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Freitag, 11. Februar 2011

Aristides de Sousa Mendes im Holocaust Memorial and Tolerance Center


Am letzten Sonntag wurde im „Holocaust Memorial and Tolerance Center” auf Long Island, im Bundesstaat New York (port.: Nova Iorque), eine Ausstellung zu ehren von Aristides de Sousa Mendes, in Anwesenheit seines Enkels António de Sousa Mendes und zahlreicher Nachfolger der durch Sousa Mendes während des 2. Weltkrieges geretteten Juden, eröffnet.

Als Generalkonsul von Portugal in der Südfranzösischen Stadt Bordeaux (port.: Bordéus) hat Sousa Mendes, damals im Jahre 1940, über 30.000 Menschen das Leben gerettet, in dem er sich einer persönlichen Anweisung des Diktators António de Oliveira Salazar widersetzte, und den Flüchtlingen, die vor Nazideutschland flohen, anstandslos Visa ausstellte, obwohl ihm das verboten war.

Noch vor ihrer Öffnung hat die Ausstellung den Ruf die „beste und ausführlichste“ zu sein, die es jemals über den portugiesischen Diplomaten gegeben hat.
Nur wenige Tage nach der Eröffnung, und nach dem riesigen Besucheransturm auf die Ausstellung, scheint sich dieser Ruf zu bestätigen.

Bis zum 26. März wird die Ausstellung im „Holocaust Memorial and Tolerance Center“ zu besichtigen sein.
Und wer nicht mal kurz nach New York reisen kann, um sich die Ausstellung anzuschauen, der wird die Möglichkeit haben, diese später hier in Europa zu besuchen.
Noch in diesem Jahr wird es möglich sein, die Ausstellung hier in Lissabon zu besichtigen.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Nachtrag zu „Hundert Jahre Was???“


Am 04. Oktober stellte ich hier in meinem Blog, unter dem post „Hundert Jahre Was???“, die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Geburtstag der portugiesischen Republik in Frage.

Wer mich kennt, und wer dieses Blog aufmerksam liest, weiß das ich Demokrat bin, durch und durch, und hier im Blog ab und zu einzig und alleine meine freie politische Meinung zum Ausdruck bringe, ohne das ich Mitglied einer Partei wäre oder auch nur annährend einen Vorteil daraus ziehen würde.

Auf meinen post „Hundert Jahre Was???“ habe ich einige Mails erhalten.
Die meisten waren positiv, das eine oder andere aber leider auch etwas aggressiv.
So schrieb mir jemand aus Hamburg, ich sei sicherlich adelig, und würde deshalb so den monarchischen Gedanken verteidigen. Zwei Leser aus der Algarve schrieben mich anonym an, und meinten ich wäre sicherlich ein Faschist.

Nun, um es vorweg zu nehmen, ich bin weder adelig noch faschistisch.
Meine Familie ist seit Generationen bürgerlich, um nicht zu sagen arm. Es gibt keinerlei monarchistische Traditionen in meiner Familie.
Im Gegenteil, als ich vor Jahren meiner Familie sagte ich würde an eine moderne, freie und demokratische Monarchie glauben, so war das damals ein ganz besonderes und schwieriges Outing.
Meine Tante Albertina, die stark in der Sozialistischen Partei (port.: Partido Socialista / PS) engagiert ist, hat sogar monatelang nicht mit mir gesprochen.
Denn genauso wie die zwei Leser die mir aus der Algarve schrieben, so herrschte auch in meiner Familie und in meinem Freundeskreis die unerschütterliche Meinung, das ein Monarchist automatisch faschistisch angehaucht sein muss.
Da mich aber meine Familie und meine Freunde sehr gut kennen, wissen sie dass das mit dem Faschisten nicht stimmen kann.
Im Gegenteil, ich bin eher das, was man wohl als sozial-liberal bezeichnen würde.
Warum Monarchisten erst ausgelacht und dann politisch immer an den rechten Rand abgeschoben werden, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Ich habe gemerkt dass ich ein königstreuer bin, als ich so um die 16 Jahre alt war. Damals, in Deutschland groß geworden und im Geiste des Kalten Krieges aufgewachsen, war ich schon immer sehr politisch interessiert.

