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Sonntag, 6. Januar 2013

Confeitaria Nacional



Am Donnerstag traf ich mich, nach der Arbeit, mit meiner Schwester Carla, meinem Schwager Egbert und meinem guten Freund Stefan Stalling in der Lissabonner Baixa, um mit ihnen ein Kaffee trinken zu gehen.
Wir trafen uns in der Confeitaria Nacional, einer der besten, wenn nicht gar die Beste Konditorei Lissabons.

Die Confeitaria Nacional (dt.: Nationale Konditorei) ist die älteste Konditorei Lissabons und seit fünf Generationen in der Hand derselben Familie.
Seit nunmehr 184 Jahren befindet sie sich an gleicher Stelle, an der Südseite der Praça da Figueira, obwohl sie ursprünglich nur aus dem Geschäftsraum bestand, dessen Fenster heute zur Rua da Betesga ausgerichtet sind.
Bereits sechs Jahre nach ihrer Gründung, wurde das Gebäude, das wir heute als Confeitaria Nacional kennen und dessen Front an der Praça da Figueira / Ecke Rua dos Correeiros liegt, käuflich erworben.

Begründer der Confeitaria Nacional war der aus dem nordportugiesischen Städtchen Vila Pouca de Aguiar stammende Geschäftsmann Baltazar Roiz Castanheiro.
Obwohl er nicht sehr viel vom Konditorhandwerk verstand, verstand er doch sehr wohl etwas von guter Geschäfts- und Personalführung, hatte Kreativität, gute Kontakte und war Innovativ.
So verkaufte er z.B. damals als einziger in der portugiesischen Hauptstadt Kuchen, Gebäck und Süßspeisen aus seiner Heimat Trás-os-Montes, die er nach mitgebrachten, gesammelten Originalrezepten nachbacken ließ – Spezialitäten die damals kaum einer in Lissabon kannte, und die sofort bei den Meisten ankam.
Dank seines Fleißes, seiner Zuverlässigkeit und seines schon erwähnten außerordentlichen Geschäftssinnes wurde Baltazar Roiz Castanheiro mit den Jahren einer der angesehensten Bürger Lissabons und 1860 wurde er gar von der Konditoren- und Bäckerinnung der Hauptstadt, der „Irmandade de Nossa Senhora da Oliveira“, zum Innungsmeister ernannt.
1869 überließ er die Confeitaria Nacional seinem Sohn Baltazar junior.
1873, 44 Jahre nach der Gründung seines Lebenswerkes, starb Baltazar Roiz Castanheiro senior als hoch geschätzter und respektierter Geschäftsmann in Lissabon.

Als sein Sohn Baltazar Roiz Castanheiro junior im Jahre 1869 die Geschäfte übernahm, behielt er die Geschäftsphilosophie seines Vaters bei, die da lautete „mit den besten Rohstoffen stets die beste Ware zu produzieren, um diese dann zum besten Preis zu verkaufen“!
Zusätzlich zu den traditionellen Konditor- und Backwaren, die schon sein Vater im Sortiment hatte, fing er auch an feinste Obstliköre und schmackhafte Früchtekompotte nach nordportugiesischer Rezeptur zu vermarkten – und zwar so erfolgreich, das er auf verschiedenen Ausstellungen in Lissabon, Wien, Madrid, Paris und sogar im fernen Philadelphia, in den USA, mit seinen Köstlichkeiten durchweg erste Plätze gewann.
Doch den durchschlagenden Erfolg hatte er zu Weihnachten 1870, als er anfing in seiner Confeitaria Nacional einen Kuchen anzubieten, der in kürzester Zeit die Portugiesen eroberte.

