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Sonntag, 1. Dezember 2013

Der 01. Dezember – ein Feiertag für die Ewigkeit


Heute ist der 01. Dezember 2013.
Über mehr als 150 Jahre hinweg war der 01. Dezember der älteste politische Feiertag Portugals, bis er letztes Jahr, 2012, als solches abgeschafft wurde.
Dieser symbolträchtige Festtag wurde von der Monarchie Mitte des 18. Jahrhunderts als nationaler Feiertag eingeführt. Er hat dann die republikanische Revolution von 1910 überlebt, hat die knapp 50jährige faschistische Diktatur von Salazar überstanden und auch die Nelkenrevolution von 1974 überdauert.
Doch das 21. Jahrhundert, und die Krisenpolitik der letzten Jahre, hat er leider nicht überlebt.

Der erste Tag im Dezember, der hierzulande „Dia da Restauração da Independência“ genannt wird, erinnert uns Portugiesen an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Portugals von Spanien im Jahre 1640.
Damals hatten sich, nach einer 60jährigen kastilischen Herrschaft über Portugal, einige portugiesische „Verschwörer“ (port.: conjurados) erfolgreich gegen die spanischen Machthaber erhoben, den achten Herzog von Bragança als João IV auf den Thron gebracht und somit die Unabhängigkeit Portugals wiedererlangt (lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Die Verschwörer“, vom 15. Dezember 2011).

Ich persönlich bin ja der Meinung, man hätte, anstatt den Feiertag abzuschaffen, diesen Verschwörern ein Denkmal setzen sollen – jedem von ihnen!
Jeder von ihnen hätte für seinen Mut, seine Tapferkeit und seine Freiheitsliebe zweifellos solch ein Denkmal verdient; denn diesen Männer und dem 01. Dezember 1640 haben wir es zu verdanken, dass Portugal heute überhaupt als Nation existiert!

Ob nun Feiertag oder nicht – der 01. Dezember wird für uns Portugiesen immer der Tag sein, an dem wir die Souveränität als freie und unabhängiges Nation symbolisch feiern werden!
Und daran wird auch eine aktuelle politische (Finanz)Krise und ein Troika-Diktat nichts ändern!

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Bye-bye 01. Dezember


Ständige Finanzkrise, einschneidender Staatshaushalt, krankes Gesundheitswesen, ein wenig Fußball, fehlende Sicherheit, mangelnde Justiz, drohende Streiks, noch ein bisschen Fußball, mieses Weihnachtsgeschäft, wachsende Armut, unzufriedene Bürger, schlechte Wettervorhersagen und noch mehr Fußball – dies sind die nationalen Themen, die die Nachrichtensendungen hier in Portugal heute während des ganzen Tages zum besten gaben.

Über den 01. Dezember, der an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit (port.: Restauração da Independência) Portugals von Spanien erinnert und der hierzulande schon Anfang des 19. Jahrhunderts ein gesetzlicher Nationalfeiertag war, fallen in den Medien nur ein paar Worte.

Und diese paar Worte fallen auch nur, weil wir dieses Jahr hier in Portugal wohl zum letzten Mal den „Dia da Restauração“ feiern werden.
Er gehört nämlich, nebst Fronleichnam (port.: Corpo de Deus), Mariä Himmelfahrt (port.: Assunção de Maria) und dem 05. Oktober, dem Tag der Republik (port.: Dia da República), zu den vier Feiertagen, die bald abgeschafft werden sollen.

Dabei wäre dieser symbolträchtige Feiertag, der auf das mutige Handeln von 40 Verschwörern (port.: conjurados) im Jahre 1640 zurückgeht und der wie kaum ein anderer für Unabhängigkeit, Freiheit und Widerstand steht, für uns Portugiesen auch zukünftig so wichtig gewesen.

Aber es ist wohl ganz im Sinne der heutigen Politik, dass wir hier in Portugal nicht mehr all diesen, ehemals so wichtigen, nationalen Werten und Zielen nachstreben!

Bye-bye 01. Dezember!

Samstag, 11. Juli 2009

Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums






Portugal sind die kriegerischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges (1939-1945), Gott sei Dank, erspart geblieben. Durch seine Neutralität, schaffte es der Diktator António de Oliveira Salazar, Portugal aus den blutigen Gemetzel Hitlers, Mussolinis und Francos herauszuhalten.

Was Salazar allerdings nicht verhindern konnte, waren die Überseekriege (Guerras do Ultramar) die von 1961 bis 1973 stattfanden und die im Ausland abschätzig Kolonialkriege (Guerras Coloniais) genannt wurden.
Da es offiziell in Portugal keine Kolonien gab, sondern nur Überseeprovinzen, konnte es sich bei diesen kriegerischen Auseinandersetzungen, so die portugiesische Auffassung, auch nicht um Kolonialkriege handeln, sondern um Überseekriege.
Ohne Zweifel sind die Überseekriege, oder Kolonialkriege, wie auch immer man sie nennen mag, das dunkelste Kapitel der neueren portugiesischen Geschichte.

