Posts mit dem Label New York werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label New York werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 6. Dezember 2013

In memoriam: Nelson Mandela


Am gestrigen Donnerstagabend starb, nach langer Krankheit, im südafrikanischen Johannisburg Nelson Mandela, einer der mutigsten und bewundernswertesten Menschen unserer Zeit.
Mandela, der am 18. Juli 1918 geboren wurde, wurde stolze 95 Jahre alt.

Dieser Mann, den man immer lächeln sah, war zweifelsohne die Stimme und das Gewissen, nicht nur Afrikas, sondern der ganzen Welt.
Er war ein Freiheitskämpfer, Versöhner, beispielhafter Friedensstifter, Demokrat und Vorbild für viele Menschen weltweit – auch für mich!

Viele Menschen – einfache Bürger, Politiker, Wissenschaftler, Kirchenmänner, Künstler – haben heute in Nachrufen ihre Trauer und ihre Bewunderung für diesen beneidenswerten und humanen Mann zum Ausdruck gebracht.

US-Präsident Barack Obama sagte z.B. über den Friedensnobelpreisträger Mandela:
„I am one of the countless millions who drew inspiration from Nelson Mandela´s life.“
(dt.: „Ich bin einer von unzähligen Millionen, die Inspiration aus Nelson Mandelas Leben gezogen haben.“)

Der britische Premierminister David Cameron twitterte über Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten:
„A great light has gone out in the world. Nelson Mandela was a hero of our time. I´ve asked for the flag at N°10 to be flown at half mast.“
(dt.: Ein großes Licht ist von dieser Welt gegangen. Nelson Mandela war ein Held unserer Zeit. Ich habe veranlasst, die Flagge vor Nr.10 (Downing Street) auf Halbmast zu setzen.“)

Portugals Staatspräsident Anibal Cavaco Silva schrieb heute auf der Internetseite des Präsidialamtes in Lissabon:
„Nelson Mandela deixa um extraordinário legado de universalidade que perdurará por gerações. O seu exemplo de coragem politica, a sua estatura moral e a confiança que despositiva na capacidade de reconciliação constituem verdadeiras lições de humanidade.“
(dt.: Nelson Mandela hinterlässt ein außergewöhnliches Erbe an Universalität, das für kommende Generationen Bestand haben wird. Sein beispielloser politischer Mut, sein moralisches Gewicht und sein grenzenloses Vertrauen in die Fähigkeit zur Versöhnung sind wahre Lehren für die Menschheit.“).

Was Obama, Cameron und Cavaco Silva aber in ihren jeweiligen Nachrufen nicht erwähnen, ist das ihre drei Nationen noch 1987, zu Zeiten der Apartheid, ganz anders mit Nelson Mandela verfahren sind.
Damals stimmten die USA, Großbritannien und Portugal, bei einer Abstimmung vor den Vereinten Nationen in New York, die seinerzeit das weiße Südafrika aufforderte Nelson Mandela sofort aus seiner damaligen Haft freizulassen, als einzige Länder gegen eine UNO-Resolution zu Gunsten Mandelas.

Diese Abstimmung fand am 20. November 1987 statt.
Die Rsolution trug den Titel „International solidarity with the liberation struggle in South Africa“ und insgesamt 154 Länder nahmen damals an der UN-Abstimmung teil.
129 Nationen stimmten für eine Freilassung Mandelas, 22 Staaten enthielten sich der Stimme und die USA, Großbritannien und Portugal stimmten, wie schon erwähnt, dagegen.
Der damalige portugiesische UNO-Botschafter José Duarte da Câmara Ramalho Ortigão handelte mit seinem negativen Votum vor der UN auf Anweisungen aus Lissabon.
Und nun darf drei Mal geraten werden, wer damals in Portugal die Regierungsgeschäfte führte und somit Premierminister des Landes war:
Es war Anibal Cavaco Silva, der aktuelle Staatspräsident, der heute so schöne Worte gefunden hat um Nelson Mandela zu würdigen!

Wie dem auch sei:
Nelson Mandela war, so viel ist bekannt, nicht nachtragend.

