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Mittwoch, 25. Juni 2014

Staatsbesuch von Bundespräsident Gauck in Portugal


Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt weilten vom 23. Juni bis zum heutigen 25. Juni für zwei Tage zu einem offiziellen Staatsbesuch hier in Portugal.

Die erste Visite von Bundespräsident Gauck hier in Portugal begann am gestrigen Dienstag mit einem Besuch im weltberühmten Hieronymoskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) im Lissabonner Stadtteil Belém.
Hier legte der Bundespräsident am Sarkophag des Nationaldichters Luis Vaz de Camões einen Kranz nieder, bevor er im nahen Palácio de Belém, dem Sitz des portugiesischen Staatspräsidenten, von seinem Amtskollegen Anibal Cavaco Silva zu einem Arbeitstreffen empfangen wurde.

Danach traf der Bundespräsident mit dem portugiesischen Prämierminister Pedro Passos Coelho zusammen, der seinen deutschen Gästen zu Ehren ein Mittagessen gab.

Nach dem Treffen mit dem Prämierminister kam Bundespräsident Gauck mit verschiedenen Abgeordneten des im portugiesischen Parlament vertretenen Parteien und der Präsidentin des Hohen Hauses, Maria da Assunção Esteves, zusammen um mit ihnen Gespräche zu führen.

Aus Anlass der 1954 in Lissabon gegründeten Deutsch-Portugiesischen Industrie- und Handelskammer (port.: Câmara de Comércio e Indústria Luso-Alemã) kamen dann deutscher Bundespräsident und portugiesischer Staatspräsident am späten Nachmittag wieder zusammen, um den 60. Geburtstag der DPIHK mit zwei wichtigen Reden vor verschiedenen Wirtschaftsvertretern gebührend zu würdigen.

Die Lebensgefährtin von Bundespräsident Gauck, Daniela Schadt, besuchte zur gleichen Zeit die weltberühmte Kirche Igreja de São Roque im Lissabonner Stadtteil Bairro Alto, die sie sehr beeindruckt haben soll.

Der erste Tag des Staatsbesuchs von Bundespräsident Gauck und Frau Schadt endete mit einem feierlichen Abendessen, den Cavaco Silva und seine Gattin für seine deutschen Gäste im ehemaligen königlichen Palácio da Ajuda gab.

Am heutigen Mittwoch besuchte der Bundespräsident, als erstes ausländisches Staatsoberhaupt überhaupt, der katholischen Wohlfahrtseinrichtung Santa Casa da Misericórdia de Lisboa.

Danach begaben sich die beiden Präsidenten in das deutsch-portugiesische Automobilwerk „AutoEuropa“ in Palmela, wo sie die Fabrikationsanlagen und Produktionsprozesse eines der größten Arbeitsgeber im Lissabonner Großraum kennen lernten.

Nach dem Besuch bei „AutoEuropa“ beendeten Bundespräsident Gauck und Daniela Schadt ihren zweitägigen Besuch in Portugal.

Freitag, 6. Dezember 2013

In memoriam: Nelson Mandela


Am gestrigen Donnerstagabend starb, nach langer Krankheit, im südafrikanischen Johannisburg Nelson Mandela, einer der mutigsten und bewundernswertesten Menschen unserer Zeit.
Mandela, der am 18. Juli 1918 geboren wurde, wurde stolze 95 Jahre alt.

Dieser Mann, den man immer lächeln sah, war zweifelsohne die Stimme und das Gewissen, nicht nur Afrikas, sondern der ganzen Welt.
Er war ein Freiheitskämpfer, Versöhner, beispielhafter Friedensstifter, Demokrat und Vorbild für viele Menschen weltweit – auch für mich!

Viele Menschen – einfache Bürger, Politiker, Wissenschaftler, Kirchenmänner, Künstler – haben heute in Nachrufen ihre Trauer und ihre Bewunderung für diesen beneidenswerten und humanen Mann zum Ausdruck gebracht.

US-Präsident Barack Obama sagte z.B. über den Friedensnobelpreisträger Mandela:
„I am one of the countless millions who drew inspiration from Nelson Mandela´s life.“
(dt.: „Ich bin einer von unzähligen Millionen, die Inspiration aus Nelson Mandelas Leben gezogen haben.“)

Der britische Premierminister David Cameron twitterte über Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten:
„A great light has gone out in the world. Nelson Mandela was a hero of our time. I´ve asked for the flag at N°10 to be flown at half mast.“
(dt.: Ein großes Licht ist von dieser Welt gegangen. Nelson Mandela war ein Held unserer Zeit. Ich habe veranlasst, die Flagge vor Nr.10 (Downing Street) auf Halbmast zu setzen.“)

Portugals Staatspräsident Anibal Cavaco Silva schrieb heute auf der Internetseite des Präsidialamtes in Lissabon:
„Nelson Mandela deixa um extraordinário legado de universalidade que perdurará por gerações. O seu exemplo de coragem politica, a sua estatura moral e a confiança que despositiva na capacidade de reconciliação constituem verdadeiras lições de humanidade.“
(dt.: Nelson Mandela hinterlässt ein außergewöhnliches Erbe an Universalität, das für kommende Generationen Bestand haben wird. Sein beispielloser politischer Mut, sein moralisches Gewicht und sein grenzenloses Vertrauen in die Fähigkeit zur Versöhnung sind wahre Lehren für die Menschheit.“).

Was Obama, Cameron und Cavaco Silva aber in ihren jeweiligen Nachrufen nicht erwähnen, ist das ihre drei Nationen noch 1987, zu Zeiten der Apartheid, ganz anders mit Nelson Mandela verfahren sind.
Damals stimmten die USA, Großbritannien und Portugal, bei einer Abstimmung vor den Vereinten Nationen in New York, die seinerzeit das weiße Südafrika aufforderte Nelson Mandela sofort aus seiner damaligen Haft freizulassen, als einzige Länder gegen eine UNO-Resolution zu Gunsten Mandelas.

Diese Abstimmung fand am 20. November 1987 statt.
Die Rsolution trug den Titel „International solidarity with the liberation struggle in South Africa und insgesamt 154 Länder nahmen damals an der UN-Abstimmung teil.
129 Nationen stimmten für eine Freilassung Mandelas, 22 Staaten enthielten sich der Stimme und die USA, Großbritannien und Portugal stimmten, wie schon erwähnt, dagegen.
Der damalige portugiesische UNO-Botschafter José Duarte da Câmara Ramalho Ortigão handelte mit seinem negativen Votum vor der UN auf Anweisungen aus Lissabon.
Und nun darf drei Mal geraten werden, wer damals in Portugal die Regierungsgeschäfte führte und somit Premierminister des Landes war:
Es war Anibal Cavaco Silva, der aktuelle Staatspräsident, der heute so schöne Worte gefunden hat um Nelson Mandela zu würdigen!

