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Freitag, 6. Dezember 2013

In memoriam: Nelson Mandela


Am gestrigen Donnerstagabend starb, nach langer Krankheit, im südafrikanischen Johannisburg Nelson Mandela, einer der mutigsten und bewundernswertesten Menschen unserer Zeit.
Mandela, der am 18. Juli 1918 geboren wurde, wurde stolze 95 Jahre alt.

Dieser Mann, den man immer lächeln sah, war zweifelsohne die Stimme und das Gewissen, nicht nur Afrikas, sondern der ganzen Welt.
Er war ein Freiheitskämpfer, Versöhner, beispielhafter Friedensstifter, Demokrat und Vorbild für viele Menschen weltweit – auch für mich!

Viele Menschen – einfache Bürger, Politiker, Wissenschaftler, Kirchenmänner, Künstler – haben heute in Nachrufen ihre Trauer und ihre Bewunderung für diesen beneidenswerten und humanen Mann zum Ausdruck gebracht.

US-Präsident Barack Obama sagte z.B. über den Friedensnobelpreisträger Mandela:
„I am one of the countless millions who drew inspiration from Nelson Mandela´s life.“
(dt.: „Ich bin einer von unzähligen Millionen, die Inspiration aus Nelson Mandelas Leben gezogen haben.“)

Der britische Premierminister David Cameron twitterte über Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten:
„A great light has gone out in the world. Nelson Mandela was a hero of our time. I´ve asked for the flag at N°10 to be flown at half mast.“
(dt.: Ein großes Licht ist von dieser Welt gegangen. Nelson Mandela war ein Held unserer Zeit. Ich habe veranlasst, die Flagge vor Nr.10 (Downing Street) auf Halbmast zu setzen.“)

Portugals Staatspräsident Anibal Cavaco Silva schrieb heute auf der Internetseite des Präsidialamtes in Lissabon:
„Nelson Mandela deixa um extraordinário legado de universalidade que perdurará por gerações. O seu exemplo de coragem politica, a sua estatura moral e a confiança que despositiva na capacidade de reconciliação constituem verdadeiras lições de humanidade.“
(dt.: Nelson Mandela hinterlässt ein außergewöhnliches Erbe an Universalität, das für kommende Generationen Bestand haben wird. Sein beispielloser politischer Mut, sein moralisches Gewicht und sein grenzenloses Vertrauen in die Fähigkeit zur Versöhnung sind wahre Lehren für die Menschheit.“).

Was Obama, Cameron und Cavaco Silva aber in ihren jeweiligen Nachrufen nicht erwähnen, ist das ihre drei Nationen noch 1987, zu Zeiten der Apartheid, ganz anders mit Nelson Mandela verfahren sind.
Damals stimmten die USA, Großbritannien und Portugal, bei einer Abstimmung vor den Vereinten Nationen in New York, die seinerzeit das weiße Südafrika aufforderte Nelson Mandela sofort aus seiner damaligen Haft freizulassen, als einzige Länder gegen eine UNO-Resolution zu Gunsten Mandelas.

Diese Abstimmung fand am 20. November 1987 statt.
Die Rsolution trug den Titel „International solidarity with the liberation struggle in South Africa und insgesamt 154 Länder nahmen damals an der UN-Abstimmung teil.
129 Nationen stimmten für eine Freilassung Mandelas, 22 Staaten enthielten sich der Stimme und die USA, Großbritannien und Portugal stimmten, wie schon erwähnt, dagegen.
Der damalige portugiesische UNO-Botschafter José Duarte da Câmara Ramalho Ortigão handelte mit seinem negativen Votum vor der UN auf Anweisungen aus Lissabon.
Und nun darf drei Mal geraten werden, wer damals in Portugal die Regierungsgeschäfte führte und somit Premierminister des Landes war:
Es war Anibal Cavaco Silva, der aktuelle Staatspräsident, der heute so schöne Worte gefunden hat um Nelson Mandela zu würdigen!

Wie dem auch sei:
Nelson Mandela war, so viel ist bekannt, nicht nachtragend.

Und deshalb fällt mir zu dieser ganzen blamablen diplomatischen Geschichte von damals spontan eines der meistzitierten Sätze Mandelas ein, das da lautet:

„Das ist nun einmal so und es lässt sich auch nicht ändern!“


Recht hatte er…

Mittwoch, 23. Mai 2012

Fernando Pessoa



In meinem hier erschienenen Blogeintrag „Ach, wenn ich doch nur könnte…“, vom 19. Mai 2012, erwähne ich die Versteigerung des Mahagonischreibtisches und der Royal-Schreibmaschine des Schriftstellers Fernando Pessoa, die sich am gestrigen Dienstag im Auktionshaus World Legend, hier in Lissabon, ereignet hat.
Heute bin ich von meinem Arbeitskollegen Filipe Zavarsky gefragt worden, wer denn Fernando Pessoa sei.

Nun, der bedeutende Lyriker und Sprachvirtuose Fernando Pessoa, der mit vollem Namen Fernando Antonio Nogueira Pessoa hieß, wurde am Nachmittag des 13. Juni 1888, einem Antoniustag in Lissabon, im vierten Stock des Hauses mit der Hausnummer 4 im Largo de São Carlos, genau gegenüber des Opernhauses Teatro de São Carlos, geboren.
Sein Vater, Joaquim de Seabra Pessoa, war Beamter im Justizministerium und nebenbei Musikkritiker bei der Tageszeitung "Diário de Noticias". Seine Mutter war die aus der Azoreninsel Terceira stammende Maria Magdalena Pinheiro Nogueira Pessoa.

Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er sehr glücklich im Kreise seiner Eltern, seiner Großmutter väterlicherseits Dionísia und den zwei älteren Hausangestellten Joana und Emilia.
Doch diese glückliche Kindheit wurde jäh unterbrochen, als er nämlich im Alter von nur fünf Jahren seinen Vater verlor, der am 24. Juli 1893 an der Schwindsucht starb.
Nach dem Tod des Vaters geriet die kleine Familie in sehr schwierige finanzielle Schwierigkeiten. So musste seine Mutter fast alle Möbeln veräußern und eine bescheidenere Bleibe in der Rua de São Marçal n° 104 suchen.
Ein paar Monate später, im Januar 1894, verstarb auch sein kleinerer Bruder Jorge, der noch nicht einmal sein erstes Lebensjahr erreicht hatte.

