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Freitag, 13. Juli 2012

Goldener Tejo

Als ich heute Abend, nach der Arbeit, mit meiner guten Freundin Ana Celeste den Tejo überquerte, stand die Sonne schon ziemlich tief.
So kurz vor dem Sonnenuntergang fallen jetzt im Sommer die Sonnenstrahlen wie eine Flut aus schimmerndem Gold auf das sanft wogende Wasser des Flusses.

Ana Celeste, die den Tejo nur selten überquert, da sie in Odivelas lebt, war von diesem „goldigen“ Schauspiel überwältigt und meinte nur:

„ …traumhaft, sieht aus wie fließendes Gold!…“

Und kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, fragte sie mich allen ernstes:

„Was meinst Du, gibt es im Tejo Gold?“

Nun, das es heute noch Gold im Tejo gibt, wage ich stark zu bezweifeln.
Sicherlich, das eine oder andere kleine Schmuckstück, die eine oder andere Goldmünze aus vergangenen Jahrhunderten wird dort unten sicherlich, unter meterhohem Schlick, zu finden sein.
Sonst wird man im Tejo aber wohl sicherlich kein Gold mehr anfinden.
Aber es gab ihn einstmals sehr wohl – Gold im Tejo!

Zwar war der Fluss nie ein „El Dorado“, aber schon die Karthager und die alten Römer haben an seinem Ufer, unweit der Stadt Santarém, wohl erfolgreich nach Gold geschürft.
Hier in Lissabon war das Schürfen nach Gold aber eher kläglich.
Alte Schriften belegen zwar, dass es an den sandigen Ufern des heutigen Lissabons, Almadas und Seixals, einstmals sehr wohl Gold gegeben hat, aber die Mengen müssen doch sehr überschaubar gewesen sein.

Der im 12. Jahrhundert lebende berühmte arabische Botaniker und Geograph Muhammad al-Idrisi schreibt hierzu in seinem Hauptwerk „Nuzhat al-Mushtak fi-ichtiraq al-afaq“ (port.: „Viagem do saudoso que atravessa os horizontes“ / dt.: „Reise des Sehnsüchtigen der die Horizonte überquert“) folgende Anmerkungen:

„Sie (die Goldsucher) suchen an den Ufern von Hisn al-Madin (port.: Almada) nach (Gold)Blättchen und bergen diese in Hülle und Fülle aus dem Meer (dem Fluss Tejo) …“
„Das Gold schimmert in den blauen Wassern. Sogar Kinder finden es ohne Mühe und von einem Meister wurde mir gar berichtet er hätte an einem einzigen Tag über 200 Goldkörner in seiner Pfanne gehabt…“

Zugegeben, der große Muhammad al-Idrisi, der aus dem maurischen Königreich Al-Andalus (dt.: Andalusien) stammte und an der Universität von Cordova studiert hat, ist selbst nie in Lissabon gewesen.
Aber er ist sehr wohl dafür berühmt, dass er in seinen Schriften immer äußerst zuverlässig und sehr detailgenau berichtete.
Nichtsdestotrotz scheint ihm hier die Phantasie, jedenfalls was die Mengen an Gold angeht, wohl durchgegangen zu sein.

Bis hinein ins 15. Jahrhundert, also schon in portugiesischer Zeit, erwähnen noch einige Schriften Goldfunde in und um Lissabon.
Als die portugiesischen Seefahrer dann aber anfingen in die Welt hinauszufahren und in Afrika, Indien und Brasilien Gold in rauen Mengen anfanden, hörten die Berichte über die Funde dieses Edelmetalls in hiesigen Gewässern langsam auf.

Wie viel Gold der Tejo den Menschen im laufe der Jahre wirklich geschenkt hat, ist heute unkalkulierbar.
Weitaus kalkulierbarer sind dagegen, jetzt im Sommer, die schönen Sonnenuntergänge die man an den Ufern dieses prächtigen Flusses bewundern kann!

Donnerstag, 12. Januar 2012

Vasco da Gama


Wer jemals in Sines zu Gast war, wird von der Stadt an sich enttäuscht sein.
In einer felsigen und dünenreichen Bucht der südportugiesischen Atlantikküste des Baixo Alentejo gelegen, hat Sines, architektonisch gesehen, nicht viel mehr als eine kleine Fischerkapelle, eine vor Jahren restaurierte alte Burg und eine riesige, stinkende Erdölraffinerie zu bieten.
Aber, auch wenn Sines nicht besonders sehenswert ist, so ist die Stadt in Portugal doch als der Geburtsort eines großen Portugiesen bekannt.

Der berühmte Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama ist nämlich ein Sohn dieser Stadt.
Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, denn die Angaben in den verschiedenen Dokumenten schwanken zwischen 1460 und 1469.
Überhaupt weiß man heute recht wenig über das Leben des jungen Vasco da Gama.
Er wurde als Sohn von Estêvão da Gama und Isabel Sodré, deren Familie ursprünglich aus England stammte, geboren.
Vasco da Gama hatte mindestens vier Geschwister, darunter auch sein Bruder und Weggefährte Paulo da Gama. Einige Wissenschaftler sprechen gar von fünf oder sechs Brüdern und Schwestern.

Sein Vater Estêvão da Gama gehörte dem niederen Adel und dem Ritterorden von Santiago (port.: Ordem de Santiago) an. Er hatte das Amt eines Gouverneurs (port.: Alcaide-mor) der Städte Sines und Silves inne.
Estêvão da Gama besaß eine kleine Seifenfabrik in Estremoz, mit der er hauptsächlich den Lebensunterhalt seiner Familie bestritt.

Im Jahre 1480 trat auch Vasco da Gama in den Ritterorden von Santiago ein. Der Eintritt in diesen Orden bedeutete nicht automatisch die spätere Weihe zum Priester, sondern sie war lediglich die Voraussetzung dafür, später einmal
Einkünfte aus der Verwaltung und Bewirtschaftung der Güter des Ritterordens beziehen zu können.
Da der Eintritt in den Santiagoorden damals gewöhnlich im Alter von elf oder zwölf Jahren erfolgte, gehen heutige Historiker davon aus, das das Geburtsjahr von Vasco da Gama entweder 1468 oder 1469 war.
Aber wie schon erwähnt – sicher ist man sich nicht.

Sicher ist man sich allerdings darin, dass er im Santiagoroden ein Schüler des Mathematikers und Historikers Augusto Carlos Teixeira de Aragão war. Außerdem kam er durch den Orden zum ersten Mal mit der Seefahrt in Verbindung.
Da er den großen Astronomen Abraão ben Samuel Zacuto persönlich kannte (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Abraão ben Samuel Zacuto“ vom 07. Januar 2012), vermutet man, dass er von diesem auch in die Astronomie eingewiesen wurde.

Im Jahre 1492 beauftragt ihn König João II mit der Überwachung des Handels in der Hafenstadt Setúbal.
Zu seinen Aufgaben gehörte es, unter anderem, Angriffe französischer Piraten, gegenüber portugiesischen Handelsschiffen vor der Küste Westafrikas, zu unterbinden.
Einen Auftrag den Vasco da Gama, gnadenlos und mit aller Härte, zur vollsten Zufriedenheit des Königs erledigt.
Eine Tatsache die dazu führt, dass seine menschlichen Qualitäten bis heute sehr umstritten sind.
In zeitgenössischen Quellen wird Da Gama oftmals als tapfer, zäh, stolz, mutig und kompromisslos aber auch als jähzornig, hitzig und sogar brutal beschrieben.

