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Samstag, 29. November 2014

Zum Ersten Advent: Filhóses, frittierte Kürbiskrapfen


Meine Mutter Luisa ist wahrlich keine Fünf-Sterneköchin in der Küche und auch ich gehöre eher zur Fraktion der guten Esser anstatt zu der der guten Köche.
Nichtsdestotrotz wird bei uns sehr gerne gekocht und gegessen.
So kommt bei uns, vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit, immer die eine oder andere köstliche und traditionelle portugiesische Weihnachtsleckerei auf den Tisch.

Auf Anfragen und Bitten vieler meiner Freunde, die die Koch- und Backkünste meiner Mutter schon genießen durften, werde ich heute, und eventuell auch in den nächsten Adventswochenenden, das eine oder andere traditionelle Weihnachtsrezept meiner Mutter hier im Blog preisgeben.

Keines der Rezepte die ich hier posten werde ist – obwohl jedes von ihnen sehr wohl als Familienrezept gelten kann – ein Geheimrezept, d.h.: jeder kann diese Weihnachtsrezepte leicht nachkochen oder nachbacken.
Das größte Problem das ich beim niederschreiben der jeweiligen Rezepte hatte war letztendlich der, immer die genaue Mengenangabe der einzelnen Zutaten zu errechnen.
Da meine Mutter die Gabe hat ohne Kochbuch zu kochen und ohne Backbuch zu backen – sie wiegt und misst die Zutaten nie ab, sondern verwendet diese immer nach Augenmaß und Gefühl – war es zunächst vor allem schwierig hier die genauen Mengenangaben für die Rezepte zu finden.

Nach einigem Abwiegen und Abmessen und viel Geduld – Geduld ist wirklich die Zutat die meiner Mutter in der Küche am meisten fehlt – habe ich hier nun einige Weihnachtsrezepte zusammengetragen.
Für das Fehlschlagen beim ausführen dieser Rezepte übernehme ich keine Verantwortung, wogegen ich bei gutem Gelingen natürlich gerne alles auf meine Kappe nehme ;-)
Hier also ein Rezept zum Ersten Advent:

Filhóses, frittierte Kürbiskrapfen

Zutaten:

1 kg Kürbisfleisch
1 Prise Salz
Etwas Wasser zum Kochen des Kürbisfleisches
2 Orangen
10 g frische Hefe
4 Esslöffel Zucker
3 Eier
½ bis 1 halbes Glas Milch
1 Gläschen Schnaps oder 1 Glas Portwein
400 g Mehl
Olivenöl oder Fett zum frittieren
Zimt und Zucker zum bestreuen

1. Kürbisfleisch in kleine Stücke schneiden und mit einer Prise Salz in etwas Wasser weich kochen
2. nach dem kochen, das Kürbisfleisch aus dem Wasser nehmen und erkalten lassen
3. nun das erkaltete Kürbisfleisch mit der Hilfe eines Mixstabes pürieren
4. die frische Hefe im Saft der zwei Orangen auflösen und dann mit dem Zucker dem pürierten Kürbis hinzugeben
5. sodann die ganzen Eier, die geraspelte Schale der zwei Orangen, die Milch und zum Schluss den Schnaps oder den Portwein hinzufügen
6. dann das Mehl unter die entstandene Masse heben und alles zu einem eher dickflüssigen Teig zusammenmischen
7. nun den Teig bei normaler Zimmertemperatur zugedeckt gut eine Stunde gehen lassen
8. das Olivenöl oder Fett zum frittieren auf gut 180°C erhitzen und dann den Teig mit einer kleinen Kelle oder einem großen Esslöffel portioniert im heißen Öl ausbacken
9. wenn die eine Seite goldbraun gebacken ist, dann bitte die Filhós einmal wenden und nun von der anderen Seite goldbraun backen.
10. dann die Filhóses auf Küchenpapier abtropfen lassen und solange sie noch warm sind, in einem Zimt-Zucker-Gemisch wälzen

Die Filhóses können lauwarm gegessen werden, schmecken aber erkaltet genauso lecker.

