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Donnerstag, 14. Februar 2013

Kosmische Grüße von der ISS


Der kanadische Astronaut Chris Austin Hadfield, der schon mit den Raumfähren „Atlantis“ und „Endeavour“ um die Erde geflogen ist, befindet sich derzeit wieder im All.
Zusammen mit seinem us-amerikanischen Kollegen Thomas Marshburn und dem Russen Roman Romanenko bilden die drei die aktuelle Crew der ISS (engl.: International Space Station / dt.: Internationale Raumstation / port.: Estação Espacial Internacional), die 350 km über unser aller Köpfe schwebt.

Hadfield hat ein ausgefallenes Hobby.
Er hat die Angewohnheit die Welt von oben zu fotografieren und dann diese Fotos bei Twitter oder facebook mit seinen Freunden zu teilen.
Am gestrigen Mittwoch, den 13. Februar 2013, ist er wieder einmal seinem Hobby nachgegangen, und hat einige Bilder ins soziale Netz gesetzt.
Unter anderem veröffentlichte er dabei auf Twitter ein Bild, der portugiesischen Hauptstadt bei Nacht.

Das Foto zeigt das hell erleuchtete Lissabon, seine Vororte Estoril, Cascais, Sintra und ein Teil der südlich von der Hauptstadt gelegenen Setubal-Halbinsel (port.: Peninsula de Setúbal), sowie rechts den nicht beleuchteten Tejo und links davon den ebenfalls nicht beleuchteten, dunklen Atlantik.
Deutlich sind auf dem Foto die zwei Tejobrücken, der Monsantopark (port.: Parque de Monsanto), die grüne Lunge der Stadt, und auf der südlichen Tejoseite die Städte Almada, Seixal, Montijo und Barreiro zu sehen.

Der Blick vom Weltall auf unsere Erde ist immer imposant und traumhaft schön!
Astronauten, die von ihrem Weltraumausflug zurückkehren schwärmen noch Jahrzehnte nach ihrem Aufenthalt im All davon.
Umso schöner ist es da, dass Chris Austin Hadfield uns Normalsterbliche an diese einzigartigen Ausblicke teilhaben lässt.

Wer Hadfield auf Twitter verfolgen will: Chris Hadfield @Cmdr_Hadfield

Sonntag, 27. Januar 2013

Das Landgut Quinta de Vale do Rosal

Unweit meines Wohnortes, im kleinen Ort Charneca da Caparica, gibt es ein altes, in den letzten Jahren leider etwas heruntergekommenes Landgut, das den Namen „Quinta de Vale do Rosal“ (dt.: Landgut des Tales des Rosenstockes) trägt, und das sehr idyllisch gelegen ist.
Einige, vor allem Brasilianer, kennen das Landgut auch unter seinem zweiten Namen „Quinta dos Quarenta Mártires“ (dt.: Landgut der Vierzig Märtyrer).
Wie die Quinta zu diesem Namen kommt, werde ich etwas später hier im Text erklären.

Als ich gestern Mittag an dem Landgut vorbeifuhr, musste ich traurig feststellen, das der Orkan, der vor genau acht Tagen hier in Portugal heftig gewütet und mancherorts für viele Zerstörungen gesorgt hat, auch die Quinta de Vale do Rosal nicht verschont hat.
Eine riesige Zypresse, die majestätisch an der Toreinfahrt gestanden hatte, ragte nun, umgeknickt, über die Mauer des Landgutes, und ist nun wohl unwiderruflich verloren.
Sicherlich, man findet im Park der Quinta de Vale do Rosal viele schöne und seltene Bäume, aber diese über 300 Jahre alte prächtige Zypresse war wohl eines der schönsten ihrer Art hier in Portugal.

Die Quinta de Vale do Rosal geht auf das Jahr 1559 zurück, als Mitglieder der Gesellschaft Jesu (port.: Companhia de Jesus / lat.: Societas Jesu) hier ein Kloster mit Spital und Kolleg gründeten, den sie das Kloster Unserer Lieben Frau zur Rose (port.: Convento de Nossa Senhora da Rosa) nannten.
Hier pflegten sie Kranke und bildeten später auch ihre Novizen aus, bevor diese nach Indien, China, Japan und Lateinamerika gingen, um dort zu missionieren.

Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Jesuiten auf dem Gebiet der Quinta, auf einer Anhöhe die im Volksmund bis heute Monte da Cruz genannt wird, ein Holzkreuz, wo sie oft zum beten zusammenkamen.
Im 19. Jahrhundert wurde dann das hölzerne Kruzifix durch ein Kreuz aus Stein ersetzt.
Dieses Kreuz ist auch heute noch ein wichtiger geistiger Treffpunkt, nicht nur für die Bevölkerung von Charneca da Caparica, sondern auch für viele andere Gläubige aus ganz Portugal und Übersee.

Im Januar 1570 ließ sich der Jesuitenpater Inácio de Azevedo mit 40 jungen Schülern des Ordens für fünf Monate auf der Quinta de Vale do Rosal nieder, und sicherlich haben auch sie dann auch vor besagten Holzkreuz gebetet.
Hier wollten sie körperliche, selige und geistige Kraft tanken, bevor sie sich alle auf dem Weg nach Brasilien machten, wo sie im Süden der damaligen portugiesischen Kolonie die Indios bekehren wollten.
Diese 40 Gottesmänner, die im Juli 1570 alle den Märtyrertod vor den kanarischen Inseln sterben sollten und somit niemals bis nach Brasilien kamen, sind in die Geschichtsbücher als die „Die Vierzig Märtyrer Brasiliens“ (port.: „Os Quarenta Mártires do Brasil“) eingegangen.
Papst Pius IX sprach sie alle, 284 Jahre später, am 11. Mai 1854, in Rom selig.

Als im September 1759 auf Anweisung des Marques de Pombal, seines Amtes Premierminister von König José I, die Jesuiten aus Portugal und seinen Kolonien vertrieben und die ganzen Güter und Besitztümer des Ordens beschlagnahmt wurden, fiel auch, genau 200 Jahre nach ihrer Gründung, die Quinta de Vale do Rosal in den Besitz des portugiesischen Staates.
Erst nach über 120 Jahren, nachdem es den Jesuiten wieder erlaubt war sich in Portugal niederzulassen, wurde die Quinta de Vale do Rosal 1880 dem Jesuitenorden wiedergegeben.
Sie sollte aber nie wieder die geistige und Bedeutung für den Orden erlangen, die sie einmal hatte.

Als am 04. Oktober 1910 in Almada die Republik in Portugal ausgerufen wurde, einen Tag bevor dies in Lissabon geschah, wurde das Landsgut von Revolutionären und Antiklerikalen überfallen, die Kapelle und das Gutshaus in Brand gesetzt und das ganze Anwesen geplündert und mutwillig zerstört.
Die Quinta de Vale do Rosal gelang wieder einmal in den Besitz des portugiesischen Staates.

Vier Jahre nach der Republikgründung stand die Quinta zum Verkauf.
Doch erst zwei Jahre später erwarb der Lissabonner Kaufmann João Carlos die Quinta de Vale do Rosal bei einer öffentlichen Versteigerung.
Am 16. Oktober 1916 unterschrieb er den Kaufvertrag und macht das Anwesen fortan zu seinem neuen Wohnsitz.
Bis zum heutigen Tag ist die Quinta de Vale do Rosal im Besitz der Familie Carlos geblieben.

Viele Portugiesen, auch viele Einwohner von Almada, wissen heute nicht mehr welchen wertvollen geschichtlichen Schatz sich im Umkreis ihrer Stadt befindet.
Aber die Quinta de Vale do Rosal ist nicht völlig vergessen, denn viele Brasilianer besuchen heute noch die Quinta regelmäßig um den 40 Märtyrern, Inácio de Azavedo und seine Begleiter, zu gedenken.

Es ist traurig, aber wahrscheinlich muss erst wohl die Katholische Kirche die 40 Märtyrer heilig sprechen, damit die kulturelle, geistige und geschichtliche Bedeutung dieses Landgutes hier, von den portugiesischen Behörden und der Stadt Almada, endlich richtig gewürdigt wird.

