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Montag, 20. Februar 2012

Pero Vaz de Caminha



In meinem Beitrag „Die kleinste Buchhandlung der Welt“, vom 29. Januar 2012, erwähne ich den „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“).
Heute bin ich nun gefragt worden wer denn Pero Vaz de Caminha eigentlich war und was es mit seinem Brief an König Manuel I auf sich hat.

Pero Vaz de Caminha, manchmal auch Pedro Vaz de Caminha genannt, wurde vermutlich zwischen den Jahren 1445 und 1450 als Sohn des adeligen Ritters Vasco Fernandes de Caminha, in der Stadt Porto geboren.
Als junger Mann kam er, Dank seines Vaters der Schatzmeister war, als Schreiberlehrling an den Hof von König Afonso V.
Hier arbeitete er in der Verwaltung der königlichen Waffenkammer.

Am 02. März 1475 nahm er erfolgreich als Soldat an der Schlacht von Toro teil und wurde nach dieser von König Afonso V, auf Grund seines Mutes und seiner Herkunft, zum Ritter geschlagen.
Im Jahr darauf, 1476, übernahm er von seinem Vater den Posten des Schatzmeisters am königlichen Hof.
Dieses Amt führte er auch nach dem Tod von König Afonso V, unter dem neun König João II, aus.

Im Jahre 1482 ehelichte er Catarinna Vaz, eine Kammerzofe von Königin Leonor de Lencastre, der Ehefrau von João II.
Zusammen wurden Pero und Catarina im Jahr darauf Eltern einer Tochter namens Isabel.

Als Manuel I im Jahre 1495 König von Portugal wurde ernannte er Pero Vaz de Caminha zu seinem persönlichen Sekretär.
Das Verhältnis zwischen den beiden soll ziemlich freundschaftlich gewesen sein und so ist es nicht verwunderlich das zwei Jahre später, im Jahre 1497, König Manuel I seinen Freund und Sekretär zum Stadtrat (port.: vereador) der Stadt Porto machte.

Da Pero Vaz de Caminha dieses politische Amt wohl zur vollsten Zufriedenheit des Königs erfüllte, bestimmte Manuel I Anfang des Jahres 1500, das er der Verwalter der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung im indischen Calecute wurde.

So brach Pero Vaz de Caminha am 10. März 1500, unter Flottenkapitän Pedro Álvares Cabral der eine Flotte von 13 Schiffen anführte, in Richtung Indien auf.
Diese 13 Schiffe wurden von den 13 Kapitänen Gaspar de Lemos, Nicolau Coelho, Nuno Leitão da Cunha, Pero de Ataíde, Vasco de Ataíde, Simão de Pina, Luis Pires, Sancho de Tovar, Simão de Miranda, Aires Correia, Bartolomeu Dias, Diogo Dias und Aires Gomes befehligt.

In seinem Brief, welches mit dem 01. Mai 1500 datiert ist, beschreibt Pero Vaz de Caminha, die Entdeckung des heutigen Brasiliens, durch den Seefahrer und Entdecker Pedro Álvares Cabral, am 22. April 1500.

Zwischen dem 22. April und dem 01. Mai des Jahres 1500 hielt Pero Vaz de Caminha auf 29 Seiten detailliert die ersten Eindrücke des neu entdeckten Landes fest.
Dieser Brief ist der erste geschichtliche Beweis Brasiliens und gilt somit als die „Geburtsurkunde“ des Südamerikanischen Landes.

Ausführlich beschreib Caminha wie am 22. April die Flotte von Pedro Álvares Cabral, nach 44 Tagen auf hoher See, endlich Land sichtete und wie dann einen Tag später Nicolau Coelho, einer der Kapitäne der Flotte Cabrals, an Land ging und dort mit den bereits am Strand wartenden Tupiniquim-Indianern einen ersten Kontakt aufnahm.

