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Donnerstag, 19. Juni 2014

Die Freibäder, die es in Lissabon (leider) nicht gibt


Die Stadt Lissabon hat den Ruf, eine Großstadt ohne Freibäder zu sein.
Leider hat sie nicht nur den Ruf, sondern es handelt sich hierbei um eine traurige Realität – die portugiesische Hauptstadt hat heute keine funktionierenden Freibäder (port.: piscinas ao ár livre) mehr.

Das war nicht immer so.
So gab es z.B. noch vor einigen Jahren im Stadtteil Olivais ein prächtiges Freibad (port.: piscina dos Olivais), mit vier Schwimmbecken, Sprungturm- und -brettern, einer großen Liegewiese usw.
Aber alle Freibäder wurden irgendwann im Laufe der letzten Jahre, weil sie alle kein Gewinn mehr brachten und so für die Stadt zur Belastung wurden, einfach geschlossen.
Heute vergammeln sie vor sich hin und eine Besserung ist, Dank der Krise die Portugal immer noch durchlebt, auch nicht in Sicht.
Im Rathaus denkt man wohl, das bei so viel Meeresküste und bei so vielen Stränden in Stadtnähe es sich einfach nicht lohnt öffentliche Gelder in Freibädern zu stecken.

Bei einem meiner letzten Spaziergänge durch den Stadtteil Bica, unweit der Haltestelle des Aufzuges von Bica (port.: Elevador da Bica), habe ich dieses kleine Planschbecken entdeckt, das glatt als Freibad durchgehen könnte.
Ich bin mir sicher, hier mitten in der Lissabonner Altstadt, gäbe es Freibadfeeling garantiert…

Anbei, auch wenn es wie gesagt keine Freibäder in Lissabon gibt, hier einpaar Adressen von städtischen Hallenbädern (piscinas cobertas) die ich jedem nur empfehlen kann – und sei es dann nur für den Winter:

Piscina Municipal de Alfama
Calçada do Cascão n° 39
Alfama 1100-122 Lisboa

Piscina Municipal do Alvito
Rua Professor Vieira Natividade
Alvito 1300-542 Lisboa

Piscina Municipal de Ameixoeira
Rua Professor Adelino da Palma Carlos
Ameixoeira 1750-123 Lisboa

Piscina Municipal dos Anjos
Rua Damasceno Monteiro n° 69
Anjos 1170-110 Lisboa

Piscina Municipal do Bairro da Boavista
Rua das Azaleas
Bairro da Boavista 1500-535 Lisboa

Piscina Municipal de Campo de Ourique
Rua Correia Teles 103 A
Campo de Ourique 1350-105 Lisboa

Piscina Municipal do Oriente – EXPO
Rua Câmara Reis
Oriente 1800-046 Lisboa

Piscina Municipal do Rego
Rua Cardeal Mercier
Rego 1600-467 Lisboa

Piscina Municipal do Restelo
Rua Antão Gonçalves
Restelo 1400-015 Lisboa

Piscina Municipal do Vale do Fundão
Rua Félix Bermudas
1950-292 Lisboa

Sonntag, 10. März 2013

Angeblich gar nicht so steil, wie so manch einer denkt



Als meine gute Freundin Sabine mich zum ersten Mal hier in Lissabon mit ihrem damaligen Freund und jetzigen Ehemann Marcel besuchte, sagte sie mir einmal, nachdem die beiden erschöpft die Altstadt zu Fuß erobert hatten, sie hätten sich Lissabon niemals so hügelig und so voller steiler Anstiege vorgestellt.

Sicherlich, auf einer einfachen Stadtkarte sieht Lissabon so herrlich flach aus, so ganz ohne Hügel und Steigungen.
Aber die Realität sieht in Lissabon anders aus!
In einer Stadt in der Fahrstühle, die so genannten „elevadores“, öffentliche Verkehrsmittel sind und wo man, um von A nach B zu gelangen, oftmals 50 – 100 Meter Höhenunterschied überwinden muss, bekommt man oftmals als nicht Ortsansässiger das Gefühl, Lissabon sei eine Stadt in der es unmöglich ist, ohne einen ständigen Muskelkater herumzulaufen.

Sind die Straßen Lissabons für Fußgänger und Fahrradfahrer wirklich so steil und schwer zu überwinden, wie so viele behaupten, oder sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so extrem und bei der „Unbezwingbarkeit“ der Lissabonner Straßen handelt es sich einfach nur um ein Mythos?

Nun, nach einer Studie, die der Lissabonner Oberbürgermeister António Costa jetzt in Auftrag gegeben hat, sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so steil!
Nur 25% der Straßen (port.: ruas), Alleen (port.: avenidas), Gassen (port.: beco) und Wege (port.: caminhos) Lissabons haben eine Steigung von 6 % und mehr, d.h. drei Viertel der Verkehrswege der Hauptstadt zeigen ein normales Gefälle – was „normales Gefälle“ auch immer heißen mag!

