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Sonntag, 23. März 2014

Schreiben sie einem Portugiesen niemals mit roter Tinte


Vor einpaar Tagen, ich weiß nicht mehr wie wir darauf kamen, erklärte ich meinen zwei Arbeitskolleginnen Johanna und Maria – die eine Deutsche die andere Österreicherin – das es in Portugal ein absolutes No Go ist Jemanden ein Schriftstück mit roter Tinte zu schreiben, und sei es nur dessen Namen.
Es gilt hierzulande als unhöflich, ja eigentlich schon als beleidigend, einen Brief, eine Postkarte oder auch nur eine einfache Mitteilung auf einem Post It mit roter Farbe zu verfassen.

Warum das so ist, kann heute keiner mehr so genau sagen.
Aber höchstwahrscheinlich hat dieses Tabu einen religiösen Ursprung.
Portugal war schon immer, seit seiner Staatsgründung, sehr katholisch geprägt, und im Christentum ist Rot seit jeher die Farbe des Satans, des Feuers, der Hölle und der Sünde.
Möglicherweise liegt hier die Quelle dieses Aberglaubens, der sich bis heute gehalten hat.

So ist es z.B. belegt, dass in Zeiten in denen die allmächtige Inquisition (port.: Inquisição) hier in Portugal wütete, die Wohnhäuser und Geschäfte von Andersgläubigen, von Ketzern und der Hexerei beschuldigten mit roter Farbe, für alle Sichtbar, gekennzeichnet wurden.
Auf solch eine Art und Weise von der Kirche Diskriminiert zu werden war im Mittelalter eine Sache von Leben oder Tod!
Außerdem hatte die Inquisition die Gewohnheit, so las ich einmal, die Namen der zur Folter oder zum Tode verurteilten Personen mit roter Tinte niederzuschreiben.

Die römisch-katholische Kirche war es anscheinend auch, die im Mittelalter das Märchen in Umlauf setzte, die Juden würden immer die Türen ihrer Häuser mit Schweineblut beschmieren, um so ihre Heime gegen Feuer, Sünde und Christen zu beschützen.
Eine diffamierende Behauptung die vielen Menschen jüdischen Glaubens das Leben kostete!

Als das Mittelalter dann irgendwann endete und auch die Inquisition dann im späten 18. Jahrhundert in Portugal abgeschafft wurde, blieb das Unbehagen vor der roten Farbe auf einem Schriftstück in den Köpfen der Menschen bestehen – bis in unsere Tage!

Ich selbst vermeide es mit roter Schrift zu schreiben.
Um etwaigen Missverständnissen zu entgehen rate ich also jedem, einem Portugiesen niemals etwas mit roter Tinte zu schreiben, auch wenn es gut gemeinte Worte, Wünsche oder Grüße sind.
Er wird sonst beleidigt sein und sicherlich denken sie wünschen sich, er möge zum Teufel gehen!…

Samstag, 20. Oktober 2012

Lissabon, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges



Basierend auf dem Buch „Lisboa, A Guerra nas Sombras da Cidade da Luz“ (dt.: „Lissabon, der Krieg im Schatten der Stadt des Lichtes“), des schottischen Schriftstellers Dr. Neill Lochery, ist an diesem Mittwoch, dem 17. Oktober, die Fotoausstellung „Lisboa, Centro da Europa na Segunda Guerra Mundial” (dt.: „Lissabon, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges“ / „Lisbon, bottleneck of Europe in the Second World War“) in der Galerie des Lissabonner Rathauses (port.: Câmara Municipal) eröffnet worden.

Diese Ausstellung, die ich gestern besucht habe und die von der Stadt Lissabon organisiert wird, präsentiert seltene, zum Teil bis heute unveröffentlichte Bilddokumente, aus dem Lissabon der Jahre 1939 bis 1945.
Gezeigt werden auch geheime Polizeiakten, diplomatische Post und Visa und persönliche Briefe aus dieser Zeit.

Alle Fotografien und Dokumente der Ausstellung wurden aus mehreren privaten und öffentlichen Archiven in Portugal, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den USA zusammengetragen.
Sie erzählen die Geschichte der abertausend verzweifelten Juden und politischen Flüchtlingen die damals aus Nazideutschland fliehen mussten und dann im neutralen Portugal Zuflucht fanden.
Sie zeigen, auf beeindruckende Art und Weise, welche bedeutsame Rolle die portugiesische Hauptstadt damals für diese Flüchtlinge hatte.

Lissabon hat in den schrecklichen Jahren des Zweiten Weltkrieges eine (lebens)wichtige Rolle als Ort der Zuflucht und der sicheren Weiterreise in ein Land außerhalb Europas gespielt.
Unter der Flut der Tausenden, zumeist deutschen Flüchtlinge, hatte sich die Stadt damals total verändert.
Meine eigene Großmutter erzählte mir oftmals, dass man in diesen Jahren auf den Straßen Lissabons viele Sprachen Europas hörte, aber kaum noch ein Wort Portugiesisch.
Die meisten, die hier in Lissabon gestrandet waren, waren einerseits von ihrer Verfolgung durch die Nazis traumatisiert und zugleich von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ohne Angst beseelt.
In Lissabon fanden sie dann eine Oase des Friedens vor, und Menschen mit einer enormen Toleranz, die zwar damals mit eigenen drängenden Problemen kämpften, sich aber der Not der deutschen Flüchtlinge nicht verschlossen hatten.

