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Montag, 28. Juli 2014

100 Jahre Erster Weltkrieg


Heute vor 100 Jahren, am 28. Juli 1914 begann mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien der Erste Weltkrieg (port.: Primeira Guerra Mundial).
Dieser Kriegserklärung folgte am 01. August die Kriegserklärung des Deutschen Kaiserreichs an Russland, am 03. August die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich und als deutsche Truppen am folgenden Tag über die belgische Grenze marschierten, erklärte daraufhin Großbritannien Deutschland den Krieg; einen Krieg von dem viele damals glaubten er würde durch schnelle Siege schon nach nur wenigen Monaten zu Ende sein.
Als das Japanische Kaiserreich, ein Verbündeter Großbritanniens, am 23. August 1914 Deutschland den Krieg erklärte, war aus einem Krieg in Europa plötzlich ein wirklich weltumspannender Krieg geworden – ein Weltkrieg!

Portugal hielt sich die erste Zeit aus dem Weltkriegsgeschehen weitestgehend heraus – jedenfalls offiziell!
Das erst 1910 republikanisch gewordene Portugal verhielt sich zuerst neutral, und nahm an den Kriegsereignissen in Europa erst einmal nicht teil, sendete aber einen Teil seiner Truppen im September 1914 nach Afrika, um dort die portugiesischen Kolonien Angola und Moçambique vor deutschen Expansionsübergriffen zu schützen.

Erst als Ende Februar 1916 Portugal auf bitten der britischen Regierung über 70 deutsche und österreichisch-ungarische Kriegs- und Handelsschiffe, die in portugiesischen Häfen Schutz gesucht hatten, beschlagnahmte, trat Portugal offiziell in die Kriegsgeschehen ein.
Am 09.März 1916 erklärte das Deutsche Kaiserreich der Republik Portugal den Krieg (lesen sie bitte hierzu auch meinen Blogeintrag „Deutsche Kriegserklärung an Portugal“, vom 29. Juni 2011) und Portugal trat aktiv an der Seite der Alliierten in das Kriegsgeschehen ein.

Der Verlauf des Ersten Weltkrieges ist auf allen Seiten blutig und unvorstellbar brutal gewesen.
Aber während Portugal seine Grenzen nach dem Krieg unverändert beibehalten konnte, mussten Deutschland und viele andere Länder extreme territoriale Veränderungen und das Ende ihrer Staatsformen hinnehmen.
Das hatte zur Folge, dass sich bei fast allen Kriegsverlierern linke und rechte antidemokratische Kräfte und somit u.a. nationalistische und bolschewistische Ideologien durchsetzen konnten, die den weiteren Verlauf des Jahrhunderts schwerwiegend prägten.

Man schätzt dass die Maschinerie des Ersten Weltkrieges, an dem sich zeitweise bis zu 40 verschiedene Nationen beteiligten und der bis zum 11. November 1918 wütete, etwa 17 Millionen Menschen das Leben kostete.
Auf portugiesischer Seite nahmen etwa 200.000 Soldaten teil, die in Europa an der Seite der Alliierten kämpften. Abertausende von ihnen wurden verletzt, viele schwer, und mindestens 10.000 portugiesische Soldaten, die genaue Zahl konnte niemals ermittelt werden, starben auf den Schlachtfeldern Frankreichs und Flanderns.
Jeder von ihnen hatte einen Namen, hatte eine Mutter und einen Vater, viele von ihnen sogar eine Frau und Kinder, alle hatten sie Mut und Angst und alle starben sie in einem sinnlosen Krieg und wurden dann, wenn überhaupt, in fremder Erde bestattet.

Auf dem größten portugiesischen Ehrenfriedhof des Ersten Weltkrieges, dem nordfranzösischen Soldatenfriedhof (port.: Cemitério de guerra / franz.: Cimetière militaire) von Richebourg l’Avoué sind 1.831 portugiesischen Soldaten beigesetzt.
Fast alle Gräber in Richebourg l’Avoué ziert ein weißes Kreuz mit dem Namen, Rang, Geburts- und Todestag des jeweiligen Soldaten. Aber auf 238 dieser Kreuze stehen nur die einfachen, und doch sehr einprägsamen Worte:

„Um soldado da Grande Guerra – Deus sabe seu Nome“
(dt.: „Ein Soldat des Ersten Weltkrieges – Gott weiß seinen Namen“).