Im Sommer desselben Jahres hatte Baltazar Roiz Castanheiro junior, von einer seiner vielen Reisen durch Frankreich, das Rezept eines Kuchens mitgebracht, der in Frankreich zu Zeiten Ludwig XIV unter dem Namen „Gâteau roi“ (dt.: Königskuchen) bekannt war, aber im republikanischen Frankreich außer Mode gekommen war.
Er brachte nicht nur das Rezept aus Frankreich mit, sondern auch gleich zwei alte französische Konditormeister, und zu Weihnachten 1870 brachte Baltazar junior in der Confeitaria Nacional besagten Kuchen, unter dem Namen „Bolo Rei“ (dt.: Königskuchen), an den Mann.
Seit dieser Zeit gehört der „Bolo Rei“, dessen Originalrezept heute in einem Tresor der Bank von Portugal aufbewahrt wird, hierzulande genauso zu Weihnachten, wie der „Christstollen“ zu Deutschland!

Baltazar Roiz Castanheiro junior gelang es die Confeitaria Nacional, Dank seines innovativen Zeitgeistes, zu einem beliebten Markenzeichen zu machen – so beliebt, das selbst das Königshaus alsbald von dieser Konditorei Kenntnis nahm.
Am 28. Oktober 1873 ernannte König Luis I die Confeitaria Nacional zum Hoflieferanten!

Im Jahre 1913 übernahm der Urenkel des Firmengründers, Rafael Castanheiro Viana, von seinem Großvater Baltazar junior die Konditorei.
Nach ihm übernahm sein Sohn Rui Castanheiro Viana die Geschäfte.
Gemäß dem Motto „Tradition verpflichtet“, führt heute dessen Sohn, Rui Castanheiro Viana junior, das langjährige Familienunternehmen fort.
Wie seine erfolgreichen Vorfahren, so legt auch er großen Wert auf die Einzigartigkeit seiner Konditorei, die Qualität der Produkte und das im eigenen Haus ausgebildete Personal.
Und Senhor Rui freut sich immer, wen man bei ihm auf ein Café und ein Stück Torte vorbeischaut.

Schauen sie doch mal rein!

Donnerstag, 10. September 2009

Portugiesische Weine - beliebt wie eh und je


Portugiesische Weine sind weltweit beliebt und begehrt.

Der Weinanbau ist überall in Portugal verbreitet, jedoch liegen die Hauptweingebiete im nördlichen Landesteil.
Am bekanntesten ist natürlich der Portwein (Vinho do Porto).
Aber generell verfügt Portugal über außerordentlich gute Rote (tinto), Rosé (rosé), Grüne (verde) und Weiße (branco) Weine.

Wein hat in Portugal den gleichen Stellenwert wie in Deutschland das Bier.
So wie in Deutschland jede Stadt und jeder größere oder kleinere Ort sein eigenes Biere braut, so produzieren hier in Portugal viele Ortschaften und selbst die kleinsten Dörfer ihre eigenen Weine.

Nahezu 400.000 ha Rebflächen bedecken das Land von Norden nach Süden. Und so unterschiedlich wie die Landschaften sind auf diesem Weg auch die Weine. Überall aber finden bestimmte Sorten ideale Bedingungen vor. Und diese Reben sind sehr oft „portugiesische“ Reben. Jedenfalls wurden und werden in Portugal bei weitem nicht so viele Modereben importiert und angebaut wie das in anderen Ländern der Fall ist.

In der EU nimmt Portugal, mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 15 Mio. Hektolitern, nach Spanien, Frankreich und Italien, den vierten Platz ein.

Portugiesische Weine kommen in ihrer Klasse leicht an die großen Gewächse der europäischen Konkurrenz heran.
Und mittlerweile erreichen sie auch Preise, die es rechtfertigen, sie als Topweine zu bezeichnen.

