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Mittwoch, 11. Januar 2012

Eselsohren: „Todesfahrt“


Zu Weihnachten habe ich von meiner Schwester Carla den Kriminalroman „Todesfahrt“ des Schriftstellers Michael Kibler geschenkt bekommen.
Michael Kibler, Jahrgang 1963, ist in Heilbronn geboren und ist durch und durch „Wahldarmstädter“.

Die Hauptrollen in diesem fiktiven Krimi spielen die zwei Darmstädter Kriminalkommissare Margot Hesgart und Steffen Horndeich.

In einem Wald bei Darmstadt wird die Leiche des US-Amerikaners Bill Fishkin von zwei Joggern erschlagen aufgefunden.
Bill Fishkin ist ein Privatdetektiv aus der kleinen Stadt Darmstadt im US-Bundesstaat Indiana.
Doch in Darmstadt/Hessen war er vor seiner Ermordung nicht etwa beruflich unterwegs, sondern, so scheint es, rein privat.

Fishkin hatte vor nicht allzu langer Zeit erfahren, das sein Vater Jack Mahone, den er seit seiner Geburt nicht kannte, in Darmstadt/Hessen lebte.
Als er diesen mit der Vaterschaft konfrontiert, erkennt der Bill Fishkin zwar sofort an, aber etwas scheint bei dieser Familienzusammenführung nicht ganz zu stimmen.

Denn zuerst erfahren Hesgart und Horndeich das sich Bill Fishkin vor seinem Tod bei Nick Peckhard, einem amerikanischen Kollegen, nach ungeklärten Todesfällen von vor 40 Jahren erkundigt hatte, und dann stirbt Jack Mahone selbst nur wenige Stunden nach seinem ermordeten Sohn.

Hesgart und Horndeich fangen an auf beiden Seiten des Atlantiks zu ermitteln, und bald kommen sie sowohl in Darmstadt/Indiana als auch in Darmstadt/Hessen einem düsteren Familiengeheimnis auf die Spur.

Mit „Todesfahrt“ hat Michael Kibler einen spannenden und interessanten Krimi geschrieben.
Er erzählt sorgfältig, detailgenau und ausführlich, so das man sofort, wenn man wie ich im hessischen Darmstadt gelebt hat, die einzelnen lokalen Plätze des Geschehens leicht wieder erkennt.
Selbst die Kleinstadt Darmstadt in Indiana kommt einem durch Michael Kiblers detailgenauen Beschreibungen irgendwann bekannt vor.

Erschienen ist dieser spannende Kriminalroman, dem ich jeden nur empfehlen kann, im Dezember 2011 im Münchner Pieper Verlag.

Dienstag, 10. Januar 2012

Königin Maria Sofia de Neuburgo


In der hessischen Stadt Darmstadt, meiner zweiten Heimatstadt, kann man im dortigen Museum des großherzoglichen Schlosses ein Porträt eines Kleinkindes bewundern.
Das Gemälde, aus dem Jahre 1675, zeigt die neunjährige Enkelin des damaligen Landgrafen Georg II von Hessen-Darmstadt.
Kaum einer, der das Museum besucht, weiß dass auf dem Gemälde eine zukünftige portugiesische Königin abgebildet ist.

Bei dem neunjährigen Mädchen, das hier von dem unbekannten Maler mit einem dezenten Lächeln gemalt worden ist, handelt es sich um die kleine Marie Sophie Elisabeth von Neuburg und der Pfalz, die später einmal unter dem Namen Maria Sofia Isabel de Neuburgo e do Palatino do Reno e Bragança den portugiesischen Thron besteigen wird.

Die kleine Marie Sophie war eine Tochter des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz und dessen zweiten Ehefrau Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt.
Sie erblickte am 06. August 1666 auf Schloss Benrath bei Düsseldorf das Licht der Welt.

Wie alle Kinder von Kurfürst Philipp Wilhelm, genoss auch Prinzessin Marie Sophie eine, für die damalige Zeit, äußerst umfangreiche, musikalische, religiöse und wissenschaftlich fundierte Ausbildung.