Richebourg l’Avoué ist nur einer von über 100 verschiedenen Soldatenfriedhöfen in Frankreich, Flandern, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland in denen gefallene portugiesische Soldaten des Ersten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Sonntag, 5. Januar 2014

In memoriam: Eusébio da Silva Ferreira


Es gibt Meldungen, die hört man, und die glaubt man zuerst nicht.
Todesnachrichten sind z.B. solche Meldungen!
Zwar gehört der Tod zu unserem Alltag, auch wenn viele es nicht begreifen können, und natürlich muss man immer mit dem Tod rechnen, ob wir wollen oder nicht, aber Tatsache ist, das das Ableben eines Menschen uns oftmals „überrascht“ und „überfällt“.

Als ich heute Morgen aufwachte und den Fernseher anmachte wurde ich von solch einer Todesmeldung überrascht, und ja, auch regelrecht überfallen.
Während ich mir einen Kaffee machte, hörte ich wie die Nachrichtensprecherin im Hintergrund so was wie „Eusébio – tot – Trauer“ von sich gab.
Da ich gestern erst recht spät aus Deutschland zurückgekommen bin, und da ich von Natur aus, nicht gerade ein Frühaufsteher bin, ich also noch etwas verschlafen war, musste ich erst einmal mental verarbeiten, was die Dame von der Nachrichtensendung da gerade gesagt hatte.
Und erst nach einer Weile begriff ich, das Eusébio, die Fußballlegende Eusébio, in den frühen Morgenstunden des heutigen 05. Januar 2014 an einem Herzstillstand verstorben ist.

Eusébio da Silva Ferreira, wie das Fußballidol mit vollem Namen hieß, wurde um den 25. Januar 1942 herum, in der Hauptstadt der ehemaligen portugiesischen Überseeprovinz Moçambique, in Lourenço Marques, dem heutigen Maputo, geboren.
Sein exakter Geburtstag kann nicht angegeben werden, da die portugiesischen Kolonialverwaltungen es damals, im Gegensatz zu den deutschen Kolonialregierungen, mit einer genauen Erfassung der Geburten und Todesfällen im Einzelnen nicht so genau nahm.
Da aber Eusébio selber immer am 25. Januar seinen Geburtstag feierte, gilt dieser Tag offiziell auch als sein Geburtstag.

Eusébio war das vierte Kind des weißen Bahnarbeiters Laurindo António da Silva Ferreira und dessen farbiger Ehefrau Anissabeni Elisa.
Insgesamt hatte das Paar, das in sehr ärmlichen Verhältnissen lebte, neun Kinder.

Seine sportliche Laufbahn begann Eusébio 1957, als er als 15jähriger dem Fußballclub Sporting Club Lourenço Marques beitrat.
In diesem Verein wurde ihm, dem Naturtalent der als kleines Kind oftmals die Schule geschwänzt hatte um Fußball spielen zu gehen, der letzte Schliff gegeben – und zwar so erfolgreich, das er, obwohl er eigentlich in der Jugendmannschaft spielte, ab und zu auch bei den Senioren eingesetzt wurde!

1960 wurde Benfica Lissabon auf den talentierten jungen Spieler aufmerksam und nahm ihn 1961 unter Vertrag.
Und so kam es, dass der Junge aus dem Elendsviertel von Lourenço Marques nach Portugal kam.
Hier begann seine unvergleichliche sportliche Karriere.
Mit seinem Verein Benfica Lissabon wurde er zehn Mal portugiesischer Fußballmeister, fünf Mal Pokalsieger und einmal Europapokalsieger der Landesmeister.
Insgesamt lief er in 15 Jahren 440 Mal für Benfica Lissabon auf und schoss 474 Tore – das ist bis heute Rekord!
Benfica dankte es ihm später mit der Errichtung einer zwei Meter hohen Bronzestatue vor dem riesigen Estadio da Luz.

Zehn Mal war Eusébio Torschützenkönig der portugiesischen Liga.
64 Mal zog er das Trikot der portugiesischen „Seleção“ an und erzielte 41 Länderspieltore.
Bei der Fußballweltmeisterschaft 1966 in England, wo er Torschützenkönig wurde, schoss er mit seinen neun Toren Portugal auf den dritten Platz, hinter England und Deutschland.
Hier in England verpasste der englische Sportjournalist Desmond Hackett Eusébio, wegen seiner geschmeidigen, raubkatzenartigen Spielweise, den Beinamen „Black panther“ (port.: „Pantera negra“ / „Schwarzer Panther“), einen Beinamen den Eusébio fortan mit Stolz trug.
Er war vor allem für seine Schnelligkeit auf dem Platz, für seine psychische und physische Stärke und seinen starken und fast immer treffsicheren Schuss bekannt.
1965 wurde Eusébio Europas Fußballer des Jahres.