Laut der von der Stadt Lissabon in Auftrag gegebenen Studie sind nur die Straßen in den Stadtteilen Castelo, Alfama, Mouraria, Bica und Santa Catarina teilweise wirklich so extrem steil.
Alle anderen Stadtteile haben, größtenteils, normale Straßenverhältnisse.
Aber wenn 75% der Lissabonner Straßen, was ihre Neigung angeht, sich wirklich nicht von denen anderer Städte unterscheiden, weshalb haben dann so viele Touristen, die ja oftmals nur zu Fuß unterwegs sind, solch ein Negativbild von der Stadt?
Nun, das hat zweifellos damit zu tun, das ausgerechnet die Stadtteile, die so oft von Touristen besucht und durchlaufen werden, wie Castelo, Mouraria oder Alfama, eben gerade die sind, dessen historisches Straßengewirr so steil ist.

Wir Lissabonner, die wir die Stadt ja nicht anders kennen und in ihr schon seit langer Zeit leben, haben uns mit den steilen Anstiegen und den hügeligen Verhältnissen vor Ort schon lange arrangiert.
Womit wir weniger gut umgehen können, sind die Tücken der Moderne.
Die Straßen und Gassen der Lissabonner Altstadt sind sehr schlecht erhalten und wurden einstmals nur für Pferdefuhrwerke und Sänfteträger gebaut, nicht aber für Autos.
Und so verstopfen heute viele PKW´s die Innenstadt und machen uns Fußgängern das Leben schwer, weil sie Rücksichtslos auf allen verfügbaren und noch so engen Plätzen parken.

Vielleicht sollte die Stadt Lissabon ja eine neue Studie in Auftrag geben, nämlich die Studie:
„Wie können wir den ganzen Verkehr aus der historischen Altstadt verbannen und den Menschen, sowohl den Touristen als auch den Einheimischen, eine bessere Infrastruktur, und somit eine höhere Lebensqualität, anbieten?“

Das wäre vielleicht einmal eine nützliche Studie die Oberbürgermeister Costa in Auftrag geben könnte!

Mittwoch, 31. Oktober 2012

01. November 1755 – O grässliches Schauspiel! Welch Entsetzen!



Als am frühen Morgen des 01. November 1755, dem Allerheiligentag (port.: Dia de todos os Santos), ein verheerendes Erdbeben (port.: terremoto) die Stadt Lissabon in Trümmern legte, war man danach nicht nur in Portugal tief betroffen und schockiert, sondern auch in ganz Europa.
Mehrere zehntausend Menschen, die genaue Zahl ist bis heute unbekannt, starben an diesem Tag durch das große Beben, der darauf folgenden Tsunami, den vielen Nachbeben und den riesigen Flächenbränden.

Viele Naturwissenschaftler, Philosophen, Schriftsteller und Dichter, wie Goethe, Voltaire, Leibniz, Rousseau und Kant, setzten sich damals mit dieser unbeschreiblichen Katastrophe auseinander, die an diesem Tag über Lissabon und Portugal hereingebrochen war.
Aber auch viele Unbekannte brachten damals die Ereignisse dieses Tages zu Papier.

Einer dieser unbekannten Schreiber verfasste im November 1755 ein anonymes Gedicht, das am 06. Dezember 1755 in der Leipziger Zeitung (port.: Jornal de Lípsia) publiziert wurde.
Der damals sehr einflussreiche preußische Schriftsteller und Dramaturg Johann Christoph Gottsched meinte später zu diesem deutschen Text, er stamme wohl von „keiner ungeschickten Feder“.
Einige meinen deshalb heute, dass es wohl Gottsched selber war, der diesen Mehrzeiler einst schrieb.
Wie dem auch sei, dieses Gedicht ist, wie ich meine, ein schriftliches Zeugnis der Geschehnisse dieses denkwürdigen Tages.

Das Gedicht lautet wie folgt:

Das prächtige Lissabon hieß lange schön und groß;
Doch eine halbe Viertelstunde
Verwüstet solches bis zum Grunde
Aus seiner Kluft reißt sich der Gott der Winde los.
Gebäude, welche noch so feste,
Die schönsten Klöster und Palläste
Erschüttert bloß ein Hauch, und schmeißt dieselben um.
Vulcan stimmt da mit ihm zusammen,
Und es verzehren seine Flammen
Was Aeolus geschont. Man sieht es, und wird stumm.
Man siehts, und alle Glieder zittern:
Und wie bey schweren Ungewittern
Der bange Vogel scheu in Feldern sich verkriecht;
So flüchten König und Vasallen,
Da die Palläste stürzend fallen,
Erstaunt aufs freye Feld, den Vögeln gleich verscheucht.
O grässliches Schauspiel! Welch Entsetzen!
Wer denkt hier an ein Ergötzen?
Wer lebt nicht und denkt, daß ihn auch treffen kann,
Was dort in Portugal geschehen?
Ein solches Elend anzusehen
Greift auch die härtesten und kältesten Seelen an.

(Anonym, November 1755)

Nur einige Teile der Altstadt Alfama und der damalige Vorort Belém überstanden das Beben.
Will man wissen, wie die Stadt Lissabon vor dem 01. November 1755 ausgesehen hat, dann muss man sich ins Lissabonner Museu da Cidade (dt.: Stadtmuseum) im Stadtteil Campo Grande begeben.
Dort sind einpaar wunderschöne Drucke aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt, die auf eindrucksvolle Weise die Stadt so zeigen, wie wir sie leider niemals wieder sehen werden.