Marie Sophie wurde in ein kinderreiches Haus hineingeboren. Insgesamt hatte sie 16 Brüder und Schwestern!
Als zukünftige Königin war sie, was ihre Geschwister anging, in allerbester Gesellschaft.
Ihre Brüder Johann Wilhelm und Karl Philipp z.B. folgten ihrem Vater als Kurfürsten von der Pfalz.
Ihre Schwester Eleonore Magdalena wurde an der Seite von Leopold I Kaiserin des römisch-deutschen Kaiserreiches.
Eine andere Schwester von ihr, Maria Anna, wurde als Ehefrau von Carlos II, Königin von Spanien.
Drei ihrer Brüder schlugen eine Kirchenlaufbahn ein.
So wurde ihr Bruder Franz Ludwig Kurerzbischof von Trier, ihr Bruder Ludwig Anton wurde Bischof von Worms und Alexander Sigismund wurde Bischof von Augsburg.

Sie ist 20 Jahre alt, als der portugiesische Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva sich am 08. Dezember 1686 auf dem Weg macht, um bei ihrem Vater, im Auftrag von König Pedro II, der seit vier Jahren Witwer ist, um ihre Hand anzuhalten.
Man wird sich schnell über die Einzelheiten einig, und am 22. Mai 1687 wird der Heiratsvertrag in Heidelberg unterschrieben.

11 Tage später, am 02. Juli 1687, heiratet Marie Sophie per procura in der kurfürstlichen Kapelle zu Heidelberg König Pedro II von Portugal und wird dessen zweite Ehefrau.
Ihr Vater, Kurfürst Philipp Wilhelm, hatte sich im Heiratsvertrag verpflichtet, seiner Tochter eine Mitgift von 100.000 Gulden auf dem Weg nach Lissabon mitzugeben.

Aber der Kurfürst konnte diese Vereinbarung nicht einhalten.
Zwar hatten die Stände von Pfalz-Neuburg der Braut, anlässlich ihrer Hochzeit, 20.000 Gulden geschenkt, ihr zukünftiger Schwager Carlos II von Spanien gab ihr weitere 20.000 Gulden mit auf dem Weg und die jülich-bergischen Landstände machten ihr 10.000 Gulden zur Schenkung.
Dennoch blieb Kurfürst Philipp Wilhelm dem portugiesischen Königshaus erst einmal 50.000 Gulden schuldig, die Hälfte der vereinbarten Mitgift.
Er verpflichtete sich, in einem Zusatz des Heiratvertrages, die fehlende Summe innerhalb von 12 Monaten zu begleichen.

Nichtsdestotrotz machte sich Prinzessin Marie Sophie mit Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva und ihrem kleinen Gefolge am 01. August auf den Weg nach Portugal.
Sie reiste zuerst auf einem Schiff den Rhein hinauf und wurde in den Städten Worms, Mainz und Köln feierlich empfangen und dann jedes Mal mit Glanz und Pomp verabschiedet.
Dann überschritt die Prinzessin mit ihrem Gefolge die Grenze zu den Niederlanden.
Hier bestieg Marie Sophie in der Kleinstadt Brila ein englisches Schiff, das ihr James II von England zur Verfügung gestellt hatte, und das sie nach Portugal bringen sollte.

Am 12. August, zur Mittagszeit, ankerte das Schiff, welches Prinzessin Marie Sophie nach Portugal gebracht hatte, im Hafen von Lissabon an.
König Pedro II persönlich holte sie vom Schiff ab und gemeinsam begaben sich beide zur Kapelle des, heute leider nicht mehr existierenden, königlichen Palastes Paço da Ribeira, wo sie vom Lissabonner Erzbischof Luis de Sousa in persona verheiratet wurden.
Die umfangreichen Reisekosten Marie Sophies bestritt damals ihr Bruder Johann Wilhelm.

