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Sonntag, 17. Mai 2015

Etwas gewöhnungsbedürftig: Kuttel nach Porto-Art


Wie in anderen mediterranen Ländern auch, wird hier in Portugal mittags und abends dem Essen eine große Beachtung geschenkt.
Ob Fleisch- oder Fischgerichte, die portugiesische Küche ist sehr vielfältig, durchaus lecker und obwohl die portugiesischen Nationalgerichte oftmals als sehr einfach gelten, bestehen sie fast immer aus qualitativ hochwertigen Produkten.

Eines der ausgefallensten portugiesischen Gerichte feiert dieses Jahr seinen offiziellen 600. Geburtstag – die „Tripas à moda do Porto“ (dt.: Kutteln nach Porto-Art), in Südportugal oftmals auch unter dem Namen „dobrada“ bekannt.

Zugegebener Maßen, Kutteln sind nicht jedermanns Geschmack – meins ist es jedenfalls nicht! – aber viele meiner Landsleute, vor allem die aus der Stadt Porto und dem nördlichen Portugal, lieben Kutteln so sehr, das sie sie irgendwann zum wichtigsten Bestandteil ihres Stadtgerichts „Tripas à moda do Porto“ machten.

Aber wie wurden aus Kutteln (port.: tripas), die eigentlich nichts anderes als Rindermägen oder –pansen sind und oftmals nur als Hundefutter Verwertung finden, ein hier in Portugal so beliebtes Gericht???

Nun, als am 25 Juli 1415 der damalige König von Portugal, João I, mit einer Armee von 20.000 Mann Lissabon verließ und sich anschickte die damalige Hochburg der arabischen Mauren, die marokkanische Stadt Ceute, zu erobern, wurde er von seinen Brüdern begleitet, unter ihnen auch der junge Infante Henrique, der später unter dem Namen „Heinrich der Seefahrer“ Weltruhm erlangen sollte.

Infante Henrique war im Jahre 1394 als vierter Sohn von König João I und seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) in der Stadt Porto geboren und war seit seinen Kindestagen mit seiner Geburtsstadt immer sehr verbunden.
Diese Bindung war so groß, das König João I, als er für seine Flotte im ganzen Königreich Lebensmittel für die groß angelegte Militäraktion in Marokko zusammentragen ließ, er seinen jüngeren Bruder Henrique darum bat in der Stadt Porto, die schon immer nicht besonders königstreu war, ein gutes Wort bei den Bürgern der Stadt für ihn einzulegen.

Dies tat Henrique auch, und die Bürger von Porto, die ihn schon damals sehr verehrten, trugen im Frühjahr 1415 alles Essbare zusammen, darunter jede Menge Gemüse, Eier, Fisch, Zitrusfrüchte, Getreide und Fleisch – sehr viel Fleisch!
Alles an Fleisch wurde damals mit Salz konserviert und später auf die über 200 Schiffe der Armada gebracht.
Für die Bevölkerung von Porto blieben, so hieß es später, lediglich nur die Innereien übrig.

Mehr gezwungen als freiwillig ihren gewohnten Lebensmitteln beraubt, musste die Stadtbevölkerung nun eine Alternative finden um sich Überbrückungsweise mit hochwertigen Nährstoffen und Proteinen vernünftig zu ernähren.

Und so kam es, der Legende nach, das irgendwann vor 600 Jahren einer oder mehrere Bürger der Stadt Porto auf die Idee kamen, die Rindermägen die ihnen übrig geblieben waren, zu säubern, in kleine Streifen zu schneiden, diese in einen Topf mit Wurst, Speck und weißen Bohnen zu schmeißen und daraus dann eine gastronomischen Besonderheit zu machen.

Die „Tripas à moda do Porto“ sind heute wohl die charakteristischste Spezialität Portos.
Die Bürger von Porto identifizieren sich so sehr mit diesem traditionellen Eintopf, das sie heute voller Stolz den Spitznamen „tripeiros“ (dt.: „Kuttelesser“) tragen und diesen in keinster Weise als Schimpfwort betrachten!