Die Ausstellung kann bis zum 09. November 2012, dem 74. Jahrestag der Reichskristallnacht (port.: Noite de cristais) von 1938, von Montags bis Freitags von 11:00 Uhr – 19:00 Uhr besucht werden.
Der Eintritt ist frei!

Ein Besuch der Ausstellung „Lisboa, Centro da Europa na Segunda Guerra Mundial“ im Rathaus von Lissabon, kann ich jedem, zumal jedem Deutschen, nur sehr empfehlen!

Samstag, 7. Januar 2012

Abraão ben Samuel Zacuto


Über die Jahrhunderte hinweg hat es tausende Menschen in der Geschichte Portugals gegeben, die ihr ganzes Wissen und Können in den Dienst des Königs und der Nation gestellt haben, und die dann dennoch respektlos, gedemütigt, verhöhnt, missachtet und stiefmütterlich behandelt worden sind.

Einer dieser Menschen war der Jude Abraão ben Samuel Zacuto (hebräisch: Abraham ben Schmuel Zacuth), der im Jahre 1450 in der kastilischen Stadt Salamanca geboren wurde.
Abraão Zacuto wuchs im jüdischen Viertel seiner Geburtsstadt auf und genoss eine gute Erziehung und eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung.
Im Jahre 1477 schließt er sein Astronomiestudium an der Universität von Salamanca erfolgreich ab, und wird an dieser Professor für Astronomie.

Fünf Jahre später lehrt er an der Universität von Saragossa ebenfalls Astronomie und im Jahre 1484 übernimmt er an der Universität von Cartagena ebenfalls eine Astronomieprofessur.
Gleichzeitig belegt er an dieser Universität ein Studium über jüdisches Recht und schließt diesen mit Magister ab.
Später wird er, auch dank dieses Studiums, zum Rabbiner ernannt.

Als im Jahre 1492 die katholischen Könige Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon durch das Alhambra-Edikt alle Juden aus Spanien verbannen, flieht Abraão Zacuto mit seiner Familie nach Lissabon.
Hier ruft ihn König João II an den Hof und macht ihn zum königlichen Astronomen und Berater.
Diese Ämter begleite er auch unter König Manuels I, der João II im Oktober 1495 auf den Thron folgt.

In dieser Zeit, als königlicher Astronom, war er es, der seinen persönlichen Freund Vasco da Gama und König Manuel I darin bestärkte einen direkten Seeweg nach Indien, um Afrika herum, zu wagen.

Er entwickelte zwei nautische Gebrauchsutensilien die für die junge portugiesische Seefahrt von ungeheuerlichem Wert werden sollten.
Zum einen erfand er ein nautisches Gerät, einen metallenen „Astrolabio“, und zum anderen entwickelte er so genannte Planetentafeln, mit denen man die Positionen der Planeten auf hoher See exakt vorausberechnen konnte.
Über die Planetentafeln schrieb er später ein Buch in hebräischer Sprache, mit dem Namen „Biur Luhot“.

Sein Schüler José Vizinho übersetzte dieses Buch aus dem hebräischen in die lateinische Sprache und gab diesen dann den Namen „Almanach Perpetuum“.
Das „Almanach Perpetuum“ war ein äußerst wichtiges Instrumentarium für die Seefahrt und rettete vielen portugiesischen Seefahrern, in der Folgezeit, sicherlich das Leben.
Der Seefahrer Pedro Àlvares Pereira, der in späteren Jahren mit Abraão Zacuto und José Vizinho im engen Kontakt stand, benutzte z.B. lebenslang ein Exemplar des „Almanach Perpetuum“.

Dieses astronomische Werk gehörte zu den ersten vier Büchern, die damals in Portugal, in der Buchdruckerei von Abraão de Ortas in der Stadt Leiria nach der Gutenberg-Methode, mit beweglichen Metalllettern, im Jahre 1496 gedruckt wurde.

Doch auch wenn Abraão Zacuto das vollste Vertrauen König Manuels I genoss und auch wenn er für die portugiesische Seefahrt unermessliche Dienste geleistet hatte, und zukünftig sicherlich noch geleistet hätte, musste er Ende 1496 Portugal verlassen.

Manuel I wollte die Tochter der Katholischen Könige Isabella und Fernando ehelichen und eine Bedingung, die die spanischen Könige im Heiratsvertrag festlegten, war die ausnahmslose Zwangsumtaufung oder Vertreibung aller Juden Portugals.

König Manuel, der Abraão Zacuto hoch schätzte, bat diesen sich umtaufen zu lassen, damit er weiterhin in seinen Diensten bleiben konnte.
Doch Zacuto weigerte sich kategorisch.
Nach dem er wenig Rückrat gegenüber den spanischen Königen gezeigt hatte, musste König Manuel I seinen Astronomen gehen lassen.

