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Montag, 28. Juli 2014

100 Jahre Erster Weltkrieg


Heute vor 100 Jahren, am 28. Juli 1914 begann mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien der Erste Weltkrieg (port.: Primeira Guerra Mundial).
Dieser Kriegserklärung folgte am 01. August die Kriegserklärung des Deutschen Kaiserreichs an Russland, am 03. August die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich und als deutsche Truppen am folgenden Tag über die belgische Grenze marschierten, erklärte daraufhin Großbritannien Deutschland den Krieg; einen Krieg von dem viele damals glaubten er würde durch schnelle Siege schon nach nur wenigen Monaten zu Ende sein.
Als das Japanische Kaiserreich, ein Verbündeter Großbritanniens, am 23. August 1914 Deutschland den Krieg erklärte, war aus einem Krieg in Europa plötzlich ein wirklich weltumspannender Krieg geworden – ein Weltkrieg!

Portugal hielt sich die erste Zeit aus dem Weltkriegsgeschehen weitestgehend heraus – jedenfalls offiziell!
Das erst 1910 republikanisch gewordene Portugal verhielt sich zuerst neutral, und nahm an den Kriegsereignissen in Europa erst einmal nicht teil, sendete aber einen Teil seiner Truppen im September 1914 nach Afrika, um dort die portugiesischen Kolonien Angola und Moçambique vor deutschen Expansionsübergriffen zu schützen.

Erst als Ende Februar 1916 Portugal auf bitten der britischen Regierung über 70 deutsche und österreichisch-ungarische Kriegs- und Handelsschiffe, die in portugiesischen Häfen Schutz gesucht hatten, beschlagnahmte, trat Portugal offiziell in die Kriegsgeschehen ein.
Am 09.März 1916 erklärte das Deutsche Kaiserreich der Republik Portugal den Krieg (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag „Deutsche Kriegserklärung an Portugal“, vom 29. Juni 2011) und Portugal trat aktiv an der Seite der Alliierten in das Kriegsgeschehen ein.

Der Verlauf des Ersten Weltkrieges ist auf allen Seiten blutig und unvorstellbar brutal gewesen.
Aber während Portugal seine Grenzen nach dem Krieg unverändert beibehalten konnte, mussten Deutschland und viele andere Länder extreme territoriale Veränderungen und das Ende ihrer Staatsformen hinnehmen.
Das hatte zur Folge, dass sich bei fast allen Kriegsverlierern linke und rechte antidemokratische Kräfte und somit u.a. nationalistische und bolschewistische Ideologien durchsetzen konnten, die den weiteren Verlauf des Jahrhunderts schwerwiegend prägten.

Man schätzt dass die Maschinerie des Ersten Weltkrieges, an dem sich zeitweise bis zu 40 verschiedene Nationen beteiligten und der bis zum 11. November 1918 wütete, etwa 17 Millionen Menschen das Leben kostete.
Auf portugiesischer Seite nahmen etwa 200.000 Soldaten teil, die in Europa an der Seite der Alliierten kämpften. Abertausende von ihnen wurden verletzt, viele schwer, und mindestens 10.000 portugiesische Soldaten, die genaue Zahl konnte niemals ermittelt werden, starben auf den Schlachtfeldern Frankreichs und Flanderns.
Jeder von ihnen hatte einen Namen, hatte eine Mutter und einen Vater, viele von ihnen sogar eine Frau und Kinder, alle hatten sie Mut und Angst und alle starben sie in einem sinnlosen Krieg und wurden dann, wenn überhaupt, in fremder Erde bestattet.

Auf dem größten portugiesischen Ehrenfriedhof des Ersten Weltkrieges, dem nordfranzösischen Soldatenfriedhof (port.: Cemitério de guerra / franz.: Cimetière militaire) von Richebourg l’Avoué sind 1.831 portugiesischen Soldaten beigesetzt.
Fast alle Gräber in Richebourg l’Avoué ziert ein weißes Kreuz mit dem Namen, Rang, Geburts- und Todestag des jeweiligen Soldaten. Aber auf 238 dieser Kreuze stehen nur die einfachen, und doch sehr einprägsamen Worte:

„Um soldado da Grande Guerra – Deus sabe seu Nome“
(dt.: „Ein Soldat des Ersten Weltkrieges – Gott weiß seinen Namen“).