Samstag, 17. Dezember 2011

Die für mich 20 wichtigsten historische Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte


Ich habe hier in meinem Blog schon mehrmals versucht meinen Lesern die verschiedensten historischen Daten und Ereignisse der portugiesischen Nation zu erklären und näher zu bringen.

Von meiner deutschen Freundin Sabine wurde ich jetzt gefragt, welches denn für mich persönlich das wichtigste Datum und Ereignis der portugiesischen Geschichte sei.

Da ich diese Frage nicht so einfach mit einem oder zwei Sätzen beantworten kann und will und ich mich auch nicht für ein einziges geschichtliches Datum und Ereignis entscheiden kann, habe ich hier einmal die für mich 20 markantesten Daten und Ereignisse der Geschichte Portugals zusammengestellt.
Ich habe mit Absicht nur 20 geschichtliche Ereignisse ausgesucht, da ich sonst den Rahmen dieses Eintrages sprengen würde.

Die für mich 20 wichtigsten historische Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte sind:

• 1128 – Die Schlacht von São Mamede (port.: Batalha de São Mamede). Diese Schlacht fand am 24. Juni 1128 statt, und in ihr standen sich die Truppen von Portugals zukünftigen König Afonso Henriques und die Truppen seiner Mutter Teresa, die die Unterstützung der galizischen Adeligen hatte und die eigentliche Herrscherin über die Grafschaft Portucale (port.: Condado Portucalense) war, gegenüber. Afonso Henriques ging als Sieger dieser Schlacht hervor und am 06. April 1129 erklärte er sich selber zum Herrscher über die Grafschaft Portucale.

• 1143 – Am 05. Oktober 1143 wird der Vertrag von Zamora (port.: Tratado de Zamora) unterschrieben. In ihm wird die Unabhängigkeit Portugals, zwischen dem Grafen Afonso Henriques und seinem Cousin König Alfonso VII von Leon und Kastilien, besiegelt. Von diesem Tag an, durfte sich Afonso Henriques nun offiziell König von Portugal nennen.

• 1385 – Am 14. August des Jahres 1385 ereignete sich die Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota), in der sich die Könige João I von Portugal und Juan I von Kastilien gegenüber standen. Juan I von Kastilien hatte zuvor versucht Portugal mit seinen Truppen zu erobern. König João I von Portugal konnte diese Schlacht, vor allem dank seines mutigen Feldherren Nuno Álvares Pereira, letztendlich für sich gewinnen und so damals die Unabhängigkeit Portugals garantieren.

• 1415 – Die Eroberung der nordmarokkanischen Stadt Ceuta, die damals als der wichtigste Handelsplatz Afrikas galt und die der bedeutendste Karawanenknotenpunkt seiner Zeit war, ereignete sich am 22. August 1415. Die Eroberung Ceutas (port.: Conquista de Ceuta) gilt schlechthin als Beginn der weltweiten portugiesischen Eroberungs- und Expansionspolitik.

• 1434 – In diesem Jahr umsegelte der Seefahrer Gil Eanes, im Auftrag von Prinz Heinrich dem Seefahrer (port.: Infante D. Henrique o Navegador) das Kap Bojador (port.: Cabo Bojador) in Westafrika. Dieses Kap war, auf Grund der ständigen dichten Nebelbänke, der starken Winde und der unberechenbaren Strömungen die dort oftmals herrschen, zuvor niemals von Europäern umsegelt worden. Mit der Umseglung des Kap Bojador nahmen die Portugiesen die erste große Hürde zur Realisierung eines Seeweges nach Indien in Angriff.

• 1488 – 54 Jahre nach der Umsegelung des Kap Bojador durch Gil Eanes, umrundete der Seefahrer Bartolomeu Dias, nach einem schweren Sturm, im Jahre 1488 das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) in Südafrika. Mit dieser Umrundung war eine Verbindung des Atlantischen mit dem Indischen Ozeans bewiesen und somit eine weitere Hürde der portugiesischen Expansionspolitik genommen. Man war nun „guter Hoffnung“ alsbald den Seeweg nach Indien zu entdecken.

