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Freitag, 21. Februar 2014

Internationaler Tag der Muttersprache

A minha pátria é a língua portuguesa
(dt.: Meine Heimat ist die portugisische Sprache)

(Fernando Pessoa)


Heute ist der 21. Februar, der Internationale Tag der Muttersprache (port.: Dia Internacional da Língua Materna).
Dieser Tag wurde im Jahre 2000 von der UNESCO ausgerufen, und soll die „sprachliche und kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit“ auf der ganzen Welt fördern.
Schätzungsweise 6.000 verschiedene Sprachen gibt es auf der Welt.
Eine von ihnen ist Portugiesisch (port.: português).

Hier einpaar Fakten über die portugiesische Sprache:

In neun Ländern der Erde ist Portugiesisch die offizielle Landessprache.
Außer in Portugal wird es auch in Angola, Äquatorialguinea, Brasilien, Guinea-Bissau, den Kapverdischen Inseln, Moçambique, Ost-Timor und São Tomé und Principe gesprochen.

In der Sonderverwaltungszone Macau der Volksrepublik China (port.: Região Administrative Especial de Macau da República Popular da China) ist Portugiesisch neben Kantonesisch und Mandarin eine der offiziellen Amtssprachen.
In vielen Ländern der Welt, hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent (Uruguay, Venezuela, Bermuda), in Afrika (Südafrika, Namibia, Sambia) und in Asien (Indien, Malaysia, Sri Lanka), in denen portugiesisch nicht die Muttersprache ist, beherrschen noch heute, bedingt durch die Kolonialgeschichte Portugals und die großen Auswanderungswellen vergangener Zeiten, vielen Menschen die portugiesische Sprache.

Heute sprechen schätzungsweise 250 Millionen Menschen weltweit Portugiesisch.
Nach Mandarin (port.: mandarim), Englisch (port.: inglês), Spanisch (port.: espanhol), Hindu (port.: hindustâni) und Arabisch (árabe) steht Portugiesisch auf der Rankingliste der meistgesprochenen Sprachen der Welt auf Platz 6.
Nach Englisch und Spanisch ist es die dritthäufigste gesprochene Sprache der westlichen Welt.
Auf der südlichen Erdhalbkugel wird keine andere Sprache häufiger gesprochen wie Portugiesisch!

Nach Schätzungen der UNESCO ist Portugiesisch, nach Englisch, die europäische Sprache mit dem größten Zuwachs.
Wissenschaftler gehen davon aus, das ihm Jahre 2050 etwa 340 Millionen Menschen weltweit die portugiesische Sprache sprechen werden.

Wann werden sie, werte Leserin und werter Leser dieses Blogs, ihren Portugiesischkurs beginnen?

Dienstag, 15. Mai 2012

Portugiesische Literatur in der Bibliothek von Shanghai


Das portugiesische Generalkonsulat in Shanghai (port.: Xanghai) hat letzte Woche, auf diplomatischem Wege, der Bibliothek von Shanghai, die nach der Nationalbibliothek in Peking die zweitgrößte öffentliche Bibliothek Chinas ist, eine Schenkung portugiesischsprachiger Bücher zukommen lassen.
Initiator dieser Schwenkung, die am vergangenen 08. Mai erfolgte, ist das portugiesische Sprachinstitut „Instituto Camões“ gewesen.

Die Bibliothek von Shanghai, die mit über 50 Millionen verschiedenen Schrift- und Tonstücken und knapp 2 Millionen Büchern zu den größten Bibliotheken der Welt gehört, erhielt anlässlich des „Tages der Portugiesischen Sprache“ (port.: „Dia da Lingua Portuguesa“), insgesamt 47 verschiedene Publikationen portugiesischer Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler.
Zu diesen Publikationen gehören verschiedene Bücher, Lexika, CD´s und DVD´s.

So erhielt die Bibliothek von Shanghai, unter anderem, eine Ausgabe des Heldenepos „Os Lusíadas“, des portugiesischen Nationaldichters Luís Vaz de Camões, eine Ausgabe von „A Viagem do Elefante“, des Nobelpreisträgers José Saramago und den Roman „O Esplendor de Portugal“, des von mir so geschätzten Autors António Lobo Antunes.
Zu der Schenkung gehören auch verschiedene poetische Werke des Romanciers Eça de Queiroz und ausgesuchte Fachliteratur über Musik, Moderne Kunst und die Geschichte Portugals.

China gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen das Interesse an der portugiesischen Sprache und Kultur in den letzten Jahren merklich zugenommen hat.
So erlernen heutzutage, nach Angaben der chinesischen Behörden, fünf Mal mehr Chinesen die portugiesische Sprache, als es noch vor fünf Jahren der Fall war.
Die Bibliothek von Shanghai, die im Dezember 1996 ihre Türen für die Öffentlichkeit öffnete, hatte bis dato, nach Angaben ihres Direktors Wu Jianzhong, nur zehn verschiedene portugiesischsprachige Bücher in ihren Regalen stehen, die alle ursprünglich aus Macau stammten und stets vergriffen waren.

Mit der Schenkung die letzten Dienstag erfolgte, will nun das „Instituto Camões“ das Sortiment der Bibliothek von Shanghai ein wenig bereichern.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Luis Vaz de Camões


Lissabon und die Universitätsstadt Coimbra streiten sich darum, Geburtsort von Luís Vaz de Camões, den wohl bedeutendsten portugiesischen Dichter und Poet, zu sein.