Freitag, 13. Juli 2012

Goldener Tejo

Als ich heute Abend, nach der Arbeit, mit meiner guten Freundin Ana Celeste den Tejo überquerte, stand die Sonne schon ziemlich tief.
So kurz vor dem Sonnenuntergang fallen jetzt im Sommer die Sonnenstrahlen wie eine Flut aus schimmerndem Gold auf das sanft wogende Wasser des Flusses.

Ana Celeste, die den Tejo nur selten überquert, da sie in Odivelas lebt, war von diesem „goldigen“ Schauspiel überwältigt und meinte nur:

„ …traumhaft, sieht aus wie fließendes Gold!…“

Und kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, fragte sie mich allen ernstes:

„Was meinst Du, gibt es im Tejo Gold?“

Nun, das es heute noch Gold im Tejo gibt, wage ich stark zu bezweifeln.
Sicherlich, das eine oder andere kleine Schmuckstück, die eine oder andere Goldmünze aus vergangenen Jahrhunderten wird dort unten sicherlich, unter meterhohem Schlick, zu finden sein.
Sonst wird man im Tejo aber wohl sicherlich kein Gold mehr anfinden.
Aber es gab ihn einstmals sehr wohl – Gold im Tejo!

Zwar war der Fluss nie ein „El Dorado“, aber schon die Karthager und die alten Römer haben an seinem Ufer, unweit der Stadt Santarém, wohl erfolgreich nach Gold geschürft.
Hier in Lissabon war das Schürfen nach Gold aber eher kläglich.
Alte Schriften belegen zwar, dass es an den sandigen Ufern des heutigen Lissabons, Almadas und Seixals, einstmals sehr wohl Gold gegeben hat, aber die Mengen müssen doch sehr überschaubar gewesen sein.

Der im 12. Jahrhundert lebende berühmte arabische Botaniker und Geograph Muhammad al-Idrisi schreibt hierzu in seinem Hauptwerk „Nuzhat al-Mushtak fi-ichtiraq al-afaq“ (port.: „Viagem do saudoso que atravessa os horizontes“ / dt.: „Reise des Sehnsüchtigen der die Horizonte überquert“) folgende Anmerkungen:

„Sie (die Goldsucher) suchen an den Ufern von Hisn al-Madin (port.: Almada) nach (Gold)Blättchen und bergen diese in Hülle und Fülle aus dem Meer (dem Fluss Tejo) …“
„Das Gold schimmert in den blauen Wassern. Sogar Kinder finden es ohne Mühe und von einem Meister wurde mir gar berichtet er hätte an einem einzigen Tag über 200 Goldkörner in seiner Pfanne gehabt…“

Zugegeben, der große Muhammad al-Idrisi, der aus dem maurischen Königreich Al-Andalus (dt.: Andalusien) stammte und an der Universität von Cordova studiert hat, ist selbst nie in Lissabon gewesen.
Aber er ist sehr wohl dafür berühmt, dass er in seinen Schriften immer äußerst zuverlässig und sehr detailgenau berichtete.
Nichtsdestotrotz scheint ihm hier die Phantasie, jedenfalls was die Mengen an Gold angeht, wohl durchgegangen zu sein.

Bis hinein ins 15. Jahrhundert, also schon in portugiesischer Zeit, erwähnen noch einige Schriften Goldfunde in und um Lissabon.
Als die portugiesischen Seefahrer dann aber anfingen in die Welt hinauszufahren und in Afrika, Indien und Brasilien Gold in rauen Mengen anfanden, hörten die Berichte über die Funde dieses Edelmetalls in hiesigen Gewässern langsam auf.

Wie viel Gold der Tejo den Menschen im laufe der Jahre wirklich geschenkt hat, ist heute unkalkulierbar.
Weitaus kalkulierbarer sind dagegen, jetzt im Sommer, die schönen Sonnenuntergänge die man an den Ufern dieses prächtigen Flusses bewundern kann!

Samstag, 26. Mai 2012

Portugal zeigt Flagge



Als ich heute mit einem Freund in Richtung Costa de Caparica gefahren bin, konnten wir von der Autobahn aus die riesige portugiesische Flagge sehen, die nun an der Frontseite des Shopping-Centers Almada Forum prangt.
Diese überdimensionale Flagge wurde gestern, über Nacht, an der Glasfassade des zweitgrößten Einkaufscenters des Landes angebracht.
Sie ist 44 m breit, 25 m hoch und bedeckt eine Fläche von 1100 m².

Diese riesige Nationalflagge soll die portugiesische Fußballnationalmannschaft bei der kommenden EM in Polen und der Ukraine „mental unterstützen“ und für die vielen Nationalflaggen stehen, die einstmals bei der EM 2004 hier im eigenen Land, an jedem Ort zu sehen waren.

Damals schmückten tausende und abertausende portugiesische Flaggen jeden erdenklichen Ort.
Kein Haus, kein Auto, keine Straße und kein Balkon das nicht mindestens mit einem kleinen Portugal-Wimpel geschmückt war.
Und auch die Menschen blieben damals hierzulande vom grassierenden Nationalfarben-Fieber nicht verschont. Da wurden rot und grün zu Farben der „Kriegsbemalung“, und die eingefärbten Sonnenbrillen, die zweifarbigen Capis und die entsprechenden T-Shirts wurden mit Stolz getragen.
Psychologisch hat das alles damals, ohne Zweifel, die portugiesische Nationalmannschaft 2004 bis ins Finale gebracht.

Aber wir befinden uns heute nicht mehr im Jahre 2004, sondern im Jahre 2012.
Portugal muss heute mit einer enormen Schuldenkrise und all ihren negativen Folgen fertig werden.
Als Portugiese versucht man momentan eher mit der kollektiven Zukunftsangst zu Recht zu kommen als daran zu denken, wie man sein Auto oder sein Haus mit Fähnchen schmückt.
Die Freude auf die kommende EM 2012 ist hier in Portugal, gelinde gesagt, eher verhalten.
Und nach dem mickrigen 0:0 im heutigen Freundschaftsspiel gegen Mazedonien habe ich das Gefühl das die Freude auf die EM sogar noch geringer geworden ist.

Egal wie die Jungs von Nationaltrainer Paulo Bento bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine auch abschneiden werden, und egal ob die riesige Nationalflagge, die jetzt am Almada Forum hängt, dazu beitragen wird das die portugiesische Nationalmannschaft sich durch ihre Fans „getragen“ fühlt – wichtig ist nur, das die Menschen in den nächsten Wochen dieses sportliche Großereignis dazu nutzen werden, um zusammen zu kommen und um zusammen zu feiern.

Das würde ich uns allen wünschen!

Montag, 7. Mai 2012

Dia da Marinha 2012



Im Monat Mai feiern wir hier in Portugal traditionell den „Dia da Marinha“ (dt.: Tag der Marine).
Dieser Tag, der alljährlich am 20. Mai gefeiert wird, geht auf den 20. Mai 1498 zurück.
An diesem besonderen Tag landete der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama am Strand von Kappakadavu, nördlich der Stadt Calecut, mit seiner Flotte an und entdeckte so den Seeweg nach Indien (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Vasco da Gama“ vom 12. Januar 2012).
Dieses Ereignis, am Ende des 15. Jahrhunderts, gilt noch heute als die höchste Leistung der portugiesischen Marine (port.: marinha portuguesa).
Dieser Leistung gedenkt man, wie schon erwähnt, jedes Jahr im Mai.

Die Stadt Almada wird in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum „Dia da Marinha“ ausrichten.
Vom 12. bis zum 20. Mai 2012 wird sich dann die portugiesische Marine wieder einmal mit den verschiedensten Aktionen, Veranstaltungen, einer Regatta, einer Ausstellung und sogar einem Konzert den Bürgern präsentieren.

An allen Tagen wird es dem Publikum möglich sein an verschiedenen Flugsimulatoren (port.: simuladores de voo) und Navigationssimulatoren (port.: simuladores de navegação) auszuprobieren, wie sich z.B. ein Marinehubschrauber oder eine Fregatte manövrieren lässt.
Ein Tauchkurs für Kinder wird ebenfalls angeboten werden.