• 1494 – Am 07. Juni 1498 unterzeichneten der portugiesische König João II und die Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon in der spanischen Kleinstadt Tordesillas (port.: Tordesilhas) einen Vertrag, der die damalige Welt in eine portugiesische und eine spanische Interessenssphäre aufteilte. Im Vertrag von Tordesillas (port.: Contrato de Tordesilhas) setzten beide Parteien fest, das die in Zukunft zu entdeckenden Länder und Territorien in der Neuen Welt (port.: Novo Mundo) zwischen ihnen „gerecht aufzuteilen“ seien. Dieser Vertrag war nötig geworden, da sowohl Portugal als auch Spanien danach strebten den Seeweg nach Indien zu entdecken, um so im Vorhinein Meinungsverschiedenheiten und sogar Kriege zwischen den zwei Nationen verhindern zu können.

• 1498 – Am 08. Juni 1497 stachen von Lissabon aus drei Karavellen im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I in See. Das Oberkommando über diese drei Karavellen hatte der Kapitän zu See, Vasco da Gama. Nach 346 Tagen kam seine Flotte, am 20. Mai 1498, im indischen Calecute an. Somit war Vasco da Gama, und nicht Kolumbus (port.: Colombo / span.: Colon), der erste Europäer der den Seeweg nach Indien entdeckte.

• 1500 – Anfang März des Jahres 1500 verlässt eine 1.300 Mann starke Armada unter Kapitän Pedro Álvares Cabral Lissabon. Cabral ist auf dem Weg nach Indien, als seine Schiffe in einen heftigen Sturm geraten und von der ursprünglich vorgesehenen Route abkommen. Am 22. April 1500 sichtet er Land und nennt dieses, im Glauben eine Insel entdeckt zu haben, Ilha de Vera Cruz (dt.: Insel von Vera Cruz). Ohne es zu wollen, entdeckt Pedro Álvares Cabral an diesem Tag Brasilien (port.: Descoberta do Brasil).

• 1536 – Auf Wunsch von König João III führt die Römisch-Katholische Kirche am 23. Mai 1536 in Portugal die Inquisition (port.: Inquisição) ein. Mit der Einführung der Inquisition bricht eine der dunkelsten Kapitel der Geschichte über Portugal herein.

• 1578 – Am 24. Juni 1578 begann die Schlacht von Alcacer-Quibir (port.: Batalha de Alcácer-Quibir), im heutigen Marokko, zwischen den portugiesischen Truppen unter dem Kommando König Sebastião I und den maurischen Truppen unter dem Befehl Sultans Abu Marwan Abd al-Malik. Die Schlacht von Alcacer-Quibir sollte sich bis in den Monat August hinziehen und mit einer vernichtenden Niederlage Portugals, dem Tod von König Sebastião am 04. August 1578 und dem daraus resultierenden Verlust der portugiesischen Souveränität an Spanien, zwei Jahre später, enden.

• 1640 – Nach dem Verlust der portugiesischen Souveränität im Jahre 1580 geriet das Land für die kommenden 60 Jahre unter spanischer Herrschaft. Am 01. Dezember 1640 konnte, durch eine erfolgreiche Konspiration portugiesischer Adliger gegen das spanische Königshaus, die Unabhängigkeit Portugals wiedererlangt (port.: Restauração da Independência) werden, und der damalige Herzog von Bragança wurde als João IV König von Portugal.

• 1755 – Am 01. November 1755 erschütterte ein verheerendes Erdbeben die Stadt Lissabon. Dem Erdbeben von Lissabon (port.: Terramoto de Lisboa), der bis heute zu den stärksten und verlustreichsten der Weltgeschichte gehört, folgten mehrere vernichtende Tsunamis und Großbrände, die zehntausenden Menschen das Leben kosteten. Als Folge dieser unbeschreiblichen Tragödie wurde die Stadt Lissabon vom damaligen Prämierminister Marques de Pombal noch schöner und noch prachtvoller wiederaufgebaut.

• 1807 – Am 29. November 1807 floh die portugiesische Königsfamilie vor den Truppen Napoleon Bonapartes, die unter dem General Junot bereits am 18. Oktober in Portugal einmarschiert waren, nach Brasilien. Die Hauptstadt des Königreiches wurde von Lissabon nach Rio de Janeiro verlegt, und João VI und seine Familie sollten bis 1820 in Brasilien bleiben. Die Flucht der portugiesischen Königsfamilie nach Südamerika war die Geburtsstunde des modernen Brasiliens.