Die Weine aus Portugal fangen erst jetzt an, die gleiche Wertschätzung zu erhalten, wie z.B. italienische oder französische Weine.
Die Weinliebhaber dieser Welt sind ständig auf der Suche nach neuen Jagdgründen und ein Land mit solch hervorragenden Voraussetzungen für den Weinbau wie Portugal weiß dies zu nutzen.
Dem Freund portugiesischer Weine kann dies nur Recht sein.
Aber Weine aus Portugal waren auch früher schon sehr begehrt:

Die beliebtesten Weine Portugals waren und sind:

- Vinho do Porto (Portwein): Mit der Unterzeichnung des Methwen-Vertrages (Tratado de Methuen) im Jahre 1703, in dem sich Portugal verpflichtete Großbritannien allerlei unterschiedliche Handelswaren und Kriegsmaterial mit Portwein zu bezahlen, erreichte dieser Wein, Anfang des 18. Jahrhunderts, seine bis heute andauernde Popularität in Großbritannien und in der Welt. Bis in das letzte Jahrhundert hinein, war Portwein in Großbritannien das Synonym für Wein!

- Vinho da Bairrada (Bairradawein): Unter der Regentschaft von Königin Maria I im 18. Jahrhundert, zählte dieser Wein zu den Exportschlagern der portugiesischen Krone. Weine aus der Bairrada wurden in Nordamerika, Großbritannien, Frankreich und vor allem in Brasilien getrunken.

- Vinho de Bucelas (Bucelaswein): Mit der Invasion der französischen Truppen in Portugal begann dieser Wein international bekannt zu werden. Sowohl die französischen Besatzer, als auch die britische Befreiungsarmee tranken und vermarkteten diesen Wein, aus einem Weinbaugebiet in der Nähe von Lissabon. Lord Wellington liebte diesen Wein so sehr, das er nach seiner Rückkehr nach England, dem britischen König Georg III einige Fässer von seinem Lieblingswein schenkte. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war Bucelaswein in England unter dem Begriff „Lisbon Hock“ bekannt.

- Vinho da Madeira (Madeirawein): Er ist zweifelsohne der „Konkurrent“ des Portwein. Er war früher so beliebt und begehrt, dass er sogar als Parfum benutzt wurde. Die Damen und Herren der verschiedenen europäischen Höfe benetzten nämlich ihre Taschentücher mit Madeirawein um eine angenehme Atmosphäre zu kreieren. Vor allem in England, Flandern und Frankreich beliebt, fand er alsbald auch in Amerika seine Liebhaber. Die Vornehmen Familien von Boston, Charleston, New York und Philadelphia beschenkten sich untereinander mit den wertvollsten Madeiraweinen.
Anlässlich der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika am 04. Juli 1776, stießen George Washington und die andeen Verfasser der „Bill of Rights“ mit Madeirawein auf die Unabhängigkeit von Großbritannien an.

- Vinho do Pico (Picowein): Im 18. und 19. Jahrhundert wurde dieser Wein aus der Azoreninsel Pico nach Nordeuropa exportiert. Vor allem Dänemark, Preußen und Russland importierten diesen starken Wein. Nach dem Ende des Russischen Zarenreichs im Jahre 1917 wurden in den Weinkellern des Zarenpalasts von Sankt Petersburg über 12.000 Flaschen des Picoweins gefunden.

Dieses post widme ich einem ganz besonderen Weinliebhaber:
meinem treuen Freund Egbert.

Dienstag, 18. August 2009

In memoriam: Eddy Resende


Heute Morgen wurden auf dem Friedhof von Oliveira de Azeméis, in Nordportugal, die sterblichen Überreste von Eddy Resende (39) beigesetzt.

Wer war Eddy Resende?

Nun, vor 14 Tagen kannte ich Eddy Resende auch noch nicht.
Ehrlich gesagt habe ich ihn auch nicht so richtig kennen gelernt, aber wenigstens weiß ich heute, wer er war.

Denn hätte ich meinen Schwager vor zwei Wochen nicht in den Alentejo begleitet, als er einen Tandem-Fallschirmsprung in Évora gemacht hat, dann wären Eddy Resende und sein tragischer Tod für mich nichts weiter als eine Nachricht unter den hunderten gewesen, von denen man jeden Tag hört, liest und sieht.

Eddy Resende war Eigentümer und einer der Piloten der Fallschirmspringer- und Flugschule „Skydive“, die am Flugplatz von Évora (Aeródromo de Évora) ihren Sitz hat.