Sonntag, 25. September 2011

Verwahrloster Aussichtspunkt





Heute war ich in der Alfama.
Ich musste dort einer Freundin etwas vorbeibringen, die Anfang des Monats in die Rua do Limoeiro gezogen ist.
Nur ein paar Schritte von ihrer Wohnung entfernt befindet sich einer der schönsten Aussichtspunkte (port.: miradouro) der Hauptstadt, der Miradouro de Santa Luzia.

Ich beschloss zum Miradouro zu laufen, weil ich schon seit Jahren nicht mehr dort war, um die Aussicht zu genießen.
Was ich aber zu sehen bekam war allerdings alles andere als ein Genuss.
Ich hatte schon gehört, dass der Miradouro in einem etwas verwahrlosten Zustand sei, dass er aber so heruntergekommen ist hätte ich nie gedacht.

Der kleine Park Jardim de Julio de Castilho, der zum Miradouro gehört, ist etwas heruntergekommen, überall stehen leere Bier- und Weinflaschen herum und dort wo man früher eine der schönsten Aussichten über die Alfama hatte versperren jetzt teilweise Dächer und Fernsehantennen die Sicht.
Ich war über so viel Dreck, Unordnung und Zerstörung einfach nur entsetzt!

In diesem Moment, da ich diese Worte niederschreibe, kann ich es immer noch nicht fassen, das einer der touristischsten Orte Lissabons so heruntergekommen ist.
Man sollte die Verantwortlichen im Lissabonner Rathaus ( port.: Câmara Munícipal de Lisboa) dazu verdonnern, selber einmal mit einem Besen und einer Schaufel den Aussichtspunkt wieder auf Vordermann zu bringen.

Aus sparmaßnahmlichen Gründen gibt es jetzt weniger Müllabführen, Straßenkehrer und Gärtner in Lissabon – und leider nicht nur hier.
Die Stadt aber jetzt total verwahrlosen zu lassen, ist purer Wahnsinn.
Das Bürger einen solchen Platz beschmutzen und vandalisieren ist schon schlimm genug.
Aber die Ignoranz und Unfähigkeit von so manchem Kommunalpolitiker ist zweifelsohne dreist und beschämend!

Freitag, 17. Juni 2011

Kissing Alley


Gestern war ich in der Lissabonner Altstadt Alfama (bitte lesen sie auch meinen Beitrag „Das Badehaus in der Al-khama, vom 04.06.2009).
Die Alfama ist in diesen Tagen des Antoniusfestes, voller bunter Ballons, Girlanden und Lampions.
Nirgendwo ist die Seele der Hauptstadt so zu spüren, wie hier!
Ich liebe es, durch die Gassen der Altstadt zu laufen.
In diesem Straßenlabyrinth, das sich nur zu Fuß erforschen lässt, habe ich jedes Mal das Gefühl an einem Ort aus 1001 Nacht zu sein.
Obwohl kein einziges Gebäude aus der Zeit der Mauren mehr steht, habe ich dieses Gefühl immer wieder.
Die maurische Herrschaft hinterließ hier nämlich deutlich ihre Spuren. Die Straßen, Gassen, Treppen und kleine Plätze verraten noch heute ihr arabisches Gepräge.

Eines meiner Lieblingsecken in der Alfama sind die Treppen von Santo Estevão (port.: Escadinhas de Santo Estevão), die von der Kirche gleichen Namens bis fast hinunter zum Tejo reichen.
Jedes Mal, wenn ich diese Treppen hoch steige, oder so wie gestern runter laufe, muss ich schmunzelnd daran denken, das vor einiger Zeit irgendeiner angefangen hat diese Treppen „Kissing Alley“ (dt.: „Küsschengässchen“) zu nennen, so das heute viele in Lissabon, vor allem Jugendliche, von der „Kissing Alley“ sprechen, wenn sie die Escadinhas de Santo Estevão meinen.

Zu diesem originellen Namen kamen die Treppen dank eines Ereignisses, welches sich vor Jahren dort zugetragen haben soll.

Eine Reiseführerin brachte eines schönen Tages eine französische Reisegruppe durch die Gassen der Altstadt.
An den Treppen angekommen, die zu jedem Reiseführertrip gehören, weil man von hier eine wunderschöne Aussicht auf die Dächer der Altstadt und den Tejo am Horizont hat, sah die Reiseführerin den damaligen Stadtverordneten (port.: Presidente da Junta de Fréguesia) vom nahen Stadtteil São Vicente de Fora an der Treppe, wie er eine Frau innig küsste, die nicht die seinige war.

Woher die Reiseführerin wusste das der Stadtverordnete eine fremde Frau küsste???
Nun, dummerweise war die Reiseführerin die Ehefrau des Stadtverordneten…

Die Ehe der beiden wurde kurz darauf geschieden.
Der Stadtverordnete aber, verlor nicht nur die Ehefrau, sondern auch seinen schönen Posten bei der Stadt und wurde für lange Zeit zur Witzblattfigur.

