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Donnerstag, 19. Juni 2014

Die Freibäder, die es in Lissabon (leider) nicht gibt


Die Stadt Lissabon hat den Ruf, eine Großstadt ohne Freibäder zu sein.
Leider hat sie nicht nur den Ruf, sondern es handelt sich hierbei um eine traurige Realität – die portugiesische Hauptstadt hat heute keine funktionierenden Freibäder (port.: piscinas ao ár livre) mehr.

Das war nicht immer so.
So gab es z.B. noch vor einigen Jahren im Stadtteil Olivais ein prächtiges Freibad (port.: piscina dos Olivais), mit vier Schwimmbecken, Sprungturm- und -brettern, einer großen Liegewiese usw.
Aber alle Freibäder wurden irgendwann im Laufe der letzten Jahre, weil sie alle kein Gewinn mehr brachten und so für die Stadt zur Belastung wurden, einfach geschlossen.
Heute vergammeln sie vor sich hin und eine Besserung ist, Dank der Krise die Portugal immer noch durchlebt, auch nicht in Sicht.
Im Rathaus denkt man wohl, das bei so viel Meeresküste und bei so vielen Stränden in Stadtnähe es sich einfach nicht lohnt öffentliche Gelder in Freibädern zu stecken.

Bei einem meiner letzten Spaziergänge durch den Stadtteil Bica, unweit der Haltestelle des Aufzuges von Bica (port.: Elevador da Bica), habe ich dieses kleine Planschbecken entdeckt, das glatt als Freibad durchgehen könnte.
Ich bin mir sicher, hier mitten in der Lissabonner Altstadt, gäbe es Freibadfeeling garantiert…

Anbei, auch wenn es wie gesagt keine Freibäder in Lissabon gibt, hier einpaar Adressen von städtischen Hallenbädern (piscinas cobertas) die ich jedem nur empfehlen kann – und sei es dann nur für den Winter:

Piscina Municipal de Alfama
Calçada do Cascão n° 39
Alfama 1100-122 Lisboa

Piscina Municipal do Alvito
Rua Professor Vieira Natividade
Alvito 1300-542 Lisboa

Piscina Municipal de Ameixoeira
Rua Professor Adelino da Palma Carlos
Ameixoeira 1750-123 Lisboa

Piscina Municipal dos Anjos
Rua Damasceno Monteiro n° 69
Anjos 1170-110 Lisboa

Piscina Municipal do Bairro da Boavista
Rua das Azaleas
Bairro da Boavista 1500-535 Lisboa

Piscina Municipal de Campo de Ourique
Rua Correia Teles 103 A
Campo de Ourique 1350-105 Lisboa

Piscina Municipal do Oriente – EXPO
Rua Câmara Reis
Oriente 1800-046 Lisboa

Piscina Municipal do Rego
Rua Cardeal Mercier
Rego 1600-467 Lisboa

Piscina Municipal do Restelo
Rua Antão Gonçalves
Restelo 1400-015 Lisboa

Piscina Municipal do Vale do Fundão
Rua Félix Bermudas
1950-292 Lisboa

Sonntag, 10. März 2013

Angeblich gar nicht so steil, wie so manch einer denkt



Als meine gute Freundin Sabine mich zum ersten Mal hier in Lissabon mit ihrem damaligen Freund und jetzigen Ehemann Marcel besuchte, sagte sie mir einmal, nachdem die beiden erschöpft die Altstadt zu Fuß erobert hatten, sie hätten sich Lissabon niemals so hügelig und so voller steiler Anstiege vorgestellt.

Sicherlich, auf einer einfachen Stadtkarte sieht Lissabon so herrlich flach aus, so ganz ohne Hügel und Steigungen.
Aber die Realität sieht in Lissabon anders aus!
In einer Stadt in der Fahrstühle, die so genannten „elevadores“, öffentliche Verkehrsmittel sind und wo man, um von A nach B zu gelangen, oftmals 50 – 100 Meter Höhenunterschied überwinden muss, bekommt man oftmals als nicht Ortsansässiger das Gefühl, Lissabon sei eine Stadt in der es unmöglich ist, ohne einen ständigen Muskelkater herumzulaufen.

Sind die Straßen Lissabons für Fußgänger und Fahrradfahrer wirklich so steil und schwer zu überwinden, wie so viele behaupten, oder sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so extrem und bei der „Unbezwingbarkeit“ der Lissabonner Straßen handelt es sich einfach nur um ein Mythos?