Richebourg l’Avoué ist nur einer von über 100 verschiedenen Soldatenfriedhöfen in Frankreich, Flandern, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland in denen gefallene portugiesische Soldaten des Ersten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Freitag, 21. Februar 2014

Internationaler Tag der Muttersprache

A minha pátria é a língua portuguesa
(dt.: Meine Heimat ist die portugisische Sprache)

(Fernando Pessoa)


Heute ist der 21. Februar, der Internationale Tag der Muttersprache (port.: Dia Internacional da Língua Materna).
Dieser Tag wurde im Jahre 2000 von der UNESCO ausgerufen, und soll die „sprachliche und kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit“ auf der ganzen Welt fördern.
Schätzungsweise 6.000 verschiedene Sprachen gibt es auf der Welt.
Eine von ihnen ist Portugiesisch (port.: português).

Hier einpaar Fakten über die portugiesische Sprache:

In neun Ländern der Erde ist Portugiesisch die offizielle Landessprache.
Außer in Portugal wird es auch in Angola, Äquatorialguinea, Brasilien, Guinea-Bissau, den Kapverdischen Inseln, Moçambique, Ost-Timor und São Tomé und Principe gesprochen.

In der Sonderverwaltungszone Macau der Volksrepublik China (port.: Região Administrative Especial de Macau da República Popular da China) ist Portugiesisch neben Kantonesisch und Mandarin eine der offiziellen Amtssprachen.
In vielen Ländern der Welt, hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent (Uruguay, Venezuela, Bermuda), in Afrika (Südafrika, Namibia, Sambia) und in Asien (Indien, Malaysia, Sri Lanka), in denen portugiesisch nicht die Muttersprache ist, beherrschen noch heute, bedingt durch die Kolonialgeschichte Portugals und die großen Auswanderungswellen vergangener Zeiten, vielen Menschen die portugiesische Sprache.

Heute sprechen schätzungsweise 250 Millionen Menschen weltweit Portugiesisch.
Nach Mandarin (port.: mandarim), Englisch (port.: inglês), Spanisch (port.: espanhol), Hindu (port.: hindustâni) und Arabisch (árabe) steht Portugiesisch auf der Rankingliste der meistgesprochenen Sprachen der Welt auf Platz 6.
Nach Englisch und Spanisch ist es die dritthäufigste gesprochene Sprache der westlichen Welt.
Auf der südlichen Erdhalbkugel wird keine andere Sprache häufiger gesprochen wie Portugiesisch!

Nach Schätzungen der UNESCO ist Portugiesisch, nach Englisch, die europäische Sprache mit dem größten Zuwachs.
Wissenschaftler gehen davon aus, das ihm Jahre 2050 etwa 340 Millionen Menschen weltweit die portugiesische Sprache sprechen werden.

Wann werden sie, werte Leserin und werter Leser dieses Blogs, ihren Portugiesischkurs beginnen?

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Ich würde mich schämen!


Ich hatte mir fest vorgenommen, jetzt zu Weihnachten, keinen politischen und ärgerlichen Beitrag hier in meinem Blog zu veröffentlichen.
Schließlich haben wir ja die Vorweihnachtszeit, also die Zeit des Friedens, der Harmonie und der Besinnung.
Doch heute, beim Aufschlagen der Tageszeitung „Publico“, wurde mir klar, dass ich dieses Vorhaben nicht würde einhalten können!

Gestern hat Premierminister Pedro Passos Coelho arbeitslose Lehrer, von denen es hier in Portugal leider mehr als genug gibt, dazu ermuntert, doch ihr berufliches Glück in portugiesischsprachigen Ländern, wie Brasilien und Angola, wo es einen regelrechten Lehrermangel gibt, zu versuchen.

Nun, wenn Pedro Passos Coelho meint, so den momentanen landesweiten Lehrerüberschuss in den Griff zu bekommen, habe ich nichts dagegen einzuwenden – schließlich ist ja jeder seines Glückes Schmied…

Wogegen ich allerdings etwas einzuwenden habe, sind die Äußerungen des Europaabgeordneten Paulo Rangel, einem Parteifreund von Pedro Passos Coehlo, der heute doch tatsächlich meinte, demnächst sollten hier in Portugal nationale Auswanderungsagenturen gegründet werden, die ausreisewillige und arbeitslose Jugendliche unterstützen sollen, außerhalb Portugals Arbeit zu finden.

