Posts mit dem Label Weltkulturerbe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weltkulturerbe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Welterbe der UNESCO in Portugal


Als Ende November dieses Jahres die UNESCO den originellen Chorgesang Cante Alentejano auf ihre Liste des Immateriellen Kulturwelterbes setzte, war diese prestigeträchtige Liste um eine kulturelle Tradition und Ausdrucksform reicher.
Nach dem Fado ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische darstellende Kunst die es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.

Die Liste des UNESCO-Welterbes umfasst aber nicht nur diese zwei portugiesischen Kulturformen, sondern auch 14 Weltkulturdenkmäler und ein Weltnaturdenkmal.
Außerdem sind im Rahmen des im Jahre 1992 gegründeten Programms „Memory of the World“ (port.: „Memória do Mundo“ / dt.: „Gedächtnis der Welt“) auch fünf wertvolle portugiesische Handschriften oder Handschriftensammlungen in das Weltdokumentenerbeverzeichnis aufgenommen worden.

Hier nun die Liste des gesamten UNESCO-Welterbes in Portugal:

Weltkulturerbe (port.: Património Mundial da Cultura)

-   Kloster der Heiligen Maria von Alcobaça
Das Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça) wurde im Jahre 1989 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, beherbergt die riesige Zisterzienserklosteranlage, außer den üblichen Wirtschaftsräumen eines Klosters, fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, eine Bibliothek und die größte Kirche Portugals
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Alcobaça“ vom 17. November 2013)

-   Weinanbaugebiet des Alto Douro
Das steile Tal des Alto Douro und seine Weinanbaukultur (port.: Região Vinhateira do Alto Douro) sind seit 2001 Weltkulturerbe. Mit den Tälern weniger Nebenflüsse bildet der Alto Douro das älteste gesetzlich abgegrenzte Weinanbaugebiet der Welt! Es beginnt 100 km östlich der Stadt Porto und zieht sich über 120 km in Richtung spanisch-portugiesische Grenze. Nur in dieser Region, die auch als „País do Vinho“ (dt.: Weinland)  bezeichnet wird und in der seit über 2.000 Jahre Weinanbaukultur praktiziert wird, darf u. a. der weltberühmte Portwein angebaut werden.

-   Historisches Stadtzentrum von Angra do Heroismo
Die Stadt Angra do Heroismo, auf der Azoreninsel Terceira, ist die erste portugiesische Stadt die außerhalb Festlandportugals im Jahre 1534 gegründet wurde. Das historische Stadtzentrum von Angra do Heroismo hat mehrere besuchenswerte stattliche Barockbauten, eine schöne Kathedrale und eine mächtige Burg, den Castelo de São João Baptista, von dem man eine prächtige Panoramasicht über die Stadt hat. Bis 1822 war Angra do Heroismo die Hauptstadt der Azoren, bis es dann von Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, abgelöst wurde. Aber noch heute gilt die Stadt, die 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, als der kulturelle Mittelpunkt der Azoren
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Die Azoreninsel Terceira“ vom 8. September 2009)

-   Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico
Der jungvulkanische Boden der Azoreninsel Pico ist auf weiten Stecken völlig ohne Humusdecke, was kaum eine erträgliche Landwirtschaft zulässt. Agrarisch ertragreich ist lediglich der Weinanbau an den mühevoll bearbeiteten Hängen des Pico Alto, einem noch heute tätigen Vulkan der mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist. Seit dem 15. Jahrhundert ist Pico für seine exquisiten Weine berühmt. Im Jahre 2004 nahm die UNESCO die Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico (port.: Cultura da Vinha da Ilha do Pico) in ihre Welterbeliste auf
(lesen sie hierzu auch bitte einem Blogeintrag „Die Azoreninsel Pico“ vom 05. September 2009)

-   Kloster von Batalha
Die schlichte Stadt Batalha, zwischen Lissabon und Coimbra in einem fruchtbaren Talkessel des Flusses Lena gelegen, wäre wohl kaum jemanden bekannt, gäbe es da nicht das ehemalige Dominikanerkloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht (port.: Mosteiro de Santa Maria da Vitótia da Batalha). Das sich an der Nordseite des Ortes erhebende Kloster wurde 1387 von König João I auf Grund eines Gelübdes gegründet, das er am 14. August 1385, zu Beginn der für die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien siegreichen und entscheidenden Schlacht von Aljubarrota, abgelegt hatte. Das Kloster von Batalha ist das große steinerne Freiheitsdenkmal der Portugiesen. Es wurde im Jahre 1840 zum Nationaldenkmal erklärt und ist seit 1983 Weltkulturerbe
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Batalha“ vom 21. Juni 2011)

-   Universität von Coimbra
In der Altstadt von Coimbra befindet sich die ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit all ihren alten Universitätsgebäuden, ihrer Universitätskirche, ihrer grandiosen Bibliothek und dem angrenzenden Botanischen Garten. Sie ist die älteste und bedeutendste Universität Portugals und eine der renommiertesten in Europa. Die Universität ist auch heute, über 700 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren Studenten ein kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt Portugals
(lesen sie hierzu auch meine zwei Blogeinträge „Die Universität von Coimbra“ vom 18. Januar 2012 und „Coimbras Universität ist Weltkulturerbe“ vom 22. Juni 2013)

-   Die Stadt Elvas und ihre Befestigungsanlagen
Nahe der spanisch-portugiesischen Grenze liegt die alte Garnisonsstadt Elvas, mit ihren 220 registrierten Baudenkmälern. Als Stützpunkt gegen das nahe gelegene spanische Badajoz wurde die „Königin der Grenze“, wie die Stadt auch genannt wird, seit dem späten Mittelalter mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und im 17. und 18. Jahrhundert mit mächtigen Forts gesichert, die zu den eindruckvollsten ihrer Zeit in Portugal gehören. Die Befestigungsanlagen von Elvas sind die größten und besterhaltenen der Welt! Seit 2012 ist diese alte Stadt Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte meinen Eintrag „Elvas, die Königin der Grenze, ist auch UNESCO-Weltkulturerbe“, vom 01. Juli 2012)

-   Historisches Stadtzentrum von Évora
Évora, die ehemalige Hauptstadt der Provinz Alentejo, steht seit dem Jahre 1986 auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt wird hier in Portugal wegen ihrer vielen historisch bedeutenden Bauwerke, darunter zahlreiche Stadtpaläste, Kirchen und Klöster, auch stolz „Cidade Museu“ (dt.: Museumsstadt) genannt
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Évora“ vom 11. November 2011)