1975 beendete Eusébio seine Zeit bei Benfica.
Von Benfica Lissabon wechselte er in die nordamerikanische Liga NASL (engl.: North American Soccer Leage) und spielte dort bei verschiedenen Clubs, wie den Boston Minutemen und den Toronto Metros-Croatia.
1979 beendete Eusébio, aufgrund chronischer Kniebeschwerden seine spielerische Kariere, blieb aber dem Fußball, u. a. durch die Nachwuchsförderung bei Benfica Lissabon, immer verbunden.

Mit dem Tod Eusébios hat Portugal heute eines seiner größten Sportidole verloren.
Er, und nicht etwa der Weltstar Cristiano Ronaldo – ohne dessen Leistungen schmälern zu wollen – ist Portugals größter Sportheld!
Welchen Stellenwert Eusébio hier in Portugal auch knapp 35 Jahre nach Beendung seiner Profikarriere immer noch besitzt, zeigt sich unter anderem daran, dass die Regierung heute eine dreitägige nationale Staatstrauer ausgerufen hat.

Eusébio war schon zu Lebzeiten eine Legende, eine Legende, die galaktischen Fußball spielte und die keinerlei Starallüren besaß.
Und das hat man leider sehr, sehr selten!

Montag, 9. April 2012

Abschied von Cahora Bassa


Der portugiesische Premierminister Pedro Passos Coelho und der Präsident der ostafrikanischen Republik Moçambique, Armando Guebuza, haben heute in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo (port.: Lourenço Marques) einen Vertrag unterzeichnet, nachdem der gewaltige Cahora Bassa-Staudamm nun endgültig in mosambikanische Hände übergegangen ist.
Portugal verpflichtet sich in diesem Vertrag die letzten 15% der Anteile, die es noch an der Betreibergesellschaft „Hidroélectrica de Cahora Bassa“ (dt.: Wasserkraftwerk von Cahora Bassa) hatte, an den mosambikanischen Staat abzutreten.

Dieser Vertrag ist eher symbolisch, denn schon vor sechs Jahren, am 31. Oktober 2006, hatte Portugal 82% seiner Mehrheitsanteile an Moçambique verkauft.
Somit ist ab dem heutigen Tag das ostafrikanische Land der alleinige Eigentümer des riesigen Cahora Bassa-Staudamms, dem größten seiner Art im südlichen Afrika und einer der größten der Welt.

Mit dem Bau des Cahora Bassa-Staudamms, der in der mosambikanischen Nordwestprovinz Tete liegt und Strom in alle Länder des südlichen Afrika liefert, wurde in der 70er Jahren begonnen, als Moçambique noch ein Teil von Portugiesisch-Ostafrika war.
Zu dieser Zeit war Cahora Bassa, an dessen Bau auch deutsche Firmen wie Siemens, Hochtief, AEG und Telefunken beteiligt waren, zweifelsohne der Stolz portugiesischer Architekturkunst und die größte Investition Portugals im modernen Afrika.

Der Cahora Bassa-Staudamm, oder Cabora Bassa, wie er zu Kolonialzeiten noch hieß, ist nach dem Assuan-Staudamm, dem Volta-Staudamm und dem Kariba-Staudamm der viertgrößte Staudamm Afrikas.

In einer Gebirgsengstelle des Flusses Sambesi (port.: Rio Zambese) errichteten die Portugiesen damals eine 165 Meter hohe Staumauer aus Beton, die danach einen über 250 km langen und 2.800 km² großen See aufstaute.
Das gestaute Wasser des Stausees speist ein Elektrizitätswerk von 2.100 Megawatt, dessen Stromproduktion zum größten Teil an die Nachbarländer Südafrika (port.: África do Sul) und Simbabwe (port.: Zimbabué) verkauft wird.

