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Samstag, 13. Dezember 2014

Zum Dritten Advent: Aletria, süße Milchfadennudeln


Nachdem ich hier in meinem Blog die letzten zwei Adventswochenenden Weihnachtsrezepte meiner Mutter Luisa publiziert habe, möchte ich nun heute – zum Dritten Advent – ein weiteres leckeres portugiesisches Rezept zu Weihnachten bekannt machen.

Das heutige Rezept für süße Milchfadennudeln – hier in Portugal nennt man Fadennudeln „aletria“ – ist, wie die vorherigen zwei Rezepte, leicht nachzukochen.
Nachdem ich das jeweilige Gewicht und die Menge der Zutaten mit der Hilfe meiner Mutter, die immer ohne Kochbuch kocht und backt, berechnet habe, hier nun die Anleitung für eines meiner liebsten Weihnachtsleckereien:

Aletria, süße Milchfadennudeln

Zutaten

300g Fadennudeln (bitte nur dünne Nudelsorten verwenden!)
2 l Milch
10 gehäufte Esslöffel Zucker
1 große Zitronenschale
1 oder zwei Zimtstangen
2 Esslöffel Butter
8 Eigelbe

1. Milch in einem Kochtopf zusammen mit der Zitronenschale, den Zimtstangen, dem Zucker und der Butter unter ständigem Rühren zum kochen bringen
2. ist die Milch am kochen, gibt man die Fadennudeln hinzu und lässt diese gut 8 Min. bis 10 Min. weich kochen, bis eine cremige Masse entsteht
3. danach den Kochtopf mit der cremigen Nudelmasse vom Herd nehmen und gut 10 Min. etwas abkühlen lassen. Beim erkühlen, die Masse immer wieder durchrühren
4. dann die Zitronenschale und die Zimtstangen herausnehmen und die mit etwas Milch geschlagenen acht Eigelbe zügig, unter ständigem rühren, einrühren
5. unter ständigem Rühren noch mal gut 2 Min. kurz aufkochen lassen. Wichtig ist: rühren, rühren, rühren…
6. dann die Fadennudeln in Schälchen oder in eine Auflaufform gießen und erkalten lassen
7. wer will, kann nun die gekochten süßen Fadennudeln nach Geschmack mit Zimtpulver bestreuen oder dekorieren

Der genaue Ursprung der Aletria ist heute nicht mehr genau nachzuvollziehen.
Tatsache ist, dass die Aletria einstmals in den ländlichen Regionen der portugiesischen Provinzen Beira Alta und Beira Baixa ein fester Bestandteil des Mahls bei fast jeder Hochzeit war. Vom Hochzeitspaar und seinen Gästen traditionell nach dem Hochzeitsmahl eingenommen, bildete diese Süßspeise meistens den krönenden Abschluss des Menüs bei der Hochzeitsfeier.
Mit der Zeit wurde aus diesem typischen regionalen Hochzeitsnachtisch eine nationale Weihnachtssüßspeise.

Heute isst man hierzulande die Aletria nicht nur auf Hochzeiten und zur Weihnachtszeit, sondern oftmals auch außerhalb dieser Festtage, nämlich dann wenn man Lust auf sie hat.

Samstag, 29. November 2014

Zum Ersten Advent: Filhóses, frittierte Kürbiskrapfen


Meine Mutter Luisa ist wahrlich keine Fünf-Sterneköchin in der Küche und auch ich gehöre eher zur Fraktion der guten Esser anstatt zu der der guten Köche.
Nichtsdestotrotz wird bei uns sehr gerne gekocht und gegessen.
So kommt bei uns, vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit, immer die eine oder andere köstliche und traditionelle portugiesische Weihnachtsleckerei auf den Tisch.

Auf Anfragen und Bitten vieler meiner Freunde, die die Koch- und Backkünste meiner Mutter schon genießen durften, werde ich heute, und eventuell auch in den nächsten Adventswochenenden, das eine oder andere traditionelle Weihnachtsrezept meiner Mutter hier im Blog preisgeben.

Keines der Rezepte die ich hier posten werde ist – obwohl jedes von ihnen sehr wohl als Familienrezept gelten kann – ein Geheimrezept, d.h.: jeder kann diese Weihnachtsrezepte leicht nachkochen oder nachbacken.
Das größte Problem das ich beim niederschreiben der jeweiligen Rezepte hatte war letztendlich der, immer die genaue Mengenangabe der einzelnen Zutaten zu errechnen.
Da meine Mutter die Gabe hat ohne Kochbuch zu kochen und ohne Backbuch zu backen – sie wiegt und misst die Zutaten nie ab, sondern verwendet diese immer nach Augenmaß und Gefühl – war es zunächst vor allem schwierig hier die genauen Mengenangaben für die Rezepte zu finden.