Maria Sofia, wie die portugiesische Form ihres Namens fortan lautete, war die 25. Königin Portugals.
Die zwölf Jahre, in dem sie den Titel einer Königin trug, waren ohne eine einzige Intrige oder einem einzigen negativem Ereignis ihrerseits behaftet.
Dennoch wurde König Pedro II schon kurze Zeit nach der Hochzeit ihrer überdrüssig, wahrscheinlich weil Kurfürst Philipp Wilhelm ihm die restliche Mitgift schuldig blieb.
Das Verhältnis zwischen dem König und der Königin wurde mit den Jahren immer schwieriger und war alsbald auch vor dem Hof nicht mehr zu verbergen.

Maria Sofia war eine sehr gläubige, gutmütige, respektvolle und beim Volk sehr beliebte Königin.
Die Tatsache, dass sie Witwen und Waisen finanziell unterstützte und das sie sogar, zum Leidwesen ihres Ehemanns Pedro II, in einem Teilflügel des Königspalastes Kranke, Behinderte und Bettler zeitweise unterbrachte, brachten ihr die vollste Hochachtung des ganzen Volkes.

Politisch trat sie nur einmal in Erscheinung, nämlich als sie erfolglos gegen einen Beschluss des Königs vorging, der den kategorischen Verbot beinhaltete, ihren Lieblingsbruder Ludwig Anton am Lissabonner Hof zu empfangen.
Ludwig Anton hatte seine Schwester Maria Anna nach Spanien begleitet, als diese Carlos II ehelichte, und Königin von Spanien wurde.
Maria Sofia, seine andere Schwester, die jetzt Königin von Portugal war, schickte ihrem Bruder eine Einladung nach Madrid, damit dieser sie in Lissabon besuchen möge.
In Coimbra erhielt Ludwig Anton die Nachricht, dass er am Lissabonner Hof nicht erwünscht sei, da Pedro II auch nicht zur Hochzeit von Anna Maria und Carlos II an den spanischen Hof eingeladen worden war.
Selbst nach mehrmaligen Bitten Maria Sofias an Pedro II, ihren Bruder in Lissabon empfangen zu dürfen, blieb der König hart.

Bis auf diese und ähnliche unerfreuliche persönliche Begebenheit mit ihrem Mann, verlief das Leben von Maria Sofia am Lissabonner Königshof recht ruhig und unspektakulär.

Spektakulär waren dagegen ihre Schwangerschaften.
In nur zwölf Jahren schenkte sie ihrem Mann sieben Kinder.
Die Tatsache, dass sie so viele Kinder in so kurzer Zeit gebar, obwohl sie und der König sich eigentlich nicht verstanden, lässt nur eine Schlussfolgerung zu, die damals ein offenes Geheimnis am Hofe war und die da lautete:
„der König nahm die Königin, wenn er einen gewissen Drang verspürte“.

Von den sieben Kindern die Maria Sofia auf die Welt brachte, starben zwei im Kindesalter, nämlich ihr Erstgeborener Sohn Infante João Francisco im Jahre 1688 und ihre Tochter, Infantin Teresa Maria, die 1696 geboren wurde und nur fünf Jahren alt wurde.

Das Erwachsenenalter erlangten ihr zweiter Sohn, der ebenfalls auf den Namen João getauft wurde und später seinem Vater als João V auf dem Thron folgte, Infante Francisco Xavier, Infante António Francisco, Infante Manuel José und Infantin Francisca Josefa.

Im Juli 1699 erkrankte Königin Maria Sofia in ihrer Residenz, dem Palácio dos Corte Real, plötzlich an einer schweren Gesichtsgürtelrose (port.: erisipela do rosto), die ihr ganzes Gesicht und ihren Kopf in Mitleidenschaft zog und ihr ungeheuerliche Schmerzen verursacht haben muss.
Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich von Tag zu Tag mehr und der König, obwohl er noch nicht einmal 200 Meter von ihr im angrenzenden Palast Paço da Ribeira lebte, lässt sich nicht ein einziges Mal an ihrem Krankenbett blicken.

Am 04. August 1699, zwei Tage vor ihrem 33. Geburtstag, erliegt Königin Maria Sofia in ihrem Palast an den Folgen ihrer schweren Krankheit.
Der König lässt daraufhin ihren Leichnam in den königlichen Palast Paço da Ribeira bringen und erst jetzt erweist er der Königin die letzte Ehre.