Kurz nach dem Tode seines Bruders lernte seine Mutter den Hauptmann João Miguel Rosa, einen Beamten des Außenministeriums, kennen und lieben.
Ende 1894 wurde João Miguel Rosa nach Durban in Südafrika beordert, um dort den Posten des portugiesischen Konsuls zu besetzen.
1895 wurde die Ehe zwischen Pessoas Mutter Maria Magdalena und João Miguel Rosa per procura in der Kirche São Mamede zu Lissabon geschlossen.

Nach der Hochzeit folgten Maria Magdalena Pessoa und ihr Sohn Fernando dem neuen Familienoberhaupt nach Südafrika.
Sie verließen Lissabon im Januar 1896 auf dem Passagierschiff „Funchal“ in Richtung der Insel Madeira.
Auf Madeira stiegen sie dann auf das englische Handelsschiff „Hawarden Castle“ um, der sie direkt an das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) brachte.

Im südafrikanischen Durban drückte Fernando Pessoa zum ersten Mal die Schulbank, nämlich in der West Street School, einer Grundschule die von irischen Nonnen geleitet wurde. Hier an dieser Schule kam er dann auch zum ersten Mal mit der englischen Sprache und Kultur in Berührung.
Im Jahre 1899 wechselte er in die Durban High School, wo er, so lange er auf dieser Schule war, jedes Jahr als einer der besten Schüler abschnitt.
Sein Englisch wurde so hervorragend, dass er im Alter von elf Jahren seine ersten Gedichte in dieser Sprache schrieb.
In dieser Zeit erschuf er eines seiner erstes Heteronymen (port.: heterónimos), nämlich Alexander Search, und fing an, durch diese erfundene Persönlichkeit, Briefe an sich selber zu schreiben.

1901 starb seine kleine Schwester Madalena Henriqueta im Alter von nur zwei Jahren.
Wenige Wochen nach dem Tod seiner Schwester reiste die Familie auf dem Handelsschiff „König“ nach Lissabon, um hier einen einjährigen Heimaturlaub zu verbringen.
An Bord der „König“ war auch der Leichnam seiner kleinen Schwester, welches in Portugal beigesetzt werden sollte.
In Lissabon wurde dann im Januar 1902 sein Stiefbruder João Maria geboren.

In dieser Zeit isolierte sich Fernando Pessoa immer mehr von seiner Mutter, die gewollt oder ungewollt, ihrem zweiten Ehemann und ihrem jüngsten Sohn immer mehr Aufmerksam schenkte, so empfand es jedenfalls der junge Fernando.
Dennoch verbrachte Fernando Pessoa, so schrieb er einmal später, damals wunderschöne Monate in Portugal. Er besuchte, unter anderem, die Familie seiner Mutter im Mai 1902 auf der Azoreninsel Terceira und auch den Verwandten seines Stiefvaters in Tavira, an der Algarve, stattete die Familie damals einen Besuch ab.

Während seine Mutter, sein Stiefvater und seine kleinen Geschwister im Juni 1902 zurück nach Durban reisten, blieb Fernando Pessoa zuerst in Lissabon bei seiner Großmutter zurück.
Erst drei Monate später, im September 1902, reiste er seiner Familie auf dem Dampfer „Herzog“ nach Südafrika nach.
Als er in Durban ankam, schrieb er sich an der Durban Commercial School, einer Handelsschule, ein und bereitete sich auf dieser für die Universität vor.
Er widmete sich immer mehr der englischen Literatur und las gerne, unter anderem, Werke von William Shakespeare, Edgar Ellen Poe und Lord Byron.

1903 bewarb er sich um einen Studienplatz für Literatur an der University of the Cape of Good Hope (port.: Universidade do Cabo da Boa Esperança), bestand aber nur knapp die Aufnahmeprüfung.
Nichtsdestotrotz schrieb er damals, am Tag der Prüfung, von 899 Kadidaten den besten Aufsatz in englischer Literatur, und erhielt dafür, mit gerade mal 15 Jahren, den Queen Victoria Memorial Prize (port.: Prémio Rainha Vitória) und somit die Aufnahme an die Universität.
Er widmete sich fortan immer mehr der englischen Poesie und den englischen Klassikern, obwohl er später in seinem Leben einmal sagen wird, das „alleine die portugiesische Sprache immer seine Heimat war“.
In seiner Zeit an der Universität von Durban erschuf er die zwei Heteronymen Charles Robert Anon und H. M. F. Lecher.

Im Jahre 1905 beschloss er sein Studium in Südafrika nicht mehr fortzusetzen und verließ die Universität, trotz der Bestnoten die er hatte.
Auch seine Professoren können ihn nicht davon überzeugen weiterhin in Südafrika zu bleiben.
Die Sehnsucht nach Portugal war wohl übergroß.
Noch im selben Jahr kehrte er in sein geliebtes Lissabon zurück – ohne Familie.
Hier lebte er mit seiner Großmutter Dionísia und zwei Tanten in der Rua da Bela Vista n° 17.
1906 schrieb er sich an der Philosophischen Fakultät (port.: Faculdade de Letras) der Universität von Lissabon ein, brach sein Studium dort aber nach noch nicht einmal einem Jahr aus Langeweile ab.

Ein Jahr später, im August 1907, starb seine geliebte Großmutter Dionísia und hinterließ ihm eine kleine Erbschaft.
Mit dem Geld das ihm seine Großmutter hinterließ, gründete er eine kleine Druckerei in der Rua da Conceição da Glória, die er auf den Namen „Empreza Ibis – Typographica e Editora – Officinas a Vapor“ (dt.: „Unternehmen Ibis – Buchdruckerei und Verlag – Dampfdruckwerkstatt“) taufte, mit der er aber alsbald bankrott ging.

Fernando Pessoa erholte sich nur schwer von dieser Niederlage und aus ihm wurde fortan ein unscheinbarer Büroangestellter und Fremdsprachenkorrespondent, der sich gerne hinter dicken Brillengläsern versteckte – jedenfalls vormittags.
Denn nachmittags saß er stundenlang in den Lissabonner Cafés und diskutierte, schrieb und trank und füllte eine große Truhe mit unzähligen Manuskripten.