• 1820 – Die französischen Soldaten brachten viel Elend und Leid über Portugal, als sie das Land im Jahre 1807 besetzten. Doch die Truppen Napoleon Bonapartes brachten auch das revolutionäre Gedankengut mit nach Portugal, das besonders in der schlecht bezahlten und gedemütigten portugiesischen Armee auf fruchtbaren Boden fiel. Am 24. August 1820 beginnt in der Stadt Porto eine liberale Revolution (port.: Revolução Liberal) die 1821 ihren Höhepunkt erreicht, als König João VI einen Eid auf die erste konstitutionelle Verfassung des Landes ablegt und damit die absolute Monarchie in Portugal abschafft.

• 1908 – Am 01. Februar 1908 kommen König Carlos I und sein Sohn und Thronfolger Luis Filipe auf dem Terreiro do Paço in Lissabon bei einem feigen republikanischen Attentat ums Leben. Der zweitälteste Sohn von König Carlos I wird als Manuel II letzter König von Portugal.

• 1910 – Nur zwei Jahre nach dem Attentat auf König Carlos I und seinen Sohn Luis Filipe wird am 05. Oktober 1910 die Monarchie in Portugal abgeschafft und die Republik ausgerufen. König Manuel II geht nach England ins Exil.

• 1926 – Am 28. Mai 1926 kommt General Gomes da Costa durch einen Putsch an die Macht und setzt daraufhin eine Militärdiktatur (port.: Ditadura Militar) ein. Diese Diktatur wird von 1930 bis 1974 den „Estado Novo“ (dt.: „Neuen Staat“) hervorbringen. Lediglich zwei Männer, nämlich António de Oliveira Salazar von 1930 bis 1969 und Marcelo Caetano von 1969 bis 1974, werden in diesen Jahren der faschistischen Diktatur über Portugal herrschen.

• 1974 – Mit einer praktisch unblutigen Revolution setzt am 25. April 1974 eine Gruppe junger Offiziere, bekannt als „Movimento das Forças Armadas“ = MFA (dt.: Bewegung der Streitkräfte) der Diktatur, die 48 lange Jahre gedauert hatte, ein Ende. Als Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos) ging diese gewaltlose Erhebung gegen den Faschismus in die Geschichtsbücher ein.

• 1985 – Mit der Unterzeichnung der Beitrittserklärung Portugals am 12. Juni 1985, im altehrwürdigen Hieronymuskloster (port.: Convento dos Jerónimos) von Belém, wurde Portugal ab dem 01. Januar 1986 Vollmitglied der Europäischen Union (port.: União Europeia). Auch wenn viele Portugiesen es heute nicht so recht wahr haben wollen, so ist der 12. Juni 1985 doch ohne Zweifel der wichtigste Meilenstein in der jüngsten Geschichte Portugals.


Sicherlich hat der Eine oder Andere eine andere Priorität, was die geschichtlichen Ereignisse unserer Nation angeht.
Aber im Großen und Ganzen sind die wichtigsten Ereignisse der portugiesischen Geschichte, wie z.B. der Unabhängigkeitstag, die Schlacht von Aljubarrota, das große Erdbeben von Lissabon, das Ende der Monarchie, die Salazardiktatur oder die Nelkenrevolution, für die meisten Portugiesen gleich wichtig.

Die von mir hier oben aufgeführten Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte sind, wohlgemerkt, meine rein persönlichen Highlights!
Aber anstatt hier nur ein Datum oder nur ein geschichtliches Ereignis zu nennen, habe ich, wie oben gesehen, 20 von ihnen hier aufgeführt.

So gesehen, habe ich die Frage meiner Freundin Sabine, welches denn für mich persönlich das wichtigste Datum und Ereignis der portugiesischen Geschichte sei, hier sicherlich mehr als zufrieden stellend beantwortet.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Luis Vaz de Camões


Lissabon und die Universitätsstadt Coimbra streiten sich darum, Geburtsort von Luís Vaz de Camões, den wohl bedeutendsten portugiesischen Dichter und Poet, zu sein.