Wie dem auch sei:
Nelson Mandela war, so viel ist bekannt, nicht nachtragend.

Und deshalb fällt mir zu dieser ganzen blamablen diplomatischen Geschichte von damals spontan eines der meistzitierten Sätze Mandelas ein, das da lautet:

„Das ist nun einmal so und es lässt sich auch nicht ändern!“


Recht hatte er…

Donnerstag, 25. Juli 2013

Die neue portugiesische Koalitionsregierung



Nach einer dreiwöchigen Regierungskrise, die durch den Rücktritt des ehemaligen Finanzministers Vitor Gaspar (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Ein längst fälliger Rücktritt“, vom 01. Juli 2013) und dann 24 Stunden später, durch den Rücktritt des Außenministers Paulo Portas (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Wenn einem Premierminister die Kabinettsmitglieder davonlaufen“, vom 01. Juli 2013) entstanden ist, wurde am gestrigen Mittwoch die neue Regierung vereidigt.

Nachdem Staatspräsident Anibal Cavaco Silva noch versucht hat die regierenden Koalitionsparteien PSD und CDS-PP und die oppositionellen Sozialisten durch einen „Kompromiss zur nationalen Rettung“ zu einer Regierungsallianz zu bewegen, und dieser Versuch am letzten Wochenende kläglich gescheitert ist, hat Cavaco Silva, der sich kategorisch gegen Neuwahlen ausgesprochen hat, nun entschieden, die Regierungskoalition von Premierminister Pedro Passos Coelho im Amt zu belassen.

Der Staatspräsident, der nach der portugiesischen Verfassung sehr wohl das Recht hätte das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen, so wie es die Opposition verlangt, hat diese Woche bekannt gegeben das er in dem fortbestehen der bisherigen Koalition die einzige Möglichkeit sieht, die Regierungskrise erst einmal zu beenden.

Damit diese Koalition aber auf Dauer besteht, musste Premierminister Pedro Passos Coelho eine Regierungsumbildung vornehmen.
Diese neue Regierung wurde gestern vereidigt und setzt sich wie folgt zusammen:

- Pedro Passos Coelho (Premierminister)
- Paulo Portas (Vize-Premierminister)
- Rui Machete (Außenminister)
- Maria Luis Albuquerque (Finanzministerin)
- José Pedro Aguiar-Branco (Verteidigungsminister)
- Paula Teixeira da Cruz (Justizministerin)
- Assunção Cristas (Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt)
- Paulo Macedo (Gesundheitsminister)
- Miguel Macedo (Innenminister)
- António Pires de Lima (Wirtschafts- und Arbeitsminister)
- Nuno Crato (Minister für Bildung)
- Pedro Mota Soares (Minister für Soziales)
- Jorge M. da Silva (Minister für Umwelt, Raumordnung und Energie)
- Miguel Poaires Maduro (Minister für regionale Entwicklung und Assistent des Premierministers
- Luis Marques Guedes (Minister für Präsidentschafts- und Parlamentsangelegenheiten

Ob die neue Regierung über die Stabilität und den Zusammenhalt verfügt, die von Nöten sein werden, um die Regierungsgeschäfte bis zur nächsten vorgesehenen regulären Parlamentswahl zu ermöglichen, wird sich zeigen…

…aber an Krisen sind wir hier in Portugal ja langsam gewöhnt!

Donnerstag, 11. Juli 2013

Kompromiss der nationalen Rettung


Was sich hier in Portugal in den letzten zehn Tagen innenpolitisch abgespielt hat, wird einer Tragikomödie von Carl Zuckmayer oder Friedrich Dürrenmatt mehr als gerecht.

Da tritt am 01. Juli, zwar nicht ganz unerwartet aber für jedermann doch überraschend, Vitor Gaspar, der „Architekt der portugiesischen Sparpolitik“, von seinem Amt als Finanzminister zurück (bitte lesen sie hierzu meinen Blogeintrag „Ein längst fälliger Rücktritt“, vom 01.07.2013).
Noch nicht einmal 24 Stunden später, am 02. Juli, nimmt Außenminister Paulo Portas, weil er mit der Wahl der neuen Finanzministerin Maria Luis Albuquerque nicht einverstanden ist, seinen Hut (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Wenn einem Premierminister die Kabinettsmitglieder davonlaufen“, vom 02.07.2013).

Der Rücktritt von Paulo Portas, dem Vorsitzenden der konservativen Partei CDS-PP, die mit der PDS, der Sozialdemokratischen Partei von Premierminister Pedro Passos Coelho, eine Koalitionsregierung führt, hat zur Folge das Portugal, zu den gravierenden wirtschaftlichen Problemen die es schon hat, nun auch eine sehr ernste Regierungskrise bekommt.

Während Premierminister Pedro Passos Coelho nun in den folgenden Tagen versucht, mit deutlichen Zugeständnissen an den kleineren Koalitionspartner CDS-PP, seine Koalitionsregierung noch zu retten, fordern die linken Oppositionsparteien und die größten Gewerkschaften vehement sofortige Neuwahlen!

Da kommt nun Staatspräsident Anibal Cavaco Silva ins Spiel:
Laut der Portugiesischen Verfassung ist der Staatspräsident zwar befugt das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen, aber er hat auch die Pflicht den politischen Konsens zwischen den Parteien zu suchen und zu fördern.
Er muss nun entscheiden wie es politisch in Portugal weitergeht.

In einer mit Spannung erwarteten Fernsehansprache hat nun Staatspräsident Cavaco Silva gestern, seinem Volk mitgeteilt, zu welchem Ergebnis er nun, nach mehrtägigen Gesprächen mit allen im Parlament anwesenden Parteien, gekommen ist:

Staatspräsident Cavaco Silva schließt sofortige Neuwahlen – so wie sie von den Oppositionsparteien verlangt werden – kategorisch ab.
Er meint, und da muss ihm wohl jeder rational denkender Mensch Recht geben, das sofortige Neuwahlen die bisherigen mühevollen Fortschritte Portugals im Euro-Rettungsprogramm zu Nichte machen würden und das das Vertrauen der Geldgeber-Troika, bestehend aus der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfond, fortan stark gefährdet sein würde.
An Neuwahlen, so Cavaco Silva, wird wohl erst ab Juni 2014 zu denken sein, dann nämlich wenn Portugal den Euro-Rettungsschirm verlassen hat und sich dann hoffentlich selbständig an den internationalen Finanzmärkten behaupten wird können.