Und deshalb fällt mir zu dieser ganzen blamablen diplomatischen Geschichte von damals spontan eines der meistzitierten Sätze Mandelas ein, das da lautet:

„Das ist nun einmal so und es lässt sich auch nicht ändern!“


Recht hatte er…

Sonntag, 15. April 2012

Die Portugiesen, die mit der „Titanic“ untergingen


Am 10. April 1912 drängten sich tausende Menschen im englischen Hafen von Southampton, um zuzusehen wie die „Titanic“, das neueste Flaggschiff der berühmten britischen Reederei White Star Line, zu seiner Jungfernfahrt von England nach New York startete.
Die „Titanic“ fuhr unter dem Kommando von Kapitän Edward John Smith und galt damals als das größte, luxuriöseste, modernste und sicherste Schiff der Welt. Sie galt praktisch als unsinkbar!

Ihre Maße waren beeindruckend:
sie war stolze 269 Meter lang, 28 Meter breit und 53 Meter hoch. Mit ihren 30.000 PS konnte sie eine Höchstgeschwindigkeit von 21 Knoten erreichen.
Aufgeteilt waren die sieben Decks der „Titanic“ in eine 1., 2. und 3. Klasse.

Nach ihrem Reisebeginn in Southampton lief die „Titanic“ nach sechs Stunden Fahrt den französischen Hafen Cherbourg an, wo weitere Passagiere an Bord gingen. Danach wurde noch der irische Hafen Queenstown angesteuert, wo ebenfalls Passagiere zustiegen.
Dann setzte sich die „Titanic“, mit insgesamt 2228 Menschen an Bord, endgültig in Richtung New York in Bewegung.

Unter den Passagieren waren so illustre Persönlichkeiten, wie z.B. Isidor Straus, der Besitzer des berühmten New Yorker Kaufhauses Macy´s, der Multimillionär John Jacob Astor IV und der Kunstmagnat und Playboy Benjamin Guggenheim.

Am 14. April 1912 kollidierte der Luxusliner, um kurz vor Mitternacht, bei voller Fahrt im Nordatlantik mit einem Eisberg zusammen.
Noch nicht einmal drei Stunden später, in den Morgenstunden des 15. April, ging die „Titanic“ in einer eiskalten Neumondnacht unter.
Diese Jahrhundertkatastrophe hat seitdem unzählige Schriftsteller, Maler und Filmemacher inspiriert.

Unter den 1523 Menschen, die in dieser Nacht starben, befanden sich auch mindestens vier portugiesische Männer.
Drei von ihnen reisten in der 3. Klasse und einer von ihnen in der 2. Klasse.
Man weiß heute, dass Passagiere der 3. Klasse kaum eine Chance hatten die Katastrophe zu überleben.
Man hat später ausgerechnet, dass die Passagiere der 3. Klasse nur eine 20%ige Überlebenschance hatten. Die der 2. Klasse hatten eine Chance von etwa 50%, während Passagiere der 1. Klasse immerhin eine Überlebenschance von etwa 60% hatten.

Die vier Portugiesen, die in dieser Nacht mit der „Titanic“ untergingen, und deren Namen auf der Passagierliste stand, waren:

• José Netto Jardim – männlich, 21 Jahre alt aus Arco da Calheta auf Madeira. Er war verheiratet und hatte eine kleine Tochter im Babyalter. Er wollte in die USA auswandern und war Passagier der 3. Klasse

• Manuel Gonçalves – männlich, 38 Jahre alt, Landwirt aus Arco da Calheta auf Madeira. Er war verheiratet und hatte fünf Kinder. Er wollte in die USA auswandern und später Frau und Kinder nachholen. Er war Passagier der 3. Klasse

• Domingos Fernandes Coelho – 20 Jahre, ledig und aus Funchal auf Madeira. Er war Passagier der 3. Klasse

• José Joaquim Brito – männlich, 42 Jahre, verheiratet. Er war als Geschäftsmann auf dem Weg nach New York und war Passagier der 2. Klasse

Unter den anderen Todesopfern der „Titanic“ befanden sich noch drei weitere, deren Reiseunterlagen zwar nicht bestätigen dass sie portugiesische Staatsbürger waren, aber deren Namen sehr wohl portugiesischen Ursprungs waren.

