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Mittwoch, 18. Mai 2011

Namban






Einer der Gründe warum ich diesen Blog schreibe, ist unter anderem das positive Feedback das ich durch viele meiner Leser bekomme.
Wenn dann darunter Leser sind, die interessiert nachhaken und mir Fragen stellen, komme ich gerne dazu, diese bei Gelegenheit zu beantworten.

Vor Tagen erwähnte ich in dem Blogtext „Portugiesisches Japanisch“ vom 12. Mai 2011, den japanischen Nambanstil (port.: arte Namban).
Jetzt wurde ich gefragt, was denn der Nambanstil oder die Nambankunst sei.

Nun, der Nambanstil ist eine japanische Kunstform die sich zwischen 1543, dem Jahr der Entdeckung des Landes durch die Portugiesen, und 1639, der endgültigen Vertreibung der selbigen aus Japan, entwickelt hat.
In dieser Zeit, der endenden Sengoku-Epoche, der Azuchi-Momoyama-Epoeche und der frühen Edo-Epoche, kamen die Japaner durch die Portugiesen, mit vielen, für sie bis dahin unbekannten europäischen Dingen des alltäglichen Gebrauchs, europäischen Nahrungsmitteln und Tieren in Berührung.

Der Name „Namban“ hat seinen Ursprung in dem japanischen Wort „Naban-jin“, was so viel bedeutet wie „Barbaren des Südens“ (port.: bárbaros do sul“.
Mit Barbaren des Südens titulierten die Japaner zuerst die Portugiesen und hinterher alle Europäer.
Die Japaner betrachteten damals ihr Land als das Zentrum der Zivilisation und die anderen Nationen als „barbarisch“.
Mit anderen Worten: für sie war Japan der Nabel der Welt und die anderen Länder und Kulturen nichts weiter als armselige Anhängsel.
Als die ersten Portugiesen japanischen Boden betraten, zumeist Seefahrer die wirklich nur das Mindestmaß an Kultur besaßen, müssen sie damals für die meisten Japaner sprichwörtliche „barbarische“ Manieren gehabt haben.
Und da diese ursprünglich aus dem Süden ins Land gesegelt kamen, gaben ihnen also die Japaner den Namen „südliche Barbaren“.

Sie fanden die Menschen die ihnen da auf einmal begegneten einfach nur primitiv und abstoßend.
So schreibt ein japanischer Schriftsteller in einem zeitgenössischen Bericht aus jener Zeit:
„ …eles comem com os dedos, em vez de utilizarem pauzinhos, assim como nós os usamos. Demonstram todo o típo de sentimentos, sem o minimo auto-contróle. Imagine-se, que eles nem entendem os carácteres da nossa lingua!...”
Was ins Deutsche übersetzt so viel heißt wie:
„… Sie essen mit ihren Fingern anstatt mit Stäbchen, so wie wir sie benutzen. Sie zeigen ihre Gefühle ohne jede Selbstkontrolle. Sie können noch nicht einmal die Bedeutung unserer Schriftzeichen verstehen!...“

Nichtsdestotrotz wussten die Japaner die vielen neuen technischen Errungenschaften der Portugiesen sehr wohl zu schätzen, wie z.B. die auf den militärischen und nautischen Gebieten, des Weiteren die der metallurgischen Verarbeitung und die vielen Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs. Und auch die Verbreitung des Christentums bewirkte einen beträchtlichen Einfluss im japanischen Alltag.
Viele Portugiesen wurden damals von japanischen Feudalherren freundlich aufgenommen, und ihre Fähigkeiten wurden manchmal in solchem Maß belohnt, dass einige von ihnen sogar in den Rang eines Samurai erhoben wurden.

Die Herstellung der aus Europa importierten Dinge des alltäglichen Gebrauchs und die westlichen Einflüsse wurden mit den Jahren von den Japanern perfektioniert und dann mit einem neuen japanischen Design kombiniert.
Die zahlreichen bildlichen Darstellungen, die in dieser Zeit entstanden, definierten damals einen völlig neuen Stil in der japanischen Kunst, eben den Nambanstil.

Dieser fand, mit der endgültigen Vertreibung der Portugiesen im Jahre 1639 und der daraufhin von den japanischen Feudalherren verordneten Abschottung des Landes zum Westen, nach nur knapp 100 Jahren, sein jähes Ende.
Die Japaner fingen nämlich an zu begreifen, dass sie sich einer Unabhängigkeit Japans nur sicher sein konnten, wenn sie die Expansions- und Kolonialpolitik Portugals, das nun seit 1580 in einer unheilvollen Personalunion mit Spanien verbunden war, sofort unterbinden konnten.
Die Abschottung des Landes war also zur Sicherung der Unabhängigkeit Japans gedacht, endete aber gleichzeitig mit einem Kunststil der das japanische Kaiserreich über viele Jahrhunderte hindurch, bis in den heutigen Tag hinein, bereichern sollte.

Es gibt weltweit heute zwei Orte in denen man die Kunst des Namban besonders bewundern kann.
Der erste ist natürlich Japan, hier vor allem in den Museen von Kobe, Tokio, Nagasaki und Osaka.
Und der zweite Ort an dem man einzigartig schöne Namban-Kunst bewundern kann, ist in Portugal, hier vor allem in dem Nationalmuseum für alte Kunst (port.: Museu Nacional de Arte Antiga) und im Museum für Asiatische Kunst (port.: Museu do Oriente), beide in Lissabon gelegen.

Ich kann einen Besuch der beiden Museen nur wärmstens empfehlen!