Zu den Überseekriegen muss als erstes angemerkt werden, das Portugal kein Krieg gegen die Bevölkerungen von Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea geführt hat, sondern gegen einzelne Guerillagruppen, die ideologisch vollkommen eine andere Richtung einschlugen als die portugiesische Zentralregierung. Die Mehrheit der Bevölkerungen dieser Überseeprovinzen war mit der portugiesischen Herrschaft und ihrem Verwaltungssystem vollkommen einverstanden!

Während Portugal, seit 1949 ein Gründungsmitglied der NATO, politisch völlig westlich orientiert war, waren die Guerillakrieger, mit denen sich die portugiesischen Truppen rumschlagen mussten, alle kommunistisch-marxistisch eingestellt, und wurden als solche auch von der damaligen Sowjetunion unterstützt.
Da diese Gruppen auch eine Unabhängigkeit von Portugal erreichen wollten, wurden sie paradoxer Weise auch von dem NATO-Partner Portugals, den USA, politisch und militärisch unterstützt, denn die USA wollten auf keinen Fall die afrikanischen Länder dem Einfluss der Sowjets überlassen. Besonders der amerikanische Präsident J.F. Kennedy erwies sich als Verräter an der portugiesich-amerikanischen Politik.

So wurde Portugal gezwungen ab 1961 einen Dreifrontenkrieg in Afrika zu führen.
In Angola gegen die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola = Volksbefreiungsarmee Angolas).
In Moçambique gegen die FRELIMO (Frente da Libertação de Moçambique = Befreiungsfront von Moçambique).
Und in Guinea gegen die PAIGC (Partido Africano da Independencia da Guiné e de Cabo Verde = Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea und Kapverde).

Der Krieg in Angola und Moçambique war alsbald für die Portugiesen entschieden. Denn obwohl es sich bei diesen zwei Überseegebieten um riesige Territorien handelte, so waren es Gebiete der offenen Savannen und mit wenig Bevölkerung, und so leicht militärisch zu bezwingen.
In Portugiesisch Guinea allerdings, hatten die Portugiesen es wesentlich schwerer, da das ganze Territorium hauptsächlich aus dichtem Urwald bestand und die Bevölkerungsdichte sehr hoch war. Guiné wurde, so kann man heute sagen, zu Portugals Vietnam.

Die portugiesische Regierung führte, trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die Politik des „Lusotropicalismo“ weiterhin fort.
Mit Lusotropikalismus war das „Portugiesieren“ der Schwarzafrikaner in den Überseegebieten gemeint.
Den Schwarzen war es demnach gestattet, alle hohen Positionen in Militär, Verwaltung, Schul- und Gesundheitswesen einzunehmen, so wie den Weißen auch. Mischehen waren nicht nur zugelassen, sondern wurden gefördert. Studieren wurde den Schwarzen genauso erlaubt wie den Weißen. Die Portugiesen gründeten in den 60er Jahren zwei staatliche Universitäten in den Überseegebieten, eine in Angola und eine in Moçambique. Zum Vergleich: In Portugal gab es zur selben Zeit nur 4 staatliche Universitäten! Durch den Lusotropikalismus waren die Schwarzafrikaner gleichberechtigte Bürger Portugals.

Die Überseekriege waren, im Nachhinein gesehen, unnötige, blutige, kriegerische Auseinandersetzungen, die mit ein wenig politischem Feingefühl, verhindert hätten werden können. Man hätte z.B. die Überseegebiete in die Unabhängigkeit entlassen können, sie aber an einen losen Staatenbund mit Portugal anbinden können, so wie es das britische Empire mit seinen Kolonien und dem Commonwealth getan hat.
Viele junge portugiesische Soldaten fanden in Afrika den Tod. Ebenso viele Zivilisten, die zwischen die Fronten gerieten. Jede portugiesische Familie hatte mindestens einen Sohn oder einen Vater der in Afrika kämpfte. Viele Familien mussten Gefallene, und später auch Flüchtling beklagen.

Ich selber hatte drei Onkel die in Afrika gekämpft haben und Großtanten und Großonkel, die fluchtartig aus Moçambique fliehen mussten, weil marodierende Guerillagruppen zum Ende des Krieges hin, durch die Straßen der Hauptstadt Lourenço Marques wandalisierten und jeden erschossen, der eine weiße Hautfarbe hatte.

Am traurigsten aber ist es, das Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea nach dem Krieg mit Portugal keinen Frieden gefunden haben. Im Gegenteil!
Nach der Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1975, verwickelten sich diese Länder für Jahrzehnte in blutige, grausame Bürgerkriege, in denen, statistisch gesehen, 30 Mal so viele Schwarze umkamen, als zuvor in den Überseekriegen mit Portugal.

Noch heute hat Portugal mit den negativen Auswirkungen dieser vergangenen Kriege zu kämpfen.