In meinen Augen, war die Monarchie immer ein Symbol der Freiheit, nicht nur hier in Portugal, sondern in vielen anderen Ländern.
Die vier großen westeuropäischen Diktaturen, wie die deutsche unter Hitler, die italienische unter Mussolini, die spanische unter Franco und die portugiesische unter Salazar wären niemals möglich gewesen, hätte man nicht vorher die Monarchien in diesen Ländern abgeschafft.
Viele Monarchisten meinen, und ich bin einer von ihnen, Portugal wäre nie so „groß“ gewesen, als zu Zeiten der Monarchie.
Im Vergleich dazu, finde ich, dass diese Nation noch nie so „klein“ war wie heute!
Außerdem kann und will ich nicht glauben, das ein politisches System welches sich über 800 Jahre lang bewährt hat, schlechter sein soll als ein politisches System das sich 100 Jahre mehr schlecht als recht über Wasser gehalten hat, und dessen Hälfte der Zeit sogar eine Diktatur war.

Ich akzeptiere und respektiere jede politische Einstellung von Jedermann, solange sie demokratisch ist.
Also möchte ich, dass auch meine politischen Sympathien respektiert werden.

Vor einiger Zeit hat mich eine Freundin gefragt, ob ich die Hoffnung habe, dass jemals wieder ein König über Portugal herrschen wird.
Nun ich habe weder mit Ja noch mit Nein geantwortet, sondern mit folgendem spontanem Satz:
„Als Monarchist in Portugal, lebst du in ständiger Hoffnung!“.

Hoffentlich behalte ich Recht!

Montag, 4. Oktober 2010

Hundert Jahre Was???


Heute vor genau hundert Jahren fand hier in Lissabon ein Denkwürdiges Bankett statt.
Dieses Bankett wurde zu ehren des gewählten brasilianischen Staatspräsidenten Marechal Henrique da Fonseca, der gerade zu einem Staatsbesuch in Portugal weilte, im königlichen Palast von Ajuda gegeben.

Während des Abendessens, drangen mehrere portugiesische Militärs in den Bankettssaal ein und berichteten den Anwesenden, dass sich im Zentrum der Stadt, am Marques de Pombal, bewaffnete Aufrührer zusammengetan hätten, und diese nun auf dem Weg zum Palast seien.
Sofort verließen die anwesenden Politiker, Adelige und selbst der junge König Manuel II den Raum, und begaben sich alle auf die Flucht vor dem Mob, der marodierend durch die Straßen ging und skandierte: „Abaixo o rei, viva a República“ (dt.: Nieder mit dem König, es lebe die Republik).

Am nächsten Tag, dem 05. Oktober1910, wurde in Lissabon die Republik von einer kleinen militärischen und bürgerlichen Elite vom Balkon des Rathauses ausgerufen, gegen den Willen der Mehrheit der Portugiesen.
Man schätzt heute, dass damals lediglich 7% der Bevölkerung dem republikanischen Gedanken zugetan war!
König Manuel musste mit seiner Mutter Amélia, seiner Großmutter Maria Pia und seinem Onkel D. Afonso (aus nur diesen vier Mitgliedern bestand die ganze portugiesische Familie), von Ericeira aus ins britische Exil gehen.

Heute, 100 Jahre nach dieser Vertreibung, feiert man hier in Portugal, die Republik.

Aber ich frage mich allen Ernstens, was diese Republikaner eigentlich feiern wollen?

Den feigen Mordanschlag (port.: regicídio) an König Carlos I und dem Thronfolger Luis Filipe, der der republikanischen Revolution zwei Jahre zuvor voran ging?
Oder feiern sie die Erste Republik, die das Land ins Chos stürzte und innerhalb von 15 Jahren 44 verschiedene Regierungen unter acht Präsidenten vorbrachte, eine inkompetenter als die andere?
Feiern sie etwa die Diktatur Salazars, die der Ersten Republik folgte und die das Land zum Stillstand zwang?
Oder Feiern sie gar die Tatsache, das wir heute vor einem Staatsbankrott stehen und das wir extreme Schwierigkeiten in der Arbeits-, Gesundheits-, Justiz-, Schul- und Wohnungspolitik haben?