Aber vielleicht ist gerade seine Kompromisslosigkeit der Grund, warum König Manuel I ausgerechnet ihn damit beauftragte den Seeweg nach Indien zu finden, obwohl er bis dahin nur geringe Kenntnisse in der Seefahrt hatte.
Zwar hatte er eine gute Beziehung zu Manuel I und genoss das völlige Vertrauen des Königs, aber ausschlaggebend für die Ernennung Vasco da Gamas zum Kommandanten der ersten Entdeckungsfahrt nach Indien, war wohl, das er der größte Verfechter der Suche des Seeweges nach Indien, um den afrikanischen Kontinent herum, gewesen war.

Am 08. Juli 1497 sticht Vasco da Gama vom Hafen des damaligen Lissabonner Vorortes Restelo in See.
Insgesamt vier Segelschiffe bilden die kleine Armada.
Die Nau „São Gabriel“, die eigens für diese Fahrt gebaut wurde, diente Vasco da Gama, mit Pêro de Alenquer als Steuermann, als Flagschiff.
Auf der Nau „São Rafael“, die ebenfalls eigens für diese Reise konstruiert wurde, übernahm sein Bruder Paulo da Gama, mit dem Steuermann João de Coimbra, das Kommando.
Kapitän Nicolau Coelho und Steuermann Pêro Escobar kommandieren die etwas ältere Nau „Bérrio“.
Und auf dem kleinen und alten Transportschiff „São Miguel“ hatte Kapitän Gonçalo Nunes das sagen.

Obwohl er geringe nautische Kenntnisse hatte, standen so Vasco da Gama einige der besten Steuermänner und Kapitäne der damaligen Zeit zur Verfügung.
Die gesamte Besatzung der Armada bestand aus 170 Seeleuten, sieben Priestern und 24 Sträflingen, deren Aufgabe es war, bei besonders riskanten Unternehmungen ihren Kopf hinzuhalten.
Ein Drittel dieser Männer wird die Rückkehr nach Portugal nicht mehr erleben.

Nach einer Woche auf dem Meer, passieren die Schiffe die Kanarischen Inseln und am 04. November erreichen sie die Bucht von Sankt Helena (port.: Baía de Santa Helena) an der südwestafrikanischen Küste.
Am 22. November umrundet die kleine Armada das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) und drei Tage später werfen sie vor der heutigen Moselbay die Anker.
Am Weihnachtstag des Jahres 1497 segeln sie an der südafrikanischen Küste vorbei, und taufen sie auf den Namen Natal.
Diese Küste ist heute Teil der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal.

Am 02. März 1498 ankert Vasco da Gama, nach Tagen voller schwerer Stürme und mehreren versuchten Meutereien seiner Mannschaft, in einer Bucht, die zum heutigen Moçambique gehört.

Fünf Wochen später, am 07. April 1498, erreichen sie die heutige kenianische Stadt Mombasa (port.: Mombaça), wo sie von den dortigen Bewohnern und arabischen Kauf- und Seeleuten feindlich empfangen werden.
Vasco da Gama segelt bis zur Stadt Malindi (port.: Melinde) weiter, wo sie freundlicher aufgenommen werden. In Malindi wird ihm vom Sultan der ortskundige Steuermann Ahamed ben Madjid zur Verfügung gestellt, der die Armada nach Indien bringen soll.

Dort kommt Vasco da Gama auch, am Morgen des 20. Mai 1498, nach einer zehnmonatigen Überfahrt, an dem Strand von Kappakadavu, nördlich der Stadt Calecut im heutigen indischen Bundesstaat Kerala, an.
Zum ersten Mal in der Geschichte, war es einem Menschen gelungen, den afrikanischen Kontinent zu Umfahren und so den Seeweg nach Indien zu entdecken!

Da Gama schließt mit Samutiri Manavikraman Rajá, dem Zamorin (dt.: Stadthalter) von Calecut einen Friedens- und Handelsvertrag ab, und am 29. August 1498 tritt er, mit damals wertvollen Gewürzen beladen, den Rückweg nach Portugal an.
Er lässt 18 Mann zurück, ausnahmslos Sträflinge, und gibt diesen den Auftrag, sie möchten einen portugiesischen Handelsplatz gründen.

Durch den Monsun kommt die Armada nur langsam voran. Erst am 07. Januar 1499 erreicht Vasco da Gama bei Melinde die afrikanische Küste.
Die weitere Fahrt erweist sich, auf Grund der schlechten Wetterverhältnisse, als ziemlich schwierig und langwierig.

Erst am 10. Juli 1499 erreicht das erste Schiff seiner Armada, die „Bérrio“, unter dem Kommando von Kapitän Nicolau Coelho, Lissabon.
Vasco da Gama selber, der sich wegen seines todkranken Bruders Paulo mehrere Wochen auf der Azoreninsel Terceira aufhält, kommt erst am 09. September 1499 in Lissabon an, wo er triumphal vom König empfangen wird.

König Manuel I belohnt ihn reichlich.
Er spricht ihm eine stattliche Jahresrente von 300.000 Reais zu, macht ihn im Dezember 1499 zum Gouverneur von Sines, ein Amt den zuvor sein Vater Inne hatte, und ernennt ihn zum „Almirante do Mar das Indias“ (dt.: Admiral der indischen Meere“).

Um das Jahr 1500 herum ehelicht Vasco da Gama die Adelige Catarina de Ataíde, eine Tochter des königlichen Stadthalters von Alvor, Afonso de Ataíde, und dessen Ehefrau Maria da Silva.
Mit Catarina de Ataíde hat Vasco da Gama später einmal sechs Söhne und eine Tochter.

Es sind dies:

• Pedro da Silva da Gama, der von 1548 bis 1552 Gouverneur (port.: Capitão-mor) von Malakka war
• Francisco da Gama, zukünftiger Haupterbe seines Vaters und zweiter Graf von Vidigueira
• Paulo da Gama, der zwischen 1533 und 1534 Gouverneur von Malakka war
• Isabel de Ataíde
• Álvaro da Gama
• Estêvão da Gama, der u. a. zwischen 1529-1534 Gouverneur von Elmina, zwischen 1534–1538 Gouverneur von Malakka und zwischen 1540–1542 Gouverneur des portugiesischen-indischen Staates (port.: Estado da Índia) war
• Cristovão da Gama

Am 12. Februar 1502 bricht Vasco da Gama, diesmal mit 21 Schiffen, zu seiner zweiten Fahrt nach Indien auf.
Er wird von mehreren Familienmitgliedern begleitet.
So sind seine Onkel Vicente Sodré und Brás Sodré Kapitäne auf zwei Schiffen der Flotte. Sein Cousin Estêvão da Gama und sein Schwager Lopo Mendes de Vasconcelos haben ebenfalls das Kommando auf zweien der 21 Schiffe.

Die Überfahrt nach Indien verläuft diesmal etwas zügiger. Auf dem Weg nach Calecut sichtet der Seefahrer im Juni 1502 ein paar Inseln, die er auf den Namen „Ilhas do Almirante“ (dt.: Admiralsinseln) tauft.
Diese Inseln kennen wir heute unter dem Namen Seychellen.