Im Jahre 1912 veröffentlichte er in der Zeitschrift „A Águia“ seinen ersten Artikel über „Neue portugiesische Dichtung“ (port.: „A nova poesia portuguesa“) und Dank dieses Artikels bildete sich ein avantgardistischer Kreis, dem fortan Pessoa selbst, sein enger Freund Mario de Sá Carneiro, der vielseitige Künstler Almada Negreiros sowie die Maler Santa-Rita Pintor und Amadeo de Sousa Cardoso angehörten.
Dieser Kreis von Literaten, das sich fortan regelmäßig im Café „A Brasileira“ im Chiado traf oder aber auch im Café „Martinho da Arcada“ auf der Praça do Comercio zusammenkam, machte es sich zum Ziel, das in ihren Augen nach der Abschaffung der Monarchie im Jahre 1910 träge und selbstzufrieden gewordene Land, wachzurütteln. Außerdem wollten sie damals, wie sie es ausdrückten, „der Ignoranz, dem Fanatismus und der Tyrannei“ entgegentreten.

Mit dem Geld des wohlhabenden Vaters von Mario de Sá Carneiro erschien 1915 die um eine radikale Erneuerung bemühte literarische Zeitschrift „Orpheu“, die gleich am Erscheinungstag zum Skandal wurde.
Vom ersten Tag an, war „Orpheu“ das Tagesgespräch von ganz Lissabon und auf offener Straße wurde mit dem Finger auf Pessoa und seine Herausgeberfreunde gezeigt.
Der plumpe Hohn, den sich die Konkurrenz in den Tagen nach der Erscheinung der Zeitschrift erlaubte, war die beste Reklame für das aufmüpfige Unternehmen.
Die Werbung war so gut, dass nach drei Wochen die Auflage des „Orpheu“ vergriffen war.
Nur Sá Carneiros Vater war von der ganzen Sache nicht so begeistert und stellte gleich nach der zweiten Nummer der Zeitschrift die Finanzierung ein.
Nach dem Ende des „Orpheu“ zerfiel die Literaten-Gruppe um Fernando Pessoa allmählich. Als sein Freund Mario de Sá Carneiro 1916 in Paris Selbstmord beging, glitt Pessoa immer mehr in die Einsamkeit ab.

1917 versuchte sein Schriftstellerfreund Almada Negreiros an dem Erfolg des „Orpheu“ anzuknüpfen und gab die erste und einzige Nummer der Zeitschrift „Portugal Futurista“ heraus, in dem Fernando Pessoa, unter dem Heteronymen Àlvaro de Campos, einen sehr provozierenden Text mit dem Titel „Ultimato“ veröffentlichte.
Das Pessoa unter anderen Namen schrieb, war für ihn Selbstverständlich und mit der Zeit wurden Heteronymen ein Markenzeichen Fernando Pessoas.

Heteronymen gehen über ein gewöhnliches Pseudonym weit hinaus.
Heteronymen werden immer mit einer eigenen Statur und Physiognomie, mit einem Horoskop und einem Lebenslauf, mit einer eigenen Persönlichkeit und einem eigenen Stil versehen.
Fernando Pessoa war beim erfinden solcher Persönlichkeiten ein wahrer Weltmeister!
Auf der Suche nach dem Ich, das er nie finden konnte, spaltete sich Pessoa in unterschiedliche „alter ego“ auf, die einander und Pessoa selbst widersprachen, sich gegenseitig kritisierten und alle unter ihrem erfundenen Namen literarisch tätig waren.

Zu Fernando Pessoas Phantasiegestalten gehörten Alberto Caeiro, der blonde und blauäugige Lissabonner ohne Schulbildung und Beruf, Ricardo Reis, der Arzt aus Porto mit einer humanistischen Bildung, der monokeltragende Àlvaro de Campos, der in Glasgow zum Schiffsingenieur ausgebildet wurde und provozierende Artikel schrieb und Chevalier de Pas, der Briefe an Pessoa verfasste.
All diese Personen waren zwar alle literarisch existent, aber sie waren nichts weiter als die reine Phantasiebildung eines Mannes.
So erfand Pessoa seine eigene, große Dichterfamilie, eine Familie die zum Schluss aus sage und schreibe mindestens 76 Heteronymen bestand!

Aber Fernando Pessoa war in Wahrheit ein einsamer Mann!
Er lebte sehr zurückgezogen, fast ohne menschliche Bindungen.
Schreiben war für Pessoa eine Mission, die mönchische Zucht verlangte und ihn völlig beanspruchte.
So ist auch nur eine Liebesbeziehung Fernando Pessoas bekannt.
Im Jahre 1920 verliebte er sich in Ophélia Queirós, einem fröhlichen, 19 jährigen Mädchen. Bei ihr suchte er so etwas wie einen Ausweg aus seiner inneren Isolation.
Sie trafen sich fast täglich, doch nach nur neun Monaten brach Pessoa seine Beziehung zu Ophélia ab.
Sein Schicksal, so schrieb er in einem Brief an das Mädchen, stehe unter einem anderen Gesetz.
Später, im Jahre 1929, lebte die alte Liebe zwischen Pessoa und Ophélia noch einmal auf, aber nach nur vier Monaten trennte sich das Paar erneut.

Am 17. März 1925 starb seine geliebte Mutter.
Er wurde nun zunehmend depressiv, trank immer mehr und öfters und stürzte irgendwann in eine große Identitäts- und Wahrheitssuche.
Er wendete sich immer mehr dem Okkultismus und der Esoterik zu, fing an englischsprachige theosophische Schriften zu übersetzen und interessierte sich immer mehr für den Sebastianismus.

Er erholte sich nach einiger Zeit wieder und fing erneut an zu schreiben.
Nach Jahren ununterbrochenen Umherziehens ließ er sich endgültig in einem Haus in der Rua Coelho da Rocha n° 16, im Stadtteil Campo de Ourique, nieder und lebte dort bis zu seinem Tod.
Dort schrieb er eines seiner größten Werke, das 1934 veröffentlichte lyrische Epos „Mensagem“.

Anfang November 1935 erkrankte Fernando Pessoa schwer.
Er war erst 47 Jahre alt, aber seine jahrelangen Alkoholexzesse und das starke rauchen machten sich nun negativ bemerkbar.
Am 29. November 1935 wurde er in das Krankenhaus Hospital de São Luís dos Franceses eingewiesen und die Ärzte diagnostizieren ihm eine schwere Leberzirrhose.
Ans Bett gefesselt, brachte er in englischer Sprache seine letzten Worte zu Papier:

„I know not what tomorrow will bring!“
(port.: „Não sei o que o amanhã trará!“ / dt.: „Ich weiß nicht, was der morgige Tag bringen wird!“)

In der Nacht fiel er ins Koma und am Tag darauf, dem 30. November, versagten seine Nieren und er erlag seinem schweren leiden.