Es sind dies:

• Catherine Barbara – weiblich, Passagierin der 3. Klasse

• Saúde Barbara – weiblich, Passagierin der 3. Klasse

• Joseph Elias – männlich, Passagier der 3. Klasse

Von den 2228 Menschen an Bord der „Titanic“ überlebten nur 705 die Katastrophe.
1523 Menschen, die meisten von ihnen Passagiere der 3. Klasse, fanden damals, in den frühen Morgenstunden des 15. April 1912, in den eiskalten Fluten des Atlantiks den Tod.

Sie starben, weil sie viel schlechtere Überlebenschancen hatten als ihre Mitpassagiere der 1. und 2. Klasse.
Selbst die amerikanischen und englischen Aufsichtsbehörden, die später das Unglück aufzuklären hatten, interessierten sich kaum für das Schicksal der Passagiere der 3. Klasse.

Diesen Portugiesen, die vor genau 100 Jahren mit der „Titanic“ untergingen und für die sich später, auch hier in Portugal, kaum einer interessierte, widme ich diesen Eintrag.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Marsch der Entrüsteten


Beim Aktionstag gegen die Auswüchse der Finanzmärkte sind am gestrigen Samstag hunderttausende Menschen in insgesamt 82 Ländern der Welt und sage und schreibe in über 950 Städten weltweit auf die Straße gegangen.

Auch hier in Portugal haben gestern mehrere tausend Menschen an einer so genanten „Marcha dos indignados“ (dt.: „Marsch der Entrüsteten“) gegen die Macht der Banken, die Gier der Großkonzerne und die aktuellen gewaltigen staatlichen Sparmaßnahmen protestiert.

Allein an der zentralen Demonstration in Lissabon, die von der Rotunde des Marques de Pombal bis zum Parlament führte, nahmen weit mehr als 150.000 Menschen teil.
Die Kundgebung, die als konfessionslos und unparteiisch angekündigt war, verlief weites gehend friedlich.
Auch in anderen Städten Portugals, wie Brage, Coimbra, Évora, Faro, Porto und Santarém auf dem Festland, Funchal auf Madeira und Angra do Heroismo auf den Azoren, gingen die Menschen demonstrierend auf die Straße.

Vorbild für die Proteste am gestrigen Tag waren die „Occupy Wall Street“ – Dauerkundgebungen die seit gut einem Monat in New York stattfinden.
Sowohl die politischen Oppositionsparteien als auch die Gewerkschaften haben die Demonstrationen gegen die Auswüchse des Kapitalismus begrüßt.

Der Protest tausender Menschen aller Altersgruppen und die Auflehnung gegen das Auseinandertriften von Arm und Reich sind ein Alarmsignal welches auch die Regierung von Pedro Passos Coelho nicht mehr ignorieren kann.

Für den kommenden 26. November ist ein neuer „Marsch der Entrüsteten“ geplant.
Ob bis dahin, wie befürchtet, ein Generalstreik das Land lahm legen wird, ist noch nicht sicher.
Sicher ist aber, das Portugal schweren Zeiten entgegensieht und das die Finanzwelt langsam aber sicher den eisigen Wind spürt, der ihnen entgegen weht!

Freitag, 11. Februar 2011

Aristides de Sousa Mendes im Holocaust Memorial and Tolerance Center


Am letzten Sonntag wurde im „Holocaust Memorial and Tolerance Center” auf Long Island, im Bundesstaat New York (port.: Nova Iorque), eine Ausstellung zu ehren von Aristides de Sousa Mendes, in Anwesenheit seines Enkels António de Sousa Mendes und zahlreicher Nachfolger der durch Sousa Mendes während des 2. Weltkrieges geretteten Juden, eröffnet.

Als Generalkonsul von Portugal in der Südfranzösischen Stadt Bordeaux (port.: Bordéus) hat Sousa Mendes, damals im Jahre 1940, über 30.000 Menschen das Leben gerettet, in dem er sich einer persönlichen Anweisung des Diktators António de Oliveira Salazar widersetzte, und den Flüchtlingen, die vor Nazideutschland flohen, anstandslos Visa ausstellte, obwohl ihm das verboten war.