Als Da Gama in Calecut ankommt, muss er feststellen, dass die Männer die er bei seiner ersten Reise zurückgelassen hatte, alle auf Befehl des Zamorins ermordet worden waren.
Er rächt sich auf grausame Weise an dem Zamorin von Calecute, in dem er die Stadt bombardiert, sie völlig zerstört und dann ihre Bewohner umbringen lässt.
Seinen Jähzorn lässt Da Gama ungezügelten Lauf, er verfällt nahezu in einen Rausch von Grausamkeiten.

Er segelt nach der Vernichtung von Calecut in Richtung Süden und erreicht bald darauf die indische Stadt Cochim, dessen Stadthalter den Portugiesen sehr gewogen ist.
Im Jahre 1503 lässt er in der Stadt Cochim die erste portugiesische Festung auf indischem Boden errichten, das Fort São Miguel, und stabilisiert mit diesem so die Vormachtstellung Portugals in Indien.
Im September 1503 macht sich Vasco da Gama wieder zurück auf den Weg nach Portugal.

Als Da Gama von seiner zweiten Indienfahrt reich beladen mit Gewürzen, Seide und Gold nach Lissabon zurückkehrt, erhöht der König seine monatliche Jahresrente auf die ungeheuerliche Summe von 400.000 Reais und macht ihn obendrein zum Mitglied seines Hofstaates.

Im Jahre 1507 legt Vasco da Gama, nach jahrelangen Streitigkeiten, alle Ämter im Santiagoorden nieder und tritt aus diesem aus.
Er zieht mit seiner Familie in die Stadt Évora.
Mit Unterstützung von König Manuel I wird er in den Orden der Christusritter (port.. Ordem de Cristo) aufgenommen.
Die nächsten Jahre verbringt Vasco da Gama am Hofe des Königs und ist ihm dort als Ratgeber für die verschiedensten Angelegenheiten der indischen Überseegebiete treu ergeben.
Im Jahre 1519 verleiht ihm der König für seine geleisteten Dienste und Treue den Titel eines Grafen von Vidigueira (port.: Conde de Vidigeura).

Als König Manuel I am 12. Dezember 1521 verstirbt, besteigt sein Sohn als João III den Thron.
Da die indischen Gebiete zusehends in Korruption und Misswirtschaft versinken, beschließt der neue König erneut die reichen militärischen und diplomatischen Dienste und Erfahrungen Da Gamas in Anspruch zu nehmen.
Er ernennt Vasco da Gama zum Vizekönig von Indien (port.: Vice-Rei da India) und stattet diesen mit allerlei Vollmachten aus, bevor er ihn nach Indien schickt.

Am 05. April 1524 verlässt Da Gama zum dritten Mal Lissabon in Richtung Indien.
Begleitet wird er diesmal, unter anderem, von seinen zwei Söhnen Estêvão und Paulo.

Kaum in Calecut und Cochim angekommen beginnt er drastische Reorganisationsmaßnahmen, sowohl in der Zivil- als auch in der Militärverwaltung.
Diese harten Veränderungen sollten später einmal, weit über Da Gamas Tod hinaus, die Verwaltungsstrukturen des portugiesisch-indischen Staates (port.: Estado da India) beherrschen.

Aber Vasco da Gama ist krank, sehr krank sogar.
Kaum vier Monate nach seiner Ankunft in Indien, erkrankt Vasco da Gama, laut einem zeitgenössischen Bericht, plötzlich an einer „Infektion in der Nackengegend“, was auch immer das heißen mag. Fakt ist, das sich an seinem ganzen Nacken eitrige Geschwüre bildeten, die schlussendlich zu seinem Tod führten.
Er verstarb am 24. Dezember 1524 in der südwestindischen Stadt Cochim.

Zuerst wurde er dort, in dem von den portugiesischen Franziskanerpatern gegründeten Kloster São Francisco beigesetzt.
Doch im Jahre 1538 ließ sein Sohn Pedro da Gama seinen Leichnam ins Kloster Nossa Senhora das Relíquias ins heimatliche Vidigueira überführen.
1880 wurden seine sterblichen Überreste, auf Anweisungen König Carlos I, feierlich im Hieronymus-Kloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) von Belém, in Lissabon, beigelegt.

Vasco da Gama ist ohne Zweifel einer der berühmtesten Portugiesen weltweit.
Seine Entdeckungsfahrt nach Indien, seine Taten und seine Abenteuer hat Portugals Nationaldichter Luis Vaz de Camões später mit seinem Hauptwerk „Os Lusiadas“ unsterblich gemacht.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Die Invasion Goas


Heute vor genau 50 Jahren hörte Goa auf Portugiesisch zu sein.
Am 18. Dezember 1961 besetzten Soldaten der Indischen Union gewaltsam die drei portugiesischen Überseeterritorien Goa, Damão und Diu, und beendeten damals in wenigen Stunden die über 450 Jahre dauernde portugiesische Präsenz in Indien.

Die Geschichte Portugals in Goa begann im Jahre 1510.
Nachdem Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, nutzten die Portugiesen von Anfang an die Rivalitäten der einzelnen indischen Landesfürsten zu ihren Gunsten aus.
Das ging soweit, das im Jahre 1510 der zukünftige portugiesische Vize-König von Indien (port.. Vice-Rei da India), Afonso de Albuquerque, mit dem Maharadscha von Vijayanagar eine Allianz einging, und mit diesem das heutige Gebiet um Goa, vom Sultan von Bijapur, eroberte.

Von diesem Augenblick der Eroberung an, wurde Goa für viele Jahrhunderte die wichtigste portugiesische Kolonie in Asien.
Alle Überseegebiete in Asien und Ostafrika, vom Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) bis nach Japan, unterstanden damals dem jeweiligen Gouverneur von Goa, der gleichzeitig auch meistens den Titel eines portugiesischen Vize-Königs trug.
Im 16. Jahrhundert, als Goa am mächtigsten und reichsten war, sprach man sogar vom „Goldenen Goa“ (port.: „Goa dourada“).

Als Indien im Jahre 1947 vom britischen Empire unabhängig wurde, erhöhte sich der Druck auf Portugal, ebenfalls seine Kolonien an Indien abzutreten.
Doch die damalige portugiesische Regierung, unter Diktator Antonio de Oliveira Salazar, dachte nicht daran Goa, Damão und Diu an Indien abzutreten.

Am 18. Dezember 1961 marschierten indische Soldaten in Goa ein und besetzten es.
Die portugiesischen Soldaten die sich damals in Goa aufhielten hatten der großen Übermacht Indiens, die das Territorium von Land, von der See und von der Luft aus angriffen, nichts entgegenzusetzen.
Ganze 36 Stunden dauerten die Kriegshandlungen zwischen Indien und Portugal in Goa.
3.500 schlecht ausgerüstete portugiesische Soldaten standen damals über 60.000 indischen Soldaten gegenüber. Bei den Kämpfen kamen 26 portugiesische Soldaten, ca. 300 Zivilisten und an die 500 indische Soldaten ums Leben.

Da Ägypten der portugiesischen Marine damals das Passieren des Suezkanals verweigerte, und somit mit einer militärischen Verstärkung aus Portugal nicht zu rechnen war, sah der portugiesische Gouverneur Manuel Antonio Vassalo e Silva keinen Ausweg mehr, und kapitulierte am 19. Dezember 1961 mit seinen Soldaten.
Er wollte mit seiner Kapitulation ein weiteres Blutvergießen verhindern und so tausende Menschenleben retten.