In der Gestalt seines Heteronymen Alberto Caeiro sagte Fernando Pessoa einmal über sich selbst:
„Wenn ihr nach meinem Tod meine Biographie schreiben wollt, so ist nichts leichter als dies. Sie hat nur zwei Daten – Geburts- und Todestag. Alle Tage dazwischen gehören mir!“

Im Jahre 1988, anlässlich seines einhundertsten Geburtstags, wurden seine Gebeine vom Friedhof Prazeres (port.: Cemitério dos Prazeres) in das berühmte Lissabonner Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jeronimos), einem der portugiesischen Heiligtümer, überführt.
Hier ruht er nun neben Männern wie Vasco da Gama, Luis Váz de Camões und König Manuel I.
Ihm wurde damit eine Ehre zuteil, die ihm zu Lebzeiten stets verwehrt worden war.

Montag, 9. April 2012

Abschied von Cahora Bassa


Der portugiesische Premierminister Pedro Passos Coelho und der Präsident der ostafrikanischen Republik Moçambique, Armando Guebuza, haben heute in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo (port.: Lourenço Marques) einen Vertrag unterzeichnet, nachdem der gewaltige Cahora Bassa-Staudamm nun endgültig in mosambikanische Hände übergegangen ist.
Portugal verpflichtet sich in diesem Vertrag die letzten 15% der Anteile, die es noch an der Betreibergesellschaft „Hidroélectrica de Cahora Bassa“ (dt.: Wasserkraftwerk von Cahora Bassa) hatte, an den mosambikanischen Staat abzutreten.

Dieser Vertrag ist eher symbolisch, denn schon vor sechs Jahren, am 31. Oktober 2006, hatte Portugal 82% seiner Mehrheitsanteile an Moçambique verkauft.
Somit ist ab dem heutigen Tag das ostafrikanische Land der alleinige Eigentümer des riesigen Cahora Bassa-Staudamms, dem größten seiner Art im südlichen Afrika und einer der größten der Welt.

Mit dem Bau des Cahora Bassa-Staudamms, der in der mosambikanischen Nordwestprovinz Tete liegt und Strom in alle Länder des südlichen Afrika liefert, wurde in der 70er Jahren begonnen, als Moçambique noch ein Teil von Portugiesisch-Ostafrika war.
Zu dieser Zeit war Cahora Bassa, an dessen Bau auch deutsche Firmen wie Siemens, Hochtief, AEG und Telefunken beteiligt waren, zweifelsohne der Stolz portugiesischer Architekturkunst und die größte Investition Portugals im modernen Afrika.

Der Cahora Bassa-Staudamm, oder Cabora Bassa, wie er zu Kolonialzeiten noch hieß, ist nach dem Assuan-Staudamm, dem Volta-Staudamm und dem Kariba-Staudamm der viertgrößte Staudamm Afrikas.

In einer Gebirgsengstelle des Flusses Sambesi (port.: Rio Zambese) errichteten die Portugiesen damals eine 165 Meter hohe Staumauer aus Beton, die danach einen über 250 km langen und 2.800 km² großen See aufstaute.
Das gestaute Wasser des Stausees speist ein Elektrizitätswerk von 2.100 Megawatt, dessen Stromproduktion zum größten Teil an die Nachbarländer Südafrika (port.: África do Sul) und Simbabwe (port.: Zimbabué) verkauft wird.

Aufgrund des Jahrzehnte lang andauernden blutigen Bürgerkrieges, der nach der Unabhängigkeit von Portugal in Moçambique herrschte, konnte Portugal in all den Jahren keinen wirtschaftlichen Nutzen aus Cahora Bassa ziehen.

„Cahora agora é nossa“ (dt.: „Cahora gehört jetzt uns“), sagte Moçambiques Präsident Armando Guebuza sichtlich bewegt, nachdem er seine Unterschrift heute unter den Vertrag gesetzt hatte.
Bleibt nur zu hoffen das Moçambique mit Cahora Bassa mehr Glück haben wird als es uns Portugiesen jemals vergönnt war.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Endlich mal positive Nachrichten aus der Politik


In meinem post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ vom 28. September 2010, berichte ich wie sich Portugal um einen nicht-ständigen Sitz (port.: lugar de membro não-permanente) im Sicherheitsrat der UN-Vollversammlung bemüht hat.

Diese Bemühungen haben gestern gefruchtet.
Bei einer geheimen Abstimmung der Mitglieder der UN-Vollversammlung (port.: Assembleia das Nações Unidas) in New York erreichte Portugal die notwendige Mehrheit um für die kommenden zwei Jahre einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat (port.: Conselho de Segurança) der Vereinten Nationen zu bekommen.
Leider waren für diesen Erfolg drei Wahlgänge nötig.

Mitbewerber Deutschland dagegen erreichte schon im ersten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit um einen Sitz zu bekommen.
Kanada, das sich neben Portugal und Deutschland, als drittes westliche Land um einen Sitz beworben hatte, ging leider lehr aus.

Einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhielten außerdem die Länder Indien, Südafrika und Kolumbien.

Staatspräsident Cavaco Silva hat die Wahl Portugals in den UN-Sicherheitsrat als eine Ehre für Portugal bezeichnet.
Außenminister Luis Amado nannte die Wahl Portugals ein „Zeichen des Vertrauens in die portugiesische Nation und sein internationales Engagement.“

Portugal hat nach der erfolgreichen Wahl angekündigt die Arbeit im Sicherheitsrat eng mit seinem Mitbewerber Deutschland und mit den anderen europäischen Nationen abzustimmen.

Es wäre schön, wenn Portugal mal auch innenpolitisch die eine oder andere positive Nachricht zu verkünden hätte…

Dienstag, 21. September 2010

Gruß vom geliebten Führer


Der bisherige portugiesische Nationaltrainer Carlos Queiroz, die Unfähigkeit in Person, ist sein Amt als Nationaltrainer letzte Woche losgeworden.
„Endlich“ - möchte man nach einem wochenlangen Hick-Hack über seine Person sagen.

Der portugiesische Fußball ist nun also im Augenblick voll und ganz mit der Suche nach einem neuen Nationaltrainer beschäftigt.
Auch wenn man das anderswo, in der zivilisierten Welt nicht glauben mag: es wird eine schmerzhafte, nervenaufreibende und langwierige Suche sein.
Eben portugiesisch!
Und sie wird, wie auch immer, doch wieder die falsche sein.
Eben portugiesisch!
Alles deutet daraufhin, das der ehemalige Sporting Lissabon-Trainer, Paulo Bento, das Rennen machen wird.