Unklarheiten bestehen auch hinsichtlich des Geburtsdatums: 1524 oder 1525 kommt Camões zur Welt.
Er entstammt einer verarmten aber angesehenen portugiesischen Adelsfamilie.
Sein Vater befehligt im königlichen Auftrag ein Schiff.

Genauso wie sein Geburtsjahr und sein Geburtsort sind alle biographischen Angaben über Camões sehr spärlich und teilweise auch nicht gesichert, sondern eher typisch folklorisch angehaucht.
Nur sehr wenige Etappen in seinem Leben sind wirklich dokumentiert.

Väterlicherseits stammt Luís Vaz de Camões von Vasco Pires de Camões ab, einem galizischen Troubadoure der im Jahre 1370 nach Portugal zog um in die Dienste König Fernando I als Minnesänger zu treten.
Der König muss von dem Gesang und der Poesie des Urgroßvaters von Luís Vaz de Camões sehr angetan gewesen sein, denn es ist belegt, dass er ihn mit Ehren, Geld und Ländereien beschenkte.
Der Sohn von Vasco Pires de Camões, Antão Vaz de Camões, der Großvater des großen Dichters, diente dem König in der portugiesischen Marine als Soldat im Roten Meer. Er ehelichte Dona Guiomar da Gama, eine entfernte Verwandte des großen Vasco da Gama.
Aus dieser Ehe entstamme Luís de Camões Vater, Simão Vaz de Camões, der in der königlichen Handelsmarine seinen Dienst versah, und bis nach Guinea und Indien reiste.
Simão heiratete Ana de Sá e Macedo, eine aus Santarém stammende Adlige und beide hatten sie nur einen Sohn, Luís Vaz de Camões.

Man geht davon aus, dass er eine solide und für heutige Begriffe, klassische Erziehung mit Latein, Literatur und Geschichte hatte, wie sie wohl viele junge Männer aus adeligem Hause genossen.
Er soll ein undisziplinierter aber interessierter Schüler gewesen sein.
Wahrscheinlich hat er in Coimbra studiert, obwohl keine Universitätsunterlagen darüber existieren.
Fakt ist, das Camões alsbald zu den gebildesten Männern seiner Zeit gehörte.

Seine Familie ist zwar verarmt, aber dennoch adelig.
Ein Fakt das ihm nach dem Studium die Tatsache ermöglicht Zutritt bei Hofe zu finden und dort auf Bestellung Dramen und Gedichte zu schreiben.
Im wird alsbald eine turbulente und liederliche Lebensweise nachgesagt, mit Saufgelagen, Prügeleien, sowie zahlreichen Liebschaften mit jungen adeligen und nichtadeligen Damen.
Eine dieser Affären hat er mit Infantin Maria, der Schwester des Königs. Sie ist dann auch der Grund warum ihn König João III aus dem erlauchten Kreis des Hofstaats verbannt.

In der Hoffnung, dadurch früher rehabilitiert zu werden, meldet er sich freiwillig zum Militärdienst in Ceute. Hier verliert er bei einem Seegefecht mit den Mauren, nahe der Straße von Gibraltar, sein rechtes Auge.
Insgesamt bleibt er zwei Jahre in Nordafrika, bevor er wieder nach Portugal zurückkehrt.
Kaum in Lissabon angekommen fängt er wieder sein liederliches Leben an.

Am 15. Juni 1552, dem Fronleichnamtag, verstrickt er sich mit Gonçalo Borges, einem Lieblingsdiener des Königs, im Rossio in einen Streit. Bei diesem Streit verletzt er Gonçalo Borges mit dem Säbel schwer am Hals.
Er wird verhaftet und ins nahe Gefängnis Cadeia do Tronco, in die Rua das Portas de Santo Antão n.º 137, gebracht.
Dort verbleibt er für die nächsten neun Monate.

Nachdem König João III einer Bitte von Luís de Camões Mutter nachkommt, wird er am 07. März 1553 begnadigt, allerdings unter zwei Bedingungen:

1. er muss Gonçalo Borges einen Schadensersatz in Höhe von 4.000 Reis bezahlen und
2. er muss augenblicklich Portugal verlassen!

In dem Marineregister aus demselben Jahr findet sich unter der Liste „Gente de Guerra da Armada da India“ (dt.: „Kriegspersonal der Indischen Armada“) folgender Eintrag:

• „Luís de Camões, filho de Simão Vaz e Ana de Sá, moradores em Lisboa, na Mouraria; escudeiro, de 25 anos, barbirruivo, trouxe por fiador o seu pai; vai na nau São Bento, da frota de Fernão Álvares Cabral... entre os homens de armas.“

Was ins deutsche übersetzt so viel heißt wie:

• „Luís de Camões, Sohn des Simão Vaz und der Ana de Sá, wohnhaft in Lissabon, im Stadtteil Mouraria; Schildknappe, 25 Jahre alt, rotbärtig, bringt als Bürge seinen Vater mit; reist auf dem Kriegsschiff São Bento, in der Flotte von Fernão Álvares Cabral... mit den Männern die unter Waffen stehen.“

Mit diesem Eintrag im Marineregister ist eindeutig belegt das Luís de Camões schon am 24. März 1553, 17 Tage nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, nach Indien reist.
Zunächst wird er nach Goa geschickt, wo er 1554 zuerst unter Vizekönig Afonso de Noronha und ein Jahr später unter dem neuen Vizekönig Pedro Mascarenhas seinen Dienst verrichtet.
Aber auch hier in Goa fällt er in Ungnade und so geht seine Reise nach kurzer Zeit weiter, diesmal nach Macau.