Während dieser Tage wird einem auf dem Marinestützpunkt Alfeite außerdem die Gelegenheit geboten werden, mit verschiedenen Barkassen und Torpedobooten den Tejo zu befahren.
Außerdem wird man die Möglichkeit haben, unter anderem, eine Marinefregatte, eine Korvette und das Segelschulschiff „Sagres“ (port.: Navio Escola „Sagres“) zu besuchen, welches dieses Jahr seinen 75sten Geburtstag feiert.

Am Freitag, dem 18. Mai 2012, wird dann abends die Marinekapelle der Portugiesischen Armada (port.: Banda da Armada) auf dem zentralen Platz Almadas, der Praça São João Batista, ein Freiluftkonzert geben.

Eine kirchliche Messe in der Pfarrkirche Nossa Senhora da Assunção (port.: Igreja Paroquial de Nossa Senhora da Assunção) in Almada und eine militärische Zeremonie der Seestreitkräfte auf dem Platz vor dem Museumsschiff „Fragata Dom Fernando II e Glória“ in Cacilhas werden dann am 20. Mai die Feierlichkeiten zum Tag der Marine schließlich beenden.

Da für die kommenden Tage schönes Wetter vorhergesagt ist, hoffen die Veranstalter auf viele Besucher.
Wer noch nie an einem „Dia da Marinha“ teilgenommen hat, dem kann ich nur empfehlen ab dem 12. Mai in Almada vorbeizuschauen.
Sie werden es sicherlich nicht bereuen!

Samstag, 25. Februar 2012

In memoriam: Infantin Maria Adelaide de Bragança van Uden


Maria Adelaide de Bragança van Uden, Infantin von Portugal, ist am gestrigen 24. Februar 2012, 25 Tage nach ihrem hundertsten Geburtstag, im Kreise ihrer Familie verstorben.
Sie war Zeit ihres Lebens eine engagierte, sehr sozial eingestellte und beispielhafte Person.

Geboren wurde Infantin Maria Adelaide, die mit vollem Namen Maria Adelaide Amélia Micaela Rafaela de Bragança van Uden hieß, am 31. Januar 1912, im Exil, im südfranzösischen Saint-Jean-de-Luz.
Sie war die Tochter des portugiesischen Herzogs Miguel de Bragança und der deutschen Prinzessin Maria Theresia von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und eine Enkelin des im Exil lebenden Königs Miguel I von Portugal, dem ersten Gemahl von Königin Maria II.

Noch als Kind zieht sie mit ihren Eltern von Frankreich nach Österreich, wo die Familie sich zuerst in Salzburg niederlässt.
Infantin Maria Adelaide macht nach ihrer Schulzeit auf dem Gymnasium Sacre Coeur von Riedenburg eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitet später im Wiener Stadtkrankenhaus.
Als der II. Weltkrieg ausbricht bleibt sie mit ihrer Familie in Wien und unterstützt den österreichischen Widerstand gegen Adolf Hitler.

Als die Alliierten Wien mit Bomben übersäen leistet Infantin Maria Adelaide tatkräftig humanitäre Hilfe.
Nach dem Krieg sagen mehrere dutzend Zeugen aus, sie sei immer nach den verheerenden Bombenangriffen auf die Stadt stets als eine der ersten an Ort und Stelle gewesen, um die schwer Verwundeten und Traumatisierten medizinisch und moralisch zu unterstützen.

Im Jahre 1943 lernt sie den jungen niederländischen Arzt Nicolaas Johannes van Uden, der im selben Krankenhaus wie sie tätig ist, kennen und lieben.
Mitte 1944 wird Infantin Maria Adelaide als Widerstandskämpferin gegen Nazideutschland entlarvt, von der deutschen Gestapo festgenommen und nach einem kurzen Prozess vom Hitlerregime zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Nur eine diplomatische Interventionen des portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar, der vor Hitler origineller Weise darauf pocht das die Infantin portugiesisches „Staatseigentum“ ist, rettet ihr das Leben.
Da Infantin Maria Adelaide und ihre gesamte Familie im Exil lebten, hatten sie laut der portugiesischen Verfassung kein anrecht auf eine Einreise nach Portugal.
Als „Staatseigentum“ eines neutralen Landes, was Portugal ja während des II. Weltkrieges ja war, hatte sie aber gewisse Rechte.
Und so war es Salazar zwar nicht möglich die Infantin nach Portugal zu holen, sie aber sehr wohl in ein Drittland reisen zu lassen.
So wurde Infantin Maria Adelaide aus der Todeszelle in die Schweiz abgeschoben, wo sie bei ihrem Bruder Duarte Nuno, dem Herzog von Bragança, unterkam.

Nach dem Krieg ging Maria Adelaide wieder nach Österreich zurück.
Am 13. Oktober 1945 heiratet sie in Wien Nicolaas Johannes van Uden, der sie während ihrer ganzen Haftzeit unterstützt hat.
In Wien, werden ihre ersten drei Söhne geboren:
im Jahre 1946 Adriano Sergio Antonio Maria, 1947 Nuno Miguel und 1949 Francisco Xavier Damião.
1949 erlaubt Salazar, nach einer Änderung der portugiesischen Verfassung, die Rückkehr der Braganças nach Portugal.

Hier in Portugal werden dem Paar dann ihre drei anderen Kinder geboren:
im Jahre 1951 die Tochter Filipa Teodora Maria, 1954 der Sohn Miguel Inacio und 1956 eine weitere Tochter, Maria Teresa.
Infantin Maria Adelaide und ihre kleine Familie lassen sich zuerst in der Quinta do Carmo, in Almada, nieder.
Später ziehen sie ins 15 km weiter entfernte Caparica.

Genauso wie in Österreich, so engagiert sich Infantin Maria Adelaide auch hier in Portugal stark im sozialen Bereich.
Vor allem in den Orten Trafaria und Monte da Caparica, zwei sozialen Brennpunkten der Stadt Almada, werden dank ihres Engagements viele Hilfsprojekte ins Leben gerufen und von ihr dann auch tatkräftig unterstützt.

Infantin Maria Adelaide hat nie viel Aufsehen um ihr soziale Arbeit gemacht und sich stets dezent im Hintergrund gehalten.
Das entsprach zweifelsohne auch völlig ihrem Naturel.
Ich bin ihr das erste Mal 1994, rein zufällig, in Costa de Caparica begegnet. Danach habe ich sie, über die Jahre hinweg, noch einige Male als eine ganz einfache und sympathische Frau, ohne Starallüren und mit viel Charme kennen lernen dürfen.

Am 31. Januar 2012, an ihrem hundertsten Geburtstag wurde sie von Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva mit dem portugiesischen Verdienstorden „Medalha da Ordem do Mérito“ ausgezeichnet.
Die Beerdigung wird in den nächsten Tagen, auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin, im engsten Kreis der Familie erfolgen.
Am kommenden Donnerstag, dem 01. März 2012 findet im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) zu Lissabon ein feierlicher Gedenkgottesdienst zu ihren Ehren statt.

Infantin Maria Adelaide de Bragança van Uden war für mich, und nicht nur für mich, eine Kämpferin der gerechten Sache und eine Heldin.
Eine von der Sorte, wie es sie leider heutzutage nur noch sehr wenige gibt!

Dienstag, 31. Januar 2012

Eine heiße Schokolade bei „Claudio Corallo“


Wer mich kennt, weiß dass ich eigentlich ein passionierter Kaffeetrinker bin.
Seitdem ich aber Probleme mit meinem hohen Blutdruck habe, habe ich meinen Kaffeekonsum total eingeschränkt. Außer einem hellen Milchkaffee ab und dann, habe ich seit nunmehr zehn Monaten keinen Kaffee mehr getrunken.
Stattdessen habe ich mich daran gewöhnt ab und zu eine heiße Schokolade zu trinken.

Während man allerdings hier in Portugal, wo es zweifelsohne eine Kaffeekultur gibt, leicht an einen guten Kaffee rankommt, ist es dagegen ziemlich schwierig an eine gute heiße Schokolade ranzukommen.
Ich habe lange, sehr lange, in Almada und in Lissabon nach einem Ort gesucht, an dem man eine echte heiße Trinkschokolade – kein Kakao!!! – zu sich nehmen kann und diesen Ort endlich letzte Woche gefunden.