Noch vor ihrer Öffnung hat die Ausstellung den Ruf die „beste und ausführlichste“ zu sein, die es jemals über den portugiesischen Diplomaten gegeben hat.
Nur wenige Tage nach der Eröffnung, und nach dem riesigen Besucheransturm auf die Ausstellung, scheint sich dieser Ruf zu bestätigen.

Bis zum 26. März wird die Ausstellung im „Holocaust Memorial and Tolerance Center“ zu besichtigen sein.
Und wer nicht mal kurz nach New York reisen kann, um sich die Ausstellung anzuschauen, der wird die Möglichkeit haben, diese später hier in Europa zu besuchen.
Noch in diesem Jahr wird es möglich sein, die Ausstellung hier in Lissabon zu besichtigen.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Die Arglosen im Ausland


Kurz vor meiner Fahrt an die Algarve, wo ich vorhabe den Jahreswechsel zu verbringen, bin ich mit dem lesen des Buches „Die Arglosen im Ausland“ von Mark Twain fertig geworden.

Ich habe diesen, mehr oder weniger amüsanten Reisebericht des amerikanischen Schriftstellers, vor Wochen in die Finger bekommen und es mit einigen Unterbrechungen gelesen.

Der vor gut hundert Jahren verstorbene amerikanische Schriftsteller, Autor von Werken wie „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ und „Oliver Twist“, ging im Jahre 1867 an Bord des alten Sezessionskriegschiffes „Quaker City“, in Richtung Jerusalem, auf Pilgerfahrt.

Mark Twains erste Station auf dieser Reise war die Azoreninsel Faial.
Damals brauchte man mit dem Schiff 10 Tage von New York bis nach Horta, der Hauptstadt Faials.
Als Twain mit seinen Mitreisenden endlich auf der Insel ankam, waren sie zuerst noch von den barfüßigen und lachenden Kindern angetan.
Doch ihre Freude hielt sich bald in Grenzen, spätestens als besagte Kinder anfingen sie massiv zu bedrängen und anzubetteln.
So wie Twain in seinem Reisebericht erzählt, flüchtete er mit einigen seiner Mitreisenden in das erst beste Wirtshaus der Stadt.

Erschöpft von der langen Reise auf dem Meer, gerade Mal vor lästig bettelnden Kindern geflüchtet und endlich froh festen Boden unter den Füßen zu haben, bestellten sie nicht nur ein gutes Essen, sondern auch Unmengen von Zigarren und guten Wein.
Als dann die Rechnung kam, erschrak die Reisegesellschaft arg.
21.000 Reis sollten die Amerikaner für ihr opulentes Mahl bezahlen.
Die Amerikaner legten zusammen, und brachten es gerade Mal auf 150 US-Dollar. Das war damals eine Menge Geld, und sie hatten auch nicht mehr dabei.

Als der Wirt ihnen den Wechselkurs verriet, war die Erleichterung, sowohl bei Mark Twain als auch bei seinen Begleitern, sehr groß, denn der Wechselkurs belief sich auf 1 zu 1000.
21.000 Reis waren also damals gerade mal 21 US-Dollar!

Den Namen des Restaurants verrät Twain in seinen Aufzeichnungen leider nicht, aber er erwähnt in seinem Reisebericht „Die Arglosen im Ausland“, das die Bewohner der Insel nicht nur zu den Walen, die sie bejagen, ein „sehr enges Verhältnis“ hatten, sondern auch zu ihren „donkeys“, ihren Eseln also.

Fasziniert berichtet Twain „das die Eseln und die Männer, Frauen und Kinder einer Familie alle zusammen im selben Raum schlafen und das alle wahrhaft glücklich sind“.
Man muss wirklich Amerikaner sein, um solch einen Stuss zu schreiben.

Das Buch hat mehrere solcher klugen Stellen, aber ich finde vor allem diese Stelle sehr aufschlussreich, denn so erfahre ich welch inniges Verhältnis einst die Einwohner dieses Eilandes mitten im Atlantik früher zu ihren grauen Gefährten hatten.

