsender, den Calantha an ihrem Panzer trägt, soll noch gute drei bis vier Jahre funktionieren.
Mal sehen, in wie weit eine knapp 40 Jahre alte Meeresschildkröte die den größten Teil ihres Lebens in Gefangenschaft gehalten wurde, die Wissenschaft und uns alle noch überraschen wird.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Endlich eingeweiht


Wie in meinem post „Der grüne Leuchtturm von Cacilhas“, vom 18.06.2009, angekündigt, will ich heute hier über die Einweihung des neuen (alten) Leuchtturms von Cacilhas schreiben.

Nach seinem „Exil“ auf den Azoren, ist der alte Leuchtturm wieder nach Cacilhas zurückgekehrt und hier, in Anwesenheit der Bürgermeisterin von Almada, Maria Emília de Sousa, und dem Oberbefehlshaber der Marine, Admiral Fernando de Melo Gomes, am letzten Samstag, dem 18. Juli 2009, feierlich eingeweiht worden.

Die Einweihungszeremonie ging einigermaßen harmonisch über die Bühne, obwohl Tage zuvor, im Stadtparlament von Almada, die Sitzungen alles andere als harmonisch verliefen.
Hier, im Stadtparlament, ging es nämlich darum, das der Leuchtturm, der immer eine grüne Farbe hatte, plötzlich rot angestrichen worden war, und auch so bleiben soll.

Die Stadtabgeordneten der Opposition wollen es nicht akzeptieren, dass der Leuchtturm nun eine rote, anstatt eine grüne Farbe hat, denn, so argumentieren sie, mit dieser Farbe, ist er nicht mehr der selbe Leuchtturm.

Sie finden es äußerst Merkwürdig das der Leuchtturm nun ausgerechnet die Farbe hat, die auch gleichzeitig die politische Farbe der regierenden Partei im Stadtparlament ist, nämlich rot wie der Kommunismus.
Auf diesen Vergleich angesprochen, meinte die Bürgermeisterin nur, es handele sich um einen Zufall.

Die Stadt hätte sich dafür entschieden den Leuchtturm rot anzustreichen, weil noch eine Menge dieser Farbe in den Depots der Stadt gelagert gewesen seien und grüne Farbe allerdings, noch hätte eingekauft werden müssen.
Aus Kostengründen hätte man also den Leuchtturm rot angestrichen, und nicht aus politischen Gründen, wie die Opposition meine.

„Wer es glaubt, wird selig!“ – so konterte die!

Wie auch immer.
Der Führer der oppositionellen Sozialistischen Partei (PS), dessen politische Farbe rosa ist, hat schon versichert, das er nicht vorhat, bei einem Sieg der kommenden Kommunalwahlen im Oktober, den Leuchtturm rosa anzustreichen…

Freitag, 5. Juni 2009

So war die Seefahrt im Zeitalter der Entdeckungen wirklich


Diese Woche traf ich in der Lissaboner Altstadt ein deutsches Touristenehepaar aus Neuss, welches mich nach dem Denkmal der Entdeckungen (Monumento dos Descobrimentos) fragte und mich bat, ihnen den Weg zu diesem zu erklären.
Dieses imposante Bauwerk, für mich persönlich einer der schönsten der Hauptstadt, ist 1960, anlässlich des 500. Todesjahres von Heinrich dem Seefahrer (Infante Dom Henrique, o Navegador) erbaut worden.
Es stellt einen gigantischen, symbolischen Schiffsbug dar, der auf das offene Meer hinausweist, und auf dem sich überlebensgroße Figuren aus dem Entdeckungszeitalter versammelt haben.
Auf eine gewissen Art und Weise glorifiziert dieses Denkmal die Entdeckungsfahrten Portugals und natürlich auch die Seefahrt an sich.
Aber die Seefahrt, nachdem was man heute weiß, war im ausgehenden 15. Jahrhundert alles andere als glorreich oder gar romantisch. Im Gegenteil! Heute weiß man dass eine Reise auf See damals sehr unsicher, ungemütlich und dreckig war.
Laut einem Bericht des portugiesischen Marineministeriums aus dem Jahre 1992, ging im 16. und 17. Jahrhundert, durchschnittlich jedes dritte Schiff, das sich hier von Lissabon auf den Weg in die Kolonien machte, unter!
40% der Besatzung starb auf diesen Reisen, und erreichte so nie wieder heimatlichen Boden. Sie wurde Opfer, nicht nur von Schiffsuntergängen, sondern auch von Piraten, von Krankheiten und Überfällen von Eingeborenen.
In diesem Ambiente von Not, Leid, Entbehrung und Gewalt fand ein ständiger Überlebenskampf statt. Wer sozial besser gestellt war, hatte auch bessere Überlebenschancen. Wer sozial schlecht gestellt war, hatte so gut wie keine Überlebenschancen. So einfach war das damals!
Laut den Reiseberichten von Damião de Góis, der im 16. Jahrhundert regen Schriftverkehr mit Erasmus von Rotterdam und Martin Luther hatte, beförderte eine portugiesische Karavelle auf ihrer Fahrt von Portugal nach Brasilien, Indien oder China bis zu 500 Personen.