Doch die Salazarregierung verurteilte dieses eigenmächtige Handeln aufs schärfste und brachte Gouverneur Vassalo e Silva, der gleichzeitig auch General war, nach dessen Rückkehr nach Portugal, vor ein Militärgericht.
Von diesem wurde er wegen „Feigheit, Eigenmächtigkeit und Befehlsverweigerung“ zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Mit dem Verlust Goas im Jahre 1961 begann der Zerfall des portugiesischen Kolonialreiches.
Von der indischen Invasion bestärkt, revoltierten in den nächsten Jahren auch die afrikanischen Kolonien gegen Portugal.
Portugal wurde in blutige Kolonialkriege (port.: Guerras do Ultramar) mit Angola, Moçambique, Guinea-Bissau, Cabo Verde und São Tomé e Principe verwickelt.
Erst 1974, nach der Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos), nahmen Portugal und Indien diplomatische Beziehungen auf.

Die portugiesische Kolonialzeit in Indien ist nun Geschichte.
Aber auch wenn Portugal damals über Nacht Portugiesisch-Indien (port.: Estado da India Portuguesa) verlassen musste, so erinnert heute noch vieles in Goa an die alte Kolonialmacht.
Sei es der alte Kolonialstil, die katholischen Kirchen oder die örtliche Gastronomie – überall merkt man heute noch den portugiesischen Einfluss.
Kein anderer Teil Indiens ist kulturell so von einer europäischen Kolonialmacht beeinflusst worden wie Goa.
Und keiner weiß das mehr zu schätzen, als die Bewohner Goas selbst!

Dienstag, 11. Oktober 2011

Luis Vaz de Camões


Lissabon und die Universitätsstadt Coimbra streiten sich darum, Geburtsort von Luís Vaz de Camões, den wohl bedeutendsten portugiesischen Dichter und Poet, zu sein.

Unklarheiten bestehen auch hinsichtlich des Geburtsdatums: 1524 oder 1525 kommt Camões zur Welt.
Er entstammt einer verarmten aber angesehenen portugiesischen Adelsfamilie.
Sein Vater befehligt im königlichen Auftrag ein Schiff.

Genauso wie sein Geburtsjahr und sein Geburtsort sind alle biographischen Angaben über Camões sehr spärlich und teilweise auch nicht gesichert, sondern eher typisch folklorisch angehaucht.
Nur sehr wenige Etappen in seinem Leben sind wirklich dokumentiert.

Väterlicherseits stammt Luís Vaz de Camões von Vasco Pires de Camões ab, einem galizischen Troubadoure der im Jahre 1370 nach Portugal zog um in die Dienste König Fernando I als Minnesänger zu treten.
Der König muss von dem Gesang und der Poesie des Urgroßvaters von Luís Vaz de Camões sehr angetan gewesen sein, denn es ist belegt, dass er ihn mit Ehren, Geld und Ländereien beschenkte.
Der Sohn von Vasco Pires de Camões, Antão Vaz de Camões, der Großvater des großen Dichters, diente dem König in der portugiesischen Marine als Soldat im Roten Meer. Er ehelichte Dona Guiomar da Gama, eine entfernte Verwandte des großen Vasco da Gama.
Aus dieser Ehe entstamme Luís de Camões Vater, Simão Vaz de Camões, der in der königlichen Handelsmarine seinen Dienst versah, und bis nach Guinea und Indien reiste.
Simão heiratete Ana de Sá e Macedo, eine aus Santarém stammende Adlige und beide hatten sie nur einen Sohn, Luís Vaz de Camões.

Man geht davon aus, dass er eine solide und für heutige Begriffe, klassische Erziehung mit Latein, Literatur und Geschichte hatte, wie sie wohl viele junge Männer aus adeligem Hause genossen.
Er soll ein undisziplinierter aber interessierter Schüler gewesen sein.
Wahrscheinlich hat er in Coimbra studiert, obwohl keine Universitätsunterlagen darüber existieren.
Fakt ist, das Camões alsbald zu den gebildesten Männern seiner Zeit gehörte.

Seine Familie ist zwar verarmt, aber dennoch adelig.
Ein Fakt das ihm nach dem Studium die Tatsache ermöglicht Zutritt bei Hofe zu finden und dort auf Bestellung Dramen und Gedichte zu schreiben.
Im wird alsbald eine turbulente und liederliche Lebensweise nachgesagt, mit Saufgelagen, Prügeleien, sowie zahlreichen Liebschaften mit jungen adeligen und nichtadeligen Damen.
Eine dieser Affären hat er mit Infantin Maria, der Schwester des Königs. Sie ist dann auch der Grund warum ihn König João III aus dem erlauchten Kreis des Hofstaats verbannt.

In der Hoffnung, dadurch früher rehabilitiert zu werden, meldet er sich freiwillig zum Militärdienst in Ceute. Hier verliert er bei einem Seegefecht mit den Mauren, nahe der Straße von Gibraltar, sein rechtes Auge.
Insgesamt bleibt er zwei Jahre in Nordafrika, bevor er wieder nach Portugal zurückkehrt.
Kaum in Lissabon angekommen fängt er wieder sein liederliches Leben an.

Am 15. Juni 1552, dem Fronleichnamtag, verstrickt er sich mit Gonçalo Borges, einem Lieblingsdiener des Königs, im Rossio in einen Streit. Bei diesem Streit verletzt er Gonçalo Borges mit dem Säbel schwer am Hals.
Er wird verhaftet und ins nahe Gefängnis Cadeia do Tronco, in die Rua das Portas de Santo Antão n.º 137, gebracht.
Dort verbleibt er für die nächsten neun Monate.

Nachdem König João III einer Bitte von Luís de Camões Mutter nachkommt, wird er am 07. März 1553 begnadigt, allerdings unter zwei Bedingungen:

1. er muss Gonçalo Borges einen Schadensersatz in Höhe von 4.000 Reis bezahlen und
2. er muss augenblicklich Portugal verlassen!

In dem Marineregister aus demselben Jahr findet sich unter der Liste „Gente de Guerra da Armada da India“ (dt.: „Kriegspersonal der Indischen Armada“) folgender Eintrag:

• „Luís de Camões, filho de Simão Vaz e Ana de Sá, moradores em Lisboa, na Mouraria; escudeiro, de 25 anos, barbirruivo, trouxe por fiador o seu pai; vai na nau São Bento, da frota de Fernão Álvares Cabral... entre os homens de armas.“

Was ins deutsche übersetzt so viel heißt wie:

• „Luís de Camões, Sohn des Simão Vaz und der Ana de Sá, wohnhaft in Lissabon, im Stadtteil Mouraria; Schildknappe, 25 Jahre alt, rotbärtig, bringt als Bürge seinen Vater mit; reist auf dem Kriegsschiff São Bento, in der Flotte von Fernão Álvares Cabral... mit den Männern die unter Waffen stehen.“

Mit diesem Eintrag im Marineregister ist eindeutig belegt das Luís de Camões schon am 24. März 1553, 17 Tage nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, nach Indien reist.
Zunächst wird er nach Goa geschickt, wo er 1554 zuerst unter Vizekönig Afonso de Noronha und ein Jahr später unter dem neuen Vizekönig Pedro Mascarenhas seinen Dienst verrichtet.
Aber auch hier in Goa fällt er in Ungnade und so geht seine Reise nach kurzer Zeit weiter, diesmal nach Macau.