-   Historisches Stadtzentrum von Guimarães
Guimarães, die Geburtsstadt des ersten portugiesischen Königs, Afonso Henriques I, war die erste Hauptstadt Portugals und trägt hierzulande auch den Beinamen „Berço da Nação“ (dt.: Wiege der Nation). Die recht malerische Altstadt von Guimarães mit ihrer stattlichen Burg, ihren zahlreichen Stadtpalästen, Kirchen, Klöstern und ihren blumengeschmückten Granithäusern ist seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Guimarães“ vom 02. Januar 2012)

-   Turm von Belém und Hieronymuskloster in Lissabon
Belém, der südwestlichste Stadtteil Lissabons, ist wegen seiner großartigen historischen Baudenkmäler und höchst sehenswerten Museen berühmt. Die zwei wohl bekanntesten Bauwerke Lissabons, der Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das ehemalige Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) liegen in diesem Stadtteil. Beide Bauwerke sind bedeutende Beispiele manuelistischer Baukunst und eindrucksvolle Symbole für Portugals Macht und Reichtum zur Zeit der kolonialen Eroberungen. Sowohl der Turm als auch das Kloster sind seit 1983 Weltkulturerbe

-   Historisches Stadtzentrum von Porto
Die historische Altstadt von Porto (port.: Centro Histórico do Porto), der zweitgrößten Stadt Portugals, beherbergt mehrere bedeutende Bauwerke, wie etwa die gut erhaltene Stadtmauer, die imposante romanische Kathedrale, den neo-klassischen Börsenpalast oder die barocke Kirche Igreja dos Clérigos mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchenglockenturm Portugals. Seit 1996 gehört das historische Stadtzentrum Portos zum Weltkulturerbe

-   Kulturlandschaft Sintra
Die von der UNESCO im Jahre 1995 qualifizierte Kulturlandschaft von Sintra (port.: Paisagem Cultural de Sintra) beinhaltet die Altstadt von Sintra und das romantische Sintragebirge mit all seinen exotischen Parks und prächtigen Gärten und den vielen architektonisch-einzigartigen Palästen, den jahrhundertealten Klöstern und den märchenhaften Schlössern
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Sintra“ vom 23. Juli 2013)

-   Christuskloster in Tomar
Die Tempelrittermönche des 1162 gegründeten Christusritterordens (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) sind verantwortlich für den Bau der Klosteranlage von Tomar, die aus einer umfangreichen Gruppe imposanter und reich verzierter Gebäude des 12. bis 17. Jahrhunderts besteht. Einst „zur Verteidigung des Glaubens“ von den Tempelrittern erbaut, erlebte das im gotisch-manuelistischem Stil erbaute Christuskloster (port.: Convento de Cristo) unter seinen Großmeistern Heinrich dem Seefahrer und König Manuel I seine größte Blüte. Das Christuskloster wurde 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen

-   Archäologischer Park im Tal des Côa
Im Nordosten Portugals befindet sich das Tal des Flusses Côa. In den steinernen Uferhängen dieses Flusstals wurden Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Tausend eingravierte Felszeichnungen aus prähistorischer Zeit, manche von ihnen gut 30.000 Jahre alt, entdeckt. Diese Felsmalereien erstrecken sich über insgesamt 17 km im ganzen Tal und zeigen vor allem Tiermotive, wie man sie bisher nur aus Höhlen und Felsengrotten Mitteleuropas her kannte. Die prähistorischen Felsmalereien stehen seit 1998 auf der Liste des UNESCO-Welterbes

Weltnaturerbe (port.: Património Mundial da Natureza)

-   Der Lorbeerwald von Madeira
Der Lorbeerwald Madeiras bedeckt 20 % der Insel, also gut 150 qkm. Er besteht aus 20 verschiedenen, für die Insel charakteristischen Baumarten, wie z.B. den Madeira-Lorbeer (port.: vinhático / latein.: Persea indica), den Madeira-Holunder (port.: sabugueiro madeirense / latein.: Sambucus lanceolata), den Barbusano (port.: barbusano / latein.: Apollonias barbujana) oder den Stinklorbeer (port.: til / latein.: Ocotea foetens), sowie aus verschiedenen Farnarten. Im Dezember 1999 wurde dieser einzigartige Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Immaterielles Weltkulturerbe (port.: Património Cultural Imaterial da Humanidade)

-   Fado
Der Musikstil des Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (port.: Patrimônio Cultural Imaterial da Himanidade) ernannt. Er ist wohl der portugiesischste aller Musikstile in Portugal. Der Fado ist voller Schmerz und Sehnsucht, und handelt meistens von nicht erfüllter Liebe, vom Unglück, vom Schicksal und alten, verlorenen Zeiten. Dennoch ist der Fado, trotz dieser ganzen negativen Gefühle, voller Hoffnung und Leben. Da der Fado die wehmütigen Sehnsuchtsgefühle der Portugiesen so praktisch musikalisch symbolisiert, wird er oftmals – und das zu Recht – als „die Seele Portugals“ (port.: „a alma de Portugal“) bezeichnet
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011)

-   Chorgesang Cante Alentejano
Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Fado wurde der portugiesische Musikstil des Cante Alentejano im Jahre 2014 auf die Weltkulturerbeliste von der UNESCO gesetzt.
Der Cante Alentejano ist ein Chorgesang der ohne Instrumente in einem langsamen Tempo und in einem charakteristischen harmonisch-monotonem Takt gesungen wird. Fast immer handeln die vorgetragenen Lieder vom Alltag, von der Liebe, der Freundschaft und dem schweren Arbeitsalltag im Alentejo.
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Cante Alentejano“ vom 27. November 2014)

Weltdokumentenerbe (port.: Programa Memória do Mundo)

-   Brief über die Entdeckung Brasilien
Der Brief über die Entdeckung Brasiliens am 22. April 1500 (port.: Carta do Achamento do Brasil) ist ein dokumentarischer Bericht des Seefahrers Pedro Álvares Cabral an den portugiesischen König Manuel I. In diesem mit dem 01. Mai 1500 datierten Brief beschrieb der Chronikschreiber Pêro Vaz de Caminha an den König in Portugal die ersten Eindrücke der Portugiesen in der neu entdeckten Welt, ihre erste Begegnung mit den Ureinwohnern und ihre ersten Einblicke in die neue, unbekannte Flora und Fauna Südamerikas. Der vierzehn Seiten doppeltbeschriftete lange Brief, der eigentlich eine Art Chronik ist, befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo und gilt als das erste literarische Dokument Brasiliens. Die UNESCO nahm den Brief über die Entdeckung Brasiliens im Jahre 2005 in die Weltdokumentenerbeliste auf
(bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogbeitrag „Pero Vaz de Caminha“ vom 20. Februar 2012)