Nun, nach einer Studie, die der Lissabonner Oberbürgermeister António Costa jetzt in Auftrag gegeben hat, sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so steil!
Nur 25% der Straßen (port.: ruas), Alleen (port.: avenidas), Gassen (port.: beco) und Wege (port.: caminhos) Lissabons haben eine Steigung von 6 % und mehr, d.h. drei Viertel der Verkehrswege der Hauptstadt zeigen ein normales Gefälle – was „normales Gefälle“ auch immer heißen mag!

Laut der von der Stadt Lissabon in Auftrag gegebenen Studie sind nur die Straßen in den Stadtteilen Castelo, Alfama, Mouraria, Bica und Santa Catarina teilweise wirklich so extrem steil.
Alle anderen Stadtteile haben, größtenteils, normale Straßenverhältnisse.
Aber wenn 75% der Lissabonner Straßen, was ihre Neigung angeht, sich wirklich nicht von denen anderer Städte unterscheiden, weshalb haben dann so viele Touristen, die ja oftmals nur zu Fuß unterwegs sind, solch ein Negativbild von der Stadt?
Nun, das hat zweifellos damit zu tun, das ausgerechnet die Stadtteile, die so oft von Touristen besucht und durchlaufen werden, wie Castelo, Mouraria oder Alfama, eben gerade die sind, dessen historisches Straßengewirr so steil ist.

Wir Lissabonner, die wir die Stadt ja nicht anders kennen und in ihr schon seit langer Zeit leben, haben uns mit den steilen Anstiegen und den hügeligen Verhältnissen vor Ort schon lange arrangiert.
Womit wir weniger gut umgehen können, sind die Tücken der Moderne.
Die Straßen und Gassen der Lissabonner Altstadt sind sehr schlecht erhalten und wurden einstmals nur für Pferdefuhrwerke und Sänfteträger gebaut, nicht aber für Autos.
Und so verstopfen heute viele PKW´s die Innenstadt und machen uns Fußgängern das Leben schwer, weil sie Rücksichtslos auf allen verfügbaren und noch so engen Plätzen parken.

Vielleicht sollte die Stadt Lissabon ja eine neue Studie in Auftrag geben, nämlich die Studie:
„Wie können wir den ganzen Verkehr aus der historischen Altstadt verbannen und den Menschen, sowohl den Touristen als auch den Einheimischen, eine bessere Infrastruktur, und somit eine höhere Lebensqualität, anbieten?“

Das wäre vielleicht einmal eine nützliche Studie die Oberbürgermeister Costa in Auftrag geben könnte!

Dienstag, 31. Januar 2012

Eine heiße Schokolade bei „Claudio Corallo“


Wer mich kennt, weiß dass ich eigentlich ein passionierter Kaffeetrinker bin.
Seitdem ich aber Probleme mit meinem hohen Blutdruck habe, habe ich meinen Kaffeekonsum total eingeschränkt. Außer einem hellen Milchkaffee ab und dann, habe ich seit nunmehr zehn Monaten keinen Kaffee mehr getrunken.
Stattdessen habe ich mich daran gewöhnt ab und zu eine heiße Schokolade zu trinken.

Während man allerdings hier in Portugal, wo es zweifelsohne eine Kaffeekultur gibt, leicht an einen guten Kaffee rankommt, ist es dagegen ziemlich schwierig an eine gute heiße Schokolade ranzukommen.
Ich habe lange, sehr lange, in Almada und in Lissabon nach einem Ort gesucht, an dem man eine echte heiße Trinkschokolade – kein Kakao!!! – zu sich nehmen kann und diesen Ort endlich letzte Woche gefunden.

Dieser Ort, ist ein Ort, an dem die Schokolade so schmeckt, wie sie schmecken sollte und wie ich sie aus meinen Besuchen in Brasilien kenne.
Dieser Ort liegt im Principe Real, Mitten in Lissabon, in der Rua Cecilio da Sousa n° 85, und heißt „Claudio Corallo“.

Die Einrichtung im „Claudio Corallo“ ist nicht übermäßig reich an Dekor, Verzierungen und Verschnörkelungen.
Vergleicht man dieses Café mit anderen Cafés Lissabons, so ist dieses recht schlicht.
Aber das spielt insofern keine Rolle, als das man hier wirklich nicht wegen der Inneneinrichtung einkehren sollte, sondern um wirklich die beste heiße Schokolade der Stadt zu trinken.