In den folgenden Jahren entdeckten portugiesische Seefahrer, wie Vasco da Gama und Pedro Álvares Cabral, verschiedene Seewege, Länder und Kontinente.
Aber all diese Entdeckungen wären ohne die Erfindungen von Abraão Zacuto nur schwer möglich gewesen.

Von Lissabon aus, floh er mit seiner Familie, im Dezember 1496 nach Tunesien.
Hier wurde er Rabbiner der dort existierenden jüdischen Gemeinde und schrieb, unter anderem, acht Jahre lang an dem Buch „Sefer ha-Yuhasin“, in dem er die Geschichte der Juden von der Entstehung der Welt bis zum Jahr 1500 erzählte.
Dieses Buch war so bedeutend und ausführlich, das es 1581 in Krakau, 1717 in Amsterdam und 1857 sowohl in Königsberg als auch in London publiziert wurde.

Abraão Zacuto soll alle Berichte und Logbücher verschlungen haben, die damals aus Lissabon kamen, denn die portugiesische Hauptstadt war zu der Zeit, auch Dank ihm, das Nabel der Welt, was die Seefahrt und die Entdeckungen anging.
Doch im Jahre 1510, im Alter von 60 Jahren, verstarb er im Osmanischen Reich (port.: Império Otomano), ohne jemals wieder einen Fuß auf portugiesischem Boden gesetzt zu haben.

Dienstag, 27. September 2011

Alheira


In meinem Beitrag „Die 7 Wunder der portugiesischen Gastronomie“, vom 20. September 2011, zähle ich die sieben kulinarischen Spezialitäten auf, die beim Wettbewerb der typisch traditionellen portugiesischen Küche, der Anfang dieses Monats stattgefunden hat, den Sieg davontrugen.

Eines dieser Leckereien, das als Sieger gekürt wurde, ist die in Portugal sehr beliebte und bekannte „Alheira“.
Ich bin heute gefragt worden, was denn eine „Alheira“ sei und wie sie denn so schmecken würde.

Nun, bei der „Alheira“ handelt es sich um eine Wurstspezialität aus dem Norden Portugals, die heute hauptsächlich aus Schweinefleisch und Brot besteht, früher aber eben nicht aus Schweinefleisch bestand, sondern lediglich aus anderen Fleischsorten, wie Hühnchen, Lamm, Ente, Rind, Kalb oder Kaninchen.
Und um gleich die zweite Frage zu beantworten:
Ja, sie schmeckt sehr lecker!

Die Alheira ist eine Erfindung portugiesischer Juden des 16. Jahrhunderts, die dank der Inquisition die damals in Portugal eingeführt wurde, leider nur zwei Möglichkeiten hatten um am Leben zu bleiben.
Entweder sie gingen mehr oder weniger freiwillig ins Exil oder aber sie konvertierten zum katholischen Glauben.
Viele, die sich damals für die Konvertierung entschlossen, übten aber nach dem Übertritt zum Katholizismus weiterhin, im Verborgenen, ihren ursprünglichen jüdischen Glauben aus.

Früher war es in Portugal üblich, die daheim hergestellten Wurstwaren in einem gemeinschaftlichen Räucherofen zu bringen und sie dort alle zusammen zu räuchern.
Da aber die jüdische Religion die Zubereitung und den Verzehr von Schweinefleisch heute wie damals verbietet, kamen die jüdischen Bürger nicht zur Räucherung und konnten so leicht von den anderen Einwohnern identifiziert werden und somit an die allmächtige Inquisition verraten werden.

Um ihr Leben zu retten, begannen die Juden Würste aus anderen Fleischsorten, wie Kalb-, Rind- oder Hähnchenfleisch herzustellen, vermischten das Fleisch mit Brot oder Brotteig, und brachten dann diese koscheren Würste in den Gemeindeofen zum räuchern.
So hatten sie einerseits ihre jüdische Tradition bewahrt, kein Schweinefleisch essen zu müssen, und andererseits nahmen sie offen am Gemeinschaftsleben teil.
Die Christen aber, von den Juden hinters Licht geführt, glaubten nun, ihre jüdischen Mitbürger hätten sich assimiliert und fingen nun selbst an schmackhafte Alheiras herzustellen, allerdings mit Schweinefleisch.

Heute besteht eine Alheira normalerweise aus gekochtem Schweinefleisch, Speck und zu gut einem Drittel aus Weißbrot.
Aber es gibt sie auch noch traditionell aus Rindfleisch, Geflügel und Wild und seit kurzem sogar aus dem in Portugal allgegenwärtigen Bacalhau (dt.Stockfisch).
Aber egal welche Fleischsorte man für diese Wurst auch immer verwendet, die Produktion an sich ist immer die gleiche.

Das Fleisch wird zuerst mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und Paprika gewürzt, dann durch den Fleischwolf gedreht und anschließend wird die so entstandene Masse in Schweine- oder Lammdärme zu Würsten von ca. 30 cm abgedreht.
Danach wird die Alheira zu einem Hufeisen geformt und dann über eine Woche hinweg, jeweils zwei bis drei Stunden täglich, geräuchert.