Ich weiß nicht wie viele meiner Landsleute die Idee der Wiedereinführung der Monarchie befürworten würden.
In nächster Zeit werde ich dies wohl auch nicht erfahren, denn die aktuellen demokratisch gewählten Regierungen weigern sich beharrlich ein Volksentscheid durchzuführen.

Aber eines weiß ich mit Sicherheit: Die Anhänger der Monarchie werden immer mehr. Sei es im Internet oder auf der Straße, die Idee eines Königs in Portugal ist nicht mehr so abwegig wie noch vor einigen Jahren.

Ein Präsident der Republik kann, auch wenn er das Gegenteil behauptet, niemals der Präsident aller Portugiesen sein!
Dafür hat er eine oder mehrere Parteien hinter sich, die ihn an den Platz gebracht haben, an dem er ist.
Ein König dagegen ist von Natur aus überparteilich und als solcher ist er nicht nur ein natürlicher Repräsentant Portugals und aller Portugiesen, sondern auch ein Garant der Nationalen Einheit und der Stabilität des Landes.

Daher möchte ich gerne der Republik, zu ihrem 100jährigen Geburtstag folgendes in ihr Gästebuch eintragen:

Es lebe der König!
Es lebe die Monarchie!
Es lebe Portugal!

Viva El-Rei!
Viva a Monarquia!
Viva Portugal!

Samstag, 11. Juli 2009

Jedes Foto hat seine eigene Geschichte – Cada foto é uma história






In meinem vorherigen post, mit dem Titel „Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums“ erwähnte ich beiläufig, das drei meiner Onkel an den Überseekriegen (Guerras do Ultramar) teilnehmen mussten, um, wie es das Salazarregime damals ausdrückte, der Nation zu dienen.

Einer von ihnen, mein Onkel Raul Rodrigues Pires, ist der Bruder meiner Mutter Luisa und auch mein Patenonkel.

Ihm möchte ich nun dieses post hier widmen, und ein wenig über seine Militärzeit in Portugiesisch Guinea (Guiné Portuguesa), an der Westküste Afrikas, erzählen.
Seine Geschichte steht stellvertretend für die tausender anderer junger Soldaten, die ihren Dienst an der Waffe für Portugal in Afrika verrichten mussten.

Mein Onkel Raul wurde am 20. Mai 1942 in Lissabon geboren und besuchte dort die Schule. In der Hauptstadt verbrachte er auch seine Kindheit und seine Jugend.
Mit 19 Jahren, im Herbst 1963, begann er seinen Militärdienst in der Stadt Castelo Branco, im Norden Portugals.
Dort, in Castelo Branco erhielt er dann auch seinen Einberufungsbefehl nach Portugiesisch Guinea. Nach einer Trainingsphase in den Kasernen von Tomar und Santa Margarida im Norden Portugals, wurde er im Juli 1964 mit seinen Kameraden, auf dem Transportschiff „India“ nach Portugiesisch Guinea verschifft, wo er am 21. Juli im Hafen von Bissau ankam.

In Guinea angekommen, wurde er mit seinem Bataillon (Batalhão Caçadores 6/97 = Feldjägerbataillon 6/97) in Fá stationiert, einer Ortschaft, Mitten im afrikanischen Urwald, die zwischen den Städten Bambadinca und Bafatá, lag. In Fá blieb er dann die meiste Zeit seines Militärdienstes. Er verließ Fá nur um an militärischen Operationen gegen die marxistisch orientierten Guerillakämpfer teilzunehmen.

So nahm er unter anderem, im März 1965, an der erfolgreichen Befreiung der Halbinsel Ponta do Inglês im Westen des Landes, teil.