Unklarheiten bestehen auch hinsichtlich des Geburtsdatums: 1524 oder 1525 kommt Camões zur Welt.
Er entstammt einer verarmten aber angesehenen portugiesischen Adelsfamilie.
Sein Vater befehligt im königlichen Auftrag ein Schiff.

Genauso wie sein Geburtsjahr und sein Geburtsort sind alle biographischen Angaben über Camões sehr spärlich und teilweise auch nicht gesichert, sondern eher typisch folklorisch angehaucht.
Nur sehr wenige Etappen in seinem Leben sind wirklich dokumentiert.

Väterlicherseits stammt Luís Vaz de Camões von Vasco Pires de Camões ab, einem galizischen Troubadoure der im Jahre 1370 nach Portugal zog um in die Dienste König Fernando I als Minnesänger zu treten.
Der König muss von dem Gesang und der Poesie des Urgroßvaters von Luís Vaz de Camões sehr angetan gewesen sein, denn es ist belegt, dass er ihn mit Ehren, Geld und Ländereien beschenkte.
Der Sohn von Vasco Pires de Camões, Antão Vaz de Camões, der Großvater des großen Dichters, diente dem König in der portugiesischen Marine als Soldat im Roten Meer. Er ehelichte Dona Guiomar da Gama, eine entfernte Verwandte des großen Vasco da Gama.
Aus dieser Ehe entstamme Luís de Camões Vater, Simão Vaz de Camões, der in der königlichen Handelsmarine seinen Dienst versah, und bis nach Guinea und Indien reiste.
Simão heiratete Ana de Sá e Macedo, eine aus Santarém stammende Adlige und beide hatten sie nur einen Sohn, Luís Vaz de Camões.

Man geht davon aus, dass er eine solide und für heutige Begriffe, klassische Erziehung mit Latein, Literatur und Geschichte hatte, wie sie wohl viele junge Männer aus adeligem Hause genossen.
Er soll ein undisziplinierter aber interessierter Schüler gewesen sein.
Wahrscheinlich hat er in Coimbra studiert, obwohl keine Universitätsunterlagen darüber existieren.
Fakt ist, das Camões alsbald zu den gebildesten Männern seiner Zeit gehörte.

Seine Familie ist zwar verarmt, aber dennoch adelig.
Ein Fakt das ihm nach dem Studium die Tatsache ermöglicht Zutritt bei Hofe zu finden und dort auf Bestellung Dramen und Gedichte zu schreiben.
Im wird alsbald eine turbulente und liederliche Lebensweise nachgesagt, mit Saufgelagen, Prügeleien, sowie zahlreichen Liebschaften mit jungen adeligen und nichtadeligen Damen.
Eine dieser Affären hat er mit Infantin Maria, der Schwester des Königs. Sie ist dann auch der Grund warum ihn König João III aus dem erlauchten Kreis des Hofstaats verbannt.

In der Hoffnung, dadurch früher rehabilitiert zu werden, meldet er sich freiwillig zum Militärdienst in Ceute. Hier verliert er bei einem Seegefecht mit den Mauren, nahe der Straße von Gibraltar, sein rechtes Auge.
Insgesamt bleibt er zwei Jahre in Nordafrika, bevor er wieder nach Portugal zurückkehrt.
Kaum in Lissabon angekommen fängt er wieder sein liederliches Leben an.

Am 15. Juni 1552, dem Fronleichnamtag, verstrickt er sich mit Gonçalo Borges, einem Lieblingsdiener des Königs, im Rossio in einen Streit. Bei diesem Streit verletzt er Gonçalo Borges mit dem Säbel schwer am Hals.
Er wird verhaftet und ins nahe Gefängnis Cadeia do Tronco, in die Rua das Portas de Santo Antão n.º 137, gebracht.
Dort verbleibt er für die nächsten neun Monate.

Nachdem König João III einer Bitte von Luís de Camões Mutter nachkommt, wird er am 07. März 1553 begnadigt, allerdings unter zwei Bedingungen:

1. er muss Gonçalo Borges einen Schadensersatz in Höhe von 4.000 Reis bezahlen und
2. er muss augenblicklich Portugal verlassen!