Wie das deutsche Sprichwort so schön sagt:
„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen…“

Montag, 26. April 2010

Boa Hora


Gerstern, auf dem Weg vom Chiado zum Cais do Sodré, führte mich der Weg über die Rua Nova do Almada, am Alten Gericht „Boa Hora“ (port.: Tribunal da Boa Hora) vorbei.

Dieses alte Gebäude, ein ehemaliges Kloster irischer Dominikaner, wurde 1677 erbaut und vor 166 Jahren zum Gerichtsgebäude umgebaut.
In ihm fanden historische Prozesse statt, wie zur Zeit der Diktatur, die Prozesse gegen die oppositionellen Politiker Mário Soares und Álvaro Cunhal, die ins Exil gehen mussten, und in neuerer Zeit etwa die Korruptionsprozesse gegen Pedro Caldeira und den Ex-Benficapräsidenten Vale e Azevedo.

Heute ist das Gerichtsgebäude geschlossen, da die Stadtverwaltung Mitte letzten Jahres verschiedene Gerichte zusammengelegt hat, und in den Osten der Stadt verlegt hat.
Aus dem nun verlassenen Haus hätte ein Luxushotel werden sollen.
Aber durch eine Unterschriftsaktion und dem vehementen „Nein“ einer Bürgerinitiative wurde die Idee fallen gelassen, aus dem alten Gericht eine Luxusherberge für Touristen zu machen.

Ich habe mich oft gefragt, zumal jetzt, da das Gebäude leer steht und dazu verurteilt ist, zu vergammeln, warum die Einwohner des Cais do Sordé, und da vor allem die Geschäftsleute, so stark gegen ein Luxushotel in ihrem Stadtviertel waren, zumal sie ja die größten Nutznießer eines solchen gewesen wären, so dachte ich.

Aber wahrscheinlich wollen die Einwohner des Cais do Sodré einfach nicht, dass ihr Stadtviertel einmal als Synonym für Tourismus steht, so wie heute die Alfama oder Belém.
Oder sie wollen nicht, wie die Einwohner der neuen Stadtteile im Osten, das ihre Bürgersteige schon um 20 Uhr hochgeklappt werden, weil sie nur tagsüber die Menschen anziehen.
Und bestimmt wollen sie nicht, wie die Einwohner des Bairro Alto, jede Nacht ins Bett gehen mit dem Wunsch es würde schon bald wieder Morgen sein, weil sie genau wissen, ihr Stadtteil wird über Nacht von marodierenden und alkoholisierten Jugendlichen „überfallen“ werden.

Das Geheimnis des Cais do Sodré ist die gesunde Mischung der „Klassen“.
Hier lebt die gutbürgerliche Mittelklasse neben dem einfachen Arbeiter, die wohlhabenden Ärzte neben den Prostituierten, und die fleißigen Handwerker neben dem Metzger, dem Bäcker und dem Tante-Emma-Ladenbesitzer.
Und alle kommen sie miteinander gut aus in ihrem Stadtteil.
Ein Luxushotel würde eventuell diese Infrastruktur nur zerstören.

Aber vielleicht findet sich ja ein anderer Verwendungszweck für das alte Gericht Boa Hora.
Vielleicht wird aus dem Tribunal ja ein Theater, ein Kino oder eine Bibliothek.
So viel ich weiß, hat Kultur noch Niemanden geschadet!

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Mit Katrins Augen gesehen III: Lissabonner Aussichten






Die hier abgebildeten Fotos von Lissabon wurden im November von meiner Arbeitskollegin Katrin aus Berlin, bei ihrem letzten Besuch bei uns in Lissabon, gemacht, und mit ihrer Erlaubnis in diesen Blog veröffentlicht.

- Blick über die Lissabonner Unterstadt Baixa, mit der Kathedrale „Sé Patriarcal“ im Hintergrund

- Blick über die Alfama, die Altstadt von Lissabon, vom Aussichtspunkt „Miradouro de Santa Luzia“

- Die Kirche Santa Engrácia, das Nationale Pantheon (port.: Panteão Nacional) Portugals, die Grabstätte vieler großer portugiesischer Persönlichkeiten

- Die Brücke „Ponte 25 de Abril“ und der Tejo

- Sonnenuntergang über Almada

Freitag, 18. September 2009

Blinde Kuh in Lissabon


In dem post „GoCar´s“, welches ich am 12. September in dieses Blog eingepostet habe, mache ich darauf aufmerksam das es seit kurzem hier in Lissabon eine neue Art und Weise gibt, die Hauptstadt zu erkunden, nämlich mit kleinen, gelben Cabriolets, den so genannten GoCar´s, die via GPS die Touristen durch die Stadtviertel führen, und ihnen dabei viele interessante Informationen über die einzelnen Sehenswürdigkeiten geben.

Heute möchte ich gerne über eine andere, neue Idee berichten, wie man meine Heimatstadt neuerdings erkunden kann.
Die Idee ist so einfach wie genial: Die Teilnehmer dieser etwas anderen Stadtführung spazieren mit verbundenen Augen durch Lissabons Altstadt, der Alfama. Gestützt durch noch „sehende“ Begleiter beginnt ein neues Lissabon-Erlebnis: Lauschend, tastend, erspürend, riechend.