Aber wie auch immer die Entscheidung für den Trainer der portugiesischen Nationalmannschaft (port.: Selecção Nacional) ausfallen wird, und wer auch immer dieser Mann sein wird (ein Mann wird es wohl werden!), ihm wird auch bei der schlimmsten sportlichen Niederlage, die er jemals haben wird, niemals das blühen, was seinem ehemaligen nordkoreanischen Amtskollegen Kim, der bei der letzten Fußball-WM in Südafrika kläglich versagte.

Der ist nämlich seit der WM in Südafrika, mitsamt einem Teil seiner Spieler, von der Erdoberfläche verschwunden.
Und daran sind, so die FIFA, auch wir Portugiesen, nicht gerade schuldig, aber unbeabsichtigt beteiligt.
Portugal hat nämlich, im Gruppenspiel gegen Nordkorea, damals in Südafrika, die Mannschaft aus Asien mit 0:7 vom Platz gefegt.

Jetzt untersucht die FIFA, auch mit Hilfe der Portugiesischen Fußballföderation FPF (port.: Federação Portuguesa de Futebol), diesen dramatischen Fall.

Das der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il, der „geliebte Führer“, wie er sich nennen läst, immer wieder damit droht, die Welt mit Atombomben zu vernichten, das er sich von seinem Gehirngewaschenem Volk feiern lässt, das er Kaviar kiloweise verspeist, während sein Volk hungert, das wissen wir alle.
Aber das er seine eigene Nationalmannschaft ins Arbeitslager schickt, und sie foltern lässt, das ist selbst der zivilisierten Welt neu.

Zwar handelt es sich hierbei seit Wochen nur um Gerüchte, aber sie werden immer konkreter.
Sie sind so konkret, das sich jetzt sogar der Weltfußballverband FIFA mit Nachdruck eingeschaltet hat und eine hochoffizielle Untersuchung eingeleitet hat.
Diese Untersuchung wurde eingeleitet, weil der nordkoreanische Trainer Kim, seit Monaten nicht auffindbar ist, weder für die Verantwortlichen der FIFA, noch für die Trainer der anderen Nationalmannschaften.
Fakt ist das alle nordkoreanischen Spieler, nach ihrer Rückkehr aus Südafrika auf einer Bühne vor dem Kulturpalast, mitten in der Hauptstadt Pjöngjang, stundenlang ideologische Kritik von hunderten schreienden und beschimpfenden Funktionären ertragen mussten.

Ob die Untersuchung der FIFA etwas bringen wird, sei mal dahin gestellt.
Aber jeder der sich Hoffnung darauf macht, bald Trainer der portugiesischen Nationalmannschaft zu werden, sollte sich darüber im Klaren sein, welchen Luxusposten er bezieht, wenn er die Selecção trainiert.
Mit anderen Worten, er sollte, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Queiroz, mehr Fein- und Taktgefühl und mehr sportlichen Geist zeigen, wenn er mit seiner (unserer) Mannschaft unterwegs ist.

Dienstag, 15. Juni 2010

Nerventötende Vuvuzelas


Als sich vor Tagen Portugals Fußballstar Cristiano Ronaldo, bei einer Pressekonferenz in Magaliesburg, über die südafrikanischen Traditions-Tröten, die Vuvuzelas, erbost ausließ, und meinte ein Spielen bei dem höllischen Lärm dieser Tröten wäre fast unmöglich, hielt ich das zuerst für „Starallüren“ eines verwöhnten Fußballers, der es gewohnt ist, das alle nach seiner Pfeife tanzen, und nicht er nach den Tönen der Vuvuzelas.

Als ich aber vorgestern im Fernsehen, das WM-Spiel Deutschland gegen Australien sah, welches in Durban stattfand und von den Deutschen mit 4 : 0 gewonnen wurde, und heute das Spiel Portugal gegen die Elfenbeinküste, das mit einem entmutigendem 0 : 0 in Port Elizabeth endete, so konnte ich dies nur tun, in dem ich die Lautsstärke des Fernsehers etwas höher stellte als normal.
Denn sonst wären die Kommentatoren der Spiele, überhaupt nicht zu verstehen gewesen.
Die Vuvuzelas übertönten jeden Kommentar, jedes einzelne Wort.
Eigentlich war außer diesem ständigen Tröten so gut wie nichts zu hören und ich muss auch zugeben das das Tröten der Vuvuzelas so durchdringend war, das ich diese Dauerbeschallung auch jetzt, eine Stunde nach dem Portugalspiel, mental gar nicht ignorieren kann.

Und so muss ich ehrlich zugeben, dass wenn ich, als Zuschauer, Schwierigkeiten habe den Kommentaren eines Fußballspieles zu folgen, weil tausende Tröten eine unangenehme Geräuschkulisse schaffen, um wie viel schwerer müssen es da die Spieler auf dem Platz haben, die sich dann ja nicht untereinander verständigen können oder gar den Schiedsrichter nicht hören oder den Trainer?

Laut den Südafrikanern sind die Plastiktröten ein Teil der afrikanischen Fußballkultur, was auch immer sie darunter verstehen mögen.
Nun wir hier in Europa haben die Fan-Gesänge und die La Ola-Welle.
Während aber die Gesänge und die Welle dem jeweiligen Spiel eher Dynamik und positive Impulse geben, überdecken die Vuvuzelas jede spontane, akustische Emotion einer Partie.

Wir werden uns wohl oder übel, falls die Vuvuzelas nicht in den Stadien verboten werden, die nächsten vier Wochen an „90 Minuten-Tröten“ bei jedem Fußballweltmeisterschaftsspiel gewöhnen müssen.

Aber so gesehen, haben Cristiano Ronaldo und die anderen jetzt schon eine Ausrede parat, wenn sie vorzeitig aus dem Turnier ausscheiden.
Sie können es jederzeit auf die Vuvuzelas, die nerventötenden Vuvuzelas, schieben!

Magaliesburg


Die Portugiesische Nationalmannschaft (port.: „selecção“) hat ihr Hauptquartier in der südafrikanischen Kleinstadt Magaliesburg (port.: Magaliesburgo / dt.: Magaliesburg) aufgeschlagen, und dort, in der Nähe von Johannesburg (port.: Joanesburgo) bereiten sich die Nationalspieler Portugals auf ihren ersten Auftritt bei dieser Fußballweltmeisterschaft 2010, in Südafrika, vor.