Im Gegensatz zu heute, wo jeder ein Handy mit Fotokamera oder eine Digitalkamera zur Hand hat, waren damals private Fotographien eine Ausnahme.
Auch achteten die Militärs, durch Zensur, darauf das nicht jedes Fotos nach Portugal geschickt werden konnte. So waren Fotos, auf denen Kriegshandlungen oder verletzte Soldaten zu sehen waren, verboten. Denn das Risiko das sich im Mutterland Portugal viele gegen die Kolonialkriege aussprechen würden, wenn sie solche gewalttätigen Bilder sehen würden, war gegeben.
So passierten nur Fotos die Zensur, auf denen die Soldaten bei gemeinsamen Aktivitäten, wie Sport, Essen und Trinken, Musizieren und Feiern zu sehen waren.
Bilder auf denen sich Soldaten mit Tieren Westafrikas zeigten, oder mit der ortsansässigen Bevölkerung ablichten ließen, wurden ohne weiteres an ihre Familien in Portugal durch die Feldpost gesendet. Fotos aber, auf denen kriegerische Aktivitäten nur andeutungsweise zu sehen waren, wurden sofort aussortiert und nicht weitergegeben.

So hatten die Familien der Soldaten daheim, den Anschein, dass die Überseekriege gar nicht so gefährlich waren, wie es die ausländischen Presseagenturen berichteten.
Viele, viele Jahre später, während der beiden Golfkriege, sollten die Amerikaner genau diese Fotozensur verwenden, um die Familien und Freunde der Soldaten die im Irak ihren Dienst versahen, hinters Licht zu führen.

Auf der Rückseite eines seiner Fotos, die mein Onkel Raul regelmäßig seiner damaligen Verlobten Albertina, meiner heutigen Tante, seiner Mutter und seinen Schwestern sendete, schrieb er folgenden Vierzeiler, welches ich hier gerne übersetzen will:

„Cada foto é uma história,
Que eu tenho para contar,
À minha querida familia
Quando eu a casa chegar.

(Raul Rodrigues Rires, 25.08.1964, Fá – Guiné Portuguesa)


Jedes Foto hat eine eigene Geschichte,
die ich Euch erzählen werde,
wenn ich, liebe Familie
zu Euch nach hause Wiederkehre.

(Übersetzung von Paulo Alves, 10.07.2009)

Mein Onkel Raul blieb zwei Jahre in Portugiesisch Guinea. Er erlebte viel, sah viel Unglück und wurde mehrmals mit dem Tod konfrontiert. Viele seiner Kameraden starben und blieben in Afrika. Guinea wurde für Portugal das, was Vietnam für die Amerikaner noch werden sollte.
Doch Gott sei Dank, kehrte er im 03. Mai 1966 gesund nach hause zurück. Im gleichen Monat, am 12. Mai, wurde ich geboren und er wurde mein Patenonkel.

Wie in seinem Vierzeiler versprochen, so kann er uns heute, Gott sei Dank, viele, viele Geschichten erzählen!

Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums






Portugal sind die kriegerischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges (1939-1945), Gott sei Dank, erspart geblieben. Durch seine Neutralität, schaffte es der Diktator António de Oliveira Salazar, Portugal aus den blutigen Gemetzel Hitlers, Mussolinis und Francos herauszuhalten.

Was Salazar allerdings nicht verhindern konnte, waren die Überseekriege (Guerras do Ultramar) die von 1961 bis 1973 stattfanden und die im Ausland abschätzig Kolonialkriege (Guerras Coloniais) genannt wurden.
Da es offiziell in Portugal keine Kolonien gab, sondern nur Überseeprovinzen, konnte es sich bei diesen kriegerischen Auseinandersetzungen, so die portugiesische Auffassung, auch nicht um Kolonialkriege handeln, sondern um Überseekriege.
Ohne Zweifel sind die Überseekriege, oder Kolonialkriege, wie auch immer man sie nennen mag, das dunkelste Kapitel der neueren portugiesischen Geschichte.

Zu den Überseekriegen muss als erstes angemerkt werden, das Portugal kein Krieg gegen die Bevölkerungen von Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea geführt hat, sondern gegen einzelne Guerillagruppen, die ideologisch vollkommen eine andere Richtung einschlugen als die portugiesische Zentralregierung. Die Mehrheit der Bevölkerungen dieser Überseeprovinzen war mit der portugiesischen Herrschaft und ihrem Verwaltungssystem vollkommen einverstanden!