Nach einigem Abwiegen und Abmessen und viel Geduld – Geduld ist wirklich die Zutat die meiner Mutter in der Küche am meisten fehlt – habe ich hier nun einige Weihnachtsrezepte zusammengetragen.
Für das Fehlschlagen beim ausführen dieser Rezepte übernehme ich keine Verantwortung, wogegen ich bei gutem Gelingen natürlich gerne alles auf meine Kappe nehme ;-)
Hier also ein Rezept zum Ersten Advent:

Filhóses, frittierte Kürbiskrapfen

Zutaten:

1 kg Kürbisfleisch
1 Prise Salz
Etwas Wasser zum Kochen des Kürbisfleisches
2 Orangen
10 g frische Hefe
4 Esslöffel Zucker
3 Eier
½ bis 1 halbes Glas Milch
1 Gläschen Schnaps oder 1 Glas Portwein
400 g Mehl
Olivenöl oder Fett zum frittieren
Zimt und Zucker zum bestreuen

1. Kürbisfleisch in kleine Stücke schneiden und mit einer Prise Salz in etwas Wasser weich kochen
2. nach dem kochen, das Kürbisfleisch aus dem Wasser nehmen und erkalten lassen
3. nun das erkaltete Kürbisfleisch mit der Hilfe eines Mixstabes pürieren
4. die frische Hefe im Saft der zwei Orangen auflösen und dann mit dem Zucker dem pürierten Kürbis hinzugeben
5. sodann die ganzen Eier, die geraspelte Schale der zwei Orangen, die Milch und zum Schluss den Schnaps oder den Portwein hinzufügen
6. dann das Mehl unter die entstandene Masse heben und alles zu einem eher dickflüssigen Teig zusammenmischen
7. nun den Teig bei normaler Zimmertemperatur zugedeckt gut eine Stunde gehen lassen
8. das Olivenöl oder Fett zum frittieren auf gut 180°C erhitzen und dann den Teig mit einer kleinen Kelle oder einem großen Esslöffel portioniert im heißen Öl ausbacken
9. wenn die eine Seite goldbraun gebacken ist, dann bitte die Filhós einmal wenden und nun von der anderen Seite goldbraun backen.
10. dann die Filhóses auf Küchenpapier abtropfen lassen und solange sie noch warm sind, in einem Zimt-Zucker-Gemisch wälzen

Die Filhóses können lauwarm gegessen werden, schmecken aber erkaltet genauso lecker.

Ich wünsche allen einen schönen und leckeren Ersten Advent!

Mittwoch, 16. März 2011

Tripa


Heute Mittag, nach dem Büro, bin ich in den Park „Jardim da Estrela“ gegangen, um ein bisschen zu spazieren und um auf andere Gedanken zu kommen.
Ich ließ es mir nicht nehmen, im dortigen Café „Quiosque do Jardim da Estrela“ einen leckeren Crêpe zu mir zu nehmen.

Ich schätze mal, die meisten Portugiesen, und zu denen gehörte ich noch vor ein paar Wochen auch, wissen nicht, dass wir hier in Portugal eine eigene Crêpesrezeptur haben.
Normalerweise denkt ja jeder, Crêpes stammen aus Frankreich – was eigentlich ja auch stimmt.
Aber diese Crêpes, von denen ich hier berichten will, stammen ursprünglich nicht aus Frankreich, sondern aus der nordportugiesischen Stadt Aveiro und hören auf den Namen „tripa“ (singular: tripa – plural: tripas).
Nun das mag auf Deutsch nett klingen, aber „tripa“ ist das portugiesische Wort für „Darm“.
Keiner, auch die Besitzerin des Cafés, konnte mir bis heute erklären wieso die Crêpes diesen außergewöhnlichen Namen tragen.
Fakt ist: sie schmecken besser als es ihr Name erscheinen lässt!

Wie die Crêpes aber nach Lissabon gekommen sind, dafür gibt es eine einfache Erklärung.
Inês Guerra, die Besitzerin des Cafés und so ziemlich der netteste und freundlichste Mensch, den ich in letzter Zeit im Bereich „Dienstleistung“ kennen gelernt habe, stammt ursprünglich aus Aveiro.
Und als sie letztes Jahr hier in Lissabon einen eigenen Laden aufmachen wollte, hat sie an diese Köstlichkeit aus ihrer Heimatstadt gedacht, und diese zur Attraktion ihres Cafés gemacht.
Die Crêpes aus Aveiro sind dicker als ihre französischen Verwandten, aber nicht so dick wie deutsche Waffeln, obwohl sie genauso stopfen wie diese.
Ein einzelner Crêpe reicht normalerweise aus, um satt zu werden.
Klassisch, mit Zimt, Puderzucker und einem Schlag Eiercreme schmecken sie mir am besten.
Aber man kann sie, wie andere Crêpes auch, mit Schokolade, Sahne oder Marmelade zu sich nehmen.
2,50 Euro kostet dieser Genuss, den es in der Hauptstadt nur hier gibt.
Eigentlich ein Schnäppchen, wenn man bedenkt was eine Fahrt nach Aveiro kostet…

Freitag, 21. August 2009

So betrachtet sind also sie es, die uns entdeckt haben…


Als Vasco da Gama im September 1499 von seiner einjährigen Seereise nach Indien, nach Lissabon zurückkehrte, fragte ihn sein persönlicher Freund und Staatsmann Francisco de Portugal, der Graf von Vimioso (Conde de Vimioso), welche Waren er denn aus dem fernen Indien mitgebracht hätte und gegen welche Waren er diese „Mitbringsel“ umgetauscht hätte.

Vasco da Gama berichtete daraufhin seinem Freund, er hätte Pfeffer, Zimt, Ingwer, Bernstein und Moschus (pimenta, canela, gengibre, âmbar e almiscar) aus Indien mitgebracht, und diese Waren gegen Gold, Silber und Samt (ouro, prata e veludo) umgetauscht.

Trocken meinte daraufhin der Graf von Vimioso zu seinem Freund, dem Weltumsegler:

„So betrachtet sind also sie es, die uns entdeckt haben…“