Obwohl Portugal, vor jeder anderen Nation der Welt, schon vor 600 Jahren im südlichen Afrika präsent war, und Städte wie Kapstadt (port.: Cidade do Cabo / engl.: Cape Town) und das heutige Port Elizabeth (port.: Porto Elisabete) auf eine portugiesische Gründung zurückgehen, ist Magaliesburg für die meisten Portugiesen, auch für mich, bis zu dieser Weltmeisterschaft, kein Begriff gewesen.

Magaliesburg liegt zu Füßen der Magaliesberge, von denen die Stadt auch ihren Namen erhalten hat, in der südafrikanischen Provinz Guateng.
Nördlich der Metropole Jahannesburg gelegen, hat die Kleinstadt nur etwa 5000 Einwohner, davon schätzungsweise nicht mehr als 200 Portugiesen.

Doch seitdem die Portugiesische Nationalmannschaft im luxuriösen Hotel „Valley Lodge“ von Magaliesburg residiert, bevölkern tausende Portugiesen die Kleinstadt und das örtliche Fußballstadion, um die Mannschaft bei ihren täglichen Trainingsspielen moralisch, farblich und akustisch zu unterstützen. Ganz Magaliesburg ist in den Nationalfarben Portugals, grün und rot, getaucht.

Sogar eine kleine Brücke im Stadtzentrum wurde von portugiesischen Fans grün-rot angestrichen, und ist seit kurzem die Attraktion der Stadt.
Die Stadtverwaltung von Magaliesburg war zuerst nicht besonders angetan von diesem „Vandalismus“, hat dann aber beschlossen die Brücke bis zum Ende der Weltmeisterschaft in den portugiesischen Farben zu belassen.

Der Handel ist, so habe ich gelesen, um über 30 % gestiegen, seitdem die Portugiesen in der Stadt sind.
Und welche Stadtverwaltung will sich schon wegen einer angemalten Brücke, dieses Geschäft mit den portugiesischen Fans entgehen lassen?
Schließlich ist auch in Südafrika die Krise angekommen!

Die Portugiesische Fußballföderation hat das Hotel, in dem die Nationalspieler abgestiegen sind, bis zum 11. Juli, dem Tag des Endspiels, reserviert.
Bleibt zu hoffen dass sich die Geschäfte für die Bürger Magaliesburgs bis zu diesem Tag lohnen werden.
Es wäre ein wunderbares Omen!

Samstag, 20. März 2010

Eine Lektion von Moral und Solidarität


Als im Jahre 1999 das ehemalige Portugiesische Überseegebiet Ost-Timor (port.: Timor-Leste / tetum: Timor-Lorosae) von Indonesien unabhängig wurde, weigerte sich der damalige Präsident der Portugiesischen Autonomen Region der Insel Madeira, Alberto João Jardim, kategorisch, sich an einer finanziellen Hilfe für das arme Timor zu beteiligen.

Madeira war damals somit die einzige Region Portugals, die sich weigerte an einem Wiederaufbau, des durch Indonesien schwer zerstörten Timor, mitzuwirken.
Noch schlimmer, Alberto João Jardim, verkündigte klar und deutlich dass er keine Timorensen auf seiner Insel haben wollte.
Selbst den Studenten, die aus dem anderen Ende der Welt kamen, um hier in Portugal zu studieren, und die von der Portugiesischen Regierung unter anderem an die Universitäten von Madeira geschickt wurden, machte die Regionalregierung der Insel Madeira das Leben nicht gerade einfach.

Als nun vor genau vier Wochen ein Orkan Teile der Insel Madeira, vor allem den Süden mit der Hauptstadt Funchal, verwüstete und 51 Menschen das Leben kostete und mehrere hundert Obdachlos machte, da kamen Hilfsangebote aus aller Welt.
Die Hilfe kam nicht nur aus der EU und aus den USA, Kanada, Venezuela und Südafrika, wo es traditionell große Bevölkerungsgruppen gibt, deren Vorfahren aus Madeira stammen.
Nein, die Hilfe kam auch aus dem entfernten Ost-Timor!

Spontan beschloss drei Tage nach der Naturkatastrophe auf Madeira die Regierung des Inselstaates Timor-Leste den Opfern des großen Orkans, 750.000 US-Dollar zukommen zu lassen, das sind in etwa 556.000 Euro!

Die Schäden auf Madeira betragen schätzungsweise 1,2 Milliarden Euro, und somit sind die 556.000 Euro aus Timor nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Aber es ist die Solidarität die zählt!
Für so ein kleines Land wie Ost-Timor, das augenblicklich in tiefster Armut lebt, sind 750.000 US-Dollar ein Riesenbetrag.
Und daher zollt es höchsten Respekt und Bewunderung, dass gestern der Botschafter von Ost-Timor höchstpersönlich auf Madeira João Cunha e Silva. dem Vizepräsidenten Madeiras, einen Scheck über 750.000 US-Dollar überreichte.

Alberto João Jardim nahm den Scheck nicht persönlich an, da er angeblich andere wichtige Termine wahrnehmen musste.
Aber wer Alberto João Jardim kennt, weiß dass er den Scheck eher aus Scham und falschem Stolz nicht persönlich angenommen hat.

Denn seien wir mal ehrlich:
dieser kleine, geifernde alte Mann hätte niemals daran gedacht das ihn einmal eine politische Äußerung, die er 1999 aus seinem Plappermaul hat entweichen lassen, ihn elf Jahre später so bloßstellen würde.
Das ihm heute ein armer Inselstaat im fernen Asien eine Lektion in Solidarität, Moral und Humanität geben muss, das ist selbst für einen Alberto João Jardim zu viel.

Mittwoch, 19. August 2009

Aventureiros






„Aventureiros“ ist portugiesisch und bedeutet ins deutsche übersetzt „Abenteurer“.

Abenteurer, so lautet der Name eines neuen brasilianischen Strategiebrettspieles, der dem bekannten Spielklassiker „Risiko“ im Ablauf ähnelt, und welches vor wenigen Wochen erschienen ist.

Auf einer vereinfachten Weltkarte mit 12 „Ländern“ versuchen zwei bis sechs Spieler, wechselseitig Länder (die die Größe von Kontinenten haben) in ihren Besitz zu bringen. Ziel des Spiels ist es, je nach Auftrag einen oder mehrere Länder oder die ganze Welt zu erobern und seine Gegner finanziell zu ruinieren.
Die Spieler entscheiden mit Würfelglück und durch strategische Gesichtspunkte über die Platzierung und den Einsatz ihrer Spielfigur.