Vor zwei Wochen löste mein Schwager Egbert, in besagter Flugschule, sein Weihnachtsgeschenk ein, nämlich ein Tandem-Fallschirmsprung.
Der Sprung verlief vollkommen komplikationslos ab, und mein Schwager und wir, die wir ihn nach Évora begleitet hatten, hatten einen wunderschönen und unvergesslichen Tag im Alentejo.

Wir lernten mehrere Mitarbeiter der Firma „Skydive“ kennen, die sich ausnahmslos als freundliche, kompetente und vertrauenswürdige Personen zeigten.
Bei dieser Gelegenheit lernten wir auch Eddy Resende kennen, ohne zu wissen dass er der Eigentümer von „Skydive“ war.
Er machte auf mich den Eindruck, als wäre er ein ganz normaler Mitarbeiter von „Skydive“ gewesen;
so ganz ohne Starallüren oder Überheblichkeit war er.

Ich wechselte mit ihm einige Worte, und ich kann mich noch genauestens daran erinnern, dass ich ihn fragte, wie viele Flüge er denn so am Tage absolviere.
Er antwortete mir damals darauf:

„Wissen sie, für mich ist fliegen wie für sie wahrscheinlich Bus fahren.
Genauso wie sie nicht mehr ihre Fahrten mit dem Bus zählen, so zähle ich nicht mehr die Flüge die ich mache“, sagte er zu mir.

Nun, am letzten Freitag, den 14. August 2009, endete einer dieser Flüge für Eddy Resende und João Silva, einem seiner Fallschirminstrukteure, mit dem tragischen Tod.

Ihr Flugzeug, eine Bi-Motor Beech 99, stürzte in ein Wohngebiet der Stadt Évora ab, und riss sie beide in den Tod. Am Boden kamen keine Menschen zu schaden, da die Häuser, auf den das Flugzeug fiel, zum Zeitpunkt des Unfalls, nicht bewohnt waren.

Natürlich berühren mich solche Unfälle. Erst recht, wenn es dabei zu Todesfällen kommt.
Aber solange solche Unfälle weder einen Namen oder ein Gesicht haben, nehme ich solche Nachrichten für gewöhnlich ohne viel Gefühlsregung auf.

Aber in diesem Fall, hat der Unfall ein Gesicht und auch einen Namen: Eddy Resende.
Ich muss gestehen, dass mir seit drei Tagen dieser Unfall nicht mehr aus dem Kopf geht.

Eddy Resende hinterlässt Frau und zwei Kinder.
Mein tiefstes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und seinen Kollegen, sowie João Silva und seinen Angehörigen.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Miradouro de Almada


Für mich sind Städte wie Menschen:
Es gibt welche, die sind mir sympathisch, und es gibt welche, die sind mir weniger sympathisch.

Almada, die Stadt in der ich seit gut zehn Jahren lebe, gehört eher zu der zweiten Kategorie.
Obwohl ich hier schon lange lebe und jeden Monat mehrmals über Almada nach Lissabon rein fahre, bin ich nie mit dieser Stadt „warm geworden“.
Vielleicht liegt es daran, das ich mich nie mit den Menschen dieser Stadt identifizieren konnte und ich mich deshalb nur als ein ständiger Gast Almadas fühle.

In den zehn Jahren die ich hier in Almada lebe, habe ich vielleicht fünf oder sechs Mal einen Fuß in die hiesige Altstadt gesetzt. Einerseits liegt die Altstadt von Almada etwas Abseits von den Routen die ich sonst tagtäglich benutze, und andererseits sind mir die Gassen und Wege der Almadenser Altstadt auch heute noch etwas fremd.

Aber letzte Woche war ich mit meiner Schwester Carla und meinem Schwager Egbert auf Stippvisite in der Altstadt.
Denn die Beiden, in Deutschland wohnhaft, waren bisher noch seltener in der Altstadt von Almada als ich.
Ich wollte ihnen unbedingt den Ausblick vom Miradouro, dem Aussichtspunkt der alten Burg, zeigen.
Diese Aussicht, über den Tejo nach Lissabon rüber, ist wohl eines der schönsten Dinge die diese Stadt heute seinen Gästen zu bieten hat.