In Nordportugal, genauer gesagt in der Gegend um die Stadt Mirandela, in der Region um Trás-os-Montes, dort wo die Alheira ursprünglich her ist, wird sie traditionell frittiert mit gekochten Kartoffeln und Gemüse und ein paar Olivenölspritzern serviert und gegessen.
Weiter südlich, auch hier im Lissabonner Raum, wird sie gerne mit Pommes Frites, einem Spiegelei und frischem Salat angeboten.

Aus der ehemals geheimen Wurst der konvertierten Juden ist heute ein ganz normales Essen geworden, das überall hier in Portugal angeboten wird.
Oftmals ist sie das billigste Gericht auf der Speisekarte, was nicht heißen soll das sie auch billig schmecken muss.
Im Gegenteil, eine schmackhafte Alheira, zumal eine aus Wild oder Kaninchenfleisch, kann der reinste Gaumenschmaus sein!

Freitag, 9. September 2011

Aaron Lopez


Heute vor 280 Jahren, am 09. September 1731, wurde im Lissabonner Stadtteil Santa Catarina der junge Duarte Lopes geboren.
Er war der Sohn konvertierter Juden, die zwar öffentlich dem katholischen Glauben angehörten, im Geheimen aber weiterhin ihre jüdische Religion ausübten.

Wie alle Konvertierten seiner Zeit durchlief Duarte eine sehr konservativ-katholische Ausbildung, die mehr den Anschein für die Öffentlichkeit wahren sollte, als auf ehrlichen Glauben beruhte.
Schon sehr jung arbeitete er im Stadtteil Santos im Laden seines Vaters, der Tabakimporteur war, und erlernte dort den Beruf des
Kaufmanns von der Pike auf.

Im Jahre 1750, im Alter von 19 Jahren, heiratet Duarte Lopes die junge Ana, die ebenfalls aus einer konvertierten Familie stammte, und die ihm zwei Jahre nach der Hochzeit eine Tochter schenkt, die auf den Namen Catarina getauft wird.

Kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter, im Jahre 1752, wandert Duarte mit seiner kleinen Familie nach Nordamerika aus.
Er zieht in die Stadt Newport, im heutigen Bundesstaat Rhode Island, wohin sein Bruder José schon Jahre zuvor ausgewandert war, und wo dieser unter seinem neuen jüdischen Vornamen Moses Lopez, den er nach seiner Ankunft in der neuen Welt erhalten hat, erfolgreich Handel treibt.

In Amerika intensiviert Duarte seinen bis dahin nur heimlich praktizierten jüdischen Glauben.
Er ändert seinen bisherigen Familiennamen Lopes in Lopez um und aus den bisherigen portugiesischen Vornamen Duarte, Ana und Catarina werden die jüdisch-neuenglischen Namen Aaron, Abigail und Sarah.

In Newport eröffnet er einen Gemischtwarenhandel in dem er so alles vertreibt was Geld einbringt.
Bereits 1755 hat er geschäftliche Beziehungen in ganz Rhode Island und in den Städten Boston und New York ist er ein angesehener Geschäftsmann.

Seine ersten erfolgreichen Geschäfte macht er mit dem Handel von Walfett, auch Walrat genannt, (port.: espermacete), aus dem man damals Kerzen herstellte.
1756 beschließt Lopez nun nicht nur mit dem Walfett zu handeln, sondern errichtet in Newport seine eigene Kerzenfabrik.
Um 1760 gibt es bereits ein Dutzend solcher Kerzenfabriken in Neuengland.
Die Walfänger, die meisten von ihnen selber Portugiesen, können alsbald nicht mehr den begehrten Rohstoff liefern und so steigen die Preise für Walfett und Walöl ins unermessliche.
Um einen bevorstehenden wirtschaftlichen Kollaps zu verhindern, schließt sich Aaron Lopez 1761, mit acht weiteren Konkurrenten, zu einer Treuhandgesellschaft (engl.: trust company) zusammen.

Jetzt, da die Gesellschaft gegründet und die Konkurrenz kontrollierbar war, expandierte Lopez seine Geschäfte.
Er baute Handelsbeziehungen mit seiner alten Heimat Portugal auf, und durch Portugal war er auch an den Ostindiengeschäften beteiligt.

1761 begann Aaron Lopez sich am lukrativen amerikanischen Sklavenhandel zu beteiligen.
Bis 1775, dem Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges, befuhren in seinem Auftrag insgesamt 30 Schiffe den Atlantischen Ozean und transportierten die „Ware“ Mensch.

Mitte 1761 reicht Lopez beim Obersten Gerichthof von Rhode Island ein Einbürgerungsgesuch ein.
Dieser wird ihm, obwohl das Einbürgerungsgesetz „British Naturalization Act“ von 1740, besagt das jeder Bürger der sieben Jahre in der Kolonie gelebt hat, unabhängig seiner Religion, das Anrecht auf die britische Staatsbürgerschaft hat, grundlos verweigert.
Lopez sieht sich diskriminiert und reicht erneut ein Einbürgerungsgesuch beim Obersten Gerichtshof ein.
Dieser wird ihm am 11. März 1762, mit den niederschmetternden Worten „Mister Aaron Lopez could not become a citizens of Rhode Island“, zum zweiten Mal verweigert, diesmal allerdings mit der Begründung, dass nur Bürger christlichen Glaubens vollwertige Bürger von Rhode Island werden können.