Dienstag, 10. Mai 2011

Wenceslau de Moraes


Ich bin gerade mit dem lesen des Buches „O Bon Odori em Tokoshima“ (dt.: „Das Totenfest von Tokushima“), einem Werk von Wenceslau de Moraes, welches ich vor gut einer Woche angefangen habe zu lesen, fertig geworden.

Ehrlich gesagt, waren mir bis dato die Werke von Wenceslau de Moraes völlig unbekannt.
Als ich das einer Freundin gestand, musste die mir beichten, dass ihr alleine ein gewisser Wenceslau de Moraes schon überhaupt kein Begriff war, geschweige denn seine Werke!

Nun, so arg ist es um meinen Wissensstand über Wenceslau de Moraes nicht bestellt, aber ich muss gestehen, das ich erst durch das lesen eines seiner Bücher, mehr über den Mann erfahren habe, der so viel Liebe und Sympathie für den asiatischen Kontinent hegte, hier vor allen Dingen für Japan, und der zu den wichtigsten portugiesischen Schriftsteller des anfangenden 20. Jahrhunderts zählt.

Wenceslau de Moraes wird am 30. Mai 1854, als Wenceslaus José de Sousa Moraes, Sohn von Maria Amélia Figueiredo Moraes und Wenceslaus de Moraes, in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon geboren.

Er machte 1875, an der Lissabonner Marineschule (port.: Escola Naval de Lisboa), im Alter von nur 21 Jahren, seinen Offiziersabschluss, und dient daraufhin als Marineoffizier auf verschiedenen Kriegsschiffen der portugiesischen Kriegsmarine, die ihn nach Moçambique, Timor, Japan und schließlich 1885 auch nach Macau bringen.

Hier in Macau lässt er sich 1891, als ihn die portugiesische Kolonialverwaltung den Posten eines Hafenhauptmannes anbietet, auch nieder.
1893 wird er sogar Lehrer an der renommierten São José Oberschule (port.: Colégio de São José) in Macau.

Wenig später ehelicht er die Chinesin Wong Yog Chan und gemeinsam haben sie zwei Söhne.

Er freundet sich in Macau mit dem Schriftsteller Camilo Pessanha an, der ihn dazu animiert, seine schriftstellerische Kariere zu beginnen.
„Traços do Extremo Oriente - Sião, China e Japão“ wird 1895 sein erstes literarisches Werk.
Bis 1897 bereist er mehrere male Japan; ein Land dessen Menschen und Kultur es ihm angetan haben.
1897 erscheint auch sein Hauptwerk „Dai Nippon“ (dt.: „Das große Japan“), zu dessen Lesern auch der japanische Kaiser Meiji zählt, wie dieser ihm auch persönlich gesteht, als er ihn und den portugiesische Gouverneur von Macau 1898 empfängt.
1899 ernennt ihn der portugiesische König D. Carlos zum Konsul des Königreiches Portugal im japanischen Kobe und Osaka.

Der Umzug als Diplomat nach Japan fällt ihm nicht schwer, da er schon seit Jahren von seiner chinesischen Frau Wong Yog Chan und den gemeinsamen Söhnen getrennt lebt.

In Kobe kaum angekommen, beschließt er die japanische Geisha O-Yone Fukemoto, die er auf einer seiner Reisen durch das Land des Lächelns Jahre zuvor kennen gelernt hat, zu ehelichen.
Im Gegensatz zu seiner chinesischen Frau, mit der er eine Ehe voller Anspannungen führt, kommt er mit seiner japanischen Gattin wunderbar zu recht.

1904 erscheinen seine „Cartas do Japão“ (dt.: „Briefe aus Japan“), im Jahr darauf das Buch „O culto do chá“ (dt.: „Die Teekultur“) und 1907 das Werk „A vida japonesa“ (dt.: „Der japanische Alltag“).

Seine Ehefrau O-Yone Fukemoto verstirbt plötzlich am 20. August 1912 an einem Herzinfarkt.
Der Tod seiner zweiten Frau nimmt ihn so sehr mit, das er ein knappes Jahr nach ihrem Tod, am 10. Juni 1913 vom Konsulposten in Kobe und Osaka zurücktritt.

Er zieht nach Tokoshima, einer damaligen Kleinstadt in der gleichnamigen Präfektur, auf die Insel Shikoku, wo seine geliebte Ehefrau, die Geisha O-Yone Fukemoto, ursprünglich herkam, und wo auf ihrem Wunsch hin, ihre Asche, nach ihrem Tod, verstreut werden sollte.

1916 erscheint sein Buch „O Bon Odori em Tokoshima“ (dt.: „Das Totenfest von Tokushima“), das erste Werk das er nach dem Tod seiner geliebten Frau schreibt.
In den drauffolgenden Jahren erscheinen, unter anderem, noch die Werke „Ko-Haru“, „Relance da história do Japão“, „Os serões no Japão“ und „Relance da alma japonesa“.

Die Stadt Tokoshima und ihre Umgebung werden zur großen Inspiration der schriftstellerischen Werke von Wenceslau de Moraes, die sowohl in der portugiesischen als auch japanischen Literatur ihres gleichen suchen.
Hier in Tokoshima verstirbt Wenceslau de Moraes, unter bis heute völlig ungeklärten Umständen, plötzlich und unerwartet, am 01. Juli des Jahres 1929.

Das einzige was von ihm geblieben ist, sind seine detailgetreuen und für die damalige Zeit einzigartigen Beobachtungen und Erklärungen der asiatischen Kultur.
Ich freue mich auf das Lesen des nächsten Werkes von Wenceslau de Moraes.