Und das muss auch früher mal so gewesen sein.
Denn die Burg von Almada ist eine der ältesten Befestigungsanlagen der südlichen Iberischen Halbinsel.

Die Burg ist ein Bau aus maurischer Zeit. Die Mauren selbst nannten den Ort, an dem sie die Burg errichteten, Hisn al-Madin, was so viel wie „Burg“ oder „Festung“ heißen soll.
Sicherlich bauten sie die Burg in erster Linie aus strategischen Gründen, denn von der Stelle an der die Burg steht, hat man einen weiten Blick auf die Tejomündung, die Stadt Lissabon und das Sintragebierge.

Von 1147 bis 1212 wechselte die Festung Almada mehrmals den Besitzer. Einmal eroberten sie die christlichen Truppen, unter König Afonso Henriques, von den Mauren, dann wurde sie wieder von dem Kalifen Abu Yusuf Ya´qub al-Mansur in Besitz genommen und dann wieder von König Sancho I zurückerobert.
Erst 1212, mit dem Sieg der portugiesischen gegen die maurischen Truppen bei der Schlacht von Navas de Tolosa (Batalha de Navas de Tolosa), wurde Almada endgültig christlich und somit auch portugiesisch.

Die Burg selber ist heute leider nicht dem öffentlichen Publikum zugänglich, da sich in ihr ein Quartier der portugiesischen Republikanischen Nationalgarden (Guarda Nacional Repúblicana GNR) befindet.
Aber von den Parkanlagen, die an die Burg angrenzen, hat man, wie ich schon geschrieben habe, eine der privilegiertesten Aussichten über die Tejomündung und die Stadt Lissabon.

Ich glaube, ich sollte öfters die Altstadt von Almada besuchen. Vielleicht wird mir dann die Stadt mit der Zeit etwas sympathischer!

Dienstag, 21. Juli 2009

Meine persönliche Landung


Heute am 20. Juli, vor genau 40 Jahren, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.

Millionen von Menschen verfolgten damals, live im Fernsehen, wie Armstrong die Sprossen der Leiter der Eagle runterhüpfte.
Was die Welt damals sah, und was wir noch heute an Bildmaterial zu sehen bekommen, ist das der Erdtrabant durch erschreckende Eintönigkeit glänzte.
Nichtsdestotrotz sind diese bewegten und wackeligen Schwarz-Weiß-Bilder, in Kombination mit Computerpiepsen und gemurmelten Technik-Chinesisch, heute noch äußerst reizvoll.

Als er seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte, sagte Armstrong die unvergesslichen Worte:
„Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“.

Das sind sehr bedeutende Worte, aber wie alles im Leben, so sind auch sie eine Sache des Betrachters.
Denn einige Monate später, als Alan Bean, der nicht gerade sehr hoch gewachsen war, den Mond betrat, relativierte er Armstrongs Worte mit folgender Bemerkung:
„Das mag ja ein kleiner Schritt für Neil Armstrong gewesen sein, aber für so einen kleinen Kerl wie mich ist das doch ein ganz schöner Satz“.
So hat jeder seine eigene Sicht und seine persönliche Mondlandung, sei es als Astronaut oder als Fernsehzuschauer.

Auch ich hatte heute meine „eigene (Mond)Landung“, an der ich teilnehmen durfte.
Am Lissabonner Flughafen „Aeroporto da Portela“ landeten heute meine Schwester Carla, mein Schwager Egbert, mein Neffe Nélson und meine Nichte Lorena aus Deutschland an.

Sie werden ihre Sommerferien hier bei uns verbringen, und ich habe es kaum abwarten können, sie heute am Flughafen endlich abholen zu dürfen.
Wir freuen uns alle auf gemeinsame Urlaubstage.