-   Vertrag von Tordesilhas
Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas), der am 07. Juni 1494 nach langwierigen Verhandlungen zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, gilt als die dokumentierte Abschlussvereinbarung zwischen diesen beiden Königreichen, die damalige bekannte Welt untereinander aufzuteilen und die Hälfte des anderen zu respektieren. Der Vertrag von Tordesilhas gilt somit als der erste „Nichtangriffspakt“ zwischen Portugal und Spanien. Der Vertrag befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv der Torre do Tombo und ist seit 2007 ein Welterbedokument

-   Chronologische Manuskriptsammlung „Corpo Cronologico“
Der „Corpo Cronologico“ ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten und Manuskripten die zwischen 1756 und 1784 vom damaligen Leiter des Nationalarchivs Torre do Tombo, Manuel da Maia, zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst insgesamt 83.212 verschiedene Verträge, Manuskripten und Dokumente des portugiesischen Staates die zwischen den Jahren 1161 und 1696 verfasst wurden.
Der Tatsache, das Manuel da Maia seinerseits die Schriftstücke alle chronologisch archivierte, versankt die Sammlung ihren Namen „Corpo Cronologico“. Seit 2007 ist die Sammlung, die sich weiterhin im Nationalarchiv Torre do Tombo befindet, Welterbedokument der UNESCO

-   Bericht der Flugpioniere Gago Coutinho und Sacadura Cabral
Im Jahre 1922 unternahmen die portugiesischen Flugpioniere Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Cabral den ersten Südatlantikflug der Geschichte. Am 30.März 1922 flogen beide Piloten mit ihrem Wasserdoppeldeckerflugzeug „Santa Cruz“ von Lissabon nach Rio de Janeiro in Brasilien. Über ihre Flugreise schrieben sie einen detaillierten Bericht (port.: Relatório dos aeronautas Gago Coutinho e Sacadura Cabral), der dann im Jahre 2010 als Welterbedokument von der UNESCO in ihre Liste aufgenommen wurden. Der Bericht der beiden Flugpioniere Coutinho und Cabral befinden sich heute im Archiv der Marinebibliothek in Lissabon

-   Reisetagebuch der ersten Indienfahrt des Vasco da Gama
Als der Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama am 20. Mai 1498 seinen Fuß auf dem indischen Subkontinent setzte, hatte er als erster Mensch den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Reise hatte am 08. Juli 1497 in der portugiesischen Hauptstadt begonnen und erst zwei Jahre später, am 10. Juli 1499, segelte er wieder in Lissabon ein. Über seine Entdeckungsreise nach Indien verfasste er ein Reisetagebuch (port.: Diário da primeira viagem de Vasco da Gama), welches er später König Manuel I vorlegte. Dieses Reisetagebuch seiner ersten Indienfahrt ist 2013 von der UNESCO auf die Welterbedokumentenliste gesetzt worden. Es wird heute im Archiv der Stadtbibliothek von Porto aufbewahrt

Und hier nun eine Liste der von der portugiesischen Regierung nominierten Bauwerke und Naturschauplätze für eine zukünftige Bewerbung als Weltkultur- und Weltnaturerbe bei der UNESCO:

- die vulkanische Schachthöhle Angar do Carvão auf der Azoreninsel Terceira
- das historische Stadtzentrum von Santarém
- die Schwefelhöhle Furna do Enxofre auf der Azoreninsel Graciosa
- die von mittelalterlichen Mauern umgebene Kleinstadt Marvão und der kleine Berg auf dem es liegt
- die kleine unbewohnte Inselgruppe Ilhas Selvagens (dt.: Wilde Inseln) im Atlantik, vor der Küste Afrikas
- der Naturpark Südöstliche Alentejoküste im Alentejo
- die Lissabonner Unterstadt Baixa (port.: Baixa Pombalina)
- die Schloss- und Klosteranlage des Nationalpalastes von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra)
- die Ortschaft Buçaco und das Waldgebiet in dem es liegt
- der Naturpark der Serra Arrábida
- die Dinosaurierfußspuren im Naturpark von Ourém-Torres Novas (port.: Parque Natural das Pegadas de Dinossáurio de Ourém-Torres Novas)

Donnerstag, 27. November 2014

Weltkulturerbe Cante Alentejano


Nach einer zweijährigen Bewerbungszeit ist heute morgen in Paris der „Cante Alentejano“ (dt.: Alentejo-Gesang) in die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen worden.
Insgesamt 58 Volksbräuche, Traditionen und Kulturpraktiken aus aller Welt bewarben sich wieder einmal bei der UNESCO um eine Aufnahme in die berühmte Liste und glücklicherweise wurde der regionale Musikstil des Alentejo heute in Paris vom UNESCO-Komitee einstimmig anerkannt.

Als Portugiese, und vor allem als großer Freund des Alentejo, habe ich mich über die heutige Wahl der UNESCO sehr gefreut!
Nach dem Fado im Jahre 2011 ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische Musikform die es auf die begehrte Liste des Weltkulturerbes geschafft hat.

Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang der immer von Amateuren ohne instrumentale Begleitung und fast immer in Tracht vorgetragen wird, erzählt in kleinen poetischen Versen über die Alltagsereignisse, die Liebe, die Freundschaft und den schweren Arbeitsalltag im ländlichen Alentejo.
Dieser Musikstil unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristisch harmonisch-monotonen Takt.
Ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieser sehr typische Chorgesang, durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse, auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen widerspiegelt.

Über die Herkunft des Cante Alentejano weiß man heute leider wenig.
Man vermutet das dieser jahrhundertealte Musikstil entweder eines der kulturellen Erben der maurischen Herrschaft in Portugal ist oder aber das gregorianische Mönche, die im Alentejo im Mittelalter mehrere Gesangsschulen gründeten, die Vorfahren des Cante Alentejano sind.