Mit anderen Worten:
Wer jung und arbeitslos ist, der soll ruhig das Land verlassen und sehen, wie er auf Kosten anderer zu Recht kommt.
Und der portugiesische Staat unterstützt ihn dabei mit so genannten Auswanderungsagenturen tatkräftig!

Sollte und kann ein Politiker, mit ruhigem Gewissen, seinen Bürgern so etwas vorschlagen?
Sollte ein Politiker nicht versuchen die Jugend im Land zu behalten, anstatt sie dazu aufzumuntern auszuwandern?
Sollte ein Politiker nicht dafür sorgen, genug Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen, damit Jugendliche es erst gar nicht nötig haben zu emigrieren?
Sollte ein Politiker nicht in erster Linie an sein Volk und dessen Glück und Zufriedenheit denken?
Sollte ein Politiker nicht die Emigration als letzten, wirklich allerletzten, Ausweg sehen?
Und sollte ein Politiker Jugendlichen nicht Perspektiven und gute Zukunftsaussichten schenken, anstatt ihn außer Landes zu locken?

Wenn ich den gestrigen Vorschlag von Premierminister Pedro Passos Coelho unverschämt fand, so muss ich ehrlich sagen, das ich den heutigen Vorschlag von Paulo Rangel skandalös finde.

Ich würde mich schämen, oder wie der Portugiese so schön sagt „Tingia a minha cara de merda…“, mit solchen Äußerungen, wie sie Pedro Passos Coelho und Paulo Rangel in den letzten zwei Tagen geäußert haben, zu versuchen meine Unfähigkeit in der Arbeits- und Sozialpolitik zu rechtfertigen.
Ich würde mich wirklich schämen!

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Ursprüngliche Namen portugiesischer Kolonialstädte in Afrika


Vor einiger Zeit hatte ich ein „Streitgespräch“ mit meinen Kollegen Vania und Miguel.
Beide behaupteten sie eisern, das die heutige angolanische Hauptstadt Luanda früher Nova Lisboa (dt.: Neu-Lissabon) hieß.
Ich verneinte dies, und meinte, dass das frühere Nova Lisboa heute Huambo heißt.
Nach einem kurzen Blick ins Internet mussten Vania und Miguel sich schweren Herzens eingestehen, das ich Recht hatte.

Bei der Gelegenheit haben wir dann versucht, den einen oder anderen alten Städtenamen, den wir noch aus dem portugiesischen Geographieunterricht kennen, seine heutige nachkoloniale Bezeichnung zu geben.

So hieß das heutige Luanda z.B., zur Kolonialzeit, São Paulo da Assunção.
Die Hauptstadt von Moçambique, das frühere Lourenço Marques, heißt heute Maputo und die Stadt Vila Salazar, ebenfalls in Moçambique gelegen und wo ein Teil meiner Familie früher lebte, heißt heute Matola.
Das war, im Großen und Ganzen, unser aktueller Wissensstand über die Namen der ehemaligen Kolonialstädte.

Tatsache ist, dass heute nur noch ganz wenige Portugiesen die früheren Namen der Städte in den ehemaligen Überseegebieten in Afrika kennen – außer sie haben in den ehemaligen portugiesischen Kolonialgebieten gelebt.

Anbei nun eine Liste früherer Namen portugiesischer Kolonialstädte in Angola, Moçambique und Guinea-Bissau und wie sie heute nachkolonial heißen:


Angola

• São Paulo da Assunção – Luanda
• Nova Lisboa – Huambo
• São Filipe de Benguela – Benguela
• São Salvador do Congo – M'Banza Kongo
• Serpa Pinto – Menongue
• Silva Porto – Kuito
• Moçâmedes – Namibe
• Sá da Bandeira – Lubango
• Forte República – Massango
• Forte Roçadas – Xangongo
• Vila de Aljustrel – Cangamba
• Ambrisete – N'Zeto
• Andrada – Nzagi
• Arriaga – Bibala
• Asseiceira – Catumbela
• Vila do Buçaco – Camanongue
• Duque de Bragança – Calandula
• Gabela – Amboim
• Gago Coutinho – Lumbala Nguimbo
• General Machado – Camacupa
• Henrique de Carvalho – Saurimo
• João de Almeida – Chibia
• Luso – Luena
• Carmona – Uíje Negage
• Mariano Machado – Ganda
• Neves Ferreira – Cuemba
• Nova Chaves – Muconda
• Nova Gaia – Cambundi-Catembo
• Novo Redondo – Sumbe
• Nova Sintra – Catabola
• Vila da Ponte – Kuvango
• Porto Alexandre – Tômbua
• Pereira d'Eça – N´Giva
• Quilombo dos Dembos – Gonguembo
• Vila Robert Williams – Caála
• Salazar – N'Dalatando
• Vila de Santa Clara – Ombadja
• Vila de Santa Comba Dão – Waku Kungo
• Santo António do Zaire – Soyo
• Vila Teixeira da Silva – Bailundo
• Vila Teixeira de Sousa – Luau
• Veríssimo Sarmento – Camissombo
• Vila Flor – Ekunha
• Vila Nova do Seles – Uku


Guinea-Bissau

• Nova Lamego – Gabú
• Teixeira Pinto – Canchungo


Moçambique

• Lourenço Marques – Maputo
• Cidade de João Belo – Xai-Xai
• Fernão Veloso – Nacala
• Nova Coimbra - Niassa
• António Enes – Angoche
• Cabral – Lichinga
• Coutinho – Ulongué
• Vila de Gouveia – Catandica
• Novo Freixo – Cuamba
• Vila Pery – Chimoio
• Porto Amélia – Pemba
• Vila Salazar – Matola
• Santiago Maior – Tete
• Trigo de Morais – Chókwè

Samstag, 4. Dezember 2010

Immigration ist ein Teil der portugiesischen Geschichte


Wir Portugiesen sind schon immer gerne in der Weltgeschichte herumgesegelt und haben auch seit jeher unser Glück in anderen Teilen der Welt gesucht.
Immigration (port.: emigração) ist seit den Tagen der Entdeckungen ein Fakt und Teil unserer Geschichte.
Überall haben Portugiesen, über die Jahrhunderte hinweg, ihr kulturelles Erbe hinterlassen, sei es in der Architektur, in der Gastronomie, der Folklore, den künstlerischen Manifestationen und den Volksfesten.
Und diese Geschichte der Immigration wiederholt sich alle paar Jahrzehnte - immer wieder.

Nach einer Nachricht der Tageszeitung „Diário de Noticias“, vom gestrigen Tag, sind in den letzten Zehn Jahren an die 700.000 Portugiesen immigriert.
Um genau zu sein, waren es 697.962 Menschen, die die dritte Auswanderungswelle der letzten Hundert Jahre hier in Portugal, auslösten.

Seit gut 10 Jahren verlassen ca. 70.000 meiner Landsleute jedes Jahr Portugal, um in Ländern wie Großbritannien, Spanien, Schweiz und sogar Angola, eine neue Heimat zu finden, darunter sind 13% der Hochschulabgänger des Landes.
Im Gegensatz zu den ersten zwei Auswanderungswellen, verlassen heute zunehmend hoch qualifizierte und technisch begabte Arbeitskräfte das Land.

Die erste Auswandererwelle, die von 1910 bis 1930 andauerte, führte die Portugiesen vor allem nach Brasilien und anderen Ländern in Übersee, wie etwa Venezuela und Kanada.
Es war die Armut, die Arbeitslosigkeit und der Hunger, die vor allem junge Männer, die meisten von ihnen Analphabeten, damals Zwang, die Kontinente zu wechseln.
Man schätzt heute, dass etwa 2.500.000 Portugiesen damals ihren Weg über den Atlantik fanden.

Die zweite Auswandererwelle war von 1960 bis 1974, während der Salazardiktatur.
Damals gingen schätzungsweise 1.300.000 Portugiesen außer Landes, einige von ihnen in die Schweiz, Holland, Belgien, Luxemburg und auch nach Deutschland, so wie mein Vater.
Aber vor allen Dingen zog es die Menschen damals nach Frankreich und seine Hauptstadt Paris.
Paris war, über Jahre hinweg, die zweitgrößte Stadt Portugals!
Viele verließen damals Portugal aus wirtschaftlichen Gründen, aber viele auch, aus politischen Gründen.