Während Portugal, seit 1949 ein Gründungsmitglied der NATO, politisch völlig westlich orientiert war, waren die Guerillakrieger, mit denen sich die portugiesischen Truppen rumschlagen mussten, alle kommunistisch-marxistisch eingestellt, und wurden als solche auch von der damaligen Sowjetunion unterstützt.
Da diese Gruppen auch eine Unabhängigkeit von Portugal erreichen wollten, wurden sie paradoxer Weise auch von dem NATO-Partner Portugals, den USA, politisch und militärisch unterstützt, denn die USA wollten auf keinen Fall die afrikanischen Länder dem Einfluss der Sowjets überlassen. Besonders der amerikanische Präsident J.F. Kennedy erwies sich als Verräter an der portugiesich-amerikanischen Politik.

So wurde Portugal gezwungen ab 1961 einen Dreifrontenkrieg in Afrika zu führen.
In Angola gegen die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola = Volksbefreiungsarmee Angolas).
In Moçambique gegen die FRELIMO (Frente da Libertação de Moçambique = Befreiungsfront von Moçambique).
Und in Guinea gegen die PAIGC (Partido Africano da Independencia da Guiné e de Cabo Verde = Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea und Kapverde).

Der Krieg in Angola und Moçambique war alsbald für die Portugiesen entschieden. Denn obwohl es sich bei diesen zwei Überseegebieten um riesige Territorien handelte, so waren es Gebiete der offenen Savannen und mit wenig Bevölkerung, und so leicht militärisch zu bezwingen.
In Portugiesisch Guinea allerdings, hatten die Portugiesen es wesentlich schwerer, da das ganze Territorium hauptsächlich aus dichtem Urwald bestand und die Bevölkerungsdichte sehr hoch war. Guiné wurde, so kann man heute sagen, zu Portugals Vietnam.

Die portugiesische Regierung führte, trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die Politik des „Lusotropicalismo“ weiterhin fort.
Mit Lusotropikalismus war das „Portugiesieren“ der Schwarzafrikaner in den Überseegebieten gemeint.
Den Schwarzen war es demnach gestattet, alle hohen Positionen in Militär, Verwaltung, Schul- und Gesundheitswesen einzunehmen, so wie den Weißen auch. Mischehen waren nicht nur zugelassen, sondern wurden gefördert. Studieren wurde den Schwarzen genauso erlaubt wie den Weißen. Die Portugiesen gründeten in den 60er Jahren zwei staatliche Universitäten in den Überseegebieten, eine in Angola und eine in Moçambique. Zum Vergleich: In Portugal gab es zur selben Zeit nur 4 staatliche Universitäten! Durch den Lusotropikalismus waren die Schwarzafrikaner gleichberechtigte Bürger Portugals.

Die Überseekriege waren, im Nachhinein gesehen, unnötige, blutige, kriegerische Auseinandersetzungen, die mit ein wenig politischem Feingefühl, verhindert hätten werden können. Man hätte z.B. die Überseegebiete in die Unabhängigkeit entlassen können, sie aber an einen losen Staatenbund mit Portugal anbinden können, so wie es das britische Empire mit seinen Kolonien und dem Commonwealth getan hat.
Viele junge portugiesische Soldaten fanden in Afrika den Tod. Ebenso viele Zivilisten, die zwischen die Fronten gerieten. Jede portugiesische Familie hatte mindestens einen Sohn oder einen Vater der in Afrika kämpfte. Viele Familien mussten Gefallene, und später auch Flüchtling beklagen.

Ich selber hatte drei Onkel die in Afrika gekämpft haben und Großtanten und Großonkel, die fluchtartig aus Moçambique fliehen mussten, weil marodierende Guerillagruppen zum Ende des Krieges hin, durch die Straßen der Hauptstadt Lourenço Marques wandalisierten und jeden erschossen, der eine weiße Hautfarbe hatte.

Am traurigsten aber ist es, das Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea nach dem Krieg mit Portugal keinen Frieden gefunden haben. Im Gegenteil!
Nach der Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1975, verwickelten sich diese Länder für Jahrzehnte in blutige, grausame Bürgerkriege, in denen, statistisch gesehen, 30 Mal so viele Schwarze umkamen, als zuvor in den Überseekriegen mit Portugal.