Er dient dem neuen Vizekönig Francisco Coutinho ab 1562 in Macau, das zur damaligen Zeit nichts weiter als ein verlassener Handelsplatz war, als „Versorger der Toten und Vermissten in China“ (port.: „Provedor-mor dos Defuntos e Ausentes para a China“), eine nicht sehr anspruchsvolle Aufgabe, die ihm aber genügend Zeit lässt, sich seinen Dichtungen zu widmen.

Hier in Macau, in einer Felsengrotte die heute nach ihm benannt ist, schreibt er hauptsächlich sein großes episches Werk „Die Lusiaden“ (port.: „Os Lusíadas“ – nach Lusus, dem sagenhaften Stammvater der Portugiesen“).
In dem Epos „Os Lusíadas“ schildert der Dichter auf homerischer Art und Weise, mit Anklängen an die Odyssee, an Mythen und Götter, die Entdeckung des Seewegs und die Reise nach Indien durch den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama.

Auf einer Reise nach Goa, wohin er befohlen wird, erleidet sein Schiff, unweit des Mündungsdeltas des Mekong, Schiffbruch und er kann nur sich und sein Manuskript retten.
In Goa angekommen wird er festgenommen, da man ihm vorwirft Gelder der Verstorbenen, die er eigentlich für die Erben verwalten sollte, veruntreut zu haben.
Nur der neue Vizekönig Antão de Noronha, ein Freund aus der Zeit als Camões noch in Marokko stationiert war, kann ihn vor einer längeren Haftzeit bewahren.

Die letzten Jahre in Asien verbringt er mit schreiben und, für seine Verhältnisse, mit einem recht geordneten Leben.
Erst am 07. April 1570 kehrt Camões, über Moçambique, auf dem Handelsschiff Santa Clara nach Lissabon zurück.

Hier beendet er „Os Lusíadas“ und nach dem er sein Werk vor dem neuen König Sebastião I rezitiert hat, gibt dieser ihm im März 1572 die Erlaubnis die Gedichte zu veröffentlichen.
Der König gesteht Camões, „als Anerkennung für die geleisteten Dienste für die Krone in Indien“, die stolze Summe von 15.000 Reis als Pension, ein.
Wenn man bedenkt, dass zur damaligen Zeit die Hofdamen des Königs jeweils nur 10.000 Reis erhielten, dann ist die Pension für einen alten Soldaten mehr als anständig.
Allerdings sollen die Zahlungen immer sehr unregelmäßig gewesen sein, was Camões, der sich an eine gewisse Lebensstandart gewöhnt hatte, in eine schwere finanzielle Krise stürzte.

Die letzten Jahre seines Lebens verbringt er in völliger Armut in einem Zimmer, unweit der Kirche Igreja Santa Ana.
Nach überlieferten Berichten hatte er äußerste Mühen über die Runden zu kommen.

Mit Bitterkeit erlebt er noch die portugiesische Niederlage im marokkanischen Alcácer-Quibir mit, wo mit dem Tod König Sebastiãos I am 27. August 1578 das Königreich Portugal seine Souveränität an Spanien praktisch verliert.

Im Mai 1580 erkrankt er an der Pest, an der er auch am 10. Juni stirbt.
In einem Massengrab wird er am darauf folgenden Tag, unweit der Kirche Igreja Santa Ana, verscharrt.

Nach dem großen Erbeben im Jahre 1755 wird alles daran gesetzt die sterblichen Überreste von Luís Vaz de Camões wieder zu finden. Aber die Suche scheitert kläglich, und somit sind die Gebeine, die 1880 im imposanten Grab im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jirónimos) zu Lissabon beigelegt wurden sicherlich die Gebeine eines anderen Mannes, aber nicht die von Camões!

Wie so viele seiner Dichterkollegen, so erlebt auch Luís Vaz de Camões nicht mehr den Erfolg den er sich zu Lebzeiten immer so gewünscht hatte.
Über drei zentrale Themen handeln ausnahmslos alle Gedichte, Lieder, Oden, Komödien und Sonetten die Camões zu Papier gebracht hat.
Diese Themen sind die portugiesische Nation, die Liebe und die Frauen.
Erst nach seinem Tod erkennt man den unschätzbaren und stilistischen Wert seiner Werke an – eine Anerkennung die bis zum heutigen Tag andauert!
Eine deutsche Übersetzung von Camões Hauptwerk „Os Lusíadas“ fand erst im Jahre 1808 statt.

Nach der Nelkenrevolution im Jahre 1974 wurde der Portugiesische Nationalfeiertag, der jedes Jahr auf den 10. Juni fällt, zufällig dem Todestag von Camões, in „Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas“ (dt.: „Tag von Portugal, von Camões und den Portugiesischen Gemeinden“) umbenannt.

Im Jahre 1992 wurde der Name des Portugiesische Sprachen- und Kulturinstitut (port.: „Instituto de Língua e Cultura Portuguesa“), vergleichbar mit dem Deutschen Goethe-Institut, ihm zu Ehren in „Instituto de Camões“ geändert.
Außerdem trägt der renommierteste portugiesische Literaturpreis, der „Prémio Camões“, seit 1989 seinen Namen.

Wer „Die Lusiaden“ noch nicht kennt oder die Originalfassung auf Portugiesisch nicht lesen kann, dem empfehle ich die sehr lobenswerte deutsche Übersetzung von Hans-Joachim Schaeffers, die im Jahre 2008 im „Elfenbein Verlag“ erschienen ist.