An vielen Orten der Welt gibt es ein ähnliches Konzept in Form von Dunkel-Restaurants, in denen einem das Essen im Dunkeln serviert wird, wie z.B. im Restaurant „unsicht-bar“ in Berlin oder im Restaurant „Bem Me Quer“ hier in Lissabon, mit seinem „Jantar Sensorial“ (deutsch: Sinnliches Abendessen). Neu ist die Übertragung der Idee vom Lokal hinaus auf die Straße.

Gestützt auf Hör-, Tast- und Riechsinn erschließt sich die Stadt einem ganz neu. Man hört das Zwitschern der Vögel, das tropfende Wasser oder wie eine Wäscherin bei ihrer Arbeit einen Fado singt und viele andere Kleinigkeiten, die wir in der Hektik niemals wahrnehmen.

Und was würde sich besser für eine Stadtführung mit den anderen Sinnen eignen als die Alfama, Lissabons Altstadt, deren Häusermauern noch so viele unerzählte Begebenheiten mitteilen möchten? Deren Geräusche, hier in den autofreien Gassen, vielleicht noch die gleichen sind, wie sie schon vor Jahrhunderten erklangen?

Ein tieferes Erspüren Lissabons ist sicherlich eines der Ziele, die die Macher der „Lisboa Sensorial“-Touren erreichen möchten. Ein anderes ist jedoch viel ernsterer Art: Denn „Lisboa Sensorial“ (deutsch: Sinnliches Lissabon) will über den Weg direkter Erfahrung auch mehr Verständnis für das Leben von Blinden wecken. Blinde und Sehbehinderte haben es hier in Portugal oft nicht einfach: Der Straßenverkehr ist immer wieder rücksichtslos und die Gehwege nicht klar abgegrenzt. Zudem ist die finanzielle Situation von Behinderten in diesem Land sehr prekär: Noch immer ziehen blinde Männer und Frauen durch Lissabons Metro (U-Bahnzüge), um hier um ein Almosen zu bitten.

Jede Tour wird deshalb von einem blinden Stadtführer des Verbands Associação dos Cégos e Amblíopes de Portugal, ACAPO (deutsch: Verband der Blinden und Sehbehinderten Portugals) geleitet. Die Einnahmen aus den Führungen - die Kosten liegen bei etwa 20 Euro pro Person - fließen komplett in die Arbeit von ACAPO.
Das Konzept, entwickelt von der jungen Ideenschmiede „Cabracega“ (deutsch: Blinde Kuh), scheint aufzugehen, denn die angebotenen Touren sind vollkommen ausgebucht.

Obwohl ich in naher Zukunft sicherlich einmal die „GoCar“-Tour ausprobieren werde, kann ich mich für eine „Lisboa Sensorial“-Tour nicht erwärmen.
Nicht das solch eine Tour nicht interessant wäre (sonst würde ich sicherlich hier nicht über sie schreiben!). Aber für mich hat Lissabon sehr viel mit Licht, Sonne und Farben zu tun. Ich persönlich finde das Lissabon ist eine Stadt fürs Auge ist.

Aber wie es schon in dem alten Lissabonner Volkslied „Cheira bem, cheira a Lisboa (deutsch: „Es riecht gut, es riecht nach Lissabon“) heißt, hat Lissabon seine eigene „Duftnote“ und riecht wirklich nach Blumen, Seeluft und gerösteten Kastanien. Und vielleicht kann man diese Gerüche wirklich nur dann intensiv erleben, wenn man mit verbundenen Augen durch die Gassen läuft.

Probieren sie einmal solch eine Stadtführung aus, und schreiben sie mir dann, wie es ihnen gefallen hat.

Samstag, 12. September 2009

GoCar´s


Haben sie jemals ein Auto gesteuert das ruckelt und quietscht, ihnen Witze erzählt und ihnen auch noch genau und ausführlich erklärt wo sie gerade entlangfahren?

Nein?!?
Dann müssen sie hier nach Lissabon kommen, denn hier können sie diese Autos mal fahren.
Seit neustem gibt es hier in der Hauptstadt nämlich die so genannten GoCar´s.

GoCar´s sind kleine, gelbe Cabriolets, die seit kurzem hier durch Lissabon tuckern.
Diese kleinen Zweisitzer sind alle mit GPS (Global Positioning System) ausgerüstet, und können dem Fahrgast akustisch genau sagen wo er gerade durchfährt und ihm zusätzlich auch geschichtliche, architektonische und kulturelle Infos über die einzelnen Sehenswürdigkeiten geben.

Dieses System, eines fahrenden und sprechenden Reiseführers, ist bis dato einmalig in Europa.
Die ersten GoCar´s kamen 2004 in der kalifornischen Stadt San Francisco zum Einsatz.
Dann wurde das System auch in den amerikanischen Städten San Diego und Miami eingeführt, bis es dann dieses Jahr auch hier in Lissabon in Betrieb genommen wurde.