Aufgrund des Jahrzehnte lang andauernden blutigen Bürgerkrieges, der nach der Unabhängigkeit von Portugal in Moçambique herrschte, konnte Portugal in all den Jahren keinen wirtschaftlichen Nutzen aus Cahora Bassa ziehen.

„Cahora agora é nossa“ (dt.: „Cahora gehört jetzt uns“), sagte Moçambiques Präsident Armando Guebuza sichtlich bewegt, nachdem er seine Unterschrift heute unter den Vertrag gesetzt hatte.
Bleibt nur zu hoffen das Moçambique mit Cahora Bassa mehr Glück haben wird als es uns Portugiesen jemals vergönnt war.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Ursprüngliche Namen portugiesischer Kolonialstädte in Afrika


Vor einiger Zeit hatte ich ein „Streitgespräch“ mit meinen Kollegen Vania und Miguel.
Beide behaupteten sie eisern, das die heutige angolanische Hauptstadt Luanda früher Nova Lisboa (dt.: Neu-Lissabon) hieß.
Ich verneinte dies, und meinte, dass das frühere Nova Lisboa heute Huambo heißt.
Nach einem kurzen Blick ins Internet mussten Vania und Miguel sich schweren Herzens eingestehen, das ich Recht hatte.

Bei der Gelegenheit haben wir dann versucht, den einen oder anderen alten Städtenamen, den wir noch aus dem portugiesischen Geographieunterricht kennen, seine heutige nachkoloniale Bezeichnung zu geben.

So hieß das heutige Luanda z.B., zur Kolonialzeit, São Paulo da Assunção.
Die Hauptstadt von Moçambique, das frühere Lourenço Marques, heißt heute Maputo und die Stadt Vila Salazar, ebenfalls in Moçambique gelegen und wo ein Teil meiner Familie früher lebte, heißt heute Matola.
Das war, im Großen und Ganzen, unser aktueller Wissensstand über die Namen der ehemaligen Kolonialstädte.

Tatsache ist, dass heute nur noch ganz wenige Portugiesen die früheren Namen der Städte in den ehemaligen Überseegebieten in Afrika kennen – außer sie haben in den ehemaligen portugiesischen Kolonialgebieten gelebt.

Anbei nun eine Liste früherer Namen portugiesischer Kolonialstädte in Angola, Moçambique und Guinea-Bissau und wie sie heute nachkolonial heißen:


Angola

• São Paulo da Assunção – Luanda
• Nova Lisboa – Huambo
• São Filipe de Benguela – Benguela
• São Salvador do Congo – M'Banza Kongo
• Serpa Pinto – Menongue
• Silva Porto – Kuito
• Moçâmedes – Namibe
• Sá da Bandeira – Lubango
• Forte República – Massango
• Forte Roçadas – Xangongo
• Vila de Aljustrel – Cangamba
• Ambrisete – N'Zeto
• Andrada – Nzagi
• Arriaga – Bibala
• Asseiceira – Catumbela
• Vila do Buçaco – Camanongue
• Duque de Bragança – Calandula
• Gabela – Amboim
• Gago Coutinho – Lumbala Nguimbo
• General Machado – Camacupa
• Henrique de Carvalho – Saurimo
• João de Almeida – Chibia
• Luso – Luena
• Carmona – Uíje Negage
• Mariano Machado – Ganda
• Neves Ferreira – Cuemba
• Nova Chaves – Muconda
• Nova Gaia – Cambundi-Catembo
• Novo Redondo – Sumbe
• Nova Sintra – Catabola
• Vila da Ponte – Kuvango
• Porto Alexandre – Tômbua
• Pereira d'Eça – N´Giva
• Quilombo dos Dembos – Gonguembo
• Vila Robert Williams – Caála
• Salazar – N'Dalatando
• Vila de Santa Clara – Ombadja
• Vila de Santa Comba Dão – Waku Kungo
• Santo António do Zaire – Soyo
• Vila Teixeira da Silva – Bailundo
• Vila Teixeira de Sousa – Luau
• Veríssimo Sarmento – Camissombo
• Vila Flor – Ekunha
• Vila Nova do Seles – Uku


Guinea-Bissau

• Nova Lamego – Gabú
• Teixeira Pinto – Canchungo


Moçambique

• Lourenço Marques – Maputo
• Cidade de João Belo – Xai-Xai
• Fernão Veloso – Nacala
• Nova Coimbra - Niassa
• António Enes – Angoche
• Cabral – Lichinga
• Coutinho – Ulongué
• Vila de Gouveia – Catandica
• Novo Freixo – Cuamba
• Vila Pery – Chimoio
• Porto Amélia – Pemba
• Vila Salazar – Matola
• Santiago Maior – Tete
• Trigo de Morais – Chókwè

Samstag, 11. Juli 2009

Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums






Portugal sind die kriegerischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges (1939-1945), Gott sei Dank, erspart geblieben. Durch seine Neutralität, schaffte es der Diktator António de Oliveira Salazar, Portugal aus den blutigen Gemetzel Hitlers, Mussolinis und Francos herauszuhalten.