Die Flotte beschloss aber am nächsten Tag weiterzusegeln, da eine aufkommende Schlechtwetterfront und die vielen Indianer, die sich in der Zwischenzeit am Strand versammelt hatten, auch wenn diese sich den Portugiesen gegenüber freundlich verhielten, eine dringend benötigte Wasser- und Proviantaufnahme erst einmal unmöglich machten.

Etwa 50 km weiter nördlich segelte die Flotte an der Mündung des heutigen Flusses Buranhem vorbei, und in einer Bucht, die heute den Namen Bahia de Cabralia trägt und nach dem Entdecker benannt ist, ankerten sie und gingen gemeinsam an Land.
Pedro Álvares Cabral nannte dieses Fleckchen Erde „Porto Seguro“ (dt.: „Sicherer Hafen“).

Hier an diesem Platz, hielt am 26. April, dem Ostersonntag des Jahres 1500, der mitgereiste Franziskanerpater Henrique de Coimbra die erste katholische Messe auf Südamerikanischen Boden.
Laut Pero Vaz de Caminha nahmen damals an diesem Gottesdienst nicht nur Cabral und seine Mitreisenden teil, sondern auch etwa 200 neugierige Tupiniquim-Indianer.
Nach dem Gottesdienst nahm Pedro Álvares Cabral, aufgrund der rechtlichen Lage des 1494 mit Spanien abgeschlossenen Vertrages von Todesilhas, das neu entdeckte Land für die portugiesische Krone in Besitz.

Am 02. Mai 1500 brach ein Proviantschiff, unter der Leitung von Kapitän Gaspar de Lemos, nach Lissabon auf, um König Manuel I über die Entdeckung des neuen Landes in Kenntnis zu setzen und ihm, auf Befehl von Cabral, den Brief von Pero Vaz de Caminha auszuhändigen.

Cabral und die restliche Mannschaft, unter ihnen auch Pero Vaz de Caminha, setzten am nächsten Tag ebenfalls die Reise fort, allerdings in Richtung Indien.
Ende Mai erreichen sie das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança), wo sie in einen schweren Sturm gerieten und vier Schiffe, samt Mannschaften, verloren.
Die Flotte setzte, nun mit acht Schiffen, ihre Reise fort und am 13. September 1500 erreichen sie Calecut in Indien.

Der Aufenthalt im indischen Calecut erwies sich für Pero Vaz da Caminha und Pedro Álvares Cabral als ziemlich schwierig.
Die ortsansässige Bevölkerung, die sich noch zwei Jahre zuvor, bei der ersten Reise von Vasco da Gama, den Portugiesen gegenüber eigentlich recht freundlich verhalten hatte, war nun eher feindlich, ja sogar kriegerisch eingestellt.
Die muslimischen Händler, die seit jeher die Handelsbeziehungen mit Indien führten sahen in den Portugiesen, zu Recht, eine drohende Konkurrenz.
Sie hatten, nach der Abfahrt von Vasco da Gama aus Indien, den Zamorin und die Bevölkerung Calecuts gegen die Portugiesen aufgebracht.

So konnte Pero Vaz da Caminha nicht, wie geplant, den Posten des Verwalters der neu zu gründenden portugiesischen Handelsvertretung in Calecut antreten.
Er musste sich diesen Posten regelrecht erkämpfen!

Bei einem dieser Kämpfe auf die Handelsvertretung in Calecut wurde er am 15. Dezember 1500 von muslimischen Soldaten tödlich verwunden und erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen.

Als König Manuel I ein halbes Jahr später, bei der Rückkehr von Pedro Álvares Cabral aus Indien am 23.Juni 1501, von dem Tod seines Chronisten Pero Vaz de Caminha erfuhr, soll er erschüttert gewesen sein, denn schließlich war Caminha nicht nur der Chronist des Königs, sondern auch sein Freund.