In der Kirche São Vicente de Fora, in der Gruft der Braganças, findet die vom Volk so geliebte und von ihrem Mann so wenig respektierte Königin Maria Sofia de Neuburgo letztendlich ihre letzte Ruhestätte.

Montag, 20. Dezember 2010

Weihnachtserinnerungen


Lezten Freitag, auf dem Weg ins Büro, bin ich in einen Bus eingestiegen, der voller Grundschüler war.
Es war ihr letzter Schultag, und dementsprechend waren sie euphorisch, nicht nur weil sie jetzt Schulferien haben, sondern weil Adventszeit ist, und Weihnachten vor der Tür steht.

Die Adventszeit sollte eigentliche eine Zeit der Ruhe, der Dankbarkeit und Besinnlichkeit sein. Doch leider ist davon in unserem heutigen Alltag leider nur sehr wenig zu merken.
Die Wochen vor Weihnachten arten immer mehr in Stress, Hektik und Streit aus und manchmal sogar dem Verlust der weihnachtlichen Vorfreude.

Früher, als ich noch ein Kind war und in Deutschland lebte, da war das noch anders – zumindest aus meiner kindlichen Sicht.
Ich mag Weihnachten und die Adventszeit und denke in dieser oft an früher zurück, als ich noch unbeschwert und unbekümmert diese Wochen am Jahresende genießen konnte.
Zurückblickend auf meine frühen Lebensjahre und in meine Grundschulzeit, habe ich im Alter von 6 bis 10 meine schönsten Erinnerungen an Weihnachten und die Adventszeit.

Damals, wenn es morgens kalt und dunkel war und schon der erste Schnee lag, hat es mir einen riesigen Spaß gemacht durch diesen zur Schule zu stapfen und mir dabei die eine oder andere Schneeballschlacht mit meinen Schulfreunden zu liefern.
In der Klasse selber wurde ein wenig mit Selbstgebasteltem weihnachtlich dekoriert.
Auf den Marmorfensterbänken lagen Tannenzweige mit Schleifen und Strohsternen und an den Fenstern klebten selbstgemalte Bilder mit weihnachtlichen Motiven.

Jeden Morgen in der 1. Stunde wurden die Kerzen des Adventskranzes, der immer auf dem Lehrerpult stand, angezündet und das Deckenlicht ausgeschaltet. Frau Koppe, unsere Klassenlehrerin las uns dann eine kurze Weihnachts- oder Adventsgeschichte vor. Auch die Klänge weihnachtlicher Lieder wurden mit Blockflöten durch den Raum getragen. Es war ein an der Wilhelm-Busch-Schule übliches Ritual in der Adventszeit, welches jeden Morgen in den ersten 15 Minuten der ersten Stunde zelebriert wurde.

Auch bei uns zu Hause herrschte in der Zeit vor Weihnachten eine angenehme Stimmung, denn auch die elterliche Wohnung war bereits entsprechend dekoriert, in den ersten Jahren mit einer wunderschönen Krippe, so wie hier in Portugal üblich.
Der „deutsche“ Weihnachtsbaum zog erst mit den Jahren bei uns ein.
Selbstgebackene Plätzchen und Kekse kannte ich als Kind auch nicht, aber dafür, dank meiner Mutter, die ganze Facette der portugiesischen Weihnachtsbäckerei.

Da keiner in unserer Familie damals ein begnadeter Sänger war, kannten wir Weihnachtslieder nur aus dem Kassettenrekorder.
Noch heute habe ich eine alte Kassette aus dieser Zeit, auf der Kinderchöre Weihnachtslieder wie „Alle Jahre wieder“, „Stille Nacht, Heilige Nacht“, „O Tannenbaum“ und „Lasst uns froh und munter sein“ singen. Nur habe ich leider keinen Kassettenrekorder mehr, um mir diese abzuhören und in alten Erinnerungen zu schwelgen!
Natürlich gibt es heutzutage CD´s auf denen all diese Lieder drauf sind.
Aber es ist nicht dasselbe!