Dieser Ort, ist ein Ort, an dem die Schokolade so schmeckt, wie sie schmecken sollte und wie ich sie aus meinen Besuchen in Brasilien kenne.
Dieser Ort liegt im Principe Real, Mitten in Lissabon, in der Rua Cecilio da Sousa n° 85, und heißt „Claudio Corallo“.

Die Einrichtung im „Claudio Corallo“ ist nicht übermäßig reich an Dekor, Verzierungen und Verschnörkelungen.
Vergleicht man dieses Café mit anderen Cafés Lissabons, so ist dieses recht schlicht.
Aber das spielt insofern keine Rolle, als das man hier wirklich nicht wegen der Inneneinrichtung einkehren sollte, sondern um wirklich die beste heiße Schokolade der Stadt zu trinken.

Bei „Claudio Corallo“ wird die Trinkschokolade serviert, wie anderswo eine „Bica“, nämlich in einer Kaffeetasse, die dieselbe Dimension hat wie eine Espressotasse.
Wer noch nie echte Trinkschokolade getrunken hat, dem kann man den Geschmack nur schwer erklären.
Die Azteken nannten ihre Schokolade den „Trank der Götter“, sie nannten sie sogar den „flüssigen Himmel“.
Fakt ist, das echte Trinkschokolade nichts, aber auch rein gar nichts mit den Kakaogetränken zu tun hat, die wir üblicherweise kennen.
Trinkschokolade ist nämlich, im Gegensatz zum Kakao, eigentlich bitter, aber geschmacklich so besonders, dass man diese Bitterkeit regelrecht genießt.

Eine Tasse Trinkschokolade besteht bei „Claudio Corallo“ aus 100 % Natur, nämlich aus 75 % Schokolade, ohne den geringsten Konservierungsstoff oder künstlichem Aroma, und 25 % Rohrzucker vermischt mit Wasser – keinesfalls Milch!
Mehr kann man für 1,00 Euro, so viel kostet nämlich eine Tasse dieser Versuchung, weiß Gott nicht verlangen!

Donnerstag, 24. November 2011

Dank an alle im Krankenhaus Hospital Garcia de Orta


Ich habe mich die letzten Tage hier im Blog etwas rar gemacht.
Das liegt daran, dass ich gestern vor einer Woche hier in Almada, in das örtliche Krankenhaus Garcia de Orta, wegen einiger Untersuchungen die dringend durchgeführt werden mussten, eingewiesen worden bin.

Eigentlich war diese Einweisung erst für den Anfang des nächsten Jahres geplant, aber durch eine Absage eines anderen Patienten wurde jetzt im Krankenhaus ein Bett frei und ich habe, auf Anraten meiner Ärztin, jetzt schon die Untersuchungen über mich ergehen lassen.

Obwohl keiner von uns gerne ins Krankenhaus geht und obwohl die Tage die ich jetzt dort verbringen musste alles andere als leicht waren, habe ich, mit viel Eigendisziplin, Glauben, Hoffnung, Geduld und Hilfe meiner Eltern und des gesamten Krankenhauspersonals, die Zeit, den Umständen entsprechend, überstanden.

Anbei die Übersetzung eines Dankbriefes, den ich heute an das Krankenhaus Garcia de Orta geschrieben habe:


Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich möchte mich in aller Form bei ihnen für meinen, weniger freiwilligen Aufenthalt, in ihrem Krankenhaus bedanken.
Ich möchte mich vor allen Dingen bei der Chefärztin der Neurologie, Frau Dr. Ana Mateus, für ihr medizinisches Fachwissen und die unglaubliche Geduld die sie bei Patienten wie mir aufbringen muss, bedanken.
Ich muss gestehen, dass ich eher der Typ von Patient bin, der alles bis ins kleine Detail wissen will und dementsprechend zuweilen eine Fachrau wie Dr. Ana Mateus ganz schön ermüden kann.

Ich danke den beiden Assistenzärztinnen Dr. Cristina Santos und Dr. Rita Vicente Gouveia für die professionelle Betreuung und die Tatsache, dass sie mir jegliche Angst vor den insgesamt 14 unterschiedlichen, und zum Teil langwierigen und schmerzhaften Untersuchungen, genommen haben.

Außerdem danke ich den Schwestern, dem Pflegepersonal und dem ganzen Krankenhauspersonal des Garcia de Orta für die hervorragende Pflege, die eindrucksvolle Kompetenz und die unerschöpfliche Geduld, die sie stets an den Tag legten.

Mir ist die hohe Belastung, unter der Krankenhausärzte und Krankenhauspersonal im Allgemeinen stehen, sehr wohl bewusst.
Umso mehr freue ich mich über die Aufmerksamkeit und die Höflichkeit die mir in den letzten Tagen im Hospital Garcia de Orta entgegengebracht wurden.

Haben sie recht vielen Dank für alles!

Ihr
Ângelo Paulo Alves

Dienstag, 30. August 2011

Ponte 25 de Abril


In meinem Beitrag „Mautgebühren“, welches ich am 11. Juli 2011 gepostet habe, schreibe ich über die Mautgebühren der imposanten „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April), die majestätisch die beiden Ufer des Tejo, und somit Lissabon und Almada, miteinander verbindet.

Als die United States Steel Export Company, aus New York, zusammen mit 16 anderen Firmen am 06. August 1966, nach vierjähriger Bauzeit und somit ein halbes Jahr vor dem geplanten Bauende, die große Brücke über den Tejo fertig gestellt hatte, war sie die längste Hängebrücke (port.: Ponte Suspensa) Europas.
Noch heute ist sie, nach der Tsing-Ma-Brücke in China, die zweitlängste Hängebrücke der Welt, die Straßen- und Eisenbahnverkehr miteinander kombiniert.

Mit dem Bau der Brücke erfüllten sich die Lissabonner einen Jahrhundertalten Traum. Die Warterei auf die Auto- und Personenfähren, die bei Nebel, starkem Wind und schwerem Seegang oft den Dienst einstellten, hatte ein Ende.
Auch war man nicht mehr auf die 30 km weiter im Norden liegende Brücke Ponte Marchal Carmona in Vila Franca de Xira angewiesen, um in den Süden des Landes zu gelangen.

Zuerst taufte man die Brücke auf den Namen „Ponte Salazar“, nach dem Mann, der sie bauen ließ, nämlich den Diktator António de Oliveira Salazar.
Diesen Namen verlor sie aber am 25. April 1974, als die Diktatur durch die Nelkenrevolution beendet wurde. Einige Zeit lang nannte man sie nur noch die „Ponte sobre o Tejo“ (dt.: Brücke über den Tejo). Ich selber nenne sie heute noch so.
Aber die neuen revolutionären Machthaber hatten alsbald die Anonymität des technischen Wunderwerkes leid, und gaben ihr den weniger originellen Namen „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April).

Sie ist aus purem Stahlbeton, überspannt freitragend eine Distanz von 1013 Metern, ihre gesamte Länge beträgt stolze 2278 Meter.
Zwei 190 Meter hohe Pylone, deren Fundamente 82 Meter unter dem Meeresspiegel verankert sind, tragen die Fahrbahnen, die den Tejo in einer Höhe von 70 Metern überqueren. Insgesamt waren 3.022 Arbeiter an ihrem Bau beteiligt. Vier Arbeiter starben während der vierjährigen Bauzeit.
Die Baukosten betrugen damals 2,2 Milliarden Escudos, was umgerechnet auf heute, an die 160 Millionen Euro wären.

Die Brücke ist formschön, überhaupt nicht monströs und durch ihre rötliche Pastellfarbe wirkt sie für den Betrachter fast schwerelos, so als ob sie über Lissabon schweben würde.
Unter den Fahrbahnen liegt ein Eisenbahndeck mit zwei Schienensträngen, die zwar schon beim Bau der Brücke berücksichtigt, aber erst im August 1999 fertig gestellt wurden.