Was Salazar allerdings nicht verhindern konnte, waren die Überseekriege (Guerras do Ultramar) die von 1961 bis 1973 stattfanden und die im Ausland abschätzig Kolonialkriege (Guerras Coloniais) genannt wurden.
Da es offiziell in Portugal keine Kolonien gab, sondern nur Überseeprovinzen, konnte es sich bei diesen kriegerischen Auseinandersetzungen, so die portugiesische Auffassung, auch nicht um Kolonialkriege handeln, sondern um Überseekriege.
Ohne Zweifel sind die Überseekriege, oder Kolonialkriege, wie auch immer man sie nennen mag, das dunkelste Kapitel der neueren portugiesischen Geschichte.

Zu den Überseekriegen muss als erstes angemerkt werden, das Portugal kein Krieg gegen die Bevölkerungen von Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea geführt hat, sondern gegen einzelne Guerillagruppen, die ideologisch vollkommen eine andere Richtung einschlugen als die portugiesische Zentralregierung. Die Mehrheit der Bevölkerungen dieser Überseeprovinzen war mit der portugiesischen Herrschaft und ihrem Verwaltungssystem vollkommen einverstanden!

Während Portugal, seit 1949 ein Gründungsmitglied der NATO, politisch völlig westlich orientiert war, waren die Guerillakrieger, mit denen sich die portugiesischen Truppen rumschlagen mussten, alle kommunistisch-marxistisch eingestellt, und wurden als solche auch von der damaligen Sowjetunion unterstützt.
Da diese Gruppen auch eine Unabhängigkeit von Portugal erreichen wollten, wurden sie paradoxer Weise auch von dem NATO-Partner Portugals, den USA, politisch und militärisch unterstützt, denn die USA wollten auf keinen Fall die afrikanischen Länder dem Einfluss der Sowjets überlassen. Besonders der amerikanische Präsident J.F. Kennedy erwies sich als Verräter an der portugiesich-amerikanischen Politik.

So wurde Portugal gezwungen ab 1961 einen Dreifrontenkrieg in Afrika zu führen.
In Angola gegen die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola = Volksbefreiungsarmee Angolas).
In Moçambique gegen die FRELIMO (Frente da Libertação de Moçambique = Befreiungsfront von Moçambique).
Und in Guinea gegen die PAIGC (Partido Africano da Independencia da Guiné e de Cabo Verde = Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea und Kapverde).

Der Krieg in Angola und Moçambique war alsbald für die Portugiesen entschieden. Denn obwohl es sich bei diesen zwei Überseegebieten um riesige Territorien handelte, so waren es Gebiete der offenen Savannen und mit wenig Bevölkerung, und so leicht militärisch zu bezwingen.
In Portugiesisch Guinea allerdings, hatten die Portugiesen es wesentlich schwerer, da das ganze Territorium hauptsächlich aus dichtem Urwald bestand und die Bevölkerungsdichte sehr hoch war. Guiné wurde, so kann man heute sagen, zu Portugals Vietnam.

Die portugiesische Regierung führte, trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die Politik des „Lusotropicalismo“ weiterhin fort.
Mit Lusotropikalismus war das „Portugiesieren“ der Schwarzafrikaner in den Überseegebieten gemeint.
Den Schwarzen war es demnach gestattet, alle hohen Positionen in Militär, Verwaltung, Schul- und Gesundheitswesen einzunehmen, so wie den Weißen auch. Mischehen waren nicht nur zugelassen, sondern wurden gefördert. Studieren wurde den Schwarzen genauso erlaubt wie den Weißen. Die Portugiesen gründeten in den 60er Jahren zwei staatliche Universitäten in den Überseegebieten, eine in Angola und eine in Moçambique. Zum Vergleich: In Portugal gab es zur selben Zeit nur 4 staatliche Universitäten! Durch den Lusotropikalismus waren die Schwarzafrikaner gleichberechtigte Bürger Portugals.