Er dient dem neuen Vizekönig Francisco Coutinho ab 1562 in Macau, das zur damaligen Zeit nichts weiter als ein verlassener Handelsplatz war, als „Versorger der Toten und Vermissten in China“ (port.: „Provedor-mor dos Defuntos e Ausentes para a China“), eine nicht sehr anspruchsvolle Aufgabe, die ihm aber genügend Zeit lässt, sich seinen Dichtungen zu widmen.

Hier in Macau, in einer Felsengrotte die heute nach ihm benannt ist, schreibt er hauptsächlich sein großes episches Werk „Die Lusiaden“ (port.: „Os Lusíadas“ – nach Lusus, dem sagenhaften Stammvater der Portugiesen“).
In dem Epos „Os Lusíadas“ schildert der Dichter auf homerischer Art und Weise, mit Anklängen an die Odyssee, an Mythen und Götter, die Entdeckung des Seewegs und die Reise nach Indien durch den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama.

Auf einer Reise nach Goa, wohin er befohlen wird, erleidet sein Schiff, unweit des Mündungsdeltas des Mekong, Schiffbruch und er kann nur sich und sein Manuskript retten.
In Goa angekommen wird er festgenommen, da man ihm vorwirft Gelder der Verstorbenen, die er eigentlich für die Erben verwalten sollte, veruntreut zu haben.
Nur der neue Vizekönig Antão de Noronha, ein Freund aus der Zeit als Camões noch in Marokko stationiert war, kann ihn vor einer längeren Haftzeit bewahren.

Die letzten Jahre in Asien verbringt er mit schreiben und, für seine Verhältnisse, mit einem recht geordneten Leben.
Erst am 07. April 1570 kehrt Camões, über Moçambique, auf dem Handelsschiff Santa Clara nach Lissabon zurück.

Hier beendet er „Os Lusíadas“ und nach dem er sein Werk vor dem neuen König Sebastião I rezitiert hat, gibt dieser ihm im März 1572 die Erlaubnis die Gedichte zu veröffentlichen.
Der König gesteht Camões, „als Anerkennung für die geleisteten Dienste für die Krone in Indien“, die stolze Summe von 15.000 Reis als Pension, ein.
Wenn man bedenkt, dass zur damaligen Zeit die Hofdamen des Königs jeweils nur 10.000 Reis erhielten, dann ist die Pension für einen alten Soldaten mehr als anständig.
Allerdings sollen die Zahlungen immer sehr unregelmäßig gewesen sein, was Camões, der sich an eine gewisse Lebensstandart gewöhnt hatte, in eine schwere finanzielle Krise stürzte.

Die letzten Jahre seines Lebens verbringt er in völliger Armut in einem Zimmer, unweit der Kirche Igreja Santa Ana.
Nach überlieferten Berichten hatte er äußerste Mühen über die Runden zu kommen.

Mit Bitterkeit erlebt er noch die portugiesische Niederlage im marokkanischen Alcácer-Quibir mit, wo mit dem Tod König Sebastiãos I am 27. August 1578 das Königreich Portugal seine Souveränität an Spanien praktisch verliert.

Im Mai 1580 erkrankt er an der Pest, an der er auch am 10. Juni stirbt.
In einem Massengrab wird er am darauf folgenden Tag, unweit der Kirche Igreja Santa Ana, verscharrt.

Nach dem großen Erbeben im Jahre 1755 wird alles daran gesetzt die sterblichen Überreste von Luís Vaz de Camões wieder zu finden. Aber die Suche scheitert kläglich, und somit sind die Gebeine, die 1880 im imposanten Grab im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jirónimos) zu Lissabon beigelegt wurden sicherlich die Gebeine eines anderen Mannes, aber nicht die von Camões!

Wie so viele seiner Dichterkollegen, so erlebt auch Luís Vaz de Camões nicht mehr den Erfolg den er sich zu Lebzeiten immer so gewünscht hatte.
Über drei zentrale Themen handeln ausnahmslos alle Gedichte, Lieder, Oden, Komödien und Sonetten die Camões zu Papier gebracht hat.
Diese Themen sind die portugiesische Nation, die Liebe und die Frauen.
Erst nach seinem Tod erkennt man den unschätzbaren und stilistischen Wert seiner Werke an – eine Anerkennung die bis zum heutigen Tag andauert!
Eine deutsche Übersetzung von Camões Hauptwerk „Os Lusíadas“ fand erst im Jahre 1808 statt.

Nach der Nelkenrevolution im Jahre 1974 wurde der Portugiesische Nationalfeiertag, der jedes Jahr auf den 10. Juni fällt, zufällig dem Todestag von Camões, in „Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas“ (dt.: „Tag von Portugal, von Camões und den Portugiesischen Gemeinden“) umbenannt.

Im Jahre 1992 wurde der Name des Portugiesische Sprachen- und Kulturinstitut (port.: „Instituto de Língua e Cultura Portuguesa“), vergleichbar mit dem Deutschen Goethe-Institut, ihm zu Ehren in „Instituto de Camões“ geändert.
Außerdem trägt der renommierteste portugiesische Literaturpreis, der „Prémio Camões“, seit 1989 seinen Namen.

Wer „Die Lusiaden“ noch nicht kennt oder die Originalfassung auf Portugiesisch nicht lesen kann, dem empfehle ich die sehr lobenswerte deutsche Übersetzung von Hans-Joachim Schaeffers, die im Jahre 2008 im „Elfenbein Verlag“ erschienen ist.

Mittwoch, 16. März 2011

Der Vertrag von Tordesilhas


In meinen posts „Torre do Tombo“ und „Dokumentierte Geschichte in der Torre do Tombo“ vom 02. März dieses Jahres erwähne ich den Vertrag von Tordesilhas.
Heute wurde ich gefragt, was denn der Vertrag von Tordesilhas sei und was ihn den so besonders mache, dass er im Nationalarchiv Torre do Tombo, in Lissabon, aufbewahrt wird.

Nun, man kann wirklich behaupten, der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas / esp.: Tratado de Tordesillas) ist der erste „Nichtangriffspakt“ den es zwischen den zwei Seemächten Portugal und Spanien gab.
Am 07. Juni 1494 wurde der Vertrag in der kastilischen Kleinstadt Tordesillas, zwischen diesen zwei verfeindeten Kronen abgeschlossen, um eine zukünftige militärische Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Portugal und dem erst vor kurzem gegründeten Königreich Spanien zu verhindern, in dem Moment da sich beide Nationen aufmachten, „neue Welten für die Welt zu entdecken“, wie es ihm Vertrag heißt.

Spanien ging es in dem Vertrag vor allem darum, den erst kürzlich entdeckten Seeweg nach Amerika vom portugiesischen Einfluss frei zu halten, und den Portugiesen ging es vorrangig darum, den damals noch vermuteten Seeweg nach Indien, um Afrika herum, für sich zu sichern.
Beide Parteien sicherten sich in dem Vertrag zu, dem anderen bei seinen Entdeckungsreisen nicht zu stören, anzugreifen oder zu behindern.

So wurde einfach an diesem Junitag des Jahres 1494, mit Einverständnis von Papst Alexander VI, die Welt zwischen diesen zwei iberischen Königreichen aufgeteilt.
In der päpstlichen Bulle „Inter caetera“ wurde eine Trennlinie festgelegt, die gut 500 km westlich der Insel Santo Antão auf den Kapverdischen Inseln (port.: Cabo Verde) in Nord-Süd-Richtung, vom Nordpol zum Südpol, durch den Atlantik verlief.
Alle Länder die westlich dieser Demarkationslinie in Zukunft entdeckt würden sollten Spanien zugesprochen werden und alle östlich dieser Demarkationslinie zu entdeckenden Länder sollten Portugal gehören.