Die Ortschaften am Südufer des Tejo, wie Almada, Seixal, Montijo und Setúbal, die bis dahin ein regelrechtes Dornröschenschlaf durchlebten, begannen nach dem Bau der Brücke, am 05. November 1962, sprunghaft an zu wachsen.
Noch heute sind ein großer Prozentsatz der rund 23 Millionen Fahrzeuge die jährlich die Brücke überqueren, Pendler aus dem Süden, die in Lissabon ihrer Arbeit nachgehen.
Zu Spitzenzeiten überqueren ca. 7.500 Fahrzeuge pro Stunde die Tejobrücke, pro Tag sind das an die 180.000 Fahrzeuge. Außerdem verbinden ca. 160 Zugverbindungen jeden Tag die zwei Ufer des Tejo.

Wenn man von Almada mit dem Auto in Richtung Hauptstadt fährt, hat man eine wunderschöne Aussicht.
Lissabon liegt einem fast zu Füßen, wie ein aufgeblättertes Buch, riesengroß und glänzend weiß.
Im Osten kann man die Alfama sehen, mit der Burg Castelo de São Jorge.
Etwas weiter westlich erkennt man die Baixa und in Fahrtrichtung erkennt man die Amoreirastürme.
Im Westen liegt Belém, ausschwingend bis zur Torre de Belém und dem Denkmal der Entdeckungen.

Der Ausblick den man von der Brücke hat, soweit man nicht nur Augen für den Verkehr hat, lässt einen alle Beschädigungen und hausgemachten Infernos die es jeden Tag in Lissabon und Almada gibt, vergessen.
Von den Fahrbahnen der „Ponte 25 de Abril“ hat man einen der schönsten Fernblicke, die ich kenne.

Sonntag, 7. August 2011

Pack die Badehose ein


Selten assoziiert man Lissabon mit Stränden.
Ich weiß nicht warum, aber die meisten Menschen, wenn sie über Lissabon reden, ignorieren völlig die Tatsache das Lissabon praktisch an einer kilometerlangen Sandküste liegt.
Wenn man von Lissabon spricht, dann erwähnt man meistens seine geschichtlichen Bauten, die wundervollen Museen, die charakteristischen Stadtteile, den schwermütigen Fado und selbst die leckeren „Pasteis de nata“, aber niemals, wirklich niemals, seine Strände!

Dabei ist Lissabon eine der wenigen Hauptstädte auf der Welt, die von sich behaupten kann, einzigartige und feinsandige Badestrände zu besitzen, von denen viele noch nicht einmal 20 Minuten von der Lissabonner Innenstadt entfernt, leicht erreichbar und alle sauber sind.
Von den Wassertemperaturen will ich hier mal nicht sprechen, denn die sind mit 16°C bis 18°C eher gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen saukalt.

Nichtsdestotrotz habe ich hier, nun folgend, die für mich schönsten und besuchenswertesten Strände im Lissabonner Großraum aufgeführt, die ich selbst aufzusuchen pflege, wenn ich mal die Gelegenheit dazu habe einen Tag am Strand zu verbringen:

• Praia do Inatel (Costa de Caparica / Almada)
• Praia de Sesimbra (Sesimbra)
• Praia da Costa de Caparica (Costa de Caparica / Almada)
• Praia da Fonte da Telha (Costa de Caparica / Almada)
• Praia da Figueirinha (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia das Maçãs (Colares / Linha de Sintra)
• Praia do Estoril (Estoril / Linha de Sintra)
• Praia de Oeiras (Oeiras / Linha de Sintra)
• Praia dos Coelhos (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia dos Galapinhos (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia Grande (Linha de Sintra)
• Praia do Castelo (Costa de Caparica / Alamda)
• Praia do Portinho da Arrábida (Serra da Arrábida / Setúbal)
• Praia da Adraga (Almoçageme / Linha de Sintra)
• Praia de São João (Costa de Caparica / Almada)
• Praia do Guincho (Linha de Sintra)
• Praia do Rei (Costa de Caparica / Almada)

Die 17 Strände die ich hier aufgeführt habe bilden nur einen kleinen Teil der vielen Hausstrände die es im Lissabonner Großraum gibt.

Lissabon liegt zwischen zwei großen Küstenabschnitten.
Im Süden der Hauptstadt liegt der Küstenabschnitt der als „Costa de Lisboa“ (dt.: Küste von Lissabon) bekannt ist.
Die Costa de Lisboa beginnt am Mündungstrichter des Flusses Tejo und geht hinunter, immer entlang der Ausläufer der Serra da Arrábida, bis zum Mündungstrichter des Flusses Sado.
Diese Küste ist, bis auf die Gegenden um Caparica und Sesimbra, noch weitgehend vom internationalen Tourismus unberührt.
Viele Lissabonner verbringen gerne hier ihre Freizeit und auch ihre Sommerferien.

Westlich von Lissabon liegt der Küstenabschnitt „Costa do Sol“ (dt.: Sonnenküste).
Die Costa do Sol wird auch, wegen der ansprechenden Landschaft, der schönen Strände und des fast immer guten Klimas auch die „Portugiesische Riviera“ genannt.
Nicht umsonst verbringen viele Lissabonner ihre freie Zeit hier.
In der Hauptsaison, die von Juni bis September geht, sind die Strände daher meistens überfüllt und auf den Küstenstraßen herrscht dann das reinste Verkehrschaos.

Ich bin neulich mal gefragt worden, welches denn mein persönlicher Lieblingsstrand wäre.
Nun, ich werde mich hüten solch ein Geheimnis preiszugeben!
Schließlich will ich auch weiterhin meine wertvolle und knappe freie Zeit in Ruhe und Gelassenheit am Strand verbringen!

Einen kleinen Tipp kann ich hier aber dennoch geben:
In der weiter oben von mir aufgeführten Liste habe ich meinen Lieblingsstrand, wie konnte es auch anders sein, natürlich aufgezählt.

Montag, 11. Juli 2011

Mautgebühren


Nun ist es amtlich: Ab diesem Jahr muss man wieder, nach 15 Jahren, eine Mautgebühr (port.: portágem) bezahlen, wenn man die Tejobrücke „Ponte 25 de Abril“ mit dem Auto, dem Bus oder dem Motorrad im Monat August überqueren will.

Diese Maßnahme überrascht kaum einen, denn sie war schon von der alten sozialistischen Regierung unter José Socrates, im Falle eines Wahlsieges, vorhergesehen.
Die Sozialisten verloren zwar die Wahlen, aber die schwere wirtschaftliche Lage in Portugal zwingt die neue Regierung von Pedro Passos Coelho an dieser Maßnahme festzuhalten.

Laut Álvaro Santos Pereira, dem neuen Wirtschafts- und Arbeitsminister, spart der portugiesische Staat durch diese Maßnahme an die 48 Millionen Euro bis zum Jahre 2019.
Alleine schon diesen August werden ca. 4,4 Millionen Euro eingenommen.

Natürlich gibt es schon die ersten Proteste gegen diese Maßnahme. Vor allem die Einwohner Almadas, die zum großen Teil in Lissabon beschäftigt sind, beschweren sich das sie nun auch im August die Mautgebühr bezahlen werden müssen.
Sie finden dies durchaus ungerecht, da sie ja das ganze Jahr die Maut bezahlen müssen, und somit finanziell benachteiligt sind.

Dies ist aber eine Milchmädchenrechnung, denn im Monat August, dem Monat indem die meisten Portugiesen Urlaub haben, werden auch sicherlich tausende Lissabonner die Brücke überqueren müssen, wenn sie an die Lissabonner Hausstrände fahren wollen

Ich, der ich selber in Almada lebe und jeden Tag nach Lissabon rein muss, finde es nicht mehr als gerecht wenn ab jetzt auch im August die Mautgebühr erhoben wird.
Wenn ich nämlich das ganze Jahr über, egal in was für einen Monat, in den Norden, in den Süden oder in den Osten des Landes fahren will, muss ich ja auch immer Mautgebühren bezahlen.
Warum sollten also im Monat August, die abertausenden Lissabonner und Touristen aus aller Welt, die diese Brücke mit dem Auto überqueren, nicht ebenfalls zur Kasse gebeten werden?
Ich meine, wenn ich mit dem Auto nach Spanien, Frankreich oder Belgien fahre, muss ich doch auch das ganze Jahr über Mautgebühren bezahlen.