Heute ist der Cante Alentejano, trotz vieler Versuche der Modernisierung und Kommerzialisierung, vor allem als die traditionelle Musik des Volkes der Alentejanos bekannt und wird von diesem mit Stolz vorgetragen und gesungen.
Aber immer mehr Nicht-Alentejanos – Portugiesen und Ausländer – verlieben sich in den Klang dieses sehr originellen Musikstils und fangen an diese „Volksmusik“ zu schätzen und anzuerkennen – so wie heute auch die Damen und Herren das Komitees der UNESCO.

Wer mal eine kurze Klangimpression des Cante Alentejano hören will, hier eines von vielen You-Tube-Links:



Sonntag, 17. November 2013

Alcobaça



Als ich gestern mit meiner lieben Freundin Annette nach Hause fuhr, lief im Auto das Radio.
Wir hatten den Sender „Rádio Amália FM- 92.0 FM Lisboa“ an, und hörten angenehme Fadomusik. Meiner persönlichen Meinung nach, ist dieser Radiosender hierzulande der beste im Äther, der diese Art von Musik spielt.
Eines der Lieder, das während der Fahrt gespielt wurde, und das Annette wegen seines angenehmen Taktes besonders gut gefiel, war der Evergreen „Alcobaça“ aus dem Jahre 1955, der von der populären Fadosängerin Maria de Lourdes Resende gesungen wurde.
Annette wollte nun von mir wissen, von was dieser Fado handelt, bzw. worüber Maria de Lourdes Resende singt.

Ich habe ihr gesagt, dass dieses Lied so eine Art „Liebeserklärung“ an eine sehr schöne mittelportugiesische Kleinstadt ist, die den Namen Alcobaça trägt, und die ca. 100 km nördlich von Lissabon liegt.
Annette, die erst seit kurzem von Mönchengladbach hier nach Portugal gezogen ist, sagte, sie hätte noch nie etwas von Alcobaça gehört, meinte aber, die Stadt müsse wohl etwas besonderes sein, wenn man ihr sogar ein „Liebeslied“ widmet.
Ich versprach ihr, bei Gelegenheit, mit ihr einen Abstecher nach Alcobaça zu machen, damit sie sich dann selber eine Meinung machen könne.

Alcobaça ist wirklich ein sehr schöner Ort.
Mit seinen ca. 57.000 Einwohnern liegt die Stadt in der ehemaligen Provinz Estremadura, in dem heutigen Distrikt Leiria, in Zentralportugal.
Schon die alten Römer lebten hier, und nannten ihre reizvoll zwischen den zwei Flüsschen Alcoa und Baça gelegene Siedlung „Helcobatiae“.
Nach den Römern kamen die Mauren, bauten eine mächtige Burg, von der heute nur noch Trümmern existieren, und nannten den Ort „Al-cobaxa“, was ins deutsche übersetzt soviel wie „Schafbock“ oder „Widder“ heißt.
Man ist sich heute uneins darüber, ob das arabische „Al-cobaxa“ Namensgeber des heutigen Alcobaça ist, oder ob sich der Name der Stadt aus den zwei Flüsschen Alcoa und Baça zusammensetzt, die den Ort durchfliesen.

Die Araber blieben bis 1147, dem Jahr als die Truppen des portugiesischen Königs Afonso Henriques den Ort von den muslimischen Mauren, im Zuge der Befreiung der Stadt Santarém, eroberten.
Im Jahre 1154, sieben Jahre nach der Besitznahme des Ortes, schenkte König Afonso Henriques seinem Freund, Glaubensbruder und Mitstreiter Bernhard von Clairvaux (port.: Bernanrdo de Claraval, fr.: Bernard de Clairvaux), die Stadt Alcobaça und riesige angrenzende Ländereien, zum Zwecke der Gründung eines Klosters.
Bernhard von Clairvaux, ein Zisterziensermönch und späterer Heiliger, hatte seinen Freund Afonso Henriques bei den schwierigen und langwierigen Verhandlungen über die päpstliche Anerkennung des neu geschaffenen Königreiches Portugal treu und tatkräftig zur Seite gestanden, und beim damaligen Papst Eugen III ein gutes Wort für den Portugiesen eingelegt.

Im Jahre 1178 begann der Orden mit dem Bau des Klosters der Heiligen Maria von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça), der 1222 mit seinen wesentlichen Teilen fertig gestellt war, aber in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche und weitreichende Veränderungen über sich ergehen ließ.
Gemäß der Ordensregeln der Zisterzienser beherbergte das Kloster stets „einen weniger als tausend“, also 999 Ordensbrüder, die in den Flusstälern des Alcoa und Baça Obstgärten und Weinberge anlegten und damit die Grundlage für das noch heute bedeutendste Obstanbaugebiet Portugals schufen. Die Mönche richteten hier in ihrem Kloster bereits im 13. Jahrh. die erste öffentliche Schule des Königreiches ein, von der später wesentliche Impulse zur Gründung der ältesten portugiesischen Universität in Coimbra ausgingen.
Zwischen dem 13. und 18. Jahrh. galt der Zisterzienserorden von Alcobaça (port.: Ordem de Cister de Alcobaça) zweifelsohne als eines der bedeutendsten Geisteszentren im Lande, das sogar den portugiesischen Königen manchmal als Zufluchts- und zur Meditationsort diente.

Der in seinen Grundlagen gotische Bau ist ein genaues Abbild der französischen Abtei von Clairvaux, dem Mutterkloster aller Zisterzienserabteien. Der Bau bedeckt einen annährend quadratischen Grundriss und umschließt neben der mächtigen Kirche und den üblichen Wirtschaftsräumen fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, ein Hospendarium, eine Bibliothek und eine riesige Küche.
Im Querschiff der eindrucksvollen Klosterkirche, der größten Kirche ganz Portugals, stehen zu beiden Seiten des Hauptschiffes die prunkvollen Grabmäler von König Pedro I und seiner Geliebten Ines de Castro, die einstmals auf Geheiß von Pedros Vater, König Afonso IV, ermordet und von Pedro nach seiner Thronbesteigung exhumiert und post mortem in Coimbra in aller Form zur Königin gekrönt wurde.
Auf Wunsch Pedros wurden die Grabmäler in der Kirche so aufgestellt, dass sich die beiden Liebenden bei der Auferstehung am Jüngsten Tag sogleich erblicken können (die tragische Liebesgeschichte zwischen Pedro und Ines werde ich in einen meiner nächsten Blogeinträge hier in „Planet Portugal“ gerne erzählen).
Leider weisen die Sarkophage von Ines und Pedro, genauso wie andere Kunstschätze in der Kirche, erhebliche Beschädigungen auf. Diese entstanden im Jahre 1811, als die Truppen Napoleon Bonapartes Portugal überfielen, das Land gewaltsam besetzten und damals mutwillig alles zerstörten, was ihnen in die Quere kam.
Die Grabmäler der portugiesischen Könige Afonso II und Afonso III, die auch in der Klosterkirche von Alcobaça beigesetzt sind, weisen leider ebenfalls schwere Schädigungen aus dieser Zeit auf.