Die anderen Nationen Europas erkannten den Vertrag von Tordesilhas niemals an, schließlich sahen sie in ihm in keinster Weise ihre Interessen vertreten.
Sie sahen in ihm lediglich ein „Rechtsgeschäft“, das zu Lasten Dritter abgeschlossen worden war.
Man muss aber ehrlicherweise dazu sagen, dass sie alle nur so pikiert reagierten, weil der Vertrag es nicht vorsah, dass auch sie an diesem „Rechtsgeschäft“ teilhaben konnten…

Dienstag, 4. Januar 2011

Salamaleque und Oxalá


„… der Frieden sei mit Dir (Euch)“ – das meint ein Portugiese, wenn er das Wort „salamaleque“ an sein Gegenüber richtet.
Dieses Wort, das heute eher selten benutzt wird, und das ich zum letzten Mal, jetzt über den Jahreswechsel, an der Algarve gehört habe, als sich zwei ältere Frauen in den Gassen der Altstadt von Albufeira begrüßten, wird heute kaum noch verwendet, und viele Portugiesen kennen es kaum noch.
Nur ältere Menschen, und die ausnahmslos aus dem Süden Portugals, benutzen heute noch diese, aus der Maurenzeit stammende, Begrüßungsformel.
„Salamaleque“ kommt aus dem arabischen „as-salam-malaik“ und bedeutet wortwörtlich: „der Frieden sei mit Dir (Euch)“.

Ein anderer, aus dem arabischen Wortschatz stammender Ausdruck, ist das Wort „oxalá“ (arab.: „inch-Allah“), das soviel bedeutet wie „so Gott will“.
Dieses Wort wird, im Gegensatz zu „salamaleque“ heute noch recht oft benutzt, auch hier im Lissabonner Raum.

Das heute noch das eine oder andere arabische Wort im portugiesischen Wortschatz benutzt wird, und ich meine damit nicht nur geographische Begriffe, haben wir Portugiesen sicherlich der langen maurischen Herrschaft über die Iberischen Halbinsel zu verdanken, aber auch der Tatsache das wir danach, als wir z.B. in Indien mit Arabern und Türken Handel trieben, noch lange mit der arabischen Kultur zu tun hatten.

In diesem Sinne:

„Salamaleque“ Euch allen im Neuen Jahr, und „oxalá“ treffen wir uns hier in meinem Blog!

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Endlich mal positive Nachrichten aus der Politik


In meinem post „Portugals Wahlkampf um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat“ vom 28. September 2010, berichte ich wie sich Portugal um einen nicht-ständigen Sitz (port.: lugar de membro não-permanente) im Sicherheitsrat der UN-Vollversammlung bemüht hat.

Diese Bemühungen haben gestern gefruchtet.
Bei einer geheimen Abstimmung der Mitglieder der UN-Vollversammlung (port.: Assembleia das Nações Unidas) in New York erreichte Portugal die notwendige Mehrheit um für die kommenden zwei Jahre einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat (port.: Conselho de Segurança) der Vereinten Nationen zu bekommen.
Leider waren für diesen Erfolg drei Wahlgänge nötig.

Mitbewerber Deutschland dagegen erreichte schon im ersten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit um einen Sitz zu bekommen.
Kanada, das sich neben Portugal und Deutschland, als drittes westliche Land um einen Sitz beworben hatte, ging leider lehr aus.

Einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhielten außerdem die Länder Indien, Südafrika und Kolumbien.

Staatspräsident Cavaco Silva hat die Wahl Portugals in den UN-Sicherheitsrat als eine Ehre für Portugal bezeichnet.
Außenminister Luis Amado nannte die Wahl Portugals ein „Zeichen des Vertrauens in die portugiesische Nation und sein internationales Engagement.“

Portugal hat nach der erfolgreichen Wahl angekündigt die Arbeit im Sicherheitsrat eng mit seinem Mitbewerber Deutschland und mit den anderen europäischen Nationen abzustimmen.

Es wäre schön, wenn Portugal mal auch innenpolitisch die eine oder andere positive Nachricht zu verkünden hätte…

Dienstag, 19. Januar 2010

Sagres III


Heute Morgen startete von Lissabon aus das Segelschulschiff „Sagres III“ zu seiner dritten Weltumseglung.
Diese Weltumseglung wird ca. 11 Monate dauern und an Bord werden 203 Mann Besatzung sein.
Diese 203 Mann unterteilen sich in 63 Kadetten, 114 Matrosen, 16 Unteroffizieren und neun Offizieren.
Sie alle bilden die Besatzung des wichtigsten Segelschulschiffes der Portugiesischen Marine.
Gemeinsam werden sie bei dieser Weltumseglung drei Ozeane durchqueren und über 35.800 Seemeilen zurücklegen.

Die Hauptaufgaben der „Sagres“ sind die Ausbildung der Marinekadetten zu zukünftigen Matrosen und Offizieren und die Repräsentation Portugals im Ausland.

Und Portugal repräsentieren wird die „Sagres“ auch dieses Mal, wenn sie nun die Welt umreist.
Sie wird Häfen in Brasilien, Uruguay, Argentinien, Chile, Peru, Ecuador, USA, Japan, China, Macau, Indonesien, Ost-Timor, Singapur, Thailand, Indien, Ägypten und Algerien anlaufen.

Ihren ursprünglichen Heimathafen Hamburg, wird die „Sagres“ auf dieser Weltumrundung nicht anlaufen.
Die „Sagres“ ging nämlich 1937 bei „Blohm & Voss“ in Hamburg vom Stapel.
Damals hieß sie noch „Albert Leo Schlageter“ und diente den Nazis unter anderem als Büroschiff.
Nach Kriegsende wurde das Segelschiff dann von den Amerikanern an Brasilien verkauft, und es wurde auf den Namen „Guanabara“ getauft.
1961 verkauften wiederum die Brasilianer das Schiff.
Diesmal an Portugal.
Am 08. Februar 1962 wurde das Segelschiff mit dem Namen „Sagres III“ („Sagres III“, weil es schon vorher zwei andere Segelschiffe mit dem Namen Sagres gab) von der portugiesischen Marine in Dienst genommen.
Eines der Schwesternschiffe der „Sagres“ ist die „Gorch Fock“, der Deutschen Bundesmarine.

Auf dieser nun heute beginnenden, nach 1978/79 und 1983/84, dritten Weltreise wird die „Sagres III“ an verschiedenen wichtigen Events teilnehmen, wie z.B. am Portugal-Tag (port.: Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas) im US-amerikanischen San Diego, an den Feierlichkeiten zu der 150-Jahr-Feier des Freundschaftsvertrags zwischen Japan und Portugal und an der EXPO 2010 in Shanghai.

Dem Schiff und der Mannschaft allzeit eine gute Fahrt und „Schiff Ahoi!“

Dienstag, 22. September 2009

Casa dos Bicos


An der Rua dos Bacalhoeiros (dt.: Straße der Stockfischhändler), unweit des Campo das Cebolas (dt.: Zwiebelfeld), dort wo sich die Straße platzartig zum Tejo hin weitet, steht eines der originellsten und sehenswertesten Lissabonner Häuser, die Casa dos Bicos (dt.: Haus der Spitzen).

