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Montag, 22. Dezember 2014

Bacalhau, der „treue Freund“ der Portugiesen




Heute wurde ich von einer deutschen Freundin gefragt was bei uns zuhause an Heiligabend zu essen auf den Tisch kommt.
Nun wir sind da, was das Weihnachtsmenü in der heiligen Nacht angeht, durchaus eine sehr traditionelle portugiesische Familie.
Bei uns wird es an Heiligabend, wie wohl in fast allen portugiesischen Haushalten, an diesem Abend „Bacalhau com todos“ (dt.: „Stockfisch mit allem“) geben.
Bei „Bacalhau com todos“ handelt es sich um gekochten Stockfisch mit Kartoffeln, Graupen, Kohl und Ei.

Wer sich an Festtagen, wie Weihnachten, keinen Stockfisch mehr leisten kann, zählt zu den wirklich Armen!
Angerichtet wird salzgetrockneter Kabeljau, der wohl traditionellste portugiesischste Fisch, in unzähligen Variationen. Wir Portugiesen nennen ihn liebevoll unseren „fiel amigo“ (dt.: treuen Freund) und hierzulande wird er nicht nur an Weihnachten gerne gegessen.
Bevor er zubereitet wird, wird der Stockfisch immer im kalten Wasser ein bis drei Tage eingewässert bevor er weiterverarbeitet wird. Im einwässern liegt das wahre Geheimnis des Babalhau, denn er sollte hinterher beim Zubereiten weder zu salzig noch zu fade schmecken.

Manche meinen es gibt an die 365 verschiedene Zubereitungsarten – so viele wie es Tage im Jahr gibt – , wieder andere reden von 1001 Rezepte für diesen Fisch und wieder andere meinen Bacalhau kann auf 10.000 verschiedene Arte und Weisen zubereitet werden. Fakt ist, das man diesen salzigtrockenen und dann eingeweichten Fisch kochen, grillen, frittieren und gratinieren kann. Er kommt als Salat, als Vorspeise, Suppe, Hauptgericht und sogar mancherorts auch als Nachtisch auf den Tisch.

Zwar haben wir Portugiesen das Trocknen und Salzen von Fisch nicht erfunden, dennoch ist Bacalhau seit fünf Jahrhunderten fester Bestandteil der portugiesischen Küche. Da durch den Trocknungsprozess dem Fisch nur das Wasser entzogen wird, bleibt er nahrhaft und geschmacksvoll.

Die Tradition Kabeljau (port.: bacalhau / lat.: Gadus morhua) zu salzen, und somit zu konservieren, begann in Portugal wohl im 10. Jahrhundert.
Damals gründeten skandinavische Händler mehrere Handelsposten an der iberischen Atlantikküste um sich mit dem qualitativ sehr guten Salz der Gegend einzudecken, welches sie zum einlegen ihrer Fische im hohen Norden benutzten.
Wie es scheint, kamen die Menschen an der portugiesischen Küste Dank der Skandinavier damals mit der Tradition des Salzfischens in Berührung.
Auch das die Tochter König Sancho I, Berengaria, im Jahre 1214 den dänischen König Waldemar II ehelichte, zeigt wie wirtschaftlich eng und kulturell Portugal zu dieser Zeit mit Skandinavien verbunden war.

Die Geschichte der Kabeljaufischerei der Portugiesen fand zum ersten Mal im Jahre 1353 vertraglich Erwähnung, als nämlich der portugiesische König Pedro I und der englische Monarch Edward II damals in einem Handelsabkommen vereinbarten, das portugiesische Fischer in englischen Gewässern 50 Jahre lang Kabeljau und Dorsch frei fischen durften.
Das König Pedro I einen solchen Vertrag damals mit dem englischen Königreichen abschloss, deutet daraufhin das die Kabeljaufischerei in Portugal in dieser Zeit bereits nicht nur etabliert sondern auch sehr verbreitet war.

Aber die Portugiesischen Fischer fingen den begehrten fettarmen und proteinreichen Fisch nicht nur vor der englischen Küste, sondern sie legten ihre Netze auch im Nordatlantik aus.
Seitdem Königin Berengaria an der Seite ihres Mannes Waldemar II in Dänemark regierte, waren oftmals Portugiesen mit dänischen Seefahrern in den Nordatlantik mitgereist.
Einer dieser Portugiesen war der aus der Algarve stammende João Vaz Corte-Real, der an einer Entdeckungsexpedition des dänischen Königs Christian I teilnahm, die den Auftrag hatte den abgerissenen Kontakt mit der ehemaligen dänischen Kolonie Grönland wieder aufzunehmen.
So waren portugiesischen Fischern die Gewässer um Grönland sehr wohl bekannt. Die Portugiesen nannten Grönland „Terra dos Bacalhaus“ (dt.: Land des Kabeljaus).