Es ist heute wissenschaftlich erwiesen (und hier übersetze ich frei aus dem Buch des Historikers Fábio Pestana Ramos, von der Universität São Paulo), dass

- im Durchschnitt die Passagiere und Matrosen auf einer Karavelle nur 50cm² Platz hatten. Nur dem Kapitän und dem Steuermann standen eine Kabine von durchschnittlich 2m² zur Verfügung. Offizieren, Edelleuten und Kirchenmännern standen, auch wenn man es kaum glauben mag, ebenfalls nur knapp über 50cm² zu.

- Passagiere und Besatzung teilten sich Schlaf- und Essensbereiche. Wer es sich leisten konnte schlief auf Hängematten. Aber der größte Teil, wie die meisten Matrosen, die noch halbe Kinder waren, schliefen auf dem Plankenboden. Zu essen gab es für alle das gleiche: vorwiegend Zwieback, Oliven, Lupinenkerne, getrocknetes Obst und Bacalhau, den gesalzenen Stockfisch. Heute weiß man, das die Tatsache das es auf portugiesischen Schiffen mehr gesalzenen Fisch zu essen gab, als auf den Schiffen anderer Nationen, wo es hauptsächlich gepökeltes Fleisch als Verpflegung gab, dazu geführt hat, das portugiesische Seeleute weniger an Skorbut litten, als die Seefahrer anderer Länder.

- die hygienischen Verhältnisse an Bord waren katastrophal, selbst für die damalige Zeit. An Baden war nicht zu denken, und so waren selbst Offiziere, Edelleute und Mönche voller Läuse, Wanzen und Flöhe. Wer seine Notdurft verrichten musste hatte zwei Möglichkeiten. Entweder er war reich und nannte einen Nachttopf sein Eigen (der dann über Bord ausgeleert wurde) oder er war nicht reich, und musste sich an der Reling direkt ins Wasser entleeren. Viele gingen dabei, vor allem bei starkem Wellengang, über Bord und verloren ihr Leben.

- da praktisch nie ein Arzt an Bord war, waren Passagiere und Besatzungsmitglieder bei ernsthaften Erkrankungen dem Tode geweiht. Selbst simple Krankheiten, wie einfache Erkältungen, Masern und Windpocken breiteten sich blitzschnell zu Epidemien aus.

- der schlimmste Feind eines Kapitäns auf einer Überfahrt über den Atlantik oder Pazifik, war die Langeweile der Besatzung und Passagiere. Durch zu viel Freizeit und Nichtstun, brachen regelmäßig Revolten und Meuterein aus. Deshalb fanden auf portugiesischen Schiffen fast täglich Prozessionen, Gottesdienste und Kirchenspiele statt.

- im Durchschnitt war das Verhältnis Männer/Frauen 50 zu 1. Die Frauen die sich an Bord befanden, waren meistens Passagiere oder Prostituierte. Sie wurden skrupellos von den Männern an Bord sexuell belästigt, auch wenn sie verheiratet waren. Da so wenige Frauen an diesen Überfahrten teilnahmen und die Männer monatelang sich selbst überlassen waren, war die Homosexuellenrate an Bord sehr hoch.

- der wichtigste Mann an Bord eines portugiesischen Schiffes war nicht der Kapitän sondern der Steuermann (laut königlichem Dekret von 1498 waren in der portugiesischen Marine Kapitän und Steuermann gleichberechtigt, was damals einzigartig auf der Welt war). Der Kapitän hatte die „autoritäre“ Rolle, aber der Steuermann war verantwortlich für das sichere Erreichen des Zielortes.

Aber obwohl so viele Karavellen und Naus in den sieben Weltmeeren untergingen, und fast die Hälfte der Besatzung ihr Leben auf dem Wasser lies, lohnten sich solche Überseereisen finanziell fast immer. Denn der Ertrag den die vollbeladenen Segelschiffe nach Portugal brachten war enorm.
Kirchen, Klöster und Paläste, überall in Portugal, zeugen noch heute von diesem immensen Reichtum.
Erwähnenswert sei vielleicht noch die Tatsache, dass die portugiesische Marine, trotz all der oben beschriebenen schrecklichen Tatsachen, den Ruf einer der besten Marinen der damaligen Zeit hatte.

Wenn ihnen also diese Berichte von damals so schrecklich erscheinen, stellen sie sich vor, wie es erst auf den Schiffen anderer Nationen zugegangen sein muss.