In dem Marineregister aus demselben Jahr findet sich unter der Liste „Gente de Guerra da Armada da India“ (dt.: „Kriegspersonal der Indischen Armada“) folgender Eintrag:

• „Luís de Camões, filho de Simão Vaz e Ana de Sá, moradores em Lisboa, na Mouraria; escudeiro, de 25 anos, barbirruivo, trouxe por fiador o seu pai; vai na nau São Bento, da frota de Fernão Álvares Cabral... entre os homens de armas.“

Was ins deutsche übersetzt so viel heißt wie:

• „Luís de Camões, Sohn des Simão Vaz und der Ana de Sá, wohnhaft in Lissabon, im Stadtteil Mouraria; Schildknappe, 25 Jahre alt, rotbärtig, bringt als Bürge seinen Vater mit; reist auf dem Kriegsschiff São Bento, in der Flotte von Fernão Álvares Cabral... mit den Männern die unter Waffen stehen.“

Mit diesem Eintrag im Marineregister ist eindeutig belegt das Luís de Camões schon am 24. März 1553, 17 Tage nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, nach Indien reist.
Zunächst wird er nach Goa geschickt, wo er 1554 zuerst unter Vizekönig Afonso de Noronha und ein Jahr später unter dem neuen Vizekönig Pedro Mascarenhas seinen Dienst verrichtet.
Aber auch hier in Goa fällt er in Ungnade und so geht seine Reise nach kurzer Zeit weiter, diesmal nach Macau.

Er dient dem neuen Vizekönig Francisco Coutinho ab 1562 in Macau, das zur damaligen Zeit nichts weiter als ein verlassener Handelsplatz war, als „Versorger der Toten und Vermissten in China“ (port.: „Provedor-mor dos Defuntos e Ausentes para a China“), eine nicht sehr anspruchsvolle Aufgabe, die ihm aber genügend Zeit lässt, sich seinen Dichtungen zu widmen.

Hier in Macau, in einer Felsengrotte die heute nach ihm benannt ist, schreibt er hauptsächlich sein großes episches Werk „Die Lusiaden“ (port.: „Os Lusíadas“ – nach Lusus, dem sagenhaften Stammvater der Portugiesen“).
In dem Epos „Os Lusíadas“ schildert der Dichter auf homerischer Art und Weise, mit Anklängen an die Odyssee, an Mythen und Götter, die Entdeckung des Seewegs und die Reise nach Indien durch den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama.

Auf einer Reise nach Goa, wohin er befohlen wird, erleidet sein Schiff, unweit des Mündungsdeltas des Mekong, Schiffbruch und er kann nur sich und sein Manuskript retten.
In Goa angekommen wird er festgenommen, da man ihm vorwirft Gelder der Verstorbenen, die er eigentlich für die Erben verwalten sollte, veruntreut zu haben.
Nur der neue Vizekönig Antão de Noronha, ein Freund aus der Zeit als Camões noch in Marokko stationiert war, kann ihn vor einer längeren Haftzeit bewahren.

Die letzten Jahre in Asien verbringt er mit schreiben und, für seine Verhältnisse, mit einem recht geordneten Leben.
Erst am 07. April 1570 kehrt Camões, über Moçambique, auf dem Handelsschiff Santa Clara nach Lissabon zurück.

Hier beendet er „Os Lusíadas“ und nach dem er sein Werk vor dem neuen König Sebastião I rezitiert hat, gibt dieser ihm im März 1572 die Erlaubnis die Gedichte zu veröffentlichen.
Der König gesteht Camões, „als Anerkennung für die geleisteten Dienste für die Krone in Indien“, die stolze Summe von 15.000 Reis als Pension, ein.
Wenn man bedenkt, dass zur damaligen Zeit die Hofdamen des Königs jeweils nur 10.000 Reis erhielten, dann ist die Pension für einen alten Soldaten mehr als anständig.
Allerdings sollen die Zahlungen immer sehr unregelmäßig gewesen sein, was Camões, der sich an eine gewisse Lebensstandart gewöhnt hatte, in eine schwere finanzielle Krise stürzte.