Und ich finde wir Portugiesen schneiden bei diesem Reisebericht gar nicht Mal so schlecht ab.
Viel schonungsloser und sarkastischer geht Mark Twain da schon eher mit den Einwohnern von Tanger, Gibraltar, Marseille, Rom oder Athen um.
Wahrscheinlich hatten diese alle damals keine Esel und waren deshalb „wahrhaft nicht glücklich“ …

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Endlich mal positive Nachrichten aus der Politik


In meinem post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ vom 28. September 2010, berichte ich wie sich Portugal um einen nicht-ständigen Sitz (port.: lugar de membro não-permanente) im Sicherheitsrat der UN-Vollversammlung bemüht hat.

Diese Bemühungen haben gestern gefruchtet.
Bei einer geheimen Abstimmung der Mitglieder der UN-Vollversammlung (port.: Assembleia das Nações Unidas) in New York erreichte Portugal die notwendige Mehrheit um für die kommenden zwei Jahre einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat (port.: Conselho de Segurança) der Vereinten Nationen zu bekommen.
Leider waren für diesen Erfolg drei Wahlgänge nötig.

Mitbewerber Deutschland dagegen erreichte schon im ersten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit um einen Sitz zu bekommen.
Kanada, das sich neben Portugal und Deutschland, als drittes westliche Land um einen Sitz beworben hatte, ging leider lehr aus.

Einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhielten außerdem die Länder Indien, Südafrika und Kolumbien.

Staatspräsident Cavaco Silva hat die Wahl Portugals in den UN-Sicherheitsrat als eine Ehre für Portugal bezeichnet.
Außenminister Luis Amado nannte die Wahl Portugals ein „Zeichen des Vertrauens in die portugiesische Nation und sein internationales Engagement.“

Portugal hat nach der erfolgreichen Wahl angekündigt die Arbeit im Sicherheitsrat eng mit seinem Mitbewerber Deutschland und mit den anderen europäischen Nationen abzustimmen.

Es wäre schön, wenn Portugal mal auch innenpolitisch die eine oder andere positive Nachricht zu verkünden hätte…

Dienstag, 28. September 2010

I´m a proud socialist


Wie im vorherigen post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ von mir beschrieben, verweilt unser Premierminister José Socrátes im Augenblick in den USA, wo er an der UN-Vollversammlung in New York teilnimmt.

Am Wochenende traf er mit Präsident Obama zusammen. Einerseits um der Weltöffentlichkeit zu zeigen das Portugal und die USA, was die Sicherheits- und Außenpolitik beider Länder angeht, an einem Strang ziehen, und andererseits um den bevorstehenden NATO-Gipfel im November, hier in Lissabon, zu besprechen.

Nach seinem Gespräch mit Obama hatte Socrátes ein Treffen mit Politikstudenten und Professoren der altehrwürdigen Columbia-Universität.
Ihnen versuchte er seine politischen Positionen und die seiner Regierung in einer Diskussionsrunde näher zu bringen.
Aber er kam nicht weit mit seinen Ausführungen.
Denn ganz zu beginn seiner Rede sagte er den verhängnisvollen Satz: „I´m a proud socialist“.

Man konnte später, im Fernsehen, das Entsetzen in den Gesichtern der einzelnen Studenten und Professoren sehen.
Ein portugiesischer Premierminister, der sich als „socialist“ outet!
Warum dieses Entsetzen?
Ganz einfach, in den USA ist „socialist“ das synonym für „Kommunist“, und solch einen Politiker will man als Amerikaner keinesfalls als politischen Partner für seinen Präsidenten haben.

Erst nachdem ein paar Studenten ihren Unmut durch Pfiffe bekundeten, und nachdem einer der Professoren José Socrátes etwas ins Ohr flüsterte, korrigierte der Premierminister augenblicklich seinen politischen Standpunkt, jedenfalls was den englischen Begriff anging.
Er stellte sofort fest, das in Europa ein Sozialist das ist, was in den USA ein „democrat“ ist.
Das beruhigte die Studenten augenblicklich, denn schließlich ist ja Präsident Obama selbst ein „democrat“.

Nach diesem kleinen „Zwischenfall“ weiß ich aber persönlich nicht, was mich mehr schockiert:

Ein Premierminister der nach so vielen Jahren im Amt immer noch nicht weiß, das er ins Fettnapfchen tritt, wenn er in den USA den Begriff „socialist“ benutzt, oder eine Gruppe ausgewählter Politikstudenten der renommierten Columbia-Universität, die nicht weiß das in die Kommunisten in Portugal (noch) nicht regieren?

Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat


In New York (port.: Nova Iorque) tagt diesen Monat, wie jedes Jahr im September, die UN-Vollversammlung (port.: Assembleia das Nações Unidas).
Politiker aller Herren Länder geben sich hier mal wieder die Klinke in die Hand, und halten wichtige und weniger wichtige Reden.
Andere, wie der iranische Staatspräsident Ahmadineschad, halten sogar beleidigende, kranke Reden.

Portugals Premierminister José Sócrates hat sich, mit einer politisch sehr positiven Rede, vor den Vereinigten Nationen (port.: Nações Unidas) für einen portugiesischen Sitz im UN-Sicherheitsrat (port.: Conselho de Segurança), dem wichtigsten UN-Gremium, für die nächsten beiden Jahren beworben.

„Portugal ist bereit, globale Verantwortung zu übernehmen, und wir bewerben uns um einen Sitz in diesem Gremium, weil wir nur hier gemeinsam mit den anderen Völkern der Erde in ganz besonderer Weise für den Frieden und die Entwicklung auf der Welt arbeiten können“, sagte Sócrates vor der UN-Vollversammlung in New York.
Ausdrücklich bemühte er sich dabei um die vielen südamerikanischen und afrikanischen Nationen.

Die Entscheidung über einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat fällt bei einer geheimen Wahl am kommenden 12. Oktober.
Direkte Gegenkandidaten Portugals sind Kanada und Deutschland.
Ob Portugal bei dieser außenpolitisch so wichtigen Wahl eine Chance haben wird, ist völlig offen.
Immerhin handelt es sich bei Kanada und Deutschland um zwei ernst zu nehmende politische Konkurrenten.

Spätestens am 12. Oktober werden wir sehen, wer sich neben den USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien an den Runden Tisch setzen darf.

Ich tippe mal auf Deutschland!...

Dienstag, 22. September 2009

Bridget Peixotto, eine Kämpferin für die Frauenrechte



Zwischen 1913 und 1915 fand in den USA eine juristische “Schlacht” statt, die Nachhaltig, bis heute, radikal die Stellung der Frauen in der Arbeitswelt verändert hat.
Und nicht nur in den USA, sondern in der ganzen zivilisierten Welt!

Am 22. April 1913 wurde einer New Yorker Lehrerin, von der Schulleitung ihrer Schule, fristlos gekündigt, nur weil sie es gewagt hatte schwanger zu werden.
Die Lehrerin weigerte sich, die Kündigung anzunehmen, und ging vor Gericht. Für die damalige Zeit, eine Ungeheuerlichkeit!

Zwei Jahre lang, kämpfte sich die Lehrerin durch alle Instanzen vor den höchsten Gerichten Amerikas durch, bis sie endlich 1915 einen Sieg gegen die Schulbehörde errang.
Dieser Sieg gab zukünftig allen Frauen das Recht, nicht nur während ihres Arbeitsverhältnisses schwanger zu werden, sondern er gab ihnen auch ein Anrecht darauf einen so genannten Schwangerschaftsurlaub (port.: Licença de parto) in Anspruch zu nehmen!

Diese Lehrerin, die eine Vorreiterin der amerikanischen Frauenrechte war, hieß Bridget Peixotto und war die Tochter portugiesischer Einwanderer.

Bridget, oder Brigida, wie in ihrer Geburtsurkunde steht, heiratete am 12. Februar 1912 den 20 Jahre älteren Versicherungskaufmann Francis Raphael Maduro Peixotto, auch er ein Sohn portugiesischer Einwanderer.
Als Bridget ihren Francis heiratete, war sie bereits 18 Jahre Lehrerin an einer öffentlichen Schule der New Yorker Bronx.
Sie galt als äußerst intelligent, fähig und war sowohl bei den Schülern als auch bei ihren Kollegen äußerst beliebt.

Als sie schwanger wurde, wurde sie, wie schon erwähnt, augenblicklich von der Schulbehörde entlassen.
Der Grund ihrer Entlassung war einfach der, dass die damalige Gesellschaft es nicht gerne sah, wenn eine verheiratete Frau, zumal eine Mutter, auch berufstätig war.