Auch wenn Pero Vaz de Caminha einen ziemlich unrühmlichen Tod starb, sein Brief an König Manuel I hat ihn zweifelsohne unsterblich gemacht.
Nach dem Eintreffen des Briefes in Lissabon ging dieser, zusammen mit vielen anderen Dokumenten der verschiedenen Entdeckungsfahrten, unter und geriet in Vergessenheit.
273 Jahre nach seiner Verfassung wurde der Brief dann im Jahre 1773 im Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo) durch den Historiker und Politiker José de Seabra da Silva wiederentdeckt, der diesen dann der breiten Öffentlichkeit bekannt machte.

Heute befindet sich der „Brief von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“ (port.: „Carta de Pero Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“) immer noch im Nationalarchiv der Torre do Tombo und gehört zweifelsohne zu den geschichtlich wertvollsten Schriftstücken Portugals.

Samstag, 17. Dezember 2011

Die für mich 20 wichtigsten historische Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte


Ich habe hier in meinem Blog schon mehrmals versucht meinen Lesern die verschiedensten historischen Daten und Ereignisse der portugiesischen Nation zu erklären und näher zu bringen.

Von meiner deutschen Freundin Sabine wurde ich jetzt gefragt, welches denn für mich persönlich das wichtigste Datum und Ereignis der portugiesischen Geschichte sei.

Da ich diese Frage nicht so einfach mit einem oder zwei Sätzen beantworten kann und will und ich mich auch nicht für ein einziges geschichtliches Datum und Ereignis entscheiden kann, habe ich hier einmal die für mich 20 markantesten Daten und Ereignisse der Geschichte Portugals zusammengestellt.
Ich habe mit Absicht nur 20 geschichtliche Ereignisse ausgesucht, da ich sonst den Rahmen dieses Eintrages sprengen würde.

Die für mich 20 wichtigsten historische Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte sind:

• 1128 – Die Schlacht von São Mamede (port.: Batalha de São Mamede). Diese Schlacht fand am 24. Juni 1128 statt, und in ihr standen sich die Truppen von Portugals zukünftigen König Afonso Henriques und die Truppen seiner Mutter Teresa, die die Unterstützung der galizischen Adeligen hatte und die eigentliche Herrscherin über die Grafschaft Portucale (port.: Condado Portucalense) war, gegenüber. Afonso Henriques ging als Sieger dieser Schlacht hervor und am 06. April 1129 erklärte er sich selber zum Herrscher über die Grafschaft Portucale.

• 1143 – Am 05. Oktober 1143 wird der Vertrag von Zamora (port.: Tratado de Zamora) unterschrieben. In ihm wird die Unabhängigkeit Portugals, zwischen dem Grafen Afonso Henriques und seinem Cousin König Alfonso VII von Leon und Kastilien, besiegelt. Von diesem Tag an, durfte sich Afonso Henriques nun offiziell König von Portugal nennen.

• 1385 – Am 14. August des Jahres 1385 ereignete sich die Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota), in der sich die Könige João I von Portugal und Juan I von Kastilien gegenüber standen. Juan I von Kastilien hatte zuvor versucht Portugal mit seinen Truppen zu erobern. König João I von Portugal konnte diese Schlacht, vor allem dank seines mutigen Feldherren Nuno Álvares Pereira, letztendlich für sich gewinnen und so damals die Unabhängigkeit Portugals garantieren.

• 1415 – Die Eroberung der nordmarokkanischen Stadt Ceuta, die damals als der wichtigste Handelsplatz Afrikas galt und die der bedeutendste Karawanenknotenpunkt seiner Zeit war, ereignete sich am 22. August 1415. Die Eroberung Ceutas (port.: Conquista de Ceuta) gilt schlechthin als Beginn der weltweiten portugiesischen Eroberungs- und Expansionspolitik.

• 1434 – In diesem Jahr umsegelte der Seefahrer Gil Eanes, im Auftrag von Prinz Heinrich dem Seefahrer (port.: Infante D. Henrique o Navegador) das Kap Bojador (port.: Cabo Bojador) in Westafrika. Dieses Kap war, auf Grund der ständigen dichten Nebelbänke, der starken Winde und der unberechenbaren Strömungen die dort oftmals herrschen, zuvor niemals von Europäern umsegelt worden. Mit der Umseglung des Kap Bojador nahmen die Portugiesen die erste große Hürde zur Realisierung eines Seeweges nach Indien in Angriff.