Die Überseekriege waren, im Nachhinein gesehen, unnötige, blutige, kriegerische Auseinandersetzungen, die mit ein wenig politischem Feingefühl, verhindert hätten werden können. Man hätte z.B. die Überseegebiete in die Unabhängigkeit entlassen können, sie aber an einen losen Staatenbund mit Portugal anbinden können, so wie es das britische Empire mit seinen Kolonien und dem Commonwealth getan hat.
Viele junge portugiesische Soldaten fanden in Afrika den Tod. Ebenso viele Zivilisten, die zwischen die Fronten gerieten. Jede portugiesische Familie hatte mindestens einen Sohn oder einen Vater der in Afrika kämpfte. Viele Familien mussten Gefallene, und später auch Flüchtling beklagen.

Ich selber hatte drei Onkel die in Afrika gekämpft haben und Großtanten und Großonkel, die fluchtartig aus Moçambique fliehen mussten, weil marodierende Guerillagruppen zum Ende des Krieges hin, durch die Straßen der Hauptstadt Lourenço Marques wandalisierten und jeden erschossen, der eine weiße Hautfarbe hatte.

Am traurigsten aber ist es, das Angola, Moçambique und Portugiesisch Guinea nach dem Krieg mit Portugal keinen Frieden gefunden haben. Im Gegenteil!
Nach der Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1975, verwickelten sich diese Länder für Jahrzehnte in blutige, grausame Bürgerkriege, in denen, statistisch gesehen, 30 Mal so viele Schwarze umkamen, als zuvor in den Überseekriegen mit Portugal.

Noch heute hat Portugal mit den negativen Auswirkungen dieser vergangenen Kriege zu kämpfen.

Montag, 22. Juni 2009

Eine Reise quer durch Afrika


Wer mich kennt, weiß dass ich für mein Leben gerne lese.
Vor allem Biographien, Reiseberichte und Erzählungen aus vergangenen Zeiten interessieren mich.

Mit großer Begeisterung lese ich im Augenblick das Buch „De Angola à Contracosta“ (ich würde es mit „Von Angola bis zur Gegenküste“ übersetzen), geschrieben von den Naturforschern Hermenegildo Capelo und Roberto Ivens.

Bei Hermenegildo Capelo, der von 1841 bis 1917 lebte, und bei Roberto Ivens, der von 1850 bis 1898 lebte, handelt es sich um zwei Marineoffiziere der portugiesischen Marine, die in einer abenteuerlichen Expedition, von 1883 bis 1884, den afrikanischen Kontinent von dem Ort Moçamedes in Angola bis zu der Stadt Quelimane in Moçambique, durchforschten und erkundeten.

Im Namen des Königs waren Capelo und Ivens insgesamt 14 Monate unterwegs. Von der afrikanischen Westküste bis zur Ostküste legten sie eine Strecke von über 4500 km zurück. Und von den 124 Männern die am Anfang der Expedition dabei waren, kamen nur 56 am Zielort an. 68 von ihnen fanden unterwegs den Tod.

In ihrem Reisebericht, erzählen sie detailliert von ihren Abenteuern und den vielen wilden Tieren, kriegerischen Naturvölkern und exotischen Pflanzen denen sie in Afrika begegnen.

Ich weiß nicht ob es eine deutsche Übersetzung dieses Reiseberichtes gibt.
Aber wenn ja, dann kann ich jedem nur das lesen dieses Buchs wärmstens ans Herz legen.
Er ist eine Bereicherung für jeden der gerne über fremde Völker und exotische Tiere liest.
Und dieser reale Reisebericht, aus einem vergangenen Jahrhundert, kann es ohne weiteres mit jedem Abenteuerroman von heute aufnehmen.

Meine Großtante Aida


Heute habe ich es endlich mal geschafft meiner Tante im nahen Badeort Costa de Caparica ihre Pralinenschachtel vorbei zu bringen, die ich ihr eigentlich schon an ihrem 90. Geburtstag, vor vier Wochen, hätte geben sollen.
Nur ist mir immer etwas dazwischen gekommen, und ich habe es, typisch portugiesisch, auf die lange Bank hinausgeschoben.
Eigentlich ist sie nicht meine Tante, sondern meine Großtante, denn sie ist die Tante meiner Mutter, und die Schwägerin meiner Großeltern.