Er mahnte die Regierungsparteien und ausdrücklich auch die oppositionelle Sozialistische Partei PS fortan zu mehr politischem Konsens und zu einem „Kompromiss der nationalen Rettung“ (port.: Compromisso de salvação nacional“) an.

Somit bleibt die, in den letzten Tagen schon von vielen totgesagte Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho, weiterhin im Amt.
Paulo Portas, der diese schwere Regierungskrise mit seinem Rücktritt vor zehn Tagen erst verursacht hat, geht als Sieger aus diesem ganzen Theaterstück heraus.
Nicht nur das er als Minister im Amt bleibt, sondern Pedro Passos Coelho hat ihn zu seinem Vize-Premierminister gemacht.
Außerdem wird Portas ab jetzt die Verhandlungen mit der Troika übernehmen, eine Aufgabe die bis dato der Premierminister selbst innehatte.
Und damit nicht genug, die kleine Koalitionspartei CDS-PP wird zukünftig auch den Wirtschaftsminister stellen.

Pedro Passos Coelho scheint somit die Krise erst einmal überstanden zu haben und er hat seine Regierung retten können.
Aber zu welchem Preis?
Paulo Portas hat hoch gepokert, und er hat auf der ganzen Linie gesiegt.
Ob nur zum Wohl seiner Partei oder aber zum Wohl der Nation, das wird die Zukunft zeigen!

Samstag, 13. April 2013

Einfach nicht zahlen?!?



Wir durchleben hier in Portugal, wie jeder weiß, sehr harte und schwierige Zeiten, und haben somit leider im Moment sehr wenig zu lachen.
Die Wut auf die skrupellosen Sparmaßnahmen von Premierminister Pedro Passos Coelho und seiner Regierung, die Unfähigkeit von Staatspräsident Anibal Cavaco Silva unparteiisch zu sein, und somit Präsident des ganzen Volkes zu sein, und nicht nur Präsident einiger Portugiesen, und die innenpolitischen Querelen der regierenden Mitte-Rechts-Koalition mit den linken Oppositionsparteien bringen den normalen Bürger hier eher zum weinen, als zum lachen!

Die Regierung ist hier in Portugal, dank der Unterstützung des Staatspräsidenten, im Augenblick politisch so machtvoll, weil die Opposition im Moment nichts und niemanden hat, der der Regierungskoalition legal gefährlich werden könnte.
Schaut man sich die Oppositionspolitiker der Sozialistischen Partei (port.: Partido Sacialista = PS), der Kommunisten (port.: Partido Comunista Português = PCP) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) an, und hört man ihren interessanten, aber größtenteils völlig unrealisierbaren, politischen Alternativausführungen zu, kann es einem recht bange werden.

So wie diese Woche, als der ehemalige sozialistische Premierminister Mario Soares, der zwischen 1986 und 1996 auch Präsident der Republik war, in einem Radiointerview mit dem Radiosender „Antena 1“, doch tatsächlich den Portugiesen riet, sich der Zahlung der Schulden, die das Land bei der Troika nun hat, einfach zu verweigern!

Wortwörtlich sagte er:

„Portugal wird nie seine Schulden bezahlen können, so sehr die Menschen sich auch anstrengen, so sehr man ihnen das Geld aus den Taschen ziehen wird und so sehr sich der Staat auch anstrengen mag, er wird niemals das bezahlen können was er schuldet. Wenn man nicht bezahlen kann, ist die einzige Lösung einfach nicht zu zahlen!“

(port.: „Portugal não pode nunca pagar aquilo que já deve e, por mais que se empobreça as pessoas, por mais que se roube o dinheiro às pessoas que o têm, por mais que faça, o Estado não é capaz de pagar aquilo que deve. Quando não se pode pagar, a única solução é não pagar!“)

Er gab als Beispiel für seine, wie ich meine, total unqualifizierte und sicherlich nicht überdachte Äußerung, die Argentinische Krise zur Jahrtausendwende an.
Damals, um das Jahr 2000 herum, geriet Argentinien in eine starke Rezession und das Finanzsystem des südamerikanischen Landes brach völlig zusammen. Das führte in Argentinien zu einer großen politischen Instabilität und die sozialen Folgen waren verheerend.

Argentinien hat bis heute den größten Teil der damals angehäuften Schulden an die Geberländer nicht zurückbezahlt, und scheint mit dieser Politik des „Nichtzurückzahlens“ Erfolg gehabt zu haben, denn heute steht das Land verhältnismäßig solide da.

Mario Soares, aufgrund dessen mutigen Kampfes gegen die Diktatur in Portugal sicherlich hier und da noch einige Sympathien entgegengebracht werden, von dem ich aber persönlich meine, dass seine politische Meinung maßlos überbewertet wird, dieser Mario Soares ist also der Meinung, Portugal sollte einfach die vereinbarten Abkommen mit der EU, der EZB und dem IWF nicht einhalten.
Dann würde sich das Problem schon von alleine lösen…

Gott bewahre uns vor einer Ausweitung der Sparwut von Premierminister Passos Coelho und seines Finanzministers Vitor Gaspar, die das Land immer weiter in den Abgrund stürzen.
Aber Gott bewahre uns auch vor solchen Politikern wie Mario Soares und seinen Parteifreunden, allen voran António José Seguro, die uns das Blaue vom Himmel versprechen und dann nichts einhalten werden können.
Die Sozialisten waren nämlich vor zwei Jahren noch selbst an der Macht, und haben die aktuelle Krise im Land mitzuverantworten, obwohl sie jetzt so tun, als ob sie eine weiße Weste hätten.

Die Mehrheit der Politiker hier, egal welcher Partei sie angehören, haben den meisten Portugiesen in den letzten Jahrzehnten vorgegaukelt, sie wären alle Bürger einer Erste-Welt-Nation.
Aber heute müssen viele im Land leidvoll realisieren, das sie hier am Rande Europas nichts weiter sind, als ein Land der Dritten Welt!