Bei „Claudio Corallo“ wird die Trinkschokolade serviert, wie anderswo eine „Bica“, nämlich in einer Kaffeetasse, die dieselbe Dimension hat wie eine Espressotasse.
Wer noch nie echte Trinkschokolade getrunken hat, dem kann man den Geschmack nur schwer erklären.
Die Azteken nannten ihre Schokolade den „Trank der Götter“, sie nannten sie sogar den „flüssigen Himmel“.
Fakt ist, das echte Trinkschokolade nichts, aber auch rein gar nichts mit den Kakaogetränken zu tun hat, die wir üblicherweise kennen.
Trinkschokolade ist nämlich, im Gegensatz zum Kakao, eigentlich bitter, aber geschmacklich so besonders, dass man diese Bitterkeit regelrecht genießt.

Eine Tasse Trinkschokolade besteht bei „Claudio Corallo“ aus 100 % Natur, nämlich aus 75 % Schokolade, ohne den geringsten Konservierungsstoff oder künstlichem Aroma, und 25 % Rohrzucker vermischt mit Wasser – keinesfalls Milch!
Mehr kann man für 1,00 Euro, so viel kostet nämlich eine Tasse dieser Versuchung, weiß Gott nicht verlangen!

Dienstag, 10. November 2009

Herbsttage


Was ist das für ein Herbst!

Immer wieder gibt es diesen Herbst Regenschauer, wehen kalte Winde vom Atlantik her und gibt es graue, verhangene Morgen.
Etwas lustlos mache ich mich morgens auf den Weg nach Lisboa zur Arbeit, trinke unterwegs meine morgendliche Bica in Cacilhas und träume von den Herbsten von früher.
Da hatten wir hier in Portugal Herbsttage voller Sonne, liefen in kurzen Klamotten rum, suchten mittags einen schattigen Platz auf und an manchen Tagen gingen wir sogar an die Costa de Caparica um uns in den Atlantik zu stürzen, der uns zu dieser Jahreszeit nicht mehr so eisig vorkam wie in den Sommermonaten.

Ja, so war das damals.
Jetzt ist es den ganzen Morgen über draußen kühl und neblig. Gegen Mittag quält sich endlich die Sonne durch die Wolkendecke und erwärmt uns ein wenig.
Es ist mir schon aufgefallen, das es dieses Jahr kaum Pfirsiche, Orangen und Pflaumen gibt und auch das keine einzige Zitrone an den Bäumen hängt.
Die Älteren, die mehr Lebenserfahrung haben, sagen das liegt daran, dass es im Frühjahr, zur Blütezeit so stark geregnet hat.
Die Ernte ist verregnet, sagen die Bauern im Fernsehen.

Manchmal denke ich an die deutschen Herbste zurück. An meine Spaziergänge durch die Wälder Darmstadts und Wixhausens und an meine Wanderungen durch den Odenwald.
In Deutschland waren die Herbste auch kalt und schmuddelig. Aber wenigstens hatten wir dort Wälder durch die wir als Kinder spazieren gehen konnten, in denen wir Kastanien und Laub zum basteln fanden und in denen wir Pilze sammelten.
Hier gibt es kaum Wälder. Das kann man sich in Deutschland kaum einer vorstellen.

Ich wünschte mir, wir hätten hier in Portugal wieder sommerliche Herbsttage, so wie früher.
Zwar finden meine deutschen Arbeitskollegen den Herbst hier toll, zumal es momentan in Deutschland ja wesentlich kälter ist als hier.
Aber wenn sie wüssten, wie schön die Herbste früher hier in Portugal waren, dann würden sie diese noch schöner finden.

Donnerstag, 20. August 2009

Pastelaria Lorena


Lissabon kann trotz aller Moderne wunderbar altmodisch sein!

Und nirgendwo ist Lissabon altmodischer als in seinen alten, geschichtsträchtigen Stadtteilen.
Alfama, Santa Catarina, Sé und Ajuda sind solche historischen Stadtteile.

Auch Alcantâra ist solch ein altes Stadtteil, mit einem alten Bevölkerungsstamm, einer alten Polizeistation, einem Postamt, mit konservativen Damen- und Herrenausstattern, bröselnden, morbiden Gassen und Straßen durch die die alte Straßenbahn der Linie 28 rattert und vielen alten Metzgerläden, Bäckereien, Tante-Emma-Läden und Cafés.

Einer der traditionellsten Cafés Alcantâras ist die „Pastelaria Lorena“.
Ab und zu, wenn ich mal in Alcantâra bin, gehe ich dort gerne meine Bica trinken.