Ich wünsche allen einen schönen und leckeren Ersten Advent!

Donnerstag, 22. September 2011

Miradouro de São Pedro de Alcântara






Neulich war ich mit ein paar guten Freunden im Parque das Nações, dem ehemaligen Expo-Gelände, zu Mittag essen.
Irgendwie kamen wir auf den Lissabonner Aussichtspunkt Miradouro de São Pedro de Alcântara zu sprechen.
Alle, die wir am Tisch saßen, waren wir gemeinsam der Meinung, dass man von diesem Aussichtspunkt eines der schönsten Panoramablicke über Lissabon genießen kann.
Worüber wir uns allerdings nicht alle einig waren, war der Name des besagten Aussichtspunktes.

Stefan, ein herzensguter Mensch, war nur schwer davon zu überzeugen, das ausgerechnet dieser Aussichtspunkt den Namen „São Pedro de Alcântara“ tragen soll, „wo doch der Stadtteil Alcântara so weit weg sei“, meinte er.

Nun, in einem hat er Recht:
der Lissabonner Stadtteil Alcântara liegt wirklich etwas abseits.
Aber „São Pedro de Alcântara“ hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem Stadtteil gleichen Namens zu tun.
Zwar haben beide mit dem ursprünglich arabischen Al-Qantarah (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Al-Qantarah“ vom 16.03.2011) etwas gemeinsam.
Aber während der Stadtteil „Alcântara“ einer von über 30 Ortsnamen ist, die es weltweit mit dem gleichen Namen gibt, ist „São Pedro de Alcântara“ nach dem Heiligen Petrus von Alcántara, einem Heiligen der in der spanischen Stadt Alcántara de Extremadura gewirkt haben soll, benannt!

Das habe ich denn auch versucht meinem Freund Stefan so zu erklären, aber ich werde das Gefühl nicht los, das ich ihn nicht so richtig überzeugen konnte.

Wie dem auch sei, Tatsache ist das dieser Aussichtspunkt wirklich Miradouro de São Pedro de Alcântara heißt!
Er ist einer der ältesten Lissabons. Bereits im Jahre 1839 wurde er, unter der Regentschaft von Königin Maria II, angelegt.

Im Stadtteil Encarnação gelegen, unweit des Bairro Alto, hat man von ihm aus einen atemberaubenden Blick über die Stadt, bis hinüber zur Kathedrale (port.: Sé), der Georgsburg (port.: Castelo de São Jorge), den Stadtteil Graça und den Tejo.
Der Miradouro ist Teil des 600 qm² großen Parks gleichen Namens (port.: Jardim de São Pedro de Alcântara).
An der Balustrade gibt es ein altes Azulejobild, mit dessen Hilfe man einige Gebäude und markante Punkte der Stadt identifizieren kann.

Da der Miradouro viele Bäume hat, lädt er, mit seinen vielen Parkbänken im Schatten, zum verweilen ein.
Allerdings verirren sich tagsüber hauptsächlich Touristen hierher.
Die Lissabonner, zumal die Jugendlichen, die vom nahen Bairro Alto rüberschlendern, schauen vor allem spät abends und in der Nacht vorbei.

Das schöne Denkmal aus dem Jahre 1904, welches Mitten im Park steht, ist dem Journalisten Eduardo Coelho, dem Gründer der Tageszeitung „Diário de Noticias“ gewidmet.

Gegenüber vom Park erhebt sich der Palácio Ludovice, ein majestätischer Stadtpalast, der von dem Deutschen Johann Friedrich Ludwig erbaut wurde und der, unter anderem, auch der Konstrukteur des riesigen Klosterpalastes von Mafra ist.
In diesem Stadtpalast hat der deutsche Baumeister, der später die portugiesische Staatsbürgerschaft annahm und sich dann João Frederico Ludovice nannte, selber Mitte des 18. Jahrhunderts gelebt.