Ich kann allerdings diejenigen verstehen, die darüber aufgebracht sind, das wir hier im Süden des Landes, wenn wir nach Lissabon rein fahren wollen, immer eine Mautgebühr entrichten müssen, während weiter oben im Norden, in der Stadt Porto, kein einziger Cent bezahlt werden muss, wenn man dort in die Stadt rein fährt.
Besonders gerecht ist das nun ja wirklich nicht!

Ob nun mit oder ohne Mautgebühren, ich wünsche allen eine allzeit gute Fahrt auf Portugals Strassen und einen schönen, sonnigen Urlaub.

„Boas Férias“

Dienstag, 31. Mai 2011

Regenchaos


Es hat in letzter Zeit immens viel geregnet hier in Portugal, vor allem im Lissabonner Großraum.
Auch gestern, zum Wochenanfang, hatten wir hier einen ziemlich feuchten Wochenstart.

Heftige Regenfälle haben Teile der Hauptstadt und viele Städte im Lissabonner Umland, wie Almada, Sintra, Loures und Amadora, überflutet und den gesamten Berufsverkehr zum erliegen gebracht.
In der Lissabonner Unterstadt, hier vor allem in den Stadtteilen in Flussnähe, gab es mehrere Stromausfälle und viele Geschäfte und so manche U-Bahn-Station mussten zur morgendlichen Rushhour geschlossen bleiben.
Trotz dieses Chaos kamen laut Zivilschutzes keine Personen zu schaden, aber eine Menge Sachschäden.

Die Regenfälle der letzten Tage selbst waren nicht vermeidbar, schließlich sind heftige Regenfälle in Lissabon an sich nichts Außergewöhnliches.
Die Folgen dieser heftigen Regen aber, waren sehr wohl vermeidbar!
Wir hatten die letzten Jahre hier in Portugal recht viele Trockenperioden und deshalb nur recht viel Glück gehabt, was nasse Wetterkapriolen angeht.
Aber auch hier, am Rande Europas verdichten sich zunehmend die Anzeichen für extreme Wetterverhältnisse - wie Hitze, Trockenheit, Kälte und Überschwemmungen.

Aber trotz dieser extremen Wetterereignissen sind wir Portugiesen, dank der wild wuchernden Verstädterungen, oft selbst daran Schuld das hier zu Lande ganze Landstriche zu Überschwemmungsgebieten werden.

Ein Beispiel:
Da die Kommunen im Augenblick an allen Ecken und Kanten einsparen müssen und kein Geld haben, werden seit geraumer Zeit Gullys und Abwasserrohre in den Städten einfach nicht mehr gereinigt.
So kann das Wasser bei Regen nicht vernünftig abfließen und bei der geringsten Wassermenge verwandeln sich ganze Straßenzüge in riesige Stauseen und reißende Bäche.

Die bislang schwerste Überschwemmung Portugals ging als Novemberüberschwemmung (port.: „cheias de Novembro“) in die hiesigen Geschichtsbücher ein.
Damals, in der Nacht vom 25. auf den 26. November 1967, starben über 700 Menschen, in wenigen Stunden, in den Armenvierteln am Rande der Hauptstadt.

Armenviertel wie damals, gibt es heute zum Glück nicht mehr.
Regenfälle, wie die im Jahre 1967, kommen statistisch gesehen auch nur alle 200 Jahre vor.
Aber die Gefahr einer Wiederholung solch einer Naturkatastrophe, ist heute genauso gegeben, wie damals in den 60er Jahren.

Die Regenfälle der letzten Tage sind bei weitem nicht so gravierend wie die vor 44 Jahren.
Sie sind aber sehr wohl ein Warnzeichen, das sich Stadt und Land unbedingt besser auf solche Ereignisse vorbereiten müssen als bisher!

Dienstag, 23. Februar 2010

Delphine im Tejo




Seit einigen Wochen werden ab und zu Delphine (port.: golfinho comum / lat.: Tursiops truncatus) im Tejodelta und in der Tejobucht gesichtet. Einige von ihnen wurden in der Gegend um Almada gesichtet (port.: Margem Sul), andere in der Ufernähe von Lissabon (port.: Zona Ribeirinha de Lisboa) und zwei von ihnen schafften es sogar bis hoch hinauf nach Vila Franca de Xira, im Ribatejo.

Obwohl heute viele Normalsterbliche über diese Besuche überrascht sind, versichern Meeresbiologen, Seeleute und Fischer dass es früher schon immer Delphine im Tejo gab. Bis weit in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden sie in der großen, natürlichen Bucht des größten Flusses der Iberischen Halbinsel, dem so genanten Strohmeer (port.: Mar da Palha), gesichtet.
Bis sie plötzlich, mit dem Eintreten der angesiedelten Hochindustrie, den Schiffswerften und der immer häufiger aufkommenden Schifffahrt, plötzlich verschwanden.

Warum die Delphine nun von Zeit zu Zeit wieder im Tejo auftauchen, ist den Wissenschaftlern und Meeresbiologen noch ein Rätsel.
Zwar hat sich die Wasserqualität des Tejo in den letzten Jahren konstant verbessert, aber man vermutet eher, das sich die Meeressäuger entweder wegen der vielen Fischschwärme, die ihre Nahrung sind, in die Bucht begeben, oder weil sie auf der Flucht vor Haien in die selbige flüchten.
Eines aber ist sicher: sie schwimmen so still und leise wieder von dannen, wie sie gekommen sind.

Obwohl sie leider im Tejo noch selten anzutreffen sind, gehören die bis zu 450 kg schwer werdenden und bis zu 3,50 m großen Kleinwale sehr wohl zum Habitat der portugiesischen Küste.
Vor allem im Süden des Landes, in der Gegend um Setúbal und der Halbinsel Troia gibt es sogar ganze Delphinschulen, die dort im Sommer, in Küstennähe, ihre Jungen zur Welt bringen.

Meeresbiologen, wie Maria José Costa vom Ozeanographischen Institut in Lissabon, sind sich sicher, das in gut 20 bis 30 Jahren Delphine im Tejo genauso zum Alltag gehören werden wie in den früheren Jahrhunderten, als sie zu dutzenden die Schiffe und Segler begleiteten.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Mit Katrins Augen gesehen III: Lissabonner Aussichten






Die hier abgebildeten Fotos von Lissabon wurden im November von meiner Arbeitskollegin Katrin aus Berlin, bei ihrem letzten Besuch bei uns in Lissabon, gemacht, und mit ihrer Erlaubnis in diesen Blog veröffentlicht.

- Blick über die Lissabonner Unterstadt Baixa, mit der Kathedrale „Sé Patriarcal“ im Hintergrund

- Blick über die Alfama, die Altstadt von Lissabon, vom Aussichtspunkt „Miradouro de Santa Luzia“

- Die Kirche Santa Engrácia, das Nationale Pantheon (port.: Panteão Nacional) Portugals, die Grabstätte vieler großer portugiesischer Persönlichkeiten

- Die Brücke „Ponte 25 de Abril“ und der Tejo

- Sonnenuntergang über Almada

Dienstag, 18. August 2009

Gelungene Kopie


Hier in Almada, der Stadt in der ich lebe, steht auf einem 75 Meter hohen Sockel die 28 Meter hohe Statue des „Cristo Rei“ (Christkönig-Statue).
Sie befindet sich auf einem über 100 Meter hohen Hügel im Stadtteil Pragal, am Tejoufer, genau gegenüber der Stadt Lissabon.

Obwohl in Almada gelegen, so denken viele im Ausland der „Cristo Rei“ wäre ein Lissabonner Denkmal. Aber dem ist nicht so! Zwar hat man vom „Cristo Rei“ wohl den spektakulärsten Blick auf die Stadt Lissabon, aber geografisch gesehen, gehört er zu der Stadt Almada.

Die Gründung dieses imposanten Denkmals, im Jahre 1959, geht auf den damaligen Erzbischof von Lissabon und Kardinal Manuel G. Cerejeira, einem Studienfreund des Diktators António de Oliveira Salazar, zurück.

Kardinal Cerejeira hatte bei einem Besuch in Rio de Janeiro im Jahre 1934 die dort kurz zuvor eingeweihte Christusstatue auf dem Corcovado bewundert.
In Lissabon wieder angekommen, beschloss er eine Nachbildung der weltberühmten Christusstatue von Rio de Janeiro in Lissabon nachbauen zu lassen.
Jahrelang versuchte Kardinal Cerejeira seine Bischofskollegen und den Diktator vom Bau der Statue zu überzeugen.