In der Rua de Alcantâra n° 54, unweit des Largo do Calvário, dem Hauptplatz Alcantâras, liegt in einem unscheinbaren Haus die „Pastelaria Lorena“, ein Café ohne vergoldeten Stuck, prächtigen Säulen und riesigen Spiegeln, wie die Cafés im Herzen der Stadt, aber dafür mit einer riesigen Auswahl an Kaffee, Kuchen und kleinen Gerichten.

Es gibt in Lissabon weitaus schönere Cafés.
Aber nur wenige von ihnen haben so eine besondere Atmosphäre und Charme wie das „Lorena“.

Dieses post widme ich meiner kleinen Prinzessin!

Samstag, 1. August 2009

Voll, kurz, getropft oder mit Duft





Heute Morgen war ich in Lissabon.
Vor meinem Termin bin ich in die Pastelaria Suiça, einem der traditionsreichen Cafés der Hauptstadt am Rossio, eingekehrt.
Dort wurde ich Zeuge, wie ein deutsches Touristenpaar, ohne Portugiesisch- oder Englischkenntnisse, verzweifelt versuchte sich einen Kaffee zu bestellen.
Der Kellner war ihnen dabei keine allzu große Hilfe, denn entweder verstand er wirklich nicht, was das Paar von ihm wollte oder er stellte sich einfach nur blöd. Ich tippe auf Letzteres!

Jedenfalls sah ich mich „gezwungen“, einzuschreiten.
Ich fragte beim deutschen Paar nach, ob ich behilflich sein konnte, und bestellte dann beim Kellner zwei „Abatanados“ für sie, was dem deutschen Kaffee am nahesten kommt.
Das Paar bedankte sich freundlichst bei mir und jeder von uns ging dann seiner Wege.

Aber später dann, in der U-Bahn, habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie unterschiedlich manchmal Dinge in verschiedenen Ländern sein können, die eigentlich den gleichen Namen tragen.
In Deutschland ist ein Kaffee ein Getränk das in einer großen Tasse serviert wird.
Hier in Portugal, ist ein Kaffee ein Getränk welches in einer kleinen Tasse gereicht wird und was man in Deutschland wohl ein Espresso nennt.

Wie schon in meinem post „Kaffee mit Zucker ist nichts weiter als Sirup“ vom 04.06.2009 erwähnt, hat Portugal eine ausgeprägte Kaffeekultur.

Deshalb führe ich hier, für alle die mal nach Portugal kommen wollen, alphabetisch einige Kaffeekreationen auf, welche man hier zu Lande bestellen kann.

- Abatanado: der „Abatanado“ oder auch „Café Americano” genannt, ist das was man in Deutschalnd unter einer normalen Tasse Kaffee versteht.

- Café: der „Café“, im Lissabonner Raum auch „Bica“ und in Nordportugal „Cimbalino“ genannt, ist das was man in Deutschland unter einem Espresso kennt. Die Espressotasse ist zu 2/3 mit starkem Kaffee gefüllt.

- Café cheio: ein „Café cheio“ (deutsch: „voller Kaffee“) wird in einer Espressotasse gereicht und ist ein normaler Espressokaffee, mit etwas mehr Wasser.

- Café com cheirinho: wörtlich übersetzt heißt „Café com cheirinho“ nichts weiter als „Kaffee mit Duft“. Hier ist ein normaler Espressokaffee gemeint, der mit einem Schluck „bagaço“ (Schnaps) oder Whisky bereichert wird.

- Café pingado: ein „Café pingado“ (deutsch: „getropfter Kaffee“) ist ein normaler Espressokaffee mit einem Tropfen Milch. In Nordportugal sagt man zum „Café pingado“ auch „Café cortado“.

- Carioca de café: ein „Carioca de café” ist ein ganz schwacher Kaffee der in einer großen Kaffeetasse gereicht wird und der in Deutschland auch unter dem Begriff “Blümchenkaffee” bekannt ist.

- Descaféinado: ein entkoffeinierter Espresso.

- Galão: ein Galão ist ein Milchkaffee, der in einem Glas serviert wird, und meistens aus 2/3 Milch und 1/3 Kaffee besteht.

- Garoto: eine Espressotasse, gefüllt mit warmer Milch und einem Schuss Kaffee. In Nordportugal sagt man zum „Garoto“ auch „Pingo“ (nicht zu verwechseln mit dem „Café pingado“!).

- Italiana: eine „Italiana“ ist ein starker Espresso. Hier wird meistens die Espressotasse nur bis zur Hälfte gefüllt. Die „Italiana“ wird auch „Café curto“ (deutsch: „kurzer Kaffee“) genannt.

