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Dienstag, 28. September 2010

I´m a proud socialist


Wie im vorherigen post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ von mir beschrieben, verweilt unser Premierminister José Socrátes im Augenblick in den USA, wo er an der UN-Vollversammlung in New York teilnimmt.

Am Wochenende traf er mit Präsident Obama zusammen. Einerseits um der Weltöffentlichkeit zu zeigen das Portugal und die USA, was die Sicherheits- und Außenpolitik beider Länder angeht, an einem Strang ziehen, und andererseits um den bevorstehenden NATO-Gipfel im November, hier in Lissabon, zu besprechen.

Nach seinem Gespräch mit Obama hatte Socrátes ein Treffen mit Politikstudenten und Professoren der altehrwürdigen Columbia-Universität.
Ihnen versuchte er seine politischen Positionen und die seiner Regierung in einer Diskussionsrunde näher zu bringen.
Aber er kam nicht weit mit seinen Ausführungen.
Denn ganz zu beginn seiner Rede sagte er den verhängnisvollen Satz: „I´m a proud socialist“.

Man konnte später, im Fernsehen, das Entsetzen in den Gesichtern der einzelnen Studenten und Professoren sehen.
Ein portugiesischer Premierminister, der sich als „socialist“ outet!
Warum dieses Entsetzen?
Ganz einfach, in den USA ist „socialist“ das synonym für „Kommunist“, und solch einen Politiker will man als Amerikaner keinesfalls als politischen Partner für seinen Präsidenten haben.

Erst nachdem ein paar Studenten ihren Unmut durch Pfiffe bekundeten, und nachdem einer der Professoren José Socrátes etwas ins Ohr flüsterte, korrigierte der Premierminister augenblicklich seinen politischen Standpunkt, jedenfalls was den englischen Begriff anging.
Er stellte sofort fest, das in Europa ein Sozialist das ist, was in den USA ein „democrat“ ist.
Das beruhigte die Studenten augenblicklich, denn schließlich ist ja Präsident Obama selbst ein „democrat“.

Nach diesem kleinen „Zwischenfall“ weiß ich aber persönlich nicht, was mich mehr schockiert:

Ein Premierminister der nach so vielen Jahren im Amt immer noch nicht weiß, das er ins Fettnapfchen tritt, wenn er in den USA den Begriff „socialist“ benutzt, oder eine Gruppe ausgewählter Politikstudenten der renommierten Columbia-Universität, die nicht weiß das in die Kommunisten in Portugal (noch) nicht regieren?

Dienstag, 19. Januar 2010

Entweder man mag sie nicht oder man mag sie überhaupt nicht


Am Samstag, als ich mit meiner Arbeitskollegin Bea zur BTL (port.: Bolsa de Turismo de Lisboa / dt.: Lissabonner Tourismusbörse) gefahren bin, haben wir im Bus mehrere Themen angeschnitten.
Bea und ich können nämlich wunderbar über die unterschiedlichsten Themen reden.
Unter anderem fragte mich Bea wie ich, bzw. wir Portugiesen zu unseren spanischen Nachbarn stehen.

Also versuchte ich Bea schonend beizubringen, das die portugiesische Welt (ja, es gibt sie tatsächlich, die portugiesische Welt!) sich, ganz vereinfacht gesagt, in eine Gruppe aufteilt die die Spanier nicht mag und in eine Gruppe die sie überhaupt nicht mag.
Man muss aber fairer Weise sagen das die erste Gruppe leicht im Vorteil ist.

Heutzutage haben wir uns hier in Portugal an unseren iberischen Nachbarn einigermaßen gewöhnt, vielleicht weil uns das „gemeinsame Europa“ das aufzwingt.

Das war aber nicht immer so!
Es gab eine Zeit, besonders die zwischen 1580 und 1640, da herrschte Spanien über Portugal, mit all seiner Macht, Strenge, Gewalt und Brutalität.
Diese Jahre eines „gemeinsamen Königreiches von Spanien und Portugal“ waren wohl die schwärzesten in der Geschichte Portugals.
Das haben wir den Spaniern nicht vergessen!