Wie gesagt, heute habe ich der alten Dame einen Besuch abgestattet. Und da saß sie nun vor mir, meine Großtante Aida.
(In Deutschland wird man Aida höchstwahrscheinlich nur aus der Oper kennen, aber hier in Portugal ist das ein ganz normaler weiblicher Vorname).
Wie immer, war sie von Kopf bis Fuß, gestylt.
Ich finde meine Großtante Aida unheimlich hip und trotz ihres hohen alters unheimlich modern.

Ich kann es nicht lassen, hier meine Großtante zu loben.
Sie ist eine reiche, freundliche und liebenswerte alte Dame.
Leider ist sie auch etwas schwerhörig, was eine vernünftige Kommunikation sehr schwierig macht, denn wir müssen uns immer regelrecht anbrüllen.
Wie ich schon erwähnt habe, ist sie ein sehr modischer Mensch. Sie zieht sich immer sehr adrett an, und schminkt sich auch stets perfekt, ob sie dann zuhause bleibt oder ausgeht.
Früher, als sie noch besser zu Fuß war, da zog sie sich sogar noch extravaganter an. Ob sie nun zum Eierholen ging oder ins Theater, die Frau war ein modisches Kunstwerk.
Viele Fotos beweisen es.
Früher ging sie auch mehrmals die Woche zum Friseur. Heute besucht sie den Friseursalon, zu ihrem Leidwesen, nur noch einmal die Wochen. Aber genauso wie damals, so lässt sie sich auch heute noch die Haare in Stahlblau oder Altrosa färben. Und sie lässt sich dann so viel Haarspray in die Haare machen, das selbst ein Orkan der Stärke 10 nichts an ihrem Frisurenoutfit ändern könnte.

Es gab mal eine Zeit in ihrem Leben, kurz nachdem sie mit ihrem Ehemann Joaquim aus Portugiesisch-Ostafrika, dem heutigen Moçambique, geflohen war, da traf sie sich jeden Mittag mit ihren Freundinnen, die ebenfalls in Moçambique gelebt hatten, im Café Mexicana, oder in der Pastelaria Versailles um ihren Mittagskaffee zu genießen. Wer schon einmal im Mexicana oder in der Versailles war, weiß von welchem Luxus ich hier rede.
Sie erzählte mir einmal, dass damals ihre einzige Freizeitbeschäftigung darin bestand, die Avenida da Liberdade und die Avenida Guerra Junqueiro entlangzulaufen, um sich bei Armani, Gucci und Versace die Schaufenster anzuschauen.
Natürlich hatte meine Großtante Aida, wie so viele andere die in den Kolonien gelebt hatten, damals kein vernünftiges Verhältnis zum realen Leben. Während viele Portugiesen in den 70er Jahren, nach der Nelkenrevolution, in richtiger Armut lebten, wusste meine Großtante noch nicht einmal dass es Armut und sogar Hunger, in ihrer nächsten Verwandtschaft gab.
Aber heute verzeihe ich ihr diese damalige Ignoranz. Genauso wie ich ihr die übertriebene Menge von penetrantem Parfüm verzeihe, welches sie immer an sich hat, wenn ich sie besuche.

Ich sehe in meiner Großtante eine Frau mit 85 Jahren, die eine Menge Stolz und Würde ausstrahlt. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass man im hohen Alter, auch ohne plastische Chirurgie und falschen Pelzen (sie hat nämlich nur echte Pelze!) noch Stil und Klasse haben kann.
Natürlich ist sie ein Mensch voller Klischees. Aber ich glaube viele Menschen meiner Generation, oder sogar noch jüngere, wir könnten von dieser alten Dame viel lernen: nämlich, das uns ein bisschen Eitelkeit auch recht gut tun würde.
Natürlich sind heutzutage Jeans mit Löchern und ungewaschene Hemden und T-Shirts modisch angesagt.
Auch lange, ungewaschene Haare und Piercings überall im Gesicht sind voll im Trend.
Aber müssen wir wirklich immer jedem Trend nachgeben? Vielleicht würde uns ein bisschen altmodische Eitelkeit allen etwas besser zu Gesicht stehen, oder?!?

In diesem Sinne:
Nachträglich alles Liebe zum Geburtstag Tia Aida!