Für die Menschheit mag diese Landung heute kein Weltereignis gewesen sein.
Aber für mich persönlich, ging heute morgen am Flughafen, als ich die vier Menschen in die Arme nehmen konnte die ich so sehr liebe, unweigerlich die Sonne auf!

Montag, 29. Juni 2009

Maurisches Erbe


Die portugiesische Sprache ist sehr komplex.
Sie mag vielleicht Grammatisch nicht allzu schwer sein, so wie spanisch oder französisch, aber in ihrer Aussprache ist sie eine sehr diffizile Sprache.
Das heißt, man kann leicht die portugiesische Sprache erlernen, aber nur mit viel Mühe ihre richtige Aussprache beherrschen.
Mein Schwager Egbert kann leider davon ein Liedchen singen…

Portugiesisch ist eine eigene romanische Sprache, so wie italienisch, spanisch oder französisch. Portugiesisch sieht geschrieben sogar ähnlich aus wie spanisch, wird aber ganz anders ausgesprochen, ist viel melodischer und voller nasaler Laute.
Die Wurzeln der portugiesischen Sprache liegen im lusitanischen Vulgärlatein, der Sprache der Lusitanier, den ersten Menschen die das heutige Portugal besiedelten.
Deshalb spricht der Portugiese, wenn er heute von seiner Sprache redet, oft auch von der „lingua lusa", also der „lusitanischen Sprache".

Alle Völker die nach den Lusitaniern das heutige Portugal bevölkerten, hinterließen im portugiesischen Wortschatz einige ihrer Wörter (die einen mehr, die anderen weniger) und bereicherten somit die portugiesische Sprache immens.

Zuerst waren da die Römer, dann kamen die Westgoten, danach für knapp 500 Jahre die Araber und auch die Juden.
Die Franzosen, die Engländer und minimal auch die Deutschen (bitte lesen sie hierzu auch mein post „Portugiesisch-Deutsch / Deutsch-Portugiesisch"), hinterließen ebenso in der portugiesischen Sprache im laufe der Jahrhunderte ihre Zeichen.
Aber auch die Indianer Südamerikas, die Inder, Japaner, Chinesen und Afrikaner bereicherten den portugiesischen Wortschatz sehr, vor allem mit den Namen von Naturereignissen, Pflanzen und Tieren.

Aber keine Volksgruppe, außer den Lusitaniern natürlich, hat so viel zur portugiesischen Sprache beigetragen, wie die arabischen Mauren. Schätzungsweise 5% aller portugiesischen Wörter gehen heute auf die Mauren zurück.

Die Mauren herrschten für knapp 500 Jahre auf der Iberischen Halbinsel. Und unter ihrer Herrschaft blühte Lusitanien regelrecht auf.
Die arabische Architektur, die Kunst und Literatur suchten damals in der zivilisierten Welt ihres Gleichen.
So sind z.B. die Azulejos, die bunten Kacheln, die abertausende, einfache Häuser, Kirchen und Paläste auch heute noch schmücken, eine Gabe der arabischen Mauren.

Folgend nun einige Wörter, die arabischen Ursprungs sind, die ihren Weg in die portugiesische Sprache gefunden haben und die heute wie selbstverständlich als urportugiesisch gelten:

Portugiesische Wörter, mit arabischem Ursprung:
(zuerst das portugiesische Wort und dann in Klammern zuerst das arabische Wort und dann die deutsche Übersetzung)