Im Jahre 1834 fand in Portugal die Trennung von Kirche und Staat, die so genannte Säkularisierung, statt, was zur Folge hatte, das alle Klöster des Landes aufgelöst wurden und sie fortan zu höchst profanen Zwecken verwendet wurden.
Dieses Schicksal blieb auch dem Kloster von Alcobaça nicht erspart.
Ein Jahr vor der Säkularisierung, 1833, wurde die Abtei geplündert und man brachte in dem Gebäude zuerst eine Kaserne unter, dann ein Altenheim und nach diesem, wurde aus dem Anwesen ein Lagerhaus, das danach zusehends verfiel.
Erst im Jahre 1930, knapp 100 Jahre nach seiner Aufgabe, besann man sich der kunsthistorischen Bedeutung des Klosters, renovierte es und stellte es unter Denkmalschutz.
1989 wurde der Mosteiro de Alcobaça in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen.

Wie früher, so gilt Alcobaça auch heute noch landwirtschaftlich, kulturell und industriell als eine der wichtigsten Regionen Portugals. Vor allem der Obstanbau und die Keramikindustrie sind über die Stadtgrenzen hinaus im ganzen Land berühmt.
Ein anderer bedeutender Industriezweig der Stadt und ihrer Umgebung ist zweifelsohne der Tourismus.
Alcobaça und sein Umland tragen seit der Jahrtausendwende den Beinamen „Terra da Paixão“ (dt.: „Land der Leidenschaft“), in Anlehnung an die Liebesgeschichte von Pedro und Ines.
Hier, im „Land der Leidenschaft“ liegen außer Alcobaça, noch einige andere geschichtsträchtige Orte und Landschaften, wie Leiria, Nazaré, Caldas da Rainha, Batalha, Aljubarrota oder Fatima.

Alcobaça ist eine sehr gastfreundliche Stadt, weitab vom hektischen Großraum Lissabons, die ihre Gäste für gewöhnlich mit offenen Armen empfängt und in der man sich als Besucher immer sehr wohl fühlt.
Ich werde demnächst mit Annette Alcobaça besuchen und ich bin mir sicher, dass wir dann in den Genuss dieser zitierten Gastfreundschaft kommen werden.
Ich werde dann hier im Blog gerne darüber berichten!

Samstag, 22. Juni 2013

Coimbras Universität ist Weltkulturerbe



Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, UNESCO, (port.: Organização das Nações Unidas para a Educação, a Ciência e a Cultura) hat heute auf ihrer 37. Jahresversammlung im kambodschanischen Phnom Penh die portugiesische Universität Coimbra als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) anerkannt.

15 Jahre lang hat die Universitätsstadt Coimbra (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Die Universität von Coimbra, vom 18. Januar 2012) darum gekämpft, dass ihre Universität auf die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit gesetzt wird.
Heute, nach vielen Höhen und Tiefen entschied sich das Welterbekomitee nun einstimmig die Aufnahme der ältesten und renommiertesten Lehranstalt Portugals zu vollziehen.

Die Bürger von Coimbra (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Coimbra“, vom 28. Januar 2012), einer der schönsten und traditionsreichsten Städte des Landes, und natürlich ihre Studenten – jeder fünfte Einwohner von Coimbra ist ein Student – haben diese Nachrichte aus dem fernen Kambodscha heute mit einer riesigen Freude aufgenommen, wohl wissend das solch eine hohe Auszeichnung immer zu großer Verantwortung und Respekt verpflichtet.

Einige Denkmalpfleger der UNESCO hatten ernste Bedenken die Universität auf die Liste zu setzen, da im Moment in ihrer Nähe neue, moderne Gebäude errichtet werden.
Nachdem aber die portugiesische Bewerbungsdelegation dem Welterbekomitee versichert hat, das diese neuen Bauten den visuellen und atmosphärischen Eindruck des Gesamtbildes der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Universität nicht beeinträchtigen werden, hat die UNESCO schließlich eingelenkt.

Zum Weltkulturerbe gehören ab heute nicht nur das Universitätsgelände auf dem höchsten Punkt der Stadt, die über 30 Universitätsgebäude und Fakultäten, sondern auch die vielen studentischen Traditionen und die Rua da Sofia, mit ihren zahlreichen Studentenkneipen und Studentenwohngemeinschaften, die „Repúblicas“ genannt werden.

Der heutige Tag ist zweifelsohne ein großer Tag für die Universität und ihre Studenten, für die Stadt Coimbra, für Portugal und für die portugiesische Kultur und Sprache auf der ganzen Welt!

Sonntag, 1. Juli 2012

Elvas, die „Königin der Grenze“, ist nun auch UNESCO-Weltkulturerbe


Großer Jubel im tiefsten Alentejo:
Die UNESCO hat die Altstadt von Elvas und ihre kompakte Festungsanlage einstimmig zum Weltkulturerbe (port.: Património cultural mundial) ernannt.
Dies entschied das Welterbekomitee der UNESCO am gestrigen Samstag, auf ihrer 36. Sondersitzung, in der russischen Stadt Sankt Petersburg.

Die von mächtigen Festungsmauern (port.: fortificações abaluartadas) umgebene Grenzstadt Elvas hat sich in vielem seinen einstmals maurischen Charakter bewahrt. In den verwinkelnden Gassen der Altstadt sieht man heute noch viele Häuser mit kunstvollen Fenstergittern, hübsche Türbögen und viele malerische Plätze.