Es war der Chronist Brás de Albuquerque, ein uneheliche Sohn des bedeutenden Vizekönigs von Indien und Eroberers von Ormuz, Afonso de Albuquerque, der sich im Jahre 1523 dieses Haus, für sich und seine Familie, nach neuesten Renaissance-Modellen, erbauen lies.
Dom Brás de Albuquerque bereiste im Jahre 1521 Italien, als Begleiter der Infantin Dona Beatriz, die dort Karl III, den Herzog von Savoyen, am 26. März 1521 heiratete. Bei dieser Gelegenheit besuchte Albuquerque mehrere Orte, unter anderem auch die Städte Ferrara und Bologna.

In Ferrara war er von dem „Palazzo di Diamanti“ (port.: Palacio dos Diamantes / dt.: Diamantenpalast) und in Bologna von dem „Palazzo Bevilacqua“ so begeistert, das er sie als Modelle für seine spätere Casa dos Bicos nahm.

Die Casa dos Bicos, das „Haus der Spitzen“, dessen Fassade mit Quadersteinen in Pyramidenform besetzt ist, soll der Legende nach, bei ihrem Bau mit echten Diamanten an den Spitzen besetzt gewesen sein.
Natürlich handelt es sich hierbei nur um ein Märchen, aber finanziell wäre das durchaus denkbar gewesen, denn die Albuquerques gehörten damals, als Vizekönige von Indien, zu den reichsten und extravagantesten Familien Portugals.

Eigentlich sieht dieser vierstöckige Renaissancepalast, mit seinen Stacheln wenig gastfreundlich aus. Aber von Nahem hat die Casa dos Bicos ihren eigenen Charme.
Beim großen Erdbeben von 1755 wurden die beiden oberen Stockwerke vollkommen zerstört, während die unteren Beiden Etagen unversehrt blieben.
Sie wurden nach dem Beben sofort von den benachbarten Stockfischhändlern in Besitz genommen und von diesen als Lagerraum benutzt.

Nach einer alten Azulejo-Vorlage wurde die Fassade nun in den letzten Jahren von der Stadt Lissabon wieder rekonstruiert.
Der Innenraum wurde „entkernt“ und vollkommen neu gestaltet.

Heute wird die Casa dos Bicos kulturell genutzt.
In ihr befindet sich heute die Bibliothek der Stiftung José Saramago (port.: Bibliotéca da Fundação José Saramago), dem portugiesischen Literaturnobelpreisträger.

Freitag, 21. August 2009

So betrachtet sind also sie es, die uns entdeckt haben…


Als Vasco da Gama im September 1499 von seiner einjährigen Seereise nach Indien, nach Lissabon zurückkehrte, fragte ihn sein persönlicher Freund und Staatsmann Francisco de Portugal, der Graf von Vimioso (Conde de Vimioso), welche Waren er denn aus dem fernen Indien mitgebracht hätte und gegen welche Waren er diese „Mitbringsel“ umgetauscht hätte.

Vasco da Gama berichtete daraufhin seinem Freund, er hätte Pfeffer, Zimt, Ingwer, Bernstein und Moschus (pimenta, canela, gengibre, âmbar e almiscar) aus Indien mitgebracht, und diese Waren gegen Gold, Silber und Samt (ouro, prata e veludo) umgetauscht.

Trocken meinte daraufhin der Graf von Vimioso zu seinem Freund, dem Weltumsegler:

„So betrachtet sind also sie es, die uns entdeckt haben…“

Mittwoch, 19. August 2009

Aventureiros






„Aventureiros“ ist portugiesisch und bedeutet ins deutsche übersetzt „Abenteurer“.

Abenteurer, so lautet der Name eines neuen brasilianischen Strategiebrettspieles, der dem bekannten Spielklassiker „Risiko“ im Ablauf ähnelt, und welches vor wenigen Wochen erschienen ist.

Auf einer vereinfachten Weltkarte mit 12 „Ländern“ versuchen zwei bis sechs Spieler, wechselseitig Länder (die die Größe von Kontinenten haben) in ihren Besitz zu bringen. Ziel des Spiels ist es, je nach Auftrag einen oder mehrere Länder oder die ganze Welt zu erobern und seine Gegner finanziell zu ruinieren.
Die Spieler entscheiden mit Würfelglück und durch strategische Gesichtspunkte über die Platzierung und den Einsatz ihrer Spielfigur.

Aber während bei Risiko das primäre Thema der Krieg ist, ist „Aventureiros“ kein typisches Konfliktsimulationsspiel, das seinen Schwerpunkt auf Realitätsnähe oder anspruchsvolle taktische Herausforderungen legt.
Stattdessen ähnelt „Aventureiros“ den heutigen Autorenspielen, wie Narnia oder Herr der Ringe, in denen zwar das Ziel das erlangen der „Weltherrschaft“ ist, aber nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen, sondern durch einfache strategische Entscheidungen, diplomatisches Handeln und Glück.

Bis hierhin, soweit alles gut!

Aber nun zu den Spielfiguren.
Jedem „Land“ (Brasilien, Portugal, Großbritannien, USA, Argentinien, Ägypten, Südafrika, Indien, China, Russland, Japan, Australien) wird eine Spielfigur zugeordnet.

Und diese Spielfiguren haben es wirklich in sich.
Denn der brasilianische Spielhersteller hat nicht an Klischees gespart, als er die einzelnen Spielfiguren kreierte.

So ist z.B. die amerikanische Figur Emily eine kurvenreiche Blondine mit einer Menge sexappeal, die brasilianische Figur Edson hat natürlich ein Fußballtrikot an und die südafrikanische Figur Patrick ist mit einem Leopardenfell bekleidet, so wie halt jeder Südafrikaner im 21. Jahrhundert angezogen ist.
Das der Brite Joshua eine Fellmütze aufhat und der Australier William Kriegsbemalung trägt, ist da schon fast sympathisch.

Aber die Figur, die den Portugiesen Manoel darstellt, steht ohne Zweifel, für alle Vorurteile die Brasilianer uns Portugiesen gegenüber haben!

So ist Manoel (wohlgemerkt nicht „Manuel“ wie portugiesisch eigentlich geschrieben, sondern „Manoel“, wie der Brasilianer den Vornamen ausspricht) mit einem Kostüm aus der Zeit der portugiesischen Entdeckungen angezogen!
Außerdem trägt er Bart (die Brasilianer denken nämlich wir laufen hier in Südeuropa alle mit Vollbärten rum), hat eine bunte Baskenmütze auf und hat natürlich Galoschen an!

Ich weiß nicht, welchen Stellenwert das Spiel „Aventureiros“ zukünftig weltweit haben wird.
Aber ich wage es einmal zu behaupten, das dieses Brettspiel hier in Portugal nicht überragenden Erfolg haben wird.

Montag, 22. Juni 2009

Wie eine Hühnerbrühe zum Pausenfüller wurde


Gehen sie gerne auswärts essen?
Vielleicht zum Inder?
Wenn nicht, dann gehen sie mal zu einem, und bestellen sie dort mal eine Hühnerbrühe Kanji.
Sollten sie aber keinen Inder in der Nähe haben, dann gehen sie zu einem Portugiesen, und bestellen sie bei dem eine Hühnerbrühe canja. Es handelt sich nämlich bei dieser nahrhaften Brühe mit Hühnchenfleisch, um den gleichen Teller!