• 1488 – 54 Jahre nach der Umsegelung des Kap Bojador durch Gil Eanes, umrundete der Seefahrer Bartolomeu Dias, nach einem schweren Sturm, im Jahre 1488 das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) in Südafrika. Mit dieser Umrundung war eine Verbindung des Atlantischen mit dem Indischen Ozeans bewiesen und somit eine weitere Hürde der portugiesischen Expansionspolitik genommen. Man war nun „guter Hoffnung“ alsbald den Seeweg nach Indien zu entdecken.

• 1494 – Am 07. Juni 1498 unterzeichneten der portugiesische König João II und die Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon in der spanischen Kleinstadt Tordesillas (port.: Tordesilhas) einen Vertrag, der die damalige Welt in eine portugiesische und eine spanische Interessenssphäre aufteilte. Im Vertrag von Tordesillas (port.: Contrato de Tordesilhas) setzten beide Parteien fest, das die in Zukunft zu entdeckenden Länder und Territorien in der Neuen Welt (port.: Novo Mundo) zwischen ihnen „gerecht aufzuteilen“ seien. Dieser Vertrag war nötig geworden, da sowohl Portugal als auch Spanien danach strebten den Seeweg nach Indien zu entdecken, um so im Vorhinein Meinungsverschiedenheiten und sogar Kriege zwischen den zwei Nationen verhindern zu können.

• 1498 – Am 08. Juni 1497 stachen von Lissabon aus drei Karavellen im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I in See. Das Oberkommando über diese drei Karavellen hatte der Kapitän zu See, Vasco da Gama. Nach 346 Tagen kam seine Flotte, am 20. Mai 1498, im indischen Calecute an. Somit war Vasco da Gama, und nicht Kolumbus (port.: Colombo / span.: Colon), der erste Europäer der den Seeweg nach Indien entdeckte.

• 1500 – Anfang März des Jahres 1500 verlässt eine 1.300 Mann starke Armada unter Kapitän Pedro Álvares Cabral Lissabon. Cabral ist auf dem Weg nach Indien, als seine Schiffe in einen heftigen Sturm geraten und von der ursprünglich vorgesehenen Route abkommen. Am 22. April 1500 sichtet er Land und nennt dieses, im Glauben eine Insel entdeckt zu haben, Ilha de Vera Cruz (dt.: Insel von Vera Cruz). Ohne es zu wollen, entdeckt Pedro Álvares Cabral an diesem Tag Brasilien (port.: Descoberta do Brasil).

• 1536 – Auf Wunsch von König João III führt die Römisch-Katholische Kirche am 23. Mai 1536 in Portugal die Inquisition (port.: Inquisição) ein. Mit der Einführung der Inquisition bricht eine der dunkelsten Kapitel der Geschichte über Portugal herein.

• 1578 – Am 24. Juni 1578 begann die Schlacht von Alcacer-Quibir (port.: Batalha de Alcácer-Quibir), im heutigen Marokko, zwischen den portugiesischen Truppen unter dem Kommando König Sebastião I und den maurischen Truppen unter dem Befehl Sultans Abu Marwan Abd al-Malik. Die Schlacht von Alcacer-Quibir sollte sich bis in den Monat August hinziehen und mit einer vernichtenden Niederlage Portugals, dem Tod von König Sebastião am 04. August 1578 und dem daraus resultierenden Verlust der portugiesischen Souveränität an Spanien, zwei Jahre später, enden.

• 1640 – Nach dem Verlust der portugiesischen Souveränität im Jahre 1580 geriet das Land für die kommenden 60 Jahre unter spanischer Herrschaft. Am 01. Dezember 1640 konnte, durch eine erfolgreiche Konspiration portugiesischer Adliger gegen das spanische Königshaus, die Unabhängigkeit Portugals wiedererlangt (port.: Restauração da Independência) werden, und der damalige Herzog von Bragança wurde als João IV König von Portugal.