Als Stützpunkt gegen das nur 8 km entfernt liegende spanische Badajoz wurde Elvas schon im späten Mittelalter, in der Regierungszeit von König Sancho II, mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und dann im 17. und 18. Jahrhundert mit den zwei mächtigen Forts Santa Luzia und Nossa Senhora da Graça gesichert.
Die Festungsmauern von Elvas sind über 10 km lang und bedecken eine Fläche von über 300 ha. Sie zählen zu den besterhaltenden, eindrucksvollsten und größten ihrer Art auf der Welt

Elvas war einstmals die größte und bedeutendste portugiesische Festungsstadt an der Grenze zu Spanien.
Respektvoll wurde und wird Elvas von ihren Bewohnern als „Rainha da Fronteira“ (dt.: Königin der Grenze“) bezeichnet.
Seit gestern hat die „Königin der Grenze“ einen neunen Titel:

Elvas ist UNESCO-Weltkulturerbe!

Samstag, 14. Januar 2012

Kandidatur der Universität Coimbra als Weltkulturerbe


Nach dem Ende letzten Jahres der Fado auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (port.: Lista do Património Cultural da Humanidade da UNESCO) gesetzt wurde (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag‚ „Weltkulturerbe Fado“ vom 27.11.2011) will sich Portugal nun diesen Monat mit einer weiteren Kandidatur bei der UNESCO um die Aufnahme in die berühmte Liste bemühen.

João Gabriel Silva, der Rektor der altehrwürdigen Universität der Stadt Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), die im Jahre 1290 als erste portugiesische Universität gegründet wurde, und eine der ältesten Universitäten der Welt ist, hat nun offiziell bestätigt das er Ende Januar eine formulierte Kandidatur bei der UNESCO in Paris einreichen wird.
Die Kandidatur, mit dessen Ausarbeitung schon bereits im Jahre 2005 universitätsintern begonnen wurde, soll aus über zweitausend Seiten bestehen.

Die Universität von Coimbra kann auf eine 700jährige traditionsreiche Geschichte zurückblicken.
Aber obwohl sie so alt ist, gehört die Universität zu den modernsten Portugals und Europas, mit einem überdurchschnittlichen Anteil an ausländischen Studenten, darunter auch viele Deutsche.

Mit einer Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes würden nicht nur die alten geschichtsträchtigen Fakultätsgebäude (port.. faculdades universitárias / lat.: Alma mater conimbrigensis) und die wunderschöne und wertvolle Johannesbibliothek (port.: Biblioteca Joanina) gewürdigt werden, sondern auch der prächtige Botanische Garten (port.. Jardim Botanico), der zum weitläufigen Universitätsgelände gehört.

Der Titel als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) käme der Universität sehr gelegen, denn in Zeiten knapper Kassen, könnten dann die zu erwarteten finanziellen Mittel, die mit solch einer Aufnahme in die berühmte Liste automatisch fliesen würden, für die Instandhaltung der alten historischen Gebäude sinnvoll verwendet werden.

Mit einer eventuellen positiven Entscheidung durch die UNESCO-Kommission wird dann Ende des Jahres 2013 gerechnet.

Sonntag, 27. November 2011

Weltkulturerbe Fado


Nach einer sechsjährigen Bewerbungszeit ist heute im indonesischen Bali der Fado in die UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen worden.
Über 80 Kulturpraktiken, Traditionen und Volksbräuche aus aller Welt bewarben sich bei der UNESCO um eine Aufnahme in die berühmte Liste, und immerhin 49 von ihnen wurden dann letztendlich auch nominiert.

Als Portugiese, und vor allem als Lissabonner, habe ich mich über diese Wahl der UNESCO sehr gefreut!

Als im Jahre 2005 der damalige Bürgermeister Lissabons, Pedro Santana Lopes, die Idee hatte, wahrscheinlich die einzig Gute die er in seiner gesamten Amtszeit hatte, den Fado bei der UNESCO als Kulturgut auf die immaterielle Liste zu setzen, ahnte noch keiner wie beschwerlich diese Kandidatur sein würde.

Denn der Fado hat sich erst in den letzten Jahrzehnten in ganz Portugal so richtig etabliert. Sicherlich den Fado, so wie wir ihn heute kennen, gibt es seit über 150 Jahren, aber er war in erster Linie die Musik Lissabons. Und als solche wurde er auch ursprünglich hier in Portugal angesehen.

Sprach man z.B., vor 30 oder 40 Jahren jemanden außerhalb Lissabons mit „Fadista“ an, dann kam das einer Beleidigung gleich, denn der Fado wurde historisch gesehen, früher immer mit den zwielichtigen Gestalten der Lissabonner Unterwelt in Verbindung gebracht.
Doch der Fado wird heute in ganz Portugal akzeptiert und geliebt – auch von der Jugend.

Das Wort „Fado“ kommt aus dem lateinischen, wo „fatum“ so viel wie „Schicksal“ oder „göttlicher Wille“ bedeutet.
Wir Portugiesen verbinden damit zugleich die Vorstellung von Leid, Unglück und Saudade, dem wohl urportugiesischstem Gefühl überhaupt.
Und als „Schicksal“ und „göttlicher Wille“ ist die positive Bewerbung des Fado heute in die Liste der UNESCO schließlich auch aufgenommen worden.

Somit ist es ist amtlich:
Der Fado gehört ab sofort offiziell nicht nur uns Portugiesen, sondern der ganzen Menschheit!

Mittwoch, 30. September 2009

„Wer Bücher verbrennt, verbrennt Menschen!“


„Wer Bücher verbrennt, verbrennt Menschen!“ (port.: „Quem queima livros, queima homens!“ – dies sagte einmal der deutsche Schriftsteller Heinrich Heine.
Das waren prophetische Worte!

Denn als die Nazis 1933 an die Macht kamen, verbrannten sie zuerst die Bücher der „entarteten“ jüdischen Künstler und dann massakrierten sie später die Millionen Juden selbst in den Gaskammern der Konzentrationslager.

Daher lobe ich mir den Mut des portugiesischen UNESCO-Botschafters Manuel Carrilho, der sich diese Woche in New York geweigert hat, den Anordnungen der portugiesischen Regierung folge zu leisten, und den Ägypter Farouk Hosni, einen bekennenden Antisemiten, zum Generalsekretär der Weltkulturorganisation UNESCO zu wählen.

Die Wahl Farouk Hosnis, der öffentlich bekennt schon selber jüdische Bücher verbrannt zu haben, zum Chef einer solch Prestigetragenden Organisation wie die UNESCO zu ermöglichen, wäre ohne Zweifel eine Schande.