Lissabon mit einem gelben GoCar zu erleben, ist wohl die originellste, lustigste und unvergesslichste Art und Weise die portugiesische Hauptstadt zu erkunden.
Belém, Alfama, Estrela und die Baixa kann man nun ganz neu entdecken.

Deshalb, sollten sie in nächster Zeit hier nach Lissabon kommen, dann durchfahren sie die Stadt einmal mit einem GoCar.
Probieren sie so eine Fahrt aus, solange die GoCar´s noch in keinem Reiseführer stehen und sie ein Geheimtipp sind.

Ich bin mir sicher, sie werden ihre wahre Freude daran finden!

Donnerstag, 20. August 2009

Pastelaria Lorena


Lissabon kann trotz aller Moderne wunderbar altmodisch sein!

Und nirgendwo ist Lissabon altmodischer als in seinen alten, geschichtsträchtigen Stadtteilen.
Alfama, Santa Catarina, Sé und Ajuda sind solche historischen Stadtteile.

Auch Alcantâra ist solch ein altes Stadtteil, mit einem alten Bevölkerungsstamm, einer alten Polizeistation, einem Postamt, mit konservativen Damen- und Herrenausstattern, bröselnden, morbiden Gassen und Straßen durch die die alte Straßenbahn der Linie 28 rattert und vielen alten Metzgerläden, Bäckereien, Tante-Emma-Läden und Cafés.

Einer der traditionellsten Cafés Alcantâras ist die „Pastelaria Lorena“.
Ab und zu, wenn ich mal in Alcantâra bin, gehe ich dort gerne meine Bica trinken.

In der Rua de Alcantâra n° 54, unweit des Largo do Calvário, dem Hauptplatz Alcantâras, liegt in einem unscheinbaren Haus die „Pastelaria Lorena“, ein Café ohne vergoldeten Stuck, prächtigen Säulen und riesigen Spiegeln, wie die Cafés im Herzen der Stadt, aber dafür mit einer riesigen Auswahl an Kaffee, Kuchen und kleinen Gerichten.

Es gibt in Lissabon weitaus schönere Cafés.
Aber nur wenige von ihnen haben so eine besondere Atmosphäre und Charme wie das „Lorena“.

Dieses post widme ich meiner kleinen Prinzessin!

Freitag, 10. Juli 2009

Eine Stadt im nostalgischem Schwarz und Weiß






Immer wenn ich alte Aufnahmen von Lissabon sehe, oder von Portugal überhaupt, dann komme ich leicht ins Schwärmen, und gerate leicht in Nostalgie.

Wie gerne hätte ich in dieser Zeit gelebt, als die Fotos noch schwarz-weiß waren und die Bilder zu laufen anfingen. Damals, als die Hauptstadt noch ein ganz anderes Gesicht hatte, begann für die meisten Menschen der Tag um 6 Uhr morgens mit einem Gang in die nächste Kirche. Früher war man noch streng katholisch und da gehörte der Gang in die Messe einfach dazu. Nach dem Kirchgang ging jeder seinem Beruf nach und am Hafen spielte sich das Leben einer Kolonialhauptstadt ab. Die feinen Damen der Gesellschaft gönnten sich einen ausgedehnten Schaufensterbummel durch den Chiado und die Baixa, und die Bauern aus dem Lissabonner Umland brachten ihr Gemüse und ihr Obst in die Märkte der Stadt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Schaut man sich diese vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen an, dann wird einem schnell deutlich, wie schön die Stadt einmal war, so ganz ohne den täglichen Verkehrschaos von heute und ohne die konstante Verschmutzung.

Die hübschen Häuser am Chiado und in Benfica, die Baixa mit ihren unzähligen Geschäften und den vielen bunten Fensterläden, die vielen historischen Gebäude in der Alfama und der Mouraria und die grünen Oasen in der Estrela und im Monsanto – das alles begeistert einen sofort, wenn man sich nur die alten Aufnahmen anschaut.

Im Teich des Campo Grande schwammen einst Kois, als im restlichen Europa noch keiner wusste was das für Fische waren. Die Avenida nach Belém war mit hunderten von Palmen bewachsen. Vor hundert Jahren noch, war Lissabon eine Stadt wie aus dem Bilderbuch. Ohne Autos, nur mit alten Straßenbahnen und Pferdekutschen. Mit Seeleuten aus aller Welt und Menschen aus allen Kolonien Portugals.

Wer heute vom Wasser her nach Lissabon reinkommt, oder das Glück hat mit dem Flugzeug in Lissabon anzukommen, der wird meinen Lissabon hebt sich wie eine Traumvision gegen den strahlenden blauen Himmel ab.

Und natürlich hat Lissabon auch heute noch ihre schönen Seiten, ohne Zweifel.

Aber sie wird niemals den Charme erreichen, den sie hatte, als sie für immer auf Schwarz-Weiß-Fotos verewigt wurde.