Die dritte Auswanderungswelle findet, wie schon erwähnt, gerade statt.
Hunderttausende verlassen das Land in Zeiten der Krise.
Viele, vor allem die jüngeren, sehen gar keine andere Auswahl, als auszuwandern.
Wenn sich nicht bald etwas grundlegendes hier in Portugal ändert, und wir die miserable wirtschaftliche Lage nicht überwinden können, dann wird sich dieser Exodus wohl leider noch über Jahre hinziehen!

Nicht das wir das nicht überleben würden, denn wie ich schon bereits erwähnte, ist die Immigration ein Teil der portugiesischen Geschichte.
Aber jede Regierung sollte sich schämen, wenn heutzutage junge Portugiesen aus Not gezwungen werden in England Truthähnen den Hals durchzuschneiden oder in der Schweiz die Straßen zu kehren.
Das dürfte es im 21. Jahrhundert gar nicht mehr geben!

Samstag, 11. Juli 2009

Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums






Portugal sind die kriegerischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges (1939-1945), Gott sei Dank, erspart geblieben. Durch seine Neutralität, schaffte es der Diktator António de Oliveira Salazar, Portugal aus den blutigen Gemetzel Hitlers, Mussolinis und Francos herauszuhalten.

Was Salazar allerdings nicht verhindern konnte, waren die Überseekriege (Guerras do Ultramar) die von 1961 bis 1973 stattfanden und die im Ausland abschätzig Kolonialkriege (Guerras Coloniais) genannt wurden.
Da es offiziell in Portugal keine Kolonien gab, sondern nur Überseeprovinzen, konnte es sich bei diesen kriegerischen Auseinandersetzungen, so die portugiesische Auffassung, auch nicht um Kolonialkriege handeln, sondern um Überseekriege.
Ohne Zweifel sind die Überseekriege, oder Kolonialkriege, wie auch immer man sie nennen mag, das dunkelste Kapitel der neueren portugiesischen Geschichte.

Zu den Überseekriegen muss als erstes angemerkt werden, das Portugal kein Krieg gegen die Bevölkerungen von Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea geführt hat, sondern gegen einzelne Guerillagruppen, die ideologisch vollkommen eine andere Richtung einschlugen als die portugiesische Zentralregierung. Die Mehrheit der Bevölkerungen dieser Überseeprovinzen war mit der portugiesischen Herrschaft und ihrem Verwaltungssystem vollkommen einverstanden!

Während Portugal, seit 1949 ein Gründungsmitglied der NATO, politisch völlig westlich orientiert war, waren die Guerillakrieger, mit denen sich die portugiesischen Truppen rumschlagen mussten, alle kommunistisch-marxistisch eingestellt, und wurden als solche auch von der damaligen Sowjetunion unterstützt.
Da diese Gruppen auch eine Unabhängigkeit von Portugal erreichen wollten, wurden sie paradoxer Weise auch von dem NATO-Partner Portugals, den USA, politisch und militärisch unterstützt, denn die USA wollten auf keinen Fall die afrikanischen Länder dem Einfluss der Sowjets überlassen. Besonders der amerikanische Präsident J.F. Kennedy erwies sich als Verräter an der portugiesich-amerikanischen Politik.

So wurde Portugal gezwungen ab 1961 einen Dreifrontenkrieg in Afrika zu führen.
In Angola gegen die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola = Volksbefreiungsarmee Angolas).
In Moçambique gegen die FRELIMO (Frente da Libertação de Moçambique = Befreiungsfront von Moçambique).
Und in Guinea gegen die PAIGC (Partido Africano da Independencia da Guiné e de Cabo Verde = Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea und Kapverde).

Der Krieg in Angola und Moçambique war alsbald für die Portugiesen entschieden. Denn obwohl es sich bei diesen zwei Überseegebieten um riesige Territorien handelte, so waren es Gebiete der offenen Savannen und mit wenig Bevölkerung, und so leicht militärisch zu bezwingen.
In Portugiesisch Guinea allerdings, hatten die Portugiesen es wesentlich schwerer, da das ganze Territorium hauptsächlich aus dichtem Urwald bestand und die Bevölkerungsdichte sehr hoch war. Guiné wurde, so kann man heute sagen, zu Portugals Vietnam.