Da ist es wirklich nur lobenswert, das sich ein portugiesischer Diplomat, allen politischen und wirtschaftlichen Vereinbarungen die zwischen Portugal und Ägypten herrschen, entgegenstellt, und sich öffentlich weigert aus rein wirtschaftlichen Gründen einer Wahl zuzustimmen, die gegen seine Prinzipien sind.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen Manuel Carrilho von der portugiesischen Regierung zu erwarten hat.
Höchstwahrscheinlich wird er als UNESCO-Botschafter entlassen.

Aber selbst diese Entlassung, wird ihm nicht den Mut und den Respekt absprechen können, den dieser Diplomat von uns allen verdient.

Senhor Carrilho, sie haben meinen höchsten Respekt!

Dienstag, 15. September 2009

Portugals Big Apple






















Bislang war die Stadt Alcobaça vor allem für ihre historische Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert bekannt. Doch nun wollen sich die 50.000 Einwohner der Stadt mit einem weiteren Kulturgut profilieren: Den Äpfeln von Alcobaça. Beide Berühmtheiten stehen ohnehin in einer engen Beziehung: Es waren Zisterzienser-Mönche, die vor rund 800 Jahren den Apfelanbau in dieser Region kultiviert haben.

Seit Jahrzehnten ist New York weltweit als „The Big Apple“ bekannt - obwohl heute noch darüber gerätselt wird, wie die US-Megacity eigentlich zu ihrem Beinamen gekommen ist. Wie viel passender wäre da die Bezeichnung “Big Apple” für Alcobaça, die bedeutende Klosterstadt, etwa 70 Kilometer nördlich von Lissabon entfernt gelegen? Die hier angebauten Äpfel sind in ganz Portugal für ihre positiven Geschmacks- und Gesundheitsqualitäten bekannt. So ist es in diesem Fall, leicht zu erklären warum Alcobaça den Beinamen „Cidade da maçã“, (deutsch: Stadt des Apfels) trägt.

Der Apfelanbau spielt für die Entwicklung der Region eine wichtige Rolle: Allein rund um die Stadt Alcobaça betreiben rund 300 Landwirte Apfelplantagen. Mit etwa 10.000 Angestellten erwirtschaftet die Branche einen Jahresumsatz von Rund 100 Millionen Euro.

Die Anfänge des Apfelanbaus in der Gegend waren hingegen ungleich bescheidener. Die Geschichte begann im Jahr 1154, als der portugiesische König Afonso Henriques einigen Zisterzienser-Mönchen von Clairvaux, in Frankreich, das Recht einräumte, im frisch von den Mauren zurückeroberten Alcobaça ein Kloster zu gründen. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem dann im frühen 13. Jahrhundert, entwickelte sich Alcobaça zu einer der größten Klosteranlagen Portugals. Die beeindruckenden Gebäude stehen heute unter dem Schutz der UNESCO, und stehen auf der Weltkulturerbeliste.

Die Mönche von damals waren es auch, die mit dem Apfelanbau in Alcobaça begannen - sie schienen rasch gemerkt zu haben, dass die hier herrschenden klimatischen Bedingungen beste Voraussetzungen für die Aufzucht von Obstbäumen boten. Hier, nur wenige Kilometer vom Atlantik entfernt, herrschte ein dauerhaft mildes und feuchtes Klima, das für eine dauerhaft reiche Apfelernte sorgte.

Mit Hingabe und Mühe widmeten sich die Zisterzienserbrüder der Aufgabe, ihre Züchtungen immer weiter zu verbessern. Und das mit großem Erfolg: Bald schon avancierten die Äpfel von Alcobaça zur beliebten Süßspeise am Hofe der portugiesischen Könige. Die heute angebauten Sorten unterscheiden sich freilich von den Ursprungssorten. Dennoch gilt gestern wie heute: Äpfel aus Alcobaça zeichnen sich durch strahlende Farben und einen intensiven, fruchtigen Geschmack aus.

Doch das allein zählt heute nicht mehr auf dem Markt. Seit dem Eintritt Portugals in die Europäische Gemeinschaft kämpfen Portugals Obstanbauer mit billiger Importware, vor allem aus Spanien und Marokko. Aber es scheint ein Kampf zu sein, den die portugiesischen Obstbauern gewinnen, denn die Umsätze steigen von Jahr zu Jahr.

Die „Maçã de Alcobaça“ ist ein Produkt, das heute nach den Regeln der EU, in einem begrenzten und geschützten Ursprungsgebiet angebaut wird.

Äpfel aus Alcobaça sind nicht nur lecker, sondern sie sind heute auch ein fester Bestandteil der Kulturlandschaft. Im Frühjahr tauchen die Blüten der Apfelbäume das Tal der Flüsse Alcoa und Baçã in ein weißes Farbenmeer, im Herbst strahlen dann die knallroten Früchte an den Bäumen um die Wette. Wer dieses prächtige Farbschauspiel sieht, der kann erahnen, wie stolz schon die Mönche von Alcobaça auf die Früchte ihrer Arbeit gewesen sein müssen.

Samstag, 5. September 2009

Die Azoreninsel Pico




Auf der Insel Pico (Ilha do Pico) existiert eine eigene Welt, die im laufe der Jahrhunderte von Walfängern, Bauern und Fischern geschaffen wurde.

Die zweitgrößte Azoreninsel, die fünf Kilometer von der Nachbarinsel Faial und 18 Kilometer von der Insel São Jorge entfernt liegt, ist nach dem gleichnamigen 2.351 Meter hohen Vulkan Ponta do Pico, der höchsten Erhebung Portugals, benannt.

Die Hauptstadt und älteste Siedlung der Insel ist Lajes do Pico, ein ehemaliger Walfanghafen mit 2.500 Einwohnern.
Insgesamt leben auf Pico schätzungsweise 15.000 Menschen.
Die nächst größeren Siedlungen der Insel, sind São Roque und Madalena.
Pico gehört zur Zentralgruppe (Grupo Central) der Azoren.

Die Insel ist für drei Attraktionen, in und auch außerhalb Portugals, berühmt.

Da wäre zum einen natürlich der 2351 Meter hohe Ponta do Pico, der majestätisch aus dem Atlantik herausragt und dessen ungewöhnlich steiler Gipfel oft von Wolken umhüllt ist. Dieser heute noch aktive Vulkan ist zweifellos der Hauptanziehungspunkt der Insel.