Sonntag, 4. September 2011

Städtepartnerschaften


Ob Lissabon eine Partnerstadt hat, bin ich heute gefragt worden.
Und ob!
Lissabon hat insgesamt sogar 21 Partnerstädte (port.: „cidades gémeas“) vorzuweisen.

Mit diesen 21 internationalen und nationalen Partnerstädten verpflichtet sich Lissabon wirtschaftlich zusammenzuarbeiten und kulturell auszutauschen.
Im Jahre 1977 ging Lissabon mit dem kroatischen Zagreb vertraglich die erste Städtepartnerschaft ein.
Zwei Jahre zuvor, 1976, war zum ersten Mal, zwischen der portugiesischen Universitätsstadt Coimbra und der damaligen ostdeutschen Stadt Halle an der Saale, überhaupt eine Städtepartnerschaft in Portugal geschlossen worden.

Auf vier Kontinenten befinden sich die 21 Partnerstädte die mit Lissabon ein kooperatives Abkommen abgeschlossen haben.
Darunter ist leider nicht eine einzige deutsche Stadt.

Die Lissabonner Partnerstädte sind:

• Zagreb in Kroatien (seit dem 15. Juli 1977)
• Madrid in Spanien (seit dem 31. Mai 1979)
• Rio de Janeiro in Brasilien (seit dem 10. Juni 1980)
• Maputo in Moçambique (seit dem 20. März 1982)
• Macau in China (seit dem 20. Mai 1982)
• Praia auf Kap Verde (seit dem 26. Mai 1983)
• São Tomé auf São Tomé und Principe (26. Mai 1983)
• Bissau in Guinea-Bissau (seit dem 31. Mai 1983)
• Malaca in Malaysia (seit dem 19. Januar 1984)
• Salvador da Bahia in Brasilien (seit dem 03. April 1085)
• Brasilia in Brasilien (seit dem 28. Juni 1985)
• Rabat in Marokko (seit dem 22. März 1988)
• Luanda in Angola (seit dem 11. Oktober 1988)
• Cacheu in Guinea-Bissau (14. November 1988)
• Budapest in Ungarn (seit dem 28. September 1992)
• Buenos Aires in Argentinien (seit 1992)
• Guimarães in Portugal (seit dem 29. Juni 1993)
• Tunis in Tunesien (seit dem 03. September 1993)
• Paris in Frankreich (seit 1998)
• São Paulo in Brasilien (seit dem 10. Juli 2007)
• Peking in China (seit dem 22. Oktober 2007)

Aber nicht nur Lissabon ist eine Städtepartnerschaft eingegangen.
Insgesamt 23 portugiesische Kommunen pflegen z.B. mit deutschen Städten eine partnerschaftliche Beziehung.

Die portugiesischen Städte, die mit deutschen Gemeinden geschwisterlich verbunden sind, sind:

• Coimbra / Halle an der Saale (seit dem 06.Juni 1975)
• Porto mit Jena (seit dem 15. Juni 1984)
• Condeixa-a-Nova mit Bretten (10. Februar 1985)
• Guarda mit Siegburg (seit dem 26. Mai 1985)
• Aljezur mit Kürnach (seit dem 10. Oktober 1987)
• Santo Tirso mit Groß-Umstadt (seit dem 31. Juli 1988)
• Mafra mit Leimen (seit dem 17. Februar 1990)
• Sesimbra mit Kotzling (seit dem 20. Mai 1991)
• Ansião mit Erbach (seit dem 14. Juni 1992)
• Setúbal mit Magdeburg (seit dem 02. März 1993)
• Vila Verde mit Lohmar (seit dem 22. März 1993)
• Castanheira de Pera mit Leimen (04. Juli 1993)
• Soure mit Dienheim (seit dem 13. Januar 1994)
• Funchal mit Leichlingen (seit dem 26. März 1996)
• Leiria mit Rheine (seit dem 19. Mai 1996)
• Góis mit Ravensburg (seit dem 11. September 2000)
• Guimarães mit Kaiserslautern (10. Oktober 2000)
• Vila Nova de Poiares mit Hungen (13.10.2000)
• Ilhavo mit Cuxhaven (seit dem 05. April 2002)
• Amarante mit Wiesloch (seit dem 01. September 2004)
• Vila Real mit Osnabrück (seit dem 20. Juli 2005)
• Grândola mit Rhein-Kreis Neuss (15. März 2006)
• Póvoa de Varzim mit Eschborn (29. Juni 2010)

Die Städtepartnerschaften Lissabons, genauso wie die meisten in Restportugal und sicherlich viele weltweit, leben von dem Engagement der jeweiligen Stadtverwaltung und vor allem von der Initiative der einfachen Bürger, Musik- und Sportvereine, Chöre, Museen, usw.

Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das je mehr Partnerstädte Lissabon hat, umso geringer dann doch tatsächlich das Engagement ist, den die Stadt und ihre Bürger an den Tag legen.

Das ist schade – einfach nur schade!

Sonntag, 7. August 2011

Museu de Macau






Heute war ich im kleinen, aber feinen, Museu de Macau (dt.: Macau-Museum) in Lissabon.
Das Museum, welches die Geschichte und die Kultur des ehemaligen portugiesischen Territoriums Macau dem Besucher nahe bringen will, gehört dem renommierten Institut „Centro Científico e Cultural de Macau“, kurz auch CCCM genannt, (dt.: Institut des wissenschaftlichen und kulturellen Zentrums von Macau) an.

Das Institut wurde 1995 in Lissabon gegründet, um die kulturellen, geschichtlichen, wissenschaftlichen und sozialen Beziehungen zwischen Portugal und China, zu dem das Territorium Macau heute gehört, zu fördern und die Forschungen und Innovationen der beiden Länder zu intensivieren.