Sonntag, 7. April 2013

Ratlosigkeit



Nachdem das portugiesische Verfassungsgericht (port.: Tribunal Constitucional de Portugal) am letzten Freitagabend, dem 05. April 2013, einige der geplanten Sparmaßnahmen der Regierung gekippt hat, muss Premierminister Pedro Passos Coelho nun neue Wege finden um das entstandene Loch von über 1 Milliarde Euro im diesjährigen Haushalt zu stopfen, will er das Rettungspaket, das 2011 mit der Troika ausgehandelt wurde, nicht gefährden.

Die 13 Richter der höchsten Rechtsinstanz in Portugal legten ihr Veto gegen vier Sparbeschlüsse im Haushalt 2013 ein, da ihrer Meinung nach diese nicht mit dem in der Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz vereinbar waren.
So urteilten sie, dass die Annullierung des Urlaubsgeldes bei Staatsbeamten und Angestellten im öffentlichen Dienst, sowie eine Kürzung der Renten um 6,4 % nicht mit der portugiesischen Verfassung vereinbar seien. Ebenso sei eine geplante Steuereinführung auf das jetzt schon sehr niedrige Arbeitslosengeld nicht Verfassungskonform.

Das ist ein herber Rückschlag für den Premierminister!
Passos Coelho wird zwar sicherlich Mittel, Wege und Steuern finden um das jetzt entstandene Haushaltsdefizit auszugleichen, aber politisch ist die Entscheidung des Verfassungsgerichtes für ihn ein wahres Fiasko, denn er verliert immer mehr an Autorität!
Diese Autorität ist aber sehr wichtig, wenn er die nun bevorstehenden neuen Sparmaßnahmen durch das Parlament bringen will.
Und was noch viel schlimmer ist:
Portugal riskiert immer mehr, das Vertrauen der Geldgebertroika, bestehend aus der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalem Währungsfond, zu verspielen!

Schon der vorjährige Haushalt 2012 von Passos Coelho, mit seinen extremen Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen, war von den Richtern teilweise für verfassungswidrig erklärt worden.
Da aber der Premierminister sehr resistent gegen Kritik ist, hat er versucht im diesjährigen Haushalt noch härtere Sparbeschlüsse durchzubringen.
Das ist nun gewaltig in die Hose gegangen!

Am gestrigen Samstag hat er sein Kabinett zu einer eilig Krisensitzung einberufen, um mit seinen Ministern die schwierige aktuelle Lage zu erörtern und mögliche Alternativmaßnahmen für den Haushalt zu diskutieren.
Doch die stundenlangen Beratungen scheinen nicht sehr gefruchtet zu haben, denn den meisten Ministern seiner Mitte-Rechts-Koalition stand pure Ratlosigkeit in den Gesichtern geschrieben, als sie die Krisensitzung verließen.
Nach dem Zusammentreffen mit seinen Ministern hatte der Premierminister ein halbstündiges Gespräch mit seinem Parteifreund, Staatspräsident Anibal Cavaco Silva.
Dieser sprach sich gegen eine Ablösung der Regierung und Auflösung des Parlaments, und somit auch gegen eventuelle Neuwahlen aus.

Heute, am späten Sonntagnachmittag, will sich Premierminister Passos Coelho in einer Fernsehansprache an das Volk wenden.
Mal sehen was er uns zu sagen hat…

Montag, 12. November 2012

Portugiesisch ist nicht gleich portugiesisch



Während ich diese Zeilen hier schreibe, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl wieder in Berlin angekommen.
Für sage und schreibe sieben Stunden war sie heute hier in Portugal, und hat ihren ersten offiziellen Staatsbesuch absolviert.

Was genau sie hier gemacht hat und welchen Zweck ihr Aufenthalt hier hatte, ist mir und den meisten Portugiesen ein Rätsel.
Zuerst traf die deutsche Bundeskanzlerin mit Portugals Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva zusammen, dann aß sie mit Premierminister Pedro Passos Coelho und Außenminister Paulo Portas zu Mittag und dann traf sie mit deutschen und portugiesischen Wirtschaftsbossen zusammen.

Während ihres ganzen siebenstündigen Aufenthaltes zeigte sich Angela Merkel offenbar interessiert, war stets aufmerksam, würdigte die strikte Sparpolitik der hiesigen Regierung und zeigte Verständnis für die aktuelle schwere Lage der portugiesischen Bevölkerung.
Durch eine Dolmetscherin des Auswärtigen Amtes, die mit ihr aus Berlin angereist war, ließ sie all dies verlautbaren.

Interesse, Aufmerksamkeit, Würdigung und Verständnis, das sind Attribute die ich der deutschen Bundeskanzlerin an solch einem wichtigen Tag gerne abnehmen würde, wenn…
ja, wenn nicht da eine Kleinigkeit wäre, die ich und viele meiner Landsleute als inakzeptabel ansehen.

Die Dolmetscherin die Angela Merkel aus Berlin mitbrachte, und die für sie übersetzte, sprach nämlich nicht etwa portugiesisch, sondern brasilianisches portugiesisch!
Und portugiesisch ist nicht gleich portugiesisch, genauso wenig wie deutsch nicht gleich deutsch ist!

Viele meiner deutschen Freunde werden jetzt sagen, dass das ja wohl keine große Sache ist.
Aber, nur wer hier in Portugal lebt und wer die Geschichte der portugiesischen Sprache kennt, weiß welche Missachtung die Bundeskanzlerin heute an den Tag gelegt hat.
Man kann zu Angela Merkel politisch und menschlich stehen wie man will aber manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die nicht nur in der Diplomatie, zwischen taktvoll und taktlos unterscheiden!

Freitag, 5. Oktober 2012

Kapitulation...?!?




Mein Blogeintrag „Glückwunsch zum 869. Geburtstag“ von heute Morgen fanden einige meiner Freunde und Bekannte nicht fair, denn sie meinten ich würde dem Ansehen der Republik, und somit dem Ansehen Portugals, schaden.

Nun, ich weiß zwar nicht, in wie weit ich dem Ansehen der Portugiesischen Republik schade, in dem ich nur an das Gründungsdatum Portugals vor 869 Jahre erinnere?!?
Fakt ist aber, das die höchsten Staatsorgane es sind, die dem Ansehen der Republik schaden und deren Symbole gnadenlos verunglimpfen!

Wie das möglich ist?
Nun, erst heute Morgen hat Staatspräsident Anibal Cavaco Silva, höchstpersönlich, bei einem feierlichen Festakt, auf dem Balkon des Lissabonner Rathauses die portugiesische Nationalflagge verkehrt herum gehisst.
Das ist so, als ob man in Deutschland plötzlich anstatt der schwarz-rot-goldenen Deutschlandfahne eine golden-rot-schwarze Flagge am Fahnenmast hängen hat!