Die Reisen die die Söhne von João Vaz Corte-Real, Gaspar und Miguel, in die Neue Welt unternahmen, und bei der sie im Mai des Jahres 1500 neues Land (port.: Terra Nova / dt.: Neufundland) entdeckten ermöglichte portugiesischen Fischern, die damals fast alle aus der Hafenstadt Aveiro kamen, neue Fanggründe des immer wichtiger werdenden Bacalhaus vor Nordamerika.

Für die aufkommenden portugiesischen Entdeckungsfahrten wurde Bacalhau mit der Zeit unersetzlich. Als Reiseproviant für die Schiffsbesatzungen und Soldaten der Entdeckungsreisen nach Indien, Afrika und Südamerika war dieser luftgetrocknete und gesalzene Fisch unentbehrlich.
Aber nicht nur bei den Schiffsreisenden war dieses unverderbliche Lebensmittel wichtig. Auch für die portugiesische Bevölkerung auf dem Festland, vor allem die im Landesinneren, war Bacalhau das am meisten verbreitete Lebensmittel der damaligen Zeit, denn er war einerseits unverderblich und nahrhaft und andererseits war er leicht zu transportieren und schmackhaft.
Laut einer Chronologie aus dem Jahre 1550 waren damals 150 Boote in Aveiro registriert, die an der Kabeljau- und Dorschfischerei im Nordatlantik teilnahmen. Die Fischer von Aveiro brachten ihrer Stadt mit ihren erfolgreichen Fängen im Nordatlantik einen bis dahin unvorstellbaren Reichtum.

Als der spanische König Felipe II im Jahre 1580 Portugal besetzte und danach an die Macht kam, beschlagnahmte er nicht nur alle hochseetaugliche Schiffe der portugiesischen Marine, sondern auch die gut 150 Kabeljaufischerboote, um diese nach einem Umbau der spanischen Kriegsflotte zuzuführen.
Als die Spanische Armada 1588 im Ärmelkanal sang und klanglos unterging, ging auch der ehemalige große Schiffsverband portugiesischer Bacalhauschiffe unter.
Bis zum Ende der spanischen Invasion in Portugal im Jahre 1640 gab es keine Bacalhauflotte mehr.

Für die nächsten 200 Jahre existierte die portugiesische Kabeljau- und Dorschfischerei nicht mehr.
Die Portugiesen mussten in dieser Zeit aber nicht auf den Bacalhau verzichten, denn dieses damals wie heute sehr beliebte Nahrungsmittel wurde importiert.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts begann man unter Königin Maria I und dem Premierminister Pombal, eine neue Flotte hochseetüchtiger Kabeljauschiffe zu gründen.
Diese Flotte, die die „Weiße Flotte Portugals“ (port.: Frota Branca Portuguesa) genant wurde, bestand im Jahre 1866 immerhin schon wieder aus 23 hochseetauglichen Fischerbooten.

Aber trotz der nun wieder existierenden Flotte portugiesischer Kabeljau- und Dorschfischer, musste der Bedarf an Bacalhau weiterhin in großen Mengen importiert werden, vor allem aus England, Norwegen und Schweden.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein wuchs die „Weiße Flotte“ ständig, so das bereits im Jahre 1901 die portugiesische Kabeljaufischerei auf 65 Booten mit über insgesamt 1.400 Mann Besatzung zurückgreifen konnte.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wuchs die Flotte weiter, obwohl z.B. während des Ersten und vor allem des Zweiten Weltkrieges die Kabeljaufischerei ein risikoreiches Unterfangen war. Während des Zweiten Weltkrieges mussten portugiesische Kabeljauboote sich nicht nur wie üblich vor dem stürmischen Wetter und den Eisbergen des Nordmeeres in Acht nehmen, sondern auch vor den verfeindeten Kriegsparteien.
Zwei portugiesische Fangboote der „Weißen Flotte“ wurden nachweislich während des Zweiten Weltkrieges von deutschen U-Booten vor Kanada und Grönland torpediert und versenkt.

Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts führte die kanadische Regierung die 200-Seemeilenzone vor ihrer Küste ein, so das Portugal urplötzlich seiner Kabeljauhauptfanggebiete beraubt wurde. Dies führte dazu, dass die portugiesische Kabeljaufischerei schlagartig zurückging und dann völlig zum Erliegen kam.
Als die „Weiße Flotte“ 1974 nach der Nelkenrevolution aufgelöst wurde, gehörten ihr immerhin über 23.000 Mann an.

Seit der Auflösung der „Weißen Flotte“ deckt Portugal seinen Bedarf an Bacalhau bis heute fast ausschließlich durch Importe.
Und importierter Fisch ist teuer!
Durch den weltweiten Rückgang der Kabeljaubestände und durch die strengen Fangquoten die es dadurch fortan für Kabeljau gab, wurde mit den Jahren aus einem „Arme-Leute-Fisch“ eine wahre Delikatesse die sich heute hierzulande leider nicht mehr jeder leisten kann.
Dennoch werden heute in Portugal jährlich ca. 68 bis 70 Tausend Tonnen Bacalhau verzehrt. Das ist weltweit der höchste Pro-Kopf-Verbrauch dieses Fisches. Gut 70% des in Portugal verzehrten Bacalhaus stammt aus Norwegen, auch der, der an Heilig Abend bei mir zuhause auf den Tisch landen wird!

Samstag, 13. Oktober 2012

Monsanto







Die nordportugiesische Landschaft Beira Baixa, mit ihrer Hauptstadt Castelo Branco, erstreckt sich über eine überwiegend unfruchtbare Ebene zwischen den südlichen Ausläufern der Serra da Estrela und dem Fluss Tejo.
In einem Tal, unweit der Kleinstadt Idanha-a-Nova, erhebt sich eine 758 m hohe Anhöhe, die den Namen Cabeço de Monsanto trägt.

Auf dieser Anhöhe, die schon die Römer Mons Sanctus (dt.: Heiliger Berg / port.: Monte Santo) nannten, liegt die noch nicht einmal 1.000 Einwohner zählende kleine historische Gemeinde Monsanto.
Wie ein Schwalbennest, das an einem Hauserdach klebt, so „klebt“ auch Monsanto eindrucksvoll am Cabeço de Monsanto, eingebettet zwischen riesigen Granitblöcken.

Archäologische Funde, wie Überreste von Wohnhäusern und Thermen, zeugen davon, dass schon die alten Römer den Fuß des Cabeço de Monsanto bevölkerten, bevor dann die Westgoten und die arabischen Mauren die Anhöhe besiedelten.
Als der portugiesische König Afonso Henriques im Jahre 1143 die Mauren besiegte und diese des Landes verwies, machte er viele Ortschaften und Siedlungen in der Beira Baixa dem religiösen Templerorden zur Schenkung.
Eines dieser Orte war Monsanto, das Afonso Henriques 1165 dem Kreuzritter Gualdim Pais, der an der Seite des Königs erfolgreich gegen die Mauren gekämpft hatte, schenkte.

Gualdim Pais, der am Zweiten Kreuzzug im Heiligen Land teilgenommen hatte und zum Großmeister des Templerordens avanciert war, war es dann auch, der im Jahre der Schenkung mit dem Bau der Burg von Monsanto anfing.
Im Jahre 1174 gewährte König Afonso Henriques in einem Brief (port.: carta de foral) der Burg Monsanto und ihren Bewohnern Sonderrechte.
Diese Sonderrechte erhielt Monsanto damals aufgrund seiner Grenznähe zum verfeindeten Königreich Leon, mit dem Portugal in dieser Zeit ständig kriegerische Auseinandersetzungen hatte.

Im Jahre 1190 und 1217 wurden diese Sonderrechte durch die Nachfolger von König Afonso Henriques, Sancho I und Afonso II, bestätigt.
1308 erteilte König Dinis I Monsanto die Marktrechte und König Manuel I machte im Jahre 1510 den Marktflecken Monsanto zur „vila“, also zur Kleinstadt.