• 1755 – Am 01. November 1755 erschütterte ein verheerendes Erdbeben die Stadt Lissabon. Dem Erdbeben von Lissabon (port.: Terramoto de Lisboa), der bis heute zu den stärksten und verlustreichsten der Weltgeschichte gehört, folgten mehrere vernichtende Tsunamis und Großbrände, die zehntausenden Menschen das Leben kosteten. Als Folge dieser unbeschreiblichen Tragödie wurde die Stadt Lissabon vom damaligen Prämierminister Marques de Pombal noch schöner und noch prachtvoller wiederaufgebaut.

• 1807 – Am 29. November 1807 floh die portugiesische Königsfamilie vor den Truppen Napoleon Bonapartes, die unter dem General Junot bereits am 18. Oktober in Portugal einmarschiert waren, nach Brasilien. Die Hauptstadt des Königreiches wurde von Lissabon nach Rio de Janeiro verlegt, und João VI und seine Familie sollten bis 1820 in Brasilien bleiben. Die Flucht der portugiesischen Königsfamilie nach Südamerika war die Geburtsstunde des modernen Brasiliens.

• 1820 – Die französischen Soldaten brachten viel Elend und Leid über Portugal, als sie das Land im Jahre 1807 besetzten. Doch die Truppen Napoleon Bonapartes brachten auch das revolutionäre Gedankengut mit nach Portugal, das besonders in der schlecht bezahlten und gedemütigten portugiesischen Armee auf fruchtbaren Boden fiel. Am 24. August 1820 beginnt in der Stadt Porto eine liberale Revolution (port.: Revolução Liberal) die 1821 ihren Höhepunkt erreicht, als König João VI einen Eid auf die erste konstitutionelle Verfassung des Landes ablegt und damit die absolute Monarchie in Portugal abschafft.

• 1908 – Am 01. Februar 1908 kommen König Carlos I und sein Sohn und Thronfolger Luis Filipe auf dem Terreiro do Paço in Lissabon bei einem feigen republikanischen Attentat ums Leben. Der zweitälteste Sohn von König Carlos I wird als Manuel II letzter König von Portugal.

• 1910 – Nur zwei Jahre nach dem Attentat auf König Carlos I und seinen Sohn Luis Filipe wird am 05. Oktober 1910 die Monarchie in Portugal abgeschafft und die Republik ausgerufen. König Manuel II geht nach England ins Exil.

• 1926 – Am 28. Mai 1926 kommt General Gomes da Costa durch einen Putsch an die Macht und setzt daraufhin eine Militärdiktatur (port.: Ditadura Militar) ein. Diese Diktatur wird von 1930 bis 1974 den „Estado Novo“ (dt.: „Neuen Staat“) hervorbringen. Lediglich zwei Männer, nämlich António de Oliveira Salazar von 1930 bis 1969 und Marcelo Caetano von 1969 bis 1974, werden in diesen Jahren der faschistischen Diktatur über Portugal herrschen.

• 1974 – Mit einer praktisch unblutigen Revolution setzt am 25. April 1974 eine Gruppe junger Offiziere, bekannt als „Movimento das Forças Armadas“ = MFA (dt.: Bewegung der Streitkräfte) der Diktatur, die 48 lange Jahre gedauert hatte, ein Ende. Als Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos) ging diese gewaltlose Erhebung gegen den Faschismus in die Geschichtsbücher ein.

• 1985 – Mit der Unterzeichnung der Beitrittserklärung Portugals am 12. Juni 1985, im altehrwürdigen Hieronymuskloster (port.: Convento dos Jerónimos) von Belém, wurde Portugal ab dem 01. Januar 1986 Vollmitglied der Europäischen Union (port.: União Europeia). Auch wenn viele Portugiesen es heute nicht so recht wahr haben wollen, so ist der 12. Juni 1985 doch ohne Zweifel der wichtigste Meilenstein in der jüngsten Geschichte Portugals.