Dann endlich, bei einer Versammlung der portugiesischen Bischofskonferenz im Walfahrtort Fátima, im Jahre 1940 gelobten die Bischöfe die Christusstatue zu errichten, sollte Gott das neutrale Portugal vor dem Zweiten Weltkrieg verschonen.

Portugal wurde verschont, und 1949, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, begannen die Bauarbeiten, die sich über 10 Jahr hinweg ziehen sollten. Die Statue wurde von dem Bildhauer Francisco Franco de Sousa errichtet. Für den Sockel war der Architekt António Lino verantwortlich.

Wer vor dem Denkmal steht, und sich Statue und Sockel anschaut, der wird merken, dass die Proportionen nicht so ganz zu einander passen.
Der Sockel ist wesentlich größer und globiger als die, im Verhältnis, zierliche Statue. Das liegt daran, dass die Kirchenmänner eigentlich vorhatten eine wesentlich größere Statue bauen zu lassen. Doch dann ging der Kirche das Geld aus, und man musste sich mit der heutigen Statue zufrieden geben.

Angeblich soll aber der Diktator Salazar von so viel Protz und Verschwendung kirchlicher Gelder so erzürnt gewesen sein, das die Kardinäle eine kleinere Statue bauen ließen. Der Sockel aber, war bereits aufgestellt und konnte nicht mehr verkürzt werden.

Am 17. Mai 1959, einem Pfingstsonntag, wurde der „Cristo Rei“, in Anwesenheit von über 300.000 Menschen, darunter vielen Würdenträgern der katholischen Kirche und des portugiesischen Staates, feierlich eingeweiht.

Dieses Jahr, am 17. Mai 2009, feierte der „Cristo Rei“ seinen fünfzigsten Geburtstag.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Zukunftsprojekt Almada-Nascente


London hat seine Docklands, Hamburg seine Hafencity - und nun soll auch Lissabon ein futuristisches Wohn- und Geschäftsviertel am Ufer des Tejos erhalten.
„Almada Nascente“ (Aufgehendes Almada) soll eine Musterstadt werden, mit exklusivem Blick auf Lissabon. Doch allzu viele Investoren haben noch nicht zugesagt an diesem Projekt teilzunehmen. Nicht das sie kein Interesse hätten – im Gegenteil. Lediglich die kommunistische Stadtverwaltung von Almada bremst das Vorhaben ungemein.

Lissabon, Almada und der Tejo: Das ist schon immer eine Geschichte des „Hüben und Drüben“ („esta banda e a outra banda“) gewesen.
Das sich stellenweise kilometerbreit vor Lissabon erstreckende Tejodelta (port.: „Mar da Palha“) trennt die portugiesische Hauptstadt schon rein geografisch vom gegenüberliegendem Ufer ab. Und diese Trennung gilt auch im Sozialen: Im Laufe der letzten Jahrzehnte entstanden auf der linken Tejoseite riesige Schlaf- und Trabantenstädte.

Allein die Stadt Almada verzehnfachte innerhalb der letzten 50 Jahre seine Einwohnerzahl auf heute rund 180.000 Menschen. Und erst langsam beginnt sich das ehemals verschlafene Almada von seiner großen Nachbarin Lissabon zu emanzipieren und holt nun zum großen Schlag aus: Direkt am Flussufer des Tejo, auf dem 155 Hektar großen Gelände der im Jahre 2000 stillgelegten Schiffswerft Lisnave, soll Europas größte „Hafen-City“ entstehen.

Im Jahre 2001 schrieb die Stadtverwaltung von Almada ein Internationales Architekturwettbewerb aus, aus dem als Sieger die Star-Architekten Richard Rogers und W.S. Atkins hervorgingen. Richard Rogers z.B. ist als Erbauer des Millennium Dome in London und des Centre Pompidou in Paris, weltberühmt.

Die Architekten Rogers und Atkins planen ein neues, futuristisches Stadtviertel das vollkommen dem Klima- und Umweltschutz verschrieben sein soll. So sollen die Regenwasseraufbereitung und die Solarenergie eine große Rolle spielen, genauso wie die Verwirklichung von Fahrradwegen und kulturellen Begegnungsstätten. Ebenso ist an die Errichtung einer modernen Universität und verschiedener Forschungsanlagen, sowie an ein riesiges Kreuzfahrtschiffterminal gedacht.

Um dieses riesige Projekt allerdings verwirklichen zu können, muss vorher ein vernünftiger Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel entstehen.
Lissabon und sein Großraum haben schon heute eine nicht ausreichende Verkehrsanbindung. Würde man das Projekt „Almada Nascente“ realisieren, ohne vorher ein funktionierendes Nahverkehrsystem zu schaffen, würde der ganze Verkehr in und um Lissabon völlig zum erliegen kommen. Schon heute sind Staus von mehreren Kilometer Länge normal und alltäglich.

Da die Stadtverwaltung Almadas, unter Bürgermeisterin Maria Emília de Sousa, sich nicht konsequent um die Realisierung eines funktionierenden Nahverkehrs kümmert, tun sich Investoren, mit dem Projekt „Almada Nascente“ sehr schwer. Und Investoren werden dringend gebraucht. Denn das Investitionsvolumen für die Realisierung dieses futuristischen Bauvorhabens beträgt über eine Milliarde Euro!

So bleibt die Verwirklichung von „Almada Nascente“ fürs erste einmal ein Traum. Aber jeder der Portugal kennt, weiß dass hier von heute auf morgen solche Träume, wie man bei der EXPO ´98 und beim EURO 2004 gesehen hat, schnell zu Realitäten werden.
Lassen wir uns also überraschen.

Miradouro de Almada


Für mich sind Städte wie Menschen:
Es gibt welche, die sind mir sympathisch, und es gibt welche, die sind mir weniger sympathisch.

Almada, die Stadt in der ich seit gut zehn Jahren lebe, gehört eher zu der zweiten Kategorie.
Obwohl ich hier schon lange lebe und jeden Monat mehrmals über Almada nach Lissabon rein fahre, bin ich nie mit dieser Stadt „warm geworden“.
Vielleicht liegt es daran, das ich mich nie mit den Menschen dieser Stadt identifizieren konnte und ich mich deshalb nur als ein ständiger Gast Almadas fühle.

In den zehn Jahren die ich hier in Almada lebe, habe ich vielleicht fünf oder sechs Mal einen Fuß in die hiesige Altstadt gesetzt. Einerseits liegt die Altstadt von Almada etwas Abseits von den Routen die ich sonst tagtäglich benutze, und andererseits sind mir die Gassen und Wege der Almadenser Altstadt auch heute noch etwas fremd.

Aber letzte Woche war ich mit meiner Schwester Carla und meinem Schwager Egbert auf Stippvisite in der Altstadt.
Denn die Beiden, in Deutschland wohnhaft, waren bisher noch seltener in der Altstadt von Almada als ich.
Ich wollte ihnen unbedingt den Ausblick vom Miradouro, dem Aussichtspunkt der alten Burg, zeigen.
Diese Aussicht, über den Tejo nach Lissabon rüber, ist wohl eines der schönsten Dinge die diese Stadt heute seinen Gästen zu bieten hat.

Und das muss auch früher mal so gewesen sein.
Denn die Burg von Almada ist eine der ältesten Befestigungsanlagen der südlichen Iberischen Halbinsel.

Die Burg ist ein Bau aus maurischer Zeit. Die Mauren selbst nannten den Ort, an dem sie die Burg errichteten, Hisn al-Madin, was so viel wie „Burg“ oder „Festung“ heißen soll.
Sicherlich bauten sie die Burg in erster Linie aus strategischen Gründen, denn von der Stelle an der die Burg steht, hat man einen weiten Blick auf die Tejomündung, die Stadt Lissabon und das Sintragebierge.