Dann wäre da der Wein der Insel, der auf Grund der vulkanischen Erde, ein ausgeprägtes Aroma hat. Im 19. Jahrhundert wurde der Verdelho-Wein in allen Königs- und Fürstenhäuser Europas getrunken. Selbst der russische Zar und der deutsche Kaiser waren Liebhaber dieses Weines.
Der Weinbau auf Pico ist zweifelsohne eine herkulische Arbeit.
Zuerst muss der harte Lavaboden aufgebrochen werden und dann müssen die schweren Lavasteine zu Mauern geschichtet werden, die die einzelnen Weinstöcke vor den starken Atlantikwinden schützen sollen.
Im Jahre 2004 wurde die Weinbaukultur der Insel, von der UNESCO, als Weltkulturerbe in ihre Liste aufgenommen.

Die dritte Attraktion für die Pico weltberühmt ist, ist schließlich das „Whale-watching“.
Auf Pico hat sich seit dem Ende des letzten Jahrhunderts ein Zentrum für die sanfte „Walbeobachtung“ entwickelt.
Von Lajes und Madalena starten Boote und Schiffe um Meeressäuger, wie Blau-, Pott- und Grauwale und Delfine, zu beobachten. Die Insel zählt heute zu den weltweit besten Walbeobachtungsgebieten.

An den ehemaligen Walfang erinnern heute nur noch die Museen, die filigrane Schnitzereien und Gravuren aus Walzähnen und Walknochen präsentieren.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein kamen amerikanische Walfänger nach Pico, um Wale zu jagen und Harpuniere anzuheuern.
Danach gingen die Inselbewohner mit schlanken Ruderbooten selber auf Walfang. Der Kampf zwischen Mensch und Meeresriesen endete nicht selten in einer Tragödie.

Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei!

Samstag, 27. Juni 2009

Vom Elbtal ins Sintragebierge
















Wie ich heute den hiesigen Nachrichten entnehmen konnte, hat die UNESCO ihre Drohung tatsächlich wahr gemacht und das Dresdner Elbtal von der Welterbeliste gestrichen.

Somit ist das Dresdener Elbtal kein Weltkulturerbe mehr.
Das UNESCO-Welterbekomitee hat es gestern, 25.06.2009, bei seiner Sitzung im spanischen Sevilla von der Liste gestrichen.

Der Grund für die Aberkennung ist der umstrittene Bau der so genannten Waldschlösschenbrücke (wie kann etwas mit so einem schönen Namen, der Grund für so einen großen Verlust sein?).
Seit 2006 führte die UNESCO das Elbtal auf der Roten Liste der gefährdeten Weltkulturerbestätten, und trotzdem wurde nichts gegen eine drohende Aberkennung unternommen. Soweit ich mich erinnern kann, hatte die UNESCO schon im vergangenen Jahr Dresden mit der Aberkennung des Titels gedroht, wenn die Stadt auf den Bau der vielspurigen Autobrücke nicht verzichtet.
Aber es wurde fleißig weiter gebaut.
Ich glaube ganz Dresden und Sachsen haben geglaubt, das die UNESCO es niemals wagen würde ihnen den Titel abzuerkennen.
Selbst ich, hätte niemals gedacht dass die UNESCO zu so einem drastischen Schritt fähig wäre.

Diese Blamage hätte aber verhindert werden können, wenn man nur einen Tunnel anstatt der Brücke gebaut hätte. Somit ist die Entscheidung der UNESCO zwar traurig, aber konsequent, nachdem die Stadt Dresden trotzig am Weiterbau der Brücke festgehalten hat. Angesichts der Verletzung der geltenden Kriterien, auch von Deutschland damals mitunterschrieben, hatte die UNESCO-Kommission bei ihrer Entscheidung keine andere Wahl.

Jetzt fängt das große Lamentieren an. Viele bedauern auf einmal die Entscheidung der UNESCO, und würden am liebsten alles wieder rückgängig machen.
Zu recht!
Denn da gibt es Länder in der dritten Welt, die kaum finanzielle Mittel zur Verfügung haben, und es dennoch schaffen ihre Weltkulturstätten zu erhalten. Und dann kommen da das Kulturland Sachsen und die Kulturnation Deutschland, die sich dem Denkmal- und Naturschutz verschrieben haben, und bringen es nicht einmal fertig mit der UNESCO zu einer Einigung zu kommen.

Im Fernsehen habe ich die Oberbürgermeisterin (die Dame ist, glaube ich, von der CDU) sagen hören, das die Aberkennung des Titels zwar ein großer Verlust sei, aber das die Touristen weiterhin Dresden, ob mit oder ohne Titel, besuchen kommen würden. Da sei sie sich ganz, ganz sicher.

Nun Frau Oberbürgermeisterin, das ist so wie mit dem Christstollen. Natürlich kann man ihn auch ohne Rosinen backen, aber schmeckt er dann noch genauso gut? Und, ist er dann überhaupt noch ein original Dresdner Christstollen? Ich wäre mir da nicht so sicher!

Ich bin felsenfest der Meinung, Deutschland hat sich mit dem Bau dieser Brücke selbst einen riesigen Bärendienst erwiesen, aber der übrigen Welt einen großen Gefallen damit getan.

Warum?

Nun, die Nationen, die bis jetzt dachten, die UNESCO wäre nichts weiter als eine Papiertigerversammlung, wissen jetzt, dass dem nicht so ist.

Wir haben hier in Portugal mit dem malerischen Sintra und dem urigen Sintragebierge ein Kultur- und Naturwelterbe, dass immer häufiger bedroht wird, mit Neubauten zugebaut zu werden, obwohl es ein klares Verbot dazu gibt. Bis jetzt ging die Stadt Sintra sehr lasch mit diesem Verbot um.
Aber spätestens seit heute, wird sich jeder im Rathaus von Sintra zwei Mal überlegen, wenn er demnächst wieder ein Bauprojekt genehmigt.
Somit glaube ich, ist also der Verlust von Dresden, ein Gewinn für Sintra und all die anderen Kultur- und Naturerben der Welt die meinen, sie können mit dem Erbe einfach so umgehen wie es ihnen passt!
Nicht umsonst heißen die Titel „Weltkulturerbe“ und „Weltnaturerbe“. Es ist ein Erbe das wir intakt an unsere Kinder und Kindeskinder überall auf der Welt weiterreichen müssen!

Aber wenn man es sich richtig überlegt, dann hat Deutschland gestern nicht nur Pech gehabt.
Zwar wurde dem Elbtal der Titel Weltkulturerbe aberkannt, aber dafür konnte das Wattenmeer als neues Naturwelterbe in die Liste der UNESCO aufgenommen werden.