Aus dieser sino-portugiesischen Zusammenarbeit resultiert das schon erwähnte Museum.
Das Museu de Macau wurde im Jahre 1999 eröffnet und beherbergt heute die größte und wertvollste Sammlung chinesischer Kunst auf der gesamten Iberischen Halbinsel.
Das Museum besticht nicht in erster Linie durch seine Größe, sondern vor allem durch seine originelle Sammlung.

Die meisten Objekte der Sammlung wurden von dem aus Macau stammenden Sammler António Sapage zusammengetragen.
Er brachte einzigartige Objekte aus Terrakotta, Sandstein und Porzellan, sowie verschiedene Bekleidungsstücke, alte See- und Landkarten und Bücher zusammen, die heute im Museum ausgestellt sind.
Beeindruckend ist auch die numismatische Sammlung, die seltene chinesische Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten zeigt.

Auch ein Original des ersten portugiesisch-chinesischen Wörterbuchs aus dem Jahre 1580 wird hier ausgestellt.
Dieses Wörterbuch war das erste das in China damals in einer europäischen Sprache erschien. Über 2000 Begriffe der portugiesischen Sprache, zumeist aus der Seefahrt, dem Handel und der Politik, werden in ihm ins chinesische übersetzt.
Autoren dieses ersten portugiesisch-chinesischen Wörterbuches waren der Jesuit Miguel Roggiero und der aus Macau stammende Jesuit Sebastião Fernandes, der mit chinesischen Namen eigentlich Tchong Ming-Jem hieß.

Das Museu de Macau liegt in der Rua da Junqueira n° 30, im Lissabonner Stadtteil Alcântara, und kann jeden Tag, außer Montags, besucht werden.

Dienstag, 10. Mai 2011

Wenceslau de Moraes


Ich bin gerade mit dem lesen des Buches „O Bon Odori em Tokoshima“ (dt.: „Das Totenfest von Tokushima“), einem Werk von Wenceslau de Moraes, welches ich vor gut einer Woche angefangen habe zu lesen, fertig geworden.

Ehrlich gesagt, waren mir bis dato die Werke von Wenceslau de Moraes völlig unbekannt.
Als ich das einer Freundin gestand, musste die mir beichten, dass ihr alleine ein gewisser Wenceslau de Moraes schon überhaupt kein Begriff war, geschweige denn seine Werke!

Nun, so arg ist es um meinen Wissensstand über Wenceslau de Moraes nicht bestellt, aber ich muss gestehen, das ich erst durch das lesen eines seiner Bücher, mehr über den Mann erfahren habe, der so viel Liebe und Sympathie für den asiatischen Kontinent hegte, hier vor allen Dingen für Japan, und der zu den wichtigsten portugiesischen Schriftsteller des anfangenden 20. Jahrhunderts zählt.

Wenceslau de Moraes wird am 30. Mai 1854, als Wenceslaus José de Sousa Moraes, Sohn von Maria Amélia Figueiredo Moraes und Wenceslaus de Moraes, in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon geboren.

Er machte 1875, an der Lissabonner Marineschule (port.: Escola Naval de Lisboa), im Alter von nur 21 Jahren, seinen Offiziersabschluss, und dient daraufhin als Marineoffizier auf verschiedenen Kriegsschiffen der portugiesischen Kriegsmarine, die ihn nach Moçambique, Timor, Japan und schließlich 1885 auch nach Macau bringen.

Hier in Macau lässt er sich 1891, als ihn die portugiesische Kolonialverwaltung den Posten eines Hafenhauptmannes anbietet, auch nieder.
1893 wird er sogar Lehrer an der renommierten São José Oberschule (port.: Colégio de São José) in Macau.

Wenig später ehelicht er die Chinesin Wong Yog Chan und gemeinsam haben sie zwei Söhne.

Er freundet sich in Macau mit dem Schriftsteller Camilo Pessanha an, der ihn dazu animiert, seine schriftstellerische Kariere zu beginnen.
„Traços do Extremo Oriente - Sião, China e Japão“ wird 1895 sein erstes literarisches Werk.
Bis 1897 bereist er mehrere male Japan; ein Land dessen Menschen und Kultur es ihm angetan haben.
1897 erscheint auch sein Hauptwerk „Dai Nippon“ (dt.: „Das große Japan“), zu dessen Lesern auch der japanische Kaiser Meiji zählt, wie dieser ihm auch persönlich gesteht, als er ihn und den portugiesische Gouverneur von Macau 1898 empfängt.
1899 ernennt ihn der portugiesische König D. Carlos zum Konsul des Königreiches Portugal im japanischen Kobe und Osaka.

Der Umzug als Diplomat nach Japan fällt ihm nicht schwer, da er schon seit Jahren von seiner chinesischen Frau Wong Yog Chan und den gemeinsamen Söhnen getrennt lebt.

In Kobe kaum angekommen, beschließt er die japanische Geisha O-Yone Fukemoto, die er auf einer seiner Reisen durch das Land des Lächelns Jahre zuvor kennen gelernt hat, zu ehelichen.
Im Gegensatz zu seiner chinesischen Frau, mit der er eine Ehe voller Anspannungen führt, kommt er mit seiner japanischen Gattin wunderbar zu recht.

1904 erscheinen seine „Cartas do Japão“ (dt.: „Briefe aus Japan“), im Jahr darauf das Buch „O culto do chá“ (dt.: „Die Teekultur“) und 1907 das Werk „A vida japonesa“ (dt.: „Der japanische Alltag“).