Heute befindet sich im Erdgeschoß des Gebäudes eine Zweigstelle des Solar do Vinho do Porto (dt.: Portwein-Institut), das in der Stadt Porto, in der Quinta da Macieirinha, seinen Hauptsitz hat.
Hier kann man sich mit Leib und Seele dem „Studium“ der Portweine hingeben und unter über 250 roten wie weißen Sorten, darunter auch ein paar Raritäten, auswählen.

Ein Blick vom Miradouro de São Pedro de Alcântara ist schon, wie berichtet, etwas Außergewöhnliches.
Aber ein Sonnenuntergang von hier aus, wird einem garantiert für immer positiv in Erinnerung bleiben!

Dienstag, 6. April 2010

Port is not english


Ich wurde vor Tagen von einem Arbeitskollegen gefragt warum denn alle Portweine in Portugal englische Namen tragen.
Ich habe ihm geantwortet, dass den Winzern vor über 300 Jahren, als der Portwein seine Geburt hatte, einfach die portugiesischen Namen ausgegangen wären und sie sich damals schon einmal auf die Globalisierung von heute einstellen wollten.

Natürlich ist das Humbug und ich habe ihm auch nur solch eine Antwort gegeben, weil wir kalendarisch den 01. April hatten.
Hier nun aber, im Rahmen dieses Blogs, die richtige Antwort auf diese sehr interessante Frage, die mir gestellt wurde:

Also, zu aller erst stimmt es nicht, dass alle Portweine englische Namen tragen.
Nein, es gibt viele Portweine aus ursprünglich portugiesischem Hause, wie z.B. den Ferreira, den Fonseca und den Calém. Genauso wie die Portweine von Quinta do Noval, Manoel de Poças, Rebello Valente oder Ramos-Pinto.
Alles angesehne und geschichtsträchtige Namen portugiesischer Portweinherstellerfamilien.

Aber es ist schon wahr, dass es auch viele englische Portweinwinzer gab und gibt.
Das hat aber einen geschichtlichen Hintergrund.
Im Jahre 1654 schlossen Portugiesen und Engländer den Vertrag von Westminster (port.: Tratado de Westminster) ab. Dieser Vertrag gewährte den Briten in Nordportugal zahlreiche Handelssonderrechte.
Diese Sonderechte waren so groß, das die Briten den Norden Portugals fast als eine englische Kolonie ansahen, was sie ja theoretisch nun auch war.
Zahlreiche englische Weinhändler und Kaufleute ließen sich damals an der Küste ihres neuen „Hoheitsgebietes“ nieder, und der Handel mit dem britischen Mutterland wurde privilegiert.
Der Wein, der von Porto aus nach England verschifft wurde, hieß von da an Portwein, obwohl der nur wenig mit dem heutigen Portwein gemein hatte.

Aber die Namen der britischen Familien, die sich damals als Kaufleute und Winzer im Tal des Douro niederließen, sind bis heute unverändert geblieben, auch wenn sie alle heute dann doch eher portugiesisch als britisch sind.

Und so kommt es, das Portugals Exportschlager Nr. 1 oftmals englische Namen trägt, wie die Namen Taylor, Warre, Croft und Sandeman (alle schon im 18. Jahrhundert gegründet!). Und natürlich haben auch die Familien Graham, Dow und Cockburn einen großen Anteil an der Produktion des Portweins gehabt und haben ihn immer noch.
Nicht zu vergessen die Familien Gould, Quarles Harris und Smith Woodhouse.

Aber auch die Niederländer haben damals, vor 300 Jahren, Portweinhäuser gegründet, die bis heute überdauert haben. Namentlich sind hier die Häuser Niepoort, Kopke (eine deutsch-niederländische Familie) und Andresen zu erwähnen.