- Meia de leite: bei der „Meia de leite“ handelt es sich um eine große Kaffeetasse die zur Hälfte mit Milch und zur anderen Hälfte mit Kaffee gefüllt ist.

Natürlich gibt es neben den typisch portugiesischen Kaffeevariationen auch ausländische Kaffeespezialitäten, wie z.B. den „Cappuccino“ oder den „Irish Coffee“. Diese werden aber eher von Touristen bestellt und auch getrunken.

Kaffee ist in Portugal eine Alltagskultur.
Anfangs mag der stark geröstete Kaffee etwas ungewöhnlich schmecken; erst recht wenn man ihn ohne Zucker trinkt.
Dann aber gewöhnt man sich schnell an ihn und wird ihn bald nicht mehr missen wollen.

Donnerstag, 4. Juni 2009

„Kaffee mit Zucker ist nichts weiter als Sirup“


Kaum etwas anderes ist einem Portugiesen so heilig, wie sein Espresso-Kaffee zu jeder Mahlzeit oder nach jeder Mahlzeit. Ohne seinen Cafézinho beginnt der Portugiese nicht seinen Tag, und ohne ihn, geht er auch nicht ins Bett.
Normalerweise trinken Portugiesen drei bis vier Espressos (es wird Espresso geschrieben und nicht Expresso!) am Tag. Aber es gibt auch welche die es auf acht oder zehn am Tag bringen, was sicherlich nicht gerade sehr gesund ist.

Genauso wie die Italiener, haben auch die Portugiesen eine ausgeprägte Kaffeekultur (und Kaffeekultur liebe deutsche Freunde, besteht nicht darin, Kaffee aus einem Pappbecher zu trinken, oder ihn mit Milch, Karamel, Schokolade oder aufgeschäumter Milch zu verunstalten!) und an jeder Straßenecke können sie dieser Kultur frönen, denn Kaffeehäuser gibt es in Portugal wie Sand am Meer.

Wenn sie als Tourist nach Portugal kommen, und ein „Café“ bestellen, bekommen sie automatisch immer einen Espresso serviert. So etwas wie den deutschen Kannenkaffee aus der Kaffeemaschine kennt man hierzulande als „abatanado“.

Der Lissabonner aber, bestellt selten einen „Café“ sondern er bestellt meistens eine „Bica“. Heißt zwar anders, ist aber das Selbe gemeint. Der Lissabonner sagt also zu seinem Espresso-Kaffee einfach nur Bica.
Wie kommt aber nun der Lissabonner dazu, den Café Bica zu nennen. Viele meinen, der Name hat seinen Ursprung im Lissabonner Stadtteil Bica. Aber dem ist nicht so.

Das erste Kaffeehaus der Hauptstadt stand, und steht noch heute, im Stadtteil Chiado. Es ist das heute noch existierende Kaffeehaus „A Brasileira“. Hier wurden im 18. Jahrhundert die ersten Espressos der Stadt angeboten. Diese waren aber, für den portugiesischen Geschmack, der von Natur aus immer gerne süß isst und trinkt, äußerst bitter. Also erfand der Besitzer des Kaffeehauses den Slogan „Beba Isto Com Açúcar“, was so viel heißt wie: „Trinken sie es mit Zucker“. Und das machten die Lissabonner dann auch fleißig. Sie fingen an ihren Café mit Zucker zu trinken, und so blieb es bis heute.
Aus dem Slogan „Beba Isto Com Açúcar“ blieben die Initialen übrig, also BICA.

Ich selber bin leidenschaftlicher Bica-Trinker, und habe meinen Espresso früher immer mit Zucker getrunken. Bis ich einmal vor Jahren in Brasilien, in einem Kaffeehaus in der Stadt Santos, an einem Tisch. einem alten Mann gegenüber saß. Er sah, wie ich meinen Café mit zwei Löffeln Zucker versüßte, und meinte zu mir: „Beber café com açúcar, é xarópe“, was frei übersetzt soviel heißt wie: „Kaffee mit Zucker ist nichts weiter als Sirup“. Er meinte dann noch, ich könne niemals den wahren Kaffeegeschmack erschmecken, wenn ich ihn immer versüßen würde. Ich habe mir diese Begegnung und den Ratschlag damals wirklich zu Herzen genommen, und langsam angefangen den Zucker im Café zu reduzieren. Bis zu dem Tag, an dem ich meinen Café wirklich ohne Zucker oder Süßstoff trinken und genießen konnte.

Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, meinen Café mit Zucker zu trinken! Denn machen wir uns nichts vor:
„Kaffee mit Zucker ist nichts weiter als Sirup“.