Da bei uns „auf dem Dorf“ in Wixhausen die Einkaufsmöglichkeiten so gut wie nicht vorhanden waren und es das Internet damals noch nicht gab, war es für mich immer ein Erlebnis, wenn die ganze Familie in der Vorweihnachtszeit in die „große Stadt“ fuhr, um die Weihnachtseinkäufe zu erledigen.
Der Weg führte uns immer nach Darmstadt zum Luisencenter und seinem Karstadt – ein Paradies für jemanden, der die meisten dort angebotenen Dinge nur aus Katalogen und Prospekte kannte.
Natürlich besuchten wir bei dieser Gelegenheit auch den Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz, genau gegenüber dem Darmstädter Schloss, und als Kind bestaunte ich all die schönen Weihnachtsdekorationen dort und auf den Straßen.

Ein Rätsel ist mir allerdings bis heute, wie meine Eltern es schafften, Geschenke für mich und meine Schwester zu kaufen, ohne dass wir etwas davon mitbekamen und uns die Geschenke vom „Christkind“ (wohlgemerkt vom Christkind, nicht vom Weihnachtsmann!) immer wieder aufs Neue überraschten.

Advent und Weihnachten waren in meinen Kindertagen einfach schön und unbeschwert.
Hektik, Sorgen, Stress und Streit sowie Geld waren mir fremd bzw. wurden von unseren Eltern liebevoll von uns fern gehalten.
Irgendwie vermisse ich diese Zeit und möchte am liebsten noch einmal 7 oder 8 Jahre alt sein damit ich das noch einmal erleben kann.

Dienstag, 10. November 2009

Herbsttage


Was ist das für ein Herbst!

Immer wieder gibt es diesen Herbst Regenschauer, wehen kalte Winde vom Atlantik her und gibt es graue, verhangene Morgen.
Etwas lustlos mache ich mich morgens auf den Weg nach Lisboa zur Arbeit, trinke unterwegs meine morgendliche Bica in Cacilhas und träume von den Herbsten von früher.
Da hatten wir hier in Portugal Herbsttage voller Sonne, liefen in kurzen Klamotten rum, suchten mittags einen schattigen Platz auf und an manchen Tagen gingen wir sogar an die Costa de Caparica um uns in den Atlantik zu stürzen, der uns zu dieser Jahreszeit nicht mehr so eisig vorkam wie in den Sommermonaten.

Ja, so war das damals.
Jetzt ist es den ganzen Morgen über draußen kühl und neblig. Gegen Mittag quält sich endlich die Sonne durch die Wolkendecke und erwärmt uns ein wenig.
Es ist mir schon aufgefallen, das es dieses Jahr kaum Pfirsiche, Orangen und Pflaumen gibt und auch das keine einzige Zitrone an den Bäumen hängt.
Die Älteren, die mehr Lebenserfahrung haben, sagen das liegt daran, dass es im Frühjahr, zur Blütezeit so stark geregnet hat.
Die Ernte ist verregnet, sagen die Bauern im Fernsehen.

Manchmal denke ich an die deutschen Herbste zurück. An meine Spaziergänge durch die Wälder Darmstadts und Wixhausens und an meine Wanderungen durch den Odenwald.
In Deutschland waren die Herbste auch kalt und schmuddelig. Aber wenigstens hatten wir dort Wälder durch die wir als Kinder spazieren gehen konnten, in denen wir Kastanien und Laub zum basteln fanden und in denen wir Pilze sammelten.
Hier gibt es kaum Wälder. Das kann man sich in Deutschland kaum einer vorstellen.

Ich wünschte mir, wir hätten hier in Portugal wieder sommerliche Herbsttage, so wie früher.
Zwar finden meine deutschen Arbeitskollegen den Herbst hier toll, zumal es momentan in Deutschland ja wesentlich kälter ist als hier.
Aber wenn sie wüssten, wie schön die Herbste früher hier in Portugal waren, dann würden sie diese noch schöner finden.

Donnerstag, 20. August 2009

Zelten verboten!


Genauso wie ich in Deutschland ein vehementer Verfechter der portugiesischen Sprache, Kultur und Lebensart war, als ich noch in Darmstadt lebte, so bin ich heute, hier in Portugal, ein vehementer Verfechter der deutschen Sprache, Kultur und Lebensart.