Die letzten Jahre seines Lebens verbringt er in völliger Armut in einem Zimmer, unweit der Kirche Igreja Santa Ana.
Nach überlieferten Berichten hatte er äußerste Mühen über die Runden zu kommen.

Mit Bitterkeit erlebt er noch die portugiesische Niederlage im marokkanischen Alcácer-Quibir mit, wo mit dem Tod König Sebastiãos I am 27. August 1578 das Königreich Portugal seine Souveränität an Spanien praktisch verliert.

Im Mai 1580 erkrankt er an der Pest, an der er auch am 10. Juni stirbt.
In einem Massengrab wird er am darauf folgenden Tag, unweit der Kirche Igreja Santa Ana, verscharrt.

Nach dem großen Erbeben im Jahre 1755 wird alles daran gesetzt die sterblichen Überreste von Luís Vaz de Camões wieder zu finden. Aber die Suche scheitert kläglich, und somit sind die Gebeine, die 1880 im imposanten Grab im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jirónimos) zu Lissabon beigelegt wurden sicherlich die Gebeine eines anderen Mannes, aber nicht die von Camões!

Wie so viele seiner Dichterkollegen, so erlebt auch Luís Vaz de Camões nicht mehr den Erfolg den er sich zu Lebzeiten immer so gewünscht hatte.
Über drei zentrale Themen handeln ausnahmslos alle Gedichte, Lieder, Oden, Komödien und Sonetten die Camões zu Papier gebracht hat.
Diese Themen sind die portugiesische Nation, die Liebe und die Frauen.
Erst nach seinem Tod erkennt man den unschätzbaren und stilistischen Wert seiner Werke an – eine Anerkennung die bis zum heutigen Tag andauert!
Eine deutsche Übersetzung von Camões Hauptwerk „Os Lusíadas“ fand erst im Jahre 1808 statt.

Nach der Nelkenrevolution im Jahre 1974 wurde der Portugiesische Nationalfeiertag, der jedes Jahr auf den 10. Juni fällt, zufällig dem Todestag von Camões, in „Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas“ (dt.: „Tag von Portugal, von Camões und den Portugiesischen Gemeinden“) umbenannt.

Im Jahre 1992 wurde der Name des Portugiesische Sprachen- und Kulturinstitut (port.: „Instituto de Língua e Cultura Portuguesa“), vergleichbar mit dem Deutschen Goethe-Institut, ihm zu Ehren in „Instituto de Camões“ geändert.
Außerdem trägt der renommierteste portugiesische Literaturpreis, der „Prémio Camões“, seit 1989 seinen Namen.

Wer „Die Lusiaden“ noch nicht kennt oder die Originalfassung auf Portugiesisch nicht lesen kann, dem empfehle ich die sehr lobenswerte deutsche Übersetzung von Hans-Joachim Schaeffers, die im Jahre 2008 im „Elfenbein Verlag“ erschienen ist.

Samstag, 4. September 2010

Feira da Luz






Wie jedes Jahr, findet diesen Monat im Lissabonner Stadtteil Carnide, die Feira da Luz (dt.: Jahrmarkt des Lichtes) statt.
Dieses Jahr wird die Feira da Luz zum fünfhundertsten Mal stattfinden.
Sie ist somit eine der wenigen Jahrmärkte des Landes, die ein halbes Jahrtausend Geschichte vorweisen können.

Vom heutigen 04. September bis zum 26. September werden im Jardim da Luz, dem Stadtpark des Stadtteiles Carnide, wieder einmal tausende von Menschen zusammenkommen, um diesen, für mich, einzigartigen Jahrmarkt zu besuchen.
Natürlich ist die Feira da Luz nicht mehr das, was sie einmal war. Und ich meine nicht die Feira da Luz vor 500 Jahren. Nein, ich meine die Feira da Luz vor noch gut 35 Jahren.