In welchen Familien auch immer diese leckeren Weine ihren Ursprung haben, wichtig ist nur eins: sie erfreuen sich alle nicht nur einer langen Tradition, sondern sie stehen auch heute noch alle hoch im Kurs!

Dienstag, 5. Januar 2010

Süße Medizin


Ich habe schon immer gehört, dass der - maßvolle - Genuss von Rotwein lebensverlängernd sein soll:
Das möchte ich als Weinfreund nur zu gerne glauben.

Aber auch dem portugiesischen Portwein werden medizinische Heilkräfte nachgesagt.
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein durfte Portwein hier in Portugal seine segensreiche Wirkung als Medikament entfalten: Ein guter Portwein diente der Erholung und Stärkung geschwächter Menschen.

Früher lieferten viele Winzer sogar spezielle medizinische Portweine an Apotheken. Diese waren speziell mit tierischen Proteinen angereicherte.
Zur Herstellung dieser meistens über Apotheken vertriebenen Portweine wurden Viehknochen in die Mostbottiche fertig hergestellten Weins gelegt, um so eine proteinreiche Wein-Arznei herzustellen. Diese Medizinal-Weine kamen meist zur Stärkung und zur Rekonvaleszenz geschwächter Menschen zum Einsatz.
Noch heute hat der Portwein-Hersteller Sandeman in seinem Sortiment einen „Old Invalid Porto“ und das Portwein-Haus Ferreira bietet einen „Recuperator Port“ an.

Aber nicht nur angereichert, auch pur haben Portweine in der Medizin in der Vergangenheit hier in Portugal, und nicht nur hier, oft segensreiche Wirkung gezeigt.
Glaubt man etwa der „Enciclopédia Portuguêsa da Medicina Popular“ (dt.: „Portugiesische Enzyklopädie der Volksmedizin“) von 1843, dann wurde normaler Portwein etwa im britischen Glasgow sogar gegen Typhus eingesetzt:

„Jeder Typhuskranke hat im dortigen Hospitale seine Flasche starken Portwein neben sich stehen“,

heißt es dort.

Selbst bis nach Deutschland hat es das portugiesische Nationalgetränk als Arzneimittel gebracht.
In Oldenburg z.B. importierte im 19. Jahrhundert der bekannte Weinhändler Wille mehrere Dutzend Fässer Portwein als „Levante Doktor“.

Als José Ramos-Horta, der amtierende Präsident von Ost-Timor, bei einem Attentat im Februar letzten Jahres schwer verletzt wurde, reagierte Portugals Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva schnell:
Er sandte seinem ost-timorensischen Amtskollegen zur Genesung eine gute Flasche Portwein, sowie frische Pastéis de Belém.

Ramos Horta soll sich über diesen kulinarischen Gruß sehr gefreut haben - und laut seiner Ärzte sollen sowohl der Portwein als auch die süßen Teilchen den Gesundungsprozess des Patienten sehr gefördert haben.
Und das hat auch einen guten Grund, wie daraufhin Wein-Experten meinten. Portwein hat eine Menge Proteinen, so meinen sie.

Die medizinischen Wirkungen des Portweins sind heute leider ein wenig in Vergessenheit geraten.
Zu Unrecht.
Es kann nie an guten Gründen mangeln, immer mal wieder einen Portwein zu trinken.

In diesem Sinne: Gute Besserung!

Donnerstag, 10. September 2009

Portugiesische Weine - beliebt wie eh und je


Portugiesische Weine sind weltweit beliebt und begehrt.

Der Weinanbau ist überall in Portugal verbreitet, jedoch liegen die Hauptweingebiete im nördlichen Landesteil.
Am bekanntesten ist natürlich der Portwein (Vinho do Porto).
Aber generell verfügt Portugal über außerordentlich gute Rote (tinto), Rosé (rosé), Grüne (verde) und Weiße (branco) Weine.