· açorda (athurd / eine Brotsuppe)
· açúcar (assukar / wortwörtlich übersetzt: süßer Sandkorn)
· Albufeira (al-buhera / See; eine Stadt in der Algarve)
· Alcântara (al-quantara / Brücke: ein Lissabonner Stadtteil)
· alcatifa (alkatifa / Teppich)
· alcofa (alkuffa / Korb)
· alface al-khaç / Salatkopf)
· alfaiate (al-khayyât / Schneider)
· Alfama (al-khama / heißes Wasser; ein Lissabonner Stadtteil)
· algarismo (alkawarizmi / Zahl)
· Algarve (al-gharb / der Westen; Provinz im Süden Portugals)
· algema (aljami'a / Fesseln, Handschellen)
· algibeira (al-jabîra / Tasche, Hosentasche)
· algodão (alkutun / Watte)
· alguidar (alqidr / eine tiefe Keramikschüssel)
· Almada (Hisn al-Madin / Burg, Festung; eine Stadt in der Nähe von Lissabon)
· almofada (almukhadda / Kopfkissen)
· Alvalade (al-balat / ummauerter Platz; ein Lissabonner Stadtteil)
· armazém (al-Makhzan / Lager, Lagerhalle)
· azulejo (al-zuleij / bunter Stein)
· garrafa (karafâ / Flasche)
· Guadiana (al-uadi-ana / ein Grenzfluss in Südportugal)
· javali (jabali / Wildschwein)
· laranja (naranj / Orange)
· laranjeira (naranji / Orangenbaum)
· lezíria (al-jaza'ir / Inseln)
· limão (laimun / Zitrone)
· limoeiro (laimuni / Zitronenbaum)
· Lisboa (al-ushbuna / liebliche Bucht; Lissabon)
· nora (na'ûra / Schwiegertochter)
· oxalá (in-shallah / so Gott will)
· Palmela (balmallah – im Namen Gottes; Stadt in Mittelportugal)
· salamaleque (as-salam-alaik / Der Friede sei mit Dir)
· saloio (çahroi / Bauer)
· tambor (tanbur / Trommel, Tamburin)
· xadrez (xatranj / Schach, Schachspiel)
· xarope (sharab / Hustensaft, Sirup)
· xerife (xeriffa / Sheriff)
· xeque (xekkur / Schachmatt)

Dies hier sind nur ein Bruchteil der arabischen Wörter, die im portugiesischen Wortschatz ein zuhause gefunden haben.

Da ist es wirklich kein Wunder, das der Portugiese sich im Nahen Marokko, auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar, ohne große Probleme auf dem Bazar kommunikativ zurechtfindet.

Samstag, 20. Juni 2009

Das Apotheken-Museum (Museu da Farmácia) in Lissabon


Gestern wurde vom amerikanischen Botschafter in Portugal, Mister Thomas F. Stephenson, dem Apotheken-Museum zu Lissaboon eine ganz besondere Schenkung gemacht.
Meiner Meinung nach, eine so besondere Schenkung, dass ich mich wahrscheinlich demnächst auf den Weg machen werde, um dem Museum ein Besuch abzustatten.

Obwohl ich mich rühmen kann, so ziemlich fast alle Museen in und um Lissabon zu kennen, muss ich gestehen, dass mir dieser bis jetzt entgangen ist.
Aber wie man so schön in Deutschland sagt: „Was nicht ist, kann ja noch werden!“

1996 wurde hier, im Lissabonner Stadtteil Santa Catarina, in dem Gebäude der Portugiesischen Nationalen Apothekervereinigung (Associação Nacional das Farmácias) das Apotheker-Museum (Museu da Farmácia), basierend auf der Sammlung des Pharmazeutikers Dr. Salgueiro Basso, gegründet.

Aber nun, zurück zur Schenkung des amerikanischen Botschafters.
Er überreichte dem Direktor des Museums, mit einem Gruß der NASA, den Erste-Hilfe-Koffer des Space Shuttle Endeavour, von der Mission STS-97.
Also, ich weiß nicht, wie viele Missionen Endeavour schon hinter sich hat, und wie viele Erste-Hilfe-Koffer immer an Bord sind. Aber, meiner Meinung nach, ist solch ein Geschenk schon etwas Außergewöhnliches.

Erst heute habe ich erfahren, dass das Apotheken-Museum schon drei Mal hintereinander zum besten Museum Portugals gekürt worden ist, nämlich 1996, 1997 und 1998.