Die in Portugal überall bekannte canja ist nämlich indischen Ursprungs.
Schon der portugiesische Mediziner und Hofarzt von König João III, Garcia de Orta, erwähnt diese „gesundmachende Brühe“ in seinem berühmten Werk „Ratgeber der einfachen Drogerie und Medizin aus Indien“ (Colóquios dos Simples e Drogas e Coisas Medicinais da Índia) und beschreibt sie, als eine aus Wasser, Reis und Hühnerfleisch bestehende Brühe.
Diese Brühe war an der Malabarküste, an der auch die portugiesische Kolonie Goa lag, als Kanji bekannt und als gesundheitsfördernd sehr beliebt. Die portugiesischen Seefahrer brachten dann Anfang des 17. Jahrhunderts die Rezeptur nach Lissabon mit.

Am Hofe wurde diese stärkende Brühe bald sehr beliebt.
Die Könige der Dynastie Bragança liebten fast alle die canja.
In den Palastküchen des Ajudapalastes stand immer ein Topf mit frischer canja essbereit.

Von Königin Maria I wird berichtet, dass ihr jeden Tag eine Terrine von dieser Hühnerbrühe an den Tisch gebracht wurde, und sie brav jeden Tag einen Teller canja aufaß.

Über König Pedro IV ist sogar überliefert, das er seine canja überall und zu jederzeit gerne aß.
So wird behauptet, dass wenn er ins Theater ging, er sich immer zwischen dem zweiten und den dritten Akt, eine warme canja servieren ließ. Und das Theaterstück ging erst wieder los, wenn seine Majestät seinen Pausenfüller verspeist hatte.

Als der englische General Arthur Wellesley, der zukünftige Herzog von Wellington, im portugiesischen Lavos an Land ging, um seine Truppen gegen die Truppen Napoleons zu formieren, die dabei waren Portugal zu besetzen, soll ihm gleich am ersten Tag eine canja serviert worden sein. Jedenfalls berichtet er dies in einem Brief an seine Ehefrau Lady Kitty Pakenham, im August 1808.

Ich selber bin kein großer Freund der canja. Wahrscheinlich, weil ich seit Kindestagen diese Suppe mit krank sein in Verbindung bringe. Denn als Kind musste ich immer wenn ich krank war, um wieder gesund zu werden, mit starkem Widerwillen einen Teller canja essen…
Nein, ich war nie so brav wie Königin Maria I.

Aber sollten sie, lieber Leser meines Blogs, mal zum Inder oder zum Portugiesen essen gehen, probieren sie doch mal eine canja, und lassen sie es mich dann wissen, wie es ihnen gemundet hat.

Montag, 15. Juni 2009

Von Vögel die wie Esel schreien




Vasco da Gama ist in die Geschichte eingegangen, als der Seefahrer, der 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hat.

Auf seiner ersten Reise nach Indien, kam er auch am südafrikanischen Kap der Guten Hoffnung vorbei.
Und dort, in der Nähe des Kap der Guten Hoffnung, an einem Ort, welches er Angra de São Brás nannte, entdeckte er und seine Männer ein paar fremdartige Vögel, die er später in einem Reisebericht an den König folgendermaßen beschrieb:

(Auszug aus dem Original von 1497 =) „... há umas áves que são tamanhas como patos, e não voam porque não têm penas nas asas, e as quais aves zurram como asnos…“ (hier meine Übersetzung zu diesem Text aus dem Reisebericht von Vasco da Gama: „…und es gibt hier Vögel, die die Größe von Enten haben, aber im Gegensatz zu diesen können sie nicht fliegen, denn sie haben keine Federn an den Flügeln und diese Vögel schreien wie Esel…“.

Natürlich ist Vasco da Gama nicht für diesen Reisebericht weltberühmt geworden, denn schließlich hat der Mann den Seeweg nach Indien entdeckt, und somit damals die drei der Menschheit bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien miteinander verbunden. Das war eigentlich seine Leistung!

Aber es ist immerhin der erste Bericht über…

… Pinguine!

Diese fremdartigen Vögel, von denen Vasco da Gama schreibt, waren Pinguine, und er war auch der erste Europäer, der diese Tiere zu Gesicht bekam.

Auf diesen Bericht über die Pinguine am Kap, die später einmal dank dieser Beschreibung von Vasco da Gama den Namen Eselspinguine erhalten sollten, folgten dann noch viele, viele andere Berichte über die merkwürdigsten und außergewöhnlichsten Tiere und Pflanzen der neuen und alten Welt.
Somit entdeckten die Portugiesen nicht nur andere Länder und Kontinente, sondern auch viel Kurioses über das sie als erste der Welt berichteten.

Montag, 8. Juni 2009

Ein „Monster“ für den Papst


Vor zwei Woche, rechtzeitig zu den 125-Jahr-Feiern des Lissabonner Zoos, ist hier, in dem selbigen, ein kleines Indisches Panzernashorn geboren worden, das heute der Bevölkerung und den Besuchern vorgestellt wurde. Er hat zwar nicht die Menschenmassen wie damals der Berliner Eisbär Knut in den Zoo strömen lassen, aber dennoch kann dieser kleine Rhinozeros ( lat. rhino = Nase / ceronte = Horn) auf einen ganz berühmten Vorgänger verweisen.

Im Mai 1515 geht im Lissabonner Hafen eine Karavelle, aus Indien kommend, vor Anker. An Bord befindet sich ein merkwürdiger Passagier, den der portugiesische Vizekönig von Indien, Afonso de Albuquerque, an seine Majestät König Manuel I sendet. Dieser merkwürdige Passagier, ist das erste Nashorn das europäischen Boden betritt.
Das massige Tier wird zuerst in den Turm von Belém gesperrt, den er gilt als äußerst gefährlich. Der König und der gesamte Hofstaat besichtigen das „Monster“, wie er bald genannt wird, und sind von seiner Größe und seinem furchterregendem Aussehen regelrecht fasziniert.
Einen Monat später tritt das Rhinozeros auf dem Lissabonner Hauptplatz, dem Rossio, zum Duell gegen einen Elefanten an. Das Nashorn war natürlich ein Wildtier und der Elefant eine Handaufzucht, und dementsprechend gezähmt. Wie das Duell ausgefallen ist kann sich wohl ein jeder Denken. Der Elefant floh regelrecht vor dem Nashorn. Und die Damen und Herren des Hochadels und die Bevölkerung, die dem Spektakel beiwohnten, waren nun nicht nur von seiner Größe und seinem bizarren Aussehen fasziniert, sondern auch von seiner Kraft.
In ganz Europa sprach man bald nur noch von diesem „Monster“. Nach Skizzen eines Augenzeugens fertigt später Albrecht Dürer seinen berühmten Holzschnitt an.

Aber das arme Tier sollte ein trauriges Ende finden.
Um dem damaligen Papst Leo X zu imponieren, schickte König Manuel I das Nashorn wieder auf die Reise, um es ihm zu schenken. Aber wie es das Schicksal so will, gerät die Karavelle mit der wertvollen Fracht bei Genua in einen schweren Sturm und sinkt. Das Nashorn ertrinkt jämmerlich im Mittelmeer und der Papst bekommt sein „Monster“ nie zu sehen.

Aber jeder der die Gelegenheit hat, jetzt dem Lissabonner Zoo einen Besuch abzustatten, sollte sich das „Monster“ anschauen, welches gerade vor zwei Wochen geboren wurde.