Das ist nicht so tragisch werden da einige sagen.
Sicherlich…
Aber im Militärjargon bedeutet das auf den Kopf hissen einer Flagge, nichts anderes, als die totale und kompromisslose Kapitulation!

Und dies hat Präsident Cavaco Silva heute der Nation vermittelt – eine Kapitulationserklärung...

...das wir trotz aller Anstrengungen, aller Mühen und Sorgen vielleicht doch bald vor der Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfond und der Europäischen Zentralbank einfach kapitulieren müssen!

Samstag, 15. September 2012

Wenn der Staatsrat zusammentrifft




Der portugiesische Staatspräsident Anibal Cavaco Silva hat für den kommenden Freitag, den 21. September 2012, überraschend den Staatsrat (port.: Conselho de Estado) für 17 Uhr in seinen Amtssitz einberufen.

Eigentlich wird der Staatsrat, nach Artikel 145 der portugiesischen Verfassung (port.: constituição), immer nur dann vom Staatspräsidenten einberufen, wenn Portugal sich im Krieg befindet, er das Parlament (port.: Assembleia da República) oder die Regierung (port.: governo) auflösen will.
Aber der Staatspräsident kann den Staatsrat auch immer dann einberufen, wenn er den Wunsch hegt, die überparteiliche Meinung des Rates über die Lage der Nation zu erfahren.
Und solch eine überparteiliche Meinung scheint Cavaco Silva im Augenblick zu brauchen, denn ein Zusammentreffen des nationalen Staatsrates ist eine nicht alltägliche Angelegenheit.

Obwohl das Treffen am kommenden Freitag unter dem Arbeitstitel „Die europäische Antwort auf die Krise in der Eurozone und die portugiesische Situation“ (port.: „Resposta europeia à crise da Zona Euro e a situação portuguesa“) steht, wird in Wirklichkeit wohl die augenblickliche Krise in der portugiesischen Innenpolitik debattiert werden.
Nachdem Premierminister Pedro Passos Coelho diese Woche angekündigt hat die Sozialversicherungsabgaben der Arbeitnehmer von 11% auf 18% drastisch zu erhöhen und gleichzeitig die Beiträge für Unternehmer von 24% auf 18% zu senken, hat die Opposition angekündigt den kommenden Staatshaushalt im Parlament keinesfalls passieren zu lassen.

Sollte die Opposition den neuen Haushalt wirklich nicht mittragen, dann hat Regierungschef Passos Coelho ein großes Problem, denn dann kann er seinen eingeschlagenen Weg zur Sanierung der Staatsfinanzen nicht weitergehen.

Soweit mir bekannt ist, kennt man in Deutschland die Institution eines Staatsrates nicht.
In Ländern wie Belgien, Frankreich oder den Niederlanden ist er aber, so wie hier in Portugal, ein wichtiger Organ des Staates.
Der portugiesische Staatsrat besteht im Augenblick aus 20 Mitgliedern:
dem amtierenden Staatspräsidenten und 19 Staatsräten.

Außer Staatspräsident Anibal Cavaco Silva, der den Vorsitz hat, gehören ihm fünf Mitglieder an, die vom Parlament gewählt worden sind, fünf Mitglieder die vom Staatspräsidenten ernannt wurden und neun Mitglieder, die Aufgrund ihrer hohen politischen Ämter die sie gerade inne haben oder einmal ausgeübt haben.

Die vom Parlament gewählten fünf Räte des Staates sind:
- der aktuelle Oppositionsführer und Chef der Sozialistischen Partei (PS) António José Seguro
- der Schriftsteller und Abgeordnete Manuel Alegre (PS)
- der ehemalige Prämierminister Francisco Pinto Balsemão (PSD)
- der Anwalt Luís Marques Mendes (PSD)
- der Arzt Luís Filipe Menezes (PSD)

Die fünf von Cavaco Silva für das Amt eines Staatsrates ernannten Personen sind:
- der Wirtschaftswissenschaftler Vitor Bento
- der Neurochirurge João Lobo Antunes
- der Universitätsprofessor Marcelo Rebelo de Sousa
- die Juristin und ehemalige Gesundheitsministerin Leonor Beleza
- der ehemalige Finanzminister António Bagão Félix

Dem Staatsrat gehören weiterhin an:
- die Parlamentspräsidentin (port.: presidente da Assembleia da República) Maria Assunção Andrade Esteves
- der Premierminister (port.: primeiro ministro) Pedro Passos Coelho
- der Präsident des Verfassungsgerichts (port.: presidente do Tribunal Constitucional) Rui Manuel Gens de Moura Ramos
- der Justizbeauftragte (port.: provedor de Justiça) Alfredo José de Sousa
- der Präsident der Autonomen Region Madeira (port.: presidente do Governo Regional da Madeira) Alberto João Jardim
- der Präsident der Autonomen Region der Azoren (port.: presidente do Governo Regional dos Açores) Carlos César
- der ehemalige Staatspräsident António Ramalho Eanes
- der ehemalige Staatspräsident Mário Soares
- der ehemalige Staatspräsident Jorge Sampaio


Elf der Ratgeber des Präsidenten haben jetzt schon verlautbaren lassen, das sie kategorisch gegen die erneuten drastischen Sparmaßnahmen von Premierminister Passos Coelho sind.
Da der Präsident aber an den Rat seiner 19 Ratgeber nicht gebunden ist, ist abzuwarten welchen Rat er dann selber dem Premierminister geben wird, bevor diese aktuelle interne parteipolitische Krise sich zu einer Staatskrise, und somit auch zu einer Krise Europas, ausweitet.

Samstag, 10. März 2012

Von peinlichen Staatsoberhäuptern – über Grenzen hinweg


Am letzten Donnerstag, dem 08. März 2012, wurde der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet, nachdem er am 18. Februar von seinem Amt zurückgetreten war.
Über zwei Monate hinweg hat Wulff aufgrund seines umstrittenen Hauskredits, seiner zwielichtigen Kontakte zu Unternehmerfreunden und vieler anderer zweifelhafter Aktionen das deutsche Volk regelrecht zum Narren gehalten.