Freitag, 12. Juni 2009

Santo António de Lisboa


Vorgestern feierten wir hier in Portugal den Camões-Tag (siehe auch meinen post vom 09. Juni mit dem Titel „Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas“).
Gestern war Fronleichnam (Corpo de Deus), ein kirchlicher Feiertag, den man auch in Deutschland feiert.
Und morgen, am 13. Juni, stehen der Hauptstadt und vielen anderen Orten der Nation, die Feierlichkeiten zum Antoniusfest bevor.
Heute schon, am Vorabend des großen Festes, steht die Stadt Lissabon Kopf, um ihren Schutzpatron zu feiern.
Wohlgemerkt „ihren“ Schutzpatron, denn wir sprechen hier über Antonius von Lissabon und nicht über Antonius von Padua (obwohl derselbe Heilige gemeint ist!), so wie er von so vielen genannt wird, denn er wurde in Lissabon geboren und nicht in Padua. Da sind die Lissabonner sehr eigen!

In einem kleinen Haus am Rande der Alfama, wurde 1195 Santo António de Lisboa, als Fernando Martins de Bulhões, geboren. Dort wo sein Geburtshaus stand, steht heute die Kirche mit seinem Namen, genau gegenüber der Lissabonner Kathedrale Sé.
Fernando Martins studierte zuerst in Coimbra, bevor er dann als junger Missionar, sich auf den Weg nach Italien machte. Bei Sizilien erlitt er aber Schiffbruch. Kaum gerettet ging er zuerst nach Assisi, wo er den Heiligen Franziskus kennen lernte, und wo er dem Franziskanerorden beitrat. Hier nahm er dann auch seinen neuen Namen, Antonius, an.
Später ging er dann nach Padua. Er soll ein wortgewaltiger Redner und Prediger gewesen sein, dem sogar die Fische zuhörten, so die Überlieferung. Dort, in einem Kloster in der Nähe von Padua, verstarb er dann auch, erst 36jährig. Als er starb war er bereits hoch verehrt, denn die Menschen liebten seine Predigten und sie mochten ihn, weil er ein einfacher, sympathischer Zeitgenosse war.
Sein Wunderboden waren Umbrien, die Romagna, Venetien und natürlich auch Padua. Und dort, in Padua blieben auch seine Reliquien.

Aber sein Geburtsort und die Kirche die an ihn erinnert, steht wie gesagt hier in Lissabon.
In Italien verehrt man den Heiligen Antonius. Hier in Portugal wird er aber nicht nur verehrt, sondern in erster Linie geliebt.
Jedes Jahr um den 13. Juni, dem Todestag von Antonius, steckt ganz Lissabon im Taumel des größten Festes der Stadt. Alles ist mit bunten Papierschlangen, Lampions und Girlanden geschmückt.
Überall in der Stadt trifft man kleine, tönerne Antonius-Figuren, meistens mit dem Jesuskind auf dem Arm, die uns väterlich aus einem Meer von Manjericos, dem wohlriechenden Basilikum, zu grüßen scheinen.

In der Nacht vor dem Fest finden die Marchas Populares (Volksmärsche) statt, bunte Umzüge mit Musik und Tanz. Diese Umzüge basieren auf uralte Traditionen.
Vereinfacht gesagt, wird jeder der 53 Stadtteile von 30 bis 40 Männer und Frauen bei diesen Volksmärschen vertreten, die Kostüme schneidern, Lieder verfassen und Tänze arrangieren, und sich damit bei der Parade entlang der Avenida da Liberdade präsentieren. Die spektakulärste der 53 Darstellungen wird am Antoniustag mit einem Preis ausgezeichnet. Fast jeder Bewohner – ob Mann oder Frau – feuert bei dieser Gelegenheit sein Stadtteil an. Denn das siegen bei den Marchas Populares ist eine Sache von höchstem Prestige.
Am Tag des Heiligen Antonius selbst, finden die Casamentos de Santo António statt, die Hochzeiten des Heiligen Antonius.
Auch sie sind eine uralte Tradition der Stadt. Jedes Jahr richtet die Stadt eine Hochzeitfeier für 20 Hochzeitspaare aus, wobei die Stadt die ganzen Kosten übernimmt, w.z.B. das Hochzeitskleid für die Braut, den Anzug für den Bräutigam, die Eheringe, die Hochzeitszeremonie, das anschließende Hochzeitsessen (für eine begrenzte Anzahl von Gästen natürlich) und die nach der Hochzeit stattfindende Hochzeitsreise.
Diese Hochzeiten waren früher für die Mittellosen der Stadt gedacht, die den Bund der Ehe schließen wollten, es sich aber finanziell nicht leisten konnten. Heute darf sich jeder bewerben, um als Braut oder Bräutigam bei einer Santo António Hochzeit teilzunehmen. Die einzige Bedingung die die Stadtverwaltung stellt ist, dass die Brautleute geborene Lissabonner sein müssen!