Aber manchmal Zweifele ich schon ein wenig an besagter Kultur und Lebensart, wenn mir mitten in Lissabon die Sorte von Germanen begegnet, die z.B. noch nicht Begriffen hat, das Sportsocken und Sandalen nicht besonders gut miteinander kombinieren, oder die die auch noch nicht verstanden haben, weshalb man am Vormittag grölend mit einer Bierflasche auf offener Straße nicht so gut bei der hiesigen Bevölkerung ankommt.

Und wenn ich dann sehe, das deutsche Rucksacktouristen mitten auf dem „Miradouro de Santa Catarina“, einem der zentralen Aussichtspunkte der Hauptstadt, ihr Zelt aufschlagen, um dort die Nacht zu verbringen, dann dreht sich mir regelrecht der Magen um.

Ist es bis zu diesen Leuten noch nicht durchgesickert, dass es so etwas wie Campingplätze gibt?
Ich meine, was würde den ein Berliner sagen, wenn ich am Brandenburger Tor mein Zelt aufschlagen würde?
Was würde geschehen, wenn ich in München, mitten auf dem Marienplatz gegen die Mariensäule urinieren würde?
Oder was würde ein Frankfurter sagen, wenn ich im Brunnen auf dem Opernplatz ein Bad nehmen würde?
In allen Fällen würde man mich wohl für verrückt erklären, das Ordnungsamt rufen und mich dann von der Polizei abführen lassen.

Mitten in der Lissabonner Innenstadt, in einem öffentlichen Park zu Zelten, kann und darf nicht eine deutsche Lebensart sein!

Oder hat sich da kulturell etwas geändert, und ich habe nichts davon mitbekommen?

Donnerstag, 25. Juni 2009

Wehmut nach Wixhausen


Wer diesen Blog liest, und sich vielleicht auch schon mal mein Profil angeschaut hat, wird erfahren, dass ich in Deutschland 25 Jahre lang in Darmstadt, im Ortsteil Wixhausen, gelebt habe.
Die die mich persönlich kennen, wissen das ja sowieso.

Als ich 1998 die Möglichkeit hatte nach Portugal zu ziehen, habe ich, als ich Darmstadt und Wixhausen verlassen habe, nicht einmal zurückgeschaut.

Heute, viele Jahre und einige Flüge später, fange ich an, so etwas wie sentimentale Gefühle für die Orte meiner Kindheit und Jugend zu empfinden.
Diese Gefühle der Wehmut haben sich, aus mehreren persönlichen Gründen, in den letzten Wochen verstärkt. Es waren einfach zu viele Jahre (ein viertel Jahrhundert!) die ich in Darmstadt-Wixhausen verbracht habe. In dieser Zeit lernt man alle guten und alle schlechten Witze kennen, die man über Wixhausen machen kann, und man lernt auch mit gewissen Vorurteilen umzugehen.

Die meisten, die schlecht über Wixhausen reden oder meinen sie hätten die Klobürste erfunden (Apropo, wussten sie das die Portugiesen die Klobürste erfunden haben?!? Dazu mehr, in einem zukünftigen post) nur weil sie einen schlechten Witz über Wixhausen machen, haben noch nie einen Fuß in diesen Ort gesetzt und finden den Namen halt nur so lustig!...

Ich gebe zu, der Name Wixhausen verleitet aber auch leicht zu einem Scherz. Aber bitte, wenn es schon sein muss, dann sollen es doch bitte auch gute Scherze sein, oder?!?

Ich bin mal von meiner Schulkameradin Martina Bergsträßer gefragt worden, ob es mir nicht peinlich sei in Wixhausen zu leben. Nein, natürlich war es mir nicht peinlich in Wixhausen zu leben (eher sollte es manchen Leuten peinlich sein, zu meinen wichsen würde mit „x“ geschrieben und nicht mit „chs“. Wäre mancher in Wixhausen in die Grundschule gegangen, würden ihm solche Fehler vielleicht nicht passieren). Schließlich hat Wixhausen nichts mit wichsen zu tun, sondern geht auf das altdeutsche Wort Wikken zurück, das soviel wie Weiher heißen soll. Also bedeutet Wixhausen nichts anderes als „Häuser am Weiher“. Und was soll einem bitte, an „Häuser am Weiher“ peinlich sein?