Monsanto und seine Bürger konnten die Jahrhunderte hindurch nur Dank der wehrhaften Burg sicher überleben.
Mehrere Male wurde die Burg von spanischen und französischen Truppen belagert und bedroht, aber nie besiegt.
Da ist es schon fast ironisch, das es ausgerechnet die Portugiesen selber waren, die die Burg eines Tages in Schutt und Asche legten.
In einer Weihnachtsnacht des späten 19. Jahrhunderts explodierte, durch Leichtsinn der diensthabenden Wache, das Munitionsdepot der Burg, indem eine sehr große Menge Schießpulver gelagert wurde.
Die Explosion war so gewaltig, das ein riesiger Granitfelsen an dem die Burg angebaut war, in tausend Stücke gesprengt wurde und eine irreparable Lücke im Mauerwerk zurückließ.
Von der Burg von Monsanto (port.: Castelo de Monsanto), sind heute, bis auf einpaar Mauerreste, nur noch die Torre de Menagem, die Torre do Pião und die Kirche Igreja de Santa Maria do Castelo übrig geblieben.
Gott sei Dank leben wir heute in friedlicheren Zeiten und so war die Zerstörung der Burg von Monsanto nicht das Ende des Dorfes, sondern eher seine Wiedergeburt.

In den letzten Jahrzehnten ist Monsanto und seine Burgruine nämlich dadurch bekannt und landesweit berühmt geworden, weil Monsanto in einem Wettbewerb als das „portugiesischste Dorf Portugals“ (port.: A aldeia mais portuguesa de Portugal) als Sieger hervorging.
Dieser Wettbewerb fand im Jahre 1938 statt, also noch zu Zeiten des Diktators António de Oliveira Salazar.
Aber den Ruf, das „portugiesischste Dorf Portugals“ zu sein, hat Monsanto heute noch!

Monsanto liegt nicht nur schön, Monsanto ist auch wirklich ungewöhnlich schön!
Die moosbewachsenen Häuser aus Granit und Schiefer liegen eingebettet zwischen den riesigen Granitblöcken des Cabeço de Monsanto und werden durch enge und steile Gassen miteinander verbunden.
Die Bewohner des kleinen Ortes scheinen ihr Dorf wirklich zu lieben, denn alles ist sauber, ordentlich, gehegt und gepflegt, was hier in Portugal, zumindest auf dem Festland, leider nicht immer so selbstverständlich ist.

So klein der Ort auch ist, er hat außer seiner Burg geschichtsarchitektonisch noch einiges zu bieten.
So liegt außerhalb der Burgmauern die kleine Kapelle São Miguel, aus dem 12. Jahrhundert, von der behauptet wird, sie stehe an der Stelle, an dem einstmals ein Tempel für den römischen Kriegsgott Mars stand.
Weitere schöne Kirchen von Monsanto sind die Kirche Igreja São Salvador, die Hauptkirche des Dorfes, und die Kirche Igreja da Misericórdia.
Unweit der Igreja da Misericórdia steht der Pelourinho und die Torre do Lucano, die auch unter dem Namen Torre do Relógio (dt.: Uhrturm) bekannt ist, und aus dem 14. Jahrhundert stammt.
Gekrönt wird die Torre do Lucano durch einen silberfarbenen Hahn. Dieser Hahn ist die Siegestrophäe für den Wettbewerb, der Monsanto 1938 als das portugiesischste Dorf Portugals auszeichnete.

Ob Monsanto auch weiterhin das „portugiesischste Dorf Portugals“ ist oder nicht, das liegt wohl im Auge des Betrachters.
Fakt ist aber, das Monsanto zweifelsohne eines der ursprünglichsten und zauberhaftesten Ortschaften Portugals ist.

Samstag, 15. Oktober 2011

Die Erste Belagerung und Eroberung von Lissabon


Vielleicht hatten schon die Römer auf dem höchsten Hügel ihrer „Felicitas Julia“ ein Kastell.
Vielleicht sahen sie von dort oben aus fasziniert den Sonnenspielen im Strohmeer (port.. Mar da Palha), wie die breite Bucht des Tejo von den Lissabonnern genannt wird, zu.
Man weiß es ehrlich gesagt nicht.

Man weiß nur, dass irgendwann die Römer gingen und die Westgoten kamen. Doch auch sie waren irgendwann Geschichte und im 8. Jahrhundert n. Chr. eroberten die Mauren (port.: mouros) die Burg.
Sie verwandelten sie alsbald in einen stolzen Alkazar und 400 Jahre lang wehte die Fahne des Propheten Mohammed über den Zinnen.