Nach der Geburt ihrer Tochter Helen Esther Peixotto, ging sie vor Gericht, und forderte die Schulbehörde, und damit ein ganzes System, heraus.

In einem Zeitungsinterview in der New York Times, vom 29. Mai 1913, welches ich hier übersetze, sagt sie:

„Ich werde bis zum Äußersten für mein Recht kämpfen.
Einer Frau zu verbieten, Mutter zu werden, und somit eine fundamentale Grundvoraussetzung einer jeden guten Ehe zu erfüllen, ist nicht nur illegal sondern auch menschenunwürdig.
Es ist unmoralisch und kein Gericht der Welt kann diese Unmoral unterstützen.
Wie kann es sein, das es mir als Frau gestattet ist Kinder zu unterrichten, mir aber verboten wird, selber welche auf die Welt zu bringen?“

Am 27. Januar 1915 spricht das Oberste Gericht der USA ein historisches Urteil:
Er gibt Bridget Peixotto in allen Punkten Recht, und ordnet die Schulbehörde an, sie wieder einzustellen.
Das Gericht ordnet weiterhin den amerikanischen Kongress an, die Verfassung dahingehend zu ändern, das es allen berufstätigen Frauen erlaubt ist, schwanger zu werden, und nach dem Genuss eines Schwangerschaftsurlaubs auch weiterhin berufstätig zu bleiben!

Sieben Jahre nach dem Erfolg Bridget Peixottos in den USA, wurde auch hier in Portugal, als zweitem Land der Welt, der Mutterschutz (port.: Protecção de maternidade) eingeführt.

Bridget Peixotto starb am 10. April 1972, 92jährig, in New York.
Dieser mutigen Frau haben es heute alle Frauen in der zivilisierten Welt zu verdanken, das es eine Normalität ist, das sie in ihrem Berufsleben schwanger werden können, sie einen Schwangerschaftsurlaub genießen dürfen und sie nach ihrer Schwangerschaft ohne Probleme wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können.

Dienstag, 15. September 2009

Portugals Big Apple






















Bislang war die Stadt Alcobaça vor allem für ihre historische Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert bekannt. Doch nun wollen sich die 50.000 Einwohner der Stadt mit einem weiteren Kulturgut profilieren: Den Äpfeln von Alcobaça. Beide Berühmtheiten stehen ohnehin in einer engen Beziehung: Es waren Zisterzienser-Mönche, die vor rund 800 Jahren den Apfelanbau in dieser Region kultiviert haben.

Seit Jahrzehnten ist New York weltweit als „The Big Apple“ bekannt - obwohl heute noch darüber gerätselt wird, wie die US-Megacity eigentlich zu ihrem Beinamen gekommen ist. Wie viel passender wäre da die Bezeichnung “Big Apple” für Alcobaça, die bedeutende Klosterstadt, etwa 70 Kilometer nördlich von Lissabon entfernt gelegen? Die hier angebauten Äpfel sind in ganz Portugal für ihre positiven Geschmacks- und Gesundheitsqualitäten bekannt. So ist es in diesem Fall, leicht zu erklären warum Alcobaça den Beinamen „Cidade da maçã“, (deutsch: Stadt des Apfels) trägt.

Der Apfelanbau spielt für die Entwicklung der Region eine wichtige Rolle: Allein rund um die Stadt Alcobaça betreiben rund 300 Landwirte Apfelplantagen. Mit etwa 10.000 Angestellten erwirtschaftet die Branche einen Jahresumsatz von Rund 100 Millionen Euro.

Die Anfänge des Apfelanbaus in der Gegend waren hingegen ungleich bescheidener. Die Geschichte begann im Jahr 1154, als der portugiesische König Afonso Henriques einigen Zisterzienser-Mönchen von Clairvaux, in Frankreich, das Recht einräumte, im frisch von den Mauren zurückeroberten Alcobaça ein Kloster zu gründen. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem dann im frühen 13. Jahrhundert, entwickelte sich Alcobaça zu einer der größten Klosteranlagen Portugals. Die beeindruckenden Gebäude stehen heute unter dem Schutz der UNESCO, und stehen auf der Weltkulturerbeliste.