Aaron Lopez gibt sich durch diese Gerichtsentscheidung aber nicht geschlagen und zieht im April 1762 zeitweise in die Stadt Swansea, in die Nachbarschaftskolonie Massachusetts, wo er erneut die Einbürgerung in Neuengland beantragt.
Hier in Massachusetts erhält er am 15. Oktober 1762, die Langersehnte britische Staatsbürgerschaft und wird der erste vollwertige jüdische Bürger der Kolonie.
Nachdem er die neue Staatsbürgerschaft hat, zieht er wieder nach Rhode Island zurück, wo er fortan, ohne nachtragend zu sein, einer der angesehensten Bürger Newports wird.

Bis 1770 galt Aaron Lopez, der in gutbürgerlichen aber nicht wohlhabenden Verhältnissen groß geworden war, nicht nur als der angesehnste Einwohner von Newport, sondern auch als der reichste Mann der Stadt. Er führte doppelt so viel Steuern ab, wie jeder andere Einwohner der Stadt.
Lopez unterstützte verschiedene kulturelle Projekte in Newport.
So beschenkte er z.B. die Bibliothek der Stadt regelmäßig mit neuen Büchern und er war auch einer der Mitbegründer des Rhode Island College, der später nach Providence umzog, und aus dem die heutige renommierte Brown University hervorgeht.

Das Geheimnis seines Erfolgs ist zweifellos daraufhin zu führen, dass er in den verschiedensten Sparten tätig war.
Er handelte praktisch mit allem.
Er handelte und produzierte nicht nur mit Walfett und Kerzen, sondern auch mit Schiffen, Fässern, Rum, Schokolade, Textilien, Schuhen, Hüten, Glas und, wie schon erwähnt, auch mit Sklaven.

Ab 1770 fing aber Aaron Lopez Stern zu sinken an.
Da die Beziehungen der englisch-amerikanischen Kolonien mit dem englischen Mutterland immer schwieriger wurden, stagnierten die Geschäfte von Lopez immer öfters.
Im April 1774 beschließen die Neuenglandstaaten einen wirtschaftlichen Boykott gegen Großbritannien.
Im Oktober desselben Jahres schließt die britische Marine den Hafen von Newport, was den Geschäften von Aaron Lopez unheimlich schadet.

Anfang 1776, der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (engl.: American War of Independence) ist im vollen Gange, zieht er mit seiner Ehefrau in die Stadt Portsmouth um.
Aber hier bleiben Aaron und Abigail nicht für lange. Sie ziehen weiter nach Providence und Boston, bis sie sich schließlich in Leicester, im heutigen Bundesstaat Massachusetts, niederlassen.
Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der im April 1775 begonnen hatte und noch bis September 1783 dauern sollte, wird für Aaron Lopez ruinös ausgehen.

Obwohl er nun mit seiner Familie in Leicester lebt, ziehen ihn die Geschäfte auch weiterhin nach Rhode Island.
Auf einer seiner üblichen Geschäftsreisen, die er nach Newport macht, stürzt am 28 Mai 1782 seine Kutsche in den Dark Brook Lake.
Lopez kann sich aus der Kutsche nicht befreien und ertrinkt in dieser.
Tags darauf wird er, wie es die jüdische Tradition verlangt, auf dem jüdischen Friedhof von Newport beigesetzt.

Aaron Lopez starb so außergewöhnlich wie er gelebt hatte.
Er war ohne Zweifel der erfolgreichste und streitbarste Jude seiner Zeit in der Neuen Welt.

Donnerstag, 11. August 2011

Eselsohren: „Die Sprache der Schatten“


Diesen Urlaub habe ich von meiner kleinen Nichte Lorena ein Buch, mit dem Titel „Die Sprache der Schatten“, geschenkt bekommen.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die ersten Seiten des Buches mit einer gewissen Langeweile gelesen habe.
Ab einer bestimmten Stelle aber, es muss so um die Seite 25 gewesen sein, habe ich angefangen mit mehr Aufmerksamkeit zu lesen.

Das Buch erzählt die Geschichte der jungen Frederike, Rika genannt, die erst Mitte zwanzig ist, als ihr wesentlich älterer Ehemann, ein bekannten Berliner Industrieller, im Jahr 1874 stirbt.
Die junge Witwe muss sich fortan nicht nur um ihre unwesentlich jüngeren Stiefkinder kümmern, sondern teilweise auch um die Belange der Firma.
Sie findet als Ausgleich Gefallen an der Kunst und erwirbt selbst gelegentlich das eine oder andere Gemälde.

Als sie von ihrem Stiefsohn Alexander das Bild eines unbekannten Malers geschenkt bekommt, ist sie fasziniert. Da der Name des Künstlers nicht klar ersichtlich ist, versucht sie auf eigene Faust, den geheimnisvollen Mann zu finden. Doch die Suche ist nicht ganz einfach für eine Dame aus besserem Hause, denn die Spur führt sie in das Herz von Berlin, wo in den verruchten Gassen damals allerlei zwielichtige Gestalten zuhause sind.
Eine spannende Suche nach dem Maler und Außenseiter Anthonis beginnt.
Im Laufe der Geschichte verliebt sie sich in den Künstler und am Schluss gibt es so etwas wie ein Happy End.