Aber während bei Risiko das primäre Thema der Krieg ist, ist „Aventureiros“ kein typisches Konfliktsimulationsspiel, das seinen Schwerpunkt auf Realitätsnähe oder anspruchsvolle taktische Herausforderungen legt.
Stattdessen ähnelt „Aventureiros“ den heutigen Autorenspielen, wie Narnia oder Herr der Ringe, in denen zwar das Ziel das erlangen der „Weltherrschaft“ ist, aber nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen, sondern durch einfache strategische Entscheidungen, diplomatisches Handeln und Glück.

Bis hierhin, soweit alles gut!

Aber nun zu den Spielfiguren.
Jedem „Land“ (Brasilien, Portugal, Großbritannien, USA, Argentinien, Ägypten, Südafrika, Indien, China, Russland, Japan, Australien) wird eine Spielfigur zugeordnet.

Und diese Spielfiguren haben es wirklich in sich.
Denn der brasilianische Spielhersteller hat nicht an Klischees gespart, als er die einzelnen Spielfiguren kreierte.

So ist z.B. die amerikanische Figur Emily eine kurvenreiche Blondine mit einer Menge sexappeal, die brasilianische Figur Edson hat natürlich ein Fußballtrikot an und die südafrikanische Figur Patrick ist mit einem Leopardenfell bekleidet, so wie halt jeder Südafrikaner im 21. Jahrhundert angezogen ist.
Das der Brite Joshua eine Fellmütze aufhat und der Australier William Kriegsbemalung trägt, ist da schon fast sympathisch.

Aber die Figur, die den Portugiesen Manoel darstellt, steht ohne Zweifel, für alle Vorurteile die Brasilianer uns Portugiesen gegenüber haben!

So ist Manoel (wohlgemerkt nicht „Manuel“ wie portugiesisch eigentlich geschrieben, sondern „Manoel“, wie der Brasilianer den Vornamen ausspricht) mit einem Kostüm aus der Zeit der portugiesischen Entdeckungen angezogen!
Außerdem trägt er Bart (die Brasilianer denken nämlich wir laufen hier in Südeuropa alle mit Vollbärten rum), hat eine bunte Baskenmütze auf und hat natürlich Galoschen an!

Ich weiß nicht, welchen Stellenwert das Spiel „Aventureiros“ zukünftig weltweit haben wird.
Aber ich wage es einmal zu behaupten, das dieses Brettspiel hier in Portugal nicht überragenden Erfolg haben wird.

Freitag, 17. Juli 2009

Encompassing the Globe


Heute, am 16. Juli 2009, wurde hier in Lissabon im Nationalmuseum für Antike Kunst (Museu de Arte Antiga) die Ausstellung „Encompassing the Globe“ (auf Deutsch: „Weltumspannung / Globalisierung“) eröffnet.

Die Ausstellung stellt eine außergewöhnliche Sammlung von Objekten aus, die die Geschichte der portugiesischen Entdeckungen im 16. und 17 Jahrhundert zu erzählen versucht. Leihgeber und Museen aus der ganzen Welt – wie aus China, Indien, Japan, Brasilien, Südafrika und Europa ─ haben über 250 Kunstwerke, Karten und Bilder für diese besondere Ausstellung beigesteuert.

In Kombination mit den bereits in Portugal vorhandenen Ausstellungsstücken, bilden diese ganzen wertvollen Objekte eine einzigartige Zusammenstellung, die auf außergewöhnliche Art und Weise verdeutlichen welche kulturellen Auswirkungen, das Zusammentreffen zwischen den portugiesischen Entdeckern und den neuen Handelspartnern aus Afrika, Asien und Amerika ehemals hatte.
Weltweit hatten die Portugiesen damals ein gut organisiertes Handelsnetz aus Seefahrtsrouten aufgebaut. Was heute Houston oder Cape Canaveral für die Raumfahrt ist, waren einst Lissabon und Sagres für die Seefahrt. Von hier aus wurde die Welt entdeckt!

Die bereits 2007 in der Arthur M. Sackler Gallery des Washingtoner Smithsonian-Instituts ausgestellten Exponate, lassen keinen Zweifel daran, dass bereits zu dieser Zeit die Grundlage für die Globalisierung von heute gelegt wurde - so meinen renommierte Wissenschaftler heute – mit all ihren negativen Seiten: brutale Landenteignungen, weltweite Ungleichheiten, kulturelle Missverständnissen. Die Phänomene und Probleme unserer heutigen Welt standen schon damals für Portugal auf der Tagesordnung.

Die berühmte New York Times nannte dieses Netzwerk, in einem Bericht über „Encompassing the Globe“, sogar einen „Vorläufer des Internets, nur etwas langsamer“. Portugal war zur Zeit der Entdeckungen, mit gerade einmal einer Million Einwohner, ein kleines Land. Und so mussten die vorhandenen Ressourcen gezielt eingesetzt werden. Was dann auch, bis ins Ende des 20. Jahrhunderts, gelang!

Die Ausstellung Encompassing the Globe legt Wert darauf, dass die Geschichte der portugiesischen Entdeckungen zum ersten Mal nicht aus europäischer Sicht der „Entdecker“ erzählt wird, sondern aus Sicht der „Eroberten“, weswegen viele Exponate auch die Perspektive der Völker aus Afrika, Asien und Amerika widerspiegeln.

Noch bis zum Oktober dieses Jahres kann die Ausstellung Encompassing the Globe hier in Lissabon besichtigt werden. Danach zieht sie weiter nach Brüssel, ihrer dritten und letzten Station.
So interessant die Ausstellung auch in Washington gewesen sein mag, und wie spannend sie auch in Brüssel sein wird, nirgends wird sie so viel Realität und Identität zeigen können, wie hier in Lissabon - hier wo die Globalisierung der Welt begann!

Donnerstag, 9. Juli 2009

Die späte Rache Durbans an Fernando Pessoa


Was haben Fernando Pessoa, Portugals größter Dichter und Schriftsteller des letzten Jahrhunderts, und meine Wenigkeit gemeinsam?

Nun, zugegeben, auf den ersten Blick recht wenig;
um nicht zu sagen Nichts!

Aber auf den zweiten Blick, ist da so eine Stelle in unseren Lebensläufen, die auffallend identisch sind.