Seine Ehefrau O-Yone Fukemoto verstirbt plötzlich am 20. August 1912 an einem Herzinfarkt.
Der Tod seiner zweiten Frau nimmt ihn so sehr mit, das er ein knappes Jahr nach ihrem Tod, am 10. Juni 1913 vom Konsulposten in Kobe und Osaka zurücktritt.

Er zieht nach Tokoshima, einer damaligen Kleinstadt in der gleichnamigen Präfektur, auf die Insel Shikoku, wo seine geliebte Ehefrau, die Geisha O-Yone Fukemoto, ursprünglich herkam, und wo auf ihrem Wunsch hin, ihre Asche, nach ihrem Tod, verstreut werden sollte.

1916 erscheint sein Buch „O Bon Odori em Tokoshima“ (dt.: „Das Totenfest von Tokushima“), das erste Werk das er nach dem Tod seiner geliebten Frau schreibt.
In den drauffolgenden Jahren erscheinen, unter anderem, noch die Werke „Ko-Haru“, „Relance da história do Japão“, „Os serões no Japão“ und „Relance da alma japonesa“.

Die Stadt Tokoshima und ihre Umgebung werden zur großen Inspiration der schriftstellerischen Werke von Wenceslau de Moraes, die sowohl in der portugiesischen als auch japanischen Literatur ihres gleichen suchen.
Hier in Tokoshima verstirbt Wenceslau de Moraes, unter bis heute völlig ungeklärten Umständen, plötzlich und unerwartet, am 01. Juli des Jahres 1929.

Das einzige was von ihm geblieben ist, sind seine detailgetreuen und für die damalige Zeit einzigartigen Beobachtungen und Erklärungen der asiatischen Kultur.
Ich freue mich auf das Lesen des nächsten Werkes von Wenceslau de Moraes.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Fröhlich und Zufrieden


Das Geschenk wurde anlässlich der Feierlichkeiten zum 10° Jahrestag der Übergabe des ehemaligen portugiesischen Überseegebietes Macau an die Volksrepublik China, die im Dezember 2009 stattfanden, gemacht.
Damals, vor nunmehr etwas über einem Jahr, machte der Präsident Chinas, Hu Jingtao, der Sonderverwaltungszone Macau (port.: Região Administrativa Especial de Macau (RAEM), ein Pärchen Riesenpandas (port.: pandas-gigantes) zum Geschenk.

Die Riesenpandas, die die Namen „Kai Kai“ (port.: Alegria / dt.: Fröhlich) und „Xin Xin“ (port.: Contente / dt.: Zufrieden) tragen, stammen aus einem Zuchtprogramm in der Provinz Sichuan und befinden sich nun seit gut einem Monat in Macau, wo sie noch unter Quarantäne stehen, um sich besser an ihre Umgebung zu gewöhnen.
Kai Kai, das männliche Tier und Xin Xin, das Weibchen, sind in einem riesigen Pavillon im Naturpark Seac Pai Van, auf der Insel Coloane, untergebracht worden und sollen bald für Nachwuchs sorgen.

Bei der Übergabe der zwei Riesenpandas, die für die Chinesen so etwas wie einen nationalen Schatz darstellen, war auch der portugiesische Generalkonsul der Stadt, als Ehrengast, zugegen.
In einem Interview meinte er, die Staatssekretärin für Verwaltung und Justiz von Macau, die luso-chinesin Florinda Chan, hätte ihm zugesagt, das man sich sehr gut vorstellen könnte, sollten „Fröhlich“ und „Zufreiden“ fleißig für Nachwuchs sorgen, eins oder zwei ihrer Nachkommen an das ehemalige Mutterland Portugal, zu dem Macau knapp 400 Jahre gehörte, abzugeben.

Nun ja, wer es glaubt, wird selig!
Aber bei so vielen chinesischen Läden die es hier mittlerweile in Portugal gibt, wo man größtenteils Nepp und Kitsch kaufen kann und dabei immer Gefahr läuft etwas zu erwerben das entweder von vornherein defekt, krebserregend oder giftig ist, wären die Riesenpandas mal etwas aus China, was man wirklich ohne Skrupel importieren könnte.

Dienstag, 11. Mai 2010

EXPO 2010


Vor etwas mehr als einer Woche, am 01. Mai 2010, öffnete in der ostchinesischen Stadt Shanghai (port.: Xangai), am Ufer des Flusses Hungpu, die Internationale Weltausstellung Expo 2010, unter dem Motto „Better City, Better Life“ (dt.: „Eine bessere Stadt, Ein besseres Leben“ / port.: „Melhor cidade, Melhor qualidade de vida“) mit einem spektakulären und bunten Feuerwerk ihre Pforten.

Unter den 227 teilnehmenden Nationen und internationalen Organisationen ist auch Portugal mit einem eigenen Pavillon vertreten.
Der Portugiesische Pavillon, des im chinesischen Macau lebenden portugiesischen Stararchitekten Carlos Macedo e Couto, erstreckt sich über eine Fläche von 2.000 m² und ist von außen total mit Kork, dem wohl portugiesischsten Baustoff, verkleidet.
Unter dem Motto „Portugal uma praça para o mundo. Portugal, energias para o mundo” (dt.: Portugal, ein Platz für die Welt. Portugal, Energien für die Welt”) stellt sich Portugal auf dem Europaplatz, in der Zone C, als moderne und ökologische Nation vor.