Bis im Jahre 1147 sich die Portugiesen unter König Afonso Henriques I anschickten die Stadt zuerst zu belagern und dann zu erobern.
Mit der Eroberung Lissabons setzte Afonso Henriques damals die Grundlage für seine Herrschaft über ganz Portugal.

Zuvor hatte der König im März 1147, mit einer kleinen Truppe, die nördlich von Lissabon gelegene Stadt Santarém von den Mauren befreit.
Um aber in das strategisch wichtige Lissabon einzumarschieren brauchte Afonso Henriques mehr als nur ein paar Mann.

Da traf es sich gut, das am 28. Juni eine Flotte von 164 Schiffen mit insgesamt 13.000 Mann etwas nördlich von Lissabon anlandete.
Diese 13.000 Männer waren Kreuzritter (port.: cruzados) aus England, Deutschland, der Normandie, Schottland, Friesland und Flandern, die am Zweiten Kreuzzug (port.: Segunda Reconquista) teilnahmen und sich auf dem Weg ins Heilige Land befanden.

Eigentlich wollten sie so schnell wie möglich nach Jerusalem weiterreisen.
Aber als König Afonso Henriques ihnen das Recht zur Plünderung Lissabons zugestand, wenn sie anschließend ihm die eroberte Stadt überlassen würden, ließen sie sich von der lukrativen Aussicht überzeugen, ihre Reisekasse durch reiche Beute aufbessern zu können.

Am 01. Juli 1147 begann offiziell die Belagerung Lissabons.
Den 4.000 Portugiesen standen 6.000 Engländer, Normannen und Schotten, sowie 5.000 Deutsche und Friesen und 2.000 Flamen zur Seite.
Gemeinsam kämpfte diese Truppe gegen etwa 7.000 maurische Soldaten und einer zivilen Bevölkerung von ca. 11.000 Einwohnern.

Über fast vier Monate hinweg fanden tagtäglich Scharmützel statt.
Zwar konnten die Portugiesen und die Kreuzfahrer die Stadt langsam für sich einnehmen, die Eroberung der maurischen Burg aber, das Herz der Stadt, erwies sich als äußerst schwierig.
Mehrere Male stand die Belagerung der Stadt auf der Kippe.
Da aber die Nahrungsversorgung der Verteidiger mit der Zeit immer schwieriger wurde und die benachbarten maurischen Fürsten keine Unterstützung entsendeten, entschied sich bald der Krieg zugunsten der portugiesischen Truppen.

Am 24. Oktober 1147 setzten die Engländer und die Deutschen die drei südlichen Burgtore unter heftigen Beschuss und fügten den Verteidigern die ersten größeren Verluste bei.
Martim Moniz, einer der Ritter des Königs, eroberte mit ein paar Mann eines der Tore das in der Zwischenzeit geöffnet war.
Als die Mauren das Tor wieder schließen wollten, warf sich Martim Moniz, unter Einsatz seines eigenen Lebens, zwischen Tor und Torrahmen, so dass die Mauren ihn nicht wieder schließen konnten und die portugiesischen Truppen so in die Burg einmarschieren konnten (lesen sie hierzu bitte auch meinen Beitrag „Martim Moniz“ vom gestrigen 14. Oktober 2011).
Noch am gleichen Tag gaben die Mauren auf und willigten einer Übergabe der Stadt ein.
Eine Kapitulation die leider zu spät kam, denn sie kostete vielen Menschen das Leben.

Während sich auf portugiesischer Seite die Verluste auf insgesamt 1.000 Tote und Verletzte beliefen waren die Verluste auf maurischer Seite weitaus höher. Mann schätzt das etwa 4.000 maurische Soldaten bei der Belagerung Lissabons ums Leben kamen und etwa 6.000 Soldaten und Einwohner verletzt wurden.

Die Hoffnung der Kreuzritter auf reiche Beute erfüllte sich.
Einige von ihnen setzten ihre Weiterreise ins Heilige Land gar nicht mehr fort, sondern kehrten in ihre Heimat als reiche Männer zurück.
Wiederum andere, wie die Normannen Arnold III de Aerschot und Christian de Ghistelles, der Schotte Henry Glanville, die Engländer Simon of Dover, Andrew of London und Gilbert of Hastings, der Flame Saher de Archelle und der Deutsche Heinrich von Bonn, ließen sich noch im selben Jahr als Siedler in Lissabon und Umgebung nieder.
Zu dem Engländer Gilbert of Hastings sei noch zu sagen, dass er noch im selben Jahr, 1147, zum ersten Bischof von Lissabon ernannt wurde.