Bereits als Kleinkinder besuchten meine Schwester und ich, in Begleitung unserer Mutter, die Feira da Luz, um dort die beste Zuckerwatte der Welt zu essen, jedenfalls kam sie uns als Kinder so vor.
Die Feira war für uns Kinder auch so etwas wie ein Spielzeugbazar. Denn nie verließen wir die Feira ohne das eine oder andere bunte Holzspielzeug.
1972, als unser Vater bereits als Gastarbeiter in Deutschland weilte, ließ meine Mutter ein Foto von uns Kinder auf der Feira da Luz machen, um dieses Foto dann meinem Vater nach Deutschland zu schicken.
Dieses Foto, auf dem meine Schwester und ich auf zwei schwarz bemalten Holzpferdchen sitzen, gibt es heute noch.
Gemacht wurde dieses Foto, am 03. September 1972, damals von einem Fotografen, der noch diese alten Stehkameras mit einem schwarzen Tuch benutzte, welches er sich über den Kopf zog.

Heute sucht man auf der Feira da Luz vergeblich nach dem alten Fotografen, nach der besten Zuckerwatte der Welt und nach buntem Holzspielzeug.
Wie jedes andere Volksfest der Welt, hat auch die Feira da Luz sich weiter entwickelt.
In welche Richtung auch immer…

Wie es auch sei, die Feira da Luz ist immer einen Besuch wert. Und sie hat einen, wie ich finde, großen Vorteil: da sie noch heute ein Stadtteilfest ist, ist die Feira da Luz vielen im Land unbekannt; was den Vorteil hat, das sie noch, trotz allen Veränderungen, recht ursprünglich geblieben ist.

Ihren Höhepunkt wird die Feira, wie jedes Jahr, am letzten Sonntag des Monats haben.
Dann wenn die Prozession zu Ehren der Jungfrau da Luz (port.: Procissão da Nossa Senhora da Luz) stattfinden wird.
Es ist dieser Prozession zu verdanken, dass es die Feira da Luz überhaupt gibt!
Um diese Prozession herum, die noch heute eine der wichtigsten religiösen Demonstrationen der portugiesischen Hauptstadt ist, bildete sich mit den Jahren der Jahrmarkt.
Und während in den ersten Jahrhunderten die Prozession im Mittelpunkt stand, und die Festbuden, Schwenkbraten, Feuerschlucker und Liedermacher nur Beiwerk waren, so ist es heute genau umgekehrt.
Jeder kennt den Jahrmarkt, aber nur wenige die Prozession.

Der Sage nach, soll ein portugiesischer Ritter, der im 14. Jahrhundert am Feldzug gegen die Mauren, im marokkanischen Ceuta teilnahm, während der Schlacht schwer verletzt worden sein.
Auf dem Schlachtfeld, dem Tode nahe, soll er durch ein Licht gerettet worden sein, welches die Figur einer Jungfrau ausstrahlte (Luz ist das portugiesische Wort für Licht. Also ist die „Nossa Senhora da Luz“, die Jungfrau des Lichtes und die „Feira da Luz“ ist wörtlich übersetzt der Jahrmarkt des Lichtes. Ganz nebenbei, das Benfica-Stadion „Estadio da Luz“, ganz in der Nähe, ist nichts weiter als das Stadion des Lichtes!).
Als er wieder vom Krieg nach hause kam, errichtete er, dort wo sich heute die Kirche Nossa Senhora da Luz befindet, eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau, die ihn, der Sage nach, gerettet hatte.

Wie jede Sage und Legende, hat auch diese ihre wahren und unwahren Seiten. Fakt ist, das heute noch eine kleine Madonnenfigur aus dem 14. Jahrhundert zum Kirchenschatz der Kirche Nossa Senhora da Luz gehört.

Wer an der Prozession teilnehmen will, sollte wissen, dass der letzte Sonntag im September, dieses Jahr auf den 26. fällt.
Die Prozession selber, so hat mir das Pfarramt in Carnide mitgeteilt, wird wie jedes Jahr, ihren Anfang an der Kirche, am Largo da Luz, haben, und dann weiter durch die Straßen Rua da Fonte, Rua Neves da Costa, Estrada da Correia, Rua Maria Brown und Estrada do Colégio Militar ziehen, um dann, wieder an der Kirche angekommen, ihr Ende finden.

Allen eine wunderschöne Feira da Luz!