Noch heute hat Portugal mit den negativen Auswirkungen dieser vergangenen Kriege zu kämpfen.

Dienstag, 7. Juli 2009

Wenn ein Prämierminister in die Oper geht


Dieses Wochenende ist unser Prämierminister José Socrates in die Oper gegangen.
Und der Titel des Mannes ist wirklich Prämierminister und nicht, wie so oft deutsche Medien behaupten oder schreiben, Ministerpräsident!

Warum ich als Portugiese so viel Wert auf diesen Unterschied lege?
Nun, „Primeiro Ministro“ (Prämierminister = Erster Minister) wird nach dem Parlamentspräsidenten und dem Staatspräsidenten, der dritte Mann im Staate, hier in Portugal, genannt.
Als „Presidente de Ministros“ (Ministerpräsident) wurden zur Zeit der Diktatur, im 20. Jahrhundert, die Diktatoren António de Oliveira Salazar und Marcello Caetano, tituliert.
Die Zeiten der Diktatur sind aber vorbei.
Also bitte deutsche Medien, tituliert den Chef der portugiesischen Regierung als Prämierminister und nicht als Ministerpräsidenten!
Schließlich titulieren wir hier in Portugal Frau Dr. Angela Merkel auch als Bundeskanzlerin, und nicht als Reichskanzlerin!
Ich hoffe es ist mir gelungen den Unterschied klar zu machen.

Aber nun zum eigentlichen Grund warum ich dieses post schreibe. Wie anfangs schon erwähnt, besuchte am Wochenende unser Prämierminister Socrates die Oper im Centro Cultural de Belém (CCB).

Dies alleine wäre natürlich nicht eine Nachricht wert. Nein, die eigentliche Nachricht ist die, dass er kräftig Ausgebuht wurde, als er die Oper betrat.
Und warum wurde er ausgebuht?
Nun, er kam eine halbe Stunde zu spät an der Oper an, und solange mussten die anderen Opernbesucher auf die Aufführung warten.
Deshalb also, wurde er ausgebuht, als er den Opernsaal, an der Seite seiner Freundin Fernanda Câncio, betrat.

Am nächsten Tag konnte man dann in den Tageszeitungen in großen, dicken Buchstaben lesen, das Socrates mit seiner Freundin eine halbe Stunde zur Opernaufführung kam, und nur in kleinen Lettern war zu lesen, warum er denn später in der Oper eintraf.
Nun, der Mann hatte an diesem Nachmittag ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten (und der ist wirklich Ministerpräsident und nicht Prämierminister!) von Cabo Verde gehabt, und dieser Herr nahm es mit der Pünktlichkeit auch nicht gerade sehr ernst.

Also kam Socrates zu spät zur Oper, weil er seinen Pflichten als Staatsmann nachgekommen war.
Man stelle sich vor, er hätte das Treffen mit dem Ministerpräsidenten von Cabo Verde abgesagt, um in die Oper zu gehen. Dann hätte man ihm wahrscheinlich vorgeworfen, nur ans Vergnügen gedacht zu haben, und nicht an seine Pflichten als Staatsmann.

Wer eigentlich hätte ausgebuht werden sollen an diesem Abend, ist meiner Meinung nach, die Leitung der Oper.
Denn, in jedem normalen, zivilisierten Land der Welt, hätten die Verantwortlichen der Oper um Punkt 20 Uhr, wie vorgesehen, die Aufführung beginnen lassen, mit oder ohne Anwesenheit des Prämierministers.
Und dann hätte man nach dem ersten Akt, dem Mann und seiner Freundin den Eintritt ja gewähren können! So hätte man diese hässliche Szene des Ausbuhens verhindern können und es wäre erst gar nicht zu diesem traurigen Zwischenfall gekommen.

Als Prämierminister Socrates heute gefragt wurde, ob ihm denn die Oper gefallen hätte, antwortete er knapp und mit einem verschmitzten Lächeln:
„Die erste halbe Stunde war mir etwas Fremd, aber danach habe ich sie genossen…!“