Anthonis leidet an der seltenen Krankheit Prosopagnosie (port.: Prosopagonia), die im Volksmund auch „Gesichtsblindheit“ genannt wird.
Da ich noch nie in meinem Leben von dieser Krankheit gehört hatte, habe ich mit Spannung das Buch weiter gelesen und mich mit der Zeit sogar über Prosopagnosie informiert.

So habe ich erfahren, dass Prosopagnosie die Unfähigkeit ist, Menschen die man eigentlich kennt, anhand ihres Gesichts zu erkennen.
Für Menschen die an dieser Krankheit leiden, hat das Gesicht einer bekannten Person genauso viel Identitätswert, wie für gewöhnliche Menschen der Arm, das Bein oder der Rücken eines geliebten Menschen. Viele können in den Gesichtern anderer noch nicht einmal das Geschlecht oder Emotionen erschließen. Sie besitzen einfach nicht die Fähigkeit sich an Gesichter zu erinnern und zuzuordnen – und das jeden Tag aufs Neue!

Da der Held dieses historischen Romans ein Portraitmaler ist, kann man sich vorstellen, in welche kniffeligen Situationen er während der ganzen Geschichte gerät.

Was ich auch nicht wusste ist, dass schätzungsweise 2 % der portugiesischen Bevölkerung an dieser Krankheit leidet.
Bei einigen ist Prosopagnosie durch einen Unfall oder Schlaganfall zustande gekommen, aber viele haben auch Prosopagnosie von Geburt an. Und weil viele Prosopagnosie seit ihrer frühesten Kindheit haben, wissen viele gar nicht, dass sie an dieser seltsamen Behinderung leiden.
Den Namen Prosopagnosie hat sich übrigens im Jahre 1947 der deutsche Neurologe Joachim Bodamer ausgedacht.

Aber die Krankheit Prosopagnosie ist nicht das einzige heikle Thema welches die Autorin in ihrem Werk behandelt.
Auch die Homosexualität und die Judenfeindlichkeiten der damaligen Zeit sind in diesem Buch unter anderem ein Thema.

Die Autorin Susanne Goga wirft mit ihrem Roman einen authentischen Blick auf das Berlin des späten 19. Jahrhunderts, in jene Zeit, als die Hauptstadt des jungen deutschen Reichs förmlich explodierte, Kunst und Kultur in Blüte standen und auch Frauen ganz allmählich begannen, sich aus ihrem engen gesellschaftlichen Korsett zu befreien und zu emanzipieren und ihr Terrain in Beruf, Literatur oder Malerei zu erobern.

Sie hat mit diesem historischen Roman eine faszinierende, spannende und gefühlsvolle Geschichte geschrieben, die voller Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Opulenz aber auch Eifersucht, Hass, Gier und Neid ist.

Susanne Goga, die 1967 in Mönchengladbach geboren wurde, ist von Hause aus eine renommierte Literaturübersetzerin.
Sie schrieb zwei historische Kriminalromane, bevor sie sich mit „Das Leonardo-Papier“ und jetzt „Die Sprache der Schatten“, beide im Diana Verlag erschienen, dem klassischen historischen Roman zuwandte.
Susanne Goga lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.

Freitag, 11. Februar 2011

Aristides de Sousa Mendes im Holocaust Memorial and Tolerance Center


Am letzten Sonntag wurde im „Holocaust Memorial and Tolerance Center” auf Long Island, im Bundesstaat New York (port.: Nova Iorque), eine Ausstellung zu ehren von Aristides de Sousa Mendes, in Anwesenheit seines Enkels António de Sousa Mendes und zahlreicher Nachfolger der durch Sousa Mendes während des 2. Weltkrieges geretteten Juden, eröffnet.

Als Generalkonsul von Portugal in der Südfranzösischen Stadt Bordeaux (port.: Bordéus) hat Sousa Mendes, damals im Jahre 1940, über 30.000 Menschen das Leben gerettet, in dem er sich einer persönlichen Anweisung des Diktators António de Oliveira Salazar widersetzte, und den Flüchtlingen, die vor Nazideutschland flohen, anstandslos Visa ausstellte, obwohl ihm das verboten war.

Noch vor ihrer Öffnung hat die Ausstellung den Ruf die „beste und ausführlichste“ zu sein, die es jemals über den portugiesischen Diplomaten gegeben hat.
Nur wenige Tage nach der Eröffnung, und nach dem riesigen Besucheransturm auf die Ausstellung, scheint sich dieser Ruf zu bestätigen.

Bis zum 26. März wird die Ausstellung im „Holocaust Memorial and Tolerance Center“ zu besichtigen sein.
Und wer nicht mal kurz nach New York reisen kann, um sich die Ausstellung anzuschauen, der wird die Möglichkeit haben, diese später hier in Europa zu besuchen.
Noch in diesem Jahr wird es möglich sein, die Ausstellung hier in Lissabon zu besichtigen.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Von Möchtegernhistorikern und Minaretten in der Schweiz


Gibt es so etwas wie eine „Islamofobie“?
Und ist diese „Islamofobie eine neue Form des Antisemitismus?