Nun hat ihn das politische Berlin endlich in den Ruhestand geschickt – und zwar, wie es scheint, in einen „vergoldeten“ Ruhestand.
Außer einem Ehrensold von jährlich 199.000 Euro soll Wulff, wie alle früheren Bundespräsidenten auch, Personenschutz, ein Auto mit Fahrer, ein Büro und einen Mitarbeiterstab erhalten.
Ein Fakt, der vielen Deutschen offensichtlich missfällt!
Vielen meiner deutschen Freunde und Kollegen ist Christian Wulff einfach nur peinlich, und manche schämen sich sogar für ihn.

Aber die Deutschen sind nicht die einzigen, denen ihr Staatsoberhaupt peinlich ist.
Auch wir hier in Portugal haben an der Spitze des Staates einen Mann, der krampfhaft versucht sein Saubermannimage zu pflegen und der von sich behauptet eine moralische Instanz zu sein, es aber oftmals an Moral und Würde mangeln lässt.

Diese Woche ist bekannt geworden, dass Anibal Cavaco Silva, seines Zeichens Präsident der portugiesischen Republik, seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin zu dessen „überragenden“ Wahlsieg zum Präsidenten Russlands am vergangenen Sonntag gratuliert hat.
Wie auf der offiziellen Seite des hiesigen Präsidialamtes zu lesen ist, gratulierte Cavaco Silva Herrn Putin mit den folgenden Worten:

• „Por ocasião da eleição de Vossa Excelência como Presidente da Federação da Rússia quero dirigir-lhe, em meu nome e no do Povo Português, calorosas felicitações e votos de sucesso no exercício das altas funções que é chamado a desempenhar“

Ins deutsche übersetzt lautet dieser Text wie folgt:

• „Aus Anlass ihrer Wahl zum Präsidenten der Russischen Föderation, möchte ich Ihnen, in meinem Namen und im Namen des portugiesischen Volkes, die wärmsten und herzlichsten Glückwünsche übermitteln und Ihnen für das hohe Amt, für welches Sie nun berufen sind, alles erfolgreiche Wünschen“

Nun, das ein Präsident dem anderen zu einem erfolgreichen Wahlausgang gratuliert, ist nichts Außergewöhnliches und normalerweise auch nicht zu beanstanden.
Außergewöhnlich und beanstandungswürdig ist aber sehr wohl die Art und Weise wie diese Gratulation ausgedrückt wird!

Jeder weiß, dass die Wahlen in Russland weder frei noch fair vonstatten gingen, und dass Wladimir Putin diese nur gewinnen konnte, weil er Wahlbetrug im großen Stil betrieb.
Offensichtlich sind für Putin seine autokratischen Neigungen bedeutender als seine demokratische Überzeugung.

Deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar und im hohen Maße peinlich, das der höchste Repräsentant meines Landes in seinem offiziellen Glückwunschschreiben an Putin die Worte „calorosas felicitações“ (dt.: „wärmsten und herzlichsten Glückwünsche“) benutzt, zumal er diese Worte ja auch im Namen des portugiesischen Volkes, also auch in meinem Namen, übermittelt.

Ich weiß sehr wohl, dass die Diplomatie einen gewissen taktvollen Ton vorschreibt, wenn Politiker miteinander kommunizieren.
Und in diesem Fall hat Cavaco Silva zweifelsohne gegenüber Putin einen taktvollen Ton angeschlagen, als er die Wörter „wärmsten und herzlichsten“ vor die eigentlichen Glückwünsche dransetzte.
Gegenüber jedem freiheitlich denkenden und demokratischen Menschen aber, hat er sich äußerst taktlos verhalten und im Ton vergriffen!

Männer wie Cavaco Silva und Wulff vergessen oftmals die Tatsache, dass das Amt eines portugiesischen Staatspräsidenten oder der eines deutschen Bundespräsidenten eigentlich ein Amt mit Würde und im Dienste des jeweiligen Volkes sein sollte.

Sie mögen diese Tatsache oftmals vergessen…
Aber es obliegt uns, dem Volk, sie immer wieder daran zu erinnern!

Mittwoch, 22. Februar 2012

500 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Thailand und Portugal


Als im Dezember des Jahres 1511 der Seefahrer Duarte Fernandes, der von Beruf eigentlich Schneider war, als erster Europäer von König Ramatibhodi II in Ayuthaya, der damaligen Hauptstadt von Siam (port.: Sião), empfangen wurde, legte er damals den Grundstein für die Allianz die heute noch zwischen Thailand und Portugal besteht.

500 Jahre nachdem der König von Siam den portugiesischen Abenteurer in Ayuthaya empfangen hat, fand heute ein erneuter Empfang zwischen Vertretern beider Nationen statt.
Im Lissabonner Palácio de Belém, dem Amtssitz des portugiesischen Staatspräsidenten, empfing heute Präsident Anibal Cavaco Silva die thailändische Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn.

Die Tochter und Thronfolgerin von König Bhumibol Adulyadej, dem heutigen Staatsoberhaupt von Thailand, hielt sich nur 48 Stunden in Portugal auf.
Nichtsdestotrotz hat sie ein respektables Besuchsprogramm hingelegt.

Heute besuchte sie z.B., im Rahmen ihres zweitätigen Besuches in Lissabon, auf eigenen Wunsch hin, das Orientalische Museum (port.: Museu do Oriente), das einzigartige Kachelmuseum (port.: Museu do Azulejo) und das Forschungsinstitut der Champalimaud-Stiftung (port.: Centro de Investigação da Fundação Champalimaud).

Schon gestern hatte sie im Jardim Vasco da Gama, in Belém, einen „Sala thai“, einen echten thailändischen Pavillon eingeweiht.
Dieser goldene Pavillon ist das offizielle Gastgeschenk des Königreiches Thailand an Portugal, aus Anlass der Feiern zum 500sten Jubiläum der thailändisch-portugiesischen Beziehungen.

Er wurde in der thailändischen Hauptstadt Bangkok gebaut, dann dort wieder auseinandergelegt und per Schiff nach Lissabon gebrach. Hier wurde er dann innerhalb der letzten sechs Monate wieder zusammengebaut, und zwar ohne einen einzigen Nagel oder eine einzige Schraube.
Er wurde im Steckverfahren aufgebaut!
Athit Limmu, der thailändische Architekt des Pavillons, bezeichnete gestern bei der Einweihung desselbigen, sein Bauwerk als ein „Symbol der Freundschaft“ zwischen Thailand und Portugal.