Sicherlich hat der Eine oder Andere eine andere Priorität, was die geschichtlichen Ereignisse unserer Nation angeht.
Aber im Großen und Ganzen sind die wichtigsten Ereignisse der portugiesischen Geschichte, wie z.B. der Unabhängigkeitstag, die Schlacht von Aljubarrota, das große Erdbeben von Lissabon, das Ende der Monarchie, die Salazardiktatur oder die Nelkenrevolution, für die meisten Portugiesen gleich wichtig.

Die von mir hier oben aufgeführten Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte sind, wohlgemerkt, meine rein persönlichen Highlights!
Aber anstatt hier nur ein Datum oder nur ein geschichtliches Ereignis zu nennen, habe ich, wie oben gesehen, 20 von ihnen hier aufgeführt.

So gesehen, habe ich die Frage meiner Freundin Sabine, welches denn für mich persönlich das wichtigste Datum und Ereignis der portugiesischen Geschichte sei, hier sicherlich mehr als zufrieden stellend beantwortet.

Mittwoch, 12. August 2009

Seefahrer, Entdecker und Abenteurer







Portugal ist auch als das "Land der Seefahrer und Entdecker" („Terra dos Navegadores e dos Descobridores“) bekannt.
Als solches hatte Portugal einmal, nebst seinem Nachbar Spanien, eine Weltmachtstellung unter den Nationen der Welt.

Als Seefahrernation erlebte Portugal, durch den weltweiten Handel, einen bis dahin nie gesehenen wirtschaftlichen Aufschwung.
Die Krone, der Adel, der Klerus und die Kaufleute gewannen unerhöhte Reichtümer durch die Entdeckungsfahrten.
Aber diesen Reichtum verdankten sie nur einer Anzahl wagemutiger Männer.
Diese mutigen Männer waren Pioniere und Abenteurer zugleich.
Als Seefahrer und Entdecker sollten sie einen ewigen Platz in der Geschichte erlangen.

Portugiesische Seefahrer waren im 15. und 16. Jahrhundert das, was amerikanische Astronauten für die heutige Menschheit sind.
Ihre Entdeckungen auf hoher See waren so abenteuerlich, wie eine Raumfahrt zum Mond heute, und ihre Karavellen waren so futuristisch wie die heutigen Raumfähren.

Aber wer waren diese Männer?

Natürlich wissen viele, dass es Vasco da Gama war, der den Seeweg nach Indien entdeckte.
Die meisten wissen auch das Magellan (Fernão de Magalhães) als erster Mensch die Welt umrundete.

Aber wer entdeckte z.B. Brasilien?
Wer war als erster Europäer am siamesischen Hof?
Wer betrat als erster die Japanischen Inseln?
Wer umsegelte als erster das Kap der Guten Hoffnung?
Wer segelte bis nach China?

Viele, außerhalb Portugals, wissen auf diese simplen Fragen keine Antwort.

Um diese Männer aus ihrer Anonymität zu holen, führe ich hier nun die Namen einiger Seefahrer und Entdecker auf, die nicht nur in der portugiesischen Geschichte, sondern auch in der Geschichte anderer Nationen, ihren Platz gefunden haben.

- Gil Eanes: Der aus dem südportugiesischen Lagos stammende Gil Eanes umsegelte 1434 als erster, nach 15 erfolglosen Versuchen, das Kap Bojador an der westafrikanischen Küste. 1446 entdeckt er Gambia, ebenfalls an der afrikanischen Westküste.

- João Gonçalves Zarco: Zarco, ein Edelmann aus dem Umfeld von Heinrich dem Seefahrer (Henrique o Navegador) entdeckte mit Tristão Váz Teixeira 1419 die Atlantikinsel Porto Santo. Im Jahr darauf, 1420, entdeckten diese beiden Seemänner, mit Bartolomeu Perestrelo die Insel Madeira.