Ich bin nämlich als sechsjähriger mit meinen Eltern nach Deutschland gezogen und habe in Darmstadt meine Kind-, Schul- und Jugendzeit verbracht.
Und Fernando Pessoa, ist als achtjähriger mit seiner Mutter und seinem Stiefvater João Miguel Rosa nach Südafrika gezogen und hat dort in Durban, am Indischen Ozean, seine Kind-, Schul- und Jugendzeit verbracht.

Und hier hören die Gemeinsamkeiten zwischen mir und Fernando Pessoa auch schlagartig auf.
Denn während ich es nur zum Freizeitschreiber und Hobbydichter gebracht habe, hat Fernando Pessoa, mit seiner originellen Art und Weise des Schreibens, es zum bedeutendsten Schriftsteller der portugiesischen Sprache im 20. Jahrhundert gebracht.

Und noch etwas Gravierendes unterscheidet mich von Fernando Pessoa, was unsere Kindheit und Jugend angeht.

Während ich nämlich meine Zeit in Deutschland nicht leugnen kann (die Veröffentlichung dieses Blogs ist wohl der beste Beweis dafür!) hat Fernando Pessoa während seines ganzen Lebens nur sehr ungern über seine Zeit im südafrikanischen Durban gesprochen, geschweige denn geschrieben!
In keinem seiner Werke geht er auf seine Kindheit und seine Jugend in Durban ein. Er verbrachte neun Jahre in Durban, von seinem achten bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr. Man könnte meinen das diese Jahre, die Wissenschaftler als die wichtigsten und prägendesten in unserem ganzen Leben bezeichnen, an Fernando Pessoa völlig vorbeigegangen sind. Man könnte sogar meinen Pessoa hat diese Jahre völlig aus seinem Gedächtnis verdrängt!

Fernando Pessoa wurde am 13. Juni 1888 in Lissabon geboren, und verstarb am 30. November 1935, ebendort.
Seine Mutter hatte, als er sieben Jahre alt war, sich in zweiter Ehe mit dem damaligen portugiesischen Konsul in Durban, Kommandant João Miguel Rosa, verheiratet.
So kam es, dass Fernando Pessoa als Kind nach Südafrika reiste, wo er dann auch bis zu seinem 17. Lebensjahr blieb.
Er lebte mit seiner Familie in der Ridge Road, im vornehmen Stadtteil Comercial District, besuchte dort zuerst die katholische Convent School und später die angesehene Durban High School. Sein Stiefvater war portugiesischer Konsul und er hatte nicht das was man eine allzu strenge Erziehung nennen könnte. Im Gegenteil!
Warum er also dieser Zeit so wenig Beachtung schenkt, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben.

Zwei Büsten erinnern in ganz Durban an Portugals Nationaldichter, der als Kind durch die Strassen dieser Stadt gelaufen ist und an den Stränden des Indischen Ozeans nach Muschelschalen gesucht hat.

Die eine Büste steht an der Kreuzung Pine Road und Gardiner Road, und zeigt Fernando Pessoa, so wie er meistens abgebildet wird, mit Brille und einem großen Hut.
Außer seinem Namen und seinem Geburts- und Sterbedatum ist auch ein Dreizeiler von Pessoa auf der Büste eingraviert, nämlich folgender:

“Oh salty sea
How much of your salt
Are the tears of Portugal?”

Im Original, im Gedichtsband “A Mensagem”, lautet der Dreizeiler:

“Ó mar salgado
Quanto do teu sal
São lágrimas de Portugal?”

Die zweite Büste steht auf dem Gelände der Durban High School, wo Pessoa als Kind in die Schule gegangen ist.
Beide Büsten wurden von portugiesischen Bürgern gestiftet und aufgestellt. Hätte man darauf gewartet dass die südafrikanische Stadtverwaltung Pessoa ein Denkmal setzt, dann hätte man wohl noch ein paar Jahrzehnte warten können.

So gesehen, so wie Fernando Pessoa die Stadt Durban aus seinen Erinnerungen verbannt zu haben scheint, so hat auch Durban Fernando Pessoa vollkommen verdrängt.
Vielleicht ist das die Rache Durbans dafür, dass Fernando Pessoa die Stadt nicht in einem einzigen seiner Werke erwähnt hat.

Dienstag, 23. Juni 2009

Portugasmus


Wissen sie was ein „Portugasmus“ ist (eng. Portugasm)?
Nein?!?

Ich bis heute auch nicht. Aber jetzt weiß ich es.
Portugasmus ist angeblich, in Anlehnung an Orgasmus, „der höchste Zustand der Erregnung, in die man geraten kann, wenn man leckeres portugiesisches Grillhähnchen mit scharfer Piri-Piri-Soße zu sich nimmt“.
So behauptet es jedenfalls die Werbung der Fast-Food-Restaurantkette Nando´s im fernen Australien.

Im Jahre 1987 gründete der Portugiese Fernando Duarte mit seinem Geschäftspartner Robert Brozin im südafrikanischen Rosettenville, in der Nähe von Johannesburg, das erste Restaurant in dem er, mit einer scharfen Soße gewürzte Hähnchenteile, an den Mann brachte. Heute ist Nando´s in 32 Ländern dieser Welt vertreten, von Südafrika bis Australien, von Kuweit bis in die USA und von Canada bis nach Fidji.

Ob die Werbung besonders originell ist, lasse ich mal dahingestellt sein. Aber sie scheint erfolgreich zu sein, denn Nando´s, berühmtberüchtigt für seine humorvolle bis sarkastische Werbung, hat in den letzten zwei Wochen einen 6% Umsatzgewinn gemacht, so konnte ich in der Tageszeitung Público heute lesen.
Und wenn die Werbung so erfolgreich ist, dann frage ich mich, wieso denn niemand beim portugiesischen Tourismusamt mal auf die Idee gekommen ist, solch eine Werbung vom Stapel loszulassen, schließlich befinden wir uns in einer weltweiten Krise, und können daher jeden Euro gut gebrauchen.

Aber vielleicht hat die Werbung von Nando´s ja trotzdem auch für uns Portugiesen etwas positives.
Wer weiß, vielleicht erleben wir hier in Portugal diesen Sommer das rapide Ansteigen von australischen Touristenzahlen; von Touristen die gerne einen Portugasm erleben wollen, also die mal „in den höchsten Zustand der Erregung“ kommen wollen?!?

In diesem Sinne: Welcome to Portugal!