Es ist ja nicht so dass die Wixhäuser von heute sich den Namen ausgesucht hätten; den gibt es nämlich schon ein bisschen länger. Seit 1172, um genauer zu sein. In diesem Jahr wurde nämlich Wixhausen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Somit ist Wixhausen gerade mal ein paar Jahre jünger als der Portugiesische Staat. Portugal wurde nämlich im Jahre 1139 von König Afonso Henriques gegründet.

Sollte ein Wixhäuser sich in diesen Blog verirren, so bitte ich ihn (sie) doch freundlichst darum, er (sie) möge sich doch bitte hier mit einem Kommentar verewigen.

„Vasistas“


Gestern saß ich drei Franzosen im Bus gegenüber.
Es können natürlich auch Belgier oder Franco-Kanadier gewesen sein, so genau weiß ich es nicht; jedenfalls haben sie französisch gesprochen, ganz ohne Zweifel.
Ohne Zweifel???
Nun, drei oder vier Mal hatte ich ehrlich gesagt schon so meine Zweifel, denn französisch gehört leider nicht zu den Sprachen, die ich beherrsche, und ich wusste dementsprechend nicht worüber die drei sprachen.

Als wir am Lissabonner Bahnhof am Rossio vorbeifuhren, sagte das Mädchen zu den zwei Jungs so etwas wie: „bla, bla ,bla was ist das bla, bla, bla…“ Es kam mir wirklich vor, als ob sie „was ist das?“ gesagt hätte.
Aber das konnte ja nicht sein, oder?
Ein paar hundert Meter weiter, als wir an dem Aufzug von Santa Justa vorbeikamen sagte das Mädchen, in Richtung der Jungs erneut so etwas wie: „bla, bla, bla was ist das bla, bla, bla“.
Da war es wieder! Sie hatte doch tatsächlich „was ist das?“ gesagt. Konnte das denn sein?

Ich bin dann zu dem Entschluss gekommen, dass es in der französischen Sprache ein Wort geben muss, das dem deutschen „was ist das“ phonetisch unheimlich ähnlich sein muss.

Als ich dann heute Morgen mit einem Freund im Café saß, erzählte ich ihm von diesem merkwürdigen Ereignis. Und er, der französisch gut kann, bestätigte mir dass es wirklich so ein Wort im französischen gibt, das wie das deutsche „was ist das“ klingt.
Und dieses Wort heißt: „VASISTAS“.
Und was heißt wohl „vasistas“?
Nun, „vasistas“ sind Dachfenster.

Wie es dazu kommt, dass die Franzosen ausgerechnet diese drei kleinen deutschen Wörter benutzen, wenn sie auf Französisch ein Dachfenster meinen, dies konnte mir allerdings mein Freund Pedro nicht erklären.

Wir sind es gewohnt dass sich in der heutigen Zeit immer mehr Fremdwörter in unsere nationalen Sprachen einnisten.
Aber „vasistas“ kann keine neuartige Erfindung sein, unmöglich!
Das muss sicherlich eine jahrzehnte, wenn nicht sogar jahrhunderte alte Geschichte sein.

Sollte mein Freund Fabien in Darmstadt dieses post lesen, so kann er mir als waschechter Franzose da vielleicht weiterhelfen und eine Erklärung geben. Schließlich hat er mir mal vor Jahren auch erklärt, dass der Franzose, wenn er vom Wochenende redet, vom „weekend“ spricht. Das war damals für mich genauso überraschend wie jetzt das „vasistas“.

Einer meiner nächsten posts, so habe ich mir fest vorgenommen, wird von den deutschen Wörtern handeln, welche ihren Weg in den portugiesischen Wortschatz gefunden haben, und umgekehrt. Ich muss mir nur noch überlegen welche das sein könnten, denn ich bin schon zu dem Entschluss gekommen, dass es so viele nicht sein können.