Die Mönche von damals waren es auch, die mit dem Apfelanbau in Alcobaça begannen - sie schienen rasch gemerkt zu haben, dass die hier herrschenden klimatischen Bedingungen beste Voraussetzungen für die Aufzucht von Obstbäumen boten. Hier, nur wenige Kilometer vom Atlantik entfernt, herrschte ein dauerhaft mildes und feuchtes Klima, das für eine dauerhaft reiche Apfelernte sorgte.

Mit Hingabe und Mühe widmeten sich die Zisterzienserbrüder der Aufgabe, ihre Züchtungen immer weiter zu verbessern. Und das mit großem Erfolg: Bald schon avancierten die Äpfel von Alcobaça zur beliebten Süßspeise am Hofe der portugiesischen Könige. Die heute angebauten Sorten unterscheiden sich freilich von den Ursprungssorten. Dennoch gilt gestern wie heute: Äpfel aus Alcobaça zeichnen sich durch strahlende Farben und einen intensiven, fruchtigen Geschmack aus.

Doch das allein zählt heute nicht mehr auf dem Markt. Seit dem Eintritt Portugals in die Europäische Gemeinschaft kämpfen Portugals Obstanbauer mit billiger Importware, vor allem aus Spanien und Marokko. Aber es scheint ein Kampf zu sein, den die portugiesischen Obstbauern gewinnen, denn die Umsätze steigen von Jahr zu Jahr.

Die „Maçã de Alcobaça“ ist ein Produkt, das heute nach den Regeln der EU, in einem begrenzten und geschützten Ursprungsgebiet angebaut wird.

Äpfel aus Alcobaça sind nicht nur lecker, sondern sie sind heute auch ein fester Bestandteil der Kulturlandschaft. Im Frühjahr tauchen die Blüten der Apfelbäume das Tal der Flüsse Alcoa und Baçã in ein weißes Farbenmeer, im Herbst strahlen dann die knallroten Früchte an den Bäumen um die Wette. Wer dieses prächtige Farbschauspiel sieht, der kann erahnen, wie stolz schon die Mönche von Alcobaça auf die Früchte ihrer Arbeit gewesen sein müssen.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Original und Fälschung




Der Kölner Theologe und Bildgraveur Georg Braun, der von 1541 bis 1622 lebte, ist berühmt für die Stiche, Drucke, Gravuren, Atlanten und Karten die er im Laufe seines Lebens von Städten und Landschaften machte.

Sein berühmtestes Werk ist ein großer Atlas mit dem Titel „Civitates Orbis Terrarum“, der unter anderem, eine Gravur mit einem Panoramablick von Lissabon, aus dem 16. Jahrhundert zeigt.
Die portugiesische Hauptstadt galt damals, im Zeitalter der Entdeckungen, als eine der wichtigsten Handelsplätze und eine der berühmtesten Metropolen der Welt.

Lissabon war so wichtig und so berühmt, das die Stadt oft anderen Städten als Model galt.
Das allerdings, genau 50 Jahre nach dem Tod von Georg Braun, der Franzose François Jollain, der von 1641 bis 1704 lebte, die Lissabonner Gravur von Braun als Kopie für eine andere Stadt nehmen sollte, ist äußerst dreist. Jollain kopierte das Werk von Braun und stellte die Stadt als Neu-Amsterdam dar.
Neu-Amsterdam war der erste Name der Stadt New York, und 1672 sollte diese Gravur den Menschen der damaligen Zeit ein Bild von dieser noch jungen Stadt, in der neuen Welt, machen.

Schaut man sich beide Gravuren an, dann sind die Ähnlichkeiten unbestritten. Abgesehen davon, das eines bunt ist und das andere schwarz-weiß, das die Gebäude verschiedene Namen bekamen und das aus dem Tejo ein Nordmeer wurde, sind kaum Unterschiede zwischen dem Werk von Georg Braun und François Jollain zu finden.
Jollain hat immer kategorisch bestritten, von Braun und anderen Künstlern abgekupfert zu haben.
Heute, im Zeitalter der digitalen Technik, weiß man aber, das er schamlos abkopiert und gelogen hat