- Bartolomeu Dias: Dias umsegelte als erster die Südspitze Afrikas. Er nannte diesen stürmischen Punkt Kap der Guten Hoffnung. 1487 erreichte er als erster Europäer den Indischen Ozean und die Ostküste Afrikas. Im Jahre 1500 fand er an dem von ihm entdeckten Kap der Guten Hoffnung, in einem heftigen Sturm, den Tod.

- Vasco da Gama: Im Auftrag von König Manuel I entdeckte Vasco da Gama 1498 den maritimen Weg nach Indien. Der König beförderte ihn daraufhin, aus Dank, zum Admiral und erhob ihn in den Adelstand. 1502, auf dem Rückweg von Indien nach Portugal, entdeckte er die Inseln der Seychellen. Als Vizekönig von Indien starb er 1524 im indischen Cochim.

- Pedro Álvares Cabral: Der in Belmonte, bei Santarém, geborene Pedro Álvares Cabral machte sich im Jahre 1500 auf den Weg nach Indien. Vom Kurs abgekommen, erreichte er am 22. April 1500 die Küste Brasiliens. Als Entdecker Brasiliens und Südamerikas ist er in die Geschichte eingegangen.

- Fernão de Magalhães: Er ist wohl das „schwarze Schaf“ unter allen portugiesischen Seefahrern. Er ist zwar Portugiese, umrundete als erster Mensch überhaupt die Erdkugel, und bewies somit auch dass die Erde wirklich Rund war. Aber er machte diese Weltreise im Auftrage Spaniens, und das nahm ihm über viele Jahrhunderte hinweg das Vaterland übel.

- Diogo Cão: Er entdeckte die Mündung des Flusses Kongo und segelte hinunter, bis zu den heutigen Küsten Angolas und Namibias.

- Diogo de Silves: Der Entdeckter der Azoreninseln São Miguel und Santa Maria im Jahre 1427. Im Jahr darauf, 1428, entdeckte er die Inseln Terceira, Graciosa, São Jorge, Pico und Faial.

- João de Teive: 1452 entdeckte dieser Seefahrer die westlichen Azoreninseln Flores und Corvo.

- Dinis Dias: Im Jahr 1444 entdeckt Dinis Dias die Kanareninsel La Palma.

- Álvaro Fernandes: 1446 setzt Álvaro Fernandes seinen Fuß auf dem Gebiet des heutigen Guinea-Bissau, in Westafrika.

- Diogo Gomes: Von 1456 bis 1461 entdeckt Diogo Gomes, zusammen mit Alvise Cadamosto, Antonio da Noli und Diogo Afonso die Kapverdischen Inseln.

- João de Santarém: João de Santarém entdeckt mit Pêro Escobar die Inseln São Tomé und Principe. 1471 überqueren sie als erste Europäer den Äquator und segeln bis zum heutigen Niger.

- João Vaz Corte-Real: 1472 entdeckt Corte-Real ein Land, welches er „Terra Nova“ (Neufundland) nennt. Leider konnte bis heute nicht bewiesen werden, ob es sich hierbei um das heutige kanadische Neufundland handelt. Wenn dem so ist, dann ist João Vaz Corte-Real der eigentliche Entdecker Amerikas, und nicht etwa Christoph Columbus 20 Jahre später!

- Afonso de Paiva: Afonso de Paiva und Pêro da Covilhã reisen 1487, auf dem Landweg, nach Äthiopien.

- João Fernandes Lavrador: 1495 segelt João Fernandes Lavrador über Grönland bis nach Amerika. Dem Land, welches er entdeckt, gibt er seinen Namen „Lavrador“. Hierbei handelt es sich um das heutige kanadische Labrador.

- Duarte Pacheco Pereira: Duarte Pacheco Pereira durchfuhr als erster Europäer den Amazonas stromaufwärts.

- Diogo Dias: Am 10. August 1500 entdeckt der Seefahrer Diogo Dias eine Insel, die er Ilha de São Lourenço nennt. Heute ist diese Insel unter dem Namen Madagaskar bekannt.

- Estevão da Gama: Entdeckt 1503 die Insel Sankt Helena.