Portugal war eines der ersten Länder Europas, das im Rahmen der EXPO 2010 eingeladen wurde.
Dieses Zuvorkommen Chinas gegenüber Portugal verdankt sich der großen gemeinsamen Geschichte, den guten Beziehungen der Gegenwart und die Chancen für die gemeinsame Zukunft.

Der Pavillon Portugals (port.: Pavilhão de Portugal) ist in vier Räume (port.: áreas) aufgeteilt.
In eine Área protocolar (dt.: Protokollarischer Raum), in eine Área expositiva (dt.: Ausstellungsraum), in einem Centro de negócios (dt.: Wirtschaftszentrum) und einer Área comercial (dt.: Verkaufsraum).

Der Portugiesische Pavillon macht es sich zur Aufgabe an die gemeinsame Geschichte, die über Jahrhunderte China und Portugal verbunden haben, zu erinnern, und auch die derzeitigen engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen vorzustellen und weiter zu fördern.

Außer den Länderpavillons, gibt es auf dem EXPO-Gelände fünf riesige Themenpavillons, die die Mottos Urban Footprints (dt.: Städtische Fußstapfen / port.: Passos urbanos), Urban Planet (dt.: Planet Stadt / port.: Planeta urbano), Urban Dwellers (dt.: Stadtbewohner / port.: Cidadão urbano), Urban Beings (dt.: Städtischer Alltag / port.: Dia-a-dia urbano) und Urban Dreams (dt.: Städteträume / port.: Sonhos urbanos) haben.

Die dynamische Präsentation Portugals wird sich in Shanghai nicht auf den nationalen Pavillon beschränken: ein großes und buntes Straßenfest zum Portugal-Tag am 06. Juni 2010, mit viel Fadomusik, Tanz, Theater und Kino, ist geplant.

Die EXPO 2010 wird bis zum 31. Oktober geöffnet bleiben.
Und in dieser Zeit, so vermutet man, werden 70 Millionen Menschen die Weltausstellung besucht haben. Davon werden ca. 20 Millionen auch im Portugal-Pavillon vorbeischauen.
Sollten von diesen 20 Millionen in den nächsten Jahren nur 500.000 Besucher ihren Weg nach Portugal finden, dann haben sich die 10 Millionen Euro, die die Portugiesische Regierung für den Bau des Pavillons ausgegeben haben, mehr als gelohnt.

Dienstag, 19. Januar 2010

Sagres III


Heute Morgen startete von Lissabon aus das Segelschulschiff „Sagres III“ zu seiner dritten Weltumseglung.
Diese Weltumseglung wird ca. 11 Monate dauern und an Bord werden 203 Mann Besatzung sein.
Diese 203 Mann unterteilen sich in 63 Kadetten, 114 Matrosen, 16 Unteroffizieren und neun Offizieren.
Sie alle bilden die Besatzung des wichtigsten Segelschulschiffes der Portugiesischen Marine.
Gemeinsam werden sie bei dieser Weltumseglung drei Ozeane durchqueren und über 35.800 Seemeilen zurücklegen.

Die Hauptaufgaben der „Sagres“ sind die Ausbildung der Marinekadetten zu zukünftigen Matrosen und Offizieren und die Repräsentation Portugals im Ausland.

Und Portugal repräsentieren wird die „Sagres“ auch dieses Mal, wenn sie nun die Welt umreist.
Sie wird Häfen in Brasilien, Uruguay, Argentinien, Chile, Peru, Ecuador, USA, Japan, China, Macau, Indonesien, Ost-Timor, Singapur, Thailand, Indien, Ägypten und Algerien anlaufen.

Ihren ursprünglichen Heimathafen Hamburg, wird die „Sagres“ auf dieser Weltumrundung nicht anlaufen.
Die „Sagres“ ging nämlich 1937 bei „Blohm & Voss“ in Hamburg vom Stapel.
Damals hieß sie noch „Albert Leo Schlageter“ und diente den Nazis unter anderem als Büroschiff.
Nach Kriegsende wurde das Segelschiff dann von den Amerikanern an Brasilien verkauft, und es wurde auf den Namen „Guanabara“ getauft.
1961 verkauften wiederum die Brasilianer das Schiff.
Diesmal an Portugal.
Am 08. Februar 1962 wurde das Segelschiff mit dem Namen „Sagres III“ („Sagres III“, weil es schon vorher zwei andere Segelschiffe mit dem Namen Sagres gab) von der portugiesischen Marine in Dienst genommen.
Eines der Schwesternschiffe der „Sagres“ ist die „Gorch Fock“, der Deutschen Bundesmarine.

Auf dieser nun heute beginnenden, nach 1978/79 und 1983/84, dritten Weltreise wird die „Sagres III“ an verschiedenen wichtigen Events teilnehmen, wie z.B. am Portugal-Tag (port.: Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas) im US-amerikanischen San Diego, an den Feierlichkeiten zu der 150-Jahr-Feier des Freundschaftsvertrags zwischen Japan und Portugal und an der EXPO 2010 in Shanghai.

Dem Schiff und der Mannschaft allzeit eine gute Fahrt und „Schiff Ahoi!“

Dienstag, 15. Dezember 2009

Von Raubkunst und ihrer schweren Rückgabe


Diese Woche hat die Portugiesische Kulturministerin Gabriela Canavilhas, im Namen der Portugiesischen Regierung und des Prämieministers José Socrates ein offizielles Schreiben an die Französische Staatsregierung gesendet, in der sie den Französischen Staat darum bittet (die Zeiten sind vorbei, indem man forderte; jetzt wird freundlich darum gebeten!) portugiesische Kulturgüter und –schätze, die während der französischen Besetzungszeit vor 200 Jahren außer Landes geschafft wurden, zurückzugeben.