Wein hat in Portugal den gleichen Stellenwert wie in Deutschland das Bier.
So wie in Deutschland jede Stadt und jeder größere oder kleinere Ort sein eigenes Biere braut, so produzieren hier in Portugal viele Ortschaften und selbst die kleinsten Dörfer ihre eigenen Weine.

Nahezu 400.000 ha Rebflächen bedecken das Land von Norden nach Süden. Und so unterschiedlich wie die Landschaften sind auf diesem Weg auch die Weine. Überall aber finden bestimmte Sorten ideale Bedingungen vor. Und diese Reben sind sehr oft „portugiesische“ Reben. Jedenfalls wurden und werden in Portugal bei weitem nicht so viele Modereben importiert und angebaut wie das in anderen Ländern der Fall ist.

In der EU nimmt Portugal, mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 15 Mio. Hektolitern, nach Spanien, Frankreich und Italien, den vierten Platz ein.

Portugiesische Weine kommen in ihrer Klasse leicht an die großen Gewächse der europäischen Konkurrenz heran.
Und mittlerweile erreichen sie auch Preise, die es rechtfertigen, sie als Topweine zu bezeichnen.

Die Weine aus Portugal fangen erst jetzt an, die gleiche Wertschätzung zu erhalten, wie z.B. italienische oder französische Weine.
Die Weinliebhaber dieser Welt sind ständig auf der Suche nach neuen Jagdgründen und ein Land mit solch hervorragenden Voraussetzungen für den Weinbau wie Portugal weiß dies zu nutzen.
Dem Freund portugiesischer Weine kann dies nur Recht sein.
Aber Weine aus Portugal waren auch früher schon sehr begehrt:

Die beliebtesten Weine Portugals waren und sind:

- Vinho do Porto (Portwein): Mit der Unterzeichnung des Methwen-Vertrages (Tratado de Methuen) im Jahre 1703, in dem sich Portugal verpflichtete Großbritannien allerlei unterschiedliche Handelswaren und Kriegsmaterial mit Portwein zu bezahlen, erreichte dieser Wein, Anfang des 18. Jahrhunderts, seine bis heute andauernde Popularität in Großbritannien und in der Welt. Bis in das letzte Jahrhundert hinein, war Portwein in Großbritannien das Synonym für Wein!

- Vinho da Bairrada (Bairradawein): Unter der Regentschaft von Königin Maria I im 18. Jahrhundert, zählte dieser Wein zu den Exportschlagern der portugiesischen Krone. Weine aus der Bairrada wurden in Nordamerika, Großbritannien, Frankreich und vor allem in Brasilien getrunken.

- Vinho de Bucelas (Bucelaswein): Mit der Invasion der französischen Truppen in Portugal begann dieser Wein international bekannt zu werden. Sowohl die französischen Besatzer, als auch die britische Befreiungsarmee tranken und vermarkteten diesen Wein, aus einem Weinbaugebiet in der Nähe von Lissabon. Lord Wellington liebte diesen Wein so sehr, das er nach seiner Rückkehr nach England, dem britischen König Georg III einige Fässer von seinem Lieblingswein schenkte. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war Bucelaswein in England unter dem Begriff „Lisbon Hock“ bekannt.

- Vinho da Madeira (Madeirawein): Er ist zweifelsohne der „Konkurrent“ des Portwein. Er war früher so beliebt und begehrt, dass er sogar als Parfum benutzt wurde. Die Damen und Herren der verschiedenen europäischen Höfe benetzten nämlich ihre Taschentücher mit Madeirawein um eine angenehme Atmosphäre zu kreieren. Vor allem in England, Flandern und Frankreich beliebt, fand er alsbald auch in Amerika seine Liebhaber. Die Vornehmen Familien von Boston, Charleston, New York und Philadelphia beschenkten sich untereinander mit den wertvollsten Madeiraweinen.
Anlässlich der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika am 04. Juli 1776, stießen George Washington und die andeen Verfasser der „Bill of Rights“ mit Madeirawein auf die Unabhängigkeit von Großbritannien an.