Rui Tavares, Journalist und kommunistisches Parteimitglied, der sich gerne als „Historiker“ ausgibt (keiner weiß bis heute, wo und wann er seinen Abschluss gemacht hat), meint kategorisch ja.
Er ist der Meinung, dass die, die z.B. nun den Bau von Minaretten in der Schweiz per Gesetz verbieten wollen, genauso intolerant sind, wie damals die Nazis, die während des II. Weltkrieges die Juden ausrotten wollten.

Ich will hier die Absurdität und Immoralität dieses Vergleiches nicht bewerten, denn das wäre dann doch unter meiner Würde.

Aber ich würde, wenn ich die Gelegenheit hätte, gerne den Herrn „Historiker“ Rui Tavares fragen, wie viele Selbstmordanschläge denn die Juden in den 30er Jahren in Deutschland verübt haben, wie viele Schulbusse und Restaurants sie in die Luft gejagt haben und wie viele Frauen, Männer und Kinder sie damals gepeinigt, geschunden und ja sogar gesteinigt haben, und das alles im Namen Gottes und der Thora?

Natürlich ist die Entscheidung der Schweizer bei der letzten Volksbefragung, keine Minarette beim Bau einer Moschee zuzulassen, unglücklich.
Ich glaube sogar, selbst die Schweizer waren über den Wahlausgang mehr als überrascht.

Aber diese Wahlentscheidung der Schweizer ist nicht etwa das Ergebnis einer Fiktion, sondern die einer realen Angst, nämlich die Angst vor dem islamischen Terrorismus!

Die Schuld über die katastrophale Wahlentscheidung in der Schweiz ist also eigentlich nicht den Schweizern zu geben, sondern den
islamischen Fundamentalisten und auch solchen „Historikern“ wie Senhor Rui Tavares, die gerne die Tatsachen verdrehen!

Mittwoch, 30. September 2009

„Wer Bücher verbrennt, verbrennt Menschen!“


„Wer Bücher verbrennt, verbrennt Menschen!“ (port.: „Quem queima livros, queima homens!“ – dies sagte einmal der deutsche Schriftsteller Heinrich Heine.
Das waren prophetische Worte!

Denn als die Nazis 1933 an die Macht kamen, verbrannten sie zuerst die Bücher der „entarteten“ jüdischen Künstler und dann massakrierten sie später die Millionen Juden selbst in den Gaskammern der Konzentrationslager.

Daher lobe ich mir den Mut des portugiesischen UNESCO-Botschafters Manuel Carrilho, der sich diese Woche in New York geweigert hat, den Anordnungen der portugiesischen Regierung folge zu leisten, und den Ägypter Farouk Hosni, einen bekennenden Antisemiten, zum Generalsekretär der Weltkulturorganisation UNESCO zu wählen.

Die Wahl Farouk Hosnis, der öffentlich bekennt schon selber jüdische Bücher verbrannt zu haben, zum Chef einer solch Prestigetragenden Organisation wie die UNESCO zu ermöglichen, wäre ohne Zweifel eine Schande.

Da ist es wirklich nur lobenswert, das sich ein portugiesischer Diplomat, allen politischen und wirtschaftlichen Vereinbarungen die zwischen Portugal und Ägypten herrschen, entgegenstellt, und sich öffentlich weigert aus rein wirtschaftlichen Gründen einer Wahl zuzustimmen, die gegen seine Prinzipien sind.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen Manuel Carrilho von der portugiesischen Regierung zu erwarten hat.
Höchstwahrscheinlich wird er als UNESCO-Botschafter entlassen.

Aber selbst diese Entlassung, wird ihm nicht den Mut und den Respekt absprechen können, den dieser Diplomat von uns allen verdient.

Senhor Carrilho, sie haben meinen höchsten Respekt!

Dienstag, 22. September 2009

Glückliches Neues Jahr 5770 - Feliz Ano 5770!


Shalom!

Verspätet, aber deswegen nicht weniger herzlich, möchte ich allen meinen hebräischen Freunden und Lesern auf diesem Wege ein glückliches und gesegnetes neues jüdisches Jahr wünschen.
Am letzten Freitag, dem ersten Tag des jüdischen Monats Tishri, begrüßten die Menschen jüdischen Glaubens, überall auf der Welt, das neue Jahr 5770 mit dem Fest Rosh Hashaná.
Mögen wir alle, ob Juden oder Nichtjuden, unsere Wünsche, Träume und Hoffnungen in Erfüllung gehen sehen und gebe uns Gott ein friedvolles neues Jahr.
Ein glückliches neues 5770!

*******

Shalom!

Atrazado, mas por isso não vindo menos do coração, quero desejar a todos os meus amigos e leitores hebraicos um feliz e próspero Ano Novo.
Na passada sexta-feira, ao chegar o primeiro dia do mês hebraico de Tishri, celebrou-se o Ano Novo Judaico 5770, com a festa do Rosh Hashaná.
Que nós todos, judeus ou não-judeus, veja-mos os nóssos desejos, sonhos, e esperanças tornarem-se puras realidades e que Deus nos dê um Ano cheio de páz.
Votos de um bom e feliz ano 5770!