Die portugiesische Regierung führte, trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die Politik des „Lusotropicalismo“ weiterhin fort.
Mit Lusotropikalismus war das „Portugiesieren“ der Schwarzafrikaner in den Überseegebieten gemeint.
Den Schwarzen war es demnach gestattet, alle hohen Positionen in Militär, Verwaltung, Schul- und Gesundheitswesen einzunehmen, so wie den Weißen auch. Mischehen waren nicht nur zugelassen, sondern wurden gefördert. Studieren wurde den Schwarzen genauso erlaubt wie den Weißen. Die Portugiesen gründeten in den 60er Jahren zwei staatliche Universitäten in den Überseegebieten, eine in Angola und eine in Moçambique. Zum Vergleich: In Portugal gab es zur selben Zeit nur 4 staatliche Universitäten! Durch den Lusotropikalismus waren die Schwarzafrikaner gleichberechtigte Bürger Portugals.

Die Überseekriege waren, im Nachhinein gesehen, unnötige, blutige, kriegerische Auseinandersetzungen, die mit ein wenig politischem Feingefühl, verhindert hätten werden können. Man hätte z.B. die Überseegebiete in die Unabhängigkeit entlassen können, sie aber an einen losen Staatenbund mit Portugal anbinden können, so wie es das britische Empire mit seinen Kolonien und dem Commonwealth getan hat.
Viele junge portugiesische Soldaten fanden in Afrika den Tod. Ebenso viele Zivilisten, die zwischen die Fronten gerieten. Jede portugiesische Familie hatte mindestens einen Sohn oder einen Vater der in Afrika kämpfte. Viele Familien mussten Gefallene, und später auch Flüchtling beklagen.

Ich selber hatte drei Onkel die in Afrika gekämpft haben und Großtanten und Großonkel, die fluchtartig aus Moçambique fliehen mussten, weil marodierende Guerillagruppen zum Ende des Krieges hin, durch die Straßen der Hauptstadt Lourenço Marques wandalisierten und jeden erschossen, der eine weiße Hautfarbe hatte.

Am traurigsten aber ist es, das Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea nach dem Krieg mit Portugal keinen Frieden gefunden haben. Im Gegenteil!
Nach der Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1975, verwickelten sich diese Länder für Jahrzehnte in blutige, grausame Bürgerkriege, in denen, statistisch gesehen, 30 Mal so viele Schwarze umkamen, als zuvor in den Überseekriegen mit Portugal.

Noch heute hat Portugal mit den negativen Auswirkungen dieser vergangenen Kriege zu kämpfen.

Montag, 22. Juni 2009

Eine Reise quer durch Afrika


Wer mich kennt, weiß dass ich für mein Leben gerne lese.
Vor allem Biographien, Reiseberichte und Erzählungen aus vergangenen Zeiten interessieren mich.

Mit großer Begeisterung lese ich im Augenblick das Buch „De Angola à Contracosta“ (ich würde es mit „Von Angola bis zur Gegenküste“ übersetzen), geschrieben von den Naturforschern Hermenegildo Capelo und Roberto Ivens.

Bei Hermenegildo Capelo, der von 1841 bis 1917 lebte, und bei Roberto Ivens, der von 1850 bis 1898 lebte, handelt es sich um zwei Marineoffiziere der portugiesischen Marine, die in einer abenteuerlichen Expedition, von 1883 bis 1884, den afrikanischen Kontinent von dem Ort Moçamedes in Angola bis zu der Stadt Quelimane in Moçambique, durchforschten und erkundeten.

Im Namen des Königs waren Capelo und Ivens insgesamt 14 Monate unterwegs. Von der afrikanischen Westküste bis zur Ostküste legten sie eine Strecke von über 4500 km zurück. Und von den 124 Männern die am Anfang der Expedition dabei waren, kamen nur 56 am Zielort an. 68 von ihnen fanden unterwegs den Tod.

In ihrem Reisebericht, erzählen sie detailliert von ihren Abenteuern und den vielen wilden Tieren, kriegerischen Naturvölkern und exotischen Pflanzen denen sie in Afrika begegnen.

Ich weiß nicht ob es eine deutsche Übersetzung dieses Reiseberichtes gibt.
Aber wenn ja, dann kann ich jedem nur das lesen dieses Buchs wärmstens ans Herz legen.
Er ist eine Bereicherung für jeden der gerne über fremde Völker und exotische Tiere liest.
Und dieser reale Reisebericht, aus einem vergangenen Jahrhundert, kann es ohne weiteres mit jedem Abenteuerroman von heute aufnehmen.