Im Museum kann man über 5000 Jahre Medizingeschichte bewundern, unter anderem Objekte aus dem antiken Rom, Mesopotamien und Ägypten und verschiedene Apothekergeräte,
-gewichte, und Waagen aus Portugal. Außerdem ist der Nachbau einer chinesischen Apotheke, die 1994 bei der EXPO 94 im Pavillon von Macau zu bestaunen war, dort aufgebaut.

Der Erste-Hilfe-Koffer der Endeavour wird ab jetzt zwischen der Reiseapotheke von Roald Amundsen, den dieser auf seiner Nordpolexpedition 1911 mitnahm und dem Erste-Hilfe-Koffer von Carlos Sousa, der 2006 an der Rallye Lisboa-Dakar teilnahm, seinen Platz finden.

Wie gesagt, bis jetzt, habe ich es versäumt dem Apotheken-Museum einen Besuch abzustatten. Aber vielleicht nächsten Monat, wenn Carla, Egbert, Nélson und Lorena aus Deutschland zu Besuch kommen, werde ich dieses nachholen.
Mein Schwesterherz Carla Marina, die selber Pharmazeutisch-Technische Angestellte ist, wird bestimmt gerne mit kommen.

Ich werde dann hier im Blog berichten, wie der Besuch war.

Freitag, 5. Juni 2009

Saudade



Saudade ist ein Wort, das ein portugiesisches Lebensgefühl bezeichnet, welches angeblich nicht zu übersetzen ist. Angeblich!
Denn meiner Meinung nach, wurde noch nie ein angeblich unübersetzbares Wort, so oft und mit so viel Nachdruck übersetzt, wie das Wort „saudade“ (ich werde das Wort saudade in diesem Text kleinschreiben, denn obwohl es ein Substantiv ist, werden alle Substantive im portugiesischen kleingeschrieben und nicht wie im deutschen groß).
In den Wörterbüchern findet man Begriffe wie „melancholische Erinnerung an eine schönere, vergangene Zeit“, „stille, wehmütige Trauer“ oder „nie endendes Heimweh“. Im Langenscheidts Wörterbuch von 1982 stehen sogar die Beschreibungen „sich nach Traurigkeit und Besessenheit verzehren“ und „schmerzender Wahnsinn“.
Nun ich kann allen meinen Lesern hier versichern, dass ich weder Besessen bin noch das ich unter Wahnsinn leide!

Saudade beschreibt einfach ein Gefühl portugiesischer Eigenart. Sie ist so etwas wie unser Zauberwald, in dem sich die Volksseele trifft. Die saudade ist, so würde ich es einfach erklären, eine portugiesische Krankheit. Man leidet und hat Sehnsucht nach etwas vergangenem, altem, verlorenem aber auch vor etwas was da noch kommen soll. Um die saudade zu „erleben“, „erleiden“, „erfühlen“ oder zu „erspüren“ muss man normalerweise Portugiese sein.

Aber auch Menschen anderer Nationen können die saudade spüren und fühlen. Und es ist nicht eine Frage der Zeit, es ist eine Frage der Seele und ihres Zustandes.

Der englische Schriftsteller G. Davies hat einmal über die saudade geschrieben, sie wäre „der passionierte Vergangenheitswahn der nationalen Traurigkeit der Portugiesen“. Und der Franzose A. Robeaux sagte einmal, die saudade sei „der edele Ausdruck einer feingestimmten Seele“.
Aber am deutlichsten hat einmal mein Schwager Egbert die saudade definiert, als er nämlich in einem Telefonat aus Deutschland, kurz vor seinem Urlaub hier in Portugal, zu mir meinte: „Ach Paulinho, ich habe saudade nach Portugal“. Und das ist wie ich meine, die beste Art und Weise dieses Wort zu beschreiben.
Dann, wenn man es nämlich benutzt, ohne viel nachzudenken oder zu erklären, sondern nur um das auszudrücken was man fühlt und worauf man sich freut.

In diesem Sinne,

com saudade


Angelo Paulo