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Freitag, 12. Juni 2009

Delikate Verwechslung



Es ist schon eine delikate diplomatische Geschichte, die sich da vor wenigen Tagen in der serbischen Hauptstadt ereignet hat.
Da wird die portugiesische Botschaft in Belgrad von der serbischen Polizei angerufen, weil diese auf dem Internationalen Flughafen von Belgrad einen portugiesischen Staatsangehörigen festgenommen hat.


Dieser Staatsbürger Portugals war festgenommen worden, weil er einem international gesuchten Drogenbaron ähnlich sah, und man vermutete er weise sich mit falschen Papieren aus.
Natürlich bekam der Botschafter erst am Abend desselben Tages diese Information auf den Tisch (schließlich hat der Mann ja wichtigere Dinge zu tun, als in verdacht geratene portugiesische Bürger aus der Patsche zu helfen), und als er sich die entsprechende Memo durchlas, bekam er fast einen Schlag.


Der Verdächtige, der in serbischer Untersuchungshaft saß, hatte den Namen Manuel Pinho.
Den deutschen Lesern dieses blogs wird der Name Manuel Pinho wenig oder gar nichts sagen. Aber in Portugal kennt jeder Manuel Pinho. Es handelt sich hierbei nämlich um den portugiesischen Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung.
Nach mehreren Anrufen, sowohl beim serbischen Innen- als auch Außenministerium, sowie im Lissabonner Wirtschaftsministerium, stellte man dann fest das der portugiesische Wirtschaftsminister „am Platz war“, und somit nicht der Bürger sein konnte der in einem Belgrader Untersuchungsgefängnis saß.
Das war nun erst einmal eine Erleichterung zu wissen, dass der portugiesische Wirtschaftsminister nicht im dubiosen Drogenhandel verwickelt war. Aber wer um Gottes Willen war nun der Häftling der da im Gefängnis saß?
Es handelt sich tatsächlich um einen Bürger mit dem gleichen Namen wie der Wirtschaftsminister, der aber keineswegs im Drogengeschäft zuhause ist.
Nach genaurer Untersuchung mussten die serbischen Behörden sogar zugeben dass der Verdächtige noch nicht einmal annähernd dem gesuchten kolumbianischen Drogenbaron ähnlich sah.


Manuel Pinho (der unschuldig Inhaftierte) wurde noch am selben Tag in eine Maschine Richtung Lissabon gesetzt, und durfte Belgrad umgehend verlassen.
Am Lissabonner Flughafen angekommen, meinte er auf die Fragen der Reporter, wie es denn gewesen sei, mit Manuel Pinho verwechselt worden zu sein:


(freie Übersetzung von mir) „…Ich möchte klar stellen, das ich festgenommen wurde, weil man mich in erster Linie für einen Drogenbaron gehalten hat, und nicht etwa mit dem Wirtschaftsminister meines Landes verwechselt hat. Mit dem Wirtschaftsminister verwechselt zu werden, würde nämlich mein Ego gar nicht verkraften!...“

Mittwoch, 3. Juni 2009

Zum Tode verurteilt


Während ich diese Zeilen schreibe, sitzt irgendwo im chinesischen Kantoon der in Macau geborene Portugiese chinesischer Abstammung Lau Fat Wai in einer Todeszelle und wartet auf seine Hinrichtung.
Lau Fat Wai wird Drogenhandel und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Wohlgemerkt, es wird im vorgeworfen, und er wurde aufgrund von Indizien verurteilt, nicht aufgrund von Beweisen. Wai ist Vater eines minderjährigen 17 Jahre alten Sohnes, und er ist mit einer, ebenfalls in Macau geborenen Portugiesin, verheiratet.
Laut dem Rückgabevertrag Macaus an China, das 1999 zwischen Portugal und der Volksrepublik China ratifiziert wurde, darf kein portugiesischer Staatsbürger, der minderjährige Kinder hat, und seinen festen Wohnsitz in Macau hat, zum Tode verurteilt werden. Die Höchststrafe, die laut des Rückgabevertrages, über einen Bürger Macaus verhängt werden darf, ist lebenslange Haft.
Bis heute hat sich China stets an diesen Vertrag gehalten, und die Beziehungen zwischen China und Portugal gelten seit 500 Jahren als äußerst vorbildlich. Warum die chinesische Führung sich auf einmal nicht mehr an den Vertrag von 1999 halten will, ist nicht nur der portugiesischen Regierung ein Rätsel. Nichtsdestotrotz hat der portugiesische Justizminister Alberto Costa garantiert „alles erdenkliche zu tun, um eine Hinrichtung von Lau Wat Wie zu verhindern“.
Der chinesische Botschafter in Lissabon wurde schon mehrmals ins Außenministerium zitiert, und er musste auch schon vor Portugals Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva erscheinen. Außerdem wurde der portugiesische Botschafter in Peking schon zwei Mal beim chinesischen Außenminister vorstellig.
Ich weiß nicht ob Lau Fat Wai wirklich ein Drogenhändler ist. Ich weiß nicht ob er illegal Waffen besaß. Ich kenne ihn nicht persönlich und ich weiß über sein Schicksal erst seit ein paar Wochen bescheid. Aber eines weiß ich ganz genau: es wäre falsch einen Menschen zum Tode zu verurteilen, dem seine angeklagten Taten nicht lückenlos nachgewiesen werden können. Man kann nicht jemanden zum Tode verurteilen, nur auf Grund von Indizien!
China ist das Land auf der Welt, in dem jährlich die meisten Todesstrafen vollzogen werden. Und es wäre nicht überraschend wenn Lau Fat Wai der nächste Todeskandidat wäre. Bleibt nur zu hoffen, dass die ganze Diplomatie ihre Wirkung zeigen wird und sich China einmal, wirklich endlich einmal, an die Menschenrechte halten wird!