Für Spanien waren wir hier in Portugal nichts weiter als eine ihrer Kolonien, so wie Peru, Bolivien oder Mexiko.
Sie wollten, mit aller Macht, dass wir intellektuell und gesellschaftlich zu Musterspaniern werden. Wir wurden gezwungen spanisch zu sprechen, spanisch zu schreiben und sogar spanisch zu denken!
Aber da hatten die Spanier wenig Erfolg.
Denn wir Portugiesen waren schon immer ein Volk das nach dem Motto lebt: „Die Gedanken sind frei!“

Heute hat sich das Verhältnis zwischen uns Portugiesen und unseren Nachbarn sehr verändert.
Natürlich gibt es heute nicht mehr diese Hispanofobie wie noch vor ein paar Jahrzehnten.
Aber wir sind noch meilenweit von einer Hispanoeuphorie entfernt.

Wie weit unsere zwei Nationen eigentlich auseinander sind, obwohl wir so nahe bei einander leben, zeigt sich z.B. daran, das man an fast jedem Lissabonner Kiosk die „Financial Times“ kaufen kann, während man nach dem spanischen „El Mundo“ lange suchen muss.
Auch werden im portugiesischen Fernsehen jeden Tag amerikanische, englische und sogar deutsche Filme gezeigt, während spanischen TV-Beiträge vielleicht nur zwei oder drei Mal im Monagt laufen.
Die Welt kommt für uns, genauso wie z.B. in Deutschland, auf Englisch daher, und nicht auf Spanisch!

Nur eines bringen wir hier in Portugal nicht fertig:
Wir schaffen es nicht, Obama in der Beliebtheitsskala vor den spanischen König Juan Carlos zu platzieren.
Juan Carlos ist hier in Portugal so beliebt, das er sogar vielen portugiesischen Politikern den Rang abläuft.

Die Welt, sowohl die portugiesische als auch die spanische (denn ja, genauso wie es eine portugiesische Welt gibt, so gibt es auch eine spanische!), hat sich in den letzten Jahren verändert.
Auch wenn viele es hier auf der Iberischen Halbinsel nicht wahr haben wollen:
Wir sind auf dem Weg, zwar langsam aber sicher, uns näher zu kommen!

Dienstag, 11. August 2009

Kacki, Kacki!


Vor zwei Tagen habe ich im Fernsehen eine kleine Reportage, in einem Star-Magazin, über Obama, seine Familie und ihr Leben im Weißen Haus gesehen.
In dieser Reportage gestand Obama, dass für ihn der Höhepunkt eines jeden Arbeitstages sei, mit seinem Portugiesischen Wasserhund „Bo“, abends im Garten seiner Residenz gassi zu gehen.

Der Präsident der Vereinigten Staaten „gestand“ in dem Interview das er immer eine kleine Plastiktüte dabei hätte, um die Häufchen von „Bo“ aufzusammeln, wenn dieser sich im Garten des Weißen Hauses erleichtere. Schließlich wolle er nicht, so Obama, das der Garten des Weißen Hauses, verschmutze.
Mit diesem kleinen Kommentar, bewies Obama, das er ein ganz normaler Bürger ist, der das tut, was wohl jeder normale Bürger in den USA tut.

Leider sieht hier in Portugal die Sache etwas anders aus.
Denn hier scheint es keine normalen Bürger zu geben; jedenfalls was das aufsammeln von Hundehäufchen angeht.
Hier sind Hundebesitzer, die hinter ihren Vierbeinern herlaufen, und ihre Häufchen mit einer Plastiktüte aufsammeln, so als ob es sich dabei um kleine Schätze handeln würde, noch eine absolute Rarität.

Und so sind die Bürgersteige der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, eigentlich die Bürgersteige aller portugiesischen Städte, mit kleinen Tretminen überseht, die wir als Fußgänger mit einem ständigen Slalomlauf zu überwinden versuchen.

Natürlich ist mir klar, dass festgefahrene Gewohnheiten, zumal sie einem Fremd sind, sehr schwer zu ändern sind.
Aber hier muss sich etwas ändern!

Es geht nicht an, das ich jedes mal, wenn ich mit meinem kleinen Neffen spazieren gehe, er mich auf etliche Hundehaufen aufmerksam macht, in dem er alle paar Meter mit dem Finger auf sie zeigt und dabei „Kacki, Kacki“ ruft.
Alleine von unserer Wohnung ins nächste Café, ruft er an „guten“ Tagen mindestens 20 Mal „Kacki“; und wir reden hier von einer Strecke von noch nicht einmal 500 Meter.

Im Oktober finden hier in Portugal Kommunalwahlen statt.
Vielleicht nimmt sich ja bis dahin eine kommunale Partei dieses Problems an, und macht die Hundehäufchen und die verschmutzten Bürgersteige zum Wahlthema.
Meine Stimme hätte diese Partei auf alle Fälle jetzt schon!