Donnerstag, 4. Juni 2009

Das Badehaus in der Al-Khamá




Wer heute Abend die Hauptnachrichtensendung im portugiesischen Staatsfernsehen RTP (über Satellit auch Weltweit empfangbar) einschaltete, bekam Nachrichten aus aller Welt zu sehen und natürlich auch Landesinformationen geboten.
Zwei Nachrichten, die beide mehr oder weniger, mit dem baden zu tun haben, machten mich hellhörig.
Die erste fand ich dahingehend interessant, weil der portugiesische Prämierminister Socrates, als er gefragt wurde, was er denn davon hielt, das die kommunistische Fraktion im portugiesischen Parlament, wie die anderen im Parlament vertretenen Parteien, die nord-koreanischen Raketen- und Atomtests nicht verurteilt hatten, trocken meinte:
„Bem sábe, os comunistas gostam de ir à praia, mas não gostam de se molhar“ – was frei übersetzt soviel heißt wie:
“Ach wissen sie, die Kommunisten gehen unheimlich gerne baden, werden aber nicht gerne nass”.
Wer unseren Prämieminister kennt, weiß wie humorlos er eigentlich ist, und ist sich dementsprechend über die Bedeutung dieses Kommentars sehr wohl bewusst. Über Nord-Korea und seine kommunistischen Machthaber und Generäle fällt mir leider nichts ein.
Die andere Nachricht, die ich sehr interessant fand, war aber wirklich eine Nachricht!

In der Alfama, der Lissabonner Altstadt, sind bei Bauarbeiten die Reste eines alten Badehauses aus der Zeit der arabischen Mauren entdeckt worden.
Nur wenige wissen, dass es in der Alfama eine warme Quelle gibt.
Diese warme Quelle, die tief aus dem Bodeninneren ihren Weg an die Oberfläche findet, nannten die arabischen Bewohner Lissabons, die von 715-1147 n. Chr. über die Stadt herrschten, Al-Khamá, was so viel heißt wie „heißes Wasser“.
Da das lateinische Alphabet kein Buchstabe „K“ kannte, wurden damals, als die Portugiesen in der Reconquista Portugal Stück für Stück von den Mauren eroberten, in allen arabischen und jüdischen Wörtern in denen ein „Kh“ vorkam, dieser durch ein „F“ ersetzt. So wurde aus dem arabischen Al-Bukhera das portugiesische Albufeira, aus Kharum wurde Faro, aus Al-Kharb wurde die Algarve und aus Al-Khamá wurde Alfama.
Die Mauren, so weiß man heute nach einigen Funden von alten Badehäusern überall im südlichen Europa und Nordafrika, hatten eine ausgeprägte Badehauskultur, ebenso wie die Juden.
Die Christen dagegen hatten überhaupt keine Kultur, jedenfalls was das Baden anging. Aber seien wir fair: die Araber und Juden waren damals zwar wirklich reinlicher als die Christen, aber auch nur, weil es ihre religiösen Riten vorschrieben, und noch heute vorschreiben, sich mehrmals am Tag zu Waschen.

Aber wie wir heute aus alten Berichten der Inquisition wissen, konnte zu häufiges Waschen auch hochgradig Lebensgefährlich sein.
Die skurrilste Geschichte die ich je über dieses Thema gelesen habe (in einer Fachzeitschrift im Wartezimmer meines Arztes), war die eines Christen der in der Alfama lebte. Dieser arme Kerl hatte den Drang ständig seine Hände öffentlich im Stadtbrunnen Chafariz de Dentro (dieser alte Brunnen steht heute noch in der Lissabonner Altstadt) zu waschen. Heute würde man sagen der Mann litt unter einem Tick, einen neurotischen Waschzwang, unter dem Druck sich ständig zu reinigen, ein Leiden, das heute als Krankheit angesehen wird.
Doch damals, im Mittelalter, war die Tatsache, das sich dieser arme Kerl so häufig die Hände und Füße wusch, Grund genug für die Beamten der Inquisition ihn unter dem Vorwand, er übe den jüdischen Glauben aus, zu verhaften, zu verurteilen und öffentlich zu verbrennen!
Zum Thema Inquisition und Sauberkeit sei noch nachzutragen, das es in einer Propagandaschrift von 1612, welches alleine aus dem Grund geschrieben wurde, um Christen ein Leitfaden zur Denunziation zu sein, geschrieben stand (hier übersetze ich frei):
„…ein weiteres Merkmal um einen Juden oder Mauren zu erkennen ist die Tatsache, dass diese jeden Freitag saubere Kleidung anziehen…“

Das soeben wiederentdeckte Badehaus soll nun Stein für Stein abgetragen werden und im Detail im Archäologischen Museum wieder nachgebaut werden.
Bleibt zu hoffen dass dieses Unternehmen gelingt.
Denn obwohl die Mauren über 400 Jahre im Westen und Süden Portugals gelebt und geherrscht haben, sind leider nur wenige Zeugnisse ihrer einzigartigen Kultur und Baukunst erhalten geblieben.

In einem späteren Block werde ich mich ausführlicher über die Zeit der Mauren und auch der Juden in Portugal berichten.