Zu erwähnen sei noch, dass bei der gestrigen feierlichen Einweihung des „Sala thai“ durch Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, auch der portugiesische Thronanwärter, seine königliche Hoheit Dom Duarte Pio de Bragança, zugegen war und sich angeregt mit der Prinzessin unterhielt.
Der Staatspräsident hingegen ließ sich „aus Termingründen“ entschuldigen und glänzte mit Abwesenheit.

Als Monarchist frage mich mal wieder allen ernstes, warum wir Cavaco Silva überhaupt noch in Belém brauchen, wo doch der Anwärter auf den portugiesischen Thron die Aufgaben des Staatspräsidenten zur vollsten Zufriedenheit zu erfüllen scheint…

Mittwoch, 9. November 2011

Verrückte Welt


Laut der hier in Portugal erscheinenden Tageszeitung „i“, hat das Büro des Staatspräsidenten (port.: Presidência da República), diese Woche beim hiesigen Finanzministerium (port.: Ministério das Finanças) die zu erwarteten Kosten des Präsidialamtes für das kommende Jahr eingereicht.
Demnach plant Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva in den nächsten 12 Monaten Ausgaben von sage und schreibe 16 Mio. Euro – das ist, auf die Einwohnerzahl Portugals umgerechnet, 1, 50 Euro pro Kopf.

In einer Zeit, in der Premierminister Pedro Passos Coelho von uns Bürgern erwartet, dass wir sparen, sparen, sparen, geht Cavaco Silva anscheinend mit gutem Beispiel voran.
Er verringert seine Ausgaben um ganze 3 Mio. Euro.
Noch im Vorjahr wurden ihm nämlich 19 Mio. Euro bewilligt.

Von den 16 Mio. Euro, die er nun will, soll er selber, seine 12 Berater, seine 24 Staatssekretäre, seine drei Pressesprecher sowie sein ganzes Personal, welches für den reibungslosen Ablauf des Präsidialamtes und des Palácio de Belém, seinem öffentlichen Amtssitzes, verantwortlich ist, unterhalten werden.

Insgesamt hat Cavaco Silva ein Tross von etwa 500 Personen die ihn umgeben!
Wenn man bedenkt das Queen Elisabeth II im Buckingham Palast nur 300 Angestellte hat und König Juan Carlos von Spanien sogar nur auf 200 Bedienstete zurückgreifen kann, wird einem erst einmal klar, wie immens aufgebauscht und verschwenderisch das hiesige Präsidialamt ist.

Cavaco Silva hat heute im Jahr das 163fache von dem zur Verfügung, was einstmals Antonio Ramalho Eanes, der erste wieder frei gewählte Staatspräsident Portugals, im Jahre 1976 hatte.
Und um wieder Juan Carlos von Spanien als Beispiel zu nehmen:
Während Cavaco Silva in einem Jahr 16 Mio. Euro an Steuergeldern ausgibt um sich und seine Angestellten zu bezahlen, steht König Juan Carlos, auf der anderen Seite der Grenze, nur eine Apanage von gerade einmal 8 Mio. Euro zu.
Das ist gerade einmal die Hälfte von dem was Cavaco Silva bekommt!

Das dem aktuellen portugiesischen Staatspräsidenten doppelt so viel Geld zusteht, wie dem spanischen König, ist schon absurd.
Wir haben 1910 einen König ins Exil geschickt, daraufhin die Anarchie und die Diktatur bekommen und nach etwa 60 Jahren endlich eine „Demokratie“ erhalten, die beinahe in eine kommunistische Katastrophe geendet hätte, und das alles um heute einem Staatspräsidenten doppelt so viel zu bezahlen wie uns ein König kosten würde!

Verrückte Welt!

Mittwoch, 21. September 2011

Anstatt Blumen – Schulden aus Madeira


Das Inselarchipel Madeira, mitten im Atlantik gelegen, wird oft die „Blumeninsel“ (port.: Ilha das Flores) oder „Blume des Ozeans (port.: „Flor do Oceano“) genannt.
Dank seines mild-tropischen Klimas sind die Temperaturschwankungen auf der Insel, das gesamte Jahr über, sehr gering.
Auf der Insel wachsen so die verschiedensten Palmen, Stauden, Araukarien, Yuccas, Bambus, Baumfarne, Kamelien, Begonien, Bougainvilleen und viele andere Bäume und Blumen mehr.

Doch nun wird das politische Klima auf Madeira zunehmend frostiger und die Blumeninsel verwandelt sich, dank der Politik von Alberto João Jardim, seines Zeichens Präsident der Regionalregierung, immer mehr zu einer „Schuldeninsel“.

Seit nun gut einer Woche ist bekannt, dass Alberto João Jardim drei Jahre lang Schulden im Wert von 1,1 Milliarden Euro nicht deklariert hat.
Wie das Nationale Amt für Statistiken (port.: Instituto Nacional de Estatística) und die Bank von Portugal (port.: Banco de Portugal) heute mitteilten, sind diese 1,1 Milliarden Euro wohl nur der Anfang.
Man geht davon aus, dass noch weitere Millionen Euroschulden folgen werden.

Keiner will etwas gewusst haben, weder das Nationale Statistikamt noch die Nationalbank, weder der Prämierminister noch seine Regierung oder der Präsident der Republik.
Fünf staatliche Institutionen wollen von diesem überdimensionalen Finanzloch einfach nichts gewusst haben!
Ich selber glaube nicht daran, oder besser gesagt, ich will an so viel Unwissenheit einfach nicht glauben.
Denn entspricht dies der Wahrheit, dann ist es um Portugal wahrlich schlecht bestellt!

Fakt ist, das dieser kleine, cholerische Mann von der Insel dafür gesorgt hat, dass das Defizit Portugals, trotz aller Sparmaßnahmen der Regierung, immer mehr wächst!

Nicht das diese versteckten Milliardenschulden überraschend gekommen wären, denn bei Alberto João Jardim muss man auf alles gefasst sein.
Nein, was viel schockierender ist, ist das dieser Lokaldiktator sich keinerlei Schuld bewusst ist und er nicht haftbar gemacht werden kann!

Mit seinem unverantwortlichen und politisch-unkorrekten Verhalten bringt er das portugiesische Mutterland nicht zum ersten Mal in große Schwierigkeiten.
Aber trotz seines schroffen, größenwahnsinnigen und unhöflichen Verhaltens, ist er bei der Lokalbevölkerung ungebrochen beliebt, da er mit den Jahren für Madeira viele Vorteile herausschlagen konnte, ironischer Weise auch dank der hohen Regionalförderungen der Europäischen Union.