- Lourenço de Almeida: Entdeckt 1505 die Insel Ceylon, das heutige Sri Lanka.

- Tristão da Cunha: Entdeckt die Insel der er auch seinen Namen gibt.

- Diogo Lopes de Sequeira: Überquert als erster Europäer den Bengalischen Golf und segelt bis zum heutigen Malaysia.

- Duarte Fernandes: Besucht als erster Europäer 1511 den königlichen Hof von Siam, dem heutigen Thailand.

- António Abreu: Entdeckt die Inseln Timor, Banda, Ambon und Seram, im heutigen Indonesien.

- Pedro Mascarenhas: Entdeckt die Insel Mauritius.

- Fernão Pires de Andrade: Als erster Portugiese segelte er bis nach Kanton, in China.

- Diogo Pacheco: 1525 entdeckt Diogo Pacheco ein Land südlich der Insel Sumatra. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um Australien. Leider gibt es heute keine Hieb- und Stichfeste Beweise dafür, ob es sich bei dem entdeckten Land wirklich um Australien handelt.

- Jorge de Meneses: Entdeckt das heutige Papua-Neuguinea.

- Fernão Mendes Pinto: Mit Diogo Zeimoto und Cristovão Borralho besucht Fernão Mendes Pinto als erste Europäer das japanische Kaiserreich.

Diese Männer die ich hier aufgeführt habe sind nur einige der vielen, vielen Portugiesen, die sich um die weltweite Entdeckungsgeschichte verdient gemacht haben.
Leider gab es keine Frauen unter den vielen Seefahrern und Entdeckern. Vielleicht traute man ihnen entbehrungsreiche, monatelange Fahrten auf hoher und sehr oft auch stürmischer See einfach nicht zu, was zu bedauern ist.
Denn sicherlich sähe die Welt heute etwas anders aus, wenn Frauen schon damals mehr Einfluss in der Expansionspolitik gehabt hätten.

Montag, 15. Juni 2009

Von Vögel die wie Esel schreien




Vasco da Gama ist in die Geschichte eingegangen, als der Seefahrer, der 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hat.

Auf seiner ersten Reise nach Indien, kam er auch am südafrikanischen Kap der Guten Hoffnung vorbei.
Und dort, in der Nähe des Kap der Guten Hoffnung, an einem Ort, welches er Angra de São Brás nannte, entdeckte er und seine Männer ein paar fremdartige Vögel, die er später in einem Reisebericht an den König folgendermaßen beschrieb:

(Auszug aus dem Original von 1497 =) „... há umas áves que são tamanhas como patos, e não voam porque não têm penas nas asas, e as quais aves zurram como asnos…“ (hier meine Übersetzung zu diesem Text aus dem Reisebericht von Vasco da Gama: „…und es gibt hier Vögel, die die Größe von Enten haben, aber im Gegensatz zu diesen können sie nicht fliegen, denn sie haben keine Federn an den Flügeln und diese Vögel schreien wie Esel…“.

Natürlich ist Vasco da Gama nicht für diesen Reisebericht weltberühmt geworden, denn schließlich hat der Mann den Seeweg nach Indien entdeckt, und somit damals die drei der Menschheit bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien miteinander verbunden. Das war eigentlich seine Leistung!

Aber es ist immerhin der erste Bericht über…

… Pinguine!

Diese fremdartigen Vögel, von denen Vasco da Gama schreibt, waren Pinguine, und er war auch der erste Europäer, der diese Tiere zu Gesicht bekam.

Auf diesen Bericht über die Pinguine am Kap, die später einmal dank dieser Beschreibung von Vasco da Gama den Namen Eselspinguine erhalten sollten, folgten dann noch viele, viele andere Berichte über die merkwürdigsten und außergewöhnlichsten Tiere und Pflanzen der neuen und alten Welt.
Somit entdeckten die Portugiesen nicht nur andere Länder und Kontinente, sondern auch viel Kurioses über das sie als erste der Welt berichteten.