Aber die meisten der Kreuzritter wartete nur den Winter ab, um dann Anfang Februar 1148 ihren Kreuzzug ins Heilige Land fortzusetzen.
Der Zweite Kreuzzug sollte später, mit einer vernichtenden und blutigen Niederlage in Kleinasien, in einem Fiasko enden.
Die Eroberung Lissabons sollte eines der wenigen Erfolge der Kreuzritter sein, genauso wie die Eroberungen dreier anderer portugiesischer Städte, nämlich Santarém, Sintra und Palmela.

Sowohl Afonso Henriques I als auch seine drei Nachfolger Sancho I, Afonso II und Sancho II residierten in der Burg nur zeitweilig.
Erst Afonso III machte im Jahre 1255 die Burg zu seinem ständigen zuhause, und somit Lissabon zur Hauptstadt des Landes – bis heute!

Mittwoch, 29. Juli 2009

Miradouro de Almada


Für mich sind Städte wie Menschen:
Es gibt welche, die sind mir sympathisch, und es gibt welche, die sind mir weniger sympathisch.

Almada, die Stadt in der ich seit gut zehn Jahren lebe, gehört eher zu der zweiten Kategorie.
Obwohl ich hier schon lange lebe und jeden Monat mehrmals über Almada nach Lissabon rein fahre, bin ich nie mit dieser Stadt „warm geworden“.
Vielleicht liegt es daran, das ich mich nie mit den Menschen dieser Stadt identifizieren konnte und ich mich deshalb nur als ein ständiger Gast Almadas fühle.

In den zehn Jahren die ich hier in Almada lebe, habe ich vielleicht fünf oder sechs Mal einen Fuß in die hiesige Altstadt gesetzt. Einerseits liegt die Altstadt von Almada etwas Abseits von den Routen die ich sonst tagtäglich benutze, und andererseits sind mir die Gassen und Wege der Almadenser Altstadt auch heute noch etwas fremd.

Aber letzte Woche war ich mit meiner Schwester Carla und meinem Schwager Egbert auf Stippvisite in der Altstadt.
Denn die Beiden, in Deutschland wohnhaft, waren bisher noch seltener in der Altstadt von Almada als ich.
Ich wollte ihnen unbedingt den Ausblick vom Miradouro, dem Aussichtspunkt der alten Burg, zeigen.
Diese Aussicht, über den Tejo nach Lissabon rüber, ist wohl eines der schönsten Dinge die diese Stadt heute seinen Gästen zu bieten hat.

Und das muss auch früher mal so gewesen sein.
Denn die Burg von Almada ist eine der ältesten Befestigungsanlagen der südlichen Iberischen Halbinsel.

Die Burg ist ein Bau aus maurischer Zeit. Die Mauren selbst nannten den Ort, an dem sie die Burg errichteten, Hisn al-Madin, was so viel wie „Burg“ oder „Festung“ heißen soll.
Sicherlich bauten sie die Burg in erster Linie aus strategischen Gründen, denn von der Stelle an der die Burg steht, hat man einen weiten Blick auf die Tejomündung, die Stadt Lissabon und das Sintragebierge.

Von 1147 bis 1212 wechselte die Festung Almada mehrmals den Besitzer. Einmal eroberten sie die christlichen Truppen, unter König Afonso Henriques, von den Mauren, dann wurde sie wieder von dem Kalifen Abu Yusuf Ya´qub al-Mansur in Besitz genommen und dann wieder von König Sancho I zurückerobert.
Erst 1212, mit dem Sieg der portugiesischen gegen die maurischen Truppen bei der Schlacht von Navas de Tolosa (Batalha de Navas de Tolosa), wurde Almada endgültig christlich und somit auch portugiesisch.

Die Burg selber ist heute leider nicht dem öffentlichen Publikum zugänglich, da sich in ihr ein Quartier der portugiesischen Republikanischen Nationalgarden (Guarda Nacional Repúblicana GNR) befindet.
Aber von den Parkanlagen, die an die Burg angrenzen, hat man, wie ich schon geschrieben habe, eine der privilegiertesten Aussichten über die Tejomündung und die Stadt Lissabon.

Ich glaube, ich sollte öfters die Altstadt von Almada besuchen. Vielleicht wird mir dann die Stadt mit der Zeit etwas sympathischer!