Jardim, der die bevorstehenden Regionalwahlen im nächsten Monat zweifellos gewinnen wird, hat nun aber den Bogen wohl zu weit gespannt.
Denn nun bringt er seine eigenen Parteifreunde, allen voran Staatspräsident Anibal Cavaco Silva und Premierminister Passos Coelho, in arge Bedrängnis.

Wie soll man von den europäischen Partnern weiterhin die begehrten EU-Hilfsgelder verlangen, wenn im eigenen Land keine Ordnung herrscht?
Eine Frage die sowohl Staatspräsident als auch Premierminister alsbald nicht nur ihren europäischen Amtskollegen beantworten müssen, sondern auch dem portugiesischen Volk, von dem sie immer mehr Sparanstrengungen abverlangen!

Samstag, 17. April 2010

Ich nehme es so, wie es kommt!


Wir leben in einer hochtechnologischen Welt, in einer Welt, die uns das Gefühl gibt, Herr über die Zeit, das Wetter und die Elemente zu sein.
Das dem aber nicht so ist, hat dieser Woche ein Vulkan, dessen Namen ich noch nicht einmal aussprechen kann, und den bis dato hier in Mittel- und Südeuropa kein Mensch kannte, uns allen gelehrt.

Millionen von Fluggästen sitzen seit zwei Tagen an den meisten europäischen Flughäfen fest, und kommen nicht an ihr Ziel, weil der Vulkan Eyjafjllajokull auf Island ausgebrochen ist und nun seine Asche und Gase Kilometerweit in die Erdatmosphäre spuckt.
Da diese Aschewolke für die Luftfahrt äußerst gefährlich ist, sind dementsprechend in fast ganz Europa seit vorgestern alle Flughäfen gesperrt.
Dies beeinträchtigt immens die Reisemöglichkeiten jeden Normalbürgers, sowie auch die der so genannten VIP´s.

Dies musste nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erfahren.
Aus den USA kommend, wo sie sich mit Präsident Barack Obama getroffen hatte, wollte die Bundeskanzlerin gestern nach Berlin zurückfliegen.
Doch die Aschewolke machte ihr und ihrer Delegation einen Strich durch die Rechnung.
Und so musste die Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ in Lissabon landen, da alle deutschen Flughäfen bereits für den Flugverkehr gesperrt waren, genauso wie die britischen, die französischen, die niederländischen, die belgischen, die dänischen, usw., usw.
Lissabon ist überhaupt einer der wenigen Flughäfen in Europa die noch angeflogen werden dürfen.

Hier in Lissabon wurde die Bundeskanzlerin zuerst von ihrem Amtskollegen José Socrates am Lissabonner Militärflughafen Figo Maduro empfangen, bevor sie dann zum Hotel Ritz gebracht wurde, um dort die Nacht zu verbringen.

Eine Nacht in Lissabon, zumal im Ritz, nun es gibt sicherlich schlimmeres im Leben eines Politikers.
Und so reagierte dann auch Angela Merkel auf die Frage eines Reporters als dieser sie am Hoteleingang fragte ob es denn nicht „ärgerlich“ sei, in Lissabon „festzusitzen“.
Sie antwortete ihm kurz und bündig: „Ich nehme es so, wie es kommt!“

Heute Morgen flog die Kanzlerin, sichtlich erholt, um 11.30 Uhr von Lissabon aus in Richtung Rom, da die deutschen Flughäfen immer noch für den Flugverkehr gesperrt sind. Anscheinend beflügeln Vulkanausbrüche die Reisediplomatie der Kanzlerin.

Viel schlimmer als die deutsche Kanzlerin hat das momentane Flugchaos aber den Portugiesischen Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva getroffen.
Der weilte nämlich bis gestern in Prag auf Staatsbesuch.
Und da auch der Flughafen von Prag gesperrt ist, mussten nun er und seine ganze Delegation mit einer Auto- und Buskolonne nach Straßburg gefahren werden, wo sie planen heute zu übernachten.
Morgen soll es dann per Auto weiter nach Barcelona gehen, und von dort, wenn das Wetter und die Aschewolke mitspielen, dann mit einer Regierungsmaschine nach Lissabon.

Sollte es aber für die portugiesische Delegation nicht möglich sein von Barcelona nach Lissabon zu fliegen, dann steht den Herrschaften noch eine Busfahrt von 1200 km bevor.

Ich glaube wie werden dann, nach 3000 km auf der Straße, von Cavaco Silva die Worte: „Ich nehme es so, wie es kommt!“, so wie die Kanzlerin sie gesagt hat, ganz bestimmt nicht hören.

Donnerstag, 24. September 2009

Das Haus der Geschichten von Paula Rego




Am letzten Freitag, dem 18. September 2009, wurde in Cascais, im Beisein von Staatspräsident Anibal Cavaco Silva und seiner Ehefrau, ein bemerkenswertes neues Museum eröffnet, das voll und ganz dem Werk der portugiesischen Malerin Paula Figueiroa Rego gewidmet ist.

Der in den Farben rotbraun gehaltene Neubau "Casa das Histórias Paula Rego" (dt.: Haus der Geschichten von Paula Rego) wurde von dem Architekten Eduardo Souto de Moura entworfen.
Mit zwei Türmen in Pyramidenform und ganz schlichten Mauern ist das Museum im Stil historischer Gebäude gebaut.

Im Inneren kann man die einzigartigen Bilder der seit Jahrzehnten in London lebenden und international anerkannten 73jährigen Künstlerin bewundern.
Paula Rego hat dem Museum mehr als 500 ihrer Werke überlassen. Hinzu kommen noch einige Bilder ihres verstorbenen englischen Ehemannes Victor Willing.

Das Museum heißt nicht umsonst „Haus der Geschichten von Paula Rego“.
Denn wer sich jemals die Bilder von Paula Rego angeschaut hat, weiß wie ausdrucksstark ihre Kunst ist.
Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte, mit seinen überwiegend grotesken, aggressiven, dominanten und geschundenen Figuren.

Ich war gestern in Cascais und habe mir das Museum und die Werke von Paula Rego angeschaut.
Abgesehen davon, das das Museum eines der wenigen, wenn nicht gar das einzige, in Cascais ist das keinen Eintritt verlangt, lohnt sich ein Besuch in der „Casa das Histórias Paula Rego“ alleine schon wegen der Einzigartigkeit der Bilder dieser renommierten Künstlerin.