- Vinho do Pico (Picowein): Im 18. und 19. Jahrhundert wurde dieser Wein aus der Azoreninsel Pico nach Nordeuropa exportiert. Vor allem Dänemark, Preußen und Russland importierten diesen starken Wein. Nach dem Ende des Russischen Zarenreichs im Jahre 1917 wurden in den Weinkellern des Zarenpalasts von Sankt Petersburg über 12.000 Flaschen des Picoweins gefunden.

Dieses post widme ich einem ganz besonderen Weinliebhaber:
meinem treuen Freund Egbert.

Montag, 22. Juni 2009

Die Kunst sich auf den Arm zu nehmen


Es ist eine Lieblingsbeschäftigung der Portugiesen sich gegenseitig zu necken und auf den Arm zu nehmen. Obwohl viele, wie die Engländer, uns den Sinn für Humor absprechen, tun sich Portugiesen unentwegt über die Schwächen des anderen, über seine Vorlieben und Macken lustig machen. Vor allem die Bewohner des Alentejo, müssen damit leben, das ständig Witze über sie gemacht werden. Die Alentejanos haben hier in Portugal den vergleichbaren Ruf wie in Deutschland die Ostfriesen.

Ausländer und Touristen dürfen gerne mit uns mitwitzeln – aber nur über die kleinen und harmlosen Schwächen, wie z. B. den mörderischen Fahrstil von uns Portugiesen.
Grundlegende Kritik hält der Portugiese nämlich normalerweise nicht für eine Art von Humor. Aber wer tut das schon?
Lediglich einem Volk wird die Legimitation mitzuwitzeln völlig
abgesprochen – nämlich den Spaniern!

Erstens verabscheuen wir Portugiesen die Arroganz und die Überheblichkeit, den Spanier an den Tag legen, wenn sie uns gegenüber treten.
Zweitens sprechen wir den Spanier jegliche Fähigkeit ab unsere Lebensform und Kultur beurteilen zu können, da sie es ja als Vielvölkerstaat noch nicht einmal untereinander schaffen, sich zu verstehen.
Drittens lieben wir Portugiesen unsere Nation und können es nicht abhaben wenn uns Spanier ständig für Dinge kritisieren, die uns nur allzu bewusst sind.

Aber ansonsten können wir Portugiesen wunderbar über uns selber lachen.
Hier einige Kostproben portugiesischen Humors:

Die Kuh eines Bauern ist krank. Besorgt fragt er seinen Nachbarn:
„Sag mal José, was hast du denn damals deiner Kuh gegeben, als sie so krank war?“
"Einen guten Portwein." sagt der Nachbar.
Gesagt, getan.
Nach einer Woche treffen sich die beiden wieder.
„Meine Kuh ist tot", sagt der Bauer. Darauf sein Nachbar:
„Meine damals auch“.


Kommt einer in die Bar und sagt:
„He, Leute, ich kenne einen guten Alentejanowitz!“
Darauf der Barkeeper:
„Junge, bevor du ihn erzählst, sollte ich Dir vielleicht sagen, dass ich selber Alentejano bin. Der im Anzug da hinten ist ebenfalls Alentejano, die beiden Polizisten da drüben sind Alentejanos und die drei da hinten mit den Lederjacken kommen auch aus dem Alentejo. Willst du den Witz immer noch erzählen?“
“Nein, bevor ich ihn sieben Mal erklären muss, lass ich's lieber gleich bleiben.“


Ein Reiter fragte einen Tierarzt um Rat.
„Ich habe ein Pferd das manchmal normal geht und manchmal lahmt. Was empfehlen Sie mir?“
„Wenn es das nächste Mal wieder normal geht“, erwiderte der Tierarzt, „dann verkaufen Sie es“.