Von 1147 bis 1212 wechselte die Festung Almada mehrmals den Besitzer. Einmal eroberten sie die christlichen Truppen, unter König Afonso Henriques, von den Mauren, dann wurde sie wieder von dem Kalifen Abu Yusuf Ya´qub al-Mansur in Besitz genommen und dann wieder von König Sancho I zurückerobert.
Erst 1212, mit dem Sieg der portugiesischen gegen die maurischen Truppen bei der Schlacht von Navas de Tolosa (Batalha de Navas de Tolosa), wurde Almada endgültig christlich und somit auch portugiesisch.

Die Burg selber ist heute leider nicht dem öffentlichen Publikum zugänglich, da sich in ihr ein Quartier der portugiesischen Republikanischen Nationalgarden (Guarda Nacional Repúblicana GNR) befindet.
Aber von den Parkanlagen, die an die Burg angrenzen, hat man, wie ich schon geschrieben habe, eine der privilegiertesten Aussichten über die Tejomündung und die Stadt Lissabon.

Ich glaube, ich sollte öfters die Altstadt von Almada besuchen. Vielleicht wird mir dann die Stadt mit der Zeit etwas sympathischer!

Die leckeren Pasteis de Al-Madan


Die arabischen Mauren haben, als sie das südliche Portugal Mitte des 12. Jahrhunderts wieder verließen, hier ein kulturelles, architektonisches, sprachliches und auch gastronomisches Erbe hinterlassen.

Zu den schmackhaftesten Hinterlassenschaften, die sie in der Stadt Almada (auf arabisch: Hisn al-Madin) zurückgelassen haben, gehören ohne Zweifel die Pasteis de Al-Madan (Al-Madan Gebäckstückchen).
Bei den Al-Madans handelt es sich um gefüllte Blätterteigstückchen, die noch heute in Almada, in der Konditorei gleichen Namens, hergestellt und verkauft werden.

Es existieren fünf Füllungen
- die traditionelle Mandelfüllung (Amêndoa), die noch auf die arabischen Mauren zurückgeht
- eine Nussfüllung (Nóz), die seit Mitte des letzten Jahrhunderts existiert
- eine Apfelmusfüllung (Maçã), die besonders fruchtig schmeckt
- eine Schokoladenfüllung (Chocolate), bestehend aus leckerer Vollmilchschokolade
- und eine süße Kürbisfüllung (Gila), die erst in den letzten Jahren ihren Weg als leckere Füllung für die Al-Madans gefunden hat.

Aus Gründen die mir unbegreiflich sind, haben die Al-Madans nie die weltweite Berühmtheit erlangt, die die Pasteis de Belém (Belém Gebäckstückchen), ihre Brüder auf der gegenüberliegenden Tejoseite, in Lissabon, erlangt haben.

Wenn sie mal in der Stadt Almada sind, fragen sie nach der Konditorei Al-Madan, in der Avenida Dom Afonso Henriques, einer Hauptstraße. Sie werden es nicht bereuen.
Aber übertreiben sie es nicht mit dem Schlemmen.
Denn zweifellos handelt es sich bei den Al-Madans, wie bei allen portugiesischen Süßspeisen, um authentische Kalorienbomben, die jede gute Figur gnadenlos zerstören.
Ich spreche aus eigener, trauriger Erfahrung…

Donnerstag, 23. Juli 2009

„Bei rot stehen, bei grün gehen!“ – nicht hier in Portugal


Als ich heute an einer Ampel in Almada stand, wurde ich Zeuge eines skurrilen Gesprächs, zwischen einer Großmutter und ihrem kleinen Enkel.

Der Kleine, so um die 7 Jahre alt, hatte nämlich, da die Ampel für uns Fußgänger auf rot geschaltet war, den Knopf gedrückt, damit die Ampel nun auf grün wechseln könne.
Sofort bekam er eine Rüge von der energischen Großmutter, die zu ihm sagte: „Ich möchte nicht, das du noch einmal den Knopf drückst, wenn du an einer Ampel stehst. Hast Du gehört?!?“

Der deutsche Leser dieses Blogs wird sich jetzt wohl fragen, was die alte Dame wohl zu solch einer Rüge veranlasst haben könnte, da sich der Knirps ja wohl offensichtlich korrekt verhalten hat.
Nun, das ist leicht zu erklären, auch wenn am Ende leider die Antwort alles andere als akzeptabel ist.

Vor Jahren nämlich, verunglückte der damals 14jährige Ruben Cunha, mitten in der Lissabonner Innenstadt, im Campo Grande, als er beim Überqueren der Straße den Knopf an der Ampel drückte, um sicher die Straßenseite wechseln zu können.
Aber er wurde nicht etwa von einem Auto überfahren, sondern er bekam, dadurch das die Ampel einen Schaden hatte, einen so starken elektrischen Stromschlag ab, das er sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses Hospital Santa Maria eingeliefert werden musste, wo er dann auch leider wenige Stunden später verstarb.

Seit diesem Tag, bekommen Kinder hier in Portugal, von ihren Eltern und Großeltern ständig gepredigt, sie sollen beim überqueren der Straße keinesfalls den Ampelknopf drücken.

Tatsächlich hält man hier, am Rande Europas, die Gefahr überfahren zu werden für geringer, als an einem Stromschlag zu sterben, der von einer defekten Ampel verursacht wird.

Zwar mussten die Stadt Lissabon und die Firma Eyssa Tesis, die für die Wartung der Ampeln in der Stadt Lissabon zuständig ist, den Eltern einen Schadensersatz in Höhe von 210.000 Euros ausbezahlen.
Aber einen Schuldigen, der persönlich für diesen Unfall haftbar gemacht werden konnte, konnte nicht gefunden werden.

Dieser traurige Todesfall liegt nun schon gut 10 Jahre zurück.

Aber noch heute, so scheint es, ist die öffentliche Meinung, was die Wartung und Sicherheit der Ampeln in ganz Portugal angeht, so schlecht, dass man es tatsächlich für sicherer hält sein Kind bei Rot die Straße überqueren zu lassen, als auf das Drücken eines Ampelknopfes zu vertrauen!

Endlich eingeweiht


Wie in meinem post „Der grüne Leuchtturm von Cacilhas“, vom 18.06.2009, angekündigt, will ich heute hier über die Einweihung des neuen (alten) Leuchtturms von Cacilhas schreiben.

Nach seinem „Exil“ auf den Azoren, ist der alte Leuchtturm wieder nach Cacilhas zurückgekehrt und hier, in Anwesenheit der Bürgermeisterin von Almada, Maria Emília de Sousa, und dem Oberbefehlshaber der Marine, Admiral Fernando de Melo Gomes, am letzten Samstag, dem 18. Juli 2009, feierlich eingeweiht worden.

Die Einweihungszeremonie ging einigermaßen harmonisch über die Bühne, obwohl Tage zuvor, im Stadtparlament von Almada, die Sitzungen alles andere als harmonisch verliefen.
Hier, im Stadtparlament, ging es nämlich darum, das der Leuchtturm, der immer eine grüne Farbe hatte, plötzlich rot angestrichen worden war, und auch so bleiben soll.

Die Stadtabgeordneten der Opposition wollen es nicht akzeptieren, dass der Leuchtturm nun eine rote, anstatt eine grüne Farbe hat, denn, so argumentieren sie, mit dieser Farbe, ist er nicht mehr der selbe Leuchtturm.

Sie finden es äußerst Merkwürdig das der Leuchtturm nun ausgerechnet die Farbe hat, die auch gleichzeitig die politische Farbe der regierenden Partei im Stadtparlament ist, nämlich rot wie der Kommunismus.
Auf diesen Vergleich angesprochen, meinte die Bürgermeisterin nur, es handele sich um einen Zufall.

Die Stadt hätte sich dafür entschieden den Leuchtturm rot anzustreichen, weil noch eine Menge dieser Farbe in den Depots der Stadt gelagert gewesen seien und grüne Farbe allerdings, noch hätte eingekauft werden müssen.
Aus Kostengründen hätte man also den Leuchtturm rot angestrichen, und nicht aus politischen Gründen, wie die Opposition meine.

„Wer es glaubt, wird selig!“ – so konterte die!

Wie auch immer.
Der Führer der oppositionellen Sozialistischen Partei (PS), dessen politische Farbe rosa ist, hat schon versichert, das er nicht vorhat, bei einem Sieg der kommenden Kommunalwahlen im Oktober, den Leuchtturm rosa anzustreichen…