Von 1807-1811 hatten nämlich die napoleonischen Truppen, allen voran General Geoffrey Saint Hilaire, die portugiesischen Paläste, Kirchen, Klöster und Bürgerhäuser regelrecht ausgeräumt.
Saint Hilaire handelte damals ausdrücklich auf Napoleon Bonapartes Befehl, der ihm schriftlich die Erlaubnis erteilt hatte, „…alles aus Portugal mitzunehmen, was sie Monsieur, für unsere Grande Nation als wertvoll betrachten…“.

Damals fanden schätzungsweise 900 voll beladene Ochsenkarren mit Möbeln, Teppichen, Gemälden, Kunsthandwerk, Schmuck und Büchern ihren Weg von Portugal nach Paris.
Und so kommt es, dass heute wertvolle indo-portugiesische Wandteppiche im Stadtmuseum von Lyon hängen, Porzellan aus Macau im Louvre ausgestellt ist, goldener und edelsteinverzierter Kirchschmuck im Nationalmuseum von Marseilles in den Vitrinen ausgestellt wird und Gemälde portugiesischer Maler in den Museen für Alte Kunst in Bordeaux und Nantes hängen.

Bis heute weigerte sich die französische Regierung hartnäckig diese geraubten Kunstschätze an Portugal wieder zurückzugeben.
Aber die Zeiten haben sich geändert.
Denn nach einem neuen Gesetz der EU dürfen solche geraubten Kunstwerke nicht mehr öffentlich ausgestellt werden, d.h. die geraubte Kunst ist für Frankreich somit wertlos geworden.

Die Depots der französischen Museen sind übervoll, und so stehen die Chancen gut, das dieses Mal der Bitte des Portugiesischen Kulturministeriums entsprochen wird, und einige Kunsthandwerkstücke, Möbel und Gemälde ihren Weg wieder nach Portugal finden.

Aber es gibt auch Widerstand gegen eine Rückgabe an Portugal:
Der Direktor des Musée National d´Histoire Naturelle de Paris (dt.: Naturhistorisches Nationalmuseum von Paris), dessen Museum über 50% seiner fossilen Pflanzen, Dinosaurierskeletten und seltenen Steinen und Mineralien dem ehemaligen Naturhistorischen Museum von Lissabon verdankt, hat z.B. schon gedroht, seine Ausstellungsstücke lieber in den Lagerdepots vergammeln zu lassen, als sie freiwillig an Portugal zurückzugeben.

Zum Glück hat auch in Frankreich, wie in jeder gut funktionierenden Demokratie auf der Welt, der Staatspräsident und die Regierung das Sagen, und nicht so ein popeliger Museumsdirektor, der noch voll und ganz auf Napoleons Schiene zu fahren scheint.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Zum Tode verurteilt


Während ich diese Zeilen schreibe, sitzt irgendwo im chinesischen Kantoon der in Macau geborene Portugiese chinesischer Abstammung Lau Fat Wai in einer Todeszelle und wartet auf seine Hinrichtung.
Lau Fat Wai wird Drogenhandel und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Wohlgemerkt, es wird im vorgeworfen, und er wurde aufgrund von Indizien verurteilt, nicht aufgrund von Beweisen. Wai ist Vater eines minderjährigen 17 Jahre alten Sohnes, und er ist mit einer, ebenfalls in Macau geborenen Portugiesin, verheiratet.
Laut dem Rückgabevertrag Macaus an China, das 1999 zwischen Portugal und der Volksrepublik China ratifiziert wurde, darf kein portugiesischer Staatsbürger, der minderjährige Kinder hat, und seinen festen Wohnsitz in Macau hat, zum Tode verurteilt werden. Die Höchststrafe, die laut des Rückgabevertrages, über einen Bürger Macaus verhängt werden darf, ist lebenslange Haft.
Bis heute hat sich China stets an diesen Vertrag gehalten, und die Beziehungen zwischen China und Portugal gelten seit 500 Jahren als äußerst vorbildlich. Warum die chinesische Führung sich auf einmal nicht mehr an den Vertrag von 1999 halten will, ist nicht nur der portugiesischen Regierung ein Rätsel. Nichtsdestotrotz hat der portugiesische Justizminister Alberto Costa garantiert „alles erdenkliche zu tun, um eine Hinrichtung von Lau Wat Wie zu verhindern“.
Der chinesische Botschafter in Lissabon wurde schon mehrmals ins Außenministerium zitiert, und er musste auch schon vor Portugals Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva erscheinen. Außerdem wurde der portugiesische Botschafter in Peking schon zwei Mal beim chinesischen Außenminister vorstellig.
Ich weiß nicht ob Lau Fat Wai wirklich ein Drogenhändler ist. Ich weiß nicht ob er illegal Waffen besaß. Ich kenne ihn nicht persönlich und ich weiß über sein Schicksal erst seit ein paar Wochen bescheid. Aber eines weiß ich ganz genau: es wäre falsch einen Menschen zum Tode zu verurteilen, dem seine angeklagten Taten nicht lückenlos nachgewiesen werden können. Man kann nicht jemanden zum Tode verurteilen, nur auf Grund von Indizien!
China ist das Land auf der Welt, in dem jährlich die meisten Todesstrafen vollzogen werden. Und es wäre nicht überraschend wenn Lau Fat Wai der nächste Todeskandidat wäre. Bleibt nur zu hoffen, dass die ganze Diplomatie ihre Wirkung zeigen wird und sich China einmal, wirklich endlich einmal, an die Menschenrechte halten wird!