Der Heilige Antonius ist der Beschützer der Liebenden, der Ehen, der Kinder und der Familien. Außerdem ist er der Schutzpatron aller Tiere und der Finder aller verlorenen Dinge.
Man mag an Heilige glauben oder nicht und man mag katholisch sein oder nicht.
Aber für den Lissabonner ist Santo António ein bevorzugter und angenehmer Vermittler zu Gott, und – er ist ein Sohn der Stadt.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Das Badehaus in der Al-Khamá




Wer heute Abend die Hauptnachrichtensendung im portugiesischen Staatsfernsehen RTP (über Satellit auch Weltweit empfangbar) einschaltete, bekam Nachrichten aus aller Welt zu sehen und natürlich auch Landesinformationen geboten.
Zwei Nachrichten, die beide mehr oder weniger, mit dem baden zu tun haben, machten mich hellhörig.
Die erste fand ich dahingehend interessant, weil der portugiesische Prämierminister Socrates, als er gefragt wurde, was er denn davon hielt, das die kommunistische Fraktion im portugiesischen Parlament, wie die anderen im Parlament vertretenen Parteien, die nord-koreanischen Raketen- und Atomtests nicht verurteilt hatten, trocken meinte:
„Bem sábe, os comunistas gostam de ir à praia, mas não gostam de se molhar“ – was frei übersetzt soviel heißt wie:
“Ach wissen sie, die Kommunisten gehen unheimlich gerne baden, werden aber nicht gerne nass”.
Wer unseren Prämieminister kennt, weiß wie humorlos er eigentlich ist, und ist sich dementsprechend über die Bedeutung dieses Kommentars sehr wohl bewusst. Über Nord-Korea und seine kommunistischen Machthaber und Generäle fällt mir leider nichts ein.
Die andere Nachricht, die ich sehr interessant fand, war aber wirklich eine Nachricht!

In der Alfama, der Lissabonner Altstadt, sind bei Bauarbeiten die Reste eines alten Badehauses aus der Zeit der arabischen Mauren entdeckt worden.
Nur wenige wissen, dass es in der Alfama eine warme Quelle gibt.
Diese warme Quelle, die tief aus dem Bodeninneren ihren Weg an die Oberfläche findet, nannten die arabischen Bewohner Lissabons, die von 715-1147 n. Chr. über die Stadt herrschten, Al-Khamá, was so viel heißt wie „heißes Wasser“.
Da das lateinische Alphabet kein Buchstabe „K“ kannte, wurden damals, als die Portugiesen in der Reconquista Portugal Stück für Stück von den Mauren eroberten, in allen arabischen und jüdischen Wörtern in denen ein „Kh“ vorkam, dieser durch ein „F“ ersetzt. So wurde aus dem arabischen Al-Bukhera das portugiesische Albufeira, aus Kharum wurde Faro, aus Al-Kharb wurde die Algarve und aus Al-Khamá wurde Alfama.
Die Mauren, so weiß man heute nach einigen Funden von alten Badehäusern überall im südlichen Europa und Nordafrika, hatten eine ausgeprägte Badehauskultur, ebenso wie die Juden.
Die Christen dagegen hatten überhaupt keine Kultur, jedenfalls was das Baden anging. Aber seien wir fair: die Araber und Juden waren damals zwar wirklich reinlicher als die Christen, aber auch nur, weil es ihre religiösen Riten vorschrieben, und noch heute vorschreiben, sich mehrmals am Tag zu Waschen.

Aber wie wir heute aus alten Berichten der Inquisition wissen, konnte zu häufiges Waschen auch hochgradig Lebensgefährlich sein.
Die skurrilste Geschichte die ich je über dieses Thema gelesen habe (in einer Fachzeitschrift im Wartezimmer meines Arztes), war die eines Christen der in der Alfama lebte. Dieser arme Kerl hatte den Drang ständig seine Hände öffentlich im Stadtbrunnen Chafariz de Dentro (dieser alte Brunnen steht heute noch in der Lissabonner Altstadt) zu waschen. Heute würde man sagen der Mann litt unter einem Tick, einen neurotischen Waschzwang, unter dem Druck sich ständig zu reinigen, ein Leiden, das heute als Krankheit angesehen wird.
Doch damals, im Mittelalter, war die Tatsache, das sich dieser arme Kerl so häufig die Hände und Füße wusch, Grund genug für die Beamten der Inquisition ihn unter dem Vorwand, er übe den jüdischen Glauben aus, zu verhaften, zu verurteilen und öffentlich zu verbrennen!
Zum Thema Inquisition und Sauberkeit sei noch nachzutragen, das es in einer Propagandaschrift von 1612, welches alleine aus dem Grund geschrieben wurde, um Christen ein Leitfaden zur Denunziation zu sein, geschrieben stand (hier übersetze ich frei):
„…ein weiteres Merkmal um einen Juden oder Mauren zu erkennen ist die Tatsache, dass diese jeden Freitag saubere Kleidung anziehen…“

Das soeben wiederentdeckte Badehaus soll nun Stein für Stein abgetragen werden und im Detail im Archäologischen Museum wieder nachgebaut werden.
Bleibt zu hoffen dass dieses Unternehmen gelingt.
Denn obwohl die Mauren über 400 Jahre im Westen und Süden Portugals gelebt und geherrscht haben, sind leider nur wenige Zeugnisse ihrer einzigartigen Kultur und Baukunst erhalten geblieben.

In einem späteren Block werde ich mich ausführlicher über die Zeit der Mauren und auch der Juden in Portugal berichten.